Südgeorgien-Falkland Reisebericht:
Reise zu den Königspinguinen

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Südgeorgien - Eine Expedition ins Königreich der Pinguine.

Die zweiwöchige Expeditionskreuzfahrt im Südpolargebiet führt von Südamerika zur rund 2000 km entfernten einsamen Insel Südgeorgien und beginnt in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt.

Am nördlichen Ufer des Beagle Kanals gelegen und zu Argentinien gehörend, befindet sich die kleine Hafenstadt Ushuaia. Sie ist die Provinzhauptstadt vom Feuerland und hat die mächtige Bergkette der Anden im Rücken. Das Ende der Welt, so nennt sich die Stadt selbst, ist der wichtigste Abfahrtshafen für Kreuzfahrten in die Antarktis.

Im Hafen der Stadt liegen Schiffe, deren Route meist hier beginnt und noch viel weiter in den Süden führen wird.

Die „Ms Grigoriy Mikheev“ und das Schwesternschiff „Maryshev“ sind als ehemalige russische Forschungsschiffe, aus St. Petersburg, bestens für eine echte Südpolarexpedition dieser Art ausgerüstet. Zu komfortablen Expeditionsschiffen umgebaut, fassen sie bis zu 46 Passagiere und 20 Mann Besatzung.

1990 in Finnland erbaut haben beide Schiffe die unter konventionellen Schiffen höchste Eisklasse mit verstärktem Rumpf.  Vor Einbruch der Dunkelheit verlässt das Schiff den Hafen von Ushuaia und steuert direkt durch den Beagle Kanal in Richtung Osten.

Ein letzter Blick im Abendlicht auf die südlichste Stadt der Welt mit den mächtigen schneebedeckten Bergen der Anden im Hintergrund lässt keinen Reiseteilnehmer unbeeindruckt und lädt zum Verweilen und Träumen ein.

Beeindruckend, wie sich das Schiff durch das ruhige Wasser des Beagle Kanals schneidet. Den Beagle Kanal durchquert, verlässt das Schiff Südamerika und es geht nun knapp 2000km durch das Südpolarmeer in Richtung Osten. Knapp 4 Tage wird die Fahrt durch eines der bewegtesten Meere unserer Erde dauern.

Die Grigoriy Mikheev gehört zu den sichersten Polarschiffen, die auf der Südhalbkugel kreuzen. Von einer russischen Crew geleitet unter der Führung von Kapitän Alexey Zakalashnyuk steuert das Schiff jederzeit sicher durch das Südpolarmeer. Im Kartenraum, der ebenso, wie die Schiffsbrücke, auch für den Expeditionsteilnehmer zugänglich ist, kann man den Streckenverlauf auf speziellen Seekarten nachvollziehen.


 

Das eigentliche Herz des Schiffes, die Brücke, ist mit zahlreichen Navigationsinstrumenten und Kommunikationsinstrumenten ausgerüstet, die einen sicheren Verlauf der Reise garantieren. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf die offene See.

Neben 20 gemütlich eingerichteten Doppelkabinen, teils mit Privatbad ausgestattet und 3 Suiten, befindet sich an Bord der Grigoriy Mikheev eine Bar mit Bibliothek, eine kleine Sauna, ein Mini-Hospital, sowie ein Restaurant in dem 3x mal täglich ein sehr gutes Essen serviert wird.

Das Expeditionsteam unter der Leitung von Monika Schillat bietet während der 4 tägigen Überfahrt 2mal pro Tag interessante Vorträge über die Geschichte, die Tier und Pflanzenwelt der Antarktis an. Wer die Tierwelt des Südpolarmeeres jedoch live erleben möchte, sollte dick vermummt vom windumtosten Aussendeck die beliebten Begleiter des Schiffes beobachten.

Delphine. Sie sind enthusiastische und sehr akrobatische Bugwellenreiter, die in den Küstennahen Gebieten oft auf mehreren Meilen die Schiffe begleiten. Für den Besucher ein fantastischer Anblick, der einem Tanz ähnelt.

