USA Reisebericht: Biwakieren auf texanisch
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USA Reisebericht: Biwakieren auf texanisch
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Geschrieben von: Texas   

Was haben Schnecken und viele Amerikaner in Texas gemeinsam? Sie tragen etwas mit sich: Schnecken ihr Haus und Amerikaner ihren Ventilator und ihre Klimaanlage, wenn sie zelten. Oder sie fahren ihr Domizil zum Campen. Ein Besuch im Brazos Bend State Park. Von Andrea Hécz-Obermann


Wellen reiten durch die Zeltplanen. Eine Romanze da drinnen?. „Ssssssrrrrrr“, surrt es heraus. Liebesgeräusche hören sich anders an. Beim Reißverschluss unten sieht man einige orange Kabel verlaufen, die draußen in einen Stromanschluss münden: den einzigen auf dem primitiven Campingplatz. Primitiv, weil hier weder Wasser noch Strom vorhanden ist - außer für zwei Zelte. 20 könnten hier stehen, 18 Stellen gähnen vor Leere.
„Excuse me, is anybody here?“, hallo, ist da jemand? „Ssssssrrrrrr“, antworten surrend zwei Ventilatoren. Ohne den elektrischen Wind geht im 28. Staat der USA kaum jemand zelten: der Grillhänchentemperaturen und der dzsungelhaftigen Luftfeuchtigkeit wegen. 
Doch in diesen beiden Zelten ist momentan kein Mensch, warum laufen dann die Dinger? „Um für den Abend die Luft zu kühlen. Die Leute sind bestimmt bei den Alligatoren“, vermutet eine Stimme. Die gehört einem Mittsiebziger. „Nennen Sie mich Captain Jean, ich bin einer der freiwilligen Parkwächter“, brummt er hinter seinem weißen Bart, aus dem frau einen Schal stricken könnte.
Captain Jean biwakiert in seinem „Trailer“ auch „Recreational Vehicle“ genannt, abgekürzt „RV“. Das ist ein Wohnmobil, das für viele Amerikaner den rollenden Urlaub verkörpert: Riesig und luxuriös, ausgestattet mit königlichen Betten, Klimaanlage, Geschirrspüler und Fernseher.

Der einstige Bootskapitän wächtert drei Monate im Brazos Bend State Park, 28 Meilen südwestlich von Houston entfernt. Der Park ist bekannt für seine Bewohner - die „American Alligators“. 200 bis 300 sollen hier leben, schätzt Captain Jean. „Wenn du ihnen nichts tutst, lassen sie dich auch in Ruhe“, lautet des Captains Devise. Füttern solle man sie auf keinen Fall. In der Tat: Der Park öffnete 1984 und bis jetzt „wurde noch kein Mensch angegriffen“.
Ohne Zaun kann man um die Seen und Sümpfe herumlaufen oder radeln, wo die mächtigen Reptilien sich sonnen. Unbewegt wie ein Baumstamm liegen sie da und wenn sie manchmal ihr rosa Maul öffnen, da kann einem schon das Herz in die Hose rutschen.

 
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