individuelle Rösel-Reise vom 23.03. - 18.04.2001 Chile - Bolivien
Seit wir 1995 die herbe Schönheit der Atacama-Wüste kennenlernten, hatte es uns keine Ruhe gelassen, wie wird es erst jenseits der 19 schneebedeckten Vulkane hinter der Grenze Boliviens aussehen?
Und dieser Wunsch ging nun endlich in diesem Jahr in Erfüllung! Mit Uli, Martina I und Martina II gingen wir auf Entdeckungsreise. Eigentlich wollten wir erst im Herbst fahren, doch umständehalber zogen wir den Termin unmittelbar zum Ende der Regenzeit vor.
In Bolivien, dem heutigen Andenstaat ohne Meeresküste, leben etwa 8 Mio. Menschen auf einem Gebiet, welches drei Mal so groß wie Deutschland ist. Mehr als die Hälfte der Einwohner sind Indianer. Ein Drittel der Landfläche ist vom Andenhochland zwischen 3 000 - 6 000 m Höhe geprägt, der Rest gehört dem zum Teil noch unbekannten Amazonastiefland.
Bolivien kann man als das ärmste Land Südamerikas bezeichnen mit einem äußerst niedrigem Bildungsniveau. Simòn Bolivar, der die Spanier aus Kolumbien, Venezuela, Ecuador und Peru herauswarf, gründete 1825 die Republik Bolivien. 190 politische Machtwechsel seit dieser Zeit ruinierten das Land. Beim Salpeterkrieg 1879 verlor es den Zugang zum Ozean an Chile, bei den Chaco-Kriegen Land an Paraguay.
Seit 1550 beuten fremde Mächte die reichen Bodenschätze des Landes aus. Damals die Spanier das Silber, im 20. Jahrhundert Kautschuk und Zinn, die Gewinne verschwendeten die drei Zinnbarone ins Ausland.
Währungseinheit ist der Boliviano, 1 DM entspricht etwa 3 Boliviano, der US-$ hat die Bedeutung des zweiten Zahlungsmittels. Bolivien ist mit großem Abstand das preiswerteste Andenreiseland und zugleich das sicherste.
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23.03.2001
Nach der Übergabe von Haus und Pfleglingen in gute Nachbarshände verlassen wir beruhigt das naßkalte Leipzig in einem sehr vollen Zug Richtung Frankfurt/M. Dort treffen wir Uli und Martina II, laufen zum anderen Bahnsteig, um Martina I zu empfangen, doch der Zug von Berlin hat Verspätung. Als dieser doch noch einfährt und sie ihren kurzen feuerroten Urlaubshaarschnitt zur Tür hinaussteckt, hält der Zug schlagartig.
Beim Einchecken stutzt der freundliche Herr am Flugschalter, als sie ihm den Personalausweis statt Reisepaß aushändigt. Aber gerade dieser freundliche Herr will unbedingt den roten Paß sehen, so muß sie umbuchen und zurückfahren, um diesen zu holen! Auf Wiedersehen einen Tag später in Arica!
Mit einer Stunde Verspätung erhebt sich der A 340, vom Fensterplatz blickt man in die Nacht. Mitternacht landen wir in Madrid, um ein Bier zu trinken.
24.03.2001
Nach der Atlantiküberquerung erhellt den Horizont ein roter Streifen, unten liegen erleuchtete Siedlungen riesigen Spinnen gleichend. Später beleuchtet die Morgensonne ein grünes Brasilien. Die Bordfenster werden verdunkelt. Schlaf wird verordnet. Die Zeit läuft 5 Stunden hinterher. Die Maschine trödelt mit 700 - 800 km/h dahin, aber dann kommen doch die verschneiten Anden in Sicht. Wir wechseln mit freundlichen Einheimischen die Plätze: der Aconcagua ragt aus dem weißen Gipfelmeer. Unsere damalige Marschroute ist gut auszumachen.
Die Landung ist unmerklich. Mit dem Tour-Bus fahren wir ins Zentrum Santiagos, erkennen Bekanntes wieder: Moneda, Fußgängerzonen, Straßenmusikanten. Bei Belavista essen wir im Sonnenschein eine Grillplatte, um dann gestärkt mit der Standseilbahn auf den Mt. Cristobal zwecks guter Aussicht zu fahren. Es ist hochsommerlich warm, eigentlich wäre faulenzen angenehm. Per U-Bahn kommen wir in die Stadt zurück, vertreiben uns beim Bummeln, bei Malern, Musikern, Verkäufern zuschauend die Zeit. Eisleckend durch die laute, geschäftige, nun auch graffitiverzierte Stadt, erreichen wir Plaza de Armas. Jedoch mit der Kaffeehausatmosphäre ist es vorbei. Der Platz ist enttäuschend leergeräumt und nüchtern, nur die schwarzgezöpften Mädels lächeln uns freundlich zu.
Wir fliegen weiter nach Norden und landen nach Zwischenhalten in Antofagasta und Iquique 23.50 Uhr in Arica.
Ein Taxi bringt uns ins Hotel „Raissa“. Nach kalter Dusche lausche ich den Geräuschen aus dem Bett unseres Gemeinschaftszimmers.
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25.03.2001
Blauer Himmel erfreut uns beim spanischen, spartanischen Frühstück. Das Serviermädel braucht zur Anpreisung des Brötchens mehr Zeit als wir zum Verzehr.
Beim Chef machen wir die Lauca-Tour fest, ehe wir in die Stadt schlendern, sie wird gerade sauber gefegt. Ein Internet-Cafè steht offen, Uli schickt eine Meldung heimwärts. Militärmusik begleitet uns bei der Besichtigung des von Eiffel erbauten eisernen Zollgebäudes und der alten deutschen Lokomotive.
Ein interessanter Fischmarkt, eine Frau schlachtet den 1 m großen Kerl vor meiner Kamera, verschafft uns Appetit. Um die Ecke essen wir preiswert reichlich Fisch bei der hübschen Serviererin. Fahrkarten für den Bus nach La Paz kauft Uli, dann nehmen wir ein Taxi zur Fahrt an den Strand.
Der Strand ist steinig, das Wasser kalt und Petra läßt sich von einem Seeigel perforieren.
Danach laufen wir in die Stadt, schauen uns die Kirche von Eiffel an und steigen zum Berg El Morro hinauf, dort, wo die chilenische Riesenflagge im Sturm knattert und die Statue beschwörend die Arme hebt. Der Ausblick auf Stadt und Hafen ist schön, dahinter endlose Wüste.
Uli macht sich auf den Weg zum Flughafen, denn Martina Sch. müßte eintreffen. Die zurückbleibenden drei werden jetzt ein Straßencafè-Bier trinken und den lustigen, herumstreunenden Hunden zusehen.
Während wir uns fürs Abendessen putzen, erscheinen Uli und Martina I, man ist komplett, alles i. O.. „La Bomba“ heißt das originelle Restaurant, das Mahl ist mäßig.
Petra erhält einen Aschenbecher als Geschenk, wir Kamillentinktur zur Desinfizierung von Innen.
26.03.2001
Wie immer sind wir zu zeitig fertig. Das Auto holt uns üblicherweise später zur Fahrt in den Lauca-Nationalpark ab. Fahrer und Guide sind freundliche Menschen. Da die Brücke weggespült ist, fahren wir auf Wellblechpiste durch Wüste stetig höher auf mächtigen Bergen aus salzigem Sand.
Den Halt in einem Dorf kann ich zum Fotografieren eines interessanten Friedhofs nutzen.
Mit zunehmender Höhe verdrängt Fels den Sand, die Hänge werden grün, einzelne Exemplare des fast ausgerotteten Kandelaberkaktus (Browningia candelabris) erregen die Aufmerksamkeit. Zum Glück gibt es Fotostop. Der Fahrer deutet auf die Straße, die scheinbar abwärts führt, doch beim Lösen der Bremse rollt das Collektivo rückwärts.
Frühstück ist auf Mittag verlegt, beim Verzehr von Käsebrötchen trinken wir gegen Höhenkrankheit Kokatee. An der Gaststätte steht Inca-Cola.
Die Reise führt durch grandiose Gebirgslandschaft, dabei windet sich die Straße in endlosen Serpentinen. Am höchstgelegenen See der Welt, Lago Chungarà ist das Ziel erreicht. Dahinter in blendendem Weiß stehen prachtvoll die Zwillings-Vulkane Parinacota 6 342 m und Pomerape 6 282 m. Zahlreich grasen zierliche Vicunas, Andengänse und Blesshühner gründeln auf dem See. Der Boden ist bedeckt mit den giftgrünen, voll tausender kleiner rosa Blüten bedeckten, steinharten Llaretta-Polstern (yarette). Die Luft ist kristallklar unter dem tiefblauen Himmel. Das Herz klopft, der Atem fliegt bei hastigen Bewegungen. Die Luft hat einen um die Hälfte reduzierten Druck. Die Landschaft ist traumhaft schön.
Auf der Heimfahrt wird in Putre warmes Essen gereicht, dieses sieht genauso grau aus wie die Lehmhütten des Ortes. Unter den Kindern verteilen wir Schokolade.
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Vor Arica ist ein Stück Straße abgerutscht. Ein Bagger schiebt den Hang ab, große Brocken rollen hinab. Eine lebende Ampel mit grün/roter Kelle sichert den Verkehr vom Straßenrand.
27.03.2001
Das Taxi fährt uns pünktlich zum Busbahnhof. Nach Südamerika-Verspätung geht es Richtung La Paz. Eine Frau kennt keine Zahlen und möchte uns die Plätze streitig machen. Nervend klirrt der Lautsprecher.
Am Fenster zieht die sonnenüberflutete bergige Wüste vorbei. Ich versuche, diese zauberhaften Bilder bleibend aufzunehmen: pastellfarbene Weite unter tiefblauem Himmel, blumengeschmückte Kreuze und üppige Kakteen säumen die Straße.
Wir nähern uns der Grenze zu Bolivien und müssen Fragebögen ausfüllen. Die Höhe spürt man, während die Formalitäten schnell erledigt werden.
Vom Niemandsland blickt man auf die verschneiten Vulkane, links steht trutzig der Sajama 6 520 m, der höchste Boliviens. Dann schließt sich das Altiplano an. Über Stunden fahren wir durch baumlose Weideflächen, Wasserlachen, an roten Tuffbergen vorbei, Schafe und Lamas grasen, grasgedeckte ärmliche Lehmhütten auf
3 800 m. Im Bus gibt es Mittagessen: Reis, Huhn, Rotwein ...
Draußen schauerts, Straßenarbeiter mühen sich primitiv, Zopffrauen betreiben Landwirtschaft, Soldaten langweilen sich vor Kasernen wie Kinderspielplätze und immer wieder armselige, teils zerfallene Lehmhüttendörfer und am Horizont verschneite Bergketten ...
La Paz kommt in Sicht: Hütten, Häuser, Geschäfte, Händler, Ampeln, eine sechsspurige Straße, dichtes Gewühl und Treiben. Plötzlich blickt man 800 m tief in einen Talkessel, lückenlos gedrängt bebaut mit Ziegelhäusern zwischen Straßen und Bäumen. Auf Serpentinen kurven wir abwärts zum Busbahnhof in ein Wirrwarr hunderter Busse. Taxischlepper bedrängen uns zwischen eilenden Menschen. Einer gewinnt, und zu fünft mit 10 Rücksäcken fährt er uns zum benannten Hotel ins Zentrum. Unüberschauliches Verkehrsgewühl ohne Vorfahrtsregeln meistert der Fahrer mutig, während wir aufschreiend nach draußen blicken. Das Hotel wird von Uli und Martina I inspiziert und nicht akzeptiert, aber der Taximann hat schon telefoniert, fährt zum „Morumbi“. Feilschen, Besichtigung - wir bleiben hier. Taubstumme Bedienstete schleppen unser Gepäck. Hastig atmend stapfen wir die Treppe aufwärts. 3 600 m hoch! Abendbummel durch die Altstadt mit ihren hunderten Ständen, Händlern, Gerüche der Straßenküchen und das unbeschreibliche, unentwirrbare Knäuel von Fahrzeugen folgt. Internet, Bankautomaten und Kneipen werden aufgesucht. Und irgendwann merkt auch Martina II, warum sie nie Geld am Automaten erhält. Ihre EC-Karte ist abgelaufen.
In der lauten Nacht und Höhe schlafen wir schlecht.
28.03.2001
Wir werden durch die lebendige Stadt getrieben, schauen uns die Kirche San Franzisco an, kaufen für Pfennige wohlschmeckende Bananen und versuchen, Geld zu tauschen. Im Flugbüro Lan Chile werden unsere Rückreisetickets nicht bestätigt. Wahrscheinlich wurde durch Martinas Umbuchung unser Vertrag liquidiert.
Hinter dem Busbahnhof besichtigen wir den eigenartigen Friedhof von La Paz. In langen Reihen sind Bestattungsnischen in Mauern eingelassen und verschwenderisch mit Blumen geschmückt. Jungen hantieren mit Leitern, um den Zugang zu ermöglichen, die Anlage ist gepflegt, sauber geschnittene Bäume teilen die Stätten.
Im Hotel belassen wir einen Teil unseres Gepäcks und fahren nun auf der schönsten Strecke Südamerikas unserem nächsten Ziel, dem Titicacasee entgegen. Bei jedem Halt wird dem Bus noch mehr Gepäck aufgesattelt: Gasflaschen, Säcke, Kisten, Sessel, Betten ...
Grünes Altiplano und schneebedeckte Cordillera Real ziehen am Fenster vorbei, Weidevieh und zahlreich blühende Sträucher, der Titicacasee kommt in Sicht: tintenfarbiges Wasser, gleißendes Licht, Schneeberge, klarer, weiter Horizont ... Es wird übergesetzt, dazu legt man uns Schwimmwesten an, der Bus schlingert allein auf einem Kahn übers Wasser. - Die Route verläuft in der Höhe um den See und gewährt begeisternde Tief- und Fernblicke. Interessante und bunte Gesteinsformationen säumen den Weg, ehe dieser auf der Halbinsel Cobacabana endet. Dieser hübsche Ferienort hat auch als wichtige Pilgerstätte Bedeutung und wird von der gewaltigen blendenden Kathedrale beherrscht.
Genächtigt wird in einem Stahlbetthotel namens „Solar“, gegessen wird frische Seeforelle am Kamin und der Titicaca läßt eine rote Sonne in sich tauchen.
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29.03.2001
Wir sind 3 810 m hoch, Uli plagt etwas diese Entfernung vom Erdmittelpunkt. Aber jetzt wird Boot gefahren unter frischem Wind (10 ° C), schwarzen Wolken und blauem Himmel. Die wechselnde Wasserfarbe, die faszinierende Wolkenbildung, die Kordilleren am Horizont, diese Lichtspiele, all das kann dir nur der Titicacasee zeigen.
Auf der Isla de Sol landen wir an, spazieren am Ufer und genießen die Stimmung, beschäftigen uns mit Kindern und bettelnden Schweinen, steigen aufwärts und erfreuen uns am schönen Panorama. Durch blühende Geranienbüsche und Eukalyptusbäume blicken wir hinab zum glitzernden See. Am Horizont türmen sich Wolkenberge, durch die die Eisgipfel der 6 000er blicken. Danach tuckern wir zur kahlen Isla de Luna, besichtigen die Ruinen des Inak Uyu Palastes, wo buntgekleidete Frauen ihre Waren anbieten.
Nochmals wird an der Sonneninsel geankert. Bei Escalera steigen wir die wasserumspülten Inkatreppen hinauf. Hier blühen reich Mageriten, Fuchsien, Biedens. In der dünnen Luft und der vorgegebenen Zeit schaffen wir den Weg bis zu den Ruinen nicht, können uns jedoch an den Fernblicken laben.
Abends schlingern wir heimwärts, der Bootsführer kontrolliert zum 6. Mal die Fahrscheine.
Bei andiner Musik essen wir am Feuer Pejerrey und Forelle, wässern diese mit Pisco sour zur happy hour.
30.03.2001
Neben dem Ort steht auffällig der Kreuzberg. Bei diesem Prachtwetter müssen wir ihn besteigen. Anstrengend viele Stufen führen an den 14 Leidensstationen Christi’ mit markierten Kreuzen empor. Dort werden für alle Sünden Kiesel abgelegt. Wir lassen nur Schweißtropfen zurück. Kühlen Wind und fotogene Aussicht beschert uns der Gipfel.
Störend empfinden wir die vielen Bettler, als wir noch die Basilika aufsuchen. Der prächtige Altar im Mestizenbarock ist teilweise verhangen.
Es geht nach La Paz zurück. Der Bus kommt wieder nicht, auf Anfrage wird erklärt, daß dieser an anderer Stelle abfährt. Schrecksekunde, die Zeit ist überschritten! Sofort nimmt uns ein Busfahrer auf und befördert uns an die richtige Haltestelle, Glück gehabt! Und Uli findet noch rechtzeitig seine Martina in irgendeinem Geschäft.
Am Straßenrand sind Hanf- und Hirsefelder zu sehen, Flachspuppen werden aufgestellt, Berge von Möhren im Fluß gewaschen, Schweine und Frauen in bunter Tracht arbeiten auf den Feldern. In der Hauptstadt (1,3 Mio.) versperrt uns gerade ein Maskenumzug den Weg.
Hinein ins Gewühl und nach Kaffee und Kuchen zu Lan Chile - dort ist alles i. O.! Gaskartuschen für den Kocher sind nicht erhältlich, aber Trekkingtrockenfutter. Nicht so schlimm, ich habe ja den Benzinkocher mitgeschmuggelt. Leider ist es schon dämmrig, als wir die Zaubergasse erreichen. Hier werden reichlich Kräuter, Gewürze, religiöser Mummenschanz, wie Lamaföten, angeboten.
In einer Gaststätte, gestaltet wie ein antikes Museum, speisen wir, ehe wir im fensterlosen Asyl nächtigen.
31.03.2001
Das bestellte Taxi fährt uns heute nach Tiwanaku. Ehe wir das morgendliche La Paz verlassen, gibt es Halt für ein Foto. Greifbar nahe steht über der Stadt der 60 km entfernte Illimani 6 440 m und unter uns die bienenwabenartigen Wohnstätten im Krater.
Durch sumpfiges Paramo führt eine Asphaltstraße, auf der Maut gezahlt werden muß.
Im weitläufigen Gelände stehen die verfallenen Ruinen aus der Inkavorzeit (1580 v. Chr. - 133 n. Cr.). Sie stammen aus der ältesten Hochkultur in den Anden. Wie die Steine an den hiesigen Ort gelangten, was die Schriftzeichen bedeuten, mit denen die Monolithen versehen sind, ist unbekannt. Die Mauern sind mit hervorspringenden Köpfen verziert, die individuelle Züge tragen.
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Krönend steht das bekannte symbolische Sonnentor am Eingang der Anlage. Man steht ehrfürchtig davor, jedoch hat man in Peru beeindruckendere Bauwerke bewundert. Die Inkas übernahmen die Kunst der Verarbeitung von Steinen, aber die Neuzeit benutzte diese Tempel als Steinbrüche für ihre Bauten!
Bei der Heimfahrt zielt der Blick auf den formschönen Huayna Potosi 6 088 m. Eine gute Fernsicht lohnt allein schon die Autofahrt.
Anschließend wollen wir noch zum höchsten Skigebiet der Welt, auf den Chacaltaya-Gletscher in 5 320 m Höhe. Das Auto müht sich den windenden Fahrweg zum ewigen Schnee empor, doch Schotter, Löcher, Schneematsch und Steilhänge scheinen keinen zu stören. Windigkalt ist es hier oben, dünn die Luft, wir stapfen zur Baude auf 5 280 m. Während des Fotografierens wollte man 10 Bolivianos von uns haben, so trollen wir uns abwärts, erkennen in der Ferne den Titicaca, viel farbiges Gestein, grüne Lagunen, unseren geschlängelten, bedrohlichen Fahrweg.
Alle kommen wieder in La Paz an, der Chauffeur verlangt vergeblich 30 $ Mehrpreis als ausgehandelt.
Jetzt muß noch Verpflegung für unseren Dreitagesmarsch eingekauft werden. Gegen den ersten Hunger lassen wir uns Käsebrötchen am Stand bereiten. Kocherbenzin kriegen wir nicht, so muß die Tankstelle aufgesucht werden. Nach Besuch der Antik-Kneipe gilt es noch zu packen.
01.04.2001
Auf zum La Cumbre - Coroico - Trek!
Zunächst lassen wir uns zum Paß hinauf fahren. Schon hier hat man einen überwältigenden Blick auf die Straße, die sich noch durch die Kordilleren schlängelt, um dann in die Yungas abzufallen.
Die Christusstatue weist auf die schneebedeckten Gipfel, diesen Weg müssen wir einschlagen. Der Pfad stammt noch aus den Zeiten des Tiwanaku Reiches. Der kontrastreiche Handelsweg diente den Karawanen vom Amazonastiefland in die Andenregion.
Da nichts markiert ist, verlaufen wir uns in dieser Weite erst einmal, aber dafür bekommen wir prächtige Fotos dieser tollen Gegend. Dann aber klettern wir mühsam zur richtigen Kerbe im Bergkamm empor (Chucura-Paß 4 950 m). Leider hüllen uns jetzt die Mittagswolken ein, Aussicht passé. Gespenstisch jagen die Schwaden an den schroffen Spitzen vorbei und gewähren gelegentlich Tiefblicke in die Schlucht, in die wir absteigen wollen. Hier liegt ewiger Schnee, gefestigt vom steten Sturm.
Auf geschlagenen Stufen steigen wir steil abwärts. Lamaherden begegnen uns, von malerisch gekleideten Hirten getrieben. Sie bitten uns um Süßigkeiten, möchten sich aber trotzdem nicht ablichten lassen.
Stundenlang geht es hinab, es wird grüner, Arnica blüht am Weg, Stufen, Steine, Schotter, bescheidene Hütten, einmal wird Cola und Tee angeboten. Eine Gruppe Amis überholen wir, denen lag ihr kalter Nudelsalat zu schwer im Magen. Ein Indio wünscht, daß wir uns in sein Buch eintragen. Wacklige Brücken werden passiert, Einheimische reparieren den Weg, Kinder bitten um Caramelos.
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Am Ende des Tages, bei Challapampa oder Collosali (3 150 m), sind Fußgelenke und Sohlen ungehörig. Zum Glück darf das Zelt am Fluß H. aufgestellt werden. Die Frauen der umliegenden Hütten verjagen bereitwillig die Haustiere und schauen interessiert zu. Sie leben ohne Strom und Wasser mit den Tieren unterm Grasdach der kleinen Schilfhütte. Wir waschen uns, kochen und essen alle aus einem Topf. Fast übergangslos wird es dunkel. Der Fluß rauscht, in der Kühle schläft sich’s erholsam.
02.04.2001
Der netten Frau von nebenan schenke ich mein T-Shirt und Süßigkeiten. Die Sonne trocknet den Tau vom Zelt.
Dann geht es wieder abwärts durch üppigen Pflanzenwuchs. Halb zugewachsen passiert der Pfad Bäche, Wasserfälle, mal steil hinab, dann bergauf. Viele Schmetterlinge gaukeln über dem Blütenfloor.
Der Fluß hat die Brücke fortgespült. Zwei Indios haben dafür einen Draht gespannt, an dem eine Rolle hängt. Gegen ein unverhältnismäßig hohes Entgelt binden sie uns nacheinander in eine Art Windel und ziehen den Knäuel über das tosende Wasser. Eine fotogene Attraktion!
Unbarmherzige Sonne dörrt uns bei stundenlangem Auf- und Abstieg entlang der Berghänge aus. Das Tagesziel wird ersehnt, die Fußsohlen feuern, Durst plagt immerfort. Zwei erschlagene Schlangen liegen auf dem Weg. Wir sind auch erschlagen. Endlich Zeltmöglichkeit an den Hütten San Francisco, Uli kommt mit einem Bier entgegen.
Als die Zelte stehen, essen wir aus dem Trekkingfuttertopf, während sich die Hunde artig davor plazieren. Beim Kokatee mit Rum beobachten wir Glühwürmchen. Grillen zirpen uns in den tiefen Schlaf.
03.04.2001
In der Nacht bis zum Morgen regnet es. Nach 8 Uhr kommt die Sonne, um die Sachen zu trocknen.
Der weitere Trail folgt subtropischen Bergregenwald, teils dicht verfilzt, mal exponiert in sengender Sonne mit Blick in endlose Täler, gerahmt in Kulissen grüner Berghänge.
Über bebende Brücken, durch Wasserläufe, vorbei an Steilwänden und Wasserfällen, lianenverwobenen modernden Wald, durch Schlamm führt uns der Pfad. Blühende Sträucher im Licht wechseln mit nebligen dämmrigen Urwald, der jetzt im Regen in Schwaden gehüllt, geheimnisvoll wirkt. Ein Affe springt in den Wipfeln.
Von einem Stein rutsche ich aus und rolle in den Bach hinab. Glücklicherweise blieb der Inhalt und Fotozeug im Rucksack trocken, nur ein Teleskopstock verbog sich. Nach zwei Stunden, wir haben viele Seitentäler auf halber Höhe umrundet, sehen wir ganz nah unseren letzten Schlafplatz. Schwitzend trinke ich literweise Wasser oder genußvoll eine Cola vom Hirten am Wegesrand.
Bei der Nipponidylle des Japaners Hamamura, ein kleiner vertrockneter, lebhafter Mann, halten wir zur Rast. Er drängt, daß wir uns in sein Buch einschreiben, sehr interessiert, von wo wir kommen. Jetzt stört uns der heftige Tropenregen nicht. Schwaden wallen durch die Täler. Nach Morast, stetem auf und ab sehen wir endlich Chairo tief unten am Fluß. Das Ende des präkolumbianischen Weges ist bald erreicht.
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Im Ort, vor einem Kiosk, treffen wir auch den kontaktfreudigen Israeli wieder. Dieser organisiert mit seinem Führer ein Pick up, welches uns über Yolosa nach Coroico bringt. Auf bolivianischen Fahrwegen, vorbei an Bananenplantagen, Wasserfällen, einsturzgefährdeten Hütten, jagenden Hunden, winkenden Kindern geht es wieder höher. Das Fahrzeug quert die neugebaute Yungastraße, deren Fertigstellung dauern wird, weil man sich beim Tunnel vermessen hat. In Yolosa steigt man um, dann geht es auf spektakulären Pisten durch aufregende Landschaft nach Coroico. Auf der Ladefläche sitzt neben Petra ein niedliches Mädchen. Sie nimmt die Süßigkeiten entgegen und schläft friedlich an sie gekuschelt ein.
Plötzlich ist es dunkel geworden, durch die Wolken da oben funkelt unser Zielort. Ich stehe auf der Ladefläche und lasse mich einstauben, um nichts zu verpassen.
Uli und Martina I suchen Hotel, finden das „Kory“ mit herrlichem Ausblick am Morgen. Wir säubern uns geduldig unter einer Tropfendusche, essen Abendbrot bei einer Deutschen, trinken später auf dem Platz beim Österreicher Pina Colada und amüsieren uns köstlich über die zig Hunde, die rund um die Gäste der Garküchen sitzen und auf einen Happen hoffen. Wie überall sind sie possierlich, anhänglich und nie würde ein Mensch angeknurrt werden.
04.04.2001
Frühstück vom allerfeinsten in Hans’ Backstube, deutsche Laute und Schwarzbrot! Von der Hotelterrasse schweift der Blick vom Schneegipfel bis zu Bananenpflanzen im schwülwarmen Tal. Unwirkliche Szenerie!
Schauen wir uns mal im Ort um: steile Gassen, exotische Hinterhöfe, aufgebahrte Hühner, verlockendes Obst, Gemüse, man grüßt uns auf deutsch.
Der Bus nach La Paz hat selbstverständlich Verspätung. Sicher fürchtet der Fahrer die Yungastraße, die gefährlichste Piste der Welt mit 100 Toten pro Jahr. Teils mit Maßen einer Radstandsbreite ist sie wie ein Faden um die Steilhänge gelegt, es herrscht hier Linksverkehr, Kreuze stehen zahlreich am Rand, 1 000 m senkrechter, ungesicherter Abgrund, während die Straße innerhalb weniger Kilometer 3 500 Höhenmeter abstürzt. Die Chauffeure bekreuzigen sich zweimal, Fliegen mit Bodenhaftung!
Dann geht es doch noch los. Der kleine Bus schnauft über viele hundert Kurven, hupend, in Staub gehüllt, geschüttelt unter Wasserfluten hindurch, durch Wasserlöcher immer steil hinauf. Die Vegetation wechselt, sie macht dichtem Filz aus Baumfarnen, Schlingpflanzen und Flechten Platz. Entgegenkommende müssen zurückfahren, bis eine Ausweichstelle vorhanden ist. Oft kann man am ausgefransten Wegrand eine Handbreit neben dem Reifen fast 1 000 m in die Tiefe blicken. Dort rosten schon einige Blechknäuel vor sich hin ...
Die Straßenwindungen erkennt man durch Grün mehrfach unter uns, über uns. Die modernden Baumstämme einiger Brücken springen lustig hoch, wenn sie befahren werden.
Nach zwei Stunden geraten wir in die Wolken, es regnet. Nebel ziehen mystisch aus den Schluchten. Zum Glück staubt es nicht mehr, jetzt gibt es Schlamm. Viele schwer beladene LKW begegnen uns.
Oben geht es asphaltiert weiter, in den schwarzen Basalt ist der Weg in die Hauptstadt vierspurig gesprengt, doch noch immer fahren wir an einer hunderte Meter hohen Felswand entlang. Zollkontrolle: Beamte klettern auf den Lastzügen herum. Unsere Mädels haben hier nichts zu verzollen, sie kauern sich.
Im Schneeregen steht schemenhaft die Christusstatue, unser Startpunkt (heute hätten wir Orientierungsprobleme). Vier Stunden sind vergangen, als wir im Sommer in den Bus stiegen.
Wir nehmen ein Taxi zum Hotel und müssen 80 Pfennig löhnen. Jetzt schnell noch Geldtausch und Kaffeetrinken.
Ach, wie freut man sich hier im „Morumbi“ über unser Erscheinen! Im Speisezimmer packen wir wie wildgeworden um. Der fixe Uli organisiert schon wieder ein Taxi, in welches 10 Rucksäcke, Plastbeutel und 5 Menschen gestopft werden. Als wir fahren, fehlt Martinas II Geldtasche. Sie findet, dort zurückgekehrt, Dollars auf dem Klo. Mit dem Schlafbus wollen wir 19 Uhr nach Sucre. Jetzt darf man sich vom Getriebe, Geschrei und Unpünktlichkeit auf dem Busbahnhof nicht nervös machen lassen.
Zum letzten Male funkeln die Lichter von La Paz zu uns hinauf. Im Bus ist es bequem, aber schlimme Gerüche plagen uns. Wir fahren bei Mondlicht durch die Nacht, Wildwestlandschaften, Puna. Halt in verlassenen Nestern, aber gegen 1 Uhr wird am Straßenrand noch gebrutzelt und Divisionen Hunde belagern den haltenden Bus. Mit großen Lettern steht geschrieben: „Nicht an die Mauer urinieren“.
05.04.2001
Mit der Morgensonne kurven wir in Sucre ein, ringsum schöne, grüne Landschaft, viele Blumen (2 800 m). Zum ersten Male müssen wir zwei Droschken nehmen. Das Hosta „Colon“ in der Colon ist hübsch und sauber. Es bewirtschaften liebenswerte Bolivianer, die 26 Jahre in Deutschland lebten.
Folgend duschen, frühstücken gehen, Stadtspaziergang, zur Siesta Kartenschreiben auf der Terrasse und Unterhaltung mit den Gastleuten.
Die alte Kolonialhauptstadt sieht gepflegt aus, weißgestrichene Fassaden! Viel Jugend drängt sich vor den vielen Universitäten und Schulen. Die Kirchen haben meist geschlossen. Am schönen Platz des 25. Mai treffen sich Studenten und Müßiggänger. Hier promenieren viele reiche, feine Leute.
Wir zwei besichtigen den sehenswerten Friedhof. Neben den schon gesehenen Bestattungsmauern gibt es kostbare Mausoleen und prächtige, seltene Bäume, und ein jüdisches Begräbnisfeld. Jungen bieten sich als Erklärer an. Vor dem stattlichen Eingangsportal werden massenhaft schöne Blumen angeboten.
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Mit Martina I suchen wir ein Cafè, es ist schwierig. Zur Siestazeit schließen sogar die Kneipen. Die Kirche San Franzisco hat offen, sie hat eine sehr schöne Holzdecke.
In der Markthalle gibt es interessante Dinge zu schauen: unbekannte Obstarten, zig Kartoffelsorten, Gewürze, buntgekleidete Indios, Kinder, Hunde ... Beim Kaufen kann man gut filmen.
Um den Platz demonstrieren Indianer, sie machen mit Plakaten und Böllerschüssen auf sich aufmerksam.
Nach dem Barbesuch beim Italiener muß Uli zum Fotografieren das Stativ benutzen.
06.04.2001
Bei schönem Frühlingswetter schlendern wir durch den Park, finden den Mini-Eiffelturm, den alten Bahnhof, das Justizgebäude und betreten die mächtige Basilika.
Nach herrlicher Verabschiedung vom „Colon“ geht’s durch Gewühl zum Busbahnhof. Unser heutiges Ziel ist die alte Silberstadt Potosi.
Der Bus hält mehrmals am Stadtrand, bis er restlos vollgestopft ist. Zwei Fahrer, zwei Kartenverkäufer und ein Kontrolleur als Bordmannschaft sorgen dafür. Heute haben wir auch eine Badewanne auf dem Dach geladen.
Straßenverkäufer drängen mit Getränken, gekochten Kartoffeln, Tomatensalat, Backwerk, Decken, Schmuckketten, Eis in den Bus oder halten die Dinge in die geöffneten Fenster. Das anpreisende Geschrei mischt sich mit der klirrenden Musik aus den Buslautsprechern, darunter gesellen sich quirlige Kinder, unfeine Gerüche, markante Typen von Indianern, die man immer wieder ansehen muß.
Die Landschaft wird wieder ein Menü für die Augen. Malerischer Horizont, Wolken, Bergkulissen, davor die bunten Hirsefelder, Agaven, Kakteen, viele blühende Sträucher, behütete Indios, weidendes Vieh ...
Es geht in Serpentinen auf und ab, Hinweisschilder deuten auf geologische Besonderheiten hin: Verwerfungen öffnen den Blick auf farbige Tuffe, glänzenden Basalt, Urgestein in Rosenform, als Kamm, wie ein Fächer ...
Soweit der Blick reicht, wogt das Wollgras im nimmermüden andinen Wind.
Knall und Reifenpanne - alles aussteigen, jedoch kein Problem, gleich geht es weiter. Mit sinkender Sonne fahren wir auf den rostroten Silberberg von Potosi zu.
Dieses Mal schafft es auch der kleine Taximann mit kleinem Auto, alles auf einmal ins „San Antonio“ zu transportieren (bergauf zu laufen in 4 100 m Höhe wäre zu anstrengend). Wir sind in der kalten Silberstadt Potosi. Einst die größte und reichste Stadt der Welt in dieser hohen Einöde. Das geförderte Silber seit 1550 hätte gereicht, eine silberne Brücke bis nach Spanien zu bauen (über 60 000 Tonnen). Hunderttausende Indios bezahlten dafür mit ihrem Leben.
Am Abend inspizieren wir die lebendige Stadt. Noch heute widerspiegelt sie den früheren Reichtum: prachtvolle Kirchen, aufwendige Fassaden, Balkone, schöne Häuser. In engen Gassen drängen sich Jugendliche, vorbei an Straßenverkäufern, Ständen mit Torten, Grillfleisch, Kleidungsstücken, nervender dichter Autoverkehr. Im Hof der berühmten Casa de la Moneda grinst uns die lachende Venezianerin an. Das monströse Bauwerk flößt Ehrfurcht vor der Historie ein. Schwierig ist, eine ansprechende Gaststätte zu finden. In „Le Boulevard“ gibt es Kerzenlicht, Stoffservietten, Grillteller, Lamaleder, chilenischen Rotwein.
07.04.2001
Zeitig geht es zum Touranbieter, doch vorher frühstücken wir bescheiden beim Dänen. Die Krümel vom Abend liegen noch auf dem Tisch.
Mit Bus werden wir zum Depot transportiert und in Gummistiefel, Helm mit Lampe, wasserdichte Jacke gekleidet. In der Mercado de Mineros kaufen wir Geschenke wie Zündschnur, Dynamitrollen, Kokablätter, Alkohol für die Mineros. Denn nun wollen wir in den Silberberg einfahren. Erst geht es auf den geschundenen, durchlöcherten Cerro Rico, der 800 m über der Stadt thront. Wollte man alle Stollen der 500 Mineneingänge durchlaufen, benötigte man dazu Wochen.
Zwischen eisernen Loren, Hütten und Kompressoren muß man vor dem Loch warten. Dann geht es los, wir folgen den Schienen in Wasser und Schlamm, in gebückter Haltung, in Dunkelheit, immer den Stollen entlang. Wenn die Arbeiter mit den erzgefüllten Loren angerollt kommen, hilft nur ein Sprung an die Wand.
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Die Gänge werden enger, jetzt wird es feuchtwarm, es stinkt nach Schwefelwasserstoff. In die einzelnen Ebenen, wo gefördert wird, muß man abwärts rutschen, durch Löcher auf Leitern absteigen, auf Brettern über Abgründe balancieren und immerzu stößt man sich an den behelmten Kopf. In einem stillgelegten Stollen wird Onkel Tio, der Teufel, gezeigt. Eine lebensgroße Lehmfigur, der man zwecks Wohlgesonnenheit Schnaps, Föten, Koka, Zigaretten opfert und freitags ein Gelage veranstaltet. Der führende Minero erklärt die schwere Arbeit, die Lebensbedingungen (6 Tagewoche, 7 Stunden, 140 - 300 $), 40 Jahre Lebenserwartung, Kinderarbeit.
Die armen Sklaven arbeiten im Getöse der Bohrhämmer, in der heißen, stickigen, arsen- und bleihaltigen, staubigen Atmosphäre. Sie schieben Karren, Loren, sie schaufeln das Erz in Jutesäcke, die am Drahtseil hochgehievt werden. Nach Stunden klettern wir die Gänge wieder zurück. Als wir die Sonne wieder begrüßen, sind alle nachdenklich bedrückt. Eine Vorführung demonstriert die Wirkung des Dynamits, welches hier freiverkäuflich ist (...).
Heute wird vorrangig Zinn gefördert, die Minen haben ihre Bedeutung verloren, der frühere Abraum wird wiederholt durchwühlt und die Gegend ist zum Armenhaus Boliviens verkommen.
Nachmittags regnet es, wir säubern uns, laufen ins Zentrum. Die vielen schönen Kirchen haben leider geschlossen, in „1775“ essen wir zu Abend.
08.04.2001
Das Hotel schläft noch, der Boris muß geweckt werden, bezahlen, aufschließen ...
Da kommt der gleiche Taxifahrer von der Herfahrt vorbei und nimmt uns zum Bus nach Oruro mit.
In meinem Magen rumort es, ich bin schwach und schläfrig. Wie immer folgt eine Fahrt durch schönes Land, auf unbefestigter Straße. Als Fahrgast ist heute auch ein kleiner Affe an Bord.
In Oruro, einer unschönen Stadt, steht Uli geduldig nach Zugfahrkarten an. Der Markt ist urig-oruisch.
09.04.2001
Nach der Pizza habe ich erholsam geschlafen. Alles wieder i. O.
Mit Sack und Pack tippeln wir zum Bahnhof. Man reist standesgemäß per Expreso del Sur nach Uyuni. Erst werden uniformierte Beamte und der Zug fotografiert. Das Tor wird aufgeschlossen, nun rollt der Expreso hinaus durch die Stadt, auf dem Damm zwischen Wasser und Flamingos des Uru-Uru-Sees.
Wieder erfreut man sich an Bilderbuchmotiven: Eisgipfel, Lamaherden, Tuffberge, Seen, Puna, urzeitliche Behausungen, Lichtspiegelungen .... Langsam wird alles eingestaubt. Im Wagen läuft der Fernseher mit blutrünstigen Schinken, dazu werden die Fensterrollos geschlossen und alles schaut gebannt in die Kiste!! Unglaublich! Ich fotografiere von der vorderen Plattform die herrliche Szenerie. Im schicken Speisewagen wird vornehm zu Mittag gespeist.
Pünktlich, nach sechs Stunden, halten wir in Uyuni (3 700 m). Die geballten Mengen Gringos stürzen sich auf den Gepäckwagen. Die Polizei regelt die Ausgabe. Die „Sibirische Arbeitersiedlung“ wird wie beschrieben vorgefunden. Breite Straßen, Peitschenlampen, Arbeiterdenkmale, blattlose Bäume, der Wind treibt Plasttüten vor sich her, Hunderudel quirlen vor unseren Füßen. Viele Touris vom Zug belagern Hostals und Touranbieter. Doch wir finden eine Unterkunft mit kleinen, gemütlichen Zellen bei stetem Wassermangel. Im Lokal essen nur Leute, die wir kennen. Bei Olivo-Tours haben wir unser nächstes Programm gebucht. Erst später lesen wir im Reiseführer, daß von diesem Veranstalter abzuraten ist.
Nachts gewittert es, das Militär in der Nachbarschaft musiziert und der Bau ächzt im Wind.
10.04.2001
Die Salartour ist für 8.00 - 8.30 Uhr zugesagt, als 9.15 Uhr immer noch kein Fahrzeug in Sicht ist, geht Martina I zu Olivo und kommt mit der Auskunft „manana“ zurück. So stürmen wir alle fünf, fünfzig Zentner schwer, dahin. Laute Debatten, zwei Deutsche warten auch noch, sie spricht gut spanisch. Wir fordern unser Geld zurück. nach einigen Minuten sind Auto und Fahrer zur Stelle, dieser ist sehr nett und entschuldigt sich. Der Toyota klappert, Rost und Salz halten ihn zusammen.
Auf der Wellblechpiste ins Nichts werden wir durchgeschüttelt. Am Eingang halten wir im Dorf Calchani, ein Zentrum der Salzgewinnung.
Diese größte Salzpfanne der Welt bedeckt eine Fläche von 12 000 km² (17 x Bodensee). Von den Andenbergen eingeschlossen ist sie abflußlos. Während der Regenzeit hat es außergewöhnlich viel Niederschläge gegeben, deshalb ist die Salzkruste wadentief mit Wasser bedeckt.
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Zuerst durchschneidet der Fahrweg die Salzwüste, die wie verschneit wirkt. Salzarbeiter häufeln Kegel an, die auf total verrottete Lastwagen geladen werden, dann durchpflügen wir das Wasser. Am Horizont bewundern wir unwirkliche Spiegelungen und Lichtreflexe. Mit einer Fantaflasche gießt der Fahrer durch das Türfenster Wasser auf die Frontscheibe, der zerfledderte Scheibenwischer versucht verzweifelt etwas Sicht freizukratzen. Die Türdichtungen sind undicht, so tropft das Spritzwasser immer auf die Sitze, auch das eingeklemmte Handtuch verhindert das nicht. Mit der Zeit setzen wir, Rucksäcke und Polster eine Salzkruste an.
Mittags besichtigen wir das Salzhotel. Haus und Mobilar sind nur aus Salzquadern gefügt. Sehr gemütlich, aber heute eben von Wasser umgeben (Gebhards Visitenkarte an der Pinwand).
Ganz fern liegt die Isla del Pescado, dort möchten wir noch hin, aber sie kommt und kommt nicht näher. Nach 15 Uhr landen wir mit unserer Salzschüssel an. Die kleine Felseninsel zieren tausende Säulenkakteen von bis zu 8 m Höhe, ein Märchen in der blauen Salzwasserunendlichkeit. (Haageocereus, Cleistocactus, sie sind so stark bewehrt in dieser Sonne auf 3 700 m Höhe, daß man sie schwer bestimmen kann). Steinrosen und erstarrte Lavatöpfe sind Zeugen des Vulkanismus.
16.15 Uhr plantschen wir heimwärts, nach einem Imbiß und mit viel belichtetem Film.
Ein zweites Fahrzeug folgt uns. Öfters halten wir, um Kühlwasser nachzufüllen, den Motor abkühlen zu lassen und auf den Nachzügler zu warten.
Ein zauberhafter Sonnenuntergang zwingt zum Fotostop. Unwirkliche Luftspiegelungen, bei denen verschiedene Farbtöne ineinander fließen, faszinieren uns, die Horizontlinie ist nicht zu erkennen, Inseln schwimmen in Wolken. Die weißen Häubchen der Vulkane werden rosa angehaucht. Das Farbenspiel wird immer fantastischer. In den gewaltigen Gewitterwolken über den Bergen zucken Blitze. Ein Kaleidoskop der Natur.
In kurzer Zeit wird es dunkel, über uns die breite Milchstraße und der sternenreiche Südhimmel in dieser Höhe erstaunen immer wieder.
In stockdunkler Nacht fahren wir ohne Licht, scheinbar ohne Orientierung, hinter salzverkrusteten Scheiben, soweit sich’s ahnen läßt, ringsrum nur Wasser bis zum Horizont, ins schwarze Nichts hinein ...
Wir halten, Wasser auffüllen, absolute Stille, nur Tropfen vom Auto fallen ins Wasser, das zweite Vehikel ist nicht zu vernehmen, warten ...
Mit der Taschenlampe geben wir Blinkzeichen, irgendwann kommt ein dunkler Schatten angetuckert. Weiter, aber die Seitenscheibe geht nicht mehr hochzudrehen, langsam deckt das salzige Sprühwasser alles zu. - Reparatur erfolgreich.
Wieder Halt! Am Motor funktioniert etwas nicht. Unsere Stirnlampe leistet dem Fahrer gute Dienste. - Reparatur erfolgreich.
Anhalten, Kühlwasser auffüllen und auf den zweiten warten. Ihm muß nach Ankunft geholfen werden. Eine Verschraubung am Kühler geöffnet - wuff - eine riesige Dampfwolke - fauchen, zischen, gurgeln, irgendwann Weiterfahrt.
Mit der Fantaflasche Sehschlitze in die Salzkruste gelöst, weiter ...
Halt, jetzt entflechtet der Fahrer Drähte im Motorraum mit erfolgreichem Ergebnis: der Motor läßt sich wieder starten und ein Scheinwerfer geht an.
Der zweite Mann holt auf, von ihm borgt er sich jetzt Süßwasser zum Kühlen und Entsalzen.
Der Mond geht auf, ein gutes Zeichen! In der Ferne blinkt ein Licht aus Colchani. Und der fahrende Seemann fährt ... Er findet die Ausfahrt aus dem Salar! Jetzt haben wir festen Boden unter den Rädern! Da stottert der Motor und der Mensch hinterm Lenkrad verkündet fröhlich: Gasolina!, dann bleiben wir stehen.
Der Nachzügler schließt auf, kramt ein rostiges Abschleppseil hervor und knüpft es an. Holpernd geht es weiter im Schlepp, da reißt das Seil und wir stehen wieder unter dem bezaubernden Sternenhimmel. Der ewig zweite fährt nun als erster davon. Ein einäugiges Auto kommt entgegen, es ist die Veranstalterin, die uns sucht. Als erstes verteilt sie Rettungsdecken und macht sich mit einem leeren Kanister auf den Weg ...
22.15 Uhr langt die Expedition am Hotel an. Uns wird Abendessen serviert, die Zusage für die folgende Viertagestour gegeben und wir lachen noch im Schlaf.
11.04.2001
Warum sollte das Auto um 9 Uhr kommen, wenn es auch um 10 Uhr abfahren kann? Also Aufsatteln und ab in die Wüste. Zunächst stoppen wir am Zugfriedhof. Hier stehen ausgeschlachtete Lokomotiven und Waggons in der Weite der Steppe. Der Schienenstrang Richtung Chile verliert sich in schwimmender Ferne.
Die Fahrt geht an Salzlagunen, durch Sand und Pampagras, an Lamaherden, Kakteenpolstern und „schwimmenden Bergen auf blauem Wasser“ vorbei.
Gehalten wird in einem Dorf zum Mittagsmahl.
Zu den Lagunen müssen wir eine andere Straße benutzen, weil die Strecke durch den Salar und um den Ollagüe angeblich unpassierbar ist.
Wir fahren durch San Cristobal und Alota, verträumte, verwunschene Dörfer und später durch einsame Wildwestlandschaft, bei Valle de Rocas liegen auf vielen Kilometer Länge in Reihe rote Felsen und Steinkugeln, wie hingeworfen. Zum Fotoschießen zu wenig Zeit. Lavafelder und die Krater zeigen noch Spuren von lebhaftem Vulkanismus. Viele Flamingos entdecken wir bei der ersten Laguna Hedionda, doch bei der weiteren gründeln noch genügend. Jede strahlt in einem anderen Farbton. Sandwirbel tanzen geisterhaft. Dann gibt es noch den Sieben-Farben-Berg zu sehen und leider erst im Dämmerlicht erreichen wir den steinernen Baum, Arbol de Piedra. Die kalte Sonne hier oben strahlt Bergspitzen rot an. Weiter stauben wir durch eine Geröllwüste.
Die Laguna Colorada (4 300 m) erreichen wir erst im Dunkeln. In der Parkverwaltung müssen wir Eintritt bezahlen. Die Hütten sind belegt. Es gibt Probleme, einen Schlafplatz zu finden. Aber der Fahrer regelt es, wir bekommen ein akzeptables Zimmer und ein warmes Abendbrot.
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12.04.2001
In der Morgensonne glitzert die Salzwüste, der See sieht gar nicht so rot aus. Flamingos stelzen im seichten Wasser. Wir fahren zum gegenüberliegenden Ufer, hier lassen sich im roten Wasser die Vögel gut beobachten.
Wieder endlose Weiten aus Sand, Geröll und Vulkanen. Vor uns liegt das Gebiet Sol de Manana auf 5 000 m. Hier werden wir von Wasserdampf und Schwefelgasen eingenebelt. Überall blubbert, faucht und gurgelt es aus bunten Schlünden. In kleinen Kratern kocht der Schlamm, die Schwaden und Fontänen leuchten in der Sonne.
Unsere nächste Station sind die heißen Quellen an der Laguna Salada. Vor dem Mittagsmahl an der Ladeplanke nehmen wir ein heißes Bad im kalten Wind.
Vor dem heutigen Ziel verfinstert sich der Himmel, Blitze zucken und es schauert. So schäumt die grüne Laguna Verde und der Licancabur (5 930 m) steht mit seiner weißen Haube trutzig vor den schwarzen Gewitterwolken.
In den Hütten an der Laguna Blanca finden wir gute Unterkunft, packen um, schwatzen mit Bergsteigern, während Graupelschauer aufs Dach prasseln.
Gewaschen wird sich in den Eimern, die für die Toilettenspülung vorgesehen sind.
Mit Liebe bereitet der Fahrer ein warmes Abendbrot, Weil es keine Servietten gibt, stellt er eine Klopapierrolle auf den Tisch.
Morgen wird zeitig aufgebrochen, wir wollen auf den Berg.
13.04.2001
Nachts sollte die Schlafraumtür geschlossen bleiben, weil die Katze ihr Unwesen trieb. In der stickigen Luft kann ich nicht schlafen und sehne den Morgen herbei.
Es ist 4.45 Uhr, unser Reisebegleiter pfeift schon ein Lied und bereitet das Frühstück. Im Dunkeln fahren wir zum Licancabur und steigen mit dem ersten Licht auf seine gewaltige Schotterflanke. Die Sonne kommt über die Berge und beleuchtet die bereiften Steine.
In der fast bis nach oben reichenden Scharte müssen wir aufwärts, auf losem Geröll - viele Schritte bringen keinen Höhengewinn - man rutscht sie schnaufend wieder zurück. 45° Neigung hat der endlose Hang voller lockerer Steine. Petra bleibt bei etwa 5 500 m in der Sonne sitzen und hat die Nase voll. Die anderen sind schon weit voraus, auch der Fahrer klettert mit - nur eine Limoflasche in der Hand.
Unter uns tief, natürlich leuchtend grün, die Laguna Verde, daneben, klein, unsere Hütte an der Blanca und neben uns, in der Höhe ganz in Weiß, der Sairecabur. Auch läßt es sich jetzt gut auf die Vulkane der Cordillera de Lipez schauen. Ich klettere mit Zeitverzug weiter, mache zweimal Pause, um etwas zu essen und trinken. Höhenprobleme habe ich nicht. Gehe rechts vom Schneefeld zum Kraterrand, versuche die kürzeste Passage zu finden. Gegenüber in den Bergen grollt es und Nebelwolken ziehen auf, jagen über die Kante. Da taucht unser Fahrer aus den Schwaden auf und erzählt unverständlich in spanisch, was ich deute, daß die anderen schon abgestiegen seien und 15 Uhr das Auto fahren soll. Es ist etwa 13.30 Uhr. So schlittere ich abwärts. Der Indio rennt einfach im Geröll hüpfend herunter! Unterwegs bricht noch ein Stock (der beim Bachsturz sich gebogen hatte). 16 Uhr treffen wir uns am Auto. Die drei waren natürlich noch nicht abgestiegen. Aber der Ausblick von der anderen Seite Richtung Chile war durch Wolken eingeschränkt. Die Ruinen verdeckte der Schnee.
Am Abend, während es gewittert, unterhalten wir uns mit den Grenzern, die sich für unsere Ausrüstung interessieren. Alle verschenken nicht mehr benötigte Sachen an den Fahrer.
14.04.2001
Der Morgen überrascht uns mit schönen Ansichten, die Berge sind verschneit und spiegeln sich in der Laguna Blanca (4 400 m). Nach gemeinsamen Fotos fahren wir zur Grenze nach Chile. In den armseligen Hütten gibt es den Ausreisestempel, dahinter stehen einsam die Grenzschilder im weiten Sand.
Es müssen wieder Fragebögen ausgefüllt und auf noch drei Leute gewartet werden. Nach einer Stunde drängen wir ungeduldig und der chilenische Fahrer entschließt sich, endlich abzufahren. Adios Bolivia und Bienvenidos Chile!
Jetzt geht es 2 000 m steil hinab auf Asphalt. Die grüne Oase San Pedro liegt vor uns, dahinter im Dunst das Salar de Atacama.
Die Zöllner der Grenzstation tun sich wichtig und kontrollieren die Rucksäcke. Zu uns sagen sie nur: Willkommen in Chile! Der kleine Ort sieht immer noch so staubig und weltvergessen wie vor sechs Jahren aus. Viele Touristen und Chilenen bummeln in den Gassen, es ist ja Ostern.
Bei der Hotelsuche führt man uns Zellen ohne Fenster vor, finden allerdings noch ein ordentliches, allerdings nicht so preisgünstig wie in Bolivien.
Wir speisen beim Küchenlama an der Plaza. Doch es läuft keines mehr in der Küche herum.
In der Souvenirgasse läßt sich nichts Besonderes finden, zum Abend sitzen wir am knisternden Feuer und trinken Pisco sour.
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15.04.2001
Ostersonntag ist hier ein Sommertag zum bummeln. Zum Nachmittag fahren wir in die glitzernde Salzcordillere, lernen dabei Winkel kennen, die wir noch nicht gesehen haben. In diesem Jahr sieht alles wie verschneit aus, sogar der Boden hat die bekannte Rhombenbildung und knistert geheimnisvoll. Sehr fotogen wirken die farbigen Berge im Gegensatz zum blauen Himmel und der leuchtenden Salzkruste. Zuletzt waten wir auf eine hohe Sanddüne und warten auf den Sonnenuntergang, der das schroffe Mondtal in zauberhaftes Licht und Schatten taucht. In warmen Farben grüßen wieder die Vulkane am Horizont. Wir kleinen Menschen stehen hier staunend in einer großartigen Natur, die verschwenderisch Dimensionen, Farben und Formen zeigt.
16.04.2001
3 Uhr klingelt der Wecker, denn wir haben eine Tour zu den El Tatio-Geysiren gebucht, die nur bei Sonnenaufgang aktiv sind. Ein Kleinbus holt uns ab und schüttelt uns auf der denkbar schlechtesten Wegstrecke von 100 km gnadenlos durch. Als das erste Licht die Bergspitzen erhellt, sind wir wieder 4 200 m hoch. Hier läuft Wasser über Schotter und Sand, nicht überall ist der Boden gefroren, so versinkt der Bus in der Pampe. Alles aussteigen und im kalten Wind Steine suchen, während der Fahrer mit dem Wagenheber vergeblich versucht, das Gefährt flott zu kriegen. Ein weiteres Fahrzeug hält an, der zweite Mann hilft mit, doch ohne Erfolg. Nach einer Stunde kommt ein kleiner Chrysler 4 x 4. Der Zwerg knüpft ein Seil an und mit Schieben wird der Bus auf sicheren Boden befördert. Die Sonne ist längst aufgegangen.
Wir passieren den Vizcacha-Paß (4 380 m), erkennen unseren früheren Zeltplatz wieder und sehen alsbald die Dampfsäulen von El Tatio.
Eilig werden Aufnahmen gemacht, solange die Sonne noch niedrig am Himmel steht. An vielen Stellen schießt siedendes Grundwasser in die kalte Morgenluft. Es blubbert, zischt und faucht um uns herum.
Im heißen Wasser werden die Frühstückseier gekocht und die Milch erwärmt.
Martina hat Pech und bricht mit einem Fuß durch die dünne Kruste, dies hat schmerzhafte Brandblasen zur Folge.
In einem Becken baden wir vergnüglich, beobachten bei der Heimfahrt Vircunas, Chinchilas und einen Fuchs. Die Landschaft führt uns alle Arten der Wüste vor. Üppige Kakteenpolster bedecken die Berghänge.
Die „Banos de Puritana“, in denen wir schon gebadet hatten, sind jetzt privatisiert, eingezäunt für ein Nobelhotel.
Nach schwieriger Flußdurchfahrt (die Brücke wurde weggespült), kommen wir doch noch mittags bei Gluthitze in San Pedro an. Nach eins macht jeder Seins. Petra kauft Briefmarken und später, im „Basislager“ beim Erfurter Aussteiger, merken wir, daß der Beamte zu wenig Geld herausgegeben hat. Zu fünft ziehen wir auf die Post. Martina spricht ihn massiv spanisch an, und er gibt das unterschlagene Geld heraus.
In meinem Reiseführer sind sie nicht vermerkt: am Ende der Oase liegt eine große Stätte alter Inka-Ruinen. Diese besuchen wir noch zum Nachmittag. Der Weg führt durch Bauernsiedlungen und Gärten, dreimal durchwaten wir das Flüßchen. Ein steiler Berghang ist verbaut mit Ruinen einer ehemaligen Wehranlage. Einige Häuser ähneln sehr den Bauten von Machu Picchu und sind noch gut erhalten. Es ist ein beeindruckender Ort und warum nicht bekannt? Von hier hat man einen sehr schönen Blick in die Schlucht, aus der dieser Fluß dann die ebene Oase tränkt. Über der grünen Insel schweben wieder die Vulkane, die Sonne wird rot, wir müssen heimwärts. Da hält ein kleines Lieferauto, wir sollen uns in die Kabine pferchen. So warten wir aufs Ende des Gesprächs zwischen Eselreiterin und Fahrer.
Nach dem Rucksackpacken werden nochmals alle Geschäfte inspiziert - denn heute sind noch nicht alle Stapel von T-Shirts umgeschichtet worden.
Martinas I Kerzenleuchter ist endlich eingetroffen und wird von acht zarten chilenischen Händen verpackt. Ab jetzt kann sich für ein gemütliches Restaurant entschieden werden.
Bei happy hour mit Pisco, rassig-langhaarigem Servierer, amüsanten Hunden, einer Musikgruppe, netten Gästen und Rotwein wird sehr, sehr lustig der letzte Abend gefeiert.
Martina I wird als erste gegangen. Wir drei gehen erst, als die Reste alle sind, Martina II bringt den Armleuchter sicher zum Hotel.
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17.04.2001
4.30 Uhr wecken macht keine Freude, wenn man nach Hause fahren muß. Die Autos sind pünktlich, weil sie uns 100 km zum Flugplatz Calama bringen werden. Die Hälfte der Strecke geht schnurgerade. Rechts funkelt die Kupfermine. Vor dem Morgenhimmel stehen wie ein Scherenschnitt Boliviens schöne Berge.
Am Schalter gibt es wieder Ärger mit Lan Chile. Unsere Flüge sind wieder offen. Gepäck geht nur bis Santiago, dann werden Sie weitersehen ...
Doch zunächst erlebe ich einen prächtigen Flug über die Wüste, parallel zu den Anden, die im profilbetonenden Morgenlicht liegen. Vor der Zwischenlandung steht das Felsentor von Antofagasta in der Gischt. Auch der Ojos de Salado ist zu erkennen.
In Santiago herrscht trübes Wetter. Sicherlich, weil wir nun keinen Aufenthalt haben.
Uli klärt beharrlich bei Lan Chile im Büro die Probleme. Wir können fliegen, aber sitzen verstreut zwischen drei Rugbymannschaften aus Tunesien, Georgien und Polen. Ich klemme an der Rückwand und kann meine Lehne nicht umlegen, neben mir überall die langen Beine der Sportler. Diese haben enormen Hunger und Durst, so fallen für uns in 12 Flugstunden nur zwei Mahlzeiten und zwei Getränke ab!
Die Zeit vergeht so langsam, nach sechs Stunden gleitet die Maschine immer noch über Südamerika.
In Madrid zwischenlanden wir auf dem riesigen Flughafen, es regnet. Hier kann man aber trinken!
Deutschland empfängt uns wie immer kalt, grau und feucht. Wir flitzen durch den Frankfurter Flughafen, um noch den Zug zu erreichen. Martina I wartet noch auf ihren Leuchter. Also schon mal Verabschiedung.
Im Zug sitzen viele wichtige Leute mit Handy, die immerzu Alarm geben, oder sie haben Knopfhörer im Ohr, um Musik zu hören (Früher hätten sie vielleicht miteinander geflirtet).
Einige sitzen mit Stiften und Zetteln oder schwatzen laut über Probleme, die keine sind.
Schau ich so zum verhangenen Himmel oder ringsherum, wäre ich lieber noch ein wenig dort geblieben.
In Eisenach verabschieden wir uns von Uli und Martina II, ihr Zug nach Gotha steht schon da.
Nach 31 Stunden Rückreise sind wir daheim, die „Pflegeeltern“ haben Blumen und Essen bereitgestellt.
Beim Auspacken des Rucksackes registrieren wir, daß zuviel warme Sachen mitgenommen wurden. Abhandengekommen ist nichts, wir reisten in einem sicheren Land, gesundheitliche Probleme gab es auch nicht, außerdem war es preiswert. Schönste Ferien pur alles inklusive, 4 Wochen für ca. 3 000 DM!
Und warum macht man ausgerechnet in Bolivien Urlaub?
Es ist ein geheimnisvolles Land. Unter tiefblauem Himmel dehnen sich ungeahnte Weiten des Altiplano, Wüsten, Salzseen, Berge, bunte Städte in einem verschwenderischen Licht, welches alle Farben erglühen läßt. Man findet noch menschenleere, unberührte Natur, stete Abwechslung atemberaubend schöner Landschaften in einer Intensität, die ich woanders noch nicht kennenlernte. So war es eine abwechslungsreiche, interessante Reise (es ist spannend, eigene Vorstellungen mit der Wirklichkeit zu vergleichen), daß ich sagen kann, es war der schönste Urlaub ?! Alle Menschen waren freundlich und herzlich nach dem zweiten Blick, denn es sind Indianer.
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Alle Ziele des geplanten Programms (außer dem unter Wasser stehenden) haben wir bereist, es gab keinen Streß, dank Uli, der immer alles herausfindet. Martina I hat auch schön spanisch gekauderwelscht und Spaß hat es an jedem Tag reichlich gegeben.
Nur schade, daß knapp 4 Wochen soooo fix vergehen.