30.6.2009 Reise in den Westen 

Endlich geht es los! Um 4h15 klingelt der Wecker. Bereits gestern Abend sind wir nach Zürich gereist , haben eingecheckt und im Novotel eine kurze aber erholsame Nacht verbracht. Nach einem leckeren Morgenessen fahren wir mit dem Zug zum Flughafen. D a wir bereits im Besitz der Boardkarten sind, geht alles sehr schnell. Bald sitzen wir in der Abflughalle. Der Flug hat 30 Minuten Verspätung.
Unsere beiden Mädchen sind gar nicht so nervös wie ich gedacht habe. Am Nachmittag landen wir müde aber überglücklich und voller Vorfreude in San Francisco.
 
2.7. 2009 San Francisco - Ford Bragg
 
Ein leichter Nebel liegt über der Stadt und es ist ca. 12 Grad, ziemlich frisch für diese Jahreszeit. Wir essen richtig amerikanisches Frühstück mit allem was dazu gehört. Schüsse peitschten durch die Nacht gefolgt von quietschenden Reifen der Polizeiwagen und Sirenengeheul .Die nächtlichen, ungewohnten Geräusche liessen uns nur wenig Zeit zum Schlafen. „Die Strassen von San Francisco“ einmal live erleben, das hat schon was……!
 
Bald verlassen wir die Stadt über die Golden Gate Bridge, Richtung Highway 1 nach Mendocino .Nach  kurzer Zeit beginnt das andere Kalifornien. Die Landschaft ist unwahrscheinlich schön und wild. Der Nebel löst sich bald auf und gibt den Blick auf den rauen Atlantik frei. Wir sehen Hirsche weiden und glauben schon jetzt einen Bären gesehen zu haben. Mendocino ist ein richtig amerikanisches Vorzeigestädtchen mit wunderschönen Holzhäusern, schmucken B & Bs, Museen und kleinen Kunstläden. Die meisten Bauten stehen unter Denkmalschutz. In den 50er Jahren entdeckten Künstler diesen schönen Ort für sich und hauchten ihm wieder Leben ein. Wir fahren weiter gegen Norden und übernachten in Ford Bragg.

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3.7.2009 Ford Bragg - Arcata
 
Bereits um 4h sind wir wieder wach! Das  Jetlag lässt grüssen. Wir packen unsere Sachen und gehen in ein Denny’s Morgenessen. Lara fängt mit Pommes und Nuggets an…..kein Kommentar! Später fahren wir weiter auf dem Hwy 1 nach Arcata. Wir befinden uns auf dem „Holzweg“, vorbei an grossen Sägewerken. Der Nebel bleibt an der Küste hartnäckig hängen, es ist frisch. Die Strasse bis nach Leggett hat es in sich, sie ist sehr kurvenreich und schlängelt sich vom Meer weg hinauf ins Gebirge. Jetzt sind wir auf der Avenue of the Giants .Riesige Mammutbäume säumen den Waldweg. Die Strasse endet an einem grossen Teich, indem wir Frösche und Fische entdecken. Auf der anderen Seite haben sich Wildgänse niedergelassen.
 
Die Strasse nach Norden führt uns vorbei an saftige Wiesen mit grasenden Kühen. Die Menschen hier leben von der Milchwirtschaft. Kurz vor Ende unserer Tagesetappe machen wir Halt im schönen Ferndale. Die schmucke, kleine Stadt mit einladenden Geschäften, einer grossen weissen Holzkirche und schönen farbige Gingerbread-Häusern. In den schnuckeligen Vorgärten blühenden Rhododendren und Azaleen, es gefällt uns sehr. Wir essen ein Glace in einem Eiskrem-Laden und sind die einzigen Touristen. An den Wänden hängen Fotos vom Ladenbesitzer mit Promis aus der Filmwelt, die alle, wie wir auch , seine Eiskreationen rühmen.
 
