Gorilla-Trekking Reisebericht:
Reise ins Land der Berggorillas

Einleitung

 „Uganda- ist da nicht Krieg?“, fragte man mich, als ich erzählte, dass ich eine Reise dorthin plante. Unsere Nachbarn fuhren sogar entsetzt zurück, als ich es ihnen einen Tag vor Abreise berichtete. Dass Uganda und Ruanda ungewöhnliche Reiseländer sind, ist nicht zu leugnen. Sie sind so ungewöhnlich, dass selbst die Studiosus- Reiseagentur keine Reisen dahin anbietet. Daher fragt man sich sicher, wie ich darauf gekommen bin.

Es fing mit meinem 14. Geburtstag an. Damals schenkten mir meine Eltern ein Safari- Handbuch für Ostafrika, in dem stand, in welchem Nationalpark man welche Tiere sehen konnte. In diesem Buch stolperte ich erstmalig über den Begriff „Gorilla- Trekking“.

 Es wurde detailliert die Möglichkeit beschrieben, Gorillas, die an Touristengruppen gewöhnt sind, für eine begrenzte Zeit zu besuchen. Für mich ging davon eine seltsame Faszination aus, so dass ich es begeistert meinen Eltern zeigte. Dabei erntete ich nur verwunderte Blicke, und ich schob diesen Traum in den hintersten Winkel meines Kopfes.

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Genau ein Jahr später kaufte meine Mutter den Film „Gorillas im Nebel“, eine Biographie über die Gorilla- Forscherin Dian Fossey. Dieser Film rührte mich sehr, vor allem, als die Wilderer die mit Fossey vertrauten Gorillas niedermetzelten. Wieder hatte ich den unbändigen Wunsch, die Heimatländer der Berggorillas zu besuchen und sie zu sehen bevor sie ganz von unserem Planeten verschwinden. Also wurden meine Eltern wieder genervt, aber erfolglos.

Ich nahm mir vor, eines Tages als Erwachsene dort hinzufahren. Gleichzeitig war ich jedoch besorgt, dass es dann keine Berggorillas mehr geben würde. Im Oktober 2005 wurde im Handel ein Bildband von Matto Barfuss verkauft. Barfuss ist ein Afrika- Fotograph, berühmt dadurch, dass er monatelang Geparden auf Händen und Knien durch die Savanne folgte. Nun wurde ein Bildband verkauft, der „Unter Berggorillas“ hieß. Barfuss hatte die Primaten in Ruanda und Uganda beim Gorilla- Trekking besucht und sie mit der Kamera gejagt. Ich war sofort von den Bildern begeistert und kaufte das Buch.

 Wieder wurden meine Eltern genervt. Wieder glaubten meine Eltern, dass ich nicht ganz bei Trost sei. Einige Wochen später schaute ich mir nochmals „Gorillas im Nebel“ an. Da war es beschlossene Sache. Ich wollte so bald wie möglich nach Ruanda. Gleich nachdem ich den Film gesehen hatte, suchte ich im Internet nach einem vergleichbar günstigen Reiseanbieter. Dabei stieß ich auf Quetzal Tours, die eine Reise mit dem Namen „ Uganda- Ins Land der Berggorillas“ anboten. Die Rundreise schloss auch eine Exkursion nach Ruanda mit ein und der Veranstalter warb mit kleinen Reisegruppen, schönen Fotos, Nationalparks und fremden Kulturen. Und sie war günstiger als die der anderen Anbieter. Es war Liebe auf dem ersten Blick. Ich ließ mir Informationsunterlagen zuschicken.


 

 

Als ich meinem Vater die Unterlagen zeigte, musste er zugeben, dass es „eine tolle Sache“ sei. Doch er zögerte davor, mit mir eine solche Reise zu machen. Da fiel mir ein, dass ich im März ja 18 wurde und daher an der Rundreise auch alleine teilnehmen konnte. Im Februar hatte ich es geschafft. Ich durfte das Anmeldeformular ausfüllen für die Reise vom 28. Juli bis 12. August 2006 und abschicken. Vorher hatte ich ein längeres Telefonat mit Catharina Sanchez von der Reiseagentur, welche mir einige Fragen bezüglich der Sicherheit beantwortete.

Auch auf der Website des Auswärtigen Amtes hatte ich nachgeschaut, aber die Gebiete, die im Reiseverlauf besucht werden würden, galten zu der Zeit alle als sicher. Als ich angemeldet war, erfuhr ich auch schon davon, dass ich die Hotelzimmer immer mit einer älteren, weiblichen Person teilen würde. Das gab mir Sicherheit.

 Eine andere Sache machte mir etwas Angst: Krankheiten. Als ich die Reisemesse im Februar 2006 in Hamburg besuchte, zählte eine Dame von der Impfanstalt, die dort einen Stand führte, dutzende von Krankheiten mit unaussprechlichen Namen auf, die ich dort nicht nur eventuell antreffen, sondern auch bekommen könnte.

 Es würde allerdings nicht meine erste Tropenreise sein. An meinem besagten 14. Geburtstag war ich mit meinem Vater in Kenya gewesen. Bevor ich dort hingefahren war, hatte ich natürlich ebenfalls ziemliche Angst vor Malaria& Co gehabt. Allerdings war es dort, im Resort an der Küste nahe Mombasa und im Safari- Camp im Tsavo Nationalpark sehr sauber gewesen und wir hatten beide keine Krankheiten bekommen.


 

Zum Glück hatte ich dadurch schon die meisten nötigen Impfungen für die Uganda- Reise. Nur gegen Typhus musste ich mich noch impfen lassen. Und wieder musste ich die lästigen, sehr stark auf den eigenen Organismus wirkenden Malaria- Pillen einnehmen.

Abgesehen von den Krankheiten konnte ich es kaum erwarten. Ich war nun für zwei Gorilla- Trekking- Touren angemeldet und außerdem standen Safaris in Aussicht. Die Safari in Kenia hatte mich schon vollends begeistert, vor allem, als wir dort den seltenen Leoparden sahen.

Schon im März hatte ich eine Liste mit allem, was ich mitnehmen wollte, geschrieben. Unter anderem war ein Mückennetz dabei. Zum 18. Geburtstag bekam ich noch spezielle Tropen- Wanderschuhe, die sogar vor Billharziose- Parasiten schützen sollten, und eine Filmkamera, da man bei den Gorillas keine Photos mit Blitzlicht machen durfte und man mit der Kamera auch Bewegungen und Geräusche einfangen konnte.

 Als es dann so weit war, hatte ich zwei große Reiseapotheken mit allen nur erdenklichen Medikamenten. Darunter waren mehrere Antibiotika- Typen, die Malariapillen, diverse Salben, Verbände, Pflaster und ein nagelneues Fieberthermometer. Am letzten Tag vor der Abreise hatte ich doch noch mulmige Gefühle, denn ich wusste nicht, was tatsächlich auf mich zukam. Schon dann überlegte ich, dass ich diese Reise in Form eines Reiseberichts dokumentieren sollte, denn das würde es ermöglichen, die Erfahrung mit anderen zu teilen.


 

 Daher führte ich während der Reise ausgiebig Tagebuch und versuchte, jede Einzelheit, die irgendwie besonders war, festzuhalten. Leider war zeitweise mein Photoapparat defekt, so dass ich selber von einigen Erlebnissen keine Photos machen konnte. Daher hat Christine, eine Mitreisende, mir ihre Aufnahmen zur Verfügung gestellt.

 Schon Monate vor Reisebeginn las ich alles, was mir in die Finger kam, über die beiden Länder. Außerdem wollte ich schon einige persönliche Erfahrungen mit Gorillas und deren Verhalten sammeln. Daher schrieb ich diverse Zoos in Deutschland an und fragte, ob ich für einen Tag im Menschenaffenhaus hinter die Kulissen schauen durfte. Wider Erwarten bekam ich mehrere Zusagen, unter anderem vom Münchener Tierpark- Hellabrunn. Dort durfte ich sogar für zwei Tage bei den Gorillas arbeiten. Dies war perfekt. Ich machte mit der Primaten- Revier- Leiterin Frau Bärbel Graf einen Besuchstermin ab.

Ich musste nur von einem Tropenarzt eine Bescheinigung ausstellen lassen, dass ich keine für Menschenaffen ansteckenden Krankheiten hatte. Als ich dann nach München in den Zoo kam, erwartete ich natürlich, dass ich nun erstmalig mit lebenden Gorillas interagieren konnte. Zumindest am ersten Tag war ich in dieser Hinsicht enttäuscht worden, denn die dort arbeitenden Tierpfleger waren besorgt, dass mir etwas zustoßen könnte. Daher ließen sie mich nicht an die Tiere heran. Aber sie waren äußerst nett und ich lernte die tägliche Arbeit eines Tierpflegers kennen.

Am zweiten Tag, früh am Morgen, traf ich auf Bärbel Graf. Sie erlaubte mir tatsächlich und nun unerwarteter Weise, zu den Innenkäfigen der Gorillas zu gehen, als ihr Gehege gereinigt wurde. Hier konnte ich nun ersten persönlichen Kontakt mit den Westlichen Flachlandgorillas aufnehmen, die aus Westafrika stammen. Diese flüchteten zunächst, da sie mich natürlich nicht kannten, in die hintersten Bereiche der Käfige. Ich setzte mich vor einen Käfig mit einem Weibchen und zwei Kindern. Eines der Kinder, ein Junge mit frechem Gesicht, kam näher. Dann kam auch seine Mutter und setzte sich mit dem Rücken zum Gitter hin. Ich konnte nicht anders tun als meine Hand auszustrecken und ihren Rücken zu berühren. Sie hatte festes Fell und kräftige Muskeln darunter. Danach näherte ich mich mutig dem Käfig von Routoutu, dem Silberrücken. Dieser schlug sich jedoch auf die Brust und floh in einen anderen Käfig.


 

 Frau Graf war dabei, die Schimpansen mit etwas, was als Affenbrei bezeichnet wurde, zu füttern. Sie war gerade bei einem Weibchen mit einem Kind, welches am Gitter hing. Ich kitzelte das Schimpansen-Kind am Fuß, und es schaute mich neugierig an. Am Nachmittag durfte ich noch einmal eine Tierpflegerin, Sandra, begleiten, als sie die Gorillas und Schimpansen fütterte. Diese Erfahrung hinter den Kulissen war für mich unvergesslich. Daher möchte ich dem Münchener Tierpark, Bärbel Graf und der Zooinspektorin Silvia Landgraf sehr dafür danken.

Auch dem Allwetterzoo Münster, welcher mir eine Führung mit Affenpflegerin Bärbel Uphoff durch den Besucherbereich des Menschenaffenreviers ermöglichte, möchte ich danken, und dem Krefelder Zoo, welcher mir einen Tag als Tierpfleger bei den Menschenaffen anbot. Letzteres konnte ich leider aus organisatorischen Gründen nicht annehmen. Außerdem danke ich einigen meiner Lehrer, welche mich in einiger Hinsicht unterstützten, sowie dem Ehepaar Kurnatowski, welche mir für den Reisebericht einige Photos zu Verfügung stellten, und Manuela Korte dafür, dass sie mit mir das Zimmer während der Reise teilte und mich bei Reise- Wehwehchen beriet. Außerdem will ich Akim und Cato hier nicht auslassen, da sie uns sicher über die eigentlich unsicheren Straßen durch Uganda und Ruanda führten. Natürlich geht der meiste Dank an meine Eltern, welche mir die Erfüllung dieses Traums erst ermöglichten und während meiner Reise die Sorgen auf sich nahmen.


 

Kapitel 1

 Freitag, 28. Juli Hamburg- Brüssel-Entebbe

 „Geht gerade noch,“ Sagte die Dame am Schalter der Fluggesellschaft Sabena im Hamburger Flughafen, als sie meinen Rucksack wog, welcher ganze acht Kilogramm auf die Waage brachte. Ich gab den Koffer auf und reservierte einen Fensterplatz. Dann galt es erst einmal, Abschied zu nehmen von meinen Eltern. Nun ging ich zur Gepäckkontrolle. Ein älterer Herr betrachtete meine Dschungelschuhe (fast kniehoch, extra bilharziosedicht) und vermutete, dass ich sie bei der Kontrolle ausziehen müsste. Zu Recht. Die Schuhe aufzuschnüren, zu untersuchen und wieder zuzuschnüren brachte zehn Minuten in Anspruch. Natürlich hatte ich weder eine Waffe noch Sprengstoff darin versteckt, obwohl dafür Platz gewesen wäre. Dann ging ich zum Gate C11, welches im unteren Bereich des Flughafens lag. Ich hette noch eine Stunde Zeit und hielt Ausschau nach Manuela Korte, welche meine zukünftige Reisegefährtin und Zimmerpartnerin werden sollte. Eine blonde Dame mit Kamerastativ taucht auf, aber sie sah zu jung aus und konnte es nicht sein. Schliesslich, kurz vorm Boarding, trat eine braunhaarige ältere Frau mit Brille und flachen Wanderschuhen auf mich zu.

„Sind Sie Constanze?“ fragte sie. Ich bejahte, und sie setzte sich mit einem „Ich bin Manuela.

Ich fliege mit dir und ich wohne mit dir. Ich denke wir bleiben beim du.“auf den Platz neben meinem. Sie erzählte, dass sie meine Eltern gesehen hätte, welche sie mit „Sie sehen so aus, also ob Sie nach Uganda fahren würden“ angesprochen hatten. Natürlich hatten sie Manuela gebeten in ihrer besorgten Art, auf mich aufzupassen. Sie hatte darauf geantwortet: „Ich glaube, auf dieser Reise müssen wir alle aufeinander aufpassen.“

Manuela ist Gorillafan, Katzenliebhaber und leitende Krankenschwester (sehr beruhigend!).Es war für sie nicht das erste Mal, dass sie zu den Berggorillas reiste. Vor 18 Jahren war sie bereits in Ruanda gewesen und hat die dortigen Nationalparks besucht.

Nun Aufruf zur Boarding Time. Manuela schaute auf ihre kleine, beleuchtbare Gürteluhr. Wir gingen in das Flugzeug, eine Propellermaschine, nach Brüssel. Der Flug war recht unspektakulär. Ich aß mein Proviant, welches ich von zu Hause

Mitgebracht hatte, und nahm meine Mefloquin-Tablette gegen Malaria.


 

Ich war schon um 4:30 aufgewacht, mit der Erinnerung an einen Traum, in dem ich nach Afrika fuhr. Bis ich realisierte, dass dieser Traum am folgenden Tag wahr werden würde.

Schon vor fünf Uhr sind wir zum Flughafen gefahren.

Jetzt landeten wir in Brüssel. Ich verließ die Maschine, wartete auf Manuela und dann gingen wir zusammen durch den riesigen Flughafen. Glücklicherweise war alles an jeder Ecke ausgeschildert, so dass es nicht schwer war, das richtige Gate zu finden. Und wir hatten Zeit. Vorher gingen wir noch durch Geschäfte mit Schokolade, Teppiche, Zeitschriften und vieles mehr. Manuela war besonders begeistert vom belgischen Konfekt. Wir wechselten uns ab, wenn wir zu den Toiletten gingen. Der Andere passte immer auf das Gepäck auf. Gegenseitiges Vertrauen ist bei einer solchen Reise sehr wichtig.

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Dann ging es zum Gate B10. Hier sammelten sich bereits viele Nonnen, aber auch zukünftige Safaritouristen, die vor allem nach Nairobi, wo eine Zwischenlandung geplant war, wollten.

Ein etwa zwölfjähriger Junge schaute voller Erwartung und Spannung in die Runde. Wahrscheinlich stand seine erste Afrikareise an.

Um 10:00 Uhr war Boarding. Es war eine riesige Maschine. Mein Fensterplatz war der Schlechteste der Maschine. Wenn man hinausschaute, sah man zu 90 Prozent nur die Turbine.

Neben mir sass ein hagerer, bebrillter Belgier, welcher auch nach Uganda wollte. Er wollte

Anschließend in den Kongo und den Sudan. Ein mutiger Mensch.

Mit 30 Minuten Verspätung hob die Maschine ab. Es gab zunächst einmal Essen, welches für Flugzeugverhältnisse sehr gut war. Es gab Salat, nicht-pappige Brötchen, Beef und Reis.


 

Dann wurde die französische Version von Ice Age 2 gezeigt. Als der Film zuende war, schaute ich raus und entdeckte im Spalt zwischen Turbine und Rahmen eine Insel, welche mich sofort an ein Tafelbild von Herr Glages Geographie-LK erinnerte. Er hatte diese kreisförmige Insel, dessen Loch in der Mitte durch einen abgesprengten Vulkan entstand, and die Tafel gemalt und nach dem Namen diese griechischen Insel gefragt. Keiner hatte gewusst, dass es Santorin war. Danach war Kreta in Sicht. Nun wurde auch auf dem Bildschirm die Position des Flugzeugs angegeben. Wir flogen nun über dem freien Mittelmeer. Das nächste Festland, was in Sicht kam, war Afrika (Ägypten). Wir flogen westlich vom Nil über die Sahara, und wieder konnte ich dass anwenden, was ich im Geo-LK gelernt habe: ein riesiger Wadi (temporär Wasser führendes Trockental) zog sich wie eine große Schlucht über die Landschaft. Parabeldünen lagen versträut unter uns. Auf dem Bildschirm wurde nun IRobot gezeigt.

Dann sagte der Pilot ein Geo-LK-Klausurenthema aus der S1 an: der Assuan-Stausee, der mitten in dieser karken Sahara, welche einem durch die Albedo (Rückstrahlung der Sonneneinstrahlung von der Erdoberfläche) in den Augen brannt, lag.

Dies war das erste Mal in meinem Leben, dass ich den Nil sah. Schliesslich flogen wir über dem Sudan, welcher ähnlich karg war wie Ägypten. Dann begann es langsam dunkel zu werden, und wir nährten uns Kenya. Dicke Wolken versperrten die Sicht nach unten.

In der Dämmerung sah ich, dass aus diesen Wolken riesige Wasserdampfberge ragten.

Diese hatten die Form gewaltiger Pilze und waren sehr dunkel. Schaute man länger darauf, sah man, dass gewaltige Blitze diese Gebilde durchzuckten, was sehr eindrucksvoll aussah.

Unter so einem Wolkenberg wollte ich mich nicht befinden. Eine Stewardess verteilte grüne Einwanderungsformulare für Kenya und Uganda, sowie Rückflugbestätigungen, die man ausfüllen musste.

Wir setzen zum Landeanflug nach Nairobi an. Die Maschine durchdrang dichte Wolken, bis sie auf dem mit recht hohem Gras bewachsenen Flughafen landete. Es war mittlerweise richtig dunkel. Diejenigen, die weiter nach Entebbe fliegen wollten, mussten an Bord bleiben.


 

Viele verließen das Flugzeug, Putzkräfte räumten auf. Das Gepäck wurde ausgeladen, aussortiert, einsortiert und wieder eingeladen. Braungebrannte Touristen, deren Urlaube zu Ende waren, stiegen mit Kenia- und Safarihemden ein. Kaum waren sie auf ihren Plätzen, holten sie ihre Sudoku-Hefte raus und rätselten. Sie fuhren über Entebbe wieder zurück nach

Brüssel. Die Maschine wurde nach einer Stunde wieder startklar gemacht, und Stewardessen verspritzten Insektenmittel, dabei durch die Kabinen rennend. Dann hob sie ab.

Es war ein recht kurzer Flug durch Dunkelheit, und um 10:15 landeten wir in Entebbe.

Der Flughafen war ungewöhnlich dunkel, kaum mit Beleuchtung.

Wir stiegen aus dem Flugzeug aufs Rollfeld. Mit Manuela ging ich rüber zum Flughafen; einen Bus gab es nicht. Der Empfang war eine etwas schäbige Halle, in der zunächst die Visa geprüft und Einwanderungsformulare eingesammelt wurden.

Dann warf ich die Rückflugbestätigung in einen dafür bereitstehenden Behälter. Am Gepäckkarussel warteten wir auf unser Gepäck. Angesteckt durch Manuela, war ich in Sorge,

dass unsere Koffer in Nairobi geblieben waren. Aber nach einer Weile sah ich ein rotes Band an einem großen blauen Koffer aufblitzen. Auch Manuelas buntes Band war bald zu sehen.

Dann folgten wir dem Exit-Schild. Wir suchten nach Akim, unserem Reiseleiter. Manuela entdeckte ihn am Eingang. Ein eher kleiner Ugander, welcher etwas an Steve Biko erinnerte und dessen Gesicht weiß zu werden schien wenn er lächelte begrüßte uns mit Händedruck.

Auch Klaus und Christine von Kurnatowski begrüßten uns. Sie waren ein älteres Ehepaar,

welches fein, gebildet und souverän wirkte. Beide trugen sie Brillen, er hatte kurze glatte graue Haare, sie blonde halblockige kurze Haare. Sie wirkten recht sympathisch.

Akim führte uns zum Geldwechseln. Mein Vater hatte mir 50 US-Dollar zum Wechseln in Uganda-Shillinge gegeben. Der junge Herr am Wechselschalter stellte fest, dass es 60 Dollar waren, die ich ihm versehentlich gegeben hatte. Er war ehrlich und klärte mich über den Irrtum auf, so dass ich nun 10 US-Dollar und 78500 Uganda-Shillinge bekam.


 

Als alle gewechselt hatten, gingen wir mit unserem Gepäck zum Wagen. Die Luft war schwül und stickig. Der Wagen war ein schon in die Jahre gekommener Toyota Landcruiser. Ich stieg ein und setzte mich auf einen klammfeuchten Stoffsitz. Einen Gurt fand ich nicht, obwohl die Anderen einen hatten. Akim fuhr uns nun, durch eine Straßensperre, vom Flughafengelände und dann durch dunkle Straßen von Entebbe. Da Uganda ehemalige britische Kolonie ist, herrsche Linksverkehr. Von der Stadt war nichts zu sehen, es war einfach alles zu dunkel. Hin und wieder tauchten Fußgänger im Scheinwerferlicht auf.

Dann verließen wir die asphaltierte Straße und fuhren auf eine unbefestigte Nebenstraße.

Der Wagen hielt vor einer Mauer mit einem unscheinbaren Tor. Mit großen roten Buchstaben stand da Hotel Boma. Ich erschrak, denn das war ein ganz anderes Hotel als das, was im Plan war. Das Tor öffnete sich, unpraktischerweise nach außen, so dass wir zurückrollen mussten.

Ein Gewehr erschien, gefolgt von einem uniformierten Mann. Der Wächter machte den Weg frei für eine mediterran-ländlich anmutende Welt mit einem Schotterparkplatz, gepflegtem Garten und einem kleinem, rau-weiß verputztem Gebäudekomplex. Einheimisches Personal empfang uns herzlich und nahm uns unser Gepäck ab. Kurt Mahn und Martin Söllner warteten auf der gemütlich aussehenden Terrasse auf uns. Sie waren mit KLM geflogen und daher früher angekommen. Die Reisegruppe war nun komplett. Sie waren beide sehr sympathisch. Martin lachte fröhlich, und Kurt, der mit etwa 70 Jahren der Älteste der Gruppe war, schien sich sichtlich über unsere heile Ankunft zu freuen. Beide hatten sich jetzt erst kennen gelernt und teilten auch, wie Manuela und ich, ein gemeinsames Zimmer.

Wir wurden vom Personal durch ein Wohnzimmer mit Holzdachgebälk, Geckos, Fernseher und zwei Sofas geführt und dann in unsere Zimmer. Manuelas und mein Zimmer war ohne Bad, dieses war im Flur. Das Zimmer war mit Mückennetzen und afrikanischen Kunstwerken.

Es war klein, aber gemütlich. Ich duschte erst einmal (gutes Badezimmer, aber nur kaltes Wasser). Dann kroch ich unter Mückennetz und moderige Decke, auf der Geckokot lag.

Es war 24:10 Uhr.

Unter Grillengezirp und Donnern eines Gewitters gegen Morgen verbrachte ich die erste afrikanische Nacht recht unruhig hin und her wälzend.


 

 Kapitel 2

29. Juli Entebbe-Kampala-Masindi- Paraa

Endlich war es 6:00, Zeit zum Aufstehen. Das Gewitter war weitergezogen. Der Lautsprecher einer Moschee rief zum Morgengebet. Draußen auf der Terasse wurde bereits der Tisch gedeckt für das Frühstück. Um 7:00 sammelte sich dort unsere Reisegruppe. Es gab Englisches Breakfast, mit Rührei und Speck. Es gab ein kleines Büffet mit Toast, Bananen, Müsli und leckerer Ananas. Besonders bei Letzterem lief mir das Wasser im Mund zusamman, und Christine ass auch etwas davon. Aber der Rest der Gruppe hielt sich an die Regel „Cook it, peel it or forget it“, eine Regel, die besagt, dass man in den Tropen besser kein schon zubereitetes Obst ist. Wir aßen mit Blick aud eine Bucht des Viktoria-Sees, nach Kanadas Lake Superior der größte Binnensee der Welt.

Der Hotelbesitzer, ein älterer, grauhaariger Engländer mit malariarotem Gesicht, begrüßte uns herzlich und setzte sich an den Nebentisch. Ein Kellner beobachtete ihn, und der Besitzer scherzte, dass er wohl etwas erbetteln möchte. Beide lachten schallend.

Dann erzählte der Besitzer von einem Schimpansen namens Captain, der auf einer Insel im Viktoria-See lebte und so genannt wurde, weil er immer in Boote sprang.

Kurt erzählte von seiner letzten Reise, einer Alaska-Reise, auf der er Bären (Grislys und Schwarzbären) mit der Kamera jagte.

Schließlich kam Akim mit dem Landrover. „Escape Uganda“ stand dort drauf, unser hiesiges Reisebüro. Es ging ans Gepäckeinladen. Das war eine harte Nuss, wie sich herausstellte.

Denn es passte nur das Gepäck von vier Reisenden in den Kofferraum (den man zunächst immer aufschrauben musste), nicht von sechsen.

Wir überlegten, dass wir dann wohl einen Teil des Gepäcks auf das Dach binden mussten, keine angenehme Sache, wenn es regnet. Martin und Akim hatten die Lösung: wir klemmten Teile des Gepäcks zwischen die vorderste Sitzreihe. Das Einsteigen war ein Geklettere.

Deann ging es los. Wir fuhren wieder durch Entebbe, welches aus eher verstreuten Häusern zwischen viel Grün bestand. Es gab einen guten Blick auf den Viktoria-See.


 

Wir fuhren auf der asphaltierten zweispurigen Straße, welche hier eine Autobahn war, nach Kampala. Unterwegs sahen wir zahlreiche Fußgänger in bunter Kleidung, Marabustörche, Nimmersattstörche und einen Hirten, der unsere ersten Ankolerinder über die Straße trieb.

Diese Ankolerinder sehen recht seltsam aus, mit ihren Hörnern wie Elefantenstoßzähne.

Sie sollten für uns ein vertrauter Anblick werden.

In Kampala, der Hauptstadt Ugandas mit fast zwei Millionen Einwohnern, erwarteten und Elend und Verkehrschaos. Die Straßen waren einfach überfüllt mit allem Möglichen.

Unsere Rover schlängelte sich haarscharf durch Fußgänger, andere Autos, Fahrräder, kamikazeartig fahrende Busse, Rinder und Ziegen. Besonders aggressiv fuhren die Matatus,

so genannte Bustaxen für die Einheimischen, welche erst dann fuhren, wenn sie 150 Prozent überfüllt waren. Auch Motorradtaxen schossen in voller Fahrt durch die kleinsten Lücken zwischen den Autos. Der Verkehr begann zu gerinnen, schließlich standen wir in einem Kreisel im Stau. Die Autos standen hier kreuz und quer, auf jedem Quadratmeter der Straße stand ein Fahrzeug oder ein Fußgänger. Eine Ampel gab es nicht, nur einen Polizisten, der diese zu ersetzen suchte. Der Polizist schaffte es, dass sich dieses Verkehrsgewirr ohne Unfall langsam bewegte.

Das normale Straßenbild Kampalas war weitaus ärmlicher und schmutziger als die ärmsten Gegenden Deutschlands. Die Straßen waren gesäumt mit kleinen Geschäften in niedrigen, renovierungsbedürftigen Häusern. Es gab jedoch recht viele Schulen, deren Schilder am vermüllten Straßenrand zu sehen waren.

Akim nahm eine Abkürzung und bog von der Hauptstraße in eine Nebenstraße voller Schlaglöcher, welche durch ein großes Armenviertel führte. Hier lag noch mehr Müll herum, verdreckte Straßenkinder mit zerrissener Kleidung liefen herum. Kranke, humpelnde Menschen waren auch ein häufiger Anblick und zeigten, dass hier eine ärztliche Versorgung nicht gewährleistet war, ebenso Infrastruktur: ein stinkender, offener Abwasserkanal durchzog das Elendsviertel. Wir kamen wieder auf die Hauptstraße, zu einem überfüllten Markt, wo vor allem Lebensmittel wie Obst und Fleisch, aber auch Kleidung angeboten wurden. Frauen mit bunter Kleidung balancierten Waren geschickt auf ihren Köpfen. Andere trugen ihre Babies auf dem Rücken, in Tücher eingewickelt. Dies wirkt auf mich viel praktischer als unsere sperrigen Kinderwagen. Kurt war eifrig am Knipsen, und nicht jeder der Passanten begrüßte das freundlich. Manche, vor allem Jugendliche, drohten mit der Faust. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn da kommen Touristen, die für sie unvorstellbar Reich sein müssen, daher in die Welt der Armut und Knipsen wie auf einer Safari, um dann diese Welt auf Nimmerwiedersehen wieder zu verlassen.


 

Wir hielten am Straßenrand, damit Akim Wasser holen konnte. Er sagte, dass wir nur dieses Wasser aus Flachen, und kein Anderes, trinken sollten. Kurt verließ ebenfalls das Auto, um noch weitere Photos zu knipsen. Fußgänger musterten uns, auch Personen in vorbeifahrenden Autos betrachteten uns. Schließlich waren wir hier auch die einzigen Europäer weit und breit.

So ungefähr muss die Situation von Farbigen in unseren europäischen Städten sein, mit dem Unterschied, dass die Einwohner in Kampala die Europäer mit Reichtum assoziierten.

Klaus organisierte die Trinkgeldkasse; jeder gab ihm fünf Doller, und er würde dann das Trinkgeld Rangern und Guides geben

Akim kam mit zwei Kisten Wasser der Marke Rwenzori wieder. Dann ging es weiter.

Akim begann, von sich zu erzählen. Er kam aus Kampala und hatte vier Brüder und eine Schwester. Einer der Brüder kam bei einem Autounfall ums Leben, und seine Mutter ist seitdem Alkoholikerin. Eine traurige Geschichte, aber hier in Afrika leider nicht ungewöhnlich. Akim war noch jung mit 32 Jahren, aber der Älteste der Geschwister.

Er hatte eine Freundin und zwei kleine Kinder. Er sagte, dass er bei diesen zwei Kindern bleiben möchte, da er bei mehr Kindern jedem Einzelnen weniger bieten kann.

Er will seinen Kindern eine angemessene Schulerziehung und Möglichkeiten zu Karriere bieten.

Seine Freundin möchte er heiraten, aber sein Vater will dafür zehn Ankolerinder haben.

Ein Ankolerind ist etwa 170000 Shillinge Wert, also etwa 100 USD. Soviel Geld hat Akim jedoch nicht. Solche Geschichten muten nach Mittelalter an, gehören jedoch tatsächlich in Afrika noch zu normalen Alltag. Akim kümmert sich auch noch um die beiden Kinder des verunglückten Bruders. Sein Handy klingelte. Es war Lied, dass etwas wie Kindermusik klang und bei uns schnell zum Ohrwurm wurde, weil Akim, der unsere Reise organisierte und der zudem einen weiten Bekanntenkreis hatte, viele Anrufe bekam. Martin sagte, eine solche Melodie sollte man als Schlaflied haben. Christinas Kommentar war, dass sie sich bei dieser Melodie immer an Uganda erinnern wird.

Wir hielten an einem Dorfmarkt. Das Obst war hier ordentlich auf Tischen und Stühlen aufgereiht. Akim kaufte eine Ananas und Bananen. Die Bananen waren kleiner als die, die wir kennen, schmeckten aber sehr gut.


 

Dann passierten wir Bombo, den Geburtsort des verheerenden Diktators Idi Amins. Es war ein kleines, friedliches Dorf mit Hütten und Ackerland wie auch die Anderen, an denen wir vorbeikamen. Dann sahen wir eine bunte Parade mit vielen Kindern und Trompeten.

Fröhliche Musik erfüllte die Landluft. Obwohl eigentlich verboten (aus traditionellen Gründen), hielten wir an und machten Photos, was jedoch locker mit Lachen aufgenommen wurde. Dann ging es weiter, ein Mungo oder Eichhörnchen kreuzte den Weg.

Wir verließen die Asphaltstraße und fuhren auf einer Holperstraße mit vieen Pfützen und Schlammlöchern weite durch landwirtschaftliche Flächen. Es ging durch Bananen- und Maniokfelder, Ziegen- und Rinderhirten trieben ihre Herden über die Felder.

Die Straße schlängelte sich manchmal rechts, manchmal links von einer riesigen Baustelle. Hier wurde eine Asphaltstraße gebaut. Wir sahen das Arbeitercamp, welches aus Blechhütten bestand.

Dann waren wir endlich in Masindi, wo es Lunch gab. Wir aßen im hübschen Garten des Court View Inn, welches Bungalows mit Grasdächern als Zimmer hatte.

Akim fragte, ob wir nicht einmal Ziege probieren wollten. Außer mir wollte es aber niemand probieren. Manuela war Vegetarierin.

Ich bestellte es mit Pommes Frites, und die Ziege schmeckte etwas wie Rindfleisch. Bei den Einheimischen ist es das häufigste Fleisch, was gegessen wird.

Wir sprachen über unsere Pläne und Hintergründe. Bei den Getränken, so beschlossen wir, legte immer einer für alle aus. Akim beichtete uns, dass wir das zweite optionale Gorillatrekking, für das alle außer Kurt und Martin angemeldet waren, nicht in Uganda, sondern wie das erste, welches alle mitmachen sollten, in Ruanda stattfinden sollte.

Wir wären dann noch eine Nacht länger in Ruanda, sagte er. Mich störte diese Änderung nich sonderlich, würde das doch weniger Fahrerei bedeuten. Aber für Manuela, welche diese Reise extra wegen des Gorilla-Trekkings in Uganda gebucht hatte und die sechs Jahre dafür gespart hatte war es eine Niederlage. Akim versprach, nach einem Permit für sie in Uganda zu fragen.


 

Dann ging es auf der ständig durch das Straßenbauprojekt umgeleiteten Straße weiter.

Akim passierte jedes Schlammloch, was wir mit ängstlichen Blicken erwarteten, mit Leistung.

