Ecuador

Vulkanriesen, Riesenwale  und die „grüne Hölle" des Amazonas-Regenwaldes

21. Juli bis 06. August 2006

Nach vier Jahren Abstinenz vom rollenden Hotel stand mir wieder eine aufregende Reise bevor, die mich dieses Mal in den kleinsten Andenstaat, nach Ecuador in Südamerika führen solle. Tagelang hatte ich Reisefieber, und mein Koffer lag schon eine Woche vor dem Abflug vor mir. Jeden Tag fiel mir noch etwas ein, was ich nicht vergessen durfte. Draussen herrschten wahre Tropentemperaturen von 35° und mehr, da sass ich im relativ kühlen Zimmer und faltete Toilettenpapier in handliche Portionen zum Mitnehmen. Pflaster und Batterien für die Taschenlampe mussten ebenso in den Koffer wie Malaria-Tabletten und Knopflochgummibänder, damit ich auf Rüttelpisten meine Siebensachen festzurren konnte.

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Und am Freitag, 21. Juli, war es dann endlich soweit. Nach dem Frühstück brachte ich Sally zur Pflegemama Else, wo ich sie in besten Händen wusste. Punkt 12.00 Uhr standen Hildegard und Helmut vor der Tür, um mich zum Flughafen nach Friedrichshafen zu bringen. Hildegard meinte noch, sie wäre heilfroh, dass sie diese Reise nicht machen müsste, sie würde mich nicht beneiden. Aber ich freute mich unbändig auf die schneebedeckten Andenvulkane, auf Dschungel und Wale und hatte mir das alles wochenlang in den tollsten Farben ausgemalt und war voller Erwartungsfreude.

 In Friedrichshafen herrschte eine erdrückende Hitze von 35°, die Sonne knallte erbarmungslos vom Himmel, und so war ich froh, dass ich drinnen Klimaanlage vorfand. Meinen Koffer wurde ich schnell los und checkte ihn durch bis Quito. Vom Flieger nach Frankfurt sah ich unter mir einzelne Wolken am Himmel segeln über das mit abgemähten Getreidefeldern gesprenkelte Land. Von oben sieht Deutschland viel eher wie ein Agrarland als ein Industriestaat aus. So ein Tagesflug über halb Deutschland hat auch seinen Reiz.


 

 Nach 40 Minuten landete ich schon in Frankfurt, wo es ebenso drückend heiss und schwül war. Ich fand auch gleich den Shuttlebus zum Ibis-Hotel in Kelsterbach, wo ich mit Marion übernachten wollte, denn unser Flieger nach Madrid und weiter nach Quito sollte am nächsten Morgen schon um 7.50 starten, und so früh konnten wir nicht anreisen. Marion sollte so gegen 20.30 Uhr eintreffen. Also tat ich mich am Salatbüffet gütlich in der Annahme, dass ich in Ecuador wohl keinen Salat essen würde, um Magen-Darm-Probleme zu vermeiden. Ich wartete und wartete und ging dann gegen 22.00 Uhr an die Rezeption, um nachzufragen, ob Marion sich gemeldet hatte. Fehlmeldung. Hm, was war da los? Marion ist ja immer für Überraschungen gut. Ich stellte mir vor, dass sie den Zug verpasst hatte und den nächsten nehmen musste. Ich kannte Marion gut genug und wusste, dass sie schlimmstenfalls ihre gesamten Freunde mobilisiert hätte, um nach Frankfurt zu kommen, denn sie freute sich auf diese Reise mindestens genau so wie ich. Um 22.30 Uhr legte ich mich ins Bett und grübelte.

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Gegen 23.30 Uhr, als ich gerade einduselte, klopfte es, und die liebe Marion kam völlig fertig und ziemlich genervt ins Zimmer. Sie hatte tatsächlich den geplanten ersten Zug verpasst, weil sie unbedingt noch ihre Bewerbung für die Förderung Ihrer Doktorarbeit in Estland schreiben musste vor dem Urlaub und nicht rechtzeitig fertig geworden war. Der zweite Zug hatte eine enorme Verspätung, weil im Stuttgarter Bahnhof ein Bagger eine Gasleitung versehentlich gekappt hatte und dadurch alles zum Stillstand kam. Es war wohl ein ziemliches Chaos, und sämtliche Züge hatten dadurch Verspätung oder fielen ganz aus. Endlich im Flughafen von Frankfurt angekommen, fand sie den Hotel-Shuttlebus nicht, der eine Ebene tiefer abfuhr. Mit viel Glück erwischte sie dann den allerletzten Bus um 23.00 Uhr. Ich wusste aus Erfahrung, dass Reisen, die mit Pannen beginnen, nicht die schlechtesten sein müssen und war heilfroh, dass Marion da war.

 Uns waren nur 4 Stunden Schlaf vergönnt, denn um 4.00 Uhr wurden wir vom Portier pünktlich geweckt, tranken noch schnell eine Tasse Kaffee bzw. Tee und fuhren dann mit dem Taxi zum Flughafen. Nachdem wir unsere Bordkarten hatten, statteten wir McDonalds noch einen Besuch ab und frühstückten dort mangels Alternative, denn die Fluggesellschaft Iberia serviert auf Kurzstreckenflügen noch nicht mal eine Tasse Kaffee bzw. man muss alles extra bezahlen.


 

 Bald sassen wir im Flieger und waren nach gut 2 Stunden in Madrid, das uns mit einem grossen, supermodernen neuen Flughafen empfing. Dort war Frühsport angesagt, denn wir mussten weite Wege laufen und noch mit der S-Bahn innerhalb des Flughafengeländes fahren, um unseren Flugsteig für den Flug nach Quito zu finden. Aber um 12.00 Uhr sassen wir doch glücklich in unserem Flieger, der uns 8.741 km weit nach Quito tragen sollte. Dort ist es jetzt morgens 5.00 Uhr, d.h. die Zeitverschiebung zu Europa beträgt minus 7 Stunden. Mit 30 Minuten Verspätung starteten wir dann tatsächlich und bekamen bald ein essbares Mittagessen. Danach bestehen die nicht gerade freundlichen und auch nicht sehr attraktiven Stewardessen darauf, dass wir alle Fenster verdunkeln. Sie verdonnern uns einfach zur Siesta. Na gut, faul sind wir ja inzwischen auch geworden. Und so dämmern wir halt vor uns hin. Es sind etliche Kinder an Bord. Die meisten sind ruhig, aber manche auch sehr lebendig, aber keines schreit.

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Die Stunden ziehen sich hin wie Kaugummi. Seit Stunden schon fliegen wir über die riesige Wasserfläche des schier endlosen Atlantiks und werden erst über Kolumbien wieder Festland unter uns haben. Insgesamt dauert der Flug von Madrid nach Quito 11 Stunden, die wollen abgesessen sein. Ich kann im Flugzeug nicht schlafen, höchstens duseln. Der Service der Iberia ist ja legendär schlecht, und in der Tat wird uns während der nach dem Mittagessen folgenden 8 Stunden weder etwas zu trinken noch zu essen angeboten. Wer partout etwas haben möchte, muss durch den ganzen Flieger ins hinterste Eck laufen und darum bitten. Als wir schliesslich wieder Land unter uns sehen – wir fliegen jetzt über den Amazonas-Regenwald – raffen sich die Stewardessen tatsächlich auf und servieren uns einen passablen Imbiss.

 Inzwischen haben wir unsere Uhren um sieben Stunden zurückgestellt und landen um 16.30 Uhr Ortszeit in Quito, der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt, die uns mit 21° und einem Mix aus Sonne und Wolken auf 2.880 Höhenmetern empfängt. Wir sind ziemlich geschafft und froh, dass wir die lange Anreise hinter uns haben. Im Flughafengebäude wartet unser Reiseleiter Josef auf uns, ein ca. 50jähriger grosser, rundbäuchiger Mann mit einer rotblonden wallenden Engelsmähne und Ohrring, seines Zeichens studierter Archäologe und Historiker, der als selbstständiger Reiseleiter von Rotel engagiert wurde. Flott geht es mit zwei Kleinbussen ca. 15 Minuten zu unserem Hotel Savoy Inn, wo unser kombiniertes Rotel schon auf uns wartet. Erst dort ist unsere Gruppe komplett versammelt, und es sind insgesamt 14 Reisende, 9 Frauen und 5 Männer in einem ausgewogenen Altersverhältnis. Zwischen 32 und ca. 70 Jahren ist alles vertreten. 3 Pärchen sind dabei, alle anderen sind solo erschienen.


 

Unser Fahrer heisst ebenfalls Josef und stammt aus Niederösterreich, wird aber Sepp genannt, damit es keine Verwechslungen mit dem Reiseleiter gibt, der ja auch Josef heisst und ebenfalls Österreicher ist, aber in Südamerika geboren wurde. Mit Sepp haben wir den absoluten Glückstreffer gelandet. Bei keiner Rotelreise hatte ich einen derart liebevollen und engagierten Fahrer und Koch wie diesen Sepp. Er ist ein wahres Arbeitstier und umsorgte uns wie ein Vater. Seit 32 Jahren arbeitet er für Rotel und ist längst im Rentenalter. Aber so ganz kann er es nicht lassen und fährt jetzt immer noch einige Touren im Jahr.

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Wir bekommen als erstes unsere Schlafkojen zugewiesen, und ich habe wieder einmal 3 oben, während Marion es sich in 4 oben gemütlich macht. Für Marion ist es die erste Rotelreise, aber da sie unkompliziert und nicht zimperlich ist, war das für sie überhaupt kein Problem.

 Müde und verschwitzt wollen wir in dem für die Damen reservierten Hotelzimmer duschen und bekommen den Zimmerschlüssel in Form einer Scheckkarte. Wir sind ja weder hotelunerfahren noch blöd, aber wir bekommen die Tür trotz zahlloser Versuche nicht auf. Als ich schliesslich runtergehen und Hilfe holen will, geht die Tür plötzlich auf. Eine junge Einheimische mit nassen Haaren und einem umgeschlungenen Duschtuch steht in der Tür mit einem entschuldigenden Lächeln. Unser Blick fällt auf den Boden des Badezimmers, das mit nasser Kleidung übersät ist. Über dem WC wringt die Frau die gesamte Familienwäsche aus, klemmt sich alles unter den Arm und verschwindet dann. Wir staunen nicht schlecht. Das Badezimmer ist total überschwemmt, und das Wasser läuft bis ins Zimmer hinein. In einem Reiseführer hatte ich gelesen, dass es vor allem in den kleineren Hotels auf dem Land fast üblich ist, dass die Zimmermädchen ihre gesamte Wäsche in den unbenutzten Zimmern waschen und dass man sich darüber nicht aufregen soll, weil die meisten armen Familien weder fliessendes Wasser noch Strom zu Hause haben. Hier in Quito in diesem grossen Hotel hatte ich damit allerdings nicht gerechnet und fand das eher amüsant. In so einem armen Land wie Ecuador, wo fast 80% der Bevölkerung an oder unter der Armutsgrenze lebt, wo in den grossen Städten 1/3 der Menschen in Elendsvierteln haust, habe ich für solche Aktionen volles Verständnis. Ein Zimmer dieses Hotels kostet in einer Nacht mehr als viele Menschen in einem ganzen Monat verdienen.


 

Frischt geduscht erschienen wir pünktlich zum Begrüssungsessen, das im Restaurant des Hotels stattfand. Bei mit Krabben gefüllten Avocados konnten wir unsere Mitreisenden schon mal ein bisschen in Augenschein nehmen. Neben uns sassen Annette, Ute und Andreas, und in dieser Zusammensetzung blieben wir eine Clique bis zum Schluss der Reise.

 Todmüde krochen wir zum ersten Mal in unsere Kojen, wo ich mich stundenlang wälzte, weil ich allem zum Trotz nicht einschlafen konnte. Dauernd ging irgendwo eine Alarmanlage los, etliche Hunde kläfften, und durch die unmittelbare Nähe des Flughafens, der mitten in der Stadt liegt, donnerten die Flugzeuge bis Mitternacht über uns hinweg. Nachts musste ich mal raus und irrte im Halbschlaf durch das verschachtelte Hotelgebäude, erreichte mein Ziel aber dann doch.

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 Der erste Tag in Ecuador begrüsst uns mit bewölktem Himmel und kühler Luft. Zum leckeren Frühstück gibt es heute zusätzlich Schokoladenkekse, weil Sonntag ist. Ich trinke ab jetzt fleissig Mate-Tee, um der berüchtigten Höhenkrankheit vorzubeugen. Derweil donnern wieder etliche Flugzeuge tief über die Stadt. Der Hausvulkan von Quito, der 4.794 m hohe Pichincha, liegt direkt vor uns. Er hat aber keine Schnee- oder Eismütze, sondern ist ziemlich grün. Alexander von Humboldt hat auf seinen umfangreichen Forschungsreisen durch Südamerika und damit auch durch Ecuador das Gesetz der dritten Dimension erstmals festgestellt, dass durch die äquatoriale Lage Wachstum bis in grösste Höhen möglich ist. Bei uns oder im Himalaya wäre Pflanzenwachstum in 4000 Meter oder mehr Höhe undenkbar. Hier jedoch sind die Anden bis in grösste Höhen bewachsen.

 Um 8.00 Uhr nehmen wir zum ersten Mal unsere Sitzplätze im Bus ein. Der Bus hat 20 Sitze, wir sind aber nur 14 Leute, so dass wir uns schön verteilen können. Marion und ich sitzen jeweils am Fenster in der gleichen Reihe und haben viel Platz. Heute geht es u.a. zum Äquatordenkmal. Der Äquator ist nur 22 km von Quito entfernt und hat dem Land auch seinen Namen gegeben. Josef informiert uns über die Stadt Quito und das Land. Seit 2000 hat Ecuador seine frühere Landeswährung, den Sucre, zugunsten des US-Dollars aufgegeben, um die Inflation und die Auslandsverschuldung in Grenzen zu halten. Dieses Ziel ist zwar erreicht worden, hat aber auch dazu geführt, dass alles teurer geworden ist und viele Leute viel Geld verloren haben. Die Armen hatten nichts zu verlieren.


 

Ecuador teilt sich in drei Bereiche. Da ist einmal das über 2.200 km lange Küstengebiet, die Costa, dann das Hochland der Anden, die Sierra mit der Strasse der Vulkane, wie A. von Humboldt sie wegen der vielen Vulkane benannt hat und dann das Amazonastiefland östlich der Anden, das Oriente genannt wird. Insgesamt ist Ecuador etwa so gross wie die alte Bundesrepublik und damit der kleinste der Andenstaaten. Es hat etwa 13 Millionen Einwohner, wovon etwa 40 % Indios oder Indigenas (indigene Völker) sind. 40 % sind Mestizen, der Rest Weisse, Schwarze und sonstige Bevölkerungsgruppen. Die Indigenas sprechen hauptsächlich Quitchua, aber alle Bevölkerungsgruppen sprechen Spanisch und sind zu 95 % katholisch.

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Wir fahren in nordwestlicher Richtung durch die saubere Stadt, die teilweise sehr schöne Häuser und Villen aufzuweisen hat, die freilich alle „bis an die Zähne bewaffnet“ sind, d.h. sämtliche guten Häuser haben hohe Mauern oder eiserne Zäune und Gitter, die fast uneinnehmbar sind, sowie die obligatorischen Warnanlagen, die ständig losheulen, wenn wieder ein altes lautes Flugzeug über die Stadt donnert.

 Bis heute Abend werden wir etwa 1000 Höhenmeter hinab fahren in der Provinz Pichincha Richtung Nebelwald. Am Abhang der Anden Richtung Küste stauen sich die Wolken vom Pazifik im Westen, bilden dort Nebel und versorgen die Landschaft mit Feuchtigkeit, so dass hier üppige Vegetation möglich ist. Von unserer Höhe sehen wir dicke graue Wolken unter uns, später fahren wir mitten in diesen dicken Wolken. Wir sehen hohe Kasuarinenbäume und grosse brasilianische Araukarien, aber auch viel Eukalyptus, der aus Australien eingeführt wurde, weil er schnell wächst. Bald schon entdecken wir auch die ersten Epiphyten (z.B. Bromelien und Tillandsien) in den Bäumen, das sind nahezu wurzellose Aufsitzer-Pflanzen, die in den Astgabeln anderer Bäume nur von der Luftfeuchtigkeit leben. Aber es wachsen hier auch viele Agaven und sogar grosse Kakteen (Cereen).


 

Ab und zu tauchen kleine Dörfer auf, und am Strassenrand werden viele Orangen und Mandarinen angeboten. Überall blühen herrlich leuchtende Bougainvilleen und grosse Hibiscussträucher in allen Farben. Josef kennt sich gut aus, auch in Botanik, was Marion und mich besonders freut. Auf 2800 Meter Höhe erreichen wir den Puluahua-Krater, die grösste Caldera Südamerikas. Caldera nennt man das Loch, das entsteht, wenn einem Vulkan bei einem Ausbruch die ganze Spitze weggeflogen ist. Hier stehen wir also vor einem gewaltigen Loch, dessen Boden durch die Vulkanasche äusserst fruchtbar und daher intensiv bewirtschaftet ist. Es sind nur einige Hütten zu sehen, die Menschen sind klein und zierlich. Ein sehr frischer Wind fegt uns um die Ohren. Nach der Affenhitze in Deutschland ist uns das ganz ungewohnt und sehr willkommen. Hier finden wir auch die Cantunta, die Blume des Inka, eine schöne grosse, erdbeerrote Blüte.

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Wir fahren wieder bergab und kommen nach einer Weile zum Äquatordenkmal. Als man diesen hohen Turm auf der Mitte der Erde errichtete, ist man davon ausgegangen, dass die Bemessungen richtig sind. Spätere Messungen ergaben jedoch, dass der tatsächliche Äquator einige Kilometer weiter entfernt ist. Aber da man dieses aufwendige Denkmal bereits errichtet hatte, hat man diesen Irrtum nicht an die grosse Glocke gehangen, sondern die Sache auf sich beruhen lassen. Am tatsächlichen Äquator befindet sich nur eine relativ kleine Erdkugel aus Beton, die wir zum Schluss der Reise auch noch begutachten konnten.

 Jedenfalls fuhren wir mit dem Aufzug in dem Turm bis auf die Plattform, von wo aus wir einen schönen Blick in die bergige Umgebung hatten. Dann liefen wir die Treppe hinab durch das ethnische Museum, wo wir die Geschichte Ecuadors seit seiner ersten Besiedelung sehr anschaulich dargestellt fanden. Wieder unten angekommen, gingen wir auf der vermeintlichen Äquatorlinie und standen dann mit einem Bein auf der Nordhalbkugel und mit dem anderen Bein auf der Südhalbkugel der Erde. Schon ein merkwürdiges Gefühl.


 

Rings um das Denkmal sind viele Andenkenläden und Restaurants angesiedelt. Ein Lokal bietet gegrillte Meerschweinchen an, eine absolute Delikatesse in den Andenländern. Meerschweinchen stammen ja von hier, und auf dem Land findet man fast in jeder Küche eine Anzahl Meerschweinchen, die ein schönes Leben führen, bis sie auf dem Grill landen wie bei uns die Hähnchen.

 Weiter geht es auf rund 3000 Meter Höhe unter einem dunstiggrauen Himmel, aber es ist angenehm warm. Hier werden Kartoffeln bis in eine Höhe von 4.200 m angebaut, dies ist nur durch die Äquatorwärme möglich. Alle Berge wurden abgeholzt, aber inzwischen gibt es auch schon Aufforstungsprogramme. Esel und einige Kühe begegnen uns und nur wenige Menschen bei kleinen, ärmlichen Häusern oder Hütten. Alles ist trocken und staubig, hier ist jetzt Trocken- oder Winterzeit, wobei es von der Temperatur her gesehen keine grossen Unterschiede gibt. Es gibt nur Zeiten, in denen es mehr oder weniger oft regnet.

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Je weiter wir bergab fahren, desto feuchter und wärmer und grüner wird die Landschaft. Viele Papayabäume hängen voller Früchte, bunte Blumen blühen, und die Berghänge sind bis in grosse Höhen mit kleinen Feldern bewirtschaftet, zum Teil in derartigen Steillagen, dass wir uns wohl kaum auf den Beinen halten könnten. Unsere Strasse führt teilweise an steilen Berghängen entlang, und diese Hänge sind dicht bewachsen mit Farnen, Epiphyten und massenhaft Orchideen. Die Bäume hängen voller Flechten. Baumgrosse Aralien gibt es hier. Alles ist sattgrün und jeder Quadratzentimeter ist bewachsen. Wir sind ganz begeistert vom Nebelwald, durch den wir jetzt fahren. Steile Berge sind hintereinander aufgetürmt, und wir durchfahren diese herrliche Landschaft wie auf einer Entdeckungsreise.  Immer wieder stürzen Wasserfälle von den steilen Hängen herab. Hier wächst auch die „einsame Prinzessin des Waldes“, ein hoher Baum voller weisser Blütenbüschel. Der Name kommt daher, weil dieser Baum nie in Gruppen, sondern nur vereinzelt steht. Es ist ein richtiger Zauberwald, und ich bin hellauf begeistert von dieser Üppigkeit im grünen Tropenwald. Hier leben auch die letzten Brillenbären Ecuadors.


