
Um 4.30 Uhr klingelt unser Wecker wie an jedem Wochentag. Kerstin steht müde auf. Ich brauche 5 Minuten länger um mich aufzuraffen um ihr ins Badezimmer zu folgen. Ein neuer Montagmorgen hat begonnen, viel zu früh, viel zu dunkel und wieder liegen 6 Arbeitstage vor uns. Wir sind wieder urlaubsreif, ein Gefühl, das sich eigentlich jede Woche von Montags bis freitags einstellt. Nun sind es aber nur noch zwei Wochen und dann haben wir richtigen Urlaub. Beim Frühstückskaffee werden langsam unsere Drähte im Kopf warm, um unsere anstehende Woche zu planen. Eine halbe Stunde später verlassen wir unsere kleine Drei - Zimmerwohnung in Pankow und fahren durch die halbe Stadt zu einem unserer Blumengroßmärkte. Berlin erwacht und wir stehen im Morgenstau. Die Vorfreude auf unseren zweiten Kaffee an diesem Morgen wächst, doch erst heißt es zum Alexanderplatz fahren und die heutigen Einkäufe ausladen.
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Nach dem heutigen Arbeitstag habe ich mir vorgenommen, zum Flughafen Schönefeld zu fahren um nach einem Last Minute Angebot zu schauen. Wir sind die geborenen Last-Minuten User. Nichts ist aufregender und schöner für uns, als erst 4 Tage vor dem Abflug zu wissen wo es hin geht. Nach vergangen Urlauben in fernen Länder, möchten wir einmal ein wenig anders unseren Urlaub gestalten. Anstatt alte Ruinen zu besuchen oder Kilometer im Mietwagen zu verbringen, wollen wir einmal Sonne und Strand mit einem Tauchkurs verbinden. Möglichst auf einer Insel, weit weg vom ausgelatschten Massentourismus und natürlich mit deutschem Tauchlehrer. Also gleich drei Wünsche auf einmal.
Am späten Nachmittag schaue ich mich am Flughafen Schönefeld um. Schon die Geräusche der startenden Flugzeuge lassen meine Laune steigen. Hier am Airport gibt es ca. 25 verschiedene Last-Minute Anbieter,die so jede Richtung eines Urlaubsziels zu guten Preisen ermöglichen. Ich bin mir sicher auch heute etwas Gutes für uns zu finden, da ich nicht zum ersten Mal hier Geld gegen einem guten Sitz im Flieger eintausche. Einen Tauchurlaub bieten viele an, doch in Ländern, die dieses Mal nicht meine Aufmerksamkeit erhalten. Bei mehr als die Hälfte der Anbieter habe ich mich schon durchgefragt und bin noch nicht zufrieden mit den Angeboten, als ich zufällig an einen kleinen versteckten Verkaufsschalter vorbeilaufe und stehen bleibe. Neben den üblichen Fernreisen, die auf selbstgemalten Preistafeln angeboten werden, fallen mir ein paar exotische Ziele auf, die preislich zudem noch sehr interessant wirken. Der Vertreter macht einen sympathischen Eindruck und wirkt auf mich nicht wie ein normaler Verkäufer, sondern eher wie ein Typ der selber gerne reist und weiß wovon er spricht. Nichts ist für mich abschreckender als Verkäufer die selber nicht aus Deutschland rauskommen und sich nur an ihre Hochglanzkataloge klammern. Nachdem ich ihm erklärt habe was ich mir so vorstelle für unseren nächsten Urlaub, schlug er mir einen kleinen Reiseveranstalter vor, der als einziger in Deutschland Reisen zu einer kleinen Insel im Pazifik anbietet. Der Name der Insel ist Contadora und sie liegt im Golf von Panama. Er hätte vor 5 Wochen ein anderes Pärchen diese Reise verkauft und hätte einen sehr positiven Telefonanruf nach deren Rückkehr erhalten, daher könnte er das Angebot mit ruhigem Gewissen absolut empfehlen. Na, also doch ein guter Verkäufer. Panama?
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Mein Interesse ist geweckt, mehr noch, als er mir verspricht dass dort eine Tauchbasis vorhanden ist und unter deutscher Leitung geführt wird, gibt es für mich kein Zögern mehr. Ohne Kerstin zu informieren wandern 10 Minuten später zwei Tickets in meine Tasche. Kurz vor Ladenschluss um 19.00 Uhr, stehe ich mit einer Flasche Wein im Laden, wackle mit den Reiseunterlagen und berichte ihr, wo uns unser nächster Urlaub hinführt. Spontane Begeisterung greift auch nun auf sie über und wir können es kaum erwarten bis es los geht. Die Tage werden gezählt und vergehen schnell bis zur Abreise.
Der Tag unserer Abreise ist da. Los geht’s, Abflug am Morgen von Berlin über Paris nach Houston, einmal übernachten und weiter nach Panama City. Als wir mitten in der Nacht auf dem Internationalen Airport von Panama City ankommen und aus den Flieger steigen, begrüßt uns eine hohe Luftfeuchtigkeit, die uns gleich einmal die Kleidung an unsere Körper schweißt. Es ist August und Regenzeit, bei mitternächtlichen 28°C. Müde überstehen wir die Pass und Zollkontrolle und sind bereit für unseren Tropenurlaub. Wir stehen in der Ankunftshalle und warten auf unseren Hoteltransfer. Die Halle leert sich zügig und irgendwie werden wir nach 15 Minuten das Gefühl nicht los, vergessen worden zu sein. Telefonisch erreichen wir niemanden von unserer Kontaktliste der Reiseleitung vor Ort. Wir entscheiden uns ein Taxi zu nehmen und ins Hotel zu fahren. Die 15 Minuten Grundkurs Spanisch im Flieger reichten nicht aus zu erklären was wir oder wohin wir wollten. Somit müssten wir mit Händen und Füssen unser Ziel erklären. Für einen Preis von $ 20,- USD macht er uns verständlich, dass er uns dann fahren würde.