Die Gegend war immer Dünner bevölkert. Dann kamen wir zum Eingang in den Murchison Falls Conservation Area, welches durch ein hölzernen Torbogen, einem Parkwächterhaus und einem Schild angekündigt wurde.

Wir kamen durch ein Strauchwaldgebiet, und Akim sagte, dass hier Tsetsefliegen wären. Alle außer Martin schlossen die Fester. Durch Martins Fenster kamen sie dann natürlich und fielen über uns her. Vor allem Kurt schienen sie zu mögen. Martin schloss das Fenster, und wir töteten die Fliegen, welche bereits Blut enthielten. Christina erlegte zwei, ich eine. Sie sind Überträger der gefährlichen Schlafkrankheit, so dass Stiche möglichst vermieden werden mussten. Wir sahen auf der Straße unsere ersten Anubispaviane, welche jedoch recht scheu in die Büsche liefen. Die Jungtiere richteten sich neugierig auf. Auch Wasserböcke und Warzenschweine sahen wir nur aus der Ferne.

Akims Chef von Escape Uganda kam uns in einem Geländewagen entgegen und begrüßte uns.

Ausserdem sichteten wir zwei große Hornraben. Wir hielten auf eine,m Parkplatz und machten mit einem Ranger eine Fußwanderung zu den Murchison Falls.

Erst betrachteten wir sie von oben, ein herrlicher Anblick. Die Fälle des Viktorianils

schäumten wild zwischen den bewaldeten Ufern. Dann gingen wir so Nahe an die Fälle heran, dass wir in die Gischt eingehüllt wurden. Ein strenger Moschuchsgeruch war in der Luft.

Der Ranger sagte, sie käme von einer großen Fledermauskolonie.

Da wir um 18:00 auf der Fähre sein wollten, die uns über den Nil setzte, fuhren wir weiter.


 

Wir sahen noch Büffel aus dem Gras lugen und Kob-Antilopen, aber wir hatten keine Zeit für Photos.

Dann viele Kleinbusse vor uns auf der Straße. Hundert Meter weiter lag ein riesiger Bus quer über die Straße und versperrte sie. Er war im Schlamm ausgerutscht, hatte sich um 90 Grad gedreht und ist steckengeblieben. Alle standen da und warteten, die Touristen herumlaufend.

Bis die Straße wieder frei war konnten Stunden vergehen.

Akim fackelte nicht lange. Wir stiegen alle aus, und er fuhr ohne Zögern von der Straße ab in den Busch. Einmal fuhr er auf Gestrüpp und blieb stecken. Er fuhr rückwärts wieder runter. Ein anderes Fahrzeug, was seinem Beispiel folgte, blieb in der Böschung kläglich stecken. Akim zog es in den Busch, und beide Fahrzeuge fuhren an dem Bus vorbei durch wildes Gebüsch. Sie hatten beide Allradantrieb, dennoch hätte in der Vegetation ein unsichtbares Schlammloch lauern können, oder ein Löwenrudel. Aber die Fahrzeuge kamen heil wieder auf die Straße.

Wir liefen die Straße herunter an den Bus vorbei und stiegen wieder ein, und weiter ging die wilde Fahrt. Akim bretterte, in Eile, so wild durch Schlaglöcher, dass Kurt sich am Autodach die Stirn aufschlug. Aus einer großen Platzwunde floss viel Blut, aber er war nicht schwer verletzt.

Dann waren wir an der Anlegerstelle der Fähre. Eine Minute zu spät. Die Fähre hatte gerade abgelegt und fuhr ans andere Nilufer zur Paraa Safari Lodge, unserer zukünftigen Unterkunft.

Erst um 19:00 sollte sie wiederkommen. In der Wartezeit kam für uns ein neuer größerer Wagen, in den alles Gepäck passte. Ich suchte das Nilufer mit dem Fernglas ab und hörte und sah Nilpferde (hier trifft der Name zu!), Büffel, die sich suhlten, und Wasserböcke.

Auf dem Parkplatz stand ein Baum wie aus einem Schlaraffenland. Riesige Bayrische Weißwürste hingen von den Ästen, und mir lief das Wasser im Mund zusammen.

Tatsächlich sind dies Samenhülsen, welche für den Menschen sehr giftig sind. Sie können zu Erblindung führen. Paviane und Elefanten fressen es dagegen und werden davon berauscht.

Ein weiterer Reisewagen mit Reisegruppe kam angefahren. Auch sie sind irgendwie vorbeigekommen.


 

Dann kam die Fähre, eine Metallplatform mit zwei wenig vertrauenserweckenden Motoren,

aus denen ein Meter lange Auspuffrohre wackelten. Akim fuhr den Wagen auf die Fähre.

Die Überfahrt dauerte etwas zehn Minuten und war sehr geräuschvoll. Am anderen Ufer graste ein Nilpferd, ungestört von den vielen es umstellenden Touristen. Ich lies mich von Klaus mit ihm fotografieren, das gefährlichste Tier Afrikas 15 Meter hinter mir. Ich fühlte mich nicht ganz wohl bei dem Gedanken an die halbmeterlangen Hauer des Nilpferds.

Dann ging es zur Paraa Safari Lodge, die auf einem Hügel nahe am Nil lag. Hier wurden wir mit Frischetüchern und Säften empfangen. Es war nun Dunkel und nicht viel zu sehen.

Man gab uns die Schlüssel mit geschnitzten Flusspferden als Anhänger und führte uns zunächst zu den Zimmern. Auf dem Gelände gab es einen Swimmingpool, der vom Licht der Lodge erleuchtet wurde. Ich hörte später, dass er nachts gelegentlich von Nilpferden aufgesucht wurde, welche dann am Morgen vom Pool Administrator vertrieben wurden. Die Zimmer waren geräumig, mit Mückennetzen, welche man wie ein Vorhang an einer an der Decke befestigten Schiene um die Betten zog. Das Abendessen vom Buffet war excellent. Es war etwas indisch angehauchtes Essen mit scharfer Würzung, aber mit sehr großer Auswahl.Wir nahmen es im ersten Stock auf einer hölzernen Veranda ein. Dabei schauten wir auf den Pool und hörten die Nilpferde grunzen, was ähnlich wie ein Motorrad klang. Akim war leider nicht dabei, er hatte sich für die Nacht eine günstigere Unterkunft gesucht. Diese Nacht schlief ich, erschöpft und voller Eindrücke, besser als die Erste.


 

 Kapitel 3

Samstag, 30. Juli Murchison Falls National Park

 

An diesem Tag war sehr frühes Aufstehen angesagt, denn eine Safari, hier Game Drive genannt, stand an. Um 6:00 gab es Tee, Kaffee und Kuchen im Empfangsraum.

Es war noch sehr dunkel. Wir waren alle gespannt, denn an diesem Tag bestand die Möglichkeit, Löwen und Elefanten zu sehen. Christine erzählte, dass sie schon im Swimming Pool geschwommen war an diesem Morgen, der Pool Administrator sie jedoch wieder herausscheuchte.

Ein Ranger setzte sich zu uns in unser Fahrzeug. „My name is Henry and I am called Henry.“ stellte er sich vor. Wir fuhren zunächst ans Nilufer zurück. Eine Herde Wasserböcke graste dort. Dann ging es eine andere Straße hoch in den nördlichen Teil des Parks. Dieser ist Gebiet der sogenannten Lord Resistence Army, weshalb vorher die Sicherheitslage erfragt wurde.

Wir fuhren durch Savanne und Buschland mit vielen Akazienbäumen.

Büffelherden grasten zwischen den Bäumen oder kreuzten die Straße, Oribis oder Bleichböckchen sprangen flink davon. Sie erinnerten an unsere Rehe.Auch Kob- Antilopen waren zu sehen. Dann unsere ersten Elefanten, welche langsam durchs Buschland liefen und dann die Straße hinter uns kreuzten. Ein Junges war auch dabei.

Dann wunderschöne Rothschildgiraffen, welche an den Bäumen ästen, auch wieder mit Kälbchen. Leider war der Akku meiner Kamera leer, was mich ziemlich ärgerte, während die Anderen eifrig knipsten. Aber so konnte ich noch mehr das Erlebte in mich aufnehmen.

Elegante Kuhantilopen kreuzten den Weg. Sie sahen grotesk aus, aber in ihrer Bewegung sehr schön mit ihrem glänzendbraunem Fell.


 

Da erhielt Henry einen Anruf. Der Wagen machte fast sofort kehrt, und wir fuhren in eine andere Abzweigung ein, in die wir schon vorbeigekommen waren. Überall waren Antilopen verschiedenster Arten. Dann blieben wir bei einer Ansammlung von Autos stehen. In der Ferne sollten Löwen sein. Wir suchten mit unseren Ferngläsern einen weit entfernten Hügel ab. Da waren sie. Es war eine Löwin mit zwei Jungen. Die Löwin lief vor einer Antilopenherde herum, und die Jungen spielten auf einem Erdfleck. Dann pirschten sie

Sich spielerisch an die Antilopen an, welche panisch über den Hügel flohen.

Die Löwen zogen von Dannen. Dann fuhren wir durch einen Akazienwald, auf der Suche nach Leoparden. Vor allem Klaus und Christine, welche auf einer Botwanareise erfolglos waren mit Leoparden, wollten unbedingt einen zu Gesicht bekommen.

Aber niergens in den Bäumen ein Schwanz oder geflecktes Fell, obwohl wir mehrere Stunden suchten. Wir sahen stattdessen Buschböcke und weitere Elefanten.

Dann fuhren wir zu einer offenen Fläche am Nilufer. Dort lag ein Nilpferdschädel, und zahlreiche Vögel waren zu sehen. Henry ging ans Ufer, wo ein Fischerboot aus Holz anlegte.

Er kaufte drei Tilapia-Fische, die er vorne am Kuhfänger des Autos befestigte. Um sie im Fahrwind zu kühlen? Den Leoparden anzulocken?

Dann fuhren wir zurück und kamen um 12:00 in der Paraa Lodge wieder an. Die Fische waren verschwunden.

Es gab Lunch vom Büffet, bevor wir um 14:00 mit einer Nilbootsfahrt starteten.

Das Boot war gros, mit Oberdeck(sehr heiß in der Sonne) und Plätzen für etwa 20 Personen.

Auf dem Dach waren Solarzellen.

Der Guide stellte sich mit dem Namen Simon vor.

Die Fahrt war zunächst traumhaft schön. Wir fuhren wenige Meter an bis fünf Meter lange Krokodile, Nilpferde, welche das Boot anschnaubten, Vögel, Büffel und Antilopen sowie Warzenschweinen vorbei. Wo man auch hinschaute waren Tiere verschiedenster Arten.

Leider sahen wir nicht den seltenen Schuhschnabelstorch, welchen man hier häufiger als anderswo sehen sollte.

Da begann das Unheil. Wir fuhren auf eine schwarze Wolkenwand zu. Fernes Donnergrollen über dem Nil wurde immer lauter. Wir fuhren unaufhaltsam da hinein. Blitze zuckten, Wind kam auf, und es wurde kühl, fast kalt. Heftiger Regen begann, und die Schiffscrew zog die Vorhänge über die Fenster.

An den Viktorianilfällen angelangt, stieg ein Teil der mitfahrenden, Engländer und Amerikaner, aus. Sie wollten einen glitschigen Pfad im Regen hinaufklettern zum Parkplatz, von wo wir am vorherigen Tag die Wanderung zu den Fällen gemacht haben.


 

Es gab eine Fotopause, bevor das Boot sich zur Rückfahrt wandte. Immer noch waren die Fenster mit Planen bedeckt, und es goss wie aus Kübeln. Tsetsefliegen fielen über die Passagiere her.

Aber das Schlimmste kam noch: Ein schrilles Zischen von hinten. Stimmte was mit der Klospülung nicht? Warum war die Crew plötzlich so aufgebracht? Dann wurde mir bewusst, dass ein Albtraum, der sich bereits unbewusst in meinem tiefsten Inneren gebildet hatte, wahr geworden war: Der Motor war kaputt. Nun waren wir, ohne Telefonnetz, ohne nötige Infrastruktur wie ein Ersatzboot, im Gewitter auf einem Gewässer gefangen, indem Krokodile, Nilpferde und nicht zuletzt Billharzia lauerten. Wie sollte man das überleben.

Klaus scherzte, dass wir nun zurückschwimmen müssten. Die Anderen lachten herzhaft. Wie kann man in einer solchen Situation nur so gelassen sein?

Der Motor war nun aus, und die Mannschaft hantierte eifrig herum, Schraubenzieher zückend, wirkte dabei aber einer unlösbaren Aufgebe ausgesetzt. Wir trieben nun schon seit einer Dreiviertelstunde mit wachsener Angst auf dem Nil herum. Der Rettungsanker war ein

Holländischer, handwerklich begabter Tourist. Gemeinsam mit der Besatzung bearbeitete er den Motor und überschüttete ihn mit Nilwasser.

Dann passierte, immer noch bei Regen, ein Wunder: Der Motor ging wieder an. Das Boot machte eine Drehung von 360 Grad und fuhr los. Ca 20 Minuten vor der Lodge fiel der Motor nochmals aus, ging dann jedoch wieder an und lief bis zum Schluss reibungslos. Zu sehen war im Regen nichts an Tieren. Wir erreichten, fertig, die rettende Lodge und beendeten diesen ereignisreichen Tag mit Dinner vom Büffet auf der Veranda.

 Kapitel 4

Montag, 31. Juli Paraa- Fort Portal

 

Dies war ein anstrengender Tag mit viel Fahrerei, bei der wir eine Strecke von mehreren hundert Kilometern auf einer sehr schlechten Straße zurücklegen mussten.

Um 7:15 ging es los. Nachdem Gepäck und Reisende im Geländewagen waren, fuhren wir zur Anlegerstelle der Nilfähre. Mir saß das gestrige Erlebnis mit dem Boot noch in den Knochen,

so dass ich „ Oh Gott, nicht schon wieder Boot fahren“ dachte. Als ob einer der maroden Motoren der Fähre meine Gedanken erraten hatte, ging er kaputt, bevor wir und das Auto überhaupt auf der Fähre waren. Dies brachte eine Verzögerung von 20 Minuten ein, in der die Mannschaft mit Improvisationskunst ( welhe hier in Afrika üblich und in der Regel erfolgreich war) den Motor reparierte. Die Überfahrt an sich über die morgendliche Nilidylle verlief reibungslos.

Es ging weiter durch das Bugunga Wildlife Reserve. Warzenschweine und Paviane kreuzten unseren Weg. In diesem Reservat war eine landwirtschaftliche Nutzung in Maßen erlaubt, so dass wir auf kleine, aber ordentliche Dörfer am Straßenrand stießen. Die Menschen lebten hier in kleinen runden Gebäuden aus Lehm mit Papyrusdächern. Es wurden Maniok, Kochbananen und Süßkartoffeln angebaut. Ankolerinder und Ziegen grasten im Buschland. Ein Ziegenjunges war gerade geboren worden; die Nabelschnur hing noch am Bauch.


 

Wir sahen sehr viele Schulen, auch weiterführende. Zahlreiche Kinder in sauberen Uniformen, welche bei jeder Schule ein anderes Design hatte, sammelten sich vor den Schulgebäuden im Morgenappell. Andere winkten uns fröhlich zu. Genau wie bei uns fing die Schule um 8:00 an. Dennoch gab es auch viele Zuspätkommer. Kurt fragte Akim, ob er an einer der Schulen Stifte und Süßigkeiten verteilen dürfe. Akim suchte daraufhin eine kleine Grundschule mit etwa 20 bis 30 Schülern und vier Klassenzimmern aus.

Der Schuldirektor führte uns von Klassenraum zu Klassenraum, währen Kurt seine Gaben verteilte. Die Klassenräume waren sehr klein, mit drei oder vier Bankreihen und einer Tafel, die in der Tür hing. Die Kinder betrachteten den besuch schüchtern, nahmen aber mit Freude die Stifte und Bonbons entgegen. Dass hier Europäer auftauchten, kam sicherlich nicht oft vor.

Wir fuhren über einen kleinen Berg, von wo man einen guten Blick auf den Albertsee hatte.

Dann, einige Kilometer hinter dem Ort Hoima, machten wir Mittagspause. Ein Sonnenhörnchen überquerte den Weg. Akim hatten von der Paraa Lodge Lunchpakete mitgebracht. Eine Gruppe von Kindern sammelte sich an der anderen Straßenseite und beobachtete uns neugierig. Einige ais der Gruppe, unter aanderem ich, aßen nicht alles auf.

Wir fanden es unvorstellbar, vor den Augen der Kinder, welche ein sehr entbehrungsreiches Leben führten und selten einmal ein Käsesandwich bekamen, das Essen zu entsorgen.

Akim führte Christine, Kurt und mich zu den Kindern, und sie nahmen sehr schüchtern, aber mit dankbaren Blick das Essen entgegen.

Wir fuhren weiter, stundenweise über die sehr schlechte Straße. Klaus meinte im Scherz, dass wir auf der Fahrt Gratis Rückenmassage bekommen würden.

Da stießen wir auf einen verunglückten Touristenwagen. Es war ein Achsenbruch, und der Wagen war von der Straße abgekommen. Die Gruppe war ausgestiegen und stand ratlos herum. Ein großer kräftiger Kalifornier mit Bart bewahrte Humor. „It`s adventure“, rief er uns zu. Akim hielt an und fragte, ob er helfen könnte. Dies ist hier üblich, wie er uns erzählte.

Es war zum Glück niemand verletzt, aber die Gruppe saß fest, recht weit vom nächsten Ort entfernt. Wir unterhielten uns ein wenig mit der Reisegruppe. Sie führen wie wir Richtung Süden und wollten dort versuchen, Gorilla-Trekking-Permits für dem Bwindi Impenetrable Forest National Park bekommen. Dies erzählte uns eine blonde Amerikanerin.

Sie wirkte aber, was das Permit betraf, nicht sehr zuversichtlich.

Akim rief uns zu, dass es weiterging. Wir nahmen den Guide der verunglückten Gruppe mit

In die nächste Ortschaft. Dort wollte er ein Taxi bestellen, welches die Gruppe holen sollte.


 

Nach dieser Ortschaft kamen wir auf eine zweispurige asphaltierte Straße, ein Luxus nach der stundenlangen Fahrt auf der Schotterpiste. Wir fuhren durch Teefelder, Papyrussümpfe, Nadelbaum- und Eukalyptuspflanzungen. Akim erzählte, dass der Tee von einer indischen Firma angebaut und unter dem Namen „Uganda Tea“ verkauft wurde.

Auch führte die Straße durch den Kibale Forest National Park, wo wir am folgenden Tag Schimpansen beobachten sollten.

Dann kamen wir beim Ruwenzori View Guesthouse, welches am Rande von Fort Portal in einer ländlichen Region lag, an. Die Besitzer waren ein holländisch-englisches Ehepaar mit etwa neunjährigem Blondschopf als Sohn. Die Zimmer waren ordentlich und sauber mit Mückennetzen. Wir hatten zwei Räume, einem mit Doppelbett und eins mit einem Bett.

Da wir uns gut vertrugen benutzten Manuela und ich nur das eine Zimmer.

Wir hatten bis zum Dinner um 20:00 noch einige Stunden Zeit und erkundeten den kleinen hübschen Garten des Guesthouse. Es gab viele tropische Pflanzen und buntschillernde Nektatvögel, welche an großen roten Blüten saugten. Martin und ich setzten sich in ein Teahouse mit Rattan- Möbeln. Wir unterhielten uns über Reisen und Schachspielen.

Martin hatte schon alle möglichen Entwicklungsländer bereist, aber noch nie die USA oder Italien. Um für ihn interessant zu sein, musste ein Land möglichst unerschlossen sein.

Christine und Klaus kamen dazu, um über ihre Arbeit in der Chemieforschung zu erzählen.

Sie forschten an Techniken, Industrieabfälle umweltschonend zu entsorgen.

Dabei bekamen wir Besuch von einem wunderschönen Nektarvogel, der an prachtvollen rosa Blüten saugte.

Vor dem Abendessen lief ich noch durch die Anlage. Ein Hund lag auf einem der Gartenmöbel, und hinter der Küche befanden sich schmutzige Verschläge mit Kaninchen sowie des Haus der Besitzerfamilie. Befremdlich wirkten die Rinnen, die im Boden eingebaut aus der Küche liefen.

Gegen Abend, als es dunkel wurde, flogen Flughunde im Garten herum, teilweise so dicht, dass man den Luftzug des Flügelschlags im Gesicht spürte.

Das Dinner fand in einem Wohnzimmerartigen Raum mit afrikanischen Kunstschätzen und einem großen rundem Tisch statt. Es war sehr gemütlich und hatte eine richtige Atmosphäre.

Der Sohn der Besitzer bediente uns zusammen mit Angestellten.

Es gab ein Menü mit verschiedensten einheimischen Gerichten, unter Anderem Huhn und Gemüse. Viele der Dinge schmeckten anders als bei uns, aber nicht schlechter.

Als Manuela und ich aufs Zimmer gingen, mussten wir zunächst die aggressiven Moskitos bekämpfen, bevor wir unter Schakalheulen und Hundegebell einschliefen.


 

 Kapitel 5

Dienstag, 1. August Fort Portal- Chimpanzee Trekking im Kibale Forest- Kasese

 

Wieder war frühes Aufstehen angesagt. Schon um 7:00 fuhren wir ab Richtung Kibale Forest.

Ein Fahrer stieg zu. Es war ein junger Mann mit abstehenden Ohren mit dem Namen Cato. Er kam aus Fort Portal, lebte jedoch nun mit seiner Familie in Kampala. Er würde uns nun für den Rest der Reise begleiten. Durch Cato hatte Akim mehr Zeit, Fragen zu beantworten.

Akim erzählte uns, das wir am vorhergegangenen Tag ebenfalls einen Achsenbruch gehabt hatten. Er hatte das Fahrzeug diesen Morgen zur Werkstadt gebracht, wo die Achse ausgetauscht wurde. Wir hatten also Glück gehabt, dass unser Auto auf der schlechten Straße nicht wie das von der anderen Reisegruppe stecken blieb.

Wir fuhren auf einer holprigen, unasphaltierten Straße durch landwirtschaftliches Gebiet. Kinder in Bunter Kleidung winkten uns zu, und Frauen, die dafür, dass sie in Hütten wohnten, erstaunlich schick und sauber angezogen waren, holten Wasser und wuschen Wäsche am Bach.

Dann führte uns die Straße durch Regenwald. Paviangruppen saßen am Straßenrand. Im Kibale Forest National Park parkten wir beim Informationszentrum. Hier gab es eine Ausstellung mit Photos über die Primaten des Regenwaldes und ein Restaurant mit offener Küche, in der Frauen eifrig Essen zubereiteten.

Nach einer Weile kam ein Ranger, der sich mit dem Namen Jeffrey vorstellte, zu uns. Er erklärte uns die Regeln, die man bei Anwesenheit von Schimpansen einhalten musste.

So sollte man, wenn sie am Boden waren, einen Abstand von mindestens acht Metern einhalten, nicht erkältet sein und nicht mit Blitzlicht fotografieren. War man jünger als zwölf Jahre, durfte man an dem Trekking nicht teilnehmen. Wir mussten noch unsere Hosen in die Stiefel stecken, denn hier gab es Feuerameisen. Nun ging es los, immer Jeffrey nach.

Die Pfade waren recht gut gepflegt und daher einfach zu begehen. Sie führten uns durch echten Tarzandschungel. Exotische Vögel riefen. Es war schummerig, mit wenig Unterholz. Lianen hingen seilartig in großen Bögen von den Bäumen. Die Stämme hatten kräftige Brettwurzeln. Jeffrey klopfte darauf und erklärte uns, dass die Schimpansen sich mit diesem „Telefon“ über große Entfernungen verständigten.

Wir sahen auch schnell die ersten Affen im Wipfeldach turnen. Rote Colobusaffen waren es, wie uns Jeffrey erklärte. Dann führte er unsere Gruppe über einen Brettersteg, welcher über eine sumpfige Fläche führte.


 

Dann ging es weiter hintereinander durch die Wildnis. Hin und wieder mussten wir umgefallene Bäume überklettern, die den Weg versperrten.

Dann ein langezogener hoher Schrei, der durch den Wald hallte. Jeffrey lauschte und erklärte uns, das dies die „Pan-Hoots“ der Schimpansen seien. Er wählte einen Pfad, der in die Richtung der Geräusche führte. Es dauerte nicht lange, bis er sagte: „ Prepare your cameras“.

Dann gingen wir zu einem riesigen Feigenbaum, um den sich der Weg schlängelte.

Er deutete nach oben. Ich war aufgeregt, denn dies waren meine ersten Menschenaffen in freier Wildbahn. Zuerst sah ich nur Zweige bewegen, dann einen schwarzen haarigen Fleck im Wipfel. Durch das Fernglas sah ich, dass es ein Schimpanse war, der in einer Astgabel saß.

Dann sahen wir weitere: Zwei Weibchen mit einem Jungtier, das etwa zwei Jahre alt war.

Dann entdeckten wir den Hordenführer, ein älteres Männchen, welcher gierig Feigen verspeiste. Wir durften eine Stunde bei den Schimpansen bleiben. Diese kümmerten sich nicht im Geringsten um uns, sondern fraßen, spielten und schrieen gelegentlich auch laut. Das lärmende Geräusch bildete einen Kontrast zu den ruhig dasitzenden Erzeugern. Es war eine eindrucksvolle Mischung aus Grunzen, Bellen und Kreischen, was man sonst nur im Zoo hört.

Ab und zu regnete eine Flüssigkeit herab, zu der wir größtmöglichsten Abstand hielten. Die Schimpansen kümmerten sich auch beim Aufs Klo Gehen nicht um uns.

Als wir uns zum Gehen wandten, mussten wir doch über einen Pfad, der in Sprühnebel getaucht war. Wir gingen weiter durch den Regenwald. Kurz darauf stießen wir auf eine Horde Rotschwanzmeerkatzen, drollige Äffchen mit weißer Nase und schwarzen Wangen.

Sie waren in dem Gewirr des Blätterdachs kaum erkennbar. Nur hin und wieder positionierte sich ein einzelnes Tier auf einem freien Ast, um uns Eindringlinge zu betrachten.

Laute ratschende Rufe hallten durch den Wald. Es waren Grauwangenmangaben, eine weitere Affenart, die wir jedoch nicht sahen.


 

Dann sahen wir noch Guereza-Affen, sehr prächtige Tiere, die mit wehender weißer Mähne von Wipfel zu Wipfel sprangen. Jedoch waren sie scheu und verschwanden schnell. Von anderen Tieren sahen wir nur Spuren, die wir ohne Jeffrey nicht erkannt oder gedeutet hätten.

Auf dem Weg war gelegentlich Antilopenkot, aus dem gerade eine Mannschaft von Pillendrehern Kugeln formten, und Elefantenmist. Es klingt erstaunlich, dass man selbst riesige Tiere wie Elefanten im Regenwald nicht zu Gesicht bekommt. Manuela bemerkte ärgerlich, dass man zwar diverse Vögel hörte, aber nie sah.

Wir kamen wieder zurück zum Informationszentrum. Von der Küche wehte der Duft von gegrilltem Fleisch her. Aber für Lunch war es noch zu früh, so dass wir uns entschlossen,

nach Kasese zu fahren um dort zu Essen. Wir fuhren eine abenteuerliche Straße, die Akim als Abkürzung bezeichnete. Dabei passierten wir eine Brücke. Diese sah exakt so aus wie eine im Vergnügungspark der Universal Studios in den USA. Dort fuhr man über diese Brücke, welche dann einsackte, was natürlich absichtlich mit verlässlicher Technik gemacht wurde.

Diese Brücke war jedoch nicht in einem Vergnügungspark, sondern im tiefsten Afrika und real. Als wir über sie fuhren, erwartete ich die ganze Zeit, dass sie in die zehn Meter tiefe Schlucht darunter sackt. Aber das passierte nicht. Dies war eben kein Vergnügungspark.

Es gab wunderschöne Ausblicke auf Kraterseen. Schlißlich kamen wir auf eine asphaltierte Straße und fuhren durch Kobaltminen nach Kasese. Neben Nickel ist Kobalt, von Akim „Kobold“ genannt, der einzige Bodenschatz in Uganda.

In Kasese checkten wir im Hotel Margherita ein. Das Hotel war nach einem großem Berg

aus dem Ruwenzori-Gebirge benannt, welcher mit 5109 Metern einer der Größten der Gebirgskette war. Akim musste aufgrund einer Planänderung des Reiseablaufs für den Nachmittag zu einem Reiseleitertreffen. Kurt kaufte Medikamente gegen seinen Husten, der immer hartnäckiger wurde in einer lokalen Apotheke. Dort verkaufte man ihm günstig und ohne Rezept Antibiotika. Wir aßen Lunch, dann erkundeten wir das Hotel.


 

Es war ein großes, sehr steril wirkendes Gebäude welches in einer kargen Hügellandschaft am Rand von Kasese lag. Überall waren Marabustörche und Ziegen.

Am Abend war ein Rotary-Club-Treffen im Hotel. Der Rotary Club setzt sich für Entwicklungshilfe in afrikanischen Ländern ein.

Während wir auf Akim warteten, spielten Martin und ich drei Partien Schach. Er gewann jedoch jedes Mal, denn er durchdachte expertenhaft die Spiele, so dass man früher oder später einen Fehler machte und er zuschlug.

Schließlich kam Akim mit seinen Reiseunterlagen. Er beichtete uns, dass wir im Queen Elizabeth National Park, wo wir am nächsten Tag hinfahren sollten, in einer anderen Unterkunft, nämlich in der Mweya Lodge, übernachten sollten und nicht in der Jacana Lodge wie es geplant war. Dies störte uns wenig, im Gegenteil. Die neue Unterkunft war noch viel besser gelegen als die Alte.

Etwas anderes jedoch viel mir in seinen Unterlagen seltsam auf. Im Reiseverlauf war

Ja nun das zweite Gorilla-Trekking wie das Erste in Ruanda geplant. Aber in seinen Unterlagen stand da Gorilla Trekking und dann CONGO. Hieß die Gorillagruppe so?

Wenn ja, hatte ich von dieser noch nicht gehört. Akim packte seine Unterlagen weg und es gab Dinner. Hier gab es internationale Gerichte wie Spagetti Bolognese.

Kurt war besonders glücklich, denn am folgenden Tag stand eine Bergwanderung an.

Er war leidenschaftlicher Bergsteiger, der jeden Sonntag bei jedem Wetter (er lebte am Alpenrand) auf Berge stieg, im tiefsten Winter wie im heißesten Sommer.


 

 

Kapitel 6

Kasese- Ruwenzori Mountains- Mweya

 Vom Hotel Margherita aus fuhr uns Cato zum Ruwenzori National Park. Eine circa sechsstündige Wanderung in das Gebirge war geplant. Sie begann in einem kleinem Dorf namens Nyakalengija, von wo aus alle Bergtouren in die Ruwenzoris begannen.

Die Ruwenzoris sind ein ziemlich hohes Gebirge im Grenzgebiet von Uganda und Demokratische Republik Kongo. Es begrenzt den ostafrikanischen Graben zum Westen hin.

Wir hielten auf einem großen eingezäunten Parkplatz, wo wir uns in ein Gästebuch eintragen mussten. Selbst die Passnummer mussten wir angeben. Zahlreiche Köpfe von jungen Männern lugten über den Zaun. Sie alle waren auf der Suche nach einem Job als Guide und Porter (Träger).

Akim führte drei von ihnen zu uns, die uns auf der Wanderung begleiten sollten. Dann begann die Wanderung. Zunächst gingen wir durch das Dorf, neugierig von allen Seiten beobachtet.

Dann schlängelte der Weg sich zwischen Kuhweiden und Bananenfeldern sowie angepflockten Schweinen und Zuckerrohrpflanzungen am Ufer des rauschenden Bergflusses Mubuku. Nach einer Weile kamen wir zu einem Gebäude am Wegrand, neben dem einige Zelte standen. Hier trugen wir uns wieder, mit Passnummer, in ein Gästebuch ein.

Christine, Klaus und Martin hatten keine Lust, immer ihren Pass herauszunehmen und dachten sich prompt eine Nummer aus. Dann kamen wir zum Nationalparkeingang, ein kleines hüttenartiges Gebäude und etwas abseits zwei Plumpsklos. Die Bergluft war kühl und sehr feucht. Unsere Guides führten uns nun auf einen schmalen Trampelpfad, der sich durch den moosigen, sehr vegetationsreichen Urwald wand. Überall riefen Vögel, welche jedoch zu Manuelas Ärgernis immer verborgen blieben. Ein Mann mit Maschinengewehr schloss sich uns an. Er diente der Sicherheit, denn der Kongo war nicht weit und Rebellen konnten auftauchen. Der Pfad führte bergauf und bergab, manchmal über Brücken und einmal über eine wenig vertrauenserweckende Brettkonstruktion, welche an einem Steilhang den Weg ersetzte. Gelegentlich ging der Pfad herunter an Ufer des Mubuku Flusses, dessen klares Wasser tosend aus dem Gebirge rauschte. Zweimal überquerten wir kletternd und springend auf Steinen kleinere Bäche. Die Guides halfen uns, wenn nötig, indem sie ihre Hände reichten.


 

Einmal kamen wir zu einer Stelle, wo wir über Steine klettern mussten. Kaum waren wir über die Steine gekommen, landeten wir in einem Teppich aus Feuerameisen. Es war ein unglaubliches rotes Gewimmel, was den Pfad auf fünf bis zehn Meter länge bedeckte und auch umgebende Pflanzen und Steine einnahm. Wir überquerten die Insekten mit hoher Geschwindigkeit. Dennoch kletterten Ameisen an unseren Schuhen hoch und bissen schmerzhaft zu, sobald sie auf Haut stießen. Nachdem wir sie loswurden, ging es weiter.

Ich sah, wie sich über dem Gebirge Wolken bildeten und dass wir genau in diese Richtung gingen. Was, wenn der Regen die Bäche anschwellen liess und wir hier nicht mehr fortkamen? , fragte ich mich. Schließlich heißt Ruwenzori in einer einheimischen Sprache „Regenmacher“. Da mein Wasservorrat nicht mehr reichte, entschloss ich mich nach etwas über zwei Stunden, umzukehren. Während die Anderen noch weiter gingen. Ich wusste nich, ob ich für sechs Stunden Wandern genug Kondition hatte und wollte es auch nicht austesten.

Einer der Guides führte mich sicher durch den Wald über die Brücken, Steine und Ameisen zurück zum Parkeingang. Hier wartete ich auf die Anderen und aß meine Lunchbox.

Kleine braune Ruwenzorihörnchen jagten sich durch mit Schlingpflanzen bewachsene riesige Bäume.

Auf dem Boden wuchs normaler Klee, wie man ihn aus Europa kennt. Ein vierblättriges Kleeblatt erregte sofort meine Aufmerksamkeit. Ich pflückte es und wünschte den Anderen Glück, denn aus dem Gebirge hallte Donnergrollen, und es fing an zu regnen.

Der Parkwächter bot mir an, in seine Hütte zu kommen und dort den Regen abzuwarten.

Kurz nachdem der Regen aufhörte, kam der Rest der Gruppe wohlbehalten zurück.

Nach kurzer Rast gingen wir zum Gebäude mit den Zelten, um uns erneut ins Gästebuch einzutragen. Womöglich wird so kontrolliert, ob jemand nicht wieder aus dem Park auftauchte, weil er einen Unfall hatte oder Ähnliches.

Im Gesträuch entdeckte ich ein grünes Chamäleon, welches schnell von Fotoapparaten umringt war. Wir gingen weiter, und schwerbepackte einheimische Bergsteiger mit vielen Guides kamen uns entgegen. Akim hatte uns erzählt, dass vier Angestellte für jeden einzelnen Bergsteiger vorgesehen seien. Bei einer Gruppe unserer Größe müssten dann bei einer mehrtägigen Tour 24 Personen eingestellt werden.

Wir sahen noch ein weiteres, sehr buntes Chamäleon.

Zurück im Dorf, ging die Fahrt schnell weiter auf einer Asphaltstraße Richtung Queen Elizabeth Nationalpark.

Rechts und links von der Straße erstreckte sich Buschland, und in der Ferne entdecken wir den Lake George. Wir passierten den Äquator, der durch ein ringförmiges, weißes Denkmal angezeigt wurde. Dort legten wir eine Photopause ein. Dann ging es weiter. Wir sahen Paviane, Wasserböcke und Warzenschweine. Im Nationalpark, den wir auf einer unbefestigten Straße befuhren, waren zudem Büffel und Kobantilopen. Als Seltenheit erblickten wir noch Riesenwaldschweine, welche eigentlich sehr schwer zu sehen sind. Obwohl die größten Schweine der Welt, sind sie erst im vorigen Jahrhundert entdeckt worden,


 

weil sie so selten zu sehen sind. Unsere waren drei Tiere, welche um einem Busch herumstanden und Nahrung suchten. Wir kamen nach Mweya, zur gleichnamigen Safari Lodge. Dies war wohl die luxuriöseste Unterkunft der ganzen Reise. Vor dem Eingang stand eine naturgetreue, lebensgroße Elefantenskulptur, umringt von grasenden, lebenden Warzenschweinen. Im großen Empfangsraum mit gepolsterten Holzmöbeln, naturnahen Zeichnungen von Berggorillas

und der Rezeption wurden wir mit Frischetüchern und Säften empfangen.

Daneben graste draußen ein Warzenschwein, mit dem sich Klaus für ein Photo posierte.

Dann führte man uns zu den Zimmern, welche nebeneinander in langen, flachen Gebäuden waren. Unser Zimmer war sehr geräumig, mit einer hölzernen Veranda. Die Lage war einfach traumhaft. Die Lodge lag auf einem Hügel auf einer Halbinsel in einer Schlaufe des Kazinga-Kanals, welche sie überblickte. Der Kanal verbindet den Lake George mit dem Edwardsee im Süden. Es gab einen sauberen Zwimmingpool mit Liegestühlen und eine Aussichtsplatform, welche über den Kanal ragte. Beim Tagebuchschreiben auf der Zimmerveranda liefen zwei Meter entfernt Warzenschweine vorbei, und am andern Ufer des Kanals kamen drei Elefanten zum Trinken. Büffel suhlten sich dort, und ab und zu tauchten im Wasser Flusspferde auf. Es war wie ein Traum.

Am Abend aßen wir auf einer großen Hotelterasse mit Kanalblick. Das Essen vom Büffet war in bester Qualität.

 

Kapitel 7

Donnerstag, 3. August Queen Elizabeth National Park

 

Früh am morgen weckte uns ein kräftiges Gewitter. Wir mussten sehr früh austehen, denn es stand eine Game Drive bevor, welche um 6:30 begann. Vorher gab es noch Tee, Kaffee und Muffins im Empfangsraum. Es war noch stockdunkel, als wir losfuhren. Dabei goss es auch noch in Ströhmen, aks wir von der Mweya-Halbinsel in den Nationalpark fuhren.

Kleine braune Vögel saßen auf der Straße und flogen weg, sobald das Scheinwerferlicht des Autos sie erfasste. Akim sagte, dass dies Night Jars seien. Wir fuhren auf die asphaltierte Straße und dann in einen anderen Bereich des Nationalparks, wo es besonders viele Tiere geben sollte. Wir sahen unterwegs Büffel, Kobantilopen und Wasserböcke. Dann, als wir in dem wildreichen Gebiet angelangt waren, tauchte vor uns auf der Straße ein Tier auf, welches wir nicht sofort erkennen konnten. Es war eine Tüpfelhyäne. Sie lief ins hohe Gras und sah sehr hundeähnlich aus. Wir fuhren weiter auf den Schlammpisten. Die Straße war so nass, dass wir mehrfach ins Rutschen kamen. Einmal sahen wir zwei, einmal drei Löwinnen in der Ferne im Gras liegen. Außerden fanden wir zwei halb aufgefressene Antilopenkadaver.

Wir fuhren in einen anderen Bereich des Nationalparks, an einen salzigen Kratersee entlang. Akim erzählte uns, dass dieser See häufig von verletzten Tieren aufgesucht wurde, welche hier ihre Wunden desinfizierten. Wir sichteten Kobantilopen, Büffel und Warzenschweine.


 

Einmal stand eine kleine Herde Büffel mit Madenhackervögeln auf dem Rücken nahe an der Straße und beäugten uns neugierig.

Schließlich war die Safari beendet und es gab Frühstück in der Lodge. Dann hatten wir Freizeit. Martin, Kurt und ich spielten gegeneinander Schach auf der Veranda von Manuelas und meinem Zimmer. Ich hatte noch nie zuvor mit Blick auf Warzenschweine Schach gespielt. Diese grasten, ohne von uns Notiz zu nehmen, direkt vor der Veranda.

Martin gewann immer, während Kurt immer verlor. Hippos grunzten im Kanal.

Ein Warzenschweinkeiler, gefolgt von einem vorwitzigem Jungen, stattete uns Besuch ab.

Der Junge versuchte, seine ältere Schwester zu überreden, mitzukommen, aber diese war vernünftiger. Daher nährte sich der Junge alleine diesem vermeintlichen Hängebauchschwein.

Als er nur noch ein Meter entfernt war, streckte er die Hand aus. Der persönliche Distanzkreis des Keilers war unterschritten, was er mit einem Warngrunzer begleitet von einem Svchwenk mit dem hauerbewehrten Kopf quittierte. Der Junge nahm die Beine in die Hand und war in einer Sekunde dreißig Meter entfernt. Es gab Mittagessen auf der Restaurantterasse, begleitet von äußerst frechen Webervögeln, welche sofort über die Essensreste auf dem Tisch herfielen, sobald er verlassen wurde.

Die Anderen aus der Gruppe namen am Nachmittig an einer Bootsfahrt teil auf dem Kazinga-Kanal. Ich wollte aufgrund der Vorkommnisse auf dem Nil und weil ich annahm, dass man hier Ähnliches ah wie auf der anderen Bootsfahrt, lieber die Zeit führ einen Besuch des Internetcafès nutzen. Als die Anderen von der Bootstour zurückkamen, erzählten sie, dass sie am anderen Ufer des Kanals ein Löwenrudel gesehen hätten. Kurt, Christina und Klaus zeigten mir, dass man sie auch von der Zimmerveranda aus sehen konnte. Allerdings hatte sich der Löwenpascha in die Büsche verkrochen, so dass man nur zwei Löwinnen und sein Hinterteil durchs Fernglas sehen konnte. Der Tag endete wie der vorherige mit einem Dinner auf der Terrasse.


 

 Kapitel 8

Freitag, 4. August Mweya- Kabale- Grenze zu Ruanda- Gorilla Nest Camp

 

Wir waren traurig, dass wir diese schöne Unterkunft mit dem herrlichen Blick auf den Kazinga-Kanal nun verlassen mussten. Über dem anderen Ufer ging die Sonne auf. Sie war gigantisch und rot und bewegte sich so schnell, dass man es mit dem bloßen Auge sehen konnte. Es war traumhaft. Wir alle standen einfach nur vor unseren Zimmern und schauten.

Es gab noch Frühstück, bevor wir unser Gepäck einluden und uns von den Warzenschweinen verabschiedeten. Wir fuhren zur Hauptstraße, von der aus wir Wasserböcke, Grüne Meerkatzen und Warzenschweine sahen. Außerdem saß eine große Truppe Paviane, aus der Distanz wie Menschen aussehend, auf dem Asphalt und bettelten. Cato kurbelte schnell das Fenster hoch. Einer der Paviane kreuzte die Straße, nicht ohne uns einen Vogel zu zeigen.

Wir durchfuhren ländliche Regionen mit winkenden Kindern und Kronenkranichen, dem Wappentier Ugandas. Es ging zur Kleinstadt Kabale. Akim erzählte uns, dass er bei der Buschpause, die wir vorher machten, entdeckt hätte, dass im Kühler ein Loch war.

Dies sollte jetzt repariert werden. Man setzte uns bei einem Restaurant mitten in dem Ort mit den Lunchpaketen ab. Wir stiegen eine Treppe hinauf. Ich schwankte stark, da ich an dem Tag das Malariamittel genommen hatte. Das Restaurant „Little Ritz Bar & Restaurant“ war im ersten Stock der großen „Hot Loaf Bakery“. Wir aßen zunächst unser Lunch. Ein Fenster gab einen Blick auf den Innenhof der Bäckerei frei. Dieser sah heruntergekommen aus, mit herumliegenden Abfällen, großen Säcken mit angefressenen Brötchen, einem niedrigem Gebäude, aus dem scharf riechender Qualm kam aus einem Spalt und der Hintertür in das Bäckereigebäude. Daraus kamen Stimmen und Maschinenlärm. Auf einem über den Hof gebauten Holzgang kam man zur Toilette.

Dicke Wolken bildeten sich, ein Gewitter drohte. Der Himmel wurde immer dunkler, und drohendes Donnergrollen war zu hören. Akim hatte gesagt, dass die Straße nach Ruanda sehr schlecht wäre. So überlegte ich, ob man bei Regen dann wohl überhaupt da hinkäme, wenn das Auto erst einmal repariert war. Akim kam nach einer Weile, um uns zu sagen, dass die Mechaniker wohl noch eineinhalb Stunden brauchen würden. Er brachte einen Händler mit.

Diese verkaufte T-Shirts mit Gorillabildern und Schriftzügen, die man sich vorher auf einem Tuch aussuchen konnte. Alle wollten ein T-Shirt als Andenken für das bevorstehende Gorilla-Trekking bestellen. Sie würden dann am Montag, wenn wir aus Ruanda zurückgekommen, fertig sein. Der Händler schrieb Größe, Farbe und gewünschte Bilder zu unseren Namen auf einen Zettel. Mittlerweise goss es in Strömen, und Blitze teilten den Himmel, dicht gefolgt von Donnergrollen. Ein etwa fünfzehnjähriger Junge mit Mütze kehrte Schmutz aus dem Bäckereigebäude in den Innenhof, welcher nun hoch unter Wasser stand.


 

Die Kellnerin des Restaurants schnitt kunstvoll die Ananas, die Akim uns auf dem Weg nach Malindi gekauft hatte. Nach über zwei Stunden kam Akim wieder, es ging weiter.

Es war nun etwa drei Uhr, zum Einbruch der Dunkelheit würde die ruandische Grenze schließen. Wir hatten es also sehr eilig. Zunächst fuhren wir nach Kisoro, was etwa zehn Kilometer von der Grenze entfernt war. Es goss immer noch, und die nicht asphaltierte holprige Straße führte uns hoch in die Berge. Sie war etwa 70 Kilometer lang, die wir drei Stunden fuhren. Es wurden sehr lange drei Stunden. Einmal rutschte unser Auto weg, ich glaubte schon, das Stündlein hätte geschlagen. Es war nach etwa eineinhalb Stunden, also an der weitestmöglich von einem Ort entfernten Stelle. Das Hinterrad rutschte weg und prallte gegen eine Lehmwand. Cato machte das Auto jedoch mit konsequentem Gasgeben wieder flott. Spannend war es auch, auf dieser Straße die zahlreichen Lastwagen und vor allem Tanker zu überholen, welche auch ab und zu stecken geblieben waren. Wir waren sehr hoch im Gebirge, als die Sonne durchbrach und alles in strahlendes, funkelndes Licht tauchten. Wir rasteten in einem Bambuswäldchen. Wir fuhren durch Farmland, was einmal Lebensraum von Gorillas war. Gruppen von Kindern waren auf der Straße. Diese winkten jedoch nicht, sondern schrien wütend und schüttelten Fäuste. Dies ist verständlich, denn die europäischen Touristen, die kurz in der Welt der Kinder auftauchten, gaben oft an einem Reisetag so viel aus wie die Einheimischen hier durchschnittlich im Jahr verdienten. Dies war der Grund, warum auch viele der Kinder bettelten. Schließlich waren wir in Kosoro. Eine asphaltierte

Straße führte in den Kongo, welcher etwa 14 Kilometer entfernt war. Eine kleine Schlammpiste ging nach Ruanda.

An der Grenze mussten wir zunächst zur Police. Der freundliche Herr in der Holzhütte trug unsere Namen, Alter und Passnummern in ein Buch ein. Dann ging es zur Ausreisestelle.

In dem schäbigen Gebäude war ein typisch kalter Beamter, der uns Ausreiseformulare ausfüllen lies und unsere Pässe stempelte.

Dann führte uns Akim nach Ruanda. Die Immigration war in einem modernen, großen Gebäude, wo uns eine freundliche Dame mit weiteren Formularen und Stempeln empfing.

Nun fuhren wir weiter, auf die rechte Straßenseite wechselnd, denn in der ehemaligen belgischen Kolonie herrscht Rechtsverkehr. Außerdem mussten wir unsere Uhren eine Stunde zurück stellen; Ruanda ist in einer anderen Zeitzone. So gewannen wir eine Stunde. Wir fuhren zur Autoversicherung, wo Akim und Cato uns bei einer Ansammlung von Hütten abstellte. Jugendliche umringten das Auto und schnitten Grimassen. Andere sammelten sich neugierig an der Scheibe, um die Versicherungsplakette zu bestaunen.

Es ging weiter auf einer asphaltierten Straße nach Ruhengeri. Dunkelheit legte sich über das Land. Zahlreiche Fussgänger, die ihr Hab und Gut trugen, tauchten im Scheinwerferlicht auf. Ruanda war so übervölkert, dass ständig Menschen auf der Suche nach Wohnraum waren.

Seit elf Stunden waren wir nun unterwegs. Nirgends war elektrisches Licht zu sehen, obwohl zahlreiche Häuser rechts und links der Straße waren.

Wir kamen, nach Fahrt auf einer Holperstraße, im Gorilla Nest Camp und Golf Resort an.


 

Das Camp lag in 2500 Meter Höhe, es war entsprechend kalt. Doch diese Kälte hatte Vorteile:

Es gab keine Moskitos, so dass in den Zimmern keine Mückennetze waren. Die kalten Zimmer waren in kleinen Gebäuden, welche um einen bepflanzten Hof gruppiert waren.

Der Angestellte, der uns die Zimmer zeigte, sprach französisch und verstand kein Englisch.

Der Empfangsraum war geräumig, mit Sitzgelegenheiten und einem Fernseher. Rechts war eine Bar, links das Restaurant, welches trotz der Kälte offen war. Es gab Pilzsuppe und Büffetessen. Manuela und ich ergatterten die beliebten Plätze am Kamin, welcher glücklicherweise brannte.

Klaus erzählte uns, was das Wort „CONGO“ in Akims Unterlagen bedeutet hatte.

Es war keine Gorillagruppe, sondern unsere Reiseagentur in Uganda, Escape, hatte das zweite Gorilla-Trekking von Bwindi National Park auf Virunga National Park in der DRC gebucht.

Mit anderen Worten: Wir hätten in dieser Reise noch ein drittes Land besucht. Visa hätten wir an der Grenze gekauft, wenn wir von Kisoro aus dahin gefahren wären. Allerdings hätte dies unser letztes Land sein können. Zum Glück hatte Akim, der zwei Jahre in Kiel gewesen war,

die Erfahrung, dass Kongo bei den Deutschen verpönt ist. Er hat es dann auf Ruanda umgebucht, so dass unsere beiden Gorilla-Trekkings nun hier stattfinden sollten.

 

Die folgende Nacht schlief ich sehr schlecht, zum einen, weil ich wegen des nächsten Tages so aufgeregt war, zum anderen, weil ich krank fühlte, was ich auf Essen und Klimaumschwung schob.


 

Kapitel 9

Samstag, 5. August 1. Gorilla-Trekking im Parc National des Volcans

 

Schon um fünf Uhr morgens klingelte Manuelas Wecker. Ich hatte sehr schlecht geschlafen und war sehr erschöpft. Zudem plagten mich Bauchkrämpfe. Um sechs Uhr gab es Frühstück. Ich war so aufgeregt, dass ich die Kälte nicht spürte. Eingepackt in zwei dünne Jacken, die einzigen, die ich mithatte, aß ich mit den Anderen Bratkartoffeln und Pappbrot.

Als wir fertig waren, kamen Akim und Cato und es ging los. Im Fahrzeug fuhren wir zu den

Park Headquarters des Vulkannationalparks. Es ging über eine sehr schlechte, steinige Straße,

bis wir auf einen kiesigen Parkplatz mit durch weiße Steinreihen markierten Parkplätzen und einem niedrigen Gebäudekomplex. An dem Hauptgebäude war ein großes Schild mit Aufschrift „Parc National des Volcans“ und einem gezeichneten Silberrücken.

In dem Gebäude trugen wir uns an einer Kasse in ein Gästebuch ein. In dem engen Raum wurden allerlei Souvenirs, auch Bücher, verkauft. Aber zum Shoppen war ich zu aufgeregt.

Wir gingen nach draußen auf eine Grasfläche, während Akim für uns die zu besuchende Gorilla-Gruppe vereinbarte. Ranger mit grüner Kleidung und Gummistiefeln standen im Kreis herum und diskutierten eifrig. Immer mehr andere Touristen kamen.

Die Ranger teilten sich auf und trugen grüne, schnörkelige Schilder zu verstreuten Positionen auf der Rasenfläche. Diese wurden dann umgedreht. Darauf stand immer jeweils eine Gorilla-Gruppe. Je ein Ranger wartete neben einem solchen Schild, während eine andere Person die Touristen zu den Schildern führte. Jede Touristengruppe hatte schließlich ein Schild, nur uns beachtete keiner. Was war nun schon wieder los? Akim kam und erzählte uns die Panne:

Escape Uganda hatte nur drei Gorilla-Permits für den Tag und für unsere Gruppe gebucht.

Was hieß das, etwa losen? Aber Akim ist ehrgeizig, wenn es um das Lösen von Problemen geht. Er rief seinen Chef an und fragte ihn, ob er schnell noch drei weitere kauft, denn Plätze gab es noch. Dies klappte, doch durch das Missgeschick musste unsere Gruppe aufgeteilt werden. Mittlerweise hatten die Ranger bereits den Touristen über die Gorillagruppen erzählt, so dass wir dies verpassten. Kurt und ich wurden von Akim zuerst zu unserem Wagen geführt.


 

Hier warteten wir, während der Rest der Gruppe zu anderen Wagen zugeteilt wurde, immer in Zweiergruppen. Kurt wurde mittlerweile hysterisch, weil wir nicht wussten, was nun mit uns passierte. Schließlich kam Francois, unser zukünftiger Guide und Ranger, und bat uns, wieder auszusteigen. Er führte uns in einen anderen Geländewagen, in dem man auf seitlichen Bänken saß. Er war bereits voll. Zwei blonde junge Frauen, ein junger Mann und eine, was mich erstaunte, weitere jung blonde Frau als Fahrerin, waren bereits im Wagen.

Ich fragte, welche Gruppe wir besuchen würden. Es war die Sabinyo Group. Dies freute mich, denn ich hatte gehört, dass diese vom größten Silberrücken Ruandas angeführt wurde.

Die Fahrt ging los. Wir stellten uns gegenseitig vor. Es stellte sich heraus, dass die Fahrerin keine Geringere als die Gorillaärztin Dr. Felicia Nutter war, welche von Menschen übertragene Krankheiten sowie schwerere Verletzungen bei den Tieren behandelte.

Bei einer so bedrohten Tierart zählt das Überleben jedes Exemplars. Die anderen Frauen waren ihre Schwester, der Bruder und die mit ihm verheiratete Schwägerin. Die Mutter der Geschwister war auch dort, aber in einem anderen Fahrzeug. Sie besuchten die Ärztin aus Kalifornien. Wir fuhren über weitere Holperstraßen durch Dörfer und Felder. Überall waren kleine, bettelnde Kinder. Nach etwa einer halben Stunde parkten wir auf einer Rasenfläche zwischen den Feldern. Wanderstöcke wurden angeboten. Man trank noch Wasser. Ich hatte meine Regenjacke an und meinen Wanderrücksack mit Wasser und Gartenhandschuhe gegen Nesseln. Drei Soldaten in Uniformen und Maschinengewehren erwarteten uns. Sie sollten uns während des Trekkings bewachen und ständig in der Nähe sein. Außerdem waren da noch ein Guidelehrling und zwei Fährtenleser und das andere Fahrzeug mit dem Rest der Gruppe.

Francois führte uns nun über quer über Äcker. Er zeigte uns Eukalyptusbäume sowie eine kleine Hütte aus Ästen mitten auf dem Feld. Er erklärte uns, dass hier abends ein Wächter drin saß, welcher aufpasste, dass keine Elefanten und Büffel die Felder ausraubten. Kamen sie, schlug er auf einen Blechkanister, um sie zu vertreiben. Wir waren am Waldrand angelangt. Die landwirtschaftlichen Flächen grenzten direkt an den Nationalpark.

Diese war durch eine etwa einundhalb Meter hohe Mauer aus Steinbrocken markiert.

Diese sollte Elefanten und Büffel ausgrenzen, erinnerte jedoch an den King-Kong-Film von Peter Jackson. Wir kletterten darüber und Francois erklärte uns die Verhaltensregeln im Wald und bei den Gorillas. Man durfte nur flüstern, musste einen Abstand von sieben Metern von den Tieren halten, durfte nicht auf sie zeigen und sie nicht berühren. Außerdem durfte man nur eine Stunde bei ihnen sein. Wenn einer angriff, durfte man ihm nicht in die Augen sehen und musste niederknien.

Dann ging es los, über sehr schmale Pfade mit Bambus, an dem man sich festhalten konnte,

und Gestrüpp sowie Nesseln. Mehrmals überquerten wir Lichtungen. Es ging immer weiter bergauf. Francois zeigte uns Nahrungspflanzen der Gorillas wie Disteln, und zeigte uns, wie sie sie zubereiteten. So streiften sie zum Beispiel die Dornen der Disteln von unten ab.


 

Wir sahen auch eine Gorillafährte. Dann kamen wir in etwas 2800 Meter Höhe auf eine große Lichtung mit Büffeldung. Francois sagte uns, dass die Gorillas gerade von der anderen Seite auf die Lichtung kamen. Wir mussten nun unsere Rucksäcke bei den Fährtenlesern lassen und unsere Kameras aufnahmefertig einstellten. Ich war zum zerreißen gespannt. Es ging durch eine Gestrüppinsel, die die Lichtung teilte, dann auf einen grasigen Hügel. Freudenrufe erklangen aus der Gruppe. Am Waldrand, zwischen hohem Gras, blitzte kurz etwas schwarzweißes auf und verschwand wieder. Der Silberrücken! Weitere Gorillas, Junge und Weibchen mit schwarzem wolligem Fell, tauchten auf. Wir wurden näher herangeführt, auf etwa zehn Meter. Der Silberrücken Guhonda, was so viel hieß wie „Der, der sich auf die Brust schlägt“, lief langsam durch das Gras und auf den Hügel. Francois erklärte, dass er 34 Jahre alt ist und zwischen 220 und 250 Kilogramm wiegt, so viel wie ein Löwe!

Er setzte sich und begann, Gras zu fressen. Zwei Weibchen liefen hinter uns in hohen Gras, kaum mehr als drei Meter entfernt. Sie begannen zu fressen. Wir gingen näher an Guhonda heran, bis auf etwa fünf Meter. Man konnte ihn riechen. Francois machte brummende und stöhnende Geräusche, um ihn zu beruhigen.

Dann, am Rande der Lichtung, tauchten ein Weibchen und zwei recht kleine Jungtiere auf.

Letztere kamen recht nah, bis auf zwei Meter. Sie galoppierten herum und das ältere Männliche legte sich flach auf dem Rücken ins Gras. Die Mutter und das andere Jungtier taten es ihm gleich. Wir gingen noch einmal zu Guhonda, bis auf etwa vier Meter. Er fraß immer noch, hielt jedoch ab und zu inner und musterte uns scharf. Francois brummte, der Gorilla knurrte. Wir gingen wieder zu den Weibchen, welche sich hingesetzt hatten, während die Jungen zwischen ihnen spielten. Guhonda entschloss sich mit einem Grunzen, zu den Weibchen und Jungen zu gehen. Ich stand fast dazwischen, und die riesige Kreatur kam näher und näher. Als er auf meiner Höhe war, wandte er sich im Lauf um und in meine Richtung.

Wir waren noch 1, 5 Meter entfernt und face-to-face. Der Guide-Lehrling packte mich am Arm und zerrte mich in einen kleinen Graben. Was wäre passiert, wenn er das nicht gemacht hätte? Guhonda setzte sch neben seine eifrig spielenden Kinder. Denn stand er wieder auf und lief in den Wald. Die anderen folgten ihm. Francois schaute auf seine Uhr und sagte, dass wir noch zwei Minuten hätten. Wir gingen um das Gebüsch herum und sahen die Tiere noch einmal auf der anderen Seite davon. Sie liefen am Waldrand entlang, von Guhonda angeführt.

Francois erzählte, dass er angespannt war, weil ein anderes Gorillamännchen in seinem Revier war. Wir verließen nun die Gruppe, was uns Überwindung kostete. Wir gingen nun den gleichen Weg wieder den Berg hinunter. Ein lautes „Piau“ erklang, der Schrei eines Goldaffen. Auf dem Parkplatz verkauften Kinder Photos und Zeichnungen von Gorillas, Tiere, die sie noch nie in freier Wildbahn gesehen haben. Wir fuhren wieder im Wagen zurück zum Hauptgebäude. Unterwegs wurden wir arg von bettelnden Kindern umstellte, so dass wir fast eins überfuhren. Beim Hauptgebäude bekamen wir noch Gorillazertifikate mit Namen, Gorillagruppe, Datum und Stempel. Unser Guide versprach uns, dass beim Zweiten Gorilla-Trekking das Missverständnis mit der Buchung wie an diesem Morgen nicht noch einmal vorkommt. Den Rest des Tages hatten wir frei. Wir verbrachten im Mountain Gorilla Rest Camp und erkundeten das Gelände. Kronenkraniche und Perlhühner, recht zutraulich, nahmen für sie bereitgestellte Wassertränken an. Sie spazierten vor unserem Zimmer herum.


 

Ich suchte den Golfplatz und lief über eine lange, stabile Holzbrücke zum Golf Resort.

Der Golfplatz war riesig und erstreckte sich über mehrere Hügel. Ein kleiner Ziegenhirte trieb seine Herde über den Golfrasen, denn das Gelände war nicht umzäunt. Auch bewacht war es nicht. Ein Mann, der nur ein Bein hatte, erinnerte an den Bürgerkrieg. Am Abend unterhielt ich mich, in Eiseskälte stehend, mir Martin über Tauchtechniken. Leider gab es hier kein Schachspiel.

In dieser Kälte aßen wir Dinner. Die Nacht schlief ich noch schlechter als die erste, wahrscheinlich wegen der Kälte.

 Kapitel 10

Samstag, 6. August 2. Gorilla- Trekking im PNV- ugandische Grenze- Kisoro

 

Wie am vorhergegangenen Tag mussten wir sehr früh aufstehen. Ich stellte fest, dass ich leichtes Fieber hatte. Auf den heutigen Programmpunkt wollte ich jedoch deswegen nicht verzichten. Manuela empfahl mir Paracetamol, was ich auch mit hatte.

Tatsächlich, nach dem Frühstück war das Fieber verschwunden.

Wie beim ersten Mal wurden wir wieder von Akim und Cato zum Hauptgebäude des Parks gebracht. Ein großer schlanker Mann, der mit einer dunkel getönten Brille wie ein FBI-Agent aussah, fiel mir auf.

Kurt und Martin hatten das zweite Gorilla- Trekking nicht gebucht, so dass sie als Ersatz eine Tour zu den Goldaffen, eine Affenart, welche ebenfalls im Nationalpark vorkam, buchten.

Der Rest der Gruppe, Manuela, Christine, Klaus und ich, wurde zu einem der schnörkeigen grünen Schilder geführt, auf dem Sabinyo Group stand. Es war also die selbe Gorillagruppe, die ich schon gestern gesehen hatte. Aber das machte nichts, da ich zufrieden war, enn ich irgendwelche Gorillas sah. Der FBI-Mann erwartete uns schon an dem Schild. Er war unserer zukünftiger Guide und hieß Francis. Er erzählte über die Sabinyo- Groppe und zeigte Photos von den einzelnen Mitgliedern. Einige dieser Mitglieder, ein weiterer Silberrücken und zwei Weibchen, hatten die Gruppe kürzlich verlassen. Daher waren es nur noch acht Tiere.

In unserer Trekking-Gruppe waren noch vier Touristen aus Kalifornien dabei, darunter eine Mutter mit ihrer Tochter, welche sich stritten.

Wir fuhren nun in unserem Landrover mit der Golden- Monkey- Trekking-Gruppe zum Ausgangsort der Wanderung. Dieser war ein anderer als am vorherigen Tag. Es war in einem kleinen ländlichen Dorf, und Kinder betrachteten uns neugierig. Die obligatorischen Soldaten erwarteten uns schon.

Francis führte uns durch kleine Vorgärten auf Weideflächen und Äcker. Ziegen- und Rinderhirten trieben ihrer Herden zu saftigen Gras, und Francis erzählte, dass die Gorillas gelegentlich auf diese Ackerflächen kommen, da hier früher einmal Wald war.


 

Wir kamen an den Waldrand, wieder mit der Steinmauer. Nach einer Pause kletterten wir alle nacheinander über die teilweise lockeren Steine. Francis sagte, dass die Gorillas nur noch 20 Minuten entfernt wären.

Dann führte er uns durch den Wald. Ich lief hinter Francis. Der Wald war deutlich dichter als am Vortag, aber die Wege weniger schlammig. Teilweise war die Vegetation so dicht, dass man darunter durch kriechen musste. Francis zeigte uns Goldaffen, welche in der Ferne durch einen Baumwipfel kletterten. Dann liefen wir über, oder besser, durch eine Lichtung mit einundhalb bis zwei Meter hohen Brennnesselbeständen und anderem Gestrüpp. Man sah nur grünes Geschling, und ich war sehr damit beschäftigt, mit meinen Gartenhandschuhen die Brennnesseln aus Gesichtsnähe zu bekommen. Man konnte sie durch die Hosenbeine hindurch spüren.

Hin und wieder sahen wir Elefantendung. Wir kamen auf einen Breiten Pfad, der sich zwischen Bambus und über Lichtungen schlängelte, ebenfalls mit Dung. Eine Kalifornierin fragte, ob dies ein Elefantenpfad sei. Francis sagte, dass die der Gorilla- Pfad war.

Wir sammelten uns schließlich auf einer Lichtung, auf der zwei Fährtenleser uns erwarteten. Wieder war, nach letztem Schluck aus Wasserflasche, das Ablegen der Rucksäcke angesagt.

Kameras wurden eingestellt. In der Ferne sah man schon, wie sich Büsche stark bewegten, wie durch ein großes Tier. Francis führte uns darauf zu und dann relativ nah, etwa zwei Meter, an ein Gorillaweibchen vorbei, welches im Baum saß und Blätter in sich hineinschob.

Dann, direkt neben dem Pfad vor uns, erblickte ich die gewaltigen Umrisse von Guhonda im Gestrüpp. Um auf die Lichtung zu kommen, musste man sehr nahe vorbei. Er beobachtete uns nur, währen wir uns alle in einer Reihe an den Rand der Lichtung stellten. Francis stand direkt vor mir, als aus dem Gebüsch plötzlich ein Weibchen mit Jungem huckepack auf dem Rücken, auf ihn zu ging und mit beiden Händen Francis`Hosenbeine packte und daran zerrte.

Francis zerrte auch, ich ging einen Schritt zurück, damit das Tier mit nicht auf die Füße trat, und das Weichen schrie und Junge quakte. Es sah aus wie ein Kampf zwischen Gorilla und Guide. Aus dem Quaken wurde ein Geröhr und Gebrüll, Francis flog gegen die Büsche hinter und ich spürte einen harten Schlag auf meiner linken Kopfseite. Ich hob den Blick. Höchstens ein Meter vor mir stand Guhonda auf allen Vieren und fixierte mich sehr böse. Er hatte erst Francis, dann mir einen Klaps gegeben. Nun gab es keine Fluchtmöglichkeit. Inter mir war sehr dichter Busch, vor mir ein gereizter Gorilla. Der Ranger räusperte sich, um ihn zu beruhigen, und ich tat es auch, as jedoch sehr abgehackt klang.

Guhonda richtete sich auf, und ich presste meinen Rücken gegen die Büsche und senkte den Blick. Da ging Guhonda wieder zurück zum Platz, wo er vorher war, warf noch einmal einen strengen Blick zurück, und begann zu fressen. Wir kamen nun wieder aus dem Gebüsch und atmeten auf. Drei der Kalifornier hatten echte Angst gehabt, und auch ich war etwas angespannt, genauso Francis. In meinen Haaren war Erde, doch der Schlag war bei weiten nicht so unangenehm wie das Stoßen mit dem Kopf gegen den niedrigen Türrahmen unseres Landrovers. Er hatte nicht mit voller Kraft zugeschlagen, sondern wollte nur zeigen, wer hier der Herrscher des Regenwaldes ist.


 

Guhonda verhielt sich nun so, als ob nichts gewesen wäre, und richtete sich auf, um an besonders leckere Pflanzenteile zu kommen. Diese zog er mit seinen haarigen Armen zu sich herunter. Man konnte den Dampf seines Atems sehen in der kühlen Morgenluft.

Davor saß ein Gorillaweibchen, welches mit seinen Augenbrauen sehr menschlich aussah. Es stand auf und lief auf uns zu. Wir machten ihr Platz, und sie lief nicht mehr als zehn Zentimeter an uns vorbei. Plötzlich hielt Guhonda inne und wirkte wieder sehr angespannt.

