Sambia Reisebericht:
Immer bleibt die Natur - eine Reise durch Sambia

Wir gelangen über Land nach Sambia. Der Grenzübertritt von Malawi nach Sambia ist unspektakulär. Im Grenzhaus auf der malawischen Seite wird nach Ausreiseformularen gesucht, als es keine gibt, scheint das aber auch nicht weiter schlimm zu sein. Unsere Reisepassnummern werden notiert, das genügt offenbar. Zu Fuß überqueren wir die Grenze, nach etwa einhundert Metern auf einer staubigen Straße sind wir am sambischen Grenzhaus. Wir füllen die Formulare aus, bekommen jeweils zu zweit eine Quittung über die für das Visum entrichteten 50 US-Dollar und dürfen weiterfahren. „Welcome to Zambia – friendly country“ begrüßt uns ein Schild mit verblichenen Buchstaben.

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Am Straßenrand stehen unterwegs immer wieder kleine einfache Verkaufsstände, auf denen Obst und Gemüse in kleinen Pyramiden gestapelt angeboten werden. Wir fahren durch zahlreiche kleinere Dörfer mit einigen wenigen einfachen Häusern. Wo auch immer wir hinkommen, stürmen Kinder auf uns zu, winken und rufen. „Muzungu - weißer Mann!“ rufen sie und das gilt auch für weiße Frauen. Englisch ist Amtssprache, die Kinder lernen es in der Schule, sofern sie eine besuchen können. Die Kinder fragen nach Stiften, nach Geld – und nach Flaschen. Leere Plastikflaschen möchten sie haben, unseren Abfall. Doch für sie sind die Flaschen wertvoll, sind sie doch die einzige Möglichkeit, auf den oft kilometerlangen Fußmärschen in die nächste Schule etwas Wasser mitzunehmen.
 
Gegen Abend erreichen wir das Tal des North Luangwa, am Ende der Trockenzeit ist hier alles vollkommen verdorrt, die Stimmung ist ganz eigenartig. Wir erfahren, dass bald, in der Regenzeit, hier alles restlos überflutet ist. Kaum vorstellbar. Wir schlagen unsere Zelte direkt am ausgetrockneten Flussbett des Luangwa auf. Unten im Flussbett ist ein tiefes Loch gegraben, aus dem in gelben Kanistern das Wasser zum Duschen geholt und zum Camp hinaufgeschleppt wird. Auch unsere Wäsche, die wir den Betreibern des Camps gegeben haben, wird hier unten gewaschen. Später, in der Dunkelheit, gehen wir hinunter ins Flussbett. Der Mund erleuchtet alles zumindest so, dass wir sehen würden, wenn sich irgendetwas nähert. Und doch. Es ist unheimlich. In der Ferne brüllt ein Löwe. Aber wie fern ist diese Ferne? Ich weiß es nicht.
 
 
Die Nächte im Zelt sind unruhig, aber selten war es so aufregend, nicht schlafen zu können. Immerhin trennt uns nur eine dünne Zeltwand von der Wildnis, vom Busch. Es ist laut. Zwitschern ist fast immer zu hören, doch oft melden sich auch die größeren Tiere. Das Grunzen der Nilpferde ist so laut, dass wir oft senkrecht im Bett sitzen und durch das Moskitonetz-Fenster in die vom Vollmond erleuchtete Nacht starren: Wo sind die Hippos, kann man sie sehen? Sie grasen, das ist zu hören, weit können sie also nicht sein. Nilpferde verbringen den ganzen Tag im Wasser, draußen wäre es zu heiß für sie, ihre Haut hat keinerlei Schutz gegen die Sonne. Aber nachts kommen sie raus, gehen oft kilometerweit, um zu grasen.
 