Das Wetter auf dem offenen Meer ändert sich meist sehr schnell und bietet fantastische Naturschauspiele. So erreicht man nach 3 Tagen offener See die natürliche Grenze zur Antarktis: Die Antarktische Konvergenz

Man versteht darunter eine etwa 100km breite Zone, in welcher das von Süden kommende kalte Oberflächenwasser der Antarktis in die Tiefe unter das wärmere Oberflächenwasser aus dem Norden sinkt. Dieser Saum liegt je nach geografischer Länge zwischen dem 48. und 61. südlichen Breitengrad.


 

Teils starker Nebel entsteht, da die wärmere Luft aus dem Norden über dem kalten Polarwasser kondensiert.

Es wird spürbar kälter, Niederschlag fällt als Schnee und frostiger Atem stellt sich ein.

Hat man diese Zone überschritten befindet man sich offiziell in der Antarktis. Das Wetter wird meist besser und die See ruhiger. Eisige Kälte liegt nun in der Luft.

Die Vorbereitungen für den ersten Landgang, nach vier Tagen auf dem offenen Meer, starten und man kann es nun kaum noch abwarten die Insel in der Ferne zu erblicken. Mit Fotoapparat und Fernglas ausgerüstet, umkreist von Riesensturmvögeln und den majestätischen Wanderalbatrossen steigt die Spannung von Stunde zu Stunde.

Und dann ist es endlich so weit. Südgeorgien! Das Königreich der Pinguine ist erreicht. Seefahrer vergangener Zeiten schilderten ihren ersten Eindruck einst mit den Worten:

„Zuerst meint man, Eisberge auf dem Wasser treiben zu sehen, bis das Schiff langsam näher herankommt und sich die weißen Spitzen zu einer grandiosen Gebirgslandschaft zusammenfinden, die sich unmittelbar aus dem Meer erhebt, ohne lange mit sanften Hügeln Atem zu holen.“

Der Eindruck heutzutage ist nicht geringer und der Moment, solch eine einsame Insel am Horizont zu entdecken und anzulaufen einfach atemberaubend und magisch.


 

Südgeorgien wurde im Januar 1775 vom legendären britischen Kapitän James Cook entdeckt. Es geschah anlässlich seiner zweiten Weltumsegelung, die er im Auftrag der «Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften» unternahm und die in erster Linie der Suche nach dem sagenumwobenen «Südland» gewidmet war - jenem Kontinent im Südmeer, der seit den alten Griechen in den Köpfen der Geografen herumgeisterte, sich aber einfach nicht finden ließ.

Während sich um das Schiff bereits unzählige Pelzrobben und Pinguine im Wasser tummeln, sind die Vorbereitungen für eine erste Zodiactour in die Doppelbucht Elshul in vollem Gange. Dickwandige Schlauchboote, sogenannte Zodiacs werden startklar gemacht, die Landungsbrücke angesetzt und das Expeditionsteam bespricht letzte wichtige Punkte mit den Teilnehmern um einen reibungslosen Ablauf der ersten Tour zu gewährleisten.

Bei einer Luft- und Wassertemperatur von 3 0C, und einer Windstärke 5 auf der Beaufortskala werden nun diese sogenannten Zodiacs zu Wasser gelassen. Stress für die Besatzung, die bei einer gefühlten Außentemperatur von -10 0C und starkem Wind, die robusten Schlauchboote in Position bringen müssen.

Mit der Hilfestellung erfahrener Besatzung lassen sich anschließend über eine Gangway die Zodiacs sicher und trocken besteigen. Man nimmt Platz auf der Außenhaut der Schlauchboote und muss sich nun nur noch gut festhalten. Dick eingemummt und ausgerüstet mit Rettungsweste und warmen Gummistiefeln geht es so anschließend in die Doppelbucht von Elsehul.

Elsehul liegt im äußersten Nordwesten Südgeorgiens und bietet den Pelzrobben und vielen Vögeln sehr gute Brut- und Aufzuchtbedingungen.

Entlang der Brandung an spitzen Felsformationen geht es zu einer ersten kleinen Kolonie von Königspinguinen. Die Luft ist erfüllt Pinguinlauten, Pelzrobbengebrüll und Sturmvögel-schreien. Unzählige junge Pelzrobben folgen den Booten und schaffen ein erstes Inselerlebnis, das man als Teilnehmer so schnell nicht vergessen wird.