 

 

Im „Reserva Orchiologica Puhuma“, einem unter Naturschutz stehenden Nebelwaldgebiet, machen wir unsere Mittagspause und bekommen frisch gebratene Lachsforellen, die es in diesen reissenden Bergflüssen in Mengen gibt. Es schmeckt phantastisch. Anschliessend wandern wir bergauf und bergab durch dieses Reservat und bekommen von einem einheimischen Führer die Pflanzen und Besonderheiten am Wegesrand erklärt.

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Viele bunte Schmetterlinge gaukeln umher und Kolibris schwirren von Blüte zu Blüte. Vögel hören wir meist nur, sie bewohnen die hohen Baumkronen, die für uns unerreichbar sind. Hier unten am Boden ist es dämmerig und zum Fotografieren leider schlecht geeignet. Aber wir freuen uns auch so über die Moose und Farne, die Epiphyten und die vielen Heliconien- und Aralienarten und Pflanzen mit Riesenblättern der Familie Kanawases (Keiner weiss es). Und hier sehe ich zum ersten Mal auch den sogenannten „Walking Tree“, den wandernden Baum, der mittels seiner langen und immer neu nachwachsenden Stelzenwurzeln seinen Standort tatsächlich verändern und dadurch weiterwandern kann. Auf diese Weise kann er sich tatsächlich Zentimenter für Zentimeter fortbewegen. Wenn ich das nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, ich würde es nicht glauben.

 Wir kommen zu einem mächtigen, 28 Meter hohen Wasserfall. Das war eine heilige Stätte der Indianer, die sich unter dem Wasserfall von negativen Energien befreiten.


 

Nach der Wanderung fahren wir mit unserem Rotel weiter bergab, begleitet von zahllosen Heliconien (Strelitzienverwandte) und die Landschaft wird zusehends trockener. Die ersten Palmen und Balsaholzbäume tauchen auf. Dann sehen wir ganze Balsaholzplantagen. Balsaholz ist das leichteste Holz der Welt.

 Je tiefer wir kommen, desto wolkenverhangener wird der Himmel, schliesslich regnet es für kurze Zeit etwas. Josef informiert uns über Land und Leute. Ecuador hat eine Bevölkerungsdichte von 46 Menschen pro Quadratkilometer, wobei die meisten Menschen in den grossen Städten Quito und Guayaquil leben, an der Küste und im Hochland. Das Amazonastiefland ist dagegen äusserst dünn besiedelt mit knapp 1 Mensch pro Quadratkilometer.

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Am Wegesrand wachsen ganze Hecken von lila-weissen Brunfelsien, die ich nur als empfindliche Topfpflanze kannte. Es gibt kleine Siedlungen und verstreut liegende Holzhütten, aber auch gemauerte Häuser, teils mit rostigen Wellblechdächern. An diesem ersten Tag sind wir um 16.00 Uhr alle müde, denn bei uns wäre es jetzt 23.00 Uhr, also Zeit zum Schlafengehen. Der Körper muss sich erst an die veränderten Bedingungen anpassen. Die Zeitverschiebung, das ungewohnte Klima und die lange Anreise machen uns etwas zu schaffen.

 In einem kleinen Ort kaufen wir Wasser und Obst. Ein Einheimischer fotografiert erstaunt unseren Bus. Als wir weiterfahren, sehen wir auch die ersten Bananenplantagen und Ölpalmen, dann auch die Pipeline,  durch die das Erdöl aus dem Amazonastiefland über die Anden ins 500 KM entfernte Esmeraldas im Norden des Landes gepumpt und von dort aus auf Tanker verladen wird.

 Schliesslich kommen wir zur Hosteria Maldonado auf etwa 800 Höhenmetern. Eine schöne gepflegte Bungalowanlage mit Pool. Es ist schwülwarm, und dicker Nebel hängt über den Bäumen. Schwalben sausen um uns herum, die hätte ich hier nicht erwartet. Es sind Südschwalben, die dicker und kürzer sind als die uns vertrauten Schwalben in Europa.

 Wir Frauen hacken Zwiebeln und Tomaten, denn heute soll es Pasta Bolognese geben, und Sepp hat uns dann lecker bekocht und uns mit seinen fröhlichen Sprüchen erheitert. Als es dunkel wird, schwirren jede Menge Motten und andere Insekten umher. Sepp sprüht unseren Schlafanhänger aus und stellt Ventilatoren auf, gegen die keine Mücke ankommt. Ich hänge aber trotzdem mein Spezialmoskitonetz in meiner Koje auf und bin von dieser Aktion schweißgebadet. Wie gut, dass es hier eine Dusche gibt. 


 

Obwohl die Hähne des Ortes sich alle Mühe gaben, haben wir erstaunlich gut geschlafen. Der nächste Morgen empfängt uns warm und neblig, als wir um 5.00 Uhr aufstehen. Um 6.00 Uhr frühstücken wir im Dunkeln, aber schnell wird es hell wie überall in den Tropen. Die Vögel singen, und wir sind guter Dinge. Heute steht uns ein ziemlich langer Fahrtag bevor, denn wir wollen heute die Küste in der Provinz Manabi erreichen. Bevor wir um 7.00 Uhr losfahren, überreicht uns der Besitzer der Anlage wunderschöne Riesenblüten, es sind lachsfarbene Feueringwer oder auch Kaiserzepter, die ich noch nie gesehen habe. Sie wirkten wie aus Wachs gemacht und hielten sich viele Tage lang, da wir sie in Wasserflaschen auf der Ablage vor uns befestigt hatten. Sie sehen den Königsproteen aus Südafrika ein bisschen ähnlich.

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Uns begegnen jetzt Teakholzbäume, Palmen, Papaya und Maniok, Elefantenohr, Bambus, Bananen und üppig grünes Gras. Ab und zu sehen wir eine Hazienda (Mix aus Viehzucht und Ackerbau; Estancias betreiben nur Viehzucht, Fincas sind kleine landwirtschaftliche Betriebe). Lange Hecken von Brunfelsien und Hibiscus begleiten uns, und über allem liegt der feuchte Nebel vom Pazifik. Die Gegend gefällt mir sehr. Wir durchfahren grosse Ölpalm- und Balsaholzplantagen. Immer wieder tauchen auch riesige Brotfruchtbäume mit stacheligem, pampelmusgrossem grünen Fruchtansatz auf. Die grossen gezackten lackgrünen Blätter finde ich besonders schön. Überall zwischen den Bäumen weiden Zeburinder. Immer wieder mal halten wir an und schauen uns die Pflanzen und Bäume genauer an: Maniok, Kakao und auch eine Gummibaum- und Ananasplantage. Viele Mandarinenbäume gibt es hier, und auch die schwarzäugige Susanne kriecht umher. In der kleinen Stadt La Independencia halten wir an einem grossen Obstmarkt und kaufen Mengen von Papayas, Mandarinen, grossen und ganz kleinen Bananen und futtern dann im Bus mit Genuss die reif geernteten Früchte. Hier kennt man das nicht anders, aber wir bekommen in Deutschland am Stamm gereifte Exoten so gut wie nie zu essen. Sie schmecken wundervoll aromatisch.


 

 Überall auf dem Land gibt es Hühner mit Nachwuchs und Hähne, die noch krähen dürfen. Auch Hunde gibt es in Ecuador in Massen. Zu jedem Haus gehört mindestens ein Hund, und es gibt auch viele herrenlose Hunde, aber nicht ein einziges Mal sah ich eine geschundene Kreatur wie sonst oft auf meinen Reisen. Alle Tiere sahen zufrieden aus. Ganz besonders gut haben mir die originellen kleinen Schweine Ecuadors gefallen. Meist sind es kleinere Rassen in schwarz oder rostbraun oder rosa-schwarz. Nahezu jede Familie hat mindestens ein Schwein, meist mit Nachwuchs. Und alle laufen im Freien herum, manche auch an einem längeren Seil. Alle dürfen wühlen und sich das Futter suchen, das sie finden. Ich fand es herrlich zu beobachten, mit welcher Wonne diese glücklichen Schweine faul in einer Mulde in der Sonne liegen und geniessen. Davon können unsere armen überzüchteten Zivilisationsschweine nur träumen.

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Jetzt sehen wir zum ersten Mal auch Raben- und Truthahngeier, die ebenso wie der Kondor zur Familie der Neuweltgeier gehören. Den Kondor haben wir leider nirgends zu Gesicht bekommen, obwohl es ihn in den andinen Bergregionen bis auf 6.000 m Höhe gibt.

 

Wir kommen nach Santo Domingo de Colorado, einer Stadt mit 180.000 Einwohnern, die weitlläufig, staubig, ärmlich und wenig ansprechend ist. Im Hinterland leben die Santo-Domingo-Indios, unter denen es viele Heiler (Schamanen) gibt, die ganz erstaunliche Heilerfolge erzielen, auch bei Menschen, die schulmedizinisch austherapiert sind. Dazu wird oft ein Meerschweinchen als Medium benutzt. Das arme Tier wird dem Kranken mehrmals auf den Kopf geschlagen und dann am Körper entlang geführt und zuletzt geschlachtet. Aus den Innereien ersehen die Heiler dann die Krankheit. Die zuvor kerngesunden Meerschweinchen weisen dann angeblich oft kranke oder gar verfaulte Organe auf. Ich habe das bereits aus Büchern gewusst. Es kommt uns unverständlich und unerklärlich vor, aber offenbar ist das tatsächlich so. Jedenfalls weiss der Heiler anschliessend, welche Kräuter oder Tinkturen dem Kranken helfen.


 

 

Weiter geht es durch grosse Plantagen. Fröhliche Kinder in Schuluniform winken uns zu und staunen über unseren Bus, der die Aufschrift „Bus aleman“ trägt. Die Deutschen sind sehr beliebt in Ecuador, und seit der Fußballweltmeisterschaft ganz besonders. Die Kunde von den gastfreundlichen und unerwartet fröhlich feiernden Deutschen ist bis ins letzte Dschungeldorf gelangt. Hier gibt es so gut wie keine Touristen. Die wenigen Europäer, die Ecuador besuchen, bleiben meist nur wenige Tage und kommen dann nicht soweit ins Landesinnere wie wir, weil sie hauptsächlich zu den Galapagos-Inseln fliegen wollen.

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Schliesslich kommen wir in das Städtchen El Carmen und damit in die Provinz Manabi. Jetzt sind wir erst 1 ½ Tage in Ecuador, und Marion hat schon 460 Fotos gemacht mit ihrer Super-Digitalkamera. Bei mir ist gerade der erste Film voll, da ich nach wie vor Papierbilder mache.

 Wir halten an einer Bananenplantage, wo Kaffeesträucher unter den Bananenstauden wachsen, weil sie diese als Schattenbäume brauchen. Ecuador ist der grösste Bananenexporteur der Welt, und es werden auch Bio- und Fairtradebananen exportiert.

 Ab El Carmen fahren wir auf schlechter schmaler Schlaglochstrasse mühsam weiter zur Küste. Bei einer kleinen Hüttensiedlung stehen 15 gesattelte Maultiere und kleine Pferde, die quasi als Taxi ins unwegsame Hinterland dienen, denn dorthin gibt es keine Strassen mehr. Auch unterwegs sehen wir des öfteren Pferd und Reiter auf einsamer Strasse.

 Wir fahren die Küstenberge hoch und wieder runter. Hitze und Schwüle haben uns langsam aber sicher geschafft, dabei ist es erst Mittag. An einer Müllkippe sehen wir zahllose Rabengeier nach Futter suchen, und auch uns steht der Sinn nach etwas Essbarem. So halten wir bei einem kleinen Freiluftrestaurant irgendwo im Nirgendwo, wo sonst nur LKW-Fahrer Rast machen. Dort bekommen wir für 1,50 US-Dollar ein durchaus schmackhaftes Tellergericht. Nebenan unter einem Palmblattdach hängen etliche Hängematten, und wir wären für so ein luftiges Nickerchen durchaus zu haben, aber so ein Luxus ist bei Rotel nicht drin, und Josef mahnt zur Eile, da wir noch weit zu fahren haben. Dafür halten wir anschliessend „Heilige Stunde“, d.h. wir hängen schlafend und dösend in unseren Sitzen, obwohl uns die vielen Schlaglöcher daran zu hindern versuchen. Sepp hat es heute schwer mit dieser schlechten Strasse, aber er trägt alles mit Fassung und Humor. 32 Jahre Fahrer bei Rotel durch so ziemliche alle Kontinente – davon alleine 20 Jahre in Japan – da schreckt ihn so schnell nichts mehr.


 

 Oft werden die geernteten Kakaobohnen einfach am Strassenrand ausgebreitet zum Trocknen. Kleine schwarze Schweine laufen herum und suchen ebenso wie die Esel und kleinen Pferde Schatten unter den auf Stelzen gebauten Holzhütten. Es staubt gewaltig, weil teilweise die Strasse erneuert wird. Von Zeit zu Zeit erfolgen Polizeikontrollen, die uns aber alle freundlich gesonnen sind. Wir durchfahren nun auch Zuckerrohrplantagen. Überall werden Berge von Orangen und Mandarinen angeboten und auch frisch gepresster Zuckerrohrsaft. Die Landschaft wird nun immer flacher, und es gibt viel Viehhaltung. Auch Käse und Butter werden zum Kauf angeboten. Die Stromleitungen sind gespickt mit Tillandsien, das hätte ich nicht für möglich gehalten.

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Derweil erzählt uns Josef von der Kolonialisierung und Entwicklung Südamerikas. Ecuador war ab 1460 knapp 50 Jahre in der Hand der Inkas aus Peru und wurde 1550 von den Spaniern kolonisiert und ausgeplündert. Die Bevölkerung hat entsetzliche Verluste erlitten. 1830 wird die Republik Ecuador ausgerufen. Details dazu kann jeder in entsprechenden Büchern nachlesen, es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen.

 Jetzt tauchen immer öfter Flussläufe auf, in denen Seidenreiher und Ibisse und Kormorane nach Futter suchen. Dann sehen wir zum ersten Mal Reisfelder und die schönen grossen Kapokbäume (Baumwollbäume), die den Baobabs Afrikas mit den verdickten Stämmen ähnlich sehen, aber eine tiefer angesetzte und grössere Krone haben. Dann aber wird die Landschaft immer trockener, und überall sehen wir jetzt Esel, die mit Wasserkanistern beladen sind, das sie vom Brunnen zu den einzelnen Haushalten tragen müssen, weil hier niemand fliessendes Wasser hat. Hier haben die Kapokbäume riesige Brettwurzeln, sie tragen keine Blätter und sind silbergrau (Winter- bzw. Trockenzeit). Dafür gibt es viele Rhizinussträucher und Kokospalmen. Überall an der Strasse wird Kokoseis angeboten, aber davon lassen wir lieber die Finger, denn Eis essen ist in den Tropen verboten, wenn einem an einem gesunden Magen-Darm-Trakt gelegen ist.


 

 Die wenigen Menschen hier sind überall freundlich und winken uns zu. Sie haben keine indianischen Züge, weil sie fast alle Criollos sind, also spanischer Abstammung.

 Teiche voll blühender Wasserhyazinthen kündigen endlich den pazifischen Ozean an, den wir bei Crucita erreichen, einem kleinen Städtchen, wo wir übernachten werden. Josef warnt uns, angesichts der starken Brandung und Strömung ins Wasser zu gehen. Der Pazifik ist wesentlich gefährlicher als der Atlantik.

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Ich bin wie elektrisiert, als ich plötzlich ganze Schwärme von Fregattvögeln entdecke, die herrlich elegant über dem Meer schweben. Diese Vögel faszinieren mich schon lange. Man nennt sie auch die Piraten der Meere, weil sie ihre Nahrung anderen Seevögeln im Flug abjagen. Ihre Schnäbel sind zu schwach, um selbst Beute zu fischen. Und so jagen sie hinter Pelikanen und Möwen her und entreissen ihnen die Fische im Flug. Dass wir sie hier in solchen Mengen sehen würden, hatte ich nicht erwartet.

 

Auch die graubraunen Meerespelikane sehe ich hier wieder. Sie fliegen meist dicht über der Meeresoberfläche und fangen ihre Beute mittels Stosstauchen. Dies hatte ich schon auf der Baja California (Mexiko) vor Jahren beobachten können.

 

Wie wir kurz danach mit eigenen Füssen feststellen können, ist der Pazifik badewasserwarm, ein salzgeschwängertes Lüftchen weht, und wir sind ganz begeistert und laufen am feinen Sandstrand entlang, wo es keine Touristen gibt, sondern nur einige Fischer und Einheimische.


 

 Zum Abendessen im Restaurant gibt es Fisch und Shrimps. Den Fisch habe ich „Pazifischen Lederfisch“ genannt, weil er derart zäh und trocken war. Vermutlich ist er eine Ewigkeit warm gehalten und dadurch so zäh geworden. Dann sassen wir noch eine Weile draussen und Sepp zeigt uns das Kreuz des Südens, das heute hell und klar zu erkennen ist.

 Dienstag, 25.07. Wir haben gut geschlafen, es herrscht eine angenehme Temperatur, und auch der bewölkte Himmel kann unsere Laune nicht trüben. Der Blick auf das weite Meer ist wunderschön, und wir sind voller Tatendrang. Um 7.30 Uhr starten wir schon und fahren über Manta nach Montecristi, wo wir uns die Panamahutherstellung anschauen wollen.

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Der Name irritiert, weil der legendäre Hut überhaupt nichts mit Panama zu tun hat. Reisende, die diese Hüte trugen, wurden gefragt, woher sie diese haben, und da sie sich nicht mehr an den Namen des kleinen Landes erinnern konnten, wo sie die Hüte erworben hatten, sagten dann einfach: aus Panama, und seither heissen diese legendären Hüte eben Panamahüte, obwohl sie nach wie vor und ausschliesslich aus Ecuador stammen. Sie werden aus den Fasern der Paja toquilla geflochten, einer Palmenart, die nur in einem bestimmten Küstengebiet Ecuadors wächst. Die Hutherstellung ist eine spezielle Kunst, und die „Superfinos“, die allerbesten der Hüte, sind so fein und eng geflochten, dass sie sogar wasserdicht sind. Zusammengerollt haben diese Hüte in einer kleinen Schachtel Platz. Für die Herstellung eines „Superfino“ braucht eine geübte Flechterin bis zu einem halben Jahr. Entsprechend teuer sind diese Exemplare (bis zu 300 Dollar).

 Aber noch sind wir nicht da, sondern verlassen erst einmal die Küste und fahren am Rio Chico entlang, dessen Flusstal gute Erträge mit Bananen und Reis bringt und Viehwirtschaft ermöglicht.


 

Derweil gibt Josef uns wieder ein bisschen Spanischunterricht, damit wir wenigstens einen Mindestwortschatz haben. Ganz wichtig ist zum Beispiel der Satz: Dondé estan los Banos? (Wo sind die Toiletten?) und wichtig ist auch: las cuentas separados por favor (getrennte Rechnungen bitte), sonst bekommt derjenige, der den Kellner zum Zahlen gerufen hat, die Rechnung für alle, die am Tisch sitzen, und das ist in den wenigsten Fällen auch so gewollt. Und dann muss man natürlich die wichtigsten Höflichkeitsformeln wissen.

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Wir sehen hier auch zum ersten Mal den rostbraunen Orneo, den Ofenvogel, der kuppelförmige Nester baut, die entfernt an Brotbacköfen im Freien erinnern. Wir fahren durch trockene, dürre und flachhügelige Landschaften, in denen ganze Wälder von wunderschön geformten, aber leider laublosen Kapokbäumen wachsen. Auch einzelne Lapachobäume, die wegen ihrer herrlichen grossen gelben Blüten auch Goldbäume genannt werden, stehen hier. Die Bäume tragen zuerst die schönen Blüten und bekommen erst später Blätter. Auch Säulenkakteen wachsen hier und Prunkwinden. Leider ist es wieder so grau und trüb, dass die Fotografen über die fehlenden Kontraste klagen. Auf holpriger Strasse fahren wir durch diese graue Dürre und erinnern uns verwundert des üppig grünen Nebelwaldes vom Vortag. Was für ein Unterschied! In vielen Bäumen hängen dicke dunkle Knubbel und Kugeln von Fussballgrösse und mehr. Es sind die Bauten von Baumtermiten.