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Die Nächte sind kurz. Gegen fünf wird es hell und wir stehen auf. Ausschlafen gibt es nicht auf einer Safari, die noch kühlen Morgenstunden müssen genutzt werden, bevor es dann zu heiß wird, nicht nur für uns, auch für die Tiere. Die liegen dann irgendwo träge im Schatten, die schönsten Tier-Erlebnisse hat man morgens oder am späten Nachmittag. Nach dem Aufstehen gibt es eine Tasse Kaffee, dann geht es los in den Busch, entweder mit dem Geländewagen oder zu Fuß. Walking Safaris sind ein sehr unmittelbares Erlebnis, auch wenn wir dabei kaum Tiere sehen. Doch zu Fuß in der Wildnis unterwegs zu sein, die Spuren von Löwen, Leoparden und Elefanten zu sehen und ebenso zu bestimmen wie ihren Kot, ist aufregend. Wir bekommen einen Blick für die kleinen Dinge, die wir sonst übersehen. Unsere Führer erzählen uns, welche Pflanzen traditionell eingesetzt werden und wie sie wirken. Und so lernen wir auch, dass die längliche große Frucht des Leberwurstbaumes, der hier so typisch die Landschaft prägt, von Männern zur Penis-Verlängerung eingesetzt wird. Eine junge und frische Frucht muss man dafür halbieren und den Saft trinken. Aber Vorsicht, die am Baum verbliebene Hälfte muss im Auge behalten werden, erklärt John uns augenzwinkernd. Denn der Penis wächst mit und man stelle sich vor, der betreffende Mann ziehe ich eine andere Gegend, vergesse den Leberwurstbaum – und die Frucht wächst und wächst...
 
Tagsüber machen wir nichts. Es geht auch nicht. Im Tal des North Luangwa ist es so heiß, dass ich einfach nur sitze und starre. Schlafen, ich bin schließlich um 5 Uhr aufgestanden – geht nicht, es ist zu heiß. Lesen – geht nicht, ich bin zu müde und es ist zu heiß. Schreiben – ja, ein paar Zeilen notiere ich in mein Reisetagebuch, dann – wird es mir zu heiß. Es ist 38 Grad im Schatten und 50 Grad in der Sonne. Ich bekomme eine Ahnung, warum in Afrika so vieles irgendwie langsamer vonstatten geht, weniger gehetzt als bei uns. Im Vorbeifahren hatte ich, auch schon letztes Jahr in Uganda, oft den Eindruck, dass sehr viele afrikanische Männer einfach nur dasitzen und in die Gegend starren und, wahrscheinlich, nachdenken. Jetzt sitze ich einfach nur da, starre in die Gegend und denke nach. Mehr geht nicht. Ich werde ruhig und gewöhne mich an das Tempo. Gegenüber, auf der anderen Seite des Flussbettes, grasen irgendwann drei Impalas. Dann sind sie wieder weg. Mehr passiert nicht.
 
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Im South Luangwa, eine Tagesfahrt über teilweise sehr schlechte Straßen und durch ausgetrocknete Flussbetten entfernt, ist der Eindruck ein ganz anderer: Weite Savannenlandschaft, Bäume, es ist grün und der Luangwa hat hier sehr viel mehr Wasser. Und wo Wasser ist, sind auch Tiere. Elefanten am und Hippos im Wasser, Giraffen an Land.
 
Am einem der Eingänge zum Park übernachten wir im Flatdogs Camp, es ist ganz wunderbar hier. Der Pool hilft uns durch die heißen Mittagsstunden, von der Liege aus haben wir einen Blick auf den Luangwa und in den Nationalpark auf der anderen Seite des Ufers. Unglaublich, am Pool zu liegen und in der Ferne einen Elefanten am Fluss zu sehen. Es gibt auch eine Bar und ja, es klingt furchtbar verwöhnt, aber nach den heißen Tagen im North Luangwa ohne Kühlschrank und mit dementsprechend heißem Trinkwasser ist die Vorstellung eisgekühlter Getränke wirklich, wirklich schön. Im Camp dürfen wir uns nachts nicht ohne Guides mit Taschenlampe bewegen. Denn ständig laufen Tiere mitten durch das Gelände zwischen Lodges und Zelten und der Bar. Hippos aus der Nähe sind beeindruckend, aber auch gefährlich, also sollte man zumindest aufpassen, dass man nicht im Dunkeln in eines hinein rennt.
 
Unheimliche Geräusche wecken uns in einer der Nächste im Flatdogs Camp aus dem ohnehin unruhigen Schlaf. Es knackt laut, was auch immer es ist, es kommt immer näher. Und dann der unglaublich schöne Moment: Sechs Elefanten, darunter ein junger, kommen aus dem Dickicht auf uns zu, gehen genau neben unserem Zelt entlang. Langsam und bedächtig. Einer reibt sich am Baum hinter unserem Zelt. Dann verschwinden sie. Es wird wieder ruhiger.
 
Eine der Verwalterinnen von „Flatdogs“ ist Australierin. Sie wirkt burschikos, hat definitiv alles im Griff. Wir unterhalten uns mit ihr, sie berichtet, dass sie seit zwei Jahren hier lebt und es liebt. So einfach ist das: „I love it, I just love it.“ Sie liebt es, inmitten von wilden Tieren zu leben. Bevor sie hergezogen ist, war sie niemals in Afrika. Dann kam eine Bekannte aus Sambia zurück, erzählte, es sei schön dort. Und dann ist sie hergekommen, einfach so. Und liebt es, hier zu sein. Immer wieder merken wir, dass die Lodges und Restaurants eher Weißen gehören, die Angestellten sind Schwarze.
 
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Im South Luangwa National Park unternehmen wir eine Nacht-Safari, in der Hoffnung, nachtaktive Tiere beobachten zu können, mit viel Glück sogar einen Leoparden? Am Nachmittag fahren wir los, diesmal nicht in unserem Geländewagen, sondern mit zwei lokalen Rangern im komplett offenen Jeep. Das Gefühl der Unmittelbarkeit wird noch größer, wenn nicht einmal mehr eine Autotür zwischen Mensch und Tier ist, wie uns später am Abend noch sehr bewusst wird. Zum Sonnenuntergang fahren wir direkt an den Luangwa. Wir sitzen im Sand am Fluß und starren aufs Wasser. Unzählige Nilpferde und meterlange Krokodile – und wir sitzen da, mit einem Bier in der Hand. Unsere Guides finden das nicht bedrohlich und so vertrauen wir auf ihre Erfahrung und bewundern das Licht. Himmel in Afrika, das ist etwas, das man niemandem beschreiben kann, ohne sofort in den Verdacht zu geraten, über alle Maßen romantisch und kitschig zu sein. Vielleicht muss man sie sehen, die Wechselspiele von Gelb nach Orange und Rot, mit den immer verschiedenen Wolken und den in jeder Sekunde wechselnden Farbintensitäten und Farbkombinationen.
 
Und dann ist es dunkel, wir steigen in unseren Jeep und fahren los. Einer unserer Guides leuchtet mit einer wahnsinnig starken Lampe in alle Richtungen, während wir fahren, um die Augen von nachtaktiven Tieren zu sehen. Bei unserer ersten Aufregung winkt er ab. Die Unmengen von Augenpaaren, die wir gesehen haben, gehören zu einer Herde Impalas. Wir fahren ins Dickicht, es ist unheimlich, durch den dunklen Busch zu fahren, in den nur unsere Lampe etwas Licht bringt. Wir halten den Atem an, starren in den Lichtkegel, versuchen, etwas zu erkennen. Plötzlich Aufregung bei unseren Guides, ein Leopard! Wir folgen ihm, holen in ein, beobachten, wie er sich an eine Herde Impalas heranpirscht. Jeder Muskel ist zu sehen, elegant bewegt sich das Tier. Wir fahren bald weiter, andere Autos kommen, wollen auch den so seltenen Leoparden bestaunen. Insgesamt drei Leoparden sehen wir in dieser Nacht, ein unglaubliches Glück.
 
Es gibt eine alte afrikanische Sage, die vom Ende der Welt handelt. Kurz vor dem Weltuntergang haben nur noch der Leopard und das Krokodil überlebt, weil beide so verschlagen sind. Es beginnt der allerletzte Kampf, der Kampf zwischen dem Leoparden und dem Krokodil, die beiden, die alle anderen überlebt haben. Die Sage hat kein Ende, denn wir wissen nicht, wer den Kampf für sich entscheidet.
 
Später am selben Abend treffen wir auf ein Löwenrudel. Es sind Löwinnen und einige männliche Jungtiere, denn wenn die Männchen ein bestimmtes Alter erreicht haben, müssen sie das Rudel verlassen und selbst ein Weibchen suchen. Wir fahren bis auf etwa eineinhalb Meter an die Tiere heran. Vor der Fahrt hat man uns eingeschärft, wenn wir auf Löwen oder Elefanten treffen, sitzen zu bleiben, egal, was passiert. Dann blieben auch die Tiere friedlich, hieß es. Nun sitzen wir also in unmittelbarer Nähe der Löwen in einem offenen Wagen. Bleiben sitzen, natürlich. Und mir geht die Frage durch den Kopf, ob die Löwen diese Regel eigentlich auch kennen? Und was passiert, wenn sie sich nicht daran halten? Ein Gewehr haben unsere Guides jedenfalls nicht dabei. Aufregend. Neben einer Mitreisenden steht eine Löwin und schaut ins Auto. Und geht wieder. Der kurze Moment der Sorge wird rasch überlagert durch absolute Überwältigung. Ich schaue einer Löwin in die Augen und sie schaut zurück. Gänsehaut. Ich bin den Tränen nahe und sprachlos.
 
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Am nächsten Morgen finden wir wieder ein Rudel Löwen, möglicherweise handelt es sich auch um dasselbe wie in der letzten Nacht. Wir sind so nah, drei Jungtiere legen sich in den Schatten unseres Autos, ab und zu schauen sie hoch. Einige sind schon auf einem kleinen Hügel unter einem Baum im Schatten und ruhen sich aus. Plötzlich ein tierischer Schrei, verzweifelt klingt er, alle Löwen springen auf. Aufregung. Ein Impala flieht, eine Löwin rennt ein paar Meter hinterher, bleibt dann aber stehen. Wir fahren in die Richtung, in der das Geräusch zu hören war und aus der das Impala kam. Eine Löwin kommt uns entgegen und hat ein junges Impala im Maul. Daher die Aufregung. Andere Löwen verfolgen jetzt die mit der Beute, wollen auch ihren Teil. Doch die Löwin rennt weg und frisst, weit, weit entfernt, das junge Tier.
 
Während wie noch die Löwen beobachten, spielt sich in unserem Rücken ein weiteres wunderbares Schauspiel ab: Dutzende von Elefanten kommen rechts aus dem Busch, laufen über die freie Fläche. Es hört nicht auf, immer mehr kommen aus dem Busch, es mögen fünfzig sein, eher hundert, es sind Massen. Wie, um die Kulisse noch schöner zu machen, stehen da auch noch Giraffen vor diesem Schauspiel. Ich weiß nicht, mehr, wo ich hingucken soll, vor mir und neben mir die Löwen, hinter mir die Elefantenherde. Zebras, richtig, da sind auch noch Zebras.
 
Immer wieder geht mir auf dieser Reise ein Zitat von Michael Grzimek aus „Serengeti darf nicht sterben“ durch den Kopf, bekommt von Tag zu Tag mehr Bedeutung: „Immer bleibt die Natur, solange wir sie nicht sinnlos zerstören. In fünfzig Jahren wird sich niemand mehr für das Ergebnis der Konferenzen interessieren, die heute die Zeitungsschlagzeilen füllen. Aber wenn ein Löwe im rötlichen Morgenlicht aus dem Gebüsch tritt und dröhnend brüllt, dann wird auch Menschen in fünfzig Jahren das Herz weit werden. Ganz gleich, ob diese Menschen dann Bolschewisten oder Demokraten sind, ob sie englisch oder russisch, suaheli oder deutsch sprechen. Und sie werden stumm dastehen und ihren Nachbarn an der Hand fassen, wenn sie zum ersten Mal zwanzigtausend Tigerpferde über die endlose Steppe ziehen sehen.“ Das trifft es gut. Es gibt da diese Ergriffenheit, dieses Gefühl, das man schwer beschreiben kann.
 
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Wir verlassen den South Luangwa und machen uns auf den einen Tag dauernden Weg nach Lusaka, in die Hauptstadt von Sambia. Noch vor der Abfahrt haben wir gehört, dass Diesel gerade mal wieder knapp ist in Sambia, ein deutscher Tourist saß eine knappe Woche in Lusaka fest, bevor er weiterfahren konnte. Aus, es gab keinen Treibstoff. Wir sind also gespannt, sind definitiv darauf angewiesen, dass wir in Chipata, der nächst größeren Stadt Diesel bekommen. Erleichterung, als wir uns der Tankstelle nähern. Große Benzinlaster stehen da, offenbar wurde oder wird geliefert. Nicht nur wir sind erleichtert, Autoschlangen von allen Seiten. Alle warten, keiner weiß, wie lange. Wir brauchen Zeit und Geduld. Beides haben wir. Das ist eine der Lektion, die Afrika den durch Hektik bestimmten Europäer lehren kann.
 
Wir fahren lange parallel zur Grenze nach Mosambik, überqueren eine Brücke, die wir nicht fotografieren dürfen, weil sie, so wird uns erklärt, ein strategisch wichtiger Punkt sei. Kurz hinter der Brücke halten wir in einem winzigen Ort und gehen in einen kleinen Laden. Aus dem Kühlschrank bekommen wir mäßig kalte Getränke, wir stehen vor dem Eingang in der Hitze und schauen auf einen Fernseher, der in ziemlicher Lautstärke läuft. Zwei Männer sitzen davor. Für uns der erste Fernseher nach zwei Wochen. Englische Nachrichten sind eingestellt und übertragen – ausgerechnet, mitten in Sambia: Angela Merkel, die eine Rede vor dem Kongress hält.
 
Lusaka ist eine laute und hektische, mitunter stinkende Großstadt. Mittendrin moderne und große Einkaufscenter mit teuren Restaurants. Hier sitzen nur Weiße. Die Preise unterscheiden sich nicht von denen, die ich in deutschen Restaurants zahle, es verwundert nicht wirklich, dass hier keine Einheimischen essen, wovon denn? Einer der Einkaufsmärkte ist im gesamten Eingangsbereich mit Weihnachtsdekoration geschmückt und wird mit „Silent Night“ beschallt. November in Lusaka! Wir verlassen den Parkplatz des teuren Einkaufszentrums und fahren durch verdreckte Straßen mit kleinen Geschäften, teilweise Ständen, auf denen alles Mögliche verkauft wird. An jeder roten Ampel kommen Verkäufer an die offenen Autofenster, wollen Guthaben-Karten für Handys verkaufen, Zeitungen, Spiele oder Bauchmuskeltrainer. Lusaka ist eine Stadt voller Kontraste, dieser Klischee-Satz trifft hier zu.
 
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Wir parken am Postamt an der Cairo Road, steigen aus und spazieren durch die umliegenden Straßen. Es fällt auf, dass inmitten des Staubs viele außerordentlich gut gekleidet sind, sich ganz offensichtlich Mühe geben, ein gepflegtes Äußeres zu haben, auch wenn sie arm sind. Männer in Anzügen mit Krawatte, Frauen in schicken Kleidern. Sie sind stolz.
 
Dann wieder in die Natur. Im Kafue Nationalpark machen wir uns früh morgens auf den Weg zu den Busanga Plains im Norden des Parks. Unterwegs sehen wir aus der Ferne eine Herde Elefanten. Sie sind groß, sie sind riesig, größer als alle, die wir bisher gesehen haben. Aufgrund der Wilderei sind die Elefanten hier äußerst aggressiv, wurden wir gewarnt. Und bekommen diese Warnung eindrucksvoll bestätigt: Die Leitkuh greift an, obwohl wir mit unserem Jeep weit weg sind. Der Angriff eines Elefanten ist eindrucksvoll und schüchtert ein. Wir fahren rasend schnell weg, ich mag mir nicht ausdenken, was passiert würde, wenn jetzt der Motor absäuft.
 
Die Regenzeit hat sich bereits mit einigen ersten Schauern angekündigt und so werden die Straßen immer unbefahrbarer, Schlamm und tiefe Pfützen prägen den Weg. Dreimal bleiben wir an diesem Tag stecken, einmal in einer recht unangenehmen Situation, die tiefe Pfütze ist umgeben von hohem Gras, durch das Wasser und das Gras müssen wir uns kämpfen, um Holz zu suchen, das unter die Reifen geschoben werden kann. Es ist ein bisschen unheimlich, in Sandalen durch das Gras zu laufen, nicht sehen zu können, was da potenziell alles drin ist, ganz nah vielleicht. Die Einschüchterung durch den Elefanten ist noch nicht lange her, hier möchte ich nun keinem begegnen, schutzlos wie ich bin. Nach einer Weile der Sucherei kommt das einzige Auto, dem wir an dem Tag begegnen, und zieht uns raus.
 
Was wissen wir eigentlich über Sambia, organisiert und beschützt wie wir reisen? Wie gut lernen wir das Land kennen? Wir sitzend bequem in unserem Jeep und wenn wir angestarrt werden, winken wir fröhlich zurück. Es sind erste Eindrücke, die wir mitnehmen, manche davon sehr intensiv, viele werden bleiben, haben mich sehr bewegt.
 
Aids ist ein Riesenproblem in Sambia, zahllos sind die Aids-Waisen, die Lebenserwartung liegt in Sambia unter 40 Jahren. Auf unseren Fahrten bekommen wir davon aber nichts mit, außer den immer wieder groß in der Landschaft hängenden Plakaten, die davor warnen. Das Land ist arm, ungeheuer arm. Doch strahlen viele Menschen trotzdem Fröhlichkeit aus, lachen uns an, winken uns zu, scheinen sich zu freuen, dass wir in ihr Land reisen. Wie viel davon ist Fassade – ich weiß es nicht. Unser Reichtum: Was wir allein in den Lodges, in denen wir zwischendurch übernachten, muss ihnen unermesslich vorkommen.
 
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Was hat es eigentlich auf sich mit diesen Ländern in Afrika, dass sie so viele Menschen faszinieren, dass so viele immer wiederkommen? Andere gleich dableiben? Christoph Schlingensief, der gerade ein Festspielhaus in Burkina Faso ins Leben gerufen hat, möchte nach Afrika zum Sterben, wenn sich seine Krebs-Erkrankung verschlimmert. Henning Mankell hat in Mosambik ein Theater gegründet und lebt dort teilweise. Er sagt, dass er zwanzig Jahre gebraucht hat, bevor er sich getraut hat, über Afrika zu schreiben. Afrika verwirrt, es gibt hier keine einfachen Antworten, sondern das Fragezeichen im Kopf wird, im Gegenteil, immer größer.
 
In seinem wunderbaren Roman „Das Auge des Leoparden“, der in Sambia spielt, schreibt Mankell über seinen Helden: „Aber der schwarze Kontinent als Ganzes wird immer ungreifbarer, je mehr er zu verstehen glaubt. Er spürt, daß Afrika im Grunde kein Ganzes ist, jedenfalls nichts, was er mit seinen angestammten Vorstellungen begreifen oder sich zu eigen machen könnte. Hier gibt es keine einfachen Losungsworte. Hier sprechen hölzerne Götter ebenso deutlich wie die Lebenden. Die Wahrheit der Europäer verliert in der Weite der Savanne ihre Gültigkeit.“