Erfüllt von unzähligen neuen Eindrücken geht es nach Einbruch der Dunkelheit zurück an Bord und die Mikheev nimmt Kurs auf die Südspitze von Südgeorgien.


 

Am folgenden Tag befindet sich das Schiff im beeindruckenden Drygalski Fjord. Benannt nach dem deutschen Professor Erich von Drygalski, Leiter der Deutschen Antarktis Expedition aus den Jahren 1901-03 fährt das Schiff langsam durch den 14km langen Fjord mit seiner alpine Landschaft.

In Angesicht des nahenden Winters sind die teils bis zu 2000m empor ragenden, hohen Berge bereits in Meereshöhe mit feinem Puderzuckerschnee bestäubt. Im Morgenlicht leuchten die Gletscher und Eisstücke im Wasser während sich das Schiff durch den engen Fjord entgegen des starken Windes auf die Gletscherwand zubewegt.

Auf der Brücke herrscht hohe Anspannung, denn das Navigieren durch solch einen Fjord bedarf größter Aufmerksamkeit. Eisberge, die nur wenige Zentimeter aus dem Wasser ragen, und so unscheinbar durch den Fjord treiben, können nicht selten ein vielfaches der Größe unter Wasser aufweisen.

Anschließend geht es entlang der Nordostseite von Südgeorgien zur nicht weit entfernten Cooper Bay. Benannt nach dem ersten Offizier Robert Cooper von James Cooks Expedition im Jahre 1775.

In der kleinen Cooper Bay findet man nicht anderes als reine, ungestörte Natur. Brutkolonien von Zügel-, Esels-, und Goldschopfpinguinen kann man hier entdecken. Die Zügel- und Goldschopfpinguin Kolonien sind hier die größten der ganzen Insel.

Landet man in dem landschaftlich am reizvollsten Nordteil der Bucht, kann man vorsichtig zwischen unzähligen Pelzrobben eine Schmelzwasserrinne ersteigen und sich einen wunderschönen Überblick über die Bucht verschaffen. Doch Vorsicht: Die jungen Pelzrobben schnappen oft aus Übermut gern mal nach interessanten, bunten Menschen. Jedoch ist solch eine Wanderung für jeden eine gelungene Abwechslung nach 5 Tagen Seegang.

Zur heimischen Flora auf Südgeorgien gehört das weit verbreitete Tussockgras, in welchem oft die Pelzrobben ihren Unterschlupf finden. Jedoch der sofort ins Auge fallende Kopfschmuck eines Pinguins verrät sehr schnell, wer sich noch im Tussockgras aufhält.


 

Der Goldschopfpinguin.

Sein Markenzeichen sind die kurzen goldgelben Schopffedern, die sich an den Seiten zu herrlichen Schmuckfedern verlängern, und sein kräftig roter Schnabel. Die Goldschopfpinguine werden im Durchschnitt 70cm groß und sind auf den subantarktischen Inseln, insbesondere Südgeorgien vertreten.

Die meiste Zeit im Winter verbringen sie fern jeder Küste auf dem offenen Meer. Im Frühjahr kehren die Pinguine zu ihren Brutkolonien zurück, die meist im felsigen Küstenbereich der Inseln liegen.

Beobachtet man die Kolonien genauer, entdeckt man inmitten der Gruppen immer wieder die putzig aussehenden Jungtiere, die sich in der Mauser befinden. Dabei entsteht schnell der Eindruck, als würden Sie auch von Ihren Artgenossen verwundert angeschaut werden.

Unweit von Cooper Bay liegt Gold Harbour – der Goldhafen.

Ihren Namen verdankt die nach Osten gerichtete Bucht wahrscheinlich den dort in großen Kolonien lebenden Königspinguinen. Soweit das Auge reicht, sieht man orangefarbene Schnäbel und Halsflecken, die im Sonnenschein zu einer beeindruckenden Farbfläche in der Entfernung verschmelzen.

25.000 Brutpaare leben schätzungsweise im gesamten Strandbereich des Gold Harbour. Sein Gesmatbestand wird heute auf etwa 2 Mio. Tiere geschätzt.