 Eine Fischmehlfabrik beleidigt unterdessen unsere Geruchsnerven, und wir fahren schnell weiter und Josef erzählt uns über die Tierwelt Südamerikas und Ecuadors. Es gibt hier überwiegend Kleintiere, wovon viele nachtaktiv sind. Es sind zwar sehr viele Arten, aber nur in kleinen Populationen. Die Tierwelt ist in keiner Weise mit der Afrikas vergleichbar. Es gibt vor allem in der Nebel- und Regenwaldregion, und auch an der Küste sehr viele Vogelarten, aber die allermeisten bekommt der normal Sterbliche nicht zu Gesicht, da diese in den Baumkronen in 30 bis 40 Meter Höhe leben, während es auf dem Waldboden dämmerig ist, weil das Licht nicht bis dorthin vordringt. Wir sollen also nicht enttäuscht sein, wenn wir nicht viele Tiere zu sehen bekommen. In Ecuador gibt es viele und auch sehr giftige  Schlangen, darunter die angriffslustige „Buschmeister“, die sehr gefürchtet ist. Auch die berühmteste aller Würgeschlangen, die Anaconda, lebt in Regenwaldgebieten. Angeblich ist in Amazonastiefland von Ecuador eine 16 Meter lange Anaconda gefangen worden.


 

 Wie in allen Dörfen und Städten, werden wir auch in Montecristi von etlichen „Drempels“ oder „Rompels“ empfangen, wie die Geschwindigkeit bremsenden Strassenbuckel genannt werden, und die wir und sicher auch Sepp sehr lästig finden.

 Montecristi ist ein kleines Städtchen mit einer Hauptstrasse, die gesäumt ist von Läden, in denen Panamahüte und Andenken verkauft werden. Josef geht mit uns in so einen Laden, und wir können angefangene, halbfertige und natürlich auch ganz fertige Panamahüte anschauen und die verschiedenen Feinheiten der Flechtung bestaunen. Die Superfinos sind wirklich sehr fein und dicht geflochten. Man kann kaum glauben, dass menschliche Finger dazu fähig sind. Einige von uns kaufen einen Hut. Ich finde kleine geflochtene Schweinchen und nehme zwei davon mit. In einem anderen Laden kauft Marion sich einen Panamahut, der für Damen aber eine andere Form hat als der Klassiker von Humphrey Bogart.

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Derweil suchen wir krampfhaft nach einer Toilette und probieren schliesslich unsere neu erlernten Vokabeln aus. Und siehe da, ein netter älterer Herr lässt alles stehen und liegen und begleitet uns durch den halben Ort zu den öffentlichen Toiletten, die wir dann glückstrahlend aufsuchen. So ein Tipp von Josef wäre auch kein Fehler gewesen. Aber der ist meist mürrisch und nicht gerade freundlich, immer leicht gereizt und unterschwellig aggressiv. Wir trauen uns kaum noch, ihn etwas zu fragen, weil eine patzige oder massregelnde Antwort von ihm kommt. Eigentlich eine Unverschämtheit bei einem Reiseleiter. Er hätte sich besser als Lehrer verdingt und nicht als Reiseleiter, denn als solcher braucht er vor allem Humor, Gelassenheit und Menschenfreundlichkeit, wenn er den Job längerfristig machen will. Aber immerhin weiss er viel über Geschichte und Land und Leute und informiert uns dann auch bald wieder, diesmal über die anstehenden Präsidentschaftswahlen. In Ecuador ist es Volkssport geworden, den Präsidenten abzuwählen. Immerhin hat Ecuador in 9 Jahren auch 9 Präsidenten gehabt.


 

 Wir fahren durch trostlose, graue Landschaft, die mich richtig deprimiert. Aber als wir zurück an der Küste sind, wird es wieder grüner durch die Feuchtigkeit des Pazifik. Und als ich die grossen Schwärme von Fregattvögeln und Rabengeiern sehe, bin ich wieder froh.  Aber nicht lange, wir fahren etwa 200 – 300 Meter parallel zur Küste, da ist wieder alles trostlos grau in grau. Trockengelegte Krabbenbecken liegen da zum regenerieren. Mit der Krabben- oder Shrimpszucht erzielt Ecuador inzwischen mehr als 1 Milliarde US-Dollar an Exporteinnahmen. Die Shrimps nehmen damit die dritte Stelle des Bruttoinlandsproduktes ein. Dafür wurden aber nahezu alle Mangroven des Landes zerstört.

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Wir fahren durch den grössten Nationalpark Ecuadors, den Machalilla-Nationalpark, der uns in einheitlichem Grau und mit viel Staub begegnet. Das gefällt mir überhaupt nicht. Aber ich will nicht ungerecht sein. Unser Winter ist auch eine triste Jahreszeit und alle Bäume sind blattlos. Wenn es hier grünt und blüht, wäre ich von dieser Landschaft sicher auch begeistert. Hier leben auch noch Ozelots, aber uns begegnet natürlich keiner, wenn wir mit unserem lauten Riesengefährt hier durchdonnern. Immerhin sind wir bald wieder an der Küste und erreichen Puerto Lopez, das mir bestens in Erinnerung bleiben wird. Direkt am Malecon, wie überall die Uferstrassen genannt werden, steigen wir aus und gehen schnurstracks in ein einladendes Freiluft-Fischlokal. Marion und ich bestellen Shrimps in Knoblauchsosse. Dazu gibt es Reis und Salat, und es schmeckt superlecker. Derweil beobachten wir die vielen Fregattvögel, Pelikane, Fischer und die vielen fröhlichen Hunde, die am Strand entlang rennen und spielen.


 

 

Was dann folgt, ist ein absoluter Höhepunkt dieser Reise, nämlich die Bootsfahrt zu den Buckelwalen, die sich zur Zeit weiter draussen vor der Küste aufhalten. Die Buckelwale werden 15-18 Meter lang und wiegen bis zu 40 Tonnen. Jedes Jahr finden sie sich von Juni bis September in diesem Küstenabschnitt ein, um hier ihre Jungen zur Welt zu bringen und sich zu paaren. Wenn die Jungen mit 2-3 Monaten gross genug sind, treten sie ihre lange Reise in die antarktischen Gewässer wieder an.

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Wir ziehen die Schuhe aus, krempeln unsere Hosenbeine so hoch wie möglich und laufen dann durch das Wasser bis zu dem relativ kleinen Motorboot, in dem maximal 20 Leute Platz finden. Nachdem wir Schwimmwesten angelegt haben, werden die beiden Motoren angeworfen und unter brüllendem Motorenlärm und scheusslichem Benzingestank fahren wir auf den offenen Pazifik hinaus.

 

Die Dünung ist nicht mal besonders stark, aber von dem Benzingestank und dem Geschaukel merke ich, dass mir ziemlich flau wird. Maria nebenan hängt schon über der Reling und opfert ihr gerade eingenommenes Mittagessen den Fischen. Nach ca. 30 Minuten schneller Fahrt sehen wir auf einmal die erste Blasfontäne eines Wales, dann eine lange schmale Brustflosse, die auf’s Wasser klatscht, dann einen Walbuckel und eine breite Schwanzflosse. Wenn man die Schwanzflosse sieht, bedeutet das immer, dass der Wal abtaucht. Weg war er. Also weiterfahren und die Augen anstrengen.

 Bald danach sehen wir wieder eine Brustflosse, und noch eine, und einen Buckel und dann passiert das schier Unglaubliche: ein Koloss von einem Wal springt komplett aus dem Wasser, zeigt uns für einen Bruchteil seinen gigantischen Bauch und platscht dann mit einem mächtigen Aufklatscher rücklings auf das Wasser, das hoch aufspritzt. Es ist gigantisch. Ich komme mir vor wie im Film. Wir sind wie gebannt und starren auf’s Meer, das gar nicht mehr ruhig ist, sondern ordentlich Wellen hat und unser kleines Schiffchen kräftig in alle Richtungen schaukeln lässt. Und dann springt wieder so ein Riesentier ganz unvermittelt in die Höhe und klatscht zurück. Und der nächste und der nächste. Wir fassen es kaum.


 

 Dann ist es wieder ein Weilchen ruhig, und ganz woanders zeigt sich eine Flosse oder ein Rücken. Daneben noch einer und noch einer. Wie viele Wale sind es denn eigentlich? Wir haben keinen Überblick. Mal springt hier unerwartet ein Wal, dann ganz woanders, dann an verschiedenen Stellen gleichzeitig und plötzlich direkt vor uns. Wir sind in heller Aufregung. Kann so was wahr sein für uns normal Sterbliche? Es ist wahr, es gibt jede Menge Buckelwale um uns herum, und wir träumen nicht und sind auch nicht im Film. Wir fotografieren und schauen und können kaum glauben, was sich da vor unseren Augen abspielt.

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 Aber schliesslich ist es Zeit, zur Küste zurück zu fahren, da das Meer inzwischen sehr unruhig ist und die Wellen beängstigend hoch geworden sind. Der Spritzschutz wird an einer Seite des Bootes heruntergelassen. Und dann pflügt sich das Boot mit Vollgas und brüllenden Motoren durch dieses wilde Meer. Wir werden vor und zurück und zur Seite geworfen, das Benzin stinkt bestialisch, meine Ohren schmerzen vom Motorenlärm, und mein Magen schreit Alarm. Maria hängt wieder über der Reling, und auch der Hans opfert dem Meeresgott. Einige andere kämpfen noch. Ich starre abwechselnd auf den Horizont und auf meinen grossen Zeh, um einen Fixpunkt zu haben, weil dies angeblich bei Seekrankheit helfen soll. Mit einer Hand halte ich mich krampfhaft fest, mit der anderen halte ich mir das Ohr zu, das den Motoren am nächsten ist. Es ist eine Horrorfahrt zurück.

 Aber auch die geht zu Ende, und Gott sei Dank und endlich sind wir wieder am Strand. Ich wate zitternd und halb benommen auf den Sand und habe das Gefühl, gerade einer Unwirklichkeit entkommen zu sein. Aber genau so war es. Und nachdem mir nicht mehr schlecht war, fand ich das alles ganz toll und aufregend und einmalig. Weil ich seekrank werde, fliege ich auch nicht mit auf die Galapagos-Inseln. Schon der Gedanke, fünf Tage und Nächte auf einem relativ kleinen Schiffchen zu sein, verursacht mir Übelkeit.

 Am Strand kommen Kinder mit Wasserflaschen an und wollen uns den Sand von den Füssen waschen, damit wir sauberen Fusses wieder in unsere Schuhe schlüpfen können. Hier wird jede erdenkliche Möglichkeit genutzt, ein bisschen Geld zu verdienen. Einge Fischerboote sind gerade an Land gekommen und zeigen uns stolz ihren Fang. Es sind prächtige Fische dabei, auch ein Hai und kleinere Rochen.


 

 Wir fahren an das äusserste Ende von Puerto Lopez und stellen das Rotel direkt an den Strand. Die Gezeiten sind hier sehr schwach, so dass wir keine Sorge haben müssen, von der Flut erwischt zu werden. Hier haben wir ein traumhaft idyllisches Plätzchen ganz für uns. Gegenüber gibt es eine kleine Bungalowanlage, deren sanitäre Anlagen wir nutzen können. Wir schnippeln diverse Gemüse und lassen uns dann in dieser herrlichen Kulisse eine feine Gemüsesuppe schmecken. Ich bin so müde, dass ich früh in meine Koje krieche und sehr gut schlafe mit dem Rauschen des Pazifik im Ohr.

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Am Mittwochmorgen stehe ich schon um 5.30 Uhr auf und gehe im Dunkeln am Strand entlang. Einige Fischer machen ihre kleinen Ruderboote klar und schieben diese mühsam auf Balsaholzrollen ins Wasser. Dann verschwinden sie auf dem dunklen Meer. Es wird nicht richtig hell, denn der Himmel ist grau und verhangen. Die Einheimischen sagen, dass dieses graue Nieselwetter sehr ungewöhnlich ist für diese Jahreszeit. Trotzdem lassen wir uns das Frühstück schmecken. Einer der vielen Hunde war so schlau, bei uns vorbei zu schauen und bekommt natürlich was ab. Sogar die Papayaschalen frisst er auf. Eine ganze Meute Hunde läuft fröhlich am Strand entlang. Sie balgen und spielen und sehen alle gesund aus.  Ein Strandschwein patroulliert auch und sucht Futter, kommt aber nicht zu uns.

 

Anschliessend laufen wir ein kurzes Stück weiter zum Fischmarkt und begutachen dort einen Teil des nächtlichen Fangs. Ein Riesenfisch, wahrscheinlich ein Zackenbarsch, verschwindet in einer mit Eis gefüllten Kiste. Zwei Rochen werden uns stolz präsentiert und einige Kisten mit anderen Fischen. In einer Halle filetieren einige Fischer Seehechte und freuen sich über Besuch aus Deutschland. Draussen warten jede Menge Rabengeier auf die Fischabfälle. Überall auf den Dächern und am Strand sitzen sie und wissen, dass es bald Frühstück gibt.


 

 Auf Naturpiste fahren wir nun zum Nationalpark Machalilla und entdecken dabei den knallroten Kardinalsvogel und auch den Ani, den südamerikanischen Kuckuck, den ich aus Kreuzworträtseln kenne. Aus diesem Nationalpark stammen die ältesten archäologischen Funde Südamerikas. Im kleinen Museum sehen wir uralte Keramiken und Bestattungsgefäße, die eher an grosse bauchige Vasen erinnern. Die Toten wurden in Embryonalstellung beerdigt. Mit einem einheimischen Führer machen wir eine Wanderung durch ein trockenes Flussbett. Hier wachsen Bananen, Papayas, Guaven und andere. Wir entdecken einige Vögel und sogar zwei kleine Uhus. Ausserhalb des Flussbettes ist Trockenwald und viel Staub. Ziegen, Hühner, Rinder und kleine Schweine mit Ferkeln suchen nach Futter. Schliesslich kommen wir zur Laguna de Agua Blanca, einem stinkenden Schwefelteich, in dem baden kann, wer will. Es will aber niemand. Der Himmel hat eine graue, schwülwarme Glocke über uns gestülpt.

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Im Park leben etwa 280 Menschen hauptsächlich vom Ökotourismus im kleinen Rahmen, denn viele Touristen kommen nicht hier her.

 Wir fahren zurück nach Puerto Lopez und freuen uns schon auf eine frische Brise am Meer und leckeren Fisch und die Aussicht auf Fregattvögel und Pelikane. Bald kehren wir in das gleiche Strandlokal zum Fischessen ein wie am Vortag. Dort werden wir schon freudig begrüsst und geniessen dann fangfrischen Fisch. Heute bestelle ich superzarten Seehecht. Als Beilage gibt es immer Reis und Pommes und Salat.

 

Weiter fahren wir bergauf, halten an einem schönen Aussichtspunkt über der Bucht von Puerto Lopez und machen uns dann auf den Weg nach Süden zur Bucht von Guayaquil nach Playas. Wir passieren kleine Dörfer und lassen unseren Bus bestaunen. Der Himmel bleibt grau und suppig, und wir sehnen uns nach Licht und Sonne. Immerhin finden wir langsam schönere Häuser vor, die alle Gärten haben, in denen vor allem Bougainvilleen blühen, auch große, rot blühende Tulpenbäume. Die Strasse ist zeitweise ziemlich schlecht, d.h. voller Schlaglöcher. Nach dem guten Essen hängen wir faul in den Sitzen. Je höher wir kommen, desto grüner wird es, weil sich hier die Wolken vom Pazifik an den Hängen stauen. Wir erfahren wieder einiges über die Gesellschaftsstruktur in Ecuador. 10 % der Bevölkerung sind Weiße, und diese 10 % sind die Reichsten im Land, denn sie verfügen über 40 % des Gesamteinkommens. Pro Kopf hat die Bevölkerung nur 190 US-Dollar im Monat zur Verfügung. Einer Familie mit 6-8 Personen stehen im Monat etwa 300 US-Dollar zur Verfügung. Eine soziale Absicherung gibt es hier nicht, aber die Familienbande funktionieren. Einer für alle und alle für einen gilt hier noch. Der Staat gibt fast nichts, aber er nimmt auch fast nichts. Das Haupteinkommen ist der Export. Die Lebenserwartung der Frauen beträgt 71 Jahre, die der Männer 66.


 

 Wir fahren immer parallel zum Pazifik, manchmal nur wenige Meter vom Strand entfernt, der hier menschenleer ist. Unterwegs sehen wir riesige Krabbenzuchtbecken und –fabriken soweit das Auge reicht. Die Landschaft ist ganz flach. Dann folgen grosse Salinenbecken, aus denen Salz gewonnen wird. Es ist eine triste Landschaft und weiterhin trocken und grau. Daher erfahren wir noch mehr über die Besiedelung und Kultur Ecuadors. Die Ureinwohner, also Indios, kamen vor 40 – 50.000 Jahren aus Innerasien (vermutlich Mongolei) über die damals noch geschlossene Beringstrasse. Davon zeugt noch heute die Physiognomie der Indios, die hauptsächlich im Hochland und Amazonastiefland leben.

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Bei Progreso biegen wir ab und verlassen den Pazifik für eine Weile. Die Landschaft ist so trist und grau und ohne jedes Grün, dass ich meine, selten so eine hässliche Gegend gesehen zu haben. Immerhin gibt es immer wieder mal die herrlich blühenden Lapachobäume. Esel schleppen auch hier wieder volle Wasserkanister zu den Häusern. Schliesslich kommen wir in Playas im südlichen Ecuador an, unserem letzten Treffpunkt mit dem Pazifik. Im Innenhof des grossen Hotels Tucan stellen wir unser Rotel ab und bekommen heute die Koffer. Wir sollen uns warme Kleidung in die Drei-Tages-Taschen packen, denn ab morgen ist Kälte angesagt, weil wir ins Andenhochland fahren. 

Beim Hotel gibt es eine grosse Vogelvoliere mit verschiedenen schönen Papageien. Ein zahmer Tukan lebt frei im grossen begrünten Innenhof, aber man hat ihm die Flügel sehr gestutzt, so dass er nur noch hopsen, aber nicht mehr fliegen kann. Er ist ganz zahm, lässt sich füttern und knabbert an meinen Zehen.

 Mit Marion laufe ich zum ca. 200 m entfernten Sandstrand, der völlig einsam ist. Wenn ich gewusst hätte, dass es hier Sandflöhe gibt, hätte ich darauf verzichtet. Die Biester haben mich anschliessend eine Woche lang in Atem gehalten, weil ihre Bisse so lange jucken. 

Zum Abendessen gibt es heute Schinkennudeln mit Tomatensalat und anschliessend frische Papaya mit Limettensaft. Sehr lecker. Sepp verwöhnt uns Tag für Tag. Wir sind faul und gehen bald in unsere Kojen.


 

 Trotz einiger Mücken haben wir gut geschlafen. Mein Moskitonetz, das speziell für die Rotelkoje angefertigt wurde, hat gut funktioniert. Der Morgen empfängt uns mit einem sehr schönen Vogelkonzert, und wir frühstücken um 6.00 Uhr mit dem Tukan, der ganz wild auf frische Papaya ist. Um 7.00 Uhr sitzen wir schon im Bus und starten nach Guayaquil, der grössten Stadt Ecuadors mit ca. 3 Millionen Einwohnern, genau weiss das niemand. Ein Drittel der Bevölkerung, also etwa 1 Million Menschen, lebt in Elendsvierteln. Guayaquil ist eine Handels- und die grösste Hafenstadt, und dies in Kombination mit der Armut bedeutet eine sehr hohe Kriminalität. Es gibt daher auch zigtausende von Strassenkindern.

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Die Stadt empfängt uns mit einer sehr breiten Prachtstrasse voller schöner Villen und Häuser, die von hohen elektrischen Zäunen hermetisch abgeriegelt sind und von privaten bewaffneten Männern bewacht werden. Überall sind schöne Gärten voll blühender Sträucher angelegt. Viele internationale Schulen gibt es hier. Dann fahren wir an einem grossen, auf Stelzen gebauten Slum vorbei, das an einem Fluss liegt. Hier gibt es weder Strom noch fliessendes Wasser. Überall sehen wir Polizisten und viele Politessen, weil Frauen weniger korrupt sind als Männer.

 

Wir steigen aus und besichtigen den Parque Bolivar, in dem Dutzende von Leguanen in ihrem angestammten Revier leben. Sie leben hier mitten in der Stadt und sitzen auf dem Rasen und vor allem auf den Bäumen. Sie sind etwa 80 – 100 cm lang und verhalten sich ganz ruhig. Für uns ist das was Besonderes, und wir fotografieren sie von allen Seiten. Wir besuchen die Kirche San Francisco gleich nebenan, vor der etliche alte Menschen betteln. Hier werde ich viele Dollars los, die ich für diesen Zweck auch mitgenommen hatte.

 

Anschliessend laufen wir über den Malecon, die neu angelegte Uferstrasse direkt am breiten Fluss Guayas gelegen, auf dem viele Wasserhyazinthen schwimmen. Der Malecon ist wie ein grosser botanischer Garten angelegt und sehr gepflegt. Alle paar Meter laufen Polizisten herum und sorgen für Sicherheit. Gerade, weil hier viele Menschen Erholung suchen, war die Kriminalität explodiert. Seit es überall Polizeikontrollen gibt, ist es wesentlich besser geworden, und Überfälle kommen nur noch selten vor.


 

 Es ist schwülheiss und sonnig, und wir geniessen diesen Spaziergang durch die gepflegte Anlage. Am Ende angekommen, haben wir Freizeit. Marion, Andreas und ich laufen zu Fuss 300 Stufen den Berg Santa Ana hinauf, einem Künsterviertel voll kleiner verschachtelter bunter Häuser, die sich malerisch an den Berg schmiegen. Alle Stufen sind nummeriert. Wir wollten hier in einem der vielen kleinen Lokale zu Mittag essen, aber unerklärlicherweise hatte kein einziges Lokal geöffnet. Wegen der grossen Hitze und Schwüle sind wir dann bei Stufe 300 umgekehrt und wieder runter zum Malecon gelaufen, wo wir ein grosses SB-Restaurant fanden, an dessen Eingangstüren stand, dass man weder Dynamit noch Messer noch Schusswaffen mitbringen darf und auch Hunde und Inlinescater nicht erlaubt sind. Das haben wir alles nicht. Wir entschieden uns wieder für Camarones, also für Shrimps in Knoblauchsauce, sassen direkt über dem grossen Fluss im Schatten und genossen die Aussicht und das Essen.

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Nach der Mittagspause verlassen wir die Stadt und fahren nun weiter in Richtung Anden. Unterwegs machen wir halt an einem grossen Obstmarkt und kaufen Bananen und Papayas. Sepp hortet einen Schwung frischer Ananas für unseren Nachtisch. Der Markt ist eine Freude für die Augen, denn die üppige Obstfülle sieht einfach schön aus. Berge von Melonen und Kokosnüssen, Orangen, Mandarinen und vielen anderen Sorten leuchten in der Sonne.

 Wir durchfahren eine grosse Ebene voller Reisfelder und Zuckerrohr. Inzwischen ist der Himmel wieder bewölkt und die Landschaft wird zusehends grüner. Überall glitzern kleine Flussläufe zwischen riesigen Bananen- und Kakaoplantagen voller Früchte. Beim Kakao hängen Blüten und Früchte gleichzeitig am Baum, und zwar direkt am Stamm. Die riesigen Palo Santo Bäume mit orangeroten Blüten ragen über alle anderen Baumkronen hinaus. Überall grasen Kühe, und passend dazu suchen Kuhreiher nach Nahrung. Die Landschaft ist sehr grün und fruchtbar, eine wahre Wohltat nach dem ewigen Grau.  

 Ecuador ist Weltmeister im Bananenexport. Über die Bananenstauden hat man Plastiksäcke gezogen, um Insektenbefall zu vermeiden. Die Bananen sind alle genormt, d.h. die Länge und auch die Krümmung der Bananen ist vorgeschrieben. Sie werden mit Stickstoff behandelt, um die Reifung zu verzögern. Pro Kiste mit 22,5 kg Bananen bekommen die Bauern nur 3,25 US-Dollar. 

Wir fahren hinauf in die Berge und kommen wieder in den Nebelwald. Steil geht die Strasse bergauf, und alles um uns herum ist üppig grün. Wir können diese unglaublich schnellen Landschaftswechsel manchmal kaum begreifen. Vorhin war es noch so trist und grau und blattlos, nun sind wir in einer anderen sattgrünen Welt. Der Unterschied ist sehr krass. Dicke Flechten hängen von jedem Ast, ganze Hänge sind dicht mit verschiedenen Farnen bewachsen, dazwischen stehen herrliche Baumfarne. Der Nebel wird so dicht, dass wir keine 20 Meter mehr sehen können.


 

 Als wir schliesslich 800 Höhenmeter erreicht haben, endet schlagartig der Nebelwald, und die Vegetation nimmt wieder ab. Hier wachsen karge Sträucher und Büsche, die staubbedeckt sind. Wieder so ein abrupter Landschaftswechsel. Auf 1200 Meter Höhe halten wir und schauen auf die dicke weisse Nebeldecke unter uns, die wir gerade durchfahren haben. Der Nebel liegt wie ein dickes weisses Tuch über der Landschaft unter uns.

 Nun kommen wir in den Vulkanandenbereich. Die Sicht ist wieder ganz klar. An den steilen Hängen wachsen kleine knallrote Bergaloen. Wir kriechen Meter für Meter bergauf, nur selten begegnet uns ein Auto, so dass wir das Gefühl haben, fast alleine in dieser einsamen Bergwelt zu sein. Nur wenige Hütten stehen vereinzelt, in dieser steilen Hochlage kann man fast nicht mehr leben.

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Die Andenkette ist mit 8.500 Kilometern die längste Gebirgskette der Erde. Der höchste Berg der Anden ist der Ochos del Salados-Vulkan mit 7.032 m Höhe, der zwischen Chile und Argentinien liegt. Von etwa Meereshöhe steigt das Gebirge plötzlich fast senkrecht bis über 6000 Meter empor und fällt ebenso abrupt wieder ab. Von Nord nach Süd verlaufen zwei parallele Stränge, nämlich die West- und die Ostkordilleren, die zwischen 30 und 70 Kilometer von einander entfernt sind. Sie sind durch einzelne Querriegel verbunden. Diese Querriegel teilen das Gebirge in acht innerandine Becken. Alle Ortschaften in den Anden, wie auch Quito, liegen in diesen Becken. Die Andenkette beginnt bei Feuerland, zieht sich durch den ganzen südamerikanischen Kontinent und versinkt dann in der Karibik bei Haiti. Allein in Ecuador gibt es über 30 aktive Vulkane, wovon der Cotopaxi mit fast 6.000 Metern Höhe der höchste aktive Vulkan der Welt ist.

 Auf 2000 Meter Höhe stehen wir plötzlich wieder in dickem, feuchtem, kühlem Nebel. In einer kleinen Siedlung erstehe ich in einem Mini-Laden ein Stück leckeren Sandkuchen, nur Kaffee ist nirgends zu bekommen. Das finde ich schon seltsam, da Ecuador auch ein Kaffeeland ist und wir überall Kaffeeplantagen sahen. Meist wird Kaffeekonzentrat angeboten, das nicht gut schmecken soll. Sehr viel später hatte ich noch Gelegenheit, dieses Konzentrat zu probieren.


 

 Wir schrauben uns weiter hinauf durch dünn besiedelte, steile Andenlandschaften. Hier werden die Entfernungen nicht in Kilometern, sondern in Stunden angegeben, da man auf diesen teilweise schlechten Strassen bei hoher Steigung meist nur ca. 20 KM in der Stunde vorankommt. Ab und zu sind einzelne Indios zu Fuss unterwegs, manchmal trägt ein Esel die Last. Es ist eine einsame Berglandschaft.

 Schliesslich haben wir 3.200 Höhenmeter erreicht und halten an, um den Quisuarabaum zu fotografieren, der eine sehr raue, sich schälende Rinde hat und der Weltmeister der Bäume ist, was die Höhenlage angeht. Bis in Höhen von 5.300 Meter kann er wachsen, das schafft kein anderer Baum. Durch das Gesetz der dritten Dimension (durch den Äquator bedingtes Höhenwachstum) kann Mais bis in eine Höhenlage von 3.900 Meter angebaut werden und Kartoffeln sogar bis auf 4.200 Meter. Es gibt an die 1000 Sorten Kartoffeln, wovon ca. 200 Sorten auf den Märkten angeboten werden.

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Es ist sehr kalt hier oben, wo Pampasgras und Berberitzen wachsen und Ichugras. Dieses Gras ist so hart, dass es nur noch von den Andenkamelen wie Lama, Guanako, Alpaka und Vikunja gefressen bzw. verdaut werden kann. Wir befinden uns hier im sogenannten Paramo, der Andenregion oberhalb der Baumgrenze. Eine schroffe, steile und faszinierende Bergwelt umgibt uns rundum, als wir in den Cajas-Nationalpark kommen. Wir schleichen mit 20 – 30 kmh weiter bergan und erreichen schliesslich den Pass in 4.200 Metern Höhe. Hier steigen wir aus und frieren wie die Schneider. Der dunkelgraue Himmel hat der grandiosen Bergwelt um uns herum einen dramatischen Anstrich gegeben. Eine kleine Herde Alpakas grast unterhalb. In den Bergmulden ruhen kleine Seen, insgesamt gibt es hier über 200 dieser kleinen Seen. Es ist eine fast unwirkliche,  verzaubernde Berglandschaft.

 Schlotternd steigen wir wieder in den Bus und fahren auf der anderen Seite den Pass hinab. Auf 3.500 Meter befindet sich unser heutiger Übernachtungsplatz inmitten dieser Bergwelt bei einem einsamen Hotel, das von zahllosen kleinen Flüssen und Forellenteichen umgeben ist. Obwohl Josef schon vor drei Wochen für uns reserviert hat, wurden wir vergessen, und das Hotel ist abgeschlossen. Nur das WC für das Personal ist um drei Ecken herum offen. Eine eiskalte Dusche gibt es auch, aber angesichts der Aussentemperaturen verzichten wir gerne drauf. So beschliessen wir also, eine echte Buschübernachtung zu machen. Wir haben einen Generator für Strom und kochen mit Gas. Einen Wasserzugang finden wir auch. Ich finde es herrlich, hier in dieser phantastischen, einsamen Landschaft zu übernachten. In sämtliche verfügbaren Pullover und Jacken gehüllt, schnippeln wir Gemüse und Zwiebeln und essen den scharfen Fleisch-Gemüse-Eintopf dann mit Genuss. Der heizt uns wenigstens von innen ein.


 

 Draussen ist es inzwischen stockdunkel und sehr kalt geworden. Mangels Alternative verziehe ich mich um 21.00 Uhr in meine Koje und mummele mich ein. Kurz darauf kommt jemand von der Anlage. Man hat den Schlüssel gefunden und heizt den offenen Kamin für uns, die bestellten Zimmer werden geöffnet. Und dieses Hüttenhotel ist das gemütlichste, das wir bis dahin sahen. Alles ist liebevoll mit Holz ausgekleidet und unseren Berghütten sehr ähnlich.

 Nachts wache ich mit starken Kopfschmerzen auf, die wohl höhenbedingt sind. Ich nehme Mineralsalztabletten, trinke etwas und öffne trotz der Kälte mein Fensterchen. Die Kopfschmerzen waren im Nu wie weggeblasen.

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Als ich um kurz nach 6.00 Uhr aufstehe, ist es noch fast dunkel. Die Schwalben fliegen zu meinem Erstaunen schon so früh auch hier herum auf der Suche nach Insekten. Nur höchstens 10 Meter entfernt läuft ein schöner grosser Kojote vorbei und schaut zu mir herüber. Noch hat die Sonne die hohen Andengipfel nicht überwunden, aber weiter südlich sehen wir sie schon an den Bergwänden leuchten. Sepp muss das Wasser heute früher aufsetzen, da in dieser dünnen sauerstoffarmen Luft das Kochen länger dauert. Um 8.00 Uhr hat die Sonne den Berg überwunden und überstrahlt das ganze Tal, es sieht herrlich aus. Und wir sind so froh, endlich mal wieder blauen Himmel zu sehen. Sepp staunt auch über die Sonne, denn meist herrscht hier ungemütliches Nieselwetter, und dann ist das Rotelleben nicht so angenehm.

 Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir los in Richtung Cuenca auf der Strasse der Vulkane, wie die Panamericana hier auch genannt wird. Cuenca ist nur 30 km entfernt und die drittgrösste Stadt Ecuadors mit ca. 300.000 Einwohnern. Unterwegs sehen wir braune Guanakos und in viele Röcke gekleidete Indiofrauen am Wegesrand. Alle Menschen tragen hier Hüte, jeder Stamm seinen eigenen, so dass man an den Hüten schon die Zugehörigkeit feststellen kann.


 

 Die Altstadt von Cuenca wurde von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt und ist wirklich wunderschön. Nach der Besichtigung der neuen Kathedrale haben wir drei Stunden Freizeit und laufen durch die schönen Strassen und Gassen und bestaunen die vielen alten Häuser mit schmiedeeisernen Balkonen. Es gibt viele Kirchen und Märkte. Die Indios in ihren Trachten sehen fremdartig aus. Besonders die Gesichter der alten Menschen sind faltig, dunkelbraun und wettergegerbt. Die jungen Frauen tragen fast alle ein Baby in einem Tuch auf dem Rücken. Es gibt sehr hübsche Frauen hier, alle tragen lange Haare zu einem Zopf oder Pferdeschwanz gebunden. Auch bettelnde alte Menschen und Kinder gibt es.

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Der Blumenmarkt gefällt uns besonders. Wunderschöne üppige Rosengestecke finden wir und Lilien und Gladiolen und viele uns vertraute Blumen. In Ecuador soll es die schönsten Rosen der Welt geben, und in der Tat werden in Ecuador Zigtausende Rosen für den Export gezogen. Wir haben später noch zahllose Rosenzuchtbetriebe gesehen.

 Weiter geht es über die Panamericana, jene berühmte Strasse, die vom Norden Alaskas bis hinunter nach Feuerland reicht. Die Landschaft ist hier wesentlich flacher geworden, obwohl wir immer noch auf 2.500 Höhe fahren. Und die Sonne hat sich auch wieder unter einem dunklen Wolkenhimmel versteckt, so dass wir den höchsten Vulkan-Berg der ecuadorianischen Anden, den Chimborazo mit 6.310 Metern Höhe, leider nicht sehen können.

 Wir fahren durch ein lang gezogenes, hügeliges Tal voll saftiger Wiesen, auf denen schwarz-weisse Kühe mit ihren Kälbern und Schafe weiden, kommen durch kleine Ortschaften mit ordentlichen Häusern und freuen uns über die allseits vorhandenen glücklichen Schweine mit ihrem Nachwuchs. Viele Indios sind auf den Feldern bei der Kartoffelernte und winken uns zu. Erstaunlich, dass in dieser Höhe so viele Menschen siedeln und soviel Feld- und Weidewirtschaft möglich ist. Dies ist jedoch bedingt durch den fruchtbaren Vulkanboden und das angenehme Klima.


 

 Inzwischen sind wir abgezweigt nach Ingapirca, den ältesten Inkaruinen in Ecuador, die wir besichtigen. Es ist schon beeindruckend, diese Mauern zu sehen, deren Steinquader ohne maschinelle Hilfe so akkurat bearbeitet wurden, dass sie dicht auf dicht zusammengefügt werden konnten, ohne dass auch nur ein hauchdünner Spalt entstanden wäre. Nicht ein einziger Grashalm hat es bis heute geschafft, sich zwischen diesen Mauern anzusiedeln.

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In der Nähe der Ruinen befindet sich ein kleiner Indiomarkt, und von einer Frauenkooperation werden wunderschöne Handarbeiten angeboten: Strickjacken und Pullover aus Lama- und Alpakawolle, Schals, Mützen und Handschuhe, Teppiche und Wandbehänge und auch Fotos. Für meinen Grossneffen Max erstehe ich eine wunderschöne Strickjacke mit applizierten Schäfchen und anderen Details. Ausserdem kaufe ich noch einige Portraits von Kindern, denn es ist schwierig, die Menschen zu fotografieren. Ich mag das auch nicht, es ist mir peinlich. Nur, wenn die Leute sehr offen und einverstanden sind, mache ich Personenaufnahmen. Hier fand ich, was ich suchte.

 Bei dickem grauen Nebel fahren wir zu unserem Übernachtungsplatz bei El Tambo, der bei einem öffentlichen Hallenbad liegt. Es ist hier nicht so kalt wie am Vortag, und heute haben wir auch die Möglichkeit, uns in das zugehörige Lokal zu setzen, wo wir uns nach dem leckeren Abendessen mit „Stadt-Land-Fluss“ vergnügen, damit unsere grauen Zellen nicht eintrocknen.

 Heute ist Samstag, und wir sind nun schon eine Woche in Ecuador. Sepp weckt uns erstaunlich laut polternd um 6.30 Uhr und wundert sich, wieso wir nicht längst aufgestanden sind. Der Reiseleiter hatte jedoch gesagt, dass um 7.30 Uhr Frühstück ist. Später meinte er, es wäre ein „Freud’scher Verhörer“ unsererseits. Schon seltsam, dass 14 Leute sich allesamt verhört haben sollen. Wir schaffen es aber dennoch rechtzeitig. Es nieselt ein wenig und ist ziemlich frisch, aber wenigstens einigermassen klar.


 

 Die heutige Strecke führt uns über Riobamba und Ambato nach Banos am Fusse des Tungurahua-Vulkans, der vor 3 Wochen nach 7 Jahren Ruhepause wieder ausgebrochen ist. Durch die glühenden Lavaströme sind etliche kleine Orte total zerstört worden und über 1000 Rinder und Pferde sind darin umgekommen. Tausende Menschen wurden evakuiert und haben ihr Zuhause verloren. Inzwischen hat sich der Vulkan wieder etwas beruhigt.

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Wir fahren los durch eine grandiose Landschaft voller Terrassenfelder, die sich bis in eine Höhe von über 3000 Metern die Berge hinaufziehen. Uns ist unbegreiflich, wie die Menschen in diesen Steillagen überhaupt noch stehen können. Selbst die Kühe weiden auf diesen steilen Hängen. Hinlegen können sie sich bestimmt nicht, sonst kollern sie die Berge runter, aber sie kennen es nicht anders.

 Wir müssen eine andere Strecke fahren als geplant, da die ursprüngliche Strasse durch den Vulkanausbruch grossenteils verschüttet ist und einige Brücken zerstört wurden. Wir fahren also wieder auf der Panamericana, die hier auch Strasse der Vulkane genannt wird, weil es so viele davon gibt. Insgesamt gibt es in Ecuador über 30 meist aktive Vulkane, so viele wie sonst nirgends auf der Welt. Auf über 3000 Meter Höhe fahren wir durch ein wundervolles Berg- und Talpanorama. Die Sonne setzt sich langsam durch, und so sieht die Welt für uns heute sehr freundlich aus. Hier wachsen schöne dunkelpurpurfarbene Malvenbüsche, grosse Fuchsien, Lupinen und Dahlien und ganze Hecken von Wandelröschen. Alle Häuser sind blumengeschmückt. Immer wieder steigen wir aus und staunen und fotografieren diese herrliche Landschaft mit einem Bergszenario, wie man es selten findet.

 Die Menschen sind alle bei der Ernte auf den Kartoffel-, Gerste- und Weizenfeldern. Das Stroh wird in grossen runden Haufen geschichtet und sieht aus wie kleine Hütten. Ab Alausi schrauben wir uns wieder mühsam bergauf. Steil am Abgrund stehen immer wieder einige Kreuze zum Gedenken an hier Verunglückte, deren Bremsen versagt haben und die daher in den Abgrund gestürzt sind. Häufig liegen grosse Felsbrocken und Geröllschutt auf der Fahrbahn, die teilweise auch Schotterpiste ist und kein schnelles Vorwärtskommen ermöglicht.


 

 Auf 3400 Höhenmetern wachsen grosse blaue Lupinenfelder, das sieht wunderschön aus. Dann kommen wir wieder ins Paramo, wo nur noch karge Vegetation vorherrscht und hauptsächlich golden glänzendes Ichugras wächst, das u.a. für die Dächer der Hütten und Häuser verwendet wird. Wir halten bei einem Quinoafeld, diesem ältesten Getreide der Welt, das man bei uns auch in Bioläden erhält. Man nennt es auch Andenhirse.

 Schliesslich fahren wir flott durch ein Tal, in dem die kleinen, traditionell gekleideten Indiofrauen grosse Bündel Gras oder Getreide schleppen. Die Menschen verschwinden fast unter ihrer Bürde. Es ist ein mühsames und karges Leben hier oben.

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Der 5.319 Meter hohe Vulkan namens Altar ist schwach erkennbar, ebenso der Puyol mit 4.155 Metern Höhe. Die Sonne musste inzwischen wieder den Wolken weichen. So ein Pech aber auch.

 In Riobamba mit ca. 120.000 Einwohnern, machen wir Station und Mittagspause. Wir besichtigen die Kathedrale mit der schwarzen Madonna, die sehr schlicht und mit viel unbearbeitetem Zedernholz ausgestattet ist. Für eine katholische Kirche sehr ungewöhnlich und mir daher viel sympathischer als die goldüberladenen Kirchen, die es sonst gibt. Wir laufen über das Kopfsteinpflaster dieser alten Stadt und haben den Eindruck, dass Tradition und Moderne hier eine gelungene Kooperation eingegangen sind.

 Die heutige Mittagspause war nicht nach unserem Sinne. Wir sind in eine Pizzeria eingekehrt, weil wir schnell essen wollten, um noch etwas von der Stadt zu sehen, aber wir hatten ein Abzockerlokal erwischt, in dem es elend lange dauerte, bis das Bestellte kam, das dann auch noch doppelt so teuer war wie sonst. Meine Spaghetti gab es gar nicht, was man mir erst nach 45 Minuten Wartezeit sagte. Daraufhin habe ich komplett verzichtet und mir ein paar Kekse genehmigt. Jedenfalls haben wir dadurch kaum etwas von Riobamba gesehen.


 

Als wir weiterfahren, ist der Himmel wieder so dick und grau verhangen, dass wir auch heute den König der ecuadorianischen Vulkane, den Chimborazo, nicht sehen können. Josef sagt, bei 9 x Durchfahren sieht man den Vulkan vielleicht 2 x. Er ist meist hinter Wolken versteckt. Und jetzt regnet es zum ersten Mal richtig auf dieser Reise, wenn auch nicht lange. Wir sitzen im Trockenen, nur der arme Sepp hat eine sehr anstrengende Fahrt zu machen, während wir vor uns hindösen können, wenn wir wollen.

 Auf den Reiseleiter sind wir inzwischen ziemlich schlecht zu sprechen, weil er so arrogant-zynisch und rechthaberich-belehrend ist und alles andere als freundlich-entgegenkommend. Er hat keinen Funken Humor, geschweige denn Witz und Charme. Manchmal sind wir echt sauer über seine patzig-aggressiven Antworten auf unsere Fragen, so dass wir kaum noch fragen. Dafür ist Sepp umso fröhlicher und fürsorglicher.

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Josef liest uns nun über die verschiedenen Barockformen vor im Hinblick auf die noch zu besuchenden Kirchen. Wir aber entdecken plötzlich die aus dem Vulkan Tungurahua aufsteigenden Aschewolken und sind ganz aufgeregt. Wir hatten ja alle in Deutschland von diesem Vulkanausbruch gehört und gelesen, und da wir diesen Vulkan nun unmittelbar vor uns sehen, ist unsere Aufregung sicher verständlich. Nicht so bei Josef, der beleidigt Buch und Mikrofon hinwarf und schwieg. Über den Barock kann jeder jederzeit nachlesen, soviel er mag, aber einen aktiven Vulkan kann man eben nicht jederzeit erleben, und wir sind nur einmal im Leben hier. Der Mann verhält sich völlig falsch, vermutlich hat er mit sich selbst die grössten Probleme.

 Je näher wir Banos kommen, desto klarer sehen wir den Vulkan mit seinen 5.023 Metern Höhe und die inzwischen erstarrten Lavaströme, die an der Westflanke den Berg hinab geflossen sind. Für uns ist das eine ganz aufregende Sache.

 Banos ist ein nettes kleines Städtchen mit Thermalbädern, das touristisch erschlossen ist, und hier sehen wir zum ersten Mal eine grössere Anzahl Touristen, meist mit Rucksack und auf eigene Faust unterwegs. Ein Lokal reiht sich an das nächste, es gibt gemütliche Cafés und viele Läden aller Art. Eine Bäckerei mit Lokal ist dort, wo es sogar Vollkornbrot gibt und alle Speisen in fünf Sprachen angegeben sind.

 Beim überdachten Markt sehen wir eine Menge Meerschweinchen auf Spiessen über dem Grill liegen. Kopf und Füsse sind noch dran, das sieht schon sehr eigenartig und ungewöhnlich aus. Eines unserer Paare kauft sich so ein Meerschweinchen für das Abendessen.


 

 In diesem Markt gibt es ganze gegrillte Schweine mit Kopf und Lebensmittel aller Art. In vielen Läden werden Leckereien aus Zuckerrohr angeboten. Ich entdecke hübsche kleine Tukane aus Balsaholz und kaufe einige. Bei einem anderen Stand finde ich schöne weiche Handschuhe aus Lamawolle, die ich ebenfalls kaufe. Hier würden wir gerne länger bleiben und stöbern und geniessen und beobachten, aber wir fahren zu einem grossen Hotel am Stadtrand, wo wir heute übernachten werden. Wir sind die einzigen Gäste, denn seit dem Vulkanausbruch haben alle anderen abgesagt. Alle haben Angst vor einem erneuten Ausbruch. Wir stehen im Hof des Hotels und hören das Grollen des Vulkans, das sich wie entferntes Donnern anhört. Kurz danach spuckt der Berg wieder eine dicke Asche- oder Dampfwolke in den Himmel. Wir stehen staunend und fast ehrfürchtig davor. Wer hätte gedacht, dass wir mit dem Rotel am Fusse eines aktiven Vulkans übernachten würden?

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Beim Abendessen leistet uns wieder ein netter Hund Gesellschaft. Er bekommt die ganze Meerschweinchenhaut und die Knochen und will danach von unseren Nudeln nichts mehr wissen. Ist also auch schon ein Feinschmecker. Das Meerschweinchenfleisch soll so ähnlich wie Kaninchen schmecken. Ich habe es aber nicht probiert.

 Wieder ist es Sonntag, der 30.07.06. Kurz nach 5.00 Uhr weckt mich Marion, weil der Vulkan wieder ausgebrochen ist. Und in der Tat sehen wir jetzt vor nachtschwarzem Himmel glühende Felsbrocken und rote Lava aus dem Vulkanschlot schiessen und rechts den Berg hinabrollen, dazu ein unheimliches Grollen. Wir stehen total fasziniert davor und können kaum glauben, was wir sehen. Immer wieder kommt eine neue Welle von rotglühenden Felsbrocken und Lava. So nach und nach machen wir alle mobil, und wer noch rechtzeitig aufstand, konnte das Schauspiel erleben. Sobald es jedoch hell wurde, konnte man mangels Kontrast keine glühenden Felsbrocken und Lava mehr erkennen, wohl aber die kompakten Asche- und Wasserdampfwolken, die nach jedem Grollen ausgestossen wurden.

 Bald sitzen wir beim Frühstück und haben unsere Hocker so ausgerichtet, dass man immer auf den Vulkan schauen kann. Auf dem Gipfel des Vulkans davor liegt eine dicke Eisschicht. Ein Stück unterhalb dieses Gipfels treten kranzförmig heisse Dämpfe aus, und ich habe den Eindruck, dass hier irgendwann der ganze Gipfel des Berges wegfliegen kann. Das ist so ein Sonntagmorgen, den man nicht mehr vergessen wird.


 

 Trotz Vulkanschauspiel fahren wir um 8.00 Uhr los nach Osten in den Amazonasregenwald, dem nächsten Höhepunkt der Reise entgegen. Durch die enge Schlucht des Rio Paztaza fahren wir durch hoch aufragende Berge rechts und links von uns. Durch die mineralreiche Vulkanerde ist die Landschaft sehr fruchtbar und dicht bewachsen. Hinter jedem Berggipfel taucht der nächste und übernächste auf, es ist eine gigantische Bergwelt.

 An einem grossen Wasserfall machen wir Halt, und Marion und ich fahren mit einem Korb, der an einem Drahtseil hängt, über den reissenden Fluss. Wir haben einen schönen Blick auf den donnernden Wasserfall und auf die schönen Auswaschungen, die der Fluss im Laufe der Jahrtausende geschaffen hat. Die Temperatur ist angenehm, und auch die Sonne meint es im Moment gut mit uns. Wir fühlen uns sehr wohl und freuen uns, dass wir leben und dies alles sehen und erleben können.

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Weiter geht es nun durch einen Tunnel nach dem anderen, immer weiter durch die Schlucht des Rio Paztaza. Die schroffen und steilen Hänge sind üppig grün bewachsen und soweit wie irgendmöglich auch bis in extreme Steillagen bebaut. Sogar Gewächshäuser aus Kunststoff für die Rosen- und Schnittblumenzucht hat man irgendwie an die Hänge „geklebt“. Wir können immer nur wieder staunen, dass Menschen in derartigen Steillagen überhaupt arbeiten können.

 Es wird immer wärmer und feuchter. Herrliche grosse rosa Orchideen blühen am Berghang ebenso wie Epiphyten. Jetzt sind wir bereits im Oriente, dem Amazonastiefland. Wir fahren durch einen kleinen Ort namens Shell, weil diese Erdölgesellschaft hier viel für die Infrastruktur getan und sogar einen Flugplatz gebaut hat. Nicht jedoch für die Bewohner, sondern aus purem Eigennutz, denn hier fördert Shell Erdöl und hat dabei auch eine sehr grosse Umweltzerstörung im Regenwald zu verantworten. Die Lebensgrundlage vieler Indios ist dadurch zerstört worden. Erdöl ist das Hauptexportgut Ecuadors. Wir tanken in Shell. Der Tankwart meint, dass wir heute absolutes Wetterglück haben mit wolkenlosem Himmel und Sonnenschein. Normal ist bleigrauer bewölkter Himmel, aber das hatten wir ja in den vergangenen Tagen mehr als genug.

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Im Städtchen Puyo kauft Sepp wieder einen Schwung Brot für uns bzw. es sind meist ziemlich fade, langweilig schmeckende Weissbrötchen. Wir decken uns für ein Picknick im Freien ein und entdecken bei der Suche danach eine Konditorei, in der es lila und rosa und hellgrün dekorierte Torten und auch feinen Joghurt nach Schweizer Rezept gibt.

 Auf Rüttel- und Schüttelpiste zotteln wir weiter. Josef liest uns weiter die sehr interessante Geschichte der Entdeckung des Amazonas und seiner Mündung in den Atlanktik vor. Irgendwo unterwegs machen wir Buschpicknick und staunen wieder über die vielen herrlichen Schmetterlinge, die es hier in Mengen gibt. Dotter- und zitronengelbe, knallrote und rostfarbene und schwarze Mariposas (spanisch für Schmetterling) flattern hier herum. Eine richtige Augenweide ist das für uns, weil in Deutschland die Schmetterlinge so selten geworden sind. Schöne Heliconien begleiten uns die ganze Zeit in voller Blüte. Die Sonne brennt stechend herab, und es ist sehr schwül. Überall stehen Pfützen voll Wasser, und wir glauben schon, dass es hier jeden Tag richtig schüttet.


 

 Wir rumpeln mit maximal 30 kmh dem Regenwald entgegen und sind froh über die Klimaanlage. Die vereinzelten Holzhütten sind alle auf Stelzen gebaut. Auf einmal hört die Piste auf, und wir rollen auf Teerstrasse weiter. Wir sind hier am Rande der „grössten Lunge der Welt“, wie der Amazonasregenwald auch genannt wird.

 Schliesslich kommen wir zum Rio Napo, einem der grössten Zuflüsse zum Amazonas, und laufen zu Fuss über die Brücke. Die schwüle Hitze haut uns fast um, als wir aus dem Bus steigen. Hier wächst die „Rose von Venezuela“, ein riesengrosser Baum voll kleiner, aber umso zahlreicheren roten Blüten. Die Gegend ist sehr dünn besiedelt. Zu jeder Hütte gehören Bananen, Papayastauden und Maniok. Von den tropischen Regengüssen werden 70 – 80% von den Baumkronen und Blättern aufgefangen und wieder in die Atmosphäre abgegeben, nur ca. 20 % erreichen den Waldboden. Hier blühen herrliche Heliconien, die überall aus dem Blätterwald in rot-gelb leuchten. Die Stämme der Bäume sitzen voller Bromelien und anderen Epiphyten. Auch die grossen, gelb blühenden Ipébäume sehen wir hier zum ersten Mal häufig.

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Wir kommen im kleinen Ort Misuahalli an, dessen Dächer meist mit dem hässlich verrosteten Wellblech gedeckt sind. In der Mitte des Ortes gibt es eine Plaza, ringsherum sind kleine Läden und Lokale und kleine Reiseagenturen für Touren in den Dschungel angesiedelt. Eine Horde kleiner Affen turnt herum und ärgert die kleinen Hunde, die hier herumlaufen. Auch eine Menge Rabengeier warten auf Beute jeglicher Art. Wir haben unseren Übernachtungsplatz am Ortsanfang bei einer Bungalow-Hosteria mit einem erhöht gelegenen grossen Freiluft-Aufenthaltsraum, von wo aus wir einen schönen Blick auf den Ort und den Rio Napo haben. Wir sind auch hier die einzigen Gäste.

 Bei unerträglich feuchtheisser Luft laufen wir träge hinter Josef her zum Schmetterlingsgarten, den uns ein Einheimischer namens Pepe Gonzalez sehr gut erklärt. Pepe ist ein überaus sympathischer Mann, der als Autodidakt im Laufe von vielen Jahren sich ein enormes Wissen über den Regenwald und seine tierischen und pflanzlichen Bewohner angeeignet hat. Er hat hier die Ecoselva-Agentur (Ökowald-Tourismus) gegründet und führt regelmässig Wanderungen in den Regenwald und Bootsfahrten auf dem Rio Napo durch. Auch diesen Schmetterlingsgarten hat er alleine auf die Füsse gestellt. Vom Schmetterlingsei über die Raupe und den Kokon bis zum fertigen Schmetterling zeigt er uns den Werdegang. Auch einige 12-15 cm grosse Herkuleskäfer hat er, das sind schon Riesenkäfer.

 Im eigentlichen Schmetterlingsgarten sehen wir dann sehr viele Schmetterlinge in allen Grössen und Farben. Uns beeindruckt besonders der wunderschöne grosse blaue Morpho, der in herrlich leuchtenden Blautönen schillert. Leider ist er ein unruhiger Geselle, der sich einfach nicht fotografieren lässt.


 

 Anschliessend schlendern wir über den Dorfplatz zum Fluss, in dem viele Einheimische baden, denn heute ist Sonntag. Dort liegen auch die schmalen langen Holzboote für die Flussfahrten. Eines davon werden wir morgen besteigen. Überall am Ufer und in den Bäumen springen kleine freche Affen herum. Urplötzlich beginnt es zu regnen, und wir spurten unter den nächst erreichbaren Dachvorsprung. Der Regenguss dauert nur kurz, aber die Luft ist zum Schneiden dick. Dieses Klima mag ich gar nicht, und prompt wird mir schwarz vor Augen, obwohl ich Salztabletten geschluckt und reichlich getrunken haben. Da heisst es, ganz langsam bewegen.

 Abends kühlt es jedoch etwas ab. Gegen die vielen Insekten hier stellt Sepp drei Ventilatoren in unseren Schlafanhänger, so dass wir ganz unerwartet gut schlafen können.

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Der nächste Morgen empfängt uns angenehm warm und klar. Wir frühstücken fürstlich mit Blick auf den Rio Napo. Um 7.45 Uhr laufen wir zu Fuss nach Misuahalli hinein zur Agentur von Pepe, die in ein nettes kleines Restaurant integriert ist, das von seiner Frau geführt wird.

 

Hier liegt ein ganzer Berg von Gummistiefeln, aus dem sich jeder ein passendes  Paar heraussucht. Ich habe zwar verschiedene Grössen an, aber immerhin kann ich damit laufen. Wir gehen zum Fluss und steigen in eines der langen schmalen Holzboote und setzen uns immer zu zweit auf schmale kleine Holzbänkchen. Ein langes Verdeck ist über das ganze Boot gespannt als Schutz gegen Sonne und Regen.

 Und dann fahren wir auch schon los auf dem Rio Napo, der hier etwa 300 Meter breit ist, aber zur Zeit relativ wenig Wasser führt, da keine Regenzeit ist. Dann ist der Wasserpegel etwa 2-3 Meter höher. Wir sehen daher viele Sand- und Steininseln und –bänke. Ab und zu schrammt unser vollgeladenes Boot auch schon mal über die Steine, weil der Tiefgang des Wassers nicht reicht. Es gibt immer wieder Stromschnellen, und das Wasser fliesst sehr schnell. Und dann – mitten in heftig dahinschiessenden Stromschnellen – bleibt unser Boot stecken. Josef, Andreas und ich krempeln rasch unsere Hosenbeine hoch und steigen barfüssig in den reissenden Fluss und schieben kräftig, bis das Boot wieder in tieferem Wasser dahingleitet. Flott springe ich auf den Bootsrand, denn die Strömung ist stark.


 

 Und so fahren wir weiter auf dem Fluss dahin. Pepe steht zeitweise am Bug mit einer Stange und stakt uns weiter, wenn der Motor ausgemacht werden muss, da sonst die Schiffsschraube an den Steinen beschädigt wird mangels Tiefgang. Nach etwa 30 Minuten verlassen wir den Rio Napo und biegen ab in einen Nebenfluss, den Rio Arayuna, der wesentlich schmaler ist, aber seine Ufer sind viel üppiger bewachsen mit vielen Heliconien, zahllosen Farnen, Orchideen und unbekannten Pflanzen und Bäumen. Eine ganz ursprüngliche Vegetation finden wir hier vor, und tatsächlich handelt es sich um Primärwald, der nie von Menschen verändert wurde. Wie schön, dass es das noch gibt und dass sich Menschen finden, die ihn schützen. Ich bin von dieser Flora total begeistert.

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Nach ca. 1 Stunde Bootsfahrt legen wir am Ufer an und stapfen dann mit unseren Gummistiefeln hinter Pepe her. Der schmale Pfad ist voller Wurzeln und Blätter und ziemlich schlammig. Es geht teilweise sehr steil bergauf und bergab. Immer wieder erklärt Pepe Pflanzen, Vogelstimmen, Blüten oder was auch immer Interessantes zu entdecken ist. Hier wachsen Philodendronarten, wilder Kakao mit herrlichen roten Blüten, Acanthus, Diffenbachien, Palmen und Lianen wie z.B. auch die Anaconda-Liane, die einen Baum zum Absterben bringt. Diese im Alter gigantische Liane beginnt als winzig kleine gelbe Sternblüte am Waldboden. Kaum zu glauben, dass dieses zarte Blümchen zu so einer Mörderpflanze heranwächst.

 

Pepe kennt sich auch mit den Heilpflanzen des Regenwaldes aus und zeigt uns etliche. Einige wirken z.B. gegen Magengeschwüre und Krebs, anderen gegen Rheuma und Rückenschmerzen. Eine ovale, sehr schöne rote Blüte heisst „Frauenlippen“, und in der Tat sieht die Blüte sehr ähnlich aus.

 Auch die bis zu 30 cm hohen Röhren der Röhrenwürmer sehen wir häufig. Diese Würmer werden bis zu 120 cm lang. Spinnen sehen wir oft, auch giftige sind dabei. Wir sollen uns nach Möglichkeit nie an Baumstämmen festhalten oder hochziehen, wenn wir bergab oder bergauf laufen, weil es hier jede Menge Feuerameisen gibt, deren Biss sehr schmerzhaft und lange wirkend ist.


 

 Manchmal wird es wirklich schwierig, auf dem steilen und glitschigen Pfad ohne Stock und Halt weiter zu kommen. Instinktiv greift man nach dem nächsten Ast oder Stamm und zuckt im letzten Moment zurück, wenn einem die Feuerameisen oder Schlangen einfallen.

 Stellenweise wird der Pfad sehr schlammig, und der Modder geht uns bis zu den Knöcheln. Jedes Schwein hätte hier sein Paradies gefunden. Marion haut es ordentlich hin in diesem Schlamm, aber ihre Kamera hat sie gerettet. Sie hat heute sinnigerweise eine schlammfarbene Trekkinghose angezogen, so dass der getrocknete Schlamm nachher überhaupt nicht auffällt.

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Pepe erklärt uns die vielen Vogelstimmen, die wir hören. Aber wir sehen keinen einzigen, weil sie alle in den hohen Baumkronen leben, während wir hier unten im Dämmerlicht durch den Dschungel laufen. Aber wir sehen dafür viele wunderschöne Schmetterlinge, die dieses Dämmerlicht mögen. Auch den grossen blauen Morpho haben wir vor allem über dem Fluss mehrfach gesehen. Unterwegs entdeckt Pepe einen wilden Zitronenbaum. Ich schenke ihm ein gutes Taschenmesser, das er auch gleich gebraucht und zwei dieser dicken, knubbeligen Zitronen für uns in Schnitze schneidet zum Probieren. Mann, sind die sauer!

 Es ist so stickigheiss, dass uns der Schweiss nur so runterrinnt. Dann kommen wir in das von den Huaorani-Indianern bewohnte Gebiet und dürfen den Schamanen besuchen, mit dem Pepe befreundet ist. Es ist ein älterer, sehr schmaler Mann mit einem freundlichen Gesicht. Zur Begrüssung werden nur kurz die Handflächen aneinander gelegt, keinesfalls darf die Hand gepackt und geschüttelt werden wie bei uns. Der Schamane heisst Rafael. Seine Hütte ist aus Holz auf Stelzen gebaut, ein Junge – vermutlich sein Enkel – schaut zu uns herunter. Auf einem Trockengestell liegen kleine reife Bananen, die wir angeboten bekommen.

 Ein ganzer Heilpflanzengarten ist rund um die Hütte angebaut, weil der Schamane ja auch Heiler ist und sich mit den Pflanzen des Urwaldes bestens auskennt. Auch ein Achotestrauch wächst in seinem Garten. Die Samenkapseln sind etwa walnussgross und dunkelrot. Die kleinen Samenkörner im Inneren sind weich, und wenn man sie zwischen den Fingern zerdrückt, erhält man eine leuchtendrote Farbe, die die Indianer für ihre Bemalungen verwenden. Sie färben sich auch die Haare damit. Pepe zerdrückt einige Samen und schminkt mir damit die Lippen und die Wange. Josef meint, dass die Farbe eine Woche lang nicht mehr abgeht. Das wäre mir nicht so recht, vor allem der rote Strich auf der Wange. Aber gut, ich werde schon sehen, wie ich damit klarkomme. Abends war die Farbe dann doch wieder weg.


 

 Nach drei Stunden kommen wir an einer anderen Stelle wieder an den Fluss, wo unser Boot mit dem Mittagessen schon auf uns wartet. Pepe’s Frau hatte ein leckeres Reis-Gemüsegericht mit Rosinen gekocht, das in einer Box warmgehalten wurde. Die Portionen wurden auf Tellern mit einem Löffel verteilt. Da ich mich mal in die Büsche geschlagen hatte, kam ich zuletzt dran. Da gab es keine Teller mehr, und so rollte Pepe ganz flink ein Bananenblatt zurecht und servierte mir den Reis ganz originell in dem Bananenblatt. Es schmeckte sehr gut. Die Variante mit den grossen Rosinen werde ich mir merken. Als Nachtisch gab es Scheiben von pflückreifen, leckeren Ananas. Pepe ging dann nochmal mit dem Ananas-Tablett herum, niemand wollte die letzte Scheibe nehmen, bis er zu mir kam. Warum sollte ich das letzte Stück nicht nehmen? Ich nahm es also und daraufhin meinte er, ich hätte Glück und würde noch dieses Jahr heiraten. Oh nein, lieber nicht!

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Nach dem Essen zeigte Rafael uns noch, wie Gold gewaschen wird, denn häufig an den Ufern hatten wir Indios beim Goldwaschen gesehen. Für 1 Gramm Gold gibt es etwa 15 Dollar. Aber es ist ein sehr mühsames Geschäft.

 Wir steigen wieder in unsere Boote und fahren ca. 1 Stunde zu einem Tierauffanglager mitten im Regenwald. Hier werden verletzte Wildtiere gepflegt und nach Möglichkeit wieder in die Freiheit entlassen. Auch Wildtiere, die auf Märkten zum Kauf als Haustier angeboten werden, werden konfisziert und hier wieder auf die Wildnis vorbereitet. Oft wurde jedoch das Muttertier getötet, um an das Jungtier zu kommen, das dann nie Jagen lernt bzw. wie es sich selbstständig ernähren kann, und solche Tiere kann man nicht mehr in die Wildnis entlassen. Sie bleiben dann ständig in diesem Urwaldgehege. Ein junger Schweizer absolviert hier ein dreimonatiges Praktikum und erklärt uns mit viel Leidenschaft alle Tiere. Da gibt es Capybaras (Wasserschweine, die grössten Nagetiere der Welt), Halsbandpekaris, Agutis, Ozelots und Jaguarundis (kleine Panther), Woll- und Krallenaffen, Totenkopfäffchen und wunderschöne knallrot-bunte und blau-gelbe Aras sowie viele Papageien in Grüntönen in grossen Volieren.

 Bei heisser Sonne gleitet unser Boot durch Stromschnellen an herrlichen Ufern voll üppigster Vegetation entlang, vorbei an grossen Halbinseln voll dicker schöner Steine, an Sandinseln und –buchten entlang und dann wieder auf dem breiten Rio Napo. Die tiefstehende Sonne verzaubert den Regenwald und den Fluss. Einige Indianerinnen waschen die Wäsche im Fluss, andere baden oder waschen Gold.


 

 Nach 10 Stunden kommen wir müde aber glücklich über diesen schönen Tag wieder in Misuahalli an, kaufen im Laden noch Wasser für den nächsten Tag und beobachten die vielen Affen, die hier herumturnen mitten im Ort. Bald gibt es Abendessen, und nach einer erfrischenden Dusche sitzen wir noch eine Weile zusammen und lassen den Tag noch mal vor unserem geistigen Auge vorbeiziehen. Wir sind alle total begeistert und freuen uns noch im Nachhinein über unser Wetterglück.

 Heute ist Dienstag, der 1. August. Nachts gegen 3.00 Uhr beginnt es zu regnen, um 6.00 Uhr hört es für 20 Minuten auf, und gerade, als wir uns im Freiluftlokal zum Frühstück setzen, geht ein wahrer Tropenguss nieder. Es schüttet wie aus Eimern, und wir beobachten fasziniert, wie sich alles um uns herum verändert. Dicke feuchte Schwaden ziehen über den Fluss, den wir jetzt nur noch ahnen können, so dicht fällt der Regen. Zahllose Rabengeier sitzen mit eingezogenen Köpfen auf der Brücke über dem Rio Napo, alle Affen sind verschwunden, kein Mensch ist zu sehen. Alles trieft, und dicke Nebelschleier liegen über dem Regenwald. Die Temperatur ist aber angenehm.

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 Bei strömendem Regen fahren wir los nach Nordwesten über Tena und Baeza in Richtung Hochanden, denn am Abend wollen wir wieder in Quito sein. Das wird wieder ein schwerer Tag für Sepp am Steuer werden.

 Die kleinen Flüsse sind durch den andauernden Regen im Nu stark angeschwollen und wahre Wassermassen stürzen schmutzigbraun zu Tal. In Teno, einem kleinen, aber für die Region wichtigen Städtchen, stehen die Leute im Regen Schlange vor einer Bank, denn heute ist der 1. Die Leute haben kein Vertrauen in die Bank und holen daher immer am 1. ihr ganzes Geld von der Bank. Keiner macht daher Daueraufträge. Lieber stehen die Leute stundenlang an und tätigen Ihre wiederkehrenden Zahlungen Monat für Monat neu.

 Wir indessen rumpeln bei strömendem Regen auf schlammig-steiniger Piste mit 20-30 kmh und stellen uns vor, dass wir solchen Regen am Vortag gehabt hätten. Dann wäre weder die Bootsfahrt noch die herrliche Wanderung möglich gewesen. Da hatten wir also ein Riesenglück.

 Josef informiert uns über Politik und Land und Leute, über die Korruption im Land und die Geschichte. Inzwischen sind wir schon wieder auf 1300 m.ü.M. und befinden uns damit an den Osthängen der Anden im Nebelwald. Es regnet immer noch, und inzwischen ist es merklich kühler geworden.  Wir schrauben uns  rumpelnd die elende Piste hoch von Schlagloch zu Schlagloch in dieser kaum besiedelten Einsamkeit durch wunderschöne dichte Vegetation am Wegesrand. Rechts von uns liegt der 3.730 m hohe Vulkan Sumaco und der dazugehörige Nationalpark. Links liegt der Vulkan Antisana mit 5.738 Metern, die uns beide leider unter Nebel und Wolken verborgen bleiben. Wir geben langsam die Hoffnung auf, doch noch schneebedeckte Riesenvulkane zu Gesicht zu bekommen.


 

 Unser Weg ist äusserst mühsam, und der Bus quält sich durch zahllose Schlaglöcher die ständig steigende Piste empor, die nach 22 km endet. Für diese kurze Strecke haben wir über 2 Stunden gebraucht. Nun können wir auf Teerstrasse weiterfahren und sind jetzt auf 2.300 m.ü.M. Draussen ist es ungemütlich, wie wir bei unserer Buschpause feststellen mussten. So nach und nach ziehen wir wärmere Kleidung an. Die Fenster sind beschlagen, und die Klimaanlage läuft ununterbrochen. Das ist kein Fotowetter heute.

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Die Flüsse, die hier an der Ostseite der Anden entspringen, sind nur ca. 300 km vom Pazifik entfernt, aber durch die Barriere der Anden fliessen sie alle ostwärts in den Amazonas und erreichen erst nach 3 bis 4000 KM den Atlantik.

 Im kleinen Städtchen Baeza machen wir Mittagspause und essen Huhn mit Reis und Salat für 1,50 Dollar. Und es schmeckt gut. Heute hat der Regen das Sagen.

 Die Berge um uns herum werden immer höher, die Schluchten tiefer, und zahllose Wasserfälle stürzen in tosende, reissende Andenflüsse. Dicht überwucherte, schroffe Abhänge voller Farne, Moose und Orchideen begleiten uns. Nur selten begegnet uns ein Bus oder ein LKW, sonst ist kein Mensch unterwegs. PKW’s gibt es kaum.

 Unsere Strasse wird immer häufiger von Schotterstellen und Strassenbauarbeiten unterbrochen. Dort steht dann jeweils ein Schild: Achtung, arbeitende Männer. Offenbar muss man hier darauf hinweisen, dass es auch arbeitende Männer gibt…! Viele Bäume dicht voller Epiphyten, Bromelien, Farnen und Flechten säumen unseren Weg. Eine phantastische, wundervolle Gebirgslandschaft ist das.  

 Wir erfahren, was die Konquistatoren alles nach Südamerika brachten und nicht nur fortnahmen wie z.B. eine einheitliche Sprache, sämtliche Haustiere Europas und viele Nutzpflanzen und Blumen. 

 In Städtchen Papallacta windet sich die Erdölpipeline aus dem Oriente nach Esmeraldas in Nordwestecuador und überwindet dabei 3500 Höhenmeter.

 Immer wieder fahren wir auf Piste durch unzählige Schlaglöcher. Der Nebel hüllt uns komplett ein, es ist fast ein bisschen gespenstig. Der Regen hat inzwischen etwas nachgelassen. Bald sind wir wieder auf der Paramohöhe, wo es kaum noch Bäume gibt, dafür wieder das leuchtende Ichugras. Meter für Meter erkämpft sich der Bus an Höhe, bis wir schliesslich den Papallacta-Pass auf 4.062 Metern erreicht haben. Hier oben machen wir einen kurzen Fotostop mit Buschpause, und ich ziehe meinen Regenponcho an. Draussen geht ein eisiger, heftiger Wind, und es ist wahrlich ungemütlich. Trotzdem entdecke ich wunderschöne rosa Blüten, die sich an den Boden schmiegen, ausserdem weisse behaarte Blümchen. Kein Mensch hält sich an diesem nasskalten, windumtosten Pass auf, und auch ich spute mich und sitze gerne wieder im warmen Bus, mit dem wir auf der anderen Seite des Passes wieder hinab fahren.  

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Die Höhe macht mir Gott sei Dank kaum zu schaffen. Nur ab und zu wird mir ein bisschen schwindlig, was aber schnell wieder vergeht. Es ist ganz wichtig, ständig viel zu trinken, um das Blut flüssig zu halten, damit man genug Sauerstoff ins Gehirn bekommt.

 Links von uns sehen wir den El Tambo Vulkan mit 4.134 Metern Höhe, der keine Schneemütze trägt. Kurz danach reisst die Wolkendecke auf, und ein bisschen blauer Himmel zeigt sich. Im Tal tief unten scheint doch tatsächlich die Sonne. Rinderherden grasen und die ersten Felder tauchen auf. Damit sind wir wieder in besiedeltem Gebiet. Bald sehen wir den Vulkan Pichincha mit 4.794 m.ü.M. mit einer Wolkenmütze vor uns und zu seinen Füssen liegt Quito in der Sonne. Wir hätten nicht gedacht, dass wir die Sonne heute noch zu sehen bekämen.

 Links taucht jetzt der Atacazo-Vulkan mit 4.463 m.ü.M. auf. Je näher wir Quito kommen, desto wärmer wird es, und wir legen wie die Zwiebeln eine Schale nach der anderen ab. Oberhalb von Quito sehen wir die Spitze des Cayambe mit 5.790 Metern. Dieser Tag war total krass. Morgens sintflutartiger Regen im Amazonastiefland, dann die kargen eisigen Höhen des Paramo auf dem Papallacta-Pass vor 1 ½ Stunden und nun Sonne über der Millionenstadt Quito bei 23°.


 

 Bei der Einfahrt nach Quito fallen mir etliche Tierfutterläden auf, die ähnlich wie bei uns im Fressnapf die gleichen Futtermarken haben wir Chappi, Eukanuba und Whiskas. Das hatte ich hier nun wirklich nicht erwartet. Die Ecuadorianer sind offenbar grosse Tier- und vor allem Hundefreunde. Und Hunde gibt es in diesem Land wirklich in Mengen. Viele nette Mischlinge in allen Grössen und Varianten, aber auch eine Menge Rassehunde vom weissen Zwergpudel bis hin zum Schäferhund. Und sogar einen Bernhardiner haben wir gesehen und auch einen Zwergschnauzer. Das erstaunt mich sehr in einem Land, in dem 80 % der Bevölkerung in Armut lebt. Aber nirgends sah ich einen armen verhungerten Hund oder andere Tiere, denen es nicht gut ging. Vielleicht hängt das auch mit der Religion zusammen, denn 95 % der Bevölkerung sind katholisch. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Hauptteil der Bevölkerung indianischen Ursprungs ist, und bekanntlich ehren die Indianer alles Leben.

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Bald kommen wir wieder am mitten in der Stadt gelegenen Flughafen vorbei zu unserem schon bekannten Hotel Savoy Inn. Alle paar Minuten startet oder landet ein Flieger mit Getöse.

 Heute gibt es wieder die Koffer, und ich freue mich auf die Dusche und die frische Kleidung danach. Die Kleidung und auch die Filme gehen langsam aber sicher zur Neige. Aber 1-Dollarscheine habe ich noch viele, weil ich kaum was ausgegeben habe. Selbst verschenken ist hier gar nicht so einfach. Am ehesten trifft man bettelnde Menschen in der Nähe von Kirchen und Märkten. Aber sonst werde ich meine Dollars kaum los, die ich zu diesem Zweck mitgebracht hatte. Die Menschen hier sind sehr zurückhaltend, selbst die Kinder. Die vielen bunten Haarspängchen, die ich mitgenommen hatte, habe ich alle noch. Ich will ja niemandem was aufdrängen, und hier kamen bisher nie Kinder zu uns, wie ich das von anderen Reisen kenne. Die Ecuadorianer sind sehr dezent, zurückhaltend und freundlich und erinnern mich in der Tat an die so sympathischen Mongolen. Im Vergleich zu den mehr als aufdringlichen Madagassen empfinde ich diese zurückhaltende Freundlichkeit sehr angenehm.

 Sepp brutzelt heute wieder Lomo, das ist Schweinefilet mit Zwiebeln. Dazu gibt es Püree. Sehr lecker. Am Bus ist ein Gelenk durch Steinschlag kaputt gegangen, daher können wir am folgenden Tag nicht fahren, sondern bekommen einen Mietbus.


 

 Der nächste Morgen ist wunderschön sonnig und frisch, und wir haben einen klaren Blick auf den grünen Pichincha, der direkt vor uns liegt. Um 6.00 Uhr frühstücken wir schon. Die vielen kleine Hunde auf sämtlichen Dachterrassen in Quito kläffen sich ihren Morgenkommentar zu. Um 7.00 Uhr fahren wir mit dem Ersatzbus los. Derweil wird Sepp unser Rotel reparieren. Der Mann kann alles.

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 Wir fahren nach Norden am Äquatordenkmal vorbei in Richtung Otavalo und Meerschweinchensee, der Laguna Cuicocha. Bald haben wir Quito hinter uns gelassen und fahren im Sonnenschein durch die sanftgrüne Vulkanlandschaft. Hier fliesst der Chombe, in den die gesamten Abwässer von Quito nahezu ungeklärt geleitet werden und der in den Amazonas mündet. Erst jetzt langsam beginnt man zu begreifen und will Kläranlagen bauen. Um uns herum sehen wir Vulkanascheablagerungen, die sich zu mehrere hundert Meter hohen Tuffgesteinablagerungen komprimiert haben. Wieder fahren wir bergauf und bergab. Josef erzählt uns von der speziellen Tracht der Otavalo-Indianer. Die Männer tragen alle ihre langen schwarzen Haare zu einem Zopf geflochten. Wer sich die Haare nach westlicher Art abschneidet, schliesst sich aus der Gemeinschaft aus. Die Männer tragen alle weisse Hosen und einen Hut. Die Frauen hingegen tragen viele und dunkle Röcke, dazu weisse, bestickte Blusen. Hier wird sehr hochwertiger Tweed hergestellt, viel mehr als in England. Otavalo ist der Markt für Strick-, Stick und Webgegenstände und für Souvenirs aus Keramik, Balsaholz, Jade usw.  Die Otavalenos sind traditionsgebunden, aber auch international offen und sehr geschäftstüchtig. Dadurch sind sie inzwischen ein wohlhabendes Handelsvölkchen geworden.


 

 Auf unserer Fahrt sehen wir zahllose Gewächshäuser aus Kunststoff, in denen Schnittblumen und vor allem Rosen gezogen und in die ganze Welt exportiert werden. Nach und nach sehen wir einen Vulkan nach dem anderen: den 5.797 Meter hohen Cotopaxi, den Cayambe mit 5.700 Metern, dann den Cotacachi und den Imbabura und noch etliche. Ich kann mir langsam die ganzen Namen nicht mehr merken, so viele sind es.

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Bei der Laguna San Pablo machen wir Fotostop und Banos-Pause. Ein junges Mädchen in Tracht fährt dann ein Stück mit uns und singt uns in Quitchua einige Lieder vor. Anschliessend will sie uns ihre Webschals verkaufen. Am Ortsanfang von Otavalo steigt sie wieder aus. Wir fahren jedoch erst noch weiter zum Meerschweinchensee, auf den ich schon so gespannt bin. Ich dachte, der Name käme daher, weil hier so viele Meerschweinchen leben. Leider ist dem gar nicht so, denn hier ist eine heilige Stätte der Schamanen, die die Meerschweinchen als Medium nutzen und anschliessend schlachten, wie ich es zuvor schon beschrieben habe.

 Dieser schöne See liegt auf 3000 m.ü.M. in der Sonne glitzernd vor uns. Zwei kleine Inseln liegen darin, und früher mussten die heiratswilligen jungen Indianer zu einer der Inseln und zurück schwimmen. Schafften sie das, galten sie als stark genug für die Ehe.

 Wir laufen einen schmalen Höhenweg oberhalb des Sees entlang und finden grosse Mengen langstieliger Orchideen und vieler anderer Blumen vor. Es ist ein romantischer, idyllischer Platz mit einem wunderbaren Blick auf den schönen See. Hier könnten wir es eine Weile aushalten und uns an den prachtvollen Blumen freuen, die wir teilweise noch nie gesehen haben. Aber Josef mahnt zur Eile, und so fahren wir rasch die halbe Stunde zurück nach Otavalo. Josef empfiehlt uns, die Menschen nur sehr dezent zu fotografieren und am besten vorher um Erlaubnis zu fragen. Keinesfalls dürfen wir Bettler oder betrunkene Indios fotografieren, das kann lebensgefährlich werden, weil die Indios sich bloss gestellt fühlen würden. Wir haben aber während der ganzen Reise keinen einzigen betrunkenen Indio gesehen.


 

 Der Indio-Markt von Otavalo ist wirklich eine Wucht. Von der Stadt selbst haben wir in der kurzen Zeit fast nichts gesehen, weil wir einem wahren Kaufrausch verfallen sind. Wunderschöne Trachten, interessante Menschen und süsse Kinder haben die Indios. Und der grosse Marktplatz ist ein Eldorado zum Stöbern und Staunen und Feilschen und Kaufen. Herrlich farbig präsentieren sich die vielen Pullover und Jacken aus Lama- und Alpakawolle, die schönen Teppiche und Wandbehänge, die Blusen und Taschen und die Keramik- und Steingegenstände. Man könnte stundenlang hier durchziehen und entdeckt immer wieder etwas anderes.

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Marion, Ute, Andreas und ich fördern die ecuadorianische Wirtschaft nach Kräften und jeder von uns schleppt danach einen grossen Sack voller Pullover, Jacken, Handschuhe usw. vom Markt, alles aus feinster Wolle. Die HändlerInnen hatten mit uns genau so viel Spass wie wir mit ihnen. Es war wirklich ein reines Einkaufsvergnügen. Wenn ich mehr Transportmöglichkeiten gehabt hätte, hätte ich noch viel mehr Jacken und Pullover gekauft. So aber setzte mir der Koffer Grenzen auf, und in der Tat musste ich mich später darauf setzen, um ihn überhaupt noch zumachen zu können.

 Zwischendurch gehen wir in ein Hähnchen-Restaurant, wo es ausgewachsene Hühner/Hähnchen von einem Grill gibt, der mittels Keilriemen über echter Holzkohle angetrieben wird. Andreas hat wohl die Grösse dieser Hühner nicht richtig eingeschätzt, als er sich ein halbes Hähnchen bestellt, denn was er dann auf dem Teller hat, entspricht ungefähr einem ganzen Hähnchen bei uns. Unsere Hähnchen sind ja nur gerade mal 35 bis 38 Tage alt, während diese Hähne oder Hühner hier ausgewachsen sind, bevor sie auf den Grill kommen. Kurzum, Andreas hatte also eine gigantische Menge Hähnchen plus Reis plus Fritten vor sich auf dem Tisch und machte grosse Augen. Er gab sich zwar alle Mühe, aber ganz geschafft hat er’s nicht. Wir übrigen hatten ¼ Hähnchen bestellt und ebenfalls eine gehörige Portion bekommen, dazu der obligatorische Reis, die Fritten und noch Salat. Auf einmal kommen drei Musiker in ihren Trachten und spielen diese herrliche Andenmusik, die ich so schön finde. Natürlich kaufe ich ihnen eine CD ab, die jetzt läuft, während ich diesen Bericht schreibe.


 

 Pappsatt von dieser „fetten Henne“ stürzten wir uns nochmals in das herrliche Marktgewühl und fanden noch ein paar schöne Sachen. Wieder im Bus zeigen alle ihre gekauften Schätze her, und es gibt viele Ah’s und Oh’s und Gelächter.

 Wir sind faul vom Kaufen und Essen, aber weiter geht es in kurzer Fahrt zum Peguche-Wasserfall, den wir durch eine kleine Wanderung durch einen Eukalyptuswald erreichen. Wie meistens, ist auch dieser Wasserfall eine heilige Stätte der Schamanen, die unter dem Wasser ihre negativen Energien abspülen. Es scheint auch ein Treffpunkt für Verliebte zu sein, denn etliche einheimische Pärchen sitzen turtelnd auf den Steinen im Fluss. Vielleicht ist der Fluss ja zu sonst noch was gut.

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Hier in Peguche gibt es auch ein Kinderheim, das von einer deutschen Stiftung finanziert wird und das um Spenden bittet.

 Im Hinterhof eines Hauses entdecken wir eine schwarze kleine Sau mit sieben süssen Ferkeln in braun und schwarz, die sehr fotogen sind. Wir fotografieren alle wie verrückt, und die Indiofrau davor kann gar nicht begreifen, was es da zu fotografieren gibt und wieso man Schweine ablichtet. Schliesslich möchte sie Geld dafür haben, da war ich allerdings schon weg, sonst hätte ich ihr schon was gegeben.

 Wir sitzen wieder im Bus und dösen vor lauter Müdigkeit vor uns hin und verpassen dabei den freien Blick auf den Schneegipfel des Cayambe. Herrschaft, da hätte uns der Reiseleiter ruhig wecken dürfen. Aber vermutlich hat er auch geschlafen.

 Am echten, also später korrekt ausgemessenen Äquator, halten wir auch noch. Eine Betonerdkugel, die mit dem grossen Denkmal des falschen Äquators nicht mithalten kann, steht hier. Sieht ganz so aus, als würde man sich für dieses Versehen schämen, dass man hier so ein mickriges Denkmal hingestellt hat.


 

 Wir fahren wieder auf der Panamericana nach Quito, das uns mit angenehmen 21° und abgasgeschwängerter Feierabendverkehrsluft empfängt. ASU und TÜV gibt es hier nicht.

 Heute ist das letzte Abendessen von Sepp angesagt. Es gibt einen feinen Eintopf aus allem, was von den letzten 14 Tagen übrig geblieben ist, wie er grinsend meint. Es schmeckt wie immer gut. Danach folgt die letzte Runde „Stadt-Land-Fluss“. 

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Der Donnerstag, der 3.8. beginnt sonnig, aber sehr kühl. Ich ziehe meine neue Alpaka-Jacke an, die wunderbar weich und herrlich warm ist. Bin ich froh, dass ich dieses schöne Stück gekauft habe. Andreas kommt an und meldet, dass der Cotopaxi komplett wolkenfrei mit seiner Schneehaube zu sehen ist. Wunderschön ist dieser erhabene Vulkan anzusehen. Vom 6. Stock des Hotels aus machen wir viele Fotos und freuen uns, dass wir ihn doch noch so schön zu Gesicht bekommen. Sepp meinte, dass der Cotopaxi heute der Fotopaxi sei. Da ahnten wir noch nicht, was der Tag noch für Überraschungen parat hatte.

 Heute ist die Stadtbesichtigung von Quito mit Besuch des Nationalmuseums angesagt, und ich bin nicht sonderlich gespannt darauf, denn Städte sagen mir im allgemeinen nicht soviel und Museen auch nicht. Aber in Quito kam es etwas anders, denn wir hatten hier einen Stadtführer namens Richard Hoffmann, ein in Ecuador geborener Schweizer, der fünf Jahre in Deutschland gelebt hat, und nun als Reiseleiter Quito, aber auch Gesamt-Ecuador vorstellt und begleitet. Schon nach fünf Minuten hatte dieser Richard unsere Sympathien gewonnen mit seinem Witz und Charme, mit seiner Freundlichkeit und seinem Entgegenkommen. Wir waren ja ziemlich Josef-geschädigt, und nun wurde uns praktisch vor Augen geführt, was einen guten Reiseleiter ausmacht und um wie vieles schöner und fröhlicher die Reise mit diesem Richard hätte werden können. Nun denn, wir wollten diesen Tag geniessen.  

 Richard gab uns jede Menge Informationen, u.a. dass die Pazifikplatte sich auch heute noch unter die Kontinentalplatte schiebt und dadurch die Anden pro Jahr um 4 cm anhebt (tektonische Kräfte). Hotspots sind durch vulkanische Eruptionen entstandene Landmassen, wozu auch die Galapagos-Inseln gehören.


 

 Ecuador hat ein schlechtes Bildungsniveau und ein schlechtes Gesund-heitswesen. Es ist ein Dritte-Welt-Land. Quito hat heute ca. 2,5 Millionen Einwohner und zieht sich 40 – 50 km lang von Norden nach Süden. Derzeit wird ein neuer Flughafen gebaut, der bis etwa 2010 fertig sein soll. Er liegt ausserhalb der Stadt.

 Der Hausvulkan von Quito, der Pichincha, ist 1999 zweimal ausgebrochen, die Aschewolken wurden 11 km hoch in den Himmel gepustet. Eine 2-5 cm dicke Ascheschicht hat die ganze Stadt bedeckt.

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Wir fahren nun auf der Avenida Amazonas, denn Richard hat uns angeboten, mit der seit einem Jahr bestehenden Seilbahn zum Vulkan Pichincha hinauf zu fahren und von oben die ganze Umgebung und Quito und die umliegenden Vulkane anzuschauen, auf die man heute eine ganz klare Sicht hat wie bisher noch nie. Wir freuen uns riesig über diese neue Variante, während Josef motzt deswegen. Er hätte nicht mal erwähnt, dass es diese Möglichkeit gibt, sondern nur das absolute Muss an Pflichtprogramm durchgezogen und uns dann Freizeit gegeben, damit er selber frei hat.

 Da die Seilbahn erst um 10.00 Uhr öffnet, besichtigen wir zuerst die zum Weltkulturerbe gehörende Altstadt von Quito. Sie hat die best erhaltene Altstadt von ganz Südamerika. Wir laufen durch die alten Strassen mit schönen Häusern und schmucken Balkonen, besuchen die Basilika, die Kathedrale und ein Kloster, Plazas und auch die total goldüberladene Jesuitenkirche La Compania. Da ich diese protzigen Kirchen überhaupt nicht mag, weil es die Kirchenfürsten immer verstanden haben, sich selbst ein Denkmal auf Kosten der armen Bevölkerung zu setzen, gehe ich auch nicht hinein. Bei den Kirchen gibt es Bettler, Blinde, Rollstuhlfahrer, Schuhputzer und viele alte arme Menschen. Und drinnen kleben die Millionen an den Altären in Form von Gold. Da kümmere ich mich lieber um die Armen, denen ich zwar kein Gold geben, aber wenigstens eine warme Mahlzeit ermöglichen kann.


 

Richard führt uns zu einem „Saftladen“ im wahrsten Sinne des Wortes, denn hier werden aus frischen Früchten und Gemüse herrliche Säfte frisch gepresst angeboten. Da wir viel trinken müssen wegen der Höhe, kommt uns das sehr gelegen. Richard ist offenbar überall bekannt wie in bunter Hund und sehr beliebt den Reaktionen nach zu urteilen. Vor allem die Frauen sind begeistert.

 An der Seilbahn müssen wir etwa 45 Minuten Schlange stehen, bis wir in der Gondel sitzen. In wenigen Minuten sind wir auf 4.100 Meter, wo uns ein kräftigkühler Wind empfängt, aber auch ein umwerfender Blick auf die unter uns liegende Stadt und vor allem auf die rings um uns herum zu sehenden Riesenvulkane. Am schönsten aber ist der Cotopaxi, ein Prachtstück von Vulkan mit seiner ebenmässigen Kegelform und dem wie mit Zuckerguss überzogenen Gipfel. Ein richtiger Traumvulkan ist das. Er liegt so klar und erhaben vor uns, dass wir gar nicht mehr aufhören können, ihn zu bewundern.

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Der Cayambe hat ebenfalls eine Schneehaube, der Antisana auch, dann sind da die zwei Illinizas, der Atacazo und die drei Pichinchas. Sogar die Aschewolken vom Tungurahua sind schwach zu erkennen und auch ganz schwach der Chimborazo. Hier ist jeder Gipfel ein Vulkan, und rings um uns herum ist ein Gipfel nach dem anderen. Einfach unglaublich ist diese Szenerie. Wir schauen und schauen und können es kaum fassen.

 Dann bekommt der Magen auch noch was, und dann geht es auch schon wieder mit der Seilbahn runter. Man kann auch zu Fuss in etwa 2 Stunden auf schmalen Pfaden den Berg hinablaufen, das hätte ich gerne gemacht, aber die Zeit reichte dafür leider nicht. Wir wollen oder müssen noch in das Nationalmuseum von Quito, das sich als wirklich wunderbar präsentiert und sogar mir gefällt. Richard erklärt uns den archäologischen und den Goldsaal so begeistert, dass er uns damit ansteckt. Im Goldsaal staune ich über den schönen Schmuck, der schon vor so langer Zeit von den Indios hergestellt wurde. Ganz besonders beeindruckend ist eine Häuptlings-Goldkrone in Strahlenform. Die Säle ab der Kolonialzeit schenken wir uns jedoch und haben nun noch eine knappe Stunde Freizeit in der Stadt.


 

 Dabei entdecken wir wieder einen Indiomarkt, der uns sofort in seinen Bann zieht. Wieder finden wir herrliche Pullover, Teppiche, Schnitzereien usw., man könnte stundenlang stöbern und auch die interessanten Gesichter der Indios studieren, aber im Nu ist die Zeit um und wir warten vor dem Hilton-Hotel auf unseren Bus, der uns durch die abgasverpesteten Strassen in unser Hotel bringt. Das war ein herrlicher letzter Tag.

 Am Abend ist das Abschiedsessen von Rotel angesagt, und pünktlich um 19.00 Uhr sitzen wir ziemlich schweigend im Restaurant des Hotels. Es gibt wieder Avocado mit Shrimpsfüllung, dann ein nicht zu kauendes Rindssteak, bei dem man sich irgendwann entscheiden muss zum Schlucken oder Spucken, sowie den obligatorischen Reis und hinterher einen Mini-Obstsalat aus der Dose. So wie das Essen war auch unser Eindruck vom Reiseleiter Josef. Andreas hat sich ein Herz gefasst und übergibt mit ein paar netten Worten die Briefumschläge mit dem Trinkgeld an Sepp und Josef. Daraufhin steht Josef auf und bemängelt als erstes die Übergabe des Trinkgeldes in einem Umschlag, was er unpersönlich findet. Da hätten wir ihn schon wieder würgen können. Ansonsten erinnert er noch daran, dass wir in der schriftlichen Beurteilung, die von Rotel kommt, daran denken sollen, dass er die volle Prämie erst aber einem Punktewert von 4,5 bekommt. Also das ist nun wirklich zuviel. Wenn er seinen Umschlag mit dem Trinkgeld öffnet, kann er sich ausrechnen, wie seine Beurteilung ausfallen wird. Die hat er nämlich schon in Händen.

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Sepp’s Umschlag hingegen ist zu recht prall gefüllt. Fröhlich und gut gelaunt bedankt er sich und gibt uns ein paar nette Worte mit auf den Weg. Wir sollen nur das Positive mitnehmen und weitergeben und das Negative vergessen. Tja, da hat er wohl Recht, aber leicht ist das manchmal nicht. Möge er noch lange die Kraft und noch oft Gelegenheit haben, Rotelgäste zu verwöhnen. Wer ihn als Fahrer und Koch hat, ist wirklich gut aufgehoben.

 Ich dusche noch in Ruhe und nachher sitzt unsere kleine Clique noch ein bisschen zusammen. Wir lassen den Tag und die Reise ausklingen.


 

 Der Freitag, 4.8. beginnt mit einem kalten, aber sonnigen Morgen. Der Cotopaxi hat sich heute ein paar Wolken um die Schultern gelegt, und auch ich habe meine neue Alpakajacke an, denn ich friere. Sepp hat das letzte Frühstück aufgebaut, danach müssen wir „den Löffel abgeben“, d.h. unser Geschirr und Besteck wird wieder abgegeben für die nächsten Gäste, die sich jetzt in Deutschland reisefertig machen und morgen Abend hier eintreffen werden. Nach dem Frühstück rechnet Josef die Nebenausgaben wie Eintritte, fakultative Ausflüge etc. ab, danach ist grosses Kofferpacken angesagt. Annette, Andreas und ich sind die einzigen, die nicht nach Galapagos fliegen, alle anderen packen eine Tasche mit 10 kg Maximalgewicht für die Woche auf den Galapagos-Inseln. Ihnen steht noch ein grosses Highlight bevor, während wir längst wieder in Deutschland sind.

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Ich suche meine Siebensachen zusammen und habe Mühe, meinen Koffer zu schliessen. So nehme ich die dicke Alpaka-Jacke raus und verstaue sie im Handgepäck, dann klappt es. Nun haben wir bis spätestens 14.00 Uhr Freizeit, dann werden die Galapagos-Flieger abgeholt, um 14.30 Uhr wir drei restlichen Deutschlandflieger. Und da Marion am Vorabend auf dem Indiomarkt ganz nette Mini-Lamas auf Zahnstochern gefunden hat und ich auch solche haben möchte, fahren wir also gemeinsam mit unserem fast ständigen Begleiter und Kavalier Andreas mit der Trollybahn in die Stadt. Dort laufen wir durch einen grossen Park, in dem viele Obdachlose herumliegen und wo es eine Menge Verkaufsstände der Indios gibt, die wir noch nicht kennen. Auch dort werden wir wieder fündig, gehen danach aber zu dem grossen Markt, den wir am Vorabend schon teilweise kennen gelernt haben. Schnell habe ich meine Mini-Lamas.


 

 Und beim weiteren Stöbern entdecke ich einen Bioladen, der Kakao und Kaffeespezialitäten anbietet, alles in Bio-Qualität und aus fairem Handel von kleinen Familienbetrieben. Dort entdecke ich Dschungelschokolade in mehreren Varianten, die ich unbedingt haben muss. Und dann bietet mir die Dame kleine Schokoladenstückchen an. Ich nehme eines und schmelze dahin wie diese wunderbare Schokolade auf meiner Zunge. Einfach traumhaft dieser edle Geschmack. Ecuador ist bekannt für seine hervorragende Kakaoqualität, das wusste ich schon vorher in Deutschland. Und so kaufte ich diese edle Schokolade zu einem stolzen Preis, die sehr werbewirksam in einem Baumwollsäckchen verpackt ist. Die Kaffeesorten duften auch sehr verführerisch, aber da setze ich Grenzen und wir ziehen weiter.

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Gegen Mittag finden wir ein nettes Lokal und essen noch mal was Gutes zum Abschied und geniessen frisch gepressten Ananassaft dazu. Marion fragt mich, ob ich den Kabevau gesehen habe. Keine Ahnung, was das für ein Vogel sein soll. Schliesslich klärt sie mich auf. Kabevau ist eine Abkürzung, nämlich k.b.V. für kleiner brauner Vogel, den man nicht kennt. Guter Witz und sehr passend in einem Land, in dem man fast keinen Vogel kennt.

 Nach dem Mahl genehmigen wir uns in einem Strassencafé noch einen Kaffee und ein Stückchen Kokos-Sandkuchen, und so komme ich ganz zum Schluss doch noch dazu, den Kaffee-Extrakt kennen zu lernen, denn als ich Café con leche, also Kaffee mit Milch bestelle, wird mir eine Tasse heisse Milch gebracht. Ich bin etwas ratlos und frage nach Kaffee, da deutet der Mann auf das kleine Kännchen, das ich als Milchkännchen angesehen hatte. Darin befand sich ein schwarzer Sud, eben das Kaffeekonzentrat. Ich goss etwas in die Milch, die immer noch nach Milch schmeckte, dann goss ich immer mehr von dem Konzentrat dazu, bis es in etwa nach Kaffee mit Milch schmeckte und nicht umgekehrt. Aber gewöhnen möchte ich mich daran nicht. 

Mit der Trollybahn kamen wir rasch wieder zum Hotel, Andreas machte noch ein Abschiedsfoto von allen vor den gepackten Koffern, dann folgte grosses Abschiednehmen, und die Galapagosgruppe fuhr mit einem kleineren Bus auf und davon. Wir drei übrig gebliebenen kamen uns ziemlich verloren vor. Mir war es wehmütig ums Herz, denn ich hatte mich gerne an die nette Gruppe und unsere kleine Clique gewöhnt, die nun zerrissen war.


 

 Um 14.30 Uhr kam anstatt Taxi ein kleiner Corsa vorgefahren, der niemals drei Koffer plus drei Leute mit Handgepäck unterbringen konnte. Also fuhr Andreas mit seinem und meinem Koffer schon mal voraus, der Wagen würde dann schnellstens zurückkommen und Annette und mich holen. Um 15.00 Uhr kam dann der Corsa und noch ein weiterer, grösserer Wagen, in den wir einstiegen. Unterwegs hielt unser Fahrer an, öffnete den Kofferraum und fummelte irgendwas herum. Ich dachte schon mit Grauen daran, dass manchen Flugpassagieren heimlich Kokain etc. ins Gepäck geschmuggelt wird und diese dann ahnungslos in die Kontrollen geraten und schlimmstenfalls im Gefängnis landen. Da es sich um Annettes Koffer handelte, war sie auch ziemlich beunruhigt. Wir fanden aber nichts Ungewöhnliches zum Glück.

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Andreas sagte uns dann am Flughafen, dass der Corsafahrer von der Polizei kontrolliert worden sei und dass er keinen Führerschein hatte und auch gar kein Taxifahrer war. Immerhin konnte Andreas glaubhaft machen, dass er von allem keine Ahnung hatte und ein hilfloser Tourist war. Daher hatte man uns dann ein anderes Auto geschickt.

 Als wir am Schalter zum Einchecken standen, tauchte plötzlich Richard, unser Stadtführer auf, der seinen Sohn begleitete, weil dieser mit uns nach Deutschland fliegen sollte, um in München sein Maschinenbaustudium anzutreten. Manchmal gibt es doch seltsame Zufälle. Wir wollten jedenfalls als Gruppe einchecken, damit wir nebeneinander sitzen konnten. Die Dame vom Bodenpersonal hatte damit wohl einige Probleme. Wir gaben unser Gepäck auf, und Annette merkte, dass die Dame unsere drei Koffer wie ein Gepäckstück behandelte, also alle drei mit der gleichen Gepäcknummer versah, dabei flogen wir zu drei verschiedenen Endzielen, nämlich Frankfurt, Düsseldorf und Friedrichshafen. Wenn Annette hier nicht so sehr aufgepasst hätte, hätten wir unsere Koffer vielleicht nie wieder gesehen. Annette reklamierte, Richard schaltete sich ein und schliesslich kam eine zweite und noch eine dritte Dame vom Bodenpersonal dazu. Unser Gepäck wurde wieder vom Rollfeld geholt und mit drei verschiedenen Gepäcknummern versehen, wir bekamen unsere Bordkarten und hofften, dass nun alles klar wäre. An einem Extra-Schalter mussten wir noch die Flughafengebühr bezahlen, gingen dann durch die Pass- und anschliessend durch die Sicherheitskontrolle und waren dann endlich frei. 

Wir liefen eine Weile durch den Flughafen von Quito, denn wir hatten gut 2 Stunden Zeit bis zum Abflug. In einem der vielen Läden entdeckte ich dann auch noch mal diese feine Edelschokolade, von der ich in dem Bioladen eine Tafel gekauft hatte. Und da ich noch Dollars hatte, kaufte ich noch zwei Tafeln und steckte sie zwischen meine Alpaka-Jacke, die dann später fein nach Schokolade duftete.


 

 Als wir schliesslich in den Warteraum gingen, erfuhren wir als erstes, dass unser Flieger Verspätung hat wegen technischer Probleme. Na toll, auch das noch! Als unser Flieger sich dann endlich und tatsächlich in die Lüfte hob, hatten wir doch sage und schreibe fast 6 Stunden in diesem Flughafen und im Flugzeug gewartet. Davon waren drei Stunden echte Verspätung.

 Und mit diesen drei Stunden Verspätung nahm eine Odyssee ihren Lauf. Der Start war nicht sauber, und es wackelte und röhrte ganz eigenartig. Uns war nicht sehr wohl zumute. Nach einer Weile jedoch stabilisierte sich das Flugzeug und flog ganz ruhig und normal nach Gayaquil in den Süden des Landes. Für uns bedeutete dies nicht nur einen Umweg, sondern auch einen erheblichen Zeitverlust, denn wir mussten ja nach Norden. Da Guayaquil aber die grösste Stadt des Landes ist und hier die meisten Fluggäste einsteigen, wird aus wirtschaftlichen Gründen in jedem Fall Guayaquil angeflogen. Dort werden auch die Mahlzeiten und Getränke eingeladen und das Flugzeug aufgetankt. Das Ganze kostete uns weitere 1 ½ Stunden plus die 50 Minuten Flug. Wir mussten aussteigen, wiederum durch die Sicherheitskontrolle gehen, bekamen eine Transitkarte und wollten uns endlich was zu essen kaufen, denn mittlerweile war es 22.20 Uhr. Überall lange Schlangen, und bevor wir eine Chance hatten, etwas zu kaufen, wurden wir auch schon aufgerufen, wieder einzusteigen. Also in die nächste Schlange einreihen und warten und nachrücken, bis wir endlich wieder im Flieger sitzen.

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Endlich starteten wir dann zu unserem Langstreckenflug von 10 ¾ Stunden nach Madrid. Genau um Mitternacht wurde uns ein mieserables Abendessen serviert, und das war’s für die nächsten Stunden dann auch. Ich stelle meine Uhr um sieben Stunden vor auf europäische Zeit, nämlich 7.00 Uhr morgens. Dann wurde alles verdunkelt und allgemeines Schlafen verordnet. Es war die gleiche unfreundliche und unattraktive Crew wie auf dem Hinflug.

 Ich duselte zeitweise ein wenig, konnte aber nicht schlafen. Die monotonen Stunden zogen sich zäh dahin. Ich machte mir Gedanken, ob wir unseren Anschlussflug in Madrid bekommen würden oder in einen späteren Flieger nach Frankfurt steigen mussten und wie das abwicklungstechnisch wohl klappen würde nach dem Theater am Schalter in Quito. Vom Personal der Iberia gab es keinerlei Info und keine Durchsage. Eine Stewardess sagte auf Nachfragen nur, dass wir unsere Anschlussflüge nicht erreichen würden. Und so landeten wir anstatt um 13.45 erst um 16.15 Uhr in Madrid. Unser Anschlussflieger war vor 15 Minuten gestartet.


 

 Es herrschte allgemeines Chaos, wir liefen von einem Schalter zum nächsten, jedes Mal wurden wir woanders hingeschickt. Schliesslich fanden wir den Schalter der Iberia, der für uns zuständig war. Hier standen genervte und gereizte Leute, die alle ihren Anschluss nicht bekommen hatten. Annette war schon dort und hatte sich als letzte auf die Warteliste des letzten Fluges nach Frankfurt setzen lassen. Ob sie tatsächlich fliegen konnte, würde sie erst 30 Minuten vor Abflug erfahren. Wir haben sie dann aus den Augen verloren.

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Als wir endlich an die Reihe kamen, schnauzte uns die unfreundliche alte Dame geradezu an anstatt sich für die Verspätung zu entschuldigen. Sie glich eher einer alten Hexe, so giftig wie sie war. Jedenfalls sagte sie, dass wir in jedem Fall erst am nächsten Tag nach Frankfurt fliegen könnten und buchte unseren Flug um und auch den jeweiligen Anschlussflug nach Düsseldorf bzw. nach Friedrichshafen für die gleiche Zeit am nächsten Tag.

 Dann wollten wir wissen, ob und in welchem Hotel wir übernachten könnten und sie motzte uns wieder an und schrie dauernd etwas von Nivel O und Shuttlebus. Wir hatten keine Ahnung, was Nivel O heissen sollte, und ihr Englisch war mieserabel wie das der meisten Spanier, die kaum zu verstehen waren. Wir hatten einen Stempel auf unsere Bordkarte bekommen und gingen auf gut Glück zu einem Informationsschalter. Dort wurden wir nach draussen geschickt mit dem Hinweis, auf den Shuttlebus Nummer 2 zu warten, der uns zum Hotel bringen würde. Ich rief Hildegard in Deutschland an, damit sie nicht in Friedrichshafen vergeblich auf mich warten würde, sondern erst am nächsten Tag zur gleichen Zeit dorthin kam, um mich abzuholen.

 Nach über zwei Stunden Lauferei standen wir nun also vor dem Flughafengebäude bei 35° Hitze. Ich war sauer und genervt, aber Andreas hatte die Ruhe weg und fand es aufregend, nun auch noch Madrid kennen zu lernen. Ich war sehr froh, dass er da war. Wir nahmen allerdings an, dass man uns in unmittelbarer Umgebung des Flughafens in ein mehr oder minder mieses Hotel bringen würde nach allem, was wir bisher von der Iberia an Service kennen gelernt hatten.


 

 Vor dem Flughafen stand eine ganze Reihe grosser Busse, alle leer und abgeschlossen und ohne Fahrer. Wir dachten bei einem Shuttlebus an einen kleineren Bus, aber nach einer Weile kam ein gross gewachsener Mann, der einigermassen Englisch sprach und der uns sagte, dass wir in den Bus Nr. 1 einsteigen sollten, der würde uns in das entsprechende Hotel bringen, dessen Namen wir immer noch nicht erfahren konnten. Das war auch nicht wichtig, denn es gibt offenbar nur ein Hotel, in dem die Passagiere übernachten, die ihre Anschlüsse nicht bekommen hatten. Der ganze Riesenbus war voller Leute und Gepäck, die alle ähnliche Probleme hatten wie wir. Wohlweislich hatte ich immer eine Garnitur Unterwäsche, Zahnbürste etc. bei mir. So brauchte ich mein Gepäck nicht und hatte es daher gar nicht herausverlangt. Andreas hat es genau so gemacht.

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Und so fuhren wir nun also nach Madrid, und zwar erstaunlicherweise mitten in die Innenstadt und bekamen so noch eine kleine Stadtrundfahrt. In der Gran Via, einer der Haupt- und Prachtstrassen der Stadt, wurden wir am grossen Hotel Tryp Misfits ausgeladen und dort endlich mal freundlich und zuvorkommend in Empfang genommen und bekamen rasch unsere Zimmerschlüssel. Mein Zimmer war gross und bestens ausgestattet, und inzwischen war ich nach all der Aufregung doch froh, endlich wieder in ein Bett zu kommen und nicht im Flieger nach Frankfurt zu sitzen, denn dort hätte ich mir dann auf eigene Faust und Kosten ein Zimmer nehmen müssen. Nach Konstanz oder Friedrichshafen wäre ich in keinem Fall mehr gekommen.

 So traf ich kurz danach Andreas wieder, denn wir hatten Hunger und wollten zu Abend essen, ebenfalls auf Kosten der Iberia. Wir wurden angewiesen, aus dem Hotelgebäude auf die Strasse zu gehen und dann den zweiten Eingang links wieder hinein. Das war aber eine riesige Metzgerei, von deren Decke und Wänden Hunderte von Serano-Schinken hingen. Vor dem Eingang hing ein Schild mit der Aufschrift „Schinken-Museum“. Das konnte es ja wohl nicht sein, also gingen wir wieder raus, aber der Portier des Hotels wies uns wieder hinein und dann die Treppe hinunter, und siehe da, dort unten befand sich ein Restaurant, das ebenfalls rundum mit dicken Schinken und Spiegeln dekoriert war, damit die Schinkenanzahl sich optisch verdoppelte. Die Kellner waren ausnahmslos freundlich, charmant und gutgelaunt, denn sie kennen schon das Leid der Passagiere, die hier zum Essen kommen.

 Wohl gestärkt beschlossen wir, die Prachtstrasse noch ein bisschen auf- und ab zu bummeln. Die meisten Läden und Kaufhäuser waren geöffnet, und je später der Abend wurde, desto mehr Spanier flanierten über die breiten Bürgersteige. Besonders die jungen Frauen waren mächtig rausgeputzt und stolzierten in engsten Jeans und knappsten Oberteilen auf und ab nach dem Motto: sehen und gesehen werden. Klar, es war ja Samstagabend. Ein Lokal reihte sich an das andere, viele edle Geschäfte waren hier und Banken und Hotels. Überall gab es Strassenrestaurants und Cafés inmitten des Verkehrslärms der vierspurigen Strasse, durch die ein endloser Verkehrsstrom floss unter Lärm und Abgasen.


 

 In einem Kaufhaus erstand ich die teuerste Haarbürste meines Lebens und ein Deo dazu. Andreas kaufte neue Batterien für seine Kamera. In einem Strassencafé tranken wir noch etwas. Schliesslich ging ich kurz vor 23.00 Uhr unter die Dusche und fiel dann todmüde in mein wohlklimatisiertes Bett.

 Pünktlich um 6.00 Uhr wurden wir freundlich geweckt, um 6.30 Uhr stand das Taxi vor der Tür, das uns wieder zum Flughafen brachte. Nach einem kleinen Frühstück sassen wir wieder in einem Flieger, der uns dann problemlos nach Frankfurt brachte. Endlich wieder deutschen Boden unter den Füssen! Nun brauchten wir ja nur noch unsere Bordkarte für den Weiterflug, dann waren alle Probleme beseitigt. Dachten wir!

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Am Lufthansaschalter erfuhren wir, dass die Iberia mit der Lufthansa keinen Vertrag hat und daher unser Ticket für den Anschlussflug vom Vortag verfallen sei. Ein neues Ticket von Frankfurt nach Friedrichshafen würde 389 Euro kosten. Auf meinen Einwand, dass doch die Iberia schuld sei, dass ich meinen Anschlussflug nicht antreten konnte, sagte mir die Dame am Schalter, dass die Iberia ihren Vertrag mit mir nur bis Frankfurt hatte und diesen erfüllt habe. Das Ticket sei verfallen. Wütend, aber machtlos, entschied ich mich notgedrungen, nun mit der Bahn nach Konstanz zu fahren und wollte wissen, wo mein Koffer jetzt abzuholen sei. Die Dame schaute nach und fand weder meinen noch Andreas’ Koffer im System, was bedeutete, dass die Koffer noch in Madrid sein mussten. Auch das noch!

 Wir sollten zu diversen anderen Schaltern gehen und einen Passierschein für die Gepäckausgabe verlangen, damit wir dort bei der Gepäckermittlung das vermisste Gepäck melden konnten. Also wetzten wir wieder hin und her, bekamen endlich den besagten Passagierschein, mussten wieder durch die Sicherheitskontrolle – zum zigsten Mal auf dieser Reise – und kamen dann in die Gepäckausgabe. Dort stand ein Schild mit den Namen diverser Fluggesellschaften, auch die Iberia stand darauf,  und dort stellten wir uns an. Als wir an die Reihe kamen, sagte uns die betreffende Dame, dass sie nur für British Airways zuständig sei und wir uns am Nebenschalter anstellen müssten, wo eine Reihe entnervter Leute anstanden, die ihr Gepäck vermissten. So langsam kochte ich, aber was blieb uns anderes übrig, als wieder anzustehen und zu warten. Inzwischen hatte ich Hildegard angerufen und auf die Mailbox gesprochen, dass sie Friedrichshafen vergessen könne. Auch Else hatte ich angerufen und auch Jutta, dass ich erst am Sonntagabend in Konstanz eintreffen würde.


 

 Als wir endlich an der Reihe waren, hatten wir es zum ersten Mal mit einer freundlichen Spanierin zu tun, die sehr gut Deutsch sprach. Sie meinte, wir sollten zuerst auf dem allerletzten Band am Ende der Halle nachschauen, ob unsere Koffer neben dem Band stünden. Koffer, die nicht bald nach der Landung abgeholt werden, stehen noch eine Weile neben dem Band, bis sie schliesslich registriert und weggeschlossen werden. Andreas blieb am Schalter, damit wir uns nicht nochmals hinten anstellen mussten, und ich rannte ans Ende der Halle, um nach den Koffern zu schauen. Und tatsächlich fand ich Andreas’ Koffer. Meiner jedoch war spurlos verschwunden. Das fand ich total unlogisch. Entweder waren beide Koffer da oder keiner. Was hatte die alte Hexe in Madrid da bloss veranlasst? Jedenfalls sauste ich mit Andreas’ Koffer wieder zum Schalter, und er stelle sofort fest, dass der Koffer erheblich beschädigt war. Ein langer Riss war darin, durch den man mühelos an den Inhalt kam. Also zog er seinen Nachforschungsauftrag zurück und veranlasste stattdessen einen Antrag auf Entschädigung.

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Nachdem mein Koffer definitiv nicht da war, schaute die Dame noch mal im Computer nach und siehe da, inzwischen war mein Koffer registriert. Und das gute Stück befand sich nun in dem Flieger nach Friedrichshafen, mit dem ich wegen des verfallenen Tickets nicht fliegen durfte. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Als ich jedoch erfuhr, dass man mir den Koffer innerhalb 24 Stunden nach Hause bringen würde, war ich direkt froh. Denn es ist kein Vergnügen, einen schweren Koffer, eine Reisetasche und einen Rucksack mit der Bahn zu transportieren. Ich liess mir alles schriftlich bestätigen, dann zogen wir los zur Bundesbahn, um ein Bahnticket zu kaufen. In dem Schalterraum standen die Leute bis zur Tür hinaus Schlange und waren sauer, gereizt und übermüdet, jeder mit dem gleichen Problem. Die Dame von der Lufthansa hatte mir die Abfahrtszeiten der Züge nach Konstanz ausgedruckt. Demnach hätte die Hin- und Rückfahrkarte 66 Euro gekostet. Inzwischen hatten zwei von den vier Schaltern wegen Pause dichtgemacht, und es dauerte und dauerte. Endlich kamen wir auch hier an die Reihe, und die Dame am Schalter wollte dann von mir für die einfache Fahrt 66 Euro haben, da ich weder Bahnkarte noch drei Tage vor Abfahrt das Ticket gekauft habe. Also zahlte ich zähneknirschend.

 Inzwischen war es schon 15.20 Uhr, und seit dem Frühstück hatten wir nichts mehr gegessen, sondern stattdessen einen Dauer- und Hindernislauf im Frankfurter Flughafen hinter uns. Entsprechend tief hingen unsere Mägen. Ich wollte eigentlich nur ein belegtes Brötchen, aber dafür hätten wir nochmals hochfahren und erst ein entsprechendes Bistro suchen müssen. Dafür hatte ich aber wirklich keinen Nerv mehr. So gingen wir in das erstbeste Lokal an der Ecke und bestellten etwas ganz Schnelles zu essen. Schlau brachte man uns das teuerste Essen der Karte, aber schnell ging es tatsächlich. Wir schlangen es herunter und flitzten dann zu unseren Zügen. Schnell noch eine letzte Zigarette im Stehen, dann trennten sich unsere Wege.


 

 Bald sass ich im Zug nach Baden-Baden und kam mir vor wie im Film. Sowas gibt’s doch alles gar nicht, dachte ich. In Baden-Baden schüttete es in Strömen, aber immerhin kam mein Anschlusszug ziemlich pünktlich, und bald sass ich im Zug nach Konstanz, der um 20.15 Uhr dort eintreffen sollte. Dann würde ich entweder 45 Minuten auf den nächsten Bus warten oder ein Taxi nach Dettingen nehmen. Aber siehe da, als ich ankam, stand doch tatsächlich die liebe Hildegard auf dem Bahnsteig und wartete auf mich. Sie war einfach auf Verdacht losgefahren. Das war das Schönste, was mir seit Ecuador passierte, und dankbar und erleichtert fiel ich ihr um den Hals. Helmut kurvte derweil um die Blocks der Innenstadt, denn um diese Zeit ist am Bahnhof kein Parkplatz zu haben. Dann stieg ich in das definitiv letzte Fahrzeug dieser Reise und war bald darauf in Dettingen und zu Hause.

 Und nun halte ich es so, wie Sepp uns empfohlen hat: nur das Gute mitnehmen und das Schlechte vergessen. Und in diesem Sinne denke ich dankbar zurück an eine wunderbare Reise durch das kleine Land am Äquator.

 Gracias Ecuador!

 Maria Gratz

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Nachbemerkung 

 

 

Am nächsten Morgen brachte Else meinen quietsch vergnügten Hund zurück. Sally begrüsste mich nicht anders, als wäre ich nur einen Tag weg gewesen. Aber bei Else flossen Abschiedstränen, weil sie sich wieder von Sally trennen musste. Ich habe ihr versprochen, dass sie noch viele Gelegenheiten bekommt, Sally zu nehmen. Ich habe da noch so einige Reise-Ideen! Costa Rica vielleicht und Peru und Venezuela und und….

 Eine Stunde später wurde von der Lufthansa mein Koffer nach Hause gebracht, und zwar unversehrt. Also auspacken und Wäsche waschen und mitgebrachte Schätze begutachten.


 

 Marion rief mich an berichtete detailliert von der restlichen Woche in Ecuador und auf Galapagos. Die Gruppe ist noch einen Tag im Cotopaxi-Nationalpark gewesen, und der neue Reiseleiter hatte nur gesagt, dass man eine winddichte Jacke mitnehmen sollte. Dabei sind sie auf 4.500 m hoch gefahren, wo es logischerweise sehr kalt war. Es war angekündigt worden, dass man auf einer Hütte zu Mittag essen könne. Dass diese Hütte aber 4.800 m hoch liegt und man 300 Höhenmeter auf rutschigem Lavagrus hoch laufen muss in dieser dünnen Luft, hatte keiner gesagt. Also ist die Gruppe dünn bekleidet bei heftigem Schneetreiben diese 300 m hoch gekraxelt und kam fix und fertig an der Hütte an, die sich bereits im Schneefeld des Vulkangipfels befindet. Anstatt Mittagessen gab es dort eine wässrige Suppe, weil man in dieser Höhe nicht viel feste Nahrung zu sich nehmen soll, wie gesagt wurde. Die Gruppe war verfroren und stinksauer. Als aber der Schnee aufhörte, war die Sicht wohl traumhaft schön.

 Das Boot auf den Galapagos-Inseln war klein, schwarz und alt. Es war sinnigerweise eine Piratenflagge gehisst. Ursprünglich war es für 8 Leute gebaut worden, inzwischen hatte man das Schiffchen umgebaut und 12 kleine Kabinen eingerichtet, alle entsprechend eng. Marion und Ute, die zwei kräftigsten Frauen, bekamen die kleinste Kabine am Ende des Bootes direkt neben dem Motor mit dem Dieselgestank und unter dem Steuerrad. Es gab eine Minidusche, deren Strahl direkt auf den Lokus fiel.

Das Essen an Bord war wohl hervorragend, davon waren alle begeistert. Aber dann kam die erste Nacht an Bord und damit auch die erste Nachtfahrt zur nächsten Insel, die anstatt der angekündigten 5 in der Tat 9 Stunden dauerte. Der Seegang war heftig, das Boot schaukelte und rollte und sprang, dass auch der letzte der Gruppe über der Reling hing. Der Reiseleiter stand an Deck und pfiff ironischerweise ein Liedchen derweil. Alle waren seekrank und niemand hat in dieser Nacht auch nur eine Minute geschlafen. Total fertig kamen sie dann am Morgen auf der nächsten Insel an. Nicht ganz so dramatisch wie in der ersten Nacht waren dann die weiteren Fahrten von Insel zu Insel. Aber alle waren dann  froh über den Rückflug nach Quito bzw. weiter nach Deutschland.

 Die Tierwelt von Galapagos muss in der Tat sehr beeindruckend sein. Marion war davon sehr angetan. Aber die Begleitumstände waren wohl alles andere als schön. Sie wird bald das Negative vergessen und es dann halten wie ich, dass sie sich nur noch an das Besondere und Schöne dieser Reise zurück erinnert.

Diese Reise wurde organisiert vom Reisebüro Colibri. Katalogbestellung hier: