Sahara Reisebericht:
Pöttsching-Dakar - Mit dem Motorrad durch die Sahara

Ich bin einer der letzten, der sich entschließt, dieses Abenteuer mitzumachen, da ich mir erst im September eine HARDENDURO in Form einer „KTM LC4 600“ zulegt habe. Mit der RALLYE PÖTTSCHING–DAKAR  ergibt sich nun auch die Gelegenheit zu sehen, ob mir Enduro-Fahren Spaß macht; und die Möglichkeit zu testen, wie ver­schiedenste Reifen auf so einer Tour funktionieren, was ich auch beruflich anwenden kann, da ich bei einer Reifen Firma arbeite und meine Kunden beraten soll.

Um die Kosten möglichst gering zu halten, begeben wir uns (unsere Crew setzt sich aus 12 Personen mit acht Motorrädern, einem LKW und einem Toyota-Gelände­wagen zusammen) auf die Suche nach Sponsoren und organisieren am 5. Jänner 2003 eine Veranstaltung zur RALLYE PÖTTSCHING–DAKAR 2003. Dabei wird vorher eine Messe mit anschließender Segnung der Bikes und der Fahrer durch Herrn Pfarrer Norbert in der Pfarrkirche Pöttsching abgehalten.

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Nach unzähligen Interviews mit Radio, TV und Zeitungen (das Medieninteresse war von Anfang an sehr groß) starten wir um 12 Uhr mittags die RALLEY.

Wegen der schlechten Witterung und der  schneebedeckten Fahrbahnen müssen wir und die Bikes den ersten Teil der Reise auf den Begleitfahrzeugen und im Flugzeug zurücklegen. Nun kommt es, dass bei dieser eher harmlosen Etappe von PÖTTSCHING nach GENUA die Reise schon fast wieder zu Ende ist, bevor sie richtig begonnen hat. Auf der A2 Richtung Süden bei GLEISDORF ist die Fahrbahn spiegelglatt, der Begleit-LKW „ÖAF-HUSAR“ kommt ins Schleudern und kracht voll in den Betonbegrenzungswall. Auf den ersten Blick ist der Schaden nicht so groß und man beschließt, die Reise fortzusetzen.

Von GENUA setzt der erste Teil der Gruppe mit der Fähre nach TUNIS über, wo sie am Vormittag des
12. Jänner ohne größere Zwischenfälle ankommen. Als sie am Abend Timi, Alex, Siggi, Clemens und mich vom Flughafen abholen, gibt es auch schon das nächste Erlebnis zu berichten: Als einige unserer Gruppe vor unserem Quartier, dem Hotel France in Tunis aus­steigen, vergisst jemand die Türe des Toyota abzu­schließen. Zum Glück können sie den Mann beobachten, der sich die nächst beste Tasche greift (die mit den Pässen, Rückflugtickets und der Reisekasse bestückt ist) und das Weite sucht. Auf einer Parkbank, wo sich der Dieb auf die Tasche setzt, wird dieser gestellt. Nachdem er die original „Burgenländische Watsche“ kennen lernt, wird er mit Kabelbindern gefesselt und der Polizei übergeben. Die staunen nicht schlecht über unsere „Handschellen“ und bei jedem Versuch sich loszureißen, schreit der Dieb auf, denn die Kabelbinder dringen immer tiefer in seine Haut.


 

Nach diesem ereignisreichen Tag sehen wir uns noch kurz die Stadt an und essen bei einem Straßenhändler altbackene Baguettes mit Ei und Harissa (scharfe Sauce). Danach genehmigen wir uns noch Crêpes mit Schokolade und Mandeln in einer Cafeteria auf der Hauptstraße und gehen dann baldigst schlafen.

Am nächsten Morgen, nachdem wir den Lkw mit unserer Ausrüstung beladen haben, fahren wir mit den Bikes und dem Toyota voraus nach GAFSA, wo wir zu Mittag essen: Kalte Pommes, zähes Rindfleisch, schmutzige Gläser – na ja, wir sind nicht mehr daheim. Der Husar kommt später nach, weil durch den Unfall der Auspuffkrümmer gerissen ist und geschweißt werden muss.

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Am Nachmittag kommen wir in die Wüste – erste Hinweistafeln „Kamel von rechts“ und Einheimische entlang der Straße, die uns zuwinken. Es fängt stark zu regnen an. Obwohl es um diese Jahreszeit üblicherweise maximal fünf Minuten regnet, schüttet es ein paar Stunden. Die Straße wird von Flüssen überschwemmt, die es eigentlich gar nicht geben sollte und die wir nur sehr vorsichtig überqueren können, um nicht weggespült zu werden. Die geplante Übernachtung am Campingplatz „El Hama“ ist leider hinfällig, da dieser geschlossen ist. Es hat endlich aufgehört zu regnen und wir beziehen am Abend auf einem Campingplatz in TOZEUR Bambushütten – wir sind zu müde und zu durchnässt, um unsere Zelte aufzustellen. Doch das war leider keine gute Idee, denn in der Nacht fängt es wieder an zu schütten und es regnet durchs Dach. So müssen wir notdürftig die Zeltplane über unsere Schlafstätte spannen, um nicht wieder nass zu werden.


 

Um fünf Uhr früh plötzlich lautes Geschrei des MUEZZIN (ein Muezzin ist ein Ausrufer, der die Muslime zum Gebet auffordert). Da wir schon wach sind, machen wir Frühstück, steigen danach in die noch feuchte, kalte Kleidung und fahren Richtung Algerische Grenze. Wir fahren auf einer Asphaltstraße, links und rechts von uns nur mehr Sand und ab und zu eine Oase. Wunderschön, doch liegt entlang der Straße auch viel Müll, wie Reifen, Autoteile und sogar ganze Karosserien. Plötzlich übersieht Delle einen Stein, kracht dagegen und fliegt etwa 20 Meter durch die Luft. Glücklicherweise hat er nur leichte Prellungen und kann trotz Schmerzen die Rallye fortsetzen. Doch bei seiner KTM ist der Vorderreifen kaputt und das Heck verbogen. Nachdem wir mit vereinten Kräften das Bike wieder fahrtauglich gemacht haben, kommen wir gegen Mittag schließlich an die Grenze, wo wir fast sieben Stunden warten, bis die Zollformalitäten erledigt sind (Visum, Zoll, Versicherung).

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Erst um etwa 20 Uhr gibt es nach dem Frühstück wieder etwas zu essen. Wir sind im „Festsaal“ einer Jugendherberge untergebracht und schlafen dort neben unseren Motorrädern. An der Grenze treffen wir zufällig einen Bekannten von Andi Weiser, den er von früheren Reisen kennt. Dieser hat uns dieses trockene und recht saubere Quartier besorgt.

Die Kinder, aber auch die Männer, die hier wohnen, setzen sich in eine Ecke des Raumes und beobachten uns beim Essen kochen, Motorrad reparieren und bei allem, was wir sonst noch treiben. Wir sind eine höchst willkommene Abwechslung in ihrem eher monotonen Alltag.

Während der Nacht kommen wir fast nicht zum Schlafen, weil am Husar ständig geklopft und geschweißt wird. Wie sich nämlich herausstellt, ist durch den Unfall der ganze Rahmen verzogen.

Am Morgen des 15. Jänner brechen wir nach dem Frühstück nach DOURLMA auf, wo wir in die Franzosenfort-Piste einsteigen – eine Route durch ein Dünengebiet, auf deren Weg sich einige, zerfallene Forts aus der Kolonialzeit befinden. Unter einer „Piste“ versteht man eine Verbindungsstraße in der Wüste, die mit einem schlechten Feldweg vergleichbar ist.


 

Wir haben noch etwa 60 Kilometer Asphalt zu bewältigen, diese Straße ist allerdings in keiner Karte eingezeichnet. Wir wissen nur von Einheimischen, dass es sie gibt. In DOURLMA wird sehr zur Belustigung der Dorfbewohner wieder am LKW geschweißt, doch dann geht es ab in den Sand. Und zwar durch eines der schönsten Dünengebiete, die es gibt, das GRAND ERG ORIENTAL. Dieses unmarkierte Gebiet sollte generell nur von erfahrenen Saharareisenden durchquert werden, weil es selbst mit GPS sehr schwierig ist, die Orientierung nicht zu verlieren.

Für mich ist es fast unmöglich, mein Bike aufrecht zu halten, nicht zu stürzen, und ich sehe mich schon total entkräftet im Sand liegen. Doch nach kurzer Erklärung von Andi Weiser, wie ich am besten fahren soll, funktioniert es auf einmal und ich finde im Laufe der Rallye sogar großen Gefallen am Weichsand fahren.

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Nachdem wir bei einem Brunnen die Mittagsjause eingenommen haben, die während der vier Wochen lediglich aus Wurst, Käse, Brot und manchmal Früchten wie Datteln, Bananen oder Orangen besteht, geht unsere Reise weiter in ein Wüstengebiet mit bis zu fünf Meter hohen Dünen.

Den Nomaden, die bei dem Brunnen ihr Lager aufgeschlagen haben, schenken wir jeweils ein paar Turnschuhe. Man muss sich vorstellen, dass bei Temperaturen um null Grad und darunter sogar die Kinder barfuss herumlaufen. Sie freuen sich sehr über die Geschenke, können jedoch mit den Schnürsenkeln nichts anfangen. So werden diese einfach zweckentfremdet und dienen dazu, die Schafe festzubinden.

Doch zurück zu den Dünen; wie man dort richtig fährt, lerne ich erst am nächsten Tag. Ich springe über jeden dieser Hügel, bis ich einen Sprung nicht mehr erstehe und „küsse“ zum ersten Mal den Sand. Ab jetzt gibt es nur mehr Sand – in den Schuhen, in der Hose, unterm  T-Shirt und zwischen den Zähnen.


