Antarktis Reisebericht:
Albatrosse - bei den Segelfliegern der Meere

Die Scotia-See zeigt sich wie meist von ihrer unfreundlichen und daher stürmischen Seite. Seit Tagen stampft die Grigoriy Mikheev durch Sturm und schwere See Richtung South Georgia, einer zauberhaft einsamen und relativ unberührten Insel 1500 km vor der Antarktis. Zu Großbritannien gehörend, wird sie von den Falkland Inseln aus verwaltet.

Unsere bewegte Schifffahrt begleiten Wale, die nur hier vorkommenden Stundenglasdelfine, unglaubliche Mengen verschiedenster Seevögel und in Küstennähe Antarktische Pelzrobben und diverse Pinguinarten. Wir fahren entlang der Nordküste zahlreiche interessante Buchten an und unternehmen teils abenteuerliche Landgänge.
 
Wanderalbatrosse im Flug, Delphine im Sprung
 
 

Am Nachmittag des 18. März steht unsere letzte Landung nahe dieser unglaublichen Insel auf dem Programm. Und zwar auf dem kleinen vorgelagerten Eiland namens Prion. Albatross Island in der gleichen Bucht steht inzwischen komplett unter Naturschutz und so dürfen sie Touristen nicht mehr betreten. Um Albatrosse bei ihrer beeindruckenden Balz zu beobachten, bleibt also nur noch Prion Island. Inzwischen führt ein befestigter Steig mit hölzernen Stufen zum Gipfelpunkt der Insel. 2007 quälen wir uns noch durch ein teils schlammiges und sehr nasses Gully, ein sporadisch Wasser führendes Bachbett, etwa 50 Höhenmeter nach oben und viele haben ein mulmiges Gefühl bei den zahlreichen halbstarken Pelzrobben, die in Augenhöhe auf den Tussockgraspolstern lagern und angriffslustig nach uns schnappen. Als wir den Windumtosten Gipfel der kleinen Insel erklommen haben, breitet sich vor uns eine von hohem Gras bedeckte Tundra aus, deren Senken mit sattgrünem Moos bedeckt sind. Auf den freien Stellen balzen überall die gänsegroßen Wanderalbatrosse. In einigen exponierten, topfartigen Nestern sitzen schon sehr große Jungvögel im flauschigen Daunenkleid.

Zwischen den fahlgelben Grasbüscheln tanzen die Albatrospaare fast geräuschlos mit ausgebreiteten Flügeln gegeneinander an. Die Pärchen schnäbeln immer wieder mit schnellen Schnabelgefechten miteinander und präsentieren ihre beeindruckende Flügelspannweite von 3,60 m. Noch nicht geschlechtsreife Vögel stehen interessiert um die balzenden Paare und lernen wohl fürs Leben. So sind die verliebten Paare nie alleine und jetzt lugen auch noch wir Touristen wie die Spanner aus dem hohen Gras. Unsere Expeditionsleiter achten strikt darauf, dass wir einen gebührenden Abstand halten, was einigen Mitreisenden ohne Teleobjektiv anscheinend missfällt. Neben den Wanderalbatrossen brüten auch noch einige Südliche Riesensturmvögel auf dem Plateau.
 
 Wanderalbatross bei der Balz, Albatross auf Südgeorgien, Vogel Balz
 
 
 
 
Hier oben hat man einen zauberhaften Blick auf die Bay of Isles und hinüber nach Südgeorgien mit den schroffen Bergen und weiten Gletschern. Viele Albatrosse gleiten ohne einen einzigen Flügelschlag an uns vorbei. Außerhalb der Balz- und Brutzeit leben die großen Vögel ausschließlich auf dem Meer, schlafen auf dem Wasser und betreten kein Land. Besonders bei stürmischer See wimmelt es von Seevögeln über den Wogen, denn die vielen Luftwirbel über den Wellen erleichtern das Segelfliegen und es wird auch mehr Nahrung nach oben getragen. Leider sind die Vögel besonders durch die Langleinenfischerei bedroht. Immer wieder verenden Albatrosse in großer Zahl an den Köderbestückten Haken oder in Fischernetzen. Allein um die Falkland Inseln sterben dadurch jährlich etwa 1500 dieser wunderschönen Vögel und die meisten Arten dieser Gattung sind schon vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet.
 
Südgeorgien und die umliegenden Inseln hielten neben Pinguinen und Albatrossen noch viele weitere Tierarten für uns bereit. Besonders eindrucksvoll war der Vorbeiflug zweier Blauaugen-Kormorane, auch Südgeorgien-Kormoran genannt, da er auf dieser Insel endemisch ist, also nur hier anzutreffen ist. Dahinter ein gestrandeter Eisberg wie ein großes Segelschiff. Im Lauf unserer Reise haben wir neben dem riesigen Wanderalbatros auch noch 4 weitere Arten beobachten können. Darunter den Südlichen Königsalbatros, den Schwarzbrauen- und Graukopfalbatros, sowie den Graumantel-Rußalbatros. Allesamt hervorragende Segelflieger über den Meeren der Südhalbkugel.
 
Diese Reise wurde organisiert vom Reisebüro Colibri, dem Spezialisten für Antarktis Reisen:
 
 Eisberge und Vögel, Eisberg in der Antarktis