Ob der Preis angemessen ist oder wir einen Gringo Aufschlag zahlen, können wir nicht beurteilen. Letztlich bleibt uns auch keine Wahl, da kein weiterer Urlaubsbomber in diese Nacht landet und er weit und breit der einzige Taxifahrer ist. Halsbrecherisch rast er mit uns in seinem Toyota in Richtung City und wir erreichen ohne Unfall das Grand Hotel Soloy. Wir checken zügig ein und fallen in die Betten. Die Anreise aus Deutschland war anstrengender als wir dachten und nur noch der Wunsch zu schlafen war für den Moment bedeutsam.
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Der Morgen beginnt früher als erwartet, obwohl wir ein Zimmer in der 7.Etage haben, weckt uns der morgendliche Berufsverkehr. Ich schaue aus den klappbaren Lamellen Fenster und sehe kunterbunte alte Ami Schulbusse, die sich hupend und knatternd ihren Weg durch die vollgestopften Straßen vor dem Hotel bahnen. Aber alles kein Problem, wir sind ja ans frühe Aufstehen gewohnt und bevor wir vom nationalen Flughafen zur Insel Contadora fliegen, steht noch eine City Tour an. Nach dem Frühstück wähle ich vorsichtshalber die Telefonnummer unserer Reiseleitung hier in Panama und bin überrascht das mich jemand nach kurzem verbinden in Deutsch begrüßt. Nach einer kurzen Entschuldigung uns nicht vom Airport abgeholt zu haben, verspricht uns die unbekannte Telefonstimme den Bus für die City tour pünktlich zum Hotel zu senden.
Wir haben noch ein wenig Zeit bevor wir abgeholt werden und entschließen uns ein wenig die Straßen entlang zu bummeln um ein paar erste Eindrücke zu sammeln. Der Lärm der bunten Busse begleitet uns und hat weiter zugenommen. Schwarzen Wolken kommen beim Anfahren aus ihren riesigen verchromten Auspuffrohren. Greenpeace scheint hier kein Büro zu haben oder sie sind pleite gegangen. Nicht nur die Busse auch die ganz normalen Autos lärmen und stinken. Ein Trabi dürfte sich hier einen Umweltengel auf die Scheibe kleben. Fußgängerampeln können wir nicht entdecken und entscheiden uns dagegen die Straße zu überqueren. Wir beobachten ein paar andere Fußgänger und müssen feststellen, dass hier keine Rücksicht genommen wird und alles mit lauten Hupen quittiert wird. Eine halbe Stunde später sind wir wieder zurück im Hotel, durchgeschwitzt und guter Laune.
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Unser Bus kommt auch die Auffahrt herauf gefahren und los geht es zur City Tour. Erste Überraschung, der Bus ist leer und wir sind die einzigen Gäste, zweite Überraschung keine deutsche Reiseleitung an Bord. Gleich einmal ein guter Test unser nichtvorhandenes Spanisch aufzufrischen. Trotz unserer gegenseitigen Verständigungsprobleme wird es eine angenehme und sehr interessante Tour. Wir erfahren dass die Amerikaner in zwei Jahren ihre Militärbasen räumen und das Land verlassen müssen, gleichzeitig bekommt Panama den Kanal zurück und wird diesen eigenständig verwalten. Wir bekommen die Brücke Punta Panamerica zu sehen, die über den Panama Kanal gebaut ist und somit die einzige Verbindung für den Autoverkehr zwischen Panama City und dem Rest von Panama ist. Genaugenommen verbindet diese Brücke Nord- mit Südamerika.
Wäre die Straße nicht in Kolumbien unterbrochen worden, könnte man auf der Panamerican von Feuerland bis Alaska reisen. Weiter geht es dann zur ersten Schleuse des Panama Kanals, die Miraflores Locks, sie ist die ersten Staustufe von insgesamt 6 Schleusen die alle Schiffe passieren müssen, um vom Pacific zum Atlantik zu gelangen ohne den langen und teureren Weg um Kap Horn zu nehmen. Gerade als wir ankommen, können wir noch die Ausfahrt eines riesigen Cargo Frachters beobachten, wie er mit Hilfe von speziellen Elektroloks aus der Schleuse gezogen wird. Nächster Stopp ist Casco Vieco - die Old City, auch wenn sich hier der Präsidentenpalast befindet, sind die umliegenden Häuser der alten City heruntergekommen und teilweise verfallen. Der wunderschöne alte spanische Baustil ist noch überall zu sehen und es wird uns erklärt, dass langsam einzelne Investoren zurückkommen um Häuser zu kaufen um sie trotz der hohen Bauauflagen wieder zu renovieren. Die Altstadt ragt wie eine Halbinsel ins Meer und als wir mit dem Bus anhalten und umherlaufen, haben wir einen wunderschönen Blick auf den Skyline von Panama mit seinem Bankenviertel Paitilla zur linken und dem Costway auf der rechten Seite. Dies ist eine künstlich angelegte palmengesäumte Straße, die parallel zum Panama Kanal verläuft und derzeit noch militärisches Sperrgebiet ist. Diese Straße verbindet am Horizont drei Inseln im Meer, die die Einfahrt zum Kanal markierten. Zum Ende unserer Tour fahren wir durch Panamas Bankenviertel und Wohnort der Superreichen, Paitilla, wo sich ein Hochhaus neben dem anderen reiht. Hier wohnt Geld und man zeigt es auch. Wohl unser ungewöhnlichster Vorfall des Tages war die Beobachtung eines Verkehrsunfalls in genau dem eben beschriebene Bankenviertel. Vor uns auf einer wirklich übersichtlichen und leeren Kreuzung krachen ein Rolls Royce und ein Jaguar ineinander. Nach der doch zu kurzen City tour wächst unser Interesse für das doch touristisch gesehen unbekannte Land. Leider konnten wir uns nicht so gut verständlich machen bei unserem Busfahrer und somit blieben viele Fragen offen. Sobald wir auf der Insel sind werden wir unseren Reiseführer aus dem Koffer kramen und nachlesen was uns entgangen ist. 17.00 Uhr ist unser Abflug zur Insel Contadora. Wir sind 1 Stunde früher am nationalen Airport und checken bei Aeroperlas, der nationalen Fluglinie, ein. Eine Gepäckkontrolle gibt es nicht und es scheint so, dass wir die einzigen Passagiere für den Flug zur Insel sind. Genau 10 Minuten vor der regulären Abflugzeit kommt noch in aller Ruhe ein weiterer Passagier und kauft jetzt erst ein Flugticket für unseren Flieger. Nur kein Stress machen, wir sind ja im Urlaub.
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Anscheinend hat auch der Pilot kein Problem mit der Situation, denn er zieht sich erst einmal ein Cola am Automaten und schäkert mit der Flugscheinverkäuferin. Da es zum Glück keine Gepäckkontrolle gibt, fliegen wir doch noch fast pünktlich ab. Drei Leute steigen in eine zweimotorige Maschine, die für 23 Passagiere ausgelegt ist und da es keine Bordkarten gab herrscht freie Platzwahl. Eine Tür zum Cockpit gibt es nicht und somit belegen wir die erste Sitzreihe direkt hinter den Piloten. So fängt der Urlaub richtig an. Der Flugplatz ist direkt am Meer und der Start geht direkt in Richtig der Inseln und leider ohne Rundflug über die Stadt. Durch die Cockpitscheiben hat man im Landeanflug einen sehr schönen Blick auf die Insel und wir stellten fest, dass die Landepiste genau so breit ist wie die Insel selber. Wir hoffen dass der Pilot fit ist und hier schon des Öfteren gelandet ist. Der Flug endet nach 20 Minuten und wir erreichen mit einer wunderbaren Landung die Insel Contadora.
Ein weißer Van steht bereit und der Fahrer begrüßt uns mit einem > Bienvenido <. Unsere Koffer landen unsanft im Bus und keine 2 Minuten später stehen wir an der Rezeption des „ Hotel Contadora Resort “. In der Lobby sind wir die einzigen, unbewusst reden wir leiser und sind begeistert von der Ruhe. Kein Ramba Zamba und Massengedränge. Wir haben den Eindruck am rechten Fleck für die nächsten zwei Urlaubswochen zu sein. Dankbar nehmen wir unseren Zimmerschlüssel entgegen, denn wir können es gar nicht erwarten aus unseren Jeanshosen zu klettern. Die Hotelanlage besteht aus mehreren zwei und dreistöckig gebauten Holzhäusern. Wir haben ein wunderschönes Zimmer im zweiten Stock unmittelbar am Strand bekommen. Zusammen stehen wir nun auf dem Balkon und blicken mit offenem Mund auf eine ca. 500 Meter lange leere Strandbucht. Wir sind echt begeistert. Schnell haben wir unsere Kleidung ausgepackt und machen uns auf den Weg zum Strand, wir möchten wenigstens noch schnell einmal unsere Füße ins Wasser halten, bevor es so richtig dunkel wird. Hier in der Nähe zum Äquator beginnt es um 18 Uhr zu dämmern und 20 Minuten spätere haben wir die dunkelste sternklare Nacht unseres Lebens. Am Strand sehen wir keinen anderen Hotelgast, am Pool mit seiner Bar ist niemand zu sehen und auch als wir so die Hotelanlage durchwandern kommt uns keiner entgegen. Leichter Hunger treibt uns um 20.00 Uhr zum Restaurant und wir schauen durch die Glastür, doch auch hier können wir niemanden weiter entdecken. Es kommt uns fast so vor, als wenn wir die einzigen Gäste wären. Erst später kommen noch zwei Pärchen ins Restaurant, als wir schon längst an der Bar sitzen und einen Pina Colada schlürfen. Am nächsten Tag erfahren wir, dass es 350 Zimmer gib, aber derzeit nur 14 Gäste im Hotel sind. Gut für uns. In den nächsten zwei Wochen sollten es, zu unserem Unverständnis, auch nicht mehr viel mehr werden. Der Strand gehört uns. Beim Frühstück am nächsten Morgen lassen wir uns Zeit. Wir lassen uns anstecken von der Langsamkeit der Kellner und genießen unseren Kaffee im offen gebauten Restaurant unmittelbar am Strand. Heute haben wir uns vorgenommen, die Tauchbasis zu aufzusuchen und uns für einen Kurs anzumelden.
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Isla Contadora ist eine von 101 Inseln im Golf von Panama. Von denen sind 5 Inseln bewohnt und Isla Contadora ist die einzige, auf dem ein wenig Tourismus zu finden ist. Mit einer Länge von 1.8 km und nur einer Breite von 850 Metern gehört sie mit zu den kleineren Inseln, hat aber 13 Strände, die alle öffentlich zugänglich sind. An der Rezeption erfahren wir, dass die Tauchbasis sich am Playa Galeon befindet, unmittelbar am kleinen Flugplatz. 6 Minuten später stehen wir vor einer grünlich gestrichen, vom Wind und Sonne schon ein wenig mitgenommenen geschlossenen „Tauchbasis“. Ein lächerlich gemaltes Schild beschreibt uns die Hütte als „ Captain Morgan Diving Center “. Wir rütteln vorsichtig an der Tür ängstlich gleich die Klinke in der Hand zu halten und versuchen durch die schmuddeligen Scheiben zu erkennen ob hier überhaupt noch Leben ist oder der verschlossene Eindruck schon länger vorherrscht. Neben der Tür bemerkt Kerstin einen Kasten mit einer Preisliste.

Das Blatt Papier ist wohl so alt wie der tote Kapitän Morgan selber, denn nur mit Mühe können wir die verblichenen Preise überhaupt noch erkennen. Stolze $ 350,- USD pro Person kostet ein Tauchkurs, mehr als wir erwartet hatten. Aber nun sind wir einmal hier und werden uns nicht vom Preis abschrecken lassen, zumal der Ozean in den wunderschönsten Türkistönen vor uns liegt. Wir setzen uns in den Schatten einer Palme und warten darauf dass eventuell jemand vorbeikommt und den Tauchshop öffnet. Niemand kommt vorbei den man fragen kann und 1 Stunde später stecken wir einen Zettel mit unserem Namen und Zimmernummer in die Tür und hoffen dass sich in den nächsten Tagen jemand meldet. Spaß muss sein, also steht für den Nachmittag erst einmal eine Tour über die Insel an. Was gibt es besseres als bei 33° C über eine Insel zu latschen - natürlich ein Quadrunner. Für wenige Dollar mieten wir uns zwei ATV´s am Hotelstrand und bleiben 15 Minuten später mitten in der Insel liegen. Kerstins Quad entscheidet sich für einen spontanen Betriebsurlaub und all meine Bemühungen es wieder in Gang zu bringen schlagen fehl. Da hilft nur noch abschleppen. Ein paar Meter von uns entfernt klopfe ich an eine Tür und frage in meinem nicht existierenden Spanisch nach einem Seil. Mehr oder weniger versteht er mein Anliegen und im Schlepptau ziehe ich Kerstin wieder zur Verleih Station zurück. Gut das wir kein spanisch können, denn ich denke das er mit seinem Gejammer uns die Schuld für die kaputte Karre geben will. Aber fit wie auf einem marokkanischen Basar bekommen wir die Situation geregelt. Letztlich sitzt Kerstin auf einem neuem Quad und die Uhr tickt von vorne. Es wird ein angenehmer Ausflug für uns, die wenigen Straßen und Wege entlang, wo wir riesige Tropenwaldbäume und immer wieder neue Strände entdecken.
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Die Insel ist nicht so flach wie andere vergleichbar kleine Insel in der Karibik die wir gesehen haben. Contadora ist vulkanisch entstanden, wie auch all die anderen Inseln im Archipel. Höhenunterschiede bis zu 30 Meter überwinden wir mit den Quads, was den Spaß Faktor nur noch steigert. Wir fahren durch den weichen Sand der Strände an denen wir vollkommen alleine sind. Von jeder Ecke der Insel aus kann man auf andere Inseln schauen und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Zurück im Hotel haben wir uns vorgenommen, auf jeden Fall noch einmal uns diese coolen Teile auszuleihen. Am Abend bekommen wir dann eine Nachricht von der Rezeption, das wir am nächsten Morgen an der Tauchbasis erwarten werden. Wir sind bester Laune und können es kaum erwarten was der nächste Tag für uns bringen wird. Am nächsten Morgen stehen wir früh auf um als erstes zur Tauchschule zu gehen und es scheint heute sogar dass wir jemanden antreffen. Kapitän Morgen fährt einen alten Orangen Buggy. > Ich bin der Peter, der Drivemaster der Insel <, so stellt er lässig sitzend in seinem uralt nicht Wirbelsäulen gerechten 4 Beindrehrollenstuhl vor.
Wie wir erfahren ist Peter schon 8 Jahre auf der Insel, wo er seinen Traum als Tauchmaster verwirklicht hat. Seinen Bruder hatte er gleich mitgebracht der die Beach Bar hier am Strand führt.
Neben all den Taucherinfos erfahren wir, dass gerade die Buckelwalsaison ist und man diese sogar vom Strand aus sehen kann. Bis zu 15 Meter lag werden die Wale. Sie kommen jedes Jahr von Ende Juli bis Oktober, um sich hier zwischen den Inseln zu paaren.
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Wir können nicht mehr unsere Augen vom Ozean lassen, jede Welle sieht aus wie der Rücken eines Wal, die dann jedes Mal mit den Worten > Da, da, da - nee doch nicht - scheiße < kommentiert wird. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf.
Mitten im zweiten Ausbildungstag lernen wir Kapitän Morgans Bruder Kalli kennen. Er ist Ende 40 und ein paar Jahre älter als Peter, doch trägt denselben coolen Späthippe Rotschopf Look mit einer leichten Lockenvariante und dem gleichen sonnenverblassten Erstdruck T-Shirt von Kapitän Morgan. Heute am Abend sollten wir unbedingt unterhalb der Tauchschule seine Beach Bar besuchen. Wir versprechen ihm vorbei zukommen und einen seiner in ganz Panama berühmten Pina Coladas zu probieren.
Zum Abendessen im Hotelrestaurant sind wir immer noch nicht mehr als 6 Personen, wobei wir die Ruhe sehr genießen. Vollgestopft vom Fisch, den wir zum Abendessen hatten, machen wir uns auf zur Beach Bar. Laute Musik dröhnt übertrieben aus Deckenlautsprechern. Den Fisch den wir zum Abendessen hatten, wird von den Bässen ordentlich durchmassiert. Ein großes Dach überspannt eine selbstgemauerte Bar mit zugehöriger Tanzfläche. Heute Abend sind musikalisch wohl die 80er aufgelegt. Leider ein Irrtum, den wir noch später bemerken werden. Kalli mit Bruder Peter stehen schon ein paar Stunden an ihrer Bar. Tassen hoch und ungefragt kreischt weniger Minuten später der Mixer für unsere Pina Coladas. Nach unserem Geschmack ist er zu süß, doch beim Rum wurde nicht gespart, also wird es ein preiswerter Abend für uns. Zwei Stunden später machen wir uns mit Kopfschmerzen auf den Weg zurück ins Hotel. Zu 80% taub von der Musik verzichten wir sogar auf den Kinokanal und gehen für einen Urlaubstag gesehen zeitig ins Bett. Nach dem Frühstück treffen wir Peter am Hotelpool, die Flaschen mit dem übrigen Equipment liegen schon bereit. Leider haben wir die Sonne unterschätzt und die Zeit die wir am Pool verbracht haben. So gut wie ungeschützt haben wir 3 Stunden unter dem blauen Himmel verbracht, um praktischen Lehrstoff vermittelt zu bekommen.
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Resultat der Übung, fit fürs Hausriff, aber nicht für den nächsten Tag. Wir haben einen mächtigen Sonnenbrand und unsere Gehirne sind zum Matsch frittiert. Den restlichen Nachmittag, sowie den folgende Tag verbrachten wir mit Kopfschmerzen und Übelkeit im Zimmer. An der Stelle möchten wir demjenigen danken, der die Klimaanlage erfunden hat. Für den 6.Urlaubstag steht der erste Tauchgang im Meer an, am Tauchschulen eigenen Hausriff. Unsere Haut ist noch irre empfindlich, doch wir wollen das Ausbildungsprogramm nicht noch weiter heraus zögern. Mit Peter stellen wir das benötigte Tauchequipment für unseren ersten Freiwassertauchgang zusammen.