4.7.2009 Arcata - Trinidad
 
Heute machen wir eine Tagestour , die uns von Arcata nach Trinidad führt. Zuerst fahren wir zum Besucherzentrum Prairie Creek Redwoods Park. Dort erfahren wir viel über die verschiedenen Arten von Redwoodbäumen. Wir machen einen gemütlichen Spaziergang und staunen über die riesigen Bäume, die grössten werden bis 116m hoch. Die Sonne vertreibt den Nebel und es verbreitet sich ein wunderbarer Duft nach Holz und Erde. Wir entdecken grosse, gelbe Nacktschnecken, die wegen Ihrer Farbe Bananenschnecken genannt werden . In der Ferne sehen wir im hohen Gras, eine Herde Elche grasen. Nun fahren wir weiter zum Fern Canyon. Die Strecke ist abenteuerlich. Zuerst führt uns der Weg auf einer steil ansteigenden Schotterstrasse Kilometer weit durch den Küstenwald. Der plötzliche Szenenwechsel ist beindruckend. Vom Urwald zum kilometerlangen Strand. Einige Touristen haben sich hier niedergelassen und die Zelte aufgeschlagen. Sie geniessen die Abgeschiedenheit. Am Strand liegen viele verwaschene Baumstrunke. Pelikane und Möwen haben hier ihr Paradies gefunden.
 
Am Ende der Schotterpiste beginnt der Trail durch den Fern Canyon. Wir lassen das Auto stehen und gehen zu Fuss weiter. Immer weiter ins Tal hinein. Ueppige Farnwände säumen den Weg und wir müssen Riesensprünge über Bäche machen. Bald schon haben wir nasse Füsse. Je weiter wir ins Tal vordringen umso ursprünglicher scheint es uns. Wir vermuten hinter jeder Wegbiegung einen Dinosaurier.

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 Jetzt sind wir am nördlichsten Punkt unserer Reise angelangt.
Am späteren Nachmittag fahren wir wieder zurück nach Arcata.
 
5.7.2009 Arcata – Mount Shasta City
 
Wir nehmen Abschied vom Pazifik und fahren auf der Landstrasse in Richtung Mount Shasta City. Wälder, Hochmoore und vereinzelte Bauernhöfe säumen den Weg. Es ist noch früh am Morgen und wir sind alleine unterwegs. Auf einer Wiese entdecken wir einen Kojoten beim morgendlichen Spaziergang. Wir haben bis heute zum Glück nur sehr wenige Touristen gesehen. Oft begegnet uns kilometerlang kein Auto. Die einzigen Zeitgenossen sind, auf der Strasse liegende Erdhörnchen die sich in der Morgensonne aufwärmen und sich schnell aus dem Staub machen wenn sich ein Auto nähert. In Weaverville machen wir einen Halt. Viele kleine Häuser, einige mit Wendeltreppen die in den 1. Stock führen, befinden sich an der Hauptstrasse. Wir fühlen uns zurückversetzt in die alte Goldgräberzeit. Die Menschen hier sind sehr freundlich und offen. Bald ergeben sich Gespräche . Sie finden alle die Schweiz sei das schönste Land der Welt, was grosses Staunen bei uns hervorruft. Haben wir doch das Gefühl, wir befänden uns momentan im schönsten Land der Welt. Die Strasse führt uns durch unendliche Wälder immer höher in die Berge, vorbei am grössten Stausee, dem Shasta Lake. Viele Motorboote, Paddler und Hausboot tummeln sich an diesem sonnigen Sommertag auf dem Wasser. Schon länger ist die White Lady, wie die Amerikaner den Mount Shasta liebevoll nennen, sichtbar. Je mehr wir uns Shasta City nähern umso imposanter zeigt sich der Berg mit seinen 5 Gletschern. Auch im Sommer ist er mit Schnee bedeckt.
 
6.7. 2009 Mount Shasta City – Lassen Vulkanpark – Nevada – Grass Valley
 
 
Längst haben wir Shasta City  hinter uns gelassen, aber die weisse Lady bleibt präsent. Wir fahren durch schöne Hochtäler mit saftige , grünen Weiden und kommen im Lassen Volcanic Park an. Die Parkstrasse windet sich nach Süden und bietet abwechslungsreiche Landschaft. Am Summit Lake machen wir einen Spaziergang durch Schatten spendende Kieferwälder, vorbei an einem Campingplatz. Bald werden wir von unzähligen Mücken gestochen, die wie mir scheint nur auf unser gutes Schweizerblut gewartet haben. Einen Stop legen wir noch beim Sulphur Works ein. Ein blubbernder, nach Schwefel stinkender Tümpel.
 
