Sri Lanka Reisebericht:
Was wirklich zählt

Es ist mitten in der Nacht, als ein greller Pfeifton mich aus dem Schlaf reißt. Ich bin noch ganz benommen und versuche das Geräusch zuzuordnen. Ich schaue auf den Wecker, es ist kurz nach 2 Uhr. Nein, der „Wake up call“ ist es nicht, wir werden erst in drei Stunden geweckt, um unseren Ausflug nach Ratnapura, der Edelsteinstadt Sri Lankas zu beginnen.

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Es muss ein Alarm sein! Mein Freund nimmt mich an die Hand und ich greife mit meiner Linken „Mucki“, mein Stoffkaninchen, das mittlerweile 21 Jahre alt ist und mich überall auf der Welt begleitet.  Ohne „Mucki“ geh ich nicht auf Reisen.
Wir treten aus unserem Hotelzimmer und gehen in Richtung Lobby. Einige Hotelgäste sind auf dem gleichen Weg und schauen sich unsicher um. Andere gucken aus ihren  Zimmern und scheinen zu überlegen, ob sie sich uns anschließen oder in ihrem Zimmer bleiben sollen.

 Woher kommt dieser schrille Pfeifton? Brennt es irgendwo? Ist das eine Übung, wie damals in der Schule? Alles scheint normal, kein Rauch, kein versengter Geruch.
 Ich bin völlig überrascht über mein eigenes Verhalten. Hat sich nicht jeder schon einmal eine Situation ausgemalt und wie man dazu handelt? Ich hab immer vermutet, dass ich völlig panisch werde, meinen Koffer nehme und all mein Hab und Gut einpacke und fluchtartig das Gebäude verlasse, wenn in einem Haus der Feueralarm losgeht.
Plötzlich verstummt der Alarm und für einen kurzen Augenblick höre ich nichts im Hotel und schlagartig fängt das Gemurmel und Spekulieren unter den Hotelgästen an. Wir gehen noch ein Stückchen bis wir auf dem Gang auf einen Hotelmitarbeiter treffen. Er erklärt uns, dass in der Hotelküche etwas angebrannt war, dass den Alarm auslöste.
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Wir sind froh, dass es nichts Schlimmeres war, als ein verbrannter Toast und gehen erleichtert zurück ins Zimmer. Auf dem Rückweg wird mir dann klar, dass ich weder Jacke noch Schuhe angezogen habe. Nur mit Nachthemd stehe ich auf dem Flur eines Hotels an der Südspitze Sri Lankas. Jetzt wird mir bewusst, was ich bei mir trage: In der linken Hand „Mucki“, dass Stoffkaninchen, was ich zum 4.Geburtstag geschenkt bekommen habe und an der rechten Hand hält mich mein Freund. Was hätte ich auch anderes mitnehmen sollen, ich habe alles Wichtige in meinem Leben und dafür brauche ich keinen Koffer.
In den Höhlentempeln von Damulla entdeckte ich eine Wandmalerei, die einen Vollmond zeigt. In den Mond ist ein Kaninchen gezeichnet. Wir sehen ein Mondgesicht, wenn wir in den Mond schauen oder denken an ein Stück löchrigen Käse. Die Buddhisten Sri Lankas sehen bei Vollmond die Silhouette eines Kaninchens. Ab sofort werde ich bei Vollmond nach dem Kanninchen im Mond Ausschau halten.

Nach zwei Wochen ist mein erster Urlaub in Asien vorbei.  Asien beziehungsweise Sri Lanka hat mich wirklich in seinen Bann gezogen. Ich weiß auch gar nicht mehr warum ich mich früher nie für diesen Kontinent interessiert habe, dabei hegt er wunderbare Schätze. Ich hätte niemals gedacht, dass allein eine relativ kleine Insel, wie Sri Lanka so viele verschiedene Gesichter hat. Die Vielfalt der Vegetation, von den tropischen Stränden Ahungallas bis zu den Teeplantagen im Hochland von Nuwara Eliya. Wunderbar kontrastreich.
Mein Urlaub endet, wie er begonnen hat mit einer drei stündigen Fahrt mit dem Bus, diesmal von Ahungalla nach Columbo. Wir fahren durch Bentota und Beruwela, werden von halzbrecherisch fahrenden Tuk Tuks überholt und Rinder sowie Warane überqueren die Straße. Der kleine Bus schlängelt sich durch Sri Lankas Hauptstadt, vorbei an viele Militärposten, welche die Straße zum Flughafen bewachen.
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Bei der Handgepäckkontrolle im Flughafengebäude werde ich von zwei bewaffneten und sehr streng schauenden Flughafenmitarbeitern aufgefordert meinen Rucksack zu öffnen. Einer der beiden greift rein und holt „Mucki“ heraus. Mein Herz bleibt stehen, mir bricht der Schweiz aus. „What is it?“ werde ich gefragt und antworte prompt: „It´s a rabbit!“ Der Beamte schaut mich noch immer musternd an und hält „Mucki“ in der Hand. Fürchterliche Gedanken gehen mir durch den Kopf: Der denkt bestimmt ich bin eine Drogenschmugglerin und habe im Körper von „Mucki“ Drogen versteckt, der reißt oder schneidet ihn bestimmt gleich den Kopf ab.

Ich fühle mich, wie eine Angeklagte. „What ist the name?“ werde ich gefragt. „It´s a Mucki!“ antworte ich kurz vor der Ohnmacht. Der Beamte schaut seinen Kollegen an und sagt mit singhalesischer Aussprache: „Mucki!“ Sein Kollege nickt und wiederholt: “Mucki!“
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Sie legen, das von meiner Kindheit schon arg abgekuschelte Stofftier zurück in meinen Rucksack und wünschen uns freudestrahlend einen guten Flug nach Hause.  Mein Freund nimmt mich an die Hand und ich schulter meinen Rucksack. Ich habe alles was mir wichtig ist.

 

Dieser Reisebericht wurde von  mir noch nie zuvor veröffentlicht. Die Reise fand im September 2004 statt. Die Ausflüge habe ich bei der TUI vor Ort im Hotel gebucht.