Uganda - Ruanda Reisebericht:
Safari zu den letzten Berggorillas

 
Berggorilla, Gorilla, Menschenaffe, Silberrücken
 
Grünes und staubiges Afrika zwischen Mt. Elgon und Virunga Vulkanen
 
Reise vom 31.01. – 19.02.2006
 
Nach einem Lichtbildervortrag über die letzten, in freier Natur lebenden Berggorillas, gab es für Petra kein Halten mehr. So buchten wir die Reise kurz entschlossen.
Viele Freunde teilten unsere Begeisterung nicht und erhoben zweifelnd Bedenken, solche politisch unruhigen Länder zu besuchen? Die schlimmen Tragödien der Bürgerkriege aus den 70er und 80er Jahren haften noch im Gedächtnis.
Die Republik Uganda, etwa so groß wie Deutschland, liegt umsäumt von Kongo, Ruanda, Tansania, Kenia und Sudan – entlang des Rift Valley. Ein Sechstel des Landes nehmen Binnengewässer ein! Es leben hier ca. 30 Mio. Einwohner, in der Hauptstadt Kampala etwa 1,5 Mio. Für den Export des Agrarlandes hat der Anbau von Kaffee, Tee, Tabak, Mais, Bohnen, Baumwolle und Handel mit Fischprodukten Bedeutung. Amtssprache ist Englisch, neben Bantusprachen wie Suaheli, Luganda, folgen hamitische u.a. Weit über 1 Mio. Ugander telefonieren per Handy. Mehr als die Hälfte glauben den großen christlichen Religionen. Zwei Drittel gehören den Stämmen der Bantu an, im Norden leben mehr Sudanesen und Niloten.
 
Das Klima ist, mit durchschnittlich 15 – 27° C tropisch sehr gemäßigt, teils durch Höhenlagen begünstigt. Die Vegetation besteht hauptsächlich aus Feucht- und Dornbuschsavanne  (2 000 – 400 mm Niederschlag).

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Uganda, als Teil des alten Königreiches Buganda hervorgegangen, war früher das blühend- ste Land Schwarzafrikas. Von 1884 – 1918 gehörte es mit Tansania, Ruanda und Burundi zu Deutsch-Ostafrika. Später wurde es den Briten und Belgiern unterstellt. Nach der Unabhängigkeit 1962 verkam der Staat unter Machtkämpfen, Terror, Willkür, Massaker und Kriegen zur wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit.
In den letzten Jahren erholt sich das, wegen landschaftlichen Höhepunkten so sehenswerte Land, wieder zur „Perle Afrikas“ (Churchill).

Das noch ärmere „Hügelland“ Ruanda umfaßt nur ein Neuntel der Fläche des Nachbarlandes, zählt aber mit 9 Mio. Einwohnern zum bevölkerungsreichsten Staat Afrikas. Heute vermischen sich die verfeindeten Gruppen Batutsi und Bahutu, die den katastrophalen Bürgerkrieg 1994 bestimmten.
 
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31.01.2006
Bei kaltem, grauem Frostwetter verlassen wir mittags Leipzig mit dem Zug nach Frankfurt. Auf dem Flughafen treffen wir Jürgen, stopfen die Regenjacken in die Packsäcke und sind froh, diese am Schalter loszuwerden.
In einem A 340 – 500 der „Emirates“ erheben wir uns zunächst 20.15 Uhr nach Richtung Dubai in die Nacht. Bei guter Verpflegung betrachten wir verwundert die bunte Illumination im Flugzeug: Licht der untergehenden Sonne, dann blinkende Sterne an der Decke. Monitore an der Rückenlehne zeigen nicht nur die Bilder der beiden Außenkameras, sondern bringen auswahlweise auf 998! Programmplätzen neuste Filme, Musik–DVD, CD, Nachrichten... Wie ist das technisch möglich? So sehen wir schon vorab den Cash-Film „Walk the Line“ und schlafen deshalb kaum.

 

01.02.2006
Vor der Zwischenlandung erstrahlt Himmelsblau samt Vogelgezwitscher.
In dem glitzernden Flughafen Dubais haben wir drei Stunden Zeit, alle Auslagen zu kontrollieren.
Wir fliegen weiter mit Zwischenstopp in Nairobi nach Entebbe. Im A 340 – 300 sitzen wir ungünstig eng.
Der riesige Victoriasee versteckt sich teilweise, wie der Mt. Elgon, hinter Wolken. Die Uhr stellen wir 2 Std. vor.
Angenehme Wärme umschmeichelt uns bei Ankunft. Vor dem Schalter unterhalten wir uns mit einer deutschsprechenden Kanadierin. Problemlos erwerben wir ein Visum. Die Gruppe findet sich zusammen und wird von zwei Schwarzen, namens Robert und Gilbert abgeholt. Mit zwei Autos fahren wir die 40 km nach Kampala zum „Namirembe Guest-House“.

Die Stadt leidet unter einem Verkehrsinfarkt, besorgt schauen wir in einen Strudel allseitig lückenfüllender Fahrzeuge. Fahrradtaxis, Mopeds, Minibusse sind überladen und nutzen jeden Meter Freiraum. Verkehrsschilder oder Ampeln sind nicht zu entdecken. Straßenmärkte bieten reichlich Obst.
Von der gepflegten Hotelanlage blickt man auf die Stadt hinab. Das Haus steht unter kirchlicher Leitung. Alkohol- und Tabakgenuss sind verboten.
 
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Robert und Gilbert erklären nur in englischer Sprache. Der versprochene deutschsprechende Reiseleiter wäre krank.
Wir stellen uns vor: Monika und Anton aus Österreich, Sabine, Michael und wir drei. Zwei weitere Teilnehmer werden erst nach der Bergtour anreisen. Nach den Informationen auf der Terrasse fahren wir zum Geldtausch in die Stadt. Dollarnoten dürfen nicht älter als 6 Jahre sein, kleine Stückelung wird zu ungünstigerem Kurs umgetauscht. Für Dollar bekommen wir einen dicken Pack Ugandaschillinge.
In einem Supermarkt kaufen wir für die Bergbesteigung Dopingnahrung. Das Angebot ähnelt dem heimischen.
Ohne lange Dämmerung wird es schnell dunkel. Am Buffet locken Kochbananen, Bohnenmus, Tilapia (ein Raubfisch afrikanischer Seen) und sonnengereiftes Obst. Anschließend räumen wir die Packsäcke, nicht Benötigtes verbleibt später im Auto.
Ich repariere erst einmal, wie immer und überall, die Klospülung. Gute Nacht unterm Moskitonetz.