 

Mit großem Schnarchabstand zu Herbrenner, der uns schon die Nächte zuvor unangenehm aufgefallen war, schlagen wir am Abend unsere Zelte erstmals mitten im „Nichts“ auf. So bezeichne ich nämlich das Gebiet, für das man bei einer Tagesstrecke von manchmal nur 30 Kilometern mindestens fünf Tage braucht, um es zu durchqueren. Hier gibt es keine Dörfer, nur Ruinen von Forts und ab und zu ein Nomadenzelt. Doch nachdem wir am Morgen Kamelspuren bis kurz vors Zelt finden, wissen wir doch nicht so genau, woher die seltsamen Geräusche in der Nacht gekommen sind.

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Nach ein paar spektakulären Stürzen, jedoch mit sehr guten Haltungsnoten, bekomme ich das Dünen-Fahren langsam in den Griff. Gegen Mittag erreichen wir mit den Motorrädern das MARABUT MORIET EN REBA (= die Gedenkstätte eines Gelehrten oder Heiligen), das als Orientierungspunkt gilt. Da es wieder mal zu regnen anfängt und nach drei Stunden Wartezeit noch immer nichts von den Begleitfahrzeugen zu sehen ist, beschließen wir hier unser Nachtlager aufzuschlagen. Zuerst aber muss dieses Bauwerk des Gelehrten einmal von Sand und Schafsdreck gesäubert werden, denn es riecht hier auch etwas streng – aber Hauptsache, es ist trocken. Die Säuberungsaktion erweist sich als nicht ganz ungefährlich, denn als Timi sagt, ich soll einen Stein zur Seite rollen, damit er kehren kann, zischt mir eine Hornviper entgegen. Sie ist das mit Abstand gefährlichste und giftigste Tier in der Wüste. Zum Glück ist es saukalt und die Schlange in ihrer Bewegung beeinträchtigt, sodass ich gerade noch zur Seite springen kann. Als wir die Viper mittels Stock etwas weiter weg ausgesetzt und das Haus gründlich nach weiteren Tieren durchsucht haben, sind auch schon die Begleitfahrzeuge, die sich mehrere Male im Sand vergraben haben, eingetroffen.


 

Am nächsten Morgen nach vier Tagen in der Wüste und vier Tagen mit Regen – eine echte Seltenheit – scheint endlich wieder die Sonne. Wir brechen um acht Uhr zu einer, wie sich später herausstellt, Monster-Etappe auf. Doch zuerst geht es gemütlich durch ziemlich flache Gebiete, wo sich allerdings vereinzelt Dünenberge mit 400 bis 500 Metern Höhe erheben. Da wir mit den Motorrädern um einiges schneller vorankommen als die Begleitfahrzeuge, lassen wir es uns nicht nehmen, einige dieser Berge zu erklimmen und die atemberaubende Umgebung von oben zu betrachten. Es ist wirklich fantastisch, diese Dünen zu bezwingen. Manche führen nur steil bergauf, andere sehr wellig bis hinauf zum Dünenkamm. An diesem Tag kommen wir auch an einigen Eisenstangen vorbei, die bis zu drei Meter aus dem Boden ragen. Dies sind Begrenzungsstangen einer Asphaltstraße. Sie sind insgesamt vier Meter hoch und stehen auf einem ein Meter hohen Betonsockel. Die meisten sind jedoch komplett im Sand vergraben, so wie auch die gesamte Straße.

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Wir besuchen auch die Ruine eines ehemaligen Franzosen-Forts im Tonnengewölbe-Baustil, namens BIR DJEDID. Es liegt zwar etwas abseits unserer Route, aber mit den Bikes haben wir ja Zeit für ein bisschen „Sightseeing“. Als wir in der Dämmerung bei einem Brunnen wieder auf unsere Begleitfahrzeuge treffen, erfahren wir, dass uns das Schwerste noch bevor steht. Um die verlorene Zeit wenigstens teilweise aufzuholen, müssen wir noch heute 40 Kilometer in der Nacht durch sehr schwieriges Gelände (unübersichtliche Dünen) bis nach BIR LARACHE schaffen – einer anderen Franzosen-Ruine mit einem Brunnen.


 

Diese Fahrt in der Nacht ist nicht als schwierig, sondern eher als gefährlich einzustufen. Keines der Bikes ist für Nachtfahrten gerüstet. Bei drei Motorrädern funktioniert gar kein Licht. Wir wissen während dieser paar Stunden nicht einmal, ob noch alle auf dem richtigen Weg sind, ob sie zurückgeblieben sind oder sich verfahren haben. Wir fahren nämlich in kleinen Gruppen zu zwei oder drei Mann und nur innerhalb dieser Gruppen versuchen wir, uns gegenseitig nach Stürzen aufzuhelfen, den Weg halbwegs auszuleuchten und den Anschluss nicht zu verlieren.

Für mich als Neuling ist es eine Horrorfahrt. Ich versuche knapp hinter Timi zu fahren, sodass das Gelände von unseren beiden Bikes ausgeleuchtet wird, und dabei aber nicht in seine Spur zu kommen, denn das wäre ein fast vorprogrammierter Sturz. Einige Male passiert es dennoch und mich haut es hin.

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Es ist aber schon ein tolles Gefühl zu wissen, etwas geschafft zu haben, das die Profis beim Millionen­unternehmen PARIS–DAKAR noch nicht einmal versucht haben – Nachtfahrten mit schlechtem Licht. Nach einigen Stürzen und total entkräftet kommen wir irgendwann in der Nacht an unser Ziel. Trotz der späten Stunde und der körperlichen Erschöpfung werden ordentlich die Zelte aufgebaut. Der Esstisch (LKW-Seitenwand) wird gedeckt, und die Sessel (Klappsessel oder Werkzeugkisten) werden aufgestellt. Und das Wichtigste: Es wird eine schmackhafte, warme Mahlzeit zubereitet. Das Abendessen besteht (auch in den kommenden Tagen) hauptsächlich aus Nudeln mit verschiedensten Soßen. Jeder bekommt eine ordentliche Schüssel voll und so hab ich nach den vier Wochen durch die einseitige Ernährung fünf Kilo mehr auf den Rippen.

In der Nacht ist es wieder mal saukalt. Ich reibe meine von den vielen Stürzen schmerzenden Körperteile mit Franzbranntwein ein. Keine gute Idee, denn danach ist mir noch kälter. Doch auch diese Nacht vergeht.


 

Nach dem Motorradservice in der Früh (Öl kontrollieren, Luftfilter reinigen, Schrauben nachziehen, tanken usw.) fahren wir noch etwa zwei Stunden durch schwieriges Gelände und kommen dann zur Teerstraße HASSI MESSAOUD – DEB-DEB. Diese „Straße“ führt auf einer Art Damm durch die Dünen und setzt somit dem sandgeladenen Wind sehr viel Widerstand entgegen. Das hat zur Folge, dass die Straße viel stärker verweht ist, als die parallel verlaufende alte Piste, die harmonisch den Geländeformen folgt. Manche dieser Verwehungen sind so hoch, dass ein Durchkommen, sogar für Geländefahrzeuge, unmöglich ist. In teilweise riskanten Manövern kann man zur alten Piste hinunterfahren und sein Glück versuchen, doch auch dort gibt es nur Sand, Sand und nochmals Sand. Für uns Motorradfahrer ist es nicht so schwer, diese Verwehungen zu befahren. Wenn man das Weichsand-Fahren beherrscht, ist es sogar ziemlich „leiwand“.

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Da die Kilometerangaben auf den Karten, die GPS-Punkte und vielleicht auch die Spritkalkulation nicht wirklich übereinstimmen, wird am Nachmittag den Begleitfahr­zeugen der Diesel knapp, ca. 130 Kilometer (in der Wüste sind das Welten) vor der Tankstelle. Wir schlagen unser Lager auf, füllen die letzten Tropfen Diesel, die wir aus dem LKW abzapfen, in den Toyota, und Peter fährt mit Michel Diesel kaufen. Hört sich einfach an. Kann jedoch sehr problematisch werden. Es wird aber damit gerechnet, mit viel Glück und einer offenen Tankstelle, bis am nächsten Morgen zurück zu sein.

Sonntagmorgen, der 19. Jänner. Die zwei sind mit genug Diesel zurück und wir stellen fest, dass unsere T-Shirts, die wir zum Trocknen aufgehängt haben, gefroren sind – wir sind ja in der Wüste. Plötzlich, ohrenbetäubender Lärm. Auf der Asphaltstraße donnern riesige LKWs vorbei, die wiederum LKWs geladen haben, welche an sich schon sehr groß sind. Solche Ungetüme dürfen bei uns in Europa wahrscheinlich gar nicht fahren. Wir fahren 140 Kilometer weiter bis DEB-DEB, die erste Ansiedlung seit fünf Tagen.


 

Nachdem wir die Zivilisation wieder gespürt und in einem Restaurant gegessen haben, geht es weiter mit 80 bis 100 km/h auf einer halbwegs schönen Asphaltstraße bis nach IN AMENAS. Auf dieser Strecke begegnen uns lediglich 4 Fahrzeuge. Wir kommen wieder mal in die Nacht hinein und von acht Bikes sind eben drei ohne Licht. Es ist nicht wirklich lustig, bei 80 bis 100km/h auf schlechter Straße, nur mit dem meist schlechten Licht des Vordermannes auszukommen. Doch auf dem Campingplatz bei Andi Weisers Geburtstagsfeier sind die Strapazen schon fast vergessen – es gibt sogar eine kleine Torte mit Kerze und Wein.

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Zeitig in der Früh werde ich vom Geschrei des MUEZZIN wach. Ich packe die Gelegenheit beim Schopf und bin der Erste in der so genannten Dusche – es gibt nur eine und außer fließendem Wasser erinnert nichts an mein Badezimmer. Seit neun Tagen die erste Dusche und Rasur. Heute fahren wir 240 Kilometer auf einer „stark befahrenen Straße“. Auf dieser Strecke Richtung Süden nach ILLIZI begegnen uns 38 Fahrzeuge. Für algerische Verhältnisse ist das die „Südost-Tangente“. Entlang der Straße wechseln Stein- und Geröllwüste mit hohen Dünen und bizarren Felsformationen. Obwohl wir genug Zeit hätten, können wir keinen Abstecher ins Gelände machen, da wir den Begleitfahrzeugen vorausfahren. Denn nur so schaffen wir mit Umfüllen von den größeren in die kleineren Tanks einiger Bikes gerade die Strecke. Es sind Motorräder Tankinhalt von 10 bis 30 Liter, die natürlich eine unterschiedliche Reichweite haben.

