Thailand Reisebericht:
Einsame Insel mit Riesenameisen und Krabbenscharen

Die besten Trips stehen eben doch nicht im Lonely Planet.

Die Idee klang einfach: Endlich den Massen entfliehen, aus den ausgetretenen touristischen Trampelpfaden ausbrechen und den Geruch der Wildnis und des Abenteuers spüren! Und das in Thailand, einem der touristisch erschlossensten Länder Südostasiens. „Fast unmöglich“ dachten Mark, ein Backpacker aus Manchester, den ich Wochen zuvor auf der Insel Kho Tao getroffen hatte, und ich anfänglich. Wir ließen es jedoch auf einen Versuch ankommen. Dieser Bericht erzählt unsere Geschichte, die uns in den entlegensten Winkel Thailands führte, mit einem Dorfältesten Freundschaft schließen ließ und unsere eigenen Grenzen testete.

Bisher war unser beider Trip durch Südostasien dem Muster gefolgt, wie es die meisten Erstbesucher Asiens erleben. Nach Bangkok geflogen, in dem riesigen Moloch herumgewirbelt und das Gefühl „ich bin für ein halbes Jahr alleine in Asien unterwegs – was mache ich jetzt?“ ausgekostet. Dieser Mischung aus Euphorie und Ungewissheit legte sich rasch nach dem Kennen lernen anderer Reisender, denen es ähnlich ging, die aber das gleiche Ziel vor Augen hatten: Ab in den Süden auf die wunderschönen Inseln Thailands! Gesagt getan, waren wir schon auf der Touristenschleuse Bangkok – Kho Tao – Kho Phangan – Kho Samui unterwegs.

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Eine Vollmondparty, einen Tauchkurs und dem ersten gefühlten Ankommen in Asien später stelle sich Mark und mir rasch die Frage, ob wir, nachdem wir nun die „Pflicht“ jedes westlichen Backpackers absolviert hatten, nicht auch bereit für ein Abenteuer abseits des Vorhersagbaren wären. Gesagt, getan! Einen kurzen Blick in den Reiseführer später, wählten wir eine Region, über welche es nur wenig zu lesen gab, und wohin nur Tagestouren angeboten wurden: Den Ang Thong Marine Nationalpark . Dieser besteht aus 42 Inseln und war bis zu seiner Erklärung zum Naturschutzgebiet nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, weil die thailändische Marine den Plan hatte, dort zum Schutz des Golfs von Thailand eine Marinebasis zu errichten. Von Samui aus operieren mehrere Firmen mit Tagesausflugsbooten. Das sind einerseits Speedboote, und andererseits größere Ausflugsboote, die Kajaktouren  vermitteln.



 

Das wichtigste Stück Papier: Bitte holen Sie uns am Donnerstag ab!

Nach einem Hamsterkauf, hauptsächlich aus Dosen mit Baked Beans und Kanistern voll Wasser bestehend, begaben wir uns auf eines der Ausflugsbote und fuhren unserem ungewissen Schicksal entgegen. Glücklicherweise trafen wir auf dem Schiff ein nettes thailändisches Paar in seinen Flitterwochen, das wir baten, uns die wichtigsten Sätze auf ein Stück Papier zu schreiben. Unter anderem einen Satz, der sich als besonders essentiell erweisen sollte: „Bitte holen Sie uns am Donnerstag ab!“

Nachdem sich die große Reisegruppe auf der einzigen Insel des Nationalparks, die für Besucher geöffnet war, verstreut hatte, sprachen wir dort einen Fischer an und baten ihn, uns auf eine der entlegenen Inseln des Naturparks zu bringen. Unser Sprachkurs auf dem Schiff erwies sich hier schon mal als recht hilfreich. Nach freundlichen, aber bestimmten Verhandlungen, nahm uns der Fischer in seinem Boot mit und brachte uns auf die andere Seite der Insel, wo wir die Nacht mit den Fischern und inmitten ihrer Familien verbrachten, was uns endlich den ersten Eindruck von einem Thailand vermittelte, wie es wohl vor Zeiten der Pauschalreisen gewesen sein mag. Voll Vorfreude und Aufregung blickten wir einer spannenden Woche entgegen.

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Am nächsten Tag fuhren wir dann stundenlang durch den Nationalpark, bis wir eine Insel gefunden hatten, die unseren Vorstellungen entsprach und auf der auch noch einige Fischer lebten. Anfänglich waren wir etwas enttäuscht, dass wir nun nicht das Robinson-Crusoe-Idyll der unbewohnten Insel vorfanden, rückblickend finde ich es jedoch sehr sorgsam von unseren Fischerfreunden, dass sie uns nicht auf Gedeih und Verderb für eine Woche auf einer einsamen Insel mitten im Nirgendwo aussetzen. Wieder machte sich unser Crashkurs Thailändisch bezahlt und als unser Boot davonfuhr hofften wir, dass unser „Shuttle“ am Donnerstag auch wirklich zurückkommen würde.



 

In kürzester Zeit hatten wir es uns am Strand eingerichtet, einen Verschlag aus Palmenblättern gebaut und die größten Ameisen mit den schmerzhaftesten Bissen, die ich bis dahin jemals gesehen hatte, zu meiden gelernt. Nachdem so eine Woche auf einem Strand ohne weitere Mitreisende mit Aktivitäten gefüllt werden will, unternahmen wir den Versuch Krabben zu fangen, der für viel Unterhaltung sorgte und mich wundern ließ, wie viel Angst ein erwachsener Mann von so einer auf ihn zurasenden kleinen Krabbe haben kann. Nachdem wir etwa vier Krabben gefangen hatten, die sich bei näherer Betrachtung jedoch nicht besonders schmackhaft und reichhaltig zu sein schienen, ließen wir sie wieder frei und widmeten uns unseren M&Ms. Da wir für unseren Trip nur das Nötigste eingekauft hatten – auch um auf der Fähre mit unserem Gepäck nicht weiter aufzufallen –fiel die Schokoration leider etwas spärlich aus und wir bekamen jeder genau drei M&Ms am Tag, welche bis heute die besten M&Ms sind, die ich jemals gegessen hatte. Und eines sei hier noch angemerkt: Sie schmelzen nicht erst im Mund!

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Die Begegnung mit Mr. Pat, dem Dorfältesten

An einem der ersten Tage als unser Entdeckungsdrang wieder überhand nahm unternahmen wir auch einen Ausflug ins Inselinnere, wo wir ein kleines Dorf mit Fischern entdecken, die uns herzlich bei sich aufnahmen. Mr. Pat, der Dorfälteste, dem alle beim Sprechen ehrfurchtsvoll lauschten, war ebenso wie wir gespannt auf unsere ab nun täglich stattfindenden Zusammenkünfte und äußerst interessiert daran auch möglichst viel über unser Leben zu erfahren. Wir näherten uns im Laufe der Zeit an und lernten so Manches über die Fischer der Region, wie auch Mr. Pat und seine Familie unseren pantomimischen Erklärungen zu folgen versuchten. Eines nur konnten wir ihnen nicht erklären: Warum wir lieber am Strand schlafen wollten als in ihrem Dorf. Dem Klischee des Europäers, für den es das Tollste ist am Strand unter seinem mit eigenen Händen zusammen gezimmerten Verschlag übernachten zu können, wurden wir somit gerecht. Das dieses Klischee nicht unbedingt hunderte von stieläugigen Krebsen beinhaltet, die einen im Morgengrauen umgeben, anstarren und auf jede noch so kleine Bewegung hektisch reagieren, darauf war ich nicht vorbereitet. Gut nur, dass wir die vier Krebse freigelassen haben, wer weiß was hier sonst noch passiert wäre.



 

Am Donnerstag kam tatsächlich unser Boot an. Mit Freude sahen wir es anlegen, mit ein bisschen Wehmut blickten wir zurück auf „unsere Insel“, wo wir kennen lernen durften, dass es auch ein anderes Thailand gibt, das Thailand des Mr. Pat.

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Informationen:

Der Ang Thong Marine Nationalpark besteht aus 42 Inseln, die hauptsächlich aus Kalksteinbergen und steilen, bis zu 396 Meter hohen  Klippen gebildet werden. Diese sind von ähnlich seltener Schönheit wie die der Phang Nga Bucht im Westen Thailands. Nur ist dieser Nationalpark weniger bekannt und deshalb noch näher an seinem ursprünglichen Zustand. Der größte Teil des Nationalparks besteht aus Wasser und Wald, der rund ein Fünftel seiner Fläche ausmacht. Da die Erdschicht auf den Inseln ziemlich dünn ist, gibt es wenige wirklich große Bäume.

Der Nationalpark umfasst eine Fläche von 102 km².