Australien Reisebericht:
Die Straße der Abenteuer

Einmal quer durch den roten Kontinent – davon träumt so mancher abenteuerlustige Australien-Besucher. Allein die Umsetzung ist nicht immer so einfach und unproblematisch, da man sich als unerfahrener Allradfahrer nicht unbedingt allein ins australische Outback wagen sollte. Denn die Traumstraße der Abenteuer, die die Städte Cairns an der Ostküste und Broome an der Westküste verbindet, verläuft nicht weniger als 3.500 km über z.T. recht raue Offroad-Pisten, die Fahrer und Fahrzeug einiges abverlangen.

15 Nationalparks liegen an der Strecke und laden ein zu vielfältigen Aktivitäten, wie Bushwalking, Tierbeobachtungen, Baden, Kanufahren, Ballooning, Angeln, Rundflügen etc.

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Inklusive der zahlreichen, lohnens-werten Abstecher dehnt sich so die Gesamtdistanz auf bis zu 7.000 km aus, eine Strecke, die –wenn man alles genießen möchte- durch-aus bis zu 2 Monate Zeit beansprucht.

Damit dieses Abenteuer aber auch für den unternehmungslustigen Normalurlauber möglich ist, bieten wir in 2 jeweils 3-wöchigen Ab-schnitten den Savannah Way als deutschsprachige, begleitete 4WD-Selfdrivetour an. Wir haben den gesamten Savannah Way vorab befahren und zeigen Ihnen alle Highlights dieser abwechslungsreichen Traumroute.


 

Teil 1: Cairns – Darwin (3.600 km)

Willkommen in Cairns – dem Tor zum Great Barrier Reef ! Im Lande-anflug, von Brisbane kommend, reißt die bisher dichte Wolkendecke mehr und mehr auf und ich kann von oben das türkisfarbene Meer, zahllose Korallenriffe und viele, winzige Trauminseln mit schneeweißen Stränden bewundern. Bis zum Horizont und weit darüber hinaus streckt sich dieses Gebiet über den Ozean und bildet damit eins der größten Naturwunder der Erde, ist damit gleichzeitig Anziehungspunkt für zahllose Besucher aus allen Teilen der Welt und eins der beliebtesten Wassersportreviere auf dem Planeten. Sogar aus dem Welt-raum ist das Barrier Reef zu erkennen und man kann die gigantische Ausdehnung und Größe deshalb auch nur erahnen.

Jörg, mein Reisepartner, den ich in Cairns treffen werde, hat gestern eine Tagestour ins Riff mitgemacht und ist eingetaucht in die phantastische Unterwasserwelt des Riffs. Eigentlich ein Muss für jeden Cairns-Besucher, aber nicht alle können das wirklich genießen.

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Manchmal zeigt sich die See auch von ihrer rauen Seite und die etwa 1 ½-stün-dige Fahrt mit dem Katamaran hinaus zum fest verankerten Ponton, der Tauch- und Schnorchelbasis, stellt einen ersten Härtetest insbe-sondere für den Magen dar. Er hat´s wohl gut überstanden, berichtet er mir am gleichen Tag, doch die Hälfte der Passagiere hat intensiv „die Fische gefüttert“.

Über Cairns hat sich die Wolkendecke wieder geschlossen und die Landung ist feucht, es regnet – willkommen in den Tropen ! Beim Ausstieg schlägt mir die feucht-schwüle, aber warme Luft entgegen, die Vegetation rund um den Airport ist üppig grün und viele bunte, tropische Vögel bieten einen kreischenden Empfang.


 

Kurz drauf stehe ich bereits an der Britz-Vermietstation, die sich ganz in der Nähe des Airports befindet. Nach Erledigung der Formalitäten mit dem zusätzlichen Abschluß des „No-Worry-Paketes“ (Vollkasko-Versicherung) sowie einer kurzen Einweisung übernehme ich den reservierten Bush-Camper und hole Jörg am Hotel ab. Er sitzt bereits in der Empfangshalle des Cairns Colonial Club Resorts auf seiner gepackten Tasche und sieht unserer Tour ebenso gespannt entgegen wie ich, naja vielleicht doch ein wenig mehr, denn ich habe ja bereits den 2.ten Teil der Strecke (Darwin-Broome) bereist und bin in seinen Augen deshalb auch schon „ein alter Hase“ mit Buscherfahrung.

So gilt unser erster Weg auch der Suche nach einem Supermarkt und einem Bottle-Shop, wo wir unsere Vorräte für die nächsten Tage auffüllen und nur wenig später befinden wir uns bereits „on tour“ auf dem Kennedy Hwy Richtung Mareeba. Die Vegetation ist üppig, wir fahren durch tropische Regenwald-Vegetation, mächtige Bäume säumen die Straße, umringt von Schlingpflanzen, Lianen und Bromelien, das es regnet, wundert uns deshalb nicht.

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Wir haben die erste Hügelkette überquert und kurz drauf sind die Straßen wieder trocken, die Vegetation lichtet sich und die ersten Weiden und Obstanbauflächen sind zu sehen. Wir kommen in die sog. Tablelands, einer überwiegend landwirtschaftlich genutzten Hochland-ebene, Kaffee, Mangos, Avocados, Orangen, der fruchtbare Boden bietet den ansässigen Farmern die Grundlage für ihre Existenz, die Farmen und Siedlungen sind sauber und gepflegt, kleinere Neubau-siedlungen lassen einen gewissen Wohlstand erkennen.

Schließlich erreichen wir unser erstes Tagesziel, die Kleinstadt Mareeba. Hier wollen wir am nächsten Morgen zu unserem ersten „Abenteuer“ starten. Andrew Steel, Managing Direktor von „Balloon with Hot Air“ hat mich eingeladen, an einer Ballonfahrt teilzunehmen. Eine solche Einladung kann ich natürlich nicht abschlagen und so suchen wir uns den nächstgelegenen Campingplatz.


 

Wenige km außerhalb begrüßt uns die Inhaberin dann auch über-schwenglich und weist uns einen freien Platz zu, nicht ohne uns gleichzeitig zum Barbeque einzuladen, das am Abend auf dem Platz stattfinden soll. You are very welcome to have some cool beers“, denn schließlich könnte es auch etwas lauter werden, erklärt sie uns. Will-kommen in Australien ! – kaum angekommen, sind wir bereits von der Gastfreudschaft der Aussies überwältigt.

Und so machen wir uns wenig später auf Richtung Rezeption, wo sich zahlreiche Stammgäste des Platzes in lockerer Runde zusammenge-funden haben und uns herzlich willkommen heißen. Der Grill ist zwar bereits wieder aus, aber kaum haben wir Platz genommen, wird uns schon aus einem King-Size-Kühlschrank das erste kalte Bier gereicht. Gleichzeitig werden wir aufgefordert, am bereits gestarteten Quiz teil-zunehmen. Es werden Zettel verteilt, auf denen man die vom Quizmaster (Platzwart) mit viel Witz und Ironie gestellten Fragen im Multiplichoice-Verfahren beantworten soll. Schon das Stellen der Fragen erzeugt größtenteils schallendes Gelächter und mit großem Enthusiasmus gehen die Teilnehmer daran, ihre Zettel auszufüllen.

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Unversehens stellen wir fest, dass wir mitten in eine Slapstick-Komödie hineingeraten sind. Man macht sich über sich selbst lustig, nimmt den Nachbarn „auf´s Korn“, schmeißt Kommentare im Stil der Muppet Show in die Runde und animiert mit tosendem Applaus den Quizmaster zu musikalischen Einlagen, welcher dann auch gleich zur Gitarre greift und mit erstaunlich guter Stimme Eigenkompositionen aber auch Cover-Stücke bekannter Interpreten wie z.B. Bob Dylan von sich gibt.

Zum Schluß werden die Sieger ermittelt und dürfen sich über Preise freuen, die meist etwas „anzüglich“ sind und in erster Linie auf das Liebesleben jeden Einzelnen abzielen, egal ob 20 oder 80 Jahre. Alle haben ihren Spaß und auch die älteren, z.T. schon zahnlosen, in ab-getragenen Turnhosen erschienenen, offensichtlichen Dauer-Camper finden gar nichts dabei, sich auf einen Stuhl zu stellen und ihren Erotik-Preis stolz in die Runde zu zeigen.

Wir bedanken uns schließlich für die Einladung und legen uns äußerst amüsiert schlafen mit der Gewissheit, hier gleich am ersten Tag einen Einblick in typisch australisches Camperleben erhalten zu haben.


 

Früh um kurz nach 04:00 Uhr haben wir uns bereits den Wecker gestellt, frei nach dem Motto „der frühe Vogel fängt den Wurm“ finden wir uns pünktlich am vereinbarten Treffpunkt am Mareeba Heritage & Visitor Center ein, wo auch das Team von Hot Air Ballooning zeitgleich ankommt. Zusammen mit ein paar anderen Gästen fahren wir in stock-finsterer Nacht raus aus Mareeba und halten außerhalb auf einem ab-geernteten Stoppelfeld. Ein weiteres Ballonteam positioniert sich 200 m weiter und sofort beginnen die Aufbauarbeiten für den Heißluftballon. Jeder Handgriff sitzt, man merkt sofort, hier hat man es mit Profis zu tun.

Als erstes wird zunächst der Wind geprüft. Ein Luftballon wird aufge-blasen, eine weiße Plastiktüte drangehängt und ein Teelicht reingesetzt und schon entschwebt diese simple Technik gen Himmel, zu-nächst geradewegs nach oben, dann beschreibt der „Windbeutel“ einen weiten Bogen nach links oben, wechselt wieder die Richtung spiralförmig und steigt unaufhörlich weiter, Richtung Mond. Ein fas-zinierendes Schauspiel. Man erkennt nur noch den Schein des Tee-lichtes, der sich immer weiter entfernt, bis sich der winzige Lichtpunkt irgendwo in der Dunkelheit ganz auflöst.

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Am Horizont ist das erste zarte Morgenlicht zu erkennen, da sind die wichtigsten Vorbereitungen getroffen, die Ballonhülle liegt ausgebreitet auf dem Feld, der Jeep bestrahlt die riesigen, bunten Stoffbahnen mit seinen Scheinwerfern, der Korb mit dem Brenner ist in Position ge-bracht und 2 Mann vom Team stehen bereit, den Feuerstrahl in den Ballon zu leiten. Stück für Stück bläht sich der Ballon weiter auf und langsam nimmt er Formen an. Die runden Konturen zeichnen sich gegen den allmählich heller werdenden Morgenhimmel ab und die stoßweise in den Ballon fauchende Flamme vermittelt das Gefühl eines erwachenden Drachen.

Dann ist es soweit, beide Ballons stehen leicht schwankend am Boden, nur noch gehalten von den Sicherungsleinen. Mittlerweile sind weitere Gäste aus Cairns mit Kleinbussen eingetroffen. Die Teams teilen die Passagiere ein (20 Personen pro Korb), eine Fotografin hält jeden einzelnen beim Einstieg im Bild fest und wenige Augenblicke später hebt der Ballon ab, strebt geräuschlos dem Himmel mit der aufgehenden Sonne entgegen, ein perfektes Timing. Nur der gelegentlich fauchende Brenner mit seiner heißen Stichflamme stört die morgendliche Stille ein wenig.

Dafür ist der sich auf tuende Rundumblick phantastisch. Während die am Boden immer kleiner werdenden Team-Mitglieder die Begleitfahrzeuge wieder besteigen, beschreiben wir mit dem Wind einen ausladenden Kreis rund um die Tablelands, können weit entfernt die wolken verhangenen Hügelketten rund um Cairns sehen, blicken auf symetrisch angelegte Obstplantagen unter uns und winken den Gästen des parallel aufgestiegenen Zweitballons mit dem im morgendlichen Sonnenlicht erstrahlenden Schriftzug AUSTRALIA zu, die Szenerie wirkt schon fast ein wenig kitschig, doch einen besseren Tagesstart kann man sich eigentlich nicht wünschen.


 

Nach einer guten halben Stunde setzt unser Pilot zu einer perfekten Landung an, nur wenige hundert Meter von unserem Startplatz ent-fernt. Mit vereinten Kräften wird anschließend der Ballon zusammengefaltet und verladen und natürlich darf zum Schluß das obligatorische Gruppenfoto nicht fehlen.

Kurz nach 08:00 Uhr morgens verabschieden wir uns; während die anderen Gäste nach Cairns zurückgebracht werden, fahren wir nach Mareeba zurück, um dort zu frühstücken und unsere Reise dann an-schließend fortzusetzen.

Auf dem Weg weiter Richtung Süden durchfahren wir die hügelige und anmutige Hochlandschaft der Tablelands. Obstplantagen, Felder, Wiesen und Weiden säumen unseren Weg, es grünt überall und die Farmen am Wegesrand erwecken den Eindruck, das hier die Welt noch in Ordnung ist. Atherton ist der schmucke Hauptort der Table-lands-Region, wirkt auf uns aber eher etwas verschlafen, naja es ist ja auch noch recht früh und außerdem Sonntagmorgen.

Leichter Nieselregen hat jetzt wieder eingesetzt, doch unserer Stim-mung tut dies keinen Abbruch, wir genießen die Fahrt und erreichen bald darauf die Zufahrtsstraße zu einem der schönsten Wasserfälle dieser Region. Offenbar sind wir die einzigen Touristen an diesem Morgen, denn der Parkplatz ist leer. Ein schmaler, 100 m langer Fußweg führt über einige Stufen durch tropfnasses Pflanzendickicht, wir scheuchen ein paar wilde Truthähne auf und erreichen einen Aussichtsplatz, von dem aus der Millaa Millaa Fall sehr schön zu sehen ist. Rund 70 m stürzen die Wassermassen in einer Breite von ca. 10 Metern über eine Felskante hinab und ergießen sich in einen einladenden Badepool. Dichtes Grün von tropischen Pflanzen umwuchert den Felskessel, bunte Blumen, Lianen und Flechten sowie bis zu 5 m hohe Farne wachsen rundherum und bieten ein Gesamtpanorama, das einzigartig ist und zum Verweilen einläd. Sogar der Nieselregel passt dazu.

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Auf einer Informationstafel sehen wir, dass es sogar eine offizielle Route der Wasserfälle, den sog. Waterfall Circuit gibt, der die schönsten Wasserfälle der Region, die Millaa Millaa, Elinjaa, Zillie und Mungalli Falls sowie einige weitere kleinere Fälle miteinander verbindet.

Wir kehren zurück auf den Savannah Way, der hier noch die Bezeichnung Kennedy Hwy trägt und besuchen hinter Palmerston die Millstream Falls im gleichnamigen National Park. Dieser Wasserfall gilt als einer der breitesten Fälle bei einer Höhe von ca. 15 m. Mittlerweile hat sich in diesem Bereich das Landschaftsbild deutlich verändert. Der National Park besteht aus überwiegend trockenem Buschland mit Eukalyptus-Wäldern. Die tropische Vegetation ist komplett zurückgetreten und der Regen hat sich verabschiedet.

Wir haben den Gulf Savannah District erreicht, der unserer Route den Namen gegeben hat. Rechts und links der Straße wächst nur noch niedriges Buschwerk, hin und wieder zeugen schwarze Flächen und verkohlte Baumstämme davon, das es vor kurzem noch gebrannt ha-ben muß, was uns jedoch nicht weiter beunruhigt, da die meisten Buschbrände in Australien gezielt gelegt werden, um den Busch niedrig zu halten und Großbrände zu vermeiden. Wir sehen die ersten Kängurus, allerdings nur als tote, überfahrene Kadaver am Straßen-rand.


 

Auch die Straße selbst hat sich verändert. Es gibt nur noch ein ein-spuriges Asphaltband. Bei Gegenverkehr, der aber mittlerweile sehr selten geworden ist, muß man mit den linken Rädern auf den ge-schotterten Randstreifen ausweichen, um nicht zu kollidieren. Allerdings mit einer Ausnahme. Bei entgegenkommenden Lkw´s, hier die sog. Road-Trains, verlassen wir uns lieber nicht auf diese Methode. Hier heißt es nur: runter von der Straße und anhalten, zur Not in den Graben – denn ein Road-Train weicht nicht aus, hält auch nicht und reduziert schon gar nicht seine Geschwindigkeit ! Ein Kräftemessen würde zur Katastrophe führen.

Normanton – 447 km ! Wir haben das Ende des Kennedy Hwy erreicht und biegen nach rechts ab gen Westen. Eine braune Hinweistafel mit dem Emblem des Savannah Way zeigt uns die Richtung. Jetzt beginnt das Outback-Erlebnis. War der Gegenverkehr bislang sehr spärlich, geht er jetzt fast gegen Null. Wir sind allein auf weiter Flur. Rechts und links der Straße säumt tiefrote Erde den Weg und die Gräser und Büsche am Rand sind von rotem Staub überzogen. Der inzwischen stahlblaue Himmel bietet einen perfekten Kontrast dazu. Schnurgerade zieht sich das Asphaltband bis zum Horizont. Irgendwo ganz weit dahinten liegt der Golf von Carpentaria, doch zunächst haben wir ein anderes Ziel im Visier.

Schon nach 17 km weist ein weiteres Schild links den Weg zum Undara Volcanic N.P., den wir nach wenigen Km erreichen. Dieser Nationalpark ist bekannt für die weltweit größten Lava Tubes (Höhlen), die sich vor rund 100.000 Jahren als Folge von Vulkanausbrüchen gebildet haben.

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Heute existiert hier ein außergewöhnlicher Nationalpark mit ebenso außergewöhnlichen Unterkunftsmöglichkeiten. Alte, ausrangierte Eisenbahnwaggons wurden hergeschafft und in Hotelzimmer umgebaut. Soweit möglich wurden die Waggons so belassen, nur anstelle der Sitze wurde ein Bett eingebaut, die Gepäckfächer und viele andere Accessoires zeugen immer noch von der historischen Bahnatmosphäre der Goldgräberzeit.

Gleich nebenan befindet sich der schöne Campground. 1860 kam die Familie Collins als erste Siedler in diese Region und gründete eine Farm. Früh erkannten Sie die Einzigartigkeit dieses Höhlensystems, sowohl aus ökologischer wie auch geologischer Sicht. Ende der 80er Jahre konnte Gerry Collins, Sohn in 4.ter Generation, den Staat Queensland überzeugen, dieses Gebiet als Nationalpark zu schützen und 1990 entstand die touristische Infrastruktur dazu. Seitdem betreibt er die Undara Experience. Neben den geschaffenen Unterkünften werden zahlreiche geführte Touren durch den N.P. angeboten und besondere Events wie z.B. Opernaufführungen organisiert. Hier fest stationierte „Savannah Guides“ stehen den Gästen mit Rat und Tat zur Seite und führen Sie auch fachkundig auf den Wanderungen durch den Park.

Wir finden einen sehr schönen Stellplatz auf dem Campground und melden uns gleich für die gegen Abend stattfindende „Wildlife at Sunset – Tour“ an. Um 17:00 Uhr soll es losgehen. Am Platz erhalten wir zwischenzeitlich ersten, neugierigen Besuch, einige Wallabies und Kängurus lassen sich sehen und in den Bäumen krächzen Kakadus und Rosella-Papageien.

Über das Fotografieren achten wir gar nicht auf die Zeit und mit 3 Minuten Verspätung erscheinen wir deshalb am Treffpunkt für die Tour. Jim, der Savannah-Guide und die weiteren Teilnehmer warten bereits ungeduldig auf uns, wir sind die einzigen, die nicht pünktlich sind.


 

Mit einem Kleinbus geht es zunächst in den Bush. Auf sandigen und steinigen Wegen erklärt uns Jim die Beschaffenheit des Parks, die Flora und Fauna und hält unentwegt nach Tieren Ausschau. Es dauert nicht lang, da kommen die ersten Kängurus bzw. Wallabies in Sicht. Es wird gestoppt, ein, zwei Meter zurückgefahren, dabei erklärt, welche Gattung wir sehen, ob Männchen oder Weibchen, braun oder schwarz, usw. Und da in der Abenddämmerung bekanntlich die Tiere hervorkommen, wiederholt sich diese Prozedur alle paar Minuten. In Anbetracht der Tatsache, dass uns eben noch die Kängurus direkt vor unserem Camper Auge in Auge gegenüber saßen, erscheint uns dieses Prozedere allerdings etwas übertrieben. Außerdem finden wir es auch nicht so spannend, in einem Bus hier durchzufahren.

Aber Jim gibt sich dafür sehr viel Mühe, alles Wissenswerte zu berichten. Schließlich halten wir, steigen aus und klettern einen kleinen Hügel hinauf, von dem man einen schönen Ausblick über das um-liegende Gelände hat und die Wildnis hat. Zur Belohnung hat Jim ein paar Flaschen Sekt und einige Häppchen mitgebracht. Dies wiederum ist eine nette und schöne Geste. Wir genießen den kühlen Tropfen und am Horizont versinkt gleichzeitig die Sonne in spektakulären Farben zwischen den wie in Szene gesetzten Schönwetterwolken.

Zurück am Bus fahren wir noch ein kleines Stückchen weiter und erreichen den Einstieg in die Lava-Höhlen. Zu Fuß geht es weiter. Jeder hat eine Taschenlampe bekommen. Die Dunkelheit kam plötzlich und innerhalb von Minuten. Jim geht voraus und deutet uns, zu warten. Er erkundet nun den Einstieg in die Höhle. Nach ein paar Minuten kommt er zurück mit der Meldung „no Snakes today“. Wir folgen ihm einen Holzsteg entlang, Stufen führen weiter hinab in die Höhle, Büsche, Sträucher und kleinere Bäume verdecken den Eingang. Ein kurzer Luftzug an meinem rechten Ohr lässt mich hochschrecken. Da, noch mal und ein weiteres Mal, Fledermäuse, für den Bruchteil von Sekunden sind nur winzige Schatten erkennbar, sausen durch die Luft, auf der Jagd nach Insekten. Hunderte, ja Tausende müssen es sein, die jetzt bei Dunkelheit aus der Höhle strömen. Jim gibt zu verstehen, dass wir uns ruhig verhalten sollen, auf ein Zeichen richtet er seinen mitgenommenen Scheinwerfer in die Höhle und lässt die Dunkelheit erstrahlen. Aus allen Richtungen fliegen die kleinen „Bats“ auf uns zu und drehen im allerletzten Moment ab. Wie ein Wunder wird niemand getroffen. Blitz- und reaktionsschnell sausen sie durch die Lüfte.

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Fasziniert betrachten wir das Schauspiel, in der Gewissheit, dass keine Gefahr für uns besteht. Eine Gefahr ganz anderer Art gibt es jedoch für die Fledermäuse selbst. Meist lauern in den Bäumen und Büschen vor dem Höhleneingang Schlangen, um die ausschwärmen-den Bats im Flug zu erwischen. Doch Jim erklärt uns, das es um diese Zeit zu kalt ist für die Schlangen und wir sie deshalb heute nicht sehen werden. Beim Ausstieg jedoch, hält er uns plötzlich zurück, eine gelbe Baumschlange, rund 2 m lang, befindet sich direkt über uns in einem Baum und lauert auf Beute. Angeblich sind diese Schlangen für Menschen ungefährlich. Es gelingt mir, die Schlange im Licht der Taschenlampe zu fotografieren, leider sehen wir nicht, ob sie erfolg-reich war. In der heißen Jahreszeit jedoch, soll es hier von Schlangen nur so wimmeln und die Chance, das Schauspiel der Fledermausjagd live mitzuerleben, liegen dann sehr hoch.

So hat sich diese Tour durch dieses Wildlife-Erlebnis für uns doch noch gelohnt. Am nächsten Morgen wollen wir unsere Tour fortsetzen, nicht jedoch ohne die Lava Tubes im Tageslicht zu sehen. Zunächst aber folgen wir der Einladung von Gerry Collins, den ich in Brisbane kennen gelernt habe, am „Breakfast in the Bush“ teilzunehmen. Morgens ab 08:00 Uhr gibt es rund 200 m hinter den Unterkünften und dem offiziellen Restaurant einen Platz mitten im Bush, an dem man ein sehr ursprüngliches, typisch australisches Frühstück einnehmen kann. Ein Mitarbeiter des Camps bereitet über dem offenen Feuer den Kaffee, auf einem offenen Grill mit Eisenplatte werden die Eier und der Speck gebacken bzw. gegrillt, heißes Wasser für den Tee und alle anderen Zutaten stehen bereit und wer einen Toast möchte, nimmt einen der Eisenhaken, die an der Feuerstelle bereit hängen, in die Hand, schiebt einen Toast in das zurecht gebogene Ende und hält es übers Feuer bis der Toast die Farbe wechselt. Platz nimmt man auf Baumstämmen und auch als Esstisch dient ein Baumstumpf, der davor steht. Dazu erzählt der Camp-Koch Anekdoten aus dem Bush oder man unterhält sich mit den anderen Frühstücksgästen. Ein uriges Breakfast, sehr originell und outback-style.


 

Danach treffen wir wieder auf Jim, diesmal für unsere Begriffe pünktlich, doch auch bereits 1 Minute nach offiziellem Startzeitpunkt der Lava Tubes Tour, werden wir bereits wieder ausgerufen. Ich dachte immer, die Tugend der Pünktlichkeit ist nur uns Deutschen vorbehalten. Wir starten also wieder mit dem Bus, fahren wieder die gleiche Strecke wie am Abend zuvor, hören wieder die gleichen Erläuterungen über Flora und Fauna, erfahren wie man zum Savannah-Guide wird und erreichen endlich wieder den Einstieg in die unterirdischen Höhlen. Wir sind davon überzeugt, dass Jim sein Bestes gibt, aber seine Erklärungen sind für unsere Begriffe so ausführlich, dass diese eher für eine Expedition von Geologen geeignet scheint als für normal touristisch interessierte Besucher. Alle 10 Meter hält er an, hält einen Vortrag über die Entstehungsgeschichte der Lava Tubes, die einzelnen Gesteinsschichten und –strukturen, die Flußrichtung der Lava und all die Geheimnisse und Vermutungen, die die Wissenschaftler bis heute noch nicht gelöst haben. Dabei sieht man im Grunde recht wenig, weil es in den Höhlen sehr dunkel ist und das spärliche Licht der mitgenommenen Lampe die Ausdehnungen nur erahnen lassen. Wir sind deshalb froh, als diese 2-Stunden-Tour vorbei ist und sind uns einig, dass die eine Tour am Vorabend gereicht hätte.

So verlassen wir den Undara N.P. gegen 10.00 Uhr wieder, kehren zurück zum Savannah Way und streben weiter dem Westen entgegen. Rechts führt eine staubige Piste ins Nirgendwo, Savannah Way, Alt. Route, Normanton 718 km, ist darauf zu lesen, diese Piste verbindet lediglich die weit verstreuten Farmen im Outback Queenslands. Es reizt uns zwar, hier abzubiegen, aber leider reicht unsere Zeit nicht für derartige Abstecher. Das Abenteuer wäre sicher garantiert. Wer diese Route wählt, sollte auf jeden Fall über genügend Spritreserven und mindestens 2 Ersatzräder verfügen.

In Mount Surprise, einem überschaubaren Ort mit 10-20 Gebäuden halten wir am Roadhouse, um unsere Tanks aufzufüllen. Einige bis zu 50 m lange Roadtrains stehen am Straßenrand, Viehtransporter mit 3 Anhängern, bei der Vorstellung, wie diese gewaltigen Straßenmonster stundenlang über die endlosen Pisten fahren, tun mir die Rinder leid, die eng an eng in dem fahrenden Käfig stehen müssen. Daneben steht ein roter Allrad-Bus mit der Aufschrift „Alice Springs - Darwin – Cairns“. Dieser Bus bewältigt diese enorme Strecke in kürzester Zeit. Allein die Etappe von Darwin nach Cairns von rund 3000 km legt er in nur 4 Tagen zurück und die Werbung verspricht ein „relaxtes“ Fahren mit viel Zeit für „Activities“. Mit viel Phantasie lässt sich halt alles verkaufen.

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Während des Messebesuchs in Brisbane hatte ich den Tipp bekommen, in Mount Surprise nach „Russel“ zu fragen, der hier wohnen soll, doch leider ist er nicht zuhause, wie mir die Inhaberin des Roadhouses verrät. Er wohnt gleich nebenan und ist als Snake-Man bekannt. Wenn man das Glück hat, ihn anzutreffen, bekommt man eine ganz private Schlangenshow geboten. Na, vielleicht das nächste Mal.

Unmittelbar hinter dem Ort befindet sich eine Art Autowaschanlage am linken Straßenrand. Über große Hinweistafeln werden die Autofahrer aufgefordert, hier durchzufahren, um Dreck und Staub und damit auch evtl. sich am und unterm Fahrzeug festgesetzte Tiere und Bakterien abzuspülen, die sonst dazu führen können, dass Krankheitserreger eingeschleppt und übertragen werden, die die Obst- und Gemüseern-ten gefährden könnten. In Australien gibt es bislang keine Fruchtfliegen und dabei soll es auch weiter bleiben.

Wir folgen weiter der Hauptroute bis Georgetown, einer ehemaligen Goldgräberstadt, wo wir eine kurze Mittagsrast einlegen. Von hier führt eine weitere Nebenroute zur Cobbold Gorge, rd. 100 km entfernt. Auch heute noch sind dort einige Minen in Betrieb, wo nach Edelsteinen, Gold und Mineralien gesucht wird. Die Cobbold Gorge selbst besteht aus einem Schluchten- und Canyonsystem mit tropischem Pflanzenbewuchs, in dem man sehr schöne Bootstouren und Wanderungen unternehmen kann. Für uns ist aber auch dieser Abstecher heute nicht drin.


 

So zieht sich der Savannah Way weiter durch die trockene Steppen- und Savannenlandschaft, gelegentlich sehen wir verstreut umherlaufende und grasende Rinder. Hinter Croyden verläuft parallel zur Straße die Eisenbahnlinie des „Gulflander“. Diese mittlerweile historische Eisenbahn wurde zur Zeit des „Goldrushs“ gebaut und diente den „Minern“ zum Transport ihrer Materialien und abgebauten Gesteine. Heute ist die Strecke umfunktioniert in eine Sightseeing Route für Touristen und verkehrt 2x wöchentlich zwischen Croyden und Normanton.

Normanton – wir erreichen den ersten größeren Ort seit langem, mit rd. 2000 Einwohnern kann man Normanton bereits als Großstadt be-zeichnen. Am Ortseingang weist eine überdimensionale Figur eines Fisches bereits darauf hin, dass wir uns in der Nähe der Küste befin-den und damit das Zentrum der Barramundi-Fischerei erreicht haben. Wir füllen unsere Vorräte auf und kommen zur Hauptattraktion des Ortes. Neben der Hauptstraße steht eine in Originalgröße gestaltete Nachbildung von Krys, „the Savannah King“. Im Juli 1957 wurde hier im Norman River das mit 8,63 m Länge weltweit größte, jemals gefangene Krokodil erlegt. Diese Skulptur macht deutlich, welche Gefahren nicht nur in dieser Region lauern. Überall im Norden Australiens kommen die für den Menschen äußerst gefährlichen Salzwasser-Krokodile vor. Besonders aber dieser Bereich scheint davon betroffen und es ist deshalb dringend davon abzuraten -egal wie heiß es ist- hier irgendwo baden zu gehen. Vielleicht hat Krys ja auch noch Nachkommen oder Geschwister, die nur darauf warten, einen anständigen Happen zu erwischen, bekanntlich können Krokodile ja sehr alt werden. Trotz dieser Gefahr üben diese urzeitlichen Echsen auf mich eine große Faszination aus.

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Wir verlassen Normanton am späten Nachmittag und fahren die letzten 70 km bis Karumba an der Golfküste. Das Bushland ist zurückgetre-ten und einem flachen, nur mit einzelnen Sträuchern durchsetzten Fluß-, Lagunen- und Kanalsystem gewichen. Lauern hier die Croc´s bereits auf uns ? Es öffnet sich eine schier unendliche, weite Ebene. In der Regenzeit muss dieses Gebiet komplett unter Wasser stehen. Wir sehen zahlreiche Wasservögel, Enten, Kraniche, Pelikane, Reiher und Raubvögel. Die monotone Straße scheint direkt im Horizont und damit im Meer zu versinken. Schließlich tauchen doch noch die ersten Häuser auf. Karumba empfängt uns und zu unserem Erstaunen ist das erste, was wir sehen, ein Golfplatz ! Scheint zwar nicht gerade ein Platz für die Weltelite zu sein, aber offenbar lieben die Australier ihre Hobbys. Selbst in diesem Nest, am Ende der Welt will man auf diesen Sport nicht verzichten.

Was hier jedoch Sport No. 1 ist, ist unverkennbar. Fast jedes Fahrzeug und das sind in erster Linie nur noch Allrad-Fahrzeuge, hat eine Angelausrüstung am Dach oder vor dem Kühler. Hier dreht sich offenbar alles um Fisch und damit ist in erster Linie der Barramundi, Aus-traliens beliebtester Fisch gemeint. Auch ich habe aus diesem Grunde eine Angelausrüstung im Gepäck, wenn nicht hier, wo sonst sollte ich mein Glück versuchen. Karumba ist aber gleichzeitig auch Zentrum der Garnelenfischerei und von weitem sind auch einige hässliche Hafenanlagen zu erkennen.

Am Ortsrand weist ein auffälliges Schild den Weg zum Sunset Caravan Park und wir haben Glück, den einzigen freien Platz auf dem zu dieser Zeit i.d.R. ausgebuchten Campground zu bekommen, kurz vorher hat ein anderer Camper überraschenderweise seinen Aufenthalt abgebrochen. Dieser Platz ist wirklich voll und die Camper und Zelte stehen auch relativ dicht beieinander. Überall stehen Angeln herum, viele Fahrzeuge haben einen Trailer angehängt, auf dem ein Boot aufliegt. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre, man kennt sich, offenbar sind hier viele Stammgäste und Dauercamper.

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Nur 50 m vom Platz entfernt ist der wunderschöne Strand, der schnee-weiße Sand schimmert goldgelb in der untergehenden Sonne, einige Angler stehen am Rand und werfen ihre Köder aus, es sieht sehr viel versprechend aus, morgen werde ich es selbst probieren. Wir würden am liebsten noch ein Bad nehmen, aber diese Strände gehören den Krokodilen und ebenso sollen die Gewässer sehr Hai-haltig sein.

Am frühen Morgen gegen 06:00 Uhr werde ich wach und erschrecke. Draußen scheint es zu brennen, der Himmel ist feuerrot, doch bei näherer Sicht, erkenne ich, dass dies doch „nur“ der Sonnenaufgang ist. Ich stürze mit der Kamera nach draußen. Der Himmel ist von einer „Schäfchen“-Wolkendecke überzogen und im Licht der aufgehenden Sonne, glühen die einzelnen Wolkenbänke um die Wette. Eine Orgie in schwarz, orange, gelb, rosa, hell-, dunkel bis tiefrot, eine phantastische Stimmung.


 

Wir haben uns einen Ruhetag verdient. Heute bleiben wir den ganzen Tag hier. Nach ausgiebigem Frühstück am Camp gehen wir erstmal zum Strand rüber, um die Lage zu sondieren. Zahlreiche Angler stehen bereits wieder am Ufer und frönen ihrer Lieblingsbeschäftigung, einige waren auch bereits erfolgreich. Viele scheinen aber auch mit ihren Booten unterwegs zu sein, am Ufer steht eine Armada von leeren Bootstrailern.

Linker Hand in Bereich der Einmündung des Norman River säumen Mangroven das Ufer, Hinweistafeln warnen vor Krokodile ! Die Angler scheint dies jedoch nicht zu stören, sie stehen z.T. sogar ganz dicht am Wasser. Wir schauen eine Weile zu und fahren dann mit unserem Camper ein Stück den Strand entlang. Weiter nördlich wird es einsamer, die Strände sind traumhaft, das Wetter auch, nur noch vereinzelt sind andere Angler zu sehen. Hier ist der richtige Platz für uns Anfän-ger.

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Ein Australier hat gerade einen prächtigen Lachs gefangen und schenkt uns seine letzten Köder, einige Garnelen – das sieht ja vielversprechend aus. Doch nach Zusammenbau der Angel und dem ersten Wurf kommt die Ernüchterung. Schnursalat ! Es fehlte wohl die Übung und auch an der Technik hat es gemangelt. Die Angelschnur hat sich an der Spule komplett verheddert und erst nach 10 Minuten habe ich das Gewirr wieder entflochten. 2, 3 weitere Würfe und nichts hat sich gebessert. So sitze ich erstmal am Strand und bin etwas frustriert. Hätte ich mal zuhause erst ein wenig geübt. Gott sei Dank sind keine anderen Angler in unmittelbarer Nähe und können sich über mich lustig machen. Nur Jörg hat seinen Spaß.

Irgendwann habe ich dann aber den Dreh raus, plötzlich passt die Wurftechnik und mein Köder fliegt weit ins Meer. Immer und immer wieder hole ich ihn ein, werfe erneut, doch nichts passiert. Kein Biß. So vergehen ein bis zwei Stunden. Mittlerweile hat sich ein weiterer Angler in der Nähe niedergelassen und versucht´s ebenfalls. Plötzlich geht ein Zucken durch die Rute und die Schnur bewegt sich weg von mir in die entgegen gesetzte Richtung gegen die Strömung. Die Rute biegt sich immer mehr. Na endlich! Ich versuche, meinem Fang einzuholen, verfolge die Bewegung der Schnur und sehe aus dem Augenwinkel wie mein Angelnachbar das gleiche tut. Na super, da haben sich unsere beiden Köder miteinander verwickelt und jeder hat geglaubt, den Fang des Lebens gelandet zu haben. Leicht amüsiert gebe ich schließlich auf, zumindest weiß ich jetzt, wie man die Angel, ohne Schnursalat zu produzieren, auswirft. Gut, das wir uns für den Fall des Mißerfolgs einen Plan B für das Abendessen zurechtgelegt haben. Ein kleines Lokal in der Nähe hat mit leckeren Fischgerichten geworben.

Wir verbringen den restlichen Tag in der Umgebung, genießen den Strand und sehen den anderen Anglern zu, von Krokodilen allerdings fehlte jede Spur. Allmählich kehren auch die Boote zurück und viele Aussies kommen wohlgelaunt und erfolgreich zurück. Ein Charterboot bringt einige Gäste zurück, die einen Angelausflug mit Profis gebucht haben und aus den schweren Plastiktüten ragen überall Fischschwän-ze hervor, bis zu 70/80 cm Länge scheinen die geangelten Lachse und Barramundis zu haben.

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Am späten Nachmittag kündigt sich bereits wieder ein spektakulärer Sonnenuntergang an, die kleinen Wolken am Himmel sind perfekt arrangiert und durch den Blick übers Meer entsteht der Eindruck un-endlicher Weite. Ein einsames kleines Mangroven-Bäumchen steht im niedrigen Wasser des Ufersaums und bildet ein ideales Vordergrund-motiv für das sich anbahnende Naturschauspiel. Durch die tief stehen-de Sonne erstrahlen die Wolken in einem goldenen Licht, verändern ihre Farben im Minutentakt, um sich schließlich in glühenden Rot-tönen über den ganzen Horizont zu ergiessen. Wie auf Bestellung taucht zum Finale der riesige Feuerball der Sonne zwischen zwei Wolkenbänken auf und versinkt -z.T. verdeckt durch den Mangroven-baum- langsam und dramatisch im Ozean. Ein Bilderbuch-Sunset, von dem man eigentlich nicht genug haben kann.


 

Bei Fish and Chips und ein paar kühlen Bieren genießen wir den warmen Abend im benachbarten Lokal und machen uns am nächsten Morgen wieder auf den Weg. Die 70 km zurück bis Normanton sind schnell geschafft, unterwegs passieren wir die Weggabelung der 718-km-Alternativ-Piste, die wir hinter Undara schon gesehen hatten und die hier rauskommt. Wir stoppen noch kurz in Normanton, um uns den historischen Bahnhof des „Gulflander-Zuges“ anzusehen. Hier ist auch ein kleines Museum eingerichtet. Der Bahnhof selbst strotzt vor Blumenkübeln und bunten Pflanzen. In liebevoller Arbeit kümmert sich die Verwalterin um den üppigen Pflanzenwuchs und hält alles am blühen.

5 km hinter Normanton zweigt der Savannah Way nach rechts ab. Burketown, Doomadgee und Borroloola sind als nächste Orte ausge-schildert, jeweils mehr als 230 km pures Nichts liegen zwischen den einzelnen Distanzen, was allerdings auf dem Schild verschwiegen wird. Wir haben auf jeden Falls unsere Tanks gut gefüllt und können diesen Entfernungen gelassen entgegen sehen. Nur wenige Kilometer später gibt es einen abrupten Wechsel, für die nächsten Tage verab-schieden wir uns von der Asphaltstraße, ab jetzt geht´s offroad weiter, rote Schotter- und Sandpisten werden uns ab jetzt begleiten. Der All-radgang wird eingelegt, die Differenzialsperre an den Vorderrädern eingestellt und los geht es.

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Zunächst ist die Piste noch breit und ausladend, doch bald schon verengt sie sich und das Gras rückt bis an die Fahrspuren heran. Wir sind wieder allein auf weiter Flur, nur zahlreiche Rinder weiden in der Savannen-Landschaft. Eine schwarze Schlange rettet sich gerade noch vor den Rädern unseres Bush-Campers. Raubvögel kümmern sich um die zahlreichen Känguru-Kadaver an der Piste, die Natur regelt alles selbst, ein Straßendienst ist überflüssig. Nur nach der Regenzeit und schweren Unwettern werden die Pisten von Spezial-maschinen aufgeraut und gewalzt, um die tiefen Spurrillen und well-blechähnlichen Verwerfungen zu begradigen. So kann es sein, dass man durchaus mit Tempo 80-100 problemlos auf diesen Schotterpisten fahren kann. Trotzdem muß man jederzeit auf der Hut sein, Schlaglöcher, Auswaschungen oder andere Hindernisse erfordern die volle Konzentration beim Fahren.

Ein kleines „Road-Sign“ am Weg weist auf eine historische Sehens-würdigkeit hin. Wir zweigen ab und folgen einer schlechter werdenden Piste durch den Busch. Es geht nur noch max. mit Tempo 15-20 weiter. Tiefe Rinnen und Löcher stellen den Allrad erstmals auf die Probe. Dann aber scheint es nicht mehr weiter zu gehen, eine tiefer, von heftigen Regenfällen durchzogener Graben spaltet die Piste vor uns, Jörg meint, das war´s. Doch so schnell lass ich mich nicht aus der Ruhe bringen. Ich schiebe den 2.ten Gang der 4WD-Schaltung rein und ganz langsam arbeitet sich der Toyota in die tiefe Mulde, unser Campingaufbau ächzt und stöhnt, das Geschirr scheppert, aber so schnell lässt sich ein Toyota nicht in die Knie zwingen. Langsam klettert er auf der anderen Seite wieder hoch und weiter gehts.

Kurz darauf erreichen wir den „historical Marker“. Wir sind am Burks & Wills Camp No. 119. Am 09. Februar 1861 schlugen hier Robert O´Hara Burke und William John Wills sowie weitere Teilnehmer während einer Expedition ihr Camp auf. Tags drauf verließen Burks und Wills das Camp, um für einige Zeit die Gegend zu erkunden, doch auf dem Rückweg verloren Sie die Orientierung. Sie irrten in der Hitze im Busch umher, ihre Wasserreserven waren verbraucht und so fanden sie schließlich vor Erschöpfung den Tod. Nur ein Teilnehmer, der im Camp zurückgeblieben war überlebte dank der Hilfe eines Aboriginals. Die Geschichte dieser Expedition ist in großen Info-Tafeln erklärt und es wird einem bewusst, wie einfach und komfortabel wir doch heute reisen können.

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Wir kehren zurück zur Hauptroute, wieder flüchtet eine Schlange vor uns, von weitem steuert eine gewaltige Staubfahne auf uns zu und wir halten vorsichtshalber am Pistenrand. Ein Roadtrain nähert sich und donnert in dichten Staub eingehüllt mit Höchstgeschwindigkeit an uns vorbei. Kurz drauf stehen wir vor unserer ersten Flußdurchfahrt, doch diese erweist sich als harmlos. Ein aufgeschütteter, betonierter Erdwall durchtrennt den Fluß und macht die Furt sehr einfach passierbar. Das Wasser steht unterhalb des Walls und nicht mal die Reifen werden naß. In der Regenzeit kann der Wasserspiegel allerdings dramatisch steigen und eine Durchfahrt unmöglich machen. Die Höhe des Wassers kann man an den vor den Furten befindlichen Pegelanzeiger ablesen und dann selbst beurteilen, ob man eine Durchfahrt riskiert. Im Zweifelsfall lohnt es sich, auf den nächsten Lkw zu warten, auch wenn es einen Tag oder länger dauert.


 

Wir halten mitten auf dem Damm für ein Foto, als Jörg direkt neben sich am Rand wieder eine Schlange entdeckt. Ich stürze hinaus, um sie zu fotografieren, doch sie ist schneller und flüchtet sich in ein Loch unterhalb der Fahrbahndecke. Leider konnte ich auf die Schnelle auch nicht erkennen, um welche Art es sich gehandelt hat, nur bunt war sie und ca. 2 m lang. Auf jeden Fall ist bestätigt, dass Schlangen Fluchttiere sind und Panik unangebracht ist.

Wieder fahren wir den Savannah Way weiter, zwischendurch überqueren wir mehrere in den Boden eingelassene Eisengatter, die verhindern sollen, dass die Rinder von einem Weidegebiet in das nächste wechseln. Auch größere Pferdeherden tauchen auf. Ein in Handschrift gemaltes Schild „Caution – Work Horses – no shooting“ am Zaun zeigt den trockenen Humor der einheimischen Farmer. Zwischen den endlosen steppenartigen Weiden tauchen immer wieder Hunderte wenn nicht Tausende von Termitenhügeln auf, manche Landstriche sind davon so durchsetzt, dass man kaum etwas anderes sieht. Manche scheinen gerade erst ganz frisch entstanden zu sein und ragen gerade über die Grasnarben hervor, andere dagegen stehen stolz und wie eine Festung meterhoch in der Landschaft. Wie viele Abermillionen von Termiten müssen hier am Werk sein.

Kurz vor dem nächsten Ort, Burketown, erreichen wir die Leichardt Falls, von denen jetzt aber nichts zu sehen ist. Eine sandige Piste führt zu einem Felsplateau, von dem man eine schöne Sicht auf die Wasserfälle hat -sofern genug Wasser da ist. Jetzt in der Trockenzeit sind die Felsen blank, nur durch die schwarzen Verfärbungen erkennt man, wo sonst die Wassermassen herabstürzen. So sehen wir nur das Flussbett, in dem noch ein friedlicher See auf Badegäste wartet. Doch auch hier gilt: Caution Crocodiles ! Historisch gesehen ist dieser Platz allerdings bedeutungsvoll. Friedrich Leichardt, deutscher Pionier und Australienforscher, lagerte hier auf seiner letzten Expedition, bevor er und seine Begleiter spurlos verschwanden und nie wieder auftauchten. Bis heute konnte nie eindeutig geklärt werden, wie er zu Tode gekommen ist.

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Burketown, Hauptstadt des Barramundi, steht großflächig am Eingang der Stadt, doch von Stadt kann kaum die Rede sein. Eine Ansammlung von vom Wetter verfärbten Holzhäusern, eine Tankstelle, ein Postoffice mit Supermarkt, ein in die Jahre gekommenes Hotel und Pub sowie einige verlassene und vom Zahn der Zeit angenagte halb zugewachsene Geisterhäuser verleihen dem Ort eine Atmosphäre des Stillstands. Wer hier hält, fällt auf, wird zum „Stadt“-Gespräch, min-destens für eine Woche, denke ich.

Wir verlassen hier die Hauptroute des Savannah Way und fahren gen Süden. Wir wollen in den Lawn Hill N.P., einen wunderschönen, tropischen Nationalpark, der abseits der meisten Routen Australiens liegt und am ehesten von hier aus zu erreichen ist. Man muß sich jedoch immer im Klaren darüber sein, dass Abstecher in downunder durchaus mit einigen hundert Kilometern verbunden sein können, also nicht nur „mal eben um die Ecke“. Wir haben nicht auf die Kilometeranzeige geachtet und fahren deshalb einen Abzweig zu früh rechts rein und landen unversehens auf einer Station. Gepflegt angelegte Pferdekoppeln und Dutzende von eingedeckten Pferden vor dem Farmgebäu-de zeigen, welchen Schwerpunkt diese Farm hat. Wir wollen uns nach dem richtigen Weg erkunden als 2 bildhübsche, junge Frauen in Reithosen aus der Scheune treten und uns erklären, dass wir noch gut 20 km der Hauptpiste folgen müssen. Wir sind überrascht, hier in dieser abgelegenen Wildnis, 2 Frauen zu treffen, die wir eher in einer Großstadt wie Sydney erwartet hätten.


 

Auch Gregory Downs besteht nur aus einem Roadhouse und einigen einfachen Wohnbaracken, von hier aus sind es noch 70 km bis zum Lawn Hill N.P., allerdings steht uns bis dahin noch eine besondere Stecke bevor. „Bulldust“ heißt das Zauberwort, die Piste ist berüchtigt für den feinen Staub, der durch alle Ritzen dringen soll und neben der Strecke deuten auch bereits Schilder auf „extremly dust“ hin. Es dauert auch nicht lang, als sich die Räder des Toyota durch die dichte Feinstaubschicht mahlen. Hinter uns wirbelt eine Wolke auf, die die Piste auf Kilometer in dichten Nebel einhüllt. Hier kann man froh sein, wenn kein anderes Auto vor einem fährt, an Überholen wäre nicht zu denken.

Am späten Nachmittag und einer Tagesetappe von rund 520 km erreichen wir den Lawn Hill N.P., Adels Grove, 20 km vorher wirbt der Campingplatz an einem Rindergatter bereits mit dem verlockenden Schild „Cool Drinks“, automatisch werden wir schneller. Der Campground liegt eingebettet in einem schönen Waldgelände. Wir finden einen herrlichen Platz, eine Feuerstelle mit Grill steht bereit, unsere Steaks in der Kühlbox sind heute fällig. Während ich sofort mit dem Holzsammeln beginne, versucht Jörg, unseren Camper von innen von der millimeterdicken, roten Staubschicht zu befreien, die sich während der Fahrt überall festgesetzt hat. Gerade als wir unser Campfire ent-fachen wollen, beginnt es aber leider zu regnen. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Das Feuer wird angeheizt, die vorhandene Eisen-platte darüber gelegt und in vorher gekauften Aluschalen werden die Steaks innerhalb kurzer Zeit genießbar. Dazu gibt’s eiskaltes Bier und die Welt ist wieder in Ordnung. Nur am Feuer können wir nicht sitzen, zumal der Regen auch stärker wird.

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Am folgenden Morgen strahlt jedoch wieder blauer Himmel über uns. Da wir gestern erst in der Dämmerung ankamen, machen wir uns erst jetzt ein Bild von unserem Campingplatz. Der Platz liegt wunderschön zwischen Papierrindenbäumen, Palmen und anderen Sträuchern und tropischen Pflanzen. Durch das weitläufige Gelände hat jeder Camper sehr viel Platz und die meisten Stellplätze verfügen über ausreichend Schatten. Ein kristallklarer Flusslauf lädt zum Baden, Kanu fahren oder angeln ein, es soll zwar Süßwasser-Krokodile geben, aber angeb-lich sind diese für den Menschen ungefährlich. Neben der Rezeption gibt es auch ein Restaurant, wo sich die Gäste in lockerer Atmos-phäre treffen, hier können wir morgen früh sicher auch frühstücken. Außerdem existieren mehrere fest installierte Safari-Zelte, die man mieten kann, für kleinere Gruppen ohne Campingausstattung sicher ideal.

Obwohl dieser Park doch recht weit von der Hauptroute des Savannah Ways abweicht, sind aber auch hier die Savannah Guide stationiert und bieten organisierte und begleitete Touren an. Der eigentliche Eingang zum National Park befindet sich rund 20 km weiter südlich, es gibt zwar auch hier einen Campingplatz, doch dieser bietet nicht ganz so viel Komfort wie Adel´s Grove. Es gibt lediglich einfache sanitäre Anlagen und es ist verboten, offenes Feuer zu machen. Die Bushbrandgefahr im australischen Winter (Mai und September) ist extrem hoch und man tut alles, um diesen tollen Nationalpark zu schützen. Von hier aus starten zahlreiche Wander-Trails, die jeweils zwischen 2 und 6 km lang sind, durchaus aber auch miteinander kombiniert werden können.

Erst 1984 ist diese Gegend zum Nationalpark erklärt worden, die Ge-schichte geht allerdings 17 - 30.000 Jahre zurück. Zu dieser Zeit haben nachweislich bereits Aboriginals hier gelebt und ihre Spuren hinterlassen. Die Felsen und Canyons aus Sandstein sind im Laufe von Jahrtausenden vom Lawn Hill Creek geformt und verändert worden. Ganz in der Nähe bei Riversleigh sind die bedeutensten und best erhaltensten Saurierabdrücke und Fossilien der Welt entdeckt worden und ziehen heute Geologen aus aller Welt an. Manche Fossilien sind über 25 Millionen Jahre alt.

So abgelegen und schwer erreichbar der Nationalpark auch ist, heute zieht er mehr und mehr Besucher an. Wir unternehmen als erstes eine Wanderung auf dem „Island Stack“, einem 4 km langen Rundkurs, klettern dabei auf einen Hügel und haben von hier aus einen phantastischen Blick über den Park und den Lawn Hill Creek, auf dem auch bereits einige Kanus unterwegs sind. Unser Weg kreuzt den Indarri Falls Track, dem wir nun folgen und schließlich wechseln wir auf den „Up-per Gorge Track“, der parallel zum Fluß verläuft. Wir sind rund 3 Stunden unterwegs, die Trails sind gut ausgeschildert und führen z.T. durch enge Canyons, durch tropische, üppig wachsende Vegetation mit Palmen, Farnen und Kakteen und hinauf auf Felsplateaus mit phantastischen Ausblicken über die Sandsteinformationen und in die Schluchten. Nach gut 12-13 km kehren wir zum Ausgangspunkt zurück und möchten nun noch eine Kanutour unternehmen. Doch leider sind wir zu spät, der Kanuverleih schließt gerade für heute. Schade, hätten wir uns vorher informiert, hätten wir die Wanderung ja auch anschließend machen können. Wir versuchen den Ranger noch davon zu überzeugen, dass er noch eine Ausnahme macht und uns noch ein Boot gibt, aber leider ist er dazu nicht bereit.


 

Dafür gibt er uns einen ganz „heißen“ Tipp. Als er nämlich von uns erfährt, dass wir die nördliche Piste zum Savannah Way zurückfahren wollen, rät er uns davon ab, weil diese ziemlich schlecht sei. Dafür kennt er eine Alternativ-Piste, die kürzer ist und auch nur 2 Flußdurchquerungen enthält. Auf einen kleinen Papierschnitzel malt er uns eine grobe Skizze auf und wir sind letztendlich froh, ihn getroffen zu haben. So machen wir uns noch am Nachmittag wieder auf, unternehmen noch einen weiteren erfolglosen Angelversuch in Adels Grove und fahren dann schließlich weiter, Richtung Savannah Way.

Die ursprünglich von uns geplante Route und die vom Ranger empfoh-lene Abkürzung scheiden sich an der Lawn Hill Station, einer großen Rinder-(Cattle)farm, die wir schon nach kurzer Zeit erreichen. Hunderte von Rindern warten hinter den Zäunen auf ihre Verladung auf die Road-trains. Eine Staubwolke liegt über den engen Koppeln und durch das offene Fenster hören wir das Wehklagen der Rinder. Wissen die, was Ihnen ihnen bevorsteht ?

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Nach der Skizze des Rangers müssen wir vor der Farm rechts abbiegen, ein Tor durchqueren und uns stets ge-radeaus halten, für die 2 Flußdurchquerungen sei ein Schnorchel am Auto erforderlich, aber den haben wir ja. Hinter dem Tor begegnet uns dann auch prompt ein monströser Roadtrain, der für Nachschub für die Schlachthöfe sorgen soll.

Wir fahren weiter, durchqueren das riesige Farmgelände, öffnen ein weiteres Tor, um es gleich wieder hinter uns zu schließen, müssen immer wieder die auf der Piste umher laufenden oder uns dumm anglotzenden Rinder mit unserer Hupe vertreiben, scheuchen Kängurus auf oder weichen Tierkadavern aus. So geht es eine ganze Weile weiter, die Nachmittagssonne taucht das Savannengelände in warmes Licht, wir sind guter Dinge und absolut sicher, auf der richtigen Route zu sein.

Irgendwann taucht eine Baumreihe auf und die Fahrspur führt nach links. Da muß der erste „Floodway“ sein. Und richtig, die Piste führt durch eine Furt, rund 50 cm hoch steht das Wasser nur, für uns also kein Problem. Auf der anderen Seite führt der Weg aber wieder parallel zum Fluß zurück, ein weiteres Tor muß geöffnet und wieder geschlos-sen werden und plötzlich sehen wir einige Gebäude, Scheunen und Ställe. Zwei australische Stockman (Cowboys) sitzen auf ihren moder-nen Pferden, den sog. Quads, Motorbikes, und unterhalten sich. Auf unsere Frage nach dem Doomagdgee Roadhouse schütteln sie er-staunt den Kopf und weisen uns den Weg zurück. Wieder durch den Fluß, bis zur Hauptpiste, dann links und immer gerade aus. Na ist ja mal gut, das wir gefragt haben.

Gottseidank war dieser falsche Abstecher recht kurz und wir sind froh, wieder auf dem richtigen Weg zu sein. Es geht zügig weiter, die Sonne wandert gen Westen dem Horizont entgegen, die Fahrtrichtung stimmt. Dann stehen wir wieder vor einer Entscheidung. Unsere Piste beschreibt einen weiten Bogen nach links, die Spur scheint erst vor kurzem neu gewalzt worden zu sein. Direkt in der Kurve, hinter dem kleinen Erdwall, der von der Walzmaschine aufgeworfen wurde, verläuft aber auch eine weitere, wesentlich schmalere Piste direkt geradeaus. Hatten die Cowboys nicht von „straight“ gesprochen ? Aber kann das sein ? Da ist doch schon seit Tagen keiner mehr lang gefahren ! Wir entscheiden uns für die breitere Piste und sind sicher, richtig zu sein. Außerdem sitzen zahlreiche Kängurus rechts und links neben dieser Strecke und scheinen uns aufmuntern zu wollen - ja, hier gehts lang !

So fahren wir denn weiter, es müssen noch ca. 50 - 60 km sein bis zum Savannah Way, allerdings machen wir uns bereits Gedanken darüber, ob wir es noch vor der eintretenden Dunkelheit bis zum Roadhouse schaffen. Von Nachtfahrten wird einem ja generell abgeraten in Australien. Zu gefährlich, zu viele Kängurus und andere Tiere auf den Straßen.


 

Nachdem wir mehrmals neue Weidegebiete durchqueren und zahllose Rinder aufschrecken, phasenweise durch „Bulldust“- Strecken fahren, die uns während der Fahrt den Atem nehmen, gelegentlich alte, verrostete Autowracks neben der Fahrspur sehen, die sich die Natur wieder einverleibt hat, stelle ich plötzlich fest, dass links neben uns ein Zaun verläuft. Seit wann ist er da ? Dann muß doch mal langsam die Ausfahrt zum Savannah Way kommen. Die Piste macht plötzlich eine 90 Grad –Wende nach rechts, auf einem Schild steht lediglich „Bulltank 1“. Mindestens 20 km verläuft die Piste jetzt schnurgeradeaus, der Zaun bleibt links. Wieder eine 90 - Grad - Wende, diesmal nach links, wieder 15 km geradeaus, wieder ein Schild „Bulltank 2“, der Zaun bleibt links. So langsam mach ich mir Gedanken - irgendwas stimmt hier nicht.

Auch Jörg ist recht ruhig geworden, doch er ist Meinung, das es nicht mehr weit sein kann, bis wir die Ausfahrt finden. Also gut, bis zum nächsten Abzweig. Ein weiteres Tor erscheint vor uns, das muß der Ausgang sein, doch weit gefehlt, eine weitere Piste mündet hier von links kommend, eine dritte führt seitlich aus dem Busch. Jetzt haben wir 3 Pisten, die alle hier an diesem Tor enden bzw. in einer gemeinsa-men Piste weiter verlaufen, dann kann es wirklich nicht mehr weit sein.

Weitere ca. 8 km weiter, wir fahren mittlerweile mit eingeschaltetem Fernlicht, jetzt ist der Zaun rechts von uns - Bulltank 3 - , ist für mich die Entscheidung klar, wir sind falsch, wir müssen zurück, bevor wir uns noch mehr hier im australischen Busch verzetteln. Wir drehen und haben schon kurz drauf eine neue Gablung vor uns. Wo kommt denn der Weg auf einmal her, den haben wir doch eben gar nicht gesehen oder sind wir sogar von dort gekommen ? Die Sonne stand aber auch so tief, man konnte kaum noch was sehen. Wir halten an, rätseln ein wenig und kommen überein, dass die rechte Spur die richtige ist. 8 km weiter stoppe ich. Es hätte doch längst das letzte Tor kommen müssen. Also sind wir doch wieder falsch.

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Drehen, 8 km zurück, da ist der Abzweig, nach 50 m halte ich wieder, steige aus, untersuche die Fahrbahn, .... Sch..... keine einzige Reifen-spur zu sehen, hier sind wir auf keinen Fall hergekommen. Also, wieder drehen, wieder die Piste zurück, 8 km und noch einen halben Kilometer weiter, da ist das Tor !

Erleichtert atmen wir durch, jetzt ist wieder alles klar. So schnell kann man hier die Orientierung verlieren. Da liest man immer wieder Meldungen über Touristen, die sich im Outback verirrt haben oder durch eine Autopanne in Schwierigkeiten geraten sind und selbst ist man durch eine mal ebenso hingeschriebene Skizze eines Einheimischen, auf die man sich leichtsinnigerweise verlassen hat, unvermittelt in eine Situation geraten, die ohne weiteres hätte anders ausgehen können. Offensichtlich haben wir den Randbereich des Farmgeländes erreicht und den Grenzzaun abgefahren. Der Farmer würde sich sicher freuen aber gleichzeitig auch wundern, wenn wir ihm morgen berichten, dass der Zaun zwischen Bulltank 1 - 3 noch in Ordnung ist.

Es ist inzwischen stockfinster. Wir entscheiden uns jedoch, noch ein Stück weiter zurückzufahren, trotz der Dunkelheit. Vorsichtig, aber hochkonzen-triert fahre ich die Piste zurück, immer wieder tauchen plötzlich Rinder auf. Schließlich erreichen wir die Gabelung, wo wir uns durch die frisch gewalzte Piste haben täuschen lassen und beschließen, hier am Pistenrand stehen zu bleiben und zu übernachten. Was soll dabei schon passieren, wir haben den ganzen Nachmittag kein einziges anderes Auto gesehen und nachts ist mit noch weniger Verkehr zu rechnen.


 

So fahren wir unseren Camper rechts neben die Piste, machen uns ein paar Sandwiches, spülen mit kühlem Toohey News nach und atmen durch. Das ist ja noch mal gut gegangen. Morgen früh nehmen wir die ursprünglich geplante Alternativ-Route, auch wenn sie länger ist. Jetzt ist es sowieso egal. Dieser hoffentlich gut gemeinte Tipp des Rangers hat uns zwar zusätzliche 250 km eingebracht, aber auch gleichzeitig ein Erlebnis, das uns jetzt erst so richtig bewusst wird.

Als der Hunger und erste Durst gestillt ist, schauen wir nach oben. Ein Sternenhimmel, wie wir ihn noch nie gesehen haben, frei von allen künstlichen Streulichtern, jungfräulich und zum Greifen nah, von einem Horizont zum anderen - die Milchstraße, Sternbilder, die man nur aus Büchern kennt, Sternschnuppen - was wünsch ich mir noch ?, das Kreuz des Südens, der Große Wagen, allerdings auf dem Kopf! Achja, wir sind auf der anderen Seite der Welt und damit haben wir auch, was den Himmel betrifft eine andere Perspektive - vorbeiziehende Satelliten - wir können uns nicht satt sehen.

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Wir sind begeistert - Jörg schaut mich an und meint nur noch dazu „Geil, meine erste Nacht in einer richtigen Wildnis“ - Meine Antwort:... „meine auch“ ... überrascht ihn, da ich ja bereits zum x-ten Mal in Australien bin. Aber wir sind uns einig, trotz dieser ungeplanten Aktion, wird uns diese Nacht unvergessen bleiben.

Zum Sonnenaufgang sind wir dann früh wieder auf den Beinen. Wir stärken uns und fahren das letzte Stück bis zur Cattle-Station zurück und als wäre nichts gewesen, folgen wir den jetzt in Abständen von 20 km auftauchenden handgemalten Schildern „Doomadgee“ bzw. K.F.C., womit aber nicht etwa Kentucky Fried Chicken gemeint ist, sonder das sog. Kingfisher Camp, das ebenfalls in dieser Richtung liegt.

Wir müssen allerdings feststellen, dass der Ranger mit seiner Fest-stellung, dies sei eine schlechte Piste, absolut Recht hatte, denn über lange Strecken erweist sich die Route als Tortur für Mensch und Material. Wir sind froh, dass wir uns keinen Platten einhandeln. Die z.T. sehr steinigen Streckenabschnitte schütteln und rütteln den Wagen derart, dass jedes Gespräch im Keim erstickt. Aber es folgen auch wieder leichtere Teilstücke. Schließlich wird die Piste wieder besser, wir erreichen eine Gabelung, links geht´s zum Kingfisher Camp, rechts nach Doomadgee. Und nach weiteren 45 km erreichen wir endlich wieder den Savannah Way. Ein paar Kilometer weiter queren wir nochmals eine asphaltierte Flußdurchfahrt und plötzlich tauchen auch prompt die ersten Autos seit fast 2 Tagen wieder auf.

Das Domagdee Roadhouse besteht aus 2 Zapfsäulen und einem daneben stehenden Container, in dem die Kassiererin, eine Aboriginal am Laptop sitzt und offenbar übers Internet für die Schule büffelt. Wir fahren in den Ort, eine Aboriginal Community. Der Ort selbst sieht wenig einladend aus. Überall stehen alte Autowracks rum, die Häuser bzw. z.T. einfachen Hütten sehen wenig gepflegt aus, dazwischen sehen wir eine Verladestation für Lkw´s. Sand– und Kieshügel, wahr-scheinlich für den Straßenbau warten auf ihren Abtransport. Dann folgt aber plötzlich ein gepflegter Footballplatz, wir kommen an einer Schule vorbei, wo offenbar ein Schulsportfest stattfindet, Aboriginal-Kinder wetteifern beim Seilziehen. Wir halten an einer Bäckerei. Zahlreiche Aboriginals, Kinder und auch Erwachsene, stehen an für Brot, Kuchen-teilchen, Süßigkeiten und Getränke. Wir stärken uns hier mit ein paar Donuts und einer Tasse Kaffee und sehen dem Treiben interessiert zu . Die beiden weißen Australier hinter der Theke kennen die Aborigi-nals alle beim Namen. Diese sind, im Gegensatz zu den meisten Ureinwohnern, die ich bisher in den größeren Städten meist alkoholisiert gesehen habe, recht ordentlich gekleidet, haben ihren Spaß untereinander und scheinen ein ganz normales geordnetes Leben zu führen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Ureinwohner vor gar nicht allzu langer Zeit, noch als Nomaden durch das Bushland des Outbacks zogen und nur von dem lebten, was die Natur ihnen gab, scheint hier der Prozeß der Integration in die westliche Zivilisation erfolgreich von statten zu gehen.


 

Am benachbarten Supermarkt lenken ein paar Kinder meine Aufmerk-samkeit auf sie. Sie sitzen im Auto nebenan, feixen und lachen und haben ihren Spaß. Einer trägt eine Batman-Maske, ein anderer ein Spiderman-Shirt, auch in ihrem Kulturkreis haben die Comic-Helden des Westens bereits Einzug gehalten und verdrängen allmählich die Traumzeitsymbole ihrer jahrtausendealten Kultur.

Nachdem wir unsere Vorräte mit allem Nötigen aufgefüllt haben, folgen wir wieder der Hauptroute des Savannah Ways. Die nächsten beiden Roadhäuser sollen geschlossen sein, deshalb steht uns jetzt eine ungewöhnlich lange Etappe bevor ohne Tankstelle. Aber mit unseren beiden Tanks mit insgesamt 160 l haben wir ausreichend Reserven.

Wieder zieht sich die rote Piste Kilometer um Kilometer gen Westen, die gelegentlich entgegenkommenden Fahrzeuge kündigen sich schon von weitem durch dichte Staubfahnen an. Doch hier ist die Piste jetzt so breit, dass man deshalb nicht unbedingt anhalten muß.

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Hells Gate - Himmelstor - so kündigt sich das nächste Roadhouse an, allerdings ist das Tor geschlossen, im Himmel herrscht Ruhe. Der Roadhouse-Betrieb wurde vor kurzem eingestellt, Benzin gibt es nur noch für Notfälle, keine Unterkunft und keine Mahlzeiten mehr steht handschriftlich auf einem Schild geschrieben, nur den Campingplatz kann man noch nutzen. Die ehemaligen Betreiber scheinen aber hier noch zu wohnen. Vielleicht hat das Roadhouse in der Vergangenheit so viel Geld abgeworfen, dass sich die Besitzer „zur Ruhe gesetzt“ haben oder aber sie hatten keine Lust mehr auf das „hektische“ Treiben einer Tankstelle mit bis zu 15 Autos am Tag - es ist eh schwierig, nachzuvollziehen, was Menschen dazu treibt, sich in dieser Einöde niederzulassen.

Aber dafür staune ich nicht schlecht, dass es hier einen eigenen Ab-fertigungsterminal für nationale und internationale Flüge gibt, die Lan-debahn, eine fast zugewachsene Graspiste, die mal wieder gemäht werden müsste, liegt gleich neben dem Savannah Way. Vom einem Terminal selbst ist allerdings nichts zu sehen, lediglich eine Telefonzelle steht als Aufenthaltsraum zur Verfügung

Wir sehen uns hier noch ein wenig um, als die nächste Überraschung naht. Langsam nähert sich eine kleine Karawane, die wir kurz vorher bereits staunender weise überholt haben. Eine Frau allein auf einem Pferd, mit 2 Kamelen und einem Hund streben dem Roadhouse entge-gen. Das Pferd trägt Hufschuhe, die Kamele sind schwer bepackt mit Kanistern, einem Swag, dem typisch australischen Schlafsack, und der restlichen Ausrüstung und der Hund läuft freudestrahlend nebenher. Es sieht ganz so aus, als wäre diese Reisegesellschaft schon etwas länger unterwegs und richtig, als ich sie neugierig begrüße und befrage, stellt sich heraus, dass sie bereits im Januar in Rockhampton an der Ostküste Queenslands aufgebrochen sind und auf ihrem Weg quer durch den Kontinent nun ca. 1/3 ihrer Reise hinter sich gebracht haben. In der Langsamkeit des Reisens liegt offenbar die Kunst. Wir haben gerade mal 11 Tage Zeit, um von Cairns bis Darwin eine Strecke von rund 3.000 km bequem im Auto zu fahren, sie wird mehr als die doppelte Strecke Schritt für Schritt zurücklegen und dabei möglicherweise bis zu 18 Monate Zeit benötigen. Entweder Sie hat eine gescheiterte Beziehung hinter sich oder hatte noch soviel Rest-urlaub, wer weiß !. 50 km weiter haben wir die Grenze Queenslands erreicht und wechseln in den Bundesstaat Northern Territory.

371 km sind es von hier noch bis Cape Crawfort, unserem heutigen Tagesziel. Die Piste ist überwiegend gut zu befahren, nur gelegentlich muß man sich vor abrupt auftauchenden Spurrillen vorsehen. Die we-nigen Flußdurchqueren stellen sich alle als unproblematisch heraus und so kommen wir gut voran. An das Pistenfahren haben wir uns mittlerweile so gut gewöhnt, dass wir in Borroloola fast überrascht reagieren, als plötzlich wieder Asphalt vor uns auftaucht und wir das Gefühl bekommen, über die Straße zu schweben.


 

Es ist schon später Nachmittag und die Sonne ist bereits hinter dem Horizont verschwunden, als wir uns Cape Crawfort nähern. Eigentlich wollten wir einen Abstecher zu einem sehenswerten Felslabyrinth in der Nähe machen, The Lost City, doch in der Dunkelheit macht das natürlich keinen Sinn mehr. Die schönste Tageszeit dafür, den Son-nenuntergang, haben wir gerade verpasst und hier am wenig einla-denden Roadhouse zu übernachten, gefällt uns auch nicht so. Also verwerfen wir unseren Reiseplan, die von Cape Crawfort nach Norden führende letzte Pisten-Etappe des Savannah Way am nächsten Tag bis Roper Bar zu fahren und entscheiden uns spontan dafür, heute noch weiter nach Westen über die Asphaltroute bis Daly Waters am Stuart Hwy zu kommen. Das bedeutet zwar, jetzt noch rund 270 km in der Dunkelheit zu fahren, aber dafür erwartet uns am Ende dann auch einer der urigsten und berühmtesten Pubs Australiens, der Daly Waters Pub.

Hoch konzentriert, aber auch schon etwas müde von der bis hierhin schon recht langen Strecke, nehmen wir das letzte Sück in Angriff. Gerade jetzt ist allerdings die Gefahr, dass sich Rinder oder Kängurus auf der Straße aufhalten, am größten und so muß ich eins ums ande-re Mal hart in die Bremsen gehen, um einem Zusammenprall zu entgehen. Dazu kommen jetzt auch häufiger Fahrzeuge entgegen, meist sogar Roadtrains, die in der Dunkelheit noch gefährlicher sind als am Tag. Erst spät kann man erkennen, dass sich hinter den sich annähernden Scheinwerfern wieder so ein Monstertruck verbirgt, der weder die Geschwindigkeit reduziert noch auch nur einen Millimeter von der Mitte der Fahrbahn abweicht. So wird es für uns überlebens-wichtig, am Straßenrand anzuhalten sobald Lichter auftauchen und abzuwarten, bis der „Donnerhall“ vorbei ist.

Trotz aller Vorsicht passiert es dann doch noch zweimal, dass mir unvermittelt ein kleineres Känguru oder Wallabie vor die Räder springt und mir keine Ausweichmöglichkeit mehr gibt. Ich kann in dem Mo-ment nur froh sein, dass es kein rotes Riesenkänguru war. In diesem Moment fragen wir uns auch, ob wir eigentlich mehr tote oder leben-dige Kängurus gesehen haben auf unserer bisherigen Reise.

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Kurz nach 22:00 Uhr haben wir dann unser Ziel erreicht, die Kreuzung zum Stuart Hwy oder auch Explorer´s Way genannt. Nur noch wenige Kilometer und wir kommen in den Ort Daly Waters, was heißt hier Ort ? Eigentlich besteht Daly Waters nur aus einem Pub, einer Tankstelle, einem Campingplatz und 2 bis 4 anderen Gebäuden, hat offiziell nur 12 Ein-wohner, steht aber in jeder Australienkarte und zum Stolz aller Einwohner sogar in den meisten Weltkarten verzeichnet.

Der Pub selbst ist eine echte Sehenswürdigkeit. Die Wände sind voll mit Visitenkarten, Fotos, abgelaufenen Ausweisen, Sprüchen und zahllosen Hinterlassenschaften von Besuchern aus aller Welt. Unter der Decke hängen Dutzende von BH´s, Slips und sonstige zweifelhafte Wäschestücke, der Laden steht voll mit den urigsten Utensilien, Stubbyholder aus ganz Australien, Nummernschilder, Geldscheine .... Man braucht wohl Tage, um das alles zu sichten.

Seit 1930 existiert dieser Pub und gilt mittlerweile als Kult-Adresse in down under. Der Wirt und seine Crew geben sich auch ganz offensichtlich Mühe, diesen Kult-Status zu erhalten. Auch die meisten Gäste sind sehenswert. Hier trifft man die originellsten Typen aus aller Welt. Es reicht normalerweise, sich irgendwo in die Ecke zu hocken und das Pub-Leben auf sich wirken zu lassen. Aber was ist ein Pub schon ohne Bier.

Natürlich gönnen wir uns einige davon an diesem Abend, vor allem, nach so einer langen Tagesetappe. Aber es hat sich gelohnt. Wir genießen den Abend und diese Atmosphäre nach den Tagen der Einsamkeit im Outback und schaffen es deshalb auch nicht, vor 10.00 Uhr am nächsten Morgen weiterzufahren.

So langsam neigt sich unsere Tour dem Ende zu, Darwin ist nicht mehr allzu weit. Wir fahren jetzt über den gut ausgebauten Stuart Hwy. Der Autoverkehr hat hier deutlich zugenommen. Die Fahrt ist monoton, es stellt sich schon fast so etwas wie eine Abschiedsstimmung ein. Doch das Highlight der gesamten Tour steht uns noch bevor, eine Fahrt ins Arnhemland.


 

Ein kurzer Abstecher vorher zu den heißen Quellen von Mataranka lohnt nicht wirklich. Ein gewaltiges Hochwasser im letzten Jahr hat das Quellgebiet und den ursprünglich schönen Palmenwald ziemlich verwüstet und überall sind die Reste der Schlammflut zu sehen. Die meisten Palmen haben sehr darunter gelitten.

Wir kommen durch Katherine und lassen den Nitmiluk N.P. (Katherine Gorge) rechts liegen, fahren bis Pine Creek und biegen ab auf den Kakadu Hwy, den wir nun bis Ubirr folgen. Von weitem sehen wir schon früh dichte Rauchschwaden über großen Teilen des Parks liegen, überall schwelen Buschbrände, teilweise züngeln die Flammen direkt am Straßenrand. Wir machen einen kurzen Stop bei Yellow Waters. Von hier aus kann man die Yellow Waters Cruise unterneh-men, eine recht schöne Bootstour durch die Wetlands des Kakadu Parks. Der Parkplatz steht voller Autos, Reisebusse warten auf die zurückkehrenden Ausflügler, plötzlich befinden wir uns im Touristen-stau, man kommt kaum weiter auf den Holzstegen, die zu den Booten führen. Diese Tour macht man am besten am frühen Morgen zum Son-nenaufgang, dann ist es noch nicht ganz so voll. Wir fahren deshalb die letzten rund 100 km weiter bis zum Ubirr Campground, an dem wir am späten Nachmittag ankommen.

Wir befinden uns jetzt im äußersten Nordosten des Parks unmittelbar vor der Grenze zum Arnhemland, dem größten zusammenhängenden Aboriginal - Schutzgebiet. Wer hier rein möchte, benötigt ein spezielles Permit, welches ich aber bekommen soll. Während der ATE (Australian Tourism Exchange) in Brisbane, die ich vor Start der Tour besucht habe, habe ich eine Einladung bekommen, das Camp von „Davidson´s Arnhemland Safaris“ zu besuchen, das sich am Mount Borradaile, rund 60 km von hier befindet.

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Wir verbringen noch eine Nacht auf dem schönen Campground, kochen uns die obligatorischen Spaghettis und starten am frühen Morgen zu unserem letzten Abenteuer. Im Ubirr Border Store rufe ich wie vereinbart, im Camp an. Doch da kommt zunächst die Ernüchterung. Max und Philippa Davidson, die Inhaber des Camps sind nicht da und Nick, der Verwalter weiß nicht Bescheid. Außerdem ist heute Sonntag, und sonntags könne man kein Permit ausstellen, teilt er mir telefonisch mit, doch schließlich meint er, wir sollen trotzdem kommen, dann würde das Permit eben nachträglich ausgestellt. Eine Wegbeschreibung hatte ich bereits vorher erhalten mit dem Hinweis, wenn wir von Ubirr aus kommend nicht innerhalb 3 Stunden ankämen, würde man uns einen Suchtrupp entgegenschicken.

So durchqueren wir schließlich den East Alligator River und befinden uns nun –ohne offizielles Papier in der Hand– im Arnhemland. Wir schalten wieder um auf Allrad-Betrieb und folgen ca. 14 km der roten Oenpelli-Road Richtung Norden, bis links eine schmale Piste in den Busch abzweigt.

D.A.S. ist alles, was auf einem kleinen Schild am Baum steht, ein weiteres weist noch mal daraufhin, dass es bei einer Strafe von bis zu 1.000 Dollar untersagt ist, das Arnhemland ohne Permit zu betreten. Etwas mulmig ist uns schon, als wir in diese Piste einbiegen, aber eigentlich kann das D.A.S ja nur Davidsons Arnhemland Safaris heißen.

Jetzt wird es noch mal richtig spannend. Die Piste erweist sich als sehr anspruchsvoll. Tiefe Spurrillen, sandige Abschnitte, Schlammlöcher, Felsbrocken, dem Fahrzeug wird noch mal alles abverlangt. An einigen Stellen neigt sich die Spur gefährlich zur Seite. Ein sog. „Roll-Over“ (Umkippen) wäre fatal, auch einen Platten können wir nicht unbedingt gebrauchen. Langsam und vorsichtig kämpfen wir uns weiter und zählen die Kilometer. Spitze Steine ragen hervor, schwarze, verkohlte Flächen zeugen vom letzten Brand. Was machen wir eigentlich, wenn wir hier mitten in einen Bushbrand kommen ? Es ist ja kaum Platz zum Wenden. Manchmal steht das trockene Gras meterhoch neben der Spur. Dann folgen wieder Abschnitte mit dichtem Buschwerk und Bäumen. Wir rechnen eigentlich jederzeit damit, daß nur in Lederschurz bekleidete Ureinwohner mit Speeren uns den Weg verstellen, doch geht da nicht die Phantasie mit uns durch ?


 

Plötzlich öffnet sich der Busch, eine Landebahn für Buschflieger kommt in Sicht. Die Spur führt um die Bahn herum und auf der anderen Seite wieder in den Wald, einige Benzinfäser stehen herum, Nachschub für die Flieger ?

Dann sehen wir Zelte zwischen den Bäumen auftauchen, einige Uralt-Jeeps stehen herum, irgendwo läuft ein Generator, willkommen im Wilderness Camp. Rund 2 Stunden haben wir für die 60 km be-nötigt. Zwischen Eukalyptus-Bäumen stehen ca. 15 Safari-Zelte im afrikanischen Stil verteilt. Die Abstände sind so groß, das jeder Gast genügend Privatspäre behält. Ein Großzelt dient als Küche, Restaurant und allgemeiner Treffpunkt. Das Camp strahlt auf Anhieb eine Ruhe aus, die überwältigt, mal abgesehen von dem entfernt brummenden Generator.

Ein junger Mann begrüßt uns, offenbar der Koch und holt Nick, den Verwalter dazu. Dieser mäht gerade nebenan den Rasen und ist mehr als überrascht, daß wir schon hier sind. Wir hätten doch gerade eben erst telefoniert. Das Zeitgefühl scheint an diesem Platz anders zu funktionieren, aber das stellen wir später dann auch selbst noch fest.

Wir werden willkommen geheißen, bekommen Tee serviert und dürfen uns gern umschauen, in einer halben Stunde gibt´s etwas zu essen und anschließend will Nick mit uns eine private Tour unternehmen. Wir bekommen ein Zelt zugewiesen, selbstverständlich brauchen wir nicht in unserem Camper zu übernachten. 2 junge Frauen sind gerade da-bei, die Zelte zu reinigen, wie sich herausstellt, 2 holländische Backpacker, die mit einem Work and Travel-Visum für ein Jahr im Land unterwegs sind und hier für 14 Tage das Leben im Busch kennenler-nen, zwar ohne Bezahlung dafür aber Kost, Logis und eine fantastische, unbezahlbare Natur gratis.

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Die Zelte sind sehr komfortabel, jeweils 2 bequeme Einzelbetten stehen drin, ein kleines Nachttischchen, es gibt elektrisches Licht und auch 2 große Ventilatoren stehen bereit, frische Luft zu spenden, natürlich wird alles über den Generator versorgt. Im Hauptzelt ist Platz für rund 20 - 25 Personen, zahlreiche Bücher und Bildbände liegen bereit, um über die Natur und vor allem die Hinterlassenschaften der Aboriginals in dieser Region zu informieren. Auf einem Tisch liegen verschiedene Speere, Steinwerkzeuge und –äxte sowie Klanghölzer der Ureinwohner bereit, 2 Krokodilschädel erinnern daran, dass man auch hier immer auf der Hut sein muss und über ein paar Fotoalben können wir uns einen ersten Eindruck davon machen, was es alles zu sehen gibt.

Es ist Mittagszeit und einige andere Gäste kommen von ihren Safaris zurück. Jeder begrüßt uns freundlich und stellt sich vor, man ist unter sich in einem kleinen privaten Kreis und berichtet begeistert von den Ausflügen. Dann zaubert der Koch einen herrlichen Salatteller herbei und gut gestärkt machen wir uns mit Nick auf den Weg.

Der uralte Toyota Landcruiser macht zwar nicht den Eindruck, als würde er noch mal anspringen, aber wir täuschen uns. Das Armaturen-brett ist zwar von allem überflüssigen Schnickschnack befreit und überhall hängen Kabel herum, der Motor startet aber nach langem Vorglühen problemlos und wir holpern in den Busch. Es geht über ausgewaschene Felsplatten, durch kleine Flussläufe, vorbei an kro-kodilfreien Badepools, über Stock und Stein und schließlich halten wir irgendwo mitten im Busch. Von nun an geht es zu Fuß weiter.

Nick erklärt uns die Gegend und ihre Geschichte. Dieses Gebiet gilt als eines der ältesten Stammesgebiete der Aboriginals und beinhaltet die meisten, die best- erhaltendsten und ältesten Felsmalereien nicht nur innerhalb Australiens sondern sogar auf der ganzen Welt. Die Höhlen, die es hier gibt, wurden bereits vor 50.000 Jahren von Aborigi-nals bewohnt und Tausende von Felsmalereien dokumentieren die verschiedenen zeitlichen Epochen. Das Geschichte der Aboriginals selbst wird sogar auf 120 - 150.000 Jahre geschätzt und gilt damit als die Kultur, die am längsten überlebt hat.

Wir wandern auf eine Felsformation zu und kommen durch schmale Durchlässe, in denen dichtes Buschwerk wuchert. Wir entdecken erste Zeichnungen in den Felsen, Abbildungen von Kängurus und Schildkröund klettern weiter hinauf. Unter einem ca. 1 1/2 m hohen, weit ausladenden Überhang schimmert es in pastellfarbenen Ocker-tönen aus Rot, Gelb und Weiß. Wir müssen uns schon etwas ducken, um die ganze Dimension der Zeichnung zu erkennen, die sich über unseren Köpfen befindet. Eine filigran gemalte Nachbildung eines Krokodils, das das riesige Maul aufreißt und dabei die spitzen Zähne zeigt. Es ist beeindruckend, in welcher Klarheit und Detailtreue die Ureinwohner solche Bildnisse bereits vor Tausenden von Jahren in die Felsen verewigt und damit bewiesen haben, das –bevor sich in Europa überhaupt eine Kultur entwickeln konnte– hier an dieser Stelle bereits eine Kunst und Kultur gelebt wurde, die ihre Motive direkt aus der


 

Natur und Umwelt kreativ umgesetzt hat.

An vielen anderen Stellen sehen wir Abbildungen von Händen, von Fischen, von Jagdszenen, in denen Männerfiguren auf der Jagd mit Bumerang und Speer sind, aber auch erotische Bilder von Frauen mit weiß gepunkteten Brüsten und detailgenauen Geschlechtsorganen. Bis zu 15.000 Jahre alt sollen diese Zeichnungen nachweislich sein, wobei sich dies natürlich nicht auf das Jahr genau feststellen lässt, aber doch wohl exakt auf das betreffende Jahrtausend.

Teilweise überlagern sich die Zeichnungen auch, Schicht für Schicht ziert Rock Art die Höhlen und Kliffs. Da die Ureinwohner gemäß ihrer Lebensweise meist nur für den aktuellen Tag lebten und nicht an das gestern und morgen dachten, wurden auch die Kunstwerke der vorher-igen Generation einfach übermalt. Jüngere Zeichnungen von Segel-schiffen und Büffeljägern zu Pferde und mit Gewehren stammen aus der so genannten Contact Period, jeder Zeit der ersten Begegnungen mit Europäern.

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Nick ist dabei ein hervorragender Guide und führt uns auch zu einigen Höhlen, die bis vor 60 Jahren noch von Abroriginals bewohnt wurden und heute als heilige Plätze gelten. Teilweise sind sie in ihrem Urzu-stand belassen worden und neben den Überresten der alten Lager-stätten sind sogar noch einige Menschenknochen , Teile von Skeletten und etliche Schädel zu sehen. Die Verstorbenen wurden in einer Zeremonie nicht wie bei uns in der Erde bestattet, sondern die sterblichen Überreste wurden in die Bäume gebettet und die Knochen, die dann irgendwann als Überreste runter fielen, wurden von den Angehörigen eingesammelt und wieder an bzw. in die ursprüngliche Wohnstätte des Verstorbenen gebracht. So blieb der Geist des Toten immer in der Nähe der Familie.

Wir kehren beeindruckt zum Camp zurück, wo mittlerweile weitere Gäste von ihren Ausflügen eingetroffen sind. Schnell hat man sich bekannt gemacht und sitzt in lockerer Runde bei einem Aperetif zusammen. Am späten Nachmittag steht dann aber noch eine weitere Tour an, eine Sunset-Cruise. Mit den recht betagten Jeeps geht´s noch mal ein Stück im Zick-Zack-Kurs durch den Buschwald bis die Piste endet. Nach kurzem Fußweg erreichen wir einen Nebenarm des Copper Creek River und besteigen 2 Boote. Gary, ein Geologe und Jim, ein durchtrainierter Riesenkerl in typischer Outback-Kluft sind unsere Guides auf dieser Tour.

Die Außenbordmotoren heulen auf und langsam und vorsichtig steuern sie die Boote durch den hier noch sehr eng verlaufenen Fluß, rechts und links ragen die verknorpelten Äste dicht stehender Papierrinden-bäume weit ausladend über unseren Köpfen und bilden ein natürliches Dach. Der Wasserstand wird immer niedriger, es scheint, als bewegen wir uns nur wenige Zentimeter über dem Grund und richtig, kurzzeitig bleiben wir mit dem Kiel im Flusssand stecken, der Außenborder läuft auf Hochtouren und mit letzter Kraft schaffen wir die natürliche Barriere. So geht es wohl ca. 2 km weiter, der Flusslauf windet sich durch das Dickicht, zahlreiche Vögel, Reiher und Enten fliegen auf und schließlich öffnet sich vor uns die Landschaft. Auf einer schlammigen Sandbank liegt –wie für´s Foto-shooting bestellt– ein 4 m langes Salz-wasserkrokodil und döst vor sich hin. Auf der anderen Seite fliegen Dutzende von Wildenten auf, einige Kormorane sitzen auf Astgabeln und warten auf vorbeischwimmende Beute. Weit draußen in den überschwemmten Wetlands recken neugierige Gänse den Hals über das grüne Gras und in der Baumkrone eines abgestorbenen knochigen, im Wasser stehenden Baumes nistet ein Weißkopf-Seeadler, während sich unter ihm der gleiche Baum von Seerosen und Lilien umrankt im Fluß widerspiegelt. Wir sind im Paradies !

Der Seitenarm mündet im Hauptfluss des Cooper Creek, der wiederum auf seinem Weg in den nördlichen Van Diemen Golf die weitläufigen Feuchtgebiete des Arnhemlands durchfließt, dabei das Gebiet die meiste Zeit unter Wasser setzt und damit Abertausenden von Wasservögeln aber auch Reptilien reichlich Nahrung und gleichzeitig Heimat bietet.

Langsam neigt sich die Sonne dem Horizont zu, in der Ferne wird der Mount Borradaile in ein warmes Licht getaucht, dieser ist zwar nur rund 100 m hoch, doch durch seine exponierte Lage mitten in den Wetlands erscheint dieses Felsplateau wie eine uneinnehmbare Festung, eine Tatsache, die wohl auch dazu beigetragen hat, daß die Aboriginals diesen Platz als Kultstätte auserwählt haben.


 

Wir sehen noch zahlreiche weitere Krokodile am Ufer liegen, beobachten den imposant stolzierenden Jabiru, den Schwarzstorch, der gleichzeitig Wappenzeichen des Kakadu Parks ist, sehen riesige Fischreiher mit blau schimmernden Federkleidern, Kraniche und Raubvögel. Während wir zum Sonnenuntergang mit einem Glas Sekt auf dieses Naturschauspiel anstoßen, steigt nur rund 200 m entfernt eine Kolonie von mehr als 10.000 Wildenten unter vielstimmigem Geschrei auf. Eine phantastische Atmosphäre.

Noch ganz eingenommen von diesen Eindrücken geht die Fahrt zurück, in der einbrechenden Dunkelheit, die sehr schnell kommt, steuern die Guides die Boote wieder durch den „verwunschenen“ Papierrindenwald bis zum Anleger. Kurz darauf erreichen wir wieder das Camp und genießen es, die Erlebnisse mit den anderen Gästen auszutauschen.

Wenig später wird auch schon das Abendessen serviert und bei immer besser werdender Stimmung die eine oder andere Flasche Wein geköpft. Irgendwann verstummt dann auch der Generator und die Lichter gehen aus im Davidson Arnhemland Safari Camp. Als ich mitten in der Nacht dann kurz mal raus muß, empfängt mich eine unglaubliche Stille unter einem unglaublichen Sternenhimmel. Auf dem Weg zum Örtchen fällt mir die Geschichte von Nick ein, der erzählte, daß ein paar Tage vorher ein Taipan, eine der giftigsten und gefährlich-sten Schlangen Australiens, im Küchenzelt aufgetaucht ist. Möglichst laut auftretend eile ich zum WC und hoffe, dabei nicht auf eine Schlange zu treten. Der Weg zurück stellt mich vor die nächste Herausforderung. In der stockfinsteren Nacht erkennt man nichts. Wo sind die Zelte ? Aus welcher Richtung bin ich gekommen ? Vorsichtig suche ich, die Orientierung wieder zu bekommen, taste und stolpepere ich weiter, bis ich schließlich vor einem Zelt stehe. Bin ich richtig ? Irgendwas ist anders an diesem Zelt als an unserem. Also weiter. Was würde passieren, wenn ich ein falsches Zelt betrete und in ein be-setztes Bett falle ? Nach einigem Umherirren bin ich aber sicher, doch endlich mein eigenes Bett gefunden zu haben und sinke erleichtert wieder in den Schlaf.

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Am nächsten Morgen wollen wir mit Gary zu einer weiteren Tour aufbrechen, müssen aber erst noch auf ein paar neue Gäste warten, die per Kleinflugzeug erwartet werden. Während ich noch in einem Bildband blättere, höre ich bereits das Brummen des im Anflug befindlichen Fliegers. 2 Jeeps fahren los, um die Neuankömmlinge abzuholen, und wenig später fahren sie vor, die Tür zum Hauptzelt öffnet sich und völlig überrascht schaut mich ein bekanntes Gesicht an. Karen Rees, aus Tasmanien, die ich vor 12 Tagen noch in Brisbane getroffen habe, ist genauso erstaunt, wie ich. Ein Lottogewinn hätte nicht unwahrscheinlicher sein können, als hier in der absoluten Wildnis, einen von 21 Millionen Australier wieder zutreffen, die dazu noch eine ausgewanderte Deutsche ist und in Tasmanien als Tour-Operator tätig ist.

Wir unternehmen an diesem Vormittag noch einen weiteren Ausflug mit Gary, der als Geologe natürlich ein breites Wissen über die Entstehung und Geschichte dieser Region vermitteln kann. Wir sehen weitere faszinierende Felszeichnungen und Höhlen, sind noch mal mit Booten in der Naturlandschaft der Wetlands unterwegs und machen uns dann nach Rückkehr ins Camp und einem stärkenden Mahl daran, unsere letzte Etappe in Angriff zu nehmen, den Weg nach Darwin.

Der Abschied fällt uns schwer, wir bedanken uns für die Einladung und den Einblick in ein Paradies, das zu erleben, nicht allen Menschen vergönnt ist. Auch wenn der Weg hierher beschwerlich war, er hat sich gelohnt.

Die Buschpiste hat uns wieder, noch einmal gilt es, den Allrad auf die Probe zu stellen. Zwischendurch setzen wir unseren Stoff-Dornenteufel ins rechte Licht, haben wir ihn doch live leider nicht erlebt. Doch als hätten wir ihn damit provoziert, läuft plötzlich ein echtes Exemplar dieser kuriosen Echsenart über den Weg und veranlasst mich zum plötzlichen Bremsen, da ein Foto eines echten Tieres doch etwas aussagekräftiger ist.


 

Beim Aussteigen jedoch lässt mich ein unverkennbares Zischen zusammenzucken. Der Blick nach unten bestätigt meinen Verdacht, der rechte Hinterreifen hat sich soeben verabschiedet und sinkt in sich zusammen, 14 km vor dem „rettenden“ Asphalt. Mit vereinten Kräften gehen wir an die Arbeit, Wagenheber und Werkzeug raus, Ersatzrad abgeschraubt und den Wagen aufbocken. Doch so einfach scheint das nicht zu sein. Wir stehen in einer Tiefsandspur und   müssen deshalb erst schaufeln, um festen Untergrund zu finden, damit wir den Wagen-heber ansetzen können. Dies erweist sich dann doch noch mal als schweißtreibende Angelegenheit. Vorsichtshalber packen wir noch ein paar am Rand liegende Baumstämme unter das Auto, um ein Abrutschen auf die Achse zu vermeiden, falls der Wagenheber ausbricht. Doch schließlich haben wir es geschafft, das Ersatzrad sitzt und die Fahrt kann weitergehen. Jetzt dürfen wir uns aber keinen zweiten Plattfuß erlauben.

Wir erreichen unbeschadet den East Alligator River und verlassen das Arnhemland. Noch 250 km bis Darwin, die Tour nähert sich dem Ende.

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Wir verbringen die letzte Nacht auf dem Mary River Campground und unternehmen am nächsten Morgen am Adelaide River noch eine Jumping Crocodile Cruise. Mit an langen Stöcken befestigten Fleischstücken werden die Krokodile angelockt, die z.T. mit ihrer ganzen Körperlänge aus dem Wasser springen, um sich diesen Happen zu sichern. Zwar ein sehenswertes Spektakel, aber die Krokodile sind offenbar schon sehr an die Menschen gewöhnt.

Mittags erreichen wir schließlich unser Ziel, Darwin, geben nach 3.600 km Fahrt den Wagen zurück und werfen vom Flugzeug aus einen letzten Blick hinunter auf das Arnhemland, ein Land, von dem ich unbedingt mehr sehen möchte.