Entlang unserer Route begegnen uns immer wieder Einheimische, die schon von weitem sehr freundlich winken. Auch bei den Polizeikontrollen der „Gendarmerie Nationale“ wird es für uns immer leichter, je südlicher wir kommen. „Woher?“ – „Autriche.“ – „Wohin?“ – „Nächster größerer Ort auf unserer Route und weiter nach Dakar.“ – „Gelächter“. Man will nicht mal unsere Pässe sehen und wir können weiterfahren. Wir sehen viele Kamelherden und auch andere „wilde Tiere“ werden immer mehr – Fliegen.


 

In ILLIZI, drei Kilometer vor unserem Campingplatz, beginnt eine Irrfahrt zu demselben, wobei wir auf einmal teilweise alleine (äußerst gefährlich) kreuz und quer durch die Stadt kurven. Zum Glück geht dabei keiner verloren, wird verhaftet oder gar ausgeraubt. Als dann alle am Campingplatz eingetroffen sind, besprechen wir die Route für die nächsten Tage. Wir nehmen uns einen ein­heimischen Führer, der die Strecke angeblich sehr gut kennt. So bietet sich uns dann die einmalige Gelegenheit, Wandmalereien aus der Steinzeit zu sehen, die es in dieser Art nur im TASSILI N`AJJER gibt – einem Gebirge, das eine der phantastischsten Felslandschaften bietet, die man sich vorstellen kann. TASSILI N`AJJER bedeutet Plateau der Flüsse. Flüsse gibt es dort zwar seit Jahrtausenden nicht mehr, doch sie waren mit Hilfe von Verwitterung, Erosion, Sand und Wind dafür verantwortlich, dass diese heute unter Landschaftsschutz stehenden bizarren Felsformationen entstanden sind. An diesem Nachmittag auf dem Campingplatz haben wir neben Motorradservice noch genügend Zeit zum Wäsche waschen, für Körperpflege und zum Relaxen. Beim Husar gehört wieder einmal der Krümmer geschweißt, außerdem hat der rechte Vorderreifen einen Platten.

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Am nächsten Tag fahren wir ca. 170 Kilometer, um 100 Kilometer weniger als geplant, da wir den Vormittag mit außerplanmäßigen Reparaturen am Husar verbringen (noch immer Nachwehen des Glatteisunfalls). Wir schlagen unser Nachtlager mitten im TASSILI N`AJJER auf und versorgen die Bikes noch am Abend, um zeitig in der Früh starten zu können, damit wir die verlorene Zeit wieder aufholen.

Während der nächsten zwei Tage kommen wir immer wieder an gewaltigen Gesteinsformationen und phantasievoll geformten Felsgebilden vorbei. Ein Fels hat Ähnlichkeit mit Aladins Wunderlampe, ein anderer mit dem Lindwurm in Klagenfurt. Getrübt wird die Stimmung nur dadurch, dass es mich mal wieder voll hinschmeißt. Tank und Sitzbank verabschieden sich von der KTM und ich prelle mir Schulter und Brustkorb. Wird aber alles „repariert“. Auch Schulter und Brustkorb erholen sich relativ rasch. Am Nachmittag kommen wir aufs Hochplateau, die unendliche Weite. Wir fahren fünf bis sechs Stunden in eine Richtung auf hartem Schotteruntergrund mit bis zu 100 km/h, und danach schaut es noch genau so aus wie am Beginn der Abfahrt. So geht es auch den nächsten Tag weiter, doch da haben wir etwas mehr Abwechslung – dazu später. Hier noch eine kurze Beschreibung, wie trostlos die Gegend ist: Soweit das Auge reicht nur flache Schotterwüste mit fast keinen Pflanzen oder Tieren. Am Horizont links und rechts kann man gerade noch die Spitzen eines Gebirgsmassivs erkennen und entlang der Straße sind ab und zu kleinere Berge. Auf die fährt man, nachdem man sie ausgemacht hat, über eine Stunde zu, bis man sie schließlich erreicht hat.


 

Nun zu den Abwechslungen. Wir schreiben den
23. Jänner. Bevor wir aufbrechen, entdecken wir gleich neben unserem Lager Spuren und die Höhle eines Feneks (Wüstenfuchs). Der hat sicher die Nacht auswärts verbracht, bei der Schnarcherei von einigen unserer Truppe. Die Schlafgeräusche, besonders von Herbrenner, werden noch für einige Geschichten sorgen.

Wir starten los und nach etwa einer Stunde Fahrzeit, es geht recht monoton dahin, übersehe ich ein totes Kamel, das völlig unmotiviert mitten im Nichts liegt, und krache voll dagegen. Bei meiner KTM bricht bei dieser Aktion die Kupplungsarmatur und muss ausgewechselt werden. Etwas später sehen wir ein Stück abseits der Piste weiße Punkte und halten darauf zu. Es sind Störche, die hier gerade eine Pause machen.

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Durch die Höhe (wir befinden uns auf über 2000 Metern Seehöhe) und die schlechte Spritqualität haben die Bikes und Begleitfahrzeuge nur mehr halbe Leistung und teilweise Zündaussetzer. Gegen Mittag kommen wir nach IDELES im HOGGAR-Gebirge, einem kleinen Ort inmitten einer steinigen und sehr schwierig zu befahrenen Lava-Landschaft.

Dort warten wir über drei Stunden auf Benzin, den wir im Endeffekt doch nicht bekommen. Nun wird es mal wieder problematisch. Wir tanken die letzten Spritreserven in die Bikes und versuchen, noch vor Einbruch der Dunkelheit die Asphaltstraße nach TAMANRASSET zu erreichen. Wir fahren so schnell es möglich ist auf einer sehr schlechten Wellblechpiste. Durch die Rüttelei löst sich mein rechter Benzinschlauch und der Sprit läuft in meinen Stiefel. Den losen Schlauch bemerke ich recht bald, doch das Benzin im Schuh erst nach zwei bis drei Stunden, als ich schon Schmerzen habe, weil durch die ätzende Wirkung des Treibstoffs der Fuß schon wund ist.  Doch zu diesem Zeitpunkt kann ich nicht stehen bleiben, um die verätzte Stelle zu versorgen, weil es schon zu dämmern beginnt und wir noch etliche Kilometer auf unbefestigter Straße bewältigen müssen. Wir fahren weiter und erreichen nach einer weiteren Stunde bei völliger Finsternis, mit dem allerletzten Tropfen Sprit, die Asphaltstraße. Nach dem Abstellen springt meine KTM gar nicht mehr an, weil sogar die Schwimmerkammer beim Vergaser staubtrocken ist. Während wir an der Kreuzung Piste–Straße auf die Begleitfahrzeuge warten, wasche ich so gut es geht mit Trinkwasser aus den Camelpacks meine Hose, meine Socken und meinen wunden Fuß, der schon stark gerötet ist. Um besser gesehen zu werden und zum Trocknen meines Gewandes entzünden wir ein Feuer. Als Brennstoff dienen Reifenstücke, die am Straßenrand liegen, weil anderes Brennmaterial nicht vorhanden ist.


 

Nach dem Eintreffen des Husars und Toyotas muss erst mal Benzin besorgt werden, um die 120 Kilometer nach TAMANRASSET noch in dieser Nacht zu schaffen. Im nächsten Ort können wir gerade mal 20 Liter am Schwarz­markt zu einem Schweinepreis erwerben. Damit schaffen wir die Strecke aber und treffen um Mitternacht am „Auberge Cravanserail“ ein. Dieser Campingplatz entspricht europäischem Standard. Wir nehmen uns Bungalows, die wirklich sehr sauber sind.

Erstes Bett seit elf Tagen, erstes WC (wie daheim) seit 12 Tagen und endlich nach fünf Tagen wieder eine Dusche. Da wir jetzt um ein Uhr früh noch jausen und uns dabei auch unterhalten, wecken wir ein deutsches Ehepaar. Als sich die nette Dame bei uns beschwert, verspricht ihr Pauli, dass wir uns jetzt ruhiger verhalten werden und stellt ihr noch den Herrbrenner vor, den sie im Laufe der Nacht  noch näher kennen lernen sollte. Er schläft nämlich im Freien (keiner hält das Geschnarche aus), gleich neben dem Dachzelt der Deutschen. Nachdem wir in Ruhe fertig gegessen und ein paar Fläschchen Wein gekippt haben, gehen wir schlafen.

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Gegen halb fünf Uhr morgens plötzlich ohrenbetäubender Lärm. Der Deutsche, genervt durch Herrbrenners Schnarcherei, wütet im Hof. Er redet laut, klatscht mit den Sandblechen und als dies alles nichts nützt, wirft er seinen Geländewagen an, mit Auspuff Richtung Herrbrenner. Doch der schläft und schnarcht unbeirrt weiter. Schließlich packt sich das Pärchen zusammen und verlässt gegen sechs Uhr den Campingplatz. Und wir müssen das schon seit zwei Wochen aushalten.


 

Die nächsten zwei Tage verbringen wir mit Wäsche waschen, Fahrzeuge wieder herrichten und sonnen. Ich versorge meinen verletzten Fuß täglich mit einer
„Wund-und-Heilsalbe“. Es sind zwar zwei große Verätzungs wunden, aber sie verheilen zum Glück ganz gut. Wir besuchen auch die Altstadt von TAMANRASSET, gehen in den SOUG (Markt, Basar), essen in einem Restaurant (gut aber wenig) und fahren ein Stück ins HOGGAR-Gebirge zu einer Mineralwasserquelle, wo wir unser Trinkwasser auffüllen. Bei unseren Fahrten in die Stadt sind wir ein paar Mal zu zwölft im Landcruiser unterwegs, was dort aber völlig normal ist.