02.02.2006
Wir bahnen uns den Weg durch quirliges Treiben in der Stadt. Linksverkehr!!
Manchmal sitzt, teils für quer, die ganze Familie auf dem Rad oder Moped.
Die löchrige Asphaltstraße führt durch grüne Landschaft, Streusiedlungen mit häufigen Bananenstaudenpflanzungen, Zuckerrohrfeldern, Teeplantagen, roten Termitenhügeln. Verschieden bunte Vögel sitzen in blühenden Bäumen. Wir queren den Victoria – Nil. Die
Owenfälle sind wegen Bau des Staudamms geflutet worden. Das große Wasserkraftwerk deckt Ugandas und Ruandas Strombedarf.
Das Wetter ist heiter, im Auto haben wir feuchtwarme 33° C.
Unter Euphorbienbäumen stehen schilfbedachte Rundhütten und Backsteinhäuschen. In vielen Grundstücken fehlen nie Ziegelbrennöfen.

 

Halt an den Sipi – Fällen, hier auf 1 770 m Höhe stürzen mehrere Wasserläufe die Steilwände hinab. Die Vegetation besteht u.a. aus riesigen blühenden Disteln, Datura und Kaffeebäumen. Kinderscharen begleiten uns. Hübsche Hüttencamps sind entlang der Aussichtspunkte errichtet, von denen man in das riesige Canyon des ostafrikanischen Grabenbruchs blickt.
Um Zeit zu gewinnen, nächtigen wir nicht hier, fahren weiter zu dem am Berghang gelegenem Nest Budadiri. Beziehen eine fensterlose Box, waschen uns am Faß und lassen die Stimmung auf uns wirken, die Kerzenlicht auf dem Plumsklo verbreitet.
Johannes, der Koch, serviert auf dem Hof warmes Abendessen. Der Strom wird abgeschaltet. Die Rucksäcke für morgen werden noch gepackt. Ein kurzer Besuch im Dorf zwischen Fahrradtaxen, Menschenmassen und Rauchschwaden wird durch Dunkelheit beendet.
03.02.2006
5.30 Uhr aufstehen! Mm, es gibt zum Frühstück Eierplinsen, danach Wasserflaschen verstauen. Fahrt zum nächsten Dorf Bumasola, dort hinterlassen wir Fahrzeuge und Teile des Gepäcks. Träger balancieren Verpflegung, Hausrat und unsere Schlafsachen geschickt auf ihren Köpfen. Vor hier aus beginnt der Aufstieg zum Mt. Elgon. Steil bergan geht es durch hüttenbesiedelte Bananenpflanzungen, Gemüsefelder, Papaya- und Avocadobäume. Kinder rufen uns „Jambo“ zu. Leuchtendrote Haemanthus blühen. Dann müssen wir das steinig steile Mudange Kliff emporklettern. Das ist eine schweißtreibende Angelegenheit, dafür werden wir mit einem schönen Tiefblick entlohnt.
 
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Im Bergregenwald ist der Schatten willkommen. Von den Ästen flattern Flechten, hängen Lianen und meterhohe Strohblumenbüsche locken zum Fotografieren. Heidekraut wächst zur Baumgröße. Lavendel, Salbei und Dost verbreiten in der Sonnenglut würzige Düfte.
Später wechselt die Vegetation, dichter Bambusstangenwald filtert das Sonnenlicht. Das Thermometer zeigt 36° C.
Wir treffen zwei deutsche Entwicklungshelfer aus dem Kongo, die hier Wanderurlaub verleben.
Zeitiger als erwartet kommt das Sasa-Camp in Sicht. Die Träger haben die Zelte schon aufgestellt. Auf einer Bambusstange sitzend nehmen wir die Mittagsspaghetti ein.
Am Bach läßt es sich erfrischend waschen. Ein Schwarzer bietet sich an, wieder zurückzulaufen und einen Kasten Bier zu holen! So steht einer inneren Abkühlung nichts im Wege. Die Einheimischen beziehen die Hütte, durch deren Schilfdach dicker Rauch quillt. Freundlich wird heißes Wasser für Tee und Kaffee serviert.

Die Nacht am schwatzenden Bach wird mit 3° C recht frisch (2 860 m).

 

04.02.2006
Mit dem ersten Licht packen wir zusammen, folgen dem Wasserlauf, wandern dann weiter unter bemoosten, alten Baumriesen. Als es lichter wird, gedeihen Rittersporn, Lobelien, Tamarisken und viele reichblühende Sträucher in der sonnenüberfluteten Landschaft. Schöne Fernblicke auf Gebirgsketten. An der Ranger–Kontrollstation ist die Buschwaldgrenze erreicht. Ab jetzt bestimmen meterhohe Senecien das Bild. Wie harzig-würzig es duftet! Verschiedene Vögel sind als einzige Tiere auffällig.
Der alte, riesige Vulkan (50 x 80 km) mit seinen Gipfeln ist jetzt gut zu erkennen.
Wolken ziehen auf, sogleich kühlt es auf 14° C ab. Bei 3 500 m treffen wir am Mude-Camp ein. Imbiss mit sonnenreifer Ananas und reichlich Tee. Vom Berg kommt ein Jamaikaner nebst Freundin, erschöpfend berichtet er von Afrikaerlebnissen.
Den Nachmittag spielen wir mit den Trägern vor ihren Schlafhütten, in denen das Küchenfeuer qualmt. Jürgen bastelt wieder eine „Hui – Maschine“, alle nehmen regen Anteil mit kindlicher Freude. Wind vertreibt die Wolken. Vom Toilettenhäusel genießt man den schönsten Ausblick. Ein kräftiges Lagerfeuer wärmt bei 3° C.

 

05.02.2006
Gipfelsturm! In Dunkelheit im Stehen Weißbrot und Tee gewürgt und beim Schein der Taschenlampen losmarschiert. Bereifte Kräuter knistern unter den Sohlen (Frost am Äquator!). Vor dem rosa-blauen Morgenhimmel stehen die zerklüfteten Vulkanberge, dann werden die Spitzen der Senecien angestrahlt und schon glitzern die Eiskristalle auf den Grashalmen im Sonnenlicht. Die Baumsenecien werfen endlose Schatten, kalter Windhauch, kristallklare Fernsicht. Blühende Pflanzen drücken sich in Bodensenken, manche Steingartenpflanzen falten sich über Nacht zusammen.
Ein genußvoller Bergwanderpfad durch fremdartige Vegetation! Sogar verschiedenfarbiger Enzian bildet kleine Polster.
Die verpflichteten Soldaten tragen dicht hinter mir pflichtbewußt die Kalaschnikow. Bleibe ich (sehr häufig) stehen, um irgendwas zu filmen (wozu macht der das?) halten sie auch inne. Gut, dass man alles ausschwitzt.
 
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Vorbei am malerischen Jacksons Pool, ein blauspiegelnder Teich im gelben Gras, bewacht von den Geisterbäumen, geht es aufwärts zum Kraterrand. Die Caldera mißt 8 km im Durchmesser. Auf ihrem Boden leuchten Seen. Über felsiges Terrain steigt man nun durch weiße Strohblumenpolster, die wie Schneehaufen aussehen, zum höchsten Punkt (Wagagai 4 321 m).

Vor der Regenzeit wird überall der Grasbestand abgebrannt. Durch Schwaden und Smog blicken wir auf Bergketten Kenias und Ruandas.
Stärkender Imbiß! Die Begleiter haben Tee, Tassen und Sandwichs mit hochgetragen.
Nach vielen Fotos geht es eilig abwärts. Am Mude-Camp sind die Zelte schon weg. Es gibt zur Stärkung Kartoffelsalat und eine Stunde Ruhezeit. Die anderen möchten wärmer nächtigen und so laufen wir durch bis Sasa auf 2 850 m und gewinnen Zeit für längeren Aufenthalt in Jinja.

 

06.02.2006
6 Uhr aus dem Zelt und später wieder durch den wilden Wald mit den vielen üppigen Blumen – bei anderer Beleuchtung – abwärts.
Der Steilabstieg von 800 Höhenmetern schwächt die Fußgelenke. Bei der Anfangseuphorie hat man das gar nicht wahrgenommen. Die Träger aber tänzeln mit ihren schweren Lasten an uns vorbei. Wieder durch die Hüttensiedlung, vorbei an prächtigen Rindern, in der Luft Holzfeuerrauch. Dann sehen wir eine Obstbranddestillerie in Aktion. Bananen–Ananas–Maische im Eisenfaß, darunter lodert ein Feuer und der Geist kondensiert im Wasserbad zu einem ungemein aromatischen Brand, der noch lange auf der Zunge zu verspüren war.

Flankiert von der jungen Bevölkerung kehren wir zu unseren Fahrzeugen zurück. Die Trinkgeldübergabe an die Begleitmanschaft verläuft ohne Zeremonie.
 
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Über Budadiri fahren wir auf staubiger Buckelpiste, vorbei an Bananenstauden, Hütten, Ziegelsteinhaufen, Flammenbäumen, Verkaufsständen zuerst Richtung Mbale. Am Horizont steht im Dunst die 4 000er Mauer. Ehe wir in die Stadt kommen, schütteln uns die Bumps (quer über die Straße errichtete Wälle) kräftig durch.
Laute Kulisse: Wahlkampf auf ugandisch. Wie schon einmal essen wir im gleichen Lokal

Pizza.
Gelegentlich müssen wir pausieren, weil das Kühlwasser kocht. Wie immer kommen Kinder angelaufen, eine Jakfrucht wechselt die Besitzer.
Spiegelndes Wellblech auf den Hütten, Siedler formen Ziegelsteine, Lantanahecken, Termitenhügel in Maisfeldern, Plastverpackungen liegen liederlich herum. Vergilbtes Grasland brennt mal wieder, das erregt mein Mißfallen, weil neben Kleintieren auch junge Bäume sterben.
Eine Kontrollstelle behauptet sich mit Nagelbrettern auf der Straße. In Auslagen zwischen Krautköpfen werben Bilder für den neuen Präsidenten. Reihenweise stehen Polstermöbel, Bettgestelle, Särge und Antennen zum Verkauf am Straßenrand.
Hundert buntgekleidete Frauen warten mit ihren gelben Plastkanistern an der Wasserstelle. Staub! Staub! Staub! Bei vollem Betrieb wird die Straße ausgebessert. Dazu ist eine Seite mit Steinreihen und grünen Zweigen abgeteilt, auf die aus Eimern Asphalt gegossen wird. Kreuzungen sind als Kreisverkehr ausgebaut.
 

Dann kommen wir nach Jinja, der zweitgrößten Stadt. Ein schöner Zeltplatz liegt am Steilufer des Nils, prächtige Ausblicke gratis. Nach dem notwendigen Duschen trinken wir ein süffiges, süßes Bier namens „Nile – special“ und schauen dabei vom Flaschenetikett auf den Strom.
Johannes bereitet ein Fischessen zweier Zubereitungsarten. Unterm Sternenhimmel, bei angenehmer Wärme, lassen wir es uns schmecken.
07.02.2006
Bis 7 Uhr dauert die Nachtruhe. Wir haben Zeit, da ein Tag herausgelaufen wurde. Nach reichem Frühstück, Jürgen ißt weniger, da er nebenan zum Bungeespringen will, fahren wir zu den Bujagali – Fällen. Inmitten blühender Bougainvillea u.a. tosen die klaren Wasser des Nil abwärts. Dieser große Fluß beeindruckt mich immer wieder. In der romantischen Anlage läßt es sich für einige Dollar in Zelt oder Hütte nächtigen.

Als folgende Sehenswürdigkeit bietet sich die Nilquelle an. Der längste Fluß Afrikas, zweitlängster der Welt, entspringt bereits als Strom dem Victoriasee. Auf einem Boot erkunden wir dort die Uferzonen. Gleisendes Licht, feuchtwarm – es gibt Adler, Reiher, viele farbenfrohe Vögel, Warane zu beobachten, Fischer auf Einbäumen holen Netze ein. In Gedanken schippere ich auf dem Sepik.
 
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Zum Mittag stauben wir nach Jinja, amüsieren uns über die Fahrradtransporteure, beladen mit Fässern, riesigen Holz-, Zuckerrohr-, Maisstrohbündeln, Polstersessel, drei Leuten und vier Kisten...
Endlich essen wir in einer Kneipe landestypisch. Wie überall schmeckt es dort am besten: Spinat mit Sesamöl und Erdnüssen, Kochbanane, Reis. Wir drei essen jeder einen Tilapia. Zum Mahl werden Kerzen entzündet.
Der Stadtbummel bereitet Spaß, zwischen schmucken Schulkindern (mit Schlips), aktenkoffertragenden Beamten auf dem Radrücksitz oder den Änderungsdienstleistern auf den Fußwegen an Pfaff- und Singernähmaschinen.
Neben dem Zeltplatz gibt es eine kaum belegte, gepflegte Ferienhaussiedlung, in deren Pool erholen wir drei uns am Nachmittag.
Zum Abendbrot schlachten wir unter Anleitung die große Jakfrucht. Hinterher wußten wir, warum der Koch darüber nicht begeistert war. Eine aufwendige Piepelei, aromatischer eigener Geschmack, aber mit Latex verklebte Hände, die nur langwierig mit Öl und Putzlappen halbwegs zu reinigen waren, sind der Preis für die Neugier.

08.02.2006
Das liebliche Fleckchen verlassen wir und rollen auf Kampala zu. Vom Straßenrand wird uns wieder viel geboten, meilenweise könnte man Holzkohlesäcke erwerben.
In der Hauptstadt besichtigen wir das Nationalmuseum, dort werden auch Musikinstrumente vorgeführt. Die lange Geschichte Ugandas und das Leben seiner Völker lassen sich erfahren. In Kriegswirren wurde diese Stätte geplündert und zur Hälfte beschädigt.
Kasubi Tombs (die Kabaka-Gräber), auch Königspalast genannt, besteht in der Hauptsache aus einer mächtigen, kegelförmigen, schilfgedeckten Grabhütte. Hier ruhen die bis 1969 gestorbenen Könige. Die Innenausstattung aus geflochtenen Rindenstoffbahnen, Bambus, verschiedenen Kultgegenständen, als auch das Bauwerk selbst, sind irgendwie beeindruckend. Wir müssen barfüßig auf dem Teppich sitzend, den Ausführungen lauschen.

Der Marktbesuch fällt leider zu knapp aus, dieser erinnert an eine Geflügelausstellung. Wir fallen auf und gehen auf die Händler, Vermittler, Treiber ein, werden von zwanzig Leuten bedrängt zu kaufen, Vorzüge der begutachteten Ware werden mit Gestik und Geschnatter angepriesen, Preise hoch- und heruntergehandelt, weitergereicht. Deutsch? Deutsche gut!
Zwischen Hühnern, 30 cm–Ananas und Avocados hängen die Wahlkandidaten. Jürgen läßt sich erläutern, welcher von den Spitzbuben der beste ist. Zwischendurch will ich möglichst unauffällig filmen. Petra kauft Vanilleschoten und Bananen. Für mich bedeutet dieses Bad in der Menge keinen Streß. Könnte hier stundenlang verweilen!           
 
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Unter einem Gummibaum, der jede Dorflinde in Deutschland beschatten könnte, essen wir im feinen indischen Restaurant Mittag. Schick und teuer (Inder sitzen in Uganda an den Schaltstellen des Handels!).          
Marabus beobachten das Verkehrsgewühl von den Peitschenlampen herab. 36° C und Abgasbelästigung.
Die zwei Nachkömmlinge Franz und Ellen sind mittlerweile eingetroffen, als wir wieder im christlichen Guest-House landen.
Am Abend fährt unsere Gruppe mit Sammeltaxi nochmals zum Inder. Alle 15 Minuten geht der Strom in der Stadt für 10 Minuten aus. Der Nil führt zu wenig Wasser fürs einzige Kraftwerk.

09.02.2006
5 Uhr aufstehen. Stromsperre. Verspäteter Kaffee. Dafür prächtiges Morgenrot über der Stadt. Ivan, der deutschsprechende Dolmetscher, taucht auf.
Fahrt durch die hektische, pulsierende Nudeltopf – Hauptstadt, Gerüche nach brennendem Plastabfall, Holzfeuer, Abgasen ziehen durch die Morgenkühle... Eine Tafel verkündet: „Kampala – Sweet Taste“.
Tausend Taxi (Moped, Rad, Minibus) wälzen sich durch Schlaggruben (fast tagebaugroße Schlaglöcher), Zeitungsjungen verfolgen jeden Autohalt.
Das Völkchen hier ist fleißiger als das in Äthiopien, stellen wir fest.
Über Land sieht man viel Grün, Sümpfe, Felder, Brachland, Streusiedlungen, vom Krieg zerstörte Häuser, Baustellen mit Ziegelhaufen und Brennöfen, gewaltige Feigenbäume, Palmen, Baumeuphorbien, farbenfroh gekleidete Schulkinder...
Leider brettern wir zu schnell vorbei. Eine gerade Piste führt nach Norden über rote Erde, roten Staub, verdorrtes Gras. Es hat drei Monate nicht geregnet.
 
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Im Ziwa Rhino Nationalpark streifen wir durch herrlich afrikatypische Savannenlandschaft und suchen Nashörner. Die trockenen Wedel der Kokospalmen poltern im heißen Wind. Euphorbia candelabrum, baumgroß, blühen reich.
Zwei Parkranger führen zu zwei Tieren, die uns recht dicht heranlassen, es scheint so, als zweifeln sie, uns umzurennen oder lieber nur zu beäugen.

Straßenbaustelle, Staub, Staub, Staub. Mittagessen in Masinde. Beim Gemüsepizzaessen von der Straßenterrasse lassen sich hunderte Kinder beobachten, die gerade der Schule entfliehen oder vorbeifahrende Massentransporte auf zwei Rädern.
Weiter geht’s durch lockeren Akazientrockenwald zum Murchison NP, 36° C im Schatten sind schweißtreibend. Der Zeltplatz unweit des Nils bietet eine Dusche und Bar. Nachts werden wir von Geräuschen geweckt. Ein Flußpferd grast um das Zelt. Das Kollern seines Magens ist deutlich zu vernehmen. In Ferne trompeten Elefanten.
10.02.2006
Noch in der Dämmerung machen wir uns zur Pirschfahrt auf. Mittels Fähre setzen wir über den Nil. Eine fotogene, rote Sonne entsteigt dem Dunst. In den freien, teils baumbestandenen Gefilden grasen Wasserböcke, Uganda Kob, Antilopen, Gazellen, Ducker, Kaffernbüffel, alles sehr zahlreich, auch Warzenschweine sind häufig. Bunte Vögel turnen geschäftig im Strauchwerk, an Wasserstellen sind die großen Vertreter wie Störche, Reiher, Pelikane, Marabus, Komorane auch Seeadler und Geier zu beobachten. Die sumpfigen, malerischen Niederungen um die Ufer des Albertsees sind davon reich bevölkert. Im Wald zeigen sich auch Elefantenherden und Giraffen. Ein Viertel der Bäume sind von Elefanten umgeworfen.
Mittagessen auf dem Zeltplatz. Ein Warzenschwein sucht nach Eßbarem. Verschmäht aber Füße des siestahaltenden Jürgen.
Anschließend schippern wir zwei Stunden auf dem Nil, staunen über die zahlreiche Population von Flußpferden. Beachtlich große Krokodile flüchten aus der Sonne ins Wasser. Als die Murchison Nilfälle in Sicht kommen, legen wir an und klettern einen steilen Berg zur besseren Aussicht empor. Hier bieten sich beeindruckende Tiefblicke. Der 600 m breite Nil zwängt sich durch zwei, nur 6 – 7 m breite Felsschluchten und stürzt 40 m hinab. Das ist die gigantische Hölle. Mit einer enormen Geschwindigkeit tosen donnernd die Fluten, 10 m sich aufbäumend, zu Sprühnebel zerstäubend, in Regen verwandelnd, durch den Schlund. Diesem Inferno entkommt keiner lebend. Fette Krokodile und Greifvögel nähren sich reichlich von den toten Fischen. Der Steig führt entlang des Naturwunders. Die Felsen sind üppig überwuchert mit Lianen, Fahnen von Flechten und Moosen. Ein Regenbogen wird auf dem Wasserschleier über der Gischt projiziert – alle sind schon weg, ich kann mich nicht losreißen. Mächtig gewaltig... (hinterher kam dann die Film- und Fotoflut).

11.02.2006
5.30 Uhr Abbau in der Dunkelheit, 7 Uhr Sonnenaufgang, lange Autofahrt nach Fort Portal.
Wir queren trockenes Land, blicken von der Höhe in den endlosen Grabenbruch.
Hier wird Baumwolle gepflückt, turmhoch auf Lastwagen transportiert. Der Sandboden läßt den Anbau von Mais und Maniok zu. Die Hütten sind ärmlich. Am Straßenrand stehen Aloe und Euphorbien. Scharen von Frauen balancieren die gelben Plastkanister mit Wasser auf dem Kopf. Das Auto springt über die Wellblechpiste, Staub dringt massiv durch alle Ritzen, entgegenkommende Busse rasen extrem rücksichtslos. Ein dutzend tote Rinder auf der Straße zeugen davon.
Tankpause in Hoima wird zum Schlendern über den Markt genutzt. Fotos werden nur bei Kauf gewährt. Die Auslagen des Fleischers lassen jeden zum Vegetarier werden. Fische und Fliegen sonnen sich vor den Ständen. Die Fahrradwerkstatt ist unter freiem Himmel eingerichtet. Um die Drahtesel sind mehrere Bananenstauden festgezurrt, darauf noch lebende Hühner. Die Frauen sind bunt – schick bekleidet, den Regenschirm tragen sie auf dem Kopf.
 
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Wieder viel Brandrodung, schade um die schönen Bäume! Erneut im zweiten Fahrzeug „geniesen“ wir den Staub aus erster Hand.

Zum ersten Mal bewölkter Himmel, das Ruwenzori Gebirge kommt mit seinen 4 – 5 000 ern in Sicht. Wir sind 1 700 m hoch, auf den Hügeln ziehen sich endlose Teeplantagen hin, alle Kinder am Straßenrand rufen uns winkend zu.
Wir beziehen in Fort Portal kleine Villen und versuchen den roten Staub abzuseifen und abzuduschen, vergeblich – die Handtücher färben sich.
Abendmahl in feinem Lokal ist ein Flop. Afrikaspezialitäten sind ausgegangen, wohin?
12.02.2006
5.30 Uhr aufstehen! Heute werden wir die Schimpansen im Kibale Forst NP besuchen. Es ist kühl, Nebel hängen über den Teefeldern, Autos werden in Bächen gewaschen, kerniges Brennholz wird gespalten, gestapelt, angeboten. Vorgärten schmücken sich mit blühenden Büschen. Paviane nehmen reißaus.
Am Parkeingang erfolgen die Einweisungen und Aufteilung der Gruppen durch Ranger mit ganz wichtigen Mienen. Dabei treffen wir wieder auf die Kanadierin.
Einer führt uns durch den Urwald, der schon ein Erlebnis bedeutet. Diese hohen, dicken, bewachsenen Bäume, mit meterlangen Brettwurzeln sicher im Morast verankert! Es sind auch Fußangeln durch Lianen ausgelegt, man darf Nesseln oder Dornen anfassen, eigenartige Gerüche schnuppern und Geräusche deuten. Große schwarze Ameisen marschieren wie ein Band über den Weg. Dann hören wir die Affen lärmen. Stapfen bergan durchs
Dickicht, bis wir die Tiere in den Bäumen erkennen. Entweder hocken Sie da oben, verzehren das frische Blattgrün oder sie toben gellend schreiend hinunter, hinauf, temperamentvoll springend, gelegentlich auf dem Boden laufend. Regenschauer fallen durchs Blätterdach. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Alsbald nimmt das die Filmkamera übel. Im dunklen Wald, gegen lichte Lücken in den Baumkronen schwarze Affen zu fotografieren, bringt kein zufriedenstellendes Ergebnis (die schnellen Bewegungen mit 1/15 sec festhalten?).
Vielleicht dauerte die Vorstellung eine Stunde? Jetzt kommt die Schimpansenfamilie zusammen, aber unser Leittier drängt leider zum Abmarsch.
Abwärts geht’s durch interessanten, zugewucherten Wald, da liegt Elefantenkot. Unsere feuchten Sachen sind grün vom Moos. Mit dem Eintrittsgeld haben wir für den Schutz der Schimpansen Gutes getan.
 
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Heimwärts sehen wir andere, scheue Primaten, einen papyrusumstandenen Kratersee und Feigenbäume.

Weiter führt der Weg nach Süden, vorbei am Ruwenzori Massiv. Rasante Geschwindigkeit lassen tolle Motive entgehen: hundert Barfüßige im Gänsemarsch mit Wasserkanistern auf dem Kopf, hundert Fahrräder mit diesen Behältern rundum behangen, zwischendurch leuchten Flammen-, Cassia- und Jakarandabäume zusammen als Farbenspiel.
Im Regenschatten der Berge erscheint das Land extrem trocken – nur blühende, baumgroße Euphorbien überleben.
Eine Baustelle zwingt uns, die Fahrbahn zu verlassen. Wieder Staub, den man schmecken und fühlen kann.
Halt! Der Äquator wird gequert. Zwei bezeichnete Ringe am Straßenrand und eine Linie verweisen auf die Halbierung der Erdkugel. Nun weiter südwärts müssten wir, ab hier, mit den Köpfen nach „unten“ laufen?
Es riecht nach vulkanischen Gasen. Später passieren wir den „stinkenden See“, ein Krater angefüllt mit farbigen Salzkrusten – das hätte ich gern näher als eine Fotosekunde untersucht (weiterhin im Virunga NP gibt es Krater, die mit Kohlendioxid gefüllt sind und Wild verenden lassen; eine ausströmende Gasblase hatte ein Dorf entvölkert...).
Der Queen Elizabeth NP kommt in Sicht. Zwei Elefantenherden bewegen sich diszipliniert parallel der Straße. Am Edwardsee, bei der Mweya Safari Lodge, stellen wir die Zelte auf einen schönen Aussichtspunkt auf.

Der breite Kazinga Kanal verbindet Edward– und George See. An dessen Ufer gibt es Nilpferde, Elefanten, viele Wasservögel, zu deren Beobachtung unternehmen wir eine Bootsfahrt.
Zurückgekehrt lodert schon ein zünftiges Feuer, es dämmert und donnert. Nicht lange dauert es, bis ein kräftiges Tropengewitter überrascht. Da es teilweise die Zelte flutet und das bereitete Abendbrot fortspült, fahren wir in die benachbarte, feine Lodge, ans feine Buffet, zwischen feinen Leuten essen. Verfolgen das Gewitter von der Terrasse, Fledermäuse umflattern uns, nähren sich von den Mückenvorhängen um die Lampen.

13.02.2006
Frühstück bei Taschenlampenlicht – es geht zur Pirschfahrt. Viele Tiere wollen uns sehen: äsende Flußpferde, große Hyänen, Huftiere, Elefanten, Büffel, Schweine, viele Vögel, Löwen ... Weibchen eines Löwenrudels schlagen eine Antilope, wir beobachten, wie die Jungen angelernt werden. Wieder viel abgebranntes Grasland.
Beim Zeltabbau besuchen uns Marabus und Warzenschweine, die Bananen aus der Hand fressen. Petra lockt eins heran und bietet kein Futter. Da wird dieses böse, schnauft, scharrt und Petra springt aufschreiend rückwärts mit blasser Gesichtsfarbe.
Abschied vom Edward See und einer sehr malerischen Landschaft. Der Himmel ist bedeckt, es nieselt etwas. Ziel wird der südliche Teil des NP sein.
Wechselnde Vegetation – trockengelbes und frischgrünes Dickicht, Galerie an Flußläufen mit Böcken, Gazellen, Büffeln u.a., Sandpisten bis zum Ishasa Camp.
Die Zelte stellen wir am romantischen Grenzflüßchen zum Kongo im Hochwald auf. Zwei Gruppen Hippos grunzen und röhren zu uns herüber. Neben ihrem Trampelpfad steht unser Zelt. Im ersten Parkett sitzend, essen wir Kartoffelsalat und beobachten die Szene.
 
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Abends kühle 25° C, deshalb Lagerfeuer, bei Mondschein (zunehmender Mond läßt sich hier mit einem a vervollständigen) und Flußrauschen: Grillen zirpen, nahes Nilpferdröhren, Elefantentrompeten, Hyänen- und Affenschreien.
Ein Pavianmann verteidigt unsere Abfallgrube.
14.02.2006
Noch im Dunkel essen wir unser Brot zum Tee und fahren schon Richtung Kinigi, Ruanda. Der Mond verblaßt, es dämmert. Die Wellblechbuckelpiste wird von einer großen Herde Wasserbüffel gekreuzt. Im nächsten Ort wird unser Auto in einer Werkstatt mit Preßluft entstaubt. Ordentlich gekleidete Schulkinder sind auf dem Weg. Petra schenkt jedem einen Buntstift.
Dann führt der Weg kurvenreich durch liebliche, grüne Berglandschaft. Harziger Holzfeuerrauch aus Steinhäusern erinnert an Berghüttenatmosphäre. Für die ugandische Schweiz ist es mit 15° C ziemlich kalt am Äquator. 2 040 m hoch!
Jeder Hang ist terrassiert und für Ackerbau genutzt. Kohlfelder sind vorherrschend.
Bei 2 584 m Zwangshalt, der geöffnete Kühler gleicht einem Geysir. Ich fotografiere einen freundlichen Holzfäller, bewaffnet mit riesiger Schrotsäge. Der dichte, duftende farnbestandene Kiefernwald leidet bestimmt nicht unter Umweltschäden.
Bergbauern kaufen wir angebotene Physalis ab.
In den leider viel zu schnell durchfahrenen Orten herrscht beim Viehmarkt pulsierendes Treiben. Überladene LKW mit Brettern, Menschen, Säcken, Wellblech, Hühnern oder Bauern mit Körben voller Porree, Holzdielen, auch Bastkorbstapel auf dem Kopf, werden überholt.
Am Straßenrand wird auf Planen Hirse zum Trocknen ausgelegt.

Die Fahrwege gleichen Äcker, über die wir mit 60, 80 Sachen fliegen. Der Tacho ist schon ausgefallen. Schade, dass man diese wunderschöne, blühende Landschaft nicht durchwandern kann!
Tee–Halt in Kabale. Wir drei besuchen einen Kindergarten – bereiten und haben Freude.
Mittlerweile ähnelt die Piste der von Coroico nach La Paz, ausgebrochen, unbefestigt, ungesichert.

Ivan erklärt, dass für Schulbesuch geringes Entgelt entrichtet werden muss, gute Schüler Stipendien erhalten, die Klassenstärke beträgt 10 – 60 Kinder.
Die andauernden Unruhen im Norden beruhen auf persönlichem Streit zwischen Präsidenten und Rebellenführern.
Die Grenze zum Kongo gilt als bedeutende Schmuggelgrenze.
Dichte Bambuswälder, rotblühende Korallensträucher, blaue Kartoffelfelder, Daturabäume ziehen vorbei. In 2 516 m Höhe Mittagspicknick am Straßenrand bei 18° C. Jenseits des weiten Tales liegen die ~ 4 000er Virunga Vulkane Muhavura, Gahinga und Sabinyo im Dunst.

Auf Asphalt kommen wir zum südlichen Ende Ugandas zur Grenze Ruandas. Viele Händler und Fahrzeuge warten hier. Man muss zwei Formulare ausfüllen und läuft hinüber. Deutsche zahlen keine Visagebühr.
Die schwarzen Vulkankegel ragen bis in die Wolken – ein imposanter, begehrlicher Anblick!
Bis zum Endpunkt „Gorillas Nest“ geht es auf felsigem Schotter noch bis 2 468 m hoch. Vorbei an teils im Bürgerkrieg zerstörten Häusern, lärmenden, hier bettelnden Kindern, durch Kamillen–, Hirse–, Sesam–, Kartoffelfelder. In dieser Gegend herrscht die höchste Bevölkerungsdichte Afrikas.
Eine gepflegte, freizügige Anlage im afrikanischen Stil, inmitten von Fuchsienhecken, Agapanthusrabatten, Calla– und Canapflanzen, vor der Bergkulisse empfängt uns.
Die Tropfendusche ist willkommen. Vor dem Abendbuffet findet eine Folkloreveranstaltung statt. Petra wird beim Showtanz engagiert und vertreibt munter die bösen Geister.
 
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Heute werden wir unsere Verwandten im Urwald besuchen. 5.30 Uhr endlich aus den schweren Decken geschält, zur Vulkano NP – Verwaltung gefahren. Dort erfolgt die Gruppenaufteilung, Einweisung und Erläuterung. Zu Vieren von uns gesellen sich noch zwei Australierinnen. Dann laufen wir an Bauernhäusern, üppigen Gemüsefeldern auf fetter Vulkanerde, blaublättrigen Eukalyptuspflanzungen, bunten Wiesen vorbei. Am Himmel die Ascheberge, und mächtige Quellwolken.

Unser Guide, namens Fidel, ein sympathischer, sehr freundlicher, diszipliniert – korrekter Mensch mit scharf geschnittenem Gesicht geht voran, erklärt uns verschiedene Pflanzen. Vor ihm schlägt noch ein Schwarzer mit der Machete den Weg frei, das Ende bestreiten bewaffnete Soldaten. Im Urwalddickicht müssen wir uns 300 Höhenmeter durch Schlamm nach oben kämpfen. Lianen verfangen sich an Fußgelenken und Rucksäcken, nur bleistiftstark, lassen sie sich nicht brechen. Flechten hängen von bemoosten Ästen. Nach einer Stunde verändert sich die Vegetation in einen Bambuswald. Der Ranger erfährt über Sprechfunk, in Kontakt mit anderen, wo sich die Berggorillas aufhalten. Wir sollen die Rucksäcke deponieren und hören alsbald ein Grunzen und Grollen. Äußerst gespannt schleichen wir flüsternd vorwärts. In einer dichtbewachsenen Schonung sitzen zwei Tiere, schwarz, zottig, greifen nach den Zweigen und knabbern unbeeindruckt daran. Beim Blickkontakt mit Ihnen in freier Wildnis klopft das Herz schneller. Das menschenähnliche Gebaren berührt tiefst. Gebannt lässt man sie nicht aus den Augen und muss eine ruhige Hand zum Filmen bewahren. 
Wir folgen den Zweien und sind plötzlich inmitten einer 18-köpfigen Gruppe. Der Silberrücken (bis 2 m groß, 200 kg schwer) liegt in einer Höhle aus Buschwerk. Ein Junges tappt neugierig und unbeholfen auf uns zu. Fidel hindert es mit Zweigwedeln, uns zu berühren. Das Schauspiel wiederholt sich, dann holt es die Mutter, hievt es davontrottend auf ihren Rücken. Mittlerweile versammeln sich die Jungen, spielen, kugeln, balgen sich vor unseren Augen. Die Erwachsenen brechen Bambustriebe und knabbern. Der Silberrücken steht auf, läuft dicht vorbei. In sitzender Haltung schält er Rinde mit seinen Zähnen ab. Ein Weibchen sitzt abseits, blickt beleidigt vor sich hin. Keiner beachtet oder fotografiert es. Da zwängt es sich zwischen Petra und mir, uns berührend, hindurch. Der Chef grunzt brummelnd wohlwollend und hat unbändigen Appetit, bricht mit einer Armbewegung krachend einen armstarken Bambus. Sich unbeobachtet fühlend lässt er ungeniert alles übertönende Winde abgehen.
Genau eine Stunde sitzen wir in der Gruppe, spüren Nesseln und Dornen nicht, bis Fidel meint, wir sollen „Auf Wiedersehen sagen“ und morgen wiederkommen.            
Die früheren Wilderer sind jetzt als Ranger bei festem Lohn angestellt.
Bei Rückkehr ins „Gorillas Nest“ werten wir die unterschiedlichen Erlebnisse aus.

Es gewittert jetzt. Auf unserem Tisch liegen Blumen.

16.02.2006
Nach 5 Uhr wird geweckt, verlassen den schönen Ort und fahren auf guter Teerstraße nach der Hauptstadt Ruandas, Kigali. In den Tälern, vor den violetten Bergkulissen, wallen noch Nebelschwaden. Über aussichtsreiche Serpentinen geht es von 2 250 m abwärts. 16° C! Viele Händler laufen mit Säcken, Gemüse, Holz auf dem Kopf zum Markte. Wieder aufgebaute Häuser und überall relative Sauberkeit vermitteln positive Eindrücke.
In der Hauptstadt besuchen wir die Genozid – Gedenkstätte, die den dort begrabenen
250 000 Opfern des Bürgerkrieges zwischen Tutsis und Hutus von 1994 (gesamt 800 000) gewidmet ist. Grausamste Dokumentationen zweifeln am Wesen des Individuums Mensch. Warum lassen sich Menschen für Interessen einzelner Machtbesessenen derartig abartig abrichten?
Mittags essen wir landestypisch: Bohnen grün als Salat, dicke violette, Süßkartoffeln, Kochbananen, Auberginen, Kraut, Spinat, Paprika, Avocadomus, Ziegenfleisch, gekochten Fisch.
In der Geschäftsstraße laufen handybewaffnete, modern gekleidete Geschäftsleute, parken teure Autos.
 
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Nun rollen wir wieder Richtung Uganda zwischen saftigem Grün, Zuckerrohr-, Reisanbau, bewaldeten Bergen. An den Straßenrändern wird geharkt und Unkraut beseitigt.
Katuna heißt der Grenzübergang. Für die Wiedereinreise sind Formulare auszufüllen, stempelnden, dickfleischigen Beamten haben wir 30 $ zu entrichten. Verkäufer, Schmuggler und Geldwechsler umschwärmen uns.

Über Kabale schaukeln wir zum Bunyonyi See, der zauberhaft in den Bergen liegt und bis zu 2 200 m tief sein soll. Die Zelte stehen schon am Ufer, viele bunte Vögel sind zutraulich und geschäftig. Den Staub spülen wir mit „Nile – special“ hinab.
17.02.2006
Das genehmigte Ausschlafen beenden die Gongs eines entfernten Klosters. Wir starten mit einer Bootsfahrt zu einer Pygmäensiedlung – 30 km entfernt am gegenüberliegenden Ufer. Fischer landen mit einem Korb Krebsen an. Im fotogenen Morgenlicht spiegeln sich Inseln, mit Einbäumen werden Schulkinder zum Unterricht oder Güter zum Markt gefahren. Blaue Seerosen, Fischottern und diverse Wasservögel entdecken wir. Eine Kinderschar empfängt uns und führt zu den Schilfhütten. Die Bewohner formieren sich, singen und tanzen. So klein sind sie gar nicht, aber ziemlich verwildert. Die 70-jährige Dorfälteste ist die mobilste und feuert alle an. Zuschauer und Akteure haben am schönen Singsang ihre Freude. Nach der Vorstellung bieten sie noch geflochtene Matten und Schalen zum Verkauf, bekommen Geld vom Bootsverleiher ausgehändigt. Verabschiedung. Viele Kinder fassen unsere Hände, fragen nach Bonbons, Kugelschreiber. Alle umringen Petra, weil sie so etwas aus dem Rucksack zaubern kann.
Während der Heimfahrt näßt uns ein Gewitter ein, am Zelt scheint Sonne. Hier hat es nicht geregnet.
Unweit wird Markttag gehalten, da schlendern wir zum Nachmittag hin. Interessant sind für mich die vielen Kartoffelsorten und die bunte Kleidung der Frauen.

Vor dem Abendbrot spazieren wir mit zwei Einheimischen oberhalb des Sees, die Verständigung funktioniert, Petra dolmetscht.
Abschiedsabend, bei einem Glas Wein werden Dankesworte ausgesprochen. Der Dolmetscher spricht sie in Englisch!

18.02.2006
Zeltabbau im Dunkeln, Stehbankett, als der Morgen durch die Schwaden über den See kriecht, die Vögel zu singen beginnen, fahren wir los. Die Landschaft um Kabale liegt im dichten Nebel. Zögerlich gelingt es der Sonne, sich zu behaupten; wir möchten doch etwas von der schönsten Gegend, die Kigenziberge, sehen. In den Tälern liegen noch Watteteppiche.
Wie immer mühen sich mit Bananen schwer beladene Radler zum Markt. Korallenbäume schmücken grünes Hügelland, auf denen Rinderherden grasen.
Transporter mit chinesischen Schriftzeichen stammen wie die Millionen Fahrräder aus China.
Wir tanken in Mbarara, die zerstörte Stadt wird von Wahlkämpfern aufgemischt. Zweirad- und Armeefahrzeugkolonnen trommeln auf Kanistern und schreien Parolen.
Alle Fahrzeuge müssen links heran fahren, ein Konvoi des Präsidenten rast vorbei. Damit er die Chance einer weiteren Amtszeit erhält, hat er die Gesetze ändern lassen.
NP Mburo, nach Tagen zeigt sich die Vegetation wieder afrikanisch.
 
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Zum zweiten Mal queren wir den Äquator. Die Souvenirstände bieten nicht das versprochene Kunstgewerbe. Frauen in strahlenden Gewändern gehören zu einer Verlobungsfeier. Sie lassen sich vor dem Denkmal ablichten.
In Masaka wird kurze Mittagsrast am heißen Buffet gehalten.
Marktstände fliegen vorbei, Auslagen bieten zu Pyramiden getürmte Tomaten, Riesenananas und Zwiebeln noch nie gesehener Größe. Auch bunte Flechtarbeiten hängen an Bäumen.
Drohende Gewitterwolken entlassen heftige Schauer.

Nach sieben Stunden und 430 km Fahrtstrecke erreichen wir, dank meist gutem Asphalt, Kampala. Zwängen uns durch verstopfte Straßen und rufen unser Erstaunen über die artistischen, flotten Fahrkünste aus.
Ivan, der Untaugliche, verläßt uns unterwegs. Kritische, belehrende Abschiedsworte quittiert er mit afrikanischer Fröhlichkeit und einem „vielleicht“ der Besserung.
Auf einem Kunstgewerbemarkt findet sich Gelegenheit, mehr oder weniger wertvolle Exponate zu prüfen und ins spärliche Angebot der traditionellen Volksmusik reinzuhören.
Die Kanadier treffen wir zum dritten Mal! Sie berichten, dass ihr Auto aufgebrochen wurde, Fotogerät mit Gorillaaufnahmen gestohlen wurde.
Die Hauptstadt verlassen wir Richtung Flughafen Entebbe, mit Blick auf den großen Victoriasee.
Robert und Gilbert geben uns die rotverstaubten Rucksäcke von den Autos herunter, empfangen die Würdigung ihrer Leistungen in Lobesworten und Dollarwert. Sicher sind sie jetzt froh, uns loszuwerden.
Wir haben Billets zur Berechtigung zum Duschen bekommen. Da es erst nach dem Einchecken funktioniert, ziehen wir waschen, umziehen und umpacken in der Toilette vor.
Fünf Stunden Zeit sind übrig geblieben, die man wie immer auf Flughäfen verbröselt.

Die Ösis werden verabschiedet.
Nach 22 Uhr verlassen wir pünktlich das reizvolle Land und fliegen wieder über Nairobi, Dubai nach Hause. Einkauf in Dubai, übliche Verspätung, Mittagszug weggefahren...
Die lustige Gruppe löst sich schnell auf, so wie sie sich gefunden hatte.
In Deutschland scheint Sonne, Schnee ist nicht zu entdecken, nach fast 40 Stunden sind wir wieder zu Hause.
Fazit:
Diese abwechslungsreiche Reise mit erhoffter Spannung und Abenteuer war interessant. Alle Erwartungen hatten sich erfüllt.
Der Naturfreund erfreute sich an einer Vielzahl von Tieren, Pflanzen, Blüten... in verschiedenen, stimmungsvollen Landschaften, unter freundlichen Menschen, im Besonderen liebenswerten, fröhlichen Kindern.
Die Gruppe zeigte gleiche Interessen, Disziplin. Lustige Plauderstunden in gemeinsamer Runde werteten den Urlaub auf.
Trotz öfters nicht standardgemäßen, hygienischen Zuständen, krasser Temperaturwechsel, 4 200 Fahrtkilometer bei stundenlangem Durchschütteln und massiven Einstauben haben wir alles gelassen, ohne Blessuren überstanden.
Unheilbar scheint aber das Afrikafieber zu sein, denn in Träumen und Gedanken läßt es nicht los, um dich immer wieder auf‘s neue zu infizieren.
 
Diese Reise kann man buchen beim Reisebüro Colibri, dem Spezialisten für Uganda Reisen.
 
 
 

 

 

Aromatische Bananen werden durchs Fenster gereicht, ihr Geschmack ist unübertroffen! Radler balancieren kistenweise Hühner und rohe Eier.

 

 

 

 

15.02.2006

 

 

 

 

Zum Nachmittag ist Safari zu den baumkletternden Löwen angesagt. Drei Stunden kurven wir im unescogeschützten Akazienwald herum, aber keine Tiere hingen in den Bäumen. Trotzdem war der Wald ein erfreuender Anblick. Freistehende Ficus sind zu gigantischen ausladenden Riesen gewachsen. Auch hier haben Elefanten, aus dem Kongo gewechselt, viele Bäume entwurzelt oder abgebrochen.

 

 

 

 

Belagert von Schulkindern wird das Mittagessen an der Straße abgehalten.