Als wir aber am Bootssteg am Fluss ankommen und dort unsere Lunchpakete vertilgen, sind wir von der unglaublichen Vielzahl und der Pracht der Schmetterlinge ganz überwältigt. Eine derartige Konzentration von Hunderten von Schmetterlingen habe ich noch nie gesehen. Sie schwirren um uns herum und sind merkwürdigerweise gar nicht scheu. Sie setzen sich auf Taschen und Rucksäcke, auf unsere Schultern und Arme. Da ich nicht eingecremt bin, also keine Chemie an mir habe, sitzen sie reihenweise auf meinen Armen. Ich nehme so ein herrlich lilafarbenes Exemplar mit dem Zeigefinger von meinem Rucksack und setze ihn auf meinen Unterarm. Und dort sitzt er mindestens eine Viertelstunde lang und schlürft bzw. nimmt Salze und Mineralien aus meinem Schweiss auf. Darauf sind sie alle ganz scharf. Ich wusste, dass Schmetterlinge Salze und Mineralien suchen, aber dass sie so zahm und zutraulich sind, hätte ich nie erwartet. Ich hatte zeitweise sechs Schmetterlinge gleichzeitig auf dem Arm und konnte sie immer wieder mit dem Zeigefinger hochnehmen und woanders absetzen, wo sie sitzen blieben. Das hat mir sehr gefallen.

Dann ging es los mit dem Boot den Rio Iguacu aufwärts. Wir entdecken diverse Vögel und eine Schildkröte auf einem abgestorbenen Baumstamm am Ufer, deren Kopf voller Schmetterlinge sitzt, die die „Tränen" der Schildkröte trinken.

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Auch hier geht es um die Salze der Augenflüssigkeit. Ein Stück weiter sehen wir einen grossen Brillenkaiman, auf dessen Kopf mindestens 20 Schmetterlinge sitzen oder herumflattern. Das sieht richtig witzig aus.

Nach einer Weile steigen wir aus und laufen einen schmalen Pfad entlang zu einem speziellen Vogelschutzgebiet. Hier waren weit weniger Schmetterlinge anzutreffen als beim ersten Spaziergang. Einen sehr schönen grün und gelb glänzenden Trogon (Vogel) sehen wir, sonst aber nicht viel. Am Ende eines Steges steigen wir auf einen hohen Aussichtsturm und haben einen schönen Blick auf eine mit Wasserhyazinthen überwucherte Lagune, in der ein einsamer weisser Reiher sitzt. Auch ein schöner Rotbrustfischer (Eisvogel) lauert auf Fische. Ansonsten war hier aber tierisch nicht viel los.

Nach 3 1/3 Stunden waren wir zurück und fuhren aus dem Nationalpark heraus, weil einige von uns noch mit dem Helikopter über die Fälle fliegen wollten. Das reizte mich jedoch kaum, denn hautnaher und intensiver als zu Fuss kann man diese Wasserfälle nicht erleben. So schlendere ich alleine zu Fuss das kurze Stück zum Hotel zurück, vorbei am Vogelpark, der sich direkt neben dem Hotel befindet und den ich morgen Vormittag besuchen möchte, wenn die meisten unserer Gruppe bereits weiter nach Rio geflogen sind, einem Zusatzprogramm, das ich nicht gebucht habe, weil ich Rio bereits kenne und auch keinerlei Lust auf Grossstadt verspüre. Karen und der Steirer Gerhard werden mit mir zurückfliegen nach Deutschland.

Nach dem Duschen finde ich entsetzt 8 winzigkleine Zecken an meinen Beinen. Ich weiss aber, dass diese hier keine Krankheiten übertragen und hoffe, dass diese Information auch stimmt. Abends bin ich so müde, dass ich keine Lust auf weitere Unternehmungen habe. Ausserdem ist es unser letzter gemeinsamer Abend. Da wir hier nur Frühstück gebucht haben, sitzen wir alle abends im Patio des Hotels im Freien und geniessen ein feines Büffet. Innen im eiskalten Restaurant wimmelt es von Menschen, vor allem aus Europa, und das laute Stimmengewirr und der zusätzliche Alleinunterhalter lassen uns sehnsüchtig an unser brasilianisches „Zuhause" denken, an die Fazenda Sao José, wo wir uns so wohl und willkommen gefühlt haben.