Assuan
04.04.2009
10.15 Uhr
… wieder auf dem Nil – eine Felukenfahrt zur Sehel-Insel am ersten Nil-Katarakt = Stromschnelle ist geplant; soeben fahren wir an einem Hotelneubau vorbei, folglich stören momentan sowohl die allgegenwärtigen, abgasstinkenden und lauten Motorboote und der Baulärm diese sonst wohl sehr idyllische Nil-Atmosphäre samt vielversprechender Ahnung von Ruhe an diesem herrlichen Fleckchen Erde wenn der Baulärm mal kurz verstummt und keine Motorboote unterwegs sind; wir gleiten leise über das Wasser, hören das Rauschen des Wassers unter dem Boot…
 
„… wenn wir mal einen Moment schweigen, hören wir vielleicht die Ruhe…“
 
… unser geplanter kleiner Ausflug über die Sehel-Insel zum ersten Nilkatarakt – ich hätte eine Nil-Stromschnelle zu gern einmal gesehen – scheitert an der unfassbaren, anstrengenden und selbst in Ägypten nicht vorhersehbaren Beharrlichkeit zweier vollkommen schwarz gekleideter einheimischer Frauen, die uns auf unserem Fußmarsch über die Insel, eine Anhöhe hinauf bettelnd „verfolgten“ … es war nervenaufreibend, wir versuchten erfolglos uns zu wehren und „flüchteten“ schließlich geradezu zurück auf unser Boot…
 
… Wind ist aufgekommen, wir verbringen eine weitere, vierte Stunde auf dem Nil entlang Assuans und seiner Nilschiffe … aus dem anfänglich sachten Gleiten ist eine rasche Bootsfahrt geworden mit schnellen  Seitenwechseln, die die Feluke in den Wind legen, dem Nil abwechselnd entgegengeneigt und -entfernt … ab und an baumeln mutwillig die Füße über der Bordwand im kühlen Nass…
 
… und ich habe heute das Geheimnis das verhüllenden arabischen Kleidungsstiles gelöst … jawohl!: … gegen die sengend-intensive Sonne (vor allem während der Felukenfahrt auf dem Nil, bei der auch Fahrtwind nicht mehr ablenkte) kann man sich nur mit Stoff schützen, wenn kein Schatten vorhanden ist; Sonnencreme mag möglicherweise die tieferen Hautschichten schützen, doch hilft sie ebenso wenig wie der Wind vor dem unmittelbaren Brennen der Sonne auf der Haut … und so verschwand ich nach und nach unter immer mehr Stoff, hängte meinen ursprünglich nur Hals und Schultern zum Schutz vor Sonnenbrand bedeckenden Schal vor das Gesicht und über die Ohren, stopfte ihn seitlich an den Rändern meiner Kappe, die den Kopf vor allzu viel Sonne schützt, fest; legte ein Handtuch über die nackten Schienbeine … und ähnelte einmal mehr einem vermummten Sonnenflüchter und mir kommt die traditionell stark verhüllende Kleidung der Einheimischen, sowohl Frauen als auch Männer in bodenlangen Galabeyas, gar nicht mehr merkwürdig vor…
 
… und wieder sitze ich direkt am Nil – noch ganz allein, meine Reisebegleiter werden sicher in allernächster Zeit dazukommen; die Motorboote tuckern entlang, langsam senkt sich das abendliche Himmelsorange über die gegenüberliegende Uferseite …. ich finde diesen Platz großartig … der heutige Tage war wieder entspannt, ein guter Urlaubstag…
 
… und obwohl der Tag kaum Anstrengungen bereithielt, sind wir ermattet, angenehm ermattet … dies mag zum einen am mittlerweile über uns gekommenen „Urlaubsmodus“, unserer allgemeinen Entspannung von Körper und Geist und zum Anderen wohl auch an der ungewohnten Sonne, immer wieder unterbrochen von heißen, windigen Momenten, liegen…