Ursprünglich wollten wir in Downieville übernachten. Finden aber, da der Ort sehr klein ist ,kein Motel. So geht die Reise weiter durch endlose Wälder, talauf und talab. Auf dieser Strecke sehen wir einen weiteren Kojoten. Zuerst überqueren zwei ahnungslose Wanderer die Strasse, dicht gefolgt vom pelzigen Jäger. Wenn die wüssten! Immer wenn wir denken jetzt kann es nicht mehr weit sein, kommt das nächste Tal. Endlich ist Nevada City in Sicht. Eine wunderschöne viktorianische Kleinstadt. Im einzigen Hotel, Baujahr 1852, fragen wir nach einem freien Zimmer. Nach einer kurzen Besichtigung des Zimmers (stolzer Preis von 129$) das modrig riecht und für 4 Personen nur ein Doppelbett hat, haben wir genug gesehen und entscheiden uns zur Weiterfahrt bis nach Grass Valley. Dort verbringen wir eine Nacht im Best Western Motel mit Pool, Fitnessraum, inklusive Morgenessen und 2 grossen Queensizebetten für 79$.

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7.7. 2009 Grass Valley – Auburn – Coloma – Columbia – Sonora
 
Am Morgen früh verlassen wir Grass Valley auf dem Highway 49 Richtung Süden. Den ersten Halt machen wir in Auburn. Eine ehemalige Goldgräberstadt mit riesigem Justizgebäude. Die Landschaft ändert sich je südlicher wir unterwegs sind. Die Täler sind nicht mehr so eng wie von Downieville nach Nevada. Die grünen Hänge und sanften Hügel und zur Abwechslung wieder einmal Laubbäume, gefallen uns sehr gut. Zwischen Coloma und Columbia besuchen wir Sutters Creek. Sutter, ein Schweizer, der in seiner Heimat wegen Steuerschulden verfolgt wurde und nach Amerika floh. Als er einen seiner Schreiner beauftragte, am American River eine Sägemühle zu bauen, fand dieser im Wassergraben , der zum Mühlrad führte, 2 kleine Brocken Gold. Sutter und Marshall wollten den Fund geheim halten. Es gelang ihnen nicht. Tausende Goldschürfer aus aller Welt überfielen Kalifornien. Nur ein paar Wenige wurden reich, die beiden Männer aber gingen leer aus und starben in Armut. Wir entdecken auf einer alten Fotografie die Gründer von Sutters Mühle. Einer fällt uns sofort auf, Henry Bigler. Da wo wir herkommen gibt es in der Nähe einen kleinen Weiler, fast alle Bigler’s kommen von hier und wir stellen eine gewisse Aehnlichkeit mit noch lebenden Dorfbewohner fest.
 
8.7. 2009 Columbia - Lake Tahoe
 
Am Morgen machen wir uns auf den Weg ins Freilichtmuseum von Columbia. Das Goldgräberdorf haben sie nachgebaut, nachdem das Originalstädtchen dreimal abgebrannt ist. Zuerst üben wir uns im Goldschürfen, finden kein Gold, dafür schöne Türkissteinchen. Anschliessend machen wir eine Kutschenfahrt und werden unterwegs von einem Banditen überfallen, der uns nach einer wilden Schiesserei und viel Geschrei, Süssigkeiten anbietet und kein Interesse an unserer Barschaft zeigt.
 
Da wir erst am 13.7. in Las Vegas sein müssen, entschliessen wir uns für einen Abstecher zum reizenden Lake Tahoe. Am Nachmittag fahren wir über den Sonora Pass in Richtung Lake Tahoe, der sich auf 2000 m ü.M. befindet. Viel Schweizerisches gibt es hier zu sehen. Das Matterhorn-Hotel oder Heidi’s Restaurant, in dem es uns vor stickiger Luft den Atem verschlägt. Verschieben unseren „Gluscht“ nach Rösti und Zürcher Geschnetzeltes auf zu Hause.
 
