Südafrika-Namibia-Botswana Reisebericht:
Durchs südliche Afrika von Kapstadt bis zu den Victoria-Fällen
Wir (Ines und ich) haben uns diesmal für eine Camping-Safari quer durch das südliche Afrika entschieden. Unsere Reise soll in Kapstadt starten und mit einer Gruppenreise durch Namibia, Botswana bis nach Zimbabwe zu den Victoria-Wasserfällen gehen. Vorher gönnen wir uns noch 3 Tage Kapstadt in Eigenregie…
Anreise – Kapstadt
Nach einem luxuriösen Flug mit Fernsehen und - in Einstimmung auf Südafrika - auch mit reichlich kostenlosen Rotwein, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen, landen wir abends in Kapstadt. Die Fahrt vom Flughafen bis zum Hotel bringt uns entlang am Fuße des Tafelbergs zu unserer Unterkunft „The Backpackers“. Es ist nahe am alten Stadtzentrum und angrenzend am Boo-Kap, am Fuße des Lions-Head gelegen. Viele kleine verschlungene Wege führen durch die von außen eher klein erscheinende Anlage und lassen das Ganze viel größer erscheinen. Vorbei an einem kleinen Pool und an mehreren kleinen Sitzecken mit uralten Sofa´s die zum Teil im Freien stehen, kommen wir zu unserem Zimmer. Die Räume dieser „Jugendherberge“ sind alle nach Afrikanischen Tieren benannt - unseres ist das Cheeta Zimmer. Es ist recht klein, nicht besonders schön und die Fenster mit Gitterstäben versehen, aber zum Übernachten reicht’s uns. Es erinnert zwar eher an eine Absteige, dennoch sollte es die beste im ganzen Urlaub werden….
Kapstadt - Stadt + Tafelberg
Linktipp: Hier geht´s zur Fussball WM 2010 in Südafrika;
Unser weiterer Weg führt uns an alten Kirchen zwischen modernen Gebäuden vorbei weiter in Richtung Long Street. Hier stehen noch die ältesten Gebäude der Stadt im viktorianischen Stil mit ihren Kunstgeschmiedeten Balkongittern. Aber natürlich stehen hier auch Polizisten alle 100 Meter, wofür wir sehr dankbar sind. Die Long Street zählt zu den ältesten Strassen in Kapstadt. Sie war, mit einer Länge von 3,8 Kilometern, zu Gründerzeiten tatsächlich die längste Strasse im Stadtkern.
Nach einer guten Stunde sind wir an unserem Ziel, der Touristinfo, direkt gegenüber der alten deutschen Buchhandlung, angekommen. Unser erklärtes Ziel ist es einen der roten Doppeldecker „Hop On/Off“-Busse für die Stadtrundfahrt zu erhaschen, der uns auch bis zur Bahnstation am Tafelberg bringen soll - in erster Linie, weil wir sicherlich 30°C haben und sich der Tafelberg noch ohne Wolken präsentiert. Das Wetter soll sich hier ja schnell ändern… Nochmals fahren wir durch die Long-Street und auch den berüchtigten District Six, vorbei an einigen kleinen Moscheen. Auch am Castle of Good Hope fahren wir vorbei - das älteste europäische, noch im Original erhaltene Gebäude in Südafrika. Dieses sollten wir auch das letzte Mal sehen - zumindest für diesen Urlaub - obwohl es morgen auf unserer Besichtigungsliste ganz oben steht. Die Fahrt führt uns steil zum Fuße des Tafelberges hinauf bis zur Bahnstation. Die Wälder hier am Hang sind vor einigen Jahren den Flammen zum Opfer gefallen.
Die Table-Mountain-Bahn bringt uns in 5 Minuten bis zum Gipfel, wobei sich die Gondel während der Fahrt um 360° dreht. Der Anstieg ist sehr steil. Einige Kletterer versuchen sogar den Aufstieg zwischen den Felsvorsprüngen - sicher sieht das nicht aus. Der Ausblick, der sich uns von hier oben eröffnet, ist gigantisch. Von 1.087 Meter Höhe hat man hier einen super Blick auf ganz Kapstadt, das Hafenviertel, den Signal Hill und Lions-Head im Norden, die Campsbay, als den nobelsten weißen Sandstrand der Gegend und die Berge und Hügel die sich im Süden bis zum Kap der guten Hoffnung schieben, aber auch die Flats - Armenviertel - im Nordosten. Die üppige Pflanzenwelt ist beeindruckend - knapp 1.400 Pflanzenarten gibt es allein hier auf dem Plateau. Der Tafelberg selbst ist rund 600 Millionen Jahre alt und war einst ungefähr fünfmal so hoch wie heute. Wind- und Wassererosion haben den Rest erledigt.
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Es ist Mittag und wir haben Hunger und so essen wir den größten Burger unseres Lebens. Daher auch der etwas längere Spaziergang auf dem Tafelbergplateau, um die unnötigen Kalorien wieder abzutrainieren. Uns präsentiert sich hier oben eine vielfältige Flora und Fauna. Von kleinen Sträuchern und Proteen, über Moose und Flechten, die sich auf die ausgewaschenen Felsen, bei denen man merkt, dass der Tafelberg vor langer Zeit noch unter Wasser war, niederlassen. Aber auch Klippschliefer und Geckos gibt’s hier. Uns zeigen sich leider nur ein paar Geckos. Leider haben wir hier viel zu wenig Zeit. Noch ein kurzer Blick auf die Gefängnisinsel Robben-Island, auf der Nelson Mandela 18 Jahre seines Lebens zubrachte und den traumhaften Bloubergstrand im Norden.
Unser Bus wartet leider schon und weiter geht’s nach Camps-Bay, wo die nobelsten Villen der Stadt an einem absoluten Traumstrand liegen. Im Hintergrund thront der Tafelberg mit seinen 12 Aposteln, die sich weiter Richtung Süden schlängeln. Leider ist das Wasser vom Atlantik etwas zu kalt um richtig Baden zu können und so können wir nur unsere Füße abkühlen. Es wird langsam Abend und unsere Tour führt uns zurück ins Zentrum. Im Zentrum abgesetzt, lassen wir uns die Gelegenheit nochmals durch die Stadt zu schlendern nicht entgehen.
Am Tourist-Market kleben plötzlich zwei nervige halbwüchsige (schwarze) Mitmenschen an unseren Versen - auch Diebe oder Räuber genannt - auf, die von uns nicht ablassen. Die Polizisten von heute früh sind wie jeden Tag schon um 17:00 Uhr aus der Stadt abgezogen - wo ist also nun dein Freund und Helfer, wenn man ihn mal braucht! „Rede nicht mit denen“ ist von Ines leicht gesagt, wenn man fast die Rasierklinge an der Kehle hat, aber Frauen wissen es halt eben immer besser - scheint wohl was Genetisches zu sein. Aber auf diese Art und Weise können wir noch etwas Zeit schinden und uns wieder auf die belebte Hauptstrasse retten, wo sie dann auch von uns zwangsläufig ablassen müssen. Der räuberischen Erpressung entkommen, gönnen wir uns noch abends in unserer Backpacker-Unterkunft eine super leckere Pizza und ein absolut leckeres einheimisches Bier (Windhoek Lager oder auch ein Tusker). Bock in die Stadt zu Essen zu gehen, haben wir nach der Aktion nicht mehr. Es ist eine kleine gemütliche Bar mit Atmosphäre, in der wir mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen sind.
Kapstadt - Kap der guten Hoffnung
Gegen Mittag verschwindet langsam das „Tischtuch“ von Tafelberg. Es bildet sich durch feuchte Luftmassen, die vom offenen Meer her den Tafelberg überströmen und die wir gestern schon vom Tafelberg aus haben kommen sehen. In den zum Aufstieg - und damit zur Abkühlung - gezwungenen Luftmassen bilden sich Wolken, während sich an den Nord- und Westhängen des Berges ein trockenwarmer Fallwind bemerkbar macht. Hauptsache wieder klare Sicht, uns soll’s recht sein…
Am frühen Nachmittag startet unsere gestern gebuchte Tour zum Cape Point. Wir werden von einem Kleinbus abgeholt, in dem außer uns noch ein Australier mit seinem Sohn an Bord ist. Der sehr nette Fahrer erklärt während der gesamten Fahrt alles Mögliche, angefangen vom Cricketstadion bis hin zur ursprünglichen Flora und Fauna auf der Kaphalbinsel. Die Tour führt uns erstmal quer durch die Stadt entlang der Cecil-Roads-Street - im Übrigen der Gründer und Namensgeber des Staates Rhodensien, welcher am Ende unserer Tour auf dem Programm steht - das heutige Zimbabwe. Es geht weiter vorbei am berühmten Weinanbaugebiet Constancia und man vergisst, dass man sich mitten in einer Großstadt befindet. An der False Bay angekommen können wir die ersten Wale sehen und sogar hören. Nach Aussage unseres Fahrers sind es die Southern Right Whales (Glattwale) und Humpback Whales (Buckelwale), die hier aneinander liegen oder mehrfach aus dem Wasser springen. Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet und so ist die Freude über die Wale umso größer.
Der Name False Bay stammt im Übrigen von den Seefahrern, die in die Bucht steuerten, weil sie diese fälschlicherweise für die Bucht vor Cape Point hielten und unter Umständen dadurch sogar auf Grund liefen. Die fast 40 km breite False Bay ist die Heimat riesiger Seehund- und Robbenkolonien, wodurch man hier das weltweit größte Vorkommen an weißen Haien findet. Für uns ist mit dieser Info die Badesaison hier beendet.
Aber es zieht uns weiter nach Simonstown, einem alten Militärhafen. Kanonen und alte Schiffe sind noch stumme Zeugen. Wir machen ein paar Minuten Pause und haben auch gleich ein paar tolle Karten gekauft und ich hab schon wieder einen aufgelesen der Geld will - eine echte Plage. Das Highlight unserer Tour steht bevor: Die Brillen-Pinguine am Strand von Boulders-Beach, die hier in Simonstown ihr Unwesen in der ganzen Stadt treiben und auch schon zur Plage für die Bewohner geworden sind. Allerdings riecht man diese völlig zutraulichen und putzigen Tierchen lange bevor man sie sieht. Die Antarktis muss demnach der stinkendste aller Kontinente sein. Brillenpinguine sind die am weitesten nördlich lebenden Pinguine, die Kolonien zählen hier bis zu 3000 Pinguine. Noch schnell ein paar Fotos gemacht und dann müssen wir leider Abschied nehmen…
Unser Weg geht weiter durch den Cape Pennisula Nationalpark zum Kap, auf dessen Straßen immer wieder Paviane den Weg versperren. Diese „Räuber“ versuchen mit allen Mitteln an was Essbares zu kommen, aber unsere Fensterscheiben bleiben geschlossen.
Am Cape Point, angekommen müssen wir feststellen, dass unser Film nicht richtig eingelegt war - oh Freude. Den Aufstieg zum Leuchtturm sparen wir uns und nehmen stattdessen die Bahn, ein gar lustiges „Funicular“, da uns leider wenig Zeit bleibt, bevor wir direkt zum südwestlichsten Punkt Afrikas, zum Kap der guten Hoffnung fahren. Die Sicht über die False Bay, das Kap der guten Hoffnung und die steilen Klippen ist einfach fantastisch. Den Abstieg bewältigen wir dann zu Fuß und erkennen leicht, warum das Kap diesen Namen trägt, denn am Horizont sehen wir schon eine Wolkenfront auf uns zukommen, die auch schon anfängt das Kap in leichten Nebel zu hüllen. Bis zu Kap fahren wir noch ein paar Minuten und wie zu erwarten war, sind wir nicht die Einzigen. Einen Schnappschuss am Kap selbst zu erhaschen ist bei dem hohen Aufkommen an Chinesen und Japanern reine Glückssache. Dank unseres Fahrers haben wir auch noch ein Bild von uns beiden am südwestlichsten Punkt Afrikas! Zum Baden lädt es uns nicht gerade ein, denn die Wellen sind riesig und das Wasser eisig.
Der Rückweg führt uns noch an den Säulen von Vasco da Gamma & Diaz vorbei, die vom Meer aus betrachtet die Untiefen kenntlich machten. Die Strasse führt uns weiter über den Chapman’s Peak-Drive - einer der spektakulärsten und schönsten Küstenstrassen - zurück nach Kapstadt. Die Fahrt geht unter steilen Felsvorsprüngen hindurch und über steile Felsklippen hinweg. 7 Jahre wurde an den 114 Kurven die sich auf 9 Kilometer verteilen gebaut. 2000 war die Strecke sogar zu 30 Prozent verschüttet. Wir machen noch einen kleinen Zwischenstopp und genießen einen phantastischen Sonnenuntergang über der Hout-Bay vom 160 Meter hohen Aussichtspunkt mit Blick auf den knapp 300 Meter hohen Sentinel. Zurück in unserer Unterkunft gibt’s wie gewohnt ein paar Bierchen an unserer Bar…
Nachdem wir erfahren hatten, dass in unserem Hostel das Frühstück inklusive ist, gönnen wir uns - oder vielmehr nur ich - ein saftiges, blutiges Straußensteak mit Kartoffel-Wedges - lecker. Für Ines ist es wohl zu „saftig“ am Morgen und sie nimmt sich lieber einen Früchtecocktail.
Wir starten in den Tag gönnen uns zur Abwechslung den Luxus und lassen uns per Taxi zur Waterfront, dem Hafenviertel, für sage und schreibe 20 Rand (ca. 2 €) fahren. Da der Fahrer nicht wechseln kann, erlässt er uns den Rest - und so ist das Vertrauen in die einheimische Bevölkerung wieder restlos hergestellt. Unser Ziel ist vorerst das Two-Oceans-Aquarium. Hinter den zwei Ozeanen verbergen sich der kalte Atlantik und der warme Indische Ozean, die hier am Kap der guten Hoffnung zusammenfließen.
Das Aquarium wurde 1995 eröffnet und beinhaltet über 30 Becken mit 300 Fischarten aus dem Indischen und dem Atlantischen Ozean, dazu kommen zahlreiche wirbellose Tiere wie Anemonen, Quallen und Seespinnen. Besonderes beeindruckt uns der 2 Mio. Liter fassende Open Ocean Tank, in dem Haie und Rochen zu sehen sind und unter denen man hindurchlaufen kann, aber auch der Living Kelp Forest (Seetang-Wald), der die Tierwelt an der Küste widerspiegelt und der Tang rhythmisch zur träumerischen Musik „tanzt“. Sogar ein Sandstrand mit Pinguinen und Robben existiert. Vom „Seesterne-streicheln“ bis hin zum Zusammentreffen mit dem weißen Hai wurde uns hier alles geboten.
Nachdem wir uns hier einige Stunden in die Meereswelt entführen lassen haben, geht’s weiter zur „Victoria & Albert Waterfront“ - dem Hafenviertel von Kapstadt. Benannt wurde die Waterfront nach der Königin Viktoria und ihren 2. Sohn, Prinz Albert. Natürlich dauert es auch keine 5 Minuten, bis wir den nächstbesten Bettler an der Backe haben, aber ein gekonnter genervter - gerade schon bösartiger - Blick von Ines vertreibt ihn wortlos. Wortlaut von Ines: „Jörg darf sich mit niemanden mehr unterhalten - der zieht solche Leute an.“ Dabei hatte ich ihn doch gar nicht angesprochen…!?!
Es geht weiter vorbei am alten Hafen bzw. den hellblau gestrichenen Kapitänsgebäude und am alten Clock Tower vorbei. Das hübsche, hellblaue „Old Port Captains Buildin“g war früher das wichtigste Gebäude am Hafen, hier im Amt des Hafenkapitäns, mussten sich alle einlaufenden Schiffe melden. Leider lässt sich die Robben-Kolonie die sich hier niedergelassen haben soll nicht ausmachen.
Bevor es zurück ins Hostel geht, schauen wir noch mal im Gebäude von Nomads - unserem Reiseveranstalter vorbei, was sich auch als sehr nützlich erwiesen hat, denn so erfahren wir, dass wir uns morgen hier einzufinden haben und nicht am Hostel abgeholt werden.
Unser letzter Abend in Kapstadt führt uns über die Long-Street zurück an unsere lieb gewonnene kleine Bar, in unserer mit Stacheldraht eingezäunten Backpacker-Unterkunft, in der wir abends noch Zeuge eines Einbruchs - oder so was Ähnliches - im Nachbarhaus werden…
Heute heißt’s zeitig aufstehen - 6.00 Uhr, damit wir rechtzeitig zum Tour-Start bei Nomad im Stadtzentrum sind und dabei lernen wir im Hotel gleich unsere ersten Mitreisenden - Ildiko und Jutta, unsere beiden deutschen Mädels (um die 30) - kennen, deren erste Frage ist, ob wir auch so wenig Camping-Erfahrung haben, wie Sie selbst - nämlich gar keine. Aber das scheint ja bei einer Camping-Safari auch nicht notwendig zu sein. Ich glaube mit den beiden werden wir noch viel Spaß haben! Aber wir lernen auch Steve, der gleich nach einem Kaffee schreit und seine Tochter Annie kennen. Das gemeinsame Taxi, was wir uns mit Jutta und Ildiko teilen, bringt uns zu unserem Nomad-Hauptquartier, wo auch schon der Truck auf uns wartet. Der Fahrer ist schwarz (ja, ja…politisch unkorrekt) und heißt Franz - wird uns aber leider nur den ersten Tag begleiten. Unser Truck - nicht Bus, darauf besteht Melissa, unsere Reiseleiterin - heißt übrigens Frankie, benannt wie alle Nomad-Truck’s nach bekannten Sängern, unserer eben nach Frank Zappa.
Langsam aber sicher finden sich alle Mitreisenden ein und der Truck füllt sich mit Leuten. Nach mehreren Sitzplatzwechseln sitzt endlich jeder an einem Platz mit dem er leben kann. Unsere Truppe ist recht international und besteht aus 7 Koreanern (Pigo und seine Schwester Kate, Rachel, Charly und noch einige andere), 8 Deutschen (außer uns sind noch Jutta, Ildiko, Werner und Monika, sowie Denise und Sascha mit von der Partie), Tom unser Kanadier, Anne vertritt die holländische Fraktion, Ann-Louise (Dänin) und Graig (England) - leben jetzt in Australien, Steve mit Annie aus England (leben jetzt in Dänemark) und last but not least John auch noch aus England.
Nach einer kurzen Bergüßung geht’s los, doch erstmal nicht besonders weit, denn wir machen noch einen Zwischenstopp an der Waterfront, um Vorräte einzukaufen und Geld zu tauschen - für einige ein schwieriges Unterfangen. Ausgerechnet unsere 2 Deutschen - Ildiko und Jutta - kommen eine ¾ Stunde zu spät zum Treffpunkt, weil das Einlösen der Reisechecks nicht ganz unproblematisch war. Eine Schande für die deutsche Pünktlichkeit. Auch wir haben unseren alten nervigen Freund von gestern wieder getroffen und erfolgreich abgewimmelt; Ines sei dank - warum ist sie nur so unhöflich den Schwarzen gegenüber? Wir verpassen beim Shoppen die Gelegenheit noch Decken zu kaufen - wir sollten es die nächsten Tage noch bereuen. Kapstadt verlassen wir über die M5 in Richtung Norden und werfen noch einen Blick auf die Flats links und rechts der Straße, das sind die Slums oder auch Townships, in denen tausende Schwarze ihren Traum vom Leben in der Stadt verwirklichen wollen. Dann geht’s weiter auf der C25 Richtung Norden. Die Natur wird grüner und bunter - denn schließlich haben wir hier Frühling - vorbei an schier endlosen Weinplantagen auf den sanften Hügeln.
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13.00 Uhr sind wir an unserem ersten Camp, dem Gekko-Camp in den Cedarbergen angekommen. Wir nutzen die Gelegenheit und schauen uns die Umgebung an und schlagen uns einen Weg durch die Büsche zum Olifants-River, der zur Zeit Niedrigwasser hat und der größte Teil des Flusslaufs aus riesigen weißen Sandbänken besteht. Einige von uns wagen die Flussdurchquerung, aber wir ziehen als nächstes die Besichtigung der duftenden Citrus-Plantagen, inklusive Verkostung der Orangen vor. Zurück von unserer kleinen Wanderung im Camp angelangt, steht ein landestypisches Abendessen auf dem Programm: Braai - ein dreibeiniger gusseiserner Topf der im Lagerfeuer um das wir nun alle herumsitzen, beheizt wird.
Eine ganze Menge Hühnerbeinchen in noch mehr Zwiebeln kräftig anbraten, Tomatenpüree dazugeben, weiße Bohnen, Möhren und Kartoffen und wieder Zwiebeln dazu, würzen mit Majoran und Chutney; Boullion und etwas Stärke zum Andicken zugeben; zum Schluss kurz den Weißkohl zugeben und gar köcheln lassen (Zubereitungszeit ca. 2 h - viel zu lang).
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Es wird immer kälter und wir verziehen uns alle in die Aufenthaltshalle, aber das Zelt ruft irgendwann. Wir sollten in dieser Nacht vor Kälte kein Auge zubekommen und den Morgen wirklich herbei sehnen…
Wir brechen die Zelte ab und nehmen die C25 weiter über Garies mit diversen Pinkelpausen in teilweise recht trostlosen Gegenden. Die Landschaft wird aber etwas farbenfroher und die Wolken hängen tief über den kargen Bergen - wir sind im Namaqualand angekommen. Mittagessen gibt’s nach stundenlangem Fahren nur auf einem kleinen Parkplatz an der C25 - leckere Sandwiches - von denen wir am Ende unserer Reise mehr als genug gegessen haben werden. Es geht über die teils holprigen Straßen, wobei öfters Rucksäcke und Reisetaschen von den über unseren Sitzen befindlichen Ablagen stürzen - mich haben bereits drei getroffen, womit ich der alleinige Rekordhalter bin. Es werden aber nicht die letzten gewesen sein. Kurz vor Springbok - einen kleinen Ort im Norden Südafrikas - wird die Landschaft durch Berge und Büsche wieder interessanter. Hier ist unsere letzte Möglichkeit uns mit Medikamenten und Batterien für unsere Taschenlampe einzudecken. Unsere weitere Investition ist ein südafrikanischer Stromadapter für nur 20 Rand. Im nächsten Shop sahen wir den gleichen für nur 5 Rand - knirsch…, aber 1,50 € hin oder her, unsere beiden deutschen Mädels - Jutta und Ildiko, die sich hier schon die Haare machen lassen müssen, haben ihn für noch deutlich mehr erstanden und auch unseren Koreanern ging es ähnlich wie uns.
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Die Stadtbesichtigung fällt kurz aus, der kleine Hügel in der Stadtmitte, der „Monument Koppie“ genannt wird, wird von Denkmälern umringt, die des Anglo-Burenkriegs gedenken. Sonst gibt es nur ein paar Geschäfte und natürlich auch einen Drankwinkel (Kneipe) zu sehen.
Wir nähern uns der Grenze zu Namibia, die durch den Orange-River markiert wird und am Horizont erscheinen die ersten Berge Namibias, die den Oranje canyonartig umgeben. Der Oranje oder Orange River, Namibias südlicher Grenzfluss zu Südafrika, entspringt in den Drakensbergen und zieht sich über eine Länge von 1.800 km durch Südafrika. Der Oranje ist Ursache der Diamantenvorkommen an der namibischen Küste. Er spülte über Millionen von Jahren Diamanten aus dem südafrikanischen Kimberley in den Ozean. Von dort wurden sie von der Meeresströmung nordwärts getragen und von der Brandung in die Dünenfelder der Namib hinein. Ebenso transportiert er den Sand aus der Kalahari über die Meeresströmung in die Namib-Wüste. Vielleicht werden wir ja noch fündig…
Die staubige Sandstraße führt uns am Grenzort Noordoewer direkt entlang des Orange-Rivers, der hier Gariep heißt in Richtung Westen, bis an den Rand des Diamanten-Sperrgebietes. Unseren Camping-Platz in Fiddlers Greek erreichen wir bald und schließen noch eine kleine Wanderung in der Umgebung an. Dort treffen wir auch den mittlerweile bekannten Wildlife-Truck wieder, die uns schon die Fahrt über einige Male über den Weg gelaufen bzw. gefahren sind, die aber schneller waren als wir - und das mit Rentnern an Bord! Den Sonnenuntergang genießen wir auf einem kleinen Floß am Ufer - mit dem wir alle beinahe abgesoffen sind - es gibt halt Kapazitätsbeschränkungen. Es wird uns wieder einmal eine bitterkalte Nacht erwarten, in der wir kaum ein Auge zubekommen werden, nicht zuletzt durch das extreme Schnarchen einiger unserer Mitreisenden, aber wenigstens hält das die wilden Tiere zurück.
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Wir lernen daraus, dass der Zeltnachbar gut ausgewählt sein will. Aber vorerst genießen wir die Wärme vom Lagerfeuer, in Decken eingehüllt, mit ein paar Würstchen auf dem Grill, die man hier Boorwurst (eine lustige Sprache) nennt…
6:30 Uhr - Aufstehen ist angesagt. Die Duschen sind lediglich aus Strohmatten die oben und unten offen sind, zusammengebaut und bieten daher beim Duschen einen schönen Blick auf den Orange-River und die dahinter liegenden Berge Namibias, aber leider keinen Platz zum Aufhängen der Klamotten!
Nach dem Frühstück nehmen wir an einer Halbtages-Kanutour auf dem Oranje teil. Es geht wieder flussaufwärts mit dem Truck, um von dort aus mit den ausgeliehenen Schlauchbooten weiter flussabwärts, Richtung Westen zum Camp zurückzufahren. Unsere Klamotten, Kameras etc. verstauen wir in Kunststofffässer, damit diese bei der rasanten oder ungeschickten Fahrt über die Stromschnellen nicht den Grund des Oranje schmücken. Tatsächlich fahren auch ältere Herrschaften, denen man eher eine Gehhilfe zugetraut hätte mit - Respekt! Nach anfänglichen Schwierigkeiten bekommen wir auch unser Boot in den Griff, natürlich nicht ohne uns zu schwören nie wieder gemeinsam in ein Boot zu steigen, und können die Natur am Ufer genießen. Die Stromschnellen halten sich Dankbarerweise wirklich in Grenzen. Um uns herum der Canyon des Oranje-Rivers auf beiden Seiten, Vögel die im Schilf nisten und Gott sei Dank keine Krokodile.