Ich möchte Silberschmuck kaufen und warte 3 Stunden, um mein Geld „schwarz“ zu wechseln. Dann bekomme ich für 50,00 Euro – 4.000,00 Algerische „Dinar“. Im SOUG bin ich nach zähem Verhandeln auf 5.000,00 Dinar, ich möchte aber nur 4.000,00 bezahlen. Da sagt der Händler, dass 50,00 Euro ok wären und ich Trottel hab drei Stunden aufs Wechseln gewartet, weil man hier „angeblich“ keine Euros nimmt. Wir einigen uns auf 4.000,00 Dinar und mein T-Shirt – dessen ich mich noch im Geschäft entledige und so die Rückfahrt zum Quartier nur mit Jacke antrete.

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Durch die Verzögerungen, wegen der vielen Reparaturen am Husar, sind wir so im Zeitverzug, dass es sich nicht ausgeht, wie ursprünglich geplant, über NIGER und BURKINA FASO zu fahren. Wir nehmen den direkten Weg von TAMANRASSET nach MALI.

Am 26. Jänner, nachdem wir uns Visa besorgt haben (geht recht schnell), ich meinen wunden Fuß verbunden habe und wir alles aufgetankt haben, geht es gegen Mittag Richtung BORDJ MOKHTAR, dem algerischen Grenzort. Wir fahren zuerst auf Asphalt, dann auf Piste und schaffen noch etwa 160 Kilometer.


 

Am Abend kochen wir uns selbst ein delikates Gericht – Kamelgeschnetzeltes mit Nudeln (unser Haupt­nahrungsmittel in diesen vier Wochen). Das Kamelfleisch haben wir in TAMANRASSET von einem dort ansässigen Fleischhauer erstanden. Beim Zeltaufbauen und während der ganzen Nacht weht starker Wind. Außerdem dürfen wir kein Licht machen, weil wir einige Fahrzeuge rund um uns sehen und wir uns in einer gefährlichen Gegend befinden, wo allerhand Gesindel unterwegs ist.

Am nächsten Tag kommen wir vormittags in einen leichten Sandsturm, der aber bald vorüber ist. Danach fahren wir etwa drei Stunden in die falsche Richtung. Von drei GPS-Geräten zeigt jedes einen anderen Wert an. Bis am späten Nachmittag sind wir aber wieder auf der richtigen Piste.

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Bei meiner KTM ist das Federbein schon seit zwei Tagen kaputt. Doch jetzt kann ich gar nicht mehr weiterfahren, weil schon der Motorblock abgeschliffen wird. Ohne neues Federbein ist für mein Bike die Reise zu Ende. Es wird auf den LKW verladen und ich fahre abwechselnd mit verschiedenen Bikes oder in den Begleitfahrzeugen weiter. Wir kommen bei einer Militärkontrolle vorbei, die wieder einmal sehr freundlich ausfällt. Wir unterhalten uns so gut es geht auf Englisch und ein Einheimischer kann sogar ein paar Worte deutsch. Er sagt zu Herrbrenner: „Ich liebe dich“.

Später kommen wir bei einem Nomadenzelt vorbei, wo wir die Nomaden mit Kleidern und Schuhen beschenken und als Dank eine antike kleine Tonvase erhalten. Diese vierköpfige Nomadenfamilie lebt eigentlich unter widrigsten Umständen – eine Behausung gefertigt aus altem Blech, Stofffetzen und Holzbrettern. Umgeben sind sie von rund einem dutzend Ziegen, die für ihren Lebensunterhalt sorgen. Bis zur nächsten Ansiedelung oder Behausung hätte die Familie einen Fußmarsch von mindestens drei Tagen zu bewältigen – sie leben eben mitten im „Nichts“.


 

Am Abend gibt es wieder Kamel mit Nudeln. Kamelfleisch kann man vom Geschmack und Aussehen her mit Rindfleisch vergleichen. Nach dem Essen begeben wir uns alle in die aufgebauten Zelte. In dieser Nacht ist es zwar windstill, aber saukalt. Feuer können wir auch keines machen, da man es aufgrund der extremen Dunkelheit kilometerweit sehen kann und dies wahrscheinlich auch einige gefährliche zwielichtige Gestalten anlocken würde.

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28. Jänner, wir befinden uns auf der TANEZROUFT-Piste, der kürzesten Verbindung von ALGERIEN nach MALI (TANEZROUFT = Land des Durstes). In jedem Reiseführer wird ausdrücklich davor gewarnt, diese sehr gefährliche Strecke zu befahren, weil das Risiko, überfallen und beraubt zu werden, hier extrem groß ist. Die spärlichen Aufzeichnungen im Reiseführer stammen aus dem Jahr 1990 mit wenigen Neuerungen von 1999, die meisten anderen Routenbeschreibungen sind 2001 oder 2002 komplett überarbeitet worden. Wir müssen aber diese Route nehmen, weil wir sonst keine Chance haben, rechtzeitig in Dakar anzukommen. Am Vormittag kommt es auch schon zu einem Überfallversuch. Ein Landcruiser mit fünf Schwarzen täuscht eine Panne vor. Während wir versuchen, den Toyota-Geländewagen der fünf Banditen wieder flott zu bekommen, merken wir, dass eigentlich nichts kaputt ist. Wir geben aber trotzdem Starthilfe, um uns nicht anmerken zu lassen, dass wir sie durchschaut haben, sonst könnte es unter Umständen gefährlich werden für uns. Weil wir aber doch viele Leute sind und weiträumig verteilt stehen, steigen die fünf wieder in ihren Toyota und brausen davon. Gleich darauf sehen wir, wie sie sich unterhalten und nach ein paar Kilometern stehen sie wieder am Pistenrand und täuschen einen Platten vor. Doch wir sind gewarnt und brausen vorbei – Richtung BORDJ MOKHTAR, wo wir nach Mittag eintreffen.


 

Ich fahre heute auf Sigis KTM 400EXC. Sigi ist es sauschlecht und er fährt im Toyota mit. Um die Zollformalitäten zu erledigen, müssen wir auf den Gendarmerie-Posten in der Ortschaft und es dauert über drei Stunden, bis endlich alles geklärt ist. Danach gehen wir in ein „Restaurant“ essen. Speisezimmer und Küche in einem Raum, als Dach ein paar Holzstücke, mehr als etwas Sonnenschutz ist das nicht. Alles ist sandig und voller Fliegen. Die elektrische Installation ist sagenhaft, da sind nur Drähte quer durch den Raum gespannt und mit Nägeln an der Mauer befestigt. Das Fleisch, das für uns zubereitet wird, liegt unabgedeckt auf dem Tisch herum und muss erst mal von Fliegen befreit werden – schmeckt aber erstaunlicherweise sehr gut. Die Getränke werden laufend von irgendwo anders geholt, mit so einem Ansturm hat man hier nicht gerechnet. Doch die Einheimischen sind sehr freundlich und zuvorkommend. Bei der Rechnung wird uns dann allerdings etwas flau im Magen. Mehr als das doppelte, als wir in TAMANRASSET bezahlt haben. Begründung: Dieser Ort ist ein Grenzort, da ist alles teurer. Beim nächsten Mal werden wir erst den Preis aushandeln und dann bestellen.

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Ein kleines Abenteuer habe ich auch, als mich ein großes menschliches Bedürfnis plagt. Der Wirt erklärt den Weg zum Loch – WC. Zuerst muss ich mich durch eine „Tür“ zwängen, etwa ein halber mal eineinhalb Meter, stehe dann in einem Gang mit normaler Raumhöhe. Geradeaus – rechts – durch die Tür und du bist dort. Ich stehe in einem großen Zimmer, rechts vor mir eine Bar mit etwa zwanzig Schwarzen. Wo ist das Loch? Ich blicke herum – da, in der linken Ecke ein Mauerchen mit ein Meter Höhe und dahinter das stille Örtchen. Nun hab ich zwei Möglichkeiten: Entweder Blick zur Mauer, dann schauen mir 20 Leute beim Geschäft zu oder Blick zur Bar, dann schau ich währenddessen den Schwarzen beim Trinken zu. Variante zwei ist die bessere. Nachher erklärt mir Michel, dass das zeigt, dass die Schwarzen – ausgenommen einiger weniger, die den Tuaregs angehören – hier untergeordneten Status haben. Sie dürfen nicht in die Gaststube, wo die Araber hingehen. Dort wo der Algerier sein Geschäft verrichtet, muss der Schwarze essen und trinken.


 

Wir schlagen unser Lager im Hof der „Gendarmerie Nationale“ auf, weil alles andere zu gefährlich wäre und selbst dort müssen wir unser Gepäck mit ins Zelt nehmen, damit nichts gestohlen wird. Man kann sich diese „Polizeistation“ etwa so vorstellen: Ein ebenerdiges Gebäude, mit etwa 100 Quadratmetern; mehreren, ziemlich heruntergekommenen Gängen und Warteräumen, inmitten eines sandigen Grundstücks von zirka 50 mal 50 Metern, umgeben von einer zwei Meter hohen Mauer. Wir kampieren dort in einer Ecke, die der Hauptstraße am nächsten ist, und es wird uns klar gemacht, dass trotz Posten am Tor – zehn Meter neben uns – es durchaus möglich ist, dass jemand in der Nacht über die Mauer steigt, und versucht, uns zu berauben. Im Hof der Exekutive – ???

Am nächsten Morgen müssen wir zum Bürgermeister, um zu verhandeln, wie viel Sprit wir bekommen. Das Tanken ist jedoch nicht so einfach wie bei uns – tanken, zahlen und ab. Die Lagerkapazität des Treibstoffs auf der Tankstelle und die seltenen Lieferungen decken nicht einmal ihren eigenen Bedarf ab.

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Wir bekommen aber schließlich die ausgehandelte Menge Sprit und bestechen den Tankwart mit einer Flasche Wein, um noch zwei Kanister mehr zu ergattern. Die Dauer beläuft sich dabei auf etwa zwei Stunden, nicht zehn Minuten wie daheim. Dann geht’s ab, 160 Kilometer auf Piste im Konvoi und ohne Stopp bis TESSALIT, dem Grenzort von MALI. Obwohl die Piste in sehr gutem Zustand ist, benötigen wir für die Strecke fast fünf Stunden.

