Nicht nur in Britannien gibt es Geister -       Der Anspruch der Kiwis auf eigene Geister

Eigentlich wollte ich damals ganz wo anders hin. Dachte an Kanada, um dort zu fischen und die Schönheiten der Nationalparks zu genießen.

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Meinen Freund Peter hatte ich schon beinahe überredet. Vancouver, Banff und dann ab in die Wildnis. Ausspannen vom Ehejoch, denn ich war gerade dabei, meine ´ Freiheit´ wieder herzustellen.

Aber dann kam alles ganz anders, denn ich lernte Renate kennen. Sie war ebenso reise- und unternehmungslustig wie ich und überzeugte mich schnell, Kanada zu verschieben und statt dessen nach Australien und Neuseeland zu fliegen.
 

Als Zwilling bin ich neugierig und schnell zu begeistern, und schon im Winter des darauffolgenden  Jahres – als ewiger Optimist  inzwischen wieder frisch verheiratet, fuhren wir  am 1. Weihnachtsfeiertag ab nach Sydney. Für mich ist diese Stadt die schönste der Welt, und wir verbrachten dort einige wunderschöne Wochen, bevor wir nach Christchurch weiterflogen.

 

Neuseeland, von den Einheimischen stolz  ´Das schönste Ende der Welt´ genannt, besteht aus zwei Inseln, die durch eine schmale Meerenge getrennt sind.

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Christchurch ist die größte und Hauptstadt der Südinsel, und sofort nach dem Auschecken nahmen wir den vorbestellten Leihwagen in Empfang und fuhren los.

Unsere Route führte uns über Geraldine nach Twizel, vorbei an den wunderschönen Seen Lake Tekapo und Lake Pukaki mit dem kristallklaren, türkisfarbenen Wasser. Das Land stand in voller Blühte, und vor allem die zahllosen  Lupinen beeindruckten in  ihrer Größe und Farbenpracht. Und zur  rechten ragten weit entfernt und optisch doch so nah die schneebedeckten Berge der Südalpen empor, besonders imposant der 3754 m hohe Mount Cook.

 


Schon bald begriff ich, dass die Kiwis, wie sich die Neuseeländer selbst nennen, recht haben mit der Einschätzung ihres Landes. Es ist tatsächlich ein wunderschönes Land mit allen Landschaftscharakteren, die man sich vorstellen kann. Steppen, Heidelandschaften, Moore, Berge und Seen, Regenwälder, alles ist in verschwenderischer Vielfalt und Pracht vorhanden.

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Vorbei an den Seen Hawea und Wanaka mit der gleichnamigen idyllischen Stadt gelangten wir nach Queenstown  am Lake Wakatipu.

Nun sollte der Leser wissen, dass wir natürlich nicht durch dieses herrliche Land rasten, sondern an den schönsten Orten  Rasten einlegten und einige Tage verbrachten.

Kurz vor Queenstown übernachteten wir in Arrowtown, einem alten Goldgräberstädtchen, das sich seine Ursprünglichkeit bis zum heutigen Tag bewahrt hat. Nette urige Kneipen laden zum

 


Verweilen ein und bieten  hervorragende kulinarische Genüsse.

 

Zwischen Arrowtown und Queenstown hat sich der Shotover River sein Bett gegraben und im Lauf der Jahrmillionen einen tiefen Cannon geschaffen. Zu  dessen Sohle führt der

´Skippers Road´ ,  ein windungsreicher, enger Weg, der zur rechten Seite steil abfällt. Der Weg ist so gefährlich, dass die Autoversicherer keine Haftung übernehmen, wie ein Schild am Eingang des Pfades warnend verkündet.

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Trotzdem gingen wir das Risiko ein und fuhren hinein, darauf  vertrauend, dass von unten keiner entgegen kam. Ich wagte nur gelegentlich einen kurzen Blick nach rechts, wo der gähnende Abgrund drohte, und war froh, dass bei der Rückfahrt im rechtsgesteuerten Auto Renate die Tiefe an ihrer Seite hatte.

Nun, irgendwie kamen wir unten an und standen auf der Brücke, von der  Jahre später Steffi Graf ihren ersten Bungee-Sprung wagen würde.

 


Die grandiose Einsamkeit und bizarre Bergwelt ist  faszinierend, und wir wurden für unseren Wagemut reich belohnt. Wir trennten uns nur schwer von diesem Fleck.

 

Queenstown liegt wunderschön am See und  bietet  etliche Touristenattraktionen einschließlich Fahrten auf dem See mit einem historischen Raddampfer. Allerdings hat dieses mannigfaltige Angebot auch seinen Preis, so dass wir unsere Fahrt relativ rasch in Richtung Milford Sound fortsetzten.

Die Route dorthin führt zwangsläufig nach Te Anau, gelegen an dem gleichnamigen See. Es fing an zu dämmern und wir beschlossen,  dort zu übernachten. Dies war eine unglückselige Entscheidung!

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Wir fragten bei einem Motel nach und erhielten zunächst die Auskunft, es wäre ausgebucht. Danach , nach einigem Zögern, erzählte uns der Besitzer von einem freistehenden Haus hinter dem Garten, das frei wäre. Er würde es uns jedoch nur ungern geben, schließlich könnten ja noch mehrere Leute als zwei nachfragen und er könnte mehr verdienen.

Ich überzeugte ihn jedoch, dass dies höchst ungewiß wäre,  es war ja schon recht spät, und der Spatz in der Hand besser als die berühmte Taube auf dem Dach. Dies überzeugte ihn,  und wir wurden handelseinig.

 


Ich hätte stutzig werden müssen, denn er verlangte die Übernachtungskosten im voraus, was uns zuvor  noch nie widerfahren war. Nun, zunächst war uns das egal und wird bezogen das Haus.

 

Es war sehr geräumig und vollständig möbliert. Nachdem wir uns in der Küche unser Abendessen zubereitet hatten, ließen wir uns im Wohnzimmer nieder und aßen mit großem Appetit ,  während uns der Fernseher  mit den neuesten Nachrichten versorgte. Danach sahen wir uns einen Film an.

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Schon während der Nachrichten bemerkte Renate, Geräusche vor dem Haus zu hören, als ob jemand  umherschliche.

„ Du hörst Gespenster“ , brummte ich, ging aber doch hinaus nachzusehen. Schließlich wollte ich auch sichergehen, dass unser Auto mit einigem Gepäck nicht geknackt wurde.

„ Nichts zu sehen und zu hören“, berichtete ich. „Komm, laß und schlafen gehen. Morgen ist wieder ein langer Tag“.

 


Wir bezogen einen der  Schlafräume am äußersten Ende des Flurs und freuten uns, es so gut mit dem Quartier getroffen zu haben.

 

Und dann ging es los!

Eigenartige Geräusche erklangen im Haus, draußen bellte ein Hund in schaurigen Tönen.

„ Da ist doch jemand“, flüsterte Renate heiser und fuhr zusammen, als mit lautem Krachen die Fensterläden im Nebenzimmer zufielen.

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„Blödsinn“, war meine dürre Antwort. „Wahrscheinlich zieht es irgendwo. Mach das Licht aus und schlaf endlich“.   Ich wollte nicht zugeben, dass mich das Ganze auch schon beunruhigte.  Weshalb schlug der Hund an?

Noch während ich überlegte, ob dies  gut oder schlecht war, knarrten über uns  Dielen . Hässlich und überlaut; dazwischen schlürfende Schritte.

 


Inzwischen war es beinahe Mitternacht und ich fing an , mir Sorgen zu machen. An Schlaf war nicht zu denken. War es vielleicht gescheiter, Licht zu machen  und  zu  lesen?

 

Plötzlich  ein Luftzug. Deutlich war zu spüren, wie die Tür zu unserem Schlafzimmer aufging. Dann knarrten die Fußbodenbretter dicht neben unserem Bett, und ich spürte, wie sich meine Nackenhaare sträubten. Renate verschwand unter der Bettdecke.

Dann wieder Stille. Renate tauchte wieder auf. „Was ist das bloß?“

„ Das werden wir gleich sehen!“ Meinen ganzen Mut  brauchte ich, Licht zu machen und aufzustehen. Ich nahm mein Schweizer Messer, das stets auf dem Nachtkästchen liegt, und

ging in den Flur.

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Es war alles still, und ich wunderte mich, dass die Schlafzimmertür zu war. Eben war sie doch aufgegangen, und jemand hatte das Zimmer betreten!

Ich ging in alle anderen Zimmer, die wir noch nicht angeschaut hatten . Vielleicht war ja irgendein Penner im Haus und Verursacher der Geräusche. Renate behauptet heute, sie wäre in meinem Schlepptau mitgegangen. Ich wähnte sie jedoch noch unter der Bettdecke.

Es war niemand im Haus außer uns beiden. Vollends verwirrt war ich, als ich die losen Fensterläden  schließen wollte und feststellte, dass überhaupt keine da waren!

 


Es war wieder still , kein Hund zu hören. War alles nur Einbildung gewesen?

 

Bei einem allein wäre dies möglich, aber wir hatten schließlich beide die gleichen Laute gehört! Zwei Leute konnten doch unmöglich dieselben Einbildungen haben! Getrunken hatten wir auch nicht.

Wir gingen wieder zu Bett und ließen das Licht brennen. Irgendwann schliefen wir dann erschöpft ein.

Am nächsten Morgen standen wir zeitig auf und verließen das Haus fluchtartig und ohne Frühstück. Dabei stellten wir noch fest, dass dieses Haus ebenerdig war und ein Flachdach hatte .

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  Es gab keine Dielen oder Bretter, die hätten knarren können! Ich hatte auch nach dem Aufstehen hüpfend, schleichend und Gewicht verlagernd versucht, ein Knarren der Dielen im Schlafzimmer zu produzieren. Es ging nicht, denn der Boden war aus Estrich, und es gab keine Bohlen.

All die grässlichen Geräusche, die wir in dieser Nacht gehört hatten, konnte es praktisch aufgrund der baulichen Hausbeschaffenheit  nicht  geben .

 


Es hatte also gespukt. Wir sind auch heute noch, Jahre später, davon überzeugt, dass Geister ihr Wesen bzw. Unwesen getrieben hatten. Vielleicht sah das Haus Jahrzehnte früher anders aus, und  es gab Fensterläden und Fußbodenbretter und ein Obergeschoß mit Holzboden. Dann waren diese Geräusche ebenso alt. Eine rationale Erklärung dafür gibt es jedenfalls nicht.

 

Wir sind auch überzeugt, dass der Hauseigentümer über diese ´Eigentümlichkeiten´ Bescheid wußte. Aus diesem Grund hat er auch Vorauszahlung verlangt!

Nun, der Schreck saß uns noch in den Gliedern, als wir unseren Weg zum Milford Sound fortsetzten. Der Vollständigkeit halber auch hierüber ein kurzer Bericht.

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Der Milford Sound ist ein  Fjord , an dessen Ende ein kleiner Ort gleichen Namens steht. Von hier aus kann man mit einem Schiff  in den Fjord einfahren.

An diesem Tag verließ uns das Glück vollends, denn das Wetter schlug um und es regnete unentwegt. Wir verzichteten deshalb sowohl auf eine Wanderung am berühmten Milford Track als auch auf eine Fahrt in den  Fjord und fuhren zurück.

 


Über Duneden gings nach Christchurch  und  von dort mit dem Flugzeug nach Wellington auf der Nordinsel. Dabei mussten wieder an Te Anau vorbei. Wir taten dies mit höchstmöglicher Geschwindigkeit.

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Wir sind auch in den nächsten Jahren öfter am ´Schönsten Ende der Welt´ gewesen , auch auf der Südinsel. Te Anau aber haben wir bis heute gemieden.

Ein Bericht von  Rainer Spatschek