Francis sagte, dass er sic auf die Brust schlagen möchte, und warnte uns, bloß nicht wegzulaufen. Aber Guhonda entschied sich anders und lief von uns weg, nicht ohne noch einmal Francis scharf anzusehen. Er setzt sich in das Gebüsch mitten auf die Lichtung.

Wir gingen etwas näher an ihn heran, als ein Weibchen auftauchte, uns mit großen Braunen Augen betrachtete und sich zielstrebig auf uns zubewegte. Francis erzählte, dass dieses Tier gerne Touristen anfasst, und wir mussten, um keine Krankheiten wie Erkältungen auf sie zu übertragen, zurückweichen. Sie verlor schnell Interesse, setzte sich hin und fraß.

Hinter uns raschelte es, und ein weiteres Gorillaweibchen mit Baby kam. Es wollte zwischen uns durch zu Guhonda. Wir machten ihr nur zu gerne Platz, um nicht wieder den Zorn des Herrn auf uns zu lenken.

Francis räumte nun die Vegetation beiseite, damit wir Guhonda und seine Familie besser sehen konnten. Dabei kam er ihm etwas zu nah, was ihm ein drohendes hechelndes Husten in seine Richtung einbrachte. Dabei erhob er sich und fixierte den Guide. Das Husten klang fast wie Hundegebell. Nun war es punkt zehn Uhr, und die Gorilla- Gruppe begann ihre so genannte Social Hour, in der sie ruhten und miteinander spielten. Guhonda begann, einzunicken, und eines der Babies nahm eine rote Blume ins Maul und spielte damit. Das sah sehr drollig aus. Dann ging es ins Gebüsch, und man hörte ein trauriges Winseln.

Das andere Baby versuchte, die Mutter zu wecken, welche jedoch schlafen wollte. Leider war nun die Stunde um, und wir nahmen Abschied. Francis führte uns wieder denselben Weg zurück aus dem Wald über die Felder ins Dorf. Unterwegs erzählte Francis immer wieder von der bedrohlichen Begegnung mit Guhonda.

Im Dorf warteten auch schon Kurt und Martin seit zehn Minuten auf uns. Man gab uns die Zertifikate, dann stiegen wir in unseren Wagen. Akim wollte nun schnell nach Uganda zurück, da ihm Ruanda, wahrscheinlich aufgrund des Krieges, nicht gefiel. Wir nahmen Francis mit, der in Ruhengeri ausstieg.


 

Dann ging es weiter auf der Asphaltstraße zur Grenze. Hier füllten wir ruandische Ausreiseformulare und ugandische Einreiseformulare aus. Es ging schneller als auf der Hinfahrt. Dann ging es nach Kisoro. Hier checkten wir im Traveller`s Rest Hotel ein, eine Unterkunft, die berühmt ist, da Forscher wie Diana Fossey und Jane Goodall hier schon übernachteten. Da es kein Doppelbettzimmer für Christine und Klaus gab, mussten sie in ein Extragebäude. Hier hatten sie eine recht abenteuerliche elektrische Dusche im Bad, welche sie uns auf Photos später zeigten.

Akim und Martin waren krank, ersterer so schlimm, dass er Antibiotika brauchte.

Wir machten einen kurzen Stadtrundgang durch Kisoro, an dem Martin jedoch nicht teilnehmen konnte. Kisoro war eine typische afrikanische Kleinstadt mit schäbigen niedrigen Gebäuden, kleinen Läden, welche sich an der Hauptstraße reihten, und Kühen.

Klaus und Christine suchten eine Kirche und fragten Passanten nach einer. Da sie jedoch jedes Mal eine andere Auskunft bekamen, gaben wir es schnell auf mit der Suche.

Später erfuhren wir, dass in der Umgebung des Hotels gleich mehrere Kirchen waren.

Da hatten wir jedoch schon längst Kisoro verlassen. Gruppen von Jugendlichen riefen uns Ausdrücke für Weiße hinterher, und einmal sahen wir Zivilisten, welche Gewehre trugen. Dies erinnerte daran, dass der Kongo nur 14 Kilometer entfernt war und es jeden Tag zu Überfällen von dort kommen konnte. Nach einer Dreiviertelstunde waren wir wieder im Hotel.

Einige Einheimische begannen, auf dem Gelände zu Trommelmusik zu tanzen und zu singen, und einige Touristen schlossen sich an. Der Betreiber, ein großer, gertenschlanker freundlicher Europäer mit braunem Lockenschopf, ließ sich hin und wieder sehen.

Er erzählte, dass er nach Afrika gekommen sei, weil er dachte, dass es hier warm wäre. Jedoch war es hier im Hochland recht kühl, so dass er nach einem Jahr wieder zurück in seine Heimat wollte. Im Flur lag ein großer Wachhund, und es gab eine Bücherei mit allen möglichen Büchern und Zeitschriften über Gorillas. Viele Touristen starteten von hier aus Gorilla- Trekking in den vier Nationalparks die alle höchstens dreißig Kilometer entfernt waren. Von hier aus sollten wir eigentlich zum Gorilla- Trekking in den Kongo fahren.


 

Ein Mann begann, Masken und Holzschnitzereien, die er in kongesischen Dörfern aufgekauft hatte, zu verkaufen. Er wollte handeln, war dabei aber nicht sehr entgegenkommend.

Beim Abendbrot gingen Kurt, Martin und ich früh weg, denn wir fühlten uns sehr Krank. Manuela sagte, dass sie sich wie „zehn kleine Negerlein“ fühlten.

Ich nahm Immodium, und schlief etwas besser.

Kapitel 11

Montag, 7. August Kisoro- Mbarara- Lake Mburo National Park

 

Morgens um acht Uhr fuhren wir los, zunächst durch Kisoro. Akim zeigte uns, wo wir hätten lang fahren müssen, wenn wir in den Bwindi Forest gefahren wären. Die Straße sah wenig vertrauenserweckend aus, ebenso wie die, die wir nun fuhren. Es war die 70 Kilometer lange Schotterpiste, die wir auch schon auf der Hinfahrt genutzt hatten. Wieder ging es durch reizende Landschaften mit Terassenfeldern und vereinzelt noch ursprünglichen Wäldern.

Wir kamen auch wieder an den Lake Bonyonyi vorbei, hielten jedoch nicht dort, was uns sehr wunderte, da es so im Reiseverlauf stand. Schließlich sprach Christine Akim darauf an, uns er meinte, dass die Straße aufgrund von Regen unpassierbar sei. Da wir es nicht darauf ankommen lassen wollten, steckenzubleiben, ließen wir es damit bewenden.

Wir kamen auch wieder zu der sehr unangenehmen, verschlammten Stelle der Straße.

Dort standen zahlreiche Leute, während Cato unseren Rover rutschend durch den Schlamm quälte. Als wir die Stelle heil überwunden hatten, atmeten wir alle auf.

Endlich kamen wir in Kabale an. Dort hielten wir wieder bei dem Restaurant, wo wir schon auf der Hinfahrt waren. Im Innenhof trugen Jugendliche Arbeiter große Pakete mit verschweißten Brötchen in den Bäckerladen.

Sie waren klein und rund und jene, die wir häufiger beim Frühstück bekamen. Sie schmeckten etwas pappig. Der Händler mit unseren bestellten T-Shirts erschien. Sie waren recht schön geworden, unsere T-Shirts. Meines war allerdings etwas weit.

Es ging weiter, auf einer asphaltierten Straße, nach Mbarara. Unterwegs flog uns mit lautem Knall ein Vogel in die Windschutzscheibe.

In Mbarara, einer weiteren ländlichen afrikanischen Kleinstadt, aßen wir im Agip Hotel, was jedoch keinerlei Ähnlichkeit hatte mit der gleichnamigen Tankstelle. Es gab sogar Pizza, und es war alles recht sauber. Die Pizza sah allerdings etwas anders aus, als man es gewohnt ist.

Akim war immer noch sehr krank und musste daher zur Apotheke, um sich Medikamente zu kaufen.


 

Wir fuhren weiter zum Mburo Lake National Park. Der Himmel war überall blau, nur in Richtung des Nationalparks hingen dicke, blaugraue Gewitterwolken. Wir bogen von der Asphaltstraße auf einen Feldweg, welcher durch Subsistenzwirtschaftflächen mit bäuerlichen kleinen Betrieben und herumlaufenden Kindern führte, ein.

Wir passierten das Gate des Nationalparks. Im Park grasten illegal Rinderherden. Akim erzählte, dass man gegen diese Rinderherden nichts machen konnte, da sie der Armee gehörten.

Wir sahen unsere ersten Zebras und Impala-Antilopen sowie Wasserböcke und ein Warzenschwein im Buschland. Es begann zu regnen, und die für heute geplante Bootsfahrt wurde auf den nächsten Tag verschoben. Wir kamen im Mantana Luxury Camp an. Es goss mittlerweile in Strömen. Das Camp war die interessanteste Unterkunft der Reise, wobei das „Luxury“ nicht wörtlich zu nehmen ist.

Es waren große, längliche Zelte auf breiten Holzstegen, die weit im Busch verstreut waren und durch ein Wegenetz miteinander verbunden waren.

Diese Zelte hatten vorne eine mit einer Plane überdachte Veranda. Das Innere der Zelte bestand aus vier kleinen, durch Plastikplanen mit Reisverschlüssen separierte Räume.

Der erste größte Raum hinter dem Eingang enthielt zwei Betten.

Dahinter war der Waschraum mit einem kleinen Waschbecken und zwei großen Flaschen, eine für kaltes und eine für warmes Wasser. Wenn man sich die Hände waschen wollte, musste man das Wasser aus den Flaschen darüber gießen. Das verbrauchte Wasser lief in einen Eimer, der unter dem Waschbecken stand. Die Toilette, die sich links dahinter befand, war natürlich ohne Spülung; man musste Sand hineinschaufeln.

Rechts war die Dusche, sehr klein. Daran angeschlossen war eine große, außen am Zelt hängende Plastiktonne. Diese würde zu gewünschter Uhrzeit vom sehr freundlichen Personal mit über dem Lagerfeuer erhitztem Duschwasser gefüllt.

Der Nachmittag stand zur freien Verfügung, und wir liefen etwas über das Gelände. Zum Teil verließen wir es auch, denn es gab ja keine Löwen und Elefanten hier. Wir gingen an Zebraherden vorbei, sahen Erdferkelbaue, Grüne Meerkatzen und Warzenschweine. Von der Veranda der Kurnatowskis sichteten wir mit dem Fernglas Kuhantilopen, Büffel, und Geier.

Zwischen den Zelten liefen Wasserböcke herum.

Am Abend aßen wir sehr leckeren Fisch auf einer großen, freien Terrasse, von Grillengezirp und Nachtvogelschreien umgeben. Auf dem Weg zum Zelt im Dunkeln rannte ich fast in eine kleine Warzenschweinherde.

Im Zelt befanden sich direkt neben dem Bett in der Zeltwand Fliegengitter, so dass man praktisch mit Blick in den geräuschvollen afrikanischen Busch einschlafen konnte.


 

 12. Kapitel

Dienstag, 8. August Mburo Lake National Park- Jinja über Kampala

 Es war sehr frühes Aufstehen angesagt. Ein Angestellter brachte uns um 6:30 Kaffee und Kekse. Nach dem Frühstück fuhren wir zum Verwaltungszentrum des Nationalparks. Hier befand sich ein Gebäudekomplex, mit Büros, Tierschädeln und herumlaufenden Warzenschweinfamilien. Ich wollte einmal eine Fußsafari machen. Die Anderen zogen die Bootsfahrt auf dem Mburo Lake jedoch vor, so dass ich dies alleine machen musste. Akim fragte, ob ich Angst hätte und er mitkommen solle. Ich hatte jedoch nicht Angst, da ein bewaffneter Ranger, Richard, dabei war. Er führte mich zunächst über einen befestigten Weg. Dann verließen wir diesen und gingen mitten durch den Busch. Es war noch kühl aufgrund der Frühe, und hohes Gras strich über meine Hose. Dann stießen wir auf eine Büffelherde.

Die Kaffernbüffel, etwa zwanzig Meter entfernt, sprangen auf und liefen einige Schritte auf uns zu. Richard griff an sein Gewehr. Wir wichen zurück, und die Büffel ließen von uns ab.

Er zeigte mir ein durch ein Erdferkel gegrabenes Loch in einem Termitenhügel. Dieses wurde von einem Schakal genutzt, dessen Kot im Loch lag.

Dann erblickten wir eine Impalaherde, in alle Richtungen spähend, einen einzelnen Buschbock, Warzenschweine, etwas weiter weg Zebras und eine Topiantilope, die auf einem Hügel stand. Außerdem sahen wir grüne Meerkatzen. Wir gingen einen Pfad entlang.

Diesen verließen wir sofort, als wir hinter einer Bigung eine Büffelherde auftauchen sahen, die auch schon wieder bedrohlich die Köpfe hoben.

Es ging wieder quer durch die Steppe. Ein spitzer Schrei erklang, nach Richard von einem Mungo. Grüne Meerkatzen folgten uns mit ihren Blicken. Mittlerweile war es sehr heiß und die Sonne brannte herab.

Dann kamen wir an eine Hütte. Hier waren Poster über Fauna und Flora des Nationalparks sowie ein Raum voll mit Fledermausguano. Die Verursacher waren allerdings nicht zu sehen.

Von der Hütte aus gab es einen sehr schönen Ausblich auf den Mburo Lake.

Als wir wieder beim Verwaltungszentrum ankamen, tauchten exakt in dem Moment auch die anderem im Landrover auf. Nachdem ich Richard das Trinkgeld gegeben hatte, stieg ich ein.

Wir machten noch eine Game Drive, denn wir hatten immer noch nicht den Leoparden gesehen. Statt der gefleckten Raubkatze sahen wir Flusspferde mitten im Buschwald, Büffel, die aggressiv hörnerschwenkend und mit Madenhackern auf dem Rücken die Straße kreuzten Topis, ein Warzenschwein mit zahlreichen winzigen Frischlingen, Buschböcke, Impalas und etwa „elf Uhr vor unserem Wagen“, wie Kurt es ausdrückte, Zebras.


 

Wir sahen außerdem in der Ferne auf einem Berg unser Camp. Dort nahmen wir unser Lunch ein, leckere Spaghettis. Dann ging es weiter. Wir fuhren auf einer asphaltierten Straße unweit des Viktoriasees. Unterwegs passierten wir den Äquator. Dort gab es Souvenirläden und man konnte hier selber ein Experiment mit Wasser durchführen nördlich und südlich des Äquators sowie direkt darauf.

Man goss Wasser in eine Schale, und sollte sehen können, wie der Strudel sich bildete abhängig vom Äquator. Wir hatten gerade angefangen, das Experiment durchzuführen, als ein Mann aus einem nahen Restaurant stürmte und Geld dafür verlangte. Da ließen wir es sein.

Wir kamen auch an eine große Papyrusfläche vorbei. Dort befand sich am Straßenrand ein großer Beobachtungsturm, auf dem ein Mann mit Fernglas saß. Akim erzählte, dass er einen Schuhschnabelstorch beobachte, der hier lebte. Wir hatten diesen seltenen, eigenartigen Vogel noch nicht gesehen. Cato hielt also neben dem Turm und hupte kräftig. Der Mann schüttelte jedoch mit dem Kopf, kein Schuhschnabel war da.

Immer wieder sahen wir Straßenhändler, die Wasser und Spieße an Autofahrer verkauften.

Sie alle hatten Hemden mit Nummern darauf an. Akim erklärte, dass man so überwachen will, dass die Produkte, die sie verkaufen, nicht schlecht sind. Dieses System gab es seit zwei Jahren. Auf einen Versuch wollten wir es trotzdem alle nicht ankommen lassen.

Wir fuhren an dem Palast des Königs dieser Region vorbei. Es gab nach Akims Erzählung mehrere Königreiche in Uganda. Dieser König, dem der Palast gehörte, war nicht diktatorisch oder habgierig, sondern sehr auf der Seite des Volkes und beliebt. Die Könige haben in Uganda keine wirkliche politische Funktion, sondern dienen der Pepräsentation und beraten die Bürger auch, welche Präsidenten sie wählen sollen. Andererseits beraten sie auch den Präsidenten und vermitteln ihm, was die Bürger wünschen.

Wir erreichten Kampala. Es war wieder das übliche Verkehrschaos, und wir brachten insgesamt einundhalb Stunden hier zu. Wir sahen besorgt, wie sich hin und wieder zwei Autos streiften. Cato bog von der Hauptstraße in eine Seitenstraße, die jedoch mit Fußgängern gefüllt und von Hütten gesäumt war. Akim entdeckte im Gewimmel seine Schwester.

An einem Platz stieg er plötzlich aus und ging zu einem Mann, der ihm Geld zusteckte. Sein Chef hatte ihm Geld gebracht, da er keines mehr hatte. Wir versuchten nun, durch ein Industriegebiet die Stadt zu durchfahren. Ein langer Containerzug ratterte vorbei.

Überall waren Fabriken und Lagerräume. Der Verkehr war jedoch nicht angenehmer, und schließlich standen wir im Stau.

Irgendwann kamen wir aus der Stadt heraus. Es begann zu dunkeln, und Akim, der nicht gerne nachts fuhr, war beunruhigt. Wir fuhren im Stockdunkeln durch den Mabira Forest und dann durch Jinja. Hier entdeckten wir die hell beleuchtete Nilbrauerei, die das von Manuela sehr begehrte Nile Special Beer herstellte.

Dann bogen wir auf eine Straße, die ins Nichts zu führen schien. Wir überquerten Schienen. Dann kamen wir in der großen und hübschen Anlage des Kingfischer Safari Resorts an.


