Ich erinnere mich an den Tag, an dem wir endlich Blenheim verliessen, weg von den Vineyards, raus aus dem Worker Hostel, hinaus in die Freiheit in Jimmys kleiner Klapperkiste.
Und dann irgendwann fuhren wir in Nelson ein und ich blickte auf das weite Meer, dass sich direkt neben der Strasse erstreckte und in der Sonne glitzerte.

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Nach einem sonnigen und einem verregneten Tag in Nelson ging dann alles schnell. Auf den allerletzten Druecker haben wir unsere Campsites gebucht, ein Zelt und einen Gaskocher gekauft und sind am naechsten Tag in stroemendem Regen nach Marahau gefahren, um von dort aus den Abel Tasman Coast Track zu starten. Das war genau am 1. Dezember, der Tag, an dem das grosse Reisen begann.
 


 

Als wir da waren und feststellten, dass es keinen Supermarkt gab, trampten wir nach Motueka und wie immer klappte es hervorragend! Der Himmel brach gerade auf, das Meer und die Pfuetzen im Sand schimmerten und wir wurden von zwei Neuseelaendern in einem schrammligen Van aufgesammelt. Dann der grosse Einkauf und voila.
Abends lernten wir drei Englaender und Timm aus Muenchen kennen, der schon 60 war, verwitwet und trotzdem durch die Welt reiste. Er erzaehlte uns dann spaeter vor dem offenen Kamin alte Geschichten, wie er mit dem Motorrad durch Europa reiste und dann schliesslich am Flughafen zu arbeiten begann.

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Am naechsten Morgen wachte ich ausgeschlafen aus, wir packten den ganzen Kram ein und waren erstaunt, wie schwer unser Gepaeck letztendlich war... das Wetter war nicht das Beste, aber stabil. Und dann stiefelten wir los, fuenf Tage lang. Und wirklich, wir haben ueberwaeltigend schoene Straende gesehen, das Wasser war trotz teilweise grauen Himmels richtig blau, fast tuerkisblau, wunderschoen. Die Naechte waren der Horror ohne Isomatte, kalt und hart, sodass mir die Knochen schmerzten. Und trotzdem, die ganze Reise liess mich so frei fuehlen wie lange nicht mehr. Das Gefuehl haben, dass es der eigene Koerper ist, der einen vorantreibt und selbst mit diesem Mordsgewicht das Wandern meistert (wobei ich sagen muss, dass zweimal mein Kreislauf etwas abgestuerzt ist..), war gut. Es einfach zu schaffen. Niemals zu wissen, welches schoene fleckchen Erde als naechsten darauf wartet, von uns entdeckt zu werden.
Zeit zum Nachdenken haben. Wunderschoene Natur.


Es war das Tollste, was ich seit langer Zeit gemacht habe, glaube ich. Und wenn es auch nur eine Sekunde gab, in der ich nicht mehr weiterlaufen wollte, weil der Ruecken schmerzte und die Beine streikten, wurde ich sofort mit wirklich... atemberaubenden Ausblicken auf so wunderschoene Straende belohnt. Das Wasser- tuerkisblau, egal bei welchem Wetter, egal wie grau der Himmel war.


Als wir am fuenften Tag unsere letzte Campsite erreichten, regnetete es in Stroemen, sodass wir beschlossen, keine weitere Nacht zu bleiben, sondern nach Takaka an der Golden Bay aufzubrechen.

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Den Bus verpassten wir, der Regen hoerte nicht mehr auf, saemtliche Kleidungsstuecke und Rucksaecke waren durchnaesst und uns blieb nichts anderes uebirg, als die ewig lange Querfeldeinstrasse nach Takaaka zu Fuss zu bewaeltigen, in der Hoffnung, ein Auto wuerde vielleicht vorveifahren und uns mitnehmen.
Die erste halbe, vielleicht ganze Stunde verging, wir liefen mittlerweile still nebeneinander her, es schuettete und so langsam verliess uns die Hoffnung, als doch noch ein Auto vorbeikam und anhielt. Ich haette vor Freude fast ein Traenchen verdrueckt, so dankbar war ich in diesem Moment, ich war furchtbar durchgefroren und alles was ich wollte, war eine heisse Dusche und ein Bett.
So erreichten wir dann Takaka (waeren wir die gesamte Strasse zu Fuss gelaufen, wir waeren bis Abends  nichts dagewesen, so lang war sie..).


Wir wurden abgesetzt in einem kleinen gemuetlichen Hostel, in dem der Ofen bollerte und es Marshmallows mit Schokolade gab und endlich konnte ich duschen und mich unter der Bettdecke aufwaermen. Es war Nikolaustag! Wir kochten abends schoen und so begann unsere Zeit an der Golden Bay:
Viel Zeit am Strand, Sand, der am Koerper klebt, barfuss laufen, Sommersprossen, ungeschminkt und braun sein, bei Gitarrenspiel auf der Veranda sitzen, gemeinsam kochen, schillernde Muschelplatten sammeln und dicke Robben, die sich auf Felsen luemmeln, riesige Duenen aus feinem weissen Sand, in die wir uns reinplumsen liessen, wildes kaltes Meer, in dem wir badeten, Freiheit, Sonnenuntergaenge, morgens unter Blumenbaeumen aufwachen, Klavierspiel und Musik, die ganze Zeit, lange Gespraeche, die mir erlaubten, mich und meine Zukunft endlich klarer zu sehen, eine Klapperkiste, mit der wir die Gegend erkunden, trampen und staunen und gluecklich diese fantastische Mentalitaet des Ortes aufsaugen.
Und dann ging es am 11. Dezember zurueck nach Nelson, wo ich vier Kleidungsstuecke verkaufte, Traumschloesser baute, frohgemut mit Mandy durch die gluecklichen Strassen tingelte und mich fuehlte wie in den 70er Jahren.

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Und das ist erstaunlich. Denn jeder Ort in Neuseeland birgt andere Ueberraschungen, jeder Ort bringt ein neues Gefuehl mit sich, nirgends werde ich das Gleiche sehen, das weiss ich, nirgends werde ich mich gleich fuehlen. Immer darf ich gespannt sein. Und das ist einfach toll.
Dann trennten Mandy und ich uns fuer eine Woche. Sie fuhr nach Christchurch, ich an die Westkueste nach Westport, wo es wie erwartet regnete. Es war trotzdem ein gutes Gefuehl, alleine zu reisen, man kommt so schnell mit anderen ins Gespraech und kann alles in seinem eigenen Tempo machen, ist unabhaengig und frei. Am naechsten Morgen, noch eine Stunde bis mein Bus weiter Richtung Sueden gefahren waere, machte ich mir gedankenverloren einen suessen Kaffee, als ploetzlich zwei Toasts aus dem Toaster sprangen, ich mich umdrehte und zwei strahlenden Kerlen in die Augen blickte.
So lernte ich Randall und Chais kennen.


Lange Rede kurzer Sinn: wir unterhielten uns und es war von Anfang an so freundlich und toll und ehrlich, dass ich mich kurzerhand entschloss ihrem Angebot nachzukommen und mit ihnen in die andere Richtung zu reisen. Und wir verbrachten zwei tolle Tage gemeinsam. Einigen habe ich auch schon davon erzeahlt.

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Jetzt, in genau diesem Moment, stehe ich in einer schrammligen Radio Station, tapeziert mit Konzertpostern, hinter mir sind die Regale vollgestopft mit Schallplatten, Kassetten und CDs, eine troddelige alte Retrolampe haengt von der Decke und die Sonne scheint durch das staubige Fenster. Es laeuft Ella Fitzgerald.
Ich befinde mich in Karamea, an der Westkueste der Suedinsel in einem Hippiekunsthaus. Das ist von aussen mit Regenbogenfarben angemalt und drinnen ziemlich abgefahren, ueberall kleben bunte Fotos an den Waenden, die die verschiedensten Menschen an den verschiedensten Orten zeigen.
Ich bin wirklich gluecklich. Und es ist wunderbar zu sehen, wie gluecklich auch alle anderen Menschen hier sind. Gluecklich mit so wenigen Dingen. Ein wilder Garten mit Himbeeren und hohem Gras kann schon genuegen. Oder Gaeste zu bewirten, in genau diesem tollen kuenstlerischen Hostel. Das ist wirklich erstaunlich zu sehen. Man merkt, wie stolz man hier auf sein Land ist. Und wie sehr man immernoch das Meer liebt, obwohl man es jeden Tag zu Gesicht bekommt.
Gestern Abend sagte jemand zu mir: Jeden Morgen zufrieden aufwachen und sich auf den Tag freuen, that's what life is all about.


Nach zweikommafuenf Tagen in Karamea reiste ich zu den Nelson Lakes, wo ich zwei Tage bei Randall wohnte und in dem himmlischsten Bett der Welt schlafen durfte. :)
(der Waaaaahnisnn! Mit verstellbarem Fuss-, Kopf-, und Rueckenbreich.)

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Von den Nelson Lakes ging es weiter nach Punakaiki, Pancake Rocks angucken, dann nach Greymouth eine graue, Stadt wie aus einer anderen Zeit gefallen, zurueck nach Westport, dann mit dem Tranzalpine Zug quer ueber die Suedinsel nach Christchurch.
Was ich mir zu Christchurch notierte:

milde sommernaechte. im goldlicht kaffee trinken. pastellstrasse. schachbrettboden. pralinentuermchen. federwolken. balkonfruehstueck. backsteinhaeuser. englische gemaeuer. fudgeschloesser. domplatz. staub auf der zunge. hitze. menschen, menschen.


Christchurch war wunderbar, es hat mir echt gut getan, mal wieder ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Wir haben  dann am 22. Dezember nochmal einen Ausflug gemacht, zur Banks Peninsula nach Akaroa, traumhauftes kleines Staedtchen mit franzoesischem Flair und suessen Haeuschen. Urlaubsfeeling, weisse Segelboote, spielende Kinder und badende Nixen. Die Nacht haben wir bei Jimmy aus Englang geschlafen, der in der Naehe wohnt.

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An meinem Geburtsgag fruehstueckten wir im waahnsinnig schoenen Blumengarten und fuhren am Nachmittag zu dritt an den Strand, wo ich mich auf einmal fuehlte, wie in einem franzoesischen Urlaugbsoertchen im Sommer. Wir assen Pommes und Eis und schlenderten herum und abends tranken wir Wein und gingen mit vielen Leuten in Christchurch weg (es hatten naemlich noch zwei andere Reisende Geburtstag!).
Weihnachten haben wir am Strand zelebriert, mit Zipfelmuetzen und einem riesigen Picknick, am 25. ging es mit einem grossen Barbeque weiter, es war die reinste Voellerei, aber soo gut! Yum!
(Jetzt bin ich exhausted.... der Rest in Kurzfassung:)


Mandy und ich fuhren dann weiter nach Kaikoura und unternahmen ein super Roadtrio zu den Hanmer Springs (heisse Naturquellen, die nach Schwefel miefen), es war einfach das Groesste!
Mit bis zum Anschlag aufgedrehter Musik und offenen Fenstern an schillernden Silberbaeumen und Lavendel vorbeirasen, waehrend Greifvoegel in der Luft segeln und sich ueber, vor, hinter, neben uns Berge erstrecken; dazu ein weiter Wolkenhimmel.

Heute sind wir wieder in Christchurch angekommen.

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Das letzte, was ich geschrieben habe, heute morgen in Kaikoura, war das hier:

Der Jahreswechsel steht vor der Tuer und mit 364 vergangenen Tagen im Ruecken sitze ich nun am Strand, fruehstuecke und blicke aufs Meer. Der Himmel strahlt und das Meer traegt ein helles Blau, ein helles zufriedenes Blau, ein Augenblau, und wie Kristallkornen glitzert und funkelt es in der Sonne, ueber ihm segeln die Moewen. Einzelne Felsbloecke ragen heraus. Unter meinen Fuessen knirscht der Kies.
Innerhalb weniger Minuten ziehen weiche Grauwolken auf, das Meer nimmt ihre Farbe an und Moewen wandeln sich von stolzen weissen Fliegern zu dunklen Schatten.


Silvester feiern wir also hier und morgen wird die unerhoehrte Voellerei forgefuehrt, es gibt wieder ein Barbeque hier im Hostel und dann wirds wohl ne Riesensause auf dem Domplatz geben mit Feuerwerk und allem Drum und Dran.

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Fuer den 1. Januar besorge ich mir ein richtig gutes Katerfruehstueck und werde dann vermutlich nur auf der Chocuh liegen und von dem ganzen letzten Monat einfach platt sein.
Wohin es mich dann verschlaegt, steht noch in den Sternen. Sicher ist aber, es geht weiter runter in den Sueden! :-)