
Venezuela liegt im
Nord -Osten des lateinamerikanischen Kontinents.
Ein Land voller Gegensätze.
Die Anden mit schneebedeckten Berggipfeln, weite Savannen mit den Tafelbergen, Eine Wüste in der Gegend von Coro, Bohrtürme im Maracaibosee ,phantastische Urwälder im Osten und Süden des Landes.
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Beeindruckende Naturdenkmäler - heiß und kalt- so nah beieinander.
Eines dieser Gebiete ist das Orinoco Delta , das für mich persönlich eines der schönsten Gebiete Venezuelas ist. Außerdem ist es von der Isla de Margarita schnell und leicht zu erreichen .
Ich selbst habe Touren dorthin organisiert und hier erzähle ich von einer dieser Touren dorthin.
Es war im April 1997 als der Hale-Bopp überall auf der Welt mit bloßem Auge zu sehen war. Mein Freund Marco und ich machten uns mit 5 Hausgästen aus meiner Pension auf den Weg ins Orinoco Delta .Mit mehr als 3 Paaren sind wir nie gefahren, denn große Gruppen zertrampeln leicht die Schönheiten des Urwald´s
Von Margarita ins wilde Orinoco -Delta,
kann man leicht und bequem mit dem Flugzeug in kurzer Zeit über Maturin nach Tucupita fliegen.
Wer aber ein wenig abenteuerlustig ist, und wirklich fantastische Landschaften sehen will, der sollte sich für die Tour mit mindestens vier Tagen mit dem Auto und der Fähre von Margarita nach Puerto la Cruz oder Cumaña entscheiden.
In aller Frühe ging es los zur Fähre nach Punta de Piedras ,dem Fährhafen von Margarita. Täglich legen alle sechs Stunden die Fähren zum Festland ab. Die Schnellfähre “El Gran Cacique” ist keine Autofähre und braucht nur zweieinhalb Stunden nach Cumana
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Gegen Mittag erreichten wir das Festland, nachdem wir uns auf der Fähre gemütlich mit Essen und Trinken versorgt hatten, und die Delphine , die immer die Fähren begleiten, begeistert bestaunt hatten .
Aus welchem Grund auch immer lieben es diese wundervollen Meeressäuger, sich in den Bugwellen der Schiffe zu tummeln.
Von Cumaña fährt man bis am frühen Abend durch imposante Landschaften über Maturin bis nach Tucupita, die einzige Stadt im Delta. Bis nach Maturin fuhren wir mit einem öffentlichen Bus, was für unsere Urlauber sehr interessant war. In Maturin mieteten wir uns ein Por Puesto , mit dem es dann weiter bis nach Tucupita ging. Auf dieser Strecke sahen wir bereits einige Tiere .Vögel , Wasserschweine und Wasserbüffel konnten wir beobachten .Auf dieser Strecke passiert man ein gutes Stück nach Maturin eine Grenze die von der Guardia Nacional kontrolliert wird .
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Es ist der venezolanische Teil Guayana, in den man jetzt hinein fährt. Schon auf diesem Teil der Strecke geht die Landschaft in Sumpfgebiet über mit riesigen Palmen und Wasserbüffeln. Auch Kaimane und Schlangen gibt es dort, die man aber im Auto nicht zu Gesicht bekommt. In Venezuela wird aber tatsächlich der Tierschutz groß geschrieben, und einheimische Tierschützer und Wildhüter kontrollieren die Bestände der inzwischen gar nicht mehr so seltenen Arten , Aufgrund ihrer umfangreichen Bemühungen.

Und so seltsam es klingen mag, auch die Indéginos ,die Indios werden vom venezolanischen Staat geschützt und versorgt. Sie haben außer ihren Renten, zum Beispiel freie Flüge aus entlegenen Gebieten in die größeren Städte, wenn sie medizinische Versorgung brauchen und diese ist natürlich auch kostenfrei .
Beim Dunkel werden kreuzte ein Gürteltier unseren Weg. Leider war es viel zu spät zu erkennen und so wurde es vom Auto erfasst, obwohl der Fahrer nicht schnell und umsichtig fuhr.
Wir hielten an und der venezolanische Fahrer fand das Gürteltier am Straßenrand. Es war schwer verletzt und würde qualvoll verenden. Er erlöste es von seinem Leid und legte es in seinen Kofferraum. Auch das ist Realität in Venezuela. Er sah mich traurig an und meinte sie würden es am Sonntag essen . Gürteltier scheint eine Delikatesse zu sein. Natürlich ist es verboten , Tiere zu jagen und zu essen, aber wenn es dort liegen geblieben wäre hätte es auch keinem genutzt.
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Mittlerweile hatten wir also Tucupita , die Urwaldstadt erreicht, die direkt am Orinoco liegt. Wie jede andere Stadt und jedes Dorf im Land gibt es einen schönen kleinen Park , den Plaza Bolivar mit der Statue des großen Befreiers Simón Bolivar!
In Tucupita gibt es nette kleine Hotels , wo man die erste Nacht noch in einem Bett , und einem Zimmer mit Bad und fließend Wasser verbringen kann.

Wir mieteten ein Zimmer im Sans Soucis. Sicher keine Luxus aber sauber und angenehm.Um ins Delta zu kommen braucht man natürlich einen Guia ( Touristenführer) , der einem mit einem Boot und der nötigen Ausrüstung tiefer in die weit verzweigten Arme des Orinoco bringt.
Natürlich gibt es im Delta heute gut ausgebaute Lodges , mit allem Komfort, aber das hat nicht mehr viel mit Abenteuer zu tun.
Wir rüsteten uns mit genügend Essen und Getränken für ca. 3 Tage aus und am nächsten Morgen ging es dann mit dem Boot von Jesus ab in die Tiefen des Urwaldes.
Nach etwa 3 Stunden Bootsfahrt erreichten wir eine “Insel” , die von Jesus´ Familie bewohnt wird.
In einem länglichen Bau , in dem bis zu acht Hängematten Platz finden , verbrachten wir die Nächte. Moskitonetze schützen die Besucher vor der Moskito plage. Ansonsten gab es nicht viel. Tisch und Bänke aus Holz einfach zusammen gezimmert, einen Herd, und man glaubt es kaum, eine einzelne Stromleitung mit der eine Kühltruhe betrieben wurde. Fließend Wasser und Toiletten suchte man vergebens, also nichts für zart besaitete. Waschen konnten wir uns am Fluss, und alles andere, jaaaa, ab in die Büsche.....
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Hier in den weit verzweigten Orinoco Armen gibt es eine Menge Pflanzen und Tiere zu sehen , die man sonst nirgends zu Gesicht bekommt. Brüll-Affen kann man immer sehen und vor allem hören .Aber in der Abenddämmerung kommen die unzähligen Papageienarten an die Flussläufe zum trinken und begeistern mit ihrer Farbenpracht.
Aber wer in die kleinen Flussläufe gelangen will, muss sich in ein von Indios gebautes Kanu setzen und leise los paddeln. Hier kann man Schlangen, Kaimane und bunte Papageien sehen. Handteller große Schmetterlinge schweben auf leisen Schwingen vorbei. Wilde Orchideen , oder die Blüte des Wasserkaffee bezaubern den Besucher .Riesige Bromelien, die eigentlich Schmarotzer sind, wachsen auf den Urwaldbäumen.
Die seltenen rosa Flussdelphine gibt es auch zu bewundern mit ein bisschen Glück. Der große Unterschied zu den anderen Delfinen besteht in der Form des Gesichtes , das durch die kurze runde Nase tatsächlich an ein Menschengesicht erinnert. Daher vielleicht die Geschichten von den Meerjungfrauen. Und sie schimmern rosa im Wasser.
Nachdem wir also den größten Teil des ersten Tages im Boot und im Kanu verbracht hatten, freuten wir uns abends auf ein gutes Abendessen mit gegrilltem Huhn und Reis und einem kalten Polarcita! Achtung ,Pikante, meist in leeren Rumflaschen angesetzt ,mit allerlei Zutaten darin. Wer glaubt er liebt scharfes Essen, bitte probieren, aber nur ein paar Tropfen bitte!
Einer der Gäste erzählte uns von früheren Reisen in Thailand und wie
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sehr er scharfes Essen liebte. Die Indios hatten auch eine Flasche Pikante, das auf dem Tisch stand. Ich kannte es nur zu gut und wusste wie scharf es war. Also warnte ich ihn eindrücklich davor ,zu viel zu nehmen. Aber er war nicht abzuhalten und schüttelte munter Tropfen um Tropfen auf seinen Reis. Marco , mein Begleiter und ich sahen uns schulterzuckend an . Dann strahlte der Gast uns an und fing munter an zu essen . Nach der zweiten Gabel färbte sein Gesicht sich rot und röter und er schnappte nach Luft. Alle anderen fingen an zu lachen , auch er selbst . Schnell gab ich ihm eine Scheibe Toastbrot um das ärgste Feuer zu löschen .O.k, das Pikante war keine Touristenversion. In der Mitte stand der große Topf mit dem Reis und alle waren einverstanden seinen Reis mit dem Rest zu vermengen , damit es für alle genießbar wurde. Nach dem Essen saßen wir noch eine Weile am Lagerfeuer und alle freuten sich auf die Hängematte.
Nach der ersten Nacht in der Hängematte ging es am zweiten Tag wieder mit dem Motorboot los, denn für´s Kanu sind die Strecken viel zu weit.
Wir besuchten die halbe Verwandtschaft von Jesus ,die auf kleinen Inseln im Delta verstreut lebt. Sie leben überwiegend von dem was sie anbauen ; Bananen, Platanos, (Kochbananen), Mango, und natürlich Cacao, dem besten der Welt! Auch Schweine, Ziegen ,Truthähne und Hühner laufen überall frei herum .Eines dieser Schweine war im übrigen sehr anhänglich sofern man ein Fläschchen Polar (Bier) in der Hand hatte. Das gute Schwein wurde sehr aufdringlich und gab erst auf , wenn es mit einer Flasche als Beute abziehen konnte.
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Nachdem die obligatorischen Besuche der Familie erledigt waren , ging es weiter in ein Pfahlbautendorf der Warao-Indianer. Sie leben natürlich nicht völlig wie vor Urzeiten, denn die Welt verändert sich nun mal. Viele Sprechen aber kein Spanisch und so musste Jesus für uns übersetzten. Um sich etwas Geld für den Einkauf in Tucupita zu verdienen, verkaufen sie die Dinge die sie seit jeher anfertigen. Vom Blasrohr, das mit Pfeilen eine echte Waffe ist, bis zu Körben und Hängematten aus Moriche, der Faser einer Palmenart, die überall im Delta wächst.
Die Kinder leben völlig ungezwungen in ihrer Wasserwelt. Aber natürlich hat die Zivilisation leider auch ihre unschönen Seiten hinterlassen. Uralte Motoren und allerlei unnützes Gerät liegt ,weil inzwischen unbrauchbar, im seichten Wasser herum. Aber die Amerikaner hatten ja lange Zeit versucht, jeden Winkel dieses Landes auf ihre Weise zu zivilisieren. Gott sei Dank hat das aber schon seit längerem ein Ende gefunden.
Nachdem sich unsere Gäste mit ein paar Souvenirs eingedeckt hatten ,war es wieder Zeit die Rückfahrt ins Camp anzutreten., denn wir hatten eine ordentliche Strecke im Boot zurückgelegt.
Nach diesem Tag waren alle ziemlich müde und wir freuten uns auf das Abendessen.
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Am nächsten Morgen ging es dann wieder zurück nach Tucupita. Die Fahrt verlief relativ ruhig, bis ein riesiger undefinierbarer Gegenstand langsam auf uns zu trieb. Jesus versuchte noch uns zu warnen, aber es war bereits zu spät. Beißender Geruch stieg uns in die Nase. Als wir näher kamen erkannten wir ,dass es sich um einen toten Kaiman handelte ,der uns mit dem Bauch nach oben entgegen trieb. Eine Begegnung mit diesem Monstrum in lebendigem Zustand wäre mit Sicherheit aufregend gewesen, denn der gute hatte bestimmt an die vier Meter Länge.
Am späten Nachmittag erreichten wir den kleinen Hafen von Tucupita und alle waren froh wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Ein wenig müde aber absolut begeistert von den beiden Tagen im Urwald .

Wir bezogen noch einmal für eine Nacht unser kleines Hotel, und alle freuten sich auf eine Dusche, die auch nötig war, und ein weiches Bett.
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Am nächsten Morgen reichte die Zeit nach dem Frühstück noch aus um in den Läden um den Plaza Bolivar herum ein bisschen einzukaufen. Lederwaren sind hier überaus günstig und sehr schön.
Dann ging es wieder zurück nach Cumana und mit der Fähre zurück in unser kleines Touristen-Paradies Margarita.
Ich hatte schon viele Touren ins Delta gemacht, aber dieses Mal war auch ich besonders berührt gewesen von seiner Schönheit und dem einmaligen Erlebnis den riesigen Kometen, wie den Weihnachtsstern über den Palmen zu sehen .