 

Dieses lag direkt am Viktoria- See, was man nun jedoch nicht erkennen konnte.

Das Dinner nahmen wir begleitet vom Plätschern der großen Swimming Pools und einer Katzenfamilie an einem langen Tisch auf einer Terrasse ein. Hier musste man das Essen im Voraus in der Bar bestellen. Die Zubereitung dauerte auffällig lange.

Die Zimmer, je zwei, waren in riedgedeckten weißen Bungalows. Die Wände zwischen den Zimmern waren so dünn, dass Manuela von Kurts Schnarchen, was die Wände erzitterte, halb wahnsinnig wurde.

 13. Kapitel

Mittwoch, 9. August Jinja

 

Diesen Morgen konnten wir erstmalig richtig ausschlafen. Frühstück gab es erst um neun Uhr vom Büffet. Ein winziges drolliges Kätzchen bettelte und wurde von Kindern der Touristen gejagt. Mir fiel auf, dass hier sehr viele europäische Familien Urlaub machten. Eine dieser Familien aus Deutschland mit zwei kleinen Kindern unterhielt sich mit Klaus. Sie lebten schon seit acht Jahren im Kongo, wo der Vater als Ingenieur arbeitete. Die Kinder gingen nicht zur Schule, sondern bekamen Fernunterricht.

Das Resort war wirklich eine herrliche Anlage mit großen, abenteuerlich gestalteten Swimming Pool mit Kinderbecken, großem Garten mit Blumen und dahinter glitzerte und blinkte der Viktoria-See in der Morgensonne.

Um 10:00 fuhren wir zu den Bujagali Falls. Diese befanden sich im Viktoria- Nil.

Hier wurden fakultativ Rafting- Touren angeboten. Aus unserer Reisegruppe hatte jedoch nur Martin Interesse, der jedoch erkältet war. So begnügten wir uns alle damit, am Nilufer den wagemutigen zuzuschauen, wie sie die Fälle bezwangen.

Viele Vögel waren dort, wie Klaffschnäbel, Kormorane und Kuhreiher. Manuela holte sofort ihr Fernglas hervor. Die Stelle, wo die Rafting Tour begann, und die Fälle waren gut zu überschauen, so dass man den gesamten Verlauf einer solchen Rafting Tour sehen konnte.

Die Rafting- Touristen, mit Helm, Schwimmweste und in einem großen, orangeroten Schlauchboot, mussten zunächst in einer ruhigen Bucht Probekentern und natürlich Paddeln lernen. Dann ging es los. Das erste Boot war nach der zweiten Stromschnelle plötzlich leer, aber die Touristen füllten schnell, aus weißem Schaum auftauchend, wieder das Boot. Die Nächsten schafften es ohne Kentern. Ich betrachtete nicht ohne Bewunderung jene, die einzeln im Kajak die Fälle bezwangen.

Wir fuhren schließlich Richtung Jinja. Kurt wollte gerne eine Kirche sehen, und wir hielten an einer Kleinen, und Akim stieg aus um zu fragen, ob es möglich sei. Es war eine kleine Kirche mit Holzwänden. Der Mann, den Akim fragte, hatte jedoch nicht den Schlüssel.

Der Mann, der ihn hatte, war nicht da.


 

In Jinja fuhren wir durch ein reiches Viertel mit großen Villen. Einige sahen verkommen aus, andere sehr gepflegt. Wir besuchten einen Friedhof. Akim erzählte, dass nur die allerärmsten ohne eigenes Land und die Europäer hier beerdigt wurden. Wer Land hatte, begrub seine Toten dort. Auf dem Friedhof, eine Rasenfläche mit Grabsteinen, begrüßte und der Wächter mit seiner vielköpfigen Familie.

Wir gingen anschließlich noch zu einem Supermarkt an der Hauptgeschäftsstraße von Jinja.

In diesem kleinen, sehr sauberen Geschäft konnte man Getränke wie Tee und Wasser sowie Körperpflegeartikel kaufen. Danach gingen wir noch zu drei kleinen Souvenirläden. Kurt kaufte hier Geschenke für seine beiden Enkel. Es gab hier Holzschnitzereien, Körbe und relativ große Trommeln, alles handgefertigt. Die Kurnatowskis kauften eine solche Trommel, und ab dann stand ein großer Karton in unserem Wagen.

Straßenkinder mit zerrissenen Kleidern bettelten. Kurt gab ihnen Bonbons.

Danach fuhren wir zurück ins Resort zum Lunch. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Man konnte Bootfahren oder das schöne Gelände mit Souvenirstand, den Swimming Pools, vielen Kindern, die von meinen Busch-Schuhen fasziniert waren, Blumen, Chamäleons, Vögeln und Insekten erkundigen.

Überall im Garten, vor allem um die Pools herum, standen kleine Tische, wohin man auch Essen und Trinken hinbringen lassen konnte.

Beim Dinner probierte ich erstmalig panierte Bananan,, etwas, was Martin besonders gerne aß.

  14. Kapitel

Donnerstag, 10. August Jinja- Kampala- Entebbe

 

Wieder konnten wir ausschlafen. Erst um 10:00 ging es los Richtung Kampala. Unterwegs kamen wir wieder am Mabira Forest Reserve vorbei. Hier hielten wir mitten im Regenwald beim Rangerbüro. Rotschwanzmeerkatzen tummelten sich im Geäst über dem Gebäude.

Der Ranger zeigte uns die Möglichkeiten, wie man den Wald erkunden konnte.

Es regnete jedoch sehr stark, und die anderen konnten meine Begeisterung für die Natur dieses Mal nicht teilen. Daher ließen wir die Waldwanderung und fuhren weiter nach Kampala. Unterwegs hielten wir an einer sehr großen Kirche, welche jedoch noch im Bau war.

In Kampala kamen wir zu einem riesigen, modernen Einkaufszentrum mit großem Parkplatz. Es gab einen sehr großen, sterilen Supermarkt, eine Bank, ein Buchgeschäft und vieles mehr. Es war alles durchaus vergleichbar mit einem europäischen Einkaufszentrum.

Im großen Buchgeschäft wollte ich erst einmal ordentlich Lektüre kaufen, musste jedoch feststellen, dass sie keine US-Dollars annahmen. Mein Shilling- Vorrat war lange aufgebraucht. Also rannten Akim und ich schnell die Treppe hinunter zur Bank, wo ich

Mein Geld wechselte. Dabei merkten wir, dass wir vergessen hatten, den konkreten Preis im Buchgeschäft zu erfragen. Daher mussten wir nochmals umkehren. Die Dame am Schalter gab mir jedoch nicht so viele Shillinge, wie mir bei diesem Dollarbetrag zustanden, da ich nur 10-Dollar-Noten hatte. Akim steckte mir das restliche Geld zu. Als ich ihm den Betrag in Dollar zurückgeben wollte, sagte er: „Nein, lass!“


 

Nachdem die Bücher gekauft waren, ging es auf einen Berg zu einer großen Kathedrale.

Dort aßen wir die Lunchpakete, die wir von Resort mitgenommen hatten. Ich hatte panierte Bananen, die kalt jedoch nicht schmeckten. Daher erkundigte ich mit Martin die Kathedrale, welche von innen ähnlich aussah wie eine große katholische Kirche in Europa. Es war gerade Gottesdienst.

Danach ging es weiter nach Entebbe. Da keine Rush Hour war, ging es schneller, Kampala zu durchfahren. In Entebbe besuchten wir das Wildlife Education Centre, eine Art Wildpark mit ugandischen Wildtieren. Akim kannte den Zoodirektor gut und wir bekamen Rabatt. Wir konnten die Hälfte vom normalen Preis zahlen. Wieder Erwarten war es ein sehr schöner Ort, wo die Tiere sehr viel Platz hatten. Es gab einen Mähnenlöwen, eine Tüpfelhyäne, die schlief, Antilopen, Schimpansen und Nashörner. Hier sahen wir endlich Schuhschnabelstörche. Außerdem gab es einen Strand am Viktoria- See. Leider hatten wir wenig Zeit und mussten zum Hotel fahren. Ich war etwas traurig, da ich hier noch länger verbringen wollte als eine Stund hindurchzurennen. Daher schlug Akim vor, dass ich am nächsten Tag noch einmal den Zoo statt den Botanischen Garten, der dann anstand, besuchte. Ich war einverstanden.

Wir übernachteten wieder im Boma Guesthouse, wo wir in der ersten Nacht schon waren.

Der Rest des Tages war frei, so dass die Anderen durch Entebbe gingen. Ich war zu erschöpft und lass in meinen neuen Büchern, unter anderem Dian Fosseys „Gorillas im Nebel“.

Das Hotelpersonal erkannt Martin und mich vom ersten Abend wieder.

 Kapitel 15

11. August Entebbe- Ngamba Island- Entebbe International Airport

 

Gegen 9:00 verließen wir The Boma und fuhren zur Ablegestelle für das Boot nach Ngamba Island, um die Abfahrtzeit zu erfragen. Es regnete stark, und man sagte uns, dass das Boot mittags gegen 13:00 abfahren wird. Es war eine hübsche, parkartige Anlage am Viktoria- See.

Akim brachte mich in das Wildlife Education Centre und fuhr mit den Anderen zum Botanischen Garten. Im Zoo ging ich zunächst zum Löwen. Dieser lief in einem am Gehege angeschlossenen Käfig brüllend auf und ab. Akim erzählte mir später, dass er sehr einsam sei, da es keine anderen Löwen im Zoo gab. Man ließ ihn hinaus ins Gehege, wo er sich erst einmal hinlegte. Auffällig war, dass das Gehege nicht abgesperrt war. Man konnte praktisch in das Löwengehege hineingreifen.

Die Hyäne, vom Löwen geweckt, lief in ihrem Gehege herum. Als ich an das Gehege trat, kam sie ans Gitter und forderte mich, so absurd es klingen mag, dazu auf, sie zu kraulen, indem sie ihre Flanke gegen das Gitter drückte. Ich tat es auch, denn wann wurde man schon einmal von einer Hyäne aufgefordert, sie zu kraulen. Sie fühlte sich an wie ein struppiger Hund und war auch keineswegs schmutzig, sondern roch leicht nach Pinienholz. Gelegentlich sprang sie wie ein Hund am Gitter hoch und war dann so groß wie ich.

Ein Paar europäische Jugendliche begannen, den Löwen zu ärgern, der sich davon nicht stören ließ. Am Nashorngehege war eine Schulklasse. Sobald ich erschien, fanden sie mich jedoch interessanter als die beiden Nashörner.


 

Ich ging noch zum Ufer des Viktoriasees, welcher jedoch wolkenverhangen war. Affen liefen frei herum im Wald und beim Eingang und bettelten. Nun war die verabredete Zeit um. Ich ging noch zur Toilette. Als ich die Klotür schlissen wollte, hatte ich diese plötzlich in der Hand Also ging ich doch nicht auf das Klo. Auf dem Eingangsparkplatz wartete ich etwa eine Minute. Ein Motorradtaxifahrer bot mir seinen Dienst an. Aber da kam Cato im Landrover angefahren. Er brachte mich um botanischen Garten, der auch sehr schön war.

Die Reisegruppe und Akim handelten grade das Trinkgeld ihres Führers, ein Student aus. Er verlangte ihrer Meinung nach zu viel, aber man einigte sich.

Wir kauften noch beim Zoo einen kleinen Snack, dreist von Grünen Meerkatzen angebettelt. Dann gingen wir zur direkt gegenüber liegenden Anlegerstelle, um auf das Boot zu warten.

Wir erkundigten die Parkanlage mit künstlichen Wasserläufen und die flache, wasserpflanzenreiche Uferzone des Sees, ein Billharzioseparadis.

Um 13:00 fuhr das moderne Motorschnellboot ab, mit noch einigen weiteren Touristen. Unglücklicherweise hatten wir unserer Sonnenöl und unsere Sonnencreme im Koffer, was Folgen hatte. Am Abend hatten wir alle einen kräftigen Sonnenbrand.

Das Boot sauste mit Höchstgeschwindigkeit über den Viktoria- See. Wir fuhren zwischen grünbewaldeten Inseln mit Fischerdörfern und waren nach einer Dreiviertelstunde auf Ngamba Island. Ngamba Island ist ein Schimpansenreservat. Die hier lebenden Schimpansen sind beschlagnahmte, als Haustiere gehaltene Tiere, die nicht mehr in freier Wildbahn leben können. Ein Guide führte uns zum Information Centre, wo es viele Schautafeln gab. Es gab einen Gebäudekomplex auf der Insel, wo das Personal lebte. Hier gab es Gelegenheit, aufs Klo zu gehen. Das Klo war für Männer und Frauen und ohne Tür. Man musste ein Schild, worauf „besetzt“ stand, im Eingang aufstellen.

Hinter den Gebäuden war das Reservat, ein ein Quadratkilometer großes Regenwaldparadies, in dem 39 Schimpansen lebten.

Zwei Weibchen lebten separat in einem räumlichen Extragehege, da sie sich mit dem Rest der Gruppe nicht vertrugen. Sie hörten auf Rufe der Guides und kamen näher an den Zaun.

Wir liefen weiter auf Stegen entlang dem Zaun, an den Nachtkäfigen der Affen vorbei und zum Hauptreservat. Hier konnte man von einer hölzernen Plattform eine Fütterung anschauen.

Die Schimpansen stritten viel um das Futter. Ein Angestellter öffnete daher einen Fluchtkäfig, wo unterlegene Tiere vor Stärkeren hineinfliehen konnten. Daran angeschlossen war ein vergitterter Fluchtgang. Es wurde hauptsächlich Obst verfüttert. Gelegentlich viel ein Stück außerhalb des Zauns. So ein Stück Melone, welches ein Schimpanse unbedingt haben wollte.


 

Er versuchte, es mit einem Stock ins Gehege zu angeln, aber das Stück rutschte hinter einen Pfosten. Da suchte der Schimpanse gezielt nach einem längeren Stock und versuchte es erfolgreich damit. Ich trat an den Fluchkäfig, in dem ein weiterer Schimpanse, ein jüngeres Tier, saß und fraß. Ich streichelte dessen borstigen Rücken, ließ es dann aber sein, weil ich nicht sicher warm, ob es erlaubt war.

Wir gingen zurück zum Visitor Centre, wo wir Souvenirs kaufen konnten. Überall brüteten am Strand und auf den Wegen Kiebitze, welche empört keifend aufflogen, wenn wir zu nah kamen. Die gesprenkelten Eier waren so gut getarnt, dass man sie nur aus ein Meter Entfernung sah. Wir stiegen wieder ins Boot. Ein Kap-Otter tummelte sich in einiger Entfernung vor dem Schilf. Es waren hohe Wellen, als wir zurück nach Entebbe fuhren, und sie spritzten ins Boot. Einige von uns, darunter ich, die ganz vorne saß, waren klatschnass.

Wir gingen nun noch mit Cato und Akim zum Viktoria Lake Hotel, ein Luxushotel nahe am See. Dort gab es internationale Gerichte wie Spaghettis, die wir unter dem wachsamen Auge eines Geiers einnahmen. Wir gaben Akim und Cato das Trinkgeld und ließen uns noch von einem Kellner ein Gruppenphoto im Licht der untergehenden Sonne schießen.

Dann fuhren wir zur Halbinsel, auf der der Entebbe International Airport lag. Hier konnte man nach dem einchecken noch shoppen gehen. Ich nahm hier Abschied von Akim und Cato und nach dem einchecken noch von Kurt und Martin, die mit einer früheren Maschine flogen.

 

Der Flug ging mit halbstündiger Verspätung. Es war ein Nachtflug und frühmorgens waren wir völlig erschöpft in Brüssel. Der Anschlussflug nach Berlin war pünktlich.

In Berlin wurde ich heile von meinen Eltern abgeholt. Der Abschied von Christine, Klaus und Manuela fiel schwer.

Nachwort

 

Als die Reise beendet war und meine Eltern mich vom Flughafen in Berlin abholten, war ich hin und her gerissen. Einerseits war ich erleichtert, da ich nun nicht mehr auf Moskitos und unreines Essen achten sowie mit dem Gedanken leben musste, dass es dort im Falle einer Krankheit oder eines Unfalls keine gute ärztliche Versorgung gegeben hätte.

Andererseits war ich traurig, dann die kleine Reisegruppe war während der Reise so etwas wie eine Familie geworden, da wir ja ständig zusammen gewesen waren. Außerdem begann ich die Abenteuer zu vermissen, die man dort täglich erlebte.


 

 Doch die Trauer war schnell überwunden, und außer dass ich stark an Gewicht verloren hatte, hatte die Reise keine gesundheitlichen Folgen für mich gehabt. Es gab noch einige Probleme mit der Malariapille, dem Lariam, welches ich absetzen musste, da ich es plötzlich nicht mehr vertrug. Daher gab es die Angst, Malaria zu bekommen. Aber ein Bluttestergebnis war glücklicherweise negativ.

 Abgesehen davon war die Reise die Beste, die ich jemals gemacht habe, denn ich habe noch nie so viel in so kurzer Zeit erlebt wie in Uganda und Ruanda. Daher kann ich eine solche Reise jedem empfehlen, der an fremde Kulturen und unsere letzten Naturschätze und deren Bewahrung interessiert ist, gerne wandert, etwas stärkere Nerven und eine robuste Gesundheit hat. Es ist zwar nicht so günstig wie ein Spanienurlaub, aber die Erfahrung, die man dafür bekommt, hat man lebenslang.

Diese Reise kann man buchen beim Reisebüro Colibri, dem Spezialisten für Uganda Reisen.