Der Königspinguin ist das zweitgrößte Mitglied in der Familie der Pinguine. Er weist eine Körperlänge um 90 Zentimeter und ein Gewicht um 15 Kilogramm auf.

In der Größe übertroffen wird er nur noch von seinem nächsten Verwandten, dem Kaiserpinguin.

Beide Arten kommen auf der südlichen Erdhalbkugel vor, der Kaiserpinguin südlich des Polarkreises im Küstenbereich des antarktischen Festlands, der Königspinguin auf den subantarktischen Inseln, und beide sind sie hochspezialisierte Meeresvögel, welche unter Wasser Jagd auf kleine Fische, Krill und Tintenfische machen.


 

Königspinguine sind sehr gesellige Vögel. Sie gehen scharenweise ins Wasser, suchen in größeren Schwärmen ihre Nahrungsgründe auf und brüten in großen, lärmenden Kolonien.

Ein Brutzyklus dauert bei den Königspinguinen knapp 14 Monate, denn sie brüten ihr einziges Ei, ähnlich dem Kaiserpinguin zwischen den Beinen in etwa 8 Wochen aus. Nach dem Schlüpfen benötigt der Jungvogel weitere neun Monate lang die elterliche Fürsorge. Danach erst erfolgt der Wechsel vom jugendlichen Daunenkleid zum Erwachsenengefieder und, kurz darauf, die Loslösung des Jungvogels von seinen Eltern.

Anschließend müssen sich die Eltern intensiv dem Nahrungserwerb widmen, um sich von der anstrengenden Zeit der Jungenaufzucht zu erholen und das Gefieder zu erneuern. Erst dann sind sie für die nächste Brut bereit.

Bedingt durch diesen 14 monatigen Zyklus begegnet man innerhalb der Kolonien immer wieder den Spätbrütern, die noch im März ihr Ei zwischen den Füßen brüten. Diese, im April geschlüpften und noch sehr schwachen Jungtiere haben dann meist nur geringe Chancen, den nahenden kräftezehrenden Winter zu überstehen.

Wandert man den Gold Harbour am Strandbereich entlang, erlebt man das einzigartige pulsierende Treiben in Mitten tausender Pinguine, Pelzrobben und der Riesen der Küstenzonen. Die Seeelfanten.

Der südliche Seeelefant ist die größte aller Robbenarten, wobei die Männchen bis zu 6 Meter lang und 4 Tonnen schwer werden können und Weibchen gerade einmal 3 Meter Länge und 1 Tonne Gewicht erreichen. Den Namen tragen die faszinierenden Tiere sowohl auf Grund ihrer Größe, als auch auf den Umstand, eine elefantenähnliche Haut zu besitzen. Zusätzlich besitzen die männlichen Tiere eine rüsselähnliche Nase, die sie mit Luft aufblasen, um für die Weibchen beeindruckend zu wirken.


 

Heimisch sind sie im Meeresgebiet der Subantarktis, wo sie sich in der Fortpflanzungszeit zu großen Kolonien versammeln.

Die Männchen grenzen dazu als erstes ihr Territorium ab, um möglichst viele trächtige Weibchen bei sich im Harem zu halten. In erbitterten Kämpfen verteidigen sie dann Revier und Harem gegen andere Bullen. Ein Schauspiel, welches gelegentlich mit dem Tod eines Bullen endet.

Paradiesisch wirkt die Ruhe und Schönheit der Flussläufe im hinteren Teil der Uferzone. Die Lautstärke der Kolonie lässt nach und man begegnet bei einer Wanderung flussaufwärts den Liebespärchen der Königspinguine. Ähnlich dem Menschen scheinen auch sie die etwas ruhigeren Zonen zu suchen, um sich näher kennen zu lernen. Doch wann ist man bei solch einer Pinguin-Großstadt schon mal allein!?

Folgt man den Flussläufen weiter hinauf, begegnet man zunehmend im Tussockgras den halbstarken Pelzrobben, die nur auf eine Gelegenheit warten, sich zu beweisen. Einige hundert Meter hinter dem Strand ändert sich dann auch das Bild der Pinguine. Einzig die kleinen Eselspinguine kann man nun noch entdecken. Ihren Namen verdanken sie den, einem Eselsgeschrei ähnelnden, Lauten. Diese kleinen Pinguine besitzen weißen Flecken, die oberhalb der Augen miteinander verbunden sind und ein orange-roten Schnabel, mit dem sie alltäglich murmelgroße Steinchen für ihre Nester transportieren. Nester findet man hingegen an diesem Flusslauf keine. Hier hat es den Anschein, als wären sie alle auf dem Weg zu einer wichtigen Versammlung flussaufwärts.

Weiter oben in den Bergen erhält man dann die Antwort. Diese kleinen scheuen Pinguine haben aus Schutz vor den Pelzrobben, die oft aus Spaß und Jagdtrieb Opfer derer werden, ihre Brutkolonien in den oberen Bereichen der Uferzonen angelegt. Der Weg ist für solch einen Pinguin lang und beschwerlich, jedoch die einzige Möglichkeit eine Kolonie, auf dieser stark von Königspinguinen und Pelzrobben bewohnten Insel, zu gründen.


 

Beobachtet man solch eine Kolonie eine Weile, fängt man sich an zu fragen, ob es nicht vielleicht auch die herrliche Aussicht ist, die die Eselspinguine bis in diese Höhen treibt.

Zurück an Bord laufen die Vorbereitungen in der Küche auf Hochtouren. Die Tische werden gedeckt, die Nummernschildchen gedreht und die Fahrt geht weiter in Richtung Nordwesten.

Das Restaurant des Schiffes bietet nun mit seinen ausgezeichneten Köchen nach solch aufregenden Landgängen ein kulinarisches Vergnügen. Mehrgängige Menüs zum Mittag und zu Abend eignen sich hervorragend zum Austausch von neu gewonnen Eindrücken.

Im Laufe der Reise macht sich der nahende Winter zunehmend bemerkbar. Die Temperaturen sinken bis auf den Gefrierpunkt und Schneestürme sowie Nebel häufen sich. An solchen Tagen zeigt Südgeorgien ihr antarktisches Gesicht.

Warm eingepackt und Rettungsweste nicht vergessen, erwartet den Expeditionsteilnehmer die größte Königspinguinkolonie auf Südgeorgien.

Neben den Königspinguinen leben hier vor allem in den Monaten Oktober und November bis zu 6000 See-Elefanten.

Aus diesem Grund waren sie in vergangenen Zeiten besonders hart vom Robbenfang betroffen. Die kommerzielle Abschlachtung der Tiere erreichte im frühen 19. Jahrhundert ihren traurigen Höhepunkt während der industriellen Revolution und der See-Elefant war damals vom Aussterben bedroht.

Heute hat sich die Population der See-Elefanten glücklicherweise wieder erholt und wird auf etwa 700.000 Exemplare geschätzt.


Der 5 km lange Küstenabschnitt, der im diesigen Nebel kaum vom Schiff zu erkennen ist, öffnet sich mit seinem feinen schwarzen Sand vollkommen ungeschützt dem offenen Meer. Somit ist diese Ebene meist so starken Winden ausgesetzt, dass nur wenige Expeditionsschiffe das Glück haben, an diesem Strand anlanden zu können. Trotz des starken Nebels und der eisigen Kälte sollte man sich jedoch das einzigartige Erlebnis nicht entgehen lassen, in der St.Andrews Bay eine Wanderung zu unternehmen.

Die Schneeflocken tauchen die 5 km weite Bucht in eine fast unwirkliche Traumlandschaft. Aus der Ferne lässt sich bereits die Dimension einer solch riesigen Kolonie erahnen, und man stellt fest, dass die bisher gesehenen Pinguine nur „Ausflügler“ gewesen sein müssen.

Soweit das Auge reicht, Pinguine dicht an dicht. Die weite Ebene verschmilzt zu einem abstrakten Bild aus Weiß, Orange und Schwarz. Die Luft ist erfüllt von lauten Rufen aus über 300 000 Schnäbeln, die umtriebiges Leben ausstrahlen.

Schaut man genauer hin, bewegt sich hingegen relativ wenig. Die meisten Pinguine stehen an ein und derselben Stelle auf ihren Hacken, und haben ihre Füße in den warmen Federn am Bauch geklappt.

Inmitten dieser Kolonien entdeckt man auch einen sehr beschäftigten Vogel, der bei Schneefall für das Auge im Schnee zu verschwimmen droht.

Der Scheidenschnabel. Man könnte sagen, die Müllabfuhr der Kolonien. Er ernährt sich von den Resten der Eierschalen, missglückten Brutgelegen und findet stets auch etwas Nahrhaftes im Kot der Pinguine.

Der südliche Riesensturmvogel hingegen, der sich ähnlich elegant wie der Albatros in der Luft bewegt, ist der Geier der Antarktis, Räuber und Aasfresser. Passt ein Elterntier nicht sorgsam auf ihr Junges auf, kann es schon mal vorkommen, dass sich ein Riesensturmvogel mit einer Spannweite bis zu 1 Meter, solch ein Junges schnappt. Ist es geschehen, haben die Pinguine meist keine Chance mehr, ihr Junges zu retten.


Zurück an Bord werden die Anker gelichtet, die Zodiacs an Bord geholt, und die Mikheev verlässt die Bucht in Richtung Norden. Über Nacht bewegt sich das Expeditionsschiff zur Nordostseite Südgeorgiens mitten hinein in die Inselberge. Dort in der kleinen King Edward Bucht befindet sich die alte Walfangstation Grytviken.

Am nächsten Morgen liegt die Mikheev am kleinen Hafen von King Edward Point. Das Verwaltungszentrum von Südgeorgien. 13 Personen, meist Wissenschaftler leben heutzutage hier in den Sommermonaten. Seit dem Falklandkrieg in den 80er Jahren ist hier ebenfalls eine kleine Garnison beherbergt.

Von Anlegepunkt aus, führt ein kleiner Weg hinauf, vorbei an neugierigen Pelzrobben, zum Gedenkkreuz von Sir Ernest Shakelton. Ein Mann, der zeitlebens von Misserfolg heimgesucht und trotzdem zum Helden wurde, als er im Jahre 1908 als erster Mensch nur 108 Kilometer vom Südpol entfernt war, dann aber umkehrte, weil ihm das Leben seiner Kameraden wichtiger war als der Ruhm.

Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Walfangstation Grytviken, die im norwegischen „Kesselbucht“ bedeutet, und von den in der Bucht aufgefundenen Tranbottichen herrührt, die noch aus der Robbenschlägerzeit stammen.

Neben einer hübschen Kirche aus dem Jahr 1913 ist Grytviken aber vor allem ein Friedhof. Friedhof von über 100 000 Walen, die hier bis in die sechziger Jahre in einer Fabrik verarbeitet wurden.

Ein kleines Museum zeugt heute noch vom Leben und Sterben der Menschen und Tiere aus vergangenen Zeiten.

Der berühmte norwegische Kapitän Carl Anton Larsen gründete sie 1904. Mit drei Schiffen und 60 Landsmännern kam er damals als einer der ersten Walfänger auf diese Insel.

In kurzer Zeit bauten sie eine Verarbeitungsanlage auf, eine Pier, um die Wale anzulanden, ein Flensdeck um sie zu erlegen und Hallen für die Weiterverarbeitung. Nach knapp fünf Wochen wurde bereits das erste Tier verarbeitet und 1913 arbeiteten hier etwa 500 Männer und Grytviken wuchs zu einem geschäftigen Ort, mit einer Kirche, einem Kino und einer Bäckerei heran.


Etwas abseits befindet sich ein anderer Friedhof, letzte Ruhestätte insbesondere für einen Mann: Sir Ernest Shakleton.

Für die Passagiere der Expeditionsschiffe ist es heute Brauch geworden, sich um Shakletons Grab zu versammeln, wo der Kapitän einen Toast auf den berühmten Polarhelden, dessen Herz auf seiner letzten Reise zum Südpol im Januar 1922 versagte, ausbringt.

Ebenfalls Namensgeber für die Ebene hinter dem zweiten Walfangort Stromness durfte Shakleton dank seiner spektakulären Transantarktisexpedition aus den Jahren 1914-16 sein.

Das Shakleton Valley, durch welches man, wenn es die Zeit zulässt, unbedingt wandern sollte, beherbergt Eselspinguin-Kolonien, sowie grasende Rentiere, die ihres Weges durch die wunderschöne Tundrenlandschaft ziehen.

Shakletons Expedition nahm damals einen ungewollten Lauf.

Sein Schiff, die Endurance, blieb 1914 vor dem antarktischen Festland mit 28 Mann Besatzung im Eis der Weddlesee stecken, bevor er zum Marsch aufbrechen konnte. Nach einem Winter wurde das Schiff 1915 vollständig darin eingeschlossen und ging ein Monat später unter. Nach monatelangem Überlebenskampf und 16 Segeltagen zum 1300km entfernten Südgeorgien, kam Shakleton schließlich mit 5 Männern über die Berge an diesem Wasserfall an, und erblickte von hier nun endlich sein Ziel: Stromness, der Ort um Hilfe für seine restliche Crew zu holen.

Bei Windstärke 7 heißt es heute: Gut Festhalten! Es geht mit den Zodiacs ein letztes Mal zu den Königen der Pinguine. Zur weiten Ebene von Salisbury.

Salisbury Plain ist die größte Ebene auf Meereshöhe, die auf Südgeorgien existiert. Entstanden durch den Rückgang des Gletschers Grace. Fünf Kilometer grauer Sandstrand bevölkert von der zweitgrößten Königspinguinkolonie mit etwa 250 000 Paaren.


 Was für ein wundersames Schauspiel, wenn in der morgendlichen Frische das erste sanfte Sonnenlicht auf Zehntausende von Königspinguinen fällt, die ein erfrischendes Bad im 2 0C kalten Südpolarmeer nehmen.

Am Strand stehen sie meist einzeln, oder in kleinen Gruppen, soweit das Auge reicht. Folgt man ihnen jedoch bis zu den 500 Meter entfernten Hügeln, verdichten sie sich zu einem einzigen weiß-orangen Fleckenmuster.

Allein solch eine Gruppenwanderung mitzuerleben, ist ein amüsantes Schauspiel.

Angekommen in der Pinguin-Großstadt heißt es erst einmal, sich zu orientieren. Denn steigt man als Beobachter den Hügel etwas höher, bekommt man eine kleine Ahnung davon, was es heißt, seinen Partner wieder zu finden.

Nachdem jeder Expeditionsteilnehmer letzte Eindrücke von diesem Naturschauspiel gesammelt hat, macht die Mikheev ein letztes Mal Halt, bevor sie wieder in die offene See Richtung Westen sticht.

Prion Island wird angelaufen.

Das großartige Geheimnis dieser kleinen Insel sind die nistenden Wanderalbatrosse und Riesensturmvögel. Ihre Nester befinden sich oben auf der mit Tussockgras bewachsenen Hochebene.

Eine kleine steinige Wasserrinne führt 50 Höhenmeter hinauf.

Oben angekommen legt sich ein bedächtiges Schweigen über alle Teilnehmer, denn ein solches Naturschauspiel, die Rufe und Tänze der Wanderalbatrosse beobachten zu können, ist ein einmaliges Erlebnis, welches kein Expeditionsteilnehmer jemals vergessen wird.

Wanderalbatrosse

Südgeorgien mit ihrer unberührten, wilden Natur ist für viele die Erfüllung eines lebenslangen Traumes.

Wer es mit eigenen Augen einmal erlebt hat, wird die schillernde Schönheit der Berge, die endlose Wildnis und die einzigartige Vielzahl der Pinguine, Robben und Meeresvögel niemals vergessen und für ewig in sich tragen.

Nach 6 Tagen voll faszinierender Eindrücke geht es nun noch mit der MS Grigoriy Mikheev

1500 Kilometer in Richtung Osten, zu den Falklandinseln. Ein Abstecher, der sich lohnt, bevor es wieder in die Heimat geht.

Diese Reise wurde organisiert vom Reisebüro Colibri, dem Spezialisten für Antarktis Reisen: