10. Der lange Weg zurück

Liebe mitfühlende Weltreiseblog-Leser,

nun nur noch ein paar Zeilen zur Tortour der Heimreise.

Wir kommen im Finstern in Sao Paulo an und finden unser Gepäck auf dem Förderband zusammen mit dem von 2 weiteren Flugzeugen. Also viel Mühe, durch das Menschengewühl zu kommen. Dreimal fährt mein Koffer vorbei, bis ich ihn vom Band kriege. Dann wandern wir einen endlos scheinenden Weg zum Terminal 2, weil nur von dort die Shuttlebusse fahren. Nach fast einer Stunde kommt der Richtige und bringt uns ins für uns gebuchte Hotel Mercure im Vorort Guarulhos. Aus dem Fenster des 16. Stockwerks blicken wir bei kaltem Wind auf das endlose Lichtermeer der Stadt. Bei uns zuhause ließe sich wegen Selbstmordgefahr in dieser Höhe bestimmt kein Fenster öffnen. Da wir um 4 Uhr schon wieder raus müssen, verziehe ich mich um halbzwölf ins weiche Bett.

Für 25 Dollar bringt uns der Taxifahrer zum Flughafen und es ist hier in Atlantiknähe immer noch empfindlich kalt. Sehnsüchtig blicken wir noch auf die Anzeige des Direktfluges nach Frankfurt, als es verspätet um 6.35 nach Lima losgeht. Erst über den Anden ist wieder Land zu sehen. Verschneite Gipfel und der Titicacasee.

Foto: Richie Brummer Motiv: Anden über Bolivien

Foto: Richie Brummer Motiv: westlich von Machu Picchu

Im Küstennebel Perus die Uhr wieder mal 2 Std. zurückdrehen und verspätet weiter nach Costa Rica. Vom Fenster aus sehe ich noch, wie sich der letzte der beiden Packriemen von meinem Koffer löst. Der erste ging in Iguazú verloren. Teils habe ich schöne Tiefblicke auf die Küstenlinie und die Wüste, auf dem Weg nach Norden.

Foto: Richie Brummer Motiv: westliche Andenhänge, Peru

Foto: Richie Brummer Motiv: Küstenwüste bei Piura, Peru

Mittags landen wir in San José, wo uns wieder Josef zum Hotel abholt. Diesmal ins Buena Vista auf dem Weg zum immer noch wolkenverhangenen Vulkan Poas. André hat keine Lust mehr zu fotografieren, während ich nochmal zu einer Wanderung aufbreche, um den späten Nachmittag zu nutzen.

Foto: Richie Brummer Motiv: Kaffeeplantage bei San José

Foto: Richie Brummer Motiv: Tor am Hotel Buena Vista, San José

Beim Gewitter sitzen wir mit einem naturbegeisterten Ehepaar aus der Schweiz zum Abendessen zusammen und lassen den 2. Heimreisetag über dem Lichtermeer von San José ausklingen.

Foto: Richie Brummer Motiv: San José, Costa Rica

Wieder früh um 4.30 raus und um 5.15 zum Flughafen vom Kurzurlaub. Da wir statt erlaubten 12 Stunden zwei mehr in Costa Rica waren, löhnt jeder von uns wieder 26 Dollar Flughafentaxe und man nimmt mir so kurz vor Schluss noch den Minischirm ab, eine gefährliche Waffe. Nach einem erneut sehnsüchtigen Blick auf ein Display mit Direktfluganzeige nach Frankfurt begeben wir uns zur Boeing um 7.35 Richtung New Jersey in den USA. Es gibt nur gelegentlich einen kurzen Blick auf den Golf von Mexiko und viel später auf die Kulturlandschaft der Neuenglandstaaten, bis wir um 14.30 in Newark landen und die Uhr wieder mal 2 Stunden vorstellen. Die späte ESTA-Anmeldung ist anscheinend angekommen, denn wir kommen ohne Probleme durch die Passkontrolle. Dafür zerlegt eine freundliche Dame in grünen Gummihandschuhen unser gesamtes Gepäck bis in den kleinsten Winkel. Bin nur froh, dass meine Federsammlung nicht konfisziert wird. Am bedrohlichsten war nur eine riesige Dogge beim unmittelbaren Ausstieg aus dem Flugzeug, die das „Herrchen“ erst nach gründlichem Beschnüffeln von mir und meinem Handgepäck mit einem verächtlichen an mich gerichteten „go away“ zurück pfiff. In fast drei Stunden schaffen wir es mit dem Bus hinüber nach New York, warten in Manhattan im strömenden Regen auf den nächsten Bus zum J.F.K. Airport. Endlich im Trockenen, leiste ich mir im Irish Pup Tigin ein Smithwich´s für stolze 10.88 Dollar.

Am wieder anstrengenden Ende des bereits dritten Rückreisetages besteigen wir gegen 21.45 Uhr das letzte Flugzeug dieser Reise zurück nach Frankfurt. Der Service ist bei Singapore Airlines erwartet gut und ich nicke erschöpft ein.

Am 81. Tag, dem 15. Oktober 2010 landen wir kurz vor 12 Uhr in der Heimat. Ich verabschiede mich von André, der nach Rostock muss und löse ein ICE-Ticket nach München. Am späten Abend bin ich dann zuhause.

Ja so war´s liebe Freundinnen und Freunde dieser Weltreise. Bezaubernd, faszinierend, exotisch, lehrreich, einmalig, anstrengend, Kräfte zehrend, ein Traum.

euer Richie

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9. Station Iguazú (Argentinien/Brasilien)

Liebe Freundinnen und Freunde dieses Blogs,

in Sao Paulo landen wir bei Sprühregen nach 1 Stunde 20 und warten bis 0.15 Uhr, bis der verspätete Flug nach Iguazú startet. Der Abstecher gehört nicht mehr zur Weltreise aber ich dachte mir, wenn ich schon mal in dieser fernen Ecke bin, muss ich unbedingt die Wasserfälle sehen und habe diesen Ausflug selbst bezahlt. Allerdings mit dem Wermutstropfen, das schöne Pantanal zwei Tage früher verlassen zu müssen und der Erkenntnis, dass mein begleitender Fotograf André diese Tour bezahlt bekam. Wieder die Uhr 1 Std. vorstellen, als die Maschine um 2.10 Uhr Ortszeit am Ziel ist. Der Deutsch sprechende Paulo bringt uns ins nahe Hotel und ich falle um 3.45 Uhr ins Bett, nachdem sich ein Bier aus der Minibar als untrinkbar, weil zu einem Eisblock gefroren erweist.

Bereits um 8 Uhr wieder auf. Nehme das Angebot von Paulo wahr und lasse mich zur argentinischen Seite bringen. Es ist fast wolkenlos, schon früh heiß bei einem angenehmen Wind. Haben starken Gegenverkehr, da in Argentinien Feiertag ist und alle nach Brasilien zum Einkaufen fahren. Mit einer Schmalspurbahn mit offenen Waggons und nach Zahlung von 85 Pesetas geht es Richtung Hauptwasserfall. Wolken meist gelber Schmetterlinge begleiten den Zug.

Foto: Richie Brummer Motiv: Schwefelfalter saugen Wasser

Den Rest schreitet man über Gitterbodenstege sicher und trocken dahin. Dabei quert man zahlreiche Urwaldinseln und Flussarme und ist überrascht, wie breit hier der Rio Iguazú daher kommt. Reste der alten Stegverbindungen zeigen, wie gewaltig die Wassermassen werden können, die vor Jahren alles weg gerissen haben.

Foto: Richie Brummer Motiv: Surucuatrogon, Männchen von vorne und hinten

Foto: Richie Brummer Motiv: Kappenblaurabe

Auf jedem Flussinselchen begegne ich interessanten Vogelarten wie dem bunten Surucuatrogon oder dem Kappenblauraben und Olivenscharben rasten in Gruppen nach dem Fischfang mit ausgebreiteten Flügeln auf kahlen Felsen im Strom, wie dies alle Kormoranarten gerne tun. Durch das Geschiebe der Touristen erreiche ich den Hauptwasserfall Garganta del Diablo. Obwohl keine Hauptsaison, sammeln sich hier so viele, meist einheimische Menschen, dass es bis zu 10 Minuten dauert, bis ich bei den fotogenen Stellen das Geländer erreiche.

Foto: Richie Brummer Motiv: Fälle auf argentinischer Seite

Aber dann höre ich nur noch das Donnern der ungeheueren Wassermassen, spüre die gewaltige Energie und die heranwehende Gischt im Gesicht und begeistere mich an den Schwärmen der Russsegler, die todesmutig in die Fälle stürzen. Ihre Nester befinden sich nämlich hinter der kolossalen Wasserwand geschützt an den Felswänden. Nur schwer kann ich mich von diesem gewaltigen Naturschauspiel losreißen, um nachrückenden Leuten Platz zu machen. Da ich den ganzen Tag Zeit habe, wandere ich wirklich alle der umfangreichen Wege, Treppen und Steige ab und treffe alle paar Meter auf neue und faszinierende Motive und Ausblicke.

Foto: Richie Brummer Motiv: Fälle auf argentinischer Seite

Foto: Richie Brummer Motiv: Fälle auf argentinischer Seite

Die Wasserfälle befinden sich zu fast Zweidrittel auf argentinischer Seite und sind in einen umgebenden Nationalpark von 550 km2 eingebettet, während die kleinere brasilianische Canyonseite in einem Schutzgebiet von 1700 km2 liegt. In beiden Gebieten ist das Areal zum Glück noch auf neun Zehntel der Fläche von subtropischem Regenwald bedeckt und ist Heimat von mehr als 2000 Pflanzenarten. Von den Tieren sind bisher nur die Schmetterlinge, Säugetiere und Vögel näher erforscht. Aber die Müllbehälter sind aus gutem Grund schon Nasenbär sicher montiert. Oft steht ein Regenbogen fotogen in der Gischt und mit ausgebreiteten Schwingen blicken Truthahngeier auf das große Schlauchboot hinab, das Touristen nahe an die Fälle bringt, bis der Wasserdruck zu stark wird. Abends bringt mich Paulo wieder nach Brasilien hinüber und ich genehmige mir ein paar kühle Biere zum Abendessen. Da wir wieder Netz haben, kann ich auf Andrés Rechner endlich die ESTA-Anmeldung für die USA machen, damit sie mich bei der bevorstehenden Rückreise nicht doch noch einsperren.

Am nächsten Morgen bin ich bereits um 9 Uhr bei Öffnung am Eingang zum Nationalpark. Zu Fuß sind es keine 10 Minuten vom Hotel. Es kostet 27,50 Reales Eintritt, dann geht es mit dem Bus die 11 km zu den Fällen. Auch diese Seite des Weltnaturerbes ist durch ein perfektes Wegesystem erschlossen und am Ende der Strecke vor dem Salto Floriano gibt es sogar einen Lift nach oben, den ich natürlich meide.

Foto: Richie Brummer Motiv: Fälle auf brasilianischer Seite

Dafür entdecke ich auf dem Schweiß treibenden Weg nach oben interessante Pflanzen, Vögel, einige wohlgenährte Teju-Leguane und ein Wildes Meerscheinchen.

Foto: Richie Brummer Motiv: Schwarzweißer Teju

Foto: Richie Brummer Motiv: Wildes Meerschweinchen

Nach der ausgiebigen Foto- und Beobachtungsorgie durch den Vormittag bringt mich der Bus zurück und ich habe den ganzen Nachmittag Zeit, die Tiere im Vogelpark zwischen Parkeingang und Hotel zu studieren, den man für 12 Dollar besuchen kann. Es gibt hier auch einige afrikanische Vogelarten, aber mich interessieren besonders die Tiere Südamerikas. Manche sind leider in Käfigen mit engmaschigem Gitter untergebracht, was das Fotografieren sehr erschwert. Aber in einigen Freiflugvolieren finde ich beste Bedingungen vor.

Foto: Richie Brummer Motiv: links Kahnschnabel, rechts Scharlachsichler

Besonders die Pantanal-Anlage hat es mir angetan, die ich im Lauf des Nachmittags mehrmals aufsuche. Dort kann ich Arten wie den Kahnschnabel oder den Scharlachsichler beobachten, die ich im Pantanal nicht sehen konnte und die Riesentukane fliegen mir fast auf die Schulter.

Foto: Richie Brummer Motiv: Riesentukan

Viel zu schnell vergeht der Tag und ich muss zum Hotel zurück, um mein tagsüber eingesperrtes Gepäck zu holen. Paulo holt uns um 18 Uhr zum Flughafen ab und schon 40 Minuten vor der angegebenen Zeit geht es an Bord Richtung Sao Paulo.

Viele Grüße aus der weiten Welt,

euer Richie

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8. Station Brasilien

Hallo ihr Weltreisefans,

nach guten 5 Std. des Wartens und dem Abdrücken von 29 Dollar Flughafentaxe geht es von Guayaquil nach Lima in Peru. Nach einem für unsere Verhältnisse kurzen Transitaufenthalt fliegen wir weiter nach Sao Paulo. Dort kommen wir an unserem 71. Reisetag kurz nach 4 Uhr Ortszeit an und warten geduldige 6 Stunden, bis es nach Campo Grande in die Provinz Mato Grosso do Sul weiter geht. Wir kommen in der größten Mittagshitze an und warten vergeblich auf eine Abholung. Über einen Touristen-Infostand bekommen wir eine Telefonnummer der für uns gebuchten Pousada heraus, da unsere Nummer falsch ist. Man hat uns am Abend erwartet und so kommt erst nach 2 Std. ein Fahrer zur Abholung. Nun müssen wir noch in die Stadt und tingeln einige Fotoläden ab. Andrés 400er-Zoom (das Zweite) hat auf Galapagos den Dienst quittiert und hier bekommt er als Ersatz nur ein Zoom bis 135 mm geliehen, mit dem er natürlich nicht zufrieden sein kann.

Foto: Richie Brummer Motiv: Jabiru-Storch Denkmal in Campo Grande

Dann rauschen wir auf schnurgerader Teerstraße fast 4 Std. später als geplant Richtung Westen. Die malerischen Tafelberge der Serra do Maracaju tauchen auf. Dahinter beginnt das flache Tiefland des Pantanal, in das ich schon seit Jahren reisen will. Das weite Grasland wird von meist weißen Zeburindern, Pferden und teils auch Schafen beweidet und ist charakteristisch von den bis 12 m hohen Romanzoffianischen Kokospalmen locker bestanden, die hier ihr Hauptverbreitungsgebiet haben. Sie prägen hier das Landschaftsbild und heißen bei den Guarani-Indianern übersetzt “Große Person”. Wir rasten kurz an der wohl einzigen Möglichkeit, der Rancho do Pescator, fahren nach Aquidauana zum Tanken und erreichen kurz nach Anastácio die 60 km lange Sandpiste, die jetzt am Ende der Trockenzeit noch in erstaunlich gutem Zustand ist. Bei Sonnenuntergang sehen wir schon Wasserschweine, diverse Vogelarten, einen Ameisenbär und erreichen die Pousada Aguapé, wo wir herzlich empfangen werden.

Foto: Richie Brummer Motiv: Chacoguan beim morgendlichen "Gesang"

Noch in der Dämmerung um 5 Uhr morgens beginnt ein Spektakel, das in einem Prospekt untertrieben so beschrieben wird: “at Aguapé the guest can wake up with the song of birds…”. In Wirklichkeit ist es ein schier ohrenbetäubendes Inferno kräftiger Vogelstimmen, das mich hinaus in die Natur treibt. Besonders die Weißhalsibise, Guirakuckucke und Chacoguane machen einen Höllenlärm. Aber der kleine Rosttöpfer mit seinen geschätzten 120 Dezibel übertrifft sie alle. Da fällt mir schier ein Ohr ab. Auch alle Gauchos sind schon früh am Morgen aktiv und nach dem Frühstück unternehmen wir eine ausgedehnte Bootstour auf dem Rio Aquidauana, bei der wir viele treibende Plastikflaschen einsammeln, die nur von dem gleichnamigen Städtchen stammen können. Sonst liegt keine weitere Siedlung am Fluß, der im Westen in den Rio Paraguai mündet. Im Galeriewald, der die Ufer säumt, treffen wir auf eine reichhaltige Vogelwelt, scheue Kaimane und ettliche Fischer, die fast nur Piranhas erwischen. Durch die Äste eines der zahlreichen, in rosafarbigen Rispen blühenden Bäumen, klettert eine Brüllaffenmutter mit Kind und unser Guide Fabiano entdeckt eine bleistiftdünne Baumnatter inmitten der dichten Weidenzweige knapp über der Wasseroberfläche.

Am Nachmittag wagt André einen Ausritt mit den Gauchos, während ich wegen Rückenschmerzen auf der Ranch bleibe, Blogs nachschreibe und nebenbei fotografiere. Es wimmelt hier von Tieren. An die zahlreich angelegten Futterstellen kommen Massen bunter Vögel. Die bedrohten Hyazintharas sind hier oft an den Palmnüssen und lassen viele Früchte auf das Dach knallen. Für Fotos lassen sie mich allerdings nicht näher als 10 Meter heran.

Foto: Richie Brummer Motiv: Hyazintharas

Vogelfreunde kommen hier voll auf ihre Kosten. Eine ähnliche Vielfalt kenne ich bisher nur aus dem Okavangodelta in Botswana. Daneben finden sich Eidechsen, diverse Frösche und in der Dämmerung Gürteltiere ein, die beim Abendessen hurtig unter den Tischen umher huschen und intensiv im Garten graben.

Zeitig am nächsten Morgen bin ich wieder im Gelände unterwegs und entdecke einen Kaninchenkauz. André reitet für Fotos über den Tagesablauf der Gauchos wieder mit einer Gruppe von Farmarbeitern los, während ich mit Fabiano und der Deutschen Birgit eine interessante Wanderung unternehme. Ich sehe die ersten Nandus in freier Wildbahn, Marmor- und Cocoireiher, Kaimane, einen Schwarz- und Savannenbussard, Jabiru-Störche und Schwärme von Nandaysittichen.

Foto: Richie Brummer Motiv: veralgter Kaiman

Interessant sind besonders die auf Windverbreitung spezialisierten Samen verschiedener Bäume, die mich zum Sammeln reizen. Kurz vor dem Mittagessen zieht ein schweres Gewitter auf, dem ein heftiger Staubsturm voraus geht. Die Reiter schaffen es gerade noch auf die Farm. Das Unwetter hält sich hartnäckig bis 17 Uhr, es blitzt und kracht in Serie und schwere Palmwedel stürzen herab. So wird es nichts mehr mit einer weiteren Safari, es regnet sich ein und wir schauen Pantanal-DVDs in einem modern ausgestatteten Vorführraum, den man hier nicht erwarten würde. Mit meinem Blog habe ich wenig Glück, das System stürzt laufend ab.

Foto: Richie Brummer Motiv: Nebelmorgen auf der Pousada Aguapé

Foto: Richie Brummer Motiv: Kaninchenkauz

Am folgenden Morgen, ich bin wieder weit vor Sonnenaufgang im Gelände, herrscht dichter Nebel, der aber bald von der durchbrechenden Sonne aufgelöst wird. Eine zauberhafte Stimmung und ich entdecke meinen Kaninchenkauz wieder, der tropfnass auf einem Zaunpfahl sitzt. Nach dem Frühstück unternehmen wir einen Gamedrive mit dem offenen Geländewagen über das abwechslungsreiche Farmland aus Weideflächen, Palmenhainen, Gehölzinseln (Cerrados), Regenzeittümpeln (Vazantes), Sümpfen (Brejos) und permanent Wasser gefüllten Altwasserarmen. Angereichert mit Ibisen, Sichlern, Reihern, einem Rosa Löffler, Riesentukanen, einem Pantanal-Hirsch, Kaimanen, Ameisenbären und vielem mehr. Ein Traum für Naturfreunde.

Foto: Richie Brummer Motiv: Großer Ameisenbär

Am Nachmittag sind wir mit Rosalino beim Fischen an einem großen Altwasserarm des Aquidauana. Das heißt, Rosalino hängt Blätter an die Angel, hält sie über das Wasser und wir fotografieren die danach schnappenden Kaimane. Danach paddelt uns der Guide mit einem Boot übers Wasser und wir erleben eine Großfamilie von 12 Riesenotter um uns, eine absolute Sensation.

Foto: Richie Brummer Motiv: Kaiman

Foto: Richie Brummer Motiv: Riesenotter

Bei einer anschließenden Wanderung durch den tollen Galeriewald stoßen wir unter anderem noch auf eine große Köhler-Schildkröte, während uns die Moskitos schier aussaugen. Zurück im Camp erleben wir den Streit eines Südamerikanischen Nasenbären mit einem Savannenfuchs ums Futter. Wie gesagt, es wimmelt hier von Arten. 16 Touristen sind heute neu angekommen, aber keiner bemerkt die Schlange nahe am Pool, die einen schreienden Frosch verschlingt. Bei klarem Sternenhimmel gehen alle wieder früh zu Bett.

Der nächste Tag beginnt bedeckt und ohne Morgensonne. Diesmal lässt sich vom Kaninchenkauz das Pärchen blicken. Nehme erneut an einer Bootsfahrt teil, bei der wir 13 Riesentukane, 3 Brüllaffen, 6 Kaimane und vieles andere beobachten. Nachmittags geht es dann erneut auf eine ausgedehnte Jeep-Safari. Der junge Guide und Gaucho Erasmo hat einen großen Eimer Pirhanas dabei und bald merken wir, dass hier wohl jedes Tier seit langer Zeit angefüttert wird und dementsprechend zutraulich geworden ist. So gelingen uns leicht Aufnahmen von Savannenfüchsen, Kaimanen, Jabiru-Störchen und Schopf-Karakaras.

Foto: Richie Brummer Motiv: Savannenfuchs

Foto: Richie Brummer Motiv: Schopfkarakara

Außerdem sehen wir Nasenbären, Gürteltiere, eine Hirschkuh und wieder viele Vogelarten. An einer größeren Lagune füttern wir 20 Kaimane und warten auf die Nacht. Die Moskitos sind mörderisch. Dann schaltet Erasmo den Suchscheinwerfer an und leuchtet übers Wasser. 300 rote Augenpaare leuchten uns entgegen. Und wir dachten, die 20 Krokodile am Ufer seien die einzigen Bewohner. Auf dem Rückweg entdecken wir noch ein einsames Nandu-Ei und Besonderheiten, wie eine Choliba-Eule, viele Zwergnachtschwalben, eine Margaykatze und ein Tamanduaweibchen mit Jungtier auf dem Rücken. Eine machtvolle Demonstration der bezaubernden Tierwelt des Pantanal.

Foto: Richie Brummer Motiv: Tamandua trägt ein nicht mehr so junges Jungtier

Unser letzter Tag ist angebrochen. Ich bin früh morgens wieder bei meinen Kaninchenkäuzen und entdecke auch die Bruthöhle. In der Ferne gröhlen die Brüllaffen und schon vor dem Frühstück sind die kobaltblauen Hyazintharas kreischend unterwegs. Dann sind wir nochmal mit Rosalino am Billabong, wie man in Australien zu einem solchen Altwasserarm sagen würde. Er fischt Piranhas, die schier ununterbrochen anbeissen, hängt sie umgekehrt an eine Angelschnur und lockt die Kaimane. Die gierigen Tiere knallen zum Teil beim Schnappen nach der Beute heftig mit den Köpfen zusammen und das laute Knallen der zusammenschnappenden Kiefer ist äußerst beeindruckend.

Foto: Richie Brummer Motiv: Kaiman

Bereits um 11.30 Uhr geht unsere Fahrt zurück nach Campo Grande, wo André das Zoom-Objektiv wieder abliefert und wir vom Airport um 18.40 Uhr nach Sao Paulo starten.

Es ist noch nicht ganz Rückreise, es kommt noch was,

euer Richie

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7. Station Ecuador

Liebe Weltreiseanhänger,

am 63. Tag landen wir mittags in Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Wieder mal die Uhr um eine Stunde vorstellen. Man könnte gleich nach Guayaquil umsteigen, um auf die Galapagos Inseln zu kommen. Aber nein, es ist erst Kulturprogramm auf dem Festland vorgesehen. Fahrer Fernando bringt uns zum Hotel Fuente de Piedra in die Innenstadt. Gar nicht so einfach, es gibt 4 gleichen Namens in Quito. Will mich gleich meinen Blogs widmen, aber der Laptop fährt nicht mehr hoch. Hab ich ihn dann endlich soweit, bleibt das System mittendrinn stehen und ich fange wieder von vorne an, da kommt Freude auf.

Am nächsten Tag müssen wir 15 Minuten zum nächsten Hotel laufen, da unseres nicht angefahren wird. Besteigen dort einen Bus und klappern dann alle anderen Herbergen ab, um die einzelnen Touristen aufzusammeln. Nun geht eine Fahrt ins Tal von Otavalo los. Alle Gäste sind kreuz und quer aus Südamerika und Guide Roberto moderiert unterwegs in Spanisch, was von uns nur André versteht und mir ab und an was übersetzt. Das Ganze ähnelt einer Verkaufsfahrt mit zahlreichen Stopps an diversen Läden. Dabei besichtigen wir die Herstellung von grellbunt bemalten Dingen aus Salzteig, einen Panamahut-Verkäufer, eine Straßen-Garküche, bei der mittags der totale Andrang herrschen soll und einiges mehr. Für eine Naturstudienreise gibt es mir einfach zu wenig Natur.

Foto: Richie Brummer Motiv: Cotopaxi

Nein, stimmt nicht ganz: wir halten auch kurz für einige Bilder auf der nagelneuen Autobahnbrücke, weil der Cotopaxi Vulkan mit seinen imposanten 5897 m vollkommen frei im Süden aufragt. Und dann noch über dem Fischfluß-Canyon, der sich durch trockene Andentäler mit interessanter Halbwüsten-Vegetation gegraben hat. Ausserdem an einem Aussichtspunkt über dem Otavalotal mit Blick auf den See San Pablo, wo man seinen Kopf für Fotos durch Pappkameraden in Indiotracht stecken kann. Dann steigen zwei hübsche Mädchen in örtlicher Quichua-Tracht in den Bus, singen ohne Scheu 3 Lieder ins Mikro und verkaufen uns anschließend ihre „handgewebten“ Schals, bis sie mit uns am berühmtesten Indiomarkt in Otavalo aussteigen.

Foto: Richie Brummer Motiv: singendes Quechua-Mädchen

Foto: Richie Brummer Motiv: Indiomarkt in Otavalo

Foto: Richie Brummer Motiv: Tillandsien auf Stromleitungen

Hier gibt es Gestricktes, Gehäkeltes, Gewebtes und Geflochtenes in allen Farben und dazu viel Schmuck. An Samstagen ist der Markt noch wesentlich größer als an Wochentagen. Mich erfreuen besonders die zahlreichen Tillandsien, die wie Noten auf einem Notenblatt verteilt auf den Stromleitungen Halt finden. Anschließend fahren wir bis Cotacachi weiter. Ein reicher Bürgermeister hat daraus einen blühenden Ort gemacht, wie man ihn in ganz Südamerika nicht mehr findet. Alle leben hier von der Lederverarbeitung und müssen nicht mehr abwandern. Sogar die einzige Hochschule gibt es hier dafür. Wir fallen zum Mittagessen in den schmucken Ort ein und eine mitreisende Dame aus Uruguay bestellt sich ein Cuy. Das Meerschweinchen grinst uns im Stück goldbraun paniert auf einem dicken Salatbett mit seinen großen Nagezähnen an. Auf der Rückfahrt sehen wir an den Berghängen gut die überdachten Rosenplantagen. Ecuador ist nach Kolumbien Hauptexporteur. Nach einem freundlichen Tag kommen wir bei einem Gewitter nach Quito zurück und marschieren im Regen zum Hotel, wobei die anderen Reisenden jeweils vor ihrer Residenz abgeladen werden.

Am nächsten Tag erneuter Marsch in die Juan León Mera. Wieder nur Touristen aus Spanisch sprechenden Ländern. Diesmal macht sich Guide Carla aber die Mühe, für mich alles in Englisch zu übersetzen. Erst besuchen wir die Altstadt, die jetzt zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Zu meinem letzten Besuch ist alles viel sauberer und sicherer geworden, was bestimmt mit der Ernennung zusammen hängt. Nur Losverkäufer und Stadttauben auf der Plaza de San Francisco sind gleich geblieben. Die Kirchen erstrahlen innen wie außen noch im gleichen Prunk aus Blattgold und vor dem Gouverneurspalast wechseln sich alle 2 Stunden zwei stramme Elitesoldaten bei der Wache ab.

Foto: Richie Brummer Motiv: La Compania, Quito

Auf der Plaza vor der Kirche tobt das pralle Leben sprich, es wird dem Müßiggang gefrönt.

Danach quetschen wir uns mit dem fetten Reisebus durch die engen Altstadtgassen zum El Panecillo, was man wohl mit Brötchen übersetzen könnte. Auf dem so geformten Berg steht eine riesige Marienfigur aus 7000 Aluminiumteilen, die von einer chilenischen Mitreisenden besonders oft fotografiert wird, die wohl auch denkt: die Maria in Santiago de Chile sieht schöner aus. Andrés Kreditkarte ist kaputt, leihe ihm Geld, damit er sich für den Rest des Tages von der Gruppe abseilen kann. Er will die berühmte La Capilla del Hombre mit den Gemälden des Indiokünstlers Oswaldo Guayasamin besuchen.

Wir fahren weiter zum Äquator, der nirgends so zelebriert wird wie in Ecuador natürlich. Um die große Säule bei San Antonio de Pichincha ist ein ganzes Dorf entstanden,das sich Mitad del Mundo, Mittelpunkt der Erde Stadt nennt. Es gibt zahlreiche Museen und Ausstellungen zum Thema und natürlich jede Menge Restaurants und Souveniershops. Da es am Rückweg zu gewittern beginnt, müssen wir die Bahnfahrt hoch zur Kapelle sausen lassen und begeben uns in die Stadt zurück. André fährt noch auf den Aussichtsberg Teleferico hoch, während ich im noch existierenden Libri Mundi-Buchladen ganz enthaltsam bin und nur 46 Dollar ausgebe. Aber das Porto für eine Postkarte in die Heimat kostet schon satte 2.25 Dollar.

An unserem 66. Tag brechen wir um 5.30 Uhr in aller Hektik zum Flughafen auf. Keiner sagte uns rechtzeitig Bescheid und schon nehmen sie mir wieder ein vergessenes Schweizer Messer ab. Um 7.45 düsen wir schon ab nach Guayaquil und die Anden sind erstmals richtig frei in der Morgensonne. Man läßt uns in der Küstenstadt 50 Minuten im Flugzeug schmoren, bevor es weiter geht.

Aber dann beginnt es kurios zu werden. Wir gewinnen nicht an Höhe und kreisen über der nebligen Stadt bis zur Durchsage: Vogelschlag und damit Notlandung am Standort. Beim Aussteigen sehen wir 7 große Blutflecken im Cockpitbereich. Nun warten wir in der Transithalle und plötzlich läuft alles vor den allgegenwärtigen Fernsehern im Dauerbetrieb zusammen. Militär und Polizei streiken und haben bereits den Flughafen von Quito besetzt. Für Guayaquil steht es wohl kurz bevor. Pressehubschrauber kreisen schon. Erste Tote und Plünderungen in den unbewachten Straßen werden gemeldet. Die Nummer zu unserem Verbindungsbüro vor Ort ist falsch, André recherchiert im Internet und dann soll uns eine Alicia abholen, die sich bereits im Gebäude befindet. Aber es kommt niemand. Bis zum Abend schaffen wir es dann, dass man uns ins ummauerte und vergitterte Hotel Mocow bringt, indem schon alles von englischen Gestrandeten wimmelt. Keiner hier ist natürlich auf die Situation vorbereitet gewesen und so gibt es für jeden erstmal eine Banane und eine Scheibe Käse. Die auch hier festsitzende Schweizer Journalistin Margit Niedermaier (sie schrieb das Vorwort zu Margarete Wittmers berühmtem Buch „Postlagernd Floreana“, jedem Galapagoskenner ein Begriff) informiert uns immer über den neuesten Stand und abends gehen schon wieder die ersten Flüge. Schlafe schlecht ein, da im Zimmer über mir die feurige Rede von Präsident Rafael Correa Delgado aus dem TV dröhnt.

So brechen wir um 5.15 Uhr wieder zum Flughafen auf, um die 1. der zwei Maschinen nach Galapagos zu erwischen und landen endlich um 8.45 Uhr auf Baltra. Löhnen 100 Dollar pro Person Nationalparkgebühr und warten vergeblich auf einen Abholservice. Fahren dann auf einem Gepäck-LKW mit, queren mit der Fähre den Itabaca Kanal nach Santa Cruz hinüber und lassen uns mit einem Taxi auf der nagelneuen Teerstraße nach Puerto Ayora auf der anderen Inselseite bringen, wo wir kurz vor 11 Uhr das Hotel Silberstein erreichen. Da wundert sich die liebenswerte Praktikantin Anna an der Rezeption, wo wir plötzlich herkommen. Nun die Uhr wieder 1 Std. zurückstellen und mit Guide Moríz gleich zur Charles Darwin Station marschieren. Wir wollen bei den mickrigen paar Tagen die uns bleiben, keine Zeit verlieren. Da ich schon mal 6 Wochen auf den Inseln war, fühle ich mich sofort wieder zuhause.

Der berühmte Sattelschildkrötenmann Lonely George, inzwischen eine Flaggschiffart für den Artenschutz, hat jetzt 2 Frauen bekommen, will sich aber mit seinen jugendlichen 90 Jahren nicht paaren. Da die Gewinnung von Sperma mittels Elektroschocks doch etwas brutal erscheint, versucht es eine Wissenschaftlerin aus der Schweiz zur Zeit mit einem Stimulationsprogramm. Auch an eine Großleinwand vor dem Gehege hat man schon gedacht, wo poppende Schildkrötenpaare für George zu sehen sein sollten. Hat dies wegen der vielen Familien mit Kindern, die hierher zu Besuch kommen, aber wieder verworfen.

Am Nachmittag fahren wir dann ins Hochland bei Bellavista, um auf der Farm von Steve Devine freilebende Riesenschildkröten zu beobachten. Erst erkunden wir einen Lavatunnel, in dem sich eine Galapagos-Schleiereule aufhält.

Foto: Richie Brummer Motiv: Riesenschildkröte und Ani-Kuckuck, St. Cruz

Überall aus dem Grün erheben sich die mächtigen Panzer der Reptilien zwischen locker stehenden Bäumen voller Bromelien und Farnen und glänzen in der Sonne. Manchmal setzt sich auch ein Ani-Kuckuck auf eine Schildkröte um einen besseren Überblick zu haben. Auf einer Pfütze kann ich 3 Bahamaenten entdecken. Deren Hauptpopulation befand sich einst im Kratersee von Fernandina. Doch als der La Cumbre 1968 ausbrach, vernichteten die Gesteinsmassen über 2000 dieser Art.

Sodann fahren wir zur Stadt zurück und unternehmen eine Wanderung zum Sonnenuntergang an die Tortuga Bay, die Badebucht der Einheimischen. Inzwischen führt ein zusätzlich neu angelegter, breiter und gepflasterter Weg durch den Kaktuswald und bei Sonnenuntergang hat man zurück zu sein.

Der nächste Tag gehört der Insel Seymour Norte. Zeitig bringt man uns über St. Cruz zum Fährhafen und setzt uns dann mit dem Schifflein St. Fé II und noch einer Gruppe südamerikanischer Touristen nach etwa 50 Min. auf der Insel ab. Natürlich wird wieder alles auf Spanisch kommentiert, da man ja inzwischen von Andrés Fähigkeiten weiß. Zum Glück kenne ich hier schon alle Tiere und bin auf keine Erklärungen angewiesen. Die Brandung auf der Westseite ist wie immer grandios und wenn der Nationalpark nicht wäre, gäbe es hier bestimmt ein Surfers Paradise.

Foto: Richie Brummer Motiv: die Welle von Seymour norte, dahinter Daphne major

Foto: Richie Brummer Motiv: Sesuvium (ein Dickblattgewächs) und Palo Santo Bäume

Da wir zur stürmischen und oft nebligen Trockenzeit hier sind, die als Garúha bezeichnet wird, haben die Palo Santo-Bäume alle ihr Laub abgeworfen. Die Gräser sind goldgelb verdorrt und das Sesuvium (ein Dickblattgewächs) bedeckt knallrot verfärbt den Boden teils Flächen deckend. In der Kolonie der Prachtfregattvögel und auch bei den Blaufußtölpeln am Boden gibt es Junge. Von den hier nur selten zu sehenden Landleguanen entdecken wir gleich 2 Männchen und ein Weibchen, die sich meist im spärlichen Schatten der Kakteen aufhalten, von denen alle drei Arten auf Galapagos endemisch sind.

Foto: Richie Brummer Motiv: Landleguan auf Seymour norte

Anschließend geht es noch nach St. Cruz hinüber, um in den beiden Bachas genannten Sandbuchten zu wandern und zu relaxen.Bei der Überfahrt gibt es Fisch zum Lunch und Meerespelikane, sowie Fregattvögel streiten sich um die Happen, die der Koch bei der Zubereitung über Bord wirft. Aus dem Sand ragen immer noch rostige Zeugnisse einer amerikanischen Militärbasis aus dem 2. Weltkrieg. In einer kleinen Lagune hinter den Dünen, auf denen sich viele Trichter von Eiablagestellen der Meeresschildkröten befinden, schreitet ein einsamer Flamingo umher. Meerechsen weiden bei Ebbe ohne großen Aufwand die sattgrünen Algen von den schwarzen Felsen und überall huschen die roten Sally Lightfood-Krabben herum.

Foto: Richie Brummer Motiv: Meerechse in den Algen, Santa Cruz

Foto: Richie Brummer Motiv: Rote Klippenkrabbe, engl.: Sally Lightfoot Crab

Am nächsten Morgen fahren wir sehr früh mit einer Gruppe über die Insel zum Kanal und besteigen die Espanola, die uns bis 10.30 Uhr zur Insel Bartólome bringt. Frühstück gibt es erst an Bord. Das Meer ist stürmisch und aufgewühlt, besonders durch die zusätzliche Strömung zwischen den großen Inseln St. Cruz und Santiago. Teils zauberhafte Lichtstimmungen über dem Meer. Einmal schießt ein großer Rochen meterhoch aus dem Wasser und glitzert zauberhaft in der Sonne. Diese Ecke von Galapagos ist die landschaftlich wie geologisch Spektakulärste. Besonders vom Vulkangipfel Bartólomes hat man einen phantastischen Blick auf die verwitterte Säule des Pinnackle Rock, sowie auf die schwarzen Lavafelder von Santiago gegenüber, mit eingestreuten Kegeln aus vulkanischem Tuff in tollen Braun- u. Rottönen.

Foto: Richie Brummer Motiv: der berühmte Blick von Bartóleme auf Santiago

Ein neuer Bohlensteg mit Treppen und Geländern führt auf den windumtosten Gipfel. Auf den Aschefeldern zwischen den zackigen Explosionskratern hat sich als einzige Pionierpflanze die graue Tiquilia angesiedelt und aus Stricklavaspalten sprießen einige Lavakakteen.

Foto: Richie Brummer Motiv: Lavakaktus auf Bartólome

Vorbei an dösenden Seelöwen und einigen stoßtauchenden Blaufußtölpeln ankern wir in der geschützten Sandbucht, wo einige schnorcheln und baden, bevor es an Bord ein Mittagessen gibt. Auf der auch wieder äußerst stürmischen Rückfahrt wird, wie schon bei der Anreise, eine Frau erneut heftigst seekrank und hat keinen Blick für die schon seltenen Hawaii-Sturmtaucher über den glitzernden Wogen. Den Abend verbringe ich noch damit, Ansichtskarten zu schreiben, wie profan.

Foto: Richie Brummer Motiv: The Tube von Seymour norte

Foto: Richie Brummer Motiv: Sturm vor der Insel Santiago

Aber schon um 8 Uhr am nächsten Tag geht es wieder weiter. Nach einem kurzen Fotostopp im nebelnassen Scalesiawald bei den beiden Einsturzkratern Los Gemelos (Zwillinge) geht es zur meist trockenen und sonnigen Nordostseite hinab, über den Kanal und mit dem Flieger Richtung Guayaquil. Ein paar letzte Fotos der Ostküste von Santa Cruz und den beiden Plaza-Inseln, dann sind wir in den Wolken und Galapagos schon wieder Geschichte.

Foto: Richie Brummer Motiv: die Plazas-Inseln östl. von St. Cruz

Bis zum nächsten Mal im Pantanal,

euer Richie

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6. Station Costa Rica

Liebe Weltreisefreunde,

der Flug von Kuching nach Kota Kinabalu am 18. 09. ermöglicht mir einige Luftaufnahmen der mäandrierenden Urwaldflüsse Borneos durch die trübe Scheibe, bevor bei einer Zwischenlandung unser Handgepäck nochmal geröngt wird, das macht Sinn. Es wird bald finster und an der Küste erblickt man das Lichtermeer von Brunei, bevor wir im Regen glänzenden Kota Kinabalu ankommen. Nach 5 Stunden Wartezeit in einer öden Transithalle geht der Flug um 0.10 Uhr weiter nach Seoul in Südkorea, wo wir um 6.15 Ortszeit landen. Hier gibt es wohl den modernsten und größten Transitbereich der Welt mit lederbezogenen Liegen, kostenloser Dusche usw. Trotzdem sind 10 Stunden Wartezeit äußerst zermürbend, bevor es nach Los Angeles weiter geht. Da wir die Datumsgrenze überfliegen, kommen wir erneut am 19. September, allerdings mittags um 11 Uhr Ortszeit dort an, also 8 Std. Zeitverschiebung. Da wir kein gültiges Visum für die USA haben, werden wir erstmal getrennt abgeführt und von mehreren Officern verhört, dann nochmal zusammen. Als ich die Geschichten einer Angestellten hören muss, dass auch die USA im 2. Weltkrieg Verluste hinnehmen mussten, steigt mein Aggressionsspiegel gewaltig an. Man drückt nochmal ein Auge zu, mit dem Hinweis, dass eine erneute Einreise ohne Visum nie wieder vorkommt. Leider müssen wir bei der Rückreise nochmal durch die USA, mir sträuben sich schon jetzt die Nackenhaare. Da es keinen Shuttlebus zu dieser Zeit gibt, lassen wir uns von einem Inder zum Hotel Ramada zwischen zwei Einflugschneisen bringen. Dort ist für uns aber nichts reserviert und wir zahlen mehr, da es noch nicht 15 Uhr ist. Alles egal, erstmal nur pennen. Lassen uns um 22.30 Uhr mit einem Taxi zum Airport bringen und fliegen um 0.40 Uhr nach Huston in Texas ab. Dort sind wir dann um 5.30 Uhr Ortszeit und müssen diesmal nur viereinhalb Stunden auf die Maschine nach Costa Rica warten. Leute, die ihr so eine Reise plant, bedenkt was euch erwartet. Da wird man schnell mal zum aggressiven Monster. Während ich diese Zeilen schreibe, steigt meine Aggression wieder so an, dass ich eine Pause machen muss, um mir die Stimmung nicht vollends zu verderben.
Am 20. September landen wir um 12 Uhr Ortszeit endlich in San José, der Hauptstadt Costa Ricas. Unser großes Gepäck ist doch tatsächlich mit uns angekommen und Josef von Ara-Tours empfängt uns herzlich. Wir werden im Hotel Barceló in der Stadt einquartiert und André bringt unsere Wäsche ins Nachbarhotel, das auch einen Trockner besitzt. Ein Zettel im Gepäck bezeugt, dass es in den USA kontrolliert worden ist. Bei meinem ist eine Flasche Duschgeel ausgelaufen, hat alles eingeseift und Kleidungsstücke verfärbt. Ich bin Stunden am Putzen und Waschen und alles metallische ist angerostet.
Um 9 Uhr am nächsten Tag haben wir einen Daihatsu 4Wheeler als Mietwagen und brechen bald darauf zum Poás Vulkan auf. Anfangs ist es noch heiter, aber dann setzen heftige Gewitter mit Starkregen ein, die nicht mehr aufhören. Der Vulkan ist in dichte Wolken gepackt und die interessante Vegetation wegen des Regens nur unmittelbar am Straßenrand zu erkennen. Wir fahren trotzdem bis hoch, da wir hoffen bei 2000 m durch die Wolken zu stoßen, aber vergebens. Die 10 $ Eintritt pro Person können wir uns sparen und kehren wieder um. Überall schießen Sturzbäche über die Straße und teils schwappt das Wasser großer Pfützen so über uns, dass für Augenblicke nur Blindflug möglich ist. Nun versuchen wir es beim tollen Zoo in der Nähe von Grecia, aber auch dort ist es nicht ratsam, das Fahrzeug nur für eine Minute zu verlassen. Wir beschließen die Stadt nun großräumig nach Südosten zu umfahren, allerdings ist unsere Karte nicht sehr genau und teilweise versagt selbst das Navi. So geraten wir bei prasseldem Regen über kurvige Bergstraßen, die bei schönem Wetter beste Ausblicke garantieren würden auf eine steil bergab führende Straße, die zwischen Kaffeeplantagen plötzlich in eine schmierige Piste aus rotem Lehm übergeht. Bald stehen wir vor einer abenteuerlichen Brücke, die mit 2 Tonnen Höchstlast ausgewiesen ist. Unser Wagen hat 1,7 t, auf der Brücke fehlen gleich die ersten beiden Bohlen und durch ausgefaulte Löcher blickt man auf die braunrot gurgelden Sturzfluten des Rio Tarrazu hinab. Da wir auch nicht wissen, wo die Piste drüben weiter führt, meiden wir diese Camel Trophy Attracktion und kehren um. Mit mehreren Anläufen schaffen wir es dann doch, Santa Elena hoch oben auf dem Berg wieder zu erreichen.
Um 18 Uhr kommen wir erschöpft in Orosi im gleichnamigen Tal mit der gleichnamigen Lodge an. Sehr gemütlich und von einem deutschen Paar geführt. Mein Rechner lässt sich seit Tagen nicht mehr richtig booten, bin mit meinen Berichten schon wieder hinten nach. Auch kommt André hier nicht ins Internet. Deshalb bin ich um 20.20 Uhr bereits im Bett, ein neuer Rekord.

Foto: Richie Brummer Motiv: Vulkan Turrialba

Der nächste Tag beginnt heiter und sonnig. Gegenüber qualmt der wieder aktive Vulkan Turrialba aus seinem 3328 m hohen Schlot. Auch der noch höhere Irazú links davon ist noch frei. Nach dem köstlichen Frühstück brechen wir Richtung Pazifik auf. Die Paßstraße führt durch den Urwald entlang des Nationalparks Tapanti-Macizo de la Muerte hinauf und bald umgibt uns dichter Nebel und Regenschauer setzen ein. Der Weg führt einige Zeit auf der Wasserscheide zwischen Karibik und Pazifik dahin und wir halten für einige Fotos in der Suppe an, wobei ich vielerlei interessante Pflanzen entdecke, die aber André als Landschaftsfotografen rein gar nicht interessieren. Kurz vor San Isidro el General speisen wir in einem kleinen Restaurant, als gerade wieder ein heftiger Wolkenbruch nieder geht. Es ist ja auch Regenzeit und touristisch kaum was los.

Foto: Richie Brummer Motiv: Regenzeit1

Etwas weiter bei Platanillo besuchen wir die größte Schlangenfarm des Landes, wo ich besonders einheimische Arten studiere. Es gibt hier besonders viele Giftschlangen zu sehen, bis uns ein erneutes Gewitter pitschenass ins Auto zurück zwingt. Durch traumhaft schönen Bergwald mit hohen Baumfarnen geht es in die Küstenebene hinab bis Dominica. Nun folgen wir der berühmten Pan Americana nach Nordwesten, vorbei an endlosen Monokulturen aus Ölpalmen, bis wir in Quepos zum Meer abbiegen und uns in Manuel Antonio im Hotel Karahé einnisten.
Abends im Restaurant in Meeresnähe müssen wir unter dem Palmblattdach drei Tischreihen weiter nach innen rücken, so treibt der Sturm vom Pazifik den dröhnenden Regen herein. Aber dafür gibt es Froschkonzert vom Feinsten. Mein Rechner fährt überraschend wieder hoch und ich kann am Balkon noch schreiben und endlich einige Chips runterladen. Das Donnern des Gewitters vermischt sich mit der Brandung, dem prasselnden Regen und dem Froschkonzert zu einer einzigen wilden Symphonie und grelle Blitze erleuchten immer wieder die weißen Brandungswogen. Als das Unwetter immer heftiger wird, verstummen sogar die Amphibien, da sie gegen diese gewaltige Geräuschkulisse nicht mehr an kommen.
Früh am nächsten Tag, es ist noch bedeckt und tropft von den Bäumen, kann ich vom Balkon aus im Hotelgarten schon 4 Agutis und 3 junge Waschbären beobachten. Nach dem Auschecken dürfen wir den Wagen stehen lassen und machen uns bei inzwischen heißem und heiterem Wetter den Espadilla Strand entlang auf den Weg in den kleinsten Nationalpark von Costa Rica, den Manuel Antonio N.P. 6.000 Colones kostet der Eintritt pro Person und bald trennen sich unsere fotografischen Wege.

Foto: Richie Brummer Motiv: Grüner Leguan

Foto: Richie Brummer Motiv: interessante Fraßspuren von Raupen der Heliconiafalter

Im Lauf des Vormittags bekomme ich neben interessanten Pflanzen und Insekten eine Hirschkuh, Faultiere, einen Königsspecht, Waschbären, einen Nasenbären, Kapuzineraffen, Grüne Leguane und Helmbasilisken vor die Linse. Letztere haben die Angewohnheit, nur auf den Hinterbeinen übers Wasser zu laufen und sind so schnell, dass sie dabei nicht einsinken. Deshalb heißen sie auf Englisch auch treffend Jesus Christ Lizard.

Foto: Richie Brummer Motiv: Zweizehenfaultier

Foto: Richie Brummer Motiv: Königsspecht zimmert Nisthöhle

Von den Brüllaffen vernehme ich leider nur das berühmte Gebrüll im Urwald. An den idyllischen Stränden tummeln sich ab Mittag die Menschen, die ständig vor diebischen Affen, Nasenbären und Waschbären auf der Hut sein müssen.

Foto: Richie Brummer Motiv: Kapuzineraffe

Foto: Richie Brummer Motiv: Weißrüssel-Nasenbär

Foto: Richie Brummer Motiv: Spuren von Würmern am Strand von Manuel Antonio

Foto: Richie Brummer Motiv: Brettwurzeln

Um 15.30 Uhr brechen wir erst wieder nach Norden auf und geraten bald auf der Panamericana in einen streikbedingten Stau, der uns über eine Stunde kostet. Anwohner wünschen sich dringend eine Hochwasserfreilegung, da die reissenden Flüsse von den Bergen ständig ihre Häuser überschwemmen und beschädigen. Wieder geht es an endlosen Ölpalmenplantagen vorbei und durch mehrere Gewitterfronten, die uns fast von der Straße spülen. Über Jacó und Caldera erreichen wir im Finstern Miramar und irren in dichtem Nebel 6 km enge Serpentinen bergauf. Eine Stimmung wie aus einem Hitchcock-Film. Dort oben quartieren wir uns im gemütlichen Vista Golfo ein, während es die ganze Nacht weiter regnet. Beim Frühstück können wir von der architektonisch wunderbar eingefügten Terrasse aus viele bunte Schmetterlinge und unsere ersten Kolibris beobachten und brechen dann nach Monte Verde auf. Es ist schon viel zu lange her, dass ich hier war und so erwischen wir prompt eine parallele Piste, die östlich vom Hauptweg in die Berge führt. Erst als immer mehr Steinschläge den Weg behindern, uns kein einziges Fahrzeug begegnet und wir plötzlich auf einer abenteuerlichen Brücke den schäumenden Rio Aranjues überqueren müssen, werden wir stutzig und fragen bei den einzigen 2 Häusern am Weg. Da es wieder ohne Unterlass regnet und wir fast 3 Std. verloren haben, geben wir Monte Verde ganz auf, da dort das Wetter mit Sicherheit keineAusnahme macht. Jetzt nehmen wir über Juntas und Tilarán den Arenal See ins Visier. Inzwischen stehen auch hier Reihen von Windrädern entlang des Bergkammes. In Nuevo Arenal lesen wir von einer German Bakery, fahren dran vorbei und kehren dann nach einigem Zögern doch um, um dort einzukehren. Es gibt tatsächlich Würstel mit Kraut, Leberkäs mit Spiegelei und Paulaner Weißbier. 32 Dollar leichter und vollgefressen fahren wir ein Stück weiter und mieten uns in der tollen Villa Ceiba mit herrlichem Blick auf den Stausee ein. Der etwa 500 Jahre alte Ceibabaum spannt sich übergroß und weit über das Grundstück und erinnert André stark an den Kinofilm Avatar.

Foto: Richie Brummer Motiv: etwa 500 Jahre alter Ceibabaum

Bis zum Schlafengehen schreiben wir in Gesellschaft von 2 Hunden und einer Katze auf der Terrasse und bei aufkommendem Wind ziehen wieder kräftige Regenschauer durch.
Am nächsten Morgen lärmen lautstark die Brüllaffen aus dem Urwald. Da es im Norden besseres Wetter haben soll, wollen wir den Volcan Tenorio N.P. am Rio Celeste besuchen, den uns der Hausverwalter empfohlen hat. Beim Tanken in Arenal ist hinten rechts der Reifen platt. Pumpen ihn wieder auf und fahren weiter nach San Rafael de Guatuso. Dort wechselt uns an einer Tanke ein Angestellter schnell und kostenlos den schon fast wieder platten Reifen. Das Ventil ist hinüber. Wir haben von der Höhe einen weiten Blick nach Norden auf den Nicaragua See mit seinen Inseln. Bis wir am Rio Celeste sind, hat es sich zugezogen und im Nationalpark schüttet es schon. Also fahren wir über Fortuna wieder zum Arenal zurück.

Foto: Richie Brummer Motiv: Schwalbenschwanzart

Der Vulkan ist tatsächlich von 14 bis 16 Uhr frei zu sehen, nachdem wir ihn gestern Abend erstmals kurz erblickten. Wir fahren zum Skywalk hoch, der ziemlich neu eingerichtet wurde. Hab da kurz vor der Abreise noch was im Fernsehen mitbekommen. André, der fließend Spanisch spricht, stellt sich dem Besitzer als Pressemann aus Deutschland vor und wir bekommen 2 Eintrittskarten gratis, wenn wir schön Werbung machen. Ein kluger Mann. Um 14 Uhr, gerade in einer Regenlücke, geht es mit 2 Guides in einer offenen Gittergondel auf den Berg über herrlichen Primärregenwald hinweg. Ein junges Pärchen aus New York stellt sich ebenfalls der Herausforderung. Oben auf der Plattform gibt es einen Willkommensdrink und dann geht es im Sitzgurt und behelmt am Drahtseil hängend in 8 Stationen rasend schnell bergab.

Foto: Richie Brummer Motiv: Vulkan Arenal

Foto: Richie Brummer Motiv: André am Skywalk in 200 m Höhe

Mit soliden Arbeitshandschuhen hält man dabei links und rechts vom Laufrad die Haltestange. Die Tiefblicke auf den Regenwald, den See und den Vulkan sind ein Traum. Wenn dazu noch die Sonne scheinen würde. Die Strecke ist insgesamt 2,8 km lang und das längste Teilstück misst 750 m, wobei man 200 m über Grund über eine bewaldete Schlucht saust. Unvergesslich vorallem, da man mir von der Gipfelplattform aus noch zwei junge, jeweils total verschieden gefärbte Lanzenottern zeigte. Kaum sind wir an der Talstation, beginnt es auch schon wieder zu regnen. Also fahren wir wieder zur Ceiba, um dort noch ein Voucher einzulösen. Nach Einbruch der Nacht kommen erstaunliche Insekten ans Licht.

Foto: Richie Brummer Motiv: mit Epiphyten behängter Baum am Arenal

Wie Blätter geformte Fangheuschrecken, die man deshalb als Wandelndes Blatt bezeichnet, sowie viele andere Laubheuschrecken, Falter und Käfer. Da lauert natürlich auch der eine oder andere Gecko auf Beute. Ausserdem turnt eine fast 20 cm lange Stabheuschrecke wie ein dürres Blattgerippe auf mir herum.

Foto: André Schumacher Motiv: Stabheuschrecke vom Licht angelockt

Von Westen zieht wieder eine heftige Sturmfront mit Starkregen heran und zwingt uns auf die Zimmer. Muss nachts nochmal raus und die ständig miauende Katze vor meiner Tür in meiner Verzweiflung mit Schokolade füttern.
Auch am nächsten Tag geht das Wetter so grausig weiter. Sogar die Blattschneiderameisen lassen ihre Arbeit ruhn und nur ein grünes Band von Blattstückchen markiert ihren Arbeitsweg. So reisen wir schon sichtlich genervt in Richtung San José ab. Vielleicht klappt es ja nochmal mit einem zweiten Anlauf beim tollen Zoo in der Nähe von Grecia, aber vergebens. Also quartieren wir uns für die letzte Nacht in Costa Rica im Hotel Orquideas an der Auffahrt zum Poás Vulkan ein.

Foto: Richie Brummer Motiv: Orchideen blühen wenig zu dieser Zeit

Foto: Richie Brummer Motiv: Regenzeit2

Im Garten tummeln sich viele bunte Vögel, so auch ein Blauscheitel-Motmot, aber für Fotos ist es bei dem Regen und den tiefhängenden Wolken schon um 15 Uhr viel zu düster. Erst nachts ist zeitweise der Mond zu sehen.
Am nächsten Morgen wieder feiner Regen, aber gelegentlich blaue Löcher in der dicken Wolkendecke. Wir liefern unseren Mietwagen ab, nachdem wir nochmal tanken waren und werden zum nahen Flughafen gebracht. Nachdem jeder 26 Dollar gelöhnt hat, können wir durch die Abfertigung und fliegen nach 3 Std. des Wartens Richtung Südamerika, der Fortsetzung der Regenzeit entgegen.

Darüber dann mehr in der nächsten Mail,

euer Richie

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5. Station Sarawak

Liebe Weltreisefreunde,

am 9. September landen wir kurz nach 22 Uhr Ortszeit in Kuala Lumpur und stellen unsere Uhren erneut 1 Std. vor. Die Grenzabfertigung zieht sich wieder endlos hin. Aber zum Glück haben wir ein Zimmer im nahen Pan Pacific, das wir schnell über einen Tunnel direkt vom Flughafen erreichen können. Draußen ist es schwülheiß, aber der Block ist eisig klimatisiert. Nach einem teuren Bier fallen wir erschöpft in die Betten.
Am nächsten Morgen leisten wir uns den Service und lassen uns mit allem Gepäck nach Art der Faulen und Fußkranken mit dem Elektroauto in den Flughafen bringen, was eh zum Service gehört. Die Maschine um 10 Uhr ist so voll, dass ich sogar mein Handgepäck als Cargo aufgeben muss. In Kuching holt uns gleich ein Fahrer von der Agentur Masama Travell ab und bringt uns zum Hilton. Wieder ein großer klimatisierter Bau, beide rotzen und husten wir bereits, bekommen aber diesmal Einzelzimmer. Die geplante Stadtrundfahrt verschieben wir, da heute Feiertag (Ende des Ramadhan) ist und viele Institutionen geschlossen haben. Lustig sind die vielen Katzendenkmale in der Stadt, die für unseren Geschmack sehr kitschig geraten sind. Kutsching heißt übersetzt Katze.

Foto: Richie Brummer Motiv: eine der zahlreichen Katzenstatuen Kuchings

Bin zu Fuß in der Stadt und am Sarawak-Fluß unterwegs und abends zum Essen im Ling Loongs Seafood Top View Restaurant mit André. Es schmeckt lecker und ist billig, deshalb wimmelt es hier nur so von Einheimischen.
Anderntags werden wir bei herrlichem Wetter nach Semenggok abgeholt. Dort befindet sich ein 700 ha großes Schutzgebiet für Orang Utan-Waisen. Von den 29 Tieren im Reservat können wir 8 zur Fütterungszeit zwischen 9 und 10 Uhr gut beobachten. Der Haremsboß Ritchie mit seinen 90 kg lässt sich allerdings nur aus der Ferne blicken. Es sind vor allem asiatische Besucher in großen Gruppen da. Leider ist das Gebiet zu klein geworden, um weitere Menschenaffen fassen zu können, rechnet man doch für eine Familie mit etwa 1000 ha.

Foto: Richie Brummer Motiv: Orang Utan

Nach diesem sehr beeindruckenden Urwaldspaziergang bringt man uns nach Kampong Bengoh, von wo aus wir auf dem Sarawak Kiri Fluß eine 11 km lange Kajakfahrt beginnen. Die gut zu fahrenden Seekajaks sind mit Deutschen, Australiern, Belgiern und Taiwanesen jeweils paarweise besetzt. Letztere johlen und kreischen bei jeder größeren Welle und stören etwas die Ruhe, die von dem hohen Urwald am Ufer ausgeht. Es sind erstaunlich wenig Vögel zu sehen, meist hört man nur die exotischen Rufe aus dem undurchdringlichen Grün, aus dem bizarr ausgewaschene Sandsteinfelsen und himmelhohe Durianbäume aufragen. Auf halber Strecke landen wir auf einer Sandbank und besichtigen mit dem Guide Jackson das Dörfchen Kampung Danau vom Volk der Bidayuh.

Foto: Richie Brummer Motiv: Blüten der Drachenfrucht, einer Kakteenart

Jackson erklärt uns all die dort angebauten exotischen Heil- und Gewürzpflanzen, bevor es zum Picknick wieder an den Fluß geht. Stellen Tisch und Stühle in die Strömung und lassen es uns schmecken. Dabei verlieren wir aber unseren Sonnenschutz an den Beinen und vergessen, uns vor der Weiterfahrt erneut einzucremen. Die restliche Zeit auf dem Fluß reicht aus, dass sich André und ich einen fürchterlichen Sonnenbrand einfangen, bis wir in Kampong Semadang aus den Kajaks steigen und nach Kuching zurück gebracht werden. Bei Sonnenuntergang sind wir unabhängig voneinander unterwegs, um vor einem nahenden Tropengewitter den dramatischen Abendhimmel zu fotografieren.

Foto: Richie Brummer Motiv: Kuching, Hotelfassade im Abendrot

Liege nachts mit nassen Handtüchern auf den Beinen im Bett und sehe mir bis zum Einschlafen die zahlreichen Feuerwerke an. Sie werden hier in jeder Stadt und jedem Dorf nachts irgendwo abgefackelt.
Am nächsten Tag holt uns ein weiterer Guide namens Leslie ab und unternimmt mit uns die verschobene Stadtrundfahrt. Wir besichtigen viele städtische Bauwerke, meist in neuerer Zeit erbaut, traben durch Märkte und fotografieren Katzenstatuen. Besonders das Sarawak-Museum ist für mich interessant, obwohl die Dioramen mit den vielen Vogelpräparaten schon bis zur Unkenntlichkeit verstaubt sind. Aber die Sammlung an Meeresschnecken und Muscheln ist großartig. Im taoistischen Tempel im Chinesenviertel sind viele Gläubige am Beten und Opfern, da heute Sonntag ist. Besonders Gaben in Ananasform sind sehr beliebt.

Foto: Richie Brummer Motiv: Moschee von Kuching

Dann geht es nach Nordosten zum herrlich am Südchinesischen Meer gelegenen Permai-Ressort, wo nach einigen Verhandlungen jeder von uns sein eigenes tolles Baumhaus in luftiger Höhe beziehen kann. Der Weg dorthin mit unserem vielen Gepäck ist elend weit, wäre da nicht der kleine hilfreiche Traktor. Um 17 Uhr fahren wir mit einem Boot über die Bucht an den Rand des Mangrovenwaldes und treffen gleich auf die hier ebenfalls geschützten Nasenaffen in 2 Gruppen. Vom schwankenden Boot aus und in der dichten Vegetation sind Fotos leider nur schwer zu realisieren. Auch nicht von dem Trupp Silberschopf Languren, auf den wir wenig später treffen. Statt dessen zieht ein Gewitter auf und beschert uns wieder einen überaus dramatischen Abendhimmel zum Sonnenuntergang. Allerdings fällt nun das nach Einbruch der Nacht geplante Pirschen auf Krokodile aus, aber die sind bei Flut sowieso zu weit in den Mangroven versteckt. Der Bootsführer traut sich mit uns nicht mehr über das offene Wasser und setzt uns im nächsten Fischerdorf ab, von wo wir mit dem Bus abgeholt werden. Der Skipper wird bei der Rückfahrt in sein Dorf noch klitschnass, während wir trocken heimkommen. Sind noch zum Abendessen im Café und wie immer rufen die Geckos im Gebälk. Da jedes Baumhaus einen überdachten Balkon zum Meer hin hat, lässt es sich beim leisen Plätschern der Fluten an die felsige Küste herrlich gemütlich schreiben und den verschiedenen Stimmen von Fröschen, Zikaden und Kröten lauschen. Nur die Schmerzen vom Sonnenbrand trüben noch das Vergnügen.
An unserem nächsten Tag fahren wir um 9 Uhr mit dem Boot zur Flußmündung hinüber, um Irawaddy-Flußdelfine zu sehen. Diese bis zu 2,30 m langen Süßwasserdelfine sind nicht besonders sprungfreudig, tauchen zum Aus- und Einatmen nur ganz wenig aus dem Wasser und so sieht man meist nur eine Rückenfinne. 6 Tiere verfolgen wir etwa 1 Std. intensiv mit den Kameras, ohne auch nur ein vernünftiges Bild zu bekommen. Als bei diesem herrlichen Wetter immer mehr Boote auftauchen, fahren wir weiter in die Mangrovenwälder bei Ebbe.

Foto: Richie Brummer Motiv: charakteristische "Essensreste" einer Gespensterkrabbe

Durch verschlungene Kanäle geht es weit in dieses stille Biotop hinein. Affen lassen sich nicht blicken, aber dafür viele der türkisen Winkerkrabben, Schlammspringer und 2 scheue Krokodile. Gelegentlich kommt auch mal ein Reiher oder Eisvogel vorbei. Danach düsen wir übers Meer zur kleinen Insel Satang los. Dort traut sich trotz Sonnenbrand André schon kurz ins brühwarme Wasser zumSchnorcheln. Es gibt hier ein kleines Riff mit Schwämmen und Korallen,aber viele der erstaunlich wendigen und langstacheligen schwarzen Seeigeln, ein Zeichen von Überdüngung. Kurz vor dem Landgang auf Satang taucht vor uns im Meer kurz ein Paar Suppenschildkröten bei der Paarung auf und verschwindet dann in der Tiefe. Hier am Sandstrand befindet sich einer der wenigen Eiablageplätze Borneos und wir finden auch frische Spuren der letzten Nacht. Um die Gelege zu schützen, werden sie ausgegraben und in ein vor Räubern sicheres Gehege zum weiteren Bebrüten gebracht. Die meist nach 48 bis 49 Tagen schlüpfenden Jungen werden dann nachts ins Meer freigelassen. Wir machen ein gemütliches Picknick unter Kokospalmen und genießen die mal grüne, blaue oder gar gelbe Farbe des Meeres. Nachmittags sind wir dann im Camp zurück zum Relaxen, ein angenehmer Rythmus. Alles andere wäre auch zu viel bei dieser mörderischen Hitze und Luftfeuchtigkeit. Dazwischen streifen wir immer wieder fotografierend umher. Nachts muss ich dann erstmals das Fenster schließen, da sich der Baumfrosch in Fensterhöhe genau gegenüber positioniert hat und sogar mir zu laut wird.
Am 50. Tag unserer Weltreise besuchen wir mit Leslie das Culture Village in der Nähe des Ressorts. Wie bei uns in einem Freilichtmuseum hat man die Gebäudetypen der verschiedenen Ethnien Sarawaks malerisch um einen kleinen See herum angeordnet. Beim Besuch eines jeden Hauses wird man mit einem live vorgetragenen Musikstück begrüßt. Besonders im Langhaus der Orang Ulu wird es für uns interessant, da dort Jerry Kamit mit selbstgebautem Instrument aufspielt. Bei den World Championships of Performing Art hat er 2009 in den USA gleich 4 Goldene abgeräumt.

Foto: Richie Brummer Motiv: Tänzerin vom Volk der Orang Ulu

André besucht ihn nachmittags nochmal für Ton- und Filmaufnahmen. Mittags findet in einem klimatisierten Theater mit allen technischen Ausstattungen eine knapp einstündige Tanzvorführung statt, bei der sich aber nicht alle im Programm angekündigten Volksstämme nochmal toll präsentieren.
Am Abend bei Sonnenuntergang ist so ein Baumhausbalkon eine wahre Oase der Ruhe. Silberhauben Languren kommen auf dem Weg zu ihren Schlafbäumen in Augenhöhe vorbei, immer wieder riesige dunkle Tagfalter und versteckt dahin huschende Kleinvögel. Sobald es dunkel wird, setzt der anfangs gewöhnungsbedürftige Sound des Dschungels ein. Eine Zikadenart zirpt wie eine Kreissäge bei Höchstleistung und vor allem auch mit der gleichen Dezibelzahl. Der schon erwähnte Baumfrosch ist auch nicht ohne. Habe heute aufgeschnappt, dass bei einer Nachtwanderung gestern 17 verschiedene Froscharten gefunden wurden, was für ein Artenreichtum. Und der schlägt sich natürlich auch akustisch nieder.
Am folgenden Morgen kommen bei Sonnenaufgang lautstark gleich 13 Languren vorbei. Zwei Mütter haben kleine rostbraune Babies dabei, traben übers Hüttendach und lassen Früchte herunter fallen. Haben diesen Tag zur freien Verfügung, den ich für diverse Schreibarbeiten nutze. Natürlich an verschiedenen Plätzen im Urwald und die schussbereite Kamera immer neben mir. Riesenbunthörnchen, aber auch eine wesentlich kleinere Art (Plantagenhörnchen) sind unterwegs.

Foto: Richie Brummer Motiv: Plantagenhörnchen

Der lautstarke Frosch ist diese Nacht sehr human und macht viele Pausen und bei meiner Schreibarbeit stelle ich fest, dass wir ab nun nur noch einen Monat unterwegs sind, und das bei 3 weiteren Reisezielen.
Am 16. September müssen wir wieder weiter, und zwar zum Bako Nationalpark. Über die Vororte von Kuching geht es zum kleinen Fischerdorf Bako, aus dem unser Guide Mohemij stammt und dann mit einem kleinen Boot etwa 20 Minuten über das Südchinesische Meer zur Halbinsel mit dem Nationalpark.

Foto: Richie Brummer Motiv: Fischfang im Südchinesischen Meer

Als wir in der Lagune anlanden, warten schon dreiste Javaneraffen, eine Makakenart auf uns. Da unser Zimmer noch nicht fertig ist, machen wir gleich einen Dschungelwalk in den überwucherten Sandsteinklippen entlang der Küste. Durch die uralten, teils abgestorbenen Mangroven führt ein Steg und durch die Klippen teils Stufen und Leitern. André trifft bald auf eine Straße wandernder Baumtermiten zum Filmen und im Gebüsch am kleinen Strand, der den Endpunkt der Wanderung darstellt, liegt friedlich eine herrlich grüne Waglers Grubenotter dösend auf einem Ast, deren Gift nach einer halben Stunde zum Tode führt. Da hat man doch Respekt beim Fotografieren.

Foto: Richie Brummer Motiv: Waglersche Grubenotter

Mittagessen gibt es dann im nach allen Seiten offenen Café mit köstlichen Gerichten unter den ständigen Attacken der Makaken. Die Angestellten sind permanent mit Steinschleudern unterwegs und trotzdem gelingt es den schlauen Tieren immer wieder Touristen zu übertölpeln. Besonders Muffins, aber auch Äpfel, Orangen und Dosengetränke sind sehr begehrt. Einen weiten Weg unser Gepäck schleppend, besiedeln wir eine wirklich schäbige Pfahlbaubude mit düsterer Funzel, ohne Klopapier und Spiegel und einer Art Handtuch als Zudecke. Erfahren, dass 2 deutsche Mädchen wegen einer Ratte in ihrem Zimmer entnervt vorzeitig abgereist sind. Wie kann man nur so empfindlich sein? Aber die grandiose Natur entschädigt für alles, mögen muss man es halt. Am Rückweg von der Tour kamen wir geradewegs in einen der heftigen Monsunschauer. Nun liegen überall in der Bude unsere nassen Klamotten, wo wir eh schon keinen Platz haben mit unserem vielen Gepäck und der Ventilator an der Decke ist dabei wirkungslos. Von 15.30 bis 17 Uhr wandern wir mit unserem Guide zwischen Mangrovenwald und wilder Felsküste in die andere Richtung ein Stück den Lintang Trail durch den Schlick und sind bald vollkommen vom Schlamm verklebt. Unser Guide traut sich bei einsetzender Flut wegen der Stachelrochen nicht um die Halbinsel und so müssen wir durch den Schlamm zurück.

Foto: Richie Brummer Motiv: erodierter Sandstein an der Küste

Nach Einbruch der Nacht unternehme ich alleine eine Nachtwanderung auf dem Lintang Trail, soweit die Bohlenstege reichen. Die Stimmen, besonders der verschiedenen Frösche sind beeindruckend. Entdecke aber nur einen kräftig trällernden Baumfrosch, der sich durch meine Taschenlampenbeleuchtung aus 20 cm Abstand in seinem Gesang nicht im geringsten unterbrechen läßt. Die verschiedenen Fledermäuse fliegen mir bei ihrer Insektenjagd fast die Taschenlampe aus der Hand, da das Licht natürlich Beute anlockt. Leuchtkäfer, die hier oft so zahlreich rumhängen, dass die Bäume wie unter Weihnachtsbeleuchtung anmuten, sehe ich nur 2 und von den phosphoreszierenden Skorpionen ist trotz intensiver Suche nichts zu entdecken. Vielleicht bin ich auch zu früh unterwegs. Nach dem leckeren Abendessen (Selbstbedienung), bei dem die Makaken zum Glück schon schlafen, geht es auch für mich ins Bett zwischen Bergen von nassen und muffigen Kleidungsstücken.
Am nächsten Morgen zeigt mir ein junges Paar aus München eine weitere Grubenotter ganz in der Nähe, die ihm bei einer gestrigen Nachtexkursion gezeigt wurde. Etwas später zeigt uns dann Mohemij keine 50 Meter weiter ein herrlich lindgrün gefärbtes Exemplar. Grubenottern scheinen hier keine Rarität zu sein. Überall wühlen noch die urtümlichen Bartschweine um die Hütten, die sehr zutraulich, aber wenigstens nicht aggressiv sind. Besonders die Keiler sehen sehr beeindruckend aus.

Foto: Richie Brummer Motiv: Bartschwein-Keiler

Nach dem Frühstück mit heftigen Überraschungsangriffen der Makaken begehen wir den gesamten Lintang Trail. Im Mangrovenwald hält uns eine Gruppe Nasenaffen im besten Licht sehr lange auf. So nah hatten wir den Orang Belanda bisher noch nicht. Der malaische Name bedeutet Holländer- Affe, wegen der langen Nase der erwachsenen Männchen. Diese haben von der Mangrovenblattkost teils mächtig aufgeblähte Bäuche. Ein schwarzer Adler taucht auf und die gefährdeten Jungaffen rennen hastig über den Schlickboden davon, um sich in Sicherheit zu bringen.

Foto: Richie Brummer Motiv: Nasenaffe bei Ebbe im Mangrovenwald

Dann entdecke ich aus dem Augenwinkel ganz kurz zwei leuchtend orangerote Flügel mit dunkler Bänderung von einem Baum zum anderen huschen. Es ist eine Fünfgebänderte Flugeidechse, die sich durch ihre beim Gleitflug gespreizten Flughäute verraten hat. Am grauen Mangrovenstamm sitzend ist die gleichfarbige kleine Eidechse perfekt getarnt und nur zu finden, wenn man sie landen gesehen hat.
Dann führt der Steig durch den Dchungel steil auf ein Hochplateau hinauf, auf dem sich auf teils ausgewaschenen und zerklüfteten Sandsteinflächen eine urtümliche Pflanzenwelt entwickelt hat. Hier gibt es viele Arten, die in Symbiose mit Ameisen leben, oder die fleischfressenden Kannenpflanzen, von denen wir 4 Arten finden. Alle entsprechend über Jahrmillionen an das harte Leben hier angepasst. Auch eine Sonnentauart ist dabei.

Foto: Richie Brummer Motiv: 2 Arten der fleischfressenden Kannenpflanzen

Die Sonne brennt unbarmherzig herunter und kein Vogellaut ist mehr zu hören. Die Orchideen haben leider nicht Blütezeit und wir finden nur Blätter der teils extremen Raritäten, die es nur hier gibt. Dafür ranken sich wunderschöne Bärlappe über das Gestein und durch die zahlreichen Bäche gurgelt von Humussäuren braun gefärbtes, aber trinkbares und vollständig nährstoffloses Wasser der Plateaukante zu. Nach einigen grandiosen Tiefblicken auf das Südchinesische Meer erreichen wir schweißgebadet und ohne einen Tropfen Trinkwasser mehr nach steilem Abstieg, der jedoch durch zahlreiche Steighilfen gemildert wird, das Camp am frühen Nachmittag und lassen uns das Mittagessen schmecken. Im besten Licht treiben sich gleich in der Nähe am Strand zwei Nasenaffen herum, die uns wieder zu den Kameras greifen lassen. Auch hat ein Guide hoch in einem Baum ein Kolugoweibchen mit Jungtier entdeckt.

Foto: Richie Brummer Motiv: Kolugo-Weibchen mit Jungtier

Abends bin ich nochmal auf den Stegen durch die Mangrovenlagune unterwegs, da wir einen kleinen Bootsausflug in eine Nachbarbucht zum Sonnenuntergang wegen mangelndem Licht absagten. Es zeigen sich aber nur einige kleinere Vogelarten.

Foto: Richie Brummer Motiv: Bako N.P. bei Sonnenuntergang

Am frühen Morgen des Abreisetages schauen schon die ersten Javaneraffen zum Fenster rein. Sie schafften es mehrmals, die Fliegengitter aufzuschieben und das Zimmer zu durchsuchen. Deshalb hatten wir auch nie Nahrungsmittel im Raum. Auch die Bartschweine wühlen wieder vor und unter der Hütte durchs Erdreich. Nach dem Frühstück, bei dem wir eine dreiste Makake nur los werden, indem ich ihr meinen Regenschirm über den Schädel ziehe, sind wir bis mittags im Camp auf Fotopirsch und schauen nochmal nach den Grubenottern, die immer noch da sind.

Foto: Richie Brummer Motiv: Javaneraffen, Mutter mit Kind

Dann lassen wir uns mit dem Boot nach Bako bringen, wo uns ein Kleinbus nach Kuching abholt. Wir geben unser Fluggepäck bis San José in Costa Rica auf. Ob das wohl gut geht bei 3 Zwischenstationen? Um 16.45 Uhr sind wir dann mit einer ATR 72 Propellermaschine pünktlich unterwegs in die Wolken.

Viele Grüße bis zur nächsten Station,

euer Richie

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4. Station Nepal

 

Liebe Weltreisefans und die es noch werden wollen, 

(c) André Schuhmacher

nach einer pünktlichen Landung in Johannesburg haben wir erst mal wieder gute zweieinhalb Stunden Aufenthalt, die ich nutze, um mir eine neue Armbanduhr im Duty Free zu besorgen. Dann geht es über den Indischen Ozean nach Bankok. Kann bei der Überquerung Madagaskars einige Aufnahmen machen, dann muss ich wegen der Leute, die alle schlafen wollen, das Fenster verdunkeln.
Stelle die Uhr 5 Std. vor und am nächsten Morgen landen wir in Thailand. Dort wieder die quälenden Stunden auf dem Flughafen von Bankok, bis wir nach Kathmandu aufgerufen werden, das wir um 12.30 Uhr Ortszeit erreichen, also Uhr wieder eine Stunde vorstellen. Von uns beiden weiß inzwischen keiner mehr, wie lange wir wo und wann unterwegs sind. Was ist eigentlich Jetlag? Schon mal irgendwo gehört. Habe einen Bogen Passbilder mit, aber bis ich eine Nagelschere finde, hat schon einer mein Bild mit den Fingernägeln ausgerissen und in mein Visum getackert.
Im Gewusel vor dem Airport taucht ein bebrillter Herr mit kurzen Dreadlocks und unverwechselbaren schwarzweiß karierten Shorts auf und hängt uns Katha und Malla zur Begrüßung um den Hals, also Seidenschal und eine Blumengirlande. Das ist also Rolf Schmelzer, der Journalist der ARD, der schon Jahre hier lebt und sich als profunder Kenner des Landes erweist. Er wird uns wärend des Nepalaufenthaltes betreuen und wir schätzen uns glücklich, seine Gäste zu sein. Er stellt uns gleich die deutsche Aktivistin Kristin Kays und den Forststudenten Suraj Upadhaya von hier vor, die das Projekt der Umweltbildung und der Baumpflanzaktionen vor Ort leiten.
Dann geht es per Taxi ab in das gewöhnungsbedürftige Verkehrschaos von Kathmandu. Sonntag ist hier der erste Tag der Woche und besonders extrem. Es gibt weder Ampeln noch Zebrastreifen, kaum Bürgersteige und die intensivste Hupe gewinnt auch nicht immer. Rikschafahrer, Rad-u. Mopedfahrer tragen vielfach Mund- bzw. Atemschutzmasken im schwarzen Gewölk der Abgase. Endlich bekommt André sein geliebtes Objektiv und noch dazu 300 Euro billiger als daheim, steht hier fast in jedem Fotoladen rum. Dann quartieren wir uns um einige Hausecken im Marsyanghi Mandala ein, in dem auch Rolf nebenher residiert. Vom Zimmer reicht der Blick hinüber zum Affentempel am Berg und Jungs lassen abends von den Hausdächern kleine Drachen steigen. Kuhreiher fliegen zu ihren Schlafbäumen und in den Hinterhöfen ruft ein Alteisensammler. 

(c) André Schuhmacher

(c) André Schuhmacher

Am nächsten Morgen dröhnt Monsunregen aufs Dach. Er dauert meist noch bis Ende September, obwohl er heuer schon im Juni einsetzte. Rolf und wir beide fahren mit dem Taxi einen abenteuerlichen Weg zum Busbahnhof und begeben uns dann mit einem Bus von Rainbow Safaris, die sind etwas besser in Schuß als die kleinen, von denen man viele Wracks am Straßenrand sieht, auf den Weg nach Pokhara im Westen, das wir nach vielen unfallbedingten Staus gegen 14 Uhr erreichen. Entlang der Flüsse zieht sich der Weg durch sattgrüne Gebirgslandschaft mit vielen leuchtend grünen Reisterrassen. Wilde Wasserfälle stürzen von den Hängen. Nepal speist sein gesamtes Stromnetz mit Wasserkraft, die noch kaum genutzt ist und trotzdem gibt es mehrmals täglich Stromabschaltungen. Diese nerven besonders, wenn man gerade Bilder von der Kamera läd, oder die Taschenlampe nicht erreichbar ist. Mit dem Taxi lassen wir uns das letzte Stück zum ruhigen Hotel Mount Fuji bringen, welches die liebenswerte Berlinerin Karen Plischtil führt. Nach stärkenden Getränken wandern wir durch das gegen Kathmandu fast verschlafene Pokhara. Viele Alt-, aber nochmehr Möchtegernhippies aus aller Welt wandeln verklärt oder unter Drogen dahin. Entlang des Phewasees erreichen wir die gegenüber liegenden Berge und wandern ein Stück bis zum sogenannten Castle hinauf, das sich der Ire Joe hier erbaute und Zimmer vermietet. Beim Aufstieg fallen mir wilde Edelkastanien auf, von denen Joe noch nie was gehört hat. Die könnte man doch veredeln und nutzen. Rolf ist natürlich sofort begeistert. Nach einem langen Abend am Pool bei köstlichem Essen und Geschichten aus aller Welt, verziehen wir uns vor dem erneut heftig einsetzenden Monsunregen in unsere Gemächer.
Anderntags nehmen wir erst um 11 Uhr ein kräftiges irisches Frühstück ein, verabschieden uns vom herzlichen Joe gegen 15 Uhr, um wieder nach Pokhara abzusteigen. 

(c) André Schuhmacher

(c) André Schuhmacher

Während Rolf gleich günstig für 15 Euro eine mächtige Bibel der Bäume und Sträucher erwirbt, die bei uns nicht unter 150 Euro zu haben ist, spielt André unterm Feigenbaum in der Hauptstraße mit den Einheimischen Schach. Klar, dass ihn ein herbeigerufener Profi zweimal abzockt, da wollen sich die Nepalis keine Blöße geben. Zurück im Mount Fuji sitzen wir bis nach Mitternacht auf der Terrasse und lauschen den Berichten der beiden überaus netten Medizinstudentinnen Anna und Ines, die heute aus dem Chitwan Nationalpark zurück kamen und den schweizer Globetrotter Mark dabei haben. Dessen Mutter ist eine Philippina und so halten ihn auch viele Einheimische wegen seines Aussehens für einen nepalischen Guide.
Nach heftigem Regen nachts und morgens, fahren wir zu siebt mit dem Bus quer durch Pokhara, vorbei an heiligen Kühen, um die sich ein Polizist bemüht und einer Hochzeit in allen Farben bis zum Ausgangspunkt einer erneuten Wanderung, diesmal hinauf nach Lekhnath. Das Wetter wird bald heiß. Unser Pfad führt über eine solide Hängebrücke und dann teils steil bergan. Leider nicht immer beschattet, geht es auf uralten und ausgetretenen Glimmersteinstufen dahin. In den Fluß unter uns stürzen von allen Seiten malerische Wasserfälle und in der Ferne sieht man den Flughafen von Pokhara, in dessen Umfeld sich meist wetterbedingt schon schwere Flugzeugunglücke ereignet haben. Aber heute meint es der Wettergott äußerst gut mit uns und nur eine wildgewordene Wasserbüffelkuh, die ihr Kalb beschützen will, attackiert uns etwas heftig. Da heute Gott Krishnas Geburtstag gefeiert wird, treffen wir auf einen Kreis von Frauen in einem offenen Tempelanbau, die mit ihrem Priester beten. Gegen einen Obulus hat man nichts gegen Fotos. Unter den Frauen befindet sich auch die von Bishow, dem schon ziemlich bekannten Kaffeebauern, zu dem wir wollen. Wenige Minuten nach dem Tempel erreichen wir sein Zuhause und werden gleich mit aromatischem Minztee begrüßt.
 

(c) André Schuhmacher

(c) André Schuhmacher

Dieser in unseren Augen wohl einfache Bergbauer hat für sich den biologischen Landbau und das Kompostieren entdeckt. Für mich besonders interessant, da doch in den 1960er-Jahren einer meiner Nachbarn der Kompostpapst Alwin Seifert war. Bishow baut im Schatten anderer, aus seiner Sicht den Geschmack beeinflussender Pflanzen wertvollen Arabica-Kaffee an, von dem das Kilo bei uns momentan 72 Euro kostet. Inzwischen hat sich eine Kooperative gebildet, die zu gleichen Bedingungen zwischen 800 und 2000 m anbaut und erntet, um größere Mengen zu erzielen. Für uns röstet Bishow in 45 Minuten in einem großen Eisentopf über dem offenen Feuer durch ständiges Rühren 3 kg vorher und nachher gut sortierte Kaffeebohnen. Sogar mir als Nicht-Kaffeetrinker mundet das frische Getränk ausgesprochen gut. Leider muss der Farmer beim Rösten inzwischen eine Atemmaske tragen, da es ihm allmählich auf die Lunge schlägt. Viel zu schnell verstreichen die intensiven Eindrücke, wir beiden Weltreisenden bekommen jeder noch ein Päckchen gemahlenen Kaffee geschenkt, dann müssen wir absteigen, da wir keine Taschenlampen mit haben. Ines und Anna übernachten hier oben, da sie morgen weiter zu einer Krankenstation hoch in den Bergen wollen. Wir nehmen Namrata, die Tochter des Farmers mit in die Stadt, da sie morgen wieder Schule hat und erreichen die Hängebrücke bei fast völliger Dunkelheit. Riesige Schwärme von Fledermäusen flattern lautlos durch das Flußtal und Namrata drängt zur Eile, als wir den letzten Bus zurück erreichen.
 

(c) André Schuhmacher

(c) André Schuhmacher

Der heftige Monsunregen weckt mich am nächsten Tag, trotzdem sind Halsbandsittiche, Hirtenstare, Nebelkrähen und ein Schwarzmilan unterwegs. Vertue den ganzen Tag mit dem Zusammenschreiben und Recherchieren für den Weltreise-Blog. Immer wieder für Stunden Stromausfall. Rolf leiht mir für den Rest der Reise einen Laptop, jetzt bin ich etwas unabhängiger. Während die anderen eine Bootsfahrt auf dem malerischen, aber total mit Wasserhyazinthen verseuchten Phewasee unternehmen, wo André am anderen Ufer ein tolles Haus für sich zum Mieten entdeckt hat, sitze ich im Hotel und tippe. Die Meute ist auch noch lecker Essen, während ich mir beim Hausboy Siri Spiegeleier bestelle, nachdem keiner mehr auftaucht.
Der nächste Tag steht wieder voll im Zeichen des Monsuns. Während André, Ines und Anna eine Fahrt mit Motorrollern unternehmen, steige ich mit Rolf wieder zum Castle hoch, wo ich meine letztens vergessene Taschenlampe hole. Nach einem Bier am Pool beginnt der Monsunregen, und zwar so gewaltig wie noch nie bisher. Wir traben vorsichtig in einem permanenten Wasserfall bergab. Leihe Rolf meinen Regenschirm und benutze selbst die Regenjacke. Im Tal stellen wir uns in einem Privathaus unter, wo die Haschisch-Schwaden eines europäischen Pärchens würzig ums Eck ziehen und ordern ein Taxi. Auch die Vespafahrer kommen aufgeweicht und fertig zurück. 

(c) André Schuhmacher

Trotzdem brechen Rolf und André nochmal mit dem Tretboot auf, um das Haus am See zu begutachten und den Besitzer zu treffen. Eigentlich wollten wir dort alle ein Lagerfeuer machen, aber so treffen wir uns abends in der Stadt und genießen die heimische Küche. Es ist alles so viel beschaulicher als im überbordenden Kathmandu. Man kann als Fußgänger abends sogar teilweise die Straße benutzen.
Genau an unserem 40sten Reisetag brechen André und ich nach Süden zum Chitwan Nationalpark auf. Der Regen hat schwere Verwüstungen angerichtet und unser Reisebus kommt z.T. nur mühsam vorwärts. Geschrottete Busse, Geröllmassen, herabgestürzte Felsbrocken und Schlammlawinen sind zu passieren. Die Straße folgt dem reissenden Seti Nadi, der dann in den noch wilderen Trishuli mündet. Es bieten sich Einblicke in wilde Schluchten und auf tosende Wasserfälle. Um 11 Uhr hört der Regen auf, dafür kotzt jetzt die pinkhaarige Cher aus Schottland aus dem schaukelnden Bus und wenig später der Nepali vor mir, der aber im letzten Augenblick doch lieber seine Plastiktüte schonen will. Keine weiteren Details. Durch die quirlige Stadt Bharatpur erreichen wir das Tiefland an der Grenze zu Indien und sind um 13 Uhr in Chitwan, bzw. im weitläufigen Dorf von Sauraha. Bereits um halbfünf führt uns Guide Krishna durch das Dorf der Tharu, ständig von einer großen Meute herrenlos umherstreunender und hier ungeliebter Hunde begleitet. Es ist unglaublich friedlich hier. Sattgrün leuchten die Reisfelder, vor einer Hütte puhlt ein Bauer eine handvoll Schnecken aus den Häuschen, um das Abendessen aus Reis zu verfeinern; daneben sitzt ein zahmer Halsbandsittich. Da und dort werden noch Reitelefanten gefüttert. Nach der Elefantenstation, die mächtigen Bullen werden nur für Polospiele oder Paraden eingesetzt, und dem Besuch des kleinen Chitwan-Museums geht es an den Rapati-Fluß zum Sonnenuntergang.. Silbern wehen die reifen Rispen des Elefantengrases im Gegenlicht und völlig unspektakulär geht die Sonne im Dunst unter. Aber was für ein Spektakel am Ufer. Es gibt ein Restaurant am anderen und Liegestühle in langen Reihen, zwischen denen eifrig kleine Jungs rumwieseln und die durstigen Touristen aus aller Welt versorgen. Sogar ein Mann aus dem fernen Rajastan hat sich mit 2 Dromedaren hierher verirrt und am anderen Ufer ragt die Schnauze eines Krokodils aus den braunen Fluten, welches sich angeblich hauptsächlich von dort trinkenden Hunden ernährt. 

(c) André Schuhmacher

(c) André Schuhmacher

Ein Besuch bei dem tollen Badetag der Reitelefanten muss leider auf unbestimmte Zeit ausfallen, da ein Elefantenführer letztens besoffen von seinem Tier gefallen ist und in den Fluten ertrank. Zurück beim Abendessen, werden wir im Esssaal gleichzeitig durch das Aufbringen einer neuen Estrichschicht mit anschließendem Verlegen von Bodenfließen unterhalten. Das Geklopfe geht bis nachts um 2 Uhr und wieder kein Internet.
Der Weltreisende Arne aus Bremen, das Pärchen Ben und Harley aus London und wir beide sind am nächsten Morgen mit Krishna zum Fluß unterwegs, wo 2 Bootsführer mit einem langen Einbaum auf uns warten. Das Krokodil liegt wieder exakt an seinem Platz von gestern. Die wackelige Bootsfahrt führt einige Kilometer den Rapati hinunter. Unterwegs zeigen sich einige Mittelreiher, Eisvögel, ein Pfau und kurz auf einer Sandbank ein überaus scheuer Gavial. Diese äußerst bedrohte Krokodilart wird inzwischen auch hier in speziellen Gehegen erbrütet, um die Reproduktionrate zu erhöhen. Wir gehen am gegenüber liegenden Ufer an Land und beginnen bei mörderischer Hitze einen ausgedehnten Junglewalk, bei dem Krishna in irrem Tempo voraus eilt. Treffen teils auch andere Gruppen und besteigen eine Aussichtsplattform inmitten des endlosen Elefantengrasmeeres, das teils dreimal mannshoch aufragt, denkbar ungünstig für Tierbeobachtungen zu dieser Jahreszeit. 

(c) André Schuhmacher

(c) André Schuhmacher

Wir finden alte Kratzspuren eines Tigers (nach einem neunmonatigen Monitoring hat man festgestellt, dass die Zahl der Königstiger von 90 auf 125 angestiegen ist), frische Fährten von Panzernashörnern, die Stelle an der ein Kragenbär Ameisen ausgegraben hat und Plätze, an denen der Waldboden flächendeckend mit harten Nüssen bedeckt ist. Als einzige Lebewesen scheuchen wir etwa 12 Axishirsche auf, gaukeln die buntesten Schmetterlinge vor uns durch den Wald und ist der Waldboden stellenweise mit abertausenden von langen schwarzroten Raubwanzen übersät. Gegen Mittag werden wir mit dem Einbaum wieder über den Fluß gebracht, durch den malerisch ein Mahout mit weißem Sonnenschirm auf seinem Elefanten watet. Natürlich liegt das Krokodil wieder an seinem Platz.
Nachmittags gehts dann zum berühmten Elefantenausritt. Ein erhebendes Gefühl, so hoch über dem Boden auf einem schwankenden Tier dieser Größe zu sitzen. Eine Holländerin und ich müssen leider gegen Marschrichtung Platz nehmen und immer wenn der Mahout mit seinem Tier stoppt, da es was zu Sehen gibt, können wir am Heck nur mit verrenktem Hals erahnen, was es vor uns zu beobachten gibt. Der Elefantenführer dreht sein Tier aber auch keinen Millimeter zur Seite und so haben nur André und Arne einiges Fotoglück. Insgesamt treffen wir auf 4 Panzernashörner, davon eine Mutter mit Baby in einem Schlammloch. Von oben sieht die Szene mit grauen Elefanten um grauen Tümpel mit grauen Nashörnern absolut unwirklich aus. Sicher stapfen die Reitelefanten mit ihren jeweils 4 Touristen auf dem Rücken durch Sümpfe,steile Böschungen hinauf und hinunter und durchqueren ruhig einige Flussarme. 

Auf Befehl des Führers knacken sie auch armdicke Äste, um den Weg frei zu machen und unsere schweben gefährlich nahe an Baumstämmen vorbei, während die Oberschenkel langsam taub werden. Ansonsten begegnen wir noch Axishirschen und Sambarhirschen, sowie einem Pfau in diesem beeindruckenden Dschungel, bevor wir an den dafür vorgesehenen Hochsitzen steif aus unseren engen Gevierten kriechen. Das muss man unbedingt mal erlebt haben, obwohl meine Fotoausbeute gleich Null ist. Abends findet dann vor der Lodge im Schein einer trüben Straßenlampe eine beeindruckende Tanzvorführung einer Gruppe Tharu-Männer statt, die von Krishna moderiert wird. Auch klar, dass es am Ende Arne und natürlich wieder mich erwischt, beim Abschlusstanz mitzuwirken. André entkommt dem Ganzen, da er das Szenario filmt. Aber ich werde von den Tänzern sehr gelobt, die Rassel sehr rythmisch geschwungen zu haben. 

(c) André Schuhmacher

(c) André Schuhmacher


Die Nacht endet mit erneutem Extremregen und der gesamte Hotelgarten steht unter Wasser. Natürlich fällt das geplante Birdwatching aus. Die Touristen sind alle auf, nur die Guides pennen weiter. Um 9 Uhr geht es mit dem Bus zurück nach Kathmandu. Kurz vor Barathpur tut sich der Himmel auf und erstmals ist ein Teil des Anapurna-Massivs als gewaltige weiße Wand zu sehen. Dann geht es wieder der abenteuerlichen Straße folgend in die Berge. Immer wieder Staus durch Unfälle. In der Zeitung können wir morgen lesen, dass ein Bus in den Fluß gestürzt ist; 30 Tote, einige Weggespülte werden noch gesucht. Brauchen 8 Std. bis in die Hauptstadt. Die Beendigung des Müllarbeiterstreiks hat sich leider auf die Aussenbezirke noch nicht ausgewirkt. Mit einem Taxi lassen wir uns zum M. Mandala-Hotel bringen, wo Rolf schon in Sorge wegen der Verkehrsnachrichten im Eingang auf uns wartet. Am Abend treffen wir uns in einer New Orleans genannten gemütlichen Kneipe, wo wir uns mit dem Kaffee-Experten Otto Bertram aus Hamburg mit Frau und einem weiteren Paar zum Essen treffen. Rolf hat mit Otto einiges wegen Bishows Kaffeeproduktion zu bereden. Inzwischen setzt heftigster Monsunregen ein, dass der Ober das kleine freie Stück zu unserem Tisch in Regenbekleidung überwindet. Innerhalb weniger Minuten stehen 30 cm Wasser in den Straßen. Polizisten und Rikschafahrer tanzen. André eilt zum Hotel, um die Kamera zu holen und es gelingen ihm einmalige Nachtaufnahmen. Dankenwerter Weise zahlt Otto die gesamte Zeche und Rolf bringt die Hamburger zum Taxi. Dann platschen wir durch teils knietiefes Wasser zum Hotel zurück. Rolf und André haben inzwischen wenigstens einen Schirm, bevor wir vollkommen durchnäßt um 23 Uhr zurück sind. Und es schüttet ohne Unterlass.
Bei anfangs noch leichtem Regen schlendern wir anderntags durch die Stadt, machen Besorgungen und besuchen kleine Hindutempel. Um einen wurde ein kleines Teehäuschen gebaut, in dem wir ein Glas trinken. Ein größerer ist Singhasarthabahu geweit und reich verziert. In der angegliederten Schule ist gerade Pause und alle Kinder wollen von André fotografiert werden. Während André und Rolf kurz ein Klassenzimmer besuchen, lausche ich einigen Frauen bei einer Lehrstunde auf alten, zu kurbelnden Instrumenten. Dann suchen wir mit dem Taxi den heiligen Fluß Bagmati Nadi auf, wo sich der Leichenverbrennungsplatz Pashupatinath der Hindugläubigen befindet. Rolf zeigt seinen Presseausweis, aber wir haben keinen mit. Zeigen irgend was her, aber die uniformierte Aufpasserin ist misstrauisch und holt 2 Mann Verstärkung. Man verfolgt uns einige Zeit hartnäckig, bis Rolf ein paar Machtworte spricht und sagt, dass wir die Angelegenheit am Rückweg klären werden. Packe meine Kamera zur Vorsicht anfangs in den Rucksack. Gleich tauchen 4 Sadhus (heilige Männer) bunt bemalt und bunt gewandet auf, lassen sich bereitwillig von André fotografieren und Rolf muss die Rupien abdrücken. Es werden gerade 5 Leichen verbrannt und die Rauchwolken steigen am rechten Flußufer auf. Teils ragen Beine und Köpfe aus den Scheiterhaufen. Es riecht nach Sandelholz und Grillfleisch. 

(c) André Schuhmacher

(c) André Schuhmacher

Etwas flussab liegt auf einer Sandbank wohl ein Stück Leiche, an der ein schwarzer Hund schnüffelt. In den braunen Fluten daneben baden und tauchen unentwegt die Buben.
Ist eine Leiche verbrannt, legt der Bestatter noch ein Bündel trockenes Gras auf, läßt es abbrennen und kehrt dann den Gluthaufen in den Fluß. Oft trägt ein Windstoß Glut davon und die Gläubigen fuchten wie wild, um die Funken aus ihren dichten schwarzen Haaren zu bekommen. Wir wandern eine lange Treppe zu einem Tempelbezirk hoch, der wohl nicht oft besucht wird und treffen auf Horden von Rhesusaffen, die zwischen den morbiden Tempeln ein lohnendes Motiv abgeben. In versteckten Nischen finden sich händchenhaltend Liebespaare, eine völlig neue Erscheinung in Nepals Öffentlichkeit, während in der Nähe ganz unromantisch immer wieder die Triebwerke des nahen Flughafens dröhnen. Vorbei an einem total abgegrasten Gehege mit einigen Hirschziegenantilopen entschwinden wir sang- und klanglos durch den Eingang für Hindus. Mit dem Taxi fahren wir kurz zum Hyats, ein Palast von einem Hotel und wandern von dort zur riesigen buddhistischen Stupa von Bouddhanath. 

(c) André Schuhmacher

(c) André Schuhmacher

Tausende Gläubige umrunden im Uhrzeigersinn die Stupa und bewegen unablässig die immer zu vieren in die Mauer eingelassenen Gebetsmühlen. Von einer der zahlreichen Hotelterrassen aus haben wir einen herrlichen Blick auf das Geschehen. Auf weit gespannten Seilen flattern die bunten Gebetsfahnen und dahinter ist durch schneeweiße Wolken wieder ein Stück Himalaya zu sehen. Wir bleiben bis zum Anbruch der Nacht. In den kleineren Tempeln ringsum werden überall die Butterfettlämpchen entzündet, die eine wohlige Wärme verströmen und aus dem Kloster vernehmen wir die kehligen Gesänge der Mönche, nur von gelegentlichen Hornstößen und Schellen unterbrochen. Ein phaszinierender Ort. Zurück im Hotel halten uns hier nächtigende Pilger aus Südindien wach, die auch das große Heiligtum am Bagmati Nadi besuchen. Da sie der nepalischen Küche nicht trauen, haben sie sogar einen eigenen Koch dabei.
Den nächsten Tag vergeude ich wieder mit Schreiben, um mit meinen Berichten nachzukommen. Rolf und André besuchen Anna und Ines in einem Kloster, wo sie einen Meditationskurs belegt haben. André bekommt im Kloster an der Stupa auch eine einstündige Audienz beim Rhinpoche von Kathmandu und kann die tiefen Mönchsgesänge aufzeichnen. Eigentlich wollten wir am letzten Abend gemütlich zusammen sitzen, aber die Kumpel tauchen nicht mehr auf, also haue ich mich in die Falle.
Den 45. Tag unserer Reise heißt es schon wieder Abschied nehmen von Nepal, diesem unglaublich traumhaften, phaszinierenden und schönen, aber auch chaotischen Land im Himalaya, mit so offenen Menschen, wie ich sie nur selten wo getroffen habe. 

(c) André Schuhmacher

(c) André Schuhmacher

Besonders für Fotografen äußerst problemlos und ergiebig. Rolf begleitet uns mit einem Taxi zum Flughafen und wir bekommen wieder Blumen und Schal zum Abschied. Leider nimmt man uns schon an der ersten Rolltreppe die Blumen wieder ab und wirft sie achtlos in einen Plastikkorb. Nur den Schal dürfen wir behalten. Ich trage ihn, bis der erste Fluß überquert ist, ja sogar bis wir auf dem Luftweg 4 Flüsse überquert haben. Nach extrem nervigen Gepäck- und Paßkontrollen nimmt man mir kurz vor dem Flugzeug noch mein Feuerzeug ab, dass ist mir auch noch nie passiert. Dann geht es wieder in die Wolken Richtung Bangkok, wo wir um 18 Uhr Ortszeit ankommen und nach erstaunlich kurzer Wartezeit nach Kuala Lumpur in Malaysia umsteigen können.
Bis bald, euer Richie

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3. Station: Uganda

(c) André Schuhmacher

(c) André Schuhmacher

Liebe Weltreisefreunde,

Die gefürchtete Visumserstellung in Entebbe kurz vor 24 Uhr erweist sich als sehr kurz und schmerzlos, wohl weil die zuständige Dame gleich in den Feierabend entschwinden will. Der Fahrer Isaac von Churchill Safaris holt uns ab, nachdem er nachmittags schon vergeblich 3 Stunden auf uns warten musste. Lassen uns gleich in Flughafennähe zum Übernachten nieder.
Am 27. Reisetag holt uns der überraschend gut Deutsch sprechende Isaac um 7 Uhr zur endlosen Fahrt in den äußersten Südwesten Ugandas ab. Haben dazu auch noch sehr viel Sonnenschein. Die Landschaft ist bergig und atemberaubend schön. Es gibt viel fruchtbaren Boden bei genügend Niederschlägen, also wächst hier alles an exotischen Obst- und Gemüsesorten. Nichts deutet auf florierenden Tourismus wie in Kenia hin, ein wohltuendes Gefühl. Die teils sehr gute Straße weist immer wieder kilometerlange Baustellen auf und wir tasten uns in dichten Gipsstaubwolken bei einer Sichtweite von 3 Metern hinter über und über mit grünen Kochbananen beladenen LKWs her. Nach einem Stopp am Äquator, den wir in Kenya schon mehrmals gequert haben, geht es über die Provinzstadt Kabale in die Vulkanberge. Nun ist der aufgewirbelte Staub nicht mehr weiß sondern rot und alle Vegetation am Rand ist überpudert und schafft im Abendlicht eine unwirkliche Atmosphäre. Auf den Wiesen in den Talsenken sind zwischen den zahlreichen Ziegeleien viele Kronenkraniche unterwegs. Diese wunderschönen Vögel sind zurecht Wappentiere Ugandas. Endlos schraubt sich die Serpentinenstraße durch die Berge und es tun sich immer wieder grandiose Blicke in neue Täler auf. Bis zu den Gipfeln der steilen Berge sind die Hänge landwirtschaftlich genutzt. Hoch über dem Bunjonisee, dem einzigen Badesee Ugandas, machen wir gerade Rast, als es mit lautem Knall bei einem Tanklaster einen Reifen zerfetzt. Nur wenig später bleibt unser Wagen nur 200 m nach dieser Stelle stehen. Es geht nichts mehr. Beim Aussteigen landen wir knöcheltief und geräuschlos in puderfeinem Staub, wie wohl seinerzeit Armstrong auf dem Mond.

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher

Jeder vorbeikommende Wagen staubt uns mehr ein und der gute Vorsprung ist wieder futsch. Nach 2 Stunden erfolgloser Bastelei lassen wir uns von einem PKW aus dem Zielhotel abholen. Wenigstens funktioniert eines der 3 Handys unseres Fahrers.
Wir quartieren uns im Travellers Rest in Kisoro ein. In diesem ehrwürdigen, heimeligen Hotel nächtigten schon viele berühmte Leute und für die Gorillaforscherin Diane Fossey war es zu Lebzeiten zweite Heimat.
Früh am nächsten Morgen geht es zum Gorilla-Tracking in den nahen Mgahinga Gorilla Nationalpark, der zum großen Komplex des grenzübergreifenden Virunga Vulkan Nationalparks gehört. Der größte Anteil liegt in den nahen Ländern Ruanda und Demokratische Republik Kongo, mit nur 37 Quadratkilometern auf ugandischem Territorium. Nach 3 Stunden Marsch bergauf durch interessanten Bergwald erreicht unsere Gruppe schwitzend und schnaubend ein Rangercamp. Herrlich ragen die bis zum Kraterrand bewaldeten Vulkane aus dem blauen Dunst.
Unsere von einer Rangerin und einem Fährtensucher geleitete Gruppe aus 7 Personen (8 Leute dürfen für maximal eine Stunde eine Gorillagruppe besuchen und zahlen dafür 500 US-Dollar pro Person) erreicht eine Gorillafamilie mittags um 12 Uhr, also denkbar ungünstig. In der Mittagshitze haben sich die 9 Tiere in den Schatten eines Dickichts zurückgezogen und halten nahezu unbeweglich Siesta. Wir umrunden in der Aufenthaltszeit langsam und flüsternd die Familie, um irgendwie einen Lichtstrahl auf eines der imposanten Tiere zu erhaschen.

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher

Einmal stößt einer der 3 Silberrücken einen ohrenbetäubenden Schrei aus, um zu zeigen, wer hier der Boss ist. Einige Zeit klettert eines der beiden Jungtiere in den Büschen herum und kuschelt sich dann im tiefen Schatten wieder an die Mutter. Ein Bild des absoluten Friedens. Und im Nuh ist die Stunde rum und wir müssen zu einer Hütte absteigen, wo wir unsere Lunchpakete auspacken. Wenig weiter erreichen wir die Steinmauer, die den Nationalpark vom dicht besiedelten und bestellten Kulturland abtrennt. Erschreckend, wie nahe die Zivilisation der Wildnis mit ihren letzten Gorillas in Uganda auf die Pelle gerückt ist.
Zurück im Hotel versuche ich wieder mal vergebens, eine Internetverbindung aufzubauen. Überhaupt habe ich auf der bisherigen Reise schon viele Ausflüge sausen lassen, nur um beim Blog erfolgreich nichts zu erreichen. Das kanns ja auch nicht sein. Habt also Geduld! Die Wartenden im Web kennen eben nur den westlichen Standard, der ja auch meist reibungslos funktioniert. Leider wurde bisher der Genuß dieser Reise durch den Ärger mit dem Internet arg geschmälert und es kommt immer mehr Material zusammen, über das berichtet werden will.
Abends fordert uns Apollo, der Leiter eines Waisenhauses auf, im Freien an den Tanzdarbietungen seiner Schützlinge teilzunehmen. Es ist ein unvergessliches Erlebnis, mit welcher Freude und Natürlichkeit und mit wieviel Elan die Kinder und Jugendlichen trommeln, singen und tanzen. Zum Abschluß werden wir zum Tanz dazugebeten. André und ich, sowie einige Holländerinnen tanzen bei der Hitze mit, bis uns die Zunge heraus hängt. Die uns umgebundenen Baströcke belustigen die Kinder aufs äußerste und natürlich spenden wir kräftig. Immerhin ist es natürlich und unverfälscht und kein touristischer Kommerz.
Am nächsten Tag brechen wir zu einer fast achtstündigen Fahrt zum Queen Elizabeth Nationalpark im Albertine Rift Valley auf. Erst geht es wieder über die Berge zurück, wo wir nochmal unsere Pannenstelle von vorgestern bei Tag besehen können. Rasten mittags wieder in Kabale. Unterwegs ergeben sich wenige Fotostopps, da es sehr dunstig ist. Halten für länger eigentlich nur bei den Berghängen mit den sattgrünen Teeplantagen.
Der Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von 2056 Quadratkilometer mit Savanne, Steppe und herrlichem Euphorbienwald. Die beiden Seen Edward und George sind durch den 40 km langen, natürlichen Kazinga-Kanal miteinander verbunden. Am Nachmittag quartieren wir uns im Zeltcamp von Hippo Hills ein, wo jeder ein geräumiges Zelt bezieht. Strom wird mit Solarenergie erzeugt, für Warmwasser wird aber nach wie vor Holz verfeuert.

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher

Obwohl es schon recht düster war, mussten wir kurz vor dem Camp für André noch unbedingt am Ufer des Edwardsees anhalten, wo er die ersten Flusspferde seines Lebens sah. Jedesmal, wenn wir nun an dieser Stelle vorbeikommen, rufen Isaac und ich „Hippo Hippo“, ob nun welche da sind oder nicht. Erstmals auf der Reise benutze ich ein Moskitonetz, da die Biester bei Sonnenuntergang aus allen Richtungen kommen. Bei Wetterleuchten und den Rufen der Flußpferde, Elefanten und Büffel schläft man wohlig ein.
Früh am nächsten Morgen brechen wir ohne Frühstück zu einem Gamedrive in die Kasenyi-Plains auf, die besonders wildreich sind. Im Finstern sind noch grasende Flußpferde an Land und vor dem Scheinwerferlicht fliegen immer wieder Nachtschwalben aus dem warmen Sand auf, wo sie gerne die Nacht verbringen. Bald begegnen wir mehreren Safariwagen im Pulk, untrügliches Zeichen für Raubtiersichtung. 2 Löwinnen trotten durchs hohe Gras und legen sich dann hin. Einen Kilometer weiter wieder eine Löwin mit 4 Jungen, aber sehr weit weg und die graue Hochnebeldecke lässt keine guten Fotos zu. Da jetzt viel Grasland zwischen den Euphorbienbäumen abgebrannt wurde, ist der Boden vielerorts schwarz, aber die Tiere dadurch gut zu sehen. Imposante Defassa-Wasserböcke weiden im Buschland. Löwen erbeuten sie angeblich nur im äußersten Notfall, da sie so stinken.

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher

Andere Fachleute behaupten, es liege an den vielen unglaublich dichten Haaren. Bald erreichen wir die Mating Grounds des Uganda Kob. Diese Antilope sehe ich zum ersten Mal und wir erleben gleich auch eine Paarung mit. Überraschend steht man plötzlich vor dem Kraterloch des Bunyampaka. Im See auf seinem Grund wird auf der ganzen Fläche in Salinenfelder aufgeteilt Salz gewonnen und hauptsächlich in den Kongo verkauft. Auf dem Rückweg zum verspäteten Frühstück kommen wir auch wieder am Krater von Nyamanyuka vorbei. Hier wird kein Salz gewonnen, aber alte und kranke Kaffernbüffel liegen in salzigen Tümpeln, um ihre Wunden zu kurieren.
Plötzlich entdecke ich was extrem seltenes auf der Piste und fordere Isaac auf, zurück zu fahren. Da liegt ein überfahrenes Männchen der Mozambique-Nachtschwalbe. Die jeweils eine Schmuckfeder pro Flügel, die fast 1 m lang wird und bei der Balz im Mondschein weiß aufleuchtet, habe ich erst einmal live in Zambia gesehen. Nachts wirkt das plötzliche Auftauchen dieses Vogels wie ein Gespenst. Und nun wurde ihm schon mehrmals über die imposanten Schmuckfedern gefahren und der Schwanz ging wohl bei der durch den Aufprall ausgelösten Schreckmauser verloren. Wir nehmen das Tier zum Fotografieren mit ins Camp.
André schüttelt nur den Kopf über die Aufregung um einen toten Vogel, aber sogar Isaac macht Fotos von dem Tier, dass wir auf meinem Regenponcho ausbreiten.
Um 12.35 Uhr bleibt meine Armbanduhr fast stehen und bewegt sich nur noch im Zeitlupentempo, wohl auch ein Opfer des Feinstaubs geworden. Die Zeit kann ich jetzt nur noch schätzen. Habe ja bisher immer meinen Fotografen André geweckt, der aus Prinzip keine Uhr dabei hat.
Nachmittags fahren wir auf die Mweya-Halbinsel am Edward See und nehmen für 2 Stunden an einer Bootsfahrt auf dem Kazingakanal teil. Das Leben am Fluß ist extrem vielfältig und ich kann diese Tour nur jedem empfehlen, der hierher kommt. Neben badenden Elefanten und Büffeln, Flußpferden und Krokodilen, erlebt man eine überwältigende Vogelwelt mit unglaublich vielen Arten. Insgesamt kommt man im Nationalpark auf 604 Vogelarten, da sind die nordischen Überwinterer aber mit dabei, die jetzt alle fehlen. Also trifft man jetzt fast nur auf reinrassige Afrikaner. Nach der lohnenden Bootstour mit Schreiseeadlern, Pelikanen, Kormoranen, Eisvögeln, Störchen, Ibisen und Weißflügelseeschwalben, um nur einige zu nennen, unternehmen wir noch einen Gamedrive. Nahe am Camp tummeln sich viele der possierlichen Zebramangusten. Wegen einer auf längere Zeit angelegten Feldstudie sind einige mit Halsbandsendern verunstaltet. Neben Warzenschweinen und einer riesigen Horde von Pavianen, treffen wir auf eine 16-köpfige Elefantenherde, die seelenruhig die Durchgangsstraße überquert und oft droht, da sie kleine Babies dabei hat. 2 Jungs mit Fahrrad haben Angst und warten einen LKW ab, um in dessen Windschatten mit lautem Geschepper an den Tieren vorbei zu kommen.

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher


Am nächsten Morgen geht es in etwa 3 Stunden über Fort Portal zum Kibale Nationalpark an den Vorbergen des Ruwenzori, von dem wir in den Wolken nicht einen Hauch sehen. Es liegt sonst Dunst über der herrlichen Landschaft und vorbei an weiteren großen Teeplantagen erreichen wir mittags unsere Lodge Chimp´s Nest. Sie liegt extrem versteckt und macht ihrem Namen alle Ehre. Wir schleppen unser schweres Gepäck endlos bergab und erreichen über Stege eine Hütte an einem kleinen Bach im Urwald.

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher

Ein wunderschöner Platz, aber etwas viel Aufwand für eine Nacht. Es gibt hier auch einige tolle Baumhäuser in 7-8 m Höhe, die natürlich alle ausgebucht sind.
Bereits um 14 Uhr brechen wir zwei mit 2 Amerikanerinnen und Scout Damian zu einem Schimpansen-Tracking in den finsteren Kibalewald auf, um dort für 2 Stunden die Natur zu genießen. Schon bald treffen wir auf eine Großfamilie mit 20 Schimpansen, die auf dem Waldboden und teils in den Bäumen dahin wandern. Damian kennt sie alle mit Namen und erzählt uns über Alter und Besonderheiten. Da wir auf mehrere Menschengruppen treffen, zweifeln wir an an der Richtigkeit unseres Tuns. Aber man klärt uns auf, dass eine weitere Schimpansengruppe in fremdes Territorium vorgedrungen ist, der eben auch Beobachter folgen und dafür sorgen, dass die Gruppe wieder in ihr eigenes Gebiet jenseits der Urwaldpiste zieht, ohne Streit anzufangen. Das mag man ja noch glauben, aber der oben am Berg durchdonnernde Schwerlastverkehr aus dem Steinbruch bietet schon eine gewaltig störende Geräuschkulisse. Hoffentlich ist dies kein Dauerzustand. Da bis zu den Schimpansen immer mal wieder ein Lichtstrahl durchdringt, sind doch bessere Fotochancen als bei den Gorillas möglich und immer wieder kommen große bunte Schmetterlinge vorbei gegaukelt. Trotz Verbot fotografieren Besucher immer wieder mit Blitzlicht, da sie nicht die nötige Ausrüstung mit haben und sich ungenügend informiert haben.
Unsere letzte Urwaldnacht bricht mit Blitz, Donner und Starkregen an und wir werden unter dem ohrenbetäubenden Lärm der Frösche und Zikaden wegen der agressiven Waldelefanten mit 2 bewaffneten Begleitern zur einsamen Hütte im Tal eskortiert, bei der mein Zimmer natürlich wieder kein Licht hat und ich mit Taschenlampe herum irren muß. Nach dem Frühstück brechen wir schon wieder zur Rückreise nach Kampala auf. Wieder das vertraute Bild der Kulturlanschaft, schwer beladene Fahrräder mit Kochbananen, Wasserkanistern, Holzkohlesäcken, Milchkannen, Brennholz oder mal ein lebendes Schwein quer über den Gepäckträger.

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher

Teeplantagen, Ziegeleien und Herden der langhornigen Watussirinder. Um 15 Uhr haben wir das quirlige Kampala, die Hauptstadt erreicht und treffen uns zum Erlebnisaustausch im Büro von Churchill Safaris and Travell, unseren Gönnern. Jeder will noch Fotos zusammen mit uns Weltreisenden machen und man schenkt uns T-Shirts. Dann werden wir nach kleiner Stadtrundfahrt, wo man uns am Präsidentenpalast gleich wieder abzocken will, im feudalen Sheraton einquartiert, wo man sich über eine Stunde nicht einig wird, ob wir ein oder zwei Zimmer bekommen. Was für ein Kontrast zum übrigen Land.
Bereits um 5.20 Uhr am nächsten Tag bringt uns Isaac nach Entebbe, wo wir pünktlich um 7.30 abheben, was keine Selbstverständlichkeit ist. Es geht aber nicht gleich nach Nepal weiter, sondern erstmal nach Südafrika. Leider ist auf der Route nach Johannesburg der nördliche Teil unter einer dichten Wolkendecke. Habe so sehr auf den Kilimanjaro gehofft.
Mal sehen, was uns weiter erwartet, auf alle Fälle haben wir Uganda als zu kurz erlebt.
Bis dahin viele liebe Grüße aus der weiten Welt.

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2. Station: Kenia

2. Station: Kenia

Liebe Weltreisefans,

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher

Hier kommt wieder ein Lebenszeichen von mir. Nach einem zermürbenden Flug von den Azoren zurück über Lissabon nach Frankfurt, dort 3 Std. Schlaf und Weiterflug über Brüssel und Entebbe nach Nairobi bin ich endlich spät nachts angekommen, um hier erneut zu übernachten.
Am folgenden Morgen, dem 12. Tag der Reise, holt uns Fahrer Moses von Rhino Watch Safaris zu unserem Endziel in Kenia ab. Halten unterwegs an vielen bunten Märkten, um Proviant zu kaufen. Mittags genießen wir während der Fahrt gegrillten Fisch aus Plastiktüten mit den Fingern. Zum Glück sieht man nicht die trübe Brühe des Stausees, aus dem die Tilapias stammen. Am Nachmittag erreichen wir die Lodge. Habe sie mir weiter in der Wildnis vorgestellt, aber sie liegt inmitten von Bauernland wunderschön an einem leichten Berghang. An diesem Abend bin ich um 23 Uhr, so früh wie schon lange nicht mehr im Bett. Am nächsten Morgen dichter Nebel, kalter SO-Wind, Sichtweite 20 m. Es herrscht eben afrikanischer Winter. Bei diesem Wetter sind sogar bis zu 30 cm lange, fast weiße Nacktschnecken unterwegs. Zum ersten Mal seit langer Zeit genieße ich Spiegeleier zum Frühstück, welch eine Köstlichkeit. Tagsüber wandern wir mit Führer auf dem Gelände des ehrwürdigen Aberdare Country Clubs umher.

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher

Besonders Giraffen lassen uns nahe heran, obwohl man mit einem Fahrzeug wesentlich näher an Wildtiere heran kommt. Die angekündigten Elenantilopen und Buschböcke lassen sich leider bis Einbruch der Dunkelheit nicht blicken.
Am nächsten Morgen fahren wir in das private Reservat von Solio, das einem Franzosen nur so als Hobby gehört. Nur von einer kurzen Mittagspause im Camp unterbrochen, es ist ja nicht weit, verbringen wir den ganzen Tag dort. Am Westfuß des mächtigen Mount Kenya gelegen, säumt herrlicher Galeriewald aus Fieberakazien einem teils versumpften Flusslauf mit Papyrus. Daran schließen sich weite Savannen und Steppen an. Ein durch einen hohen Zaun abgetrenntes Gebiet wurde an die Landwirtschaft abgetreten. Darauf sind Überbeweidung und Buschbrände ein vertrautes Bild. Aber im Schutzgebiet kommt jeder Naturfreund auf seine Kosten. Nirgendwo habe ich mehr Breitmaulnashörner gesehen als hier. Ihre Zahl liegt insgesamt bei über 300. Von hier werden andere Parks mit Nachschub versorgt. Was doch so ein Elektrozaun alles bewirkt, und natürlich auch die ständige Überwachung, die Wilderern keine Chance gibt. André, der erstmals Afrika bereist, lässt seine Kameras rattern. In den sumpfigen Tümpeln tummeln sich viele Wasservögel. Darunter Nimmersattstörche, Heilige Ibise, Afrikanische Löffler und Hagedasch-Ibise. Auch eine der hier extrem seltenen Sporengänse ist darunter. Und fast hinter jeder Wegbiegung tauchen Nashörner auf, mal alleine, mal in kleinen Gruppen. Wo ist das in Afrika sonst noch möglich, diese bedrohte Art so zahlreich zu beobachten? Das noch viel seltenere Spitzlippennashorn entdecken wir leider nicht, dafür aber einen extrem selten zu sehenden Fischotter.
Das interessante Reservat besuchen wir im Laufe des Aufenthalts natürlich nochmal einen Tag, an dem uns neben den Nashörnern auch die vielen anderen Tierarten begeistern. Immer wieder stehen große Zebratrupps malerisch im goldgelben Steppengras. Herden von Elen- und Oryxantilopen ziehen vorbei und mächtige Wasserböcke weiden im sattgrünen Sumpf.

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher

Ein Highlight ist ein Löwenpärchen beim Paarungsspiel. Leider kommt das Männchen mit einem Dorn im Fuß der rolligen Löwin nur mühsam hinkend hinterher und alle haben Mitleid mit ihm.
Auch den etwa eineinhalb Fahrstunden entfernten Park von Ol Pejeta besuchen wir 2 Tage lang. Das 360 Quadratkilometer große Gebiet liegt direkt am Äquator und bezaubert durch Galeriewälder, Dornbuschsavannen und Steppenflächen und einem imposanten Blick auf den höchsten Berg des Landes, den Mount Kenya mit seinen 5.199 m, so man ihn denn sehen könnt. Seit Tagen verhüllt er sich bis runter in Wolken. Da kann ich gut verstehen, dass erste Entdeckungsreisende am Ruwenzori Gebirge in Uganda glatt vorbei zogen, ohne es zu erwähnen, sie haben es einfach nicht gesehen.
Im Ol Pejeta gibt es ein riesiges Freigehege, in dem 42 Schimpansen in 2 Gruppen behütet werden. Allesamt Tiere, die als Kinder zum Kauf angeboten wurden, nachdem man ihre Eltern als Buschfleisch abgeschossen hat. Sie stammen alle aus Kamerun und dem Kongo und grässliche Fotos im Infozentrum illustrieren immer noch stattfindende Massaker. Leider sind unsere nächsten Verwandten alleine nicht mehr lebensfähig und können nie mehr in ihre heimatlichen Wälder zurück. Ich verlasse das Gelände mit einem Kloß im Hals.
Daneben besuchen wir auch das Gebiet, in dem 86 der selten gewordenen Spitzmaulnashörner geschützt werden, das größte Areal dieser Art in Ostafrika. Der blinde Nashornbulle Baraka (der Begnadete) ist das einzige Black Rhino, das zu sehen ist und darf gefüttert werden. Es kommen viele Busse mit Schulklassen hierher, gibt es doch viele arme Kinder in den Städten, die noch nie ein Wildtier gesehen haben. Leider bekommen wir die 4 Breitmaulnashörner der nördlichen Unterart nicht zu Gesicht, die von einem Zoo in Tschechien stammen.

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher

Es gibt weltweit leider nur noch 8 Tiere dieser Species. Aber dafür sehen wir neben einer interessanten Vogelwelt viele andere Großtiere im Park. Vom Warzenschwein bis zum Wasserbock, vom Elefant bis zur Grantgazelle ist hier alles reichlich vertreten und erstmals sehe ich in Afrika 4 der eng gestreiften, wunderschönen Greveyzebras.
Natürlich unternehmen wir auch eine Fahrt zum Aberdare Nationalpark im Südwesten und klettern auf gewundenen Bergstraßen bis auf 4200 m hinauf. Durch den rotbraunen Lateritboden sind Elefanten, Riesenwaldschweine und Kaffernbüffel dementsprechend gefärbt. Der Regenwald zieht sich hier bis über 4000 m hinauf und durchläuft deutliche Vegetationszonen, von denen besonders der schier undurchdringliche Bambuswald beeindruckt, wie auch die meterlangen Bartflechten. Auch die wunderschönen Kolobusaffen können wir beobachten, dazu große blaue Falter, Tüpfelhyänen und die gefürchteten Treiberameisen, die einen Mull, eine Art Hamster zerlegen. In dieser üppig dichten Vegetation sind die Tierbeobachtungen allerdings jeweils nur kurz und die Kameras müssen ständig schussbereit sein.

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher


Dann geht es für 2 Tage zum Nakurusee im Ostafrikanischen Grabenbruch (Rift Valley), den wir auf teils sogar relativ guter Straße in etwa 3 Std. erreichen. Sowas hat die Welt noch nicht gesehen. Millionen von Rosa Flamingos, teilweise auch Kleine Flamingos säumen als breites Band fast das gesamte Ufer im seichten Wasser. Die grunzenden Rufe erinnern an die große Wanderung der Gnus, zu der wir leider trotz Ankündigung im ursprünglichen Programm nicht kommen werden. Manchmal sind auch Laute dabei, die an Kraniche erinnern oder wie Möwengeschrei klingen. Gleich beim ersten Zugang zum See stehen so viele Touristen vor ihren Safaribussen, dass sich die Vögel nicht nahe genug heranwagen. Normalerweise dringen sie keilförmig in die Süßwasserzuflüsse vor, um sich das Salz des Sees aus dem Gefieder zu waschen. Dann kehren die Gebadeten zum Schlafen oder zur Nahrungsaufnahme in den See zurück und von rechts und links strömen wohlgeordnet die nächsten Flamingos in den Bach, obwohl beim ersten Blick auf die rosa Masse nicht gleich ein System erkennbar ist. Dies können wir so auch erst am nächsten Tag an einem anderen Ort in Ruhe beobachten. Nur synchron einherschreitende Vögel in Balzstimmung fallen aus dem Rahmen. Wir können uns an dem Gewusle nicht satt sehen und verbringen Stunden an den Ufern.

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher


Aber auch so hat das Umland im Nationalpark viel zu bieten. Nashörner, Büffel, Kolobusaffen, Giraffen, Strausse und vieles mehr können wir beobachten. Von den etwa 80 m hohen Basaltklippen namens Baboon-Cliffs hat man einen traumhaften Blick, sieht das rosa Band der Flamingos und die ziehenden Tiere in der Marsch wie aus einem Flugzeug. Der beliebte Picknickplatz ist fest in der Hand der Paviane und schon hat eine Gruppe Italiener einen im Bus und jede Mühe, ihn wieder raus zu bringen. Deshalb essen die meisten Besucher bei geschlossenen Fenstern in ihren Fahrzeugen. Abends entdeckt ein Guide in etwa 100 m Entfernung einen ruhenden Leoparden, mansieht eigentlich nur den Kopf und das Licht ist schlecht. Aber im Nuh stehen etwa 30 Fahrzeuge auf der Piste wie bei einer Rush-hour. Da Handys in Kenia mindestens so beliebt sind wie in Italien, hat sich die Botschaft in Windeseile verbreitet. Wir haben Mühe, aus diesem Pulk zu entkommen, aus dem alle Sprachen der Welt zu vernehmen sind und uns Busse voller Japaner mit Mundschutz und Sonnenbrillen in der Dämmerung stark an Ausserirdische erinnern. Sehr schön, dass sich am nächsten Tag kurz vo Abfahrt aus dem Park noch eines der seltenen und agressiven Schwarzen Nashörner im besten Licht beim Futtern von Akazienblättern zeigt.

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher

Die berühmten Big Five haben wir jetzt alle gesehen.
Nun steht noch ein zweitägiger Besuch am Baringo- und Bogoria-See an. André und ich nächtigen in dem traumhaft gelegenen Robert`s Camp am Ufer desBaringosees in einer Banda genannten, fensterlosen Rundhütte mit Plumsklo in der Nähe. Wir beobachten bunte Bartvögel an Termitenbauten, hören das beginnende Konzert der Ochsenfrösche und anderer Froscharten mit Beginn des Abends und André sieht ein Krokodil beim Verzehr eines Fisches. Zum Dinner zusammen mit einer 11-köpfigen Gruppe Österreicher tafeln wir auf der Veranda des wunderschönen Heron House bei einem heftigen Gewitter, das aber die Moskitos verbläst.

(c) André Schuhmacher
(c) André Schuhmacher

 Am frühen Morgen des nächsten Tages rast Fahrer Michael Gichehi so schnell es die abenteuerlichen Straßenverhältnisse eben zulassen mit uns zum Lake Bogoria. Schaffen es leider nicht ganz zum Sonnenaufgang. Aber dann erblicken wir wieder Millionen von Flamingos vor einer spektakulären Kulisse mit Geysieren und dampfenden heissen Quellen. Man kann sich nicht satt sehen. Hier jagen auch Hyänen, Warzenschweine und Schakale nach den Vögeln und viele Entkommene haben Bissverletzungen an den Füßen, oder haben sich in Panik anderswo landend im heißen Wasser verbrüht. Die Verletzten bilden Gruppen am Ufer, um sich soweit möglich zu kurieren. Leider tauchen immer wieder Touristen auf, die Mangels geeigneter Kameras zu nahe und zu hastig darauf zueilen und die Flamingos unter Schmerzen dazu zwingen, aufzufliegen und mühsam auf einem Bein zu landen, so dass ich nicht umhin kann, öfter mal einen der Leute anzubrüllen.
Die Flamingos stehen nicht etwa so nahe an den heissen Quellen um sich zu wärmen. Im Gegenteil erzeugen die kondensierenden Dampftröpfchen auf dem Gefieder Verdunstungskälte und kühlen angenehm. In der Mittagshitze bei senkrecht über uns stehender Sonne, sehen jetzt alle Flamingos weiß aus und wir fahren zum Baringosee zurück. Die österreichische Gruppe ist mit einem Boot auf dem See und einer Insel für gutes Geld unterwegs und läßt sich vorführen, wie ein Schreiseeadler einen ins Wasser geworfenen Fisch von der Oberfläche greift. Diese Anfütterungen sind speziell im Okavangodelta in Botswana an mehreren Stellen zu sehen (siehe meinen Siegerartikel). Wohl der erste, der dies probierte, war meines Wissens der inzwischen verstorbene Schweizer Willy Zingg. Wie zum Hohn landet ein Schreiseeadler mit großem Fisch vor uns auf einem abgestorbenen Baum im See bei bestem Licht und wir dürfen ohne Bezahlung schöne Fotos schießen, bevor die Reisegruppe zurück kommt.
Abends dann das Spektakel schlechthin. Vor unserem Haus landet überraschend ein Helikopter und alles eilt herbei. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Piloten um den legendären Kameramann Allan Root handelt, der schon für den berühmten Professor Grzimek in der Serengeti gefilmt hat und hier nur eine eingelagerte Tonne Kerosin tankt. Danach fliegt er zur nahen Insel zurück, wo er ausnahmsweise mal Urlaub macht.
Früh am nächsten Morgen wollen wir nach Nairobi aufbrechen, aber ein Reifen ist platt. Nach dem Wechsel des Rades schaffen wir es bis zur Kante des Rift Valleys oberhalb des Elementeita Sees, wo wieder Flamingos rosa herauf leuchten. Und wieder ist der Reifen flach. Unser Flug nach Uganda ist damit futsch. Als wir Nairobi am Nachmittag erreichen, versuchen wir deshalb für Andrés kaputt gegangenes 400 mm – Zoom Ersatz zu bekommen, aber vergeblich. Zuletzt leiht ihm Valentina aus Verona ihr Zoom bis 300 mm, die ebenfalls bei Rhino Watch einige Zeit verbrachte und auch heute abreist. Durch einen Zahlendreher dauert es elend lange, bis wir zu Churchill Safaris in Uganda Kontakt bekommen und erklären, dass wir nun 2 Plätze für den Nachtflug bekommen haben und nicht vor24 Uhr in Entebbe sein werden. Was für ein irrer Abschied von Kenia, aber immerhin habe ich den Mount Keny zweimal kurz gesehen.
Also dann, bis demnächst in Uganda. Sind schon gespannt, was uns dort so alles erwartet.

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1. Station: Azoren

Hallo liebe Weltreisefreundinnen- und freunde,

nun habe ich die erste Etappe meiner Weltreise schon einige Tage hinter mir, aber nirgends die Zeit oder Möglichkeit zu schreiben. Mein Laptop gab 2 Tage vor Abreise den Geist auf, es findet sich kein Internetanschluss, oder es ist immer wieder mal der Strom weg.

(c) André Schuhmacher.

Das Azorenhoch machte seinem Ruf alle Ehre. Bis auf einige kurze Phasen mit Sprühregen, zum Glück meistens nachts, immer heiß und sonnig, gemildert durch angenehmen Nordostwind. Die netten Leute von Pico Sport, einem der Reiseunternehmen vor Ort, quartierten meinen Begleiter und Profifotografen André und mich in Hafennähe von Madalena ein. Dort trafen wir auf einige junge deutsche Touristen, mit den wir schnell vertraut wurd,en und abends in den umliegenden Lokalen die einheimische Küche in den nächsten Tagen testeten.

(c) André Schuhmacher.

Nach der Landung auf dem dramatisch kurz erscheinenden Airstrip auf der Insel Faial brachte uns ein Taxifahrer zum Hafen. Da wir noch Zeit hatten, erkundeten wir getrennt die Stadt, die jedem Weltumsegler bekannt ist, was man an den vielen Graffities diverser Boote an der langen Hafenmole sehen kann. Mit der letzten Fähre des Tages setzten wir um 20.15 Uhr zur Insel Pico über, die man in etwa 25 min. erreicht. Ein dramatischer Sonnenuntergang beleuchtete die beiden Vulkanfelsen vor dem Hafen von Madalena und entlockte uns die ersten Bilderserien. Der Pico, Inselvulkan und mit 2.351 m höchster Berg Portugals, hüllte wie fast immer seinen Gipfel in Wolken.

(c) André Schuhmacher.

André schläft noch, als ich mich am nächsten Morgen zum Hafen begebe. Das Whalewatching beginnt immer gegen 9 Uhr und wir fahren zu zehnt los. 8 Touristen, Guide Susanne und der einheimische, erfahrene Skipper Eudardo. Der Pico ist frei von Wolken, ein seltener Anblick und ich fotografiere vom Meer aus. Nach großen Trupps von Gelbschnabel-Sturmtauchern, die auf dem Meer ruhen und in Lavaspalten und -höhlen brüten, treffen wir kurz auf eine Grüne Meeresschildkröte, die sich hier unter anderem von den zahlreichen Quallen ernährt. Im stürmischen Gewässer weiter auf See, treffen wir auf eine Schule von etwa 15 Rundkopfdelfinen. Je älter sie werden, um so weisser wird ihre Haut. Im Laufe der Stunden auf dem Meer treffen wir noch auf 2 abtauchende Pottwale, eine Schule von etwa 40 Gewöhnlichen Delfinen, sowie einen Trupp Großer Tümmler. Besonder die Pottwale, und nur diese Art ist zur Zeit hier, tauchen weit draußen an der Kante zum tiefen Meer nach Riesenkalmaren. Vor einigen Tagen gelang es 2 amerikanischen Tauchern angeblich erstmals, einen Pottwal mit Beuteresten eines Tintenfisches im Maul zu fotografieren. Der Kopf des Kraken konnte dabei als Beweis sichergestellt werden. So vergehen 4 Std. wie im Flug und nachmittags fährt dann André mit hinaus und bekommt das Superfoto schlechthin. Die mächtige Fluke eines abtauchenden Pottwals mit einer darüber rüttelden Flussseeschwalbe.

Im Ort Madalena fand die letzten 5 Tage ein Volksfest statt. Die leuchtenden Neonkunstwerke entlang des Hafens und der Straßen erstrahlen abends noch bunt in der Vollmondnacht, während tagsüber die Bühnen bereits abgebaut werden. Viele hier schwärmen noch von der tollen Rund um die Uhr-Party.

(c) André Schuhmacher.

Die nächsten Tage nehme ich an 5 Whalewatching-Touren teil. Jede ist ein Erlebnis für sich. Mal 16 Pottwale, mal welche beim Paarungsspiel, eine Mutter mit neugeborenem Kalb oder ein Kalb, das mit heftigen Schwanzschlägen auf die Wasseroberfläche seine Mutter zurück dirigiert. Das Ende der meisten Pottwalsichtungen endet im finalen Tauchgang der Tiere. Noch einmal macht der Wal einen Buckel, die Rückenfinne ist deutlich sichtbar. Dann erscheint unter großem Hallo der Beobachter die breite Schwanzfluke und der Wal verschwindet für lange Zeit in der Tiefe. Einmal warten wir bei sengender Sonne über eine Stunde vor Ort, ohne dass der mächtige Meeressäuger wieder auftaucht. Dafür begegnet uns ein ausgeschlachteter Kühlschrank, eine Babybadewanne und anderer Plastikmüll auf dem Atlantik. Was geht, wird von den Guides an Bord geholt und an Land entsorgt. Beeindruckend finde ich das umsichtige Vorgehen der Crew gegenüber den Walen. Es ist nicht erlaubt, sich einem Pottwal frontal zu nähern, damit sein empfindliches Sonar im Kopf nicht vom Lärm des Aussenborders gestört wird. Da der Pottwal als einzige Art sein Blasloch seitlich links versetzt hat, ist es zum Glück ein Leichtes zu sehen, wann man sich korrekt von hinten nähert. Auch entfernt sich die Crew immer dezent, wenn zu viele Boote auftauchen. Hier wird auch Schwimmen mit Delfinen angeboten und immer wenn eine Schule von Gewöhnlichen Delfinen erscheint, gleiten die schnorchelden Touristen sanft ins Wasser und erfeuen sich über den kurzen Augenblick und die unter Wasser zu hörenden Klicklaute der Tiere. Oft überholen diese das Boot und kehren dann zurück, als wollten sie sehen wo es bleibt. Besonders Kinder sind darüber maßlos begeistert, wenn sie für etwa 20 sec, ein neugieriger Delfin anschaut. Bei den scheuen Streifen- und Fleckendelfinen hat man hingegen wenig Chancen.

Nachdenklich stimmen mich die Thunfischfänger, die im Hafen morgens immer ihren Fang verladen. Es ist hier nur noch der traditionelle Fang mit der Angel erlaubt, aber die Beute besteht aus so vielen kleinen Tieren, die unmöglich schon abgelaicht haben können. Auf meine Frage bekomme ich nur zu hören: „es gibt keine großen mehr“. Der gesamte Fang von hier geht in Gläsern konserviert nach Italien.

Aber auf den 9 wunderschönen Inseln gibt es natürlich nicht nur im umgebenden Atlantik interessantes zu entdecken. Da ich keinen Führerschein besitze, bin ich ständig zufuß unterwegs, während André sich 2 Tage einen Vesparoller mietet, um auch entfernte Ecken von Pico zu erreichen.

Sehenswert ist das Weinanbaugebiet westlich von Madalena. Ein Gewirr unterschiedlich großer Gevierte aus schwarzen Lavasteinmauern zieht sich kilometerweit hinter der Küste hin und die Hänge hinauf. Viele Flächen sind verfallen, überwuchert und nicht mehr bestellt. 2004 wurde diese aussergewöhnliche Kulturlandschaft von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Dadurch fließen Gelder und langsam werden durch den finanziellen Anreiz wieder Kulturen reaktiviert. Die Weingärten werden entkrautet, die Stöcke beschnitten und auf alte Steinhäuschen in den Pflanzungen sind Bauern dabei, Eternitdächer wieder durch traditionelle Ziegel zu ersetzen. Aber auch hier wird mit harten Mitteln gegen die Reblaus vorgegangen, die viele Verdelho-Rebstöcke vernichtet hat. Überall glänzen die Blätter in tiefem Blaugrün durch die Kupferverbindungen der Spritzmittel. Auch Feigenbäume werden damit besprüht und ich sah so manchen Bauer mit der Giftspritze durch sein Maisfeld traben.

(c) André Schuhmacher.

(c) André Schuhmacher.

In den Städtchen und Dörfern findet sich nahezu nichts mehr von den etwa 60 endemischen Pflanzen der Azoren. Dafür wuchert es in den Gärten und auf Brachflächen nur so von exotischen Pflanzen aller Kontinente. Alle möglichen Blüten- und Nutzpflanzen wie Dattelpalmen, Bananen, Baumfarne, Protheas, Edelkastanien, Kandelaber-Euphorbien und vieles mehr wird hier gepflanzt und kultiviert. Der vulkanische Boden und das milde Klima lassen alles gedeihen und mit geschultem Blick entdecke ich so manches auch bei uns heimische „Unkraut“.

Einen Tag setzen wir mit der Fähre zur Insel Sao Jorge über, auf die uns ein liebenswürdiges Studentenpärchen aus Deutschland mitnimmt, um mit uns dort eine unvergessliche Bergwanderung zu unternehmen. Vom Hafenort Velas lassen wir 4 uns von einem Taxi für 25 Euro zur Passhöhe von Piquinho da Urze hinauf bringen, die wir bei etwa 700 m in dichten Wolken erreichen. Von der Serra do Topo-Wind Farm erkennen wir nichts im Nebel, aber die hier noch üppig blühenden blauen Hortensienhecken bilden herrliche Verläufe in die Wolken hinein; eine regelrecht mythische Szenerie. Am Weg hinab ins Tal zur Nordseite der Insel zeigen sich immer wieder blaue Hortensieninseln im satten Grün der Wacholder- und Lorbeerbäume und lassen vergessen, dass auch diese Staude eingeschleppt wurde, die von den Azoren nicht mehr wegefindet sich zudenken ist. Immer wieder müssen wir Gatter schließen, um ein Ausbüchsen der hier oben weidenden Rinder zu vermeiden. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit wuchern im Gipfelbereich verschiedenste Moose und Farne, aus denen die Baumheide in hellem Grün herausragt. Immer wieder entdecke ich wohl endemische Pflanzen, bei denen vorläufig ein Foto zur späteren Bestimmung reichen muss. Zu einer Weltreise kann ich leider keine 20 Kilo Bücher mitschleppen. Wir erreichen die Caldera de Cima; an den Hängen schier undurchdringlicher Lorbeerwald in dem die winzigen Azoren-Goldhähnchen herum huschen. In der Senke führt bei einer verfallenen Mühle mit Wasserfall eine Brücke über den Bach und zeugt von früherer Besiedelung. Auch einige verwilderte Stöcke Yamswurzel finden sich noch. Der Pfad führt nun teils angenehm wie ein schattiger Tunnel aus Lorbeer hoch über der Küste entlang, bis wir den Strand von Faja da Caldera de Santo Cristo erreichen. Diese einsamen Gehöft waren früher nur mit dem Boot oder auf unwegsamen Bergpfaden erreichbar und sind meist nicht mehr bewohnt. In der vorgelagerten Lagune befindet sich eine Lavagrotte mit dem einzigen Herzmuschelvorkommen der Azoren. Die Kirche beherbergt Bilder, die aus Federn und gefärbten Fischschuppen gefertigt sind. Extrem-Surfer kommen zu Fuß mit ihrem Brett den weiten Weg, um die hier berühmten Wellen zu reiten, die sich aber heite harmlos zeigen. Wir haben nun 4 Kilometer bergab hinter uns. Weitere 6 Kilometer geht es teils schweißtreibend bergauf und bergab über die Faja do Belo bis Faja dos Cuberes, wo wir uns im dortigen Straßencafé niederlassen. Über einer nahen Lagune kreischen Mengen von Flussseeschwalben. Bis hierher führt auch eine Straße, auf der wir uns mit einem Taxi wieder zurück über die steilen Berge bringen lassen. Der freudliche Fahrer hält mit uns ohne Aufpreis an mehreren Aussichtspunkten, von denen im Dunst die Inseln Graciosa und Terceira im Nordosten zu erkennen sind.

(c) André Schuhmacher.

(c) André Schuhmacher.

Die 9 Tage auf den Azoren vergehen wie im Flug und am 5.8. müssen wir bereits wieder die Weiterreise (zum Glück nicht die Heimreise) antreten.

Also dann, auf ein Wiedersehen in Kenia und liebe Grüße!

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