8000 Kilometer quer durch Afrika mit dem rollenden Hotel
Februar 1992
Kenia - Tansania - Malawi - Zimbabwe - Sambia - Botswana - Namibia
Reisen, die mit Pannen beginnen...
"Euer Bus liegt mit Achsschaden im Amboseli-Nationalpark fest! Hier sind 120 kg Ersatzteile, die Ihr mitnehmen müßt, sonst geht garnichts!" Mit diesen Worten wurde unsere kleine Gruppe im Frankfurter Flughafen empfangen. Betretene Gesichter rundum, aber aus Erfahrung wußte ich, daß dies ein gutes Omen sein konnte, denn oft verlaufen gerade Reisen, die mit Schwierigkeiten beginnen, ganz besonders gut, und deswegen war ich guter Dinge.
Erstaunlich war auch, daß die ganze Gruppe nur aus 15 Leuten bestand, und zwar ungewöhnlicherweise aus 11 Männern und nur 4 Frauen. Das war offensichtlich darauf zurückzuführen, daß die anstehende Reise als "Sonderexpedition" ausgeschrieben war, die "härteste Anforderungen an Mensch und Material" stellte und außerdem einige Buschübernachtungen beinhaltetete. Vermutlich hat dies einige Frauen abgeschreckt, die sonst meist in der Überzahl sind. Und es waren ja auch tatsächlich einige recht ungemütliche Situationen durchzustehen, wie noch zu lesen sein wird.
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Nachdem wir mitsamt den Ersatzteilen eingecheckt und den riesigen Frankfurter Flughafen durchwandert hatten, starteten wir pünktlich mit unserem Airbus Richtung Nairobi, der Hauptstadt Kenias, das uns am nächsten Morgen mit strahlendem Sonnenschein und einem wahren Blütenzauber der Bougainvilleen empfing. Die Uhr hatten wir zwei Stunden vorgestellt und standen nun erwartungsvoll mit unseren Koffern am Flughafengebäude. Dort empfing uns Conny, unsere Reiseleiterin für die nächsten vier Wochen quer durch Afrika. Conny machte auf uns einen selbstbewußten und ziemlich resoluten Eindruck, und wir hatten das Gefühl, bei ihr in guten Händen zu sein. Sie hatte bereits einen kleinen Ersatzbus organisiert, aber der reichte nicht ganz, so daß noch ein normales Taxi hermußte. Und das bekamen Dieter und ich, so daß wir sofort starten konnten. Das Taxi sah abenteuerlich aus; etliche Kabel und Strippen hingen lose verknotet unter dem Armaturenbreitt, über das ein schmutziges Stück Teppichboden mit Fransen gelegt war. Alles war geflickt und klapperte, und unser schwarzer Fahrer fuhr, was das Zeug hielt. Wir amüsierten uns köstlich. Nach 20 Minuten kamen wir beim Hotel Boulevard an, wechselten gleich etwas Geld für die ersten Postkarten, und kurz danach traf dann auch der Rest der Gruppe ein. Weil unser "rollendes Hotel" ja im Amboseli-Nationalpark defekt la, kamen wir ganz unerwartet in den Genuß von Hotelzimmern, anstatt in der 60 x 190 cm großen (kleinen) Koje des Rotels zu liegen. Nach dem langen Flug war uns das sehr recht.
Nach einem ersten Erkundungsgang rund um die Gegend des Hotels, bei dem wir herrlich frische Früchte wie Mangos und Ananas erstanden und uns nach den langen tristen Wochen in Deutschland an den herrlichen Blüten ringsum erfreuten, starteten wir mit einem einheimischen Bus zu einer Stadtrundfahrt. Neben modernen Wolkenkratzern findet man auch einfache Stadthäuser, aber sehr beeindruckend ist Nairobi ansonsten nicht.
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Unweit von unserem Hotel gab es einen Schlangenpark und das Nationalmuseum. Die Schlangen sahen wir uns an, für das Museum reichte die Zeit nicht mehr. Außerdem waren wir langsam hungrig, und beim Abendessen im Restaurant des Hotels besahen wir uns die übrigen Reiseteilnehmer etwas genauer. Conny flitzte hin und her, weil ihre vorherige Gruppe Abschiedsessen und wir unser Begrüssungsessen hatten. Wir waren so müde, daß wir an diesem ersten Abend früh zu Bett gingen, aber noch eine Weile den ungewohnten Geräuschen lauschten, denn Unmengen Zikaden zirpten, tropische Vögel kreischten, und der kleine Fluß direkt vor dem Hotel rauschte stark.
Wir schliefen wie die Toten, und am nächsten Morgen waren wir voller Tatendrang. Nach dem Frühstück liefen wir in die Stadt. Ich brauchte dringend eine Kopfbedeckung gegen die Sonne und erstand einen witzigen Hut mit Leoparden-Tarnmuster in olivgrün. Im großen überdachten Markt stank es fürchterlich nach Fisch und Fleisch, aber im weiteren Teil bei Obst und Gemüse war es dann angenehmer. Alles war eng und vollgestopft, und nachdem wir ein paar Bananen gekauft hatten, verließen wir die Halle. Nebenan in einem Laden erstanden wir ein paar Vorräte für die nächsten Tage und bummelten dann langsam zum Hotel zurück, wo wir noch eine Weile faul um den Swimmingpool herumlungerten, bis wir gegen 13.30 Uhr mit einem gecharterten Ersatzbus Richtung Süden starteten. Der Bus war klein und eng, und da unser gesamtes Gepäck im Fahrgastraum untergebracht werden mußte, saß der arme Willi auf der letzten Bank ganz eingekeilt von Koffern und Taschen. Dennoch waren wir guter Dinge und lachten und freuten uns, daß wir unterwegs und am Beginn einer langersehnten Reise waren.
Bald hatten wir die Stadt hinter uns und fuhren durch Busch- und Savannenlandschaft. Dieter entdeckte plötzlich eine Impala-Antilope, und dann folgten jede Menge Zebras, Gnus und sogar Giraffen und Strauße. Und das, obwohl wir ja gar nicht in einem Park waren, sondern uns auf einer normalen Landstraße befanden. Hier hatte niemand mit Tieren gerechnet, und so waren wir sehr überrascht und geradezu vom "Jagdfieber" gepackt. Bei diesen ersten Tieren hielten wir noch den Atem an und fotografierten auch die entfernteste Giraffe. Wochen später, beim Tausendsten Zebra, griff niemand mehr so leicht zur Kamera. Da hätte schon ein Löwe oder ein Leopard kommen müssen.
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Hier in dieser schönen Landschaft Kenias standen auch die herrlichen Schirmakazien, die mich immer wieder faszinierten mit ihren schirmartigen Baumkronen. Da wir uns im afrikanischen Spätsommer bzw. beginnenden Herbst befanden, war die Blütezeit vorbei, so daß wir kaum mal Blumen oder blühende Bäume oder Sträucher zu sehen bekamen, was mich als Pflanzennarr schon etwas schmerzte, aber ein anderer Zeitpunkt für die Reise war nicht möglich, und so mußte ich das in Kauf nehmen. Dennoch faszinierte die Fahrt. Nach einer Weile war das Kühlwasser leer, und wir hielten an einem Massaidorf, wo unser Fahrer neues Wasser holte. Die Massai, diese wunderschönen schlanken Menschen mit den roten Tüchern und herrlichem Schmuck, sahen uns genau so neugierig zu wie wir ihnen. Die Massai sind ein eigenwilliger, recht kriegerischer und aggressiver Stamm, der im Süden Kenias und Norden Tansanias beiheimatet ist und von seinen Rindern lebt. Auf Ackerbauern sehen sie mitleidig herab, das ist unter ihrer Würde als freie Nomaden. Sie trinken Blut und Milch ihrer Rinder, schlachten diese aber nur zu seltenen Anlässen. Sie sind stolz und schön und lassen sich keineswegs so ohne weiteres fotografieren. Dafür muß erst gefragt und ein entsprechender Preis gezahlt werden. Wehe dem Touristen, der ahnungslos einfach drauflos knipst! Das war mir allerdings verständlich, ich würde mich auch nicht so ohne weiteres von irgendwelchen fremden Leuten fotografieren lassen. Und was Touristen manchmal anstellen, um tolle Fotos zu bekommen, ist mir oft peinlich und unangenehm, weil ich es entwürdigend finde. Und man merkt sehr wohl, ob Menschen sich gerne ablichten lassen oder nicht. Aber es gibt ja auch unter den Touristen solche und solche, und es gibt sogar welche, die überhaupt nicht fotografieren. Diese allerdings lästern nur zu gerne über die "Starfotografen". Und in der Tat ist es ja auch oft genug so, daß man eine Situation oder eine Landschaft mehr durch das Objektiv gesehen hat als in Wirklichkeit, da man nur wenig Zeit für einen Stop hat. Wir haben so manches Mal über das Fotografieren und den Tourismus und das Für und Wider geredet, aber es ist ja nun mal so, daß wir für eine Reise nur eine sehr begrenzte Zeit haben und später zu Hause gerne als bleibende Erinnerung Fotos oder Dias haben möchten.
Am Nachmittag kamen wir in Namanga an, einem Städtchen kurz vor der Grenze zu Tansania. Unser reparierter Dreiachser-Rotelbus stand vor dem Hotel, aber da er von der letzten Fahrt her noch nicht gereinigt war, durften wir wieder in Hotelzimmern schlafen die nächsten beiden Nächte, was wir angesichts der Hitze und der angekündigten Moskitos sehr begrüßten.
Mit Holzfeuer wurde das Wasser zum Duschen erwärmt, aber wir waren auch mit dem kühlen Wasser zufrieden. Frisch und sauber und guter Dinge saßen wir in der Nähe des Busses und betrachteten dieses Ungetüm, das uns 8.000 Kilometer quer durch Afrika fahren sollte. Der Mercedes-Bus wiegt 26 Tonnen, ist 12 m lang und 4 m hoch, hat 3 Achsen sowie 16 Vorwärts- und 2 Rückwärtsgänge. Außerdem hat er 360 PS und kann 800 Liter Diesel tanken sowie 400 Liter Wasservorrat fassen. Das ganze Gefährt machte einen sehr vertrauenerweckenden Eindruck auf uns, und wir brannten drauf, endlich einsteigen und losfahren zu können.
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Aber auch hier bekamen wir nicht die erwartete Rotelsuppe, sondern ein leckeres Abendessen im Restaurant des Hotels, das einfach und sauber war. Die erwartete "Sonderexpedition mit allen Härten" kam uns direkt luxuriös vor, und so war die Stimmung allerseits gelöst und heiter. Später standen wir unter einem phantastisch klaren Sternenhimmel und genossen die unwahrscheinliche Ruhe. Nur Grillen zirpten und Moskitos summten. Wir wurden ermahnt, auch brav unsere Malaria-Tabletten zu nehmen, da mit Malaria nicht zu spaßen ist. Ganz so ruhig wurde die Nacht aber doch nicht, weil irgendwo ständig Dorfköter kläfften und irgendwer noch lange ein Radio laufen ließ. In den Zimmern war es stickigheiß und kein Lüftchen wehte, so daß die Nacht kein Vergnügen war. Unsere Moskitonetze wurden eifrig umsummt, und dieses Gesumme nervte ganz gewaltig.
Wir frühstückten schon um 6.30 Uhr, und um 7.00 Uhr wurden wir von dem Bus abgeholt, der uns von Nairobi hierher gefahren hatte. Diesmal hatten wir aber reichlich Platz, denn das Gepäck war ja im Hotel. Und die folgende Fahrt war eine der härtesten der ganzen Reise. 60 Kilometer übelster Rüttelpiste in einem fast ungefederten Bus, der an allen Ecken und Kanten schepperte und klapperte und uns von den Sitzen hüpfen ließ. Der Bus zog eine gewaltige Staubwolke hinter sich her, und der Fahrer hätte sich als Höllenkutscher verdingen können, so bretterte er durch den afrikanischen Busch. Aber unsere Stimmung war hervorragend, wenngleich wir uns auch angesichts des laut lärmenden Vehikels nur noch anbrüllen konnten. Zeitweise ging es aber auch nur im Schritt-Tempo vorwärts, wenn die Schlaglöcher oder Hindernisse gar zu groß wurden. Und allem zum Trotz sahen wir noch eine Menge Tiere wir Antilopen, Giraffen und scheue Warzenschweine, die mit hocherhobenen Schwänzchen schleunigst das Weite suchten, wenn sie unser donnerndes Gefährt und die kamerawütigen Menschen darin gewahrten. Unterwegs sahen wir auch oft die aus Kuhdung gebauten und mit Gras (Makuti) gedeckten Hütten (Bomas) der Massai. So eine Ansammlung von Hütten ist immer von einem Wall aus Dornsträuchern umgeben zum Schutz vor wilden Tieren, vor allem Löwen, die möglicherweise die Rinder der Massai angreifen könnten, die nachts in der Mitte des Dorfes untergebracht werden. So ein Dorf nennt man Manyatta. Die Massai mit ihrer uralten und unverändert naturverbundenen Lebensweise haben uns sehr beeindruckt.
Nach 2 ½ Stunden Fahrt kamen wir zum Eingang des Amboseli-Nationalparks und sahen den Kilimandscharo nun aus direkter Nähe. Schon lange Zeit vorher konnten wir ihn mehr oder weniger gut im Dunst erkennen, aber nun lag er mit seinen fast 6.000 Metern Höhe herrlich majestätisch vor uns und spiegelte sich unbeschreiblich schön und beeindruckend im Amboseli-See. Was für ein Anblick! Wir waren ganz begeistert. Rings um den See weideten eine ganze Anzahl Tiere, aber unbeschreibliche Mengen sahen wir danach, als wir in kleinen Jeeps von der Amboseli-Lodge aus starteten und direkt in den Park hineinfuhren. Ich habe in den vergangenen Jahren schon eltiche Tierparks in der Welt kennengelernt, aber einen derartigen Tierreichtum wie an diesem Tag im Amboseli sah ich noch nie. Ich war völlig überwältigt von der Vielfalt und der Vielzahl dieses Garten Eden. Tausende von Gnus und Zebras, unzählige Antilopen, Büffel, Elefanten und Giraffen, Warzenschweine und anderen weideten in unserer unmittelbaren Nähe. Und mittendrin zogen sogar noch Massai mit ihren Herden. Wir knipsten wie die Weltmeister und schauten und wurden nicht satt, dieses Paradies um uns herum zu genießen. Wir konnten kaum glauben, was wir sahen und versuchten, diese schier unglaubliche Situation festzuhalten im Kopf und mit der Kamera. Es war fast so, als würden wir einen Tierfilm sehen, der in monatelanger mühsamer Kamera-Arbeit entstanden ist. Aber es war Wirklichkeit, und wir waren mittendrin.
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Eine ganze Herde Elefanten mit etlichen Jungtieren zog im Gänsemarsch zum Greifen nah an uns vorbei zum Wasser. Von überall her kamen die Tiere zum Wasser, denn der Park ist zuzeit sehr trocken. Wir wunderten uns, wie die Tiere angesichts der Dürre und der weiten öden Flächen derart wohlgenährt aussehen konnten. Sie fühlen sich offensichtlich wohl und haben sehr viele Jungtiere.
Schließlich kamen wir verstaubt, sonnenverbrannt und durstig, aber sehr glücklich wieder in der Lodge an. Hier hatten wir noch ein bißchen Zeit und Muße bis zur Rückfahrt. Im Schatten eines Baumes beobachteten wir zahme schwarz-weiße Vögel, die wir nicht kannten. Hier ist alles anders als bei uns: die Tiere, die Pflanzen, die Landschaft und nicht zuletzt die Menschen. Und wir sind die Ausländer hier. Und so fremd kommen wir uns auch vor.
Glücklich und tief beeindruckt stiegen wir alle wieder in unseren klapprigen Bus und fuhren anfangs eine andere Strecke quer durch die flache und öde Steppe des Amboseli-Parks, die sich weit bis zum Horizont zog. Hier sah man fast keine Tiere mehr, nur ab und zu ein einsames Gnu allein auf weiter Flur. Die Hitze flimmerte, und die durch Luftspiegelungen entstehenden Fata Morganas gaukelten erfrischende Seen vor, die es in dieser sonnenverbrannten Landschaft nicht gibt. Aber nach einer Weile sahen wir auch wieder Buschwerk, und auch die herrlichen Schirmakazien tauchten wieder auf.
Wir donnerten mit Getöse durch den Busch und hopsten bei jedem Loch von unseren Sitzen. Schließlich hielten wir bei einem einsamen Massaidorf an, und nachdem Conny mit dem Häuptling den Preis für das Fotografieren ausgehandelt hatte, durften wir aussteigen und uns das Dorf genauer ansehen und eben auch fotografieren. Nun ist es aber so, daß die Männer dann das Geld einstecken und gar nicht fragen, ob ihre Frauen damit einverstanden sind, daß sie und die Kinder fotografiert werden. Die Männer verkaufen ihre Frauen in gewissem Sinne also, und das ist den Frauen überhaupt nicht recht. Diese hier wollten überhaupt nicht fotografiert werden und waren ziemlich mürrisch und unwillig und drehten uns den Rücken zu. Gut, wenn man ein starkes Teleobjektiv hat, aber dennoch mag ich es nicht, Menschen gegen ihren Willen zu fotografieren. Dabei sind die Massai unwahrscheinlich fotogen, und es tat mir schon ziemlich leid um die herrlichen Motive, die wir hier hatten. Allerdings konnten wir es auch nicht lange in dem Dorf aushalten, weil uns die zahllosen aufdringlichen Fliegen schier zur Verzweiflung brachten.
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Da die Massai ihre Hütten aus Rinderdung bauen und ständig ihre Tiere bei sich haben, ist das natürlich Anziehungspunkt für Fliegen, die aber in einer derartigen Unzahl auftreten und so impertinent aufdringlich sind, daß sie keineswegs leicht zu verscheuchen sind wie unsere harmlosen Stubenfliegen. Ganz schlimm fand ich, daß die Gesichter der Massai-Babys meist voller Fliegen saßen. Rings um Mund und Augen sitzen diese Insekten reihenweise, und auch die Erwachsenen beherbergen Unmengen davon. Die meisten sind schon so apathisch, daß sie die Fliegen nicht mal mehr wegscheuchen. Uns hingegen haben diese Biester geradezu in die Flucht getrieben, und selbst, als wir schon eine Weile im Bus saßen, kämpften wir immer noch mit einer Menge Fliegen, die sich nicht von uns trennen wollten. Es war ekelhaft, und Dieter hat deswegen einen wahren Veitstanz hingelegt, während ich mich über ihn schier totlachte.
Weiter ging es auf holpriger Piste, es staubte und ratterte, und schließlich brach das mittlere Fenster mitsamt dem Rahmen halb aus. Wir rückten es halbwegs wieder zurecht, und Uschi und Hatto räumten ihren Platz sicherheitshalber, um nicht möglicherweise von dem Fenster erschlagen zu werden, so es denn ganz herausbrechen sollte. Schließlich kamen wir dann aber doch unversehrt, wenn auch völlig eingestaubt und durchgeschüttelt und durstig wieder in Namanga an, wo wir gleich unter die kühle Dusche stürzten und unseren Durst löschten. Und dann packten wir ernsthaft unsere Siebensachen für die kommenden Tage, denn nun ist der Luxus bald vorbei. Am folgenden Morgen sollte es also tatsächlich mit unserem Rotelbus und dem dazugehörigen Rotelleben losgehen. Conny hatte uns bereits unsere Schlafkojen zugewiesen, und ich hatte wieder mal die dritte Reihe, allerdings zum ersten Mal oben unter dem Dach.
Nachdem wir unsere Sitzplätze für die nächsten Wochen inspiziert und mit Haltegummis für Reiseführer und Getränke und vielerlei nützlichen Dinge versehen hatten, konnten wir endlich zum faulen Teil des Tages übergehen, und das hieß an diesem Abend Karten schreiben an die Lieben daheim. Bis 60 Postkarten geschrieben sind, vergeht ziemlich viel Zeit, und wir verteilten das auf mehrere Etappen.
In der Zwischenzeit hatte sich das umgänglichere "Du" innerhalb der Gruppe ergeben, und da Klaus (den wir wegen seiner preußischen Abstammung und wegen seines militärischen Tons später heimlich den "General" nannten) Geburtstag hatte, gab er zum Abendessen im Restaurant eine Runde aus, was mit großem Hallo begrüßt wurde. Überhaupt war es eine friedlich-harmonische und lustige Gruppe, und so nach und nach kristallisierten sich die einzelnen Originale heraus, über die wir im Laufe der Reise lachten und die uns zeitweise auch etwas nervten. Aber es gab nie ein böses Wort, und im Zweifelsfall gelang es immer, die Sache mit Humor zu nehmen.
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Klaus, der mit Herbert (Herbert war ein überaus liebenswerter Zeitgenosse, der uns mehr als einmal mit seiner "Überlebensweste" und den 1000 Utensilien darin beeindruckte, die man in der Wildnis und zum Überleben brauchen konnte. Mal lächelten wir darüber, aber oft genug war er im Vorteil, wenn er zum Beispiel seine Stirnlampe anhatte und daher bei Licht essen konnte, während wir noch ziemlich im Dunkeln nach unserer Suppe oder dem Frühstücksbrot suchen mußten. Wegen der Lampe nannten wir ihn den "Obersteiger") ein Zimmer hatte, lud uns noch auf einen Whisky bei Kerzenschein ein, aber wir waren bald müde, und nachdem wir noch einmal den wunderschönen klaren Sternenhimmel bewundert hatten, gingen wir in die heißen Zimmer und fanden unter unseren Moskitonetzen lange keinen Schlaf, denn zu der Hitze kam wieder das Gekläff der Dorfköter, die merkwürdigerweise auch nachts ihre Rangkämpfe ausfochten.
Am folgenden Morgen, dem fünften Reisetag schleppten wir unsere Koffer und Taschen zum Rotelbus und verstauten all die Sachen, die wir für die folgende Zeit brauchten. Tagsüber waren die Reisetaschen mit den Utensilien für 2-3 Tage in den Schlafkojen untergebracht und wir banden unsere Taschen wegen der Rüttelei auf den Pisten mit einer Kordel in der Koje fest, damit sie nicht rausfallen konnten. Um 8.00 Uhr starteten wir, und nachdem Hartmut, unser Fahrer, das Gefährt nochmals vollgetankt hatte, kamen wir kurz danach zur Grenze von Kenia bzw. Tansania. Aus- und Einreiseformulare und Devisenerklärungen mußten wir in Massen ausfüllen, aber nach 2 Stunden war die ganze Sache erledigt. Wir hatten jedenfalls reichlich Zeit, die Unmengen Schwalben rund um das einfache Zollgebäude zu bestaunen, die hier so zahlreich nisten und herumflogen wie bei einem Bienenschwarm. Fotografieren durften wir nicht, und in fast allen Ländern, durch die wir fuhren, durften weder öffentliche Gebäude noch Brücken etc. fotografiert werden.
Endlich fuhren wir los, nun also in Tansania. Es war sehr heiß, aber angesichts der Kälte, die wahrscheinlich jetzt in Deutschland herrschte, schwitzten wir gerne. Die Landschaft war schön, leicht bergige Savanne mit Schirmakazien und Busch. Die Straße war im Gegensatz zum Vortag direkt ein Genuß. Vor uns tauchte der Mount Meru mit 4.565 m auf. Dann sahen wir einige Zebras, und Conny erzählte uns von dem merkwürdigen Umstand, daß die hier so gefürchtete Tsetsefliege die Zebras wegen der Streifen nicht als ganzes Lebewesen einordnen kann und deswegen mit ihren Stichen verschont. Die Tsetsefliege ist in Afrika weit verbreitet und sehr gefürchtet, weil sie die tückische Schlafkrankheit übertagen kann. Deswegen ist es in vielen Regionen nicht möglich, Rinder zu halten, weil diese nicht immun sind und reihenweise an der Schlafkrankheit sterben.
Hier sahen wir viele schöne Agaven, deren Blütenstände wie Bäume meterhoch in den Himmel ragen. Nach der Blüte stirbt die Mutterpflanze, hat aber vorher einen Ableger hinterlassen. Es wurde langsam grüner. Schöne große Kandelaber-Euphorbien (Wolfsmilchgewächse) wachsen hier. Bananen- und Maisfelder sind angelegt, und bald sahen wir auch die ersten Kaffeeplantagen.
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Schließlich kamen wir nach Arusha, einer alten deutschen Garnisonsstadt. Hier herrschte buntes Leben und Treiben. Dieter und ich liefen durch die Stadt zum Busbahnhof. Busbahnhof hört sich so langweilig an, aber das war er keineswegs, denn hier standen wahre Antiquitäten herum, was die Vehikel anging.Uralte, verrostete und klapprige Busse von anno dazumal wurden hier mit menschlicher Fracht bis zum Gehtnichtmehr gefüllt. Kisten, Tüten und Koffer wurden obenauf gepackt, und der TÜV ist hier ein Fremdwort. Zwischen den Bussen standen und lagen viele Schwarze, die teilweise Obst und Gemüse verkauften, teilweise darauf warteten, daß ihr entsprechender Bus kam oder einfach so zum Zeitvertreib, weil hier soviel buntes Leben war. Frauen mit Babys auf dem Rücken sahen wir zuhauf, aber leider konnte man nicht einfach so drauflosknipsen, wie wir das gerne getan hätten angesichts solch schöner Motive. Mit der Kamera in Hüfthöhe lief Dieter herum, und während ich die Leute ablenkte oder so tat, als interessiere ich mich für irgendein Obst etc., schoß Dieter manch schönes Bild.