In TESSALIT angekommen, müssen wir zuerst zur Militärkontrolle und dann zur Gendarmerie, wo wir überall kleine Geschenke, wie Kugelschreiber, Feuerzeuge und T-Shirts, verteilen müssen. Dafür gibt’s aber auch keine Probleme und alle sind sehr freundlich. Die Aktion dauert halt recht lang, weil man ja dort genug Zeit hat und Weiße sieht man in diesem gefährlichen Gebiet so gut wie nie. Darum sind wir auch begehrte Schauobjekte.


 

Auf vielen Häusern hängen nach wie vor Schilder mit der Aufschrift „Restaurant“, da dieser Ort einst touristisch sehr bedeutend war, was allerdings schon über zehn Jahre her ist. Auch hat es hier einmal einen sehr schönen Campingplatz gegeben, doch auch davon ist nichts mehr zu erkennen. Der Militärchef sagt uns, dass der weitere Verlauf der Piste in sehr schlechtem Zustand ist und wir deshalb hier übernachten sollen. Wie sich aber am nächsten Tag dann herausstellt, ist die Piste in einem super Zustand, man hat nur ein bisschen mit uns verdienen wollen – warum nicht. Es kommt ja sonst niemand vorbei.

Schon während des Essens am Nachmittag – es gibt Reis, Cous-Cous und eine dubiose Fleischsauce – kommen Abgeordnete von einem Tuareg-Stamm, die Wegzoll verlangen. Die erste Gruppe – es kommen insgesamt vier Parteien – ist nach langem Verhandeln mit einem Sack Kleidungsstücken zufrieden.

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Ein anderer bietet sich uns als Führer an, begnügt sich aber damit, mit uns einen guten Tauschhandel zu absolvieren. Bei dieser Gelegenheit erstehe ich ein wunderschönes Amulett und einen Armreifen getauscht gegen eine ärmellose Jacke von mir – obwohl es dem Mann völlig unverständlich ist, wozu man Jacken ohne Ärmel erzeugt. Für die Nacht bekommen wir einen abgeschlossenen Hof mit ein paar Räumen zur Verfügung. Wir sind ständig umringt von Kindern, die sehr neugierig, aber nicht aufdringlich sind.

Meinem Fuß geht es in Anbetracht der Strapazen und der ständigen Bewegung recht gut. Ich habe fast keine Schmerzen mehr, und die Wunde ist nicht entzündet. Als es Schlafenszeit ist, teilen wir uns auf die 3 Räume auf. Herrbrenner bekommt einen allein, doch bereits nach einer halben Stunde liegen bis auf 3 Hartgesottene (Andi Weiser, Peter und ich) alle draußen im Hof, die Schnarcherei ist nicht auszuhalten.


 

Doch auch diese Nacht vergeht. Am Morgen ist es Andi Weiser und mir speiübel, wahrscheinlich die Sauce vom Vortag. Es kommen ein paar Einheimische, um uns zu verabschieden, und erzählen, dass der halbe Ort nicht schlafen konnte, weil aus unserer Richtung laute seltsame Geräusche zu hören waren – ???

Heute am 30. Jänner müssen wir 430 Kilometer auf Piste bis nach GAO schaffen, denn campieren in freier Wildbahn wäre viel zu gefährlich. Ich verbringe diesen Tag irgendwie halb sitzend, halb liegend und meistens schlafend, trotz argem Gehopse im Toyota. Mir geht’s sehr schlecht (Bauchschmerzen, Kopfweh, Übelkeit).

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Wir kommen recht schnell voran, obwohl die Disziplin der Gruppe sehr zu wünschen übrig lässt. Wir sollten auf dieser extrem gefährlichen Strecke alle zusammen bleiben, doch manche fahren immer wieder weiter voraus. Herrbrenner einmal sogar 20 Kilometer und das ohne Ortskunde, Karte und GPS. Diese Unternehmung in Eigenregie und ohne jegliche Orientierung durchzuführen ist äußerst leichtsinnig. Glücklicherweise finden wir Herbrenner wieder und können die weitere Strecke als vollständige Gruppe bezwingen.

Hier ein kurzer Auszug aus einem Reiseführer, um zu verdeutlichen, wie gefährlich so ein Alleingang tatsächlich sein kann: „Der Verlauf der Piste ist nicht gekennzeichnet und die Hauptspur fast nicht erkennbar. Da die Spuren sehr weit auseinander fächern (oft viele Kilometer weit) sind gutes Kartenmaterial, Kompass und Feldstecher sowie großzügig bemessene Treibstoff- und Trinkwasserreserven unerlässlich. Die vielen sich immer wieder gabelnden Spurenstränge laufen meistens nach einigen Kilometern wieder zusammen. Einige jedoch führen allmählich ins Abseits und enden schließlich im Nirgendwo.“


 

Gegen Mittag sind wir in TABANKORT, einer kleinen Tuagreg-Siedlung, wo sich auch ein Militärposten befindet. Dort bestaunen wir den Fuhrpark, der unter anderem aus KÜRASSIER-Radpanzern besteht, die jedoch im auffälligen Zebra-Design lackiert sind und auf SEMPERIT-REIFEN fahren – österreichische Qualität also, und das mitten in der Wüste.

Weiter geht die Reise, aber ohne Husar, denn bei dem gehört – man sollte es nicht für möglich halten – der Krümmer geschweißt. Wir wollen nämlich vor Einbruch der Nacht den Campingplatz erreichen, deshalb fahren auch die Motorräder mit dem Toyota schon vor Richtung GAO. Michel und Peter versuchen den Husar soweit zu reparieren, um gegebenenfalls auch in der Nacht zu uns stoßen zu können. Wir fahren in drei bis vier Gruppen so schnell wie möglich zur Grenzstadt, wobei pro Gruppe mindestens ein GPS dabei ist. In dem weitläufigen Gelände und durch die Abweichungen der GPS-Geräte verlieren wir uns öfter aus den Augen, finden aber immer wieder zusammen.

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Als wir die Vororte (einige Häuser) von GAO erreichen, ist es schon finsterste Nacht, und es gibt viele verschiedene Wege ins Zentrum. Nach einer ordentlichen Irrfahrt in völliger Dunkelheit treffen wir um 23 Uhr am Campingplatz „Chez Jean-Claude“ ein – in zwei Gruppen aufgeteilt (weil unterwegs verloren).

Endlich wieder kühles Bier und was zu essen. Nach einem ausgiebigen Abendmahl gehen die meisten schlafen, nur zwei oder drei erkunden noch die nächste Disco. Der LKW ist noch nicht eingetroffen.

Am nächsten Morgen geht’s ab in die Dusche. Die zwei Duschkabinen, die von insgesamt fünfzig Leuten oder mehr benutzt werden, bestehen aus drei notdürftig gemauerten Wänden. Es ist auch ratsam, mit den Stofffetzen, die als Türe dienen, nicht in Berührung zu kommen. Auf dem Hof des Campingplatzes leben etwa 20 Schwarze in nur zwei Hütten, die alle recht interessiert bei unserer Körperpflege zusehen.


 

Später sitzen wir beim Frühstück und wissen noch immer nichts von Michel und Peter im Husar. Wir beschließen, dass um zehn Uhr zwei Mann zurückfahren, um den LKW zu suchen. Da hören wir auch schon das unverwechselbare Motorgeräusch. Noch während die beiden sich stärken, erzählen sie uns von Räubern, die ihnen mit Gewehren und MGs aufgelauert sind und Bargeld wollten. Nach langem zähem Verhandeln konnte Michel die Männer überzeugen, dass er nur Fahrer sei und das ganze Geld der „Chef“ im Toyota habe. Die Banditen ließen die zwei aber nicht weiter, sondern nur zurückfahren, wohl in der Annahme, dass der Geländewagen mit dem Geld zurückkommt, um den LKW zu suchen. Die beiden fuhren zurück bis zum Militärcamp, wo ihnen Begleitschutz bis GAO angeboten wurde – allerdings für 700,00 Euro. Bis in die frühen Morgenstunden reduzierte sich der Betrag auf 100 Euro. Die beiden erklärten wieder, kein Geld zu haben. Als es hell wurde, brausten sie in einem Stück bis nach GAO. Zuerst im Wind- und Sichtschatten eines LKWs, die letzten Kilometer im Alleingang.

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Der Tag in GAO verläuft für Michel und Peter recht eintönig (schweißen). Wir aber nutzen diese Gelegenheit und unser Nachbar Ibrahim besorgt mit uns die dringend nötigen Polizeistempel, die bei diversen Kontrollen verlangt werden. Bei Ibrahim haben schon ein paar von uns genächtigt, weil dort nicht alles voll Dreck und Kakerlaken ist. Er zeigt uns auch die Stadt – recht schmutzig, aber reges Treiben in den einzelnen Geschäften und am „Washington-Markt“. Dieser heißt so, weil man hier alles Schlechte bekommt, wie Alkohol, Drogen usw. – und alles Schlechte kommt ja bekanntlich aus Amerika.


 

Bei einem Schuster lasse ich mir Schlapfen aus Ziegenleder und mit einer Sohle aus Autoreifen anfertigen. Durch unsere Tauschgeschäfte begegnen uns in der ganzen Stadt Einheimische mit „MAC“- und „Reifen-Ritz“-Leibchen. Die lassen sich gut weiterverkaufen.

Das Nachtmahl bereitet uns Ibrahim zu – Fleischspießchen, Pommes, Salat und Brot. Sehr gut, aber wieder einmal zu wenig. Diese Nacht schlafe ich auch bei Ibrahim, wegen der wirklich sauberen Zimmer. Doch leider ist es sehr heiß und die Moskitos kommen irgendwie unters Netz – ich werde total zerstochen – eine Horrornacht.

Samstag, 1. Feber, halb fünf Uhr Tagwache, damit wir die erste Fähre über den Niger erreichen. Am anderen Ufer sehen wir Afrika ganz anders. Wir sind nun endgültig in der Sahel-Zone – grünes Gras, Sträucher, Bäume und verschiedene Pflanzen. Wir verlieren fast den Anhänger und müssen schweißen. Als Funken ins Gras fliegen, merken wir, dass das Gras zwar grün, aber dürr ist. Eine Stichflamme – Clemens läuft vor lauter Angst davon, doch der Rest kann mit Schaufeln und Stiefeln gerade noch löschen, bevor uns halb MALI abbrennt.

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Weiter geht’s zirka 600 Kilometer bis nach MOPTI. Um elf Uhr ist es so heiß, dass selbst der Fahrtwind nicht mehr kühlt. Wir fahren durch viele, kleine Dörfer mit Bremshügeln – fast wie bei uns zu Hause – als ob die nicht schon genug Wellblechpisten hätten. Vorbei an Baobabs (Affenbrot­bäumen), Eseln, Kamelen, Rindern, Schafen, Ziegen und deren Kadavern. Sterberate an der Straße – hoch – und die Geier fett. Hier wird nicht einmal für eine Kuh gebremst.

Bei Sonnenuntergang treffen wir im „Campoment“-Hotel in MOPTI ein. Dieser Gasthof hat klimatisierte Zimmer und eine größere Fläche zum Zelten, die von einer Mauer umgeben ist. Als damit begonnen wird, die Zelte aufzubauen, beschließen Timi und ich, uns eines der „Luxuszimmer“ zu leisten. Die kosten immerhin fast viermal soviel wie die Übernachtung im eigenen Zelt. Aber recht saubere Betten, Klimaanlage, Dusche und die Tatsache, keine Zelte auf- und abbauen zu müssen, sprechen eindeutig für sich.


 

Am Morgen, etwas Abwechslung auf dem Speiseplan: Eierspeise mit Zwiebel. Hierfür geht unser letztes Gas drauf. Aufbruch erst nach neun Uhr (keiner weiß warum – wir sind seit über einer Stunde startbereit). Es ist sehr heiß und es weht starker, teilweise sandiger Wind. Das Motorrad von Alex hat einen Patschen.

Pauli fährt die Honda XR am Hinterreifen weiter bis zum LKW, der neben der Straße zwischen Bäumen wartet. Sofort kommt ein Einheimischer mit einer Vespa und macht sich mit einem Schraubenzieher (als Montiereisen) am Reifen zu schaffen. Das geht allerdings mit ordentlichem Werkzeug besser, Pauli und Timi sind sehr flott. Es kommen Landarbeiter mit Harken auf der Schulter, dann ein bunt bemalter Pferdewagen. Wir essen Bananen und trinken eine Menge, wegen der Hitze.

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Zur Belustigung der Einheimischen und zu unserer eigenen, hängen wir ein paar Bananen über den Ast von irgendeinem Baum und erklären Herrbrenner, die Bananen würden hier wachsen. Er solle sich beim Pflücken aber nicht vom Bauern erwischen lassen. Herrbrenner pflückt sich vorsichtig eine ab und verschlingt sie genüsslich. Als wir den Schwarzen von unserem Schmäh erzählen, können die sich vor lauter Lachen kaum auf ihrem Wagen halten. Ich glaube, das  Pferd hat auch gelacht.

Endlich SEGOU, gleich am Anfang des Ortes links parken wir beim Haus von Ali. Er ist ein Deutscher, der sich hier vor Jahren niedergelassen und das erste Busunternehmen in MALI gegründet hat. Ali jedoch schläft und so fahren wir in die Stadt weiter zum Hotel „Djoliba“, das Ali gehört. Die Motorräder kommen auf einen abgesperrten Parkplatz. Von einer Frau an der Straße holen wir pikante „gebackene Mäuse“ und trinken Bier im kühlen Innenhof des Hotels. Beim Rundgang durch das Marktviertel haben die meisten Geschäfte schon geschlossen. Wir feilschen bei einem Straßenhändler auf Biegen und Brechen, und ich erstehe günstig eine Djembe (Trommel) und Pauli einen Teppich.


 

Nach einem delikaten Abendessen „wia ba uns daham“ (Naturschnitzel, Letscho, Pommes) und einigen Bierchen begeben wir uns in unser Zehn- bis 15-Bettzimmer. Nur Herrbrenner wird in einem anderen Trakt, in einem Einzelzimmer untergebracht. Die Mehrkosten teilen wir uns gerne.

Am Montag, dem 3. Feber, sorgt Ali dafür, dass wir ein perfektes Frühstück bekommen. Erst um neun Uhr war die Abfahrt geplant, obwohl es aufgrund der Hitze ratsamer gewesen wäre, früher los zu starten. Michel kommt erst um halb zehn zum Abstellplatz der Fahrzeuge. Wir haben auch gestern nicht getankt, das holen wir bei der Ortsausfahrt nach. Diese kleinen Anspielungen sollen darauf hinweisen, dass wir sehr viel Zeit mit Warten auf Michel, ohne ersichtlichen Grund, vertan haben; und er sich oft, sehr seltsam verhalten hat – auch bei direkten Nachfragen haben wir keine klare Antwort bekommen.

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Es ist zehn Uhr und sehr heiß. Um die Mittagszeit sind wir in BAMAKO, der Hauptstadt von MALI. Michel muss Geld wechseln und wir setzen uns in das Straßencafé eines Hotels, trinken Cola und warten bei gemessenen 42 Grad im Schatten. Da wir nicht wissen, wann er wieder zurückkommt, können wir uns auch nicht recht weit von unserem Treffpunkt weg bewegen. Trotzdem machen fünf von uns einen kleinen Ausflug in die nahen Slums, wo wir ein „Hard-Rock-Café“ der etwas anderen Art besuchen. Nachdem wir die Bedienung geweckt haben, gibt es für uns sogar gekühlte Getränke. Dann, endlich, nach stundenlangem Ausharren in der brütenden Hitze, kommt Michel wieder. Was er solange gemacht hat, weiß niemand von uns.


 

Wir quälen uns durch BAMAKO und über den Niger, wo auf der anderen Seite einige eindrucksvolle Gebäude stehen. Paulis KTM, mit der Andi Weiser heute unterwegs ist, stirbt im Stop-and-go-Verkehr immer wieder ab und ist schwierig wieder anzustarten. An der Ortsausfahrt tanken wir und erfrischen uns mit kühlem Cola. Es ist schon später Nachmittag und wir werden heute nicht mehr weit kommen, trotz neuer Asphaltstraße. Auch begegnen uns häufig komplett verzogene LKW und Busse (Vorder- zu Hinterachse sicher 50 cm). Diese rauschen aber dennoch mit 100 bis 120 km/h dahin, durch schönes Gebiet mit roter Erde.

Michel kauft Holz und Holzkohle vom Händler neben der Straße, damit wir kochen können. Zirka 60 Kilometer nach BAMAKO geht die Sonne unter.

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Wir fahren eine kleine Staubstraße rechts hinein und campieren. Die Kocherei geht rasch, Andi Weiser hat „Chili con Carne“ gewärmt. Ich verbinde meinen Fuß, der sehr gut verheilt, und dann geht’s zum Schlafen ins Zelt.

Dienstag, 4. Feber, kommen wir früh weg, aber die Asphaltstraße ist bald nicht mehr befahrbar, so wird man immer wieder nach rechts und links umgeleitet. Steinbarrieren oder Strauchwerk soll verhindern, dass die geschobene Straße befahren und ruiniert wird. Die einheimischen Radfahrer und wir mit den Motorrädern fahren streckenweise dennoch auf der dammartig erhöhten Straße. Es folgt Wellblech, stellenweise ordentliche Waschbrettpiste. Einige Kilometer nach DIDJENI nehmen wir links die Abzweigung nach DIEMA.


 

Im Innenhof eines Campingplatzes trinken wir Cola, besorgen frisches Brot vom Markt und warten. Michel kommt, trinkt etwas und geht zum Markt einkaufen. Ich und Andi Weiser gehen diesmal mit, um zu sehen, warum das immer so lange dauert. In kurzer Zeit haben wir alles zusammen, was wir brauchen. Doch Michel besteht darauf, der Gruppe Abwechslung zu bieten und wartet über zwei Stunden auf Tomaten, von denen wir im Endeffekt mehr als die Hälfte entsorgen, weil sie faul sind. Ein sinnloses und uns allen unverständliches Unterfangen. Es wäre für die ganze Gruppe erfreulicher und kurzweiliger, wenn wir statt stundenlanger Einkaufstouren, die in Wirklichkeit nichts bringen, irgendwelche interessanten Objekte besichtigen oder einfach nur die Dörfer entlang der Strecke etwas genauer unter die Lupe nehmen könnten, wenn schon genug Zeit vorhanden ist.

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Nach unserer Einkaufs-Tour fahren Andi Weiser und ich wieder zu den anderen zurück, Michel bleibt noch am Markt. Bei der Gruppe angekommen gehen wir gemeinsam die bevorstehende Route für die weitere Strecke durch. Als Michel nach langer Zeit immer noch nicht vom Markt zurück ist, fährt Andi mit der Honda XR nachschauen. Es stellt sich heraus, dass Michel seit Stunden damit beschäftigt ist, einen kaputten Toyota-Reifen flicken zu lassen. Eine zu diesem Zeitpunkt völlig unsinnige Aktion, denn auf dem letzten Stück unserer Reise haben wir hauptsächlich Asphaltstraßen zu befahren und obendrein noch einen intakten Reservereifen für den Toyota im Gepäck. Der zu flickende Reifen ist nicht fertig, doch in weniger als einer Stunde ist Sonnenuntergang, und wir sollten aufbrechen.


 

So kommt es, dass Michel und Peter in DIEMA bleiben und auf den Reifen warten. Wir anderen tanken die Motorräder voll, fahren in Staub und Gegenlicht noch 50 Kilometer und markieren die Stelle, wo wir rechts ins Gelände stechen, mit einem Steinkreis. Dort wollen wir campieren.

Mit Holz und Holzkohle sind die am Markt gekauften Erdäpfel rasch gekocht. Wir haben auch noch Speck, Eier, Oliven und Knoblauch. Es wird ein perfektes „Gröstl“. Drei Stunden nach uns treffen Michel und Peter mit dem LKW ein und behaupten, sie wären stundenlang die Piste auf- und abgefahren, weil der Steinkreis zu klein war und wegen den Lichtern der Autos unser Feuer nicht zu erkennen war. Um diese Zeit war allerdings fast kein Verkehr auf der Piste. Die Stimmung wird immer schlechter, weil die Probleme nicht beredet werden.

Mittwoch, 5. Feber: Wir stehen wirklich früh auf, kommen aber ewig nicht weg. Grund: Michels „Spompanadeln“.

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Zunächst folgt eine geschobene Piste. Es wird gearbeitet und in Kürze soll geteert werden. Etwa 95 Kilometer nach DIEMA gibt es nur mehr die alten Wege im Weichsand durch die Bäume und Sträucher. Es ist irre heiß. Pauli fährt voraus und wartet bei einem ausgemachten GPS-Punkt auf uns. Wir fahren wahrscheinlich nur ein wenig entfernt an ihm vorbei, doch in dem hügeligen Gelände können wir uns gegenseitig schwer ausmachen. Wir warten in dem kleinen Dorf LAKAMANE auf den LKW, der versucht, Pauli ausfindig zu machen. Zuerst gibt es keine Spur von dem leichtsinnigen Ausreißer, er trifft aber zum Glück einige Zeit später, noch vor dem LKW, bei uns im Dorf ein. Solche
Abenteuer stehen bei uns regelrecht an der Tagesordnung. Am Abend sind wir dann aber alle ohne weitere Probleme an unserem Etappenziel angelangt.


 

Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Senegal. In der kleinen Siedlung SANDARÉ warten wir zusammen, umringt von einigen Frauen und Kindern des Ortes. Wir stellen fest, dass Sigi, der Toyota und der LKW fehlen. Nach einiger Zeit kommen Sigi und der Toyota im Dorf an und erzählen, dass sich die Befestigung der Führerkabine beim LKW wenige Kilometer vor SANDARÉ losvibriert hat und jetzt von Michel und Peter repariert werden muss. Die beiden lassen uns ausrichten, dass der Toyota und die Motorräder bis KAYES vorausfahren und bei der Polizeikontrolle warten sollen. Die Piste dorthin geht entlang eines steinigen Flussbettes. Nach 30 Kilometern machen wir eine Esspause bei einem großen Baobab.

Sigi hat einen Patschen, der aber umgehend geflickt wird. Inzwischen gibt es nicht mehr nur die Flussdurchfahrt (Furt), wie auf den Karten eingezeichnet, sondern eine Brücke über den Niger.

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Ein kleines Stück rechts nach der Brücke bekommen wir im Hotel „Medine“ fünf Doppelzimmer mit Dusche und Klimaanlage. Thomas bastelt ein großes Schild, das vor der Brücke montiert wird, damit uns Michel und Peter finden. Der Markt in KAYES ist trotz der Nachmittagshitze recht lebhaft.

Abends geht eine größere Gruppe Lammfleisch essen in ein kleines Restaurant am Haupt-Boulevard. Ich gehe nur mehr duschen und schlafen – habe am Abend zuvor Lariam (Malaria-Prophylaxe) genommen, über 400 mg/dl Blutzucker (90–110 = Normalwert, 180 = schlechter Wert), und mir geht es richtig schlecht.


 

Am nächsten Tag starten wir um halb elf mit ordentlicher Verspätung von KAYES Richtung Grenze zum Senegal. Michel besorgt mir Insulin, weil meines durch den erhöhten Bedarf der Übelkeit zufolge knapp wird. Er geht zu Fuß und ohne mich auf Apothekensuche und hat keine Ahnung, was und wie viel er besorgen soll. Er kommt nach zirka zwei Stunden wieder, mit irgendwelchen Insulinampullen und ohne Einwegspritzen. Zum Glück hat Andi Fiege Spritzen mit und so können wir endlich aufbrechen. Die Motorräder fahren voraus, dann wir mit dem Toyota und schließlich der LKW. Um halb ein Uhr mittags treffen wir mit dem Toyota auf Sigi, Herrbrenner und Timi, der einen platten Hinterreifen hat. Da wir keinen Schlauch mithaben, warten wir über eine Stunde auf Michel und Peter. Keine Ahnung, wo die wieder waren, denn die Straße ist in einem sehr guten Zustand.

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Als der Husar stehen bleibt, werden die Bienen, die uns schon die ganze Zeit umschwirren, immer aggressiver und Timi, Andi Weiser und ich werden gestochen, wobei Timi allergisch reagiert und bei ihm Kopf, Hals und Brustkorb binnen kürzester Zeit anschwellen. Sigi verabreicht ihm ein Anti-Allergikum und wir kühlen die Schwellungen mit Wasser. Um nicht noch einmal gestochen zu werden, fährt Timi mit Sigi`s KTM etwa fünf Kilometer voraus, bis zu den anderen Motorrädern. Dort angekommen, werden die Schwellungen mit den letzten Resten des Trinkwassers gekühlt. Nachdem wir den Platten geflickt haben, braust Andi Weiser, so schnell er kann, mit Wasser hinterher. Endlich angekommen geben die anderen Timi zu trinken und kühlen seine Schwellungen. Währenddessen kann Andi beobachten, wie ein Mitglied der Gruppe hinter einem Baum versteckt genüsslich aus einem Camel-Pack trinkt, anstatt es Timi zu geben, der es wirklich dringend gebraucht hätte. Dass wir dieses Kameradenschwein nicht mehr auf weitere Reisen mitnehmen, versteht sich von selbst.


 

Endlich in dem Grenzort KIDIRA angekommen und die Formalitäten erledigt, gibt es noch eine Jause. Wurst und Käse, mal wieder ohne Brot, und auch das Wasser wird knapp. Obwohl wir mehrmals die Möglichkeit haben einzukaufen und Michel für die Verpflegung der Gruppe zuständig ist (er verwaltet auch die allgemeine Reisekassa), kauft er nicht ein – WARUM? – wir wissen es nicht.

In den vergangenen Tagen haben wir sinnlos Zeit vergeudet, um auf Michel zu warten, der angeblich Lebensmittel und Ersatzteile besorgt hat. Nur war davon nie etwas zu sehen oder es waren Dinge, die niemand braucht, wie zum Beispiel die faulen Tomaten oder der geflickte Toyota-Reifen. Die Stimmung und der Zusammenhalt in der Gruppe werden immer schlechter.

Bei Einbruch der Dunkelheit starten wir Richtung TAMBACOUNDA. 185 Kilometer in der Nacht, damit wir es am nächsten Tag bis DAKAR schaffen. Am Ortsanfang gibt es ein Restaurant, das zugleich ein Nachtclub ist. Es wird Bier, Wein und Schnaps ausgeschenkt – „wia daham“.

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Als der LKW kommt, schlagen wir auf dem Flachdach des Lokals unser Lager auf, essen Brot und Diverses aus der Jausenkiste. Es wird eine laute Nacht wegen der vielen Muezzins, die über Lautsprecher zum Gebet rufen. Herbrenner kann in Gedanken an die fesche Bardame nicht schlafen und probiert gegen zwei Uhr morgens sein Glück. Da sind aber auch noch andere der Gruppe an der Theke und kosten das Senegalesische Barcardi-Cola. Aus Herbrenners Vorhaben wird also nichts und er muss alleine die Nacht verbringen. Bei der Schnarcherei – kein Wunder.


 

Freitag, 7. Feber: Michel hält um halb neun Uhr morgens einen Erklärungsmonolog über seine Sicht der Dinge. Was zwar schon lange notwendig war, aber leider zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel bringt. Auch sind seine Erklärungen sehr realitätsfremd. Er versucht sich irgendwie zu rechtfertigen, und wir wissen noch immer nicht, warum er sich so komisch verhält – ?

Nach der Tankstelle fahren wir mit den Motorrädern voraus. Nach zwei Cola-Pausen erreichen unsere Bikes KAOLACK und wir warten in einem Restaurant bei ausgezeichneten „Chawarmas“ (ähnlich einer Art Fleischpalatschinke). Es dürfte wieder ungefähr 40 Grad im Schatten haben. LKW und Toyota lassen nicht lange auf sich warten. Wir trödeln dennoch unnötig herum, aber jetzt soll es ja auf gutem Asphalt geradewegs nach DAKAR gehen. Da haben wir uns allerdings getäuscht: Die Straße wird schlechter, die Schlaglöcher immer größer, schließlich folgt ein längerer Pistenabschnitt. Thomas KTM will nach dem Umschalten auf Reserve lange nicht anspringen, daher kommen wir doch in die Dunkelheit – bei starkem Verkehr und riesigen Schlaglöchern, die von den Fahrern einfach umfahren werden, wenn notwendig, auch auf der Gegenfahrbahn.

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Wir erreichen RUFISQUE, einen Vorort von DAKAR, und erfragen an der ersten Tankstelle den Weg zum Campingplatz. Dieser soll 200 Meter nach dem Kreisverkehr am Ende der Ortschaft auf der rechten Seite sein. Thomas und Achim erkunden mit ihren Bikes nochmals genauer die Lage des Campingplatzes, während wir anderen bei einem Restaurant auf der gegenüberliegenden Seite der Ausfallstraße warten. Tatsächlich gibt es eine nicht gekennzeichnete Einfahrt. Es ist allerdings kein Campingplatz, sondern eine Jugendherberge, aber hier bleiben wir. Für die Nacht stehen uns einfache, aber halbwegs saubere Bungalows zur Verfügung. Toyota und LKW finden uns dank eines vor der Einfahrt abgestellten Motorrads. Ein paar von uns gehen zum Abendessen in ein Restaurant auf der anderen Straßenseite. Dort wird uns ein super Schlemmermahl zubereitet und mit ein paar Bierchen sitzen wir bis spät in die Nacht in dem „Gasthaus“. Dieses verfügt, wie sich herausstellte, auch über einige Stundenzimmer plus dazugehöriger Mädels.


 

Samstag, 8. Feber: An unserem vorletzten Tag in Afrika erwartet uns ein tolles Frühstück, gekauft in einer nahe gelegenen Patisserie: Krapfen mit Vanillefüllung, Marmeladetaschen, frisches Brot und Früchte.

Mit dem Toyota und einigen Motorrädern brechen wir zu Mittag zum etwa 30 Kilometer entfernten LAC ROSE (Rosa See) auf – wo üblicherweise der Zieleinlauf der „PARIS–DAKAR“ stattfindet. Der Name des Sees kommt vom stark rosafarbenen Wasser, das durch eine seltene Korallenart hervorgerufen wird. Am See wird Salz gewonnen, und es werden allerlei Souvenirs verkauft, wie Sandbilder, geschnitzte und bemalte Rinderhörner, auch Schmuck und andere Ziergegenstände.

In der Nähe bei einer gepflegten Hotelanlage sitzen wir gemütlich bei Speis und Trank. Zwischendurch gibt es einen Abstecher über die Dünen zum Meer. Alex geht tatsächlich in den kalten Atlantik, Pauli und Timi folgen ihm. Wir machen einige Fotos – als Werbung für unsere Sponsoren. Michel, der den LKW mittags nicht fahrfertig hatte, kommt nicht mehr nach. Wir fahren zurück und machen einen ausgedehnten Spaziergang in RUFISQUE.

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Der Strand dort ähnelt leider einer Müllhalde, ansonsten ist der Ort mit dem regen Treiben sympathisch. Es gibt Fast-Food-Restaurants, die neben „Chawarma“ auch Hamburger anbieten. Wir streifen noch bis Mitternacht durch die engen Gassen von RUFISQUE und genehmigen uns in diversen „Beiseln“ das eine oder andere Bierchen. Danach geht’s ab ins Bett.

Sonntag, 9. Feber: Der letzte Tag unseres Abenteuers  und es soll noch nicht zu Ende sein. Andi Weiser und Sigi fahren mit ihren Motorrädern zu einem Wildpark, um Bekannte von Andi zu besuchen.


 

Andi Fiege nimmt eine größere Partie mit dem Toyota nach Dakar mit, unter anderem auch mich. Recht wenig (Sonntags-)Verkehr bei der Hinfahrt, jedoch treffen wir ziemlich schnell auf einen höchst unangenehmen und korrupten „Kiwara“. Da wir uns angeblich auf einer Straße befinden, die nur von Taxis befahren werden darf, verlangt er ein Bußgeld von umgerechnet 120,00 Euro – woher sollen wir das denn wissen. Natürlich ohne Beleg für die eigene Tasche. Da er schon im Besitz von Andis Pass und den Fahrzeugpapieren ist, legen wir zusammen und bezahlen.

Am Markt sind die Verkäufer so aufdringlich, dass wir davon laufen und uns in den nächsten Schnellimbiss flüchten. Dort haben die Ramschtandler keinen Zutritt. Sie warten jedoch geduldig, bis wir wieder auf die Straße kommen, um uns erneut ihre Waren aufschwatzen zu können. Einer ist besonders hartnäckig und begleitet uns mit seiner Holzstatue während unserer ganzen Stadtbesichtigung. Dadurch, dass er auch Englisch spricht, haben wir einen kostenlosen Fremdenführer. Am Ende unserer Sightseeing-Tour kaufe ich ihm die angeblich antike Statue um 40,00 Euro statt anfangs 250,00 Euro ab.

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Leider wird der eigentlich recht freundliche, einheimische Handelsreisende schnell unfreundlich bis zornig, weil wir ihm nicht ein paar Münzen für seine Busfahrt nach Hause geben. Es wäre schön gewesen, sich wenigstens von einer Person in DAKAR freundlich zu verabschieden. Stattdessen jagen wir ihn davon, als er zu aufdringlich wird. Und auch von unserem Parkplatz müssen mir mit Streit und Beschimpfungen fliehen – alle wollen Geld von uns.


 

Bei der Rückfahrt zur Herberge ist starker Verkehr und immer wieder Stau. Es ist jedoch sehr unterhaltsam, denn wir sehen Fahrzeuge, die in unserem gewohnten Straßenbild nicht vorkommen – bunt bemalt, mit verschiedenen Bildern an den Fenstern und schlimmer beladen als eine „Zigeunerfuhr“! Es werden ganze Schlaf­zimmereinrichtungen und sogar Ziegenherden auf dem Dach der PKW transportiert.

Als wir zur Herberge zurückkommen, ist der LKW noch immer nicht fahrfertig. Andi Weiser organisiert gemeinsam mit einem deutschen Autoschieber, der auch in der Jugendherberge nächtigt, ein „ALHAMDULLILAH“ – ein Sammeltaxi für den Transport zum Flughafen. Wir brauchen etwa eineinhalb Stunden durch den starken Verkehr. Den ganzen Tag haben wir über diese „Busse“ gelacht – Lieferwagen mit selbst ausgeschnittenen Fenstern oder nur Vorhängen und ein paar Holzbrettern als Sitzbank, keine Gurte und keine Tür – und jetzt sind wir doch tatsächlich selbst Fahrgäste in diesen Vehikeln.

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Am Flughafen angekommen, händigt uns Peter endlich die Tickets aus. Böse Überraschung: Es ist Andi Weisers Ticket da, der erst übermorgen fliegen wird, jenes von Clemens aber nicht. Der versucht irgendwie mit dem Personal der Fluglinie ALITALIA zu verhandeln, denn auf der Passagierliste sollten ja alle eingetragen sein. Ein Flughafenbediensteter meint, es ginge heute kein ALITALIA-Flugzeug mehr nach Mailand, auch nicht der von uns erwartete morgen früh um 0.45 Uhr, der wäre gestern geflogen. Wir überprüfen die Tickets genau. Tatsächlich, sie sind für 0.45 Uhr am 9. Feber ausgestellt. Jetzt liegen die Nerven vollkommen blank. Wir sitzen mitten in der Nacht in DAKAR am Flughafen, haben keine Verbindung zu Michel – der uns ohnehin nicht helfen kann – und unsere Tickets sind verfallen, da der Flug für einen Tag früher gebucht gewesen war.


 

Wie kommen wir heim? Es ist der 10. Feber, 2 Uhr früh und drei von uns müssen unbedingt am 12. zur Arbeit, sonst droht ihnen die Kündigung. Es folgen Diskussionen, was denn schon wieder schief gelaufen ist. Schimpfungen auf Michel, denn es hat immer geheißen: „Abflug am 10. Feber um 0.45 Uhr“. Hätte er uns die Reisedokumente und Tickets spätestens bei unserer Ankunft in RUFISQUE ausgehändigt, wäre sicher irgendjemandem bei der Durchsicht aufgefallen, dass wir einen Tag früher fliegen, als Michel uns angekündigt hat. Aber um seine Stärke und Macht zu demonstrieren, hat er uns – obwohl von mehreren Expeditionsteilnehmern aufgefordert – die Papiere nicht ausgehändigt.

Nachdem wir uns einigermaßen beruhigt haben, erkundigen wir uns nach einem möglichst schnellen und günstigen Flug nach Österreich. Wir bekommen tatsächlich noch einen mit der AIR FRANCE nach Paris und dann weiter nach Wien, um zirka 800,00 Euro pro Person. Eine wahnsinnige Summe, wenn man bedenkt, dass die gesamte Reise 2.900,00 Euro ausgemacht hat. Wir haben auch alle kaum noch Bargeld.

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Glücklicherweise sind drei Jungs unserer Gruppe im Besitz von VISA-Karten und so bezahlen sie einstweilen die Tickets für uns alle, damit wir wieder nach Hause kommen. Wenige Stunden später sitzen wir also im Flugzeug Richtung Europa.

In Paris angekommen, gibt es noch eine kurze Aufregung. Für den Weiterflug nach Wien darf mein übergroßes Handgepäck (in Afrika – egal) nicht in den Passagierraum, sondern muss in den Bauch des Flugzeuges. Auch darf ich plötzlich meine Spritzen nicht bei mir behalten, sondern muss sie dem Steward zur Aufbewahrung geben.

Thomas und Achim nehmen in Paris Abschied von uns, sie nehmen eine andere Verbindung – nach München.

Am Sonntagvormittag landen wir in WIEN, sogar eine Stunde früher als geplant. Endlich, nach einer halben Stunde verzweifelten Wartens auf unser Gepäck, gehen wir durch die große Tür zur Empfangshalle und können äußerst erfreut unsere Familien wieder in die Arme schließen.


 

Zwei Wochen nach unserer Ankunft verschlechterte sich der Zustand meines Fußes immer mehr, obwohl er eigentlich schon sehr gut verheilt war. Doch sind wahrscheinlich Bakterien in die Wunde gekommen, wodurch sie sich dann entzündet hat. Im Krankenhaus Wiener Neustadt wurde ich zweimal operiert, nachdem meine Wade schon fast den Umfang meines Ober­schenkels angenommen hatte.

Nach langwierigen sechs Monaten war die Wunde auf meinem Fuß vollständig verheilt – was blieb ist eine große Narbe, die mich stets an mein Abenteuer in Afrika erinnern wird.

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Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass es ein wunderschönes Abenteuer war, das ich auf keinen Fall missen möchte – trotz der Probleme die wir hatten.

Vor vielem auf dieser Reise waren wir gewarnt, und wir wurden auch mit unvorhergesehenen Ereignissen fertig. Doch das Verhalten von Michel wirft rückblickend leider einen großen Schatten auf unsere Expedition.

Ich werde bestimmt noch weitere Reisen nach Afrika unternehmen, wenn möglich wieder mit dem Motorrad. Doch die nächsten Ziele mit meinem Bike liegen in der ehemaligen Sowjetunion und in Amerika.

Schrott- und bullenfreie Fahrt!