Antarktis Reisebericht:
Südgeorgien - Expeditionslogbuch

10. März 2007 – 21. März 2007 an Bord der

ГРИГОРИЙ МИХЕЕВ

M/S Grigoriy Mikheev

Mit  Kapitän Alexey Zakalashnyuk (Russland) und seiner Crew mit 18 Personen

Position 54°45' S / 68°30'W
Lufttemperatur: 14°C, Wassertemperatur 10°C,
Teilweise bedeckt, mit Sonnenschein, relativ warm, kein Wind
“A journey is a person in itself; no two are alike.
And all plans, safeguards, policies and coercion are fruitless.
We find after years of struggle that we do not take a trip, a trip takes us.”

Um 16:30 begrüßte uns die Besatzung der M/S Grigoriy Mikheev an Bord und führte uns zu unsere Kabinen. Nach dem Auslaufen vom Hafen Ushuaias um 18:30 fanden wir uns zum ersten Treffen in den Speiseraum ein. Es gab ein Glas Champagner und einen kleinen Snack. Unsere Expeditionsleiterin, Monika Schillat stellte uns die Mannschaft und das Expeditionsteam vor.

Monika Schillat ist Historikerin und schon seit 15 Jahren in Polargegenden unterwegs.

Stefan Stoll studierte Polarökologie und arktische Umwelttechnologie. Seit 5 Jahren ist er, solange es wissenschaftliche Arbeit zulässt, in der Arktis und Antarkis unterwegs und gibt dabei gerne sein Wissen über die Vogelwelt, die Wale und die Nutzung von Meeresresourcen durch den Menschen weiter.

Dr. Parissa Yazdi studierte Meeresbiologie an der Universität Kiel und spezialisierte sich auf das Verhalten und die Physiologie von Delfinen. Seit einem Jahr ist sie auf Schiffen als Guide in der Arktis und Antarktis unterwegs.

Unser Hotelmanager an Bord der Grigoriy Mikheev war Jan De Ceuster aus Belgien. Die leckeren Mahlzeiten wurden von unseren Köchen Benjamin Vidmar aus den USA and Richard Arokiasamy aus Malaysia zubereitet. Dr. Werner Herold war unser Arzt an Bord und hatte zum Glück nicht viel zu tun – außer an den Tagen auf See, wenn die Seekrankheit einige von uns heimsuchte.

Kaptain Alexey Zakalashnyuk war unser wichtigster Mann an Bord. Alexey leitet eine erfahrene Crew von 18 russischen Offizieren, Ingenieuren und dem Servicepersonal an Bord.

Nach der allgemeinen Vorstellung leitete unser erster Offizier Oleg Klaptenko in die Sicherheitsbelehrungen und die vorgeschriebene Seenotrettungsübung.

Wir fuhren im Abendlicht durch den Beagle-Kanal und einige Seevögel begleiteten uns. Nach dem Abendessen saβen wir in der Bar zusammen und lieβen den Abend ausklingen.


 

11. März 2007 – 2. Tag auf See Richtung Südgeorgien

Position am Nachmittag: 55°04’ S / 61°50’ W

Lufttemperatur: 9°C, Wassertemperatur 9°C,

Nebel, Nieselregen, schlechte Sicht

”Ich gehöre jetzt zu den auserwählten Sterblichen,

denn ich habe den Albatros gesehen.”

R. C. Murphy

Vormittags hörten wir einen Vortrag von Monika über die frühen Entdeckungsexpeditionen in die Südmeere, auf der Suche nach der mythischen “Terra australis incognita”, von deren Existenz schon die alten Griechen überzeugt waren.

Danach ging es auf’s Außendeck. Mit unseren Guides Stefan und Parissa gab es eine Einführung zu den Seevögeln auf unserer Reise. Leider war das Wetter nicht gerade ideal um Vögel zu beobachten. Die Sicht war schlecht und es nieselte. Wir konnten anfangs nur einen Großen Sturmtaucher entdecken, der um unser Schiff kreiste. Aber trotz des schlechten Wetters kamen doch ca. 30 Gäste zusammen, um mehr über die Meeresvögel zu erfahren. Stefan gab uns einen Überblick über die wichtigsten Arten und ihre Erkennungsmerkmale. Nach einer halben Stunde wurde die Sicht etwas besser und wir stiegen auf das oberste Deck. Mit der Besserung der Sicht entdeckten wir immer mehr Vögel. Wir sichteten den ersten Kapsturmvogel und einige Weißkinn-Sturmvögel. Buntfuß- und Schwarzbauch-Sturmschwalben trippelten elegant über die Wasseroberfläche. Und nach einer Stunde zeigte sich sogar ein Wanderalbatros!

