19.04. bis 03.05.2002
Nachdem sich meine Reisepläne nach Madagaskar nicht realisieren liessen, buchte ich kurzentschlossen bei Rotel Andalusien Hotels -Portugal, weil ich da immer schon hinwollte. Und so startete ich am 19. April mit dem Zug ab Heilbronn zum Frankfurter Flughafen, der mir wie ein Labyrinth erschien. Ich brauchte fast eine halbe Stunde, um vom Bahnsteig zum Schalter der Iberia-Fluglinie zu gelangen und hatte dabei zahllose Rolltreppen treppauf und treppab zu überwinden und mit der Hochbahn vom Terminal 1 zum Terminal 2 zu fahren. Was sich die Flughafengestalter dabei gedacht haben, kann ich nicht nachvollziehen, denn es grenzt schon an eine Unverschämtheit, die Passagiere mit ihrem Gepäck auf diesen umständlichen Weg zu schicken. Nachdem ich eingecheckt hatte und nun reichlich Zeit bis zum Abflug hatte, hielt ich Ausschau nach weiteren Rotelreisenden und entdeckte auch einige. Bei McDonalds saß eine sympathische Frau mit ihrem Riesensohn, und ich hoffte, daß sie auch zu unserer Gruppe gehörte. Bei der Zwischenlandung in Madrid sah ich die Frau wieder und sprach sie an, und von da an waren Gerda und ich fast unzertrennlich. Nicht nur, daß Gerda aus heimischen Gefilden (Aachen) stammte und daher einen vertrauten Dialekt sprach, sondern sie war von der Sorte Kumpelfrau, die das Herz auf dem rechten Fleck hat und weiß, wie das Leben so spielt. Und sie lachte gerne und war für alle Schandtaten zu haben. Das war genau das Richtige für mich, und so verstanden wir uns prächtig.
In Malaga erwartete uns der Reiseleiter Peter, der uns ziemlich schlafmützig vorkam. Er war aber nett und hat uns während der ganzen Reise umfassend bis zum „Nichtmehrhörenkönnen“ über die Geschichte und die Vergangenheit von Andalusien und Portugal informiert. Flora und Fauna hingegen waren nicht sein Metier, aber man kann nicht alles haben.l
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Wir saßen vor dem Flughafen in der ersehnten Sonne und warteten, bis die ganze Rotelgruppe von 35 Leuten eingetrudelt war und fuhren dann die 52 km bis zu unserem Campingplatz 8 km vor Marbella, der Stadt der Reichen und Prominenten und des Massentourismus. Nachdem wir unsere Schlafkojen (ich hatte diesmal 3 Mitte) bezogen hatten, gingen wir zum ersten Mal ans Meer. Dafür mußten wir eine Schnellstraße mittels einer Brücke überqueren und dann ca. 10 Minuten laufen. Wie schön, wieder einmal das Meer zu sehen, das ruhig an den feinen, weißen Sandstrand plätscherte. Einige Einheimische angelten, ein paar kleine Hunde tollten herum, ansonsten war der Strand menschenleer. Eine schöne Begrüßung.
Die erste Nacht im Rotel war wie immer: einige Schnarcher, einige Prostatageplagte, einige Nachtschwärmer, aber insgesamt friedlich. Der nächste Morgen empfing uns warm und sonnig. Ich ging gleich wieder ans Meer und kehrte dann zum Frühstück zurück. Hier lernte ich dann auch die neue Mode von Rotel kennen mit den Bierbänken und -tischen anstelle der früheren Campingtische und Hocker, bei denen man ein bißchen individuellen Spielraum hat, weil man sich hinsetzen kann, wo man will. Hier standen die Bänke und Tische alle in Reih und Glied eng beieinander, und den einmal eingenommenen Platz hatte man möglichst immer beizubehalten. Herrjeh, wie engstirnig und vor allem: wie eng, wenn 4 Leute auf einer Bank sitzen. Das ist so eng wie im Flugzeug, aber mit dem Unterschied, daß man im Flugzeug bedient wird. Die Butter war bockelhart, weil kalt, das Brot mieser und geschmackloser als befürchtet, so daß ich alsbald auf Selbstversorgung umstieg, denn in den Supermärkten gab es auch Vollkornbrot, Käse und Obst. Abends aß ich meist nur Obst im Bus, nachdem ich mich in den jeweiligen Städten zuvor satt gegessen hatte. Nach dem anstrengenden Tagesprogramm hatte ich wirklich keine Lust mehr auf Rotelsuppe und Tuchfühlung mit 10 alten Ehepaaren und 13 Ossis.
Wir starteten also mit unserem Rotel ganz gemütlich um 9.00 Uhr mit dem Tagesziel Granada. Erst fuhren wir die Küste in östlicher Richtung entlang und sahen unterwegs eine Menge Blüten wie Mittagsblumen, Mohn, Aloen, Margariten, Agaven und natürlich Palmen, Avocados, Olivenbäume und bei Nerja auch große Chirimoya-Plantagen. Chirimoyafrüchte sind etwa so groß wie ein dicker Apfel und schmecken bananenähnlich lecker.
Peter informiert uns, daß Andalusien 87.000 qkm groß ist und 780 Jahre lang von den Mauren regiert wurde. Heute hat Andalusien ca. 9 Mio Einwohner, und jährlich kommen rund 10 Mio Touristen, die damit die Haupteinnahmequelle darstellen.
Vor 14 Tagen war es hier noch sehr kalt und regnerisch, wie schön, daß heute die Sonne lacht und uns ordentlich aufwärmt. So hatten wir uns das gewünscht und sind glücklich, auf Reisen zu sein und Urlaub zu haben.
In Nerja besuchen wir eine schöne große Tropfsteinhöhle, die 800 Mio Jahre alt sein soll. Im nahegelegenen Restaurant gibt es ein Büffet, und da wir hier Mittagspause machen, probiere ich die erste Paella meines Lebens. Paella ist ein sehr altes traditionelles Reisgericht, dem Fleisch und Fisch und Meeresfrüchte sowie Gemüse beigemischt werden. Ursprünglich war es ein Armeleuteessen, man warf alle Reste zusammen. Ähnlich ist ja auch die Pizza in Italien entstanden, die einen wahren Siegeszug um die ganze Welt angetreten hat. Diese Paella war nicht unbedingt mein Fall und ich pulte ziemlich viel herum und heraus. Dafür war die Aussicht auf das glitzernde Meer und die schneebedeckten Berge landeinwärts um so schöner, und wir fanden das Leben so richtig herrlich. Was für eine gute Luft, leicht und frisch, wunderbar.
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Wir fuhren weiter die Küste entlang, die besonders bei Almunecar sehr abwechslungsreich und schön wurde. Hier sah ich auch die ersten und einzigen Papayabäume voller Früchte. Die vielen Avocadobäume blühten, und die Nisperos, eine Baummistelart, hingen voller fast reifer Früchte. Ich hatte die Nisperos bereits auf Teneriffa kennen- und schätzen gelernt.
In Salobrena stiegen wir aus und liefen zu Fuß durch die engen, steilen Gäßchen hoch zur alten Burg. Der Blick in die weite Landschaft war herrlich, es war heiß und luftig und genau richtig für den ersten Urlaubstag.
In Salobrena verließen wir die Küste und fuhren landeinwärts hoch in die Berge der Sierra Nevada, die uns bald schroff und steil umrahmten und mit schneebedeckten Gipfeln sehr eindrucksvoll grüßten. Indessen stimmt uns Peter auf Granada und seine Geschichte ein und erzählt uns auch, daß hier der Flamenco zu Hause ist, der ursprünglich von den Zigeunern stammt. In Spanien leben ca. 800.000 Zigeuner, und im Flamenco wird die leidvolle Geschichte der Diskriminierung und Nichtachtung sehr leidenschaftlich zum Ausdruck gebracht, aber auch Freude, Liebe und Trauer. Flamenco, das sind getanzte Gefühle! Jedenfalls tanzen die Zigeuner den Flamenco am besten, und wir sollten in Granada die Möglichkeit bekommen, so einen Flamencoabend zu erleben
Granada ist aber sovieles mehr, eine wahrlich unbeschreibliche Stadt, einfach zauberhaft, verträumt, romantisch, großstadthektisch und vergangenheits-trächtig. Von unserem schönen Campingplatz am Rande der Stadt sahen wir wieder die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada. Ganz in der Nähe befand sich der größte Supermarkt, den ich bisher kennen gelernt hatte. Eigentlich war es ein Kaufhaus, denn es gab dort auch Kleidung und sogar Möbel und Pflanzen. Jedenfalls hingen dort u.a. zu Hunderten Schweinebeine mit Füßen, damit ist der berühmte spanische Schinken gemeint, der eine echte Delikatesse sein soll und weit über die Grenzen Spaniens bekannt ist. In diesem Supermarkt jedenfalls deckten Gerda und ich uns ein für die nächsten Tage.
Am Abend wurden wir ins alte arabische Viertel Granadas, ins Albaicin, gefahren und besuchten dort in einem exotisch-arabischen Haus die Flamencoshow, die sicher größtenteils auf Touristen zugeschnitten war, teilweise aber wirklich sehr eindrucksvoll und gekonnt war. Der kleine Raum war vollgesteckt mit Menschen, die sich auf engen, harten Stühlchen quälten... Es war auf jeden Fall ein Erlebnis. Anschließend, es war inzwischen fast Mitternacht, liefen wir in lauer Sommernacht durch die engen Gäßchen dieses alten arabischen Viertels hinauf zum Sacromonte, dem heiligen Berg, wo man von romantischen Plätzen aus einen traumhaften Blick auf die erleuchtete Alhambra hat, die uns erschien wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Es war unbeschreiblich beeindruckend und wunderschön. Allein dieser Blick auf die beleuchtete Alhambra war die Reise wert und wird mir unvergeßlich bleiben.
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Der nächste Morgen begrüßte uns frisch und sonnig, und wir waren voller Vorfreude auf die alte arabische Burg, die weltberühmte Alhambra, diesem Höhepunkt der Architekturgeschichte. Wie kein anderes Bauwerk spiegelt sie die künstlerischen Fähigkeiten des westlichen Islams wider. In allen Städten Spaniens (und auch Portugals) muß man einheimische Stadtführer haben, und da wir so eine große Gruppe waren, bekamen wir zwei Führer, die beide Pepe hießen. Zuerst durchstreiften wir die traumhaft schönen Gärten der Alhambra (Generalife) mit Wasserspielen, Springbrunnen und lauschigen, stillen Nischen. Hier ist ein Ort der Ruhe und der Einkehr. Wunderschöne Rosen und Ranunkeln blühen, die Morgensonne erweckt alles wieder zum Leben.
Danach begann der eigentlich Besuch der Alhambra. Wir hatten eine genau vorgegebene Zeit für diesen Besuch erhalten, denn inzwischen überrollen täglich Abertausende Touristen diese prachtvollen Palastanlagen, daß man sich zu dieser Maßnahme genötigt sah. So darf man also nur diese eine vorbestellte Stunde im eigentlichen Palast verbringen. In den Gärten und auf dem übrigen Gelände kann man sich jedoch aufhalten, so lange man möchte. Es bedarf eines Poeten, eines Kenners und Fachmanns, um die Schönheit dieses orientalischen Märchens auch nur halbwegs treffend zu beschreiben. Es ist eine Sinfonie filigraner Arbeiten in Holz, Marmor und Stuck und das kunstvollste und schönste Gebäude, das ich bisher sah. Ich war zutiefst beeindruckt. Ich habe mir sogar einen Bildband gekauft über die baumeisterlichen Prachtstücke Andalusiens, denn mit einer normalen Kamera im Touristentrubel kann man einfach nicht das einfangen, was man sieht und festhalten möchte.
Wir durchstreifen die ganze Anlage und finden uns bald in der Königskapelle wieder, in der u.a. Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon beigesetzt sind. Die Alhambra hat uns allerdings mit ihrer prachtvollen Schlichtheit derart beeindruckt, daß wir für diese goldüberhäufte, überladene und prunkvolle katholische Kathedrale nicht mehr die nötige Begeisterung aufbringen können. Ausserdem sind wir nach stundenlangem Gedränge inzwischen wirklich reif für einen bequemen Stuhl und eine gute Tasse Kaffee, die wir in einem netten Bistro auch finden. Unter Palmen sitzen wir in der Sonne und lassen es uns richtig gut gehen. Danach sind wir wieder unternehmungslustig, durchstreifen die Plätze und Gäßchen und landen dann in den alten arabischen Marktgassen, wo sich Unmengen arabischer Schnickschnack türmt und man sich um Handdrehen in einem orientalischen Basar wähnt. Ich bin total fasziniert, zumal überall arabische Musik ertönt, die mich total begeistert.
Ringsumher in den Lokalen essen die Leute jetzt um 15.00 Uhr zu Mittag. Bedingt durch die sommerliche Hitze ist in Spanien von 14.00 bis 17.00 Uhr Siesta, die Läden sind geschlossen, die Angestellten der Büros haben ebenfalls frei und arbeiten dann erst von 17.00 bis ca. 20.00 Uhr wieder. An diese veränderten Essenszeiten mußten wir uns erst gewöhnen. Um 12.00 h oder 13.00 Uhr bekommt man nur in den Touristenhochburgen oder Bistros etwas zu essen. Abends ißt der Spanier erst gegen 21.30 Uhr zu abend und auch später.
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Wir, damit meine ich immer Gerda und mich, fahren schließlich mit dem Stadtbus nochmal hoch zum Sacromonte zur Kirche San Nicolas, um von dort aus zu dem herrlichen Platz zu laufen, von dem aus wir am Vorabend den unbeschreiblichen Blick auf die erleuchtete Alhambra hatten. Jetzt in der Mittagshitze sitzen hier viele Verliebte, Musiker, Künstler und begeisterte Touristen aus aller Welt und bestaunen friedlich die majestätisch daliegende Alhambra mit den schneebedeckten Bergen als Hintergrundkulisse. Was für eine Aussicht, was für eine Atmosphäre, was für ein paradiesischer Moment im Leben!
Wir sitzen und staunen und genießen und schlendern dann durch die gemütlichen engen Gäßchen und über die malerischen Plätze dieses einmaligen Viertels. Mit dem Bus fahren wir dann wieder hinunter in die Stadt, trinken einen Kaffee in einem Lokal an der Hauptstraße, wo wir gleich Kontakt zu einem interessanten Pärchen bekommen. Er stammt aus Mannheim, studiert seit vier Jahren in Granada Sprachen und hat seine Frau aus Venezuela dabei. Ein Ehepaar aus unserer Gruppe gesellt sich auch dazu.
Danach fahren wir zusammen wieder zu unserem Campingplatz. Die Luft ist jetzt so klar, daß man meint, die schneebedeckten Berge lägen direkt vor dem Campingplatz zum Greifen nah. Wir sind sonnenverbrannt und begeistert und beschließen den Tag mit Sangria, dem herrlichen Getränk aus Rotwein und Zitrusfrüchten und Eis.
Der nächste Morgen empfängt uns frisch, heiter und sonnig. Nach dem Frühstück fahren los nach Norden in Richtung Jaén durch den größten Olivenhain der Welt. Auf viele Kilometer sehen wir nichts als Olivenbäume, soweit das Auge reicht. Jaén ist ein nichtssagender Ort, um so verblüffender ist die gigantische Renaissance-Kathedrale, die man hier hingebaut hat und die der Grund unseres Besuches war. Nach einem schnellen Cafe solo (Espresso) geht es wieder hinein in den Bus und weiter geht es durch endlose, silbrigglänzende Olivenbaumplantagen. In Andalusien besitzen 4 % der Bevölkerung das ganze Land, verteilt auf 32 Familien. Somit hat die Mehrheit der Bevölkerung keine Chance auf Entwicklung und Landerwerb, was eine hohe Arbeitslosenquote von 27 % bedingt. Und die Reichen trennen sich natürlich nicht freiwillig von ihrem Grund und Boden. Das ist ein großes Problem in Andalusien.
Wir fahren nun in westlicher Richtung weiter, immer dem Flußlauf des Guadalquivir, dem größten Fluß Andalusiens folgend, denn unser heutiges Ziel heißt Córdoba, das uns mit heißer Sonne und herrlichen Gässchen, weißgekalkten Häusern und vielen Blumen empfängt. Besonders die Innenhöfe der Häuser, die Patios, sind mit herrlichen Kacheln und Unmengen Blumentöpfen geschmückt. Córdoba ist eine der ältesten Städte des Landes, die Stadt des Geistes und der Kultur. Unter arabischer Herrschaft wurde Córdoba im 10. Jahrhundert die bedeutendste und größte Stadt auf westeuropäischem Boden. Nur die Millionenstädte Byzanz und Bagdad konnten sich mit ihr messen.