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Der Oranje ist einer der wenigen Flüsse Afrikas, der ohne diese possierlichen Tierchen auskommt. Dies sollte auch unser Glück sein, denn als wir im Camp ankommen, stellt sich uns noch die Aufgabe aus dem wackeligen Schlauchboot auszusteigen. Zu den folgenden Vorkommnissen existieren verschiedene Theorien:
Version Ines: „Endlich im Camp angekommen, darf ich gnädigerweise als erste Aussteigen. Das Boot fährt dank Jörg’s super Ruderkenntnissen rückwärts und ich darf ein kaltes Bad im ach so sauberen Fluss nehmen. Jörg hat nicht einmal gepaddelt, sondern nur gelacht, daher wurde das Boot durch die Strömung rückwärts getrieben.“
Die nachstehende Version kann die Unstimmigkeit, warum Boote rückwärts fahren besser erläutern und gilt daher als die Wahrscheinlichere:
Version Jörg: „Wir hatten noch nicht am Ufer richtig angelegt, als Ines an Land springt, ungeschickter Weise mit einem Bein an Land und mit dem anderen im Boot. Da bei dieser Strömung einer der beiden Paddler fehlt, konnte ich auch mit den vielen heldenhaften, rettenden Paddelschlägen nichts ausrichten und wurde vom Land weiter abgetrieben - und abgesehen davon war der Fluss, dass wärmste was uns die letzten Tage passiert ist - und sowieso mit einem Bein an Land und dem anderen im Boot, dann hat man’s nicht besser verdient.“
Nach erfolgter Grundreinigung unter der Dusche (zu allem Überfluss hat Ines dort auch noch das Duschbad stehen gelassen) und Trocknung der Sachen geht’s weiter Richtung Grenzübergang Noordoewer nach Namibia. Die Einreise erweist sich mit 1½ h als sehr langwierig und zeitraubend im Gegensatz zur Ausreise aus Südafrika. Wir suchen Schutz vor der Sonne im Schatten eines Truck’s der dieses Schicksal mit uns teilt. Unser Weg zum Hobas-Camp am Fish-River Canyon führt uns über die B1-Pad und weiter über die 316 und die 324 über holprige und staubige gewalzte Straßen, an deren Straßenrand hin und wieder ein paar der unwirklichen Köcherbäume stehen. Den ersten kleinen Zwischenstopp machen wir bei einer Reihe der giftigen Pencil-Büsche, die zur Familie der Wolfsmilchgewächse zählen. Es bleibt abzuwarten wer von unserer Reisetruppe zuerst versucht diesen Busch mit Körperflüssigkeit zu wässern.
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Am Camp-Hobas angekommen, heißt es erstmal Zelte aufbauen um dann sofort zum Fish-River Canyon aufzubrechen, damit wir diesen noch vor Sonnenuntergang erreichen. Der Fish River ist mit 650 km der längste Fluss in Namibia und entspringt im östlichen Naukluft Gebirge und mündet südwestlich von Ais-Ais in den Oranje. Der Canyon gehört zu den eindrucksvollsten Naturschönheiten im südlichen Teil Namibias und gilt nach dem Grand Canyon in Amerika, als zweitgrößter Canyon der Welt. Die Schlucht windet sich über eine Distanz von rund 160 Kilometern von Seeheim durch das zerklüftete Koubis-Bergmassiv bis hinunter nach Ais-Ais. Er entstand vor rund 500 Millionen Jahren während der Pluvialzeiten, das sind regenreiche Klimaepochen und ist damit auch der älteste Canyon der Welt. Die Schlucht entstand jedoch nicht allein durch Wassererosion sondern durch Einbrechen der Talsohle auf Grund von Bewegungen in der Erdkruste.
Wir fahren zum Anfang des Canyons im Norden. Eine Wahnsinns-Aussicht hat man hier vom Höllenbogen aus, auch Hell’s Bend genannt. Vom Rand geht’s ziemlich steil mit bis zu 550 Meter in die Tiefe. Das Fotografieren erweist sich bei Gegenlicht als nicht besonders einfach. Zur Zeit führt der Fish River nur wenig Wasser, wie dies im Winter und Frühling häufig der Fall ist und schimmert in der Abendsonne. Den Sonnenuntergang über den Canyon können wir bei Bier und Chips gemütlich von einem nahe gelegenen Aussichtspunkt erleben.
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Am Straßenrand warten schon einige Einheimische Nama auf unser Kommen; den Gesichtszügen nach zu urteilen, Buschmänner, die natürlich in dieser „Zivilisation“ völlig fehl am Platz sind und eher depressiv und verwirrt wirken, da ihr eigentlicher Lebensraum zerstört ist - ein etwas trauriger Anblick für uns. Unser Zwischenstopp ist kurz, nur fix einkaufen, was man halt so braucht; Bier und Medikamente. Auf der C14 in Richtung Namib-Naukluft-Park laufen wir zwischendurch auf einen liegen gebliebenen Jeep auf. Die beiden Fahrer sind schwer damit beschäftigt, den Wagen anzuheben, um das kaputte Hinterrad zu wechseln. Aber Melissa ist vorsichtig und checkt erstmal die Lage, den es könnte ja auch eine Falle sein - soll schon vorgekommen sein. Aber die Luft ist rein und so packen alle Männer gemeinsam an und heben das Auto an, sodass der Reifen gewechselt werden kann. Der Wagenheber, den die beiden dabei hatten, war offensichtlich kaputt. So selten wie hier einer vorbeikommt, hätten die Beiden noch Tage hier ausharren müssen. Wir nutzen den unfreiwilligen Stopp für unser Mittagessen.
Später kommen wir an einem vermeintlich großen Ort zumindest auf der Landkarte nach vorbei - Helmeringhausen. Der Ort ist mit einem Blick zu nehmen - eine breite Straße für den Durchgangsverkehr, von dem man hier lebt, ein schönes altes Hotel wie im Deutschland der 30er Jahre, ein Bottle-Store mit Autowerkstatt, sogar ein Freilichtmuseum und natürlich auch ein Drankwinkel - auf gut deutsch Kneipe - und das alles auf 100 Meter - nur Wohnhäuser sieht man hier keine.
Das ist Alles was wir heute zu Gesicht bekommen, obwohl wir heute mehrere 100 km zurückgelegt haben und lediglich ein oder zwei Autos gesehen haben - völlige Einsamkeit. Wir verlassen Helmeringhausen weiter auf der C14 in Richtung Namib-Naukluft-Park und langsam beginnen sich die Berge des Tiras-Gebirges zur rechten und die orangefarbenen Dünen der Namib-Wüste zur linken sich ins Bild zu drängen. Ich habe aufgehört, die Gepäckstücke zu zählen, die mich von oben erschlagen haben und außerdem macht die Erkältung mit Fieber schon langsam zu schaffen. Der Namib-Naukluft Park ist mit einer Gesamtfläche von rund 50.000 qkm Namibias größtes Naturschutzgebiet und umfasst einen rund 100 bis 150 Kilometer breiten Gürtel entlang der namibischen Küstenwüste. Der überwiegende Teil dieses riesigen Gebietes ist für Menschen nicht zugänglich. Das Naukluft Gebirge mit seinen schroffen Felsmassiven und tief eingeschnittenen Flusstälern erhebt sich rund 1.000 Meter über die Umgebung mit den höchsten Erbebungen bis zu 1.949 Meter.
Wir erreichen erschöpft von der langen holprigen und staubigen Fahrt das Sesriem-Camp. Es verfügt sogar über einen kleinen, aber dafür sehr schmutzigen Swimmingpool, den sogar einige mutige von uns nutzen. Der Pool in der Wüste wirkt fast wie eine Fatahmorgana. Auch unser Nachtlager ist abenteuerlich; ein riesiger Baum bietet mit seinem Blätterdach - es ist eine Akazie - Schutz für die Nacht. Man fühlt sich unter diesem Baum im Zelt fast wie ein kleiner Hobbit. Zahllose Vögel nisten darin und zwitschern dem traumhaften Sonnenuntergang über den orangenen Dünen entgegen. Unsere beiden Deutschen Mädels haben beschlossen außerhalb dieses Baumes eine neue deutsche Kolonie zu gründen und ziehen es vor unter der nächstbesten Akazie ihr Nachlager aufzuschlagen. Bei den ca. 9 Millionen Stacheln die eine Akazie hat, wünschen wir viel Spaß im Nachtlager. Auf jeden Fall ist dieses Camp einfach traumhaft gelegen…abgesehen von den vielen Moskitos.
Noch vor 5 Uhr geht’s raus, die Zelte werden gar nicht erst abgebaut sondern nur lose ausgehängt, damit diese nicht wegfliegen - ohne Beladung. Wir springen alle - die Einen früher, die anderen etwas später - ungewaschen in den Truck, wartend auf den ersten Sonnenstrahl, denn früher werden wir nicht in den Naukluft-Nationalpark eingelassen. Aber dann heißt es sich zu beeilen, denn wir haben noch 45 km vor uns, bis wir die Düne 45 erreichen, auf der wir den Sonnenaufgang vollends beobachten wollen. Diese Strecke legen wir im ausgetrockneten Flussbett des Tsauchabs zurück. Unser Fahrer Willhelm - Südafrikaner und wahrscheinlich wieder Barfuss am Steuer, gibt Vollgas. Die Dünen links und rechts von uns, werden immer größer und beginnen bei den ersten Sonnenstrahlen orangerot zu leuchten - atemberaubend. Wir sehen links von uns das erste richtig große Dünenbauwerk und sind am Ziel - Düne 45. Gezählt werden die Dünen vom Meer her kommend im Kilometerabstand - wir haben also noch 45 km bis zum großen Wasser. Wir wollen bei Sonnenaufgang oben sein. Die Sonne steigt langsam am Horizont auf, aber sie ist nicht unser größter Feind, sondern der Sturm der noch immer nicht aufgehört hat. Man sieht wie der Sand von der Düne aus noch mehrere Meter weit weggetragen wird. Wir beginnen den Aufstieg voller Tatendrang, kommen aber immer mehr ins stocken. Man macht 3 Schritte vor und 2 wieder zurück, es ist unglaublich wie tief man in den feinkörnigen Sand einsinkt. Das Atmen fällt zunehmend schwerer, allein schon durch den Sand der in der Luft liegt - man fühlt sich regelrecht gesandstrahlt. An Hinsetzen ist nicht zu denken, da der Sand so knapp über den Boden noch viel schlimmer ist. Jeder Schritt wird zur Qual und vor allem auch deprimierend, da man beim Blick zum Gipfel, der immer wieder vom Neuen aus dem Nichts zu erwachsen scheint, nur endlosen Sand sieht und nicht merkt, dass man überhaupt einen Schritt weiterkommt. Die Erkältung und das Fieber fordern auch bei mir seinen Tribut. Auch Ines gibt auf und so geben wir beide vielleicht 30 Meter vor dem Gipfel auf - obwohl dieser schwer auszumachen ist, da bei der Menge an Sand Fixpunkte zur Orientierung einfach fehlen.
140 m wären es gewesen, hätten wir den Aufstieg geschafft, aber immerhin hat es auch keiner von uns wirklich weiter geschafft als wir. Das keiner auf dem Gipfel war ist nur ein schwacher Trost, aber dennoch sehen wir die Sonne über der Wüste aufgehen; ein grandioser Augenblick, wenn sich die Dünen in ein sattes orangerot färben. Dieses Martyrium hat sich trotzdem gelohnt, der Abstieg geht ruckzuck mit großen Schritten und macht richtig Spaß. Unten angekommen haben uns Melissa und Danika - unsere zweite Reiseleitung - ein grandioses und deftiges Frühstück mit Speck und Eiern zubereitet und wie zu erwarten war, vom Sandsturm keine Spur mehr. Der heiße Tee bzw. Kaffee lässt die eingefrorenen und lahmen Glieder wieder Leben einhauchen.
Die Dünen der Namib Wüste entstanden im Laufe von vielen Millionen Jahren. Sand, vom Oranje Fluss unablässig ins Meer gespült, wurde durch den Benguela Strom an der Küste entlang nordwärts transportiert. Die Brandung schob den Sand an Land. Küstendünen entstanden, die durch den Wind landeinwärts verlagert wurden. Noch immer lagert der Wind den Sand der Wanderdünen unablässig um. Auf dem flachen Luvhang treibt er die Sandkörner aufwärts bis zum Dünenkamm. Dort fallen sie im Windschatten frei herunter. Der Leehang ist darum stets erheblich steiler als der Luvhang. Und daher lässt sich auch über die Windrichtung die Jahreszeit bestimmen; im Winter und Frühjahr weht der Wind landeseinwärts und im Sommer und Herbst von landinneren Richtung Küste. Die Namib ist mit einem Alter von ca. 80 Mio. Jahren die älteste Wüste der Welt. Dabei ist sie knapp 2.000 km lang und 160 km breit und knapp 95.000 qkm groß.
Mit unserem Truck geht’s etwas ruhiger weiter, bis der Sand zu locker für uns wird. Von hier aus geht’s die letzten 5 km auf der Ladefläche eines 4x4-Jeeps weiter bis zu den Dünen von Sossusvlei, an den Ort, wo das Wasser des Tsauchabs, durch dessen ausgetrocknetem Flussbett wir die ganze Zeit gefahren sind, versickert und verdunstet. Vor ein paar Tagen wäre hier sogar noch Wasser gewesen - knapp verpasst. Jetzt ist nur noch der mitgeschwemmte weiß-beige Lehm zurückgeblieben, der einen netten Kontrast zu den orangenen Dünen und den blauen Himmel zaubert. Es beginnt eine ca. 10 km lange Wanderung durch die Wüste, geführt von einem Buschmann, natürlich nicht mehr in der typisch spärlichen Bekleidung, sondern in der Uniform eines Parkwächters. Seinen Nachwuchs zieht er ebenfalls als Parkwächter heran - vielleicht eine kleine Chance für die Buschmänner und deren Wissen, deren Lebensraum immer weiter eingeengt wird.
Die San, volkstümlich als „Bushmen“ oder "Buschmänner" bezeichnet, sind die älteste Bevölkerungsgruppe in Namibia und leben seit vermutlich 20.000 Jahren im südlichen Afrika. Die kleinwüchsigen, freundlichen Menschen sind eigentlich Jäger und Sammler. Die San haben ein sehr tiefgehendes Verständnis der Natur und ihrer Ökologie, was wir auch bei seinen lustigen Erzählungen vermittelt bekommen. Sie sind in der Lage, Hunderte von Pflanzenarten zu unterscheiden und gelten zudem als ausgezeichnete Fährtenleser. Man schätzt, dass rund 30.000 San in Namibia leben, davon jedoch nur noch höchstens 2.000 auf traditionelle Weise. Erschreckend ist die Art der Leichtigkeit, mit der er quasi über den Sand zu schweben scheint - für uns ist dies noch deprimierender, als der Weg durch den Sand eh schon ist.
Mittlerweile ist die Temperatur auf 40°C angestiegen, kein Schatten oder ein kleines Lüftchen, welches uns kühlen kann. Wir finden allerlei Getier - von den kleinen Nebeltrinkerkäfern, die mit ihrem Hintern auf den Boden klopfen und sich so verständigen und viele giftige Spinnen, wie die Wheel-Spider, mit deren Fortbewegungsart sie ihren Namen alle Ehre macht. Diese lockt unser Bushmann für uns mit einem kleinen Strohhalm aus den Erdlöchern. Und dann gibt’s noch die vielen kleinen vertrockneten Gräser die bei Berührung mit Wasser sofort aufblühen, die schönen gelb leuchtenden Kameldornbäume und auch die !Narra-Sträucher, die mit ihrem Buschwerk am Aufbau und Zusammenhalt der Dünen einen beträchtlichen Anteil leisten. Man nimmt an, dass es die Pflanze, die gut 100 Jahre alt werden kann, hier schon seit 40 Millionen Jahren gibt. Mit ihren bis zu 30 cm dicken und bis zu 40 Meter langen Wurzeln sollte auch die Wasserversorgung kein Problem sein. Die Früchte des endemischen Narra-Strauches sind melonenartig und enthalten viel Wasser, eine einzelne Oryx-Antilope kann sich von einer Frucht den ganzen Tag ernähren. Im Übrigen regulieren diese Tiere ihren Energiehaushalt indem sie ihre Körpertemperatur der Umgebungstemperatur anpassen - ähnlich, wie ich mit meinem Fieber. Der kleine Wüstenspaziergang führt uns zum Dead-Vlei, eine lehmige Senke zwischen den Dünen, im Durchmesser sicherlich 1 km - mit vielen abgestorbenen Bäumen, die einst hier im Flussbett des Tsauchabs standen, als er hier versickerte. Die Dünen schlossen sich durch den Wind und der Flusslauf änderte seine Richtung, eben in die Richtung des heutigen Sossusvleis. Auf die gleiche Art ist auch das benachbarte Hidden-Vlei entstanden. Ein bizarrer Anblick sind die abgestorbenen 500 bis 900 Jahre alten Bäume, die im Dead-Vlei aufgrund der Trockenheit nur sehr langsam verwittern. Die umgebenden orangefarbenen Dünen zählen mit über 300 Meter Höhenunterschied gegenüber der Pfanne zu den höchsten der Welt. Die höchste unter ihnen ist Düne 7 auf die wir gerade blicken, sie wird von den Einheimischen wegen ihrer Höhe und des langen Aufstiegs zum Gipfel Big Daddy oder Crazy Dune genannt. Auf einigen Dünen kann man sogar ein paar „Bergsteiger“ - ob verrückt oder mutig, darüber kann man streiten - als kleine winzige Punkte wahrnehmen.
Der Beweis, dass die Wüste lebt ist schnell gemacht, ich trete fast auf eine Milchschlange, die schnell zur Attraktion aller wird. Craig - als quasi Australier - ist an Schlangen offensichtlich gewöhnt und packt sie am Schwanz, wir schießen unsere Bilder lieber mit etwas Respektsabstand. Bevor wir den Rückzug in Richtung Camp antreten haben wir auch die Möglichkeit dem gehen in der Wüste etwas gutes abzugewinnen, denn im weichen Sand kann einem ja nix passieren und so sprinten in vollen Zügen eine 50 Meter Düne herunter und brauchen dafür gerade mal 10 Schritte - geil! Zurück am Truck stellen wir fest, dass unser Wasserbehälter - also unsere schwarze Tonne hinten, unter dem Truck, leer ist und so müssen wir zur Konkurrenz von Wildlife gehen und nach Wasser betteln.
Im Camp angekommen ist das Ausmaß des Sandsturmes auszumachen. Bei John hat sich sogar ein kleiner - aber dafür besonders giftiger - Skorpion in den Zeltsack als Schutz vor dem Sturm verkrochen. Wir dagegen nutzen als erste die Gelegenheit zum Duschen - da wir als einzige den Weg vom Campeingang zu unseren Hobbitbaum zu Fuß zurücklegen - und sind damit auch die Einzigen, denn nach uns ist das Wasser aus, schließlich mussten wir ja unsere Haare auch mehrmals Waschen um den Sand auch nur halbwegs herauszubekommen. Dafür ernten wir nicht gerade den Dank unserer Mitreisenden, aber von der Sauberkeit hat man hier in der Wüste eh nicht lange etwas. Es heißt Zelte abbauen und aufbrechen in Richtung Sesriem-Canyon, einen kleinen aber dennoch recht beeindruckenden Canyon der vom Tsauchab über 2 bis 4 Millionen Jahre herein gegraben wurde. Da der Fluss zur Zeit ausgetrocknet ist, können wir problemlos in den 30 m tiefen Canyon herabsteigen und eine Wanderung im Flussbett machen. Früher hatte man 6 Ochsenriemen aneinander binden müssen, um herabzusteigen - daher der afrikaans-Name Sesriem (Sechsriemen). An einigen Stellen steht sogar noch etwas Wasser.
Wir nehmen die C-26 Pad Richtung Norden und treffen auf einen kleinen zuckersüßen Ort - Solitäre. Ort ist schon fast übertrieben, denn es ist lediglich eine kleine Tankstelle mit einem Bottlestore, der sehr liebevoll mit alten deutschen Büchern etc. eingerichtet ist, eine Baracke für unsere Duschen, einem Wassertank und unserem Zeltplatz.
Wir genießen etwas entfernt von unserem Zeltplatz den Sonnenuntergang über den letzten kleinen Dünen der Namib am Horizont mit den sich angrenzenden Grünflächen in denen gerade Brüllgeckos ein Ständchen geben und hinter uns die Tsarisberge, rosa angeleuchtet von den letzten Sonnenstrahlen mit dem Mond darüber. Ein Omen, denn es sollte eine lange Nacht werden…
Es fing damit an, dass wir nach diesem Tag in der Wüste großen Durst hatten und Melissa uns einen kräftigen Punsch machte, anlässlich eines Feiertages, der Koreaner vielleicht - aber so genau weis das keiner mehr. Die Stimmung war bei allen super und so kommen bald einige neue Gäste vom Wildlife-Truck zu uns ans Lagerfeuer. So auch Tommy - ein quasi-Reiseführer, der eine etwas eigenwillige Koreanerin durchs Land kutschieren muss. Aber wir sollten ihn in den nächsten Wochen noch öfters wieder sehen. Ines hatte es sich derweil zum Ziel gemacht unseren alten ehrwürdigen Steve unter den Tisch zu trinken - zumal er jetzt mittlerweile ein Weinglas aus Plastik, seinen so genannten heiligen Gral, nach mehreren Tagen Suche in allen Geschäften Namibias, endlich erworben hatte. Und so nahm der Abend seinen Lauf. Es gesellten sich noch einige einheimische Solitärer - also wahrscheinlich der ganze Ort - angelockt von guter Stimmung und etwas kostenlosen Alkohol zu uns ans Lagerfeuer. Am Ende des Tages war die Schlacht geschlagen - Steve flüchtete sich mit den Worten „She’s so terrible.“ - gemeint war natürlich Ines - ins Zelt. Aber bei uns beiden hätte auch nicht mehr viel gefehlt…
In Walvis Bay angekommen, haben wir im Stadtzentrum erstmals seit ein paar Tagen wieder Kontakt zur Zivilisation. Ein sauberer ordentlicher, fast schon deutscher Ort, der ein wenig in Nebel gehüllt ist und es ist kühl. Aber hier finden wir die nobelsten Villen von ganz Namibia. Nach kurzem Shopping und der Suche nach Toiletten geht’s zum Hafen, wo wir die Gelegenheit zum Mittagessen auf einem Parkplatz wahrnehmen und den Blick auf den Atlantik schweifen lassen - das gesamte Hafengebiet ist voller rosa Flamingos - so weit das Auge reicht. Walvis Bay wurde, obwohl schon 1487 von Diaz entdeckt, im Jahre 1793 durch die Kap Holländer gegründet und zählt mittlerweile rund 50.000 Einwohner und macht einen relativ geschäftigen Eindruck. Auf den 3.500 Hektar großen Salzfeldern werden jährlich 400.000 Tonnen Salz gewonnen und in der Lagune wurden 120.000 Vögel gezählt, darunter zahllose Flamingos und Pelikane, sowie bis zu 200.000 Zugvögel.
Die Tour geht nach dem Mittag weiter über die B2 mit Ziel: Swakopmund. Wir kommen Swakopmund immer näher und fahren an einem kleinen noblen Wüstenort vorbei, indem Brad Pitt und Angelina Jolie ihren letzten Urlaub verbracht und ihren Nachwuchs zur Welt gebracht haben. An einigen Stellen finden wir ein paar auf Grund gelaufener Schiffswracks entlang der Küstenstraße. Viel weiter nördlich entlang der Skelleton Coast, liegt der größte Schiffsfriedhof der Welt, den wir leider nicht zu Gesicht bekommen werden - zumindest nicht in diesem Urlaub.
Wir überqueren den zur Zeit trockenen Swakop und erreichen Swakopmund über den Kreisverkehr. Swakop steht für den gleichnamigen Fluss, was soviel wie „Sch…“ wegen der Färbung bedeutet und -mund für die Mündung zum Meer.
Swakopmund hatte während der deutschen Kolonialzeit als Hafen große Bedeutung, auch wenn die Küstengewässer eigentlich zu flach sind, eine geschützte Bucht fehlt und die Brandung zu stark ist. Lüderitz war jedoch zu entlegen und hatte kein Süßwasser, und der Seehafen Walvis Bay war damals in britischem Besitz. Im August 1892 steckte darum das Kanonenboot "Hyäne" unter dem Kommando von Hauptmann Curt von François eine Landestelle nördlich der Mündung des Swakop Flusses ab, und ein Jahr später wurden 40 Siedler aus Deutschland und 120 Angehörige der Schutztruppe mit Brandungsbooten an Land gerudert, ein abenteuerliches Unterfangen. Erst 1905 wurde ein 325 Meter langer hölzerner Landungssteg fertig gestellt, der später durch eine solidere Konstruktion aus Eisen ersetzt wurde. Swakopmund wurde zum Tor für Deutsch-Südwestafrika. Die gesamte Versorgung der Kolonie wurde über den kleinen Ort abgewickelt. Also ein recht geschichtsträchtiges Fleckchen Erde… Das Stadtbild des rund 30.000 Einwohner zählenden Ortes ist durch zahlreiche Kolonialbauten geprägt und vermittelt den Eindruck, man wäre in Deutschland um die Jahrhundertwende angekommen.
Die allgemeine Freude über 2 Nächte in einer „Lodge“ bzw. eher Jugendherberge ist nach den letzten Tagen in der Wüste leider schnell verflogen, als wir erfahren, dass es keine Doppelzimmer gibt. Vielmehr stehen uns 4- oder 8-Bettzimmer zu. Die Einzigen, die dies vorher wussten und auch entsprechend gebucht hatten, waren unsere beiden deutschen Mädels, die sich nach Ihrer Aussage auf diese Reise überhaupt nicht vorbreitet haben, knirrsch…, trotzdem ist die Freude groß, wieder in normalen und vor allem warmen Betten zu schlafen. Wir teilen unser Zimmer mit Anne-Louise und Craig, die am nächsten Morgen zur Skelleton Coast und Cape Cross aufbrechen wollen.
Wir nutzen unseren Aufenthalt in Swakopmund für einen kurzen Stadtbummel und um Geld abzuheben und treffen Steve, der unbedingt einen Plunger für seinen Kaffee sucht - erfolglos - und finden letztendlich in einer Stadt die an Deutschland um die Jahrhundertwende, allerdings mit Palmen erinnert, eine Apotheke - und wie ein Wunder, der Angestellte spricht deutsch - welch eine Wohltat, endlich Medikamente gegen Erkältung, Halsschmerzen und Fieber.
Abends gehen wir gemeinsam Essen beim Italiener. Für mich gibt’s ein Wiener Schnitzel - Essen wie in Deutschland - und genauso gut, für Ines gibt’s Pizza. Es gibt riesige Portionen, sogar so groß, dass unsere Koreaner sich riesige Stücke herunter schneiden und einen fröhlichen Essensaustausch untereinander veranstalten, den wir uns natürlich dankbar anschließen - so ist das mit anderen Sitten und Bräuchen halt. Wir trinken zwar noch ein paar, aber die Müdigkeit zwingt uns langsam ins Bett zu gehen - für einige geht’s sogar bis 2 Uhr Morgens.
Nur kurze Zeit später stoppt unser „Kapitän“ kurz und mit den Worten „Surprise, Surprise…“ springt auch schon eine 100 kg-Robbe an Bord. Wir können uns gerade noch von der Sitzbank hechten, sonst hätten wir dieses possierliche Tierchen auf dem Schoss sitzen gehabt - wer will das schon. Natürlich erwartet dieses Tierchen etwas für diese Glanzleistung - natürlich Fisch; und er wird sogleich gefüttert, sogar von Ines - aber er hat vom Fischessen einen unglaublichen Mundgeruch! Es scheint ihm bei uns an Bord zu gefallen, denn er lässt sich streicheln und füttern und füttern…
Unser Kapitän erzählt uns, dass die Robben, die hier an Bord kommen, von einer Aufzuchtsstation stammen und daher auch etwas zutraulicher als die meisten Artgenossen sind. Die Robbe, die gerade bei uns mitfährt heißt Kasanova - klar Ines ist ihm schon verfallen. An Bord kommen nur die Männchen, die Weibchen schwimmen lediglich zwischen den beiden Bord-Motoren - so gehört sich das auch. Beeindruckend ist, dass sie gleichzeitig aus dem Wasser kucken und trotzdem das Tempo von unseren Boot locker mitgehen können, so zum Beispiel Sally, die uns einige Zeit verfolgt. Aber natürlich wollen alle nur das Eine - Fisch, und den haben sie sich auch verdient.
Auch zwei Pinguine sehen wir hier im Wasser schwimmen. Unsere Fahrt geht auch an einer Vielzahl von Schiffen vorbei, die hier vor Anker liegen, weil die Hafensteuer zu teuer ist. Auf einem Schiff macht es sich sogar eine Robbe auf der Schiffsnase knapp über der Wasseroberfläche bequem. Es dauert auch nicht lang bis auch Möwen, Kormorane und Pelikane erfahren haben, dass wir Fisch ab Bord haben und über uns kreisen. Es ist erstaunlich, wie die Vögel den von uns bei voller Fahrt hochgeworfenen Fisch im Flug fangen. Unser Fischeimer wird immer leerer und umso erstaunlicher, dass die vollgefressenen Pelikane nicht abstützen. Aber wir machen es ihnen aber einfacher und halten an. Bei der Gelegenheit lassen sich die hübsch anzuschauenden Pelikane viel leichter füttern und kommen auch näher ans Boot heran. Ines hat die ehrenvolle Aufgabe diese grunzenden Pelikane zu füttern. Und weil wir nach soviel füttern auch mal was beißen wollen wir auch gleich die zu unserer Überraschung riesige Platte mit belegten Schnittchen und Brötchen ausgepackt, die im Übrigen auch sehr leckere Happen dabei hat. Auch 2 Flaschen Sekt müssen geleert werden, dabei ist es erst um 12. Ich hoffe hier macht keiner eine Alkoholkontrolle…
Unser Weg führt uns auch zu den Sandbänken vor der Küste auf denen sich knapp 60.000 Robben tummeln und auch hier lassen sich schöne Fotos, auch von kämpfenden Robben machen. Noch eine weitere Robbe springt bei voller Fahrt zu uns an Bord und möchte - was wohl - Fisch. Der ist aber ausverkauft und diese Robbe scheint nach Aussage unseres „Kapitäns“ ein eher unangenehmer Zeitgenosse zu sein, die er eh nicht füttern wollte. Das hält die Robbe aber nicht davon ab etwas länger an Bord zu bleiben und jede andere Robbe, die auf einen der anderen Boote ist oder auch nur in die Nähe unseres Bootes möchte, anzufauchen und zu vertreiben. Selbst beim Nachtanken macht er einen interessierten Eindruck. Aber er muss letztendlich dann doch vom Boot vertrieben werden - hungrig.
Zurück von unseren Ausflug und natürlich überglücklich unternehmen wir erstmal einen kleinen Stadtspaziergang in Swakopmund, kaufen Bananen für Ines und trinken am Strandkaffee einen richtigen Kaffee! Der Wind ist frisch und das Wasser zum Baden nicht besonders einladend, trotz kilometerlanger Sandstrände. Der Weg durch die Stadt für uns am Leuchtturm vorbei, durch schöne kleine und saubere Siedlungen und auch am Amtsgericht und am Bahnhof vorbei - die Stadt hat einfach Charme.
Zurück in unserer Unterkunft lassen wir erstmal für 30 Rand unsere gesamte Schutzwäsche waschen und trocknen. Abends zieht es uns natürlich zur Poolbar, auch Tommy ist hier wieder anzutreffen und jeder hat natürlich zu berichten, was er den ganzen Tag getrieben hat. Viele waren Quadfahren in der Namib, oder beim Sandboarden und einer unserer Koreaner sogar Fallschirmspringen und er hat seine Crew gleich mitgebracht. Ines findet mit den Jungs von Skydiving-Team gleich gute Gesprächspartner - warum auch immer, haben die Jungs doch beschlossen, meine Ines in den Pool zu schmeißen - natürlich mit den ganzen Klamotten. Klar, dass Ines die Lacher auf ihrer Seite hat und zum Fotoobjekt Nummer 1 wird. Die nassen Klamotten schaffen wir dann wieder zum Trocken. Als „kleine Entschuldigung“ bekommt Ines dann noch von Anthony ein Bierchen ausgegeben. Keine Ahnung wie es passiert ist, aber Ines ist nach einiger Zeit schon wieder im Pool gelandet und kostet die seit Tagen fehlenden Waschmöglichkeiten hier ausgiebig aus - und mir noch sauer sein, weil sie sich am Oranje-River so ungeschickt angestellt hatte! Also das Prozedere mit den nassen Sachen kennen wir jetzt schon und die letzten verbliebenen trockenen Sachen werden herausgekramt. Zumindest bleibt es bei dem Versprechen, wenn es uns nochmals hierher verschlägt, dann wird Fallschirm gesprungen! Auch heißt es Abschied nehmen von Rachel, unserer Koreanerin, die in den letzten Tagen ihren gesamten Jahresurlaub verbraten hat - mehr gibt’s da wohl bei Samsung nicht. Dafür stoßen aber noch zwei weitere zu unserer Truppe: Wolfgang, auch aus Deutschland und Maurice aus Holland, der aber einen seltsamen Eindruck auf uns macht - sehr aufdringlich und mit wenig Verständnis für Feingefühl, na ja. Nicht viel später, lädt uns Melissa gleich zur Kneipentour in Swakopmund ein, wir - Ines nur in Latschen - folgen mit einigen anderen treu und brav - wer soll denn auch den Weg zurück kennen (?) - und nachts ist Swakopmund wohl auch nicht das leichteste Pflaster. Wir trinken zwar noch ein paar, aber das Bettchen ruft uns und da Anne-Louise und Craig zur Skelleton-Coast unterwegs sind, haben wir unser Zimmer sogar für uns allein…
Leider sieht die namibische Regierung bislang keinen Handlungsbedarf für die vielen Probleme, sondern kritisiert das Himba Volk als unzivilisiert, rückständig und fortschrittsfeindlich. Die Himbas sind ein halbnomadisches Hirtenvolk, die im Wesentlichen Rinder und Ziegen hüten. Je nach Jahreszeit ziehen diese zu den Wasserstellen und so haben wir Glück, dass unser Campingplatz nicht allzu weit entfernt liegt. Aber ein mächtiges Gewitter zieht auf und wir können unsere Zelte im Regen aufbauen. Damit die Zelte nicht wegfliegen ist Teamwork gefragt - die Koreaner haben damit das geringste Problem. Vor unserem Truck wird noch schnell ein Vorbau, der mit Baumstämmen gestützt ist, aufgebaut unter dem wir alle Schutz finden. Natürlich werden wir bei der nächsten Windböe fast vom Vorbau erschlagen. Aber der Regen lässt auch bald nach, allerdings ist hier Regen immer mit einem kleinen Unwetter verbunden. Der Abend endet mit einer angenehmen und notwendigen Dusche die aus Strohmatten besteht, im Freien ist und ungefähr 15 qm (!) groß ist. Die Warmwasserversorgung erfolgt landestypisch mit etwas Brennholz, was wir freundlicherweise bekommen haben, um den Wasserkessel zu befeuern. Ines hat sich für die zweite Dusche entschieden, diese ist sogar aus Stein, dafür ist sie ohne Heißwasserversorgung, aber so kalt ist es auch nicht. Wir können zum Ausklang des Abends ohne Regen einen schönen Sonnenuntergang genießen. Später zieht es einige von uns schon zu den Himbas, die nicht weit weg von und ihr Dorf aufgeschlagen haben und berichten uns von einem weißen Häuptling - sehr mysteriös. Aber die Erfahrung wollen wir morgen doch lieber selbst machen…
Wir fahren weiter, haben aber leider nur kurz die Möglichkeit, einen Blick auf die über 6.100 qkm große Etosha-Salzpfanne zu werfen. Einstmals, vor rund zwei Millionen Jahren, gab es hier einen riesigen See, der durch den Kunene-Fluss gespeist wurde und später durch Änderung des Flussverlaufs allmählich austrocknete.
Bald erreichen wir den Campingplatz, der natürlich nach außen nicht abgesperrt ist und auf dem es nur so von Erdhörnchen wimmelt. Der Campingplatz verfügt über ein Wasserloch, an dem es am Abend eine Unmenge an Tieren zieht. Welche Tiere hängt von der Uhrzeit ab, denn hier gibt es klare Regeln, wer wann an das Loch darf und so ist es auch kaum verwunderlich, dass wir den Abend bis tief in die Nacht allesamt am Wasserloch zubringen. Verbunden mit dieser Ruhe und Friedlichkeit mit der die verschiedenen Tiere gleichzeitig am Wasserloch sind, natürlich mit 2 oder 3 Gläsern Wein, ist dies besser als jeder Fernsehabend. Die Nacht ist lustig - alle sind gut gelaunt und trinken reichlich - es ist wahrscheinlich, dass hier ein kausaler Zusammenhang existiert. Zum Abendessen gibt’s lecker gerillten Fisch - Snook oder auch Sergeant Fisch genannt. Trotz des schönen gemütlichen Lagerfeuers und der guten Stimmung zieht es uns alle doch wieder ans Wasserloch zur Tierbeobachtung. Dank der kleinen Flutlichtanlage die das Wasserloch beleuchtet und die die größten (2 - 3 cm), flugunfähigsten Käfer die wir je gesehen haben anzieht, können wir noch bis halb 2 am Wasserloch aushalten. Hin- und wieder laufen Schakale direkt an uns vorbei und ich meine direkt vorbei! Giraffen bewegen sich so sanft durch das Dunkel zum Wasserloch hin und wieder weg, ohne das man eine sichtbare Bewegung registriert hätte und so kommen und gehen Elefanten, Nasshörner, Zebras und Hyänen. Noch Stunden hätten wir hier sitzen und trinken, äh - beobachten können, wenn da nicht der Sandmann wäre. Dennoch ist es ein komisches Gefühl ohne eine Abtrennung von Schakalen, die nachts ums Zelt schleichen, inmitten der Wildnis zu campieren…manche haben nachts auch Löwen brüllen hören - wundern würde es mich nicht.
Am Nachmittag erreichen wir unseren Campingplatz in Namutoni. Hier laufen Warzenschweine und Mangusten frei herum. Wir bauen noch unsere Zelte fix auf und unternehmen noch einen kurzen Game-Drive in die Umgebung. Im Aufbau der Zelte haben wir schon genug Erfahrung gesammelt und so ist innerhalb von 5 Minuten der ganze Bus abgeladen und alle Zelte aufgebaut und eingeräumt. Einige von uns ziehen es aber lieber vor noch im Camp etwas Schlaf nachzuholen, aber die Chance in der Abenddämmerung noch einige Tierchen zu erwischen lassen wir uns nicht entgehen. Und es hat sich gelohnt. Wir sehen eine ganze Herde von Oryx-Antilopen im saftigen Savannengras, aber auch Schakale die gerade eine Riesentrappe reißen. Auf Englisch heißt der schwerste flugunfähige Vogel „Kori-bustard“ - Kommentar von Craig: „Can the Bastard fly?“. Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite und wir vor lauter Lachen kein scharfes Bild auf der Kamera. Zurück im Camp wird erstmal am Lagerfeuer gegessen und mit meinem heldenhaften Auftreten konnte sogar ein Schakal vom Lagerfeuer vertrieben werden. Gleich nach dem Essen ist schon wieder schlechtes Wetter im Anmarsch, deshalb setzen wir uns schnell noch eine halbe Stunde ans Wasserloch. Zwar sind hier keine Tiere, weil alle Wasserlöcher in der Umgebung voll sind, aber da am Horizont ein wahnsinniges Gewitter aufzieht und es alle 2-3 Sekunden blitzt, ist dies Unterhaltung genug für uns - natürlich gibt’s zum Fernsehabend auch ein Bierchen. Herrlich - überall ist Stille, nur ein paar Grillen zirpen im Gras und am Horizont blitzt es ständig. Es ist einfach herrlich, zumindest so lange bis der Sturm uns ereilt und so flitzen wir zu unseren Zelten zurück, wo Melissa und die Koreaner schon dabei sind die gesamten Zelte in den Windschatten des Trucks zu ziehen und aneinander zu binden und mit der Wasserabweisenden Haube zu überziehen. Wir helfen noch kräftig mit, trotzdem, uns bleibt nix übrig, als von Regen eingeweicht, in den Schlafsack zu krabbeln und das wirklich heftige Unwetter über uns hinweg ziehen zu lassen. Die Hoffnung auf einen trockenen Morgen bleibt…
Wir unternehmen eine kleine Morgenpirsch mit Erfolg. Uns läuft doch tatsächlich einer von 300 Löwen im Park über den Weg. Der Kleine ist gute 5 Jahre alt und bleibt uns auch lange vor der Linse. Der Wunsch dieses possierliche Tierchen zu streicheln geht für ein einige (ja wer schon Ildiko und Jutta) nicht in Erfüllung - wir sind der Meinung: „Schade!“. Der aufmerksame Leser hat bestimmt erraten, wer im Truck: „Och ist der süß, den möchte ich mal streicheln.“, von sich gegeben hat. Ergänzt wurde der Ausspruch mit einem frigidem: „Och Gott ist der süß, der ist ja wirklich so süüüüüüüüüß.“.
Die Fahrt geht weiter Richtung Tsumeb über die B1. Tom Henry, unser Buchautor, hat in einem Zeitungsausschnitt etwas über den Hoba-Meteoriten bei Grootfontein („Große Quelle“) gelesen und kann Melissa noch für einen kleinen Abstecher gewinnen. Der Abstecher von 24 Kilometer auf die „Hoba“-Farm hat sich gelohnt, vor uns liegt der größte und schwerste je gefundene Meteorit auf der Erde. Der Hoba-Meteorit ist 60 Tonnen schwer und besteht aus 82 % Eisen, 16 % Nickel und 1 % Kobalt. Sein Alter wurde auf 80.000 Jahre bestimmt. Viel Zeit bleibt uns leider nicht hier zu verweilen, denn wir haben erst das halbe Tagespensum absolviert und vor uns liegen noch 250 km auf der B8 bis zur Distrikthauptstadt Rundu an der angolaschen Grenze. Der ganze Truck ist am schlafen, selbst Melissa hat die Augen nicht offen halten können. Der einzige der hart am Arbeiten ist, ist Willhelm. Barfüßig und hin und wieder mit einem Schluck Bier oder Wein findet er den Weg nach Rundu.
Die Landschaft wird immer afrikanischer, man sieht strohgedeckte Rundhütten aus Lehm in kleinen Siedlungen unweit der Strasse stehen, das Buschland wird dichter und grüner und auch die Bäume immer zahlreicher. In Rundu angekommen, bleibt uns noch etwas Zeit, die letzten Besorgungen für das Okavango-Delta zu machen. Wir sparen nicht mit Bier und Wein und kaufen so richtig in einem Spar-Markt ein - natürlich mit Kontrolle von bis an die Zähne bewaffneten Männern am Ausgang, die unsere Beutel checken! Ines ist inzwischen stolzer Besitzer einer neuen Flecktarnmütze, als schmückender Sonnenschutz. Die 15 km bis zu unserem Camp am Okavango-River sind schnell überbrückt. Sanft gleitet der Okavango durch die grüne Landschaft, eine Farbe an die wir uns erst einmal wieder gewöhnen müssen. Unser Camp liegt in der Nyma Lodge, eine kleine sehr gepflegte Anlage mit einer für unsere Verhältnisse zu klein geratenen Bar. Es ist einfach toll hier am Ufer des Okavangos - hier soll’s auch Krokodile geben - zu sitzen und ein paar „Savanna-Dry“ zu trinken. Das Savanna-Dry hat es uns mittlerweile angetan. Dieses wahnsinnig lecker schmeckende und erfischende Cider wird langsam zum Kultobjekt. In ein paar Tagen werden wir den Okavango wieder sehen und zwar in seinem ca. 20.000 qkm großen Delta. Leider müssen wir noch unsere Zelte aufbauen. Es ist einfach ekelhaft, die klatschnassen schlammigen und stinkenden Zelte, die nicht trocknen konnten und bei der Hitze im Truck verstaut waren, aufzubauen. Mit dem „Einziehen“ warten wir noch ein wenig und genehmigen uns noch einige Savanna-Dry, nachdem die ausgegangen waren noch ein paar einheimische Bierchen und zu guter letzt noch die Alkopops, die noch die letzte eiserne Reserve der Bar waren. Die wenigen von uns, die einen Platz in der Lodge reserviert hatten, konnten sich glücklich schätzen, nicht in den stinkenden Zelten schlafen zu müssen…
Nach diesem netten Abstecher führt uns der Weg an einer kleinen Dorfkirche vorbei und wir werden sofort mit afrikanischen Gesängen begrüßt. 2 Deutsche - wer wohl - sind durch ihre Beweglichkeit beim Tanzen zu den Gesängen ganz besonders aufgefallen - mir persönlich wäre das peinlich! Natürlich nehmen wir auch an ein paar Gesangsaufführungen in der Kirche teil - gegen eine wirklich kleine Spende.
Uns steht noch ein langer durstreicher Marsch durch die staubige und sandige Landschaft bei unglaublicher Hitze bevor. Aber wir haben auch etwas Schwein und unser Führer entdeckt ein Chamäleon, welches sich gerade ein schattiges Plätzchen suchen wollte. Natürlich darf jeder mal fotografieren und auch anfassen, bevor es wieder auf seinen Ast gesetzt wird. Die Temperatur scheint jenseits der 40 zu liegen. Der Weg führt an einigen kleinen Hütten, denen man die Armut und die Nähe zu Angola ansieht vorbei. Auch ein megagroßes freilaufendes und etwas aufgebrachtes Rindvieh kann uns von unserem wohlverdienten Mittagessen nicht abhalten - vor diesen Viechern hatte aber jeder Respekt. Im Camp gehen einige der Pferde durch und rennen uns fast über den Haufen, aber es gibt auch friedlichere Steinböckchen und viele Vögel auf dem Gelände zu sehen.
Der Nachmittag ist bei der Hitze frei und so trinken wir ein paar Savanna (was sonst) in der Lodge mit Blick auf den Okavango; nur schwer vorstellbar, dass Angola keine 100 m entfernt auf der anderen Flussseite beginnt. Am Abend machen wir noch einen „Sunset-Cruise“ auf dem Okavango und glauben auch einige Krokodile um unser motorisiertes Floß gesehen zu haben. Wir schippern vorbei an einigen Einheimischen, die ihre Kleidung am Flussufer waschen und ein wenig im Wasser planschen. Das für uns alle überraschende Highlight ist, dass wir auf angolascher Seite von Bord gehen und von ein paar Kindern mit Willkommensgesängen begrüßt werden und natürlich für einen Obolus auch ein Foto „Illegal in Angola“ bekommen. Tja, wir haben es geschafft, wir sind illegal nach Angola eingereist…das Land hatten wir nicht auf unserer Rechnung. Auf dem Rückweg zum Camp sehen wir die Kleinen auf dem Rückweg nach Namibia durch den Krokodilverseuchten Fluss zurücklaufen und haben natürlich einen absolut traumhaften Sonnenuntergang über dem Okavango, man könnte meinen die Sonne geht nirgendwo schöner unter, als in Afrika. Der ganze Ausflug hat uns lediglich 40 N$ gekostet.
Beim Abendessen verstärkt sich unser Gefühl, dass einige doch besser die Krokodile hätten streicheln sollen - ja wer wird denn wohl gemeint sein…? Der Ton den unsere beiden Mädels gegenüber anderen Mitreisenden anschlagen ist nicht wirklich nett - manche sollten doch lieber Gruppenreisen meiden.
Dann verschüttet Ines auch noch ihr heißgeliebtes Cider und als ob das nicht genug ist, geht auch noch unser Truck „Frankie“ kaputt - erste Vermutung: Kupplungsschaden - und Willhelm ist dementsprechend geknickt - Freitag der 13. eben. Melissa gibt uns noch abschließende Verhaltensregeln im Okavago-Delta. So sollen wir doch allen ernstes - sollte plötzlich ein Löwe vor uns stehen - ihm tief in die Augen blicken, nicht wegrennen oder umdrehen, sondern ganz, ganz langsam rückwärts laufen. Sollte ein Nashorn auf uns zukommen, dann sollen wir rennen was das Zeug hält und wenn wir dann noch das Glück haben, einen Baum zu finden, dann sehr schnell und blitzartig dahinter verstecken. Nun, so langsam wird uns allen etwas mulmig. Bei Elefanten sollen wir noch zick-zack davonlaufen, um die schlechte Wendigkeit der Elefanten auszunutzen und uns dann ins Gras hocken und in die Hände klatschen - dies scheint der „Eli“ wohl mit Feuer in Verbindung zu bringen. Puhhh…das war einfach. Nur bei der Frage nach den Nilpferden bleibt eine rettende Antwort aus - lieber erst gar nicht zwischen Nilpferd und Wasser oder gar Futter gelangen - gar nicht so einfach, die Essen doch alles. Darauf muss erstmal was getrunken werden. Und wieder mal wird die Bar bis zum letzten Tropfen geleert…
Melissa bereitet uns heute ein ganz besonders gutes Abendessen zu. Es gibt leckeres Curry und allerlei andere Sachen dazu. Es wird sogar an die gedacht, die kein Fleisch (wer macht denn so was) oder kein Käse essen - wie löblich. Unsere beiden im Camping erprobten Deutschen, offenbaren uns allen, dass sie sich zum Zwecke des Schutzes vor wilden Tieren in der Nacht, so genannte „Pullerflaschen“ gebaut haben, sprich ehemalige Colaflaschen, die hoffentlich nie mehr recycelt werden und Nachts so die Blase will, im Zelt befüllt werden. Fragen wie: „Wer hält die Flasche?“, „Hat jeder eine eigene oder gibt’s eine Gemeinschafts-Pullerflasche?“ oder „Wie wird die volle Flasche (ohne Verschluss), denn nachts gelagert?“ oder „Wie trifft man denn im Dunkeln in das richtige Loch?“, haben uns vor Lachen nicht gerade besonders schnell einschlafen lassen und das obwohl wir auch diese Bar restlos leer getrunken haben. Mit „wir“ ist natürlich der gesamte Truck gemeint. Getrunken wurde übrigens in der gewohnten Reihenfolge: Savanna Dry, anderes Cider, Bier und Alkopops. Auf jeden Fall hat das Gelächter das ganze Okavango-Delta wach gehalten…
Die Größe des Deltas mit seinen über 20.000 gkm und die Besonderheit, dass der Wasserstand im Delta genau dann seinen Höhepunkt erreicht, wenn im Umland Trockenzeit herrscht, haben zur Folge, dass sich im Umfeld des Okavango-Deltas eine extrem vielseitige und dichte Tierwelt angesiedelt hat. Bisher wurden 71 Fischarten, 33 Amphibienarten, 64 Arten von Reptilien, 444 Vogelarten und 122 Säugetierarten identifiziert. Wir sind gespannt…
Der Morgen beginnt fast wie jeder andere auch mit einem ersten Blick aus dem Zelt, nur mit dem Unterschied, dass unsere beiden Zeltnachbarn eben nicht nachts hinterm Busch ihre Notdurft verrichtet hatten, sondern die „Pullerflasche“ gefüllt hatten und diese über die nächstbeste Grünfläche entleert wird (man muss aber mal dazu erwähnen, dass wir noch in einem sehr gepflegtem Camp sind, in dem sowohl Duschen, als auch Toiletten vorhanden sind). Ein Anblick der einen schnell wach werden lässt. Im Übrigen hängt der formschöne weiße Slip (wohl auch der Einzige) von Jutta immer noch in unserer Blickrichtung im Gebüsch zum Trocknen. Keine Ahnung warum die mit dem meisten Gepäck nur einen Slip mitgenommen haben?
Nach diesem Erlebnis zur frühen Stunde werden relativ schnell die Zelte abgebaut und das gesamte Equipment auf die 4x4 verladen. Die Fahrt geht durch unwegsames Gelände zu einem nicht allzu weit entfernten Steg, an dem schon zwei Schnellboote auf uns warten. Und schon wieder wird alles vom 4x4 auf die zwei Schnellboote verteilt und es folgt eine rasante und abenteuerliche Fahrt durch die noch relativ breiten „Papyruswälder“. Ein paar Vögel, die vom Lärm der Boote aufgeschreckt werden, sind zu sehen.
Nach einer guten dreiviertel Stunde ist „Mokorro-Island“ erreicht, wo auch schon unsere Fahrer warten, um uns mit den Einbäumen weiter und tiefer in das Delta zu fahren. Dafür können wir schon wieder unsere gesamte Campingausrüstung ausladen und auf die kleinen Einbäume, die natürlich nicht aus richtigem Holz sind, verteilen. Originale Einbäume werden übrigens aus dem Leberwurstbaum geschnitzt…lecker. Mit zwei Mann pro Boot geht’s los. Unser Fahrer, der übrigens „Information“ heißt, schiebt uns mit einer Stange langsam durch das stille Wasser. Über die Tatsache, dass es hier Krokodile gibt sind wir uns zwar bewusst - auch wenn unser Boot nur noch 5 cm bis zum Volllaufen hat, mehr braucht’s ja auch nicht - fühlen uns aber trotzdem sicher. Der Weg durch den Papyrus wird immer enger bis es eigentlich gar keinen erkennbaren Weg mehr gibt. Die Fahrt durch das meterhohe Schilf, vorbei an zahllosen Seerosen macht riesig Spaß, allein die Blickhöhe auf Wasserniveau ist schon fantastisch. Nach einiger Zeit haben wir auch unsere kleine Insel im Nirgendwo erreicht. Zivilisation gibt’s hier schon lange nicht mehr, das zeigen uns auch die unzähligen Hippospuren im Schlamm, sowie andere appetitliche Hippo-Überbleibsel um die herum wir unsere Zelte aufbauen. Ein wenig Angst haben wir schon und so fallen uns die Tipps von Melissa ein, die Sie uns am Lagerfeuer gegeben hat, wie wir uns bei den verschiedenen Tieren verhalten zu haben - für Hippos gab’s glaub ich keine!
Die Fahrer gönnen sich von der anstrengenden Fahrt, ebenso wie wir ein kleines Mittagsschläfchen in der glühenden Sonne. Uns allen wird etwas langweilig und offen gestanden hatten wir uns alle dieses viel gepriesene Highlight etwas anders vorgestellt, als auf einer einsamen Insel zu hocken. Bei vielen ist der Frust darüber groß - ganz besonders bei Monika und Werner. Am Nachmittag geht’s mit den Mokorros, den Einbäumen, zu einen kleinen Tümpel in der Umgebung und einige nutzen dies um ein wenig zu Baden. Maurice macht zu unser aller Freude eine super Figur beim Schwimmen, ähnlich der eines ertrinkenden Hundes, der um sein Leben paddelt - für viele ein dankbares Fotoobjekt. Auch die Badeanzüge unserer beiden deutschen Mädels sind hervorzuheben, ähnlich wie der Slip der heute früh noch über den Büschen hing. Natürlich müssen sich die beiden auch mit einem „Schwarzen“ beim Baden fotografieren lassen - welche Story wohl zu Hause dazu erzählt wird? Wir sparen uns den Sprung ins erfrischende Nass, zum einen weil die Wasserfarbe uns nicht besonders anmacht und zum anderen, weil es schließlich auch hier Krokodile und was noch viel, viel schlimmer ist: Blutegel und andere kleine Tierchen, die auf der Suche nach einem Wirt sind, gibt.
Am Abend geht’s dann noch mal mit den Mokorros zu einer weiteren kleinen Insel zur Tierbeobachtung - leider haben nur die Tiere gefehlt und besonders viel konnten uns unsere Bootsmänner auch nicht erzählen - kein Englisch! Nun gut, der Frust sitzt tief, weil man in der so angepriesenen arten- und tierreichen Gegend noch nix gesehen hat, aber vielleicht ist das auch besser, als wenn plötzlich ein Hippo vor einem steht.
Nach Sonnenuntergang gibt’s noch zu unserer Überraschung eine kleine lustige Tanz- und Gesangseinlage am Lagerfeuer von unseren Fahrern. Unsere Fahrer singen natürlich Shosholoza und wir müssen natürlich auch unseren Beitrag leisten und so muss jede Nation auch noch ein Ständchen erbringen. Für die Deutschen stimmt Werner gleich mal „Marmor, Stein und Eisen bricht…“ an, aber am beeindruckendsten ist der zarte elfengleiche Gesang unserer Koreaner… Nun die paar Bier, die wir mitgenommen hatten werden noch getrunken und dann verschwinden wir im Zelt mit der Hoffnung, dass keine Hippos unsere Nachtruhe stören. Was andere mit ihrer Pullerflasche so treiben soll uns erstmal egal sein…
Gegen Mittag geht’s dann zurück in Richtung Mokorro-Island, also wieder Zelte abbauen und alles in die Einbäume verstauen. Dort gibt es wieder einmal die lieb gewonnenen leckeren Sandwiches, die wir schon seit 2 Wochen essen. Auch hier heißt es wieder mal, alles in die Schnellboote verladen und es geht zurück durch die Papyruswälder zu unseren Jeep an Land, indem wir wieder das gesamte Gepäck verstauen. Aber nicht lange mehr, dann sind wir in unserem Zelt-Camp wieder angelangt und die Vorfreude auf eine warme Dusche ist riesig, wir stinken und sehen aus, wie die Schweine. Den Rest des Tages verbringen wir im Zelt-Camp und abends wird wieder einmal in gewohnter Weise die Bar geleert, die übrigens ein echtes Mokorro als Tresen hat. Unsere Getränkerechnung beläuft sich auf stolze 30 US$, also 9 Hunters, 6 Savanna, 1 Spin und 3 Castle…
Nach ein paar Stunden Fahrt passieren wir die Popa Falls. Es handelt sich dabei weniger um Wasserfälle als um Stromschnellen. Der Okavango durchbricht hier ein 4 Meter hohes Felsenriff in seinem Flussbett. Wir können zwar im Vorbeifahren einen Blick erhaschen, aber spektakulär sind die Stromschnellen wirklich nicht, dass sich das Aussteigen lohnen würde.
Mittags machen wir am Cuando-River noch einen kleinen Zwischenstopp zum Futter fassen. Die Zeit in der die leckeren Sandwiches zubereitet werden - diesmal bin ich wieder mit Küchendienst dran, nutzen wir um zum Fluss zu gehen. Zu unserer Freude baden dort einige Flusspferde. Das ist nicht gerade ungefährlich, denn mit den auf dem ersten Blick lustigen Tierchen passieren in Afrika die meisten Unfälle. Wir arbeiten uns durch die Böschung um einen guten Blick auf die Hippos zu haben und Maurice macht auch hierbei wieder eine tollpatschige Figur und macht sich bald selbst zu Hippofutter - nicht nur zwei linke Hände, sondern auch zwei linke Füße. 9 Hippo’s konnten wir sehen und schnaufen hören - toll, dieses friedliche schnaufen in der Mittagshitze. Aber es wird jetzt erstmal Mittag gegessen, bei der Gelegenheit Maurice auch noch sein Essen runterschmeißt - der Kerl braucht echt ne Frau.
Wir stocken unterwegs noch unsere Alkoholvorräte auf und Fahren nach Katima Mulilo zur Zambesi-River Lodge. Auf der anderen Seite des Zambesi ist schon Sambia in Sichtweite. Die Lage direkt am Zambesi ist sehr idyllisch - besonders der Sonnenuntergang, auch wenn bei den sanitären Anlagen das Licht nicht geht. Also wird halt eben im Dunkeln geduscht - man kennt ja den eigenen formschönen Körper, da braucht’s wirklich kein Licht. Das ist doch auch mal ne Erfahrung wert, hoffentlich bleiben nur die riesigen Spinnen an der Decke! Abends gibt es zur Abwechslung mal Wein aus unseren 5 L-Weinpaket - aus dem Blechnapf, der sich Tasse nennt, ein besonderer Genuss. Dann stellt sich auch noch heraus, dass unser Fahrer Willhelm einen Tag älter ist, als Ines, die ich übrigens endlich erfolgreich angesteckt habe…
Mittags kommen wir in unserem Camp in Kasane an und das Zelt ist auch in weniger als 5 Minuten aufgestellt und eingerichtet. Beim Mittagessen, oder vielmehr beim Sandwich futtern, werden uns T-Shirts angeboten, die wir selbst aus einzelnen Bausteinen, wie z.B. den Reiseverlauf oder einen Text, selbst gestalten können. Das sieht nach einer tollen Idee aus und so bestellen und gestalten wir unser T-Shirt in aller Eile, denn in ein paar Minuten geht’s schon zur Safari. Die Shirts sollten wir dann in Vic-Falls bekommen…warten wir’s mal ab, wir sind ja schließlich in Afrika…
Ines Kopfschmerzen und die anfängliche Erkältung werden immer schlimmer, die letzten Schmerztabletten werden vertilgt. Ich brauche inzwischen keine mehr, die Erkältung die ich seit dem 3. Urlaubstag hatte ist kurz vor Reiseende so gut wie weg. Unsere Safari beginnt und wir fahren erstmal ein paar Kilometer auf den kleineren Jeeps, bis wir wirklich im Park sind. Es dauert auch nicht lange, bis sich die ersten Antilopen, Kudos, Impalas, Adler, Warzenschweine und Büffel zeigen. Es ist so heiß, dass wir uns gar nicht mehr vorstellen können, wie wir am Anfang des Urlaubs noch zitternd im Zelt lagen - selbst in den seitlich offenen Jeeps ist es nahezu unerträglich und der Wind fühlt sich an als wenn jemand mit einem riesigen Fön vor einem steht. Unser Fahrer heißt übrigens Forster - ja so ähnlich wie das Bier - die haben hier alle so komische Namen. Als wir den Cobe-River erreichen, können wir unseren Augen kaum trauen. Soweit das Auge blicken kann: riesige Elefantenherden, die sich im Schlamm baden, bespritzen und am Wasser trinken; Hippos und Büffel überall. Es ist zu schade, dass wir hier nicht noch einen Tag zur Verfügung haben.
Der Nationalpark entstand übrigens 1960 und umfasst ein rund 11.000 qkm großes Gebiet südlich des Chobe Flusses. Kein anderes Naturschutzgebiet im südlichen Afrika hat einen ähnlich hohen Wildbestand. Allein 50.000 Elefanten leben im Park - ein Problem für das Ökosystems, das eigentlich nur halb so viele Dickhäuter verkraftet - gut für uns, da wir nicht lange Ausschau halten müssen, aber da auch die anderen Parks im südlichen Afrika über zu viele Elefanten klagen, will leider niemand die Chobe Elefanten übernehmen, so dass man sie auf kurz oder lang zum Abschuss freigeben muss. Schade, da man Elefanten nur herdenweise töten kann…
Im Gegensatz zu den Leuten mit denen wir im Okavango-Delta waren, kann unser Fahrer sogar das eine oder andere erzählen, z.B. dass sich Perlhühner und Impalas gegenseitig unterstützen, beim „Wachehalten“ vor Feinden. Die Laune ist auch bei allen wieder besser, nach der Enttäuschung des Okavango-Delta’s. Wir haben auch noch Glück, als uns ein Elefant direkt vor das Auto rennt und für ein paar Schnappschüsse aus direkter Nähe posiert - da fühlt man sich plötzlich ganz klein und verwundbar. Aber die Elefanten im Chobe sollen ja zu den friedlichsten überhaupt zählen, na dann.
Nach der kleinen Jeep-Safari geht’s auf Boot, den Chobe-River erkunden und auch hier gibt’s massig Tiere. So sehen wir z.B. Hippos, Krokodile, Marabus und sogar Löwen an Land. Natürlich darf von einigen Reisebegleitern der Kommentar „Aaaaaaaach ist der süüüüüüüüß...“ nicht fehlen, knirsch…
Den Sonnenuntergang genießen wir auch noch an Bord. Abends dann die große Enttäuschung - unser Bier ist weg und keiner hat’s genommen oder gesehen - wir sind entsprechend sauer und der Abend scheint ohne Bier und Cider gelaufen. Aber nach etwas suchen findet Werner dann doch noch unser verschollenes Bier und der Abend ist dann doch noch gerettet. Ines geht trotzdem als erste schon um 9 ins Bett und kuriert sich besser aus…und ich bin jämmerlich.
Die letzten 100 km bis Vic-Falls schaffen wir sogar bis zum Mittag. Unsere Unterkunft ist die Savanna Lodge, dort stellt sich heraus, dass wir ein Doppelzimmer haben. Juhhu - endlich wieder richtige Betten. Die Zeltsafari haben wir also gemeistert, doch bei dem Anblick des Doppelzimmers würden wir das Zelt dann doch wieder vorziehen. Für knapp 25 Euro pro Tag und Person ist das wohl die teuerste Absteige in unserem Urlaub. Aber der absolute Schock kommt, als wir die Preise für die optionalen Aktivitäten erfahren. Um zwei Stunden mit Löwen zu kuscheln - gemeint sind natürlich die Babylöwen - muss man pro Person 150 US$ auf den Tisch legen. Natürlich buchen unsere beiden Mädels die Aktivität gleich - natürlich viel zu teuer, aber die sind ja auch sooooooo süüüüüüß… Hoffentlich werden die Löwen satt. Das uns vorgeführte Video zum White Water Rafting auf dem Zambesi unterhalb der Victoria-Wasserfälle sieht auch mehr als gefährlich aus, und wir sind wirklich nicht zimperlich und so lassen wir das auch. Nur einer unserer Koreaner bucht die Tour. Der Rundflug über die Fälle ist schlichtweg nicht bezahlbar und macht auch in der Trockenzeit nicht allzu viel Sinn. Aus diesem Grund ziehen wir es vor, nach dem Mittag in der Stadt die Preise zu vergleichen.
Melissa hauen die Bierpreise in der Bar gleich um. Seitdem Sie das letzte Mal hier war, hat sich die Inflation wohl doch bemerkbar gemacht und als Tourguide ist der letzte Besuch wohl noch nicht so lange her. Aber Sie kümmert sich darum für uns einen guten Kurs in der Stadt raus zu schlagen, wenn das mal nicht illegal ist? Wir drücken ihr gleich mal 80 US$ in die Hand, denn hier ist offensichtlich alles teuer. Am Abend bekommen wir dann 60.000 Zim$ in die Hand gedrückt - ein ordentlicher Packen - wir sind reich! Nachdem uns Melissa noch informiert hat, dass wir heute Abend gemeinsam in ein Restaurant gehen, instruiert Sie uns auch, dass wir unbedingt an der Bank etwas abheben sollen, da der Beleg für die Auszahlung nötig ist um irgendwo wieder Geld auszugeben. Auf diese Art soll die Geldwäsche unterbunden bzw. ein wenig eingedämmt werden. Also, ab in die Stadt, schnell ist auch eine Bank gefunden und erwartungsgemäß für die Verhältnisse hier, hat die auch geschlossen. Aber wozu gibt es denn Geldautomaten? Wir heben auch gleich mal 1.000 Zim$ ab, keine Ahnung wie viel das ist, denn die Kurse sind hier offensichtlich reine Verhandlungssache. Zwar bekommen wir auch 1.000 Zim$ raus, aber kein Beleg - Papier alle, knirsch! Auch der 2. Versuch scheitert. Wir treffen auch Tommy beim Geldabheben wieder, der hat das gleiche Problem. Afrika muss ein kleines Land sein, wenn einem immer wieder die gleichen Personen über den Weg laufen. Etwas angefressen probieren wir unser Glück beim Nächsten und siehe da wir bekommen unser Geld und unseren Beleg. Zwar haben wir jetzt mehr Gebühren bezahlt, als wir abgehoben haben, aber zumindest können wir uns jetzt was dafür leisten. Am Automat treffen wir auch gleich zwei Schweizer, die hier ihre Reise beginnen wollen. Die beiden wollen mit einem Leihauto ihr Glück probieren. Das Auto hatten die beiden schon bekommen, aber mit leerem Tank. In Zimbabwe laufen die Uhren offensichtlich anders und so überrascht es auch nicht, dass die beiden schon an der Tankstelle gegenüber tanken wollten, die Tankstelle aber kein Benzin hat. Der Umtauschkurs oder die Sache mit den Belegen sind den beiden nicht bekannt - für Selbstfahrer eine etwas schwache Vorbereitung. Uns wird schnell klar, dass Zimbabwe gewaltige Probleme hat und die Wirtschaft durch das Mugabe Regime schwer angeschlagen ist. Auf Grund fehlender Devisen kann das Land nicht mal mehr genügend Erdöl importieren, so dass es an den Tankstellen selten Benzin gibt. Aber auch die Landwirtschaft des einst blühenden Landes liegt brach. Grundlebensmittel sind knapp, Getreide muss gegen teure Devisen importiert werden, und für die Bäcker ist es noch nicht einmal rentabel, daraus Brot zu backen und es zu den staatlich festgesetzten Niedrigpreisen zu verkaufen - verrückt.
Unser stolz erworbener Beleg sagt uns übrigens den offiziellen Kurs - 1 US$ = 250 Zim$, da haben wir doch bei Melissa einen super Tausch gemacht! Bei ihr haben wir 1 US$ = 750 Zim$ getauscht und eine kleine Provision war da sicherlich auch schon mit drin. Sogar auf unseren Geldscheinen befindet sich ein Mindesthaltbarkeitsdatum! Ansonsten versucht jeder Einheimische sein Geld an jeder Straßenecke an den Mann zu bringen. Der eigene Dollar scheint nicht sehr beliebt zu sein, denn die Inflation liegt auch bei über 1000 % und sollte im November 2008 noch ihren Höhepunkt mit 90 Trilliarden % erreichen. Der Umtauschkurs auf der Straße variiert bis zu 1.200 Zim$ für einen US$, die Geldwäsche blüht.
Wir schauen uns erstmal in den örtlichen „Reisebüros“ um. Das Niveau ist etwas anders, als gewohnt, selbst kleinste Schmierzettel werden als Visitenkarte weitergereicht - hier regiert der Ausnahmezustand. Wie zu erwarten war, sind die Aktivitäten hier auch deutlich günstiger, aber auch für unsere Verhältnisse zu teuer und da wir Morgen den ganzen Tag an den Fällen verbringen wollen und noch einen Abstecher nach Sambia machen wollen, sparen wir uns das einfach. Den restlichen Tag verbringen wir mit einem Stadtbummel in Vic-Falls. Ob man’s glauben will oder nicht, das Städtchen liegt schon auf 1.200 Meter Höhe. Überall sind die Straßen von den rot leuchtenden Flamboyants und den lilafarbenen Jacarandas gesäumt. In den Geschäften ist alles wahnsinnig teuer und wir gehen auch in einem der hiesigen Spar-Märkte einkaufen. Der Gestank, der von der Fleisch-Theke zu uns rüber weht ist einfach Ekel erregend. Wir sind zwar schon viel gewöhnt aber der Duft aus einem Leichenschauhaus muss geradezu lieblich dagegen sein. Wir entschließen uns, kein Fleisch zu kaufen!
Zu unser aller Freude findet sich auch derjenige ein, der uns heute die T-Shirts, die wir in Chobe in Auftrag gegeben haben ein, nur ohne T-Shirts. Da zu viele verschiedene T-Shirts in Auftrag gegeben wurden, macht er uns den Vorschlag nur ein einheitliches Shirt für die Gruppe zu machen und wir sollten uns doch einigen. Damit ist natürlich keiner einverstanden und so kann er ohne etwas zu verkaufen abziehen. Willkommen in Afrika!
Abends gehen wir in einer nahe gelegenen Lodge vornehm speisen. Nach fast 3 Wochen Safari fühlen wir uns etwas schmuddelig und fehl am Platz in diesem Nobelschuppen. Der Abend ist recht lustig und zu essen gibt es ein wahnsinnig leckeres Buffet, an dem vor unseren Augen Impala gebraten wird, ebenso wie Warzenschwein - warum eigentlich nicht auch noch Elefant oder Giraffe… - sch… Artenschutz. Das Impalafleisch ist wohl das Geilste, was wir je gegessen haben. Der Abend ist ja noch recht jung und so entschließen wir uns mit dem Rest unserer Truppe in die Shoestringbar zu gehen. Die Bar ist nur ein paar Hundert Meter von unserer Unterkunft entfernt. Steve hatte die Bar entdeckt und für gut befunden, nicht zuletzt, weil das Bier hier um einiges günstiger ist. Es scheint so als treffen sich hier alle wieder, die irgendwo im südlichen Afrika unterwegs sind, also auch Tommy. Der arme ist immer noch mit seiner etwas „besonderen“ Koreanerin unterwegs und klagt uns sein Leid, weil er als stolzer Namibier ihr gern das Land zeigen möchte, aber ihre Interessen wohl etwas anders gelagert sind. Da ist es auch nicht von Vorteil, wenn er mit ihr allein unterwegs ist und aus diesem Grund braucht der Arme wohl unsere Gesellschaft und auch ein paar Bierchen zu viel. Es hilft auch nicht wirklich, wenn Pigo plötzlich mit der verrückten Koreanerin, an der er offensichtlich etwas gefunden hat, in der Bar auftaucht - Tommy ist ziemlich sauer. Nachts um 1 Uhr, nach einigen Bierchen, entschließen wir uns für den Rückweg durch die dunklen Gassen von Vic-Falls.
Victoria Falls
Wir haben den ganzen Tag Zeit und so schauen wir uns die atemberaubenden Fälle in aller Ruhe an. Der Park ist klein, aber ganz nett, denn hier gibt’s Lianen, eine Statue von Livingstone und auch ein paar Springbok’s. Der Regenwald, den es um die Viktoriafälle gibt, hat seine Existenz der Feuchtigkeit aus dem ständig währenden Sprühnebel zu verdanken.
Wir treffen auch die Schweizer von Gestern wieder. Die beiden haben inzwischen ihr Benzin bekommen, aber nur, weil sie gestern noch jemand gefunden hatten, der nach Botswana fährt und von dort Benzin mitgebracht hatte. Die Einheimischen nennen den Wasserfall Mosi-oa-Tunya, also „donnernder Rauch“. Der Sprühnebel steigt bis zu 300 m hoch und ist noch in 30 km Entfernung zu sehen. Die Wassermassen des Zambesi stürzen sich auf einer Breite von 1708 m über eine 110 m abfallende Felswand. Damit sind die Viktoriafälle der breiteste einheitlich herabstürzende Wasserfall der Erde. Bei Hochwasser fließen bis zu 10.000 m³/s Wasser den Wasserfall hinunter, im Gegensatz zu den 170 m³/s während der Trockenzeit. Und wir haben leider Trockenzeit.
Unser Weg führt uns aber erstmal vom Livingstone-Monument weiter am Devil’s-Cateract, über Cateract-Island zu den Mainfalls. Auch den Rest unserer eigenen Reisegruppe treffen wir hier wieder, obwohl jeder den Tag für sich zur freien Verfügung hat. Es geht weiter zu den Horseshoe-Falls, wo uns nur noch ein kleines Rinnsal erwartet. Die nächsten Fälle, die Rainbow-Falls sind geradezu trocken. Hier gibt es weder Wasser noch Regenbögen, aber die über 100 Meter tiefe Schlucht hat natürlich auch was. Unser Weg führt uns die über 1,5 Kilometer lange Schlucht weiter Richtung Sambia bis zu Danger-Point - hier sind die Felsen besonders glatt - natürlich nur wenn Wasser da ist, aber man kann direkt bis zum Felsrand laufen. Gegenüber befinden sich die ebenfalls fast trockenen Armchair-Falls.
Nachdem es Mittag ist und wir schon den ganzen Getränkeshop leer gekauft haben, denn es ist affenheiß, beschließen wir dann doch noch nach Sambia auf die andere Seite der Fälle zu marschieren. Auf der Eisenbahnbrücke über den Zambesi, die den Grenzverlauf zwischen Zimbawe und Sambia markiert, gibt es einige Bungee-Jumper, die hier knapp 100 Meter in die Tiefe springen - Wahnsinn. Wir gehen Richtung Grenzübergang und berappen dort erstmal die 10 US$ für das Tagesvisum. Wir fragen kurzerhand einfach nach, ob wir bei der Einreise nach Zimbabwe nochmals 20 US$ Parkeintritt zahlen müssen - natürlich müssen wir nicht! Neben uns gibt es auch noch genügend Einheimische die die Grenze passieren wollen, bei denen aber ein simpler Stempel auf irgendeinen Schmierzettel völlig ausreicht, mit dem sie natürlich die ganze Zeit rumwedeln.
Der Weg führt dann über die Eisenbahnbrücke von der man auch einen sehr interessanten Blick auf die Fälle und die darauf folgenden Gorges, inklusive dem Boiling Pot hat. Der weitere Weg in Richtung National-Park (Mosi-oa-Tunya) scheint ewig lang zu sein und die Hitze ist erdrückend. Wir haben mit der Überquerung der Brücke schon unsere Füße auf sambischen Boden gesetzt. Am Straßenrand stehen unzählige LKW’s unter denen ihre Fahrer ein Nickerchen halten - bei der Hitze durchaus verständlich. Doch nach einigen Kilometer ist der Parkeingang erreicht, davor sind, wie nicht anders zu erwarten war, dutzende Souvenirgeschäfte, Straßenhändler und Taxis. Hier ist jeder Taxifahrer darauf bedacht uns zurückzufahren, aber nicht zu den Preisen! Die Benzinknappheit die es im Nachbarland gibt, scheint hier zumindest kein Problem zu sein, denn die Taxis laufen ständig…
Wir bezahlen nochmals 10 US$ pro Nase für den Parkeintritt und ungefähr den gleichen Betrag für Getränke, denn es wird heißer und heißer und heißer. Den Park haben wir fast für uns allein und auch das Wasser hat uns hier allein gelassen. Die Fälle auf der Seite von Blick des Eastern-Cateracts sind in der Trockenzeit nicht besonders beeindruckend, aber dafür hat man einen super Blick auf das gesamte Flussbett, welches der Zambesi über Jahre hin ausgewaschen hat. Der Wassermangel hat aber den Vorteil, dass wir auf dem trockenen Teil des 2 Kilometer breiten Flussbettes des Zambesi laufen können und die Fälle von einer Blickrichtung sehen, die sonst nicht jedem vergönnt ist. Wir laufen sicherlich gut ein Drittel des Flussbettes über Steine, Geröll und kleineren Bächen ab. Es gibt auch einige kleine Seen oder Tümpel, die so mancher sogar zu Baden nutzt. Der Weg über die Bäche ist manchmal recht gefährlich, denn es geht recht knapp an der Abbruchkante vorbei und die Felsen sind klitschig. Da es hier keinerlei Schatten gibt und die Temperatur auf gefühlte 60°C gestiegen ist, kehren wir um. Die Sonnencreme haben wir natürlich auch zu spät aufgetragen, aber wir wollen ja schließlich auch etwas Farbe abbekommen. Wir treten den Rückzug wieder in Richtung Vic-Falls an und sind am Ende des Tages ziemlich geschafft vom vielen Laufen in der prallen Sonne. Es waren geschätzte 20 km Fußmarsch und einen kräftigen Sonnenbrand haben wir uns auch geholt. Wir haben von Werner und Monika den Tipp bekommen, dass es hier in Vic-Falls einen Markt gibt und man dort mit ein paar gebrauchten Shirt’s oder Socken handeln kann. Wir machen uns auf den Weg und werden schnell fündig. Natürlich haben wir auch ein paar abgetragene Sachen dabei. Wir können ein paar Socken, einen fast kaputten Badeanzug, ein schmutziges T-Shirt und einen Kugelschreiber, sogar eine Flasche mit Pfand umsetzen und erstehen zwei aus Stein gefertigte und mit Tieren versehene Seifenschalen, zwei aus Holz geschnitzte Giraffen und etwas Kleinkram - für uns ein guter Tausch. Auch ein kleines Brett-Spielchen mit einem Verkäufer lassen wir uns nicht entgehen. Es nennt sich Oware, wobei je 4 Spielsteine auf 12 Mulden verteilt werden.
Der erste Spieler leert eine beliebige Mulde und verteilt die Spielsteine gegen den Uhrzeigersinn auf die folgenden Mulden - jeweils ein Stein pro Vertiefung. Der andere Mitspieler verfährt ebenso. Endet die Verteilung in einer Mulde, in der dann - mit dem soeben dazugekommenen Stein - genau 2 oder 3 Steine liegen, darf man den Inhalt der Mulde herausnehmen und für sich behalten (sollten in den vorhergehenden Mulden ebenfalls 2 oder 3 Steine liegen, dann auch die): Gewonnen hat natürlich, wer die meisten Spielsteine für sich verbuchen konnte. Gewonnen habe natürlich ich, aber nur dank der Gnade des Verkäufers. Wir gehen nach erfolgreichem Shopping zurück zu unserer Lodge.
Den letzten gemeinsamen Abend verbringen wir alle bei guter Stimmung in unserer geliebten Shoestringbar. Für uns beide gibt’s Pizza, meine musste ich mir mühsam erkämpfen, denn das schwarze Köchlein mit weißer Mütze wollte unter keinen Umständen Pizza ohne Käse machen. Aber mit viel Überzeugungskraft wird das Meisterwerk dann doch fertig und wie es die Art der Koreaner ist, wir auch geteilt und von jeden anderen Teller gegessen - klar dass von der Pizza ohne Käse kaum noch was übrig bleibt, ich aber die Möglichkeit habe, von deren Pizza mit Käse zu probieren - na super. Dann kommen auch noch die mannshohen Kälber von Hunden, die den Besitzer gehören an und erbetteln sich die letzten Reste. Melissa erzählt uns noch, dass sie vorhat in Peru als Reiseleiter zu arbeiten - und da das auch eines unserer vielen Reisewünsche ist, soll sie sich doch einfach mal bei uns melden, wenn’s den soweit ist. Nun heute können wir noch mal so richtig bechern und von den meisten wird schon Abschied genommen. Toll, morgen können wir ausschlafen…
Unser startet dann doch Richtung Jo’burg, während unter uns das Wellblech des Flughafens wackelt. Noch beim Landeanflug auf Jo’burg gibt’s ein großes Gewitter uns wir sehen sogar einen Blitz in einem Stadtbezirk einschlagen, der daraufhin erlischt. Aber Jo’burg ist so riesig, dass das kaum auffällt. Dann müssen wir uns von unseren letzten beiden Wegbegleitern verabschieden. Für unserer Koreaner geht’s nach London und Wolfgang hat noch vor etwas Zeit in Jo’burg zu verbringen. Wir sind beide Todmüde und kaufen uns jeder noch eines unserer beliebten Cider und schlafen beim Trinken ein. Noch gerade zum Check-in werden wir wach und starten mit KLM Richtung Deutschland mit einer Unmenge an „Erlebtem“ durch… Natürlich ist unser Gepäckinhalt, als auch die Tasche nicht ohne Beschädigung angekommen und so haben wir noch etwas zu reklamieren und bekommen eine neue Tasche und sogar 50 US$ Schadensersatz - womit die Ausgaben für die Souvenirs gedeckt wären.
Die unbeschreiblich schöne Natur und die Sehenswürdigkeiten die es auf dieser Tour zu sehen gaben, haben uns für die „Strapazen“ mit Sicherheit mehr als entschädigt. Wäre die Tour noch länger gewesen, so sind wir uns sicher, dass es bei einigen noch mächtig geknallt hätte, was aber nicht heißen soll, dass es keinen Spaß gemacht hat. Lustigerweise werden wir Melissa - fast wie verabredet - bei unseren Urlaub in Peru im kleinen Bergdörfchen Chivay wieder treffen. Die Welt ist und bleibt eben ein Dorf…