Der Wanderalbatros ist mit einer Spannweite von bis zu 3,7 Metern der größte flugfähige Vogel der Welt. Heute geht die Bedrohung von der Langleinenfischerei aus: Tausende von Albatrossen verfangen sich und ertrinken, wenn sie die Köder von den Langleinen zu zerren suchen.

Nachmittags standen die Meeressäuger auf dem Programm: Parissa stellte uns die Wale und Delfine vor, die wir auf unserer Reise nach Südgeorgien beobachten könnten. Auch erfuhren wir in ihrem Vortrag einiges über das Verhalten der Wale und konnten dem Gesang eines Buckelwals lauschen.

Anschließend ging Stefan in seinem Vortrag auf die Evolution der Wale ein, und die speziellen Anpassungen, die nötig waren, um sich den Lebenraum Wasser zu erschlieβen. Er erklärte auch, warum so viele Wale im südlichen Ozean rund um die Antarktis vorkommen.

Nach dem Abendessen wurde im Bordkino der BBC-Film “Life in the Freezer III und IV” vorgeführt.


 

12. März 2007 – 3. Tag auf See Richtung Südgeorgien

Position 55°01' S / 54°04'W

Lufttemperatur: 7°C, Wassertemperatur 5°C,

Wetter: bewölkt, hohe Wellen (6 Meter), Beaufort 6-7

In der zweiten Nachthälfte gerieten wir in ein Tiefdruckgebiet mit dazugehörigem Wind und Wellen, die für viele von uns den Schlaf schwierig machten. Unser Schiff rollte in den Wellen, und wir waren froh, dass wir am Vorabend die guten Ratschläge von Monika beherzigt hatten und zumindest unser Gepäck seefest verstaut hatten. Beim Frühstück in der Messe blieben dann auch eine Reihe von Gedecken unbenutzt. Da der Seegang während Monikas spannendem Vortrag über die dramatische schwedische Antarktisexpedition von Nordenskjöld und Parissas interessanten Vortrag über das erstaunliche Leben der Pinguine sogar noch zunahm, nahmen noch weniger von uns auch das Mittagessen zu sich. Die seefesten unter uns, die sich auf Deck oder auf die Brücke trauten, kamen in den Genuss, die Albatrosse, die uns den ganzen Tag in großer Zahl folgten aus nächster Nähe zu betrachten. Immer wieder glitten diese majestätischen Vögel sehr nahe an der Brücke vorbei und schauten zu den Fenstern herein, so dass man ins grübeln geraten konnte, wer hier eigentlich wen beobachtet: wir die Albatrosse oder die Albatrosse uns! Bei dieser Gelegenheit konnten wir nun gleich unsere Vogelbestimmungskenntnisse, die Stefan uns gestern vermittelt hatte erproben, und wir stellten fest, dass ein ungewöhnlich großer Anteil Königsalbatrosse den Wanderalbatrossen beigemischt war, wie wir an dem rein weißen Schwanz, dem schwarzen Schnabelstrich und dem Fehlen der rosa Federn seitlich am Kopf nun leicht erkannten. Auch zwei Chile-Delfine sprangen vor dem Schiff aus dem Wasser und begleiteten die Mikheev eine Weile.

Die Brückentouren, die nach dem Mittagessen geplant waren, mussten wegen dem starken Seegang leider verschoben werden. Zum einen hätten nicht immer alle in einer Gruppe gute Festhaltemöglichkeiten rund um all die Geräte gefunden, die es da auf einer Schiffsbrücke zu bestaunen gibt, und zum anderen nahmen wir Rücksicht auf all die, die sich auch eingetragen hatten, den Tag aber leider auf ihrer Kabine zubringen mussten.

Am späten Nachmittag berichtete uns Stefan noch Wissenswertes über die Geschichte des Walfangs vom 12. Jahrhundert bis heute. Beim Abendessen verkündete dann Monika, dass wir alle an Bord die Uhr um eine Stunde vorstellen müssten, da uns unsere 2000 km weite Reise in den Osten in eine andere Zeitzone führte, und wir somit leider auf eine Stunde Schlaf verzichten müssten. Da wir aber den ganzen Tag über viel geruht hatten war dieser Verlust ganz gut zu verschmerzen. Nach dem Abendessen klang der Tag dann bei dem IMAX-Film über die abenteuerlichen Reisen von Shackleton aus.