Wir merkten rasch, daß die Menschen hier viel ärmer sind als in Kenia. Auch sahen wir eine ganze Reihe Bettler und Krüppel. Das gesamte Bild ist ärmlicher, und die Auswahl in den wenigen Läden ebenfalls. Wir erstanden am Straßenrand dicke rote Bananen, die wir aus Neugierde probieren wollten, dann auch ein Büschel kleiner gelber Bananen, von denen wir wußten, wie lecker sie schmecken. Dann entdeckten wir appetitliche rote Früchte, die ähnlich wie kugelrunde Pflaumen aussahen. Bedenkenlos kaufte ich sie, aber dann fiel uns ein, daß wir nur schälbares Obst essen sollten, und so schenkte ich diese Früchte einem der Bettler, der es kaum fassen konnte.
Wir liefen noch ein wenig die Hauptstrasse auf und ab, freuten uns an dem kunterbunten Leben um uns herum und staunten über die vielen schwarzen Fahrräder, die Tansania von den Chinesen gekauft hat. Wer so ein Fahrrad besitzt, ist hier schon wohlhabend und hegt und pflegt sein Vehikel. Alle blitzten nur so vor Sauberkeit. Viele dieser Räder waren mit 5 bis 10 Klingeln und buntem Zierrat versehen, und stolz klingelnd radelten die Besitzer die Straßen auf und ab.
Es war sehr heiß, und die Lauferei strengte uns an. Bald waren wir wieder am Bus, und dann ging die Fahrt auch schon weiter. Es bewölkte sich, und schließlich fielen auch ein paar Regentropfen. Kleinere Teiche und Pfützen sahen wir des öfteren, und es schien zu stimmen, daß hier nun Regenzeit ist. Da wir alle hundemüde waren, nickten wir zeitweise ein, was Conny weniger gefiel, vor allem, wenn sie uns interessante Informationen zu vermitteln versuchte. Sie war dieses Rotel-Reiseleben seit Jahren gewohnt und hatte offenbar keine Müdigkeitserscheinungen. Sie erzählte uns viel über die Massai und deren Lebensweise. Das Gebiet der Massai umfaßt heute etwa 40.000 qkm, und wir fuhren genau durch dieses Gebiet. Unterwegs sahen wir übrigens auch einen Viehmarkt, auf dem die Massai Vieh verkauften.Einige sind inzwischen dazu übergegangen, Rinder auf Fleisch zu züchten und legen mehr Wert auf Qualität, während es früher nur darum ging, soviel Stück Vieh wie möglich zu haben, denn die Anzahl und Größe der Herde war ein Statussymbol.
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Wir kamen schließlich nach lebhaft wechselnder Landschaft zum Lake Manyara, einem großen Soda-See, der sich mitten im afrikanischen Grabenbruch befindet. Der See sieht wunderschön aus, aber wir ließen ihn dennoch links liegen und fuhren weiter auf unserer Piste, denn unser Ziel war noch ein gutes Stück entfernt. Im Bus waren es jetzt 39, und wir schwitzen wieder gewaltig. Immer hatten wir Durst, aber die Mengen, die wir tranken, schwitzten wir fast komplett wieder aus. Die Buschpausen wurden teilweise fast aus Höflichkeit absolviert, nötig waren sie zumindest bei mir nur selten in den ersten Tagen. Da ich am Fenster saß und merkwürdigerweise fast immer Sonne auf meiner Seite hatte - egal, in welche Richtung wir fuhren - schmierte ich meine linke Schulter und den Arm mit Sonnenschutz Faktor 20 ein und hatte nach einigen Tagen einen braunen und einen weißen Arm. Später konnte ich das jedoch wieder ausgleichen.
Nach einer Weile kamen wir in ein kleines Städtchen namens Tohumbohu oder so ähnlich. Hier wurden an der Straße ganz schöne Holzschnitzereien verkauft, vor allen Dingen aus Ebenholz. Die Händler preisten ihre Stücke lautstark und durcheinander an, und wir schauten uns erst einmal das Angebot an. Es waren schöne Sachen dabei, aber alles sehr teuer, was uns sehr erstaunte. Als ich schließlich aber ein schönes Schaf inmitten einer kompletten Krippe entdeckte, mußte ich es für die Schafsammlung meiner Schwester unbedingt haben, zumal ich ja nicht wußte, ob mir auf dieser Reise noch einmal ein Schaf begegnen würde. Und in der Tat fand ich am allerletzten Tag in Namibia noch mal eines. Ein Frosch für meine Nichte mußte auch noch gekauft werden, dann reichte es für’s erste. Wir schlenderten die Straße auf und ab und staunten über den Berg grüner Bananenstauden, die gerade auf einen LKW verladen wurden. Gegenüber drängten sich Unmengen von Menschen samt Babys auf dem Rücken in einen Bus, der schließlich so unheimlich voll war, daß man nur noch schwarz sah und keinen einzelnen Menschen mehr ausmachen konnte. Für uns unvorstellbar.
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Wir fuhren schließlich weiter, hatten noch einmal einen herrlichen Blick auf den Lake Manyara, nachdem wir uns den Grabenbruch mühsam hinaufgearbeitet hatten und fuhren dann auf der anderen Seite auf ebenso staubiger und holpriger Piste wieder hinunter. Vereinzelt sahen wir Hütten und Felder in der bergigen Landschaft mit der schönen roten Erde. Hier war alles sehr trocken und sehr einsam, und wir konnten uns nicht vorstellen, hier zu leben. Wie weit hat sich unser Leben doch von den Ursprüngen entfernt! Diese Menschen hier sind zwar arm, aber sie sind auch viel unabhängiger als wir. Mich stimmte das so manches Mal recht nachdenklich. Leben wir glücklicher? Ich habe da so meine Zweifel.
Am späteren Nachmittag kamen wir in Karatu an, einem kleinen Ort auf einem Berg, nicht weit vom berühmten Ngorongorokrater entfernt, den wir am folgenden Tag besuchen wollten. Unser Campingplatz befand sich auf einer Anhöhe und war für meine Begriffe äußerst primitiv. Es gab zwar Toiletten und Duschen unter freiem Himmel, d.h. teilweise ohne Dach und Tür, aber das störte mich nicht so wie die fehlenden Nägel oder Haken, um wenigstens ein Handtuch aufhängen zu können. Ausserdem bestand der ganze große Platz, über den wir vom Bus zu den Toiletten und dem dazugehörigen Lokal samt Buschbar laufen mußten, aus nackter roter Erde bzw. Staub. Wie mochte das wohl aussehen, wenn es mal ordentlich regnete? Auch hierauf erhielten wir sehr bald eine klebrig-kleistrig-lehmige Antwort, die ich so bald nicht vergessen werde.
Am Abend wurde es früh dunkel, und mit unseren Taschenlampen fanden wir den Weg zur Buschbar und dem angrenzenden Lokal, in dem unser Essen serviert werden sollte, denn wieder war uns keine Rotelsuppe vergönnt, auf die wir nun schon so lange gespannt waren! Nach der wirklich leckeren Suppe gab es vom Büffet keineswegs exotisches Essen mit Heuschrecken, panierten Eidechsen etc., sondern Kohl- und Mohrrübensalat, Hähnchen- und Ziegenfleisch und Reis und hinterher einen leckeren Brotpudding und Obstsalat. Wir staunten nicht wenig. Während des Desserts kamen zwei Musiker und zwei Tänzerinnen in den Raum und mehr oder weniger schmeichelhaft für unsere Ohren ging es nun die nächsten Stunden bis tief in die Nacht mit Getrommel und Gefiedel. Ich persönlich konnte der Angelegenheit nicht viel abgewinnen, aber ich hatte das Gefühl, daß den Tänzerinnen die Sache solchen Spaß machte, daß sie einfach nicht mehr zu bremsen waren. Nachts in der Koje nervte mich das Getrommel doch arg, zumal es die erste Nacht im Rotel und ich hundemüde war. Ach ja, und die Hunde, die auch hier nicht fehlten, kläfften nachts auch wieder. Und dann regnete es auch noch.
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Dieter hatte seine allererste Nacht im Rotel ganz gut überstanden ohne grössere Probleme wie die übrigen 6 Rotel-Neulinge auch, die zum ersten Mal diese ungewöhnliche Art des Reisens gewählt hatten.
Heute gab es bei mir nur eine Katzenwäsche, dann erhielten wir unser Besteck samt Suppenschale und Brettchen für die nächste Zeit der Reise. Zum allerersten Frühstück von Fahrer Hartmut stellten wir uns bei Butter und Brot an und frühstückten unter freiem Himmel in aller Frühe. Punkt 7.00 Uhr stiegen wir in drei gemietete Jeeps und fuhren los in Richtung Ngorongoro-Krater, auf den wir schon so gespannt waren. Über rote Staubpisten ging es 23 km bis zum Kraterrand, von wo aus wir einen herrlichen Blick in den 800 Meter tiefer gelegenen Kraterboden hatten. Wir waren ganz begeistert von dieser phantastischen Aussicht. Hier oben stehen auch die beiden Gedenktafeln für Professor Bernhard Grzimek und seinen Sohn Michael, die beide soviel für die Erhaltung der afrikanischen Wildnis getan und denen wir zu verdanken haben, daß sowohl der Ngorongoro-Krater als auch die nahegelegene Serengeti unter Schutz gestellt wurden.
In begeisternder Fahrt durch Urwald mit wunderschönen alten, großen Bäumen, die voller Flechten hingen, ging es hinab zum Kraterboden. Teilweise war es arg steil und holprig, daß wir dachten, die alten und klapprigen Jeeps kippen um, aber die Fahrer kennen hier jeden Stein. Der Jeep, in dem wir saßen, war eine wahre Schrottkiste und blieb alle naselang stehen und knallte und heulte, was das Zeug hielt. Gerade umweltfreundlich war das nicht, zumal wir uns ja auch im Nationalpark befanden und an sich ruhig verhalten sollten. Dauernd ließ der Fahrer den Motor wie verrückt aufheulen, dann fuhren wir wieder ein paar Meter bis zum erneuten Zwangsstopp. Die Zündung stimmte hinten und vorne nicht, und es knallte immer wieder wie Pistolenschüsse. Aber immerhin war unsere Kiste noch besser als der Jeep vor uns, der jetzt ganz seinen Geist aufgegeben hatte, so daß die Insassen notgedrungen auf den ersten und unseren Jeep verteilt wurden. Das wurde natürlich eng und ärgerlich, und Frau Schnuppel, wie ich die Frau des Wieners nannte, zeterte dann auch, was sie konnte mit ihrer schrillen Stimme. Ihre größte Sorge war, daß ihr armer Schnuppel (Ehemann) verhungern und verdursten konnte, weil sie den Proviant hatte, während er sich mit einem Teil der Fotoausrüstung in dem anderen Jeep befand. Und dann motzte sie fürchterlich, weil sie auf dem Beifahrersitz gelandet war und dort nicht stehen konnte, um frei rundum sehen zu können. Da aber die Sicht aus dem offenen Seitenfenster wirklich sehr gut war, beruhigte sie sich schließlich doch ein wenig. Beim erstbesten gemeinsamen Stopp der beiden Jeeps legte sie sich aber unheimlich ins Zeug, um ihrem Schnuppel Anweisungen für’s Fotografieren zu geben und ihm das Tele zuzureichen. Seine Stimme war nicht weniger durchdringend, und wir waren von dem Gezeter der beiden ganz schön genervt.
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Nichtsdestotrotz fuhren wir nun auf dem Kraterboden herum, der einen Durchmesser von rund 20 km hat. Gleich zu Beginn weidete eine große Rinderherde, und die dazugehörigen Massai bestaunten uns genau so wie wir sie. Sie wollten unbedingt fotografiert werden - gegen Geld natürlich. Aber da wir schon soviele Massai fotografiert hatten, hielten wir uns inzwischen doch sehr zurück damit. Dann sahen wir, wie eine Löwin schnellen Schrittes direkt vor der Rinderherde in den Busch lief und dachten, nun würden noch weitere Löwen folgen. Wir mußten aber noch ziemlich lange warten, bis wir mehr Löwen sahen. Aber Büffel und Gnus und Zebras sahen wir, dann etliche Strauße und dann sogar ein Nashorn. Nashörner sind ja akut vom Aussterben bedroht, weil es eine Menge abergläubiger Dummköpfe gibt, die meinen, daß das Horn dieses Tieres magische Kräfte hat und deswegen horrende Summen für dieses völlig harmlose Horn bezahlen. Da die Menschen in Afrika durchwegs sehr arm sind, lockt dieses Geld natürlich sehr, so daß inzwischen die Nashörner äußerst selten geworden sind. Wir standen staunend und ehrfürchtig vor dieser Rarität und freuten uns, daß wir eines zu Gesicht bekommen hatten. Das Glück war aber auf unserer Seite, denn kurz danach entdeckten wir eine Nashornkuh mit ihrem halberwachsenen Jungtier. Das war schon ein seltenes Erlebnis, und wir knipsten, als hätten wir Aktien bei Kodak oder Fudji.
In einer Flachwasserpfanne sahen wir die ersten rosa Flamingos. Ein wunderschönes Bild war das. Der Himmel bewölkte sich zusehends und gab der Kraterlandschaft einen geradezu dramatischen Anstrich. Wir wurden vom Kraterrand ringsum eingerahmt, und diese ungewöhnliche Szenerie faszinierte uns total. Riesige Gnuherden weideten um uns herum, und uns kam das alles fast ein wenig unwirklich und wie im Film vor. Gegen Mittag kamen wir zum Hippoteich, einem kleinen See, in dem einige Flußpferde den Tag über dösten und netterweise ein paar Mal weit das Maul aufrissen, damit auf den Fotos auch zu erkennen ist, daß sich hier wirklich Nilpferde befanden. Da wir schon reichlich vor den aggressiven Milanen an diesem Platz gewarnt worden waren, wunderten wir uns nicht allzu sehr, als diese Raubvögel im Sturzflug um uns herumsausten, um unser Brot oder ähnliches zu ergreifen, das wir während der Mittagspause futterten. Ganz geheuer war uns aber nicht angesichts der Vielzahl der Vögel, es waren mindestens 30 Stück, die da ihre Angriffe starteten und an Hitchcocks Film "Die Vögel" erinnerten.
Der Himmel bewölkte sich immer mehr, es war drückend schwülheiß, und wir sahen, daß in anderen Teilen des Kraters bereits zwei Gewitter tobten. So brachen wir rasch auf, und kaum waren wir eingestiegen, als auch schon die ersten Tropfen fielen. Das Verdeck des Jeeps wurde zugemacht, war aber erwartungsgemäß nicht dicht, und wir brachten unsere Fotoausrüstungen so gut es ging in Sicherheit vor der Nässe. Die Landschaft sah zauberhaft und wunderschön aus in dieser besonderen Gewitterstimmung. Ein silbriger Schimmer lag über der zuvor ausgetrockneten Pfanne und tauchte die ganze Szenerie in unwirkliches Seidenlicht. Was für ein seltsamer Reiz.
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Die Tiere ließen sich von dem Regen nicht beeindrucken und grasten oder ruhten wie zuvor. Bald ließ der Regen nach, und als wir schon fast am Ende der Pirschfahrt durch den Krater waren, entdckten wir doch noch ein Rudel von sechs Löwinnen mit vielen Jungtieren, die faul im Gras lagen und auch uns zuliebe keinerlei Anstalten machen, sich in Pose zu setzen oder gar einen Schritt zu tun. Ganz im Gegenteil wälzten sie sich teilweise auf den Rücken und aalten sich. Wie menschlich kam mir das vor!
In einem kleinen See dösten wieder einige Flußpferde vor sich hin und warteten auf die Nacht, denn erst dann kommen sie aus dem Wasser an Land und fressen. Tagsüber fürchten sie sich wegen ihrer sehr empfindlichen Haus vor Sonnenbrand und der Hitze und bleiben daher im Wasser. Ich wollte unbedingt mal ein Flußpferd an Land sehen, aber keines tat mir den Gefallen. Da aber noch viele Reisetage bevorstanden, gab ich die Hoffnung noch nicht auf.
Einige frisch beregnete und daher fast schwarze Elefanten sahen wir in einem angrenzenden Wäldchen noch, und dann ging es auch schon wieder hinauf zum Kraterrand. Wir hatten die größten Bedenken, daß unser Schrott-Jeep diesen steilen und beschwerlichen Weg hinauf schaffen würde, und unsere Bedenken war berechtigt. Die Kiste spuckte und zischte und knallte, und dann ging auf einmal gar nichts mehr. Wir stiegen aus und sahen uns schon zwischen Nashörnern und Löwen nächtigen, aber mit viel Getöse und Motorengeheul ging es nochmal ein paar Meter bergan. Indes fuhr der zweite Jeep an uns vorbei, als wir wieder stehenblieben. Diesmal endgültig! Nach einiger Zeit der Ratlosigkeit und teilweise auch Verärgerung - Frau Schnuppel war wieder in größter Sorge und kriegte fast hysterische Anfälle angesichts der Tatsache, daß wir hier festsaßen - wurde ein fremder Jeep angehalten, der mühelos den Weg hinaufkam. Geradezu luxuriös und mit kaum hörbarem Motor rauschten wir an der ersten Schrottkiste vorbei und kamen bald in der Krater-Lodge an. Hier wurden von Conny wütend die miesen Jeeps reklamiert und ein neues Fahrzeug geordert, das uns dann auch problemlos weiterfuhr. Erst auf dem Kraterrand entlang mit grandiosen Ausblicken einerseits in den Krater hinein und andererseits hinab in das weite Tal außerhalb des Kraters. Ohne weitere Hindernisse kamen wir schließlich wieder in Karatu an, unserem rotstaubigen Übernachtungsplatz. Hier hatte es offensichtlich schwer geregnet, denn der ganze Platz war ein einziger roter Schlammpfuhl, und bei jedem Schritt klebte sich mehr und mehr zäher roter Lehm unter die Sohlen. Was für eine Schweinerei! Als wir mit Taschenlampe und Schirm den Weg über den weiten Platz Richtung Lokal antraten, schwante uns schon Übles.
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Die zentimeterdicke Lehmkleisterschicht unter den Sohlen gab uns das Gefühl, mit "runden" Füßen zu laufen und wir konnten sie kaum wieder loswerden. Bei dem Naturfußboden im Lokal war das allerdings nicht so tragisch, es trampelte sich fest. Beim Essen jedoch fing es an zu schütten wie verrückt, und als wir zu später Stunde den Rückweg zum Bus hinter uns hatten, liefen wir quasi wie auf Lehmstelzen. Der Kleister war nur mit dem Messer zu entfernen, und sowohl unsere Schuhe als auch die Hosenbeine sahen verheerend aus, von Inneren des Busses ganz zu schweigen.
Da wir hier kaum Zeitvertreib hatten, tranken wir an der Buschbar Konyagi, einen Schnaps nicht definierter Herkunft. Die einen sagten, er würde aus Cashewnüssen gebraut, andere tippten auf Feigen, aber egal, was es war, das Zeug war trinkbar in Kombination mit Tonic. Irgendwann versuchten wir einzuschlafen, aber es war eine ziemlich mühsame Nacht, zumal wieder die Motoren der schrottreifen Jeeps aufheulten wie wahnsinnig. Sie wurden wieder "flottgemacht" für den nächsten Tag. Das grenzt schon an Unverschämtheit, sollte aber nicht mehr unser Problem sein.
Am nächsten Morgen wateten wir immer noch durch matschigen roten Schlamm. Zum Frühstück schlachteten wir eine sehr reife Ananas und durchfuhren dann eine regengetränkte tansanische Landschaft voller frisch bearbeiteter Äcker. Hier wurde gerade die neue Mais-Saat ausgebracht, und überall waren die Menschen schon am frühen Morgen bei der Arbeit. In den Ortschaften sah es aber sehr trist aus mit den vielen Pfützen und ohne richtige Regenkleidung. Die Menschen kennen es aber nicht anders und sahen ganz zufrieden aus.
Bald kamen wir wieder zum ostafrikanischen Grabenbruch und zum Lake Manyara, denn wir waren wieder auf dem Rückweg nach Arusha. Die Fahrt zum Ngorongoro-Krater bzw. nach Karatu war nur ein Abstecher auf unserer Reise gewesen. In abwechslungsreicher Fahrt mit vielen schönen Baobabs (Affenbrotbäume mit dicken, wunderschönen Stämmen), Bergen und flacher Savannenlandschaft ging es durch Massailand mit vielen Rinder- und Ziegenherden. Wir schnurrten inzwischen auf guter Teerstraße dahin, was uns fast schon ungewohnt und geradezu luxuriös vorkam. Der halbe Bus schlummerte vor sich hin, und Schnuppel und Frau mampften eine pflaumenähnliche Frucht. Nachdem er sich das verschwitzte und saftverklebte Gesicht abgewischt hatte, war er mit seinen Bartstoppeln voller Tempotaschentuchfussel, worüber ich mich köstlich amüsierte. Die beiden saßen in der Reihe neben Dieter und mir und gingen uns mit ihrem durchdringenden Gezeter manchmal auf die Nerven, aber oft genug amüsierten wir uns auch königlich, wenn er sie z.B. lautstark anwies, daß mit Blende 11 und 125stel Sekunde die einzig wahren Fotos zu schiessen seien.
In Arusha machten wir Mittagspause, verdrückten rasch ein leckeres Steak und fuhren dann weiter Richtung Moshi. Conny informierte uns über das Schulsystem in Tansania, in dem es erstaunlicherweise nur noch 15% Analphabeten gibt und in dem die allgemeine Schulpflicht von 7-14 Jahren vorgeschrieben ist.
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Die Schule ist gebührenfrei, allerdings müssen Bücher und Schuluniformen bezahlt werden, was für viele Familien eine große Belastung darstellt.
Da die Landschaft langsam immer trockener und eintöniger wurde, genehmigten wir uns guten Gewissens eine Schlummerstunde. Conny war sicher manchmal am Verzweifeln mit unseren vielen Schläfern, aber wenn man tage- bzw. nächtelang nie richtig ausschlafen kann wegen Hitze und Moskitos oder Hundegekläff und anderen Widrigkeiten, dann summiert sich das eben, und der Körper fordert dann tagsüber Schlaf. So hielt Conny manches Mal ihre Vorträge oder Vorlesungen vor mehr oder weniger schlafender Mannschaft. Sie meinte, daß die Reise viel zu teuer sei, um sie zu verschlafen.
Es wurde immer drückender und schwüler, und das Thermometer kletterte wieder auf die 40 zu. Die Straße wurde auch zusehends schlechter, und bald ging es wieder auf Naturpiste weiter. Hier sahen wir die ersten Bäume, die voll ausgehöhlter, etwa 50 cm langer Baumstammstücke hingen. Darin hat man Bienenvölker untergebracht. Wir merkten hier auch, die die Menschen nicht an Touristen gewöhnt sind, denn sobald sie unseren roten Riesenbus sahen, winkten sie uns, und die Kinder liefen uns entgegen und johlten. Wenn wir irgendwo hielten, wr die Verwunderung auf den Gesichtern groß, wenn sie unsere Schlafkojen bzw. die vielen Fensterchen übereinander entdeckten. Afrikaner wollen möglichst immer mit Erdkontakt schlafen, also nicht in mehreren Stockwerken. Was ging wohl in ihren Köpfen vor? Es muß ihnen schon sehr merkwürdig vorgekommen sein.
Nach elender Rüttelpiste und 540 Kilometer Tagesetappe kamen wir endlich groggy und verschwitzt in Same am Fuß der Paraberge an, wo wir beim Hotel Elephant Station machten. Für die vier Damen und die 11 Herren stand jeweils ein gemietetes Zimmer zur Verfügung, und nachdem ich frisch geduscht war, fühlte ich mich wie neu geboren. In einigen großen Bäumen hingen Unmengen der kunstvollen Webervögelnester, und die Maskenweber schwirrten in Scharen um die Nester herum. Auch hier gab es wieder etliche Hunde, die ausnahmslos freundlich zu jedem waren und schwanzwedelnd auf uns zukamen. Hier gab es einen Wurf junger Hunde, und der kleinste davon hatte es mir sehr angetan. Er war vielleicht 5-6 Wochen alt und hatte einen schönen runden Kugelbauch, den er mir auch gleich zum Kraulen entgegenstreckte. Ich hätte den kleinen Kerl am liebsten mitgenommen, zumal meine liebe Biggi (Yorki) seit kurzem im Hundehimmel war, aber wir hatten noch soviele tausend Kilometer in Hitze und Staub vor uns, daher ging das leider nicht. Noch heute denke ich an dieses Hundchen, das mein Herz im Sturm erobert hat.
Auch heute gab es keine Rotelsuppe, denn wir aßen wieder im Restaurant. An sich wollte ich auf dieser Reise so nebenbei einige Pfunde abnehmen, aber angesichts dieser guten Verpflegung sah ich meine Chancen dafür doch gewaltig schwinden. Es sollte sich herausstellen, daß ich trotz aller Strapazen kein Gramm abnahm.
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Der trockene Sturm in der Nacht ließ uns kaum ein Auge zutun.Und um 3.00 Uhr des Nachts fingen die ersten wieder an zu "wandern", allen voran "Goethe", unser Mannheimer, der aufgrund seiner vielen klugen Sprüche so genannt wurde. Er hatte Holz-Clogs dabei und tappte auch nachts damit ungeniert über die Blechtplattform des Busses, wenn er mal rausmußte. Seine kleine oder schwache Blase war für uns oft Grund zum Lachen oder Schmunzeln. Wann immer eine Foto- oder Buschpause eingelegt wurde, stand Goethe in nächster Nähe und pinkelte. Schnuppels Frau mokierte sich zu recht mehr als einmal darüber, daß er nicht mal 10 Meter vom Bus wegging, sondern völlig ungeniert in der Landschaft stand. Ansonsten aber war Goethe ein Original, bei dem wir häufig schwankten, ob er uns mehr amüsierte oder mehr auf die Nerven ging. Im Großen und Ganzen war er aber ein liebenswerter und origineller Zeitgenosse, der uns viel Spaß machte. Nur manchmal hätten wir schon was dafür gegeben, wenn er seinen Mund mal ein Weilchen gehalten und nicht ständig die alten Geschichten hervorgekramt hätte.
Nach einem frühen Frühstück im Dunkeln nahm ich Abschied von dem kleinen Hundekind, und dann fuhren wir durch große Sisalplantagen in den Tag hinein. Aus Sisal werden Stricke und Taue etc. gemacht, ausserdem enthält es den Grundstoff für Cortison. Die Blütenstände sind sehr schön und sehen aus wie kleine Bäumchen. Dazwischen wuchsen immer wieder die hochgiftigen Sodoms- oder Satansäpfel, ein Schwalbenwurzgewächs mit schönen Blüten.
Schließlich kamen wir zu den Usambarabergen, zu deren Füßen das uns allseits bekannte Usambaraveilchen in seiner Urform wächst. Hier stehen auch Kapokbäume, deren Schoten die eigentliche Baumwolle enthalten, während die meist verwendete Baumwolle an sich von Sträuchern stammt und daher richtigerweise Strauchwolle heissen müsste. Das wußte ich auch noch nicht.
Es wurde immer feuchter und schwüler und damit auch grüner und tropischer. Herrliche Mangobäume von erhabener Grösse wachsen hier in Mengen und hängen voller Früchte. Sobald wir anhielten, kamen Scharen von Kindern angewetzt und johlten und freuten sich über unser sonderbares Gefährt. Immer wieder sahen wir die strohgedeckten Lehmhütten der Einheimischen, die zu 90% auf dem Land leben. Tansania ist übrigens viermal so groß wie die alte BRD und hat nur 24 Mio. Einwohner. Man kann sich leicht vorstellen, wieviel einsamer Busch uns da begegnet ist. In Chalinze machten wir bei einer Wahnsinnshitze Mittagspause, kauften auf dem Markt Berge von Mangos, Ananas und Bananen und freuten uns an dem bunten und unbeschwerten Treiben in diesem fröhlichen Städtchen.
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Wieder im Bus, verfeinert Dieter die Kunst der Mangozubereitung und brachte es damit im Laufe der Reise zu einer wahren Meisterschaft. Diese Früchte waren wirklich ein Genuß, weil am Baum gereift, und wir vermißten sie später sehr, als es keine mehr gab.
Draußen wurde es bewölkt und sah nach Regen aus, die Landschft war topfeben und langweilig, aber schließlich nach langer Fahrt kamen wir endlich in das berühmte Dar-es-Salaam (übersetzt: Hafen des Friedens). Toll daran ist aber nur der Name, ansonsten verbinden wir im Nachhinein nur Negatives mit dieser Stadt, die uns mit entsetzlichem Klima und hoher Kriminalität in Erinnerung bleiben wird. Auf grauenvoller Schlaglochpiste fuhren wir eine Abkürzung zum Kunduchi Beach Hotel, in dem Dieter und ich uns angesichts des schwülheißen und feuchten Klimas bei annähernd 40 ein Zimmer mieteten mit Klimaanlage, weil wir hofften, dann endlich mal wieder eine Nacht schlafen zu können. Das Zimmer war teuer und muffig, die Bettwäsche und die Handtücher stanken brackig und ekelten uns, und nachts lärmte die Klima-Anlage derart, daß wir doch wieder nicht schlafen konnten. Und Moskitos umschwirrten uns auch wieder in Massen. Was für eine Horrornacht!
Am Strand konnten wir uns nur 500 Meter auf und ab bewegen, weil wir ständig vor Dieben und Überfällen gewarnt wurden. Sogar einige Einheimische warnten uns, nicht weiter als bis zu einer markierten Stelle zu laufen. Spätestens da hatten wir die Nase voll von Dar-es-Salaam und waren sehr froh, in Conny eine Gleichgesinnte zu haben, die auch so rasch wie möglich diesen unheiligen Ort verlassen und dafür in Namibia einen Tag dranhängen wollte. Darüber war ich sehr glücklich, denn an Namibia hatte ich schon vor zwei Jahren auf meiner ersten Reise in dieses faszinierende Land mein Herz gehangen.
Abends gab es im Restaurant des Hotel ein gutes Essen, und zum Dessert wieder Bananen, die uns langsam aber sicher zum Halse heraushingen. Auf der Terrasse wehte ein angenehmer Wind und machte die Luft erträglicher. Der weite Sternenhimmel und die schönen Palmen versöhnten uns wieder ein wenig.
Am nächsten Morgen war es so heiß und schwül wie in einem Badezimmer, in dem fünf Leute heiß geduscht und nicht gelüftet haben. Meine Uhr hatte während der Nacht ihren Dienst eingestellt, sie vertrug das Klima offenbar auch nicht. Als wir um 8.00 Uhr alle wieder im Bus saßen, waren wir schon wieder naßgeschwitzt. Was für ein ungesundes Klima! Die Leute, die hier leben müssen, können mir Leid tun. Dabei arbeiten zu müssen, ist eine Qual.
Auf dem Weg in die Innenstadt sahen wir uns die Häuser etwas genauer an. Neben armseligen Häuschen und Wellblechhütten gab es auch schöne Villen und gute Häuser, aber der allgemeine Eindruck ist ärmlich. Die meisten Familien verfügen nur über einen Raum und sind sehr arm.
Im Nationalmuseum ist auch eine Ausstellung über die deutsche Kolonialzeit Tansanias, die von 1905 bis 1912 dauerte. Damals hieß Tansania Deutsch- Ostafrika. Seit 1961 ist Tansania unabhängig. Der Name wurde gebildet aus dem Wort Tanganjika und Sansibar.
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Es gäbe viel über die Geschichte des Landes und die politischen Verhältnisse zu berichten, aber da wir insgesamt sechs afrikanische Länder bereisten, würde eine tiefergehende Information hier viel zu weit führen. Es gibt ja für Interessierte reichlich entsprechende Literatur, so daß ich an dieser Stelle nur im Telegrammstil schreiben kann.
Am späten Vormittag verließen wir also den "Hafen des Friedens" und machten uns wieder auf in Richtung Chalinze, dem fröhlichen Städtchen, in dem wir am Vortag soviel Obst gekauft hatten. Auf den Abstecher nach Dar-es-Salaam hätten wir gerne verzichtet. Auch heute machten wir in Chalinze Mittagspause, und die Leute erkannten uns und den Bus natürlich gleich wieder. Alber bald ging es weiter durch fruchtbare grüne Landschaft. Die makutigedeckten Hütten und die Menschen sind der Landschaft perfekt angepaßt. Wir hatten den Eindruck, daß die Menschen immer schwärzer werden. Von Zeit zu Zeit tauchte ein Tümpel oder Teich auf, in dem kreischende und johlende Kinder badeten und spielten. Auch die Erwachsenen waren freundlich und winkten uns ständig und überall zu. Dann schüttete es plötzlich wie aus Eimern, und wir mußten trotz der Hitze die Fenster schließen. In der dicken Luft erstickten wir fast. Der Regen währte jedoch nicht lange, und wir konnten bald wieder Luft schnappen. Wir durchfuhren eine Bergkette, die Ulogoroberge, und kamen schließlich nach Morogoro, der Stadt, die die Deutschen im ersten Weltkrieg am längsten gegen die Engländer verteidigen konnten.
Auch dieser Tag ging zu Ende, und schließlich hielten wir irgendwo im Busch an, um hier unser Schlafgemach aufzubauen. Es war eine echte Buschübernachtung mit schwüler Hitze, Fliegen und Moskitos. Aber wenigstens regnete es nicht auch noch, denn hier war ja Regenzeit, und dann ist es im Rotel gar nicht sehr lustig. Klaus sauste auch gleich los und forderte alle auf, Holz für ein Lagerfeuer zu sammeln,und obwohl es verdammt heiß war, loderte schon bald ein ansehnliches Feuer, das uns noch mehr einheizte und den Rauch immer in die Richtung schickte, in einem gerade nicht paßte. Aber im Dunkeln ist es am Feuer immer romantisch und hält einem auch manche unliebsamen Viecher vom Leib.
In der Nähe entdeckten wir einen riesigen alten Baobab, der voller großer Samenkapseln hing. Zwei davon nahmen wir als Andenken mit. Und hier hörte ich dann auch wieder den unverwechselbaren Ruf eines Vogels, der bei so ziemlich jedem Tierfilm aus Afrika im Hintergrund zu hören ist. Diesen Ruf wollte ich doch unbedingt mal im Original hören, und im Laufe dieser Reise hörte ich ihn tatsächlich fast überall. Aber niemand konnte mir sagen, um welchen Vogel es sich handelt. Nach langem Hinhören und Überlegen bin ich aber ziemlich sicher, daß es eine Taubenart ist.
Heute sollte nicht nur die erste Buschübernachtung stattfinden, sondern auch das allererste Rotel-Abendessen. Hartmut und Conny legten sich wahrlich ins Zeug, denn zu der gelungenen Ochsenschwanzsuppe gab es noch einen Teller mit kaltem Fleisch, Spargel und Tomaten. Wir waren von den Socken, denn eine derartige Speisenfolge waren wir von Rotel mit den üblichen Suppen nicht gewöhnt.
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Obwohl es sehr lecker war, blieb eine Menge Suppe übrig. Als ein zerlumpter, sehr armer Schwarzer zu Fuß des Weges kam, boten wir ihm die Suppe an, und er konnte es kaum fassen. Nach der zweiten Portion konnte er einfach nicht mehr essen, was er offensichtlich auch sehr schade fand. So füllte ich ihm eine 1,5 Liter Wasserflasche mit Suppe, die er mitnehmen konnte. Inzwischen war noch ein weiterer Einheimischer dahergekommen und erhielt natürlich auch seine Suppe. Conny gab ihm noch einige Kleidungsstücke dazu, und irgendjemand spendierte noch eine Zigarette und ein Feuerzeug. Wir stellten ganz erstaunt fest, daß der eine offensichtlich noch nie ein Feuerzeug in der Hand hatte. Das hätte ich bis dahin kaum für möglich gehalten. Die beiden sprachen auch kein Wort Englisch, aber wir verständigten uns mit Händen und Füßen und Lächeln. Schließlich trollten sich die beiden. Man sah ihnen an, daß sie diesen Tag für einen Glückstag hielten. Und wir hätten die restliche Suppe sonst in die Pampa kippen müssen, da war es uns viel wohler, sie jemandem geben zu können.
Der erste Versuch zu schlafen, schlug fehl, denn es war so stickigheiß, daß ich es in der Koje kaum aushielt. Katrin ging es genauso, sie hatte ihre Koje unter mir und litt während der ganzen Tour noch mehr als ich unter der Hitze und der Schlaferei in der Koje. Wir hatten aber noch nicht viel geschlafen, als "Goethe" wieder mit klappernden Clogs das Weite suchte und uns aufweckte. Da könnte man Mordgedanken kriegen.
Um 5.20 Uhr hieß es Aufstehen und Zähneputzen mit dem Wasser aus unseren Kanistern. Die Sterne strahlten noch immer, und Herbert mit seiner Stirnlampe war wieder mal fein raus. Wir anderen tappten mehr oder weniger im Dunkeln. Früh und pünktlich haben wir das Frühstück beendet und die Männer den Bus abgebaut wie immer. Dann ging es los in Richtung Mikumi-Nationalpark, durch den die ganz normale Straße führt. Dicke Laster donnern hier durch den Busch, aber den Giraffen und Zebras, Gnus und Elandantilopen scheint das nichts auszumachen. Direkt am Straßenrand sahen wir sehr viele Tiere und waren mächtig erstaunt darüber. Die Gnus hatten hier im Gegensatz zu den bisherigen noch ganz kleine Kälber, die gerade geboren waren. Im Amboseli und Ngorongoro waren die Gnukälber schon viel größer und schon gleichgefärbt wie die Muttertiere. Schließlich kamen auch Elefanten in unser Blickfeld, dann folgten Büffel, Warzenschweine und diverse Vögel wie auch der merkwürdige Hammerkopf. Es fing leicht an zu regnen, aber das störte die Tiere auch hier nicht. Eine Herde Giraffen folgte auf die andere, und diese Vielzahl und Vielfalt an Tieren so direkt an einer befahrenen Straße verwunderte uns sehr. Der Park war aber nur klein, und bald fuhren wir wieder durch besiedeltes Gebiet. Es hatte in der Nacht offensichtlich weit und breit geregnet, denn überall waren Pfützen und Lachen zu sehen. Da hatten wir bei unserer Buschübernachtung wirklich Glück gehabt.
Im nächsten Ort wollten wir Diesel tanken, aber es gab dort keinen. Im nächsten Ort auch nicht. Also mußten wir sehen, daß wir bis Iringa kamen, dort sollte es welchen geben. Die 119 km schafften wir aber doch noch. Wir rumpelten auf elendschlechter Piste, Nebel lag über den Hügeln und Wasser rann die Fußpfade des Weges entlang, aber der Regen hatte aufgehört, und langsam kam die Sonne wieder raus.
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Die Landschaft wurde immer bewaldeter und sehr grün. Wir fuhren eine Weile durch das hübsche Ruahatal am Fluß Ruaha entlang. Der kleine Ruaha fließt in den großen Ruaha, und der wiederum fließt in den Rufitschi, auf dem der Film "African Queen" mit Katherine Hepburn und Humphrey Bogart gedreht wurde. Hier wuchsen überall herrliche Baobabs, und wir wurden nicht müde, diese wunderschönen Bäume anzuschauen. Ich hätten einen ganzen Bildband nur von diesen Bäumen erstellen mögen, so faszinierten sie mich. Ansonsten aber fuhren wir Stunde um Stunde, tankten unterwegs und kamen schließlich in das Gebiet der recht kriegerischen Hehe. Die Landschaft sah inzwischen fast aus wie bei uns im Allgäu, zumal auch hier die Kühe Glocken trugen. Die Straße wies massenhaft große Löcher auf, so daß Hartmut den Bus immer wieder abbremsen mußte. Das war mühsam und entnervend. Die Temperatur sank doch tatsächlich auf nur noch 23, und wir zogen wärmere Sachen an. Die Einheimischen froren offensichtlich auch, denn sie hatten sich fest in ihre Tücher gewickelt. Hier war die Gegend dicht besiedelt, und die Leute machten einen sehr armen Eindruck auf uns. Wir hatten bisher auf der ganzen Tour keine einzige Fernsehantenne entdeckt. Auch das hatten wir nicht erwartet.
Nach über 600 Kilometern anstrengender Pisten- und Schlaglochfahrt kamen wir schließlich doch noch zum Ziel, das für heute Mbeya hieß. Hier sprach gerade ein fanatischer Wanderprediger, der die Bewohner der Stadt und Umgebung zu Tausenden angelockt hatte. Es war ein Mordsvolksauflauf, der sich gerade in Auflösung befand, als wir mit unserem Bus eintrudelten. Wir standen auf dem Hof eines Hotels, und rings um um herum liefen Massen von Menschen. Ein Gewitter war im Anmarsch, und kaum hatte ich aus meinem Koffer die Röcke und übrigen Klamotten für die nächsten Tage gekramt, da begann es auch schon zu regnen und wuchs sich zu einem wahren Wolkenbruch aus. Dann ließ es kurz nach, um dann mit unverminderter Stärke stundenlang weiter zu schütten. Wir saßen jedoch wohlversorgt und trocken bei einem hervorragenden Abendessen im Hotel und schwelgten. Da der Regen die Luft angenehm gekühlt hatte, krochen wir bald in die Kojen. Es regnete wie aus Eimern die ganze Nacht, und der kleine Bach vor unserem Rotel rauschte wie ein reißender Fluß.
Nachts hörten wir einen merkwürdigen Aufschrei und Gepoltere aus der vordersten Koje. Was war denn da wieder los? Morgens stellte sich heraus, daß Günter nachts Besuch gehabt hatte, und zwar war ein riesengroßer schwarzer Käfer in seinem Bettbezug gewesen und ihm bauchaufwärts gekrochen, was ihn im Schlaf mordsmässig erschreckt hatte. Als Günter versuchte, das für ihn unsichtbare Viech zu schnappen, hielt sich der Käfer mit seinen Zangen an Günters Bauch fest. Schließlich konnte er ihn aber doch zum Fenster rausschmeissen.
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Mir grauste bei der Vorstellung, und ich hätte bestimmt einen hysterischen Anfall gekriegt, da ich ja alle Viecher, die mehr als vier Beine haben, nicht leidern kann. Und ein großer Käfer im Bettzeug wäre für mich ein Alptraum gewesen. Da wäre ich total ausgerastet.
Am nächsten Morgen waren unsere ganzen Kleidungsstücke klamm und kalt. Es war nur noch 17, und wir schlotterten richtig. Die Ankündigung auf übelste Schlaglochpiste bis zur malawischen Grenze hob unsere Stimmung auch nicht gerade. Weil es immer noch so stark regnete, mußten wir im Bus frühstücken, was aber eine ganz heitere Angelegenheit wurde. Im Flugzeug hat man jedenfalls auch nicht mehr Platz zum essen. Dieters Flohbisse oder was auch immer das gewesen sein mag, sahen heute böse aus und schienen zu eitern. Er schmierte und salbte ordentlich.
Wir verließen diesen nassen Ort bald un fuhren durch triste graue Regenlandschaft. Überall drückten sich die Ziegen an die Hüttenwände, um sich ein wenig vor der Nässe zu schützen, und die Leute hockten auch trübe herum. Aus den Hütten quoll überall blauer Rauch von den Kochstellen, und es sah im ersten Moment so aus, als stünden sie gleich in Flammen. Trotz des Regens oder vielleicht gerade deshalb flogen heute wieder Unmengen Termiten aus, viele davon klatschten an unsere Windschutzscheibe.
In einer kleinen Schlucht am Wegesrand lag ein umgestürzter Bus der Einheimischen. Das war wohl kürzlich erst passiert.
Die letzten 20 Kilometer in Tansania waren wirklich ein Härtetest für uns und den Bus, denn wir schlichen mühsam von Schlagloch zu Schlagloch. Die Piste war katastrophal. Und obwohl wir in 2000 Metern Höhe fuhren, war es schwül und stickig durch den Regen. Aber irgendwann brachten wir auch das hinter uns und fuhren dann langsam abwärts zum Malawi-See, wo u.a. Reis, Zitrusfrüchte und Ananas angebaut wurden. Hier gab es auch große Kohlevorkommen. Cashewnüsse, Mangos und Kakao wurden ebenfalls angebaut. Außerdem wächst hier Teakholz.
Endlich kamen wir zur Grenze. Jeder einzelne von uns mußte im ersten Büro den Impfausweis vorzeigen, im zweiten Büro die Devisenerklärung abgeben und teilweise das deklarierte Geld vorzählen. Im dritten Büro erhielten wir den nötigen Stempel in unseren Paß. Bei brütender Hitze warteten die ersten auf die letzten, dann stiegen wir wieder in den Bus.
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Das dauerte jedoch nicht lange, denn der Zoll wollte unseren Bus von innen inspizieren. Nachdem auch das erledigt war, interessierte die Beamten auch noch unser Schlafabteil, so daß wir zwei Klappen aufmachen mußten. Nachdem eine Reisetasche genauer angesehen worden war, ließ man es dabei bewenden, und wir durften das Land verlassen.
Einige Kilometer ging es durch Niemandsland, ein Verkehrsposten inspizierte nochmals den Bus, dann kamen wir zum Grenzposten von Malawi, einem ärmlichen Gebäude, in dem Maissäcke lagen. Zwischendrin wuselten die Beamten. Wir hatten bereits einen Schwung Formulare und teilweise abgerissene Zettelchen mit verschiedenen Daten ausgefüllt, und nach 2 ½ Stunden Anstehen und Schwitzen hatten wir auch das hinter uns und konnten also endlich hineinfahren in das schöne Malawi, auf das wir schon sehr gespannt waren.
Das Land empfing uns üppig grün mit Teichen und Äckern. Auf guter Teerstraße rollten wir Richtung See. Derweil erhielten wir von Conny eine Menge Informationen über Land und Leute in Malawi. So beträgt zum Beispiel die derzeitige Lebenserwartung dort bei den Männern 44 Jahre, bei den Frauen 45. Das Bevölkerungswachstum pro Jahr liegt zwischen 2,9 und 3,1 %. 50 % der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt. Der Norden des Landes ist dünn besiedelt, dafür konzentrieren sich die Menschen im Süden, wo auch sehr viele Flüchtlinge aus dem angrenzenden Mozambique leben. Viele Malawier arbeiten in den Minen Südafrikas. Das Land ist seit 1964 unabhängig, und der recht eigenwillige Präsident des Landes, der in den USA Medizin studiert hat, hat ganz auf die Landwirtschaft gesetzt, was sich als richtig erwiesen hat, denn heute ist Malawi in der Lage, sich selbst zu versorgen. Dennoch ist es, was das Pro-Kopf-Einkommen angeht, eines der ärmsten Länder der Welt. Aber Slums gibt es hier nicht und fast keine Autos. Auf 1000 Einwohner kommen 2 PKW. Das können wir uns hier überhaupt nicht mehr vorstellen, und so genossen wir die Ruhe und die freien Straßen sehr.Schließlich kamen wir am schönen Malawi-See an, der sechsmal so groß ist wie unser Bodensee. 570 Kilometer zieht er sich in die Länge und ist bis 80 Kilometer breit. Er ist garantiert bilharzia- und krokodilfrei, und das ist natürlich auch für uns ideal.
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Wir hielten in Chiweta bei einer kleinen Lodge an, die direkt am See lag. Zwei Schwarze schleppten unentwegt Eimer für Eimer Wasser aus dem See und gossen es in große Tonnen. Von dort aus wurde es Eimer für Eimer in die Höhe gezogen und durch ein Filtertuch gegossen. Mit diesem Wasser konnten wir uns dann duschen. Wir waren aber sehr sparsam damit, denn es war schon eine mühsame Sache, Tropfen für Tropfen aus dem See hierher zu schleppen, und wir hatten ein schlechtes Gewissen den Trägern gegenüber.
Wir gingen eine Weile am See entlang spazieren, der einen schönen Sandstrand hat. Eine ganze Reihe kleinerer Jungen begleitete uns und versuchte, Kugelschreiber und Bonbons zu ergattern. Die Leute sind hier so arm, daß sie oft nur Fetzen am Leib tragen. Wenn nicht allzuviele Leute um uns herum waren, konnten wir schon mal etwas geben, aber damit mußten wir etwas aufpassen, denn der Gerechtigkeit halber sollte man jedem Anwesenden etwas geben können. Von einigen Jungen machten wir die gewünschten Fotos und versprachen, diese zu schicken, was wir natürlich auch machten. Wir werden nie erfahren, ob sie tatsächlich angekommen sind.
Zum Abendessen gab es wieder keine Rotelsuppe, sondern ein leckeres Essen in der Lodge. Danach staunten wir über die Unmengen Fledermäuse, die quietschend um unser Rotel flogen und die halbe Nacht über gehörig lärmten und zeterten.
Wir hatten hier unsere zwölfte Nacht verbracht, aber vom Gefühl her war uns so, als wären wir schon eine Ewigkeit unterwegs. Soviele Eindrücke mussten wir bereits verdauen. Nach dem Frühstück fuhren wir zuerst ein Stück landeinwärts die Makuto Mountains hinauf und auf der anderen Seite wieder runter. Wunderschöne Aussichten hatten wir von dort oben. Es regnete wieder leicht, und alles war grün und fruchtbar. Maniok- und Maisfelder wechselten sich mit Tabakplantagen ab.
Im Städtchen Mzuzu deckten wir uns mit Proviant und Postkarten ein und staunten nicht wenig über das unerwartete Warenangebot und die Sauberkeit überall. Hier merkte man schon, daß Malawi ein ganzes Stück besser dran ist als Tansania, das immer noch mit dem Sozialismus zu kämpfen hat. Aber auch hier hatte jede Frau ein Baby auf dem Rücken oder eines im Bauch und manchmal noch eines an der Hand. Der Bevölkerungszuwachs ist hier ebenfalls ein großes Problem wie in den übrigen afrikanischen Staaten auch.
Unterwegs stiegen wir bei einem Dörfchen mal aus und liefen ein Stück des Weges zu Fuß. Dabei wurden wir von einem ganzen Trupp Kinder begleitet, die sich über diese Abwechslung freuten. In einem nahegelegenen Kautschukwald hielten wir Mittagsrast, und die Kinder freuten sich über die leeren Getränkedosen, aus denen sie ganz tolle Tanklaster bastelten. Diese Kinder, die nichts haben, sind unwahrscheinlich kreativ geblieben im Gegensatz zu den Kindern bei uns die mit Perfektionsspielzeug im Übermaß um jede Phantasie gebracht werden.
Bei großer Schwüle fuhren wir dann Stunde um Stunde über Naturpiste weiter, hatten mal Blick auf den Malawi-See, dann wieder ging es durch Busch und Wald. Unterwegs zog Hartmut mit unserem Riesengefährt einen steckengebliebenen und überladenen LKW ein Stück des Weges, bis er wieder flott war. Die Mannschaft und die Herumstehenden applaudierten und winkten uns freundlich zu.
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Ganz allgemein ist uns große Freundlichkeit auf dieser Reise begegnet, überall war großes Hallo und viele, viele Hände haben uns auf dieser langen Reise quer durch den afrikanischen Kontinent zugewunken. Wer winkt bei uns Ausländern zu?? Wir nahmen auch viele Denkanstösse mit nach Hause zurück.
An sich wollten wir heute noch bis Nkotakota fahren, aber da es so mühsam und der zu erwartende Übernachtungsplatz nicht gerade überwältigend war, entschlossen sich Hartmut und Conny, irgendwo unterwegs am See das Lager aufzubauen. Hier waren Touristen wohl noch völlig unbekannt und die Neugier der Menschen ganz unverfälscht. Als die Fischer am Strand und die Kinder uns entdeckten, kamen sie in hellen Scharen angewetzt. Bei 120 Menschen habe ich dann aufgehört zu zählen, wir waren ständig umringt von Menschentrauben und wußten kaum, mit wem wir zuerst reden sollten. Die meisten konnten etwas Englisch, so daß wir uns mit Händen und Füßen doch ganz gut verständlich machen konnten. Die Menge rückte uns immer näher auf den Pelz, und Conny stellte schließlich drei erwachsene Männer als Nachtwachen gegen Bezahlung ein. Diese drei holten sich lange Stöcke und vertrieben damit diejenigen, die die berühmte Bannmeile zu uns überschritten. Sie wären natürlich liebend gerne in den Bus gestiegen und besonders in den Schlafteil, aber das konnten und wollten wir einer derartig großen Menge von Leuten nicht zugestehen. So waren wir ganz froh über die Wächter, die ihre Sache gut machten. Ein anständiges Lagerfeuer hatte inzwischen auch schöne Glut entwickelt, und darauf wurden dann Würstchen gebraten. Dazu hatte Hartmut einen leckeren Nudelsalat gezaubert, den wir mit Appetit verspeisten. Die drei Wächter bekamen auch ihren Teil, aber die anderen mußten mit großen Augen leer ausgehen.
Irgendwann, nachdem es lange dunkel geworden war, ging auch der letzte heim in seine Hütte. Auch die Moskitos beruhigten sich langsam, so daß wir doch noch ganz gut schlafen konnten. Conny war spätabends noch zum Baden in den See gegangen und hatte ihre Kleider vertrauensvoll an den Strand gelegt. Plötzlich sah sie drei Schwarze auftauchen, die sich köstlich über sie amüsierten, denn sie hatte ja nichts am Leib. Conny fürchtete schon, nackt zum Bus laufen zu müssen, aber ihre Sachen blieben unangetastet. Sicher wäre Conny mit ihren geschätzten 100 kg Lebendgewicht noch lange Zeit das Tagesthema gewesen...
Um 5.20 Uhr krabbelte ich aus meiner Schlafkoje und weckte Dieter auf, weil es mir hier nicht so ganz wohl war, alleine in der Pampa meine Morgentoilette zu verrichten. Da war mir ein kräftiger Begleiter mit Taschenlampe doch eine Beruhigung. Und in der Tat liefen schon zu dieser frühen Morgenstunde wieder die ersten Einheimischen am Strand entlang und um unseren Bus herum. So früh am Morgen hatte ich jedoch überhaupt noch keinen Nerv für lange Gespräche, aber das verstanden diese Menschen auch und ließen uns noch ein Weilchen in Ruhe. Aber als wir dann beim Frühstück saßen, hatten wir wieder die gleichen Scharen von Leuten um uns herum und wurden geradezu eingezingelt. Für Dieter war es nachher fast ein Kunststück, einem der Wächter sein T-Shirt zu geben, ohne daß die ganze Meute das mitbekam und auch was wollte. Wir nahmen einige Adressen mit und versprachen, Fotos zu schicken. Das machten wir natürlich auch, obwohl sie vermutlich nie den Empfänger wirklich erreichten.
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Hunderte Augen verfolgten jeden unserer Handgriffe beim Aufräumen und Abbauen des Busses. Aber schließlich wurden wir doch fertig und winkten und hupten einer freundlich-fröhlich-neugierigen Menge zu, für die wir etwas Besonderes waren. Auch für uns war diese Buschübernachtung ungewöhnlich.
Wir fuhren heute wieder auf Asphalt. Die Sonne knallte schon wieder auf uns herab, und der See begleitete uns mit glitzernder Oberfläche. An einer besonders schönen Stelle machten wir Halt und schauten vielen Fischern zu, die in ihren Einbäumen standen und Netze in den See warfen und wieder einzogen. Was für eine romantische Szenerie und wie zeitlos! Selbst zu Livingstones Zeiten war es sicher nicht anders als heute, die Zeit scheint vielerorts stehengeblieben zu sein. Hier wie überall auf der Reise herrscht so gut wie kein Straßenverkehr, die Straßen gehören praktisch den Fußgängern, und da es nahezu keine Autos gibt, ist es erstaunlich, daß es überhaupt Straßen gibt. Überall ist eine für uns ganz ungewohnte Stille und Ruhe zu finden. Kein Lärm, kein Verkehr, keine Radioas und kein Fernsehen und auch keine Zeitung, das fanden wir in Afrika fast während dieser ganzen Reise.
Riesige Baobabs, Leberwurstbäume und winzige Babys
Unterwegs bestaunten wir einen gigantischen Baobab, der sicher mehrere hundert Jahre alt war. Was für ein Denkmal von einem Baum!
Später hielten wir bei der Mua-Missionsstation der "weißen Väter". Hier gibt es u.a. ein Krankenhaus, eine Schule und eine Schnitzerwerkstatt. Die Schnitzereien sind über die Landesgrenzen hinaus bekannt, und die Missio-Kapelle in München wurde mit diesen Schnitzereien der hiesigen Künstler ausgestattet. Ein soeben fertiggestelltes Relief gefiel mir sehr. Es stellt zwei Frauen beim Maisstampfen unter einer Palme dar. Es ziert nun meine Küche. Im Verkaufsraum waren viele schöne Stücke ausgestellt, und dort erstand ich für meine Mutter eine sehr schöne Madonna mit Kind in einem modernen, aber dennoch zeitlosen Stil. Die Konturen sind nur angedeutet und nicht ausgeschnitzt, und genau das gefiel mir so. Ein Holzfrosch für meine Nichte mußte auch noch mit. Fast jeder von uns kaufte hier ein schönes Stück.
Katrin, unsere Hebamme aus Naumburg, ließ es sich nicht nehmen, die Kranken- bzw. Babystation zu besuchen und fand u.a. winzige schwarze Zwillinge vor, von denen sie total begeistert war.
Bei drückender Hitze und einigen Regentropfen ging es weiter am See entlang mit Fotostops bei schönen Baobabs und einem gigantischen Wurstbaum. Wer den Wurstbaum zum ersten Mal sieht, glaubt an einen Scherz, denn die Früchte dieses Baumes hängen tatsächlich wie dicke lange Leberwürste herab. Und dieses Exemplar hier war wirklich riesig und trug Unmengen Würste. Goethe konnte es nicht lassen und schleppte so eine etliche kiloschwere Leberwurst in den Bus. Alle lästerten, weil wir sicher waren, daß er dieses Monstrum bestimmt nicht mit nach Deutschland nehmen konnte, aber immerhin lag dieses Riesending bis zum Ende der Reise in Namibia zu seinen Füßen, um dann angefault entfernt zu werden. Die Einheimischen machen daraus Kompott.
Schließlich kamen wir am südlichsten Ende des Malawi-Sees im Club Makokola an. Im Vergleich zu unserer letzten Buschübernachtung war uns diese Anlage fast zu luxuriös.Und wenn man dann bedenkt, daß das Durchschnittsgehalt eines Malawiers etwa DM 20 - 30 beträgt und die Doppelzimmer hier DM 75 pro Nacht kosten, dann stimmt etwas nicht. Aber für die Malawier war diese Anlage hier auch nicht gedacht.
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Auch an diesem Abend gab es kein Rotelsüppchen, sondern wir kamen in den Genuß, ein herrliches Büffet mit frischem Malawi-Seefisch unter freiem Himmel verspeisen zu können. Dazu genehmigten wir uns ein Gläschen südafrikanischen Rotwein. Anschließend saßen wir noch am Sandstrand und schauten auf den leise plätschernden See und die Sterne, die über uns zum Greifen nahe funkelten. Was für eine Stille!
Trotz der Hitze schliefen wir ganz passabel. Um 5.00 Uhr jedoch weckten mich die unzähligen Singvögel, die in dem Baobab direkt vor unserem Rotel ein richtiges Morgenkonzert gaben. Nach dem Waschen ging ichgleich wieder zum Strand und beobachtete die beiden Schreiseeadler, die auf einem schönen großen Baum am Strand saßen und gerade dabei waren, sich ihre Frühstücksfische zu holen. Es sah schon eindrucksvoll aus, wenn diese eleganten Vögel in raschem Flug treffsicher einen Fisch aus dem Wasser holten. Von hier aus konnte man das gut beobachten.
Um sechs Uhr wurde es schon wieder heiß, und wir waren froh, daß uns ein freier Tag am See erwartete. Aus unserer Gruppe wollte sonst niemand diesen See-Ausflug mitmachen, weil alle faul und von der Hitze geschafft waren.
So fuhren Dieter und ich mit einem Minibus und zwei weiteren Personen aus Südafrika etwa eine Stunde lang durch abwechslungsreiche Landschaft mit vielen dicken Baobabs bis zu einer besonders schönen Bucht am See, die sich Cape McClear nannte und die unter Naturschutz stand. Hier holte sich Dieter Schnorchel und Flossen, und ein Einheimischer führte uns einen schmalen Pfad entlang zu einer wunderschönen Felsengruppe im See, aus dem uns die buntesten Fischchen schon entgegenleuchteten. Die Farbpalette reichte von zartem Zitronengelb über Dottergelb zu Türkisblau bis hin zu Tiefdunkellila. Es war phantastisch anzusehen, und wenn man sich im Wasser ruhig verhielt, knabberten die Fische an einem herum. Man konnte sie beinahe anfassen.
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Dieter schnorchelte, während ich von Stein zu Stein schwamm und immer wieder mal ein Weilchen so halb im Wasser auf einem Felsen saß und die Fische um mich herum beobachtete und mich beknabbern ließ. Am Ufer saß über uns in einem Baum ein Schreiseeadler in etwa 10 Meter Entfernung. Webervogelnester im Schilf hätten wir pflücken können. Außer uns beiden war kein Mensch im Wasser oder überhaupt zu sehen. Es war völlig still. Keine Touristen, keine Autos, sondern geradezu paradiesische Zustände. Einfach wunderschön.
Schließlich hatten wir die Felsengruppe umrundet und kamen wieder an den Strand. Dort ging es mit einem kleinen Boot etwa eine halbe Stunde über den See zu einer unbewohnten, dicht bewaldeten Insel. An einer flachen Stelle legten wir an. Unsere Betreuerin breitete im Schatten der Bäume auf einem Tuch ein leckeres kaltes Mahl aus, und wir mampften leckere Salate und kaltes Fleisch. Dann hatten wir Zeit und Muße zum schnorcheln, schwimmen oder sonnenbaden. Ich saß die meiste Zeit halb im Wasser und freute mich an der Farbenpracht der zahmen Fische. Die Sonne brannte heute erbarmungslos auf uns nieder, und obwohl wir T-Shirts trugen und die freien Körperteile mit Schutzfaktor 20 eincremten, waren wir abends rotgebrannt. Später konnte Dieter die Haut seiner Oberschenkel fetzenweise abziehen, ich kam glimpflich davon.
Nach einigen Stunden holte uns das kleine Boot wieder ab. Der schwarze Skipper hatte in der Zwischenzeit Fische gefangen, mit denen er nun die Schreiseeadler anlockte, die auf dieser Insel zu Hause waren. Wir schilpperten also ein Stück weiter um die Insel herum, dann stieß der Skipper einen lauten Pfiff aus und warf einen Fisch ins Wasser. Und sofort flog ein Adler heran und holte im Sturzflug direkt vor unseren Augen den Fisch aus dem Wasser. Wir konnten kaum so schnell alles mitkriegen, aber das Schauspiel wiederholte sich noch etliche Male, so daß wir genug Gelegenheit zum Schauen und Fotografieren hatten. Es sah schon majestätisch aus, wenn diese großen, eleganten Vögel mit ihrem weißen Kopf und dem schwarzen Gefieder auf einen zugestürzt kamen und dann mit raschem Zugriff den Fisch aus dem Wasser holten. Ihre unverwechselbaren Schreie hörten wir immer wieder, und ich glaube, ich werde sie nicht mehr vergessen.
Wir schipperten rund um die Insel und kamen bald wieder zum Strand zurück. Mit dem Minibus traten wir müde, sonnenverbrannt, aber glücklich den Heimweg an. Wir waren noch nicht weit gefahren, als wir bei einem Schnitzer-Stand hielten. Hier gab es schöne Schnitzereien zu kaufen, die gut gearbeitet waren, und wir brauchten noch einige Andenken. Nur hier gab es aus Bast oder Schilf geflochtene Autos, Dreiachser, Flugzeuge usw. Die Sachen waren aufwändig und erstaunlich kunstfertig von Hand gemacht. Sowas mußte auch mit. An einem weiteren Schnitzerstand kaufte die Frau, die vor uns im Bus saß, nach langem Handeln einen wunderschönen Elefanten für wenig Geld. Wir gratulierten zu dem Prachtstück, das wir auch schon im Auge gehabt hatten, aber da wir nicht mehr genügend Kwachas (sprich: Quatschas, das ist die malawische Währung) bei uns hatten, gab es auch keinen Elefanten. Dachten wir! Die Frau jedoch lief gleich wieder zum Schnitzerstand und handelte für uns einen weiteren Elefanten ein. Wir schienen ihr offensichtlich kreditwürdig. Ihr Mann erzählte uns dann, daß sie eine Bank in Johannesburg hat. Das erklärte auch ihren unwahrscheinlich schönen und reichhaltigen Schmuck. Etliche Karat in Gold und Brillanten funkelten an ihren Händen. Und nett schienen die beiden auch noch zu sein.
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An diesem Abend gab es wieder ein leckeres Mahl unter freiem Himmel. Zum Nachtisch holten wir uns Sternengefunkel und Malawi-Seegeplätscher. Der Anblick einer herrlichen Kaktusblüte verschönte den Abend auch noch, und wir gingen dann trotz der Hitze bald zu Bett, um diesen wunderschönen Tag zu verdauen, der eigentlich der erste richtige Urlaubstag für uns war.
Am nächsten Morgen zog ich wieder brav einen Rock an, wie der eigenwillige Präsident Malawis es nun mal allen Frauen vorschreibt, die in seinem Land herumlaufen. Hosen hat er für Frauen generell verboten, vielleicht hält er nichts von Emanzipation. Es hat ja nun jeder seine Macke. Aber in der Tat waren die Röcke nicht so unpraktisch wie erwartet. Meine Mutter hatte mir da kurzfristig noch aus der Klemme geholfen und zwei Wickelröcke geschneidert, denn derartiges gehört normalerweise nicht in meinen Kleiderschrank.
Wir fuhren bald wieder mit unserem roten Ungetüm los in Richtung Lilongwe, der neuen Hauptstadt Malawis. Bis 1975 war die Stadt Zombe im Süden Malawis Hauptstadt gewesen, aber um die Bevölkerungsdichte und die wirtschaftliche Konzentration vom Süden des Landes etwas zu verlagern, entschied man sich für Lilongwe als neue Hauptstadt, weil sie ungefähr in der Landesmitte liegt. Die Stadt hat etwa 180.000 Einwohner. Aber bis dahin war es noch ein gehöriges Stck zu fahren, teilweise durch ziemlich eintönige Landschaft, und die meisten schliefen. Conny machte wieder ironische Bemerkungen über unsere Schlafkrankheit und meinte, wir würden einfach keinen Ruhetag vertragen. Und wir hätten uns besser eine Monatskarte bei den städtischen Verkehrsbetrieben kaufen sollen, wenn wir nur schlafen wollten. Aber nur geschlafen haben wir nun wirklich nicht, sonst gäbe es diesen Bericht schließlich nicht.
Endlich entdeckten wir wieder mal nach einigen Abstinenztagen frische Mangos am Straßenrand und gleich in rauen Mengen und verschiedenen Sorten. Sie waren etwa apfelgroß, wunderbar am Baum gereift und kosteten etwa 10 Pfennig das Stück. Mit 12 Stück deckten Dieter und ich uns ein. Goethe wollte dieses günstige Angebot nutzen und kaufte gleich einen ganzen Korb voll. Dabei verfügte er keineswegs über die Kunst des Mangozerteilens und verließ sich voll auf Dieter, der ihm eine Menge dieser leckeren Früchte so nach und nach mundgerecht servierte. Für eine geschälte Frucht bekamen wir eine neue als Lohn aus seinem Korb. Ich hatte beobachtet, daß die Einheimischen die kleineren gelben Mangos direkt aus der Hand aßen wie wir einen Apfel. Also dachte ich, daß das so falsch nicht sein konnte und machte es ebenso. Aber nur einmal und nicht wieder, denn bis dahin wußte ich nicht, welch unheimlich langen und zähen gelben Fruchtfasern diese Mangos hatten. Nachdem ich die Frucht solchermassen verspeist hatte, sah es aus, als hätte ich lange gelbe Haare auf den Zähnen. Ich habe stundenlang gepult, bis ich endlich alle Fasern entfernt hatte. Das war die erste und letzte Mango, die ich auf diese Weise verspeist habe. Alle im Bus schmatzen und schlürften und leckten sich die Finger ab, denn der Saft der reifen Früchte lief einem die Handgelenke den Arm hinab. Da hatten die Tempotücher wieder Hochkonjunktur.
Wir fuhren stundenlang an der Grenze zu Mozambique entlang. Die Gegend war durch die vielen Flüchtlinge dicht besiedelt, und es gab große Dörfer aus Lehmhütten mit Strohdächern. Wir konnten keinen Unterschied zwischen Einheimischen und Flüchtlingen erkennen. Die Menschen waren hier aber viel zurückhaltender als bisher.
Hartmut und Conny kauften unterwegs einen ganzen Berg Kartoffeln, Zwiebeln und Paprika. Sollte es tatsächlich heute Rotelsuppe geben? Es gab sie! Ich traute mich hier doch, ein paar Tomaten zu kaufen, die herrlich schmeckten. Nachdem bis hierher keine Magen-Darm-Probleme aufgetreten waren, hoffte ich, daß diese Tomaten auch nicht schaden würden. Sie schmeckten phantastisch sonnengereift und waren garantiert nicht gespritzt. Nachdem wir schon längst keine Ananas und auch kaum noch Bananen zu kaufen bekamen, suchten wir Abwechslung im Speiseplan, zumal unsere Busch-Mittagspausen meist aus Corned Beef mit Brot oder Brot mit Corned Beef bestanden. Das hing uns langsam zum Halse raus.
An einer großen Tabakplantage hielten wir an, um zu sehen, was die vielen Arbeiter da aus kleinen Schöpfgefäßen über die Pflanzen gossen.
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Schließlich kamen wir dem Rätsel auf die Spur: hier wurde dem Tabak das Nikotin zugefügt! Das sagte zumindest einer im Scherz, in Wirklichkeit war es wohl ein Insektizid.
Es war wieder unwahrscheinlich heiß und schwül und stickig. Wir hingen verstaubt, müde und verschwitzt in unseren Sitzen. Aber endlich kamen wir doch in Lilongwe an, wo uns doch gleich ein großer Schnitzereien-Stand munter machte. Hier entdeckte ich eine sehr schöne Mutter-Kind-Figur aus Stein, die modern und klassisch schön zugleich war. Die mußte ich haben. Wir erstanden noch ein paar Dinge, dann flüchteten wir vor der Sonne zum Bus, der uns zum Golfclub der Stadt brachte, wo wir die Nacht verbringen wollten. Einige schälten und schnippelten Kartoffeln, Zwiebeln, Kohl usw., andere kehrten den Bus, und Günter versorgte seine Brandwunde, die übel aussah. Er hatte sich gleich zu Beginn der Reise seinen Becher mit kochendheißem Kaffee über den rechten Unterschenkel geschüttet, und mit dem Socken war auch die ganze Haut abgegangen. Diese Verbrennung machte ihm während der ganzen Reise zu schaffen, und er konnte damit auch nicht baden gehen.
Noch bevor wir unsere Kohlsuppe löffeln konnten, ging ein wahrer Platzregen runter und kühlte die Luft sehr angenehm ab. Die Suppe konnte mich nicht begeistern, da mußten ein paar Kekse herhalten. Wir gingen an diesem Tag bald ins Bett, denn wir waren von Hitze und Fahrt todmüde.
Der nächste Morgen begrüßte uns mit Sonnenschein und frischer Luft, und bald waren wir wieder im Bus und fuhren in den modernen Teil der Stadt, wo sich große Banken und Versicherungsgebäude befinden, wie man das ja in der ganzen Welt findet. Und der dortige Supermarkt, der sich Hypermarkt nennt, erstaunte uns doch sehr angesichts des bescheidenen Lebensstandards rings um uns herum. Es gab in diesem Supermarkt so ziemlich alles zu kaufen wie bei uns, nur mit dem Unterschied, daß sich kaum jemand der Einheimischen diese Waren hier leisten kann. Rings um den Supermarkt herum befinden sich viele Botschaften und die Häuser der Botschafter. Von denen lebt der Markt und von einigen Privilegierten, nicht aber die normale Bevölkerung. Wir kauften hier eine Flasche südafrikanischen Rotwein für DM 13, ein stolzer Preis. Gegenüber dem durchschnittlichen Malawigehalt von 20-30 DM im Monat kann man ein schlechtes Gewissen bekommen. Nachdem wir noch Brot und ein paar Konserven für die Mittagspausen der nächsten Tage gekauft hatten, ging es Richtung Grenze Malawi-Sambia. Die Abfertigung klappte wieder flott und unkompliziert, und bald fuhren wir wieder auf Piste, diesmal aber in Sambia, über das uns Conny wieder eine Menge Informationen gab.
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Sambia hat heute (1992) etwa 8 Mio Einwohner und eine Bevölkerungszuwachsrate von 3,7%. Familienplanung ist leider ein Tabu-Thema, und so werden die Probleme des Landes immer größer. Das Land ist etwa dreimal so groß wie die alte BRD, d.h. hier leben 10 Menschen pro qkm, bei uns sind es über 220 pro qkm. Sambia ist noch weit davon entfernt, sich selbst versorgen zu können, und der neue Präsident Frederic Chiluba, der seit November 1991 Kenneth Kaunda nach fast 30 Jahren Regentschaft abgelöst hat, empfiehlt seinen Landsleuten, mehr zu arbeiten und zu schwitzen als bisher.
Wir durchfuhren fruchtbare Landschaften mit vielen Maniok- und Maisfeldern. In einem Familiendorf hielten wir an. Eine einzige Großfamilie hat eine ganze Reihe Hütten, eine Kochhütte, eine Badehütte, eine Gemeinschaftshütte, eine Vorrats- und eine Hühnerhütte. Ringsherum lagen die verschiedenen Felder mit Mais, Hirse, Erdnuß, Maniok und Baumwolle. Die Leute waren sehr freundlich und ließen uns in ihre Behausungen sehen.
Schwitzend, staubig und müde rüttelten und schüttelten wir durch sambischen Busch mit unwahrscheinlich hohem Gras. Auch die Maispflanzen hatten hier Riesengröße. Wir hielten mal an, um den Rotelbus inmitten dieses hohen Grases zu fotografieren. Er hätte sich mit seinen 4 Metern Höhe mühelos darin verstecken können! Bei 40 im Bus kamen wir schließlich im Luangwa-Nationalpark an und sahen doch tatsächlich gleich eine Herde der nur hier vorkommenden und sehr seltenen Thornicraft-Giraffen, die eine wunderschöne Zeichnung haben und bis über den Bauch im hohen Gras standen. Hier wären zwar Zu-Fuß-Safaris möglich gewesen, aber angesichts dieser Riesenhalme hätten wir keine Chance gehabt, Tiere zu sichten. Und gefährliche Tiere natürlich auch nicht.
Unser Camp für die folgenden beiden Nächte war sehr schlicht, aber immerhin gab es meistens Wasser, so daß wir uns Schweiß und Staub vom Leib spülen konnten. Hier herrschte ein wahres Horrorklima, und wir bewegten uns nur langsam. Die abendliche Suppe war auch sehr schweißtreibend. Schön fand ich dabei aber, daß wir die Flußpferde grunzen hören konnten, die sich im ca. 150 Meter entfernten Luangwa-Fluß suhlten. Nach dem Essen sprühten wir uns gegen die vielen Moskitos mit Autan ein und dann gingnen Dieter und ich allein auf Flußpferdsuche. Wir hörten sie ständig, fanden sie aber nicht in der Dunkelheit. Das unwahrscheinlich hohe Gras und die Maisfelder irritierten uns ebenso wie das Mondlicht, das lange Schatten warf. Ganz geheuer war uns die Situation nicht, und wir rechneten jeden Moment damit, daß irgendein Tier aus dem Busch sprang. So kehrten wir unverrichteter Dinge zum Camp zurück und krochen in unsere Kojen. Mit dem Grunzen der Hippos im Ohr schliefen wir ein.
Trotz Hitze hatte ich erstaunlich gut geschlaften und hörte auch gleich wieder das Grunzen der Flußpferde. Jetzt hielt mich nichts mehr. Es war zwar noch dunkel, aber nachdem ich Dieter geweckt hatte, schlichen wir auf leisen Sohlen so schnell wir konnten in Richtung Fluß, über den hier eine Brücke führte. Der Wachposten, der an sich niemand zu Fuß und ohne Genehmigung über die Brücke lassen durfte, war schließlich einverstanden, als wir ihm erklärten, daß wir nur die Hippos von der Brücke aus beobachten wollten und versprachen, nicht ans andere Ufer zu gehen, denn das war bereits Wildnis und nicht ungefährlich. Und dann im noch dämmrigen Morgenlicht sahen wir, wie etliche Flußpferde flußaufwärts schwammen, teilweise unter der Brücke hindurch, teilweise waren sie schon an ihrem Tagesruheplatz angekommen, den wir am Vorabend vergebens gesucht hatten.
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Dann ging gegen 5.45 Uhr wunderschön die Sonne über dem Luangwa auf, es war ein herrlicher Anblick. Unsere Kameras schlummerten derweil aber noch im Bus. Da wir wußten, daß die Flußpferde hier den Tag über verbringen würden, brauchten wir uns nicht zu beeilen.
Hier im Luangwa-Park hatten wir die Möglichkeit, an einer Morgen- und/oder einer Nachtpirsch teilzunehmen, und nachdem wir tagsüber schon soviele Tiere gesehen hatten, entschied sich etwa die Hälfte der Gruppe für die Nachtpirsch, so auch Dieter und ich. So hatten wir den ganzen Tag Zeit, im Schatten der großen Bäume zu faulenzen und die Hippos zu beobachten, die etwa 150 Meter von uns entfernt im Fluß lagen. Sie waren ziemlich passiv und bewegten sich kaum, anscheinend waren sie müde vom Fressen und Umherlaufen der vergangenen Nacht. Am Vormittag besuchten wir noch eine nahegelegene Krokodilfarm, auf der an die 4.000 Krokodile gehalten werden. Und womit werden diese Reptilien gefüttert? Jawohl, mit Flußpferdfleisch! Die Farm hat eine bestimmte Anzahl Hippos zum Abschuß frei, und die Krokodile werden ausschließlich mit ihrem Fleisch gefüttert. Und das alles für Schuhe und Handtaschen. Der Rundgang durch die Farm war sehr interessant. Da gab es sehr viele Baby-Krokodile in einer endlosen Reihe von Becken mit Wassergräben, aber auch die großen Zuchtkrokodile, die schon 50 Jahre auf dem Buckel haben, bekamen wir zu sehen. So ein junges Tier wurde aus einem Becken geholt, und ich nahm es in die Hände. Wohlweislich packte ich es hinter dem Kopf, denn auch die kleinen Krokodile können schon gemein beissen. Es hatte erstaunlich weiche und warme Haut, obwohl diese wie ein Panzer aussah.
Den Rest des Tages verbrachten wir dösend und flußpferdbeobachtend mit Kamera und Fernglas gewappnet unter den großen Bäumen am Flußufer. Am Nachmittag wurden die Tiere langsam munterer, rissen ihre gewaltigen Mäuler auf, grunzten und schwammen auch schon mal ein Stück flußaufwärts. Es waren auch einige Jungtiere dabei. Insgesamt waren es 16 Flußpferde, und im Laufe des Nachmittags schwamm schon die Hälfte von der Gruppe fort, aber kein einziges ging an Land, wie ich mir das wünschte.
Punkt 17.00 Uhr wurden wir von einem Jeep geholt, der mit uns 3 ½ Stunden durch den Park fahren sollte. Wir fuhren nun mit Erlaubnis über die Luangwa-Brücke in den Park hinein und hatten wunderschönes abendliches Seidenlicht, ideal zum Fotografieren. Uns begegneten eine Reihe Antilopen, Zebras, Warzenschweine und eine humpelnde Elefantenkuh, die offensichtlich große Beschwerden hatte. Unser Fahrer sah sie sich etwas genauer an. Sicher mußte sie erschossen werden, denn das Bein war sehr geschwollen, und die Kuh war ganz alleine und konnte mit der Herde nicht mehr mithalten.
Durch das viele und hohe Gras haben wir nicht allzuviele Tiere zu sehen bekommen, leider auch keine Löwen. Aber immerhin kamen uns zwei Hyänen und Schakale vor die Linse und jede Menge der aggressiven und aufdringlichen Tsetsefliegen, die wir sehr fürchteten. Steffen wurde von einer Menge dieser Mistviecher gestochen und kratzte sich noch tagelang. Als die Dämmerung begann, fuhren wir zu einer Flußniederung des Luangwa, der hier von einigen Sandbänken und einer langgezogenen Insel durchzogen ist. Und hier schwammen uns jede Menge munterer Flußpferde entgegen. Dieter hatte inzwischen gelernt, das Grunzen der Tiere täuschend echt nachzumachen und legte auch gleich los, was einen ganzen Chor an Flußpferdgegrunze zur Antwort hatte. Es war toll, wie die Viecher uns entgegengrunzten. Ein wunderschönes Panorama hatten wir hier vor Augen, links der Fluß mit den Hippos und den Sandbänken und im Hintergrund einige schwarze Fischer, die in der untergehenden Sonne wie Scherenschnitte ihre Netze warfen und wieder einzogen. Rechts von uns zog eine Herde Elefanten mit Jungen zum Fluß und liessen sich von uns nicht stören.
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Wir waren ganz still und freuten uns. Schließlich wurde es ganz dunkel, und so fuhren wir langsam weiter. Der Begleiter auf dem Beifahrersitz schaltete nun einen großen Scheinwerfer ein und leuchtete damit ständig hin und her. Wenn ein Paar Augen funkelte, strahlte er das Tier genauer an, aber außer Hyänen, einer Herde Elefanten und sehr vielen Impala-Antilopen sahen wir nicht viel. Die Tiere waren völlig ruhig und ließen uns zum Greifen nahe an sich herankommen. Tagsüber wäre das nicht möglich gewesen. Bei den Impalas mußten wir direkt einen Weg durch die Menge bahnen, es kam uns fast so vor, als würden sie uns trotz laufendem Motor nicht bemerken. Seltsam war das!
Merkwürdigerweise saßen auf dem Weg alle 10 Meter seltsame Vögel, nämlich Ziegenmelker. Die blieben so lange sitzen, bis die Räder des Jeeps sie fast berührten, dann erst flogen sie im letzten Moment schwerfällig auf, um sich einige Meter weiter wieder auf dem Weg niederzulassen. Dieses Verhalten war uns unerklärlich. Auch etliche Dickköppe, so heißt diese Vogelart, saßen auf dem Weg und wollten partout nicht weichen. Um ein Haar hätten wir tatsächlich einen erwischt. Die Gruppe Löwen, die jetzt auf Jagd ging, bekamen wir trotz intensiver Suche nicht zu Gesicht. Dafür strahlten wir in einem Teich einen Storch an, der sich im Mond- und Scheinwerferlicht so perfekt im Wasser spiegelte, daß man zweimal hinschauen mußte, um das Original unterscheiden zu können.
Als wir nach stundenlanger Fahrt nicht mehr weit vom Parkeingang entfernt waren, begegnete uns doch noch der absolute Höhepunkt des Tages und für mich die Erfüllung eines langgehegten Wunsches: ein dickes großes Flußpferd lief eiligen Schrittes durch das Gras und fraß dabei gierig mit seinem großen Maul. Wir hörten es richtig auf- und zuklappen, wie es da Berge von Gras in sich reinstopfte. Dann entschwand es wie ein Spuk in der Dunkelheit zu meinem Leidwesen. Kurz danach entdeckten wir ein Mutterflußpferd mit Baby, und zum guten Schluß war am Flußufer direkt unterhalb der Luangwa-Brücke ein großes Flußpferd gerade an Land gegangen, um zu fressen. Wir konnten es in Ruhe betrachten, und ich war selig. Dieses Beobachten bei Dunkelheit hat einen ganz besonderen Reiz, und ich würde künftig unbedingt wieder eine Nachtpirsch machen.
Im Camp angekommen, hatten diejnigen, die nicht mitgefahren waren, hungrig auf unsere Rückkehr gewartet. Nun gab es einen großen Topf leckeres Gulasch, aber ich war von der Pirsch noch so aufgeregt, daß ich fast nichts essen konnte. Außerdem verspürte ich ziemliches Magengrimmen und verzog mich bald mit einer Schar Moskitos in die Koje.
Ganz zerstochen, schweißgebadet und mit bösem Bauchweh wachte ich am nächsten Morgen um 5.00 Uhr auf. Montezumas Rache hatte mich erwischt, und ich vermute, daß es an den vielen überreifen Mangos lag, die ich am Vortag gegessen hatte. Das war aber nicht weiter tragisch und wenigstens keine Infektion.
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Mit Dieter bin ich dann gleich wieder los zur Luangwa-Brücke marschiert, wo uns eine Horde Paviane und wieder die Flußpferde mit Grunzen begrüßten. Und diesmal fotografierten wir den herrlichen Sonnenaufgang in allen Phasen. Hier war es wunderbar friedlich, und wir genossen es immer wieder ganz bewußt, daß es noch Stille und nur die Geräusche der Natur gab, was bei uns ja leider nur sehr selten der Fall ist, vor allem, wenn man in der Stadt wohnt.
Um 7.00 Uhr fuhren wir an diesem Tag von den Hippos fort und wollten Richtung Lusaka fahren. Unterwegs stiegen wir aus und liefen ein ganzes Stück an einem Dorf vorbei. Die Bewohner machten große Augen, und im Nullkommanichts war das ganze Dorf auf den Beinen und lief mit uns. Wir hatten alle einen Mordsspaß miteinander, und ich versprach einer jungen Frau, ihr zu schreiben, weil sie unbedingt eine Brieffreundin haben wollte. Mal sehen, was daraus wird. Mit großem Hallo und viel Gewinke fuhren wir schließlich wieder davon. Im Städtchen Chipata, das wir bald erreichten, sahen wir ein Schild mit dem Hinweis, daß es bis Lusaka noch 567 Kilometer sind. Das würde hart werden, aber immerhin gab es ab hier wieder Teerstrasse. Wir fuhren Stunde um Stunde, und Conny las uns aus dem Buch "Verheißene Erde" das erste Kapitel über die Buschmänner inSüdafrika vor. Dieses Buch hatte ich im vergangenen Winter gelesen und fand darin die Geschichte Südafrikas über 5 Jahrhunderte sehr anschaulich beschrieben. Die meisten schliefen jedoch im Bus, und mir war das sehr verständlich angesichts des dauernden Schlafmankos in der Nacht. Außerdem machte uns das Klima doch gewaltig zu schaffen, und die gleichmässige Rüttelei und das Surren des Motors taten ein Übriges.
Zwischendrin ging ein gehöriger Regenguß runter, war aber nur von kurzer Dauer. Dafür aber wurde es stickigheiß und dämpfig, im Bus waren es wieder 39, und wir hingen groggy in den Sitzen. Gegen 16.00 Uhr hielten wir in unbesiedeltem Buschland und beschlossen, hier zu nächtigen. Angesichts der Hitze und der impertinenten kleinen Fliegen, die man nicht loswurde, war ich nicht gerade begeistert. Leider blühte zurzeit überhaupt nichts, und das bißchen Vegetation rundum fand ich nicht sehr erbaulich. Immerhin waren die Blätter der meisten Büsche und Bäume interessant, denn zum Schutz gegen die unbarmherzige Sonne hatten sie sich eine besondere Taktik einfallen lassen. Sie falteten ihre Blätter tagsüber ganz flach zusammen und drehten sie so, daß sie dem jeweiligen Sonnenstand nur die geringste Oberfläche boten. Sobald die Sonne unterging, entfalteten sich die Blätter wieder.
Klaus machte gleich wieder ein Lagerfeuer, und alle suchten trockenes Holz in der Umgebung. Ein drohendes Gewitter zog gnädig an uns vorbei, aber die Luft blieb zum Schneiden dick und schwül. Selbst um 21.00 Uhr waren es noch 31. Ich konnte nicht einschlafen, Katrin ging es genau so. Dieter hingegen schnarchte ebenso in seiner Koje wie die meisten anderen. So gingen wir noch ein Weilchen durch den vom Vollmond hell erleuchteten Busch und erzählten uns was. Um 23.00 Uhr fielen wir um vor Müdigkeit und konnten tatsächlich ein bißchen schlafen.
Durstige Bienen und ein Plattfuß
Zum Frühstück am nächsten Morgen kamen die widerwärtigen kleinen Fliegen wieder, und ein ganzer Schwarm frecher Bienen umschwirrte Hatto, dem das doch sehr ungemütlich wurde. Aber als er wegging, um die Viecher loszuwerden, flogen sie ihm bis in den Bus hinein nach. Vielleicht hatte er einen ganz besonderen Duft an sich.
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Auf jeden Fall aber waren die Bienen ganz verrückt nach Wasser und hingen zu Dutzenden an den Hähnen unserer Wasserkanister. Unter dem Tank des Busses hatte sich eine kleine Wasserlache gebildet, hier hing eine ganz Traube von Bienen und trank. Sowas hatte ich noch nie gesehen.
Wir verließen diesen ungemütlichen Ort und fuhren durch dicht bewaldetes Gebiet. Hier begegnete uns der Luangwa wieder, der mir so sympathisch geworden ist durch die Hippos. Hier mußten wir über eine Brücke fahren, aber nicht schneller als mit 5 kmh, anhalten war auch verboten. Vor und hinter der Brücke stand Militärpolizei mit Maschinengewehren, und es wurde uns wiederum strengstens untersagt, hier zu fotografieren. Angesichts der wunderschönen Flußlandschaft hätte uns das schon gereizt, aber Ärger wollten wir keinesfalls. Einige Zeit später machten wir auf einer luftigen Anhöhe Halt, um in die Gegend zuschauen, da stellte Hartmut fest, daß wir einen Platten hatten. Es dauerte fast zwei Stunden, bis der Reifen geflickt war, den ein 10 cm langer Nagel gelöchert hatte. In dieser Zeit hatten wir den angenehmen Wind genossen. Und diese Zeit hatte genügt, mir einen ordentlichen Sonnenbrand zu bescheren. Die meisten Männer standen um die "Werkstätte" herum und gaben die tollsten Kommentare zum Thema Reifenflicken.
Bald ging es jedoch weiter bis zu einer Straßensperre. Diesmal war es aber eine Tsetsefliegen-Kontrolle. Ein Beamter kam mit einem Netz in den Bus und kontrollierte, ob bei uns Tsetsefliegen waren. Die hätten wir aber längst gekillt, denn wir fürchteten die Biester natürlich ebenso.
Gegen Mittag erreichten wir dann endlich Lusaka, das uns mit einer wunderschönen Allee herrlich blühender Tulpenbäume empfing, dazwischen standen gelbblühende Akazien. Nach dem unendlichen grünen Buschland waren diese Farben direkt eine Freude für die Augen. Die Allee war dann aber auch das Schönste, was Lusaka zu bieten hatte nach meiner Meinung. Das Angebot in der Stadt war ärmlich und schmuddelig, wir wurden wieder vor der hohen Kriminalität gewarnt und paßten auf wie die Luchse. In einem Supermarkt versuchten wir, ein paar Lebensmittel für die nächsten Tage zu kaufen, aber appetitlich war das dürftige Angebot nicht gerade. Auf der Hauptstraße, der Cairo-Road, saßen viele Schwarze auf dem Boden und verkauften Bohnenkerne, Tomaten und eine Menge Krimskrams. Offensichtlich war gerade Mittagspause, denn eine Menge gut gekleideter Frauen und Männer lief die Straße auf und ab. Die Frauen hier fanden es offensichtlich schick, die Mode der Europäer nachzuahmen. Sie ließen sich die Krause aus den Haaren entfernen und trugen modische Kleidung. Sie sahen damit nicht annähernd so natürlich und würdevoll aus wie die Frauen auf dem Land in ihrer traditionellen Kleidung, die uns viel besser gefielen als diese aufgetakelten Stadtfrauen.
In Lusaka durchfuhren wir das Viertel der Diplomaten und Botschaften und am Präsidentenpalast vorbei. Überall natürlich striktes Fotografierverbot. Sehenswert fanden wir dann später aber den Afrikanermarkt. Hier war buntes Leben auf einer riesigen Fläche, wo es alles Mögliche und Unmögliche zu kaufen gab. Sogar getrocknete Raupen gab es, mit denen man eine magere Suppe aufmotzen konnte. Ihgitt! Hier auf dem Afrikanermarkt wollten viele der Verkäufer von uns fotografiert werden und forderten uns immer wieder dazu auf.
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Die Fotos wollten sie dann zugesandt bekommen. Anscheinend ist es schon ein Problem hier, ein Foto von sich zu beschaffen. Wir streiften eine ganze Weile durch diese kunterbunte Marktwelt und fandes es herrlich, die vielen Leute zu beobachten. Hier waren wir für die Schwarzen die Exoten, und sie hatten an uns genau so viel Spaß.
Schließlich brachen wir wieder auf, um unseren Übernachtungsplatz zu suchen, der bei dem Städtchen Kafue lag. Kurz vorher ließ Conny bei einem großen Baum halten, unter dem einige Männer wunderschöne Schnitzereien anfertigten, u.a. auch riesengroße Giraffen bis 4 Meter Höhe, dabei aber extrem schmal gehalten wie eine Säule. Und dort standen in Reih und Glied die herrlichsten Holz-Hipos, die ich je sah. Eines sprang mich ganz besonders an, denn es bestand aus hellem und dunklem Holz. Die Maserung und Färbung war so perfekt, daß der Rücken und die Bauchseiten aus hellem Holz und das Maul und die Bauunterseite aus dunklem Holz bestanden. Das Viech war etwa 50 cm lang und wunderschön glatt gearbeitet. Es strahlte soviel Gemütlichkeit aus, daß es ich es auf den Arm nahm und nicht mehr hergab. Dieter erklärte mich angesichts des Gewichts und der Größe für verrückt, aber nachdem ich vor zwei Jahren aus Kapstadt ein 10 kg schweres Stein-Flußpferd nach Konstanz geschleppt hatte, würde mir das bei diesem Holzhippo sicher auch gelingen. Und ich schleppte das Riesentier mit, das ebenfalls 10 kg wog, wie sich später am Flughafen zeigte. Kartrin schlug vor, das Hippo "Lucy" zu nennen, weil wir es unweit von Lusaka erstanden hatten, und der Name gefiel mir auf Anhieb. Tagsüber schlief Lucy also in meiner Schlafkoje, nachts mußte sie entweder auf den Sitz im Bus oder im Gang des Busses zwischen den Taschen stehen. Sie hat auf diese Weise einige tausend Kilometer Afrika und etwa 10.000 Flugkilometer bis Frankfurt überstanden. Nur eine kleine Macke am Maul erinnert noch an die Strapazen!
Außer mir kaufte sich Conny auch noch so ein Riesentier, allerdings eine meterhohe Giraffe, die sie dann später als Handgepäck mit ins Flugzeug nahm und aufrecht neben ihren Sitz stellte.
Unser Übernachtungsplatz in Kafue gefiel uns prima. Schwanzwedelnd kam wieder so ein freundlicher schwarzer Hund auf uns zu und fühlte sich offensichtlich dazu berufen, uns ab sofort zu bewachen. Neben unserem Rotel wuchs ein großer Baum, der voller Webervogelnester hing. Die Vögel machten einen Heidenlärm, weil der Wind eine Menge Nester runtergeworfen hatte und sie wieder neue bauen mußten. Aber das gehört nun mal zu ihrem Webervogelleben.
Nach der Suppe marschierte die Gruppe fast geschlossen in die angrenzende Bar. Da wir das permanente Palaver und die immer gleichen Sprüche von Goethe & Co. heute Abend nicht hören wollten, blieben wir mit einer Flasche Rotwein unter unserem Baum sitzen und freuten uns über den prächtigen Sternenhimmel und die Ruhe. Der schwarze Hund war bei uns. Plötzlich sprang er wie von der Tarantel gestochen hoch und jagte eine Katze den Webervogelbaum hoch. Kläffend stand er am Stamm und wartete auf die Katze, die ihm kurz danach doch noch ungeschoren entwischte. Wir begaben uns kurz danach auch wieder in Morpheus Arme und schliefen angesichts der ungewohnten Kühle prächtig.
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Auf dem Weg nach Zimbabwe
Um 5.20 Uhr schien mir der Vollmond in die Koje und weckte mich. Der große schwarze Hund begrüßte mich schwanzwedelnd, und nach einem recht finsteren Frühstück fuhren wir bald wieder auf Piste Richtung Grenze. Die Landschaft war hier ziemlich eintönig und langweilig, aber es gab hier große Farmen mit originellen Namen wie z.B. Dallas-Farm. Viel Zuckerrohr, Reis und Mais wurde hier in großen Feldern angebaut, die Gegend ist dünn besiedelt, und es begegneten uns kaum Fahrzeuge. Wir durchfuhren die Städtchen Monze und Chobe und stellten wieder mal fest, daß die strohgedeckten Lehmhütten viel schöner aussehen als die Steinhäuser mit den Wellblechdächern. Rostiges Wellblech sieht noch schlimmer aus, und wenn die Häuser nicht gerade neu sind, machen sie leicht den Eindruck von Elendshütten.
Heute war ein mehr oder weniger reiner Fahrtag, und wir schrubbten Stunde um Stunde die vielen Kilometer. Das ließ sich leider nicht vermeiden, war aber oft reichlich mühsam, und wir bekamen dicke Füße, weil wir zuwenig Bewegung hatten. Conny informierte uns unterwegs über die verschiedenen Webervogelarten und ihre diffizilen Nester und dann gab sie uns das neue Reiseprogramm bekannt, denn wir hatten in Dar-Es-Salaam einen Tag eingespart und für den nicht geöffneten Kafue-Nationalpark in Sambia nochmals einen Tag. Diese beiden Tagen sollten also in Namibia angehängt werden. Conny wollte uns also tatsächlich in Twyfelfontein die berühmten Buschmann-Malereien zeigen und dann an der Küste zu der größten Robbenkolonie der Welt fahren, wo sich zeitweise über 100.000 Tiere befinden. So nebenbei würden wir auch noch nach Swakopmund kommen. Ich freute mich riesig auf dieses Zusatzprogramm, ganz besonders aber auf die Robben, die mir schon lange am Herzen lagen. Alle waren hocherfreut über diese Nachrichten, und unsere Stimmung war sowie so schon bestens, denn heute stand uns einer der absoluten Höhepunkte dieser Reise bevor: die berühmten Victoriafälle!
Mosi-o-tunya - "Der donnernde Rauch"
Die Fahrerei bis zum Sambesi war mühsam und schweißtreibend, die Luftfeuchtigkeit hoch. Aber dann plötzlich waren wir da und sahen schon von weitem die Gischtwolken der Wasserfälle. Wir stiegen aus und eilten zu der Gischt und dem Getöse des stürzenden Wassers hin. Und dann standen wir vor einer wahren Wand aus Wasser und Gischt und Regen. Der Sambesi stürzt donnernd und schäumend auf einer Breite von 1700 Metern in die Tiefe. Der höchste Fall ist 120 Meter tief, aber meist sah man nur Gischt. Es ist ein faszinierendes Schauspiel, den so ruhig dahinfließenden Sambesi plötzlich über die Felskante senkrecht in die Tiefe donnern zu sehen. Das fallende Wasser scheint einen mit in die Tiefe ziehen zu wollen. Es rauschte und regnete rings um uns herum. Wir liefen einen Pfad entlang zu einer Brücke. Von dieser schmalen Brücke hat man atemberaubende Ausblicke auf das tosende Wasser. Grelle Regenbogen spannen sich in der Tiefe über den Fluß. Die Farben sind so intensiv als hätte jemand einige Kübel phosphorisierende Farben hineingekippt. Die Sonne überstrahlte dies alles, und die Gischt ließ keine Faser am Leib trocken. Wir standen und staunten und fanden keine Worte für dieses grandiose Naturwunder.
Klatschnaß und tief beeindruckt stiegen wir wieder in unseren Bus und fuhren nur wenige Meter bis zu Grenze.
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Die Ausreise aus Sambia und die Einreise nach Zimbabwe ging wieder rasch und problemlos vor sich, und dann waren wir also auf der zimbabwischen Seite der Victoriafälle. Der Sambesi bildet hier die natürliche Grenze zwischen beiden Ländern.
Das Örtchen Victoria Falls ist nur klein, es stehen einige sehr gute Hotels hier, ein Museumsdorf mit vielen Läden ist dabei und ein Bahnhof, zu dem noch eine ganze Reihe uralter Dampflokomotiven fahren, die Dieter unbedingt sehen wollte. Das Städtchen hat nur wenige Straßenzüge und gibt nicht viel her, so daß wir uns nicht weit von unserem Campingplatz fortbewegten, der in unmittelbarer Nähe der Wasserfälle lag. Wir konnten ständig das Donnern und Rauschen der Fälle hören. Angesichts der schier unerträglichen Hitze und Luftfeuchtigkeit entschlossen Dieter und ich uns kurzerhand, hier ein Häuschen zu mieten für die nächsten beiden Nächte. So bekamen wir äußerst preiswert ein Holzhäuschen mit drei Zimmern und sechs Betten, mit Küche und Bad für uns allein. Was für ein Genuß! Das war nun also wirklich Urlaub, und als erstes legte ich mich in die mit kaltem Wasser gefüllte Badewanne. Es war herrlich, nach all der Schwitzerei und Fahrerei und den Mühen der vergangenen Wochen das Gefühl zu haben, die Füße und die Seele ein bißchen baumeln lassen zu können. Sauber und frisch eingekleidet fühlten wir uns sauwohl und unternehmungslustig.
Nach dem Abendessen ging fast die ganze Gruppe ins Museumsdorf, wo uns altafrikanische Tänze sehr schön vorgeführt wurden. Viele Tänzer aus etlichen Stämmen des Landes Zimbambwe tanzten in sehr originellen Masken und Kostümen und teilweise nur mit Fell bekleidet. Uns wurde die Bedeutung der jeweiligen Tänze erklärt, und wir hatten den Eindruck, daß die Tänzer noch echte Freude am Tanzen hatten und nicht mit abgestumpften Gesichtern gelangweilt herumhopsten, wie das häufig der Fall ist, wenn es zuviele Touristen gibt. Bei einigen Tänzern hatte ich den Eindruck, daß sie bald in Trance fallen würden, wenn sie so weitermachten. Besonders ein ganz dunkler, ziemlich kleiner Mann sah sehr wild aus und schrie auch so, daß einem unheimlich wurde. Hier war noch einiges vom ursprünglichen Afrika zu spüren.
Nach den Tänzen tranken wir Unmengen, um unseren Flüssigkeitshaushalt wieder auszugleichen. Die Gruppe verzog sich nach und nach in die Kojen, und wir genossen den Luxus, ein ganzes Haus für uns allein zu haben, weit weg vom Bus. Die Sterne am Himmel und das Rauschen und Donnern der Wasserfälle begleiteten uns.
Wir hatten erwartungsgemäß prima geschlafen und waren voller Tatendrang. Schon vor dem Frühstück spazierten wir zum Bahnhof, um eventuell so eine tolle alte Dampflok zu entdecken. Es war aber leider keine in Sicht.
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Dann liefen wir ein Stückchen weiter zum berühmten und altehrwürdigen Victora-Falls-Hotel, das 1904 erbaut wurde. Von der Terrasse dieses wunderschönen Hotels aus sieht man die Gischt der Wasserfälle über die ganze Breite. Dort wollten wir später zu Mittag essen.
Dieter wollte mit dem Flugzeug über die Fälle fliegen, aber nachdem die Preise für diesen Flug sehr in die Höhe geschnellt waren, fanden sich nicht genug Leute, um ein Flugzeug zu füllen. Ich wollte freiwillig nicht mit, weil mir erfahrungsgemäß doch wieder übel würde. Ich vertrage die Fliegerei in den kleinen Kisten einfach nicht. Dieter und Fritz waren die einzigen aus unserer Gruppe, die fliegen wollten, und die beiden hätten stundenlang am Flughafen warten müssen, bis sich vielleicht noch weitere Flugwillige gefunden hatten. Dafür war aber die Zeit zu schade, und so verzichteten die beiden. Statt dessen holten wir bei Conny eine Menge Zimbabwe-Dollars, denn ich hatte am Vorabend in einem Schaufenster wunderschönen afrikanischen Schmuck entdeckt. Den wollte ich mir unbedingt genauer ansehen. Nachdem wir etliche andere Geschäfte durchstöbert und das eine oder andere erstanden hatten, kamen wir schließlich zu diesem ziemlich exklusiven Laden. Hier fanden wir traumhaft schönen altafrikanischen Schmuck bzw. nach alten Vorlagen angefertigter Schmuck, vor allem Ketten. Die Preise waren allerdings enorm hoch. Es gibt in Konstanz eine kleine Galerie, die genau diese Ketten zu ähnlichen Preisen verkauft. Nach einigem Probieren entschied ich mich schließlich für eine Halskette aus Büffelhornplatten, die in Silber gefaßt sind. In die beiden größten Platten in der Mitte sind Elefanten eingeschnitzt. Auf brauner Haut sieht die Kette toll aus, und ich freute mich über das schöne Stück.
Nach unserem "Kaufrausch" zogen wir uns dünne und unempfindliche Sachen an und marschierten nun endlich zu den Wasserfällen. Meine Kamera ließ ich gleich in der Hütte zurück, denn ich wollte unbeschwert genießen. Außerdem fürchtete ich, daß die Nässe in die Kamera dringen könnte, wie das vielen schon passiert ist. Und die verbleibenden Reisetage wollte ich auch noch fotografieren. Dieter packte seinen Apparat in eine Plastiktüte und so zogen wir bei großer Hitze los. Wir waren fast alleine, kaum ein Mensch begegnete uns auf diesem mehrere Kilometer langen Spaziergang entlang der Wasserfälle durch tropischen Urwald. Das Gedonner des stürzenden Sambesis und die immer neuen Ausblicke auf die Fälle beeindruckten uns gewaltig. Der Sambesi stürzt in eine 1700 Meter lange Felsspalte, die senkrecht in die Tiefe abfällt. So kann man am Rand der gegenüberliegenden Felswand entlanglaufen und ist fast mitten im Geschehen. Manchmal war die Gischt so stark wie ein kräftiger Sommerregen, und nach kurzer Zeit waren wir wieder klatschnaß. Ewig nasse Palmen mit tropfenden Wedeln wuchsen hier, und dicke Lianen schlangen sich um große Bäume. Glitzerndnasse Gräser wiegten sich unter der Dauerberieselung und zarte gelbe Lilien bogen sich unter der Wasserlast. Knallig gefärbte Regenbogen lagen über dem Wasser des Sambesis in der Tiefe, und wir kamen uns wie verzaubert vor in einem Wunderland. Was für eine schier unwirkliche Welt war das hier! Seit ewigen Zeiten stürzt hier das Wasser in die Schlucht hinunter, egal, was in der Welt draußen auch passiert. Hier ist die Zeit immer gleich, und Tag und Nacht ununterbrochen donnert das Wasser in die Tiefe. Wie muß Livingstone beeindruckt gewesen sein, als er die Fälle vor über 100 Jahren entdeckte, als hier noch alles Wildnis war.
Aber auch wir waren zutiefst beeindruckt und glücklich und dankbar, daß wir dieses Naturschauspiel sehen durften. Es ist den wenigsten Menschen auf der Welt vergönnt, sich in einen Flieger zu setzen und an jeden beliebigen Ort auf unserem Globus zu düsen. Und wir waren uns dessen wohl bewußt.
Schließlich kehrten wir naß in unsere Hütte zurück, und nachdem wir uns trockene und geziemende Kleidung angezogen hatten, machten wir uns auf ins konservativ-ehrwürdige Victoria-Falls-Hotel.
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Hier genossen wir auf der luftigen Terrasse ein erstklassiges Büffet und hörten dazu Marima-Musik, die eine Gruppe von Musikern am hellichten Tag für uns spielte. Vor unseren Augen stieg die ewige Gischt der Victoriafälle in den Himmel, und wir waren satt und zufrieden und sehr glücklich.
Entwichene Loks und Warzenschweine zum Frühstück
Während Dieter nach dem Essen auf die Suche nach Dampfloks ging, kaufte ich im nahegelegenen Supermarkt Getränke für die nächsten Tage ein. Dann folgte wieder ein kühlendes Bad in der Wanne, und ich gönnte meiner sonnengeschundenen Haut intensive Pflege. Leider war es aber derart feuchtheiß, daß man bloß noch mit Handtüchern rumlaufen konnte, weil man ständig den rinnenden Schweiß von Gesicht und Armen wischen mußte.
Dieter kam schließlich unverrichter Dinge zurück. Die vom Stationsvorsteher angekündigte Dampflok war gerade weggefahren, bevor er kam. Was für ein Pech! So saßen wir in unserem "Wohnzimmer" und versuchten, trotz der rinnenden Schweißbäche einige Karten an Freunde und Verwandte zu schreiben. Wenn man’s nicht erlebt kann, kann man sich das kaum vorstellen. Nach jeder geschriebenen Karte mußte erst wieder das Handtuch zum abwischen herhalten. Aber wir lachten darüber, denn im Zweifelsfall waren uns Sonne und Schweiß lieber als grimmige Kälte und feuchter Nebel zu Hause.
Um 16.00 Uhr fuhren wir mit fast der gesamten Gruppe in einem Minibus zum Sambesi-Ufer, wo uns bereits ein kleines Boot erwartete. Wir wollten den Sonnenuntergang auf dem Sambesi erleben. Leider waren auch die Ewigredner mit an Bord, und nachdem es Sekt und Bier und Häppchen gab, wurden die Stimmen immer lauter und durchdringender und das Gelächter immer alkoholisierter. Ich war stinksauer und entsetzt über soviel Dekadenz und Gefühllosigkeit. Wie schön wäre diese Bootsfahrt auf dem Sambesi gewesen, wenn dieses impertinent laute Gequatsche nicht gewesen wäre. Wenigstens 10 Minuten Ruhe hatte ich mir gewünscht, es war nicht möglich. Die Sonne ging trotz Palaver und Geschwätz unter, und da sie nicht spektakulär rotgolden am Horizont versank, wurden Rotfilter zu Hilfe genommen, die den Lieben daheim dann einen Wahnsinns-Sonnenuntergang vorgaukeln. Mir hat die ganze Angelegenheit mordsmässig gestunken.
Johlend und übermütig stieg die Bande wieder in den Minibus, der uns nach Victoria Falls zurückbringen sollte. Unterwegs sahen wir dann etliche Antilopen im Busch und sogar eine große Warzenschweinfamilie, die merkwürdigerweise überhaupt nicht scheu war und sich aus 10 Metern Entfernung filmen und fotografieren ließ. Unser Starfotograf hat bestimmt Super-Warzenschweinaufnahmen im Kasten. Später liefen dann noch jede Menge Warzenschweine über unseren Campingplatz. Sie haben jede Angst und bestimmt auch jeden Respekt vor den Zweibeinern verloren.
Die Rotelsuppe ließen Dieter und ich heute abend aus, denn die Erinnerung an das Mittagessen war zu stark. Plötzlich hörten wir im Dunkeln das Pfeifen einer Dampflokomotive, und wie elektrisiert sausten wir los in der Hoffnung, doch noch so ein Ungetüm zu Gesicht zu bekommen. Und wir bekamen eines zu sehen. Eine riesige, schwarze, fauchende, alte Garrett-Lok ließ den Boden erbeben, als sie zum Greifen nahe an uns vorbeifuhr. Wir liefen ein Stück hinterher, dann fuhr das Ungetüm zum Rangieren nochmal fauchend und zischend an uns vorbei und entschwand dann zu unserem Leidwesen im Dunkel der Nacht auf Nimmerwiedersehen. Dieter war schier untröstlich darüber, daß es zum Fotografieren einfach zu finster war und daß er dieses Urviech von Lokomotive nun nicht auf dem Foto hatte. Es war nun mal nicht zu ändern, und wir waren froh, daß wir die Lok wenigstens hatten fahren sehen. Das war wirklich ein bodenerschütterndes Erlebnis.
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Wir betrachten wir den wunderschönen Sternenhimmel auf dem Weg zu unserer Hütte und legen uns dann hundemüde in die breiten Betten in dem Bewußtsein, daß uns "Goethe" hier nicht um 3.00 Uhr mit Holzclogs aus dem Schlaf reißen würde.
Zum Frühstück gab es dann Meerkatzen und Warzenschweine in der Nachbarschaft. Die Sonne war auch schon wieder sehr munter, und bald fuhren wir wieder mit unserem so vertrauten Rotelbus fort von diesem herrlichen Victoria Falls, wo es uns so gut gefallen hat, daß wir nur zu gerne noch ein bißchen geblieben wären. Die Menschen hier waren so dezent und freundlich, das Leben für uns ausgesprochen preiswert, und die Gegend so interessant, daß wir noch vieles länger und öfter angesehen hätten. Wer weiß, vielleicht kommen wir ja noch einmal wieder.
Alle waren begeistert und erzählten. Willi mit 79 Jahren der älteste unserer Gruppe und mit 31 Rotelreisen auch der Reiseälteste, berichtete, daß er bei seinem Spaziergang zu den Victoriafällen sogar eine Zibetkatzen-Familie in Ruhe beobachten konnte.
Die Ausreise aus Zimbabwe erfolgte ebenso unkompliziert und rasch wie die Einreise nach Botswana. Wir mßten hier allerdings jeder einzeln über einen Seuchenteppich laufen, einen dreckigen Lappen, der mit flüssigen Insektiziden getränkt war, denn man hat in Botswana Angst, daß wir die Maul- und Klauenseuche einschleppen könnten. Und in Botswana werden viele Rinder für den Export gezogen. Wir fuhren nun durch flache und feuchte Landschaft, sahen den ersten großen Kudu, eine wunderschöne Antilopenart, und dann plötzlich querte ein riesengroßer Elefantenbulle unsere Piste. Wir hatten eine etwas andere Fahrtroute gewählt und befanden uns daher im Chobe-Nationalpark, durch den die normale Straße führt durch den so vertrauten, schier endlosen, afrikanischen Busch.
Botswana ist übrigens so groß wie Frankreich, hat aber nur 1 Mio Einwohner. Die Kalahari-Wüste macht 70 % des Landes aus.
Malaria - Rotel in Not
Nach einiger Zeit führte die Straße wieder aus dem Park heraus. Hier waren große Sumpfgebiete, die durch den Chobe-Flug entstanden sind. Bald war unsere Transitfahrt durch Botswana zu Ende. Die Grenzformalitäten gingen auch wieder reibungslos über die Bühne, und dann fuhren wir auf Piste, diesmal in Namibia, auf das ich mich schon so freute, weil ich es von meiner ersten Reise dorthin vor drei Jahren noch in bester Erinnerung hatte. Damals begann die Reise in Windhoek und führte südwärts nach Südafrika. Nun also betraten wir es vom äussersten östlichen Caprivizipfel her, diesem merkwürdigen, 400 Kilometer langen und 50 km breiten Landkorridor, der an sich zu Botswana gehört.
Die Landschaft wurde immer trockener. Silberblättrige Bäume und viel Busch säumten unseren Weg. Dann sahen wir nach langer Zeit wieder mal ein paar strohgedeckte Hütten. Wir hatten schon das Gefühl, am Ende der besiedelten Welt zu fahren, so einsam und unbewohnt war das Gebiet lange Zeit. Die Hütten hier sind größer als bisher und fast immer von einer zusätzlichen Strohmattenwand umzäunt.
Wir wunderten uns darüber, daß Hartmut heute einen Hut mit Nackenschutz trug, das tat er sonst nie. Aber bald hatten wir die Erklärung dafür, denn Conny teilte uns mit, daß es ihm "saudreckig" ging und daß er kaum noch fahren konnte. Sie fürchtete, daß er Malaria hatte. Wir waren sehr betroffen und ratlos. Was konnte man da tun? Würde Hartmut bis zum nächsten Krankenhaus durchhalten können? Wir merkten, wie schwer ihm die Fahrerei auf der Piste fiel, aber er schaffte es doch noch bis Katima Mulilo, diesem gottverlassenen Nest am Ende der Welt, das wir bestimmt nicht mehr vergessen werden nach dem, was uns hier alles widerfuhr.
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Gleich nach unserer Ankunft auf dem Campingplatz am Ufer des Sambesi fuhr Conny mit Hartmut in einem Taxi in den 4 Kilometer entfernten Ort ins Krankenhaus. Wir sorgten uns gewaltig und sahen schon kommen, daß wir womöglich tagelang hier herumhocken mußten, bis Abhilfe kam. Nach einiger Zeit kam Conny alleine zurück und machte eine sehr sorgenvolle Miene: Hartmut hatte seinen vierten Anfall von malaria tropica, dieser bösartigsten Form von Malaria. Er hing am Chinin-Tropf und würde den Bus nicht weiterfahren können. Mein Gott, was nun?
Conny kündigte uns gleich an, daß unser Zusatzprogramm nun wohl gestrichen wäre und daß sie mit Gott und der Welt telefonieren würde, um irgendwo und irgendwie einen Fahrer für unser Rotel ausfindig zu machen, damit wir wenigstens zum Flughafen nach Windhoek kamen. Wir waren alle deprimiert und traurig und wußten nichts mit uns anzufangen. Hier auf diesem Campingplatz mit der angrenzenden Camp-Anlage war nicht viel zu machen, aber es gab wenigstens ein Restaurant und eine Bar und auf einem schwimmenden Ponton sogar eine kleine Wasserbar. Hier unten zog ein belebendes Lüftchen durch, und Dieter und ich verzogen uns zu einem Mittagsschläfchen hierher. Der Sambesi plätscherte unter uns, und am anderen Ufer lag Sambia. Hier standen am Ufer Schilder, die davor warnten, ins Wasser zu gehen: Krokodile! Auch das noch! Wir stellten die wildesten Vermutungen an, ob und wie die Reise nun wohl weitergehen würde. Ich vermutete, daß man einen einheimischen Bus chartern und uns nach Windhoek in irgendein Hotel verfrachten würde bis zu unserem Abflug in einer Woche. Es kam aber alles ganz anders.
Conny hat da wirklich eine organisatorische Meisterleitung vorllbracht und wahrlich den Rotelorden verdient für ihren Einsatz. Eine gehörige Portion Glück war auch dabei. Auf jeden Fall hatten wir am Abend dieses Tages gleich zwei tüchtige Fahrer. Zwei Südwester mit ihren Familien (so werden die deutschstämmigen Bewohner Namibias genannt) waren hier oben in Katima Mulilo zum ausspannen und erholen für ein paar Tage. Sie waren gerade im Begriff, sich in ihre Autos zu setzen, um wieder nach Hause zu fahren, als Conny’s Anruf sie erreichte. Spontan waren sie bereit, uns aus der Klemme zu helfen und wenigstens die nächsten zwei Tage den Bus zu fahren. Es war ein glücklicher Umstand, daß der eine, der Heinz hieß, eine Mercedes-LKW-Werkstatt im 500 km entfernten Rundu hatte und daher nicht nur fahren konnte, sondern auch noch mit unserem Bus halbwegs vertraut war, denn verschiedene Rotels hatten schon seine Werkstatt aufsuchen müssen. Der zweite Südwester, Justus hieß er, hatte eine große Farm weiter südlich bei Grootfontein. Die beiden Männer und ihre Familien waren befreundet. Und während die Frauen die Heimreise antraten, halfen uns die beiden Männer aus der Patsche. Aber er stand uns noch ein Erlebnis schauerlicher Art bevor.
Die Nacht von Katimo Mulilo
Nachdem nun also feststand, daß unsere Reise erst einmal weitergehen konnte, gingen wir sehr erleichtert an die luftige Sambesi-Bar und debattierten und erörterten das ganze Für nd Wider und die Gefahr von Malaria und wie ernsthaft man seine Tabletten nehmen sollte usw. Hartmut hatte durch die vielen Tabletten bereits so schwere Leberschäden, daß er keine Malaria-Prophylaxe mehr genommen hatte. Dadurch traf ihn der Anfall besonders schwer. Man kann sich mit den Malaria-Mitteln zwar nicht 100 %ig schützen, aber doch die Anfälle abschwächen. Die Nebenwirkungen dieser Medikamente sind allerdings übel, und wer auf Dauer in Malariagebiet reist und diese Mittel nimmt, kriegt mit größter Wahrscheinlichkeit über kurz oder lang massive Leberschäden.
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Nun mußte Conny also auch noch kochen, und sie konnte auch das. Sie war ziemlich resolut und manchmal reichlich kurz angebunden, aber angesichts der momentanen Situation hatten wir vollstes Verständnis. Dieter und ich genehmigten uns später noch einen Schluck Rotwein, um die nötige Bettschwere zu kriegen, denn in der Nähe befand sich eine Disco, und heute war Freitag. Lautstark schallte die Musik zu unserem Rotel hinüber, dazu kamen die Stimmen von 1000 und mehr Fröschen, die am Sambesi hockten und quakten, und heiß war es ausserdem, so daß es fast ein Kunststück war, überhaupt einzuschlafen. Irgendwann nach Mitternacht jedoch schlief und schnarchte die ganze Gruppe, als plötzlich die Hölle losbrach. Mit tierischem Geschrei und Gepolter stürmte anscheinend ein ganzes Dutzend Schwarze unseren Schlafgang und trachtete uns nach Geld oder Leben. Es war ein ungeheurer Tumult, und ehe wir noch begriffen hatten, was überhaupt passiert war, war der ganze wilde Spuk auch schon fast vorbei. Wir hörten laute Männerstimmen und wildes Gerufe vor dem Bus, und es war ein Mordsdurcheinander. Alle kamen schlaftrunken und schreckensbleich aus ihren Kojen, und außer Conny und mir hatte keiner die Kerle überhaupt gesehen, die uns überfallen hatten. Ich hatte das haarsträubende Wahnsinnsgeschrei gehört und war in meiner Koje hochgeschossen. Da sah ich den ersten schwarzen Wollkopf direkt vor mir. Ich bekam panische Angst und dachte, daß wir jetzt alle niedergemetzelt würden. Das Geschrei war wie ein Anfeuern zum Angriff, und wir alle waren bis ins Mark erstarrt. Katrin, die unter mir schlief, kam zitternd aus ihrer Koje und hatte Panik.
Vor dem Bus standen jetzt fast alle Männer und redeten und versuchten, sich über den Hergang der Sache Klarheit zu verschaffen. Und dann stellte sich folgender Sachverhalt heraus: Conny schlief fast immer in ihrem eigenen kleinen Zelt, das sie in der Nähe des Busses aufbaute. So auch in dieser Nacht. Da sie wegen des Disco-Lärms nicht sehr tief geschlafen hatte, hörte sie leise Fußtritte auf dem Rasen und wurde schnell hellwach. Dann sah sie, daß ihre Schuhe, die sie vor dem Zelt abgestellt hatte, bereits verschwunden waren. Sie kam leise aus dem Zelt heraus und sah, wie ein Schwarzer die Treppe zu unserem Schlafabteil hochging, dann hatte er auch schon ganz ruhig die erste Tasche gepackt. Inzwischen war Conny hinter ihm hergeschlichen und packte ihn mutig am Bein, während sie gleichzeitig in den Bus hineinrief, daß wir überfallen würden und endlich aufwachen sollten. Daraufhin ging alles in Bruchteilen von Sekunden. Dieter, der gleich vorne in der zweiten Koje schlief, hatte wohl mehr im Unterbewußtsein mitbekommen, daß Gefahr im Verzuge war. Und ohne zu wissen, was eigentlich los war und ohne etwas zu sehen, hatte er alleine dieses Wahnsinnsgeschrei von sich gegeben, von dem wir alle dachten, daß es mindestens 2 oder 3 wildgewordene Einheimische waren. Ich hätte nie für möglich gehalten, daß ein einzelner Mensch ein derartiges Geschrei von sich geben kann. Der einsame Dieb war bestimmt nicht weniger erschrocken und geschockt als der ganze Bus und hatte Tasche und Schuhe fallenlassen und war in Windeseile über den Rasen zum Ufer gespurtet, bevor ihn die wütenden Männer unserer Gruppe erreichen konnten. Mit dem Einbaum paddelte er in affenartiger Geschwindigkeit auf dem dunklen Fluß wieder auf die sambische Seite, ohne daß ihn die geworfenen Steine trafen. Die beiden großen Schäferhunde, die schon am Nachmittag vor unserem Rotel lagen, schliefen immer noch seelenruhig und dachten gar nicht daran, hier Wache zu schieben und Diebe zu fassen.
Bei uns war alles in Aufruhr, und wir stellten für den Rest der Nacht abwechselnd Wachen auf. Der Rest der Gruppe hatte mit Albträumen und unruhigem Schlaf zu kämpfen, denn nichts ist schlimmer, als im Tiefschlaf so hinterhältig überfallen zu werden. Wir trauten dem Frieden nun nicht mehr, und in der Tat kamen die Diebe (einer hatte im Einbaum im Schilf auf den anderen gewartet) morgens gegen 3.30 Uhr nochmal wieder. Inzwischen war aber der Besitzer des Camps aufmerksam geworden und setzte ihnen mit seinem Motorboot nach. Als er sie fast erwischt hatte, sprangen sie ins dunkle Wasser und schwammen ans sambische Ufer.
Die ganze Nacht hörten wir Trommeln vom anderen Ufer, und uns steckte der Schrecken noch beim Frühstück in den Knochen. Wir konnten aber auch schon wieder lachen. Tage danach sprachen wir immer noch von diesem Ereignis. Den Schrei werde ich wohl so bald nicht vergessen.
Conny tat uns schon ein bißchen leid. Das war nun ihre vierte Tour, auf der etwas schiefging. Erst der kaputte Bus im Amboseli, nun ein kranker Fahrer, der ganz ausfiel. Aber sie wirkte ganz zuversichtlich, und tatsächlich fuhren Justus und Heinz wie versprochen pünktlich mit ihrem Landrover vor, auf dem Ticky hocherhobenen Hauptes saß. Ticky war ein netter Terrier, der Justus gehörte und der die ganze Fahrt im Landrover saß, der hinter unserem Rotel herfuhr. Justus fuhr den Bus bis zum ersten Mittag, dann wurde er von Heinz abgelöst. Zuerst fuhren wir aber noch beim Krankenhaus vorbei, und dann kam Hartmut mit fahrbarem Tropf zu uns raus. Er sah blaß und mitgenommen aus, grinste uns aber schon wieder zu, als wir winkend und hupend diese unselige Katima Mulilo verließen.
Unterwegs am Okavango
So langsam verließen wir den Sambesi, der nach dem Nil und dem Kongo der drittgrößte Strom Afrikas ist und sieben Anrainerstaaten hat. Heute hatten wir eine lange Strecke vor uns, denn unser Ziel war die Kaisosi Safari Lodge im 530 km entfernten Rundu. Durch trockenes Buschland ging die Fahrt parallel zur Grenze von Angola und immer am Okavango entlang. Dieser Fluß hat für mich seit Jahren einen unerklärlichen Reiz, und nun, als ich ihn tatsächlich vor Augen habe, weiß nicht so recht, was mich daran fasziniert. Ich muß wohl doch erst sein Delta kennenlernen, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.
Hier hat es längere Zeit nicht geregnet, dabei wäre nun an sich Regenzeit. In Namibia und auch in Südafrika wird wegen der ungewohnten Trockenheit eine Jahrhundert-Dürrekatastrophe befürchtet, und wir hörten später immer wieder die sorgenvollen Farmer, deren Maisfelder nur noch als Viehfutter taugten. Auch Justus war davon betroffen. Er rechnete damit, daß bald das Wasser rationiert würde. Dabei sollte der Caprivi-Zipfel, durch den wir immer noch fuhren, eigentlich die Kornkammer Namibias sein.
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Wir fuhren über unwahrscheinlich staubige Piste und hinterließen gigantische Staubwolken hinter unserem Riesenbus. Wenn uns eines der seltenen Fahrzeuge entgegenkam, fuhren auch wir eine Weile ins Blinde, weil der Staub viel dichter als Nebel war. Unterwegs machten wir hin und wieder unsere Buschpausen (Damen links, Herren rechts), Conny verteilte kühle Getränke und Goethe gab wieder "kluge" Kommentare dazu. Er laberte Conny die Ohren voll und schließlich sagte er zu ihr: "Ich bewundere Dich, wie Du den ganzen Mist verdauen kannst, den ich an Dich ranschwätze!" Klar, daß Conny da bloß noch lauthals lachen konnte. Wenn jemand weiß, daß er "Mist" redet, ist das ja auch schon was wert. Mit solchen Bemerkungen nahm Goethe uns immer wieder den Wind aus den Segeln, wenn er uns nervte.
Schließlich fand unsere Mittagspause direkt am Ufer des Okavango statt. Ins Wasser durften wir wegen der Krokodile nicht, aber es war wenigstens ein sehr schöner Anblick. Heute gab es bei Dieter und mir ausnahmsweise mal Corned Beef mit Brot anstatt Brot mit Corned Beef! Also zu Hause werde ich dieses Zeug nicht mehr anrühren, das gibt es erst wieder auf der nächsten Rotel-Reise, und wann die sein wird, steht noch in den Strernen!
Nun fuhren wir inzwischen durch das Land der Kavango, so heißt der Volksstamm, der hier lebt. Hier sahen wir auch große landwirtschaftliche Versuchsfarmen, die mit Okavango-Wasser versorgt wurden. Zur Zeit flog ein kleines Flugzeug über das Land. Darin saß der Premierminister von Namibia, der seit Tagen versucht, sich ein Bild von der anstehenden Dürre zu machen, damit man geeignete Gegenmaßnahmen treffen kann, bevor es zu spät ist und eine Hungersnot eintritt.
In einem Dorf hielten wir an, um eine Freiluft-Bierbar der Einheimischen zu besuchen. Es war Samstag, und die Leute hatten ihr eigenes Bier gebraut, was ziemlich übel sein soll, wie uns die beiden Südwester sagten. Sicher vierzig oder fünfzig Dorfbewohner vom Baby bis zum Greis saßen und standen unter einem großen Baum und jeder hatte ein Trinkgefäß mit Bier in der Hand. Ganz offensichtlich hatten sie schon ordentlich gebechert, denn sie alberten und kicherten. Eine wunderschöne junge Frau in einem weißen Kleid und mit Baby auf dem Arm fiel mir auf. Schöne Frauen sind in Afrika genau so selten zu finden wie bei uns.
Gluthitze
Für uns wurde die Hitze schier unerträglich, und selbst Justus und Heinz sagten, daß sie sich nicht erinnern können, daß es um diese Zeit schon einmal derart heiß war. Im Bus war es mit 38 direkt angenehm kühl gegenüber der Gluthitze draußen, die auch noch von der heißen Sandpiste reflektiert wurde, daß einem die Augen brannten.
An einem schönen Aussichtspunkt sahen wir nochmal auf den Okavango und seine Sümpfe. Der Fluß war schon an vielen Stellen über die Ufer getreten, denn in Angola auf der anderen Seite des Flusses, hatte es schwer geregnet. Diese Wassermassen ziehen nach den Regenfällen Jahr für Jahr den Fluß hinab bis ins berühmte Okavango-Delta, um letztlich in den unendlichen Weiten der sandigen Kalahari in einem gigantischen Delta zu versickern.
Nach anstrengender Fahrt kamen wir verschwitzt und verstaubt und müde in der Kaisosi-Safari-Lodge an, die einige Kilometer vor der Stadt Rundu liegt. Die beiden Fahrer luden uns sofort zu einem Faßbier ins Restaurant ein, noch bevor wir den Schlafteil aufbauten. Und dieses Restaurant war ganz toll direkt an das Ufer des Okavango gebaut. Fenster gab es keine bzw. es waren wegen der Hitze keine Glasscheiben eingesetzt. So hatten wir freie Sicht auf den Fluß. Gegenüber lag also Angola, und wir sahen mit Entsetzen, wie etliche Schwarze mit Einbäumen hin- und herfuhren. Blühte uns hier etwa wieder eine Nacht wie in Katima Mulilo? Davon hatten wir die Nase voll und beschlossen, unsere gesamten Taschen in den vorderen Teil des Busses einzuschließen. Ansonsten aber war der Fluß mit den Einbäumen und dem Schilf sehr malerisch und friedlich. Und nachdem Dieter und ich zu späterer Stunde ein feines Steak verdrückt hatten, ging es uns wieder prima.
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Nur die verdammte Hitze und die Moskitos wollten nicht weichen, und selbst abends um 22.00 Uhr waren es immer noch 33. Wie soll man da schlafen können? Es wurde eine gräßliche Nacht, denn wir wälzten uns im eigenen Saft. Und draußen war es keinen Deut besser. Man konnte hier nur die Flucht ergreifen und weiterfahren. Und genau das taten wir dann am folgenden Tag auch schon in aller Frühe.
Um 6.00 Uhr tranken wir unseren Kaffee im Dunkeln, dann ging es los. Heute fuhr uns Justus alleine, denn Heinz mußte in seine Werkstatt zurück. Wir wollten bis Tsumeb fahren und dort sollte der neue Rotelfahrer auf uns warten, den Conny aufgestöbert hatte. Wir hatten ja wieder ein Wahnsinnsglück gehabt, und auch der Zufall hatte seine Hand im Spiel. Sepp, unser neuer Fahrer, hatte gerade in Johannesburg eine Südafrikareise beendet (übrigens mit Erwin als Reiseleiter, mit dem ich mein erstes Buch "Fernweh" geschrieben habe - seltsamer Zufall) und wollte seinen wohlverdienten Heimaturlaub antreten, als ihn in letzter Minute Conny’s Hilfeschrei erreichte. Und anstatt ins kalte Deutschland zu fliegen, nahm er das erste erreichbare Flugzeug von Johannesburg nach Windhoek. Von dort aus fuhr ihn ein hilfsbereiter Mensch mit dem Auto die 1000 Kilometer hoch bis ins entfernte Tsumeb, wo er auf der Terrasse des Minen-Hotels bereits auf uns wartete, um den Bus zu übernehmen und die Reise plangemäß zu Ende zu führen.
Aber noch waren wir nicht da, sondern fuhren durch ausgedehntes Farmland mit viel dornigem Busch. Dieses dornige Land ist für die Farmer nutzlos, weil kein Tier und keine Maschine hindurch kommt. Kein Wunder, daß die Farmen riesige Ausmaße haben müssen, um ein paar Tiere und damit die Farmer zu ernähren. Dabei geht es hier oben im Norden des Landes ja noch, weil es im Vergleich zum Süden noch relativ fruchtbar ist. Hier oben haben die Farmen durchschnittlich ca. 5.000 Hektar Größe, im Süden braucht man für den gleichen Ertrag schon 15- bis 20.000 Hektar.
In Grootfontein drehten wir eine kleine Runde und besuchten das alte Fort, das die Deutschen gegen die aufständischen Hereros gebaut hatten. Von den 80.000 Hereros (Volksstamm), die die Soldaten 1904 in die Wüste Botswanas jagten, blieben nur 15.000 am Leben... Aber auf dem kleinen Friedhof liegt kein einziger Herero, sondern nur Deutsche. Und nun, nach der Unabhängigkeit Namibias, kehren die Hereros zurück und verlangen Entschädigung. Das kann Justus nicht verstehen. Er ist ein knallharter Südwester, und seine Meinung über die schwarze Bevölkerung kann ich hier nicht widergeben.
Auch in Grootfontein gibt es immer noch eine Kaiser-Wilhelm-Strasse, und es war immer wieder ein seltsames Gefühl, hier auf diesem so fernen Kontinent auf soviel Deutsches zu stoßen. Gefallen hat mir das nicht, weil zuviel Negatives daran hängt.
Von hier aus fahren wir zum Hoba-Meteoriten, dem größen bekannten Meteoriten der Welt, der ca. 50 Tonnen wiegt und vor ca. 80.000 Jahren vom Himmel gestürzt sein soll. Er besteht zu 82,4 % aus Eisen, enthält aber auch Nickel und Kobalt. Mich konnte dieser häßliche Klotz nicht begeistern, aber es gibt sicher Leute, die auch dieses Tei bewundern.
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Die Landschaft wurde zusehends karger und weitläufiger. Ab und zu verlief eine Hügelkette rechts oder links der Straße. Schließlich kamen wir zur Mittagszeit in Tsumeb an, einem kleinen Städtchen, dessen deutsches Erbe unverkennbar ist. Alles blitzte nur so vor Sauberkeit. Hier gibt es eine große Mine und kaum irgendwo auf der Welt werden derart viele und verschiedene Mineralien gefunden und abgebaut wie hier. So kehrten wir also im Minen-Hotel ein und speisten auf der Terrasse. Hier wartete schon unser neuer Fahrer Sepp auf uns. Zum Abschied sangen Justus und zwei weitere Südwester für uns das Südwesterlied, das ja an sich die Nationalhymne der Südwester ist. Dann ging es in flotter Fahrt Richtung Etosha-Pfanne, wo wir heute übernachten wollten. Auf dem Weg dorthin halten wir noch am Otjikoto-See, der durch den Einbruch einer riesigen Dolomithöhle entstand und 32 - 100 Meter tief ist. Die Waffen und Munition, die die Deutschen 1915 gegen Ende des südwestafrikanischen Feldzuges in diesem See versenkten, wurden in der Zwischenzeit geborgen. Conny las uns wieder einiges vor, diesmal aus der Kolonialgeschichte Namibias und der Deutschen, und das war nicht gerade ein glorreiches Kapitel. Nirgends auf der Welt sind die Einheimischen nach Ende einer Kolonialzeit glücklicher als zuvor zurückgeblieben, aber darum ging es ja auch niemandem.
Etosha
Sepp ließ den Bus laufen, und da wir wieder eine Teerstraße hatten, ging es flott voran. So kamen wir schon gegen 15.00 Uhr am Eingang des Etosha-Nationalparks an und entdeckten auch gleich etliche Tiere. Auf dem Weg zum ersten Wasserloch sahen wir viele Springböcke und Impala-Antilopen und Gnus mit ganz jungen Kälbern. Der Boden war hier steinig und karg und äußerst trocken. Wir wunderten uns wieder einmal, wovon die Tiere alle satt wurden, denn hier wuchs so gut wie nichts Freßbares.
Unser Bus wurde in Fort Namutoni aufgebaut, und nachdem wir unsere Suppe gelöffelt hatten, stiegen wir auf den Turm des Forts und hatten einen wunderbaren Weitblick in die ganze riesige Etosha-Pfanne und den Park. Wir sahen einen herrlichen Sonnenuntergang und anschließend noch viel schönere Wolkenformationen. Erst als nichts mehr zu sehen war, gingen wir weg.
Hier in Fort Namutoni war an diesem Tag auch ein Männerchor aus Bonn-Mehlem in Begleitung ihrer Frauen, d.h. es waren insgesamt 93 fidele Rheinländer auf Tournee durch Namibia, und das auch noch zur Fasnachtszeit. Sie hatten schon diverse Konzerte gegeben und gute Kritiken erhalten, wie wir später der Presse entnahmen, als wir nach Swakopmund kamen. Uns brachten sie am späten Abend unter freiem Himmel auch noch ein Ständchen. Das fröhliche Dauergerede der Bonner Gruppe klang für mich sehr heimatlich, denn in Bonn wurde ich geboren. Ich fühlte mich fast in alte Zeiten zurückversetzt, denn es war schon recht merkwürdig, daß wir hier im fernen Namibia nichts als Deutsche vorfanden. Als wir ins Bett gingen, hörten wir Hyänen kichern. Also waren wir doch in Afrika!
Der 25. Reisetag brach an mit einem angenehm kühlen Morgen. Zum Frühstück kicherte wieder eine Hyäne und in der Ferne bellten Zebras. Ein unbekanntes, aber gemeines Insekt hatte mich gestochen. Es gab eine dicke Beule und juckte gräßlich. Auch etliche Moskitos hatten mich heimgesucht. Früh fuhren wir los, um möglichst viele Tiere zu sehen, denn in der Mittagshitze suchen sie den Schatten und verhalten sich ruhig. Der Morgen und frühe Abend sind da viel günstiger für die Tierbeobachtung. Die Etosha-Pfanne selbst ist 129 mal 72 Kilometer groß, der ganze Nationalpark hat 22.000 qkm. 1907 wurde ein Großteil Namibias unter Schutz gestellt, um das Ausrotten der Tiere zu verhindern. Im Etosha-Nationalpark gibt es kaum Wilderei.
Wir waren noch nicht lange gefahren, da sahen wir jede Menge Giraffen und Antilopen, auch einige Schakale. Und dann tauchen auch die schönsten aller Antilopen auf: die seltenen Oryx- oder Gemsbockantilopen.
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Herrliche Tiere sind das mit langen spießartigen Hörnern. Die Oryx hatte ich bisher noch nie in Freiheit gesehen und war beeindruckt von Größe und Schönheit dieser Tiere. Und inmitten der ausgetrockneten, total flachen und dürren Pfanne stand eine ganze Herde davon.
Kurz danach sahen wir eine unwahrscheinlich große Herde Zebras. Ich schätze, daß es mindestens 1.000 Tiere waren, und selbst Conny meinte, daß sie noch nie so eine Riesenherde gesehen hat. Jetzt im Morgenlicht waren die Kontraste sehr schön zum Fotografieren, und obwohl ich schon Dutzende von Zebrafotos gemacht hatte, konnte ich nicht widerstehen.
Dann fuhren wir aber lange Zeit, ohne auch nur ein einziges Tier zu Gesicht zu bekommen. Gegen Mittag kamen wir im Camp Okaukuejo an, dem größten im Etosha-Park mit Bungalows, Restaurant und Laden, mit Schwimmbad und als besonderer Attraktion einem Wasserloch, das nachts beleuchtet war, so daß man die ganze Nacht die Tiere beobachten konnte, die zur Tränke kamen. Genau das hatten wir auch vor.
Zunächst aber fielen wir fast um vor Hitze, denn im Bus waren es mittlerweile 45, wie Hatto uns wieder zuverlässig mitteilte. Er hatte alle möglichen Gerätschaften dabei und konnte uns für jede Stunde des Tages - auch rückwirkend - die Temperatur angeben. Aber auch wenn wir kein Thermometer gehabt hätten, wären wir in den Schatten geflüchtet. Dieter und ich genehmigten uns was angenehm Kühles gegen den Durst und dann ein leckeres Steak gegen den Hunger. Danach war für die meisten Siesta angesagt, so daß wir die nächsten drei Stunden fast alleine am Wasserloch waren. Auf einer Art Tribünenplatz ging sogar ein leichtes Lüftchen, und wir fanden es spannend, das Wasserloch zu beobachten. Einige Zebras und Impalas und Springböcke kamen, dann auch vier schöne Kudu-Antilopen. Irgendetwas tat sich hier immer, und so fanden wir die Hitze doch noch erträglich.
Gegen Abend kauften wir im Laden einiges ein, dann löffelten wir brav unsere Suppe. Später traf sich fast die gesamte Roteltruppe auf der Tribüne zur Wasserlochbeobachtung. Lange tat sich dort überhaupt nichts. Schnuppel und Frau wurde es zu langweilig, und sie gingen bald zu Bett. Goethe war gar nicht erst erschienen. Und kurz nach 20.00 Uhr kamen aus dem Nichts plötzlich zwei große Elefanten. Rüssel um Rüssel wurde vollgetankt und in das Maul geleert, bis sie endlich genug hatten. Der eine marschierte mitten in das Wasserloch hinein und spritzte sich das kühlende Naß über den Rücken. Man konnte direkt sehen, welche Wohltat das für ihn war. Der zweite war nicht so verschwenderisch. Die beiden hielten uns eine ganze Zeit in Atem, dann trollten sie sich ins Dunkel der Nacht, aber wir hörten sie noch eine ganze Weile mit den Ästen knacken.
Wenige Minuten später kamen doch tatsächlich zwei der seltenen Nashörner zum trinken. Was für ein Glücksfall! Das eine Tier war ein bißchen kleiner als das andere, auch die Hörner waren kürzer, so daß es vermutlich Mutter und fast erwachsenes Jungtier waren. Wir verhielten uns mucksmäuschenstill, um die Tiere ja nicht zu verscheuchen, und sie hielten sich auch lange am Wasserloch auf.
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Zwischendurch kam auch der eine oder andere Schakal, etliche Vögel tranken im Flug, und nachdem die Rhinos schon eine Weile verschwunden waren, knackte es auf einmal rechts von uns im dunklen Gebüsch. Es waren die beiden Rhinos, die dort nahrhafte Blätter und Gras fanden. Sie kehrten später nochmals zum Wasser zurück, und wir konnten sie wunderbar beobachten aus nächster Nähe. Das Licht der Scheinwerfer schien sie nicht zu stören, sie waren es ja wohl auch schon längst gewöhnt. Mit dem Fernglas konnte man die Tiere hautnah vor sich sehen, aber zum Fotografieren war es zu dunkel. Wir harrten bis etwa 23.00 Uhr aus und gingen dann doch sehr müde ins Bett.
Morgens um 4.30 Uhr weckte ich Dieter, und wieder ging es ans Wasserloch. Es war empfindlich kalt geworden, und wir schlotterten ganz ungewohnt. Außer einer hübschen Schleiereule und einigen Ziegenmelkern war aber nichts zu sehen, so daß wir nach einer halben Stunde zähneklappernd wieder in unsere Kojen krochen. Was für ein Temperaturunterschied zum Tag! Selbst die Anwohner hatten gesagt, daß es selten so heiß ist wie zurzeit tagsüber. Aber nachts kühlt es dann radikal ab.
Mit Schweineöhrchen in die Wüste
Nach dem Frühstück füllten wir unsere Wasserkanister auf, denn nun sollte es in die Wüste gehen mit Buschübernachtung. Wir verließen den Etosha-Park und fuhren dann auf guter Teerstraße Richtung Khorixas. Die Sonne schien derart grell, daß uns die Augen wehtaten. Da machten wir sie lieber wieder zu, denn außer Buschsavanne und gelegentlich davonstiebenden Perlhühnern gab es im Moment nichts Spektakuläres zu sehen. Conny las uns über die Ovambos und Hereros vor, die hier leben. Besonders die Hererofrauen sind auffallend, weil sie immer noch die Kleider aus der viktorianischen Zeit tragen und dazu seltsame Stoffhörner auf dem Kopf. Da sie meist sehr stattlich und groß gebaut sind, wirken sie mit dieser Kleidung noch imposanter.
In Outjo gab es eine deutsche Bäckerei und Conny wollte gutes deutsches Brot für uns kaufen. Wir sahen uns den Laden an und staunten nicht schlecht, hier Apfelkuchen und Schweineöhrchen und Berliner vorzufinden. Mit einer Tasse Kaffee dazu ließen wir uns das zweite Frühstück schmecken.
Einige Zeit später kamen wir zum versteinerten Wald, und hier fand ich dann endlich das Namibia wieder, auf das ich gewartet hatte: trockene Wüste mit wunderschönen Gesteinsformationen und bizarren Pflanzen, die der erbarmungslosen Sonne trotzen. Neben den versteinerten Baumstämmen, die vermutlich 200 Mio Jahre alt sind, fanden wir dann auch endlich die berühmte und unverwechselbare Welwitschia mirabilis. Das ist eine wahre Urweltpflanze und wahrscheinlich die älteste Pflanze überhaupt auf der Welt. Sie hat nur ein einziges Blattpaar, und diese Blätter können 2000 Jahre alt und 20 Meter lang werden. Es gibt männliche und weibliche Pflanzen, und beide konnten wir in voller Pracht ausgiebig bestaunen.
Aber auch noch andere sehenswerte Pflanzen gab es hier, nämlich kleine Bäumchen, die wie Bonsais aussahen. Unter diesen extremen Bedingungen können sie ja nur ganz langsam wachsen, und ihr Holz ist daher sehr hart. Meist haben sie eine silbrigglänzende Rinde und verdickte Stämme, in denen sie Wasser speichern, um zu überleben und sich gegen die Sonne zu schützen.
Wir streiften eine ganze Weile durch diese seltsame Ansammlung von versteinerten Baumstämmen, Welwitschias und Euphorbien, die sich hier wie eine Halbkugel graublau an den Boden schmiegen.
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Dann durchfuhren wir eine ganz unwirkliche Landschaft, die so karg und lebensfeindlich war, daß wir hier nicht mal einen Vogel zu Gesicht bekamen. Nackte rote und schwarze Felsen türmten sich auf, dazwischen goldenes Gras, das sich im Wüstenwind wiegte. Wir kamen zum "verbrannten" Berg, und es sieht wirklich so aus, als wäre eine Feuersbrunst über diesen Berg hinweggefegt. Pechschwarz ist das Gestein durch den hohen Mangangehalt. Gleich nebendran liegen feuerrote Felsen, und dieser Kontrast ist wunderschön.
Einige von uns liefen ein Stück des Weges zu Fuß durch diese beeindruckende Landschaft, in der ich mir ganz klein und hilflos vorkam. Hier bekam man einen Vorgschmack von dem Begriff der Ewigkeit, denn in dieser Ecke der Welt hat kein Mensch je einen Stein verändert, und schon vor Abertausenden von Jahren sah es hier genau so aus wie heute.
Zeugen der Vorzeit - Im Land der Buschmänner
Wir fuhren dann noch ein paar Kilometer und kamen nach Twyfelfontein, der "zweifelhaften Quelle", wie die Einwohner sie nannten, denn mal kam Wasser aus der Quelle und mal nicht. In einem Tal stellten wir den Bus ab. Rings um uns herum waren riesige rote Felsklötze mit den verwunderlichsten Formen aufgetürmt. Da war der Phantasie keine Grenze gesetzt, und wir deuteten alle möglichen Tiere und Figuren hinein.
An einer geschützten Stelle in dieser Ebene standen ein paar ärmliche Hütten, in denen Einheimische wohnten. Einer davon übernahm die Führung durch dieses Labyrinth von Felsen, in denen sich Tausende von Felszeichnungen befinden, die vermutlich vor 5- bis 10.000 Jahren von den Buschmännern in den Fels geritzt worden sind. Bewiesen und sicher ist das aber nicht, und die genaue Herkunft spielt auch keine so große Rolle. Die Zeichnugnen und Gravuren sind zum Teil hervorragend erhalten und stellen vor allem die Tiere dar, die diese Menschen hier vorfanden. Das waren Elefanten, Giraffen, Nashörner, Löwen und sogar Seehunde und Pinguine. Da das Meer etwa 90 km von hier entfernt ist, muß also jemand diese Strecke gelaufen sein, sonst hätte er nicht gewußt, wie Seehunde und Pinguine aussehen. Unsere Wanderung durch diese hitzereflektierende Steinwelt machte mir arg zu schaffen, und zum ersten Mal auf dieser Reise dachte ich, daß ich gleich vor Hitze umkippe. Ich kam dann aber doch wieder heil vom Berg und floh in den Schatten vor unserem Bus. Dort ging ein heftiger Wind, so daß man es ganz gut aushalten konnte. Selbst die Ziegen der wenigen Menschen hier suchten den Schatten. Die Sonne lähmte alles.
Fliegende Spaghetti
Gegen Abend legte sich die Hitze, und so nach und nach erwachten unsere Lebensgeister wieder. Zum Essen gab es heute Spaghetti, die uns angesichts des Sturms geradezu um die Ohren flogen. Die rote Soße kleckerte überall hin, und wir lachten darüber. Als dann die Ziegenherde in einem Bogen auf uns zukam, sprang Dieter auf und fotografierte wie verrückt. Es sah aber auch zu schön aus, wie die Ziegen zwischen uns und um den Bus herum alles untersuchten und fraßen, was nicht niet- und nagelfest war. Wir wunderten uns wieder mal, wovon die hier überhaupt leben, denn außer völlig abgefressenen Grasstümpfen gab es rein gar nichts mehr für sie. Alle halbwegs erreichbaren Blätter der wenigen Bäumchen waren ratzekahl abgefressen. Wahrscheinlich müssen die Tiere jeden Tag große Strecken laufen, um überhaupt Futter zu finden. Kein Wunder, daß sie sogar Spaghetti fressen.
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Auf unserem Abendspaziergang entdeckten wir unweit unseres Ruheplatzes frische Gepardenspuren im Sand. Große Raubkatzen hatten wir hier nicht vermutet, aber Angst hatten wir nicht, denn Geparde sind scheu, und es wäre fast ein Wunder gewesen, wenn uns tatsächlich einer begegnet wäre oder gar angegriffen hätte. Wir suchten und sammelten schöne Quarze mit den verschiedensten Einschlüssen. In meiner Kakteensammlung machen die sich besonders gut.
Es wurde rasch dunkel, und als wir zum Bus zurückkamen, fing Willi gerade an, über die versteinerten Bäume und den verbrannten Berg zu referieren. Er war Lehrer und Hobby-Geologe und ausserdem Masseur und hatte Interesse an so ziemlich allem, was es auf der Welt gibt. So hatte er im Laufe seiner 79 Jahre ein für uns ungeheures Wissen zusammengetragen, und einen Teil davon gab er uns hier wie in einer Unterrichtsstunde weiter.
Als die Sterne schließlich wieder am Himmel funkelten, wurde es so empfindlich kalt, daß wir dicke, warme Winterjacken anziehen mußten. Das ist das erholsame in der Wüste, daß man wenigstens nachts Kühle hat und dann gut schlafen kann im Gegensatz zu den heißen Tropennächsten an Sambesi und Okavango.
Wie der Thunfisch in die Achse kam
Heute war mein Tag! Strahlendguter Laune stand ich auf und freute mich riesig, denn heute sollte es zu den Robben von Cape Cross an der Küste Namibias gehen. Wie hatte ich mich darauf gefreut! So legte ich noch einige Filme extra in meine Tasche und war allerbester Laune. Unseren Wassersack ließen wir bei den Leuten hier, die ihn sicher gut gebrauchen konnten, denn wir hatten nun alle Buschübernachtungen hinter uns. So stiegen wir fröhlich und aufgekratzt in den Bus, und los ging es wieder. Conny hatte sich wohl für die "Piste der 16 Gatter" entschieden, denn bald kamen wir in Farm- und Weideland, und ständig mußte Conny aus- und einsteigen, um die Gatter der Weiden zu öffnen und zu schließen. Und tatsächlich gab es trotz der unbeschreiblichen Kargheit und der Öde der Landschaft noch einige Rinder und Ziegen, die zu den versteckten Farmen gehörten. Hier zu leben ist weiß Gott kein Vergnügen, es ist ein brutal hartes Leben und ein tägliches Ringen um die Existenz. Außer ein paar Mopanebäumen mit Blättern, die wie Schmetterlinge aussehen, gab es hier überhaupt nichts. Der Boden war total kahl und die Rinder mager.
Conny hatte heute schlechte Laune und schwieg ziemlich lange. Schließlich verriet sie uns aber doch, daß das große Bergmassiv rechts von uns der Brandberg mit 2.573 Meter war. Auch dieser Berg weist zahlreiche Felszeichnungen auf, die wir uns aber nicht ansahen. Dieter meinte schon eine ganze Weile, daß der Bus heute so laut wäre und daß sich das ganz so anhöre, als wäre mit einem Lager was nicht in Ordnung. Aber ich protestierte, denn jetzt noch eine Panne, das wäre ja wohl der Gipfel. So fünf Minuten vor 12 bzw. vor meinen Robben, das konnte nicht sein, weil es nicht sein durfte. Bei der nächsten Buschpause im Niemandsland wies Dieter den Fahrer darauf hin, daß Öl auslief, und es stellte sich heraus, daß ein Simmering kaputt war. Schei....! Alle waren gedrückt und still. Wir hatten keine Wahl und fuhren weiter in der Hoffnung, daß es vielleicht doch nicht so schlimm sein möge wie befürchtet. Es war aber leider noch viel schlimmer! Eine Weile später ging nämlich das verfluchte Lager ganz zum Teufel. Mit Hängen und Würgen und Bangen und im Geiste davonschwimmenden Robben kamen wir mit Mühe und Not in Uis an, einem gottverlassenen Geisterstädtchen. Hier gab es eine Zinnmine, in der bis vor zwei Jahren ca. 6000 Menschen gearbeitet hatten. Als die Erträge sanken, wurde die Mine geschlossen und die Arbeiter zogen fort. Zurück blieb eine fast menschenleere Geisterstadt, und dort standen wir nun mit unserem kaputten Bus. Ich war stinksauer und enttäuscht und wütend. Aber was sollte man machen? Das ist einfach Pech, und Pannen gehören nun mal auch zum Leben und zum Reisen mit dem Bus. Aber ausgerechnet hier! Herrschaft, das hätte nun wirklich nicht sein müssen.
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Sepp zog seinen blauen Overall an und kroch unter den Bus. Dieter reichte ihm das jeweils benötigte Werkzeug, und bald sah es aus wie in einer Großwerkstatt. Und wenn wir es nicht mit eigenen Augen gesehen hätten, würden wir nie glauben, daß man mit zwei vollen Thunfischbüchsen eine Reparatur durchführen kann. Es stimmte aber tatsächlich. Sepp hatte den Antrieb zur zweiten Hinterachse ausgebaut und dann das entstandene Loch mit zwei vollen Thunfischdosen, die er mit einem Schlauch umwickelt hatte, zugestopft, um das vordere Differential abzudichten. Derweil war Klaus losgespurtet und hatte den gesamten Ölvorrat des Ortes zusammengekauft. Eine Menge davon wurde dem Bus wieder einverleibt, und siehe da, nach zwei Stunden saßen wir doch tatsächlich wieder im Bus und fuhren los. Ich konnte es wirklich kaum glauben. Ob meine Robben inzwischen wieder an Land schwammen? Leider nein, denn Conny nahm mir bald drauf meine Illusionen, denn sie teilte uns mit, daß diese "Thunfisch-Reparatur" nur sehr provisorisch und keineswegs verläßlich sei und daß wir deswegen kein Risiko eingehen sollten. Und das bedeutete, daß wir auf direktem Wege nach Swakopmund fahren würden. Und die Robben waren vom Trennpunkt Hentiesbay, wo wir nach Swakopmund links abbiegen mußten, nur noch 46 Kilometer entfernt. Aber leider in die rechte Richtung! In Hentiesbay versuchte Conny, für Dieter und mich ein Taxi oder einen Mietwagen oder sonst eine Möglichkeit ausfindig zu machen, um doch noch zu den Robben zu fahren. Es sollte aber wohl nicht sein, und so fuhren wir nach links, meine Robben schwammen rechts davon!
Ich kaute eine ganze Weile an meiner Enttäuschung herum. So ganz schluckte ich das noch nicht, denn wenn wir dem Bus die 500 km bis Windhoek zutrauen konnten, dann hätten ihn die 92 km zu den Robben wohl auch nicht umgeworfen. Aber ich mußte die Entscheidung akzeptieren und fand mich schließlich auch damit ab.
Sepp meinte scherzend zu Conny, daß er so bald nicht wieder mit ihr fahren würde, weil bei ihr entweder der Bus oder der Fahrer kaputt ginge...!
Die Straße führte in unmittelbarer Nähe des Atlantiks parallel zum Strand entlang. Jede Menge Angler waren zu sehen, und eine Menge Autos gab es hier auch schon. Dabei waren wir immer noch mitten in der trostlosen Öde der Namib-Wüste, und kein Baum und kein Strauch wuchs hier. Links hatten wir Fata Morganas, rechts das wirkliche Wasser.
Im Swakopmund, das erst 1892 gegründet worden ist, hat man das Gefühl, in einer verträumten kleinen deutschen Stadt zu sein. 80% der Bewohner sind deutschstämmig. Alles ist picobello sauber und niedlich und gemütlich, es gibt sehr gute Geschäfte und Cafés und dazu Palmen und einen herrlichen Sandstrand mit tollen Hotels. Die Hauptstrasse der Stadt ist auch heute noch die Kaiserstrasse. An der Hafenstrasse stand das Hotel Schweizer Haus mit dem berühmten Café Anton, und von meinen Freunden aus Berlin wußte ich, daß in Swakopmund auch ein sehr guter Juwelier zu finden ist, der exclusiven afrikanischen Schmuck und andere Juwelen führt. Wir stöberten erst in der deutschen Buchhandlung herum und fanden jede Menge wunderschöner Bücher und Bildbände über alles, was uns im südlichen Afrika faszinierte. Ein herrliches Exemplar von Bildband wurde mein. In einer kleinen, aber sehr feinen Galerie entdeckten wir tolle Zeichnungen und Bilder und Karten. Die Bilder mußten wir dort lassen, aber einige Karten erstanden wir hier. Für einen Besuch beim Juwelier reichte die Zeit nicht mehr, aber nachdem Conny dort mit einem Ring liebäugelte, räumte sie uns gute Chancen ein, am nächsten Morgen noch einmal in die Stadt zu fahren. Sie wollte sich den Ring nochmal genauer ansehen.
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Als wir wieder ins Freie kamen, staunten wir nicht schlecht über die unglaublichen Nebelschwaden, die jetzt in großen Wellen vom Atlantik über die Stadt zogen. Naßer, salziger, ekliger Nebel legte sich über alles. Unsere Haare und Kleidung wurden klamm und widerlich und die Luft so dick, daß wir nicht mehr fotografieren konnten. Mir kam das vor wie die Kulisse für einen englischen Krimi. Ihgitt, ich fand es scheußlich, denn es erinnerte mich an den heimatlichen Bodensee im November, wenn wir oft 8 oder 14 Tage lang die Sonne nicht sehen und nur noch im Nebel tappen. Genau dem wollte ich hier ja entfliehen.
Drei Männer im Nebel
Als die Läden nach und nach schlossen, fuhren wir zur Meile 4, unserem Cam-pingplatz. Wie der Name schon sagt, lag dieser größte Campingplatz des ganzen südlichen Afrikas 4 Meilen vor der Stadt, und hier wurde es erst recht unheimlich. Der Platz lag direkt am Meer in dickem Nebel. Die Brandung tobte und Möwen schrieen, und auf diesem riesigen, unüberschaubaren Platz am Meer waren wir die einzigen Gäste! Hier war ja Herbst, und die ungemütlichen naßkalten Nebel hatten alle Urlauber vertrieben. Nur die armen Rotelisten mußten in dieser Gruselkulisse ausharren. Als ich gegen den Wind kämpfend zum Strand lief und durch meine "benebelte" Brille fast nichts mehr sah, entdeckte ich plötzlich in einer Entfernung drei Männer, die der Brandung des Meeres zusahen. Was für eine Kulisse! Hier hätte Hitchcock nichts mehr hinzufügen müssen, es war gruselig und unheimlich. Ganze Schwärme von schwarzen Krähenscharben taten ein Übriges. Der Nebel schluckte und versteckte alles. Hier hätte alles passieren können ohne Zeugen.
Die Männer entpuppten sich jedoch als völlig harmlos, denn es waren Klaus, Günter und Fritz, die Unverwegenen. Ich folgte ihnen bald Richtung Rotel, weil es mir allein am Strand wirklich unheimlich und äusserst ungemütlich war. Wir fühlten uns aus der Wüste an die Nordküste bei Sturm katapultiert. Gräßlich!
Im Windschatten eines Versorgungshäuschens löffelten wir unsere Suppe, hinterher schlürften wir noch einen guten südafrikanischen Rotwein und stellten plötzlich fest, daß es nicht nur stockdunkel, sondern auch wieder klar war. Der Sternenhimmel strahlte auf einmal so klar wie in den Nächten zuvor, und der Nebel war restlos verschwunden. Wir erzählten noch eine ganze Weile und Steffen klagte sein Leid. Für ihn war es die erste Rotelreise, und er hatte vorher niemanden gekannt, der schon einmal mit diesen sonderbaren Bussen gefahren war. Als er dann im Programm von "Sonderexpedition" und "härteste Anforderungen an Mensch und Material" und ähnliches las, dachte er, ihn würde eine Marlboro-Abenteuertour mit knallharten Männern und stahlharten Alleskönnern erwarten. Stattdessen begrüßte ihn am Frankfurter Flughafen als erster unser 73-jähriger "Goethe" aus Mannheim, dann folgten die beiden Wiener Rentner und Willi mit 79 Jahren. Er dachte, das sei wohl ein Witz und könne einfach nicht wahr sein. Bis zum Schluß der Reise kam er mit dem hohen Alter der Rotelgruppe nicht klar. Es waren nur drei Leute unter 30 Jahren, die meisten aber waren Rentner und auch "Mittelalter".
Und dann hatte Steffen den größten Horror vor den Tsetsefliegen, die ihm arg zugesetzt hatten. Und die Moskitos und die Hitze der meisten Nächte in den Kojen, das hatte ihm auch den Nerv geraubt. Der nächtliche Überfall von Katimo Mulilo hatte ebenfalls seine Spuren hinterlassen, und so hat Rotel wohl nicht unbedingt einen neuen Anhänger gefunden. Dabei hatte Rotel eigentlich Klartext im Programm geschrieben, denn mit "härtesten Anforderungen" war ja auch nicht zuviel versprochen worden, Steffen hat diese nur falsch interpretiert.
Richtig kalt war es geworden, und so verzogen wir uns bald in unsere klammen Kojen.
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Ein ekelhafter Nebel empfing uns zum Frühstück, und so packten wir rasch unsere Siebensachen und fuhren nach Swakopmund. Eine kleine Stadtrundfahrt führte zum hübschen Bahnhof und zum ehemaligen Gefängnis, das wir ein gepflegtes Landhaus aussah. Wir fuhren und liefen durch gemütliche Strassen und hatten das Gefühl, am frühen Sonntagmorgen durch ein deutsches Örtchen zu laufen. Es war aber ein ganz normaler Donnerstag, hier geht es nur etwas gemächlicher zu, und die Leute lassen sich mehr Zeit zum Leben. Der dicke Nebel hüllte die Landungsbrücken am Hafen ein, und es sah wieder gespenstig aus. Salzige Schwaden verfingen sich in den Haaren, und mir war es sehr recht, als wir dem Meer den Rücken kehrten und Zeit für uns hatten. Und dann besuchten wir doch noch den besagten Juwelier. Bei meiner Handgröße tun sich die meisten Juweliere äusserst schwer, einen passenden Ring anzubieten und meist brauche ich eine Extra-Anfertigung. Aber wie habe ich gestaunt, als man mir hier gleich zwei herrliche Ringe präsentieren konnte, die auf Anhieb passten. Ich entschied mich spontan für den ersten. Eine Schlaufe aus dicken Elefantenhaaren wird von einer stabilen Goldfassung gehalten. Die Mitte der Schlaufe besteht aus gehämmertem Gold, die Unterseite aus poliertem Gold. Das gute Stück sah an meiner braungebrannten Hand toll aus, und ich strahlte, als ich den Laden verließ.
Windige Ecke mit Riesenschnauzern - Windhoek
Wir fuhren wieder durch Wüste und liessen den Nebel und die kalte Küste zurück. Ein heißer Hochlandwind begrüßte uns bald wieder, und damit stieg meine Stimmung gewaltig. Die nicht gesehenen Robben hatte ich verschmerzt, denn ich hatte ganz einfach beschlossen, eines Tages wieder nach Namibia zu kommen, denn es gibt noch viel mehr Unbekanntes hier zu sehen.
In Karibib, einem kleinen Städtchen, wurden wir von einer Straßenkontrolle angehalten und gefragt, ob wir Feuerwaffen bei uns hätten. Was für eine merkwürdige Frage, wir konnten uns keinen Reim darauf machen. Vielleicht war es auch nur Routine.
Angesichts unseres Kaufrausches in Swakopmund - auch die anderen Frauen hatten "Klunker" gekauft - las Conny uns hochinteressante Informationen über Diamanten vor, die hier in Mengen gefunden wurden und werden. Wir waren ganz Ohr!
In Okahandja besuchten wir die Gräber einiger berühmter Herero-Häuptlinge, die die Geschichte Namibias entscheidend geprägt haben. Und "Goethe" hatte doch tatsächlich den Nerv, sogar auf den Friedhof zu pinkeln. Au weia!
Und dann kamen wir am frühen Nachmittag in Windhoek an, der letzten Station dieser langen Reise, die uns 29 Tage lang und 8000 Kilometer weit quer durch den afrikanischen Kontinent geführt hat. Was für eine Mammut-Tour! Was für Eindrücke und Erlebnisse! Wieviel Eimer Schweiß und Fässer voll Bier und Cola! Wieviel Freude und wieviel Angst! Es gab von allem reichlich und nachhaltig!
Ich kannte Windhoek fast nicht wieder. Wie hat sich diese Stadt in nur zwei Jahren verändert! Hier ist explosionsartig gebaut worden, überall stehen neue Häuser, und Unmengen Geschäfte und Lokale sind aus dem Boden geschossen. Die ehemals so gemütlich-verträumte Stadt ist dem pulsierenden Leben einer modernen Stadt gewichen, die auf dem besten Wege ist, sich bis zur Unkenntlichkeit zu verwandeln. Die ehemals so überragende Christuskirche geht inzwischen fast im Häusermeer unter. Im ersten Moment wußte ich nicht, was ich dazu sagen sollte, so geschockt war ich. Ein wenig versöhnend fand ich jedoch den Baustil, den man überwiegend gewählt hat, denn es gibt wenig häßliche Betonklötze, sondern mehr kleine Schachtelbauten mit Erkern und Winkeln und Straßencafés und Einkaufspassagen, die nicht unsympathisch sind. Wer Windhoek jetzt zum ersten Mal sieht, findet es bestimmt nicht häßlich, sondern ist eher erstaunt über das völlig unerwartete Angebot der teilweise sehr schönen Geschäfte. Auf der ehemaligen Kaiserstrasse - die nun Independance Avenue (Straße der Unabhängigkeit) heißt, haben wir zwei Juweliere entdeckt, bei denen ich gerne nochmal eingekehrt wäre. Aber der Urlaub war zu Ende und mein Geldbeutel auch. So schlenderten wir durch die neue Stadt und hatten das Gefühl, wieder auf Deutschland eingestimmt zu werden. Und so war es ja auch.
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Unser Campingplatz lag etwa 20 km ausserhalb der Stadt. Dort wurden wir von zwei Riesenschnauzern und zwei wuseligen kleinen Mischlingshunden kläffend und wedelnd begrüßt. Einen davon hätte ich gerne mitgenommen, aber ich hätte dem Tier wahrscheinlich keinen Gefallen getan, es aus der Weite Namibias in die Enge und Kälte Deutschlands zu verfrachten. So kraulte und spielte ich mit den Hunden und freute mich, daß sie da waren. Danach folgte allgemeines Chaos, denn die Koffer mußten endgültig gepackt werden für die Heimreise am folgenden Tag. Wir mußten den Bus komplett ausräumen, da der ja in die Werkstatt mußte. Und so sausten 15 Rotelisten mehr oder weniger hektisch zwischen Bus und Schlafkoje und Wiese herum, bis jeder seine Utensilien gefunden und verstaut hatte. Mein Koffer war scheußlich schwer, obwohl ich die 10 kg schwere Flußpferd-Holz-Lucy ja als Handgepäck mit in den Flieger nehmen wollte.
Hier auf dem Campingplatz wartete Hartmut auf uns. Er war von seinem Malariaanfall wieder einigermaßen genesen und wollte den Bus die gleiche Strecke wieder zurückfahren nach Nairobi. Ich an seiner Stelle hätte erst einmal Nordeuropa gefahren und den Moskitos den Rücken gekehrt.
Zum Abschiedsessen gab es Braiivleis, das sind diverse gegrillte Fleischstücke mit einigen Salaten, das Lieblingsessen der Südwester und Südafrikaner. Wir speisten mit Appetit. Anschließend wurde das Trinkgeld für Sepp und Conny übergeben und Günter sagte einige nette Worte dazu.
Nachts nutzte "Goethe" die allerletzte Gelegenheit, uns mit seinen Holzclogs zu nerven, die Hunde tölten auch wer weiß wie lange, und dann haben wir auch noch gefroren.
Zähneklappernd frühstückten wir um 6.00 Uhr im Dunkeln. Nachdem wir unsere Betten abgezogen und sämtliche Medikamente für ein Krankenhaus in Malawi abgegeben hatten, ging es zum allerletzten Mal hinein in den Dreiachser und ab nach Windhoek. Hier hatten wir Zeit und Muße für einen Stadtrundgang und zum bummeln. Im Café Gathemann, das ich vor zwei Jahren schon schätzen gelernt hatte, saßen wir auf dem Balkon in der Sonne und schrieben die wirklich allerletzten Karten, genehmigten uns zum Mittagessen ein hervorragendes Gemsbock-Steak (Oryx-Antilope) und verbrachten dann den Rest des Nachmittags auf dem Campingplatz, worüber sich die Riesenschnauzer freuten, weil sie nun endlich wieder jemanden hatten, der sich mit ihnen beschäftigte.
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Um 18.00 Uhr holte uns ein gemieteter Bus und ab ging es zum Flughafen. Hier waren die 93 Bonner vom Gesangsverein auch soeben eingetrudelt, und es gab lange Schlangen an den wenigen Schaltern. Conny, die mit uns nach Deutschland zurückflog, erreichte dann doch, daß ein weiterer Schalter für uns aufgemacht wurde, und so hatten wir schnell unser Gepäck los. Die schwere Lucy und die Fototasche waren noch genug zum Schleppen. Am Zoll wollte ich zwei Formulare abstempeln lassen, die der Juwelier zur Erstattung der Verkaufssteuer benötigt. Diese Steuer war nämlich von unseren Schmuckstücken abgezogen worden, weil sie exportiert wurden. Leider wußte ich nicht, daß ich den Schmuck auch vorzeigen mußte, und mein Ring befand sich im bereits aufgegebenen Koffer. Und der befand sich schon auf dem Rollfeld. Aber Dieter konnte mit Hilfe eines Beamten den Koffer nochmal zurückholen, und so bekamen wir den erforderlichen Stempel doch noch.
Im Dutyfree-Shop mußte ich unbedingt noch ein "Opium" haben, und Dieter fand auch eine Flasche. Später im Flugzeug gab es noch "Amarula", und zwar ist das ein Creme-Likör aus der Marualfrucht, die mir aus dem Film "Die lustige Welt der Tiere" ein Begriff ist. Dort nämlich fressen sämtliche Tiere der Wildnis von den überreifen Früchten. In ihren Mägen beginnt es zu gären, und sie werden regelrecht besoffen. Die folgenden Szenen des Films muß man einfach gesehen haben, sonst glaubt man es nicht. Man lacht Tränen dabei. Und deshalb kaufte ich also noch diesen Marula-Likör. Auf die Folgen bin ich gespannt!
Die lustigen und redseligen Bonner, die die Fasnacht ja fast versäumt haben, brachten ganz schön Leben in den Flieger, aber irgendwann schwieg auch der letzte, und nachdem wir mehr oder weniger gut gedöst oder geschlafen hatten, landeten wir überpünktlich in Frankfurt bei Ekel-Nebel und 7°.
Wir sind heil gelandet. Der Alltag hat uns wieder. Aber unsere Gedanken werden noch oft zurückfliegen - ins ferne, heiße Afrika!
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Lucy
Rotellisten zu Fuß
Tag der Hippos
Haare auf den Zähnen
Der erste echte Urlaubstag
Umzingelt
Am Malawi-See
Regenzeit und Käfer am Bauch
Dinner und Bett im Busch
Dar es Salaam - Nein danke
Rüttelpiste und Hundebabys
"Härteste Anforderungen"
Ngorongoro mit "Schuß"
Unterwegs in Tansania
Höllenfahrt und wilde Tiere
Jambo Africa!