Wir durchschlendern die jüdischen und arabischen Viertel und finden dann in einem schönen Innenhof ein Lokal, das uns zum Mittagessen geradezu einlädt. So gestärkt besuchen wir die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, die ehemalige Moschee „La Mezquita“, vor der auch wieder Massen von Besuchern aus aller Welt auf den Eintritt warten. Diese Moschee zählt wegen ihrer prunkvollen Ausstattung mit den Moscheen von Damaskus und Kairo zur wertvollsten des frühen Islam. Sie wäre heute, nach der großen Moschee in Mekka, die zweitgrößte der Welt. Ich hatte zwar einiges darüber gelesen und auch Fotos gesehen, aber als ich dann in der Moschee stand, war ich schlichtweg sprachlos angesichts von 829 hohen Säulenbögen, durch die ein wunderbares Licht fiel. Was für eine Atmosphäre, was für eine Ausstrahlung! Auch hier fehlen mir die Worte, dieses Meisterwerk auch nur annähernd treffend zu beschreiben, man muß es mit eigenen Augen sehen. Entsetzt war ich dann allerdings von der Kathedrale, die man im Zuge der Inquisition mitten in diese Prachtmoschee hineingebaut hat. Auf der einen Seite die prachtvolle Schlichtheit der Moschee, auf der anderen Seite der Prunk und Goldprotz einer katholischen Kathedrale. Das tat richtig weh! Aber unter dem Aspekt, daß man sonst die ganze Moschee niedergerissen hätte, um hier diese Kathedrale zu bauen, kann ich diese Verunstaltung akzeptieren. Die Kathedrale wäre als eigenständiges Bauwerk sicher auch sehr gelungen, aber nachdem man beschlossen hatte, nach jahrhundertelangem friedlichen Zusammenleben von Christen, Juden und Moslems, nun nur noch Katholiken zu dulden und die übrigen zu vertreiben oder zu ermorden, konnte natürlich ein rein maurisches Gotteshaus nicht geduldet werden. So wurde also die unwahrscheinlich schöne Moschee durch die Kathedrale „verhunzt“.
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Wir verließen das schöne Córdoba und fuhren nun nicht mehr durch Olivenhaine, sondern durch fruchtbares Ackerland mit Getreide- und Gemüsefeldern voller Kartoffeln und Bohnen durch eine sanft hügelige, weite Landschaft zu unserem Campingplatz „La Carlota“.
Auch der nächste Morgen ist frisch und sonnig. Bald sind wir wieder unterwegs und fahren durch flache Ackerlandschaft mit dünner Besiedelung nach Sevilla, dem nächsten Höhepunkt der Reise. Sevilla ist die Hauptstadt Andalusiens mit 750.000 Einwohnern und wird als „Bratpfanne Andalusiens“ bezeichnet. Es empfängt uns mit 33° Hitze. Unser Campingplatz liegt 20 km außerhalb der Stadt genau am Flughafen. Direkt hinter unserem Rotel ist die Flughafenmauer, und als das erste Flugzeug vielleicht 10 m über uns zur Landung herandonnerte, waren wir zu Tode erschrocken. Nach einer Weile hatten wir uns auch daran gewöhnt und fanden es sogar witzig.
Mittags fuhren wir nach Sevilla hinein, stiegen am Torre del Oro, dem Goldturm, aus und liefen dann mit unserem hiesigen Führer Rafael, zu Fuß durch die Straßen, denn hier ist dank des allgegenwärtigen Verkehrs kein Durchkommen mit dem Bus. Zuerst besichtigten wir den Alcázar, der ursprünglich das Königsschloß der maurischen, später der christlichen Herrscher war. Zum letzten Mal konnten hier maurische Baumeister ihre Kunstfertigkeit beweisen. Ich kann nicht sagen, welches der bisher gesehenen Prachtgebäude das Schönste war, jedes Mal dachte ich, so etwas Schönes habe ich noch nie gesehen. Fest steht für mich nach der Reise jedenfalls, daß mir die maurische Baukunst von allen Baustilen, die ich bisher kennengelernt habe, am allerbesten gefällt, weil es nirgends Protz und Goldkitsch und überladene Gemälde gibt. Im Islam gibt es ja keine figürlichen Darstellungen von Seelenwesen und schon gar nicht von Gott. Das finde ich sehr einleuchtend. Auch hier beim Alcázar befindet sich ein wunderschöner Garten, als Oase der Ruhe und Einkehr gedacht.
Gleich neben dem Alcázar befindet sich die Kathedrale, für deren Bau das Domkapitel den Leitsatz aufstellte: „Wir bauen eine Kathedrale, daß uns die Welt für wahnsinnig hält“. Der reiche Goldstrom aus der neuen Welt, also aus den Kolonien, förderte das Vorhaben, und noch heute ist sie eine der größten Kathedralen der Christenheit. Errichtet wurde sie auf den Grundmauern der alten Moschee, nur das strenge Minarett wurde in den Bau einbezogen, die Giralda, die heute als Glockenturm fungiert. Die Kathedrale ist wahrlich gigantisch und überdimensional. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, daß auch hier wieder Zigtausende Besucher aus aller Welt waren, vor allem aus Japan, Korea usw., die wie die Wilden knipsten und sich in Grüppchen vor die Altäre oder das Kolumbusdenkmal stellten, das sich ebenfalls in dieser Kathedrale befindet.
Anschließend sind wir dann über 33 schiefe Ebenen die Giralda hochgelaufen, dieses ehemalige Minarett der einstigen Moschee. Von oben hat man einen herrlichen Blick über ganz Sevilla. Als die Glocke schlug, fuhren wir ob der Lautstärke jäh zusammen. Auch das war wieder gewaltig.
Wir hatten noch Freizeit und bummelten durch die schönen blumengeschmückten Gäßchen und fanden uns dann alle wieder am Goldturm ein, wo wir müde und „durchgebraten“ vom Rotelbus aufgelesen und zum Campingplatz gebracht wurden. Der Rotelgemüsesuppe ließen wir dann einen Krug Sangria im Restaurant folgen, woraufhin wir trotz Flugzeuggetöse prima schliefen.
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Der nächste Morgen empfing uns kühl und windig. Nach dem Frühstück bauen die Männer das Schlafteil des Busses ab, und wir fünf Raucherinnen stellen belustigt fest, daß so eine Reise auf eigene Faust mit dem Wohnmobil nicht zu verachten wäre. Ideale Begleitung wäre dabei ein kräftiger Mann als Fahrer/Mechaniker/Begleiter, der am besten taubstumm und schwul sei....dann gibt es keine unerwünschten Spannungen und keinen Ärger. Das war schon böse, aber bemerkenswert, daß wir alle einer Meinung waren. Wir sind halt keine 18 mehr und wissen, was wir wollen und was nicht!
Heute fahren wir erst nach Santaponce/Italica, einer alten römischen Siedlung, die 219 vor Christus errichtet wurde. Für mich sehen alle römischen Ruinen gleich aus mit Amphitheater, Bädern und Anlagen. Es war jedoch ein schöner Morgenspaziergang, und so lief ich mit, obwohl es mich wirklich nicht interessierte. Seltsam, für Ruinen und „Bröckele“ konnte ich mich noch nie begeistern. Deswegen war ich auch noch nie in Griechenland oder in Mexiko. Wobei ich Kirchen fast genauso liebe wie „Bröckele“...., deswegen mag ich auch z.B. nicht nach Frankreich auf die Kathedralenfahrt gehen.
