9. Station Iguazú (Argentinien/Brasilien)

Liebe Freundinnen und Freunde dieses Blogs,

in Sao Paulo landen wir bei Sprühregen nach 1 Stunde 20 und warten bis 0.15 Uhr, bis der verspätete Flug nach Iguazú startet. Der Abstecher gehört nicht mehr zur Weltreise aber ich dachte mir, wenn ich schon mal in dieser fernen Ecke bin, muss ich unbedingt die Wasserfälle sehen und habe diesen Ausflug selbst bezahlt. Allerdings mit dem Wermutstropfen, das schöne Pantanal zwei Tage früher verlassen zu müssen und der Erkenntnis, dass mein begleitender Fotograf André diese Tour bezahlt bekam. Wieder die Uhr 1 Std. vorstellen, als die Maschine um 2.10 Uhr Ortszeit am Ziel ist. Der Deutsch sprechende Paulo bringt uns ins nahe Hotel und ich falle um 3.45 Uhr ins Bett, nachdem sich ein Bier aus der Minibar als untrinkbar, weil zu einem Eisblock gefroren erweist.

Bereits um 8 Uhr wieder auf. Nehme das Angebot von Paulo wahr und lasse mich zur argentinischen Seite bringen. Es ist fast wolkenlos, schon früh heiß bei einem angenehmen Wind. Haben starken Gegenverkehr, da in Argentinien Feiertag ist und alle nach Brasilien zum Einkaufen fahren. Mit einer Schmalspurbahn mit offenen Waggons und nach Zahlung von 85 Pesetas geht es Richtung Hauptwasserfall. Wolken meist gelber Schmetterlinge begleiten den Zug.

Foto: Richie Brummer Motiv: Schwefelfalter saugen Wasser

Den Rest schreitet man über Gitterbodenstege sicher und trocken dahin. Dabei quert man zahlreiche Urwaldinseln und Flussarme und ist überrascht, wie breit hier der Rio Iguazú daher kommt. Reste der alten Stegverbindungen zeigen, wie gewaltig die Wassermassen werden können, die vor Jahren alles weg gerissen haben.

Foto: Richie Brummer Motiv: Surucuatrogon, Männchen von vorne und hinten

Foto: Richie Brummer Motiv: Kappenblaurabe

Auf jedem Flussinselchen begegne ich interessanten Vogelarten wie dem bunten Surucuatrogon oder dem Kappenblauraben und Olivenscharben rasten in Gruppen nach dem Fischfang mit ausgebreiteten Flügeln auf kahlen Felsen im Strom, wie dies alle Kormoranarten gerne tun. Durch das Geschiebe der Touristen erreiche ich den Hauptwasserfall Garganta del Diablo. Obwohl keine Hauptsaison, sammeln sich hier so viele, meist einheimische Menschen, dass es bis zu 10 Minuten dauert, bis ich bei den fotogenen Stellen das Geländer erreiche.

Foto: Richie Brummer Motiv: Fälle auf argentinischer Seite

Aber dann höre ich nur noch das Donnern der ungeheueren Wassermassen, spüre die gewaltige Energie und die heranwehende Gischt im Gesicht und begeistere mich an den Schwärmen der Russsegler, die todesmutig in die Fälle stürzen. Ihre Nester befinden sich nämlich hinter der kolossalen Wasserwand geschützt an den Felswänden. Nur schwer kann ich mich von diesem gewaltigen Naturschauspiel losreißen, um nachrückenden Leuten Platz zu machen. Da ich den ganzen Tag Zeit habe, wandere ich wirklich alle der umfangreichen Wege, Treppen und Steige ab und treffe alle paar Meter auf neue und faszinierende Motive und Ausblicke.

Foto: Richie Brummer Motiv: Fälle auf argentinischer Seite

Foto: Richie Brummer Motiv: Fälle auf argentinischer Seite

Die Wasserfälle befinden sich zu fast Zweidrittel auf argentinischer Seite und sind in einen umgebenden Nationalpark von 550 km2 eingebettet, während die kleinere brasilianische Canyonseite in einem Schutzgebiet von 1700 km2 liegt. In beiden Gebieten ist das Areal zum Glück noch auf neun Zehntel der Fläche von subtropischem Regenwald bedeckt und ist Heimat von mehr als 2000 Pflanzenarten. Von den Tieren sind bisher nur die Schmetterlinge, Säugetiere und Vögel näher erforscht. Aber die Müllbehälter sind aus gutem Grund schon Nasenbär sicher montiert. Oft steht ein Regenbogen fotogen in der Gischt und mit ausgebreiteten Schwingen blicken Truthahngeier auf das große Schlauchboot hinab, das Touristen nahe an die Fälle bringt, bis der Wasserdruck zu stark wird. Abends bringt mich Paulo wieder nach Brasilien hinüber und ich genehmige mir ein paar kühle Biere zum Abendessen. Da wir wieder Netz haben, kann ich auf Andrés Rechner endlich die ESTA-Anmeldung für die USA machen, damit sie mich bei der bevorstehenden Rückreise nicht doch noch einsperren.

Am nächsten Morgen bin ich bereits um 9 Uhr bei Öffnung am Eingang zum Nationalpark. Zu Fuß sind es keine 10 Minuten vom Hotel. Es kostet 27,50 Reales Eintritt, dann geht es mit dem Bus die 11 km zu den Fällen. Auch diese Seite des Weltnaturerbes ist durch ein perfektes Wegesystem erschlossen und am Ende der Strecke vor dem Salto Floriano gibt es sogar einen Lift nach oben, den ich natürlich meide.

Foto: Richie Brummer Motiv: Fälle auf brasilianischer Seite

Dafür entdecke ich auf dem Schweiß treibenden Weg nach oben interessante Pflanzen, Vögel, einige wohlgenährte Teju-Leguane und ein Wildes Meerscheinchen.

Foto: Richie Brummer Motiv: Schwarzweißer Teju

Foto: Richie Brummer Motiv: Wildes Meerschweinchen

Nach der ausgiebigen Foto- und Beobachtungsorgie durch den Vormittag bringt mich der Bus zurück und ich habe den ganzen Nachmittag Zeit, die Tiere im Vogelpark zwischen Parkeingang und Hotel zu studieren, den man für 12 Dollar besuchen kann. Es gibt hier auch einige afrikanische Vogelarten, aber mich interessieren besonders die Tiere Südamerikas. Manche sind leider in Käfigen mit engmaschigem Gitter untergebracht, was das Fotografieren sehr erschwert. Aber in einigen Freiflugvolieren finde ich beste Bedingungen vor.

Foto: Richie Brummer Motiv: links Kahnschnabel, rechts Scharlachsichler

Besonders die Pantanal-Anlage hat es mir angetan, die ich im Lauf des Nachmittags mehrmals aufsuche. Dort kann ich Arten wie den Kahnschnabel oder den Scharlachsichler beobachten, die ich im Pantanal nicht sehen konnte und die Riesentukane fliegen mir fast auf die Schulter.

Foto: Richie Brummer Motiv: Riesentukan

Viel zu schnell vergeht der Tag und ich muss zum Hotel zurück, um mein tagsüber eingesperrtes Gepäck zu holen. Paulo holt uns um 18 Uhr zum Flughafen ab und schon 40 Minuten vor der angegebenen Zeit geht es an Bord Richtung Sao Paulo.

Viele Grüße aus der weiten Welt,

euer Richie

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