9.7. 2009 Lake Tahoe – Carson City – Mono Lake- Yosemite – Oakhurst – Fresno
 
Nach einem ausgiebigen Bummel durch Lake Tahoe machen wir uns auf den langen Weg nach Fresno. Der Mono Lake , einer der ältesten Seen der Welt, strahlt Ruhe und Frieden aus. Er leuchtet blau und ist spiegelglatt.  Ueber den Tiogapass führt eine grosse Passstrasse, die nur kurz im Sommer offen ist und sonst wegen Schnee nicht befahren werden kann. Hier ist es wie bei uns zu Hause, vieles kommt uns bekannt vor. Gefällt uns landschaftlich bis jetzt am wenigsten. Einzig die riesigen runden Steinbrocken die wie zufällig hingeworfen an den abfallenden Felshängen liegen , sehen toll aus und beeindrucken. Weiterfahrt nach Fresno.
 
10.7.2009 Fresno
 
Wir entschliessen uns für eine Fahrpause und machen am darauf folgenden Tag einen Besuch im wunderschönen Fresno Zoo, wo wir eine Vogelschau besuchten und Rochen und Haie berühren konnten.
Seit wir die Bergregion verlassen haben ist die Tagestemperatur auf 35 Grad gestiegen. Zum Glück verfügt unser Motel über einen kühlen Pool. Nichts wie ab ins Wasser!!

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11.7. 2009 Fresno – Sequoia National Park – Bakersfield – Tehachapi
 
Im Tal wird Obst und Gemüse angepflanzt, das weltweit exportiert wird . Felder so weit das Auge reicht mit riesige Bewässerungsanlagen . Die meisten Feldarbeiter sind mexikanischer Herkunft. Jetzt ist uns auch klar, weshalb viele Reklamentafeln auf spanisch geschrieben sind.  Bald enden die künstlich bewässerten Felder, wir durchqueren das Squaw Valley. Hier beginnt die Anfahrt zum Sequoia National Park. Wir fahren bis zum Big Stump Parkplatz und machen uns zu Fuss auf den Rundweg. Imposant stehen sie da, die Sequoia’s, da kommt sich der Mensch doch mal sehr, sehr klein vor. Die Bäume sind nach Generälen benannt, z.B. General Grant oder General Lee, der grösste ist der General Sherman Tree. Die Talfahrt führt uns vorbei am wild romantischen Kaweah-Fluss nach Three River. Hier ist die Natur noch unverfälscht und ursprünglich. Weiter geht es über Visalia nach Bakersfield. Der Highway 99 verläuft zwischen kilometerlangen Obstplantagen und Aecker. Es ist topfeben und man kann meilenweit voraus sehen. Da wir gut im Zeitplan sind, fahren wir weiter bis nach Tehachapi. Ausgangspunkt zum Death Valley.
 
12.7.2009 Tehachapi – Death Valley – Beatty
 
Schnell kommt der Wechsel von grün zu grau, braun und rot. Die Wüste naht. Kilometerlang führt uns eine schnurgerade Strasse ins Death Valley. Was für eine Hitze!!!(55 Grad) Bei einem grossen See müssen wir rechts abiegen, verpassen aber den Abzweiger, da dieser grosse See nur noch auf der Landkarte existiert und in Wirklichkeit völlig ausgetrocknet ist. Eine solche Hitze haben wir noch nie erlebt, es ist als ob ein Föhn uns stetig heisse Luft anblasen würde. Kaum zum aushalten! Eilig hüpfen wir wieder ins klimatisierte Auto. Jetzt wissen wir warum die Shoshonen diesen Teil tomesha – brennender Boden nannten. Weiter geht es auf der S 374 nach Beatty wo wir übernachten wollen. Wir statten der“ Geisterstadt“
Rhyolite oder den paar Ruinen die noch übrig geblieben sind, einen Besuch ab. Schwer vorzustellen dass dies einmal während des Goldrausches eine florierende Stadt gewesen sein soll. Während dieser Zeit haben über 10 000 Menschen hier gelebt. Vornehme Damen, Geschäftsherren, Goldschürfer, Tagediebe und wilde Esel belebten die Strassen. 3 Eisenbahnlinien führten hier vorbei. Heute herrscht gespenstische Stille und nur der heisse Wind ist zu hören und spüren.
 
13.7.2009 Beatty – Death Valley – Red Rock Canyon – Las Vegas
 
Noch 7 Autostunden trennen uns von der Zivilisation.  Zuerst fahren wir Richtung Bad Water. Dies ist die tiefste Stelle Amerikas, 94 Meter unter dem Meeresspiegel und bleibt uns wegen seiner bizarren Landschaft und den scharfkantigen Salzkrusten in Erinnerung. Man fühlt sich hier wie auf dem Mond.   Auf dem Weg dorthin begegnen uns ein paar Teilnehmer eines Marathons. Die meisten sehen noch ganz frisch aus. Eine riesige Leistung unter solch harten Bedingungen zu laufen.

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Die Wüste scheint endlos, bis wir endlich wieder ein bisschen Grün entdecken vergehen ein paar Stunden. Vor Las Vegas wollen wir noch einen Abstecher in den Red Rock Canyon machen. Die in verschiedenen Rottönen gefärbten Felsen leuchten wunderschön in der Nachmittagssonne. Wir hoffen vergeblich ein paar wilde Esel zu sehen. Es ist ihnen sicher auch zu heiss und sie haben sich vermutlich in den Schatten der Felsen gelegt und halten Siesta.
 
Las Vegas wir kommen! Nach 13 Tagen Natur pur freuen wir uns auf die Zivilisation. Was für eine schrille, bombastische Stadt! Wir fahren den Strip hinauf zum Hotel Excalibur. Ein Märchenschloss in weiss mit roten Zinntürmen und blauen Fensterläden. Beim Einchecken müssen wir über eine halbe Stunden anstehen bis wir endlich an der Reihe sind. Bis dahin können wir schon etwas Casinoluft schnuppern. Ueberall leuchtet und blinkt es in allen Farben. Menschen sitzen an Einarmigen Banditen und versuchen ihr Glück. Endlich bekommen wir unser Zimmer mit der Nr. 12455 im 16 Stock. Ein mulmiges Gefühl , so weit oben zu sein. Ich mache mich auf die Suche nach Notausgängen, falls es brennen sollte.
 
13.7.2009  – 16.7. Las Vegas
 
Die Monorail bringt uns bequem und ohne Schweissperlen auf der Stirn zu den anderen Hotels. Hier kann man in einem Tag halb Europa bereisen. Im Caesars Palace fühlt man sich in den Strassen von Rom. Wir sitzen am Trevibrunnen geniessen wieder einmal einen richtig guten italienischen Espresso und schauen uns die Show an. Im Venezia singen Gondoliere Arien von Verdi und schiffen die Touristen durch die Kanäle. Draussen stehen wir auf dem Markusplatz und kommen zum Staunen nicht heraus. Im Paris Paris bestaunen wir den Eiffelturm.
 
 
17.7. und 18.7.2009 Las Vegas – Bryce Canyon
 
Um 9h Uhr machen wir uns auf den Weg zum Bryce Canyon. Bald schon wird die Landschaft wieder grüner und die Weiden saftiger. Die Anfahrtsstrasse ist schon vielversprechend. Wir fahren durch ein schönes, bewaldetes Tal, mit kleinen Felsen- Tunnels entlang eines wilden Flusses.  Den Rauch riechen wir lange bevor wir die dunklen Schwaden am blauen Himmel bemerken. Dieser Park ist faszinierend! Die vor Jahrmillionen durch Erosionen, Wind, Wasser und Eis entstandenen Hoodis (aus Basalt und Sandstein) sehen wunderschön aus. Sie werden gerne mit einem Amphitheater verglichen. Wir dürfen nur einen Teil besichtigen, da in etlichen Gebieten des Canyons Waldbrände wüten und die Ranger die Strassen abgeriegelt haben. Der Canyon mit seinen in allen Schattierungen rotgefärbten Felsen ist wahrlich etwas fürs Auge und das Gemüt. Bilder die sich uns einprägen und noch lange wegen ihrer Intensität in unserem Innern gespeichert sind. Da ich unter Höhenangst leide kann ich leider nicht mit der Familie die Wanderung ins Tal  unternehmen. Es geht auf rutschigem Terrain ziemlich steil nach unten, nichts für schwache Nerven! Aber sie haben den Fotoapparat dabei so kann ich mir nachher die schönen Bilder die sie gemacht haben in aller Ruhe ansehen.
 
18.7. 2009 Bryce Canyon – Green River
 
Die Strecke hat viel Reizvolles zu bieten. Die Strasse verläuft kilometerlang geradeaus und endet am blauen Horizont. Selten begegnet uns ein anderes Auto. Soviel Weite sind wir Europäer uns gar nicht gewohnt. Tut das gut, erst jetzt wird uns bewusst wie viel Platz wir eigentlich bräuchten und wie wenig wir davon bei uns zu Hause haben. Durch Täler, Wälder und wüstenähnliche Gebiete fahren wir gegen Süden. Am Abend kommen wir in Green River an. Was für ein Kaff! Eine riesige Strasse führt durch den Ort, an dem sich eine Tankstelle mit Burger King, 2 Motels, 2 Truckerbeizen und einem Supermarkt (mit fast leeren Regalen) befinden.

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19.7.2009 Green River – Arches – Mesa Verde – Cortez
 
Früh am Morgen fahren wir Richtung Arches National Park.. Vor Moab biegen wir auf die  18 Meilen lange Parkstrasse ab.  Wir sind auf ein besonderes Landschaftserlebnis auf dem Colorado Plateau gespannt. Tatsächlich müssen wir nicht lange warten, welch Ueberraschung! Balancierende Felsen (manche sind 3,5 Tonnen schwer) aneinander geschichtet wie grosse Steinmännchen. Brücken und Bögen aus rotem Sandstein, die durch Erosionen vor 150 Millionen Jahren entstanden sind. Mit etwas Phantasie sehen sie aus wie Tiere, Menschen, Häuser oder Kirchen. Wir unternehmen verschieden Spaziergänge. Die Indianer nennen die Arches  „Regenbögen die zu Stein geworden sind“. Dieser Park hat uns in seinen Bann gezogen!
Nach einem wunderbaren Mittagessen in Moab beim Italiener machen wir uns auf den Weg nach Mesa Verde, Colorado. Wir sind auf den Spuren der American Natives unterwegs. Da schlagen unsere indianischen Herzen höher! Dieser Park ist ein Besuch wert. Auf einer dicht bewaldeten und zerklüfteten Hochebene bestaunen wir, wie die Anasazi’s ( indianisches Wort für Ahnen) vor langer Zeit gelebt haben. Ihre spektakulär in die Felswände gebauten Häuser aus Stein und Lehm lassen uns staunen. Zum Teil sind sie mehrstöckig, mit Gemeinschaftsräumen, die wahrscheinlich für Zeremonien gebraucht wurden. Die vielen archäologischen Ausgrabungsstätten sind sehr interessant und geben uns einen guten Einblick in die Lebensgewohnheiten dieser geheimnisvollen Menschen.
 
 
20.7.2009 Cortez – Gallup – Holbrook – Flagstaff – Kingman
 
Heute müssen wir einen „Fahrtag“ einlegen. Das Land der Navajo-Indianer ist wunderschön. Wir besichtigen ein kleines Museum. Die Kinder kaufen handgemachte mit Steinen verzierte Samttaschen und Ansichtskarten, auf denen verschiedene, stolze Häuptlinge abgebildet sind. Mit Interesse lesen wir die Berichte über die Navajo’s im Kriegseinsatz bei der US-Army. Ihre Sprache wurde im 2. Weltkrieg als Code benutzt.

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Es macht uns traurig und zornig, zu sehen unter welchen Bedingungen die American Natives heute leben müssen. Sie hausen in Baracken , viele sind arbeitslos ( in manchen Gegenden bis 85%) und leben in grosser Armut. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist bei 41 Jahren! Viele sind alkohol- und drogensüchtig.
 
Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Wir verstehen nicht, wieso die Regierung nichts unternimmt und Vergangenes todschweigt! Aber anderen Fehler vorwerfen ist einfacher als vor der eigenen Haustüre zu wischen!!
 
Und plötzlich sind wir mitten unter ihnen. Wir sind fasziniert von ihren langen, pechschwarzen Haaren und schwarzen Augen! Sie strahlen immer noch Stolz aus und haben einfach etwas Charismatisches.
 
Später fahren  wir durch eine riesige Gewitterfront. Der Himmel ist pechschwarz, die Temperatur fällt von 40 auf 8 Grad ab. Riesige, grelle Blitze erleuchten den Himmel gefolgt von lautem Donnergrollen. Plötzlich giesst es wie aus Kübeln. Ein Naturschauspiel sondergleichen! Fehlt nur noch ein Tornado.
 
21.7.2009 Kingman – Palm Springs (22.7.)
 
Wüstenlandschaft flitzt an uns vorbei. Orte die auf der Landkarte ziemlich gross eingetragen sind , stellen sich in Wirklichkeit als nicht mehr existent oder nur aus einer verlassenen Tankstelle mit eingeschlagenen Fensterscheiben und herunterhängenden Verkleidungen aus Blech heraus. Zum Glück haben wir immer genug Wasser und Nahrungsmittel dabei.
 
Am späteren Nachmittag treffen wir in Palm Springs ein. Sieht alles sehr gepflegt und mondän aus. Ein Golfplatz reiht sich an den anderen, Tennisplätze, Beautyfarms, teure Hotels und Restaurants, alles was das luxusgewohnte Herz begehrt. Palmen , Blumenbeete und Oleanderbüsche schmücken den Strassenrand. Eine Oase in der Wüste. Man fragt sich, unter welchem Energieaufwand braun zu grün gemacht wird.
 
Wir bleiben zwei Tage hier und geniessen eine tolle Hotelanlage mit Pool. Es ist 40 Grad heiss. Ohne Abkühlung im leider nur lauen Nass des Schwimmbeckens und anschliessendem Dösen auf einer Liege im Schatten einer Palme, fast nicht auszuhalten.
  
 
23.7.2009 Palm Springs – Los Angeles
 
Nach einer kurzen Fahrt Richtung LA stecken wir schon mitten im Grossstadtverkehr. Die Autobahn ist sechsspurig. Mamma mia!! Nach so viel Natur sind wir die Zivilisation gar nicht mehr gewohnt. Unsere Tochter wünscht sich zum morgigen Geburtstag einen Besuch im Knott’s Berry Park. Finden die richtige Ausfahrt auf Anhieb, was an ein Wunder grenzt ohne GPS. Der Eintritt kostet wahnsinnige 210 $. Den ganzen Tag verbringen wir auf rasanten Achterbahnen, Highspeed Katapulten, riesigen Sesselkarussells und üben uns im freien Fall. Nach 8 Stunden haben wir Eltern endgültig genug und drängen zur Weiterfahrt. Ursprünglich wollten wir einen Tag länger in LA bleiben, aber wir haben genug gesehen. Es zieht  uns wieder in die Natur zurück.
 
24.7.2009 Oxnard –  Solvang –  Pismo Beach -  San Luis Obispo
 
Unsere heutige Route führt uns auf dem Hwy 101 und 1 nordwärts. Die Strasse schlängelt sich zu grossen Teilen der Pazifikküste entlang.  Solvang ist ein adrettes, dänisches Dorf mitten in Amerika. Die Fachwerkhäuser und Windmühlen sind alle aus Holz und in den Farben weiss-rot gestrichen. Wir essen einen riesigen Dänischen Plunder.

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Am Pismo Beach haben wir nur einen kurzen Halt gemacht. Hier kann man mit dem Auto  ( nur gegen Gebühr und einmalig in Kalifornien) über den Strand und durch die Dünen flitzen.
 
Schön ruhig und beschaulich ist es in San Luis Obispo. Die Kleinstadt mit der üppigen Begrünung ist reizvoll und zu Füssen der Sana-Lucia-Berge gelegen. Da die Unterkunftspreise unser Budget sprengen , sind wir gezwungen noch ein paar Kilometer zu fahren. In Atascadero übernachten wir in einem Motel 6 zu einem moderaten Preis.
 
25.7. 2009 Atascadero – Carmel -   San Juan
 
Schon nach wenigen Kilometer entschliessen wir uns wegen dichtem Nebel die Küstenstrasse zu verlassen. Nur wenige Fahrminuten später werden wir mit einem stahlblauen Himmel belohnt. Später kehren wir auf den berühmten Highway 1 zurück. Zwischen San Simeon und Carmel verläuft die Strasse direkt am Meer entlang. Die kurvenreiche Strasse führt durch Wälder mit riesigem Redwoodbäumen, vorbei an einsamen Buchten und bizarren, zerklüfteten Felsen, ein atemberaubender Aussichtspunkt jagt den nächsten.
Beim Point Lobos besuchen wir eine Seelöwenkolonie. Viele sonnen sich, andere haben Streit mit dem Nachbarn, andere tun durch lautes Grunzen ihren Unmut über die nachmittagliche Störung kund. Möwen, Kormorane und Pelikane tummeln sich auch an diesem Strand. Ein schönes Erlebnis für die Kinder, einmal freilebende Seelöwen hautnah zu beobachten. Zurück auf dem Parkplatz werden wir von vorwitzigen Erdhörnchen erwartet, die Brotkrümmel aus der Hand fressen und dann schnell wieder in den Büschen verschwinden.
 
In Carmel fahren wir( nach Bezahlung) den berühmten 17 Miles Drive. Die Strasse führt uns durch Zedern- und Kieferwälder. Wunderschöne Villen mit riesigen Gärten und einen grossen Golfplatz bekommen wir zu sehen. Zum Schluss der obligate Foto-Halt bei der Lone Cypress. Weiterfahrt nach San Juan, eine zum grössten Teil von mexikanischen Feldarbeiter bewohnte Stadt.
 
 26.7.2009 San Juan – Napa Valley
 
Wir machen noch einen weiteren, nicht geplanten Abstecher ins Napa Valley. Viele riesige Rebberge säumen den Weg. Wir sind sehr angetan von diesem lieblichen Tal. Der Himmel ist tiefblau, die Sonne scheint, die Temperatur ist angenehm, das Städtchen Napa, die Weinhochburg,  zeigt sich von seiner besten Seite.
 
 
27.7. 2009 Napa Valley – San Francisco
 
Fahren vom Napa Valley wieder auf dem Hwy 1 über die Golden Gate Bridge nach San Francisco zurück. Es bleiben uns noch 3 Tage, die wir in dieser schönen Stadt verbringen können. Das Auto geben wir zurück und fahren stattdessen Cablecar.

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Vor einem Monat sind wir auf der anderen Seite der Brücke gestartet, voller Vorfreude und Erwartungen. Heute blicken wir auf die schönste Reise unseres Lebens zurück. Alles hat geklappt, es gab keine Zwischenfälle, keine Autopannen, keine negativen Begegnungen!
 
Dafür sahen wir atemberaubende Parks und Landschaft, hatten einmalige tierische und menschliche Begegnungen. Durchlebten klimatische Höhen (55 Grad im Death-Valley) und Tiefen (12 Grad in San Francisco). Diese Reise (7500 km) hat uns als Familie noch mehr zusammengeschweisst. Noch lange werden uns die schönen Bilder in Erinnerung bleiben.
 
Letzte Woche hat unsere jüngere Tochter zu mir gesagt: Mama eigentlich bin ich ein wenig böse auf dich. Hättet ihr die Amerika-Reise nicht mit uns gemacht, so würde ich jetzt nicht dieses Fernweh haben!  
 
Schön, habe ich sie mit dieser Krankheit – man nennt sie Reisefieber -  angesteckt!!!