Nach dem letzten gegenseitigen Check geht nun endlich los. Die schweren Flaschen rubbeln schön auf unseren Sonnenbrand auf den Weg runter zum Strand. Sobald wir im Wasser sind legt sich die anfängliche Aufregung von Kerstin. Unweit vom Strand in 7 Meter Tiefe bei guter Sicht wiederholen wir die Übungen vom Pool. Um uns herum sind neugierige Fische in allen Farben. Ich habe schon ein paar Schnuppertauchgänge in Cuba und Mexiko unternommen, bin aber spontan begeistert von der Artenvielzahl die ich in so kurzer Zeit erblicke. Mit einem Mal klebt sich eine Mini Oktopus an meinem linken Unterarm. Er ist so winzig und verletzlich, dass ich nicht gleich weiß wie ich reagieren soll. Vorsichtig fasse ich mit dem rechten Zeigefinger unter dem Baby Oktopus, wo er sich gleich festsaugt. Er ist nicht viel länger als mein Zeigefinger lang ist. Der Kopf der nicht kaum größer als meine Daumen Kuppe ist schaut mich an. Es ist ein schwer zu beschreibendes Gefühl was mich in diesem Augenblich durchströmt. Irgendwie hatte ich die Empfindung, er weiß das er mir vertrauen kann und ich ihm nichts tun werde. Unbeschreibbar dieser Moment als in ich ihm direkt in die kleinen Äugelein sah. Ganz langsam schwamm ich zum nächsten kleinen Korallenfeld, das unweit von uns war. Irgendwie gefiel dem kleine Kerl wohl mein warmer Finger, denn nur ungern wollte er wieder abgesetzt werden. Was für ein Erlebnis. Kerstin hatte alles mit angesehen und war natürlich genauso fasziniert von dem Ereignis wie ich. Seit dieser Begegnung werde ich nie wieder Oktopus essen. Das ist ab jetzt unmöglich. Was für ein erster Tauchgang. Kerstin hat bei diesem Tauchgang alles sehr gut gemacht und sie ist zufrieden mit sich selbst. Alles wurde wieder zur Tauchschule gebracht und gesäubert. Wir bekommen ein paar Tauchbücher, in denen wir unseren Tauchgang und alle weiteren Tauchgänge dokumentieren werden. Der Nachmittag ist frei ohne weitere Tauchlektionen, was wir gerne annehmen. Die Zeit nutzen wir, indem wir faul unter einem Palmenschirm am Strand liegen. Wir schauen stundenlang aufs Wasser, mit dem Wunsch eventuell heute einen Wal zu sehen. Im Reiseführer ist ein dicker Brocken Geschichte enthalten, Contadora lesen wir heraus, bedeutet im spanischen so viel wie Buchhalter - Isla Contadora, die Buchhalterinsel. 350 Jahre lang bis ca. 1945 wurde hier im Archipel professionell nach Perlen getaucht, daher nennt man auch dass Archipel die Perleninseln. Die Insel Contadora wurde als Anlaufpunkt aller Perlentaucher genutzt, hier wurden alle Perlen nach Größe und Qualität sortiert und letztlich ihr Wert ermittelt, um gut verpackt nach Panama gebracht zu werden für ihren Weg in die Alte Welt.
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Piraten sind tatsächlich in dieser Gegend gewesen, um die voll beladenen Karavanen von Peru und Ecuador kommend zu überfallen. Man schätzt, dass bis zu 60 Schiffswracks noch im Golf von Panama liegen. Doch diese zu finden ist sehr schwer. Nach all den Jahrhunderten haben Ebbe und Flut die Holzwracks auseinandergerissen und mit meterdickem Sand begraben. Jedes Jahr kommen Forschungsschiffe und Schatzsucher in der Hoffnung in den Golf, um in den Perleninseln eines der teilweise noch mit Gold beladenen Schiffe zu finden. Nicht nur wegen der Piraten, sondern auch durch Stürme erreichten viele Schiffe samt Besatzung nie wieder ihren Heimathafen. Um 1570 herum ist der legendäre englische Pirat Francis Drake der Schrecken an der Pazifikküste zwischen Panama und Ecuador, wo er die Spanische Krone um die von den Indios geraubten Schätzen erleichtert. 100 Jahre später macht sich Kapitän Morgan einen Namen in den Geschichtsbüchern, indem er das Alte Panama City überfällt, ausraubt und niederbrennt.

Wir werden am späten Nachmittag für unsere Ausdauer belohnt, keine 300 Meter vom Strand entfernt, spritzt eine Luftfontaine Wasser in die Luft und ein glänzender Rücken taucht träge ab und zeigt uns seine Schwanzflosse. Mit geöffneten Mündern schauen wir uns an und können nicht glauben was wir eben gesehen haben. Ein zweiter Wal taucht auf mit einem lauten tiefen Luftholen. Was für ein Erlebnis, wir sind alleine am Strand, sehen Wale und keinen interessiert es. Wir verstehen die Welt nicht mehr, es ist Buckelwalsaison und das Hotel ist leer. Vor Panamas Haustür schwimmt das Urlaubserlebnis schlechthin, aber keine Boote mit Videokameras bewaffneten Touristen sind zu sehen. Schön für uns, aber nicht so recht nachvollziehbar. Ein weiterer Freiwassertauchgang steht an, diesmal fahren wir mit Peters Boot in 25 Minuten zur Isla Pacheca hinaus, zu der Vogelinsel. Den Namen hat sie zu recht, nicht nur das man tausende von Pelikanen sieht, nein man kann sie auch riechen. Vogelkot in Maßen das es einen die Riechrezeptoren beschädigt. Das Tauchboot macht einen guten Eindruck, viel Platz zum sitzen mit ordentlichen Stellflächen für die Pressluftflaschen. Anker raus und Boot gesichert. Kurze Zeit später schwimmen alle im Wasser. Auf Peters Zeichen hin lassen wir die Luft aus den Tarierwesten. Langsam, wie gelernt, gleiten wir am Ankerseil in die Tiefe. Die Sicht um uns herum ist recht gut, doch viel mehr außer dem dunkelblauem Ankerseil, das irgendwo unsichtbar verschwindet, ist nichts zu sehen. In 18 Meter Tiefe sitzen wir alle drei auf dem sandigen Meeresboden und gehen alle Tauchzeichen durch.
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Ich sehr bin stolz auf Kerstin, das sie alles so gut packt, sie war auf dem Boot sehr nervös. Peter gibt uns zu verstehen ihm zu folgen, Umrisse werden sichtbar, die sich beim Heranschwimmen als große Felsen herausstellen die zur Insel gehören. Jetzt sind wir vollkommen gefangen von dem Leben um uns herum. Fische in allen Farben zu Hunderten sind überall und nehmen keinerlei Notiz von uns. Der Tauchgang dauert 30 Minuten und wir sahen eine Riesenschildkröte an uns vorbeischwimmen, zwei neugierige Stachelrochen, sowie Schulen von Fischen. Ich bin schwer begeistert als wir wieder im Boot sitzen. Obwohl ich schon in vergangenen Urlauben bei ein paar Schnupperkursen in Mexiko und Kuba viel gesehen habe, ist dieser Tauchgang der bisher beste gewesen.

Am nächsten Tag unternehmen wir einen weiteren Tauchgang am Hausriff, wo wir einen 2 Meter langen Weißspitzriffhai gezeigt bekommen, der immer in derselben Höhle schläft. Sportlich zieht Peter ihn an der Schwanzflosse aus seiner Höhle, das er wohl schon einige Male vorher tat. Der Hai sieht wunderschön aus. Als Peter diesen vollkommen herausgezogen hat, schwimmt er auch sogleich von uns weg und verschwindet aus unserem Blickwinkel. Am ersten Tag haben wir uns bei Peter erkundigt ob es hier Haie gibt, > Haie, ja also eigentlich gibt es weltweit wohl so um die 350 verschieden Arten, davon sind aber nur 10 dem Menschen gefährlich, ok davon gibt zwar 8 Arten hier in den Las Perlas, aber solange er hier ist hat er noch von kein Haiunfall gehört. <
So richtig kann ich mich nicht erinnern, als ich dem Hai hinterher schaue, ob Bruno Weißspitz einer von den 8 war. Es war ein tolles Erlebnis den Hai zu sehen und ich hoffe, dass er nicht alle zu sauer war von uns gestört zu werden. So reiht sich ein erlebnisreicher Tag an den anderen.
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Nur noch 6 Tage bis zum Abflug und heute ist unser letzter Ausbildungstauchgang mit Prüfung. Die schriftliche Prüfung haben wir, noch aufgedreht vom Haiabenteuer am Nachmittag bestanden. Heute also geht es noch einmal raus nach Pacheca, mit seinem vorgelagerten Riff.
Selbe Stelle keine 20 Meter vom Ufer der Insel, fällt der Anker. Auch dieser Tauchgang wird zum Erlebnis. Ich stehe auf der Badeleiter, um zurück ins Boot zu kommen, als hinter mir ein tiefes Zischen entweichender Luft zu hören ist. In unmittelbarer Nähe schwimmen in aller Ruhe zwei Buckelwale zwischen unserem Boot und der Insel vorbei. 5 Minuten zu früh sind wir aus dem Wasser raus, sonst hätten wir sie noch von unten gesehen. Das Tauchboot wirkte zu der Größe der Wale wie eine Nussschale. Kerstin hatte zum rechten Augenblick die Kamera zur Hand, um ein paar perfekte Fotos zu schießen. Selbst Peter hatte in den 8 Jahren, die er hier lebt, keine vergleichbare Begegnung. Das wurde natürlich von uns dick in die Tauchbücher eingeschrieben. Die bestandene Prüfung wurde fast nebensächlich nach diesem nicht alltäglichen Abenteuer. Gut gelaunt sitzen wir alle drei in der Tauchschule und können es dann doch kaum erwarten unsere Lizenzen ausgehändigt zu bekommen. Wir beide bekommen jeweils einen blauen Papierstreifen, auf dem sein Kapitän Morgan Stempel leuchtet. Kleingedruckt lesen wir, dass uns dieser Schein berechtigt, für die nächsten 30 Tage weltweit zu tauchen. Sogleich versichert uns Peter Morgan, dass es ein normaler Vorgang ist und unsere Prüfungsunterlagen umgehend von ihm zu seiner Tauchorganisation geschickt werden.
Jetzt haben wir Lust zurück ins Hotel zu gehen, um bei einem Rumpunsch die bestandene Prüfung und dem nicht zu vergessenen Walabenteuer zu feiern. Am Abend lernen wir Salvatore kennen. Er kam vor 16 Jahren aus Italien zur Insel, ist jetzt mittlerweile 67 Jahre alt. Seit vielen Jahren bietet er mit eigenen Booten Hochseefischen an. Spontan verabreden wir uns für den nächsten Morgen am Galeon Strand. Das Boot mit Kapitän kostet uns stolze $ 175,- USD für 4 Stunden, doch das soll es den Spaß wert sein. Nach solch einer langen Zeit auf dieser Insel, hoffen wir auf ein paar unterhaltsame Storys, während Salvatore mit uns um die Inseln fahren wird. Pünktlich um 8.00 Uhr sitzen wir am Strand und warten auf ihm. Leichter Nieselregen fällt schon seitdem wir gefrühstückt haben, doch nichts kann unserer guten Laune etwas anhaben. Salvatore kommt kurze Zeit später mit seiner Tochter, so denken wir. Er freut sich uns zu sehen und wackelt mit einer Kühlbox in der linken Hand und 6 Angeln auf der rechten Schulter zum Beiboot, das bereits am Ufer schaukelt. Wir bezahlen ihm die Chartergebühr und steigen ins Beiboot, wo schon ein Einheimischer wartet. Die Kühlbox folgt ins Boot, sowie die Angeln nur Salvatore nicht. Wir fragen ihn ob er nicht mitkommen würde, wohin er uns mit einer italienischen Eleganz erklärt, dass er heute wirklich keine Zeit hätte und mit seiner Frau, Finger zeigend auf die junge Lady neben ihm, echt was anderes vor hätte. Nun dann halt ohne ihm, auch egal. Vom Beiboot wechseln wir in ein großes 16 Fuß Kajütboot.
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Schon ein wenig alt und fischmuffig, macht es aber einem recht gemütlichen Eindruck. Anker los, Angeln klar und mit halber Kraft voraus, fährt unser einheimischer Kapitän von Isla Contadora ab. Aus dem Nieselregen wird ein richtiger Tropenregen mit plötzlich aus dem Nichts kommenden hohen Wellen. Bei 30°C ist der heftige Regen nur halb so wild, doch die unruhige See ist für Kerstin unangenehm.
1 Stunde später klart es wieder auf, so schnell wie der Himmel sich zugezogen hat, so schnell knallt mit einem mal wieder die Sonne. Alles auf dem Boot fängt bei der Hitze an zu dampfen. Jede Bewegung der 6 Angeln beobachte ich und hoffe dass wenigstens ein Fisch anbeißen würde. Nach fast zwei Stunden habe ich keinerlei Orientierung mehr. Der Kapitän fährt an kleinen und großen Inseln entlang die jede für sich wunderschön sind, hier durch ein Kanal und da an einer herrlichen Bucht vorbei ohne das ich mehr weiß in welche Richtung Contadora liegt. Unfassbar das uns kein anderes Boot in der ganzen Zeit entgegen kam oder wir irgendwelche Leute an anderen Stränden sehen. Auf dem ersten Blick wirkt für uns alles intakt und sauber. Das letzte Paradies? Unsere ersten beiden Fische fangen wir fast gleichzeitig. Kapitano Pedro, drosselt sofort die Motoren, damit die Fische nicht abreißen. Kerstin hat als erstes eine Angel in der Hand, ich mache es ihr nach und beide kurbeln wir um die Wette wer wohl den größeren Fisch am Haken hat. Kerstin gewinnt. Beide haben wir einen Sierra gefangen, doch der von Kerstin ist eindeutig größer, mit einer Länge von 80 cm. Er wird auch der größte Fang für die restlichen beiden Stunden bleiben.
Auf dem Rückweg kurz vor Isla Contadora, taucht in einiger Entfernung, aber gut zu sehen, ein einzelner Wal auf. Wir hatten trotz wiederkehrenden Regen, einen super Angelausflug. Als wir uns von Pedro verabschieden, halten wir 8 Fische in der Hand, zwei weitere Sierra, einen Hornhecht, und drei kleine dicke Thunfische. Mit einem Seil durch die Kiemen schleppen wir stolz unsere Fische den Strand hoch, wo uns schon Zigaretten rauchend Peter begrüßt. Er schlägt uns Geralds Restaurant vor, um unsere Fische zu „verkaufen“. Gerald wäre ein deutscher Koch der recht freundlich ist und gerne frischen Fisch abnimmt. Also nix wie hin zum ihm. Die Insel ist klein, so dass wir keine 5 Minuten später im Restaurant stehen und Gerald mit Frau Sabine kennen lernen. Er bietet uns gleich ein Geschäft an. Wir dürften uns den Fisch aussuchen, den er uns zubereiten soll und im Gegenzug dafür, würde er den Rest der Fische übernehmen. In einer Stunde könnten wir wiederkommen, dann wäre unser Essen fertig. Das ist ok mit uns, denn wir brauchen erst einmal eine Dusche. Normalerweise sind wir nicht die großen Fischesser. Unser Fischkonsum beschränkt sich üblicherweise darauf, alle 4 bis 5 Wochen eine Konservendose zu öffnen, wo ein fischähnliches Fleisch in viel Ketschup Soße eingelegt ist.
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Somit ist unsere Überraschung außerordentlich angenehm, als wir zurück bei Geralds sind und unseren Sierra essen. Dieser Fisch schlägt alles was wir bisher in dieser Richtung jemals gegessen haben. Zum Fisch serviert er als Beilage Yucca, was wir auch nicht kannten und sehr gut schmeckten, sowie gestampfte Platanus, eine Art Kochbanane, die man in allen Variationen essen kann. Alles im allem war es für uns ein Gaumenerlebnis der besonderen Art. Am Abend sind wir wieder bei Kalli in der Bar. Er und Peter scheinen die besten Gäste in ihrer Bar zu sein. So langsam aber sicher bekommen wir das Gefühl, das wir hier nicht aus Zufall Urlaub gemacht haben. Panama und speziell die Insel Contadora mit ihrer ungezwungenen Art, wirkten auf uns wie noch ein Stück heile Welt
Am nächsten Morgen sind wir mit einer Bootstour unterwegs in Richtung Isla Casaya. Kalli ist heute unser Kapitän. Auf der Insel Casaya leben ca. 60 Leute die noch vom Perlenfischen leben. Ein paar Kinder warten schon am Strand. Umgeben von vielen anderen Inseln ist das kleine Dorf, das im Grunde nicht länger als 100 Meter ist und nur aus einer „Straße“ besteht, recht bescheiden. Ohne Strom und Telefon macht alles einen sehr armen Eindruck, was aber nur Europäern so erscheint. Wir werden nicht angebettelt und unglücklich oder unterernährt sieht hier auch niemand aus. Sogar eine kleine Kirche hat man hier am Ende der Straße gebaut. Ein einziger Raum mit Holzbänken und ein Holzkreuz an der Wand. Man glaubt es kaum, hier sieht man sogar einen Altar aus echtem italienischem Marmor. Wir fragen Kalli wo dieser Marmor herkommt. Ein Österreicher, der ein Haus auf Contadora hat, spendierte die Reste von seinen Renovierungsarbeiten für den Bau des Altars, alles klar. Auf dem Weg zurück zum Boot kaufen wir den Kindern ein paar wunderschöne Muscheln ab. Dumm wie wir als Stadtmenschen sind, lernen wir von Kalli den Unterschied zwischen Muscheln und Schnecken. Das was wir kauften waren Schnecken. Diese Art wird lebend gefangen, woraus die Indianer im Dschungel dem tödlichen Gift für ihre Pfeile zum Jagen gewinnen. Zurück nach Contadora ankern wir noch für einen Schnorchel Stopp vor der Insel Mogo Mogo. Auch hier sind wieder Hunderte von Fische im Wasser. Unbeschreiblich was alles um uns herumschwimmt.
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Der Abreisetag beginnt mit einem kurzen Frühstück, wir sind zu aufgeregt um es zu genießen. In der Nacht hat heftiger Regen eingesetzt der auch am Morgen nicht weniger wurde. Wir sind ein wenig besorgt wegen dem schlechten Wetter, zum Regen wird auch der Wind immer stärker. Unser Internationaler Flug startet um 10.30 Uhr von Tocumen, unser Plan sah ursprünglich vor, dass uns ein kleiner Charterflieger von Contadora um 7.30 Uhr abholt und uns direkt zum Internationalen Flughafen fliegt. Um 8.00 Uhr und auch um 9.00 Uhr kommt kein Charter. Wir sitzen am Flugplatz von Contadora und telefonieren mit dem Reiseleiter auf dem Festland, um irgendeine Lösung zu finden. Gegebenenfalls müssen wir umzubuchen, denn wir sehen keine Möglichkeit mehr, noch unseren Internationalen Flug zu erreichen. Dann um 9.15 Uhr werden wir informiert, dass es bei dem schlechten Wetter für eine kleine Maschine nicht möglich wäre in Contadora zu landen und wir somit zwei Plätze im regulären Flieger zum nationalen Flughafen bekommen, um dort abgeholt zu werden. Dieser fliegt um 9.35 Uhr ab. Aus Erfahrung vom Hinflug wissen wir, das man mindestens 45 Minuten mit dem Auto vom Nationalen zum Internationalen Flughafen benötigt, somit besteht rechnerisch keine Zeit mehr um regulär einzuchecken. Leicht angesäuert sitzen wir im Warteraum, doch wir haben Verständnis für die Situation und Sicherheit geht nun mal vor. Der Regen will nicht aufhören, es herrscht ein Tropenregen wie den Tag auf Salvatores Boot, doch dieser war nur von kurzer Dauer. Aeroperlas, die nationale Fluglinie von Panama, fliegt mit einer Twinotter zur Insel, die Platz für 23 Leute bietet, also auch kein Riesenflugzeug das für alle Wetter gebaut ist. Der Mitarbeiter von Aeroperlas, in dessen Warteraum wir sitzen, beruhigt uns das der Flieger pünktlich kommen wird und auch das Wetter kein Problem darstellen würde. Die Piloten kennen solche Bedingungen und es richtigen Buschpiloten sind. Na das wirkt doch richtig tröstlich auf uns. Wie versprochen kommt mitten aus der Regenwand die Twinotter und landet perfekt. Alles geht jetzt schnell, zusammen sind wir 6 Passagiere. Ohne die Motoren abzustellen steigen wir ein, das Gepäck wird verladen und ab geht’s. Der Start war schauklig wie der restliche Flug, doch unsere Buschpiloten fliegen uns alle sicher zurück zum Festland. Bei der Landung stellen wir fest dass es hier aufgehört hat zu regnen. Nach dem Aussteigen kommt ein Pilot auf uns zu und fragt nach unseren Namen, wobei er uns erklärt das wir uns beeilen müssen er würde uns gleich nach Tocumen zum Internationalen Airport fliegen. Kerstin und ich schauen uns fragend an und bezweifeln das wir überhaupt noch einchecken können, aber ein Versuch ist es allemal wert. In unmittelbarer Nähe parkt eine rote Cessna, auf die unser Pilot zügig zusteuert. Wir hinterher und alles geht jetzt sehr schnell. Motor an, rauf aufs Rollfeld, Gas rein und ab nach Tocumen. Jetzt weiß ich warum der Pilot nicht zu uns nach Isla Contadora gekommen ist um uns abzuholen. In Deutschland hätte man ihm sicherlich die Betriebsgenehmigung entzogen. Zwar ist die Cessna flugfähig, doch man sieht ihr die Jahre an. Wenn er keine Gäste fliegt, wird die Kiste als Langustentransporter genutzt. Die Tür auf der Pilotenseite lässt sich nicht richtig schließen und allgemein ist sie wirklich in einem miserablen Zustand. Unglaublich, aber im Tiefflug und in weniger als 10 Minuten landen wir auf einer Piste in Tocumen, die sonst von den Jumbos benutzt wird. Wir kommen uns echt wichtig vor, als wir vor dem Flugfeld halten und aussteigen als wenn wir VIPs wären. Ich schaue auf die Uhr. Es ist 10.25 Uhr. Ein Flugbegleiter hat schon auf uns gewartet und führte uns ohne Sicherheitsüberprüfungen durch alle Schalter, die Pässe werden nur hochgehalten und schon sitzen wir leicht nach Fisch riechend in der Boeing nach Miami. Keine Ahnung was aus unserem Gepäck geworden ist, aber war für dem Moment auch egal. 10.30 Uhr rollt die Düse mit uns zum Start. Was für ein aufregender Vormittag, ich hätte alle Wetten verloren wenn uns jemand gesagt hätte das wir das schaffen würden. Nach dem Start kommt einer der Flugbegleiter und gibt unsere Gepäckscheine, nun ist also doch noch alles perfekt. Über Miami nach Frankfurt landen wir wieder in Berlin.
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Der Alltag hat uns schneller zurück als erwartet. Dieser Urlaub wirkt noch Tage in uns nach. Viel intensiver als alle Reisen zuvor, bleibt ein gewisser Zauber an uns haften. Irgendetwas haben wir in Panama zurückgelassen, das uns sagt wir müssen noch einmal dahin zurück.