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Der längste Fluss der Erde – der Nil, begrenzt vom schmalen Streifen fruchtbarer Erde im Niltal welches fast unmittelbar in Wüste – die Sahara übergeht; Land mit erhabener Bergwelt – dem Sinai und fruchtbaren Oasen zwischen zwei Meeren – dem Mittelmeer und dem Roten Meer; … Schauplatz dieser Reise und Ausgangspunkt für grandiose, fast unvorstellbare, unfassbare Zeugnisse jahrtausendealter Menschheitsentwicklung, die auf einer außergewöhnlichen Wahrnehmung dieser Landschaften begründen.
Die archaische, einsame, mythische Natur der Wüste in Nähe des lebenspendenden Flusses als landschaftliche Grundlage und Ausgangspunkt altpharaonischer Baudenkmäler und Tempel.
Das fruchtbare Niltal als religiöse Heimat und Versorgungsgrundlage.
Erhabene Berglandschaften auf dem Sinai als religiöse Rückzugsorte.
Technische Errungenschaften unserer Zeit mit tiefgreifenden landschaftlichen Veränderungen samt Auswirkungen auf Natur, Wüste, Seen und Kulturdenkmäler.
Kairo
27.03.2009
…02.45 Uhr morgens ägyptischer Zeit … angekommen! … nach einem (gefühlt) langem, aber an sich kurzweilig vergangenem Tag hat alle Vorfreude endlich ein Ende und ich sitze auf meinem Bett im „Mena Oberoi House“ in Kairo … seit 1½ Jahren habe ich mich darauf gefreut, dieses Hotel wieder zu erleben; die letzten Vorfreudewochen wurden manchmal fast zu intensiv … jetzt bin ich, sind wir hier … diesmal in Zimmern im alten Palace … die Zimmer scheinen etwas kleiner zu sein, gewöhnlicher … aber das täuscht vielleicht angesichts der vorherig so gestiegenen Erwartungshaltung … eines ist jedoch außergewöhnlich beeindruckend: die üppig dekorierten und eingerichteten, jeden Tag mit neuem opulenten Blumenschmuck versehenen Gänge, Aufzüge, Räume und Ecken in diesem Palast … die Ausstattung der Zimmer ist – bis auf mittlerweile doch überholungsbedürftige Badezimmer aus den siebziger Jahren – dem Ruf des Hotels angemessen, beim Bettzeug auf dem wieder so mondän hohen üppigen Bett wiederum gar opulent (mir war gar nicht klar, was man bei Bettwäsche alles beachten kann … darüber informiert mich ja nun der Hinweisaufsteller auf dem Nachttisch); in der Matratze versinke ich gerade und eine Menge prall-weicher Kissen schmiegen sich an meinen Rücken … im voreingestellten TV läuft ganz sanfte Instrumentalmusik, Bilder von Ägypten … schöner aber noch: die alten Bilder von diesem Hotel werden eingeblendet – Historie, in der ich jetzt gerade mittendrin bin … dann wieder aktuelle Bilder des Hauses, ich komme an im Wohlfühlen…

… oje, die Müdigkeit nach diesem von Vorfreude und Ankommen erfüllten Tag überwältigt mich langsam, die Gedanken und das Geschriebene rutschen weg, ich werde mich den weichen Kissen und der Vorfreude auf den kommenden Tag übergeben…
Kairo
27.03.2009
nächster Morgen:
… erwartungsfroh am frühen Morgen aufgewacht, zum Balkon gestürzt: … kühle, morgenfrische … und – bildete ich mir zumindest ein – ganz sanfte Luft …Urlaubsgefühle … Erwartungswohlwollen … nochmal ins Bett (dieses weiche, bequeme, üppige Luxusbett) gekuschelt … irgendwann mit den allmorgendlichen „Ritualen“ begonnen (… und ich verschreib mich dauernd … zu viele Gedanken & Empfindungen, zu viel gleichzeitig wollen, nichts auslassen …)
… was denken meine Reisebegleiter eigentlich, wenn sie zu den verabredeten Zeiten aus ihrem Zimmer kommen und mich hier am Ende des langen, sehr stillen Hotelflures – nur manchmal dringen gedämpfte Gesprächsreste aus den Zimmern – auf dem altertümlichen, thronartigen Holz-Polster-Stuhl schreibend sitzen sehen…
… Frühstück gibt es im feudalen aber gemütlichen, grünledergepolsterten Hauptrestaurant des Hotels hinter einer, über ein gesamte Seitenlänge reichenden Glasfront, deren orientalischer, mit altehrwürdiger Patina überhauchter Holzperlen-Vorhang uns den Blick auf die scheinbar fast unmittelbar davor befindlichen Pyramiden von Gizeh eröffnet … eine Glasfront, durch deren Fenster jetzt auch die Sonne ohne Ablenkung durch erfrischende Winde auf uns herabstrahlt…
Kairo
27./28.03.2009
Mitternacht
… wir hatten einen wunderbaren, entspannten und dennoch erlebnisreichen Urlaubstag mit ganz besonderen Momenten mitten in der wuseligen, lärmenden, manchmal schmutzigen, manchmal wunderschönen, menschenvollen, scheinbar vor einem Verkehrskollaps stehenden, anstrengenden, vielfältigen, von Kulturdenkmälern und menschheitsgeschichtlichen Bedeutsamkeiten durchzogenen – kurz in jeglicher Hinsicht überwältigenden – aus der Wüste in Jahrhunderten emporgewachsenen Millionen-Weltstadt am Nil, in Kairo, dessen Einwohnerzahl bis heute nur auf Schätzungen beruht…
… es zog insbesondere mich in eine Sammlung impressionistischer Künstler im ehemaligen Wohnhaus eines ägyptischen Politikers, dessen weiße Villa inmitten verschwenderischer grüner Gartenpracht wie eine Ruheoase von Hochhäusern umringt mitten im quirligen Kairo liegt…
… solange hatte ich schon keine Kunstausstellung mehr besucht und für Touristen in Kairo ist die eher zeitgenössische Kunst dieser Ausstellung sicher nicht typischerweise der erste Anlaufpunkt, doch hatten wir zwei Jahre zuvor all die Besucherhöhepunkte bereits „absolviert“ und uns zog nichts mehr in das Gewimmel von Menschen und angehäuften Ausstellungsstücken im „ägyptischen Museum“ oder in die Zitadelle samt Moschee…
… jetzt jedoch, inmitten dieser ruhigen Villa in der wir die einzigen Gäste waren, begannen wir, uns mit den Bildern und Künstlern zu beschäftigen und die Atmosphäre zu genießen...
… Wahrnehmungen werden geweitet, der Geist kommt in der Betrachtung zur Ruhe…
… anschließend brachen wir zu einem Café irgendwo in Kairo auf, von dem der Taxifahrer annahm, das es dort die Möglichkeit gäbe, die urlaubsbeliebte Wasserpfeife zu rauchen … das bei Einheimischen und Touristen sehr bekannte Lokal mitten in der Stadt entpuppte sich schließlich als pittoreskes Restaurant „Felfela“, in dem es zwar keine Wasserpfeife gab, welches aber (wie wir beim Nachlesen am Abend herausfanden) zu Recht als Tipp in den meisten Reiseführern aufgeführt ist … wir nutzten die Möglichkeit für ein frühes, im Vergleich mit den Hotelpreisen preiswertes Abendessen und schlemmten uns buchstäblich durch das Speisenangebot … ich konnte endlich ägyptische Speisen“ probieren – das ägyptische Gericht der über lange Stunden gekochten „Saubohnen“, in einer öligen Sauce serviert und mit einem Spiegelei überdeckt war speziell und ungewohnt … die Atmosphäre des Restaurants wirkte dennoch und verleitete uns zum Bleiben; solange, das schließlich gar der Taxifahrer schauen kam, ob wir noch da wären … und so fanden wir einen weiteren unerwarteten Glücksgriff in den Planungen unseres Urlaubstages…
… jetzt noch sechs kurze Stündchen Schlaf, bevor es morgen zu den Pyramiden geht, die sich im Moment in erahnenswerter Nähe meines Hotelzimmers befinden…
… nein, da schleicht sich noch ein Gedanke durch den Kopf, der fordert, festgehalten zu werden: „aus dem aktiv Erlebten, nicht aus den Ruhemomenten speisen sich die beständigsten Erinnerungen…“
Kairo
28.03.2009
06.20 Uhr morgens
…ca. 01.00 Uhr ins Bett, mitten in der Nacht noch Gedanken an den ersten Urlaubstag festgehalten … jetzt bin ich müde und finde wach sein mal wieder überhaupt nicht, aber auch überhaupt nicht erstrebenswert… aber die Pyramiden sollte man frühmorgens in Angriff nehmen – zum einen weiß man nie, wie groß der Andrang an den Ticketschaltern sein wird und – auch wenn ich durch die Regelungen nie ganz durchblicke – es gibt Zugangsbegrenzungen für den Zugang zur großen Pyramide, deren Inneres ich entgegen allen Reiseführerempfehlungen unbedingt meinem Reisebegleiter zeigen will…
Kairo
29.03.2009
03.00 Uhr morgens
kurz nach 23 Uhr des vergangenen Abends übermannte uns drei die Müdigkeit und wir mussten unserer „Kairo-Erlebens-Erschöpfung“ endgültig nachgeben – nach einem erneut wunderbaren, von neuen (& alten) Entdeckungen geprägten Tag … ich habe auch gar nicht mehr versucht, die Ereignisse des Tages noch schriftlich festzuhalten, sondern bin sofort ins Bett gefallen – nach einigen Stunden Schlaf bietet die Ruhe der Nacht nun die Möglichkeit, sich an den zurückliegenden Urlaubstag zu erinnern:
Was also haben wir am 28.03.2009 in Kairo erlebt? … nach einem frühen, wiederum opulenten Frühstück waren wir pünktlich mit Öffnung der Pyramidenstraße seitwärts des Hotels entlang dorthin unterwegs … es wimmelte bereits vor Menschen … die überzogene Genervtheit und Unfreundlichkeit der Ticketverkäufer inmitten der trubeligen Menschenmassen und fordernden Touristenführer brachte einige zusätzliche Verwirrungen mit sich, doch schließlich war es geschafft und ich endlich mit meinem Reisebegleiter in der großen Pyramide…
…es war voll im Pyramideninneren, die scheinbar anwachsende Zahl asiatischer Touristen einmal mehr etwas anstrengend und so ging ein Großteil der Faszination dieses Ortes im Gewühl und fehlender Rücksichtnahme anderer Menschen verloren; mir fehlte etwas die bei früheren Besuchen vorhandene Möglichkeit der Selbstreflektion; zwischenzeitlich war der sehr enge Aufgang gar „verstopft“ und wir mussten tiefgebeugt innerhalb des Durchganges zum (unspektakulären) Sarkophag unter einem riesigen Steinquader ausharren, was auch bald anfing, ungemütlich zu werden…
… und dennoch ist das Innere der großen Pyramide von Gizeh einer der atemberaubendsten (aufgrund der Sauerstoffknappheit in den engen, steinbegrenzten Gängen buchstäblich und natürlich auch im übertragenen Sinne), großartigsten Orte die ich kenne (… und mir ist bewusst, das ich bei früheren Besuchen sehr viel Glück hatte, diesen Ort anders wahrnehmen und wirken lassen zu können)…
… schließlich ging es weiter über das Pyramidenplateau hinweg hinein ins vergleichsweise sehr kleine Grab der Mutter des Pharaos der ersten, der großen Pyramide von Gizeh - Cheops, wo wir uns wiederum dem Eigensinn und fehlender Selbsteinschätzung anderer Touristen ausgesetzt sahen, die mit den engen Stiegen, Gängen, Klettereien ins Grab hinunter und hinaus nicht klarkamen – aber auch hier kann offensichtlich nichts meine Begeisterung für diese Orte zerstören und es bereitete wie bereits bei unserem Besuch in anderen Pyramiden vor zwei Jahren eine eigenwillige Freude, gemeinsam die engen Gänge in gebückter, anstrengender Haltung hinauf und hinab zu erklimmen, sich dabei über die Sonderlichkeiten anderer Touristen zu wundern und sich gegenseitig auf verschiedene Besonderheiten der Grabanlagen hinzuweisen…
… wir wanderten fern sämtlicher anderer Touristen weiter an den Grab- und Tempelanlagen des Pyramidenkomplexes vorbei … bis wir vom Pyramidenplateau sogar aus ungewohnter Perspektive einen Blick auf den Sphinx, Wächter vor den Anlagen der mittleren, der Chephren-Pyramide, werfen konnten…
… Zeit der Ruhe, des Entdeckens, unbelasteten Umherstreifens auf dem sich einst in unberührter Wüste befindlichen Pyramidenplateau … was für unglaubliche Momente, die ihre Besonderheiten erst vollends in erinnernder Betrachtung entfalten – hinter uns den Trubel rund um die Pyramiden zurücklassend…
… und endlich ging es ins Bootsmuseum zur Sonnenbarke von Pharao Cheops – dieses Museum wirkt so unscheinbar hinter der mittleren Pyramide, das ich bei einigen Besuchen zuvor nie die Notwendigkeit gesehen hatte, hineinzugehen – bis zu meinem Besuch bei den Pyramiden vor 1 ½ Jahren, als ich auf der „Flucht“ vor den „Touristenhäschern“, wie ich die Abzocker, die unbedingt Geld von den Touristen erhaschen wollen, nenne; förmlich in dieses Museum hineinrannte und einer unglaublichen Faszination erlag: …das darin ausgestellte 5.000 Jahre alte, unfassbar große Holzboot von Pharao Cheops ist auch bei wiederholter Betrachtung in seiner Größe und immer noch scheinbar vorhandenen Funktionalität unglaublich beeindruckend – fast meint man, das Boot noch zu Wasser lassen zu können … man gerät unweigerlich in Betrachtungen, wie die Menschen sich vor so langer Zeit auf diesem Boot bewegten, darauf arbeiteten, es vorantrieben – Gedanken darüber, wie das Boot, die Gesellschaft und ihre Interaktionen; wie das Leben in pharaonischer Zeit funktioniert haben könnte…
Von diesem historischen Ort bewegten wir uns nunmehr in der zeitlichen Einordnung voran hinein nach Alt-Kairo, dem Viertel der koptischen Christen, welches das geschichtliche Bindeglied zwischen der pharaonischen und der islamischen Zeit darstellt:
… nachdem das Taxi uns in einer sehr einheimischen Gegend scheinbar fern aller touristischen Einflüsse abgesetzt hatte, scheute ich in dieser gar so fremd wirkenden Umgebung fast davor, auszusteigen und in die vom Taxifahrer gezeigte Richtung aufzubrechen – da ich dies jedoch unmöglich vor meinen Reisebegleitern zugeben konnte, mir auch Ideen für Alternativbesichtigungsprogramme fehlten, stieg ich dennoch aus … und …
… wir landeten in einer anderen, Jahrhunderte zurückliegenden, von Frieden und Ruhe durchzogenen, scheinbar völlig in sich geschlossenen Welt, die die quirlige Großstadt, durch die wir soeben mit dem Taxi bis hierher gekommen waren, weit hinter sich zurückließ…
… wir befanden uns an einem unfassbar friedlichen, sauberen Ort dessen erhabene Ausstrahlung uns und die anderen Menschen direkt beeinflusste, Frieden gab, so dass wir ungestört durch die uralten, gut erhaltenen oder auch liebevoll restaurierten Gassen vorbei an jahrhundertealten Kirchen und Synagogen schlendern konnten; niemand redete uns an, niemand versuchte uns etwas zu verkaufen, es wurden nirgendwo Eintrittsgelder oder das sonst unumgängliche Bakschisch verlangt … und so genossen wir die Ruhe, nahmen Platz in einem kleinen, verträumten Cafe unter alten Bäumen im Schatten einer uralten, hochaufragenden Kirche; besichtigten Kirchen aus dem ersten Jahrtausend unserer Zeit mit unglaublich alten, fast kindlich gemalt anmutenden Ikonen aus dieser Zeit, wunderschönen Holz-Stuck- & Intarsienarbeiten…
… schließlich gelangten wir über eine alte Basarstraße in die Krypta einer alten Kirche … und bis heute weiß ich nicht, ob ich meiner Erinnerung und/ oder meinen Englisch-Kenntnissen über den Weg trauen soll, denn ich meine, ein Hinweisschild gelesen zu haben, welches die Besucher darüber informierte, das erzählt wird, das die „heilige Familie“ sich „auf der Flucht?“ (ich habe wirklich zu wenig Ahnung davon) eine Zeit lang in dieser Krypta aufgehalten haben soll … egal, ob wahr oder nicht – unfassbar, an einem Ort zu sein, der so alt ist und auch so wirkt, das er für derartige Geschichten – Wahrheit oder Legende – überhaupt in Frage kommt…
… anschließend saßen wir einige Momente in einer alten Synagoge, die nicht mehr genutzt wird, da es derzeit keine offizielle jüdische Gemeinde in Kairo gibt; eine Synagoge, die ihrerseits ebenfalls ein unglaublicher Ort inmitten all der Religionsverwirrungen unserer und früherer Zeiten ist, da dieser Ort einst eine koptische Kirche war und „erst“ im 12.Jahrhundert in eine Synagoge umgewidmet worden war …
… Stunden später, in denen die Zeit vergangen war, ohne das wir es bemerkt hatten; in denen wir vollends in der Atmosphäre weit in der Zeit zurückreichender, gelebter Menschheits- und Religionsgeschichte, die immer noch lebendig scheint an diesem Ort, eintauchten, begaben wir uns zurück ins Kairo der Gegenwart hin zum großen Basar der Stadt …
…dieser Basar-Besuch im Zentrum der Stadt riss uns unvermittelt und unmittelbar in die Gegenwart des Molochs Kairo zurück; wie konnte ich den Krach, die Aufdringlichkeit, den Nepp, die einander übertönenden Kellner der Cafes am Rande des Basar, die unvorstellbare Autoblechkolonne auf dem Weg dorthin; wie konnte ich den unbeschreiblichen und unfassbaren Menschentrubel rund um den zentralen Basar von Kairo, den Khan-el-Khalili-Basar vergessen haben…
… überfordert vom Krach und der Menschenmenge ließen wir uns vom „anwerbenden“ Geschrei eines der einander überschreienden Kellners „einfangen“; tranken mehr gezwungen als gemütlich eine Cola bzw. Tee und mich plagte unentwegt der Gedanke „ich muss hier weg … zu viel; zu viel Menschen, zu viel Gewimmel, zu viel Geschrei…“ – nach einer Weile war ich zumindest soweit „angekommen“, das der Fluchtreflex nachließ und wir das Gewimmel beobachtend wahrnehmen konnten, ich sogar eine Wasserpfeife rauchen konnte und darüber nachdenken konnte, das auch dieser Eindruck ein zwar bizarrer, aber zur Vervollständigung unseres Bildes von dieser Stadt wohl auch interessanter Punkt in unserem gemeinsamen, mittlerweile sehr buntem, abwechslungsreichen Kairo-Erinnerungs-Kaleidoskop sein würde…
… eine weitere Skurrilität dieses an Erlebnissen reichen Tages wartete noch auf uns im Hotel: wir hatten Plätze für das Abendessen im hoteleigenen, laut Reiseführer besten indischen Restaurant außerhalb Indiens reserviert und stießen inmitten des fremdartigen Ägypten auf die noch fremdere indische Küche … die Speisen und deren Bestellung hielten besondere Herausforderungen bereit, da es nahezu unmöglich war, alle englischen Begriffe der Speisekarte für meine Reisebegleiter zu übersetzen, so das ich manchmal nur wild raten konnte, was wir da jetzt wohl bestellten; dies alles untermalt von ungewohnt klingender, dem Vernehmen nach original indischer Musik …
04.20 Uhr … der Tag bricht wohl an … die Moscheen erklingen … viele Moscheen, vielstimmig
Kairo
29.03.2009
… im Moment, es ist Nachmittag, bereiten wir uns in entspannter Urlaubsaufbruchsstimmung auf das Verlassen des „Mena Oberoi Hotel“ vor – um 18.15 Uhr werden wir zum Bahnhof aufbrechen, um mit dem Touristen-Nachtzug um 20.00 Uhr nach Assuan zu fahren, wo wir voraussichtlich um 9 Uhr am kommenden Morgen eintreffen werden – von dort geht es weiter ins Grenzgebiet zwischen Ägypten und Sudan, dem Nassersee…
… jetzt jedoch werden wir in diesem 150 Jahre alten, ehemals englischem Luxushotel am Fuße der Pyramiden noch „Englisch-Fünf-Uhr-Tee“ probieren: … nun ja, entweder sind die Erwartungen mittlerweile immens hoch oder es bleibt festzustellen, das die Häppchen – ob süß in Form von Küchlein oder herzhaft in Form von Schnittchen - sowie das (vermutlich teilweise eingebildete) Ambiente des „Five-O´Clock-Tea“ ganz nett waren … aber, es ist und bleibt normaler Tee mit Snacks (um es ganz bieder auszudrücken) … und zugegebenermaßen, ich hätte auf die merkwürdigen Gurkensandwiches verzichten und mir ebenfalls eine von diesen irrsinnig lecker aussehenden, sehr üppigen Erdbeerkuchentortenstücken gönnen sollen … – und so ist auch dieser traditionelle, von uns „germanischen Barbaren“ sicher nicht genug geschätzte englische Brauch des Nachmittagstees eine weitere, leicht skurrile Urlaubsbesonderheit unseres diesmaligen Aufenthaltes…
… wir sind gerade durch das abendliche Verkehrsgewimmel im Kleinbus zum Bahnhof unterwegs … wieder ist der Trubel auf der Straße überwältigend … unfassbar, das dieses Verkehrschaos scheinbar dennoch funktioniert…
... nun, inmitten des Menschengewimmel auf dem Bahnsteig warten wir auf dem Zug … es ist ganz gut, das ein Begleiter der Reiseagentur bis zur Abfahrt bei uns bleibt…
… der Zug ist unterwegs, wir sind drin – die Abteile sind sehr einfach, abgewohnt, aber sauber; sie entsprechen der ägyptischen 1.Klasse-Kategorie, die erwartungsgemäß in keinerlei Hinsicht mit unseren europäischen Standards verglichen werden kann, doch man kann sich problemlos darin einrichten und eine nächtliche Zugreise durch Ägypten zwischen zwei Urlaubsaufenthaltsorten ist für mich mittlerweile eine erstrebenswerte, relaxt-bequeme Alternative zu Inlandsflügen am sehr frühen Morgen oder den enervierenden Bus-Konvois quer durchs Land…
… vorweggenommen sei, dass wir alle drei recht gut schlafen werden – der leise ruckelnde Zug, das beruhigende, stetige Rattern der Schienen – ein behagliches Gefühl entsteht; des Nachts, wenn der Zug hin und wieder anhält, die Ausschau aus den Fenstern in ein fremdes Land…
… im Moment jedoch genießen wir noch die gemeinsamen Stunden des Wachseins, wir erzählen einander mal wieder von früheren gemeinsamen Erlebnissen, schmieden Pläne für weitere Abenteuer, wir entwickeln Träume, Wünsche und neue Urlaubsphantasien, die meist am nächsten Morgen zerfließen, aber jetzt gerade sind wir noch mittendrin im gemeinsamen Wohlfühlen…
… schließlich aber freue ich mich darauf, in der Dunkelheit der Nacht im sanft schaukelnden, sachte dahin rollenden Zug die Gedanken noch etwas schweifen zu lassen, das „Kopfkino“ einzuschalten und mich über den vergangenen Tag und die Urlaubstage davor in Kairo zu freuen (… mir fällt ein, das ich das Notizbuch für diesen Urlaub im Übrigen vor genau zwei Jahren während unseres damaligen Kairo-Aufenthaltes geschenkt bekam … so findet eins zum anderen…)
Zug nach Assuan
30.03.2009
07.30 Uhr
… die im Zug von Kairo nach Assuan verbrachte Nacht ist vorbei, Bewegung auf dem Flur vor dem Abteil … wie ich soeben noch darüber nachdachte, den Frieden, die Ruhe zu genießen, beginnen im Nachbarabteil erste Bewegungen und Diskussionen … ich werd mich einfach noch ganz still verhalten und den Frieden, auch der Gedanken, ohne in erste Gute-Morgen-Fragen u.ä. eingesponnen zu werden, genießen…
… momentan gleiten vor dem Zugfenster tiefgrüne, menschenleere Landschaften entlang der Nilniederungen vorbei, Palmen und Ackerbau sind zu sehen – Szenen wie diese, die sich in dieser Gegend entlang des Flusses vermutlich seit tausenden von Jahren wiederholen, habe ich schon verschiedene Male zuvor in diesem Land wahrgenommen und werde immer wieder davon gefangen genommen … soeben habe ich zwei Männer in traditioneller Kleidung mit einem Ochsengespann samt zweier ihn voranziehender Ochsen gesehen … diese Bilder, diese Landschaften strahlen immer wieder einen ganz tiefen Frieden auf mich aus, so dass ich mein Notizbuch weglegen und gucken werde, mit dem Genießen des heutigen Tages anfangen werde…
Nassersee
MS Nubian Sea
selber Tag
… Ruhe, keinerlei Straßenlärm; frischer, belebender Wind; fremdländische Laute am Nebentisch … auf dem Freideck der „MS Nubian Sea“ warten wir auf unsere Kabinenschlüssel…
… vom Bahnhof wurden wir von einem Reiseleiter samt Fahrer nach einem wiederum annehmbaren Frühstück im Zug – einfach und abgepackt, ebenso wie im Flieger mag ich dieses „Reise-Essen“ - abgeholt und zu einer Kontroll- bzw. Grenzübergangsstelle in Nähe des Sees, dessen Fähren bis in den Sudan führen, gebracht; wo wir inmitten einer Menge Menschen und Autos ungestört darauf warteten, zum See durchgelassen zu werden…
… schließlich waren wir am Nassersee, an dessen Schiffsanlegebereich vier Schiffe verschiedener Größe, die den Nilschiffen jedoch sehr ähnlich sehen, ankerten … recht bald erfuhren wir, dass von den vier Schiffen nur zwei unterwegs sein würden … wie wir im Laufe der nächsten Tage während unserer Reise über den Nassersee und zurück erfahren werden, ist die damit einhergehende geringe Touristenzahl in der Ruhe und Beschaulichkeit des inmitten einer kargen, archaischen Wüstenlandschaft liegenden Sees ein zusätzliches Urlaubs“geschenk“… konnte man so doch die nächtliche Ruhe auf dem See, auf dem des Nachts geankert wurde und des fern der Zivilisation auf uns herableuchtenden Sternenhimmel genießen; teilte sich die Tempelruinen rund um den See mit nur wenigen Anderen…
…und so war alles genau richtig; unser Schiff nicht voller Menschen sondern mit genau der richtigen Anzahl für´s Wohl- aber nicht Alleinfühlen; die Reiseführer verteilten sich auf Kleinstgruppen; wobei wir froh waren, das wir wenigstens eine Gruppe aus sechs Personen waren, da die ungeteilte Aufmerksamkeit eines Reiseführers auf eine noch kleinere Gruppe an den Sehenswürdigkeiten und angesichts der stets über den Besuchern ausgeschütteten Informationsfülle ägyptischer Geschichte wohl doch recht anstrengend sein kann…
…gerade, noch während des Wartens auf´s Einchecken; meine Beiden sind auf Schiffserkundungstour; deutsche Laute am Nachbartisch gehört … und ich ertappe mich beim Gedanken, dass ich auch die nächsten Urlaubstage gut und gerne frei von Fremdkontakten, ohne die Mühe, auf Andere außerhalb unserer kleinen Reisegruppe einzugehen, verbringen könnte … im Laufe der wenigen Tage auf dem Schiff werden wenigstens meine Reisebegleiter ein nettes anderes Pärchen für das eine oder andere freundliche Gespräch kennenlernen, während ich mich dem meist entziehen kann, so dass auch dieses unterschiedliche Wohlfühlen ungestört und vorhanden ist…
… ich ertappe mich weiter dabei, das mit all dem Frieden, der Ruhe, den frei schweifenden Gedanken eine Art wohlige Geistesträgheit über mich kommt, die ab und an eben auch das Bedürfnis nach einem gewissen Kommunikationsrückzug mit sich bringt … mal sehen, wie lange das akzeptiert ist und wird…
… unser Reiseleiter für die Tage auf und um den Nassersee, den wir mittlerweile kennengelernt haben, brachte mir ein weiteres ägyptisch-arabisches Wort bei – beim Niederschreiben Monate später merke ich, das ich es zwar vergessen hatte, mir jedoch die Aussprache beim ersten Blick, der auf dieses Wort fiel, sofort wieder geläufig war – ein Wort, bei dem ich sofort dachte „warum hat mir dieses Wort denn bloß früher noch keiner verraten“, da es hilfreich sein könnte gegen allzu aufdringliche Touristenhäscher (wenn ich mich da bloß an frühere Besuche erinnere) … also, es lautet „chalass“ und bedeutet „fertig, gib Ruhe, Ende, aus…“ – für Touristen in Ägypten, die sich auch mal außerhalb einer Gruppe bewegen, ein ganz wunderbares Wort … Wie es ausgesprochen wird? Nun ja, ich habe mich schon immer schwer damit getan, Aussprache einer anderen, vor allem einer arabischen Sprache zu erläutern – „ch“ als scharfer Rachenkrächzlaut und ab da rollt das Wort schnell und gezischt von der Zunge … mir scheint es beim Niederschreiben gerade so, als sei das sogar eine ganz wunderbare Ausspracheerläuterung…
… einige Zeit später … Oberdeck, sog. Sonnendeck, auf dem Schiff, fauler Nachmittag unterm Sonnenschirm … an sich nett, aber mich nervt gerade die Schiffsmusik, die eine Fliege um mich herum und die Menschheit; sei es das Gemurmel Fremder im Hintergrund oder das angeredet werden durch meine Reisebegleiter; egal wie konzentriert ich schreibe – dem entgehe ich nie …
… da die Besichtigungen in den Tempelruinen der Wüstenlandschaft am Rande des Nassersees erst morgen beginnen, verbringen wir einen ganz, ganz faulen, entspannten Tag auf dem vor Anker liegenden Schiff … ein Tag, der Ruhe vermittelt, Ruhe über uns bringt … kein „noch sehen und erleben müssen bzw. wollen“…
… ein friedlicher Urlaubstag geht zu Ende, dessen größte Herausforderung vermutlich in der Ruhe und Entspannung selbst lag…
… selbst Monate später beim Niedertippen meiner Urlaubsnotizen fällt mir wieder auf, wie viel wir in den wenigen Tagen bisher, auch den gestrigen Tag der Ruhe berücksichtigt, erlebt und gesehen haben…
Nassersee
31.03.2009
08.00 – 09.30 Uhr
… vier Tempel, Kapellen etc. nah beieinander, auf einer Insel, wohin diese Kulturdenkmäler in den sechziger Jahren vor der Überflutung durch den modernen Staudamm-Bau von Assuan auf eine 57 km vom ursprünglichen Standort entfernte Stelle umgesetzt wurden, besichtigt – wir werden in den kommenden Tagen noch einige derartige Tempel und Tempelruinen der Pharaonen hier in „Nubien“, im „schwarzen Ägypten“ damaliger Zeit sehen – Rettungsaktionen, die schließlich in den zwei spektakulärsten Umsetzungen der in den Stein gehauenen Ramses- und Nefertari-Tempel von Abu Simbel sowie des Isis-Tempel von Philae gipfelten…
… jetzt ist wieder Urlaubsruhe auf dem Sonnendeck des Schiffes eingekehrt … und man kann im Moment einfach die karge, ruhige Wüstenlandschaft, in deren Mitte sich dieser große See befindet, ungestört auf sich wirken lassen…
…leider bin ich im Moment gezwungen, einer fremden Unterhaltung direkt neben meinem derzeitigen Aufenthaltsort – einer Liege unterm Sonnenschirm auf dem Schiffsoberdeck - über Liegeplätze in Sonnen- und Schattenposition und die Veränderung dieser äußeren Bedingungen bei Ablegen des Schiffes und damit verändertem Stand der Sonne zum Sonnenschirm zu lauschen … aber man kann sich doch unmöglich immerzu die Kopfhörer und Musik in die Ohren stopfen um dem zu entgehen – naja, eigentlich kann man, aber in der wohltuenden Urlaubsträgheit meines Geistes, die mich bislang immer noch von meinen Büchern fernhält, will man halt auch mal ohne Musik und ohne die Gespräche anderer die Gedanken schweifen lassen… bleibt vermutlich nur die Schiffskabine…
… okay, jetzt kommt die Musik in die Ohren, die Welt wird übertönt, weggeblendet und ich bleibe noch etwas dösend auf dem Sonnendeck … es ist wirklich heiß hier oben; doch im Schiffsfahrtwind bin ich dann froh, meist gut geschützt im variablen Klamotten-Lagenlook – Schutz vor Wind oder Sonne, je nach Bedarf – unterwegs zu sein…
… soeben lümmel ich auf dem Bett meiner Kabine und verfolge vor dem Abendessen eher unkonzentriert eine Videodokumentation über die Versetzung der Tempel von Abu Simbel und Philae:
… Abu Simbel: Tempel und Felsen, in welche die Tempel hineingearbeitet sind, wurden von 1964 - 1968 zum Schutz vor den entstehenden, sie versenkenden Wassermassen in Folge des Baues des neuen Staudammes von Assuan in einer unglaublichen, gigantischen technischen und logistischen Leistung auf einen neuen, höher gelegenen Standort unweit ihres bisherigen Platzes verlegt…
… eine zweimalige unvorstellbare, nahezu unfassbare menschliche Leistung: einmal bei der Erschaffung des Tempels mit vermutlich einfachsten Mitteln vor Tausenden von Jahren aus dem Stein geschlagen, heraus modelliert und dann einige Jahrtausende später bei der spektakulären Rettungsaktion unserer Zeit, bei der Umsetzung der Tempel … eine doppelt historische Leistung, getrennt durch Jahrtausende - atemberaubende, kaum vorstellbare Vorgänge, die etwas ganz Besonderes aus diesem Ort machen, an dem bereits eine der historischen Geschehnisse ein Wunder menschlicher Fähigkeiten darstellt, in Ergebnis und Durchführung zum Staunen verführt…
„… Nubien war und ist das Bindeglied zwischen Ägypten und Afrika …“ (Zitat aus dem Dokumentarfilm) … dieser Eindruck bestätigt sich in unserer Wahrnehmung dieser rund um den See unglaublich archaischen Wüstenlandschaft und der wenigen, sehr dunkelhäutigen Menschen, die wir bei unseren Ausflügen zu den Tempeln, an denen wir dankbarerweise nicht von den Andenkenverkäufern belästigt werden, sehen…
… unglaublich, wie viele Tempel es in Nubien (bis hinein ins heutige Sudan) gab, die z.T. als Geschenke für die Hilfe bei der Rettung in der ganzen Welt verteilt sind; wie uns die Dokumentation weiter informiert…
… über die Aktionen der Versetzung der nubischen Tempel in dieser kargen, zurückgezogenen, stillen Landschaft könnten wahrlich Abenteuerbücher geschrieben werden … und ich merke an der Ausführlichkeit meiner Beschreibungen, wie sehr diese Dokumentation, von der ich doch dachte, sie eher beiläufig gesehen zu haben, mich mit wunderbaren und neuen Informationen über weitere mehrfach geschichtsträchtige Orte in unserem Urlaubsland versorgt und beeindruckt hat…
… jetzt jedoch werde ich erstmal wieder in die Gegenwart zurückkehren und meine Reisebegleiter – die mich bereits aufbruchbereit in ähnlich geistesangeregter Stimmung erwarten – aus ihrer benachbarten Kabine zum Abendessen abholen…
… in der abendlichen Reflektion über den zurückliegenden Tag muss der Gedanke noch notiert werden, das die friedliche Stimmung, auch und vielleicht sogar vor allem der touristische Frieden auf dem Nassersee (und bislang auch an seinen Tempelanlagen) alles bisher in Ägypten Erlebte übertrifft … nächtliche Ruhemomente unter dem Sternenhimmel – wenn die Zivilisationslichter der zwei Schiffe gelöscht sind, sich dann endlich alle anderen Touristen des Schiffes auf ihre Kabinen zurückgezogen haben (und der mittlerweile zwischenmenschlich doch etwas lästige Reiseleiter noch nicht aufgetaucht ist) ganz allein auf dem Schiffsoberdeck im Liegestuhl in lauer, sanfter Nachtluft mit unzähligen Sternen, begleitet vom Quaken der Frösche, vielleicht noch ein paar Töne der persönlichen Lieblingsmusik im Ohr – wunderschöne, besondere Momente…
… am Abend zuvor ein herrlicher Panorama-Sonnenuntergang jenseits des Schiffsbug über dem ruhigen Nassersee hinter den kargen Landschaften der den See umgebenden Wüste, in der hin und wieder aus dieser Perspektive idyllisch anmutende Felsformationen aufragen…
… ich wollte, ich wäre in der Lage, bessere Worte und Darstellungen zu finden für die Magie des nächtlichen, dunklen, nahezu unbesiedelten Nassersee, auf dem z.Zt. nur zwei mäßig besetzte Touristenboote unterwegs sind; die Schiffe, die an aus dem See ragenden Felsformationen ankern; den in dunkler Nacht so intensiv, strahlend leuchtenden unzähligen Sternen; diesen Momenten, in denen all die anderen Menschen, der Alltag, das Normale unendlich weit weg von einem selbst sind; dem scheinbar tiefen Frieden der Umgebung, der Ruhe…
… in solchen Momenten, vielleicht noch unterstützt von der richtigen Musik, dem eigenen „Kopfkino“, dem eigenen Wohlfühlen und Gedanken scheint alles möglich; denkt man darüber nach, welch prächtige Lebens- und Wahrnehmungsmomente es gibt und geben kann … - … und in diesen Gedanken und Empfinden offenbart sich für mich das Besondere „meines“ Ägyptens; der Grund, warum es mich immer wieder in dieses Land zieht, ein Land das ich wahrlich nicht auch ohne eine gewisse Skepsis und Distanz insbesondere hinsichtlich zwischenmenschlicher Herausforderungen zwischen Einheimischen und Touristen betrachte: … die Gewissheit, das ein Aufenthalt in Ägypten, an seinen so verschiedenen touristischen, geschichtsträchtigen und landschaftlich reizvollen Orten, immer ganz besondere, unerwartete Momente für mich bereithält – seien es die kleinen, stillen Augenblicke der Natur wie im Moment oder auch die überragenden, großen Eindrücke besonderer kultureller Erlebnisse…
… innerer, eigener Frieden – für Momente vielleicht nur, aber hier gerade eben erlebe ich sie ganz bewusst…
Nassersee
01.04.2009
… unausgeglichener Morgen … ich bin noch sauer (und kann es gar nicht abstellen) über die gestrig Nacht fehlende Ruhe bzw. nicht in Ruhe gelassen werden … erst (gefühlt) ewiges Warten, das die anderen Reisenden einschließlich meiner Reisebegleiter zu Bett gehen und die Stimmen, die menschlichen Geräusche auf dem Oberdeck verstummen, der majestätische Sternenhimmel sich in all seiner Weite und Ruhe vor mir auftun kann … und als ich endlich anfange, diese besondere Atmosphäre zu fühlen, zu genießen, festzuhalten – kommt der Reiseleiter und quasselt auf mich ein … das ist doch nicht zu fassen … na, ich gehe mal davon aus, das mein Groll sich im Laufe des Vormittags legt …
… es ist 08.30 Uhr, wie auf dem Nassersee als Tourist üblich brechen wir mit einem kleinen Motorboot vom Schiff zu einer weiteren nubisch-pharaonischen Tempelanlage, nach Wadi-es-Seboua auf … die kurzen Motorbootfahrten gefallen mir gut, das Boot braust über die spiegelglatte Wasserfläche…
… wir besichtigen diverse Tempelanlagen mit 4.000 Jahre alten, gut erhaltenen farbigen Wandmalereien … es ist heiß, sehr heiß … Wüste umher, sehr feiner Sand, kein Schatten, 38°C…
… zurück auf dem Schiff brauche ich wieder einmal eine „Touristenruhephase“, Zeit ohne fremde Gedanken und Gespräche um mich herum … die Kabinen sind angenehm genug, die Fenster lassen sich öffnen … ich ziehe mich zurück … rund um das Schiff vor meinen Kabinenfenster ist es ganz ruhig…
11 Uhr vormittags…, die ersten Tempelbesichtigungen des Tages liegen hinter uns, wiederum mitten in der den See umgebenden Wüste haben wir drei weitere Tempel bzw. –ruinen besichtigt, nur wenige Touristen um uns, keine Händler, keine Hektik – ich bin immer noch erstaunt, dass es im sonst so wimmelnden touristischen Ägypten solch friedliche Orte gibt…
… touristentypisch aber dankbarerweise überbrückten wir die ca. 1,5 km zwischen zwei Tempelruinen in der Tageshitze auf dem Rücken eines Kamels … wir hatten Freude und Entdeckerspaß daran, hoch oben über dem Sand am Ende der Kamelreihe unserer Reisegruppe den Weg entlang geschaukelt zu werden – Fotos, Scherze, Gelächter … der Kamelritt hat mir erstaunlicherweise – man hält sich ja sonst für viel zu abgeklärt dafür – wirklich Freude bereitet…
14 Uhr … Oberdeck mit unmittelbaren Geruch und Geräusch des Wassers wäre sicher ganz nett jetzt, aber Hitze und fehlende Energie, einen Schattenplatz zu suchen, halten mich davon ab … einen kleinen Abstecher zu meinen beiden Reisebegleitern, die ich auch gleich noch mit Getränken versorge, mache ich dennoch … es ist wirklich heiß in der Sonne … und so ziehe ich mich wieder in die Kabine zurück und lausche bei geöffnetem Fenster dem Wasserrauschen des voranstrebenden Schiffes – und nachdem ich endlich den „Aus“-Schalter der Klimaanlage, die wohl immer wieder von der Reinigungskraft angeschalten wird, wiederentdeckt habe, genieße ich träge Momente in wohliger Wärme…
und endlich … nächtlicher Sternenhimmel über mir, Musik im Ohr, Ruhe & Frieden … meine Beiden quatschen angeregt mit einer Urlaubsbekanntschaft, der Reiseleiter ist auch (noch) fern; warme Nachtluft gleitet über mich, die Gedanken schweifen … trotz Urlaubsgeräuschen, Lachen u.ä. um mich herum beeindrucken mich die Magie, der Frieden dieses ruhigen Ortes wieder tief, werde ich eingehüllt davon…
Nassersee
02.04.2009
sehr früher Morgen … ich sitze zeichnend auf dem Oberdeck im Windschatten, am Schiffsbug, Blick voraus, die Sonne steht bereits hoch und heiß über mir, brennt mächtig herab; außerhalb des Windschattens bläst der Fahrtwind jedoch kühler als vermutet … die steinig-felsigen nubischen Küstenberge gleiten sachte links und rechts am Seeufer vorbei … Ruhe umher; bis vor einigen Minuten war eine deutsche Studienreisegruppe mit mir an Deck, die nahe der Schiffsroute vorbeiziehenden Ruinen der winzigen Festung „Kasr Ibrim“ anschauen, fotografieren, ebenfalls zu zeichnen … jetzt sind die Anderen wieder auf ihren Kabinen oder bereits zum Frühstück unterwegs…
… und während man selbst auf einem Schiff samt Motorkraft durch diese stille, ruhige, weite, erhabene Landschaft gleitet, umso unvorstellbarer (noch mehr als ohnehin), beeindruckender wird die Leistung des Tempelbaus vor einigen Jahrtausenden in dieser kargen Landschaft weit entfernt von menschlichen Ansiedlungen und Entwicklungen…
… ein schöner Morgen, selbst der Deckstaubsauger ist nun verstummt, ein paar arabische Gesprächsfetzen dringen aus der „Schiffsbrücke“ sachte hinauf an mein Ohr und die auf dem Oberdeck eingespielte Musik ist leise genug und passt in den Moment … lediglich im Fahrtwind wird es nun doch nach und nach etwas kühl … da kommt die Sonne hinter der schmalen Funksäule, die bisher den Windschatten bildete, hervor, wärmt aber noch nicht, lässt ihre Kraft, die sie im Laufe des Tages wieder eindrucksvoll auf uns schmettern wird, lediglich erahnen…
… eine Gefahr liegt freilich in solch friedlichen, gedankenschweifenden, ablenkungsfreien Momenten: Raum und Zeit zum Grübeln und den einen oder anderen vielleicht sogar sonderbaren Gedanken…
getragen-emotionale Bombastmusik auf dem Schiffsoberdeck – wir gleiten an den Felsentempeln von Abu Simbel vorbei … das ist ein besonderer Moment – und vielleicht die wirklich wahre Art und Weise, diese Tempel erstmalig zu Gesicht zu bekommen…
… vielleicht könnte man die Bombastmusik für kitschig halten … aber nein, es ist ein grandioser, hervorragend inszenierter Moment, geschaffen für beeindruckende Erinnerungen … man stelle sich vor: … auf dem Wasser an der bereits an sich erhabenen, archaischen, stillen, roten Wüstenlandschaft vorbeigleitend kommen die großen Felsentempel von Abu Simbel in Sicht, ziehen langsam vorüber; ein Tempel und seine Statuen, in immenser Größe…
… Bauwerke, vor Jahrtausenden in dieser scheinbar leeren, stillen Landschaft aus dem Stein bzw. in den Stein geschlagen; Jahrtausende später zur Rettung vor den staudammgebändigten Wasserfluten unserer Zeit versetzt, dabei seine Atmosphäre und Ausstrahlung bewahrend … unglaublich, unvorstellbar, wunderbar … manchmal hätte ich gern mehr Worte, mehr Attribute zur Verfügung…
… in mir wächst die Überzeugung, dass ich sicher irgendwann zukünftig nochmal auf dem Nassersee und in diesem Teil Ägyptens unterwegs sein werde…
… eine Woche angefüllt mit Erleben, Erlebnissen, Entdeckungen, Glücks- und Ruhemomenten scheint viel länger als andere Wochen – und dann auch wieder kürzer; Faszination Zeitwahrnehmung … eine Woche höchster Lebensqualität…
… jetzt, nach dem Besuch von Abu Simbel sollte bzw. wollte ich die Bücher von Christian Jacq über den wohl bedeutendsten, am längsten herrschenden Pharao der Geschichte – RamsesII. – nochmal lesen…
… natürlich hatten wir im Laufe des Tages genug Zeit, die beiden Felsentempel von Abu Simbel ausführlich zu durchstreifen, die von pharaonischen Ramses-Kartuschen und Reliefdarstellungen seiner Taten überzogenen Tempelwände zu bestaunen – ich erinnere mich, wie bereits bei meinem ersten Besuch in Abu Simbel vor einigen Jahren der Eindruck von nahezu maßloser Selbstdarstellungsfreude aus den Bildern dieses Tempels über Ramses II. bei mir entstand; Ramses II., der in Ägypten so viele Spuren hinterlassen hat, über den in so vielen Büchern berichtet wird – nun ja, vielleicht ist diese überlebensgroße Selbstdarstellung dieses Pharaos nicht wirklich verwunderlich, waren die Pharaonen doch Göttern fast gleichgestellt und die lange Regierungszeit von Ramses II., der zudem für damalige Zeiten und auch noch im heutigen Maßstab sehr alt wurde, tat sicher ein Übriges für den Mythos dieses Pharaos, der die letzte große Blütezeit und Stabilität des pharaonischen Ägyptens schuf…
„… die menschlichen Werke, sie verschwinden im Schatten der Jahrhunderte … das Gedächtnis, so wie die Nacht, ist nur ein Versprechen…“
Sound-&-Light-Show Abu Simbel – 2.4.2009
… in dunkler Nacht auf Steinbänken im Angesicht der Tempel von Abu Simbel, des Felsentempels von Ramses II. und dem kleineren Tempel seiner Frau Nefertari, den verführerischen, träumerischen, atmosphärischen Worten der Sound-&-Light-Show gelauscht; versucht, die Fotoblitze der Umhersitzenden zu ignorieren und der immer wieder überzeugenden Inszenierung dieser Shows zu folgen – Kitschdiskussion hin oder her, ich mag diese Shows und bin überzeugt, das sie die Emotionen der anderen Besucher ebenso wie mich ansprechen, manchmal muss es auch etwas Wort-, Licht- und moderne Magie geben…
Flugzeug von Abu Simbel nach Assuan
03.04.2009
… wir sind unterwegs im Flugzeug nach Assuan, der letzten Station unseres noch einige Tage andauernden Urlaubes … Abu Simbel, so klein, so überschaubar, so friedlich liegt unter uns … halten wir fest: Nubien, der Nassersee und Abu Simbel erschließen sich gerade aus der Vogelperspektive; das Flugzeug ist gestartet und sofort befinden wir uns über der Wüste, Sand überall, ab und an Felsen … und der Nassersee, dessen beeindruckende Ausmaße von hier besonders gut sichtbar werden … es ist wirklich unglaublich, wie groß die Wasserfläche mitten in der Wüste ist … die Sonne ruft wunderschöne Reflektionen auf dem Wasser hervor, dann treten wieder „Sandinseln“ ins Bild … so schön, so weit, so erhaben, so friedlich…
einige Stunden später:
…ein Restaurant-Ponton auf dem Nil bei Assuan … Mittagessen … vor dem Restaurant, leicht schaukelnd am Rand des Flusses gleiten archaisch anmutende Segel-Feluken entlang; knattern lange, schmale Motorboote durch die sonst beschauliche Ruhe … schmale grüne, teilweise bepflanzte fruchtbare Landstriche am Rande der Nilniederungen; direkt dahinter Wüsten-Sandhügel…
Nachmittag, 15 Uhr auf dem Nil … mein Reisebegleiter sitzt am Steuer einer altehrwürdigen, ein wenig in die Jahre gekommenen, weißen Feluke, Wind in unseren Haaren, wir kreuzen vor dem Wind, das Boot neigt sich seitenwechselnd dem Nil entgegen … uralte, friedliche, erhabene Nil-Szenen: Feluken vor uns, deren weiße, fast dreieckigen, großen Segel sich sanft im Wind wiegen … langsames Gleiten an aus dem Nil ragenden Felsformationen vorbei … an den Ufern grün-üppige Landstriche, hinter denen sich sofort die kargen Wüstenfelsen erheben…
… später: … oja, hier – allein - an diesem schattigen Plätzchen im Hotelgarten am Nil auf gepolsterten Bänken mit Kissen im Rücken kann ich´s wohl ein ganzes Weilchen und noch ein bisschen länger sehr gut aushalten … ich muss mir diesen Ort in der Ruhe einer Sternennacht am Nil nochmal zu Gemüte führen…
… und ich muss es nochmal feststellen, für mich selbst festhalten – dieses Land gibt mir immer wieder unerwartete, wunderbare Friedens- und Glücksmomente und die Gewähr bzw. die Erfahrung dieser besonderen Momente zieht mich an und immer wieder hier her…
… es geht mir gut! … sehr gut!
… der Verkehr auf dem Nil wird weniger, die Feluken und Motorboote begeben sich zur Ruhe, beginnende Abenddämmerungsstimmung…
„… Schönheit ist nicht immer Phantasie, dieses Leben ist jetzt und sonst nie …“ lautet in diesem Moment der Musiktext in meinem Ohr … wie wahr, hier und jetzt…
… jetzt, um Mitternacht habe ich mich aus dem Zimmer geschlichen, damit meine Reisebegleiter im angrenzenden Zimmer nicht gestört werden, meinen nächtlichen Aufbruch nicht hören und sitze wieder an dem wunderbaren Platz auf alten, einfachen Polsterliegen leicht erhöht über dem Nil … es ist dunkel, beim Schreiben dieser Zeilen verrenke ich mich förmlich den entfernter scheinenden Lichtern des Hotelhaupthauses entgegen; soeben habe ich einen Gecko entlanghuschen sehen und vorsichtshalber die Schuhe, derer ich mich zuvor entledigt hatte, um richtig in den üppigen, abgewetzten Polstern lümmeln zu können, auf den Tisch gestellt; ich höre Grillen zirpen, genieße die Nacht, deren Atmosphäre, Ruhe und Geräusche; angenehm sanfte Luft umgibt mich; ich höre Fische auf das Wasser springen; das Hotelmotorboot, welches die Hotelinsel regelmäßig mit Assuan verbindet, heranfahren, Dieselgeruch mit sich bringend … dennoch friedliche Nachtstimmung um mich herum … ich werde gleich etwas Musik hören und den Gedanken wieder freien Lauf lassen, vor mich hin träumen ... noch Monate später, beim Niederschreiben dieser Erinnerungen werde ich bei der hier gehörten Musik in Gedanken wieder an diesen magischen Ort „zurückreisen“…
Assuan
04.04.2009
10.15 Uhr
… wieder auf dem Nil – eine Felukenfahrt zur Sehel-Insel am ersten Nil-Katarakt = Stromschnelle ist geplant; soeben fahren wir an einem Hotelneubau vorbei, folglich stören momentan sowohl die allgegenwärtigen, abgasstinkenden und lauten Motorboote und der Baulärm diese sonst wohl sehr idyllische Nil-Atmosphäre samt vielversprechender Ahnung von Ruhe an diesem herrlichen Fleckchen Erde wenn der Baulärm mal kurz verstummt und keine Motorboote unterwegs sind; wir gleiten leise über das Wasser, hören das Rauschen des Wassers unter dem Boot…
„… wenn wir mal einen Moment schweigen, hören wir vielleicht die Ruhe…“
… unser geplanter kleiner Ausflug über die Sehel-Insel zum ersten Nilkatarakt – ich hätte eine Nil-Stromschnelle zu gern einmal gesehen – scheitert an der unfassbaren, anstrengenden und selbst in Ägypten nicht vorhersehbaren Beharrlichkeit zweier vollkommen schwarz gekleideter einheimischer Frauen, die uns auf unserem Fußmarsch über die Insel, eine Anhöhe hinauf bettelnd „verfolgten“ … es war nervenaufreibend, wir versuchten erfolglos uns zu wehren und „flüchteten“ schließlich geradezu zurück auf unser Boot…
… Wind ist aufgekommen, wir verbringen eine weitere, vierte Stunde auf dem Nil entlang Assuans und seiner Nilschiffe … aus dem anfänglich sachten Gleiten ist eine rasche Bootsfahrt geworden mit schnellen Seitenwechseln, die die Feluke in den Wind legen, dem Nil abwechselnd entgegengeneigt und -entfernt … ab und an baumeln mutwillig die Füße über der Bordwand im kühlen Nass…
… und ich habe heute das Geheimnis das verhüllenden arabischen Kleidungsstiles gelöst … jawohl!: … gegen die sengend-intensive Sonne (vor allem während der Felukenfahrt auf dem Nil, bei der auch Fahrtwind nicht mehr ablenkte) kann man sich nur mit Stoff schützen, wenn kein Schatten vorhanden ist; Sonnencreme mag möglicherweise die tieferen Hautschichten schützen, doch hilft sie ebenso wenig wie der Wind vor dem unmittelbaren Brennen der Sonne auf der Haut … und so verschwand ich nach und nach unter immer mehr Stoff, hängte meinen ursprünglich nur Hals und Schultern zum Schutz vor Sonnenbrand bedeckenden Schal vor das Gesicht und über die Ohren, stopfte ihn seitlich an den Rändern meiner Kappe, die den Kopf vor allzu viel Sonne schützt, fest; legte ein Handtuch über die nackten Schienbeine … und ähnelte einmal mehr einem vermummten Sonnenflüchter und mir kommt die traditionell stark verhüllende Kleidung der Einheimischen, sowohl Frauen als auch Männer in bodenlangen Galabeyas, gar nicht mehr merkwürdig vor…
… und wieder sitze ich direkt am Nil – noch ganz allein, meine Reisebegleiter werden sicher in allernächster Zeit dazukommen; die Motorboote tuckern entlang, langsam senkt sich das abendliche Himmelsorange über die gegenüberliegende Uferseite …. ich finde diesen Platz großartig … der heutige Tage war wieder entspannt, ein guter Urlaubstag…
… und obwohl der Tag kaum Anstrengungen bereithielt, sind wir ermattet, angenehm ermattet … dies mag zum einen am mittlerweile über uns gekommenen „Urlaubsmodus“, unserer allgemeinen Entspannung von Körper und Geist und zum Anderen wohl auch an der ungewohnten Sonne, immer wieder unterbrochen von heißen, windigen Momenten, liegen…
Assuan – Nubisches Museum
05.04.2009
… Nubisches Museum in Assuan … vielgerühmt in den Reiseführern und in der Tat ein sehr ansprechender Ort zwischen Ausstellungsstücken mit geschichtlichem und kulturellem Hintergrund aus der Zeit ganz früher Menschheitsgeschichte über die Zeit der Pharaonen hinweg zu den Phasen der koptischen Christianisierung hin zur Islamisierung – aufgelockert durch nette anschauliche Alltagsszenen Nubiens … mich fasziniert die kunsthandwerkliche Entwicklung, die sich hier vor unseren Augen darstellt: … sei es christliche Ikonenmalerei, verfeinert über Jahrhunderte; Schmuckstücke, Dekor von Alltagsgefäßen … alles in wohltuender Ruhe und gedämpften Licht präsentiert … Kultur bis über 4.000 Jahre vor Christus zurück mit bereits hoher handwerklicher Vollendung, die schon damals nicht allein dem Nutzwert sondern auch dem ästhetischen Empfinden diente … ich bin schon wieder ganz beeindruckt von Errungenschaften und Entwicklungen in über 6.000 Jahren Menschheitsgeschichte – man stelle sich diese unglaubliche Zeitspanne bis in eine Zeit sogar vor den Pharaonen einfach nur vor; eigentlich geht das gar nicht…
„… wollt ihr wissen, was die Dauer unseres Aufenthaltes ausmacht … die Zeit eines Traumes…“
Sound- & Light-Show Philae
… wir stehen in diesem Moment im erleuchteten nächtlichen Isis-Tempel auf der Insel Philae … mittendrin in uralter Geschichte, Kultur und Glauben … andächtige, erhabene Momente … ergriffenes, lauschendes Erleben … getragene, berührende Lichteindrücke, Reliefs und damit erzählte Geschichten indirekt erleuchtend; den nächtlichen Nil samt seinen Lichtreflektionen sehend – hin zu einigen Sitzreihen im nächtlichen Dunkel; auf denen wir uns, begleitet von getragener Musik niederlassen, um der Geschichte der Götter, des lebenbringenden Flusses und dieses Tempels weiter zu lauschen …
… das Panorama des Isis-Tempel von Philae in der Nacht, beleuchtet, sound-, musik- und informationsuntermalt in seiner gesamten Pracht befindet sich nun direkt vor uns … Bombastmusik und Wasserrauschen überrollen uns … so schön im Licht, der Atmosphäre der erleuchteten Nacht … jetzt brausen die gesprochenen Hieroglyphentexte der Mauern der Tempelwände über uns hinweg … „…ich bin gekommen…“ – „…das Reich Isis zu sehen; dort, wo das tiefe Afrika aufhört…“ – „…die Göttin Isis zu verehren…“ – „Nektanebo, Claudius, Cleopatra, Antonius, Trajan …“ die Geschichte dieses Tempels inmitten des Flusses über die Jahrhunderte hinweg erklingt, entfaltet sich über uns hinweg …
Assuan
06.04.2009
letzter Urlaubstag
… der letzte Urlaubstag gleitet an uns vorbei, Assuan und unser Hotel füllen sich mit immer mehr Touristen – es ist Saisonbeginn, Osterferienzeit; wir erkennen, wie erholsam und ruhig es tatsächlich in der friedlichen Vor-Saison-Zeit der letzten Tage war … jetzt bei der frühabendlichen Sonnenuntergangstour auf dem Nil, wieder inmitten anderer weißgeblähter Segel auf „unserer“ Feluke herrscht friedlich-besonnene Tagesendstimmung während unser Bootskapitän versucht, die eine oder andere Wind-Böe zu erhaschen und den Motorbooten, die uns laut tuckernd überholen, auszuweichen … derweil brennt die Abendsonne mit scheinbar immer noch unverminderter Kraft auf uns herab … und erstaunlicherweise, mit der Gewissheit, einen phantastischen Urlaub mit der für unsere kleine Reisegruppe genau richtigen Mischung aus Erlebtem, Neuentdecktem und ruhigen Erholungsmomenten, bin ich nicht unwillig, morgen die Rückreise „nach Hause“ anzutreten … ich habe die persönliche Gewissheit, irgendwann wieder in Ägypten, dann vielleicht bei den Oasen, im Sinai, dem Katharinenkloster, Moses-Berg oder vielleicht auch mal Alexandria zu sein…
Zwei Stunden später am Abend: … nachdem die Feluke zeitweise in scheinbar völliger Windstille gerudert werden musste; dies jedoch erst, nachdem unser Bootsführer seine Sonnenuntergangsgebete verrichtet hatte, war eine Art Wüstenstaub-Wind aufgekommen – uns heiß entgegen blasende Luft, in der eine Art Staubfilm zu schweben schien, der in der nächtlichen Straßen- und Häuserbeleuchtung einen gelblichen Schleier über die Umgebung legte, die Konturen milderte, unwirklich schien…
07.04.2009
Ab- und Rückreise
… merkwürdige, müde-angespannte Stimmung – Urlaubsende … am Kairoer Flughafen wurde es kurzfristig zwischenmenschlich etwas hektisch inmitten all des anderen Trubels; wartend auf den Reiseführer, der uns von dem Flughafenbereich der Inland-Flüge hinüber bringen sollte zu den internationalen Flügen – in Kairo ist mittlerweile ein nagelneuer, riesiger Flughafen mit drei getrennten Gebäuden entstanden; drei Gebäuden, die entsprechende Bedeutung haben, so dass einem für Weiterflüge zumeist immer auch ein Wechsel zwischen den Gebäuden bevorsteht … und Kairo ist ein riesiger Flughafen, voller Menschen; es wimmelt überall – so dass man schon nervös werden kann; doch ein bisschen Vertrauen gehört an diesem Flughafen unbedingt dazu (bis jetzt hat es geklappt) … und wir kamen tatsächlich rechtzeitig zur Passkontrolle im Bereich der internationalen Flüge an; dieses Mal mussten wir nicht ewig auf die Durchsicht der Pässe warten – dafür wäre auch keine Zeit gewesen angesichts zeitlich dichtgedrängter Weiterflüge … und so trennten sich bald unsere Wege; mein Flug verspätete sich und so blieb Zeit, diese Zeilen zu vervollständigen, den Urlaub in seiner geschriebenen Form abzuschließen und bereits jetzt in ersten Erinnerungen zu schwelgen.
Fazit:
Die Reichtümer Ägyptens mit den Augen der Besucher, der Touristen betrachtet, scheinen so oft auf die großartigen, überwältigenden, in immenser Anzahl vorhandenen kulturellen Erzeugnisse und Bauten jahrtausendealter Menschheitsgeschichte reduziert (so man angesichts der Fülle all des Vorhandenen dieses Wort überhaupt bemühen will.)
Dabei scheint oft vergessen, wie sehr die Landschaft, die von Meeren begrenzte und von einem lebensspendenden Fluss durchzogene einst stille, mythische, einsame, archaische Wüstenlandschaft all diese kulturgeschichtlichen Höhepunkte prägte, vermutlich gar bedingte.
Die scheinbar bis in die heutige Zeit übermächtigen Pyramiden wurden einst bewusst mitten hinein in die Wüste, in natürliche, landschaftliche Einsamkeit gebaut wurden; die Gräber der Könige in die Stille der kargen, abgeschiedenen Berglandschaft Thebens, dem heutigen Luxor gegraben und die wirtschaftliche Sicherheit sowie Versorgung des Landes in den natürlichen Oasen begründet.
Das Zusammenspiel kultureller, touristischer Höhepunkte mit der sie umgebenden Landschaft erst entfaltet all die großartigen, dargestellten Eindrücke einer Reise nach und durch Ägypten.
Die scheinbar „kleinen“ Momente vollkommenen Friedens auf dem sternenübersäten nächtlichen Nassersee, beim segelnden Dahingleiten über den Nil in der Nähe der Nilkatarakte, an den Brunnen einer fruchtbaren Wüstenoase, beim Blick auf noch in der Wüste fern menschlicher Ansiedlungen befindlicher Pyramiden oder hoch oberhalb des touristischen Gewimmels in den Bergen West-Thebens sind verzauberte Augenblicke und vermögen auch heute noch manchmal an die jahrhundertalte Symbiose zwischen Alltags-, Religions- und Kulturlebens mit der Natur und ihrer Landschaft in diesem touristisch so überaus reichen Landes zu erinnern.

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