Zuberec, Slowakei
06.02.2010
… 22.00 Uhr … keine Lust auf Urlaub in Kälte und Schnee, Ski laufen und größeren Familienanhang gehabt; doch jetzt, da ich nach zwei Jahren wieder hier bin, im altbekannten, gemütlichen Restaurant zum Abendessen eingekehrt bin, es wieder geschmeckt hat, meine Reisebegleiter glücklich und zufrieden sind … bin ich gern wieder an diesem Ort … erste Pläne für ein langes, gemeinsames Sommerwochenende in dieser Region werden geschmiedet – mal sehen, was im Alltag daraus werden wird…
 
 
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07.02.2010
… der erste Urlaubstag in einer sehr entspannten Urlaubsgegend ist vorüber … „wieder herkommen“ bringt  Sicherheit, Wohlfühlen in Altbekanntem mit sich; Eingewöhnen, Ankommen entfällt; der Urlaub, das Urlaubswohlfühlen kann sofort beginnen…
 
… mit meinem Reisebegleiter heute auf die aus vorherigen Urlauben altbekannte Piste am Museumsdorf - bewahrendes Zeugnis hiesiger Lebensweise vergangener Jahrhundert - gegenwärtig unser persönlicher Fixpunkt in dieser Gegend, vorbei und schließlich darüber hinaus zu einem 5 km entfernten Hotel durch den menschenleeren Wald gerutscht; Ski gelaufen … Skilanglauf in entspannter, wiegender Touristenrutschversion praktiziert … es war kalt; für mich an Händen und Füßen manchmal gar etwas zu kalt; mein Skilanglaufbegleiter scheint die Kälte jedoch nicht zu empfinden … die Temperaturen liegen bei ca. -7°C bis -12°C… auf dem Weg zur Einkehrmöglichkeit im genannten Hotel fehlen einige Energien, die wir jedoch spätestens beim reichhaltigen, deftigen Mittagessen auffüllen … eigentlich müssten wir – angesichts der mit Genuss verzehrten Knoblauchtoaste, Knoblauchzehen und Knoblauchsuppe - erbärmlich, gar unerträglich riechen, doch dies scheint Niemanden – nicht einmal die Mitreisenden – zu stören … hervorragend auch der mit reichlich Preiselbeergelee übergossene zerlassene Räucherkäse, einer anderen regionaltypischen Spezialität…
 
… doch nicht nur die hiesige Küche begeistert, sondern auch die stillen Winterwälder, in denen wir in all den Urlaubstagen nur sehr selten anderen Skilangläufern begegnen … wir sind offenbar in der Nebensaison hier; es ist touristenfriedlicher, stiller als bei vorherigen Aufenthalten … die meisten Gäste tummeln sich auf den Skiabfahrthängen und so bleibt uns fast allein die winterruhige, einsam scheinende, stille Natur…
 
… mit den Skiern durch einen Winterwald … es herrscht zumeist eine Art diesiges Zwielicht, dem man an diesem ersten Tag unseres Aufenthaltes ansehen kann, das die darüberstehende Sonne die Kälte förmlich in die Wälder „herunterdrückt“…
 
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… und so gleiten wir gemeinsam durch den Wald, schwatzen, tauschen Vertraulichkeiten aus, schmieden Pläne, geniessen die Landschaft und immer mal wieder schweigend die Ruhe…
 
… ein Schneewald, in dem man allein unterwegs ist, strahlt trotz begleitendem Bachplätschern eine ganz besondere, manchmal – für Momente – gar mystisch-gedämpfte Ruhe aus…
 
08.02.2010
… der heutige Tag?! – nun, wieder ein wunderbarer Urlaubstag … wunderbar vielleicht nicht immer genau in dem Moment da er gerade stattfindet – wenn auf der Langlaufloipe zumindest mir der Wind und die Kälte gar mächtig im Gesicht und an den Fingerspitzen beißt oder der Schnee so vereist, so glatt ist, das man irgendwann halt doch ins unkontrollierte Rutschen gerät und sich mächtig auf´s Hinterteil plumpsen lässt, kurz nachdem der Reisebegleiter – quasi in Zeitlupe – mit reflexartig ausgebreiteten Armen scheinbar wehrlos nach vorn kippte und stürzte … Herausforderungen des Skilanglauf, die uns dankbarerweise nicht allzu oft bevorstehen, bei denen wir immer heil bleiben und die beim Wiedererzählen zu Heiterkeitsausbrüchen führen und selbst jetzt, beim erinnernden Niederschreiben amüsiert auflachen lassen…
 
…trotzdem ich heute Vormittag, nach dem Aufstehen – wie eigentlich immer - keine Lust hatte, in den Tag zu starten, sind wir aufgebrochen und haben eine für uns neue, wirklich gute Loipe entdeckt - über einen Berg (naja, vielleicht auch nur ein Anhöhe, doch der erste Anstieg hinterlässt in uns zumindest den Gedanken „Berg“) in einer Art Bogen in den Ort zurück, wo sich dankbarerweise nach den „Anstrengungen“ des touristischen Skilanglaufs im gaaanz entspannten Stil gleich verschiedene Einkehrmöglichkeiten für das Mittagessen finden und wir uns für den Rest der Woche auf ein einfaches, preiswertes, schmackhaftes Lokal festlegen, das wir von früheren Besuchen kannten, welches uns jedoch erst dieses Mal vollends überzeugt und das wir für den Rest der Urlaubswoche nun auch treu immer wieder aufsuchen werden…
 
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 … während ich diese Zeilen niederschreibe ist der Rest unserer kleinen Reisegruppe ins nahegelegene Thermalbad im Freien unterwegs, welches wir ebenfalls von früheren Besuchen kennen … mittlerweile wurde in unmittelbarer Nachbarschaft ein moderner, überdachter Aquapark gebaut, doch üben diese zwei kleinen Thermalbecken mit 38°C bis 41°C heißem Wasser in der Dunkelheit eines Winterabends inmitten der Schneelandschaft und aufsteigendem Dampf des heißen Wassers einen ganz eigenen Reiz aus … sportlich ist die Situation des Aus- sowie Anziehens der Badekleidung im unkompliziert betriebenen Innenbereich und der anschließende Spurt durch den eiskalten Winterabend in die warmen Wasserbecken … doch danach – wohlfühlen, treiben lassen, genießen… zugegebenermaßen ein wunderbarer Ort unserer Winterurlaube, doch ich genieße momentan die Ruhe und den Frieden des Alleinseins in der Pension…
 
… während ich diese Zeilen in der Ruhe meiner Gedanken niederschreibe, geht mir durch den Kopf, das ich doch nochmal versuchen sollte, die besondere Stimmung der Wintertage in dieser Gegend aufzuschreiben … doch wie? … sollte doch vor allem festgehalten werden, wie sehr mich die alltagsabgerückte Stimmung eines menschenleeren (bis auf einen selbst natürlich) Winterwaldes der scheinbar für die Zeit der Kälte verharrt, stillsteht, abwartet; dessen Boden – später auch die Wipfel – schneebedeckt ist; dessen Ruhe selbst vom Plätschern eines nahen Winterbaches nicht gestört sondern eher verstärkt wird; dessen Frieden sich selbst auf die nahe Straße und die ab & an vorbeiziehenden Autos zu erstrecken scheint … wie sollte man einen solchen Winterwald wahrlich beschreiben können, Worte dafür finden … Worte finden für die kalt-diesig-verhangenen, schneebedeckten Berge ringsum, die in diesem Jahr während unseres derzeitigen Aufenthaltes nicht sonnengebadet-schneeweiß eingehüllt sind, sondern von Kältewolken verhüllt nur teilweise schneebedeckt sind; dabei eine mythisch-zurückhaltend-archaische Stimmung ausstrahlen…
 
… am Markantesten scheint hier in dieser Gegend der Eindruck der Ruhe, des Friedens selbst zu sein, den diese Natur trotz aller unvermeidlicher Alltags- und Zivilisationsgeräusche ausstrahlt … eine Art unbeeindruckter, unbeeinflussbarer Naturfrieden…
 
09.02.2010
… wie immer bin ich beim morgendlichen Aufbruch in den Wintertag zunächst wieder unwillig … natürlich gibt sich das im Laufe des Vormittags auf der am Vortag entdeckten Loipe … die Temperaturen scheinen zunächst erträglicher, milder – das Thermometer zeigt tatsächlich -5°C statt der ca. -9°C vom Vortag; dies gibt sich allerdings spätestens auf der baumlosen Freifläche des zu überquerenden Berghanges bei einer leichten Skiabfahrt, wo die Kälte wieder in vortaggewohnter Intensität ins Gesicht und die Fingerspitzen (trotz dicker Winterhandschuhe) beisst...
 
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Die Landschaft um uns ist wieder winterschön: Die Sonne hinter Wolkenfeldern meist verborgen, nur ab und an von Dunstschleiern überzogen hervorlugend, die Berge wolkenschleierverhangen am Horizont … die Winterlandschaft in ein unwirkliches, dunstiges, gedämpftes Licht getaucht … wieder diese ganz besondere ruhige, scheinbar alle fremden Geräusche und Einflüsse schluckende Atmosphäre um uns herum, die Winterlandschaften und Sommerwäldern nach dem Regen eigen ist; die vom leise gleitenden Fortbewegen auf Skiern auch nicht gestört wird…
 
… auf der Bergkuppe inmitten einer großen baumlosen Fläche, die an ihren Rändern jedoch wieder von Nadelwäldern ringsum begrenzt ist, lasse ich meinen Skipartner an mir vorbeiziehen, bleibe stehen, schließe die Augen und lausche … nichts – gefühlte, scheinbar vollkommene Stille … in der ich nur meinen Atem und den um meine Wange an der Nase vorbeistreifenden ganz sanften, eigentlich nicht zu spürenden Wind höre … welche Worte soll man hierfür finden; für Momente, die in der Hektik unseres Lebens so selten nur wahrnehmbar sind…
 
… nachdem der Bergrücken überquert ist und wir wieder im Ort angekommen sind, folgt die alltäglich willkommene Mittagseinkehr im gewohnten, liebgewonnenen Restaurant und schließlich mitsamt Skiern wieder der Weg Richtung Museumsdorf, wo ich auf andere Teile unserer Reisegruppe stoße und meinen Skipartner – der offensichtlich einen größeren sportlichen Ehrgeiz entwickelt hatte - weiterziehen lasse, während ich mich einem ausgiebigen, gemütlichen Frauenschwatz, begleitet von heißem Tee und dem einen oder anderen Glühwein hingebe… der anschließende Rückweg auf Skiern durch den Wald auf einer zwar seit Jahren bei uns gutbekannten Piste ist in der Abenddämmerung nicht ganz so einfach zu absolvieren, sind doch die Spur, die Loipe und evtl. Hindernisse darauf nicht mehr gut zu erkennen … zweimaliges Ausrutschen auf der mittlerweile vereisten Spur und Kontrollverlust über die eigenen Ski inklusive … man weiß bei den mittlerweile selten gewordenen Stürzen immer gar nicht so recht, was mehr wehtut: die körperlichen Sturzbegleiterscheinungen oder der gekränkte Ehrgeiz … erwartungs- und plangemäß endet der Tag dann im nächsten Restaurant mit gemütlichen Beisammensein…
 
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10.02.2010
… der Rest unserer Gruppe ist auf einem Tagesausflug zu einer Burg samt Zitadelle und in eine Felshöhle unterwegs … ich entziehe mich diesem Tagesprogramm, habe „Frei“zeit und werde den Tag ganz in Ruhe, mit einem kleinen Spaziergang einschließlich etwas Shopping in Zuberec verbringen…
 
Die Burg und die Felshöhle habe ich bereits bei unserem Besuch vor zwei Jahren gesehen, als der wenige Schnee es mit sich brachte, das wir schneeunabhängige Ausflugs- und Tagesbeschäftigungsziele suchten und so finden sich erinnernde, rückschauende Gedanken an diese Orte in den Notizen unseres letzten Winterurlaubes in dieser Gegend:
 
Die Burg Orava … dem Vernehmen nach das bedeutendste und meistbesuchte Kulturdenkmal der Slowakei … unscheinbar, wenn man mit dem Auto darauf zufährt; riesig wenn man unmittelbar davor steht …
 
… die Burg hatte im Laufe der Jahrhunderte nur wenige Katastrophen zu überstehen und konnte sich nach und nach zu imposanter Größe entwickeln… man sieht genau die Entwicklung von der ganz alten, ursprünglichen Burg hoch oben auf einem Felsen thronend über eine Burgerweiterung mit Wohnturm hin zu ausgedehnten Wirtschaftsgebäuden mit Kapelle…
 
… eine hervorragend erhaltene mehrstöckige Burg samt Zitadelle, die bereits in den Anfängen des vorigen, des 20.Jh von privater, liebevoller Hand restauriert wurde; die Restaurationsbemühungen wurden 50 Jahre später von öffentlicher Hand fortgesetzt…
 
… wir laufen an wunderschönen, alten Möbeln vorbei, durchstreifen Räume mit verschiedensten Nutzungszwecken, erkennen unterschiedliche Zeiten und Besonderheiten der Bewohner…
 
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… der allgemeine Charakter dieser Burg mit noch deutlich sichtbaren Ausbaustufen vom unteren über den mittleren Burghof bis hin zur hochgelegenen Zitadelle (die wir im Winter wegen Glatteisgefahr nicht besichtigen können) ist erhalten geblieben und fast wünschte man, den Trubel einer bewohnten Mittelalterburg erahnen zu können … auf jeden Fall wünschte ich mir, diese Burg, ihre Räume und ihre Atmosphäre ohne den Trubel unserer Zeit und einer Touristenführung erleben zu können; allein in den Höfen und Räumlichkeiten zu stehen und verweilen ... in der Phantasie einen Blick in zurückliegende Zeiten erhaschen zu können…
 
… von der Burg ziehen wir weiter zur Besichtigung einer Höhle vielmehr eines Höhlensystems … auch hier ist die Teilnahme an einer Führung Pflicht, wenn man diese Höhle besuchen will … die Führung erfolgt angesichts der anderen Teilnehmer in russischer Sprache, die wir nicht verstehen, was uns jedoch die Möglichkeit gibt, diesen Ort auf ganz eigene, vielleicht phantasievollere Art kennenzulernen als wenn wir die Aufklärung über Stalagmiten, Stalagtiten oder andere Besonderheiten der Höhle verstehen würden … wir durchlaufen eine riesige Felshöhle, die uns unentwegt neue Blicke auf naturgeformte Kunstwerke und Formen schenkt … die staunenden Ah´s und Oh´s der anderen Gruppenteilnehmer bestätigen, das die Einmaligkeit des Gesehenen von den Meisten empfunden wird … im günstigsten Fall, wenn man anfängt, darüber nachzudenken, erahnt man am Rande seiner Wahrnehmung die Großartigkeit der Natur, der für den Menschen unvorstellbaren zeitlichen Ausmaße zum Entstehen solcher Schöpfungen… - … aber auch über solch tiefschürfenden Gedanken hinaus ist es schlicht ergreifend, in riesigen Höhlenbereichen zu stehen, umherzuschauen, das statische, ruhende und sich dabei doch ständig weiterentwickelnde Naturschauspiel versuchen zu erfassen: riesige Tropfsteine; fließende, ganz klare Wasser; Stille; Formen; Licht…
 
… ich will im Laufe des Tages dann zunächst nur in den nahegelegenen Konsum an der Straße entlang, vielleicht etwas zum Mittag essen erstehen … doch dann ist die Winterluft so wunderbar milde, die fast nicht befahrene Dorfstraße so friedlich und der Winterfrieden unterwegs so schön, dass ich in den Ort hinunter weiterlaufe … die wenigen anderen Touristen sind auf den in der Ferne sichtbaren Ski-Abfahrt-Berghängen unterwegs; ich kann ein weiteres Mal Frieden, Stille, Ruhe erleben und genießen … ganz für mich, ohne andere Geräusche, Stimmen oder äußere Einflüsse an diesem Wintersonnentag teilhaben … Frieden in den Gedanken, den Wahrnehmungen, den Vorhaben … ich stelle wieder einmal fest, wie wichtig solch unbeeinflusste Ruhemomente fern jeglicher anderer zwischenmenschlicher Interaktion sind; Momente, in denen man bei sich selbst ist…
 
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 … und ich habe mich einer weiteren Leidenschaft hingegeben: Mitbringsel für die Anderen zu kaufen; kleine Überraschungen für sie zu entdecken und nicht widerstehen zu können … ich liebe diese kleinen Momente des Entdeckens, Auswählens, der Vorfreude auf das spätere Auspacken und Wiederentdecken zu Hause, des sich dann daran Erfreuens…
 
… später, zurück in der Pension, ergänze ich meine Urlaubsnotizen und beginne ein neues Erinnerungsbüchlein. Dies wird begleitet von den Gedanken, das neue Gedanken- und Erinnerungsnotizbücher zwei Dinge in sich bergen: Zum einen die noch unbeschriebenen Blätter; das darin enthaltende Versprechen und die Erwartung, auf das was noch kommt und die Seiten füllen wird; zum anderen beinhalten diese Seiten noch keine Erinnerungen, noch nichts Nachlesenswertes …
 
… den Abend verbringen wir – wie bei jedem unserer Aufenthalte hier einmal wöchentlich – in der örtlichen Pizzeria, wo es mir erstmals gefällt. Bei allen anderen, vorhergegangenen Aufenthalten war es voller Menschen darin, zu laut, zu ungemütlich … außerhalb dieser Touristen“hoch“zeiten birgt dieses Restaurant heute jedoch ein Ambiente zum Wohlfühlen und Verweilen … endlich wissen wir auch, wie der so oft getrunkene, zu Hause sogar nachgeahmte Heidelbeerschnaps mitsamt Früchten „cucoridkovica“ auf slowakisch ausgesprochen wird: das „c“ immer als „sch“ aussprechen und das Wort dann einfach über die Zunge rollen lassen (das klingt hoffentlich beim späteren Nachlesen immer noch logisch) … natürlich animiert uns dies, uns an frühere slowakische Sprechversuche zu erinnern, von denen jedoch nur „wewritschka kusche schischku“ (so die Lautsprache) übriggeblieben ist … dies ergibt übersetzt den irrsinnig wichtigen Satz „Das Eichhörnchen frisst Eicheln“ und führt uns weiter in unseren Erinnerungen einige Jahre zurück, als wir in einer anderen Pension förmlich mit selbstgemachten und zugegebenermaßen sehr leckeren Pfannkuchen „Schischki“ gemästet wurden und zu feige waren, der auf ihre Pfannkuchen so stolzen Wirtin unser „Satt sein“ mitzuteilen, woraufhin wir zwei Tage lang weitere "Schischki" serviert bekamen…
 
… die Berichte vom Tagesausflug zur Burg und der Höhle bestätigen, das es wohl auch dieses Mal sehr interessant und nett war … doch irritiert bin ich angesichts der Erzählung, das es für andere Menschen wohl nicht zu einer Selbstverständlichkeit gehört, bereits vorher schon einmal in einer Burg oder Höhle gewesen zu sein … dies führt mich zu dankbaren Gedanken über das für bisher selbstverständlich gehaltene Privileg einer bildungs- und erlebensorientierten Kindheit und Erziehung … ja, für manche Gedanken muss man erst erwachsen werden..
 
… derzeit ist der Rest der Gruppe zum Nacht-Ski-Fahren unterwegs … die Einen zum aktiven Tun, die Anderen zum Zugucken … ich habe auf meinem Spaziergang zurück zur Pension die nunmehr nächtliche Dorfstraße ein weiteres Mal ganz für mich allein und genieße die momentan ganz stille Pension, in der kein Laut außer der über das Papier gleitenden Kugelschreiberspitze zu hören ist…
 
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11.02.2010
… im Nachbarzimmer hinter den hellhörigen Wänden saß bis vor einigen Minuten der Rest unserer Gruppe gar lustig beieinander, jetzt ist es wieder ruhig geworden; die Pension bereitet sich auf das 18-Uhr-Abendessen vor, dem wir uns entziehen und wieder in den Ort zur Nahrungsaufnahme in einem unserer Wohlfühlrestaurants aufbrechen … oh, da höre ich gerade, wie im Nachbarzimmer einige erzieherische Worte an das 12-jährige, jüngste Mitglied unserer Gruppe gerichtet werden … also scheint die Gesellschaft noch beieinander – nein, jetzt verraten mir die lauten Stimmen auf dem Flur, das jeder sich in seine Räume zurückzieht; der Familiendisput im Nachbarzimmer wird wieder fortgesetzt...
 
… einige Stunden später, das Abendessen und ein weitgehend gemütlicher Gruppenabend liegen hinter uns, habe ich mich ins Bett zurückgezogen, lausche der nun nächtlichen Stille und werde mich an einer schriftlichen Reflektion des zurückliegenden Tages versuchen: … wir waren wieder auf der mittlerweile gut bekannten Loipe der vorangegangenen Tage unterwegs, die wir dieses Mal mehrfach in beide Richtungen absolvierten … es hat tatsächlich erstmalig richtig Freude gemacht, etwas länger auf den Skiern zu stehen und sich voran zu bewegen … vielleicht ist aber auch die Aussicht auf den morgigen Tag, für den mein Skipartner und ich heute vereinbart haben, das dann – am letzten Urlaubstag - jeder macht, worauf er Lust hat, ohne auf Andere Rücksicht nehmen zu müssen oder wollen... 
 
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... Höhepunkt des Tages war, als ein zunächst zögerlicher, später sehr dichter Schneefall just in dem Moment einsetzte, als wir die baumlose Freifläche auf dem Berg überquerten…
 
… wie dem Schnee eigen schwebten die Flocken ganz, ganz leise zur Erde hinab … die Welt verschwand in einem alles einhüllenden weiß-grau und es existierte nur noch die unmittelbare Umgebung um uns herum; die Konturen der Landschaft verloren sich mehr und mehr im milchig-verhangenen Schneefall; die die Freifläche begrenzenden Baumreihen verschwanden in den herabschwebenden, wirbelnden Schneeschleiern, wurden nach und nach vollständig davon verdeckt, Berge waren keine mehr zu sehen…
 
… mehr als sonst umgab diese immer abgeschiedener wirkende Winterwelt ein gedämpfter, ruhiger Frieden, der alles zudeckte…
 
… jetzt werde ich noch die Tür des unter meinem Zimmer befindlichen Billiard-Raumes schließen, um in der Ruhe der Nacht das arge Krachen des Aufeinanderstoßens von Queue und Kugeln bzw. der Kugeln untereinander ein wenig zu dämpfen… 
 
12.02.2010
… 11 Uhr morgens … bei auch für meine Verhältnisse fast angenehmen -3°C und trockener Luft habe ich es endlich wieder einmal ins Oravaer Museumsdorf geschafft – mein Reisebegleiter ist mit den Skiern weitergezogen, neue Pisten bei sicherlich höherer, als bisher üblicher Geschwindigkeit erkunden und ich schaue als momentan wohl einziger Besucher ganz begeistert von Ruhe, Atmosphäre und altertümlichen Flair auf´s Museumsdorf hinab…
 
… konkret; ich befinde mich nahe des Dorfeinganges und schaue auf den nachgebildeten „unteren Oravaer Marktplatz“ mit hier wieder aufgebauten und zueinander angeordneten Häusern aus dem ältesten besiedelten Teil der Region, dem unteren Orava – wie mir die deutsch übersetzte Infobroschüre mitteilt … das Dorf liegt im Schnee und es ist unvorstellbar friedlich um mich herum; alles: Häuser, Wege, Bänke … winterweiß eingedeckt … die alten Häuser ganz archaisch, still … fast meint man, die ursprünglichen Bewohner heraustreten und ihrem damaligen Tagwerk nachgehen zu sehen … irgendwo plätschert ein Winterbach; dieses Geräusch verstärkt den Eindruck der Stille und des Friedens merkwürdigerweise gar noch…
 
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… nichts, keine Fotos und wohl auch keine Worte können den Eindruck und die Wirkung, die dieser Ort auf mich hat, festhalten und ausdrücken … in der Ferne Hundegebell und ganz nah Vogelgezwitscher, wohl in den das Dorf umgebenden schneegepuderten Bäumen…
 
… ich habe Schnee von einer Holzbank gekehrt und sitze nun frei von sonstigen Alltagseinflüssen am Anfang dieses besonderen, fast magischen Ortes…
 
… „magisch“, da er doch – zumindest in Gedanken – Reisen in der Zeit zurück erlaubt; alte Zeiten zu uns bringt … eine Brücke zwischen zwischen diesen Zeiten darstellt…
 
… auf dem Weg hierher verharrte ich übrigens in einigem Abstand zum ebenfalls altertümlichen Holzhaus des Restaurants neben dem Museumsdorf; strich im Geiste all die modernen Errungenschaften wie Straße, Parkplatz, Hausanbauten, Sommerkioske etc. fort … und konnte ein inmitten dichter Winterwälder weltabgeschiedenes, Behaglichkeit ausstrahlendes Holzhaus sehen, aus dessen Schornstein der Rauch eines im Inneren Wärme verheißenden Kamins quoll…
 
… jetzt jedoch werde ich einige Schritte im Museumsdorf voranziehen, mein Hinterteil fängt trotz Winterkleidung auf der zwar schneebefreiten doch immer noch eisverkrusteteten Bank an zu frösteln… ganz, ganz leichter Schneefall hat eingesetzt … und ein paar menschliche Stimmen dringen gerade zu mir, ziehen jedoch sofort weiter…
 
… und dennoch: sobald ich die Augen von diesen Zeilen hebe – und ich tue dies beim Schreiben soeben oft – nimmt mich dieser Ort sofort wieder gefangen und lässt mich weiterhin verweilen … und ich stelle einmal mehr fest, das die Magie bestimmter Orte sich nur in der Stille eigener Gedanken entfalten kann…
 
… nun melden auch die Füße, das sie bewegt werden wollen, bevor sie anfangen richtig zu frieren…
 
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… etwa 30 Minuten später sitze im hölzernen Türrahmen eines Bauernanwesens aus dem Jahr 1862 … aus dem Haus dringt ganz sacht dieser modrige Geruch, der alten Sachen oft zu eigen ist, der hier jedoch ein Gefühl der – naja, Geborgenheit ist das Wort, das mir sofort einfiel – vermittelt…
 
… das im Vergleich zu bisher gesehenen Klein- und Mittelbauernhäusern recht üppige Bauernanwesen liegt am Hang leicht oberhalb des Dorfes, so dass ich nun auf die schneebedeckten Dächer hinabschaue und meinen Gedanken nachhänge: … immer wieder, wenn ich in die kleinen, beengten Wohnräume der damaligen Menschen, seien es wohlhabende Großbauernhöfe, Mittel- oder Kleinbauern und insbesondere bei Tagelöhnern schaue, kommt mir unweigerlich der Gedanke an die so ungleich kargeren Lebensbedingungen früherer Zeit; wie eng die Menschen beieinander lebten, scheinbar ohne Rückzugsmöglichkeiten … anderes, härteres Leben …wobei, während mir die Kälte beim Schreiben dieser Zeilen gar mächtig in die Fingerspitzen beißt, ich mir auch nicht vorstellen kann, wie man dereinst diese Holzhäuser mit Lehmboden, manchmal Dielen warm bekommen hat, heizte bzw. welchen Aufwand das bedeutet haben muss…
 
… berichtenswert scheint auch, dass ich natürlich wieder magisch vom Souvenirladen in einem alten Steinhaus scheinbar recht wohlhabender Kaufleute aus dem Jahr 1790, welches durchaus einige Bequemlichkeit und Luxus zeigt, angezogen werde … wieder entdecke ich das eine oder andere preisgünstige Geschenk zum Mitnehmen und schließlich eine sichtbar selbst abgefüllte Flasche mit roter Flüssigkeit … auf meine Nachfrage nach dem Inhalt bekomme ich sofort einen des von meinen Reisebegleitern so geschätzten Heidelbeerschnapses mit Früchten zum Probieren und erstehe dieses Getränk natürlich … jetzt freue ich mich königlich darüber, die Flasche als besonderes Reisemitbringsel nachher verschenken zu können…
 
… bleibt für den Moment jedoch die logistische Frage, wie ich die Einkäufe mitsamt meiner Ski transportiere … vorweggenommen sei, das mit einigen ungewöhnlichen Verstauvarianten in meiner Winterkleidung dieses Problem gelöst werden wird…
 
… so, bevor die Fingerchen vollends erfrieren, werde ich die Handschuhe wieder überziehen und weiterschlendern, wobei ich nochmals die Ruhe, den Frieden – nur begleitet vom Bachrauschen und dem mittlerweile recht munteren Vogelgezwitscher – welches mich in dieser Winterwelt eigenartig berührt – in diesem Winterdorf, in dem ich nach wie vor der einzige Besucher bin, sehr bewusst wahrnehme…
 
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… in seiner verlassenen, bewahrenden Funktion strahlt dieses Museumsdorf einen tiefen, scheinbar zeitenüberdauernden Frieden aus; wenngleich mir dank des Informationsmateriales bewusst ist, das dieses „Dorf“ in den 60iger Jahren des vorigen, des. 20.Jh „zusammengetragen“ wurde, um alte Lebensweisen und –formen dieser Gegend in der Erinnerung zu behalten…
 
… und schließlich noch ein Blick in die alte, prachtvoll ausgestattete Holzkirche vom Anfang des 15.Jh, bereits mit detaillierten Heiligenmalereien und Wandschmuck … im Gegensatz dazu aber nur mit einfachem Lehmboden…
 
… und wieder berührt mich das Alter und die erhabene Stille dieses einfachen und dennoch beeindruckenden Gebäudes, welches schon einige Jahrhunderte alt und der Nachwelt immer noch erhalten ist…
 
… fast meint man auch hier wieder, den Kirchenoberen frierend durch den Schnee um die Ecke stapfend in die ebenfalls frostkalte Kirche hineinlaufen zu sehen … (jedenfalls habe ich im Gegensatz zu all den bisher gesehenen Wohnhäusern des Dorfes hier in der Kirche keine Feuerstelle oder Ofen gesehen)
 

 
… und gerade wird mir klar, was mir an dieser Pension nicht gefällt: die enorme Hellhörigkeit um mich herum, vor der Zimmertür, hinter den Zimmerwänden, unter dem Zimmer im darunterliegenden Flur und Billiard-Raum … die anderen Pensionsgäste kehren von ihren Tagesaktivitäten zurück, um sich auf´s Abendessen vorzubereiten – ich höre verschiedenste Stimmen in verschiedenen Sprachen vor der Tür, Wasser im Nachbarzimmer rauschen, die Billiardkugeln donnern wieder aneinander, die Schiebetür zur anderen Haushälfte schlägt ab und an heftiger als notwendig in den Türrahmen … und dann, wenn alle anderen Gäste wieder in ihren Zimmern sind … wird es plötzlich ganz ruhig, friedlich, gemütlich…
 
Und so brechen wir am nächsten Tag auf in unsere Heimat, in der auch immer noch Schnee liegt, die Temperaturen ähnlich sind, die jedoch doch so gar nicht den Urlaubseindrücken der letzten Tage entspricht. Eindrücke und Erinnerungen eines geruhsamen Urlaubes in einem bezaubernden, entspannten Winterurlaubsort, in dem man sportlich Skiabhänge bewältigen aber auch tagelang durch menschenleere, ruhige Wälder gleiten kann.