Wir fuhren anschließend zurück nach Sevilla durch das Weltausstellungsgelände und dann hinein in die Stadt zur Plaza de Espana, einem gigantischen Platz mit herrlichen Gebäuden, Kacheln, Brücken und Türmen. Dann waren wir „frei“ und spazierten durch den Park Maria-Luisa mit Wasserspielen, Brunnen, einladenden Bänken. Eine Oase der Ruhe in dieser pulsierenden, lauten Stadt, die uns aber magisch anzog. Wir spazierten wir durch die engen Gäßchen des Altstadtviertels Santa Cruz, fanden ein typisch spanisches Lokal, wo ich eine Spezialität des Landes, die Gazpacho, probierte. Das ist eine kalte Suppe aus püriertem Gemüse mit viel Knoblauch. Bei der Hitze echt lecker! Wohlgestärkt liefen wir anschließend stundenlang durch die Straßen, fanden tolle Geschäfte, viele Kirchen, Prachtgebäude und Plätze voller Menschen. Sevilla ist eine hektische, lärmende Stadt mit großer Ausstrahlung und Anziehungskraft. Sie hat uns sehr gefallen, und wir wären hier gerne bei Nacht durchgezogen, aber der Campingplatz rief, und heute hat Rotel für alle Paella bestellt im Restaurant. Auch diese Variante konnte mich nicht begeistern. Dafür der anschließende Sangria um so mehr.
Der nächste Morgen ist sonnig und windstill. Wir sitzen wie gehabt schweigend im Bus. Peter fragt mehrfach, wieso wir so still sind. Die alten Ehepaare haben sich offenbar nichts mehr zu sagen, die Singles halten sich vornehm zurück, und eine Ulknudel gibt es in diesem Bus auch nicht. Gerda sitzt etliche Reihen vor mir, und so herrscht halt Grabesruhe.... Wie lustig und geradezu geschwätzig war dagegen die Truppe in der Mongolei im letzten Jahr. Wie oft habe ich in den letzten Tagen an die Stille und Weite der schönen Mongolei gedacht und wie sehr habe ich mich danach gesehnt. Aber krasser kann der Gegensatz gar nicht sein als hier, man kann nicht vergleichen. Eines weiß ich aber jetzt ganz sicher: ich bin ein Naturmensch, kein Stadtmensch! Trotz all der herrlichen Bauwerke schreckt mich der Lärm und vor allem die Unmengen Menschen überall. Bisher wußte ich offenbar nicht, was Massentourismus ist, jetzt weiß ich es, und ich werde ihn künftig meiden und wieder in die Wüste fahren.
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Wir sind heute auf dem Weg nach Merida, einer nichtssagenden Stadt, die wir besuchen, weil es dort die bedeutendste römische Ruinenstadt auf iberischem Boden gibt, die mich nicht interessiert. Sehr wohl interessieren mich aber die phantastischen Blumenwiesen und die schöne Landschaft der Sierra Morena, durch die wir fahren. Wir sind hier in der Extremadura, wo die schwarzen Schweine (Stichwort Schinken) sich mit Steineicheln vollfressen und wo die Kampfstiere ein paradiesisches Leben führen, bis sie in der Arena qualvoll sterben unter dem Jubel der Massen.
Es ist heiß und windstill in dieser herrlich blühenden Landschaft, die zunehmend flacher wird. Auf der roten Erde wachsen großflächig Weinreben. Als wir in Merida gegen Mittag ankommen, ist es 36° heiß. Wir laufen über die 800 m lange Römerbrücke über den Guadianafluß und machen anschließend Mittagspause. Die Stadt ist rappelvoll mit Teenagern. Es sind Schüler aus ganz Spanien, die hier zu einem Austausch ein paar Tage verweilen und die alle gleichzeitig um 16.00 Uhr in die römischen Ausgrabungen wollen, weil das zu ihrem Programm gehört. Was für ein Lärm und Umtrieb. Gerda und ich sind uns wieder mal einig, und während alle schwitzend zwischen römischen Bröckele rumspazieren und pflichtschuldigst den endlosen Ausführungen über die Geschichte zuhören, genehmigen wir uns Kaffee und Cola im Schatten und lästern über Gott und die Welt. Herrlich! Als dann das ganze lärmende Volk wieder die Straßen überrollt, verlassen wir die Stadt.
Unser heutiger Campingplatz liegt sehr schön einige Kilometer von der Stadt entfernt mitten im Grünen. Heute ist Koffertag, und schnell hab ich ein bißchen ausgetauscht und flüchte dann zum nahegelegenen Stausee, wo ich über eine Stunde am stillen Ufer sitze und den Schwalben zuschaue, die dicht über die Wasseroberfläche flitzen und Insekten fangen. Schließlich kommt Gerda an, die sich Sorgen macht, weil ich nicht zur Suppe erschienen bin, aber sie hatte sich schon gedacht, daß ich eine Oase brauchte nach all dem Lärm und Gedränge des heutigen Tages. Später sitzen wir dann vor der Bar auf einer kleinen Anhöhe und betrachten bei einem Glas Rotwein den schönen Sonnenuntergang, hören dem Klappern der vielen Störchen auf den Bäumen ringsumher zu und füttern unsere Nerven.
Morgens ist es sehr frisch und neblig. Wir frühstücken schon um 7.00 Uhr im Halbdunkeln und machen uns dann auf den Weg in Richtung Norden zur portugiesischen Grenze. Über Badajoz, Elvas und Estremoz fahren wir durch flaches Ackerland mit Obst- und Olivenplantagen. Wir überqueren die Grenze, ohne es zu merken. Es gibt keine Schlagbäume mehr und auch kein fremdes Geld, nur die Sprache ist anders, und die Uhr müssen wir eine Stunde zurückstellen. Wir hatten uns ganz gut mit dem Spanischen arrangiert, nun müssen wir wieder umlernen und auf portugiesisch radebrechen. Aber auch das klappt ganz gut, wir erreichen jedenfalls immer, was wir wollen.
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Es ist ein Jammer, daß es heute so kalt und neblig ist, da leuchten die endlosen Blumenwiesen nicht so wie sonst. Hier wachsen sogar wilde Gladiolen und Unmengen lila Blumen, die ich nicht kenne. Ich vermute, daß sie zur Malvenfamilie gehören. Die Landschaft ist nur dünn besiedelt, leicht hügelig. Ab und zu sehen wir ein paar Kühe und Schafe. Ein Prostatageplagter erzwingt die erste Buschpause dieser Reise. Mit unserem 23 m langen Gefährt können wir auf diesen schmalen Straßen nicht halten, und geeignetes Gebüsch ist auch nicht leicht zu finden. Aber Not kennt kein Gebot, und schließlich machen wir doch Halt. Bei dieser Gelegenheit kann ich mir die Blumen genauer ansehen und entdecke viel wilden Borretsch. Die Olivenbäume fangen an zu blühen, auch die Orangenbäume und jede Menge leuchtendgelber Ginster. Es ist wirklich saukalt, und wir empfinden den Temperatursturz zu den gestrigen 36° sehr unangenehm. Mit einigen Lotsen vor und hinter dem Bus schaffen wir es, wieder auf die Straße zu kommen und fahren weiter über eine uralte römische Brücke. In den Bäumen sitzen Hunderte Kuhreiher und warten auf die wärmende Sonne, die sich Gott sei Dank tatsächlich langsam blicken läßt. Nun fahren wir durch Korkeichen- und Eukalyptuswälder, begleitet von den traumhaft schönen Blumenwiesen, bei denen wir leider nie angehalten haben, so daß ich kein einziges Foto davon machen konnte.
Den Korkeichen wird alle 8-10 Jahre bis zu einer Höhe von ca. 2 m die Rinde entfernt. Die Korkeichen werden 120 - 150 Jahre alt. Das kleine Land Portugal mit 10 Mio. Einwohnern ist der wichtigste Korklieferant der Welt, und 30.000 bis 40.000 Menschen sind in der Korkproduktion beschäftigt. Wir haben Gelegenheit, einen Betrieb zu besichtigen, der den Kork weiterbearbeitet. Hier stapeln sich riesige Halden von Korkplatten in den verschiedensten Qualitäten.
Unsere Mittagspause machen wir in dem unscheinbaren Städtchen Abrantes, wo wir auch dem Tejo, dem größten Fluß Portugals, zum ersten Mal begegnen. Wir sind hier in Mittelportugal. Auf der Weiterfahrt kommen wir nach Tomar, wo wir die hoch oben am Berg gelegene Christusritterburg besichtigen, auch wieder so ein gigantischer Koloß von Burg und Kirche/Kloster in einem. Aber der phantastische, manuelinische Baustil fasziniert mich. Aus Stein sind alle möglichen Figuren, Gegenstände und Pflanzen so kunstvoll herausgearbeitet, daß man meint, sie wären lebendig. Es gibt ungeahnte Varianten von Kunst und unermeßliche Schätze, die unsere Vorfahren hinterlassen haben. Was hinterlassen wir außer Atommüll und Computerschrott?
Schließlich kommen wir zum heutigen Tagesziel nach Fatima, wo Anfang des letzten Jahrhunderts am 13. Mai drei Hirtenkinder eine Marienerscheinung hatten. Danach folgten jeweils am 13. des Monats bis Oktober weitere Marienerscheinungen den Hirtenkindern. Die Voraussagen der Maria sind offenbar alle in Erfüllung gegangen, auch das Papstattentat hatte sie auf den Tag genau vorausgesagt. Zwei der Hirtenkinder starben noch im Kindesalter und sind inzwischen vom Papst heilig gesprochen worden. Das jüngste Kind, die Lucia, lebt noch als Nonne in einem Kloster. Für diese Marienerscheinungen gibt es angeblich eine ganze Reihe von Zeugen, mag man es glauben oder nicht. Jedenfalls ist aus dem unscheinbaren Dörfchen Fatima eine Stadt geworden, die ausschließlich von den Pilgern und Touristen lebt, die zu Hunderttausenden zum heutigen Heiligtum, der Erscheinungskapelle und der Kirche, pilgern. Viele nehmen lange Fußwege auf sich und rutschen dann auf den Knieen über den gigantisch großen Platz bis zur Kathedrale. Der Platz ist doppelt so groß wie der Petersplatz in Rom. Viele Pilger kommen in Rollstühlen und erhoffen sich Heilung.
Nach einer kurzen erklärenden Stadtrundfahrt wurde unser Rotel auf dem Fußballplatz der Steyler Mission abgestellt. Es war sehr kühl und windig, richtig ungemütlich. Die Dienstbeflissenen unserer Gruppe wetzten auch sofort wieder mit den Eimern zum Wasserholen los, damit nur ja die Suppe bald aufgesetzt werden konnte, die restlichen Frauen kämpften mit Kohl und Möhren und Kartoffeln. Gerda und ich halfen brav mit. Dann ließen wir die Suppe Suppe sein und gingen zu Fuß durch die Hauptstraße von Fatima. Hier gibt es zahllose Geschäfte und Lädchen, die Marienfiguren und Rosenkränze zu Tausenden verkaufen und alles, was sich sonstwie zum Thema Marienerscheinung vermarkten läßt. Gerda kaufte eine dicke große Kerze, die sie weihen lassen und dann ihrem Pfarrer daheim übergeben wollte. Da die Weihung nur im Rahmen einer Messe erteilt wurde, gingen wir über den gigantisch großen Platz in die Kirche, wo zu fast jeder Stunde eine Messe in einer anderen Sprache gehalten wurde. In der angenehm schlichten Kirche nahmen wir an einer portugiesischen Messe teil und hatten nun also eine geweihte Kerze und einen Rosenkranz.
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Anschließend hatten wir Hunger und fanden eine Pizzeria, wo wir warm saßen und eine wirklich sehr leckere Pizza und einen Rotwein verdrückten und nicht ohne Schadenfreude daran dachten, wie die anderen Rotellisten bei kaltem Wind auf der harten Bierbank saßen und die Kohlsuppe löffelten.... Es gibt da so einen Spruch: das Leben ist schön, aber teuer. Man kann es auch billiger haben, dann ist es halt nicht mehr so schön. Und nach diesem Motto gaben wir also Geld aus und genossen das Leben, denn schließlich hatten wir Urlaub und wollten gutgelaunt reisen und nicht verdrießlich. Es ist uns wohl gelungen.
Am nächsten Morgen, 27.04.2002, berichtete uns Peter von dem schrecklichen Massaker in Erfurt. Wir waren alle schockiert und ratlos. Was soll man dazu sagen? Verrückte gab es schon immer und wird es immer geben. Aber das ist kein Trost für die Betroffenen.
Es war sehr kühl und neblig an diesem Morgen. Wir fuhren nach Batalha, wo wir die ebenfalls gigantische Kathedrale mit Kloster und königlicher Grabkapelle und dem Grab des unbekannten Soldaten des ersten Weltkrieges besichtigten. Die Kathedrale enthält feinste, sehr beeindruckende Ornamente und hat eine phantastische Akkustik. Am Grab des unbekannten Soldaten ist jede Stunde Wachablösung durch zwei Soldaten. Diese Anlage ist das größte Nationalmonument Portugals.
Weiter geht es nach Alcobaca zur Zisterzienser-Abtei, ebenfalls wieder ein Riesenbau. Für heute habe ich aber genug und Gerda auch. So genießen wir die langsam wieder wärmende Sonne, laufen durch herrliche Gärten, kaufen Keramik und genehmigen uns dann in einem Straßencafé einen café con leite, wie hier der Milchkaffee heißt. Das war eine echte Urlaubsstunde. Unser Rotel bringt uns dann in das kleine Dörfchen Sitio, das auf eine Klippe hoch über dem Atlantik liegt. Der Blick auf das Meer ist herrlich. Hier laufen noch Frauen in ihrer alten Tracht mit kniekurzen Röcken und 7 Unterröcken herum und versuchen, getrocknetes Obst zu verkaufen. Jede Menge Läden und Stände mit Stricksachen, Kacheln und Souvenirs aller Art sind hier und warten auf Käufer, die sie auch finden. Dann geht es runter nach Nazaré, einem alten Fischerdörfchen, das einst sicher recht romantisch war. Nazaré hat einen schönen langen Sandstrand und nette alte Gässchen, wenn man sie sucht. Die Strandpromenade ist jedoch voll touristisch erschlossen mit endlosen Lokalen und Souvenirshops. Wir laufen barfuß am Strand entlang und trotzten dem Wind. Große Möwen lassen sich tragen und schweben über Meer und Strand, ein schönes Bild. Fischer sitzen am Ufer und flicken ihre Netze. Alte Frauen haben Fisch auf Gitter zum Trocknen gelegt und halten einen Schwatz. Das alles ist recht malerisch. Nach unserer Strandwanderung finden wir wieder einen Platz in der Sonne und genießen zum Kaffee eine Spezialität des Landes: kleine Blätterteigtörtchen mit Pudding. Sehr klein und fein.
Rein geht es in den Bus und zurück nach Fatima, wo unser „Schlafzimmer“ bei der Steyler Mission wartet. Gerda und ich verzichten auch heute auf eine windigkalte Suppe und steuern schnurstracks die Pizzeria von gestern an. Da wir recht früh wieder zurück sind und die meisten sich wegen Wind und Kälte irgendwohin verzogen haben, suchen wir die Bar der Mission auf. Ja, richtig, in der Mission gibt es im Keller eine Bar, Pilger sind nicht unbedingt auch Asketen. Dort sitzt ein Teil unserer Gruppe aus purer Verzweiflung, auch Peter sitzt einsam an einem Tisch und empfiehlt uns angesichts der Kälte Brandy. Die Bar ist ein total ungemütlicher, großer, hallender Raum; der Fernseher plärrt vor sich hin, und so bleiben wir nicht lange, sondern gehen unter die Dusche und anschließend in unsere Kojen.
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Es ist Sonntagmorgen, kalt und windig. Wir frühstücken um 6.30 Uhr und schlottern. Heute haben wir eine große Strecke zu fahren, denn unser heutiges Ziel heißt Lissabon. Peter informiert uns während der Fahrt über die 2000 Jahre alte Großstadt, die fast 1 Mio Einwohner hat und die zu den schönsten der Welt gehören soll. Aber bis dahin haben wir noch einiges zu sehen und durchfahren große Korkeichen- und Eukalyptuswälder und immer parallel zum Tejo, diesem großen Fluß, der bei Lissabon in den Atlantik mündet und dort so breit ist wie ein See. Schließlich kommen wir in Lissabon an, sehen eine der größten Hängebrücken der Welt, nämlich die Ponte Vasco da Gama, die 17,5 km lang den Tejo überspannt und sehr eindrucksvoll aussieht.
Unser schöner Campingplatz Monsanto liegt 8 km außerhalb der Stadt. Der nächste Morgen ist wieder sehr kühl und windig. Wir fahren nach Lissabon hinein zum Hieronymuskloster mit Kathedrale. Wieder so ein Riesenklotz, in dem u.a. Vasco da Gama ruht, der Indien entdeckt hat. Da die Kathedrale ein Gotteshaus ist und kein Museum, wird die Kirche 30 Minuten nach Ende der Messe geschlossen. Das bedeutet, daß sich in diesen 30 Minuten Tausende von Besuchern zusammendrängen, um auch dieses Bauwerk noch zu sehen. Hier herrscht das größte Gedränge und die übelste Sprach- und Lärmkulisse von Dutzenden Reiseführern und ihren Gruppen aus aller Welt. Mir kam es vor wie der Trubel auf einem Jahrmarkt, und hier hatte ich dann endgültig die Nase voll von Menschenmassen. Ich kämpfte mich nach draußen, während die anderen brav im Pulk blieben, um einen Blick auf das Kloster und den Kreuzgang zu erhaschen. Gerda und ich liefen ein bißchen durch die schönen Parkanlagen direkt am Tejo. Aber da es so kühl und windig und daher ungemütlich war, fanden wir denn Bus direkt wie eine Oase vor. Auch die Gruppe kam bald ziemlich entnervt zurück. Auf der anschließenden Stadtrundfahrt kamen wir auch zum Turm von Belem, den ich vor 22 Jahren bei meinem Zwischenstop in Lissabon auf dem Weg nach Brasilien schon kennengelernt hatte. Das war aber auch das einzige, an das ich mich erinnern konnte. Jedenfalls ist dieser trummige Turm direkt am Tejo gelegen eines der Wahrzeichen der Stadt. Von hier sehen wir auch die Brücke des 25. April (Tag der Revolution gegen die Diktatur 1974), die der berühmten Brücke in San Francisco erstaunlich ähnlich sieht. Gegenüber steht auf einem Riesensockel eine Christusstatue, die ich damals in Rio auf dem Corcovado mit 38 m Höhe vorfand. Brasilien ist ja eine ehemalige Kolonie des kleinen Portugals gewesen, und bis heute wird dort portugiesisch gesprochen.
Wir schauen uns noch das Denkmal von Heinrich dem Seefahrer direkt am Fluß an, der hier kurz vor seiner Mündung in den Atlantik unglaublich breit ist. Hier vor dem Denkmal steht auch eine Imbißbude, wo es außer guten belegten Brötchen auch einen Bica gibt, wie hier der Espresso genannt wird. Das scheint alle wesentlich mehr zu faszinieren als das Denkmal. Wir fahren weiter zur Praca Rossio, wo wir aussteigen, weil der Bus in der Innenstadt nicht weiterkommt. Mit dem öffentlichen Bus fahren wir die engen steilen Straßen hoch zur Burg Castelo San Jorge, von wo aus wir einen tollen Blick über diese große Stadt haben. Mit unserer hiesigen Führerin, einer Deutschen, die seit über 35 Jahren mit einem Portugiesen verheiratet ist, laufen wir anschließend durch die Alfama, dem ältesten Viertel Lissabons. Hier gibt es viele malerische Gässchen, die Wäsche flattert überall vor den Häusern, und wir sind ausnahmsweise die einzigen Besucher. Die Häuser sind hier aber nicht in so einem makellosen Zustand wie in Spanien, oft blättert der Putz ab, und viele Häuser machen einen recht renovierungsbedürftigen und ärmlichen Eindruck. Am Ende der Diktatur 1974 war Portugal ein einziges Armenhaus. Es dauert seine Zeit, bis das überwunden ist.
Wir kommen wieder zum Praca Rossio und haben nun Freizeit. Die Sonne lacht inzwischen zu unserer Freude auch wieder. Wir laufen kreuz und quer durch Lissabon und denken an die mehrfachen Warnungen vor Dieben. Überall stehen Gruppen von Schwarzen aus den ehemaligen Kolonien Angola, Mozambique usw., und auch jede Menge Polizei ist allerorten präsent. Da gehen wir nicht ohne mulmiges Gefühl in die Seitengäßchen. Irgendwann erstehe ich von einem Maler ein schönes Ölbild, das einen Tisch mit Stühlen unter einer sonnendurchfluteten Laube darstellt. Der Lichteinfall ist wunderbar festgehalten, und das Bild hat eine enorme Tiefe. Es wird mich immer an diese Reise erinnern.
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Am nächsten Morgen ist es bewölkt und kühl, aber windstill. Unser heutiges Ziel liegt in der Nähe von Faro an der berühmten Algarve. Wir fahren über die schöne Brücke des 25. April über den breiten Tejo, sehen auf den Atlantik und die großen Schiffe, die hier vor Anker gehen. Dann geht es in Richtung Süden über Setubal in der Provinz Alentejo. Bald kommt auch die Sonne wieder, und wir fahren durch ausgedehnte Weinanbaugebiete, Korkeichen- und Eukalyptusplantagen und Kiefern- und Pinienwälder. Die Kartoffelfelder blühen und der Ginster auch. Peter erzählt über die großen Seefahrer Portugals: Vasco da Gama, Heinrich der Seefahrer, Magellan, Bartholomeu Diaz. In Alcacer do Sal machen wir eine Morgenvisite. Auf den beiden Kirchtürmen befinden sich 6 Storchennester mit Nachwuchs. Dann geht es bei portugiesischer Musik weiter durch Reisfelder, und es gefällt uns, bei schönem Wetter und Musik durch eine heitere Landschaft zu fahren. Wir kommen nach Sines, dem Geburtsort Vasco da Gamas. Es ist ein verträumter kleiner Ort am Atlantik, wo uns kein Tourist begegnet, als wir durch die kleinen Gäßchen streifen. Weiter geht die Fahrt durch eine hügelige Landschaft voller Blumenwiesen und kleiner Wälder, ab und zu taucht ein kleines Dorf auf, immer wieder sehen wir kleine Rinderherden mit Kälbern. Inzwischen sind wir in der Provinz Algarve und kommen in ein Naturschutzgebiet bei Aljezur am Atlantik, wo Peter in einem einsamen Restaurant direkt am Meer Schwertfischessen bestellt hat für diejenigen, die das wollten. Wir durchfahren ein großes Feuchtgebiet, in dem vor allem Schildkröten leben, Kuhreiher, Ibisse und Störche. Man hat überall Brandschneisen angelegt, um eventuelle Brände besser unter Kontrolle zu bekommen. Hier breitet sich überall die Macchia aus, eine strauchig-krautige Vegetation mit vielen Blüten, die herrlich duften.
Während die Mehrheit der Gruppe zum Essen geht, laufe ich auf die Felsklippen hinauf und bin von der Aussicht auf den wild tosenden Atlantik und die herrliche Küstenformation total begeistert. Soweit ich schauen kann, fällt die Küste steil ab ins Meer, ab und zu sieht man eine kleine Sandbucht und Felsklötze vor der Küste. Dazu bläst ein so starker Wind, daß man es nicht lange dort oben aushält. Ich suche mir ein etwas geschütztes Plätzchen unterhalb des Gipfels und schaue auf den Strand und die Felsen und das glitzernde Meer. Über mir kreisen große Möwen, und es ist total friedlich und einsam hier. Nur das endlose Rauschen der Brandung ist zu hören. Endlich und Gott sei Dank allein! Ich genieße die Zeit und laufe dann barfuß durch den feinen Sand wieder runter zum Strand. So nach und nach trudelt die Gruppe wieder ein, die lange auf den wohl sehr guten Fisch hat warten müssen. Ihnen bleibt kaum noch Zeit, sich den Strand anzusehen, dann geht es wieder weiter über Sagres zum Cabo de Sao Vicente, dem westlichsten Punkt Europas. Als wir ankommen, sehen wir etliche fliegende Händler und einen Bratwurststand, auf dem steht: die letzte Bratwurst vor Amerika! Ein cleveres deutsches Ehepaar verkauft hier wirklich sehr gute Bratwurst zu einem stattlichen Preis, und ich bin sicher, daß ihr Mercedes bezahlt ist! Die Aussicht von der Landspitze auf die Küste und das weite Meer ist wunderschön und windumtost.
Durch die macchiabewachsene Landschaft und bei Fadomusik von Amalia Rodrigues geht die Fahrt weiter nach Lagos, wo wir Aufenthalt haben. Einige fahren mit kleinen Booten zu sehr schönen Grotten. Da mir in kleinen Booten bei Seegang regelmässig schlecht wird, verzichte ich darauf und laufe dafür durch die Gäßchen der Stadt, durch die Flaniermeile und an der palmengesäumten Uferpromenade entlang. Hier ist alles völlig auf den Tourismus eingestellt, und überall sitzen Touris in Bistros und Cafés. Im Hafen liegen teure Jachten, aber auch noch hübsche kleine Fischerboote.
Wir haben noch eine ziemliche Strecke zu fahren und kommen erst gegen 19.30 zu unserem Campingplatz bei Olhao, auf dem viele Engländer, Skandinavier und natürlich Deutsche oft monatelang bleiben und der Tristesse des Winters entfliehen. Direkt hinter dem Campingplatz fährt keine 10 m von unserem Rotel entfernt die Eisenbahn entlang. Ausserdem gibt es hier Schnaken. War aber beides nicht so schlimm wie befürchtet.
Der nächste Morgen ist schön sonnig und windstill. Wir fahren über den Fluß Guadiana, der hier in den Atlantik mündet und gleichzeitig die Grenze zwischen Portugal und Spanien bildet . Wir kommen nun in die Provinz Huelva und befinden uns damit wieder in Andalusien. In der hügeligen Landschaft liegen große Orangenplantagen und Felder voller Erdbeeren, die in der Sonne leuchten. Überall wird geerntet, damit wir zu Muttertag Erdbeerkuchen auf der Kaffeetafel haben. Auch Sonnenblumenfelder, Getreide, Wein und Oliven wachsen hier. Zwischendrin gibt es auch Graslandschaft und ein großes Feuchtgebiet, die Marismas-Sümpfe. Auf jedem Strommast befindet sich mindestens ein bewohntes Storchennest mit Jungen. Bei Flamencomusik fahren wir wieder in die Provinz Sevilla, fahren aber nur an Sevillas Stadtrand entlang und sehen von weitem den hohen Turm der Giralda. Weiter geht es strikt in Richtung Süden. Währenddessen erzählt uns Peter stundenlang die Geschichte Andalusiens, über die Inquisition und den Kampf gegen die Mauren.
In Arcos de la Frontera machen wir Mittagspause. Es soll das schönste der berühmten weissen Dörfer Andalusiens sein. Wunderschöne malerische Gassen und blitzsaubere, schneeweiß gekalkte Häuser empfangen uns bei herrlicher Sonne. Die meisten gehen etwas essen, Gerda und ich laufen jedoch durch die Straßen und Gäßchen den Berg hoch bis zur Burg, von wo aus man einen traumhaften Blick in die Landschaft hat. Sehr schön ist es hier.
Die weitere Fahrt von Arcos de la Frontera bis in die Nähe von Tarifa gehört für mich zur schönsten der ganzen Reise. Wir fahren auf einer alten schmalen Landstraße durch endlose Getreidefelder, die fast reif sind und in der sanfthügeligen Landschaft im Wind wogen. Dieses Bild erinnert mich sehr an die Mongolei von der Landschaftsformation her, vermutlich gefällt es mir daher so. Hier gibt es nur ganz vereinzelt eine Hazienda mit Weidewirtschaft, dafür um so mehr Blumenwiesen. Die Kühe stehen bis zum Bauch in den Blumen, phantastisch. Hier würde ich gerne eine Weile bleiben und die Landschaft mit Muße genießen. Aber wir fahren weiter bis zu unserem Campingplatz Punta Paloma, der ca. 8 km vor Tarifa an der Costa de la Luz (Küste des Lichts) liegt. Während alle anderen sich gleich in Richtung Meer begeben, laufe ich etliche Kilometer die Straße zurück, die wir gekommen sind. Ich finde auch einen Feldweg, der mich zu Weiden führt, auf denen Stiere weiden, und endlich kann ich auch die berühmten Andalusierpferde mit Fohlen fotografieren. Die weissen und schwarzen Stuten stehen bis zum Bauch in Blumen, meist Malven, die Fohlen sieht man gar nicht, wenn sie liegen. Hier wachsen Skabiosen, wilde Gladiolen, Malven, Salbei, verschiedene Margeritenarten in weiß und gelb, Wundkleearten und an den Wegrändern schöne Heckenrosen.
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Schließlich bin ich zurück im Camp und gehe weiter zum Meer, das etwa 1 km entfernt liegt. Hier ist die Stelle, wo der Atlantik und das Mittelmeer zusammenprallen, dadurch entsteht ein ständig starker Wind, der an mindestens 300 Tagen im Jahr bläst und manchmal so stark ist, daß man sich kaum auf den Beinen halten kann. Für Badeurlaub ist das also nicht der richtige Ort, obwohl die langen Strände und die Dünen dahinter aus feinstem weißen Sand bestehen. Aber Surfer aus aller Welt kommen her und haben ihren Spaß an Wind und Wellen, ihre bunten Segel flitzen überall in der Sonne übers Wasser. Ich laufe durch den schönen Sand und sammle besondere Steine und genieße Natur pur, die knallige Sonne und den starken Wind. Hier sollte man mehr Zeit haben, das würde mir gefallen.
Der 1. Mai beginnt mit Wolken und Dunst. Wir wollen uns heute Gibraltar anschauen und fahren immer parallel zum Meer, das nun das Mittelmeer ist. Wir sind wieder an der Costa del Sol, der Sonnenküste Spaniens. Und bald läßt sich auch heute die Sonne wieder blicken. Wir fahren durch die Stadt Algeciras und kommen nach Gibraltar. Den Bus lassen wir vor dem großen Felsen stehen und laufen dann zu Fuß durch die Paßkontrolle der Engländer. Gibraltar gehört den Engländern, und es mutet schon seltsam an, hier an der Küste Spaniens Bobby’s zu sehen und plötzlich englisch zu sprechen und mit Pfund zu bezahlen, weil die Engländer den Euro abgelehnt haben. Gerda und ich folgten jedoch nicht der großen Menge stadteinwärts, sondern gingen erst einmal zum Hafen, weil wir dort zwei Kreuzfahrtschiffe von weitem gesehen hatten, die offenbar gerade angekommen waren und ganze Karawanen fetter weißer kurzbehoster Engländer ausspieen, die die Stadt überschwemmten. Mein Gott! Wir gingen dann ins Zentrum und waren sprachlos über das, was wir dort sahen: Lokal an Lokal, einen Riesenplatz voller Touristen und Läden ohne Ende. Gibraltar ist zollfreies Gebiet, und entsprechend viele Läden mit Alkohol, Tabakwaren, Parfums und grauenhaftem Nippes reihen sich aneinander. Es ist ein Gedränge wie am ersten Schlußverkaufssamstag. Entsetzlich! Wir tranken erst mal einen Kaffee, nachdem wir einen freien Tisch ergattert hatten und brachten irgendwie die 5 Stunden rum, die wir dort Zeit hatten. Überall, wo es wirklich schön war, mußten wir uns sputen und hatten nur 1 ½ oder maximal 2 Stunden, und hier in diesem dekadenten Nepperparadies hatten wir glatte 5 Stunden. Das hat mich geärgert, und ich war stinksauer, als es endlich weiterging. Der Dunst hatte sich inzwischen soweit gelichtet, daß man die nur 14 km breite Meerenge zwischen Gibraltar und Marokko überschauen und die afrikanische Küste erkennen konnte.
Wir fuhren durch eine sanfthügelige Landschaft immer parallel zum Mittelmeer. Die gesamte Küste ist komplett zugebaut, das Landesinnere ist dagegen nur dünn besiedelt. Es gibt aber nicht nur Hotels an der Küste, sondern auch schöne Häuser und kleine Hotels, alles im maurischen Stil. Bald sind wir wieder in der Nähe von Marbella auf dem Campingplatz Buganvilla, auf dem wir auch diese Reise begannen. Gerda und ich gehen gleich runter zum Strand. Wir hatten schon auf der Herfahrt überall die vielen Schaumkronen auf dem Meer gesehen, und der Wind ging ganz ordentlich. Das sonst oft zahme Mittelmeer brauste gewaltig an den Strand, und die meisten Sonnenanbeter hatten genug von dem vielen Sand, der durch die Luft gewirbelt wurde. Gerda wollte schwimmen, so lief ich alleine am Strand entlang und sah nach einigen 100 Metern Polizei und Notarzt am Strand. Sie deckten gerade eine Tote zu. Ob ertrunken oder an Hitzschlag gestorben, weiß ich nicht. Jedenfalls setzte mir das ziemlich zu, und ich machte mich schnurstracks auf den Rückweg.
Gerda hatte sich angesichts der Brandung auch nicht ins Wasser getraut, sondern saß am Strand und ließ sich vom Sand zuwehen. Es hätte nicht mehr lange gedauert, da wäre sie selbst zur Düne geworden. Nach dem Duschen gehen wir mit der ganzen Gruppe in ein 500 m entferntes Lokal, den heute ist das Abschiedsessen von Rotel angesagt, das wir mit Sangria beschliessen.
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Der nächste Tag empfängt uns schon frühmorgens mit schöner Sonne. Wir fahren heute nach Ronda, das auf knapp 800 M.ü.M. in der Sierra Nevada liegt. Auf serpentinenreicher Straße fahren wir von Marbella aus ins Gebirge und sehen dabei auch die vielen Prachtvillen der Reichen und Schönen Marbellas und die vielen Golfplätze, die es hier in phantastischer Landschaft gibt. Währenddessen erzählt uns Peter ausführlich über den Stierkampf und seine Geschichte, denn in Ronda steht die älteste und berühmteste Stierkampfarena Spaniens von 1750, die wir auch als erstes besichten, als wir in Ronda ankommen. Hier weht ein empfindlich kalter Wind, man merkt die Höhenlage. Zur Stierkampfarena gehört auch ein Museum, in dem u.a. die Anzüge und Waffen der berühmtesten Toreros und auch die ausgestopften Köpfe besonders kampfesmutiger Stiere ausgestellt sind. Wir können auch die Stallungen der Stiere anschauen und sehen auch einige andalusische Pferde, die gerade hergerichtet werden zum täglichen Training.
Auch in Ronda herrscht Massenandrang und zahllose Busse spucken noch mehr Touristen aus, die wie eine Flut die Hauptstraße entlanglaufen. Wir gehen mit der Gruppe bis zu der berühmten tiefen Schlucht, auf deren Rand Ronda erbaut wurde, und schauen hinab. Während alle anderen der Hauptstraße über die alte Brücke folgen, gehen Gerda und ich links ab in eine schmale leere Gasse und gelangen durch hübsche Gäßchen irgendwann über Treppen und Terrassen auf die andere Seite der Schlucht mit atemberaubenden Ausblicken einerseits in die Schlucht hinein und andererseits in die Weite der Landschaft, denn hier ist Ronda zu Ende. Hier ist kaum ein Mensch zu sehen und erst recht keiner von unserer Gruppe. Wir sehen einen einsamen Balkon festlich gedeckt auf der gegenüberliegenden Seite. Dort würden wir gerne einen Kaffee trinken mit Exklusivblick in die Schlucht und in die Landschaft. Wir schlendern weiter hinab, dann über eine Brücke und auf der anderen Seite wieder hinauf. Bei einem noblen Restaurant in einem uralten Edelgebäude fragen wir nach, und siehe da, über etliche Treppen vorbei an festlich gedeckten Tischen und zu Händels Halleluja gelangen wir just zu jenem einsamen Balkon, den wir von der anderen Seite der Schlucht entdeckt hatten. Und nun ist genießen angesagt! Wir tafeln wunderbar, sitzen ganz alleine über der Schlucht und werden von drei Kellnern auf das freundlichste bedient. Wir haben uns gefreut und die Gunst der Stunde genossen. Hier in Ronda hätten wir auch gerne viel mehr Zeit gehabt, aber auch hier mußten wir bald wieder einsteigen und in schöner Fahrt zurück nach Marbella fahren. Diesen bekannten und von Tourismus und Geld geprägten Ort kennt wohl so ziemlich jeder, und wir waren bisher nur mehrfach hindurchgefahren, nie aber hinein. Es war nun unser letzter Tag bzw. Abend der Reise und erst 17.00 Uhr, als wir am Campingplatz ankamen. Ich wollte mir noch Marbella anschauen und dann die 8 km am Strand zurücklaufen. Gerda war mit von der Partie wie immer. Mit dem Linienbus fuhren wir ins Zentrum und hörten auf den Tip einer spanischen Lady, die empfahl, rechts hoch um die Ecke zu laufen.
Wir waren baff erstaunt über das, was wir dann von Marbella zu sehen bekamen, nämlich einen wunderschönen alten Ortskern mit einer hübschen kleinen Kirche, herrlichen Gäßchen voller Blumen, wie wir sie bisher noch nicht gesehen hatten. Hier machten wir die meisten Fotos. Sowas Schönes hatten wir gerade von dem ziemlich verschrieenen Marbella nun wirklich nicht erwartet. Wir schlenderten nahezu alleine durch die herrliches Gäßchen, nur ab und zu begegneten uns Einheimische, aber keine Touristen. Wer hätte das gedacht! Aber schließlich lechzten wir nach Kaffee und fanden ein Lokal in der Touristenzone, und hier gab es dann auch die exklusiven Läden und Boutiquen mit edlen Schuhen und Mode aller namhaften Designer der Welt. Wir waren wieder mitten drin im Gewühl und Lärm und fanden schließlich auch den Strand bzw. die breite Strandpromenade mit all den vielen Lokalen und Läden und Souvenirshops. Mit einem Eis auf der Hand spazierten wir entlang und sahen mit Bedenken die dicken dunklen Wolken, die sich jetzt auftürmten. Es wurde auch merklich kühler und windiger, so daß uns der Fußweg am Strand entlang doch zu riskant erschien, zumal Peter uns mitgeteilt hatte, daß ein großes Tief angekündigt sei. So fanden wir bald auch wieder eine Bushaltestelle und waren bald wieder an unserem Campingplatz. Wir sprangen noch rasch unter die Dusche, liessen die anderen auf den harten Bänken im kühlen Wind sitzen und suchten einige 100 Meter vom Campingplatz entfernt eine Pizzeria auf, die wir am Vorabend entdeckt hatten. Das war nun keine einfache Pizzeria, sondern ein richtiges Nobelrestaurant, in dem spanische Familien tafelten. Wir genossen ein feines Essen und eine gute Flasche Rotwein und erzählten bis in die Nacht.
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Die Nacht war stürmisch, und es klapperte und flatterte rund um unser Rotel. Nach dem allerletzten Frühstück wuselte alles durcheinander, denn die Koffer mußten reisefertig gemacht werden. Nebendran stand ein weiterer Rotelbus, der für eine Portugal-Rundreise klar gemacht wurde. Dies war ein kombinierter Bus mit 25 Sitzen und Kojen, und der hatte auch noch die liebgewordenen Tischchen und Hocker. Mit diesem Gefährt und einer wesentlich kleineren Gruppe wäre die Reise sicher schöner gewesen. Man muß also vorher bei Rotel anfragen, welcher Bus eingesetzt wird. Übrigens stand bei unserer Ankunft dieser Reise ein weiterer großer Rotelbus auf diesem Platz, der gerade von der Marokkotour zurückgekommen war. Die Reisenden sahen alle blaß und ziemlich deprimiert aus, und es stellte sich heraus, daß es die ganzen 14 Tage in Marokko geregnet und gestürmt hatte und saukalt war. Wer erwartet das im April in Marokko? Sie Leute waren sehr enttäuscht. Auch in Andalusien war es vor unserer Ankunft kalt und sehr regnerisch gewesen, und auch jetzt war wieder Regen und Kälte angesagt. Was für ein unerschämtes Glück hatten wir doch wieder mal gehabt.
Unsere Koffer waren schnell gepackt, und bis zur Abfahrt hatten wir noch Zeit. So gingen wir nochmal runter zum Meer und saßen in der Sonne und ließen uns den Wind um die Ohren wehen. Es war unser Abschied. Dann fuhren wir mit dem Rotel nach Malaga zum Flughafen, tranken einen letzten Kaffee und starteten nach Barcelona, stiegen in einen anderen Flieger und trafen um 18.30 Uhr in Frankfurt ein bei strömendem Regen und Kälte. Ekelhaft! Und dann hatte mein Zug auch noch 30 Minuten Verspätung, so daß ich in Mannheim den Anschlußzug verpaßte und eine volle Stunde warten mußte. Auch der nächste Zug hatte Verspätung, so daß ich erst gegen 23.30 Uhr in Heilbronn eintraf, wo Schwester und Schwager allem zum Trotz standen und mich in Empfang nahmen. Wie schön, willkommen geheißen zu werden. Nach einem guten Frühstück fuhr ich dann mit vollgepacktem Auto bei strömendem Regen zurück nach Konstanz, wo mich Jutta und die beiden Hunde lautstark empfingen.
Maria Gratz