 

13. März 2007 – 4. Tag auf See Richtung Südgeorgien

Position Mittag:54° 46’S; 48° 01’W.

Lufttemperatur: 7°C, Wassertemperatur: 7°C

Zum Glück hatte der Wind weiter nachgelassen, und im Laufe des Vormittags traf man auf der Brücke, den Decks und in unserer Messe Personen wieder, denen man schon länger als einen Tag nicht mehr begegnet war. Der Magen war zwar noch so manchem flau, aber der Fortschritt unverkennbar. Weitere Aufbauarbeit leisteten 2 Stundenglasdelphine, die kurz nach 9 Uhr morgens gesichtet wurden, und auch diejenigen, die noch an ihrer Seefestigkeit zweifelten zu einem Besuch auf der Brücke nötigten. Nach dem Frühstück begann bald wieder unser Vorlesungsprogramm; Monika berichtete vom spannenden und oftmals nicht ganz ungefährlichen Leben der Walfänger auf Südgeorgien, wobei sie mit vielen Details und Anekdoten ein sehr lebendiges Bild aus vergangener Zeit auferstehen zu lassen wusste. Nach einer kurzen Kaffeepause übernahm Werner, unser Schiffsarzt, das Mikrofon und berichtete mit eindrucksvollen Bildern von seiner Überwinterung als Stationsleiter auf der Georg-von-Neumayer-Station, der deutschen Forschungsstation des Alfred-Wegener-Instituts in der Antarktis.

Nach dem Mittagessen wurden dann die Brückenbesichtigungen nachgeholt, die am Vortag wegen des Seegangs verschoben werden mussten. Alexey, der 2. Offizier erklärte uns all die Geräte, die nötig sind um ein Schiff sicher zu steuern: Kreiselkompass, Echolot, Radar, Autopilot, GPS, Maschinenanzeigen, und vieles interessantes mehr.

Danach wurden wir auch schon in die Messe gerufen, und wir wurden über die Regeln aufgeklärt, die zu beachten sind, wenn man auf Südgeorgien anlandet; eine Pflichtübung, denn auch so wäre niemand von uns auf die Idee gekommen, Müll zu hinterlassen und Souvenirs von der Insel mitzunehmen. Auch die Benutzung der Zodiacs wurde erklärt, und wir konnten uns schon einmal der Vorfreude auf unsere erste Anlandung hingeben, die in 24 Stunden stattfinden sollte: wir waren fast am Ziel unserer Reise angekommen!

Nach dem Abendessen klang der Tag dann wieder mit einem Film aus. „Grandma, the oldest Albatross“ berichtete aus dem Leben eines 60 Jahre alten Königsalbatrosweibchen, wie wir den Tag über auch einige spielerisch und schwerelos um unsere Grigoriy Mikheev haben gleiten sehen.


14 März 2007 – 5. Tag auf See / Zodiac-Tour in Elsehul

Position am Nachmittag: 54°09' S / 39°42'W

Lufttemperatur: 4°C, Wassertemperatur 5°C,

Wetter: bewölkt, hohe Wellen (6 Meter), Beaufort 6-7; später: Beaufort 5

„Zuerst meint man, Eisberge auf dem Wasser zu sehen, bis das Schiff langsam näher herankommt und sich die weißen Flächen zu einer Gebirslandschaft zusammenfinden, die sich unmittelbar aus dem Meer erhebt, ohne lange mit sanften Hügeln Atem zu holen“

Wer heute schon morgens um 7 Uhr wach war, konnte sehen wie die Sonne ein goldenes Licht in die Schaumkronen zauberte. Leider war dieser Anblick nur von kurzer Dauer und zwei Stunden später hüllte sich alles in Nebel und Schneeflocken wirbelten um unser Schiff. Aber nichts desto trotz: Mittags um halb eins sichteten wir zwei Seiwale. Und zum ersten Mal sahen wir Pinguinsturmtaucher, Südliche Riesensturmvögel, Graukopfalbatrosse und einen Südlichen Rußalbatros. Pelzrobben sprangen um unser Schiff und waren die Vorboten auf das ersehnte Land. Die große Frage war: Wann ereichen wir denn nun endlich Südgeorgien?

Um halb fünf war es dann endlich soweit: Irgendwo im dichten Nebel sahen wir die Umrisse der spitzen Berge Südgeorgiens auftauchen! Fast alle von uns waren auf der Brücke oder an Deck, um das Ziel unserer Reise zu begrüßen.

Am Abend um sechs Uhr erreichten wir Elsehul und konnten das erste Mal auf unserer Reise die Zodiacs herunterlassen und einen ersten Eindruck von der Inselwelt gewinnen.

Die Doppelbucht von Elsehul liegt im äußersten Nordwesten Südgeorgiens und bietet den Pelzrobben und vielen Vögeln sehr gute Brut- und Aufzuchtbedingungen. Wir fuhren zu einer Kolonie von Goldschopfpinguinen und entdeckten sogar einen Königspinguin. Wir sahen Riesensturmvögel auf dem Wasser sitzen. Ruß- und Graukopfalbatrosse flogen über unsere Köpfe. Unzählige junge Pelzrobben folgten uns neugierig. Überall wimmelte es nur von Tieren und wir waren mittendrin! Nach einer Stunde Zodiac-Cruising kehrten wir zufrieden zu unserem Schiff zurück.

Nach dem Abendessen erzählte Monika uns die Geschichte rund um die Knoblauchknolle, die seit 2 Jahren den Barometer auf der Brücke schmückt und für Sicherheit auf der See sorgt. Hier an Bord, so sagte sie, fühlen sich jedenfalls alle wie unter einen Schutzzauber, und die Knolle hat dem Schiff, der Besatzung und den Gästen noch immer Glück gebracht.


15. März 2007 – Drygalski Fjord / Cooper Bay / Gold Harbour

Position am Nachmittag: 54°47' S / 35°47'W

Lufttemperatur: 6°C, Wassertemperatur 4°C,

Nach dem Vorgeschmack von unserer gestrigen Zodiactour in Elsehul hatten wir gar nichts dagegen, früh aufzustehen, um unseren ersten vollen Tag in Südgeorgien intensiv zu nutzen. Monika weckte uns heute schon um viertel nach 6, und etwas schlaftrunken nahmen wir unser Frühstück ein. Bei der Einfahrt in den Drygalski Fjord kurze Zeit später wurde dann aber auch der letzte an Bord hellwach: eine herrliche alpine Landschaft, im Angesicht des nahenden Winters schon mit feinem Puderzuckerschnee bestäubt, ragten an beiden Ufern des engen Fjords steil in die Höhe. Im Morgenlicht leuchteten die Gletscher und Eisstücke im Wasser besonders intensiv in allen Blauschattierungen. Die Gletscherfront am Ende des Fjords war teilweise höher als unser Schiff, und im Wasser vor dem Gletscher wimmelte es von Sturmschwalben, die kleine Futterhäppchen von der Wasseroberfläche pickten. Eine beinahe unwirklich schöne, gewaltige Kulisse!

Vom Drygalski Fjord setzen wir unseren Kurs entlang der Nordostseite von Südgeorgien fort. Bald schon erreichten wir die Cooper Bay, und somit unsere erste Landungsstelle für diesen Tag. Warm eingepackt, Nummernschildchen gedreht, Rettungsweste nicht vergessen, und ab ging es erst auf eine Zodiactour durch die verschiedenen Einzelbuchten der Cooper Bay.

Überall wimmelte es von Tierleben. Esel-, Goldschopf- und als Besonderheit Zügelpinguine säumten das Ufer, die allgegenwärtigen Pelzrobben dösten in der Sonne und über uns kreisten Blauaugenkormorane, Rußalbatrosse und vielerlei Vögel mehr. Wir landeten dann in einer kleinen kiesigen Teilbucht der Cooper Bay und machten uns auf den Weg, eine Schmelzwasserrinne zu ersteigen. Das war kein immer ganz einfaches Unterfangen, denn die Pelzrobben, die sich überall häuslich niedergelassen hatten, mussten erst mit allerlei Drohgebärden überzeugt werden, uns Platz zu machen.

Oben angekommen näherten wir uns einer Goldschopfpinguinkolonie, die ausgedehnt im Tussockgras versteckt sich den Hang entlang zog. Das Brutgeschäft hatten die Pinguine zwar schon weitestgehend abgeschlossen, doch hielten sie sich noch zur Mauser in der Kolonie auf, und wir konnten sie ausgiebig bei ihrem Treiben beobachten und fotografieren. Zum Mittagessen machten wir uns dann wieder auf den Rückweg, und während wir uns mit leckerer, heißer Suppe und Gulasch mit grünen Tagliatelle aufwärmten, steuerte der Kapitän die Mikheev zum Ort unserer Nachmittagsanlandung: Gold Harbour.

Kaum in Gold Harbour gelandet, wurden wir erst mal von den mächtigen Seeelefantenbullen weggelotst, die direkt hinter unserer Landungsstelle dösten. Ein anderer Landungsplatz kommt an diesem Strand aber nicht in Frage, da der Strand mit dieser Ausnahme sonst sehr steil ist, und die Guides, verstärkt durch die Schiffscrew, die Zodiacs nicht hätten halten können. Ein kurzer Spaziergang am Strand entlang brachte uns dann an eine riesige Kolonie Königspinguine heran. Überall schnatterte es, und die Pinguine waren so neugierig, dass sie auf wenige Zentimeter herankamen, wenn man einen Augenblick ruhig stand. Das taten allerdings auch die halbstarken Pelzrobben, die man sich dann wieder mit wilden Drohgebärden vom Halse schaffen musste. In der Kolonie befanden sich auch noch Jungtiere in allen verschiedenen Größen, und nach einigem Suchen fanden wir auch noch Pinguine, die ein Ei auf ihren Füßen balancierten, und in ihrer Bauchtasche wärmten. In eines der Eier war sogar schon ein kleines Loch gepickt, das Küken war also gerade dabei zu schlüpfen. Der Nachmittag verging zwischen den Pinguinen wie im Fluge, und mit vielen ganz besonderen neuen Eindrücken und Speicherkarten und Filmen voller Aufnahmen traten wir den Rückweg zur Mikheev an.


16. März 2007 – St. Andrews / Godthul / Grytviken

Position am Nachmittag: 54°21' S / 36°05'W

Lufttemperatur: 2°C, Wassertemperatur 3°C,

Morgens um 8:00 Uhr ging`s los: Trotz des Schneesturms und Nebels landeten wir in der St. Andrews Bucht: Heute zeigte Südgeorgien ihr antarktisches Gesicht! Aber etwas stimmte nicht: Waren das wirklich Rentiere, die da neben den Königspinguinen standen? Und tatsächlich: Rentiere wurden im letzten Jahrhundert von den Norwegern in Südgeorgien eingeführt.

Die Schneeflocken tauchten die fünf kilometerweite Bucht in eine fast unwirkliche Traumlandschaft. Wir machten uns auf den Fußmarsch zur größten Königspinguinkolonie von Südgeorgien. Schon von weitem sahen wir, dass es mehrere Zehntausende bis an die hunderttausende Königspinguine sein müssen, die die Bucht bevölkern. Mitten durch das Zentrum der Kolonie zieht sich ein kleiner Fluss, der von den beiden nahen Gletschern Heaney und Cook gespeist wird. Gleichmäßig reihten sich in der weiten Schwemmebene ein Pinguin an den anderen, ihr Abstand schien sich mit zunehmender Entfernung eher zu verdichten, als auszudünnen.

Bei der Kolonie angelangt, konnten wir einen Einblick in das Sozialverhalten dieser schönen Vögel gewinnen: Hier stritten sich zwei Erwachsene um ihr Territorium, da wurde ein Ei zum anderen Partner übergeben. Die kleinen, braunen “Woll”-Küken wurden gefüttert und von den Schnabelhieben der Nachbarn beschützt. Und überall das Rufen und Trompeten der Erwachsenen vermischt mit dem zarten Piep-Lauten der Küken. Hier konnte man sich wirklich stundenlang aufhalten. Einige von uns sahen sogar einen Pinguin mit einer schwarzen Bauchseite.

Die St. Andrews-Bucht ist nicht nur für die Königspinguine ein Paradies. Die mehr als 2.000 m hohen Berge der Allardyce-Gebirgskette schirmen die vorherrschenden Westwinde ab, und bieten auch den Seeelefanten und Pelzrobben Schutz. So hatten wir ebenfalls die Gelegenheit uns die Robben nochmal genauer anzuschauen.

Am frühen Nachmittage stand unsere zweite Landung für diesen Tag auf dem Programm. Godthul, das bedeutet auf norwegisch “gutes Loch” und wurde wahrscheinlich von norwegischen Robben- und Walfänger so benannt. Nahe bei Grytviken gelegen, diente es den Walfängern als Übergangsbasis. Viele Walknochen säumen den Strand und rostende Kessel zeugen von der Blütezeit des Walfangs.

Wir machten uns gleich auf den Weg durch das Tussockgras, um die Eselspinguinkolonie zu besuchen. Aber mancher von uns entschied sich doch für eine Wanderung am Bach zu den Wasserfällen durch die tundraähnlichen Landschaft. Wer Glück hatte, konnte hier sogar die Südgeorgische Spießente beobachten.

Abends um sechs erreichten wir Grytviken. Diese alte Walfangstation wurde vom norwegischen Kapitän Carl Anton Larsen 1904 gegründet. Mit drei Schiffen und 60 Landsmänner kam er damals, als einer der ersten Walfänger auf die Insel und benannte sie Grytviken – “Kesselbucht”. Heute noch stehen in der Bucht die großen Tranbottiche aus der Robben- und Walfangzeit.

Die Regierungsoffizierin Emma kam an Bord, um unsere Einreisepapiere und Pässe zu prüfen. Außerdem besuchten uns zwei Wissenschaftlerinnen an Bord und gaben uns einen Einblick in ihre Arbeit auf Südgeorgien. Miriam Iorwerth hielt einen Vortrag über die Verwaltung des Kulturerbes auf Südgeorgien. Anjali Pande, leitende Wissenschaftlerin in Grytviken (Fisheries Research and Management at South Georgia) sprach über die Erforschung und Nutzung des Krill und der heimischen Fischereibestände.

Für den Abend hatten wir (fast) die gesamte Bevölkerung (13 Personen) von Grytviken zum Barbecue auf unser Schiff eingeladen. Unsere Köche Benjamin und Richie hatten wie immer ein köstliches Essen zubereitet: Es gab Gegrilltes, Fisch, Salate und eine Fruchtbowle, die es in sich hatte. So wurde die Stimmung immer besser und irgenwann tanzten wirklich (fast) alle zur russischen und amerikanischen Popmusik – und das bei 0˚C und Schneeflocken. Wir feierten garantiert die südlichste Party der Welt!


17. März 2007 – Grytviken / Strømness

Position am Mittag: 54°01' S / 37°14'W

Lufttemperatur: 5°C, Wassertemperatur 3°C,

Beaufort: 6-7; Sonnenschein, einige dekorative Wölkchen für die Fotos

Trotz der teilweise kurzen Nacht schafften wir es doch alle, um 8 Uhr morgens an der Gangway zu stehen, und neugierig machten wir uns an die Erkundung von King Edward Point, dem Verwaltungszentrum von Südgeorgien, und Grytviken. Bis zum Jahr 1965 wurden dort Wale gefangen, und zu Hochzeiten der Station wurden dort in einer Saison über 1000 Wale verarbeitet. Die Zeit, die zur Verfügung stand musste effektiv genutzt werden: Zum Postamt für Postkarten, Briefmarken und Ersttagsbriefe, ein kurzer Besuch im hervorragenden Museum, in dem die Zeit des Walfangs in Grytviken noch einmal auflebte und wir einen sehr guten Eindruck vom Leben der Walfänger bekamen. Glocken läuten in der Kirche, dann trafen wir uns schon auf dem Friedhof, um gemeinsam Sir Ernest „The Boss“ Shackletons Grab zu besuchen. Jörg hielt eine bewegende Rede, dann tranken wir auf das Gedenken Shackletons. Wie es die Tradition will, wird dabei nur die Hälfte des Glases geleert, die andere wird über sein Grab gegossen. Langsam spazierten wir dann zur Mikheev zurück, wobei wir unterwegs noch einmal Benzin- und Trankessel, den Maschinenpark der ehemaligen Fleischmehl- und der Guanofabrik, der Ölkocherei sowie die an Land gezogenen Fangboote Petrel, Dias und Albatross, und das als Kohlefender benutzte Segelschiff Luise in Augenschein nahmen.

Am Nachmittag statteten wir der Walfangstation Strømness einen Besuch ab. Am Strand begrüßte uns eine riesige Meute verspielte Babypelzrobben, die sich uns neugierig auf wenige Zentimeter näherten, wenn man sich ins flache Wasser stellte. Die Überreste der verfallenen Siedlung Strømness durften wir leider nicht aus der Nähe erkunden, da bei vielen Gebäuden Einsturzgefahr besteht und vielfach Asbest verbaut wurde, das nun überall in den Ruinen zum Vorschein kommt.

Aber auch aus sicherem Abstand konnten wir mit Teleobjektiv und Fernglas einen guten Eindruck von dieser ehemaligen Walfängersiedlung erlangen.

Am Strand teilten wir uns dann in 3 Gruppen auf. Eine Gruppe beschäftigte sich mit Verhaltensstudien an Pelzrobben, Seeelefanten und Eselspinguinen am Strand, die anderen Gruppen machten sich auf zu einer Wanderung zu dem Wasserfall am Ende des Tals, den Shackleton auf seiner Wanderung über Südgeorgien auf dem Weg nach Strømness herabgestiegen war. Ein ganz besonderes Gefühl für alle Shackleton-Fans, an dem Ort zu stehen, an dem Shackleton klar wurde, dass er es nun geschafft hatte Strømness und damit die Zivilisation zu erreichen.

Am späten Nachmittag nahmen wir Kurs auf Fortuna Bay, wo wir dann genau rechtzeitig eintrafen um einen herrlichen, in rote Farben getauchten Sonnenuntergang zu erleben.

Nach Abendessen gabs dann im Bordkino die Persiflage „Farce of the Penguins“, die den Film „March of the Penguins“ recht derb durch den Kakao zieht.


18. März 2007 – Salisbury Plain / Prion Island

Position am Mittag: 54°01' S / 37°14'W

Lufttemperatur: 5°C, Wassertemperatur 3°C,

Beaufort: 6-7

Morgens um 7:40 Uhr auf der Brücke: Was für ein Glück! Die Sonne schien, das Meer war blau, von weitem sahen wir ein paar Eisberge, Gletscher, grüne Inseln, Puderzuckerberge… Südgeorgien zeigte sich wie im Bilderbuch und wir freuten uns auf unsere nächste Landung in Salisbury Plain.

Was für ein wundersames Schauspiel, wenn in der morgendlichen Frische das sanfte Sonnenlicht auf Zehntausende von Königspinguine fällt! Am Strand stehen sie noch einzeln oder in kleinen Gruppen, bis sie sich an den 500m entfernten Hügeln zu einem einzigen weiß-orangen Fleckenmuster verdichten. Ein Wirrwarr aus Köpfen und Schnäbeln, das sich noch weiter den Hügel hinaufzieht – ein überwältigender Anblick!

In der Kolonie konnten wir einen Einblick in die vielen Stadien des komplizierten Brutzyklus der Königspinguine gewinnen. Da schaut das Ei ein wenig aus der Gefiederfalte der Bruttiere heraus, oder es sind zwischen den Beinen schon winzige, wenige Wochen alte Küken zu entdecken. Daneben gibt es die stattlichen Jungtiere der Spätbrüter aus der letzten Brutsaison, die jetzt schon dieses Flaumgefieder ablegen und bald wie richtige Königspinguine aussehen werden.

Am Nachmittag stand unsere letzte Landung auf dem Programm: Prion Island. Das Wunderbare dieser kleinen Insel sind die nistenden Wanderalbatrosse und Riesensturmvögel.

Ihre Nester befinden sich oben zwischen den mit Tussockgras bestandenen Hügeln und den feuchten, mit Moos und Gras ausgelegten Senken. Um auf das Plateau zu den Albatrossen zu gelangen, mussten wir einen matschigen Weg ca. 50 Höhenmeter hinauf steigen. Natürlich trafen wir wieder auf unsere putzigen Freunde: Pelzrobben, die von allen Seiten aus dem dichten Gras empor strebten und brüllten oder grunzten.

Oben bei den Vögeln überwältigte uns die atemberaubende Aussicht und plötzlich herrschte eine andächtige Ruhe – weil die Albatrosse in ihren Nestern so eindrucksvoll und anmutig sind. Wir setzten uns im gebührendem Abstand ins dichte Tussockgras, um so wenig wie

möglich zu stören und wurden auch schon gleich Zeugen vom “Tanz der Albatrosse”: Ein Paar breitete seine langen Flügel aus und ging im Kreis umher, wobei sie sich immer wieder beschnäbelten. Ein paar flauschige Küken konnten wir ebenfalls ausfindig machen.

Wir waren uns einig, dass die Albatrosse auf Prion Island ein absolutes Highlight und ein wunderbarer Abschluss unserer Reise in Südgeorgien war.


19. März 2007 – Auf See Richtung Falkland Inseln

Position Mittag:53° 24’ S; 42° 35’ W.

Lufttemperatur 10 °C morgens neblig-diesig, nachmittags zunehmend sonnig; Wind und Wellen von vorn, die die Grigoriy Mikheev tüchtig durchschüttelten; Wassertemperatur 5 °C

In der Nacht bekamen wir eine Stunde Zeit geschenkt, und zusätzlich wurde das Frühstück auf 8 Uhr verlegt, wir hatten also nach mit Programm vollgepackten, teilweise anstrengenden Tagen die Möglichkeit, einmal wieder richtig auszuschlafen. Leider fand aber auch die Seekrankheit in dieser Nacht wieder ihre Opfer, und nicht alle fanden morgens den Weg in den Speisesaal.

Vormittags zeigte Jörg uns einen weiteren Colibri UmweltReisen Film, diesmal über Spitzbergen. Nachmittags hielt Monika uns dann einen interessanten Vortrag über die Geschichte, Land und Leute auf den Falklandinseln, das wir ja nun bald auch kennen lernen durften.

In der Zwischenzeit wurden in der Bar digitale Bilder angesehen und ausgetauscht oder von der Brücke und dem Deck nach Tieren Ausschau gehalten, die da immer wieder kurz aus den Nebelweiten auftauchten. Am späten Nachmittag wurde dann sogar die Sicht besser, und wir sahen den Blas von Walen, die uns in einiger Entfernung passierten. Der schiefe Blas von 2 Pottwalen konnte sicher bestimmt werden, dazu sahen wir noch eine Gruppe groβe Bartenwale. Die genaue Art blieb dabei leider unklar.

Nach dem Abendessen klang der Tag bei einem weiteren Film aus - diesmal eine Reise von Colibri UmweltReisen nach Madagaskar, gefolgt von dem einen oder anderen Getränk in der Bar.


20. März 2007 – Auf See Richtung Falkland Inseln

Position Mittag:52° 20’ S / 48° 45’ W

Lufttemperatur: 8°C; Wassertemperatur: 7°C

Wetter: Sonnig, Beaufort: 5

Morgens begrüβte uns ein wunderschöner Sonnenaufgang. Wer sich den Vormittag an Deck aufhielt, konnte sogar eine Gruppe Stundenglasdelfine beobachten, die für eine Weile unser Schiff begleiteten.

Um 11:00 sahen wir den Film „Life in the Freezer V und VI“.

Viel von uns genossen nochmal die Weite des Ozeans und die frische Luft und nutzten die Gelegenheit die Seevögel zu beobachten.

Am Nachmittag hörten wir einen Vortrag von Stefan über die Probleme der Albatrosse mit der Langleinen-Fischerei.

Vor dem Abendessen versammelten wir uns in der Bar zum “story telling”. Monika machte den Anfang mit der Geschichte zur Seekrankheit. Und danach ging’s weiter mit unseren lustigen oder komischen und doch wahren Begebenheiten. Das Leben selbst schreibt doch immer noch die interessantesten Geschichten!

Nach dem Abendessen hörten wir von Nora Petzold einen Vortrag über ihre Erlebnisse einer Reise von der Antarktis bis zum Äquator.


21. März 2007 – Ankunft auf den Falkland Inseln

Position 51°45' S / 57°50' W

Wir hatten groβes Glück, dass auf Südgeorgien das Wetter so gut war, dass wir alle geplanten Anlandungen auch wirklich durchführen konnten. War es wirklich Glück? Oder könnte es auch sein, dass die täglichen Streicheleinheiten für unseren Knoblauch gewirkt haben? Jedenfalls wurden wir auf dieser Reise alle überzeugt, dass es eigentlich gar nicht möglich ist, eine Seereise ohne Knoblauch auf dem Barometer zu überstehen!

Gesamtstrecke dieser Reise Ushuaia – Südgeorgien – Stanley: 2.112 nautische Meilen = 3.928km

Oceanwide Expeditions, der Kapitän, seine Offiziere und die Besatzung bedanken sich bei Ihnen und würden sich freuen, Sie wieder einmal an Bord begrüβen zu dürfen – vielleicht ja in der Arktis oder Antarktis?

Weitere Informationen unter: www.oceanwide-expeditions.com

Text, Fotos, Artenliste und Fehler jeglicher Art: Parissa and Stefan

10. März 2007 – Ushuaia / Feuerland, Argentinien

Diese Reise wurde organisiert vom Reisebüro Colibri, dem Spezialisten für Antarktis Reisen: