Äthiopien Reisebericht: Afardreieck – Danakilwüste
Pionier-Abenteuer – 12 tägige Expedition vom 29.09. – 10.10.2005 mit Ikarus-Tours
Der Film von W. Bauer und faszinierende Fotos in M. Martins Bildband entfachten Sehnsüchte, dieses Gebiet zu bereisen.
Als Ikarus diese Tour 2005 anbot, waren wir sofort dabei.
Den „wilden Süden“ Äthiopiens hatten wir bereits 2002 erforscht. Nun interessierte uns der Nordosten des großen Landes. (Zu weiteren Infos verweise ich auf diesen Bericht.)
Das Afar–Dreieck ist Teil des nördlichen afrikanischen Grabenbruchs, zwischen Rotem Meer, Golf von Aden, Hochland von Äthiopien und Somalia. Es liegt bis 2 000 m tiefer z.T. unter Meeresniveau. Aufsteigendes und aufschmelzendes Magma ist die Ursache für die vulkanische Aktivität. Diese Region, bedeckt mit Sand, Salz, Steingeröll, ausgedehnten Lavahalden nennt sich Danakilwüste: ein extrem unwirtlicher, heißer und trockener Landstrich. Trotzdem leben hier Menschen – die Afar, kriegerische, stolze Halbnomaden – von Salzhandel und Viehzucht.
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Das gemächliche Traben der hier zahlreichen Kamele und Esel bestimmen den Lauf der Zeit.
Seit einigen Jahren sind die Bewohner nicht mehr fremdenfeindlich, es gibt also kein Argument, diesen geheimnisvollen Flecken nicht aufzuspüren. Als besonderes Ziel locken die Besteigung des Erta Ale mit seinem brodelnden Lavasee und die bunten, bebenden Schwefelfelder von Dalol.
Wie immer wurden die Pflanzen in sorgende Hände übergeben und Petrus angerufen, Nachtfröste aufzuschieben.
29.09.2005
6.30 Uhr fahren wir mit der Bahn nach Frankfurt und haben langweilend viel Zeit bis zum Abflug. Als der Flugschalter geöffnet wird, treffen sich noch andere „Hausertaschen mit Ikarusanhängern“. Neugierig wird abgefragt.
Eine Boeing 767–300 der „Ethiopian“, alt aber bequem mit viel Beinfreiheit, wird uns nach Adis Ababa bringen.

Die herbstliche Jahreszeit hat die Nordhalbkugel mit Wolken verhüllt. Nur Sizilien ist zu sehen, danach wird es dunkel. Fackeln der Ölraffinerien entlang des afrikanischen Küstenstreifens und Lichter spärlicher Siedlungen blinken 10 km unter uns. Die Zeit vergeht bei guter Verpflegung und etwas Schlaf...
Uns überrascht der neue Flughafen, viel Glas und Edelstahl strahlen wie ein Kristallüster.
Der junge Beamte erfragt unser Reiseziel und das vom letzten Aufenthalt. Wir tauschen wieder zu viel Dollar in Birr und werden von Herrn Freddy Hess, uns bereits bekannter dortiger Reiseveranstalter, empfangen.
Jetzt ist es öffentlich, neun freundliche Globetrotter stellen sich vor: Wieland, Norbert und Christine, Franz und Ingrid, Winfried und Heidi und wir. Raphael und Stefan werden sich erst später zu uns gesellen.
„Imperial“ heißt das einfache, ordentliche Hotel, hier verlieren wir uns erst einmal. Es ist 1 Uhr geworden, wir schlafen gut und sicher. Über dem Foyer warnt ein Schild: eine Kalaschnikow im roten Ring ist durchkreuzt.
30.09.2005
Addis im Sonnenlicht, wir befinden uns auf 2 300 m Höhe bei einer angenehmen Temperatur. Freddy holt die Gruppe ab, verteilt uns auf drei Toyota Landcruiser.
Auf Asphalt geht es Richtung Süden rasch voran. Nach der Regenzeit zieren frisches Grün,
viele Blumen bergiges Land. Fotostopp bei traditionell mittels eines Stocks pflügenden Bauern. Im Vordergrund wogende Teff–Felder, das weltbeste Getreide. Die Körner sind kleiner als die des Mohns!
Viele Rinderherden bevölkern die Straße, wie auch Kinder in einheitlicher Schulkleidung. Verkaufsstände bieten Plastkanister für Trinkwasser, Obst, Holzkohle und Brennholz. Überall leuchtet das Schwefelgelb der üppigen Cassiabüsche und immer wieder prächtige Getreidefelder, Hirse und Mais. Intakte Natur sehen wir am Bishop–Kratersee, über den ‘zig Milane kreisen. Diese leben hier paradiesisch in Nähe eines Schlachthofes.
Mittags essen wir Tilapia in einem feinen Restaurant in Nazareth.
Abwärts gelangen wir ins Riff–Valley, dem Grabenbruch mit einer Breite von 2 – 200 km. Blicken zum Koka–Stausee und Kraftwerk hinab. Die Landschaft ändert sich. Vulkanberge, Lavaflüsse, -schotter, verdorrte Steppe mit Akazien, hier kreiseln die Sandteufel. Die Straße balanciert auf einem mehrfach erhöhten Damm durch einen schwarzen Sodasee. Ringsum erstarrte Lavaströme stauen das Salzwasser. Parallel verlaufende Eisenbahngleise nach Djibouti verschwinden in den Fluten.
Entgegenkommende Lastwagen sind mit frischen stachligen Akazienzweigen beplankt, damit Kinder diese nicht entern und räubern.
Wir fahren am Awash–NP vorbei. Der gleichnamige Fluss hat hier ein tiefes Canyon gegraben. Soldaten und eine Statue von Heile Selassi bewachen Straßen- und Eisenbahnbrücke. Fotografieren verboten. Die strategisch wichtige Straßenverbindung bedeutet die einzige zum Hafen am Golf, und ist deshalb von Lastzügen stark frequentiert.
Termitenhügel und die giftigen Sodomapfelstauden ziehen vorbei, in Schirmakazien tummeln sich bunte Häher. 900 m zeigt der Höhenmesser und 42° C das Thermometer.
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Ein Pickup ist von der Fahrbahn abgekommen und in den Abgrund gestürzt. Aus dem Ort eilen Schaulustige entgegen.
Am Nachmittag beziehen wir in der Bilen–Lodge romantische Schilfhütten mit einer Dusche! Danach fährt uns Freddy in das benachbarte Afar–Dorf, bescheidene Hütten, errichtet aus gebogenen Ästen und Schilf vom umliegenden Sumpf. Teilweise mit Stöcken umfriedet, eine Menge Ziegen, Rinder und Kinder quirlen dazwischen. Es staubt. Unser Auftritt – eine Sensation! Die heimgetriebene Herde sollte versorgt und gemolken werden, doch die meisten Bewohner interessieren sich nur für uns. Unser Botschafter namens Jaju, ein für die Tour verpflichteter Afar, verhandelt mit dem Dorfältesten. Ein finanzielles Gastgeschenk wird in Aussicht gestellt. Wir dürfen fotografieren, in eine Hütte kriechen, das Oberhaupt der Siedlung begrüßen und uns frei bewegen.
Die Afar, bis vor kurzem gefürchtetes, kriegerisches Volk, töteten alle Eindringlinge. Hier begegnen sie uns interessiert, freundlich, stolz, geben uns gern die Hand. Auffallend ansehnliche, schlanke Menschen, sympathische Gesichter, makellose, samtige Haut, spitzgefeilte Zähne, schwarze Augen, zäh und ausdauernd.
Mit uns laufen junge Männer mit Dolchen, Gewehren, Patronengürteln und eine Vielzahl neugieriger Kinder. Diese verlieren ihre Zurückhaltung, fassen zutraulich nach unseren Händen. Wir schwenken sie zu ihrer Freude schaukelnd hin und her.
Die Tierkinder werden in Krale gesperrt, man zeigt uns gerade geborene Kamele und das Melken der Tiere. Die Hütten sind für eine Familie eingerichtet. Liegepritsche, Besucher- und Versammlungsecke, Trinkgefäße sind mit nassem Fell umhüllt, um den Inhalt zu kühlen, geflochtene Krüge mit Asche und Blut versiegelt, lassen die Milch nicht säuern, es wird ein Butterfass gezeigt, Werkzeuge, wie aus der Steinzeit liegen neben einem Transistorradio.
Jetzt bedrängen uns Jung und Alt, Schmuck und Waffen werden zum Kauf angeboten. Die Sonne geht hinter den malerischen Bauten unter, Feuer zur Essenzubereitung werden entfacht, in der Dämmerung funkeln nur noch die Augen unserer dunkelhäutigen Gastgeber.
Ein tolles Erlebnis – es fällt schwer, den Heimweg anzutreten.
Abends folgt in der Lodge ein mehrgängiges Essen, am besten munden bei 33° C heiße Suppe, kühles, süßes Meta-Bier.
Geckos rascheln, Grillen zirpen, Hyänen heulen – unterm Moskitonetz schläft es sich unbekleidet gut.
01.10.2005
Mäuseknabbern weckt uns als es dämmert, beim Nachbarn kriecht eine Schlange um die Toilette.
Nach dem Frühstück erhalten die Abgesandten des Dorfes Geld und von Petra Kleidungsstücke, die wir reichlich mitschleppen.
Die Fahrzeuge holpern durch Steppe mit malerischem Akazienbestand der Hauptstraße 18 entgegen. Erfreuen uns an buntgekleideten Frauen, die an heißen Quellen Waschtag halten. Dikdik-Pärchen, Warzenschweine, bunte Vögel, Oryxantilopen und eine Löwin lassen sich beobachten.
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Soldatenposten sichern die für das Öl vom Roten Meer so wichtige Straße. Überfälle brauchen wir nicht zu befürchten, die Regierung pflegt gute Kontakte zu den aggressiven Afar hier im Grenzgebiet zu Eritrea; finanziert Wasseraufbereitungsanlagen, Krankenhäuser, Schulen u.ä.
Wir zwängen uns im nächsten Ort Trena durch hunderte geparkte LKW. Hier blüht der Schmuggelhandel mit Waren aus Somalia, tausend Händler erhoffen Geschäfte mit den
Kraftfahrern.
In dieser Gegend graben Österreicher nach Hinterlassenschaften unserer Ahnen vor 4 Mio. Jahren. Der Awash nähert sich wieder unserer Straße, fließt hier durch ausgedehnte Sümpfe, wird nicht das Meer erreichen und in einem Salzsee münden.
Mit farbenfrohen, um die Hüften geschlungenen Tüchern, zeigen sich die schlanken, stolzen Krieger. Die Frauen aus der Tigray-Region haben ihr Haar zu dutzenden, eng am Kopf anliegenden Zöpfen geknüpft. Sie bieten geflochtene Matten aus Schilf zum Verkauf.
Durch das vergilbte Grasland, Geröllfelder und ausgetrocknete Wasserlöcher ziehen nomadisierende Afar mit ihren Kamelherden. Ihre Hütten sind zusammengerollt und auf die Tiere gepackt. Die bunten Röcke der Frauen und ihre bewaffneten Männer wären ein schönes
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Motiv.
Um 10 Uhr haben wir 42° C, sind 750 m hoch, den Straßenrand säumen zerflederte Auto-reifen.
Unser Auto wird von einer Windhose durchgerüttelt. In Logia halten wir zur Mittagsrast und zwecks Erwerbs zweier Stempel für Genehmigungen zur Weiterfahrt. Die zeitintensive Prozedur hatte Jaju aber schon erledigt. Wie immer nimmt die Bevölkerung regen Anteil an uns. Da tauchen plötzlich die zwei fröhlichen Schweizer Jungen Stefan und Raphael auf (sie hatten im Vorfeld eine Reise durch Djibouti unternommen).
Zu meiner Freude gibt es auch Injera, das Nationalgericht: verschiedene Gemüse, Soßen und Fleisch auf einem großen Sauerteigfladen, welches mittels Fingern gegessen wird, dazu heißen, süßen Tee bei nunmehr 46° C im Schatten!
Weiter geht’s auf Schotterpiste durch vegetationslose Sand- und Steinwüste. Eine Fata Morgana projiziert Gebirge und Seen. Die Kamera ist so heiß, dass man bei Berührung meint, sich zu verbrennen.
Wasserfässer am Wegesrand sollen liegengebliebene Reisende vor dem Verdursten schützen.
Zwangsweiser Stopp an einer Sperre ruft zwei Soldaten auf den Plan. Nach vielem strengem Blickwechsel zwischen gestempelten Papieren und Passagieren erfolgt der Durchlass.
Felder mit schwarzem, glänzendem Obsidan, das äußerst harte Glas aus dem Erdinneren, spiegelt die Nachmittagssonne.
Vor der Kulisse erdfarbener Vulkane stehen geheimnisvoll kegelförmige Steinpyramiden – Grabstätten der Afar.
Mit Salz beladene, bullige LKW kommen entgegen, stauben uns gehörig ein. Wenn sie leer zurückfahren, haben sie ihren Hänger aufgesattelt, vorhandene Freiräume sind mit Einheimischen ausgefüllt.
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Eine orangefarbene Wolke vor uns kündigt einen Sandsturm an. Dann verfinstert sich die Sonne und heftige Böen mit Schmirgelsand traktieren das Auto.
Lavafelder, Sand, Staub, Sturm – ein dritter Kontrollposten zwingt zur Pause. In dieser windgepeitschten Ödnis gibt es auch eine Grashüttengaststätte und kaltes Bier! Die letzten 60 km Tagesetappe benötigen 2 Stunden. Ergraut langen wir im Dunkel in der Salzstadt Afdera (Afrera) an. 0 m hoch! Bahnen den Weg zwischen Eselkarren, zum Salzabbau laufenden Arbeitern, die wegen der Temperaturen nachts das Salz brechen. Um Wasserwagen scharen sich kanisterbeladene Menschen.
In dem unbeleuchteten Ort finden wir endlich die Unterkunft. Es gibt eine Dusche! Esel bringen heißes Quellwasser herbei, ehe es in den Hochbehälter gegossen wird, um die Duschen zu betreiben. Die Toilette ist denen in Nepal nachempfunden. Aus garagenkomplexähnlichen Bettenbuchten werden die Matratzengestelle in den Hof des „Hotels“ gerückt.
Man isst wieder Injera, trinkt fünf Bier, zwei Wasser, eine Cola, eine Fanta und muss keine Toilette in der Nacht aufsuchen! Freundliche Leute sind um unser Wohl besorgt, bereiten ihnen dafür nicht zu verbergende Heiterkeit.
Die Nacht unter prächtigem Sternenhimmel, Generatorgedröhn, Eselgeschrei und Flohstichen wird in Erinnerung bleiben.
02.10.2005
Das Frühstück gestaltet sich zum Wettessen mit tausend Fliegen.
Die Straße fahren wir ein Stück zurück, um einen umfassenden Blick über den Afdera–Salz-see und auf die parzellierten Verdunstungsbecken zu haben. Auf den Dämmen balancierend, schauen wir uns alles aus der Nähe an.
Stefan spricht fließend amharisch (er hat seine Frau aus Äthiopien exportiert), so folgt eine interessante Unterhaltung mit den Arbeitern. Sie stammen aus dem kühlen Hochland und empfinden +54° C Schattentemperatur belastend.
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Anschließend wärmen wir uns in heißen Quellen auf, die am Rande des Sees unter malerischen Palmen emsig sprudeln. Hier wird in Kanister abgekochtes Trinkwasser für den Ort abgefüllt.
Noch Mittagsspaghetti und letzte kühle Getränke zu uns genommen, ein Schuhmacher näht Ingrids Bergschuhe, eine Wäscherin reinigt mein Hemd, das ich ihr dann für ein Foto überlasse, Freddy hat wieder Stempel eingeholt. Schwitzen unter dem Schilfdach...
Jetzt fahren wir die Danakilsenke noch ein Stück abwärts bis – 47 m und folgend sechs Stunden durch weglosen Treibsand, Lavafelder, Schlammpriele. Versacken im Modder, verschlammt, verschwitzt, verstaubt nach vielen erfolglosen Versuchen, kriegen wir die Gefährte wieder flott. Die Hände brennen vom Anfassen der heißen Autos. 47° C beträgt die Schattentemperatur und die des Trinkwassers, ein schaudernder Genuss.
Den Berg erreichen wir heute nicht mehr. So schlagen wir die Zelte an einem ausgetrockneten Fluss auf. Kinder des gegenüberliegenden Dorfes schwärmen aus. Meine spendierten Schokolinsen spucken sie sich schüttelnd wieder aus. Pfiffige Jungens interessieren sich für Foto-, Filmkamera, hundert Fingerspuren zieren die Geräte. Petra döst hitzegeschädigt schwach längs im Sand.
Abendessen unterm afrikanischen Sternenhimmel, den die auffällige Milchstraße teilt. Den wahnsinnigen Durst löschen fünf Pötte Tee und 1,8 l warmes Wasser. Vorm Zelt sitzend, umrundet meinen Oberkörper zweimal eine handtellergroße Spinne. Der Inhalt der Reisetasche inkl. Filme ist am Morgen noch ca. 50° C heiß.
03.10.2005
Petra zu Ehren wird eine Geburtstagskerze in Afrika angezündet. Mit einem Foto im Kreise vieler schwarzer Kinder wird dieser Feiertag verewigt.
Dorfbesuch. Dazu queren wir das schlammige Flußbett, die Kinder zeigen uns trittfeste Passagen. Wasserlöcher bevorraten braune Brühe (die wir später abgekocht trinken).
Die Dorfbewohner sind uns freundlich gesinnt. Eine Grashütte fungiert als Schule. Drei Lehrer bitten uns, einzutreten. 70 Kinder lernen hier vormittags. Heute ist schulfrei, d.h., es kommen keine Schüler weil wir zugegen sind. Schulbücher werden gezeigt, beschriftet in englisch und amharisch, dazu Bildersprache. Vom Staat finanziert, absolviert jeder sechs Schuljahre. Der satelitengestützte Lerncomputer steht defekt am Boden.
Weibliche Gäste dürfen die Frau des Bürgermeisters in ihrer Hütte aufsuchen. Nebenan baut eine junge Braut ihre neue Behausung. Fröhlich lärmende Kinder bringen uns zurück.
Ich muss meinen Autositz mit dem Bürgermeister teilen, er wird uns den Weg zeigen. Er malt sein Lebensalter auf die Handfläche, 32, aber genau weiß er es nicht. Ich schätze, 20 hat er unterschlagen. Dann zeigt er seine Pistole mit fünf Patronen und legt seine Kalaschnikow zwischen die Beine.
Weglos spuren wir erst durch Sand, später wird das Terrain zur Lavawüste, einzelne Steinmännchen weisen den Weg.
Hirten werden befragt, wo sich eine Bande aus Eritrea aufhält. Nun fahren noch mehr Soldaten mit. Sechs Gewehre und eine Pistole schützen uns, dafür rücken wir hautnah zusammen.
(Von Eritrea aus operieren politisch motivierte Banden, die im Untergrund gegenwärtige Verhältnisse umkehren wollen. Nach der Abspaltung von Äthiopien hat Eritrea wirtschaftliche Probleme. Deutschland unterstützt unrühmlich beide Länder nicht nur wirtschaftlich(!) mit dem Ziel, Kräfteverhältnisse in Afrika umzupolen.)
Öfters müssen wir stoppen und Barrikaden von Lavablöcken beseitigen. Hirten errichten sie, um evtl. hier vorbeikommende Forscher anzuzapfen. Bei Schrittempo kosten wir das Durchschütteln, Ächzen, Poltern, Krachen, Schlingern genüßlich aus. Mehrmals entlasten wir das Fahrzeug, steigen aus, wenn Terrassen von Lavaflüssen erklommen werden müssen. Erstaunlich, wie der Dorfhäuptling den gerade noch befahrbaren Untergrund in dem schwarzen Labyrinth findet. 48° C zeigt das Thermometer. Im Mai fallen die Zugvögel vom Himmel und die Menschen schlafen unter benässter Kleidung um zu überleben.
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Aus dem hitzeflimmernden Dunst taucht die langgezogene Silhouette des Erta Ale mit zwei Rauchfahnen auf.
Mittags, bei einigen Akazien im Grasbüschelland, ist das Ziel erreicht. Ein schattenspendender Baldachin wird aufgestellt. Nach einem Imbiß wird Ruhe verordnet. In der Nacht wollen wir auf den Berg. An Schlaf ist nicht zu denken, Rucksackpacken, kleines Abendessen. Petra fühlt sich schwach und müde, wird mit Franz, zwei Soldaten und den Fahrern hier bleiben.
Um 22.30 Uhr laufen wir los. Grasland, Lavafelder, Staub. Es soll einen Kamelpfad durch die Geröllwüste geben, diesen finden die Soldaten nicht. Ist dieser vom Erdbeben verschüttet? Die blauschwarze Lava reflektiert mangelhaft das Licht der Diodentaschenlampe.
Rutschendes, kippendes, rollendes, loses Lavageröll erfordert volle Konzentration. Scharfkantige, spitze Brocken perforieren die Hände, falls man im Stolpern dort Halt suchen würde. Unter den Füßen brechen Lavatunnel ein, kein Spaziergang, dieses stundenlange Tasten und Balancieren durch den Spielplatz des Teufels.
Öfters werden Pausen gemacht, dieses bringt den Laufrhythmus durcheinander. Fehlender Nachtschlaf, die Hitze, fortwährende Anspannung, Durst laugen aus. Jeder hat 1,8 l Wasser mitbekommen. Das ist entschieden zu wenig, so wird nur schlückchenweise getrunken. Ingrid stürzt, scharfkantiges Geröll verletzt sie am Bein. Sie bleibt mit Jaju zurück.
Die Rauchschwaden über dem Gipfel werden rot beleuchtet und weisen den Weg. Aber wir irren stundenlang auf den brüchigen Halden. Unterhalb des Kraters hindern uns beißende Gaswolken am Atmen, husten, niesen, tränende Augen zwingen instinktiv, auszuweichen. Doch der Wind treibt glücklicherweise immer wieder das Reizgas weg.
04.10.2005
Gegen 4.30 Uhr stehen wir am Kraterrand, nur knapp 700 m höher als gestern Abend. Noch herrscht tiefe Nacht, beleuchteter Rauch steigt aus den zwei Schlünden. Der Blick auf das Magma bleibt uns vorerst verborgen. Dazu müssen wir die Kraterwand hinabklettern. Norbert steigt ab und signalisiert, dass wir nachkommen können. Etwa 600 m im Durchmesser misst die Caldera. In deren lavaschwarzen Boden führen zwei 100 m breite kreisrunde Öffnungen direkt in die Hölle.
Über lockere Felder, tückisch einbrechenden Höhlen gelangen wir zum rechten, aktivsten Krater. Am zackigen, zerklüfteten Rand schauen wir fasziniert in ein Loch mit senkrechten Wänden. 40 m tiefer wogt ein glühender See, teils mit schwarzer Haut überzogen. Ständig verändert sich das Bild: feurige Risse, funkensprühende Fontänen, Garben hochgeschleuderten, flüssigen Gesteins, aufsteigende gelbleuchtende zerplatzende Gasblasen, gespenstig die Wandung des Kessels erleuchtend. Es zischt, brodelt, faucht und blubbert. Nach jedem Gasausstoß traktieren uns die ätzenden Schwaden und vertreiben die romantische Andacht. Mit angehaltenem Atem versuche ich, möglichst viele Fotos zu schießen; befürchte, mein Film wird gleich in der Kamera entwickelt. Diesem höllischen Naturschauspiel kann man sich schwer entziehen, das Zeitgefühl schwindet.
Hinter dem Brodel geht die Sonne auf, das Spektakel verliert an Leuchtkraft. Wir gehen zurück und sehen jetzt im Tageslicht die vielgestaltigen Formen von erkalteter Lava.
Klettern die Caldera empor, blicken zurück auf die zwei rauchende Schlote. Die Soldaten schlafen hier oben, Winfried ist auch hier sitzen geblieben. Dann rutschen, poltern wir müde abwärts, heiser vom Atem des Berges. Mit Heidi und einem Afar gehe ich am Schluss. Im Schatten einer Akazie warten wir auf Ingrid und Jaju. Ihr aufgeschlagenes Knie und Abschürfungen bereiten Schmerzen und hindern am Laufen.
Unbändiger Durst plagt uns, langsam geht es voran. Auf einmal ist Freddy aufgetaucht. An einer Wasserstelle, ein angeblicher Rastplatz der Banditen, grünt es, sogar hübsche weiße Lilien sind zu bewundern. Der Afar holt Wasser aus einem Restloch. Trinken will ich es nicht, aber der Hitze wegen gießen wir es uns über Kopf und Kleidung. Freddy will ½ Stunde schlafen. Die Pause ist uns willkommen. Dann weiter über schwarze Kruste bis wieder ein Baum lichten Schatten spendet. Wir warten auf Jaju und Ingrid. Freddy, auch Heidi mit einem Soldaten gehen ins Lager hinab. Mittlerweile ist es 11 Uhr geworden. Schaffen wir gemeinsam die letzte ¾ Stunde auch ohne Wasser hinab?
Sengender Wind fegt über die gebrannten Steine. Das Quecksilber steht oberhalb der Skala, über 50° C! Die Temperatur über dem dunklen Asphalt muss in der Sonne noch 20° C höher sein. So wird beschlossen, hier die Mittagsglut abzuwarten. Ingrid und Jaju treffen ein. Kumè, der Fahrer, kommt von unten, einen Rucksack mit Wasserflaschen geschultert, später bringt ein Soldat eine Schüssel Nudelsalat. Kumè erzählt, dass es ein großes Problem gegeben habe. Wir deuten es so, ein großer Mann wäre ohnmächtig und vielleicht nicht mehr am Leben. Wir hoffen, dass es nicht wahr ist, dass wir es falsch aufgefasst haben.
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Ausgedörrt und gierig wird eine Flasche nach der anderen geleert. In ½ Stunde gieße ich 5 l in mich hinein! Und in den nächsten drei Stunden weitere 3,6 l. Nach dem Auftanken kehren schnell körperliche und geistige Kräfte zurück.
Wir verdösen die Hitze und machen uns vor 15.30 Uhr auf den Weg. Für die zerschundene Ingrid steht unterhalb ein Kamel bereit, auf dem sie die letzte ½ Stunde dem Ziel entgegen schaukelt.
Im Lager angekommen bestätigt sich das tragische Unglück. Winfried ist beim Abstieg allein gegangen, gestürzt, ohnmächtig geworden, hatte sich am Kopf verletzt, und ist hernach verstorben. Norbert fand ihn, leistete vergeblich Hilfe, organisierte den Abtransport.
Mit dem vierten Auto ist er bereits auf dem Weg zur Hauptstadt. Dieses erschütternde Ereignis deprimiert uns.
Es ist kein Tee für uns da, schon wieder plagt der Durst. Ein Rest heißen Wassers vermag diesen nicht zu stillen.
Packen, beladen der verbliebenen Fahrzeuge und dann über die schwierige Geröllpiste zurück. Es wird spät, zunächst finden wir in Dunkelheit und Sandmeer nicht das Flussufer am Dorf.
Der Wasservorrat ist aufgezehrt, so muss das braune Nass aus den Wasserlöchern geschöpft werden. Viel Suppe und Tee werden geschlürft, die Innenzelte aufgestellt und gut geschlafen.
05.10.2005
7 Uhr messe ich erfrischende 32° C, Brot ist nicht mehr vorrätig, so wird Suppe gereicht. Die nicht verschenkten Sachen werden verstaubt, verschmutzt, eingepackt.
Die Fahrt verläuft durch abwechslungsreiche Wüstenlandschaft. Drei Stunden entlang z.T. aktiver Vulkane, inmitten 100 qkm Schlackenfeldern, neuer Lavamauern, die in frischem Weidegrün erstarrten, aufgebrochener Erdkruste, dann wieder Grasflächen mit äsenden Kamelen und Straußen. Die Luft flimmert, eine Fata Morgana gaukelt wieder Phantasiegebilde am Horizont hervor. Bei einer Hüttensiedlung warnt ein heftig gestikulierender Autofahrer vor Banditen auf unserer eingeschlagenen Route.
Freddy deutet auf einen Berg aus Salz, wo seit Jahrtausenden abgebaut wird. Das wollen wir später noch besichtigen.
Quer durch vegetationslose Ödnis gelangen wir zum heißesten Wohnort der Erde – Hamat Ela – einer Ansiedlung baufälliger Hütten aus Wackersteinen, Ästen, Plasteplanen. 22 m Meereshöhe, 45° C Schattentemperatur, hier liegt viel moderner Müll herum. Das Völkchen interessiert sich für alle unserer Verrichtungen. Im „Restaurant“, einer offenen Hütte zwischen vielerlei Gerümpel serviert man Injera. Als Unterlage dienen Plastkanister. Vor und nach dem Mahl werden uns mit Seife und Wasser die Hände gewaschen. Ein Junge mit Krug und Schüssel macht die Runde. Zuckersüßer, dicker Tee kühlt nicht ab.
Auf Matten wird Mittagsruhe gehalten. Ich sitze lieber vor der Stallung, beobachte die Menschen und dressiere einen Esel, die häufig mißhandelt werden.
Freddy hat Stefan und einen Schwarzen nach dem 50 km entfernten Berhale geschickt, um Getränkeflaschen zu besorgen.
Ein belgisches Studentenpärchen aus Gent und Leuven tritt unerwartet ein, sie wollen zum Erta Ale. Die Verständigung gelingt in deutsch und englisch.
An diesem Tag wird leider nur gegammelt, herumgelungert. Der Salzsee soll erst morgen früh aufgesucht werden. Nach reichlich sechs Stunden kommt das Bierauto zurück.
Wir schlafen in einer oberen, bewachten Hütte. Nur außerhalb dieser ist erlaubt, aus religiösen Gründen, Bier zu trinken.
Die Nachttemperatur um 40° C, ein lautes Schnarchkonzert, gestatten keinen erholsamen Schlaf.
06.10.2005
Zeitig wird im Stehen gefrühstückt und zum Salzsee gefahren. Endlose Kamelkarawanen am Horizont transportieren das Salz ab. Wir bleiben im schmierigen Untergrund stecken, ein Auto sitzt richtig fest. Zurück, um Hilfe zu holen (Schaufel und Gleitbleche hatte man zurückgelassen). Als die Helfer retour kommen, startet ein zweiter Versuch auf anderer Strecke. Wieder vergeblich!
Die Piste ist weich und nass. So müssen wir auf die Besichtigung des Salzabbaues, die Kamelbeladung der 10 000 Tiere am Tag und die bebenden Schwefelfelder verzichten. Das enttäuscht natürlich, war es doch eine bedeutende Sehenswürdigkeit für mich.
Nun machen wir uns Richtung Mekele in die Zivilisation auf. Weglose Schinderei für Auto und Fahrer durch Flussbetten ohne Brücken, über Schotterstufen, halsbrecherische Pisten am Berghang. 50 km Strecke benötigen drei Stunden. Von –16 m erklimmen wir 2 040 m bei Aussichten auf schöne Bergketten.
In Berhale gönnen sich alle eine Trinkpause. Salzkarawanen ziehen durch den Ort, vom Wegezoll leben die Bewohner gut. Scharen fröhlicher, unbefangener Kinder belagern uns, wollen fotografiert werden oder durch die Apparate schauen. Des Weiteren passieren wir herrliche Gebirgslandschaften, viele Karawanen und zutrauliche Dorfbewohner.
Es geht lange steil bergauf, im Dunkeln kommen wir endlich in Mekele an. Auf über 2 000 m ist es kalt, in den Hütten flackern Feuer.
Hotelbezug, gutes Essen, kaltes süßes Metabier.
07.10.2005
Am Morgen verabschieden wir herzlich die netten Schweizer, die weiter in den Norden reisen.
Die Stadtbesichtigung bringt nicht viel, Salzmarkt ist erst Nachmittag interessant. Stöbern in einer Apotheke.
Auf der grünen Hochebene wird Land- und Viehwirtschaft betrieben. Es erfreuen Getreidegarben und –puppen auf den Feldern, prächtige Hirsebestände, Cassia, baumgroße Euphorbien, Agaven, Opuntien... Die Reise verläuft südwärts auf der N 1, wegebahnend durch Rinderherden, schilfbeladene Kamele und Esel. Auf Serpentinen fällt und klettert die Straße häufig von 3 000 auf 1 700 m. Leider rasen wir hupend durch ärmliche Ortschaften voller bunten Lebens und an der Bevölkerung am Straßenrand vorbei. Entgangene Fotomotive! Rauchschwaden von den Herdfeuern legen sich über abendliche Landschaft.
Stellenweise ist der Asphalt abgefahren, viele LKW frequentieren die wenigen Lebensadern des Landes. In dickste Staubfahnen gehüllt, erkennen wir kaum die Rücklichter des Vorausfahrenden. Überholen ist deswegen nicht möglich. Wieder ist es Nacht geworden, man ahnt nur die Schönheit vom „Dach Afrikas“.
Die lange, nervende Fahrt ist in Kembolcha zu Ende. Die Köche haben großen Aufwand betrieben, es gibt viele Sorten kalter Getränke und alle Strapazen sind vergessen. Jaju, der
Afarbotschafter und die Polizisten werden verabschiedet und entlohnt.
08.10.2005
Am Morgen folgt gleiches Ritual mit den Kraftfahrern. Freddy und ein Neuer werden uns heute noch in die Hauptstadt bringen.
Jetzt genießen wir erst einmal aussichtsträchtige „Alpenstraßen“, passieren Tunnel, tausend Kurven... In Debrì Sina zur Mittagsrast kaufen wir Obst am Straßenrand, werden von Straßenverkäufern und Bettlern förmlich erdrückt.
Dann gilt es wieder, Höhe zu gewinnen. An den Felsen blühen verschwenderisch Fackellilien, Mescal und Biedens. Bei 3 200 m fotografieren wir fast Viereinhalbtausender, deren Gipfel noch bewachsen sind. Mit 14° C erscheint es recht kalt hier. Felder sind terrassiert.
Wir halten, sofort drängen sich Bergbewohner um uns, versuchen, ihre Fell- und Wollmützen zu verkaufen. Über den Hang flüchtet eine Horde Bergpaviane, das dominante Männchen sieht einem Löwen ähnlich.
Weiter geht’s durch die Region Shewa, über den Tamarber Pass abwärts. Wir laufen ein Stück durch malerische Gefilde, blaublättriger Eukalyptus säumt Felder reifen Getreides. Ein niedliches Mädel, mit kunstvoller, hier typischer Haartracht sitzt auf einem Baumstumpf. Petra schenkt ihr einige Sachen, als Dank kokettiert sie für schöne Fotos. Auf der Straße kommen Leute vom Markt, beladen mit Schilf, Krügen, Plastkanistern, Holzstangen. Vor einer Getreidemühle herrscht pulsierendes Treiben. Vor Addis gibt es Stau, das Ende einer religiösen Veranstaltung sorgt für heilloses Chaos.
Wieder im „Imperial“, quartieren wir uns für die letzte Nacht ein. Mit Freddy fahren wir zum Italiener, mit schönem Blick auf die erleuchtete Stadt gratis. Während des Menüs wird er zehnmal angerufen. Morgen muss er eine neue Gruppe führen. Also erfolgt heute schon die Verabschiedung.
09.10.2005
Ein Chauffeur holt uns ab, fährt uns durch die sonntägliche Stadt. Halt am Textilmarkt, er organisiert für uns eine Schauvorführung an einem Webstuhl, erklimmen danach den Entoto Berg (2 979 m), Bilderbuchwetter, im Mescalfeld flattert bunte Wäsche, Einheimische versuchen Konversation, während ich auf die Sonne warte. Kirche St. Georg geschlossen, Gläubige küssen ringsum ihre Mauern, dafür können wir den mystischen Friedhof besuchen. Blumenüberwucherte Gräber sind in Käfigen eingefaßt.
Am „Hilton“ endet die Stadtrundfahrt, die auch dieses Mal nicht viel brachte.
Wir laufen in die Stadt, vorbei an Kindern, Bettlern, Soldaten, die Hand in Hand spazieren.
In einem sauberen, hübschen einheimischen Restaurant essen und konditern wir jeder für
2 $!
Den Bahnhof wollen wir noch aufsuchen, der hat aber geschlossen, so blicken wir von der Überführung auf die etwas verrottete Anlage. Erfreuen uns noch am emsigen Treiben des Busterminals, klappern Straßenverkaufsstände erfolgreich nach Gürteln ab, verteilen die letzten Klamotten, verschießen die letzten Fotos beim Plausch mit armen, netten Leuten. Schlendern durch die breiten, weitläufigen Straßen, lassen uns interessiert beäugen. Für den Rest des Weges nehmen wir ein Taxi, verschiedene Bedienhebel hängen am Bindfaden.
Zum letzten Mal essen wir äthiopisch, reichlich sehr würzig-scharf in einer geschmackvoll ge-stalteten typischen Gaststätte. Es folgt noch ein Folklore-Programm. Leider müssen wir alsbald zum Heimflug aufbrechen.
Der neue Flughafen glitzert, die gerösteten Filme werden mehrfach durchleuchtet, Fragebögen müssen ausgefüllt werden, die Wartezeit wird genutzt, um den skurillen Menschenmischmasch zu beobachten.
Mit Verspätung heben wir ab, Addis funkelt unter uns, 1.30 Uhr dürfen wir das zweite Mal Abendbrot essen. Die Anschlußverbindungen klappen minutengenau.
Zu Hause ist alles in bester Ordnung. Es blüht bei goldenen, warmen Oktoberwetter. Trotzdem haben wir uns erst an die kalten deutschen Temperaturen zu gewöhnen.
Diese Expedition war ein interessantes, abenteuerliches Unternehmen, mit abwechslungsreichen, teils sehr schönen Landschaften, freundlichen Menschen, fremden Kulturen und Faszination eines Feuerberges, wie auch die Einsamkeit der Wüste.
Wir erinnern uns gern an diese überdurchschnittlich harmonische, nette, tolerante Reisegruppe. Freddy war stets bemüht, umfassend viel zu erklären, aufmerksam, fürsorglich und ein guter Fahrer. Bedauerlicherweise haben wir den reizvollen Programmpunkt Schwefelfelder und Salzberg nicht aufsuchen können. Wenn auch die Gestaltung dieser Tour verbesserungswürdig ist, war es trotzdem ein einzigartiges Erlebnis.
Der Todesfall überschattete die letzten Tage der Reise.
Die hohen Temperaturen strapazierten den Kreislauf, testeten das physische und psysische Durchhaltevermögen und vermittelten, was Durst bedeuten kann.
Wir haben alles gut überstanden, trotzdem sind wir beruhigt, niemanden zur Teilnahme überredet zu haben.
Äthiopien ist in vielen Hinsichten ein lohnendes, interessantes abwechslungsreiches freundliches Reiseland, mit Gebieten unberührter, faszinierender Ursprünglichkeit, für die wir uns so sehr begeistern können.
