Australien Reisebericht:
4 x 4 Abenteuer in Australien - Top End + Western Australia

 

02.09.05 23.55 Uhr Abflug in Frankfurt – nach etwas mehr als 11 Std. Flug eine perfekte Landung in Singapur

03.09.05 Am Flughafen werden wir von RMG-Tours zum Transfer in das Hotel abgeholt. Dieses befindet sich etwas abseits und ist nicht mehr ganz frisch aber o.k. das Copthorne Orchid. Wir schauen direkt auf den Pool. Wir springen rasch unter die Dusche und dann geht es in die Stadt. Die Busfahrt kostet uns nichts, da wir kein Kleingeld haben, auch gut. Schon hier im Bus sprechen die ersten deutsch, doch der ältere Herr und der Schuljunge leben wohl hier. Wir fahren zur Orchad Road, der Shopping-Meile der Stadt. Ein Einkaufscenter am anderen und die Klimaanlagen laufen auf Hochtouren im Bus, im Hotel und in den Centern. Es kommt direkt kalte Luft nach draußen. Nachdem wir hier etwas entlang gebummelt sind gibt es Abendessen im Restaurant mit direktem Blick auf das bunte Treiben. Wir zahlen ca. 64 S$ für ein Tiger-Bier einen Guavensaft, Thai-Chicken-Curry und Schwein süß/sauer. Es ist sehr lecker. In einem Buchladen entdecke ich „Jane Austen’s Guide to Dating“ von Lauren Henderson, was ich unbedingt haben muß. Ca. 11.00 Uhr fahren wir mit dem Bus zurück zum Hotel für ca. 1.80 S$. 

04.09.05 Morgens 7.30 Uhr weckt uns das Handy. Jetzt sehen wir uns den Pool nicht nur an, sondern wir testen ihn. Es ist warm aber etwas bewölkt. Das Frühstücksbuffet ist sehr reichhaltig, von Cerealien über Obst, Rührei, Bohnen bis zu Reis und Nudeln fehlt nichts. Der Kaffee ist auch gar nicht so übel. Fünf vor 9.00 Uhr sind wir dann in der Lobby und warten auf den Bus der Stadtrundfahrt bis uns die Inderin, eine Angestellte von RMG-Tours, sagt wir hätten diese Rundfahrt doch storniert lt. Operator.

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Das macht uns ein wenig unruhig, denn eigentlich hatten wir uns gefreut in kurzer Zeit schnell etwas über Singapur zu erfahren und zu sehen. Also wir haben das ganz bestimmt nicht abgesagt, was dann auch die junge Frau begreift. Wir bekommen ein paar Aufkleber und die Auskunft, dass wir gleich abgeholt werden. Das war ein Schreck am Morgen! Ca. 9.30 Uhr sind wir aber dann bereit für die deutsche Stadtrundfahrt, die in Suntec-City beginnt. Unser indischer Reiseführer spricht recht gut und viel deutsch. Es geht nach Little India. Viele bunte Häuser und Saris (einer ist übrigens 5m lang und es ist wichtig den richtig zu wickeln), Gewürze, Obat und Gemüse. Hier gefällt es uns. Dahinter beginnen jedoch gleich die Hochhäuser. Noch eine kurze Runde und wieder ab in den Bus.


 

Wir fahren kurz zum Hafenviertel um ein Photo von dem Wahrzeichen der Stadt zu machen vom Merlion (der speiende Fischlöwe). Die Architektur des Esplanade Theatres on the Bay ist recht interessant. Zwischen den Hochhäusern geht es dann durch die Stadt nach Chinatown. Wir halten direkt vor einem Hindutempel den Sri Mariamman Temple. Schuhe aus und rein. Gegen Entrichtung eines Obuluses von 6 S$ dürfen wir auch filmen und fotografieren. Die Inder kommen mit Ihren Opfergaben und es ist sehr bunt hier. Auf der Mauer ringsum sitzen lauter heilige Kühe. Da wir nur eine halbe Stunde Zeit haben laufen wir noch kurz über den Markt in Chinatown und dann ist auch schon wieder der Bus da. Jetzt folgt die wohl obligatorische Schmuckfabrik aus der wir alle wieder sehr schnell draußen sind. Eine Vorführung gab es eh nicht da Sonntag ist. Also los zum botanischen Garten und Orchideen schauen. Aber was ist plötzlich los? Monsun!! Es regnet wirklich heftig und somit bekommen wir die Tickets für den Orchideengarten und wir fahren zurück in die Orchard Road in die Malls.

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Aus dem Bus raus und direkt in die Shopping-Center rein. Food-Mall heißt es nun für uns, denn darüber haben wir schon viel gehört und schauen wir selbst ob das Essen wirklich so gut und billig ist. Erst einmal ist es brechend voll. Auf geht's! Wir holen uns etwas hiervon und etwas davon und noch eine Kleinigkeit von dem und zahlen für einen vollen Teller für jeden gerade mal 8 S$. Wir finden auch gleich Platz und machen uns über die Leckereien her inmitten einer großen, turbulenten, bunten Halle.


 

Dann schlendern wir durch die Malls bis der Regen etwas nachlässt. Per Taxi fahren wir zum botanischen Garten. Es bleibt feucht aber recht warm und so spazieren wir durch den Regenwald (schließlich regnet es ja auch), den Orchideengarten und den Evolution Garden. Inzwischen sind wir doch durch und durch nass. Es geht zurück zum Hotel, den 19.00 Uhr ist Check-Out. Also Duschen, Packen und ab zur Rezeption. Unser Transport ist schon da und es geht sofort zum Flughafen. Im Duty-Free leiste ich mir nun noch Flowers by Kenzo und wir schreiben unsere ersten Karten. Dann durchs Gate und pünktlich 22.15 Uhr geht es mit Australien Airlines weiter. In ca. 4 Stunden werden wir in Darwin sein. Nach dem Essen schlafen wir recht schnell ein und werden auch erst kurz vor der Landung wieder wach.

05.09.05 Darwin. Die Einreise dauert wie gewöhnlich in Australien etwas länger. Aber wir haben Glück, draußen steht ein Shuttle-Bus der uns für 9 A$ pro Person in die Stadt, direkt ins Mirambeena Tourist Resort bringt. Hier wird das Gepäck aufbewahrt und wir können gleich zum Frühstück. Das kontinental Breakfast zu 17 A$ pro Person lassen wir uns schmecken. Wir lassen uns viel Zeit denn das Zimmer gibt es erst in drei bis vier Stunden. Dann begeben wir uns auf Entdeckungsreise in Darwin. Am Zentrum vorbei geht es zum Park am Meer mit dem Leichhard-Denkmal und zur Fischfütterung. Nun sind wir doch etwas kaputt und gehen zurück zum Hotel. Wir besorgen uns die Badesachen und ab geht’s in den Pool, in den blauen mit Wasserfall.

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Der Grüne ist gleich daneben. Micha schläft auf der harten Liege ein, oh hat er es gut. Kurz nach 10.00 Uhr ist unser Zimmer fertig und ich falle ins Bett. Micha besorgt noch schnell bei Woolworth etwas zum Trinken und schläft dann auch noch mal bis ca. 14.30 Uhr. Dann machen wir uns zum zweiten Mal los. Durch das Zentrum bis zum Hafengelände vorbei an ein paar historischen Ruinen. Später folgen wir der Öl-Pipe und kommen an den Bunkern vorbei, die das Öl im Zweiten Weltkrieg vor den Japanern geschützt haben. In einem Surfer-Shop kaufen wir Micha eine Billabong-Geldbörse (wallet) und dann zischen wir ein Bier im Pub. Dann geht es noch mal ins Resort und in den Pool bevor wir in den nächsten Pub zum Abendessen einkehren. Es gibt Bier und Cider, Steak und Burger. Ein Anruf vom Handy gibt in Deutschland bescheid: Wir sind gut angekommen! Satt und zufrieden gehen wir ins Hotel in unser riesiges Zimmer mit dem riesigen Bett. Gute Nacht! Und das Mirambeena Resort ist wirklich zu empfehlen.


 

06.09.05 Am nächsten Tag schwimmen wir im Blue Pool. Wir genießen erneut das gute kontinentale Frühstücksbuffet und packen dann. Gegen 9.00 Uhr checken wir aus und das Taxi steht auch schon vor dem Hotel. Die asiatische Fahrerin bringt uns für ca. 20 A$ nach Berimah zu Four Wheel Drive Car Hire. Jetzt heißt es neben den Formalitäten erst einmal : Wie bekommen wir das Ersatzrad unter dem Auto ab?, Was hat uns das Fahrzeug an Küchenmaterial zu bieten? Wie schalten wie von Normalbetrieb auf Allradbetrieb um?, Und wie bauen wir in 5 Minuten unsere Schlafstelle also das Dachzelt auf? Nach ca. einer Stunde und einer absolut perfekten Einweisung von einem super netten Vermieter rollen wir mit dem 4WD und dem Dachzelt vom Hof. Erster Stopp ist in Coolainda direkt auf dem Woolworthparkplatz. Wir kauf zu Essen und zu Trinken für ca. 150 A$ ein und fahren dann weiter zum Litchfield NP. Wir fahren die Strecke über Batchelor, normal asphaltierter Highway. Schnell nähern wir uns unseren ersten Termitenhügeln, riesige Türme manchmal auch Haufen sehr hart und imposant. Es ist rundherum recht grün, viele Palmen und Eukalypten. Zum Teil sprießt es wieder frisch und der Boden ist verbrannt. Die erste beschilderte Attraktion ist der Termite Moud, ein Holzdielenweg führt zu einem regelrechten Feld dieser Termitenbauten mit Informationstafeln über die Entstehung dieser und Wissenswertes über den Nationalpark.

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Es folgt Buley Rockhole, nette aber auch gut besuchte Badepools und hier gibt auch unsere Kassette der DigiCam auf, ärgerlich. Als nächstes statten wir den Florence Falls einen Besuch ab. Über ein paar Stufen geht es einem herrlich erfrischenden Badepool, es sind hier immerhin ca. 35 °C. Ich wollte schon immer mal unter einen Wasserfall schwimmen, es ist einfach traumhaft und windig direkt hier wo das Wasser auf mich herabrieselt. Da wir immer nur ein paar Meter vom jeweiligen Parkplatz bis zu den Attraktionen haben kommen wir nun noch zu den Tolmer Falls. Die stürzen beeindrucken die Wand herunter. Wir bewundern den Wasserfall von einer Plattform, diesmal ohne Pool, das Wasser wirkt auch etwas brackig. 


 

Das nächste Abenteuer beginnt schon mit dem 4x4 Track. Umschalten auf 4WD-Betrieb, funktioniert! Wir fahren auf der unbefestigten sandigen Strecke auf den Campingplatz für diese Nacht. Und schau!!! die ersten Kängurus hüpfen üben den Weg! Wir fahren durch roten Sand und sind am Ende ganz allein auf dem Campground. Wir haben Duschen mit warmen Wasser und Toiletten aber kein Licht. Um uns noch zu den Tjaynera Falls auf zu machen ist es schon etwas zu spät. Wir bauen also flott das Zelt auf, es geht auch schon ganz prima und dann entfachen wir ein kleines Feuer. Es gibt Beefsteak und Fladenbrot, mhhh lecker BBQ. Die Fliegen stören ein wenig die Outback-Idylle und ich sehe auch schon ein wenig wie ein Streuselkuchen vor lauter Stichen aus. Es gibt viele Geräusche in der Nacht, auch ein paar von uns und wir müssen noch mal duschen also ab im Adamskostüm (auch Eva) mit der Taschenlampe. Wir sind ein wenig unruhig aber unsere Schlafstelle ist richtig bequem.

07.09.05 Nachdem wir wach werden wird vorm Zelt gefrühstückt. Dann wandern wir ca. 1.7 km bis zu den Wasserfällen. Es ist ein wenig anstrengend und trotz des noch jungen Tages schon richtig warm. Unterwegs treffen wir ein paar Jugendliche, die haben Ihr Zelt mitten im Busch stehen. Beim poolen sind wir dann ganz allein. Das Wasser ist klar und frisch und so plätschern wir herum. Der Rückweg ist einfacher und geht fix. Als wir zum Campingplatz zurückkommen hüpft ganz aufgeregt ein Känguru davon und stolpert noch ein paar Mal über die gespannten Drahtzäune. Was ist hier los?

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Wir kommen zum Auto und sehen die Bescherung, hat das neugierige Tier doch unseren Müllbeutel durchstöbert und alles schön verteilt. Also einsammeln und beim nächsten Mal besser aufpassen wohin damit. Jetzt fahren wir zurück durch den roten Sand und sehen noch einige Roo´s. Auf zu den Wangi Falls. Hier sind richtig viele Leute der Campingplatz ist nahezu voll und es tummeln sich viele im herrlichen Pool. Wieder mit Wasserfall zum drunter schwimmen und in der Mitte ist eine Sandbank, quack hier sitz ich nun. Nach dem erfrischenden Bad gibt es einen kühlen Drink und einen leckeren Hot Dog unter einem Schatten spendenden Dach. Dann fahren wir allmählich aus dem Park heraus nun über Berry Springs über einen teilweise unbefestigten Highway. Wieder in Coolainda zum Einkaufen, kleine Beefstreifen, Paprika und Zucchini zum Abendbrot. Wir fahren weiter in den Kakadu NP bis nach Jabiru. Im Aurora Ressort campen wir. Die haben einen tollen Pool und eine prima Bar. Das Zelt wird fix aufgestellt und das Essen, aus der Pfanne diesmal, ist wirklich lecker. Wir trinken noch ein Bier in der Bar. Das Mädel an der Theke sagt „das passt schon als Micha nach dem richtigen Schein wühlt. Eine Landsmännin, die ein wenig länger am anderen Ende der Welt ist. Beim Duschen gibt es heute Licht und wir werden von nicht ganz so vielen Fliegen verfolgt. Die Nacht ist ruhiger.


 

08.09.05 Wir werden früh wach und wollen auch gleich nach dem Frühstück starten aber nicht ohne noch mal in den Pool zu springen. Ca. 8.30 Uhr sind wir fertig zum Check Out. Unser Weg führt uns nach Ubirr zu den Felszeichnungen. Wir bewundern die Kunst der Aborigines auf dem Weg auf die Felsen. Einige Leute sind hier schon unterwegs, hauptsächlich Reisegruppen auch Deutsche. Ein kleines Wallaby lässt sich von uns filmen. Es wird richtig heiß, wohl schon an die 40 °C. Wir machen einen Walk durch einen Monsunwald mit Unmengen von Krawall machenden Flughunden. Die hängen da einfach so in den Bäumen, ulkig. Der Weg führt am East-Alligator-River entlang, aber vergeblich kein Krokodil. Es lohnt sich trotzdem auch wenn ich noch viele Insektenstiche mehr habe. Das juckt! Einfach ignorieren. Micha gibt es aber noch nicht auf und läuft quer über den Parkplatz noch einen kurzen Weg am Fluss entlang bis zu einer Stelle wo es durch den Fluss weiter ins Arnhem-Land geht.

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Hierfür braucht man ein Permit. Wir testen die Flussdurchquerung, macht Spaß. Und auf einmal winkt uns der Ranger, der hier schon eine Weile Ausschau gehalten hat. Tatsächlich unser erstes Krokodil, ein Salty mitten im Fluss und gut getarnt neben einen Baumstamm. Es bleibt nicht lang da und die nächsten werden wohl nicht mehr das Vergnügen haben. Wir fahren weiter, zum Bowali Visitor Center. Wir schauen uns ein Video über die Regenzeit an und gönnen uns ein Sandwich und einen Eiskaffe. Jetzt fahren wir zum Nourlangi Rock und vorher noch an einem Billabong mit vielen Vögeln z.Bsp. ein schwarzer Storch und Pelikane vorbei. Vor uns liegt ein Seerosenteppich. Dann machen wir uns in der Mittagshitze an den Nourlangi-Walk. Er führt zwischen den Felsen auf Holzdielen entlang zu den noch beeindruckenderen Zeichnungen. Hier werden auch richtig Menschen dargestellt. 


 

Aber nun genug mit Laufen. Wir fahren nach Cooinda zur Lodge und buchen für eine halbe Stunde später eine Sundown-Fahrt auf dem Fluss. Agnes eine Aboriginie steuert das Boot und zeigt uns die vielen Vögel, die wir manchmal kaum wahrnehmen können mit bloßem Auge. Es ist fantastisch und bald tauchen auch die ersten riesigen Krokodile auf. Alles sind Salzwasserkrokodile. Hat man erst einmal eins gesehen, sieht man ständig welche schwimmen oder einfach nur herumliegen. Es ist einfach wunderschön hier im Sonnenuntergang durch den River zu gleiten. Ein paar Angler haben einen riesigen Barramundi gefangen den sie uns stolz zum fotografieren hochhalten. Die Flusslandschaft ist vielfältig und wird in goldenes Licht getaucht.

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Am Ende verabschiedet sich noch ein Croc von uns ganz nahe der Anlegestelle. Dann geht es wieder zu unserem schon aufgestellten Zelt und wir braten das restliche Fleisch und lassen es uns schmecken. Dann gehen wir in die Bar auf ein Bier und eine Bundaberg-Cola. Heute gibt es Live-Musik. Eine junge Frau singt ein Ständchen für einen Mann im Publikum. Das macht sie wirklich gut und es gibt auch gleich noch eine Zugabe. Uns fallen aber bald die Augen zu also ab ins Bett.

09.09.05 Jetzt sitze ich hier und ein Wallaby sitzt neben mir und möchte wohl was zum Essen, aber füttern ist verboten das schadet den süßen Tieren nur. 


 

Aber halt! und alles der Reihe nach. Wir fahren heute zu den Twin Falls. Es geht 65 km unseald Road vom Highway ab. Die ersten 45 km sind breites Waschbrett und es geht ziemlich zügig voran. Vor den restlichen 20 km begrüßt uns ein Ranger. Er blickt prüfend auf unser Fahrzeug gibt uns ein paar Tipps für die Strecke, insbesondere die Flussquerung und verkauft uns Tickets für die Bootsfahrt zu den Falls. Bis dahin heißt aber eine Stunde echte 4x4-Strecke durch tiefen Sand der mal grau mal orange und mal tiefrot ist und durch einige mehr oder weniger volle Flussbetten hindurch bis zu einer echten Flussquerung die wir zügig an einem wartenden Fahrzeug vorbei nehmen. Der hatte wohl Zweifel ob das wirklich funktioniert aber jetzt haben wir es Ihm ja vorgemacht. Wir stellen den 4WD ab und laufen noch ein paar Schritte bis zum Boot.

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Wir lassen uns durch den Gorge fahren (die Möglichkeit besteht erst seit zwei Jahren, vorher hieß es schwimmen) und laufen dann noch ca. 1 km durch felsiges Gebiet. Und dann fällt mir ganz spontan ein „Almost Paradies“. Wir befinden uns ganz allein vor den leicht rieselnden Wasserfällen vor einer Felswand im warmen feinen Sand, einfach traumhaft. Baden ist leider untersagt wegen der Crocs, wie schon gesagt 'almost'. Nur für kurze Zeit haben wir dieses Paradies unter Palmen für uns allein. Es kommen noch zwei Paare und nach ein wenig dösen machen wir uns auf den Rückweg, wieder über eine schwimmende Metallbrücke durch felsige Gelände zum Boot und dann zum Auto.


 

Wir machen einen Abstecher zu den Jim Jim Falls, zum Plunge Pool. Der Weg ist anstrengend über Felsen hinweg und ich verliere Micha und fühle mich für kurze Zeit irgendwie allein und ausweglos – Wo bin ich? – Wo geht es weiter?- Ein Pärchen ist aber auch hier entlang geklettert und hilft mir den Weg zum Pool zu finden. Puh doch geschafft. Hier find ich dann auch Micha wieder. Der Sand ist richtig heiß aber das Wasser kühlt. Einen Wasserfall gibt es aber nicht zu sehen, wohl zu trocken. Der Rückweg ist einfacher da ich diesmal Micha und die Pfeile nicht verliere aber trotzdem sind wir ziemlich fertig als wir am Auto sind und eigentlich wieder badereif. Es ist auch recht viel Zeit verstrichen. Wir fahren noch zu den Gunlom Falls, wo wir auch die Nacht verbringen. Ein Ranger sammelt 10.80 A$ für die Übernachtung ein und bis 10 Uhr abends gibt es auch Licht bei den Duschen. Der Wasserfall der auch hier nicht wirklich fällt in den Pool ist nur ein paar 100 Meter entfernt aber es ist dunkel und ich trau mich allein nicht rein. Also Duschen, Abendessen (Wüstchen und Spagetti) und fliehen vor den Fliegen und Mücken. In der ferne heult ein Dingo aber wir schlafen wie zwei Bären. 

10.09.05 Am nächsten Morgen kurz nach Sonnenaufgang sieht es schon wieder ganz anders aus. Baden im Gunlom Pool ist jetzt kein Problem aber wirklich äußerst frisch. Also schnell noch duschen und dann dem Ende des Kakadu NP entgegen. Nur noch 40 km und der sehr abwechslungsreiche faszinierende Park und die ersten tollen Abenteuer liegen hinter uns. Heute wollen wir nicht wirklich wandern. Wir halten am Mary River Roadhouse um uns und unser Auto zu versorgen. Dann geht es auf dem Highway bis Pine Creek. Wir schauen uns eine stillgelegte Bahnstrecke und ein paar historische Häuser an. Dann geht es dem nächsten Ziel entgegen, den Edith Falls im Nitmiluk NP.

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Das ist ein herrlicher fast kreisrunder Pool umrundet von Bergen mit einem kleinen Wasserfall und vielen Fischen, die schon mal an uns rumknabbern. Wir schwimmen ca. 150 m bis zum Wasserfall und fühlen uns pudelwohl. Zur Belohnung gibt es einen Egg-Bacon-Burger mit viel Salat und Möhren, echt lecker. Nun kommen wir wieder in eine größere aber nicht besonders schicke Stadt. Wir kaufen in Katherine bei Woolys ein. Es gibt Steaks, Bier, Bundberg dark and stormy (Rum mit Gingerbier). Wir Telefonieren kurz mit Deutschland – Es geht uns gut – denn hier sind wir nicht ganz von der Zivilisation abgeschnitten. Wir fahren Zum Katherine Gorge, den zweiten Höhepunkt im Nitmiluk NP. Der Campingplatz kostet hier 23 A$ mit Strom. Überall sind hier Wallabys. Wir laufen kurz zum Fluss und nehmen ein Bad in kurzer Hose und T-Shirt und treffen hier ein älteres Ehepaar aus Deutschland. Dann ab unter die Dusche und zu den Steaks.


 

Jetzt sitze ich hier und ein Wallaby sitzt neben mir und möchte wohl was zum Essen, aber füttern ist verboten das schadet den süßen Tieren nur. Also ich bin mit meinem Reisetagebuch wieder auf dem Laufenden. Wir unterhalten uns noch mit einem ehemaligen Engländer, der nun Australier ist. Er meint die Regenzeit beginnt bald. Es ist schwül. Hoffentlich können wir heute Nacht schlafen. In der Dusche hatte ich übrigens Besuch von einer Kröte oder habe ich sie besucht? In der Nacht höre ich wie es regnet.

11.09.05 Wir wachen morgens so gegen 7.00 Uhr auf und vom Regen ist nichts mehr zu sehen auch keine Kängurus zunächst. Nach dem Frühstück gehen wir zu den Booten.

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Also Kanu fahren heißt es heute. Der halbe Tag für 51 A$ + 20 A$ Deposit für das Boot. Es gibt einen Müllbeutel und eine Bombe für die Kamera sowie zwei Paddel. Dann ab die Post. Es starten mit uns recht viele Kanus und Kajaks. Es ist ca. 9.00 Uhr. Wir brauchen etwa eine Stunde für den ersten Abschnitt des Canyon. Nach eins zwei Paddelschlägen sind wir aber schon patschnass. Was soll’s, es ist eh heiß und da tut das echt gut. Am Ende des ersten Abschnittes landen wir an, baden und klettern etwas auf den Felsen – eine tolle Aussicht. Wir treffen hier wieder das deutsche Pärchen vom Vorabend und geben ein paar Tipps für die Weiterreise. Jetzt heißt es, das Boot über die Steine zu bringen. Aber erst legen wir noch eine Glanzleistung hin.


 

Beim Einsteigen in das Kanu bekommen wir zuviel Wasser hinein und so kippen wir prompt um. Mit der Hilfe unsere Gesprächspartner schaffen wir es aber dennoch und ab geht es wieder. Die asiatischen Jungs, den man den Spaß richtig anmerkt und die mit uns gestartet sind holen wir wohl nicht mehr ein. Leider bin ich Micha keine große Hilfe beim Boot schleppen, da ich mich selbst kaum auf den Beinen halten kann. Es ist furchtbar glatt auf den Steinen im Wasser. Ein Stück trage ich unser Gepäck den Weg entlang, den auch die gehen müssen, die eine Bootstour gebucht haben. Der zweite Abschnitt ist mit Mühe und Not erreicht. Hier paddeln wir nun noch ein Stück weiter und drehen dann langsam um. Zurück geht das Boot überbringen etwas besser aber wir sind beide bereits völlig fertig. Irgendwie ist das System nicht so perfekt. Die Bombe ist zu groß und wir haben zuviel Gepäck dabei, beide Rucksäcke sind übrigens völlig nass. Trotz Sonnencreme haben wir viel Farbe bekommen. Wir kommen jedoch wohlbehalten kurz nach 13.00 Uhr zurück.

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Leider hatte ich mein Portmonaie nicht in der Bombe und es ist völlig durchnässt. Die Karten sind ja nicht schlimm auch das Geld hat sich gut gehalten, nur die Traveller-Checks sehen etwas mitgenommen aus und müssen getrocknet werden. Wir duschen nochmals auf dem Campingplatz und fahren dann weiter. 

Es geht über Katherine und Victoria River Dort ein kurzer Stopp am Roadhouse – echt urig nach Timber Creek. Der Ort ist ziemlich zerstreut und hat ein Roadhouse und einen Campingplatz mit einem super Pub. Wir zischen eine Bundy-Cola und ein Bier und braten dann unsere Kartoffeln. Die müssen weg, da wir sie nicht mit nach Westaustralien nehmen dürfen. Der Tag war sehr gelungen und hat wahnsinnig Spaß gemacht. Wir sind echt kaputt aber glücklich. Einen kleinen Pool gebt es dann hier auch noch, einfach schön.


 

12.09.05 Heute starten wir also in Timber Creek im Gregory NP. Ein kleines Stück ab vom Highway gibt es einen Boab-Baum in dem der Entdecker Augustus Charles Gregory bei seiner Expedition seine Ankunfts- und Abkunftsdaten eingeritzt hat. Der Weg zu Fuß ist nur kurz und wir stoßen auch wieder auf ein Känguru und sind gleich wieder völlig verschwitzt. Es sind über 30°C im Schatten und hiervon gibt es halt wenig im Moment. Wir fahren weiter bis zum Quarantine-Checkpoint an dem wir auf frische Früchte und Obst untersucht werden. Es geht sehr fix und wir dürfen nun nach Westaustralien. Der erste Teil unserer Reise ist vorbei und wir gewinnen anderthalb Stunden beim Territoriumswechsel. In der Ferne erscheinen die Kimberleys und die Landschaft wechselt – mal Hügel, mal Berge, weniger Baumsavanne.

Wir kommen in Kununurra an. Es ist noch heißer, knapp 40°C. Bei der Post holen wir ein paar Briefmarken, kaufen in einem Bushshop je ein Hemd von „GONDWANA“ und dann gibt es noch eine „Billabong“-Hose für mich.

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Im Coles decken wir uns dann mit Verpflegung für die nächsten drei Tage für ca. 94A$ ein. Im Einkaufscenter essen wir dann noch einen Bushmanburger und sind darauf mehr als satt.. Wir fahren noch zum Turkey-Creek-Roadhouse um dann morgen in die Bungle Bungles zu starten. Hier kommt ein Roadtrain nach dem anderen angedonnert. Nach dem Duschen kommt mir eine Heuschrecke entgegen, die mindestens 10 cm groß ist. Wir lernen ein Ehepaar aus Melborne kennen, frühere Kroaten, die denken das der Euro bloß eine zusätzliche Währung in Europa ist und dass die DM noch existiert. Wir können uns nett unterhalten.


 

13.09.05 Wir stehen früh auf. Immerhin wird es jetzt durch die Zeitumstellung früher hell. Nach dem Frühstück geht es ca. 50 km den Highway entlang und dann auf einer Schotterpiste nochmals 53 km in den Purnululu NP zu den Bungle Bungles. Ein kleines Känguru kreuzt unseren Weg der mal recht gut dann aber wieder ziemlich schlecht ist. Nach ca. 2 Std. sind wir dann am Visitor-Center und registrieren uns. Es kostet 9A$ pro Nacht und Person + 3A$ für das Auto. Wir werden also für zwei Nächte 45 A$ los. 

Nun aber ab zu den Bungels und schauen ob es sich lohnt. Bis jetzt weiß ich noch nicht ob wir nicht doch lieber einen Rundflug buchen sollen um auch viel zu sehen. Aber die riesigen Felsendome sind unwahrscheinlich beeindruckend und ich hätte nie gedacht dass wir so nahe herankommen.

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Tatsächlich können wir sie berühren. Selten haben wir so etwas Schönes gesehen. Der tief blaue Himmel steht im herrlichen Kontrast zu den rotbraungrauen Bienenstöcken, faszinierend. Wir treffen hier wieder das nette Paar vom letzten Camp. Zuerst machen wir uns auf den Cathedral-Walk, der ist 3 km lang und sehr schön. Am Ende führt er zu einem kleinen Gorge mit ganz wenig Wasser, überhaupt sind hier die Flussläufe mit den tiefen Rillen, die davon zeugen dass es hier nicht immer so aussieht, stark ausgetrocknet. Die Akustik in der Cathedral ist berauschend und man merkt wieder einmal wie klein der Mensch doch ist am Fuße solcher Naturschönheiten. Wir genießen es hier zu sein in vollen Zügen. Der Weg verläuft zum Teil im Schatten aber in der Sonne ist es fast unerträglich heiß, gut dass wir genügend Wasser dabei haben. Den langen Trail gehen wir dann noch ca. 2 km entlang.


 

Die Bungels sind einfach einmalig! Great! Und ich muss immer wieder das raue Gestein anfassen während wir das durchfurchte Flussbett entlang wandern. Es ist immer noch heiß. Zurück gehen wir den Domes-Walk bis zum Parkplatz. Dort gibt es ein Picknick mit Tomaten, Bananen und immer wieder viel zum Trinken. Micha ist gerade auf der Toilette, da werde ich okkupiert. Drei Asiaten setzen sich ohne ein Wort zwischen unsere Sachen und eine von Ihnen will dann sofort unser Waschwasser trinken und schnappt sich einen meiner Becher. Ich kommen gerade noch dazu zu sagen That´s mine! And ist is no drinking water! Aber glücklicherweise kommt nun auch Micha zurück und wir können flüchten. Wir fahren zum Bushcamp und treffen dort unsere Bekannten wieder. Wir bauen unser Zelt auf und machen einen kurzen Erkundungsgang dann gibt es BBQ. Direkt am Grillplatz campt eine ganze Kolonne Polen, die uns bitten das Feuer für sie brennen zu lassen. Wir braten ein paar Hühnerbeine und lassen sie uns schmecken. Der Gang zur Toilette ist dann nicht so ganz entspannt. Hier hat sich vor mir schon eine große Spinne eingenistet. Ich überlasse Ihr das Terrain und gehe in den Busch. Die Nacht ist es dann kühler und wir schlafen gut.

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14.09.05 Es weckt uns ein Vogelkonzert und es ist schon hell. Keine Eile heute wir haben viel Zeit und ich lese ein paar Seiten in meinem Buch. Nach einem ausführlichen Frühstück und ein wenig Geplansche unter der Solardusche machen wir uns auf den Weg in den Norden des Parks. Hier kommen uns unsere Bekannten wieder über den Weg und schwärmen von dem Ausflug. Es geht direkt durch die Felsen die hier steil und schroff nach oben ragen und rot leuchten. Der Weg ist fast wie ein Tunnel und geht am Ende über einige große Steine und eine Leiter zuletzt in eine „Halle“. Wieder sind wir total beeindruckt und es unterscheidet sich völlig vom Südteil des Parks. Wir kommen mit einer Kanadierin in Gespräch und treffen wieder auf die Polen. 


 

Wir begeben uns beschwingt auf den Froghole-Trail der aus Sicherheitsgründen etwas verkürzt wurde. Überall sind kleine Palmen zwischen den Felsen. Wir machen eine kurze Pause und gehen dann den Mini-Palms-Trail entlang. Aber es ist sehr heiß und es gibt kaum etwas Schatten. Wir laufen auf rotem Sand zwischen den Spinifexgras wirklich schön hier. Dann geht es durch ein steiniges trockenes Flussbett und es ist beschwerlich unter der heißen Sonne. Es folgt ein Tal mit Palmen und wir klettern durch Konglomerat-Gestein bis zu einem Lookout.

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Dort gibt es eine schöne Aussicht auf das Tal. Da es aber fast unerträglich heiß ist sind wir froh als wir zurück sind. Uns begrüßen eine Unmenge von Fliegen also retten wir uns in das Auto. Wir fahren zurück zum Campingplatz und duschen erneut. Dann gibt es Tomatensuppe aus der Dose, aber lecker. Mehr braucht man nicht zum glücklich sein. Dann fahren wir nochmals zum Visitor-Center um ein paar Postkarten zu kaufen. Nun verabschieden wir uns von den heiß geliebten Bungle Bungles bei Sonnenuntergang. Es ist allerdings recht wolkig. Ein kurzer Stopp noch beim Lookout und dann geht’s zum Zeltplatz und weil es so schön erfrischend ist wieder unter die Solardusche. Dann gibt’s Abendbrot und ich widme mich dem Tagebuch. Tschüß bis Morgen!


15.09.05 Wir wachen früh am Morgen auf. Heute wollen wir noch ein Stück weit kommen. Leider gibt die Solardusche den Geist auf. Ich fahre die etwas über 50 km unbefestigte Straße zum Highway (ca. 1,5 Std). Wir sehen ein paar Roo´s. In Halls Creek, also nach ca. 100 km wird getankt. Jetzt noch ca. 300 km bis Fitzroy Crossing und zum Geiki Gorge. Hier ist die Landschaft völlig anders. Eine Flusslandschaft wie im Märchen mit wuchernden Grün an toten Bäumen. Micha kühlt sich im River ab. Die Felswände sind hier nicht so hoch und recht ausgewaschen fast weiß. Nach etwa einer Stunde fahren wir weiter über Fitzroy Crossing in Richtung Windjana Gorge. 

Es geht wieder auf Schotterpiste weiter und wir machen Halt am Tunnel Creek NP. Wir schauen uns den Tunnel Walk an und sind mit ein wenig Krabbelei im Tunnel und stehen im frischen Wasser. Das Ganze war hier früher einmal ein Riff.

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Da wir für die Dunkelheit nicht gut genug ausgerüstet sind und die Zeit knapp wird fahren wir zum Camp am Windjana Gorge. Kostet 18A$ für zwei Personen, hat Wasser, Müll, und richtige Duschen sowie Toiletten mit Spülung! Zum Sonnenuntergang laufen wir zu den Felsen der richtig aufglüht, eine Pracht! Jetzt sehen wir auch unsere ersten Freshies, also Australienkrokodile in freier Wildbahn. Die liegen hier und dösen in der Sonne. Zurück am Camp duschen wir erst einmal eine halbe Stunde, einfach herrlich. Es wird etwas kühler. Wir essen Spagetti, hängen noch ein wenig ab und dann geht’s ins Bett, ist schließlich dunkel.


 

16.09.05 Es stürmt und wir müssen uns mit dem Frühstück beeilen und das Zelt zusammenbauen. Dann noch ein kurzer Besuch bei den Crocs. Wir sehen etwa 20 der hier lebenden 40 Stück. Ist schon cool wie die einfach so daliegen und kaum mit den Augen zwinkern geschweige denn sich sonst irgendwie bewegen. Wir fahren wieder graveld Road und auch Stück die begehrte Gibb River Road entlang. Auf zum Meer! Wir kommen nach Derby und gleich hin zur Jetty die wir mit dem Auto befahren können im Halbkreis auf dem Meer. Ringsherum wachsen Mangroven. Es geht ein wenig kreuz und quer durch Derby und wir finden ein Postamt für unsere Karten. Dann fahren wir zum Prison-Boab. Hier haben die Weißen früher Aboriginies eingesperrt. Heute ist der Baum selbst als Mahnmal eingezäunt.

Jetzt geht es noch ca. 200 km weiter bis zu unserem heutigen Ziel – Broome am Meer. Schon als wir in die Stadt kommen, sehen wir dass heute das Perlenfischerfest beginnt. Broome ist einfach voll. Wir ergattern gerade noch einen Platz auf dem eigentlich schon überfüllten Campingplatz in der Stadt am Town Beach. Neben einem Dauer-Camper der hier wohnt und uns seinen Besen leiht.

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Er begrüßt uns freundlich und erzählt dass er hier die Flugzeuge betankt. Ein kleines Haustier begrüßt uns schon eine süße Echse. Wir fahren dann nach Chinatown und hier ist viel Betrieb und es gibt eine Menge Geschäfte. Bei der Eröffnung des Festes genehmigen wir uns einen eiskalten Drink. Den Abend lassen wir am berühmten Cable-Beach bei Sonnenuntergang ausklingen. Die Kamelkarawane spiegelt sich im Meer. Wir stehen mit unserem 4WD direkt auf dem Strand, daneben die Stühle ein Bier und ein Bundy-Lime. Das Dinner gibt es in der Sandbar. Für Micha Bier mit Fish & Chips und für mich einen Sunset Cocktail und einen Trawlers Catch (Chips, Fish, Muscheln, Calamaries u. Shrimps)- einfach lecker. Mmhhhhhhh!! Und soooo…. romantisch! In Chinatown ist es inzwischen auch recht ruhig und somit ab zum Zeltplatz und schlafen.


 

17.09.05 Die Nacht war echt frisch. Wird es doch noch kühler? Wir testen das Meer und sind fast allein hier am Strand. Auch das Wasser wirkt belebend. Dann auf zum Shopping!! Da geht der Vormittag drauf ein Surfer-Shop neben den anderen und Perlenläden massig. Wir machen Pause auf dem Campingplatz mit Sachen waschen, schließlich gibt es hier eine Waschmaschine. Dann machen wir eine Friedhofstour japanische, chinesische muslimische Sektion. Die Gräber stammen hier hauptsächlich von den Perlenfischern. Es wird Zeit für den Cable-Beach- Cocktail in der Sunset Bar- baden im Meer – nach Hause telefonieren und auf den Sonnenuntergang warten. Wir essen in Chinatown bei Blooms Pesto and Pumpkin Pasta und Caesar Salad, einfach zuviel. Ab ins älteste Kino der Welt und unter freiem Himmel im Liegestuhl liegen. Wir sehen uns „Enduring Love“ an. Ziemlich schwere Kost über einen Stalker. Etwas nervig sind inzwischen nun die Mücken, die sich fleißig an uns bedienen. Die Vorstellung ging von 9.00 Uhr bis 10.40 Uhr und wir sind bettreif. Also Zelt hoch und Gute Nacht!

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18.09.05 Wieder beginnt der Tag mit einem Bad am Town-Beach. Dann startet hier das Dragon-Boot-Rennen. Wir Frühstücken bei Henry in Chinatown und gehen erneut shoppen. Es folgt eine kurze Pause am Camp. Dann setzen wir uns wieder zu Henry und warten bei einem Cafe auf die Parade. Diese beginnt 15.30 Uhr und ist echt süß. Viele Kinder in Kostümen und einige Vereine ziehen durch Broome. Wir schauen bis wir total zerstochen sind und zeihen dann mit zum Oval auf dem alles sich sammelt und schon Buden stehen. Wir essen ein paar leckere Frühlingsrollen und fahren dann wie soll’s schon anders sein zum Cable-Beach – Sonnenuntergang gucken. Jedes Mal ist es einfach traumhaft wenn alles in Gold getaucht wird und die Camele vorbeiziehen. Nun stürzen wir uns noch einmal in das bunte Treiben des Shinju Matsuri. Wir essen und trinken etwas und lauschen der Musik und es sind wirklich viele Leute hier.


 

19.09.05 Nach einem frühen Start wird eingekauft und wieder bei Henry gefrühstückt. Lecker PanCake bzw. Bacon-Egg-Sandwich. Auf zur Malcom Douglas Crocodile Farm. Wir verbringen hier zwei sehr interessante Stunden bei großer Hitze und lernen viel über die gefährlichen Raubtiere die im Grunde bloß nicht gestört werden wollen. Klar als Nachfahren der Dino´s ist man halt vorsichtig. 2006 soll es dann ein noch größeres Areal weiter südlich von Broome geben mit anderen einheimischen Tieren. Die Führung und die Fütterung sind sehr interessant und es taucht auch aus dem kleinsten Billabong noch ein großes Croc auf. Gegen 12.00 Uhr fahren wir weiter an der Küste entlang zum Eigthy Mile Beach Caravan Park.

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Etwas über 300 km meist schnurgerade Strecke. Mit Fahrerwechsel aber kein Problem. Das Camp liegt am Meer, gleich hinter den Dünen. Das Wasser ist sehr weit weg und wir laufen ca. 1 km bis zum Meer- Wattwandern – unzählige Muscheln und die Luft ist herrlich und nicht mehr so heiß. Es geht eine leichte Brise. Die Duschen sind hier extrem sauber. Wieder ein herrlicher Sonnenuntergang der alles rot erleuchten lässt. Die Nacht ist kühl und unruhig, nachdem Micha ein paar Mücken ins Zelt holt und das große Krabbeln losgeht.


 

20.09.05 Am Morgen ist Flucht die einzige Rettung vor den Mücken, Micha ist es nicht einmal gegönnt zu Duschen. Auf der Fahrt zum Highway liegt eine riesige aber leider schon tote Schlange auf der Straße. Wir machen ein Foto und fahren weiter. Ein Känguru verabschiedet sich von uns. Dann fahren wir 250 km nach Port Hedland. In South Hedland gibt es ein tolles Shopping-Center. Hier sehe ich doch ein T-Shirt mit der Aufschrift „Desperate Housewives in action“ leider nicht in meiner Größe. Wir Fahren noch tanken und dann weiter ins Landesinnere zum Karijini NP. Nach ca. 300 km sind wir endlich da. Rote Felsen begrüßen uns. Wir holen uns ein Holiday-Ticket für die Parks in Westaustralien und fahren auf das Camp mit Bushtoilette und ohne Wasser. Tische und Stühle packen wir aus und fahren zu den Fortescue-Falls. Ein Herrlicher Ausblick und einige baden schon hier. Es geht eine steile Treppe herab aber keine wirkliche Herausforderung. Noch ca. 500 m weiter ist der romantische Fernpool eingerahmt von Farnen ein tolles Badebecken mit knabbernden Fischen und einem Wasserfall zum drunter schwimmen.

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Einen Lookout nehmen wir später noch mit bevor es dunkel wird. Die Temperaturen sind jetzt angenehm aber es soll nachts richtig kalt werden. Beim BBQ habe ich vorhin ein Spinne gesehen, grausig. Aber uns Dinner schmeckt und dann haben wir uns die Ruhe verdient. 

Karijini NP. Nach ca. 300 km sind wir endlich da. Rote Felsen begrüßen uns. Wir holen uns ein Holiday-Ticket für die Parks in Westaustralien und fahren auf das Camp mit Bushtoilette und ohne Wasser. Tische und Stühle packen wir aus und fahren zu den Fortescue-Falls. Ein Herrlicher Ausblick und einige baden schon hier. Es geht eine steile Treppe herab aber keine wirkliche Herausforderung. Noch ca. 500 m weiter ist der romantische Fernpool eingerahmt von Farnen ein tolles Badebecken mit knabbernden Fischen und einem Wasserfall zum drunter schwimmen. Einen Lookout nehmen wir später noch mit bevor es dunkel wird. Die Temperaturen sind jetzt angenehm aber es soll nachts richtig kalt werden. Beim BBQ habe ich vorhin ein Spinne gesehen, grausig. Aber uns Dinner schmeckt und dann haben wir uns die Ruhe verdient.


 

21.09.05 Die Nacht war echt kalt. Micha musste trotz Decken noch den Schlafsack holen und dann wurde es doch kuschelig warm. Wir haben heute Zeit und frühstücken ausgiebig. Dann geht es zum Fernpool. In Ermangelung einer Dusche schwimmen wir halt zum Wasserfall. Es ist richtig erfrischend aber nicht wirklich kalt. Dann fahren wir den 4x4-Track weiter in den anderen Teil des Parks. Am Kalamina-Gorge machen wir eine Gorge-Walk ca. 1 Std. mit baden im Naturpool unterwegs im glasklaren Wasser. Der Weg ist einfach fantastisch immer am Fluss und an den roten Wänden entlang im stufigen Flussbett. Die roten Felsen leuchten und zwischendrin herrliches Grün der Pflanzen. Wenige haben sich hierher verirrt, nur das Wasser plätschert sonst ist es nahezu still. Dann fahren wir die 6 km wieder zurück auf die Hauptschotterpiste. Die nächste Abfahrt führt nochmals 6 km bis zum Knox-Gorge Lookout. 

Beeindruckend schroffe Felswände immer noch leuchtend rot. Der Joffre-Falls Lookout hat sicher hauptsächlich durch das fehlende Wasser ein wenig an Attraktivität eingebüßt. Der letzte Abzweig führt uns in den Weano-Gorge.

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Hier hören sich die Beschreibungen der Walks alle sehr gefährlich an und tragen fast ausschließlich Level 4, 5 und 6 der Gefahrenstufen. Wir stärken uns mit ein paar Spagetti aus der Dose und versuchen dann ein Stück des Hancock-Gorge-Walks zu gehen. Er beginnt mit Level 3 bis zur Leiter- man muss halt schauen wo man hintritt. Dann führt uns eine Leiter hinunter und es geht weiter mit Level 4 und 5 bis zum kleinen Amphitheater. Unterwegs lassen wir unser Gepäck liegen und Micha klettert am Felsrand entlang ich schwimme einfach zwischen den Wänden im kalten klaren Wasser. Wahnsinn! Und nicht so schwer wie gedacht. Wir drehen um als der Weg zum Canyoning übergeht und nicht mehr zu empfehlen ist ohne entsprechende Ausrüstung. Trotz Leiter und Stufen sind wir am Ende aber nicht so sehr erschöpft. Wir schauen noch zu zwei Lookouts in den Canyon und verlassen dann den Park. Die Farben des Karijini-NP sind einfach prächtig, rote Felsen und der strahlend blaue Himmel lassen uns träumen. Selbst die rote Piste ist immer wieder ein Erlebnis. Nach etwas über einer Stunde kommen wir in Tom Price auf dem Caravan Park an. Tom Price ist vom Bergbau geprägt und eigentlich tanken wir hier bloß auf. Auf dem Campingplatz befreien wir uns und das Auto ein wenig vom roten Staub, hopsen in den Pool und Duschen ausgiebig. Nach dem Dinner krabbeln wir in Zelt und wissen schon jetzt, dass uns ein Schwarm Kakadus morgen wecken wird. 


 

22.09.05 Wir haben eine lange Fahrt bis an die Küste vor uns. Es geht über Parburdoo, denn lt. Campbesitzer ist der Weg besser und schneller. Die Straße ist lang aber abwechslungsreich. Blütenteppiche in rosa, gelb, blau und weiß einfach traumhaft. Ein Goanna kreuzt unseren Weg. Hat er aber Glück gehabt, hätte ihn beinah über den Haufen gefahren. Am frühen Nachmittag kommen wir nach zweimal Wechseln zur Cape Range Peninsula Halbinsel. Ein Emu kreuzt unseren Weg, lässt sich noch fotografieren und verschwindet dann. Wir kommen in Exmouth an und halten am Visitor Center. Dort schauen wir uns die Ningaloo-Lodge zum übernachten aus. Wir kommen dort an und es ist keiner da. Aber halt hier gibt es einen Hinweis auf das Telefon und eine Nummer, die Micha gleich wählt und die Auskunft bekommt wir sollen uns das Zimmer ruhig schon ansehen denn der Schlüssel steckt und er kommt in 15 Minuten vorbei. Eine schwedische Familie schließt sich uns gleich an. Endlich mal wieder ein richtiges Bett, einen Fernseher und ein Bad – Super! Wir erkunden den Ort noch ein wenig, holen uns den Gezeitenplan im Besucherzentrum und stöbern im Einkaufszentrum herum.

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Das ist klein aber fein. Die Schnorchelausrüstung ist vielleicht doch etwas zu teuer. Dann wollen wir noch zum Town Beach, aber oh Schreck jetzt winkt uns die Polizei raus. Tja, wer 80 km/h fährt wo nur 60 erlaubt sind. Die Polizisten schauen sich die Fahrerlaubnis an und dann gibt’s ein Bußgeld von 100 A$, das in 28 Tagen bei der Post in WA zu zahlen ist. Der Beach ist dann auch nicht wirklich toll und somit fahren wir ins Hotel, springen in den kalten Pool und duschen. Zum Dinner geht es in das Cafe gleich nebenan. Micha frönt den Fish und Chips und ich lasse mir Shark und Chips schmecken, dazu gibt’s Ginger Beer. Hier ist BYO (Bring your own) angesagt, also wer sich keine Wein oder Bier mitbringt bekommt nur alkoholfreie Getränke. Es wird langsam kühl und wir gehen zurück in die Lodge sortieren unsere Sachen und faulenzen.


 

23.09.05 Irgendwie haben wir nicht wesentlich ruhiger als im Zelt geschlafen. Am Morgen gibt es Kaffee und Tee in der Gemeinschaftsküche. Positiv überrascht sind wir das das Zimmer nur 66 A$ kostet, wir hatten das irgendwie pro Person verstanden. Dann decken wir uns im Supermarkt ein und Micha bezahlt das Bußgeld bei der Post. Wir fahren in den Cape Range NP. Es geht an einem Leuchtturm vorbei zum Schildkrötenzentrum, hier ist bei Tage nicht wirklich was zu sehen außer dem türkisfarbenen Meer. Der Holiday-Pass verhilft uns hier zu freiem Eintritt aber die Campingplätze sind rar, wir ergattern einen am North Mandu. Zeltplatz heißt hier es gibt eine (chem.)Toilette und etwas Platz zum hinstellen. Den Müll muss man wieder mitnehmen und Wasser mitbringen. Wir stellen also Tisch und Stühle genau hinter der Düne ab und fahren dann zum Visitor-Center um uns Schnorchelausrüstung auszuleihen. Auch hier steht nicht viel zur Verfügung aber wir bekommen noch etwas bis zum nächsten Tag. Die See ist rau und wir sollen vorsichtig sein, sagt man uns. 

Wir begeben uns zur Turquoise Bay, die ihrem Namen alle ehre Macht. Das Meer schimmert schon von weitem in dem schönsten Türkis. Dann Flossen an und Brille auf und ab geht es. Es ist wirklich faszinierend wie viele bunte Fische sich schon direkt in Strandnähe befinden.

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Die Korallen erreichen wir auch schon nach ein paar Metern. Es ist sooo schön hier und wir kommen nicht aus dem Staunen heraus. Ich möchte die Fische fast berühren. Am Anfang schlucken wir noch etwas Wasser aber schnell haben wir uns dann an das planschen mit der Nase im Wasser gewöhnt es könnte bloß ein wenig wärmer sein. Trotzdem sind wir mit einer kurzen Pause ca. 2 Std. am Fische gucken. Später fahren wir zum Yardie Creek um zu schauen ob das Wasser eine Durchfahrt zulässt. Das Wasser ist wohl nicht so tief aber der Sand treibt, also fahren wir lieber auf der sicheren Seite weiter. Wir wandern noch in den Creek hinein und sehen endlich unser erstes rotes Riesenkänguru. Bis jetzt hatten wir nur kleine und ein paar Emus gesehen. Auch ein paar Schwarzfußkängurus bekommen wir zu Gesicht. Begeisterung wie viele hier herumhüpfen, vor allem in der Dämmerung. Der Creek besticht durch rote Wände und tiefblaues Wasser und einem hellblauen Himmel. Am Stellplatz sind wir dann zu dritt und die Sonne geht in den Wolken unter. Im Dunkeln kommen noch ein paar Deutsche, die im Auto und einem Zelt schlafen.


 

24.09.05 Am Morgen ist es wieder sehr windig. Wir schwatzen noch etwas mit den Deutschen und fahren dann zum Mandu Mandu Creek. Etwas über eine Stunde geht es hier erst oben entlang und dann steil nach unten und dann zwischen Büschen und Grass zurück zum Ausgangspunkt. Wir bewundern den roten Steinboden die Vögel und die Blumen meist in kräftigen Farben wie zum Beispiel die Sturt´s Ruhmesblume in herrlichem Rot. Dann auf zur Bay zum Schnorcheln. Das Wasser ist etwas ruhiger und wir wohl etwas professioneller. Es macht unwahrscheinlich viel Spaß die Vielfalt unter Wasser zu betrachten und ich stoße vor Begeisterung Seufzer aus die Micha zunächst als Anzeichen für ein Problem sieht aber nachdem ich fleißig weiter paddle dann doch nicht mehr ernst nimmt. Sieh nur gelbe Fische und da blaue, weiße, schwarze und ganz bunte! 

Eine tolle Welt! Nach einer Stunde müssen wir dann aber das Equipment abgeben. Wir halten noch an den Mangroven und verlassen dann den Park. Wir fahren nach Coral Bay. Erst ist es normaler asphaltierter Highway.

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Den 4x4-Track finden wir nicht sofort, wir sehen noch ein menge Emus und dann auch wieder die „Big Red“ und der Weg ist einfach spitze. Der Abstecher lohnt sich wirklich und erfordert auch einiges Geschick beim Off-Road-Fahren. Noch vor 17.00 Uhr kommen wir in Coral Bay an und ergattern gerade noch so einen Zeltplatz für eine Nacht. Es sind Schulferien und die Kinder tollen hier nur so rum, es ist fast unerträglich nachdem wir vorher immer nur wenigen Menschen begegnet sind. Ein Smalltalk mit den Nachbarn und dann zum Sonnenuntergang ans Meer. Leider ist es auch heute recht wolkig. Wir essen dann Fish und Chips und trinken Bier in einer Bar vor einem Hotel und es wimmelt nur so von Leuten. Auch der Wind weht hier stark und es ist kühl.


25.09.05 Auch am Morgen weht noch eine steife Brise. Wir machen uns gleich nach dem Frühstück auf den Weg. Carnavon berühmt für seine Bananenplantagen und die 1-Mile Jetty. Nun Plantagen sind es nicht so viele und alle nur mit Führung zu besichtigen also geht es zu Jetty. Der Walk kostet 3 A$ pro Person und man kann auch mit einer kleinen Bahn fahren. Wir laufen die 1,5 km aufs offene Meer und der Wind wird immer stärker und kälter. Nach einem Trip von nun 3 km sind wir wieder zurück im Mangrovengebiet und wir steigen noch auf einen Turm mit toller Aussicht auf die Umgebung. Dann fahren wir zu Woolys um Shampoo und Filme zu kaufen und bekommen einen Tankgutschein für Caltex, 4 ct/l. Dann halten wir an einer Plantage mit süßen Bananen. Bloß können wir ohne Führung nicht viel sehen und darauf haben wir nun keinen Bock. Wir fahren weiter.

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Ein Stopp gibt es an den Stromalothiten bei Hamelin und am Shell-Beach. Lauter kleine weiße Muscheln statt Sand, faszinierend dieser weiße Strand. Hier sind wir dann auch längst nicht mehr allein. Auf den Muscheln laufen pickt etwas ist aber toll. Wir fahren dann nach Denham und hier ist es richtig toll. Wir finden einen Stellplatz auf den Muscheln auf den Blue Dolphin Caravan Park. Der Sonnenuntergang ist traumhaft am Meer und die Vögel flattern im goldenen Licht. Wir machen uns Beefklopse und gehen dann in ein Pub für ein Bier. Das Zelt sichert Micha in dieser Nacht mit dem Wassertank und einer Gasflasche vor dem Sturm.


 

26.09.05 - Wir werden nach 7.00 Uhr wach. Nach dem Frühstück geht es nach Monkey Mia. Mal schauen, was das für ein Rummel ist. Vorher stoppen wir kurz an einer türkis farbenen Lagune. Der Eintritt für Monkey Mia kostet 6 A$ pro Person, denn hier gilt der Parkpass nicht. Wir sind positiv überrascht. Es geht richtig ruhig zu und ist auch nicht überfüllt wie bei einer reinen Touristenattraktion zu erwarten war. Ein wenig gammeln wir im Gras herum und schon kommen die Delphine. Die Ranger erzählen über Shark Bay und die Tiere. Die Delphine schwimmen ganz nah an uns vorbei. Dann werden sie ein wenig gefüttert und der ganze Spaß ist vorbei. Wir schauen uns das Resort ein wenig an und sind der Meinung, dass es bestimmt toll ist zu Michas Geburtstag in einem Bungalow am Meer aufzuwachen. Wir schauen uns eines an und sind begeistert. Das schlägt dann mit 214 A$ zu Buche, einmal über die Strenge schlagen. Da wir erst 13.00 Uhr die Schlüssel bekommen sollen, haben noch ca. eine dreiviertel Stunde Zeit um uns den Bauch mit Fish und Chips bzw. einem Chicken-Curry mit Mango-Salat vollzuschlagen. 

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Wir entern dann den Bungalow am Meer und auch das Meer selbst. Hier ist es aber flach, kalt und vielleicht auch gefährlich – Haie? Somit ab in den Pool und wie soll es anders sein auch der ist kalt und der Hot Tube ist voller kleiner Kinder. Dann liegen wir ein wenig in der Sonne, vielleicht ja das letzte Mal auf unseren Trip. Nach dem Duschen begeben wir uns auf den Bird Walk an den Strand und in die Dünen. Als wir zurückkommen ist alles in heller Aufruhr! Eine Schlange! Direkt vor unserm Bungalow versucht bereits ein Angestellter das Tier mit dem Besen festzuhalten bis Hilfe kommt. Tja, wenn Australier schon zugeben dass hier etwas giftig ist, dann sollte man sich wohl wirklich in Acht nehmen. Die Aktion schlägt leider fehl und die Schlange verschwindet im Grün weiterhin vor unserem Heim und lässt sich nicht mehr blicken. Später nachdem wir den Sonnenuntergang vom Bootssteg aus betrachtet haben, sehe ich sie dann doch noch entwischen, also nicht mehr direkt vor unserer Tür. In der Bar essen wir Pizza und trinken eine Flasche Rotwein dann sind wir müde.


 

27.09.05 In unserem Seaview-Bungalow werden wir später wach als sonst. Die Delphine lassen auch nicht lange auf sich warten. Wir gehen nur kurz zur Fütterung denn es ist wolkig und kühl, das Wasser sogar eher kalt. Nach dem Frühstück ist es auch schon fast 10.00 Uhr und Zeit zum Auschecken. Wir fahren in den Franciose Peron NP. Nach 6 km unbefestigter Straße kommen wir zum Homestad und einem artesischen Brunnen. In einem kleinen Pool baden wir in ca. 40°C warmen Wasser. Wir leisten einem französischen Pärchen Gesellschaft und Micha unterhält sich recht gut mit ihm. Wir gehen derweil auf Fotosession mit einem Waran oder Skink. Der hat in der Wasserleitung ein Leck entdeckt und schlabbert nun fleißig bis er dann langsam entschwindet. Dann fahren wir weiter bis zum Highway, fast, denn die Polizei fordert uns auf anzuhalten. Micha: Scheiße ich war zu schnell! Die Polizisten schauen herein und sagen „Sie sind schnell unterwegs aber nicht so schnell um ein Bußgeld zu bekommen. Schwein gehabt. Micha schaut sich noch die Messung im Polizeiwagen an und darf natürlich wieder blasen aber wir kommen mit einer freundlichen Verwarnung davon. Am Overländer Roadhouse wollen wir tanken aber der Diesel ist leer. Da der Tanker aber schon neu pumpt gibt es doch noch was. Dann geht es ca. 170 km den Highway weiter bis zum Abzweig Kalbarri. Wir fahren durch eine wunderschön blühende Landschaft fast wie heimische Heide. Ein ca. 27 km langer Abzweig soll uns zum „Naturs Window“ führen. Wo soll das bloß hier herkommen, es ist doch alles flach?

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Mitten in der Heide, kurz vor Ende der unbefestigten Straße öffnet sich ein riesiges Tal in dem der Murchinson River fließt. Überwältigende rote Felswände tun sich auf. Ein paar Meter noch und schon sind wir auch an dem Fenster durch das man einen herrlichen Blick in das Tal hat. Der Trail soll hier 8 km lang sein, aber nicht geplant und auch schon zu spät. Wir fahren in den Ort Kalbarri und bekommen gerade noch einen Platz ohne Elektro. Wir fahren nun zum Essen, denn immerhin hat Micha ja heute Geburtstag. Unsere erste Wahl, eine Taverne, ist brechend voll. Wir gehen ins Blackrock Cafe. Das Essen ist schon super fürs Auge angerichtet und dann auch noch richtig lecker. Es gibt Snapper mit Banane, Reis und Salat. Dann müssen wir zur Feier des Tages noch Nachtisch haben. Das war sicher ein Fehler, denn nicht nur das ausgesuchte riesige Stück Kuchen kommt sondern auch noch Sahne, Eis und Erdbeeren. Jetzt können sie uns rausrollen. Schnell zurück zum Zeltplatz und einen kleinen Schnaps aus dem Bottle-Shop, dann schlafen. 


 

28.09.05 In der Nacht hat es geregnet und es ist auch jetzt noch wolkig und kühl. Es gibt ein paar Schokopops mit Milch und dann machen wir uns auf den Weg. Kurz hinter Kalbarri geht es zum Red Bluff. Die Brandung ist stürmisch und das Gestein dunkelrot. Wenige Kilometer danach gehen wir zum Mushroom-Fels und den zugehörigen Trail. Der Fels ist nicht so spektakulär wie ich mir vorgestellt habe aber auch hier brandet das Meer und schlägt gegen das Gestein. Ich gehe dann durchs Rainbow Valley zu Fuß und bin fast genau so schnell wie Micha hier mit dem Auto eintrifft. Der nächste Höhepunkt ist der Pot Alley, auch nicht weit von der Straße entfernt und unsere letzte Attraktion im Kalbarri NP.

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Wir fahren weiter nach Geraldton. Nach langer Zeit wieder eine richtige Stadt mit quirliger Einkaufstraße und Pubs. Wir schauen uns noch die extravagante Kirche an und schon geht es weiter. Noch ca. 250 km an der Küste entlang bis Cervantes. Etwa 2 km vorher zweigt die Straße in den Nambung NP ab. Hier wollen wir die Pinnacles noch im Abendlicht betrachten. Der Sand ist hier leuchtend gelb und die spitzen Steingebilde lugen hier frech in die Höhe. Das sieht wirklich sonderbar aber auch toll aus. Aber morgen mehr davon. Wir fahren in Cervantes wohl unseren letzten Campingplatz auf der Reise an und es gibt immer wieder kurze Schauer. Somit ist der kleine Ausflug zum Meer auch eigentlich nur nass und der Strand ist sowieso voller Algen. Also duschen, essen, ein Schnaps und ab ins Bett.


29.09.05 Wir wachen morgens auf und es regnet immer wieder leicht. Also frühstücken wir im Vorzelt und fahren wieder zu den Pinnacles. Glücklicherweise lockert es sich hier etwas auf und die Sonne kommt zum Vorschein. Das Licht ist einfach perfekt. Es ist fantastisch und wir brauchen für die 3.5 km Rundfahrt fast 2 Stunden und müssen immer wieder anhalten und die Skulpturen aus Sand betrachten. Wir machen ein wenig Small Talk mit einem neuseeländischen Ehepaar, das auch sehr beeindruckt ist und dann geht es weiter. Da der 4WD-Track sehr rau sein soll geht es den Highway weiter bis zu einem Abzweig nach Lancelin. Die Straße ist wieder unbefestigt und tiefrot. Viele Pflanzen, vor allem die imposanten Graßbäume säumen unseren Weg. An der Küste angekommen regnet es wieder. Wir fahren trotz allem zu den weißen Dünen einen Allradgeländespielplatz. Wir düsen in den Sand, die Düne rauf und schon stecken wir fest. Jetzt können wir doch noch unseren Klappspaten ausprobieren.

Schipp, schipp und das Auto ist wieder frei und die Sonne scheint auch. Das gibt noch ein paar tolle Bilder und Spaß im Sand. An der Küste entlang fahren wir dann bis zum Yanchep NP kurz vor Perth.

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Der Park ist ganz nett angelegt mit ein paar Koala-Bären und Kängurus aber es ist alles noch geschlossen. Noch ein paar Kilometer und wir sind in Perth, der einzigen Großstadt hier in Westaustralien. Ein paar Hochhäuser schießen hier aus dem Boden aber die meisten Häuschen haben hier viel Platz und es dauert ein wenig bis wir im Zentrum ankommen. Hier wimmelt es nur so von Leuten und wir bekommen keinen Parkplatz. Also schmeißt mich Micha am Wentworth Plaza Hotel raus und sucht weiter. Tja, das soll nun nicht unser einziges Problem sein. Alle Hotels sind hier ausgebucht. Was ist bloß los hier? Wir suchen noch eine Weile weiter und sind nun schon im 10. Hotel. Hier sagt man uns dass hier die Royal Show so was wie ein großer Jahrmarkt im Gange ist und somit die Chancen auf ein Zimmer in der Stadt schlecht stehen. Also fahren wir etwas aus der City heraus und wir suchen uns ein Motel. Wir werden schnell fündig und das Zimmer ist auch völlig in Ordnung. Wieder in der City essen wir richtig gut und trinken belgisches Bier, auch lecker. Aber es ist schon spät geworden und somit geht es nach einem kurzen Bummel zur verdienten Nachtruhe.


  30.09.05 Heute ist Shopping angesagt. Es müssen unbedingt Mitbringsel für die Lieben zu Hause her. Micha eröffnet nebenbei schon mal ein Konto für den nächsten Besuch in Down Under. Im London Court gibt es ein spätes Frühstück. Die Straße ist richtig nett so zwischen den Wolkenkratzern etwas „Old England“. Wir rufen in Fremantle das Hotel Esplanade an um schon einmal für heute Nacht zu sorgen. Dann noch eine Verabredung mit Silke für heute Abend um ein wenig von Ihr über die Ausreise hierher zu erfahren. Also fahren wir am Nachmittag in die Hafenstadt vor Perth, nach Fremantle. D,ort schlafen wir im besten Hotel der Stadt und sind mit 200 A$ da echt noch günstig dabei. Ich lasse mir sogleich ein Scßphaumbad ein und fühle mich wohl. Abends gibt es mexikanisches Essen und einen Cocktail. Die Nachos sind aber ein wenig matschig. Wir schlendern dann durch die bunten Markets und gehen in den Pub zu unserer Verabredung. Silke ist nun seit ca. 2 Jahren hier und kann uns vieles erzählen. Wir trinken ein paar Bierchen und fallen dann gegen Mitternacht total müde ins Bett.

01.10.05 Am nächsten Morgen bummeln wir noch mal durch die Markets und dann machen wir eine Tour durch das ehemalige Gefängnis. Ganz schön erschütternd wie primitiv man hier bis vor ein paar Jahren die Häftlinge noch untergebracht hat.

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Dann geht es wieder in die Großstadt. Ein kurzer Halt noch am Cottesloe–Beach um einen einzigen Surfer zuzuschauen, das Wetter ist wohl doch nicht so optimal hier, halt Frühling. Diesmal gibt es wieder Platz im Ibis Hotel in der City. Wir nehmen uns ein Zimmer und gehen noch mal zum Einkaufen. Dann packen wir unsere Sachen zusammen bevor wir noch eine Runde in der Stadt machen zum Swann River und nach Chinatown. Ein leckeres Abendessen gibt es bei Bobby Dazzler´s und ein Bier noch mal im Westende. Irgendwie sind wir traurig, denn morgen geht’s ab in den Flieger. 


 

02.10.05 Wir haben noch den halben Tag Zeit, der Flug geht erst 16.05 Uhr ab Perth. Wir frühstücken in der City und fahren dann in den botanischen Garten. Hier können wir uns noch von der ganzen prächtigen Vegetation Westaustraliens verabschieden und haben noch einen tollen Blick auf die Skyline der Stadt. Dann fahren wir langsam Richtung Flughafen. Wir betanken ein letztes Mal unser Auto und geben es dann in der Vermietstation ab, dabei haben wir noch einen netten Plausch und der Angestellte bringt uns noch kurzerhand zum Flieger. Nun müssen wir endgültig zurück.

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Der Rest ist schnell erzählt. Wir fliegen 5 Stunden bis Singapur und da heißt es nur noch umsteigen und weiter bis Frankfurt in 12 Stunden. Wir kommen am 03.10.05, also am Feiertag in Deutschland an und fahren den Rest wieder mit dem Zug nach München. Schade, auch vier Wochen Urlaub gehen immer noch viel zu schnell vorbei.

 

 

Australien Reisebericht:
5-Sterne-Urlaub unterm Kreuz des Südens

Seit Monaten machen wir uns Gedanken, seit Wochen planen wir, tagelang wurde gepackt und jetzt ist es endlich so weit:

Nach einem hektischen Arbeitstag bis 18 Uhr sitzen wir um 19.30 Uhr hoch bepackt im Zug nach Frankfurt, kurz vor Mitternacht geht unsere Maschine nach Darwin. Sechs lange Urlaubswochen liegen vor uns, in denen wir den australischen Kontinent in all seinen Facetten kennen lernen wollen. Von diesem Abenteuer trennen uns allerdings noch 23 Stunden Reisezeit, die wir dann aber dank des freundlichen Services der Qantas-Mitarbeiter gut überstehen.
Etwas übernächtigt sind wir allerdings schon, als wir in Darwin ankommen. Wir erhalten dann gleich unsere erste Lektion in Sachen australischen Lifestyles: Hier ist alles total relaxed, versichern uns die Einheimischen. Ist auch kein Wunder, wenn bei diesen tropischen Temperaturen alles etwas gemächlicher abläuft. Außerdem verrät uns die Statistik, dass Darwin den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Bier hat (240 Liter pro Person und Jahr!).
 
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Nachdem wir unseren vorbestellten Bushcamper − das ist ein zum Camper ausgebauter Geländewagen für 2 Personen − übernommen und reichlich Proviant eingekauft haben, fahren wir gleich los Richtung Litchfield Nationalpark. Darwin ist zwar ein nettes Städtchen, aber uns zieht’s ins Outback.
In den nächsten drei Wochen werden wir Australien von Norden nach Süden mit unserem Camper durchqueren.
Gleich der erste Campingplatz ist sehr interessant: Kängurus in allen Größen, Krokodile (eingezäunt), Emus, Kakadus, Pfauen laufen frei herum, ein winziges verwaistes Baby-Känguru wird in einem Stoffbeutel großgezogen. Am nächsten Tag stürzen wir uns ausgeruht gleich in unser erstes Offroad-Abenteuer. Wir durchqueren zwei Flüsse und fahren über einen extrem steilen, sehr engen Hohlweg mit riesigen Steinen und tiefen Löchern zur Lost City, einer Ansammlung von beeindruckenden Felsformationen mitten in der Einsamkeit.
 
Unser Wagen schaukelt und rüttelt so sehr, dass sich der Verschluss einer Flasche Sonnencreme löst und wir einen halben Liter Creme aus dem Vorratsschrank entfernen dürfen. Dabei hätten unsere Nasen die Creme viel nötiger gehabt ...
Wir beschließen, in Lost City zu übernachten und genießen unser Abendessen unter sternenklarem Himmel. Leider lassen wir Greenhorns den Müll nachts draußen. Zur Strafe müssen wir am nächsten Morgen im Umkreis von 500 Metern den Müll einsammeln, den die putzigen Possums (kleine Nagetiere) auf der Suche nach etwas Essbarem gründlich verstreut haben.
 
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Unser nächstes Ziel ist der berühmte Kakadu-Nationalpark. Auf dem Wege dorthin sehen wir wilde Wasserbüffel und machen Halt zum Mittagessen. Wir landen in einem Fastfood-Shop, der Laden, Postamt, Cafe und Restaurant in einem ist. Das Speisenangebot ist allerdings etwas eingeschränkt, für Vegetarier gibt es nur Pommes Frites. In einem Fleisch produzierenden Land wie Australien kommt dies allerdings öfter vor. Dafür sind die Fleischpreise sehr niedrig − sie liegen bei circa ¼ der deutschen Preise − und die Qualität ist sehr gut.
Im Kakadu-Nationalpark sind einige der berühmtesten Felszeichnungen der Aborigines zu bewundern. Diese mit Naturfarben wie Ocker oder Holzkohle gemalten Bilder sind bis zu 25 000 Jahre alt. Sie befinden sich meist unter wettergeschützten Felsvorsprüngen, sodass die Farben heute noch bei Sonneneinstrahlung eine tolle Leuchtkraft haben.
Leider gibt es hier im Feuchtgebiet nicht nur Kultur, sondern auch unzählige   Moskitos. Ich mache nachts kein Auge zu und zähle am nächsten Morgen trotz Mückenspray 40 Stiche!
Die reizenden Tierchen werden hier übrigens mossies genannt, ein Ausdruck, der typisch für die australische Sprache ist. Man liebt Verkleinerungen aller Art, aus breakfast wird brekkie, aus einem gefährlichen Salzwasser-Krokodil ein nettes saltie, aus dem unwahrscheinlich beliebten barbecue ein barbie, aus vegetables vegies u.s.w..
 
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Wir verlassen den riesigen Nationalpark in südöstlicher Richtung und legen einen Stopp in Pine Creek ein, wo wir uns alte, restaurierte Goldgräber-Maschinen anschauen und unter Anleitung Gold waschen dürfen. Wir sind leider nur mäßig erfolgreich bei diesem mühseligen Geschäft, aber Spaß macht’s trotzdem.
Das nächste Abenteuer naht: wir machen einen Ausritt mit anschließendem Stockman-Frühstück. Die Stockmen sind das australische Pendant zu den amerikanischen Cowboys. Sie sind heutzutage auf den riesigen Farmen (die man hier Stations nennt und deren größte die Ausmaße von Belgien hat!) meist mit Geländemotorrädern oder gar mit Helikoptern zum Viehtrieb unterwegs, müssen aber, unserem Frühstück nach zu urteilen, immer noch einen immensen Appetit haben. Da wir einen eher gemütlichen Ausritt hinter uns haben, geben wir nach der halben Rührei-Portion auf.
Mein Mann macht sich wieder einmal bei den Aussies „beliebt“, indem er nach „englischem“ Tee fragt. Diesbezüglich sind die Australier etwas empfindlich, das Verhältnis zum ehemaligen Mutterland ist manchmal etwas gestört. Das ist aber auch kein Wunder, wenn man bedenkt, dass nach der Entdeckung des australischen Kontinents ab 1787 160000 zwangsweise deportierte Sträflinge aus englischen Gefängnissen die ersten Siedler waren und dass manche Engländer heute noch die Australier als Nachkommen von Verbrechern ansehen. 
 
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Wir sind weiter auf dem Weg nach Westen. Hier ist es noch viel einsamer und weniger touristisch als im Norden. Das Land ist sehr dünn besiedelt, auf 25 qkm lebt nur ein Einwohner. In Deutschland ist es etwas voller: hier leben ca. 220 Menschen auf 1 qkm!
Dafür gibt es in Westaustralien reichlich Rinder und noch viel mehr Fliegen, die wegen des Rinderdungs bestens gedeihen. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang kann man sich der unzähligen aufdringlichen Fliegen, die in Mund, Nase, Ohren und Augen krabbeln wollen, nicht erwehren. Die Mückenplage ist unvorstellbar und unbeschreiblich! Man richtet sogar seinen Tagesplan nach den Mücken: Frühstück um ½ 6 Uhr vor den Mücken, Abendessen ab 20 Uhr nach den Mücken.
Es gibt aber auch Erfreulicheres in dieser schönen Gegend. Wir sehen Wildpferde und Wildesel, die sich mit unserem Auto ein Wettrennen liefern, es gibt mannsgroße Termitenhügel in interessanten Formen und wir sehen die interessanten Boab- oder Flaschenbäume (in Afrika werden sie Baobab genannt).
Und dann wird es wieder aufregend: Wir wollen über die einsame Tanami Road nach Alice Springs fahren. Das bedeutet über 900 km Rüttelpiste und Einsamkeit, eine Strapaze für Mensch und Maschine, aber auch ein verlockendes Abenteuer. Die „Straße“ ist von unzähligen Autowracks und leider auch von Känguru- und Rinderkadavern gesäumt. Die Tiere kollidieren vor allem nachts mit den riesigen, bis zu 50 Meter langen Lastwagen, die man hier Road Trains nennt.
 
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Es ist fast unmöglich, solch ein Ungetüm zu überholen. Die Tanami Road selbst ist zwar ziemlich eintönig, erfordert vom Fahrer jedoch hohe Aufmerksamkeit. Der „Straßenbelag“ ist Erde, und die ist ziemlich ausgewaschen vom manchmal sintflutartigen Regen und von den Road Trains. Die tiefen Querrillen erfordern ein Mindesttempo von 80 km/h, wenn man langsamer fährt, rüttelt es unerträglich und alle Camping-Einbauten gehen aus dem Leim. Die Einsamkeit der Strecke ist faszinierend (wir sehen 16 Autos auf 900 km), aber irgendwie sind wir schon froh, als wir wohlbehalten in der Zivilisation von Alice Springs eintreffen.
Alice ist ein nettes Kleinstädtchen, das vielen Touristen als Ausgangspunkt für Touren an die touristischen Glanzlichter dient: Kings Canyon, Uluru und die Olgas. Auch wir begeben uns nach kurzem Tank- und Einkaufsstopp Richtung Uluru
und treffen doch tatsächlich unterwegs einen Freund aus Deutschland, der sich vor einigen Wochen verabschiedet hat, um ein Jahr lang Australien mit dem eigenen Motorrad zu erkunden.
Die Wiedersehensfreude ist groß und wir verbringen die nächsten paar Tage gemeinsam.
Glücklicherweise ist gerade Nebensaison und der Andrang am Uluru nicht ganz so schlimm. Alleine wird man den Sonnenauf- oder untergang dort sowieso nie erleben ... Der riesige Monolith ist allerdings so beeindruckend, dass man sich auch von vielen anderen Menschen nicht gestört fühlt. Wir verzichten aus Rücksicht auf die Ureinwohner auf die Besteigung des ihnen heiligen Berges und machen dafür eine Wanderung durch die Olgas, eine faszinierende Felsansammlung in der Nähe des Uluru, die nach der württembergischen Königin Olga benannt wurden. Heute nennt man sie Kata Tjuta, „viele Köpfe“.
 
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Wir gönnen uns noch einen Rundflug bei Sonnenuntergang um den Uluru und die Olgas. Die Preise fürs Fliegen sind in Australien wesentlich günstiger als bei uns und der Ausflug lohnt sich wirklich!
Wir nehmen Abschied von unserem Freund, er will nach Norden fahren und unser Weg geht nach Süden, denn in ein paar Tagen ist der erste Teil unserer Reise zu Ende und wir müssen unseren Camper in Adelaide zurückgeben. Auf unserem Weg nach Coober Pedy, der bekannten Opalstadt (die sich als windiges, staubiges „Nest“ mit skurrilen Typen herausstellt), nehmen wir noch eine Familie mit, deren Auto unterwegs mit Motorschaden liegen geblieben ist. In dieser Einsamkeit mit einer Autofrequenz von 1 Auto pro Stunde ist es eine Selbstverständlichkeit, anzuhalten und zu helfen, wenn jemand eine Panne hat. Manche Dinge sind hier doch etwas anders als in Deutschland ...
In Coober Pedy besichtigen wir eine Opalmine, die zur Wohnung ausgebaut wurde. Wegen der großen Hitze ist es hier üblich, verlassene Opalminen zu kühlen Wohnungen umzufunktionieren. Unsere deutsche Führerin Christel, die seit 25 Jahren in Australien lebt, hat auch eine solche Höhlenwohnung gemietet und versichert uns, es sei angenehm kühl, trocken, staubfrei und gemütlich.
 
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Je weiter wir nach Süden kommen, desto kälter wird es. Der Südteil des australischen Kontinents hat ein gemäßigtes mittel/südeuropäisches Klima. Jetzt, im September, beginnt dort das Frühjahr, es ist kühl und etwas regnerisch. Auch die Landschaft hat sich sehr verändert: statt roter Felsen und staubiger Öde ist hier grünes Farmland, das mit seinen Hügeln und Millionen von Schafen an die Schweiz oder das Allgäu erinnert. Durch diese tierreiche Landschaft und durch Weinbaugebiete fahren wir nach Adelaide. Hier müssen wir uns von unserem Camper verabschieden. Er hat uns 7500 km zuverlässig über Stock und Stein geschaukelt und hat leider auch ein paar Beulen abbekommen.
Mit unserem nächsten Gefährt, einer nagelneuen Limousine, fahren wir durch den tierreichen Grampians Nationalpark Richtung Südküste, wo wir viele Kängurus, Emus, Hasen, Vögel und Echsen sehen. An der Küste fahren wir dann die berühmte Great Ocean Road entlang. Die Küste ist beeindruckend, schroffe Klippen, Wasserfälle und Sandbuchten wechseln sich ab.
Ein weiterer Höhepunkt an der Südküste ist Phillip Island mit seiner Pinguin-Parade. Jeden Abend kommen die winzigen Zwergpinguine an Land und watscheln mit lautem Geschnatter zu ihren Nestern. Zwar sind auch hier wieder Unmengen von japanischen Bustouristen anwesend, aber es lohnt sich trotzdem: die Pinguin-Parade ist einmalig auf der Welt.
Phillip Island hat aber noch mehr zu bieten, denn hier gibt es auch Möwen- und Seelöwenkolonien und eine Aufzuchtstation für kranke und verwaiste Koalas. Endlich sehen wir die ersten Koalas, wenn auch nicht ganz in freier Natur! Die kuscheligen Tiere sind leider vom Aussterben bedroht, der Mensch nimmt ihnen den Lebensraum.
 
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Erst Tage später entdecken wir „unseren“ ersten und einzigen Koala in einem Eukalyptus-Wald. Wir sind jetzt schon auf dem Weg Richtung Snowy Mountains, wo wir tatsächlich noch Schneereste sehen, und weiter nach Canberra, der Hauptstadt Australiens. Canberra ist eine künstlich angelegte Stadt ohne Stadtkern, zwar großzügig und eindrucksvoll, aber irgendwie leblos.
Wir bleiben daher nicht lange und steuern Sydney an, das jede Menge Atmosphäre und Flair hat. Eine kosmopolitische Stadt, in der man sich einfach wohl fühlen muss! Riesengroß und trotzdem im Kern übersichtlich und gemütlich, nette Leute, prima Lokale, sehenswerte Gebäude und Museen, und immer wieder der fantastische Naturhafen, die Oper und die Hafenbrücke, die die Sydneysider „Kleiderbügel“ nennen.
 Unsere letzte Urlaubswoche ist angebrochen und wir müssen uns von einer der schönsten Städte der Welt verabschieden. Wir fliegen nach Norden in die tropische Wärme, um in der Nähe von Cairns noch ein paar Tage Badeurlaub am Great Barrier Reef zu verbringen. Nach sonnigen Tagen am langen Sandstrand machen wir einen Ausflug mit dem Wasserflugzeug auf eine unbewohnte kleine Sandinsel direkt am Riff. Mit zwei anderen Paaren werden wir von einem Piloten in Badeschlappen (es ist auch hier alles sehr relaxed) zur Insel gebracht und mit einer Schnorchelausrüstung versehen. Das Riff ist wunderschön, viele bunte Fische und Seesterne, Seeanemonen, Korallen in allen Farben. Dazu werden wir noch mit australischem Sekt verwöhnt − was will man mehr? Dies ist wirklich der krönende Abschluss eines aufregenden Urlaubs!
 
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Traumhaft 6 Wochen haben wir hier verbracht, die im Fluge vergangen sind. 12 000 km liegen hinter uns und trotzdem gibt es noch so viel zu sehen, dass wir sicherlich bald wieder „down under“ landen werden.
 
 

 

Australien Reisebericht:
Australiens Osten - Die grüne Seite des roten Landes

 Tag 1 und 2: Freitag und Samstag, 09.-10.01.2009
Eine Geschichte von uns, Quantas und zwei Reiserucksäcken
 
04.45h - eine Thrombosespitze steckt in meinem Bauch, als es an der Tür klingelt. Das fängt ja gut an. Ich bin dankbar, dass Martin sich zunächst um die Spritze kümmert, bevor er die Tür öffnet.
 
Pünktlich holt uns das vorbestellte Taxi ab und bringt uns die ersten Kilometer unserem großen Ziel entgegen: Australien! Die erste Etappe ist Hamburg Airport, den wir frierend erreichen, denn vor den deutschen Wintertemperaturen schützen unsere leichten Windjacken nicht. Doch heute kann uns nichts mehr schrecken: Die Freude, dass es endlich losgeht ins Land der Träume und der Kängurus, ist übergroß und wärmt von innen.
 
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Das junge Paar, das sich hier auf Reisen begibt, sind Martin und ich, Mariell. Kurz vor dem Ende unseres Studiums wollen wir die Freiheit des Studentenlebens noch einmal auskosten und haben uns auf den Weg gemacht, um zum ersten Mal den Kontinent am anderen Ende der Welt für uns zu entdecken. Vier Wochen haben wir Zeit, bis wir dem Studium der Medizin bzw. Literaturwissenschaft wieder ausgeliefert sind. Vier Wochen – bei einem Land von über 7 Millionen km² Ausmaß ist das nicht viel. Wir müssen also schon im Vorfeld entscheiden, wie wir die Reise gestalten wollen: Wollen wir so viele Highlights des Landes wie möglich sehen und mit Inlandflügen von einer Attraktion zur nächsten jetten? Oder lassen wir es ruhiger angehen: Verzichten wir auf ein paar Ziele und bereisen nur einen Teil des riesigen Landes, lernen diesen dafür aber intensiver kennen? So schwer uns der Verzicht auch fällt, wir entscheiden uns für die zweite Variante: Australiens Südosten wollten wir bereisen, die dicht besiedelte, grüne Küste des roten Landes. Mit Melbourne in Victoria als Ausgangs- und Endpunkt unserer Reise soll es zunächst im Mietwagen an der Küste entlang bis nach Sydney, New South Wales, gehen: Gut 1200 Kilometer, für die wir uns 13 Tage Zeit lassen. Vor Reiseantritt einigen wir uns detailliert auf Tagesetappen und Stationen entlang der Strecke – dieser Nationalpark soll besichtigt, jener Wanderweg beschritten werden, an diesem Ort wollen wir nächtigen, durch jenen nur durchrauschen.

Linktipp: Australien Rundreisen


Eine akribische Reisevorbereitung! Denn schnell ist uns klar, dass wir eigentlich immer noch viel zu viel sehen wollen und daher gut planen müssen. Aber grau ist bekanntlich alle Theorie: Wie oft werde ich auf unserer Tour später unseren Reiseführer zur Hand nehmen und spontan die Tagesetappe abändern. Nach ein paar Tagen in Sydney geht es bereits weiter. Ein Inlandflug soll uns ins 2000 Kilometer nördlich gelegene Cairns in Queensland bringen. Erst nach einer Verschnaufpause von einer Woche wollen wir von hier aus zurück nach Melbourne fliegen, um mit einem neuen Mietwagen weitere Ausflugsziele in Victoria anzusteuern. Und nach 33 Tagen wird es dann zum letzten Mal heißen: Sachen packen, Rucksack schultern und ab in den Flieger, wenn unser Monat in Australien um ist und es zurück nach Deutschland geht. Doch davon wollen wir jetzt noch nichts wissen, die ganze Reise liegt ja noch vor uns!

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Unser frühmorgendlicher Flug führt uns von Hamburg zunächst nach London. Erst hier steigen wir in die Maschine der australischen Fluggesellschaft Quantas, die uns mit dem obligatorischen Tank-Zwischenstopp in Hongkong nach Melbourne bringt. Den langen Flug habe ich mir noch schlimmer vorgestellt. Zwar gelingt es mir nicht wie anderen Fluggästen, mich durch 20-stündigen Konsum des Bordkinos ins Hollywood-Nirwana befördern zu lassen, aber immerhin: Ein wenig Schlaf finde auch ich und dank der Thrombosespritze beunruhigen mich auch meine angeschwollenen Füße nur wenig. Munter lassen Martin und ich uns daher von dem englischen Steward alles servieren, was die Bordkarte zu bieten hat. Wenngleich wir nie dahinter kommen, nach welcher Zeitzonenberechnung an Bord Frühstück, Mittag- oder Abendessen serviert werden. Daher frühstücken wir nach unserer vermeintlichen Nachtruhe überraschenderweise ein Rindersteak. Aber okay, wieso nicht. Erst als der Steward nach angelsächsischer Tradition zwei dicke Marshmallows ungefragt in meinem Kakao versenkt, die sich kurz darauf in glipschig-klebrige Schwaden auflösen, lerne ich seine Offerten dankend abzulehnen.
 
Trotz Fensterplatz können wir in der Tiefe unter uns nur selten Land- oder Wassermassen ausmachen. Der Landeanflug über Hongkong entschädigt aber großzügig für die vergangenen Stunden, indem er einen Panoramablick über die Buchten und vorgelagerten Felsinseln der Stadt bietet. Ein bisschen Nervenkitzel ist auch dabei, da die Landebahn direkt am Wasser liegt und wir uns beim Anblick der näher und näher kommenden Wasseroberfläche fragen, ob wir unwissentlich in ein Wasserflugzeug gestiegen sind oder ob doch noch fester Boden unter den Tragflügeln der Maschine erscheinen wird. Hongkongs tolle Lage überzeugt uns und die Stadt landet auf unserer langen Liste noch zu besuchender Orte.
 
Beim Weiterflug über Australiens Landesinnere hinweg gibt es dann doch noch etwas zu sehen. Oder vielmehr gibt es eigentlich nichts zu sehen, außer Australiens viel beschworener endloser Weite und Leere. Wir überfliegen eine karge Wüstenlandschaft, die aus der Vogelperspektive dennoch großen Reiz hat. Denn in dem roten Sand zeichnen sich gleichmäßige, vom Wind geformte Wellenstrukturen ab, die ineinander übergehende Muster und rätselhafte Bilder formen. Der Gedanke an die für Europäer nicht minder geheimnisvolle Kunst der Aborigines drängt sich geradezu auf und gibt Anlass zum Nachdenken über unterschiedliche Perspektiven und Wahrnehmungsgewohnheiten.
 
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Tag 3: Sonntag, 11.01.2009
Von fettigem Bacon, brennender Sonne und einem verdienten Bier zum Feierabend
 
Gegen 9 Uhr wachen wir auf – von Jetlag jetzt und später keine Spur. Von unserem Gepäck und sauberen Sachen allerdings auch nicht. Doch wir lassen uns die Ankunftsfreude nicht trüben, auch wenn wir schon einmal besser aussahen: In langen Jeans und den schweren Wanderstiefeln, die wir aus Platzgründen auf dem Flug anhatten, machen wir uns auf den Weg. Und schon nach wenigen Metern landen wir einen Volltreffer, wir finden ein charmant-gemütliches Café, in dem sie uns ein fantastisches Frühstück servieren: Große Mengen fetttriefenden Specks treffen auf Spiegelei, Röstbrot und Rukola, Spinat und Süßkartoffeln. Genau das richtige für uns. Vom Nährwert her sollte dieses Frühstück zudem für die nächsten eineinhalb Tage ausreichen. Vor Rätsel stellt Martin lediglich die Kaffeewahl: Da die Kellnerin seinen Wunsch nach einem schlichten coffee mit einem verständnislosen Hochziehen der Augenbrauen quittiert, studiert er ohne größeren Erfolg die Karte: short black, long black, flat white
 
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Da nützt es ihm auch nichts, das ich mich fröhlich entsinne, über das Kaffee-Problem schon einmal etwas gelesen zu haben. Genau, in Bill Brysons Australienklassiker „Frühstück mit Kängurus“. Aber helfen kann ich Martin nicht, ich erinnere mich zwar, dass es eine lustige Szene war, aber welche Maßangabe - von short über long zu flat – einem „normalen“ Kaffee am nächsten kommt, habe ich mir als notorische Teetrinkerin nicht gemerkt. Sei’s drum, Probieren geht bekanntlich über Studieren und Martin bekommt eine Art vierfachen Espresso, der im Koffeingehalt mit dem Nährwert des egg and bacon sandwich konkurrieren kann.
 
Derart gestärkt geht es auf in Melbournes Zentrum. Und zwar zu Fuß entlang des hübschen Lake Albert, der mit schwarzen Schwänen und Palmen die Skyline der Stadt malerisch unterlegt. Mitten im weitläufigen Park überrascht uns gegen 12 Uhr plötzlich die Sonne, die den Park nach einem trüben Morgen in wenigen Minuten in einen Glutofen verwandelt. Jetzt denken wir doch fluchend an unsere kurzen Hosen, unsere Hüte und vor allem an die Sonnencreme, die sich in unseren verschollenen Rucksäcken befinden. Den Sonnenbrand, den wir doch unbedingt vermeiden wollten, holen wir uns natürlich gleich in dieser halben Stunde. Denn als wir im erstbesten Geschäft Sonnencreme kaufen, ist es schon zu spät. Trotzdem genießen wir unseren ersten Tag down under und bummeln am Yarra River entlang zum Eureka-Tower, von dessen 88. Stockwerk wir uns einen gründlichen Überblick über die Stadt verschaffen. Am späten Nachmittag treffen wir am zentralen Federation Square ein, der vor allem durch seine moderne Architektur auffällt, und gönnen unseren überhitzten Füßen bei einem lokalen Bier eine Erholungspause.
 
Zurück im Hostel finden wir unser versprochenes Gepäck leider nicht vor. Zwar haben wir uns unterwegs zumindest das Allernötigste gekauft, trotzdem blicken wir einem weiteren Tag in Wanderstiefeln in der Hitze Melbournes mit gemischten Gefühlen entgegen. Telefonisch verspricht uns Quantas unsere schmerzlich vermisste Sommerkleidung für den kommenden Mittag und ich hoffe inständig, dass sie Wort halten, schließlich haben wir schon für übermorgen einen Mietwagen gebucht und wollen Melborne verlassen.
 
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Tag 4: Montag, 12.02.
Von Pflanzen in allen Größen, Formen und Farben
 
Schon jetzt betrachten wir das Galleon liebevoll als unser Stammcafé und bewundern die bunte Mischung von Holz- und Plastikstühlen der 70er Jahre, die das Café bevölkern. Martin betreibt weiter Feldstudien im Selbstversuch und sieht sich einem Latte Macchiato von der Größe eines Schnapsglases gegenüber.
 
Heute kommen wir uns in den Wanderstiefeln nicht ganz so deplatziert vor: Die Royal Botanic Gardens bieten einen guten Vorgeschmack von der australischen Flora und überwältigen uns. Farne, exotische Blumen, Palmen, Seerosen – alles gedeiht hier zum Besten und nimmt zumeist gigantische Ausmaße an. Zwischen himmelhohen Grünpflanzen wandernd können wir nicht genug sehen und staunen.
 
 
Erst die brennende Mittagssonne lässt uns widerwillig fliehen und wir suchen die schützende Kühle des großen, modernen Melbourne Museum auf – eine Wohltat für unsere norddeutsche Winterhaut, aber auch ein informatives Erlebnis. Und selbst hier können wir in einem Innenhof heimische Fauna und Flora erkunden.
 
Im Hostel wartet immer noch kein Gepäck auf uns, langsam verlieren wir Nerven und Geduld. Doch dann die Erleichterung: Gegen 19h erhalten wir unsere Rucksäcke. Dann kann es ja losgehen morgen, wir freuen uns auf die Tour!
 
 
Tag 5, Dienstag 13.01.2009
Von Straßenatlanten, Zelthierarchien und viel, viel Sand
 
Hitze!
Die Sonne brennt schon morgens mit voller Kraft am Himmel, kaum auszuhalten ist es an diesem Morgen in unserem kleinen 6-Bett-Zimmer. Das Bad ist vor gleißendem Licht nur mit Sonnebrille zu betreten und wir beeilen uns fortzukommen, raus aus dem Hostel, raus aus der Stadt. Und zwar mit dem Mietwagen, einem Ford Territory, der uns in den nächsten Tagen noch ans Herz wachsen wird. Bei der Buchung des Wagens von Deutschland aus haben Martin und ich penibel darauf geachtet, ein Navi mitzubestellen - bei einer Strecke von über 1000 Kilometer eine sinnvolle Investition, dachten wir. Leicht perplex bin ich daher, als mir der Angestellte der Mietwagenfirma auf unsere Nachfrage einen 500 Seiten starken Autoatlas in die Hand drückt. Und dann gleich noch einen zweiten, für New South Wales nämlich, das eben war erst Victoria! Der nette junge Herr fragt uns noch, ob wir schon Erfahrungen mit dem Linksverkehr haben und wünscht uns dann good luck für die Reise…
 
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Victoria aufgeschlagen auf dem Schoß geht es los. „Erst mal raus aus Melbourne, dann ist das Schlimmste geschafft“, gibt sich Martin optimistisch. Und er soll Recht behalten. Die ersten 20 Kilometer aber sind trotz Klimaanlage schweißtreibend, der ungewohnte Linksverkehr und die fremde Stadt mit ihren sich kilometerlang dahinziehenden Vororten verlangen uns einiges ab. Leider auch unserem Ford, der sich beim Anfahren an der Kreuzung mit einem wesentlich stärkeren Truck anlegt und sich ein paar empfindliche Kratzer am Außenspiegel einfängt. „Links vom Lenkrad befindet sich entschieden zu viel Auto“, ist – nach einer Begutachtung des Schadens – Martins entschuldigender Kommentar. Die Mietwagenfirma wird es uns nachsehen, wird nicht auch ein Auto erst durch seine Falten und Schrammen so richtig interessant?
 
Melbourne hinter uns lassend wird die Fahrt entspannt. Wilde Tiere gibt es noch keine entlang der Straße, obwohl wir schon bald die berühmten gelben Warnschilder - „Kangaroos next 10 km!“ – sehen und gespannt Ausschau halten. Wir fahren durch eine recht unspektakuläre Gegend und passieren Orte, deren Namen weitaus interessanter sind als sie selbst: Koo Wee Rup, Korumburra und Leongatha klingen exotisch und verlockend. Schon jetzt bin ich insgeheim dankbar, dass wir kein Navi an Bord haben. Denn mit dem Finger auf der Karte buchstabiere ich die zum Teil unaussprechlichen Ortsnamen und kenne mich auf unserer Strecke in Kürze bestens aus. Während ich mich also mit Victoria in Papierform anfreunde, schließt Martin unseren Ford ins Herz und so kommen wir zügig voran und abends erreichen wir unser erstes Tagesziel: den Wilsons Promontory Nationalpark, kurz The Prom. Schon die Aussicht auf die Halbinsel ist beeindruckend. Die Straße windet sich eng an der Küste entlang und führt dann durch die Vegetation der Insel. Der Straßenrand geht sofort in dichtes Buschwerk über und mehrfach kann ich mümmelnde und neugierige Wallabies ausmachen, die hoch aufgerichtet den wenigen Autos hinterherschauen. Toll! Scheu ist hier Fehlanzeige, Australiens Tierwelt ist an keine bedeutenden Fressfeinde gewohnt und weist nur geringe Fluchtinstinkte auf.
 
 
Das Granitvorgebirge sei ein Teil der ehemaligen Landbrücke nach Tasmanien, verrät uns mein schlauer Dumont-Reiseführer über The Prom. Und den Granit bekommen wir bald zu sehen. Allerdings in Form von hauchfeinem, schwarzen Sand, in den wir mühsam versuchen, unsere Zeltheringe zu schlagen. Unsere site sei nicht die beste, teilt uns die Campingplatz-Verwaltung von Tidal River mit. Ach was! Aber es sei Besuchersaison und wir bekämen einen der letzten verfügbaren Zeltplätze. „You’re lucky, it’s our last one“ – so oder ähnlich sollten wir noch manchen Platz und manches Zimmer in den nächsten Tagen bekommen. Erleichtert machen wir uns also an den Aufbau unseres mitgebrachten Zeltes. Es ist denkbar einfach konstruiert und zugegebenermaßen recht klein. Doch wie bescheiden es ausfällt, merken wir erst an den Blicken unserer Campingnachbarn. Halb belustigt, halb mitleidig verfolgen sie unser Tun, bis ein australischer Familienvater sich erbarmt, sein Grillgut kurz aus den Augen lässt und uns anspricht: „So, this is your tent?“ Angesichts der komfortablen Wohnwagen um uns herum, deren Vor- und Vorvorzelte bereits sehr viel mehr Raum bieten als unser mobiles Eigenheim, schwant auch uns, das es für die hiesigen Profi-Camper eine bessere Hundehütte ist. Die Frau unseres Grillmeisters gibt uns den Rest mit ihrem gut gemeinten Angebot: Wir bräuchten bloß anzuklopfen, wenn wir es heute Nacht doch noch vorziehen sollten, in ihren Wohnwagen umzuziehen.
 
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Als das Zelt steht, gibt es für uns kein Halten mehr. Vor dem Abendessen wollen wir noch schnell die paar Schritte zum Strand gehen und baden. Angesichts der idyllischen flachen Bucht und des ruhigen Wassers verzichte ich auf meine Gummischwimmschuhe, die ich mir aus Angst vor Rochen und sonstigem Unheil am Meeresgrund gekauft habe. „Was soll denn hier schon sein, alle gehen hier ins Wasser.“ Richtig. Und vermutlich kann man in Australien statistisch gesehen hundert Mal schwimmen gehen, ohne einem Rochen zu begegnen. Aber ausgerechnet wenn ich es das erste Mal versuche, erwische ich den Sechser im Lotto. Nach wenigen Minuten Badespaß macht sich unweit von Martin und mir etwas davon, das etwa 40 cm Durchmesser hat, flach und hell ist. Und mit eleganten Schwüngen unter den Wellen in Richtung offenes Meer davonsegelt. Nach dem ersten Schrecken beglückwünschen wir uns. Wir hatten nicht damit gerechnet, beim Baden einem Rochen zu begegnen, so etwas passiert einem ja sicherlich nur einmal. Denken wir.
 
Müde schlafen wir in unserem Zelt ein. Dass der spätabends aufgekommene Wind in immer heftigeren Böen gegen unsere Zeltwände stürmt und ab und zu leichte Schauer des dunklen Sandes durch die Belüftungslöcher pustet, stört uns vor Müdigkeit nicht.
 
Tag 6, Mittwoch 14.01.2009
Von Erdnussbuttersandwiches, singendem Sand und dem Geheimnis der Einsamkeit
 
Gegen 5 Uhr früh ist es soweit, unser Zelt gibt seinen Kampf gegen den Sturm nach erbittertem Widerstand auf und bricht über uns zusammen. Resigniert und genervt schälen wir uns aus Schlafsack und Zeltplane und wischen uns den Sand aus den Augen. Im Dunkeln suchen wir erst einmal die Waschanlagen auf und vor dem Spiegel müssen wir dann doch lachen: Zwei Doppelgänger in schwarz gucken uns an! Der Sand sitzt uns in den Haaren, den Ohren, zwischen den Zähnen und auch sonst in jeder Pore unseres Gesichts. Notdürftig gesäubert verbringen wir den zweiten Teil der Nacht im Auto.
 
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Zweites Aufstehen: Nachdem wir unsere besorgten Nachbarn beruhigt haben, dass wir die Nacht trotz Sturmschäden glimpflich überstanden haben, frühstücken wir zwischen neugierigen Papageien und Möwen. Als besonders hitzeresistent (wir haben ja keinen Kühlschrank) und gehaltvoll erweist sich von unseren Vorräten die Erdnussbutter. Dick Smith Peanut Butter, extra crunchy liefert Energie für den Tag, selbst wenn man sie auf ungetoastetes Toastbrot schmiert, welches die Australier wie so viele Nationen extra soft mögen.
 
The Prom ist durchzogen von Wanderwegen. Nicht nur, aber auch wegen seines lustigen Namens wählen wir den Lilly Pilly Gully Nature Walk. Fünf Kilometer führen uns durch Eukalyptuswälder und in immer höhere Höhen, von denen wir einen schönen Blick auf Insel und Meer haben. Nur die ersehnten Koalas bekommen wir heute noch nicht zu Gesicht, obwohl wir immer wieder wie hypnotisiert in die Baumwipfel starren, wenn uns ein Eukalyptusbaum besonders üppig erscheint: „Wenn ich ein Koala wäre, würde ich diesen Baum kahl fressen.“ Aber vielleicht ist es ja auch die falsche Sorte? Denn es gibt rund 700 verschiedene Arten, vom großen Königseukalyptus über den knorrigen Geistereukalyptus bis zum frostbeständigen Schneeeukalyptus. Die anpassungsfähige und vielfältige Gattung der Eukalypten macht 70% australischen Baumbestands aus. Da hat der Koala gute Karten, könnte man meinen. Aber er ist Gourmet und frisst jeweils nur ein paar Arten. Denn eine zu hohe Konzentration des giftigen Eukalyptusöls mögen selbst Koalas nicht.
 
Zur Belohnung genehmigen wir uns nach der Wanderung noch einen Abstecher zum Squeaky Beach. Er hält, was er verspricht: Unter unseren Fußsohlen quietscht der weiße Quarzsand bei jedem schlürfenden Schritt. Doch dann müssen wir schon weiter, die Gegend der Gippsland Lakes ist unser Ziel. Einen Zwischenstopp legen wir in dem kleinen Fischerort Port Albert ein. Hier ist wirklich der Fisch begraben. Trotzdem oder gerade deswegen prangt ein neues Zu-Verkaufen-Schild an einer ehemals weiß verputzten Backsteinruine. Ein Dach gibt es nicht mehr, dafür Löcher in der Wand, durch die wilde Pflanzen wuchern. Ich wüsste zu gern, was dieser Schutthaufen wohl noch kosten soll?
 
Auf unserem Weg zum Golden Beach ist es dann soweit: Gut getarnt in den fahlen Grün- und Brauntönen der weiten Ebene, die sich zu beiden Seiten der Straße erstreckt, entdecken wir eine Känguruherde. Und ein paar Emus gibt es gleich noch dazu. Natürlich halten wir an und steigen aus. Da wir meilenweit die einzigen auf der schnurgeraden Straße sind, ist so ein spontanes Anhalten auch kein Problem. Trotz der relativ weiten Entfernung von etwa 100 Metern sehen die Sätze der Grauen Kängurus beeindruckend aus, als sie sich springend entfernen.
 
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Schon wenige Kilometer später macht Martin erneut eine sanfte Vollbremsung: Zwei Kängurus stehen nur wenige Meter neben der Straße und ja, was machen sie eigentlich? Sie gucken uns an. Und wir sie. Wir stehen uns gegenüber und Martin und ich sind hingerissen, ein so schönes Kängurupärchen zu sehen. Ob die Kängurus über uns ähnlich denken, wissen wir nicht. Das Männchen guckt uns etwas irritiert an; wenn wir mal ehrlich sind, scheint es mehr zwischen den Beinen als zwischen den Ohren zu haben. Das Weibchen mit seinen sanften braunen Augen hingegen lässt sich nur kurz stören und ist in Gedanken vielleicht bei seinem Joey, dessen Schwanzspitze aus dem verräterisch gerundeten Beutel lugt.
 
 
Nur ungern trennen wir uns von diesem faszinierenden und idyllischen Anblick. Auf Augenblicke wie diese haben wir gehofft, dafür sind wir ans andere Ende der Welt geflogen. In der immer noch heißen Abendsonne stehen wir irgendwo in der australischen Pampa zwei Kängurus gegenüber.
 
Doch ganz allein sind wir nicht, ein Schwarm Mücken nutzt unsere andächtige Stille und macht sich genüsslich über uns her. Aber das sind keine vorsichtigen europäischen Mücken, die sich nach langer Vorbereitung hinterrücks an die Wade anschleichen und unbemerkt einen sauberen Stich hinterlassen. Die australische Variante geht da sehr viel rabiater vor, die Mücken sind im Nu überall und stechen ungehemmt drauflos, am liebsten ins Gesicht. Notgedrungen treten wir den Rückzug an, doch auch im Auto hat sich bereits ein Dutzend der Quälgeister eingenistet, so dass wir einige Minuten hektisch um uns schlagend versuchen, den Biestern Herr zu werden. Als wir es endlich geschafft haben, begutachten wir die Stiche und versuchen, wenigstens die Beulen im Gesicht mit Salbe zu kühlen. Macht nichts, es hat sich gelohnt, die Kängurus werden wir nie vergessen.
 
Wenig später erreichen wir den Ort Golden Beach am Ninety Mile Beach. Wir haben hohe Erwartungen an diesen Küstenabschnitt und wollen hier die Nacht verbringen, am liebsten direkt am Strand. Denn, und da möchte ich meinen Dumont-Reiseführer zitieren, „am fantastischen Ninety Mile Beach kann man kilometerlange Strandabschnitte ganz für sich alleine haben“. Das stimmt, das ist wahr. Menschenleer präsentiert sich uns der Strand mit der wilden Brandung, nach links und nach rechts erstreckt er sich meilenweit und einladend. Die Sache hat nur einen Haken: Der Anblick lässt sich nur vom Auto aus genießen. Sobald man aussteigt sind sie da und stürzen sich auf einen: Trilliarden von Mücken, die die Gegend jetzt im Sommer beherrschen. Wir überschlagen kurz, wie viele Stiche wir während unserer zehnminütigen Kängurupause einkassiert haben und rechnen hoch auf eine Nacht: Wahrscheinlich würden wir morgen früh gar nicht erst aufwachen. Unsere Übernachtung am Strand entfällt daher. Bei tief stehender Sonne lassen wir unseren Blick ein letztes Mal über den Strand schweifen und fahren zurück.
 
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In der Abenddämmerung hüpft uns dann doch tatsächlich fast noch ein Känguru vor unser Auto. Zum Glück sehen wir es rechtzeitig zu seiner gewagten Überquerung Anlauf nehmen, so dass wir bremsen können und zusehen, wie wenige Meter vor uns das stattliche Graue mit nur zwei Sätzen die breite Straße überwindet. Dann verschwindet es wieder in der Weite der Landschaft.
 
 
Tag 7, Donnerstag 15.01.2009
Von Fähren, Koalas und Pelikanen
 
Nach einer Nacht im Motel in dem wenig attraktiven Städtchen Sale brechen wir frühzeitig auf nach Paynesville. Von hier, haben wir gelesen, passiert eine Fähre nach Raymond Island, eine kleine Insel, auf der Koalas leben. Und die wollen wir jetzt endlich sehen. Als wir ankommen, liegt die kleine Fähre bereits abfahrbereit am Kai. Wir haben keine Ahnung, wie oft sie ablegt, wie lange die Fahrt dauert oder wo man Fahrkarten kauft. Wir wissen nicht einmal, wie groß die Insel ist und ob wir das Auto nicht doch lieber mitnehmen sollten. In Eile suchen wir die paar Dinge zusammen, die wir auf die Insel mitnehmen möchten, Sonnencreme, Fotoapparat, alles weitläufig verteilt in unserem Ford. Auch Tabletten gegen Übelkeit stecken wir ein, falls uns das Schlingern während der Überfahrt auf den Magen schlagen sollte. Ich dränge zur Eile und panisch laufen wir auf die kleine Fähre, um dort jemanden zu suchen, der uns eine Fahrkarte verkaufen oder Auskunft über die Insel geben kann. Doch schon legen wir ab und ich sehe mich verzweifelt um, wir haben doch keine Karte und brauchen wir das Auto nicht doch? Aber noch während wir uns so umsehen, wird uns schlagartig klar: Die Fähre dreht nicht etwa ab und verlässt den vermeintlichen Meeresarm. Nein, sie steuert geradewegs auf das gegenüberliegende Ufer zu, das nur einen Katzensprung von etwa 50 Metern entfernt und bereits Raymond Island ist. Wir standen die ganze Zeit schon davor. Die Fähre pendelt im Viertelstundentakt, Fahrkarten sind nicht nötig und die Überfahrt dauert keine zwei Minuten, womit auch das Risiko von Seekrankheit nahezu vollständig ausgeschlossen ist. So viel Lärm um Nichts, wir können gar nicht mehr aufhören zu lachen.
 
Begleitet vom Lärm vieler Papageien wandern wir unter Eukalyptusbäumen über die Insel. Auch krüppelige Sträucher wachsen hier. Es sind Banksien, deren große, zylindrische, silbrig-haarige Blütenstände um diese Zeit schon fast verblüht sind. Banksien kommen nur in Australien vor und dieser hier, einer Old Man Banksia, sagt man eine dynamisierende Wirkung nach. Wir glauben das ungeprüft und gehen weiter.
 
Auf Raymond Island müssen wir uns wieder gegen zudringliche Mücken wehren, aber schon bald werden unsere Mühen belohnt. In einem entfernten Baum mache ich eine Verdickung, eine Unförmigkeit in der Astgabel aus. Mit zusammengekniffenen Augen und einem kleinen Fernglas suchen wir Gewissheit und spätestens als die Kugel sich langsam bewegt, ist klar: Wir haben unseren ersten Koala gesehen. Okay, viel erkennen wir nicht, aber wir freuen uns trotzdem riesig. Hochmotiviert schleichen wir jetzt weiter unseren Weg entlang, den Blick gebannt nach oben gerichtet. Und schon entdecken wir ein dickes, plüschiges Männchen, das in nächster Nähe ein Verdauungsschläfchen auf einem Ast hält. Damit haben wir den Koala bei seiner Lieblingsbeschäftigung ertappt, denn die knuffigen Gesellen verbringen sagenhafte 18 Stunden des Tages schlafend. Auch deshalb, weil das giftige Öl der Eukalyptusblätter, die sie täglich in rauen Mengen vertilgen, die Tierchen so müde macht.
 
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Martin und ich stehen jetzt direkt unter dem Pelzknäuel. Wenn der dicke Koala sich im Schlaf nicht so gut festkrallen würde, könnte er uns direkt in die Arme fallen. Den Gefallen tut er uns aber nicht. Mit seiner dicken, breiten Ledernase, den wuscheligen Ohren und dem dichten Fell sieht er aber auch zu niedlich aus. Wohl geweckt von dem leise raschelnden Laub unter ihm, wacht unser Koala jetzt auf. In Zeitlupe hebt er sein breites Teddygesicht an und richtet seine kleinen Knopfaugen auf uns, wobei er sichtlich Mühe hat, sie offen zu halten. Dann sinkt sein Kopf erschöpft zurück auf den Ast und er schläft wieder ein. Wahrscheinlich hält er uns für einen merkwürdigen Traum. Schlaf weiter, Dicker! Wir schleichen leise davon.
 
Noch viele weitere Koalas hält Raymond Island für uns bereit. Martin und ich haben den Trick raus, wie man sie schnell entdeckt. Wir suchen die Äste einfach nach großen Kugeln ab, denn die Koalas haben wirklich sehr dicke Hinterteile und manchmal wundert es uns, dass die Äste sich unter ihrem Gewicht nicht biegen. Besonders freuen wir uns über mehrere Weibchen, die mit ihren Jungen in den Bäumen hocken. Die Weibchen wirken alle viel munterer als die Männchen, die wir sehen. Vielleicht sind sie wegen ihres Nachwuchses wachsamer und behalten uns deshalb ein wenig im Auge, wenn wir unter ihnen stehen bleiben.
 
Neben Koalas, Gelbhaubenkakadus und Regenbogenloris sehen wir auch einen Kookaburra, einen australischen Eisvogel, der wegen seines Schreis auch Lachender Hans genannt wird. Leider ist ihm wohl gerade nicht zum Lachen zumute, er übt sich in Schweigen. Aber es wird nicht unser letzter Laughing Jack bleiben und vorerst sind wir zufrieden, überhaupt einen zu sehen. Sein Schnabel ist breit, kräftig und zweifarbig und über sein großes, braunes Auge zieht sich ein breiter, dunkler Streifen, der ihm ein verschmitztes Aussehen verleiht. Er ist gewissermaßen der Waschbär unter den Vögeln. Das unterscheidet ihn auch vom Blue-winged Kookaburra, der mit seinen hellen, unbestreiften Augen seine Umgebung eher verschlagen beäugt. Denn blaue Punkte haben beide Arten auf den Flügeln! Von den Vögeln des Landes wird der Lachende Hans schnell zu meinem Liebling und lässt sogar die Kakadus hinter sich.
 
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Zurück an der Uferpromenade von Paynesville testen wir unsere kalten Ravioli aus der Dose, mit denen wir uns für die Tour eingedeckt haben. „Man kann davon leben. Aber es schmeckt beschissen!“, würde Mick Dundee dazu sagen. Wir gehen mit unserem frugalen Mahl nicht ganz so hart ins Gericht und essen brav auf. Weiter geht es in den Küsten- und Touristenort Lakes Entrance, der in Nadelöhrlage den Meereszugang der langgezogenen Gippsland Lakes markiert. Auf einer Anhöhe halten wir an und genießen die Aussicht. Unter uns breitet sich eine blaue Seenlandschaft mit fahlgrünen Inseln aus, die von schmalen weißen Sandstränden gesäumt sind. Im Hintergrund bildet das Meer einen würdigen Rahmen. Ganz aufgeregt begrüßen wir außerdem die vielen Brillenpelikane, die in dieser fischreichen Gegend beheimatet sind. An manchen Stellen kommen wir den großen Tieren ganz nah, sie gleiten auf den Strand zu und blicken uns aus gelbumrandeten Augen an. Ihre Schnäbel sind mit bis zu 47cm Länge in der Tat beachtlich, da passen sicher einige Fische hinein.
 
In Lakes Entrance beziehen wir einen Campingplatz. Der Zeltaufbau gelingt uns mit links, allerdings müssen wir es zunächst mit reichlich Wasser von dem schwarzen Sand befreien, der noch immer überall klebt.
 
 
Tag 8, Freitag 16.01.2009
Vom Countryfeeling zum Sandpeeling
 
Morgens um sechs beginnt der Tag für uns kühl und windig mit einem schnellen Frühstück im Freien. Weil sich die Sonne am Vormittag nicht blicken lässt, verschieben wir sämtliche Wassersportpläne auf den Nachmittag und suchen stattdessen das Griffiths Sea Shell Museum auf, das mit 90.000 Muscheln aus aller Welt lockt. Obwohl vom Reiseführer empfohlen, haben wir doch den Eindruck, das Wohnzimmer eines eigentümlichen, wenn auch sammlerisch ambitionierten älteren Ehepaars zu betreten. Wie ein Museum sieht es hier nicht aus, auch wenn sich in den zahlreichen Vitrinen des muffigen Raumes in der Tat mindestens 90.000 Muscheln feinsäuberlich aufgereiht sind. Gefühlt sogar noch ein paar mehr. Persönliche Erinnerungsstücke und Fotos der sammelnden Hobbytaucher vervollständigen die Muschelmassen und ein paar alterschwach ächzende Korbstühle laden zum besinnlichen Betrachten der aufgestellten Topfpflanzen ein. Als Krönung wird das Ganze von einer hypnotisch leiernden Countrymusik untermalt, wir sind hingerissen. Yeehaw! Dass im Nebenraum eine Modelleisenbahn durch eine Miniaturlandschaft schnauft, scheint uns als Ergänzung der Sammlung schon fast logisch. Trotz oder wegen aller Absurdität verbringen Martin und ich eine amüsante Stunde im Sea Shell Museum. Bei einem Kaffee danach führen wir in aller Ruhe unser tägliches Reisetagebuch fort. Sonst schreiben wir meistens abends im Zelt, was aber manchmal dazu führt, dass ich mittendrin einschlafe. Da passt uns das schlechte Wetter heute ganz gut, um den gestrigen Tag gewissenhaft nachzutragen.
 
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Mittlerweile hat sich das Wetter wenigstens etwas gebessert. Zwar hat der Wind noch weiter zugenommen, aber immerhin scheint die Sonne wieder. Für etwaige Segelaktivitäten ist es aber doch zu stürmisch und daher nehmen wir mit einer dreistündigen Bootstour vorlieb. „Seals and Dolphins“ heißt sie etwas hochtrabend, denn der einzige Seehund, den wir sehen, ist Bootshund Molly. Die seetaugliche Mischlingsdame wuselt stilecht mit einer Schwimmweste bekleidet über Deck und ist everybody’s darling. Aber auch ohne Delfine ist die Wasserlandschaft, die wir jetzt kennenlernen, beeindruckend schön. Auf den Inseln leben Kängurus, nisten Pelikane und Kormorane und in der schmalen Enge, die Lakes Entrance seinen Namen gab, ergießt sich die Meeresbrandung mit weißer Gischt in die türkisblauen Fluten der Seenplatte.
 
Wir haben immer noch nicht genug von Wind und Wasser und begeben uns spätnachmittags an den Strand. Am Ninety Mile Beach türmen sich meterhohe Wellen und der Wind lässt Sandkörner wie feine Messerstiche auf unsere nackten Arme und Beine prasseln. Trotzdem genießen wir die Naturgewalt und finden in der auslaufenden Brandung Schutz vor dem ungewollten Peeling. Wann erlebt man die Natur schon so überschäumend und kraftvoll!
 
 
Zum Abendessen nutzen wir zum ersten Mal einen der typisch australischen öffentlichen Grills: Auf Campingplätzen, an Stränden, in Stadt- und Nationalparks laden diese barbecue facilities jeden zum Lieblingsessen der Aussies ein. Ganz umsonst und auf Knopfdruck erhitzt sich die Grillplatte und schon lassen sich leckere Steaks brutzeln. Wer behauptet, Deutschland wäre die Grillnation Nr. 1, hat diesen australischen Standard noch nicht kennengelernt. Ab jetzt genießen wir immer öfter Steaks mit gebratenen Zwiebeln, Tomaten, Pilzen und Paprika. Begleitet von einem australischen Bier oder dem ebenfalls sehr guten hiesigen Wein bereiten wir uns so ohne großen Aufwand ein wahres Festessen.
 
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Tag 9, Samstag 17.01.2009
Von subventionierten Wallabies und einem rettenden Motel
 
Bei strahlendem Sonnenschein und Windstille reisen wir wie immer mit Bedauern ab. Wir fahren durch eine fruchtbare Landschaft, in der sich grüne Hügel und Landwirtschaft mit Wäldern abwechseln, die mit ihrem farnbestandenen Unterholz und den riesenhohen Eukalypten selbst im Vorbeifahren einen Eindruck von Urwald vermitteln. Ab und zu scheint ein Wallabie am Straßenrand uns freundlich zuzunicken. Martin vermutet, dass die gewitzt wirkenden Kerlchen in staatlichem Auftrag die vorbeifahrenden Autos zählen und damit wichtige statistische Daten liefern. Beweisen können wir diese Theorie aber noch nicht. 250 Kilometer und eine unsichtbare Landesgrenze später sind wir in Eden an der Twofold Bay in New South Wales. Im Oktober kann man von hier aus Wale beobachten - da müssen wir wohl später wiederkommen. Unser Mittagspicknick nehmen wir an einem Strand ein, doch der Wind wird immer stärker und ein zweites Sandpeeling wollen wir uns dann doch nicht zumuten. Eine zweite Bucht liegt windgeschützter und wir gehen baden.
 
On the road again. Vorbei an Merimbula und Bermagui fahren wir weitere 200 Kilometer bis Batemans Bay, heute haben wir viel Strecke zurückgelegt. Unsere CD-Sammlung ist uns dabei eine große Stütze und vor allen The Boss Hoss harmonieren erstaunlich gut mit der australischen Landschaft. Nach zwei Nächten im Zelt und morgendlicher Frische gönnen wir uns in Batemans Bay ein Motel; wie so oft haben wir Glück und ergattern nach einigem Suchen das letzte der erschwinglichen freien Zimmer.
 
Tag 10, Sonntag 18.01.2009
Von gefährlichen Plumpbeutlern, harmlosen Würgeschlangen und dem Paradies auf Erden
 
Gut erholt durch die Nacht in einem echten Bett beginnen wir den Tag mit einem Bad in den trüben Wellen am Correga Beach, bevor wir den hiesigen Birdland Animal Park betreten. Zuerst sind wir skeptisch, der kleine Park macht von außen nicht viel her und neben uns scheint sich auch nur eine Handvoll weiterer Besucher hierher verirrt zu haben. Aber schnell erweist sich der Park als Volltreffer. Schon die Anwesenheit eines kleinen, pummeligen Wombats lässt unsere Herzen höher schlagen, denn auf diesen Plumpbeutler haben wir schon sehnsüchtig gewartet. Für die wenigen Besucher wird der kleine Wonneproppen auch schon einmal aus seinem Gehege befreit und darf auf unseren Schößen Probe sitzen. Bei Martin fühlt er sich augenscheinlich am wohlsten, wie ein Baby liegt er in seinem Arm, lässt sich die kleine Plauze kraulen und guckt aus vergnügten Schweinsäuglein um sich. Noch ist er friedlich, sobald er aber geschlechtsreif ist, wird er wie seine Artgenossen ein zum Teil aggressives Revierverhalten an den Tag legen, warnt uns die Tierpflegerin. Sie erklärt uns, dass der Park ein Auswilderungsprogramm betreibt: Auch unser Wombat wird eines Tages in freier Wildbahn die Chance haben, sich von seiner ruppigen Seite zu zeigen. Dann wird er Eindringlinge mit seinem gepanzerten Hinterteil an der Decke seiner Höhle erdrücken. Kaum zu glauben.
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Wir sehen noch dösige Koalas, sprunghafte Wallabies, zwei Schnabeligel, verschiedene Echsen und heimische Vögel. Ein Wallabiejunges erhält eine Sonderbehandlung: Es ist in der Wildnis allein aufgefunden und im Park abgegeben worden. Leider passiert es manchmal, dass den Springbeutlern der Nachwuchs unbemerkt aus dem Beutel plumpst. Das ist dann meist das Ende. Aber dieses kleine Wallabie hatte Glück im Unglück. Eifrig umsorgt von der menschlichen Pflegemama verbringt es den Tag am liebsten in einem extra aufgehängten Jutesack, bis die nächste Flasche Milch gebracht wird. Auch noch andere kuriose Geschichten erfahren wir im Birdland Animal Park: etwa von dem Hirschen Arthur, dessen bester Freund aus Kindheitstagen ein Känguru ist und der daher zu seiner großen Zufriedenheit im Kängurugehege logiert. Oder von einem Corella, der seinen Kopf am liebsten in eine alte Konservenbüchse steckt und daher nach dem australischen Volkshelden Ned Kelly benannt ist, der eine selbstgefertigte Rüstung mit grobem Eisenhelm trug. Lauter tierische Persönlichkeiten beherbergt dieser Park und jede hat ihre eigene Geschichte.
 
Außer dem Wombat lernen wir auch noch andere Parkbewohner aus der Nähe kennen. Martin lässt sich eine schwere Diamantpython um den Hals legen. Den Hinweis der Tierpflegerin, dass das Tier an seinem Hals völlig ungefährlich sei, da es sich um eine Würge- und keine Giftschlange handele, finde ich gelinde gesagt eher beunruhigend. Mir gefällt die australische Version eines Streichelgeheges besser. Hier gehen wir auf Tuchfühlung mit einer Kängurusippe und vor allem die Jungtiere kommen schüchtern, aber neugierig näher.
 
Neben den Tieren in Gehegen und Käfigen flattern ganz verschiedene Vögel frei durch die Anlagen. Neben Dutzenden Regenbogenloris sehen wir einen heftig balzenden Magpie-lark, eine Drosselstelze. Die wörtliche Übersetzung ist Elstern-Lerche und das beschreibt den schwarz-weißen Angeber, der seinen Kopf in den Nacken wirft und seine Federn plustert, sehr gut. Auf einem Ast über dem nahe gelegenen Fluss hält dann noch ein stelzbeiniger Silberreiher Ausschau nach unvorsichtigen Fischen.
 
Wir verbringen viele schöne Stunden in dem kleinen Park. Uns ist klar: Selbst der berühmte Zoo in Sydney wird mit der familiären Atmosphäre dieses Parks nicht mithalten können. Und hier muss man nicht für das Knuddeln eines Wombats extra zahlen, hier ist für 16 Dollar alles inklusive.
 
Fish and chips im Magen verabschieden wir uns nachmittags aus Batemans Bay, wo es uns sehr gut gefallen hat. Wir steuern den Murramarang Nationalpark an und rumpeln bald über kaum befestigte Straßen durch immer dichteres Grün. Unseren Ruf als last minute-Pärchen unterstreichend ergattern wir einen der letzten Zeltplätze auf dem winzigen Natur-Campingplatz. Der Wellblechverschlag mit Kaltwasserdusche ist einziger Luxus auf der kleinen Lichtung – wenn man die barbecue facilities als Standardausstattung auffasst. Schon bei unserer Ankunft werden wir von Schwärmen von zutraulichen Regenbogenloris umschwirrt. Dazu gesellen sich die größeren, kräftig rot-violett gefärbten Pennantsittiche, die Crimson Rosellas, und die leuchtend orange-grünen Königssittiche, die King Parrots. Farbenfroh und lautstark geht es zu. Doch noch eindrucksvoller ist das Schauspiel, das sich uns bei Sonnenuntergang in der baumbestandenen Bucht bietet: Wilde Kängurus hüpfen in großen Sätzen neugierig auf uns zu, lassen sich kurz streicheln und grasen friedlich weiter vor sich hin, als sie erkennen, dass sie von uns keine Extra-Fütterung mit Chips oder ähnlichem erwarten können. Sie sind die wenigen Touristen, die es hierher verschlägt, gewohnt und sind doch Wildtiere. Die Sonne geht schnell unter und die runden Rücken der grasenden Tiere zeichnen sich im Gegenlicht ab.
 
 
Erst als es vollständig dunkel wird und sich Nachtkühle verbreitet, nehmen Martin und ich Abschied von dem kleinen Paradies. Da weit und breit kein elektrisches Licht die Finsternis vermindert, bewundern wir von unserer Lichtung aus noch das hundertfache Funkeln des Sternenhimmels der Südhalbkugel und rollen uns nach einem perfekten Tag müde und glücklich in unseren Schlafsäcken zusammen.
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Tag 11, Montag 19.01.2009
Von lauten, gefährlichen und neugierigen Tieren aller Art
 
Das Gezwitscher dutzender Papageien weckt uns. Auf unserem Ford, auf Zeltdach und Spannseilen sitzen sie, spähen nach Frühstückskrümeln und sorgen für gute Laune am Morgen. Derart geweckt nehmen Martin und ich ein erfrischendes Bad und frühstücken am Strand.
 
Zurück am Zelt erwartet uns ein weiterer Vertreter der einheimischen Fauna auf Futtersuche: Ein Goanna, ein australischer Waran, züngelt über die Lichtung. Von Zungen- bis Schwanzspitze taxieren wir ihn auf 1,60 Meter Länge. Und auch ein zweiter Waran kommt in biegsamen Bewegungen angeschlichen. Ihre Ruhe täuscht darüber hinweg, dass sie schnell und beweglich sind und sogar klettern können. Unsere beiden Exemplare lassen sich aber zum Glück nicht aus ihrer stoischen Ruhe bringen und verziehen sich bald darauf zurück ins Unterholz.
 
 
Nach diesem aufregenden Erlebnis brechen wir auf zu einer kleinen Wanderung. Ausgestattet mit reichlich Wasser, Fotoapparat, Hut und Wanderstiefeln stapfen wir in der ersten Hitze des Tages bergan. Viele Wanderer gibt es hier wohl nicht, es geht über Stock und Stein und der ausgewiesene walking track verengt sich mehr als einmal zu einer schmalen Spur zwischen Felsen, hohen Gräsern und undurchdringlichem Buschwerk. Ich bemühe mich fest aufzutreten, nicht nur, um in dem unwegsamen Gelände nicht umzuknicken, sondern auch, um etwaige Schlangen frühzeitig auf- und damit abzuschrecken. Das habe ich in meinem Dumont gelesen und ich lache zwar über mich, aber es scheint mir ein immerhin praktikabler Rat. Außerdem gehe ich voran: Nach langem Abwägen habe ich entschieden, dass lieber ich von der Schlange gebissen werden möchte und nicht Martin. Nicht, dass ich da besonders scharf drauf wäre. Aber bei dem Gedanken, meinen sehr viel größeren und schwereren Freund auf der Suche nach Hilfe durch australisches Gehölz zu schleifen, scheint mir noch weniger wünschenswert. Für alle Fälle rekapituliere ich trotzdem die Notfallmaßnahmen. Immerhin lehrt der weise Dumont auch, dass Schlangenbisse weder ausgesaugt noch aufgeschnitten werden sollen. Stattdessen möge man das Bein ruhig halten sowie gleichzeitig – und jetzt wird es lustig – die bissfreudige Schlange nach Möglichkeit fangen, töten und dem herbeigerufenen Notarzt zur Bestimmung des Gegenserums vorzeigen. Na klar, wenn’s weiter nichts ist! Überhaupt bleiben die Notfallratschläge meines Dumonts hinter der Qualität seiner Reisetipps zurück. Schon während der Reisevorbereitungen musste ich, nicht ganz ohne Entsetzen, lachen: „Von den ca. 1500 verschiedenen Spinnen Australiens gelten 30 als giftig. Nur zwei Giftspinnen können allerdings dem Menschen gefährlich werden: die Trichternetzspinne, deren Verbreitung auf den Großraum Sydney begrenzt ist, sowie die Rotrückenspinne, die überwiegend in Trockenregionen vorkommt. Beim Biss einer Trichternetzspinne sollte man ebenso vorgehen wie beim Biss einer Giftschlange.“ Absatzende. Und bei der Rotrückenspinne? Was muss man da machen? Hallo?? Doch hier schweigt der Ratgeber.
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Ich vermute im Stillen, dass Notfallmaßnahmen beim Biss einer Rotrückenspinne überflüssig sind, weil man sofort tot umfällt oder Schlimmeres und will es gar nicht so genau wissen. Kräftigen Schrittes und wider Erwarten ungebissen erreichen Martin und ich den Clear Point. Der Aussichtspunkt belohnt unsere kurze, aber schweißtreibende Wanderung mit einem Panoramablick über unsere Kängurubucht und den weiteren Küstenverlauf. Grünbewaldete Hügel fallen mal sanft, mal steil ab in das dunkelblaue Meer, während über uns einige hohe Schleierwolken den hellblauen Himmel durchziehen.
 
 
Noch einmal erfrischen wir uns im Meer, bevor wir schweren Herzens aufbrechen. Gerne würden wir noch bleiben in unserem kleinen Natur- und Tierparadies, aber das geht uns ja mittlerweile fast jeden Tag so. Und wir trösten uns mit dem Gedanken, dass uns noch weitere tolle Erlebnisse auf unserer Strecke erwarten. Daher fahren wir weiter Richtung Jervis Bay, wobei wir Australiens Retorten-Hauptstadt Canberra zu unserer Linken lassen, denn ein Abstecher von über 300 Kilometern für Hin- und Rückweg sind uns diesmal leider zu viel. Stattdessen kommen wir abends in Huskisson an und bekommen, wen wundert’s, die letzte site auf einem recht teuren Campingplatz. Immerhin gibt es hier Waschmaschine und Trockner, so dass wir kurzerhand unsere gesamte Wäsche in die Trommel kippen. Wir reisen ja mit wenig Gepäck und vor allem unsere Handtücher, die als Strand- und Duschtücher zugleich fungieren, werden solcherart vom Salz befreit eine Wohltat sein.
 
Spätabends setzt ein Possum dem ereignisreichen Tag die Krone auf. Hochinteressiert beäugt der Kletterbeutler unser Zelt, zunächst aus dem sicheren Abstand einer Astgabel, doch dann siegt seine Neugier und er erkundet unser bescheidenes Eigenheim aus nächster Nähe. Sein buschiger Schwanz lässt an unser europäisches Eichhörnchen denken, aber das Possum ist viel größer und mit seinen großen Ohren und Augen gehört es eindeutig zu den nachtaktiven Tieren.
 
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Tag 12, Dienstag, 20.01.2009
Von baked beans am Strand und Käfern in Sauce
 
Gegen 7h werden wir von zeterndem Vogelgeschrei geweckt. Wir kriechen müde aus dem Zelt und können die Lärmquelle sofort orten. Zwei Kookaburras beharken sich lautstark und in unmittelbarer Nähe unseres Schlafplatzes. Nun haben wir es doch noch gehört, das „Lachen“ des Laughing Jack. Um diese Uhrzeit jedoch klingt es weniger heiter als lärmend, da war uns das Papageiengeschnatter als Weckdienst lieber. Da jedoch die Sonne bereits jetzt unbarmherzig auf unser Zelt brennt und wir von einer gesunden Schlaftemperatur meilenweit entfernt sind, machen wir uns auf den Weg. Der in der Nähe gelegene Hyams Beach soll der weißeste Strand der Welt sein. Eine so kühne Behauptung will natürlich überprüft werden. Und tatsächlich nehmen wir unser Frühstück – extra fluffiges Toast mit der obligatorischen Erdnussbutter und baked beans aus der Dose - kurz darauf an einem zumindest sehr, sehr weißen Strand ein. Ohne Sonnenbrille kommt man hier nicht weit, der Sand blendet enorm, also hat das Guinness Buch vielleicht Recht. Bis zum Mittag verbringen wir unsere Zeit damit, am Strand zu spazieren, zu baden und unsere neue Schnorchelausrüstung einzuweihen. Dann fliehen wir vor der Kraft der Sonne in unseren gut klimatisierten Ford, der inzwischen aus gegebenem Anlass den Spitznamen Ford Fliegenkiller trägt.
 
 
Im 30 Kilometer entfernten Nowra besuchen wir erneut einen kleinen Wildlife Park. Ein Glastunnel ermöglicht den Blick in das unterirdische Gängesystem zweier ausgewachsener Wombats, die entspannt auf dem Rücken liegen und um die Wette schnarchen. Mit Emus und Kängurus, Koalas, einem beängstigend großen Salzwasserkrokodil, einer Meute Dingos und diversen Vogelarten sind auch hier sehr viel mehr Tiere als Besucher, was uns nur Recht ist. Ein Pfau schlägt scheinbar nur für uns ein Rad; wir fühlen uns geehrt, vielen Dank. Besonders reizend ist diesmal aber ein Koalajunges, das sich mit seinen zwei großen Brüdern einen Baum teilt. Eine Tierpflegerin bietet uns kurzerhand an, den Kleinen zum Streicheln aus dem Gehege zu holen, das wäre kein Problem - no worries. Das lassen wir uns natürlich nicht zwei Mal sagen. Und der kleine Koala ist wirklich wahnsinnig weich und flauschig. Kein Plüschtier kann da mithalten; so fühlt sich außer einem Koalababy höchstens noch der Bär aus der Lenor-Werbung an, Stichwort kuschelweich.
 
 
Nach diesem Flauschtest wird der Kleine zurück in seinen Baum gehängt, wo er sofort wieder einschläft. Seine dicknasigen Brüder haben seine Abwesenheit nicht einmal bemerkt.
 
Neben den Tieren ist auch die Natur in dem weitläufigen Park sehenswert. Das langgestreckte Gelände wird begrenzt von dem Shoalhaven River zur einen und einer steil aufragenden, wild zerklüfteten und grün bewucherten Felswand auf der anderen Seite. Ein adventure track führt durch Felsspalten, über kleine Plateaus und vorbei an niedrigen Höhlen.
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Armdicke Luftwurzeln aus sechs Metern Höhe dienen uns als Hängematte, wir fühlen uns wie mitten im Dschungel. Aber in Australien ist eben auch ein kleines Stück Wildnis schon ein großes Erlebnis.
 
Die Nacht verbringen wir heute in Kiama. Der Ort ist bekannt für sein blowhole, eine Felsspalte, durch die bei geeignetem Wind und entsprechender Brandung eine Wasserfontäne bis zu 60 Meter hoch in den Himmel schießt. Als wir da sind, tut sich jedoch nicht viel; es ist windstill. Wie sich herausstellt, ist dies jedoch die oft zitierte Ruhe vor dem Sturm: Während wir noch unser barbie genießen, ziehen sich dunkle Wolkengebirge über dem Wasser zusammen, schlagartig kommt Wind auf, es blitzt und donnert in nicht allzu weiter Ferne und wenig später öffnen sich die Himmelsschleusen zu einem prasselnden Regen, der gar nicht wieder aufhören will. Wir ergeben uns in unser Los und essen soweit möglich in Ruhe auf. Dabei versuche ich, die diversen Insekten zu ignorieren, die von groß bis sehr groß reichen und genau wie wir unter dem Dach der Grillstation Schutz suchen. Glücklicherweise landet der fette Käfer, den der Sturm zu uns fegt, in Martins Grillsauce und nicht auf meinem eigenen Teller. Auf solche Bruchpiloten im Essen kann ich gut verzichten. Unser Zelt ist natürlich schon längst dem Erdboden gleich gemacht. Wir ziehen die letzten Heringe aus dem Boden, damit es sich nicht unnötig quält, und überlassen es seinem nassen Schicksal. Bei strömendem Regen räumen wir in Rekordzeit all unsere Vorräte und Habseligkeiten auf die Vordersitze unseres Fliegenkillers und machen es uns hinten so gut wie möglich bequem. Geräumig genug ist es ja. Ein bisschen bereuen wir jetzt aber die große Portion Knoblauchbutter auf unseren Steaks, denn wegen des Regens können wir die Fenster nur minimal öffnen…
 
 
Tag 13, Mittwoch, 21.01.2009
Von Wasserdrachen, Würgefeigen und einem Wasserschaden
 
Petrus hat ausgegrollt. Vor dem Frühstück bauen wir unser geschundenes Zeltchen auf, damit es vor der Weiterfahrt trocknet. Bei viel schwarzem Tee und Instantkaffee vergessen wir die unbequeme Nacht und im nahe gelegenen Minnamurra Rainforest Park kehrt unsere gute Laune endgültig zurück. Ein knapp fünf Kilometer langer Pfad führt uns durch einen wahren Urwald, bergauf, bergab, über Hängebrücken und Holzstege bis hin zu einem Wasserfall. Dichtes Unterholz mit grünen Farnen wird überragt von Mammutbäumen, durch deren breite Kronen hier und da das Sonnenlicht bricht. Auf ihrem langen Weg zum Waldboden setzen die Strahlen immer wieder zufällige Akzente, alle Abstufungen von Licht und Schatten sind vertreten und bringen das Grün der Pflanzen abwechslungsreich zum Leuchten. Wir lassen uns Zeit und entdecken die gut versteckte Tierwelt um uns herum: Mehrere kleinere Echsen sind da zu erspähen, ein in rot, blau und grün irisierend schillernder Harlekinkäfer und ein scheuer Leierschwanz: Der fasanenähnliche Vogel ist für seinen Gesang berühmt, doch in unserer Anwesenheit schont er seine wertvolle Stimme. Normalerweise ist es andersherum: Man hört ihn, sieht den scheuen Vogel aber nicht. Den Lyrebird erkennen Martin und ich auf Anhieb, ziert er doch die australischen 10-Cent-Münzen. So einfach kommt man zu ornithologischen Kenntnissen. Überhaupt ist das australische Münzgeld viel netter als unsere Euros und Cents. Neben dem Leierschwanz werden sie von Kängurus, Emus, dem Schnabeltier und anderen tierischen Australiern bevölkert. Am besten gefällt mir der kugelige Schnabeligel auf den silbernen 5-Cent-Münzen, die behalte ich lieber, als sie auszugeben.
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Faszinierend sind auch die strangler figs, die Würgefeigen. Überall sind sie zu entdecken. Denn ihre Samen gelangen durch den Verdauungstrakt eines Vogels auf jeden beliebigen Baum, treiben dort in farnartigen Blättern aus und lassen ihre Wurzeln gen Boden wachsen. Weitere Luftwurzeln umschließen nach und nach den Wirtsbaum, bis dieser abstirbt und die Würgefeige allein dasteht.
 
 
Bevor wir Kiama endgültig verlassen, kühlen wir uns in einem natürlichen Felsenpool ab, der an der Küste gelegen immer wieder von Meerwasser überschwemmt wird. Jetzt kann es weitergehen. Auf Anhieb finden wir den nahen Nan Tien Tempel, den größten buddhistischen Tempel der südlichen Hemisphäre, wie er uns angepriesen wird. Leider dürfen wir das weitläufige Gelände wegen der fortgeschrittenen Stunde nicht mehr betreten, kurz hinter dem löwenbewachten Eingangsportal ist Schluss. Wir erhaschen nur einen flüchtigen Blick durch die hohen Gitterstäbe auf Buddhastatuen und gepflegte Rasenflächen; im Hintergrund ragt eine siebengeschossige Pagode in den frühabendlichen Himmel. Schade, ich hätte zu gern eine Gebetsmühle angestoßen, ein wenig Beistand kann schließlich nie schaden, aber da müssen wir wohl nach Nepal fahren.
 
Prompt verlässt uns für heute unser treues Glück. Nachdem wir es bis hierher so ziemlich ohne Verfahren geschafft haben, verfransen wir uns nun bei einbrechender Dunkelheit völlig in dem Gewirr von Highways, Freeways und dubiosen, auf der Karte rot eingezeichneten Straßen. Eigentlich hatten wir uns ziemlich wahllos das Örtchen Heathcote zum Ziel gesetzt, doch wo wir auch fahren und abbiegen, immer steht nur Campbelltown auf den Straßenschildern. Alle Wege führen nach Campbelltown. Am Ende wissen wir gar nicht mehr, wo wir sind, landen aber zum Glück in einem kleinen Ort, in dem wir fragen können, in welche Richtung die Blue Mountains liegen. Denn bevor unser Roadtrip in Sydney zu Ende geht, haben wir noch drei Tage in den blauen Bergen im Hinterland der Metropole geplant.
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Heute kommen wir nach unserer Autobahnodyssee allerdings nicht mehr weit. Gegen 22 Uhr und bei noch dazu plötzlich strömendem Regen passieren wir die Stadtgrenze von Camden. Nicht, dass wir hier unbedingt hin wollten, aber wir bleiben. Ein Motel gewährt uns Unterschlupf. Leider brummen in dem altmodisch tapezierten Zimmer Kühlschrank und Klimaanlage lautstark um die Wette. Wir ziehen es daher vor, in untemperierter, aber ruhiger Atmosphäre zu schlafen und ziehen auch den Kühlschrankstecker. Die erste Nachthälfte verbringen wir so ungestört, bis ein stetiges Wassertropfen mich unnachgiebig aus dem Schlaf trommelt. Wir haben das Eisfach des Kühlschranks abgetaut, das geht bei den 30 Grad, die hier ohne Klimaanlage herrschen, schneller als gedacht. Und die Eisfächer sind in diesem Land stets gründlich zugefrostet, da kommt schon einiges an Wasser zusammen. Handtücher beheben den Schaden und wir schlafen wieder ein.
 
 
Tag 14, Donnerstag 22.01.2009
Von einer kalten Dusche, dem venezianischen Karneval und abschließendem Kängurusteak
 
Erstaunlich problemlos finden wir an diesem Morgen den Weg zu den Wentworth Falls, unserem ersten Anlaufpunkt in den Blue Mountains. Benannt ist die Stadt nach einem der Pioniere der Überquerung der Hochebene, denn die Berge galten lange Zeit als unüberwindbar. Ihre auf 1200 Meter Höhe gelegenen Plateaus sind von bewaldeten Schluchten durchzogen und können hier und da mit Wasserfällen aufwarten. Einer dieser Wasserfälle trägt den Namen Wentworths, er stürzt rund 300 Meter in die Tiefe. Touristisch gut erschlossen bieten sich uns vom Sammelplatz aus gleich mehrere Wanderwege an. Ohne lange zu überlegen laufen wir los, denn wir möchten die Besucherscharen gerne schnell hinter uns lassen. Zum Glück entwischen wir dadurch auch den berühmten australischen Fliegen, mit denen wir hier erstmalig Bekanntschaft machen. Sie sind an Impertinenz nicht zu übertreffen und belagern uns förmlich.
 
Wir wandern zunächst steil bergab, der Wentworth Pass Track führt eng an der Felswand entlang. Von hier genießen wir einen Blick über scheinbar endlose Eukalyptuswälder. Ich bin eifrig bemüht, die namengebende blaue Tönung der Blue Mountains wahrzunehmen, die mein Dumont verspricht. Die ätherischen Öle der Eukalyptusbäume sollen diesen Dunst bewirken. Aber so ganz können Martin und ich dem nicht zustimmen: Schön ist es, aber blau? Die Wentworth Falls nehmen ihren Weg ins Tal über mehrere Felsvorsprünge und kleine Plateaus, wo sie natürliche Wannen bilden und wir ihren Weg kreuzen.
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Einer dieser Zwischenstopps birgt ein besonderes Vergnügen: Ein etwas tieferer Felsenpool sammelt genug Wasser für eine kleine Abkühlung zwischendurch. Also rein in die mitgebrachten Badesachen und los geht’s! Der Boden ist reichlich glitschig, aber Martin und ich tasten uns vorwärts bis zur Felswand, über die das Wasser wie eine natürliche Dusche aus sechs Metern Höhe herabprasselt. Es handelt sich allerdings um eine sehr kalte Dusche, denn das Wasser wärmt sich erst im Pool etwas auf. Aber wir werden in den nächsten Stunden noch genug schwitzen und sehen die Bergdusche als gesunde Prophylaxe.
 
Wir marschieren weiter, der National Pass Track soll uns über sechs Kilometer durch die Natur führen. Rechts von uns türmen sich ockerfarbene Felswände haushoch auf. Die Gesteinsschichten des Sandsteins verlaufen parallel; wie Schiefer ragen vielfach abgebröckelte, trockene Platten und Nasen aus der Wand hervor und laden zu kleinen Klettermanövern ein. Vorsicht ist natürlich geboten, denn links vom Weg geht es bergab. Der Abhang ist hier steil, aber trotzdem von hartgesottenem Buschwerk bewachsen. Nach etwa einem Kilometer bleiben wir irritiert stehen: Links von uns, ein paar Meter in der Tiefe sehen wir zwischen den kargen Bäumen zufällig ein abgebrochenes Schild, das vor unbefestigten Wegen mahnt und den Track, auf dem wir uns gerade befinden, als gesperrt markiert. Etwas mulmig wird uns jetzt schon. Seit wann liegt das Schild da, gilt die Sperrung noch? Außer uns ist hier niemand unterwegs. Nach kurzem Abwägen schleichen wir vorsichtig weiter über den schmaler werdenden Weg. Aufpassen muss man vor allem, wenn sich wieder ein Wasserrinnsal seinen Weg ins Tal bahnt und dabei die Sandsteinplatten in rutschige Fallen verwandelt. Später führt uns der Weg wieder weiter bergab. Eine grob gehauene Steintreppe windet sich durch eine abenteuerliche Indiana-Jones-Kulisse: Das Tageslicht wird von den hohen Eukalyptusbäumen gefiltert, bringt Sandstein und Farne zum Leuchten und lässt die dunklen Schatten umso geheimnisvoller wirken.
 
 
Wir entdecken Echsen, die leise durch das Laub rascheln und sich auf Steinen von der Sonne wärmen lassen. Die wenigen Blüten und Beeren in dieser grünen Umgebung überraschen durch kräftiges Blau oder Gelb. Da außer uns kaum andere Menschen hier Lärm verursachen, nehmen wir die Geräusche der Natur umso eindringlicher wahr. Das Rascheln der trockenen Eukalyptusrinden, die Weg und Waldboden wie ein Teppich bedecken, lässt uns immer wieder aufhorchen. Huscht da nicht was davon? Überhaupt gefallen uns die Eukalyptusrinden gut. Statt ihre Blätter abzuwerfen, schälen die Eukalypten sich im Herbst aus ihrer dünnen Rinde, die dann olivgrün bis rostbraun und von Astlöchern durchzogen zu Boden fällt. Ich entdecke eine Rinde, deren Astlöcher zwei Augen bilden, eine venezianische Maske. Sieht man erst einmal genauer hin, laden von überall Monokel, schlanke Brillen und elegante Masken zum Anprobieren ein.
 
Nach Stunden schöner, aber auch anstrengender Wanderung landen wir an einem weiteren Wasserfall. Das klare Wasser der Empress Falls ergießt sich in einer kleinen Schlucht über glischige, dunkle Felsen. Ein bisschen zucke ich schon zusammen, als ich bemerke, dass es nicht nur uns hier gefällt. Ein eastern water dragon, eine Wasseragame, fühlt sich als rechtmäßiger Besitzer dieser Wasserstelle und verfolgt argwöhnisch jede unserer Bewegungen. Nicht sehr schmeichelhaft zählt man ihn zu den leguanartigen Schuppenkriechtieren. Statt der maximal möglichen 90 cm misst unser junges Exemplar knapp 40 cm, zwei Drittel seiner Körperlänge nimmt allein der Schwanz ein. An Brust und Bauch prahlt er mit einem kräftigen Rot, ansonsten ist er schwarz-braun getigert, hat einen schwarzen Strich hinter den Augen und einen Stachelkamm, der sich vom Nacken über den Rücken zieht.
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Nachdem wir den Drachen ausgiebig bewundert haben, verlassen wir sein Revier und machen uns an den steilen Aufstieg, der uns noch einmal mit einem Panoramablick über den durchwanderten Eukalyptuscanyon belohnt. Der blaue Eukalyptusdunst ist jetzt deutlich zu erkennen. Nach sechs Stunden Wanderung bei über 30 Grad sind wir redlich erschöpft und dankbar für unseren klimatisierten Fliegenkiller, der uns die zehn Kilometer nach Katoomba bringt. In dem touristischen Hauptort der Blue Mountains beziehen wir für ganze drei Nächte die Jugendherberge. Nachdem wir die letzten eineinhalb Wochen täglich weitergezogen sind, kommen wir uns nun richtig sesshaft vor. Zum Abendessen in einem kleinen Restaurant mit australischer Küche kann Martin endlich ein Kängurusteak testen und ist begeistert von der geschmacklichen Mischung aus Rind und Wild. Ich kann meinem Gambassalat ebenfalls viel abgewinnen und auch unser guter Eindruck vom hiesigen Bier wird wieder bestätigt. So lässt es sich doch aushalten!
 
 
 
Tag 15, Freitag 29.01.2009
Von Buschfliegen und Tropfsteinen
 
„You like lots of sugar in your breakfast, don’t you?“ Über so viel kritische Anteilnahme des Herbergsvaters an meinen Essgewohnheiten kann ich so früh am Morgen noch gar nicht lachen, Martin dafür umso mehr. Nach unserem energiereichen continental breakfast mit Cornflakes, Tee und Marmeladentoast brechen wir gut gestärkt zu den Jenolan Caves auf. Das letzte Dutzend der 70 Kilometer zieht sich ganz schön in die Länge, denn wir schleichen auf engen Serpentinen an einem ganz beachtlichen Abhang entlang und hoffen inständig, dass uns auf der engen, aber zweispurig markierten Straße niemand entgegen kommt. Der Ausblick ist aber wieder grandios, wir blicken auf hochgewachsene Eukalyptuswälder herab. Angekommen bei den Jenolan Caves suchen wir uns zunächst eine zu besichtigende Tropfsteinhöhle aus. Denn das weitläufige System umfasst gleich 20 erforschte Höhlen und wer weiß, wie viele unterirdische Hallen, Säle und Gänge noch ihrer Entdeckung harren. Wir entscheiden uns für den Temple of Baal und glücklicher Weise geht es bald unter die Erde. Denn oben werden uns die Fliegen schnell zur unerträglichen Qual. Passt man nicht auf, kriechen sie einem völlig schamlos ins Ohr, versuchen sich an der Nase und schrecken selbst vor Augen und Mund nicht zurück, um sich an Eiweiß zu laben. Wir hatten ja schon davon gelesen, aber allen Mahnungen zu Gelassenheit zum Trotz verliert man bei dieser Zudringlichkeit als Europäer schnell die Nerven. Ich rette mich kurzerhand in eine mumienhafte Gesichtsverhüllung: Das Tuch, das ich mir fest um Hals, Kopf, Ohren, Mund und Nase schlinge, lässt nur die Sonnenbrille frei und den Fliegen keine Angriffsfläche, ha!
 
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Unter Tage kann ich meine Schutzkleidung wieder ablegen. Unbehelligt von den Quälgeistern können wir unserem Guide Jeff lauschen, der uns neben den obligatorischen Erklärungen zu Stalaktiten, Stalagmiten und weiteren Tropfsteinen auch sehr anschaulich von der Entdeckung der 340 Millionen Jahre alten Jenolan Caves erzählt. In unserer Höhle können wir mit etwas Phantasie den Gott Baal entdecken, aber auch einen neun Meter langen Tropfsteinschleier bewundern, der den Flügel des Engels Gabriel darstellen soll.
 
Zurück in Katoomba bereiten wir uns in der Herbergsküche ein deftiges Abendessen. Saftige Steaks treffen wieder auf gebratene Zwiebeln, Pilze, Tomaten und Paprika; ein stubby XXXX Gold rundet die Sache ab.
 
 
Tag 16, Samstag 24.01.2009
Von drei Schwestern und einer Schlange
 
Wir beginnen unseren Tag so deftig, wie wir ihn beschlossen haben. Ganz zuckerfrei, dafür umso fettreicher bereitet Martin uns heute egg and bacon mit baked beans. Abtrainieren wollen wir uns die Kalorien auf einer weiteren Wanderung. Wir beginnen am Besucherzentrum Echo Point, von wo aus man sich den schönen Ausblick auf die Felsformation Three Sisters mit mehreren Busladungen Touristen teilt. Der landschaftlichen Schönheit tut die hektische Atmosphäre indes keinen Abbruch. Einer Aborigine-Legende nach sollen drei Schwestern von ihrem Vater in diese mächtigen Felsnadeln verwandelt worden sein, weil er sie beim Flirten erwischte. Ich halte die Legende für wahr, immerhin posieren die drei Schönen noch heute kokett für jedes Foto.
 
An den drei Schwestern vorbei beschreibt der Weg einen weiten Bogen ins Tal. Nachdem die steilen Giants Stairways hinter uns liegen, geht es ziemlich bequem voran. Schon nach etwa einem Kilometer sind nur noch wenige Touristen unterwegs, die meisten haben keine Zeit oder keine Lust auf die Wanderung. Wir genießen aber noch einmal die Blue Mountains und lassen uns Zeit für den Weg. Die Gegend ist schön, aber etwas Neues oder Besonderes sehen wir zunächst nicht. Vielleicht sind für Echsen, Drachen und ähnliches doch zu viele Besucher auf diesem recht ausgetretenen Pfad unterwegs. Doch dann bleibt Martin vor mir plötzlich abrupt stehen und ich sehe sofort warum: Nur drei Meter vor uns befindet sich eine Schlange. Sie dreht uns den Rücken zu, hat uns aber mit Sicherheit längst bemerkt. Gut 1,30 Meter lang liegt ihr kräftiger, geschmeidiger Körper glänzend schwarz im Laub. „Schwarz“, das habe ich gelesen, ist als Auskunft über das Aussehen einer Schlange eine völlig unbrauchbare Aussage. Viel zu viele Schlangen sind am Rücken schwarz gefärbt; die Unterseite ist meistens interessanter und wäre damit für die Bestimmung eines Antiserums relevant. Ob unser Untier wohl eine rötliche Färbung am Bauch hat? Nachgucken möchte ich nicht. Denn dann handelte es sich um die giftige Rotbauchschwarzotter, deren Nervengift Lähmungen verursacht. Im Allgemeinen gilt sie für den Menschen nicht als besonders gefährlich, aber wenn man Pech hat und die Atmungsorgane betroffen sind, kann ihr Biss durchaus tödlich sein. Sie ist in dieser Gegend beheimatet und tagaktiv, vielleicht stehen wir also wirklich einer Red-bellied Black Snake gegenüber.
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In respektvollem Abstand bleiben Martin und ich stehen, zumindest mir ist auch ganz schön mulmig zumute. Auf Koalas, Wallabies, Kängurus und Possums in freier Wildbahn habe ich mich gefreut, den Rochen habe ich auch noch verkraftet, aber auf die Begegnung mit einer Schlange, die womöglich giftig ist, kann ich eigentlich verzichten. Australienkenner haben mich vor der Reise immer wieder beruhigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung doch ziemlich gering ist. Und jetzt liegt dieses Ding da vor mir! Nachdem der erste Schrecken überwunden ist, überlegen Martin und ich, was jetzt zu tun ist. Wir wissen zwar relativ genau, was wir gemacht hätten, wenn die Schlange uns gebissen hätte. Hat sie aber nicht und vorerst scheint sie auch keine Angriffspläne zu schmieden. Aber wie verhält man sich, wenn eine Schlange gar nichts macht? Dieses Exemplar will scheinbar einfach da liegen bleiben, wo es ist, und das ist ziemlich präzise auf unserem Weg. Der misst etwa zwei Meter in der Breite und ist damit eindeutig zu schmal für mich und eine Schlange, finde ich. Aber während Martin und ich noch grübeln, lässt das Reptil Gnade vor Recht ergehen und verschwindet mit plötzlicher Eile im Gebüsch. Und wir beglückwünschen uns, dass wir das Untier durch unser todesmutiges Nichtstun in die Flucht geschlagen haben.
 
Unsere weitere Wanderung verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Mir sitzt der Schreck aber für den Rest des Tages in den Gliedern, stampfend und mit verdoppelter Wachsamkeit schreite ich voran. Martin nimmt es da gelassener, er freut sich über die unerwartete Begegnung. Jedem das Seine… Zusammen hingegen genießen wir die Aussicht, die sich unterwegs von einem Lookout bietet. Wir blicken zurück auf die drei Schwestern und das dichte Waldgebiet zu ihren Füßen, das wir eben durchquert haben. Im Hintergrund erhebt sich fahl-blauer Dunst über dem Eukalyptusmeer und ein paar kleine weiße Wolken hängen am klaren Himmel. Sehr schön.
 
 
Nach ein paar Stunden kommen wir am Endpunkt der Tour an und hier befinden sich auch wieder jede Menge Touristen. Bergauf geht es mit der steilsten Eisenbahn der Welt – immerhin 52 Grad Steigung. Wir rauschen vorbei an Farnen und dabei wird doch tatsächlich die Titelmelodie von Indiana Jones abgespielt, sehr witzig. Oben angekommen treffen zwei Welten aufeinander: Eben haben wir noch mutterseelenallein in der Wildnis einer Schlange gegenübergestanden und jetzt stolpern wir von der Bahn direkt in den modernen Glasbau eines klimatisierten Besucherzentrums: Herren-, Damen- und Behindertentoilette befinden sich zur Linken, Selbstbedienungsbistro mit Pommes und Eis zur Rechten, Souvenirshop mit Plüschkoalas und Gummischlangen geradeaus. In dieser sterilen Umgebung kommen wir uns in den verschwitzten Wandersachen richtig deplatziert vor. Wir sind von dem Aufeinanderprallen dieser Welten wenig angetan und ergreifen die Flucht nach vorn.
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Mit der Seilbahn überqueren wir das Tal und begeben uns auf den Heimweg. Mitten in Katoomba sehe ich zu meinem Entsetzen noch eine Spinne auf dem Gehweg. Sie ist beigefarben, Fünfmarkstückgroß und sagen wir mal: haarig. Darüber hinaus ist sie zum Glück tot. Denn Spinnen finde ich wenn möglich noch schrecklicher als Schlangen. Aber auch von der toten haarigen Spinne wird mir noch ein bisschen schlecht.
 
Am Abend heißt es packen. Alles, was im Fliegenkiller herumliegt, muss wieder in den Rucksäcken verstaut werden. Denn morgen fahren wir nach Sydney und müssen beim Autovermieter von unserem jüngsten Familienmitglied Abschied nehmen, schade.
 
 
Tag 17, Sonntag 25.01.2009
Von Mautprellern, Parkhäusern und Straßenkünstlern
 
Auf dem Weg zum Flughafen prellen Martin und ich blöder Weise gleich zwei Mal die Straßenmaut. Beim ersten Mal geraten wir völlig unverhofft auf die gebührenpflichtige Strecke. Schilder am Straßenrand erinnern säumige Zahler, dass die Nummernschilder automatisch erfasst werden und hohe Geldstrafen drohen. Oha. Wo bitteschön hätte man denn hier etwas zahlen sollen? Beim zweiten Mal wollen wir es besser machen. Die Mautstelle naht, ich habe das Kleingeld schon abgezählt und pflichteifrig in der Hand, da rauschen wir vorbei an der Durchfahrt. „Hey, halt, da war sie!“, aber keine Chance, ich kann nur noch zusehen, wie sie im Rückspiegel kleiner und kleiner wird. Die Leierschwänze und Schnabeligel wandern unverrichteter Dinge zurück ins Portemonnaie. Offensichtlich ist unsere Spur den Inhabern einer Jahresplakette vorbehalten, finden wir heraus. Aber unsere Autovermietung kann weiterhelfen. Nachdem wir wahrheitsgemäß von den Kampfesnarben am Außenspiegel berichtet haben, fragen wir auch gleich, wie wir die fällige Maut nachlöhnen können. Drei Tage und fünf Telefonate später wird uns dies auch gelingen.
 
In Sydney haben wir uns in einem Hostel einquartiert. In einem ehemaligen Parkhaus gelegen lässt die Atmosphäre zu wünschen übrig. Auch dass das einzige kleine Fenster in unserem 6-Bett-Zimmer auf einen alten Abluftschacht geht, trägt nicht zum Wohlbefinden bei. Aber wir sind nicht wählerisch. Wir wohnen günstig, zentral und haben eine Küche, in der man mit etwas Überwindung und bestehendem Tetanusschutz sogar ganz gut kochen kann. Hostel eben. Und viel Zeit verbringen wir hier sowieso nicht, wir laden unser Gepäck ab und auf geht’s.
 
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Vom Sydney Tower aus verschaffen wir uns einen ersten Überblick. Der Himmel ist leicht bewölkt, aber die Lage der Stadt begeistert auch so. Wasser und Land greifen ineinander und bilden in gefälligem Wechsel Landzungen, Buchten und Halbinseln. Auch Harbour Bridge und Opernhaus sind von hier aus zu sehen. Wir lassen es uns nicht nehmen, in 300 Metern Höhe eine Postkarte zu schreiben und sie in den nostalgischen Briefkasten der highest working post box of the southern hemisphere einzuwerfen. Zurück auf der Straße herrscht Hochbetrieb; Touristen und Einheimische drängen sich. Uns fallen die vielen Asiaten auf, die gab es in Melbourne kaum. Sydney ist wohl wirklich der berühmte Schmelztiegel der Nationen. Am Hafen verbreiten die Straßenkünstler gute Laune. Martin fällt durch seine Größe auf und wird sofort als Freiwilliger rekrutiert, um bei einem akrobatischen Akt zu assistieren. Danach schlendern wir weiter zur Oper, die natürlich von allen Seiten betrachtet werden will. Die Architektur überzeugt mich, nur weißer habe ich sie mir vorgestellt. Vielleicht fehlt aber heute auch nur das reflektierende Sonnenlicht.
 
Über den Martin Place geht es zurück in unser Hostel. Mithilfe einer einzigen Pfanne zaubert Martin eine Riesenportion Schinken-Nudel-Gemüse-Auflauf. Davon bin ich mindestens so beeindruckt wie von den Kunststückchen der Straßenartisten. Satt und müde beziehen wir anschließend unsere Schlafgarage und schlummern zufrieden ein.
 
 
Tag 18, Montag 26.01.2009
Von Flaggen, Flughunden und einem Wolkenbruch
 
Australia Day!
Das haben wir natürlich super abgepasst: Am australischen Nationalfeiertag sind wir in der inoffiziellen Landeshauptstadt Sydney. Passend dazu beginnen wir unseren Tag im Australian Museum. Zwei Stunden müssen reichen für die informative Aborigine-Ausstellung und die Abteilung „Surviving Australia“. Die Tipps, die wir hier erhalten, kommen etwas spät, aber bis hierher haben wir es ja auch so unversehrt geschafft. Im Anschluss kaufen wir im Supermarkt schnell ein paar Teile ein und eilen zu den Botanic Gardens. Denn wie fast alle wollen wir an diesem Tag picknicken, aber nicht allein. Wir haben eine Verabredung mit Marc und Julia, die Martin und ich während unseres Erasmus-Jahres in Frankreich flüchtig kennengelernt haben. Seit zwei Jahren haben wir uns nicht gesehen oder gehört, aber pünktlich um 12 Uhr gibt es ein Wiedersehen im Park. Zum Glück sind Marc und Martin beide sehr groß, so dass sie sich schnell entdecken. Denn nicht nur wir haben uns hier verabredet. Mit Blick auf Harbour Bridge und Hafen picknickt halb Sydney im Park und über allem liegt eine friedliche Volksfeststimmung. Zumindest für den hier vertretenen weißen Teil der Bevölkerung ist heute ein Festtag. Denn der Australia Day feiert die Landung des First Fleet, der ersten britischen Siedler im Port Jackson. Und damit markiert der 26. Januar 1788, so der verständliche Einwand von Aborigines, den Beginn ihrer Unterdrückung. Im Park ist von der Umstrittenheit dieses Datums jedoch nichts zu merken. Weder das Schicksal der indigenen Bevölkerung trübt die Feierlaune noch der Umstand, dass auch die ersten Siedler wohl kaum besonders gejubelt haben. Denn es waren deportierte Strafgefangene und man darf annehmen, dass diese Briten auf das mühsame Erschließen und Besiedeln eines fremden, brütend heißen und auf vielerlei Weise tödlichen Kontinents nicht sonderlich scharf waren.
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Aber wie gesagt: Heute ist davon nichts zu spüren, durch den Hafen ziehen noch mehr Boote als sonst, die Straßen und Gebäude sind beflaggt und immer wieder sieht man nationalstolze Australier (und Touristen) mit T-Shirts, Hosen und Caps in den australischen Farben.
 
Als der erste Hunger gestillt ist, spazieren wir durch den Park. Marc wundert sich, dass wir unter einem Baum voller Flughunde minutenlang fasziniert stehen bleiben. Immerhin hängen die flying foxes nur schlafend im Baum, für den gebürtigen Sydneysider ist dieser Anblick das Normalste der Welt. In ihre ledrigen Flügel gewickelt befinden sich die großen Tiere zu Dutzenden nur ein paar Meter über unseren Köpfen, ihr rotbraunes Fell und ihre kleinen Hundeschnauzen sind gut zu erkennen.
 
 
Wir schlendern an Dutzenden von Oldtimern vorbei, die in der Innenstadt eine Parade bilden, und lernen in einem kleinen Park Marcs Freunde kennen. Auf einer Bühne wird Livemusik gegeben und wir setzen unser Picknick fort, eine bunte Mischung aus Weintrauben, Chips, Schokolade, Bier, Donuts und Co. Doch am frühen Nachmittag ist das Fest jäh zu Ende. Die Schwüle des Tages entlädt sich in einem Wolkenbruch, der die Straßen im Nu leerfegt, selbst die Oldtimerparade löst sich in kürzester Zeit auf. Und leider erliegt auch unsere gemütliche Runde schließlich der Unbill des Himmels.
 
Als wettergeprüfte Norddeutsche sind Martin und ich von so wenig Regenresistenz der Australier doch etwas enttäuscht. Wir suchen uns einen Unterschlupf und zwei Stunden später ist es zwar noch wolkig, aber wieder trocken. Den Park haben Martin und ich jetzt für uns alleine und so können wir bei Einbruch der Dämmerung in aller Ruhe beobachten, wie die Flughunde aufwachen, ihre Flügel strecken und spannen und sich auf die nächtliche Jagd begeben. Erst einer, dann immer mehr verlassen ihren Schlafplatz. Schwarz und vampirhaft zeichnen sich die Silhouetten der geschickten Flieger vor dem düsteren Abendhimmel ab, ein tolles Schauspiel.
 
Unser Abendessen führt uns heute nach Chinatown. Hier herrscht ein buntes Treiben und wir lassen uns in ein kleines Restaurant hineinkomplimentieren, wo ein Sezchuan-Huhn unseren Hunger stillt.
 
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Tag 19, Dienstag 27.01.2009
Von hochgiftigen Mini-Spinnen, harmlosen Haien und dem tödlichsten aller Tiere
 
Da unser Zimmer kein Fenster hat, sind Martin und ich unangenehm überrascht, als wir morgens in T-Shirt und Shorts vor die Tür treten und es tatsächlich immer noch regnet. Damit haben wir nicht gerechnet. Trotzdem nehmen wir die Fähre nach Manly, wo wir das Aquarium Oceanworld besichtigen wollen. Wir sind keine ausgesprochenen Kenner der Fischwelt, aber die mal bunt-schillernde, mal kurios geformte Artenvielfalt gefällt uns. Zwischendurch werden uns auf einem Nebenschauplatz noch einige hochgiftige Australier vorgestellt, darunter die giftigste Schlange der Welt, der Inlandtaipan, und die Rotrückenspinne. Letztere geht wohlverpackt in ihrem Plexiglasbehälter durch die Reihen und ich bin entsetzt: „So winzig ist die? Die sieht man ja gar nicht, bevor sie einen beißt.“ Wozu braucht dieser Winzling überhaupt ein Gift, das einen Menschen umbringen kann? Als Beute kommen wir ja wohl nicht in Frage. Aber die Warum-Frage ist in Australien grundsätzlich unangebracht. Land und Tiere sind von einer irritierenden Maßlosigkeit geprägt. Am größten, am kleinsten, am giftigsten, am gefährlichsten - der Superlativ ist hier Standard. Ein kleines Kroko macht auch noch die Runde, dann grübeln Martin und ich gemeinsam mit einer Schar begeisterter Kinder, welches Tier denn nun das tödlichste sei und jährlich die meisten Opfer fordere. Taipan, Trichter- oder Rotrückenspinne, Tigerhai, Leistenkrokodil, Riesenrochen, Würfelqualle, Blaue Galeere – alles ambitionierte Kandidaten. Mich schauert bei diesem Schreckensszenario. Blauringoktopus, Tiger Snake und Todesotter, Agakröte, Steinfisch, Waran, Skorpion, giftige Ameisen und Raupen – auch verkehrt. Was wir auch vorschlagen, die Tierpflegerin schüttelt den Kopf. Wir kommen nicht drauf, welches Tier kann noch tödlicher sein als all die genannten? Es muss ein wahres Monster sein und wir lauern auf diesen Rekordhalter. Die richtige Antwort holt uns indessen schlagartig in die Realität zurück: Es ist das Pferd. Das Pferd ist das tödlichste der Tiere. Offenbar sterben mehr Menschen bei Reitunfällen und durch wild gewordene Gäule, als durch Giftschlangen oder gefräßige Krokodile. Irgendwie bin ich sehr erleichtert.
 
Ein Plexiglastunnel bietet uns danach eine tolle Perspektive auf sympathische Riesenschildkröten, imposante Rochen und Sandtigerhaie, die Grey Nurse Sharks. Mit einer Länge von etwa zwei Metern, dem eiskalt-verschlagenen Blick und der spitzen Nase über den zahnbewehrten Kiefern sehen sie sehr furchteinflößend aus. So lange man sie nicht provoziert, sollen sie aber friedlich sein und daher bietet das Aquarium für Mutige begleitete Tauchgänge in dem Haibecken an. Lust hätten Martin und ich ja schon zu dieser Mutprobe, allerdings soll das besondere Erlebnis auch einiges kosten. Daher verschieben wir es auf unseren nächsten Australienurlaub.
 
 
Auch aus dem Trockenen sind die Tiere gut zu beobachten. Besonders die Rochen lassen sich bewundern, wenn sie mit einer Spannweite von 1,60 Meter über den gerundeten Tunnel und damit dicht über unsere Köpfe hinweggleiten. Mit ausgebreiteten Flügeln bewegen sie sich mühelos und elegant durch das Wasser.
 
Heute spazieren wir noch über die Harbour-Bridge, die sich immerhin 1149 Meter lang über Sydneys Hafen erstreckt. Und auch durch Sydneys erstes Stadtviertel, The Rocks, bummeln wir, da sich die Sonne mittlerweile zurückgemeldet hat. Im Vorgarten eines kleinen Hauses steht eine Frangipani in voller Blüte. Der mittelgroße Baum, eigentlich in Mittel- und Südamerika zu Hause, ist übersät mit wächsernen, gelb-weißen Blüten, die Tropenexotik und Urlaubsflair atmen. Wer einen solchen Baum im Vorgarten hat, kann eigentlich nur entspannt und vergnügt durch sein Leben gehen. Ganz ohne Garten finden Martin und ich hingegen Entspannung und Vergnügen abends im Kino.
 
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Tag 20, Mittwoch 28.01.2009
Von Sydney nach Cairns an einem Tag
 
Blauer Himmel und Sonnenschein. Wieder mit der Fähre fahren wir zum Taronga Zoo. Diesmal können wir die Fahrt durch den Hafen Sydneys besser genießen. Vom dunkelblauen Wasser in den hellblauen Himmel ragt die Skyline der Stadt und die Segel der Oper strahlen heute weiß in der Sonne. Im Zoo starten wir mit den Koalas, arbeiten uns vom züngelnden Riesenwaran zu Freshie und Saltie vor, durchwandern das Reptilienhaus, sehen „normale“ und die seltenen Baumkängurus, erhaschen einen Blick auf das Schnabeltier sowie die Tasmanischen Teufel und lauschen Lachendem Hans, Kakadus und Loris.
 
Besondere Aufmerksamkeit verdient das quietschfidel durch das Wasser paddelnde Schnabeltier. Mein Dumont weiß Genaueres: Zusammen mit dem Schnabeligel gilt der Platypus als Überlebender einer evolutionären Zwischenstufe. Halb Reptil, halb Säugetier verfügen diese Tiere nicht über einen getrennten Geschlechts- und Ausscheidungsapparat und heißen daher unappetitlicher Weise Kloakentiere. Man darf annehmen, dass die Armen sich ihrer zweifelhaften Besonderheit nicht bewusst sind… Für die Naturwissenschaft sind diese Schnabeltiere jedoch eine echte Sensation. Sie kombinieren ein wasserdichtes Robbenfell mit einem platten Biberschwanz und einem Entenschnabel. Und obwohl sie Eier legen, werden ihre Jungen nach dem Schlüpfen gesäugt, wobei die Milch nicht aus Zitzen, sondern einfach aus der Haut austritt. Verrückter geht es eigentlich nicht. Als am Ende des 18. Jahrhunderts das erste Schnabeltier nach England kam, dachten die Biologen daher wohl, der Präparator hätte sich einen Scherz erlaubt und dieses Phantasiegebilde aus verschiedenen Versatzstücken zusammengesetzt.
 
Im Nachttierhaus erspähen wir dann noch zahlreiche springende, segelnde, kletternde und bodenständige Beuteltiere. Denn neben Kängurus, Wallabies, Possums und Wombats zählen auch noch Beutelratten, Beutelmarder, Beutelmäuse, Flugbeutler und weitere Tiere in die artenreiche Gattung der Beutelsäuger. Diese Gattung ist fast nur in Australien vorzufinden.
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Sie bildet eine Vorstufe zu unseren heimischen Säugetieren und verdankt ihr Überleben in Australien der jahrtausendelangen Isolation des Kontinents. Ähnlich wie die Eukalypten die australische Flora dominieren und auf die unterschiedlichsten Gegebenheiten spezialisiert sind, haben die Beuteltiere die ökologischen Nischen des Kontinents besiedelt. Im Nachttierhaus lernen wir nun also diejenigen unter ihnen kennen, die das Sonnenlicht scheuen. Die Räume sind hier nur spärlich beleuchtet, damit die nachtaktiven Tiere überhaupt zu sehen sind und nicht nur in ihren Verstecken schlafen. Am Tag wird ihnen hier also eine künstliche Nacht vorgegaukelt. Ob nachts dafür Licht eingeschaltet wird, damit sie in Ruhe schlafen können? Leider haben wir es eilig und ich kann dieser Frage nicht auf den Grund gehen.
 
Stattdessen ziehen wir weiter zu den Seeleoparden und Pinguinen. Die genießen mit Abstand die beste Aussicht des Zoos, ach was - die beste Aussicht von ganz Sydney: Weiße Segelboote kreuzen in der Bucht vor Opernhaus und Skyline. Einfach traumhaft, Pinguin müsste man sein…
 
 
Der Taronga Zoo ist riesig, wir könnten gut und gerne den ganzen Tag hier verbringen, aber leider geht das nicht. Denn um 17 Uhr geht unser Flieger nach Cairns. Nach vier Tagen in Sydney heißt es wieder Sachen packen und weiter. Die Fluggesellschaft Virgin Blue bringt uns heil und pünktlich in den Nordosten Australiens und selbst unser Gepäck kommt gleichzeitig mit uns an - wir sind sehr dankbar!
 
Empfangen werden wir vom tropischen Queensland spätabends mit 29 Grad und Regen, also dem typischen Wetter für diese Jahreszeit. Bei einer mittleren Temperatur von 29 Grad kann ein durchschnittlicher Januar in Cairns mit 17,8 Regentagen aufwarten. Na herzlichen Glückwunsch, das ist ja wie der Juni in Hamburg. Aber wir wollen von Cairns aus das Great Barrier Reef erkunden, da nimmt man solche Zahlen in Kauf.
 
 
Tag 21, Donnerstag 29.01.2009
Von big brekky bis Abendbrot
 
Schweißgebadet wachen wir morgens in unserem Hostel auf. Unser Zimmer hat zwar eine Klimaanlage, die nicht einmal wie in Camden die Geräusche eines Mähdreschers imitiert. Trotzdem haben wir sie abgestellt, als der penetrante Geruch nach toter Katze unerträglich wurde. So richtig Glück haben wir mit den Klimaanlagen in diesem Land nicht. Und mit den Zimmer-Kühlschränken auch nicht, wir haben es doch tatsächlich schon wieder geschafft, unseren über Nacht abzutauen. Dabei haben wir ihn nur von Stufe 5 auf Stufe 2 heruntergestellt, aber für eine mittlere Zimmerflutung war das schon ausreichend. Also wieder wischen, dafür ist jetzt wenigstens der Fußboden sauber.
 
Wir wollen sechs Tage in Cairns bleiben und gehen den heutigen Tag daher ausnahmsweise ganz entspannt an. Wobei sich alles andere wegen der hohen Temperatur und der noch höheren Luftfeuchtigkeit auch von allein verbietet. Wenn es nicht regnet, schwitzt man; nass ist man in jedem Fall. Zur Stärkung kocht Martin uns ein spätes und opulentes big brekky mit Speck und Eiern. Danach erkunden wir Cairns. Das geht schnell, denn der Ort ist recht klein und eher unattraktiv. Hafen und Strandpromenade sind noch das netteste. Obwohl Cairns am Meer liegt, ist von selbigem nicht viel zu sehen. Schlammiges Watt erstreckt sich vor uns, es ist Ebbe. Doch auch bei Flut sollte man nicht unbedingt ins Wasser hüpfen, wenn der Strand nicht durch Netze vor Würfelqualle gesichert ist. Im Sommer, also jetzt, tauchen manchmal ganze Schwärme dieser Quallen in Strandnähe auf.
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Die Nesselzellen der Seewespe sind mit einem extrem starken Gift ausgestattet. Wenn sie einen blöd erwischen, kann das Atemzentrum gelähmt werden und das Opfer sterben. Ansonsten tun die Verätzungen einfach grauenvoll weh und hinterlassen unschöne Narben. Und wie so oft in Australien sind es keine monströsen, roten Feuerquallen, die man erkennen könnte, bevor sie einen zu Tode quälen. Vielmehr sind es durchscheinende, nur etwa 20 cm große Tierchen, deren meterlange Tentakeln einen Kontakt mit ihnen aber nicht ganz unwahrscheinlich machen. Ganz schön unheimlich. Um den zahlreichen Touristen trotzdem ein wenig Abkühlung zu bieten, gibt es in Cairns eine künstlich angelegte Lagune. Ein bisschen seltsam ist es hier zwar schon, aber auch Martin und ich machen uns einen faulen Tag an dieser artifiziellen Badestelle.
 
Später geht es zum Einkaufen ins klimatisierte Einkaufscenter. Die Straße dorthin ist mit kleinen Bäumen gesäumt, Cocky Appels. Aus den kleinen weißen Blütenkelchen ragen gut hundert Staubfäden wie feine Fühler heraus. Sie beginnen weiß, sind ab der Mitte rosa gefärbt und enden in einem gelben Punkt, den Pollen. Diese filigranen Kunstwerke der Natur ernten unsere Bewunderung, da bleiben selbst wir Nicht-Botaniker stehen.
 
Im Hostel kreieren wie einen riesigen bunten Salat mit Garnelen und allem, was das Herz begehrt. Und manchem, was es nicht begehrt: Ein Käfer verirrt sich in unser Abendessen, diesmal leider auf meinen Teller, brrr.
 
 
Tag 22, Freitag 30.01.2009
Von anonymem Kreischen, Summen, Surren und Klopfen
 
Heute reicht die Zeit nur für ein schnelles Frühstück. Um 9 Uhr nehmen wir die Kuranda Scenic Railway, eine altmodische Eisenbahn, die uns gemeinsam mit vielen anderen Touristen ins Hinterland von Cairns bringt, ins Atherton Tableland. Die 34 Kilometer lange Strecke führt kurvenreich durch 15 Tunnel und über 40 Brücken, eröffnet Perspektiven auf das Meer und die Barron Falls, führt eng an Felswänden vorbei und durch sattgrünen Regenwald. Nach eineinhalb Stunden dieser wirklich schönen Zugfahrt fahren wir unter baumhohen Farnen in den Bahnhof von Kuranda ein. Das wäre doch eine schöne Begrünungsidee für deutsche Bahnhöfe.
 
 
Mitten im Regenwald gelegen ist Kuranda dank zahlreicher Cafés und Souvenirshops ganz auf Touristen eingestellt. Die meisten von ihnen schaffen es nur bis zum ersten Restaurant, wo sie bei Pommes und Cola die zwei Stunden bis zur Rückfahrt verbringen. Wir möchten etwas mehr sehen und begeben uns nach einem Eiskaffee auf den ausgeschilderten Jungle Walk. Natürlich sind wir fast allein unterwegs.
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Nur wenige Kilometer lang führt der Weg durch den Regenwald und doch gibt es hier wieder einiges zu entdecken für uns. Farbenfrohe Schmetterlinge flattern hier, unter anderem sehen wir einen Cairns Birdwing, einen Schwalbenschwanz. Auf seiner Brust prangt ein rotes Mal, sein Körper ist gelb und auf seinen Flügeln werden hellblaue, türkise und gelbe Flächen von strengen schwarzen Konturen begrenzt. Aber auch eine Gruppe strahlend blau-schwarzer Libellen lässt sich bei ihrem Sonnenbad beobachten. Neben diesen Insekten überraschen wir einen Australian Brush-Turkey, ein Buschhuhn. Dieser komische Truthahn ist etwa 70 cm groß und hat, weil es sich um ein Männchen handelt, neben den schwarzen Rumpf- und Schwanzfedern einen kahlen, roten Kopf und Hals und einen gelben Kehlkopf. Er pickt aufgeregt an einem Apfel und ist insgesamt ein eher hässlicher Geselle.
 
Je tiefer Martin und ich im Regenwald verschwinden, desto lauter wird es um uns herum, eine Geräuschkulisse aus Rascheln, Kreischen, Summen und Sirren umgibt uns. Wer oder was diese Laute verursacht, lässt sich im Einzelnen gar nicht feststellen. Ein bisschen skeptisch ziehe ich mir meinen breitkrempigen Hut tiefer in Gesicht und Nacken - nur für den Fall, dass mir ein Musikant aus diesem tierischen Orchester auf den Kopf fallen will. Der Rückweg führt uns dann an einem breiten Fluss vorbei. Wir sind uns sicher, dass sich jede Menge hungrige Krokodile in den braunen Fluten verbergen und halten großzügig Abstand.
 
Für den Rückweg nach Cairns nehmen wir die Skyrail Rainforest Cableway, die mit 7,5 Kilometern längste Seilbahn der Welt. Hoch über den Baumkronen des Regenwalds gondeln wir dahin und überqueren dabei auch den sicher krokodilverseuchten Fluss, zum Glück ohne abzustürzen. Die Vogelperspektive auf den Wald ist spannend, zumal wir unsere Fahrt zwei Mal unterbrechen können und auf kleinen Lehrpfaden durch den Dschungel geführt werden. Dabei lohnt es sich, den Blick überall zu haben, denn der Wald ist vom Boden bis in die Kronen belebt. Ein Riesenschreck durchfährt mich allerdings, als mein neugieriger Blick dabei auf eine gut vier Zentimeter große Spinne fällt, die in ihrem überdimensionalen Netz über dem Weg vor uns hängt. Igitt, mich schüttelt es, bei Spinnen hört der Spaß bei mir echt auf.
 
In unserem Hostel buchen Martin und ich voll Unternehmungslust eine Rifftour. Deswegen sind wir immerhin hauptsächlich hier. Wir entscheiden uns für eine Segeltour zum Green Island am morgigen Tag und stellen den Wecker auf sechs Uhr.
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Tag 23, Samstag 31.01.2009
Von Haarbändern, Haien und Gorgonzolasauce
 
Ziemlich müde begeben wir uns morgens zum Pier. Die dicken grauen Wolken und der stetige Regen heben unsere morgendliche Laune nicht gerade. Wir stellen uns mental schon auf schweren Seegang und Mann-über-Bord-Manöver ein, da wird unsere Tour wegen Unwetter abgesagt. So ganz böse sind wir ja nicht, aber was machen wir jetzt mit dem trüben Tag? Weil wir schon einmal da und von dem warmen Regen eh schon durchgeweicht sind, hüpfen wir in die Lagune. Die haben wir um 7.30 Uhr an diesem verregneten Samstag ganz für uns alleine. Und deshalb trainiere ich in der Sicherheit des klaren Lagunenwassers meine Schnorchelkünste. Ich war nämlich noch nie richtig Schnorcheln und so ganz geheuer ist mir die Sache noch nicht. Ich durchpaddele also fleißig die Lagune und studiere aufmerksam den sauberen Boden des Schwimmbeckens. Ziemlich langweilig, nicht einmal die Sichtung eines verlorenen Haarbands kann ich vermelden. Stattdessen beschleicht mich das ungute Gefühl, dass sich, sobald ich den Blick abwärts richte, direkt vor mir ein zähnefletschender Hai aufbaut. Na das kann ja was werden, wenn wir übermorgen tatsächlich im Meer schnorcheln. Für morgen ist nämlich auch Mistwetter angesagt.
 
Unser Tag verläuft völlig ereignislos. Wenig motiviert begeben wir uns in das kleine Museum der Geschichte von Queensland. Doch schon der muffige Vorraum wirkt selbst so museal und renovierungsbedürftig, dass wir keine Lust mehr haben. Also stöbern wir ein bisschen in den Souvenirshops, essen trotz des Regens ein Eis, schreiben ein paar Postkarten und finden uns unversehens in einem Tour-Buchungscenter wieder, wo ein enthusiastischer junger Mann unsere Tropen-Lethargie schamlos ausnutzt. Gegen die Raftingtour und den Fallschirmsprung können wir uns noch durchsetzen, aber mit dem Krokodilabenteuer hat er uns dann erwischt. „Warum nicht, machen Sie man“, stimmen wir zu. Bei Pasta in Gorgonzolasauce kommen wir am Abend wieder zur Besinnung. Zum Glück haben wir uns nicht den Fallschirmsprung andrehen lassen, bei dem Wetter. Auf die Krokodile sind wir doch gespannt.
 
 
Tag 24, Sonntag 01.02.2009
Von schlecht gelaunten Handtaschen und australischem Humor
 
Der Himmel ist hellgrau und es regnet nur wenig. Warm ist es sowieso. Brav treten wir gegen Mittag unser gebuchtes Crocodile Adventure an. Da die Gummitiere wasserfest sind, fällt es auch nicht aus und mit dem kleinen Tourbus geht es zu einer nahe gelegenen Krokodilfarm, wo Krokos für Handtaschen gezüchtet werden. Dafür werden sogar Eier aus wilden Gelegen genutzt, welche die Bauern sich für einen stattlichen Preis abkaufen lassen, wenn sie sie auf ihren Äckern finden. Und trotzdem soll die Farm dem Schutz der freilebenden Krokodile dienen.
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Denn könnten sie die Eier nicht verkaufen, würden die Bauern die Gelege zerstören. Und das begehrte Krokodilleder käme nicht von Farmen, sondern von Wilderern. Die Erklärung unseres Guides klingt logisch. Aber kurbelt nicht das Angebot auch die Nachfrage an? So ganz sicher sind wir uns nicht, ob er Recht hat. Auf der Farm gibt es Krokodile in allen Alters- und Gewichtsklassen. Eine Gruppe Jungtiere hat, so unserer Guide, gerade genau die richtige Größe, um aus ihrer Haut schöne Handtaschen herzustellen. Ein kleineres Exemplar mit zugebundener Schnauze darf angefasst werden: kühl, wie Gummi und schon jetzt sehr kräftig, der Kleine. Missgelaunt fixiert er uns aus seinen bräunlich-gelb marmorierten Augen mit den zu schmalen Schlitzen verengten Pupillen. Wahrscheinlich schmiedet er blutige Vergeltungspläne, um sich dereinst für das demütigende Zuschnüren seiner kräftigen Kiefer zu rächen. Wir sind hoffentlich nicht da, wenn es so weit ist.
 
Nach der Farmführung fahren wir mit einem Boot auf einen trüben, grünen Krokodilteich. Die ausgewachsenen Monster werden mit Hühnerfleisch geködert. Unsichtbar schwimmen sie unter Wasser heran, bis sie plötzlich hervorschnellen und zuschnappen. Dabei katapultieren sie ihre massigen Körper gut zwei Meter aus dem Wasser. Nicht ohne Grund ist es an Bord verboten aufzustehen, denn leicht könnten die Tiere das schnöde Hühnerfleisch ignorieren und eine viel größere und lohnendere Beute ins Visier nehmen.
 
 
Wir spazieren über das weitläufige Gelände. Neben den Zuchtkrokos gibt es ein paar Wallabies und Koalas, die muss wohl jede australische Touristeninstitution haben. Sie sind aber auch jedes Mal wieder super. Außerdem stakt ein langbeiniger, weiß-braun gefiederter Vogel durch das Gras. Bei unserem Anblick bleibt er wie versteinert stehen. Das ist seine Spezialität, es ist nämlich ein Bush stone-curlew, ein Langschwanztriel. Wenn er sich bedroht fühlt, erstarrt er in den seltsamsten Verrenkungen zur Salzsäule. Leider scheint das Totstellen keine besonders effektive Taktik zu sein; der Fortbestand seiner Art gilt als bedroht. Auch eine andere bedrohte Vogelart wollen wir hier eigentlich gerne noch sehen. Aber das Gelände der Helmkasuare ist leider versperrt. Diese scheuen, wenig erforschten Waldvögel sind flugunfähig wie Emus und ähnlich groß. Sie besitzen eine dolchartige Kralle an ihren Stelzenfüßen, mit denen sie durchaus einen Menschen aufschlitzen könnten. Ich hätte auch ohne dieses Mordinstrument Respekt vor ihnen, immerhin sind ausgewachsene Helmkasuare größer und deutlich schwerer als ich.
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Gesehen hätte ich sie trotzdem gerne, aber die heben wir uns für die nächste Reise auf. Dafür lernen wir ein paar „Problemkrokodile“ kennen, die in freier Wildbahn zu viel Schaden angerichtet haben und deshalb hier in Gefangenschaft leben müssen. Info-Tafeln geben Auskunft über jedes einzelne Tier, wie groß, wie schwer und wie alt es ist, wie es heißt und was es verbrochen hat. Dabei gehen die lockeren Australier mit solchen Tragödien manchmal ganz schön humorvoll um: Martin und ich prusten vor Lachen, als wir über das vier Meter lange, 400 Kilo schwere Krokodilmännchen Sollie lesen, es sei „named after the dog he ate on New Year’s Day, 1988.“ Eine fantastische Namenswahl.
 
Ein weiterer Programmpunkt im Park ist die Crocodile Attack Show. Klingt großspurig, ist aber wirklich ganz spannend und interessant. Nicht zu sehen in der trüben Suppe eines kleinen Wasserlochs liegt Bob, schlechtgelaunt und hungrig, wie sich das gehört für ein Krokodil. Obwohl ich weiß, dass es gleich passieren wird, zucke ich heftig zusammen, als das gut drei Meter lange Untier aus dem Wasser schnellt und seine riesigen Kiefer zuschnappen lässt. Von seinem verhassten Tierpfleger lässt es sich zu Todesrolle und Verfolgungsmanövern provozieren. Aber immer wieder schafft es Bobs barfüßige, plappernde Beute in letzter Sekunde hinter das schützende Gitter zu hechten. Bob ist frustriert. „He hates me“, freut sich hingegen sein lässiger Pfleger.
 
Abends bieten die dicken Regenwolken über Cairns ein sehenswertes Schauspiel. Tief hängen sie über Land und Meer und umschließen die nahen Hügel, während sich die Lichter der Cafés in den nassen Bohlen der Promenade widerspiegeln. Eine Sinfonie in blau. An unserer morgigen Rifftour beginnen Martin und ich aber angesichts der bedrohlichen Schönheit zu zweifeln.
 
 
 
Tag 25, Montag 02.02.2009
Von Verzweiflungstaten, Koalafleisch und Hochprozentigem
 
Wieder klingelt der Wecker um sechs Uhr. Und wieder wird unsere Buchung storniert. Wir wollen es morgen wieder versuchen, einen Tag haben wir noch in Cairns. Sollten wir etwa tatsächlich so ein Pech haben und es eine ganze Woche nicht zum Riff schaffen? Es ist zum Verzweifeln. Da das aber nicht zu uns passt, schlagen wir den altbekannten Weg zum Tour-Büro ein und buchen für den Nachmittag die Raftingtour. Bei so viel Regen in den letzten Tagen sollte eine Wildwasserfahrt immerhin eine sichere Sache sein, oder doch nicht? Gegen Mittag erreicht uns die Hiobs-Botschaft: „Sorry, it’s cancelled. Too much water in the river...“ Zu viel Wasser für das Wildwasser-Adventure? So langsam bekommt selbst unser Optimismus Sprünge. Was machen wir denn jetzt? Wir studieren noch einmal gründlich unseren Reiseführer. Und fahren dann mit dem Bus ins Besucherzentrum des Royal Flying Doctor Service von Queensland. Es liegt in einem ruhigen Wohnviertel und wir sind die einzigen Besucher des kleinen Museums, werden dafür aber umso herzlicher von dem ehrenamtlichen Mitarbeiter empfangen. Ein kleiner Film und zwei Räume mit historischem Material, Informationen und Fotos belegen die Geschichte der australischen Kult-Institution.
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Sie wurde 1928 von dem Pfarrer John Flynn gegründet, der damals noch zu Kamel seine Krankenbesuche unternahm. Heute können die Maschinen der flying doctors jeden Punkt in Australien binnen zwei Stunden erreichen. Das will bei diesem Land schon etwas heißen! Vor allem Martin als angehender Arzt ist beeindruckt. Zum Anfassen und Ausprobieren lädt eine kleine Beechcraft aus den 70ern ein, die im Garten des Museums steht. Wir klettern in die ausgemusterte Maschine, die noch original mit Arztkoffer, Liege und urtümlichen Defibrillatoren ausgestattet ist. Ein paar Spinnenweben wohnen hier freilich auch.
 
Nach unterhaltsamen zwei Stunden sind wir rechtzeitig im Stadtzentrum zurück, um uns im Dundee’s ein ganz besonderes Dinner zu gönnen. Nach einem Tapasteller zur Vorspeise wollen wir es wissen und bestellen den bunten Australien-Teller: Krokodil- und Kängurufleisch am Spieß, eine Wurst aus Emufleisch, ein kleines Barramundi-Filet und ein Koala-Steak. So zumindest erklärt die Bedienung, was wir da auf unseren Teller haben. Sprach’s und ging davon. Martin und ich gucken uns alarmiert an: Koala? Haben wir wirklich Koala bestellt, stand das in der Karte? Ich kann mich nicht mehr erinnern. Gerade als wir beschließen, dass man, wenn man Känguru ist, wohl auch Koala essen kann, kommt die Bedienung herbeigestürzt: „It’s buffalo!“, korrigiert sie aufgeregt ihren Irrtum. Stimmt, das war’s, buffalo stand noch auf der Karte. Ein wenig erleichtert sind wir schon. Den Schrecken spülen wir mit einer Flasche Pertaringa Shiraz Undercover hinunter: dunkelrot, fast dickflüssig und sehr, sehr kräftig im Geschmack. Ob der gute Topfen mit einem Alkoholgehalt von 15% in Frankreich noch als Wein durchgehen würde, wage ich zu bezweifeln. Der hat wohl die ganze Portion australischer Sonne abbekommen. Auf jeden Fall schmeckt er uns ganz hervorragend und gewinnt unsere Herzen für die hiesigen Lagen. Ab jetzt werden wir unser Bier zum barbie häufiger durch einen Wein ersetzen. Zum Nachtisch gibt es auf dem Heimweg noch ein Eis, bevor wir beschwingt unsere Sachen packen. Denn morgen ist unser letzter Tag in Cairns, am frühen Abend geht der Flieger nach Melbourne. Vorher wollen wir aber noch zum Riff, hoffentlich fällt die Tour nicht wieder aus!
 
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Tag 26, Dienstag 03.02.2009
Von Außerirdischen und Unterwasserweltlern
 
An das Weckerklingeln haben wir uns jetzt schon gewöhnt. Wir verstauen unser Gepäck im Abstellraum und gehen zum Hafen. Der Himmel sieht nicht viel anders aus als die letzten Tage, grau und regnerisch, daher können wir es gar nicht fassen, dass unser Schiff tatsächlich ablegt. Eine sonnige Überfahrt ist es nicht, aber besser als nichts. Erster Stopp ist Green Island. Hier mieten wir einen stinger suit, einen Ganzkörperanzug aus Lycra, der gegen Würfelquallen schützen soll. Mit Flossen, Taucherbrille und Schnorchel watscheln wir dann wie sympathische blaue Marsmännchen ins Wasser. Die Korallen rund um die Insel sind durch die vielen Touristen, die die festlandnahe Insel besuchen, leider schon stark beschädigt. Aber spannend ist es allemal, unter uns tut sich eine ganz andere Welt auf und einige seltsame Fische kreuzen unter uns entlang.
 
Vom abgelegenen Outer Reef erhoffen wir uns mehr. Unser Schiff lädt uns auf einem Ponton ab, von dem aus wir die Unterwasserwelt erkunden. Hier draußen scheint jetzt sogar die Sonne. Leider ist die Sicht unter Wasser trotzdem sehr eingeschränkt; der Regen hat dem Plankton wohl einen Wachstumsschub versetzt. Durch diesen Grünschleier sehen wir aber dennoch die verschiedensten Korallen. Mal befinden sie sich dicht unter uns, mal fällt das Riff ab in eine unheimliche, dunkle Schlucht. Über die Korallen flitzen bunte Fische. Den Clownfisch können wir Nemo sei Dank bestimmen, ansonsten müssen wir nachlesen: Anemonenfische, Barsche, Doktor-, Lipp- und Falterfische sind eine Wissenschaft für sich. Hübsch anzusehen sind sie zum Glück auch dann, wenn man ihre Namen nicht kennt. Bei dieser Ablenkung vergesse ich auch mein mulmiges Hai-Gefühl. Martin versucht zwischendurch unter Wasser Fotos zu machen. Dafür haben wir uns in Hamburg eigens eine wasserdichte Umhängetasche aus Plastik gekauft, mit Sichtfenster zum Durchfotografieren. Der Spaß hat uns 50 Euro gekostet – der teuerste Gefrierbeutel unseres Lebens, scherzen wir. Immerhin: Die Kamera bleibt wie versprochen trocken. Aber die Fotos lassen trotzdem zu wünschen übrig, das Handling von Beutel und Kamera ist gar nicht so einfach unter Wasser. Nach ein paar Stunden verlassen wir die künstliche Insel und schippern zurück in den Hafen. Dort schnappen Martin und ich uns das nächstbeste Taxi und düsen mit Zwischenstopp beim Hostel zum Flughafen. Geschafft, das war knapp. Einchecken und ab nach Melbourne, wo wir den Weg zum Hostel jetzt schon kennen. Nach der entspannten Woche im Doppelzimmer sind jetzt im 8-Bett-Zimmer wieder starke Nerven und Ohropax gefragt.
 
 
Tag 27, Mittwoch 04.02.2009
Von Heimkehrern und Nationalhelden
 
Standesgemäß beginnen wir unseren zweiten Melbourne-Aufenthalt im Galleon und fühlen uns schon wie zuhause. Das drunken sailor’s big brekky lässt keine Wünsche offen, höchstens den nach einem Verdauungsschnäpschen. Danach erkunden wir die Docklands, Melbournes Hafenviertel, bis uns die Mittagshitze ein zweites Mal ins Stadtmuseum treibt. Diesmal verlieren wir uns bis Ladenschluss in den Abteilungen Mind and Body und Stadtgeschichte. Irritiert stehen wir dort vor einem ausgestopften australischen Nationalsymbol: dem Rennpferd Phar Lap, das in den späten 20er und frühen 30er Jahren jede Menge Rennen gewonnen hat, darunter den Melbourne Cup. Er war offenbar der Stolz der Nation. Um den frühen Tod des Wallachs ranken sich Verschwörungstheorien und wir gewinnen den Eindruck, dass wir vor dem Kennedy down unders stehen. Etwas grotesk erscheint mir, dass die ausgestopfte Hülle des armen Gauls in Melbourne zur Schau gestellt wird, während sein Knochengerüst das Nationalmuseum seiner Heimat Neuseeland bereichert und sein 6,2 Kilo schweres Sportlerherz in Canberra zu finden ist. Das nenne ich postumen Ruhm.
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Am Federation Square genießen wir die Abendsonne, kaufen Steaks, Gemüse, Wein und Muffins und suchen uns im Albert Park einen öffentlichen Grill. Mit Blick auf See und Stadtsilhouette bereiten wir uns ein perfektes Dinner bei Sonnenuntergang. Das Leben kann ja so schön sein.
 
 
Tag 28, Donnerstag 05.02.2009
Von Meer-, Sand- und Sonnenbädern
 
Was für eine Enttäuschung: Martin hatte sich schon so auf das Wiedersehen mit dem Fliegenkiller gefreut, stattdessen wird uns heute ein Mitsubishi Pajero zuteil. Auch nicht verkehrt, aber im Vergleich schneidet er doch deutlich schlechter ab. Obwohl er so groß ist, hat man nicht besonders viel Platz im Innern. Aber gut, er fährt und das auf einer ganz besonderen Strecke: Die Great Ocean Road südwestlich von Melbourne gilt als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt. Von Torquay bis Warrnambool führt sie rund 300 Kilometer an der Küste entlang und gewährt immer wieder neue und reizvolle Ausblicke auf Steilküste, Strände, Felsen und Meer.
 
Aus Melbourne finden wir heute problemlos heraus: Das gebuchte Navi ist diesmal wirklich an Bord und leitet uns zuverlässig Richtung Torquay. Völlig geschmacksneutrale, dafür extra fettige fish and chips müssen als schneller Mittagsimbiss herhalten. Entschädigung verspricht der Besuch am Strand. Wir blicken auf das dunkelblau leuchtende Meer und merken einmal wieder, wie gut es uns geht. Einen echten Strand-Stopp legen wir aber erst in Anglesea ein. Der Wind pfeift uns jetzt ganz schön um die Ohren, trotz der Sonne ist mir ein wenig kühl. Deshalb rolle ich mich am Strand in mein Handtuch und döse vor mich hin, während Martin schwimmen geht. Als er mich eine Viertelstunde später weckt, bin ich porentief sandig, die feinen Körner haben ihren Weg selbst unter die Kleidung gefunden, kleben am Rücken und rieseln aus den Haaren. Zehn Minuten später und Martin hätte mich aus einer Düne ausbuddeln müssen.
 
Unterwegs kreuzt ein Schwarm Gelbhaubenkakadus unseren Weg. Es sind strahlend weiße Tiere mit einem kräftigen grauen Schnabel und namengebenden gelben Kopffedern, die sie manchmal angeberisch aufstellen. Mit wachem Blick posieren sie in den Bäumen, als ich sie porträtiere, aber den gelben Kamm wollen sie mir zuliebe nicht zeigen.
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Die Küstenstraße will langsam befahren werden. Nicht nur wegen der spektakulären Aussichten, von denen wir nicht genug bekommen können, sondern auch weil sie sich in engen Kurven an die ins Wasser abfallenden Hügeln anschmiegt. Alle hundert Meter zeigen Warnschilder an, dass eine besonders kurvige Strecke bevorsteht. Unser nächster Halt ist ein kleiner Leuchtturm am Split Point in der Nähe des Ortes Lorne. Schlank und weiß ragt er in den blauen Himmel und sieht mit seiner roten Pudelmütze sehr nett aus. Wir wandern eine halbe Stunde durch die windgebeugten Büsche und Sträucher und fahren weiter.
 
Etwas zu früh für unseren Geschmack wird es heute dunkel: Graue Wolken ziehen auf und schirmen die Abendsonne ab. Es wird doch nicht etwa regnen? Ganz so schlimm kommt es nicht, aber in Apollo Bay suchen wir uns ein kleines Motel, um eine ruhige und trockene Nacht zu verbringen. Vorher schwebt uns aber noch ein Restaurantbesuch vor, Seafood soll es sein, hmm lecker. Unternehmungslustig tigern wir durch die Hauptstraße des bescheidenen Touristenstädtchens und studieren die ausgehängten Speisekarten. Klingt alles sehr schmackhaft. Als wir jedoch das Lokal unserer Wahl betreten, macht uns die Kellnerin schnell klar, dass hier um 21 Uhr die Bordsteine hochgeklappt und die Küchen geschlossen werden. Sie macht uns wenig Mut, heute noch Garnelen zu speisen und verweist uns an eine einfache Pizzeria, die mit etwas Glück noch geöffnet sei. Und wir haben Glück. Wir sind zwar die einzigen und letzten Gäste, aber der sympathische Koch gibt sich mit unseren Pizzen besonders große Mühe. Mit Martin hat er aber auch einen dankbaren Abnehmer gefunden: Einmal The Lot, die Hauspizza mit allem, was die Küche zu bieten hat, in Größe L, bitte! Ich begnüge mich mit einer medium Salami. Keine Meeresfrüchte, aber auch sehr gut.
 
 
Tag 29, Freitag 06.02.2009
Von hemmungslosen Blutsaugern, perfiden Wallabies und steingewordener Gelassenheit
 
Der erste Halt des Tages ist einer der vielen scenic lookouts. Aus etwa 20 Metern Höhe schauen wir auf die Küstenlinie. Wie Perlen auf der Schnur wechseln sich langgezogene, schmale oder tief ausgeschnittene Buchten ab. Weiß schäumend laufen die Wellen in kurzen Abständen auf den Strand und zeichnen in der Sonne schnell verblassende Bögen in den Sand. Nach ein paar Metern erheben sich dann die erstaunlich grünen Hügel. Auf den sandigen, kargen Bögen wachsen windgebeugte Büsche und Sträucher mit knorrigen Stämmen und Ästen. Wer hier lebt, muss mit dem Wenigen auskommen, das das Land hier zu bieten hat, nämlich Sand, Wind und Sonne. Davon gibt es dafür reichlich.
 
Die Aussicht auf ein Bad in der Brandung ist verlockend. Unsere Badesachen haben wir heute Morgen gleich angezogen, deshalb schnappen Martin und ich uns nur noch ein Handtuch und machen uns an den Abstieg. Ein schmaler Sandweg führt zwischen den Büschen entlang nach unten. Gleich zu Beginn lässt uns eines der typisch australischen Warnschilder aufmerken, weil es leider nicht vor Wombats, Koalas oder Kängurus, sondern vor Schlangen warnt.
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Ich nehme das verkratzte Schild ernst; ich kann mir gut vorstellen, dass ein paar von den Viechern hier ihre Bleibe haben. Und bestimmt sind wir heute Morgen die ersten, die sie wecken. Also Vorsicht. An einer Weggabelung biegen wir falsch ab, der schmale Pfad verliert sich im Gebüsch. Aber sein Gegenpart führt uns zum Strand. „Schön hier“, können wir gerade noch denken, da stürzen sie sich auf uns: Ein kleiner Schwarm ausgehungerter australischer Bremsen begrüßt uns stürmisch. Wir haben schon vereinzelt mit ihnen Bekanntschaft gemacht, an sonnigen Stränden scheinen sie besonders aktiv zu sein. Und solange man sie nicht getötet hat, geben sie es nicht auf, einen zu beißen. Und so ein Bremsenbiss tut erstaunlich weh. Mit Mundwerkzeugen wie winzige Säbel, so können wir später nachlesen, reißen und schneiden die Bremsen Fleischstückchen aus ihrem Opfer. Das austretende Blut lecken die Tiere genüsslich auf. Das ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch eklig. Und jetzt sind wir gleich einem ganzen Dutzend der dicken, schwarzen Blutsauger ausgeliefert. Mit Handtuch und Händen panisch um uns schlagend, rennen wir über den Strand. Von oben muss es ein amüsantes Schauspiel sein. Der Busladung britischer Rentner, die hoch über uns gerade den scenic lookout beschlagnahmt, bieten wir wahrscheinlich eine grandiose Vorstellung plötzlich auftretenden Wahnsinns, mit wütenden Schreien, hilflos fuchtelnden Armen und wild ausschlagenden Beinen. Es ist vollkommen aussichtslos, hier können wir nicht bleiben. In Rekordzeit stürmen wir den Weg bergauf zurück; auf Schlangen können wir jetzt keine Rücksicht mehr nehmen, wir haben schlimmere Feinde. Sie haben blutgeleckt und verfolgen uns bis zu unserem Mitsubishi. „Autoschlüssel, wo ist der Autoschlüssel!“ Schnell rein und Tür zu. Uff, das war knapp. Wutschnaubend vor Enttäuschung über die entgangene Beute setzt sich ein besonders großes, ekliges Exemplar auf unsere Windschutzscheibe. Mit dicken Facettenaugen stiert es uns bedrohlich an. Aber jetzt sind wir dran, der Scheibenwischer verschafft Abhilfe und Genugtuung: „Nimm das, du Mistvieh!“
 
Nach diesem Ereignis führt unsere Tagesetappe zunächst durch den Otway Nationalpark. Statt Meeresblau umgibt uns jetzt zu beiden Seiten des Autos dichtes Grün. Bis zur Straße und darüber hinaus reichen die Farne und Sträucher. Ein Wallabie jagt uns einen Schrecken ein, als es gerade in dem Moment bis genau an den Straßenrand hüpft, als wir an ihm vorbeirauschen. Als wäre es Absicht gewesen. Und wer weiß, vielleicht prahlt es abends vor seinen Wallabie-Kumpels: „Hey mates, heute habe ich wieder zwei Touristen erschreckt. Die Gesichter hättet ihr mal sehen sollen!“
 
Gar nicht plötzlich, sondern ganz wie erwartet taucht unser nächstes Ziel vor uns auf: die zwölf Apostel. Egal wie viele Bilder man vorher von ihnen gesehen hat, egal mit wie vielen anderen Touristen man sich den Aussichtspunkt teilt: Wenn man dort steht, mit Wind im Gesicht und Sonne auf der Haut, ist die Felsformation ein unvergesslicher Anblick. Porös und trocken, in horizontalen Schichten von einem sandigen Ocker bis zu einem ausgeblichenen Weiß stehen die Brocken in den brechenden Wellen, so rau und so schön.
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Wie ein Sinnbild der Gelassenheit ragen die Felsen aus dem Meer, als könne das Tosen von Wind und Salzwasser ihnen nichts anhaben. Blau, türkis und weiß schwappt es unbeachtet um sie herum. In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall. Ständiger Wellengang setzt dem Sand- und Kalkstein des Festlands unablässig zu, spült Höhlen aus und lässt Klippen herabbrechen. Und wenn der Zufall es will, bleibt ein Teil des ehemaligen Festlands als Felsnadel vor der neuen Küstenlinie stehen. Phantastische Formen sind so entstanden, schlanke Minarette, schwere Kathedralen, hohe Bögen und niedrig geduckte Buckel. Und es geht weiter, denn das Meer lässt nicht locker. Erst 2005 ist ein Pfeiler der zwölf Apostel in sich zusammengestürzt. Und bestimmt schält sich ein Ersatz bereits aus dem Stein heraus.
 
Hier ist es schön, hier bleiben wir. Eine sonnige Holzbank wird für ein kleines Nickerchen auserkoren. An einem so tollen Ort muss man, übervoll mit Eindrücken und Bildern, auch mal pausieren, die Augen schließen und das Gesehene sacken lassen. Erst darf ich die Augen zu machen, während Martin mich vor Mücken und Bremsen beschützt, die auch hier vereinzelt auf Stippvisite vorbeikommen. Dann wird getauscht. Gut, wenn man sich aufeinander verlassen kann.
 
Nach ein paar Kilometern wartet schon die nächste Attraktion auf uns. Auf einer Länge von 150 Metern hat das Meer die Küste unterspült, doch noch hält der Kalkstein größtenteils, nur vor unseren Füßen öffnet sich ein tiefer Krater. Der weiße Sand am Boden leuchtet hell aus dem dunkelblauen Wasser, das sich seinen Weg bis hierher gebahnt hat.
 
Spätmittags legen wir einen Badestopp in Port Campell ein. Die Sonne scheint, das Wasser ist ruhig, wenn auch nicht ganz klar. Vorsichtig wie immer versuche ich trotzdem zu erkennen, wo ich unter Wasser hintrete. Martin ist da forscher und findet meine Sorgen übertrieben, als ich ihn auf etwas hinweise, das sich etwa zwei Meter vor uns auf dem Meeresboden befindet. „Das ist nur ein Stein. Und daneben liegt ein Stock, weiter nichts“, tut er meine Bedenken ab und will weiter ins Wasser hineinwaten. Aber so schnell kann ich meine angeborene Feigheit nicht überwinden. Und überhaupt liegen hier sonst überhaupt keine Steine herum und so schnurgerade Stöcke verirren sich meines Wissens auch nur selten ins Meer.
Bis zum Bauchnabel im Wasser starre ich angestrengt auf den Sandboden. Zeichnet sich da nicht ein großer Kreis um den vermeintlichen Stein ab? Das sind doch die Umrisse eines riesigen Rochens, der sich in der flachen Bucht wärmt! Der Rücken ist mit Sand bedeckt, nur sein dunkler Buckel, der lange, glatte Schwanz und die Umrisse seiner Flossen sind zu sehen. Als Martins vermeintlicher Stock dann noch Bewegungen entgegen der Strömungsrichtung vollführt, ist auch er irritiert. Mittlerweile stehen wir bestimmt schon fünf Minuten hier und wenn das Ding vor uns wirklich lebt – und davon sind wir inzwischen überzeugt – ist es ein Rochen mit einer Flügelspannweite von gut 1,30 Metern. Ich habe keine Ahnung, was für einer, ich weiß nur, dass der hier riesig ist und dass manche von den riesigen einen Giftstachel an der Schwanzspitze tragen. Wobei das Gift unter Umständen weniger gefährlich ist als der lange Stachel selbst. Wie hieß noch der australische Krokodilbezwinger, der von so einem Stachel ins Herz getroffen wurde und sofort tot war? Ach ja, Steve Irwin. Zwar sind Rochen an sich friedlich, aber in Bedrängnis können sie sehr ungehalten reagieren. Gerade als ich mir unserer Lage so richtig bewusst werde („Oh mein Gott, ein Rochen!“) wirbelt vor uns eine Sandwolke auf, das Wasser trübt sich vollends, wir sehen nichts mehr. Stocksteif bleiben wir stehen, bis der Sand sich gelegt und das Wasser sich beruhigt hat. Vom Rochen ist nichts mehr zu sehen, vor uns ist nur noch heller Sand. Von wegen nur ein Stock und ein Stein! Mein Herz klopft noch immer ganz ordentlich, als wir uns schließlich wieder rühren, und ich rette mich an den Strand. Puh, ganz schön aufregend! Aber auch echt toll.
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An der Märtyrerbucht halten wir noch einmal, um uns die vorgelagerten Felsen anzusehen. Aber für heute haben wir schon so viele Bilder im Kopf, mehr passen bald nicht mehr hinein. Zumal der Abend naht und wir noch eine große Strecke zurücklegen wollen. Durch das Landesinnere rauschen wir über den Princes Highway die 180 Kilometer von Warrnambool bis Geelong zurück. Offensichtlich streckenweise etwas zu schnell, im heimischen Hamburg wird uns zwei Monate später ein saftiger Bußgeldbescheid ins Haus flattern… Oops. In Geelong finden wir mit Glück noch ein freies Motelzimmer, denn es findet ein Autorennen statt (ohne uns) und quasi alles ist ausgebucht.
 
 
Tag 30, Samstag 07.02.2009
Von tragischen Rekorden und piekfeinen Felsbewohnern
 
Und weiter geht’s. Ziel ist heute Phillip Island, ein kleines Eiland südlich von Melbourne. Fluglinie sind es etwa 100 Kilometer, aber da uns die Port Phillip Bay von unserem Ziel trennt, machen wir einen großzügigen Umweg über Melbourne, insgesamt 212 Kilometer rechnen wir aus. Plus cirka 15 zusätzliche Kilometer, die wir trotz oder gerade wegen des Navis innerhalb Melbournes zurücklegen. Ganz ungewollt lernen wir so auch die nicht touristischen Viertel der Stadt kennen, bis wir auch das überstanden haben. Irgendwo zwischen dem ungekrönten König der Doppelkonsonanten Eumemmerring und der Hauptstadt der Vokale Koo Wee Rup halten wir zum Tanken. Und kippen fast aus den Flipflops angesichts der Hitze, die uns beim Aussteigen aus unserem klimatisierten Auto entgegenschlägt. Da hat jemand den Backofen aber auf 45 Grad und Umluft gestellt! Der leichte Wind ist irritierend heiß im Gesicht. Hätten wir in den kommenden Tagen einmal Nachrichten gesehen, wüssten wir, dass die Gegend um Melbourne Anfang Februar 2009 von verheerenden Buschfeuern heimgesucht wird. Der heutige Tag, der 7. Februar, ist mit Temperaturen bis zu 48 Grad der heißeste Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 150 Jahren und erster Tag der Brände.
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Er wird als Black Saturday traurige Berühmtheit erlangen und die Brände werden mit rund 170 Toten, Tausenden zerstörter Häuser und riesigen Flächen verbrannten Waldes in die Geschichte eingehen. Aber das erfahren wir erst im Nachhinein. Das Thema Waldbrand ist in Australien umstritten. Manche befürworten gezielte Brandlegungen, um die Gefahr von Katastrophen wie den Black Saturday bushfires zu dezimieren. Immerhin haben schon die Aborigines Brände absichtlich als Schutzmaßnahmen ausgelöst und selbst einige Pflanzen des Kontinents sind auf die Feuer eingestellt. So fördert das leicht brennbare Öl der Eukalypten ein Feuer sogar. Denn in ihrem Stamm bilden sich durch die Hitze neue Keimlinge, so dass sie schon wieder ausschlagen, wenn andere Bäume noch auf Regeneration warten. Auch viele Banksien-Arten sind auf Brände angewiesen, denn erst bei großer Hitze öffnen sich die Samenstände der Pflanzen und verteilen das neue Saatgut.
 
Angekommen auf Phillip Island verabschieden wir uns schnell von der Idee, die Insel zu erwandern. Bei der herrschenden Hitze wäre das nicht nur nicht angenehm, sondern durchaus auch gefährlich. Daher suchen wir uns ein Plätzchen am Strand, im kreislaufschonenden Schatten eines hohen Nadelbaums. Wenn man schnell genug über den glühend heißen Sand hechtet, kann man sich danach seine qualmenden Füße im Wasser löschen. Allerdings auch nur kurzzeitig, weil sonst ein Sonnenstich droht. So verbringen wir den Nachmittag Eis essend und kreuzworträtselnd am Strand von Cowes. Abends suchen wir die Südwestspitze der Insel auf. Am Point Grant wandern wir auf Holzstegen an der zerklüfteten Küste entlang. Vor uns liegen The Nobbies, Felsinseln, die von Seehunden bevölkert sind. Zu sehen sind die Tiere allerdings nur, wenn man mit dem Boot hinaus fährt. Aber der Blick allein ist schon mehr als lohnend: Direkt vor uns schäumt das Wasser weißblau über die schwarzen Felsen an der Küste, die untergehende Sonne verwandelt das Meer kilometerlang in gleißend blanke Flächen und hinter uns steht der blasse Mond tief zwischen den mit kurzem, moosigen Gras bewachsenen Hügeln.
 
 
Als wäre das alles nicht genug, brüten Zwergpinguine in den Hügeln, durch die wir wandern. Sie sind die berühmtesten Bewohner von Phillip Island. In kleinen Erdhöhlen zwischen Moos und Stroh sind sie zu entdecken: Diese kleinste Pinguinart der Welt kommt gerade einmal auf 35 bis 40 Zentimeter und ein Kilogramm Gewicht. Ausgewachsen, wohlgemerkt. Einige der Frackträger, die aus ihren Verstecken watscheln, sind aber noch Jungtiere: noch kleiner, noch leichter und in flauschige braune Federn gehüllt. Wer gerade in der Pinguinpubertät steckt, läuft völlig verzottelt herum. Halb schon im Frack, halb noch im Babyflausch gibt man natürlich eine unglückliche Figur ab. Wer jedoch dieses lästige Stadium schon hinter sich gelassen hat, präsentiert stolz den nigelnagelneuen Smoking mit dem glänzend weißen Latz. Ab jetzt heißt es aufpassen bei der abendlichen Fütterung, Fischflecken gehen bestimmt schlecht raus…
 
 
Wo so putzige Insulaner aus der Nähe zu sehen sind, sind die Touristenmengen nicht fern. Unweit vom Point Grant liegt das Besucherzentrum mit Café, Souvenirshop und allen Schikanen. Hier muss durch, wer die allabendliche Pinguinparade erleben möchte. Wir wollen.
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Denn dann kehren die Tiere vom Fischfang zurück und tapsen zu ihren Schlafhöhlen auf der Insel. Dabei überqueren sie auch den Strand, an dem wir auf sie warten. Zwei große Tribünen sind dafür aufgebaut, aber wir setzen uns davor in den Sand. Hier wird es beim Warten zwar tatsächlich etwas kühl, aber dafür sitzen wir in der ersten Reihe. Und schon bald kommen ein paar kleine Pinguine angesurft. Sie lassen sich von den Wellen an den Strand spülen, watscheln flügelwackelnd ein paar Schritte vor und können sich dann doch nicht so recht entscheiden, ob sie ins Landesinnere wollen oder lieber noch einmal zurück ins Wasser. Sie bleiben stehen, drehen um, lassen sich von der nächsten auslaufenden Welle von den kurzen Beinen hauen und werden ein paar Meter zurück ins Meer getragen, nur um dann erneut gen Strand zu surfen. Sieht aus, als ob es ihnen Spaß macht. Vielleicht irritieren sie auch die Scheinwerfer, die diesen Strandabschnitt beleuchten und die unangemessen lauten Begeisterungsausrufe vieler Besucher. Obwohl es ziemlich strikte Regeln hier gibt – keine Fotos, nicht herumlaufen, lärmen oder Tiere anfassen – hält sich höchstens die Hälfte der Besucher daran. Schade, das haben die Winzlinge nicht verdient. Doch zum Glück lassen sie sich nicht beirren und finden doch noch ihren Weg zum Nest. Viele wollen heute allerdings nicht an unserem Strandabschnitt an Land gehen, statt erhoffter Hundertscharen defiliert nur ein Dutzend an uns vorbei, die jedoch direkt vor unseren Füßen. Den Rückweg treten Mensch und Pinguin dann gemeinsam an. Als wir über Holzstege Richtung Ausgang schlendern, tapsen sie links und rechts von uns einher, lauter Pinguine im eifrig watschelnden Gänsemarsch. Am Parkplatz dann ein letzter Gruß: Ein Warnschild bittet Besucher, vor Abfahrt zu kontrollieren, dass kein befrackter Heimkehrer eine Verschnaufpause ausgerechnet unter dem Auto eingelegt hat. Ich kontrolliere, kann Entwarnung geben und gegen 23 Uhr verlassen Martin und ich die Insel.
 
Der Rückweg nach Melbourne wird uns lang, aber nicht langweilig. Erst sorgt ein Betrunkener für Unruhe, der auf dem unbeleuchteten Seitenstreifen seinen wirren Verfolgungsphantasien nachhängt. Dann ist auch noch unsere Straße komplett gesperrt. Ob ein Brand in dieser Gegend Schuld ist, über den ich später lese? Der Polizist befiehlt einen U-Turn, den unser halsstarriges Navi erst nach geschlagenen 10 Kilometern akzeptiert. Also greife ich mir den altbewährten Straßenatlas und versuche müde eine Ersatzstrecke zu finden. Dazu müsste ich nur erst einmal wissen, wo wir überhaupt sind. Während Martin die Umgebung nach einem Straßenschild absucht, blättere ich Doppelseite um Doppelseite um, durch die maximal drei Straßen führen. Ansonsten scheint es zwischen Koo Wee Rup und Pakenham absolut nichts zu geben, die Karten sind einfach nur gelb. Jetzt aber, gefunden! Der Rest ist einfach.
 
Nachts um halb zwei erwartet uns im Hostel dann doch noch eine böse Überraschung. Unsere Buchung ist verloren gegangen. Nach langem Hin und Her teilen Martin und ich uns ein Bett in einem 6-Bett-Zimmer; müde wie wir sind, reicht uns das schmale Einzelbett zum Schlafen.
 
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Tag 3, Sonntag 08.02.2009
Von hinterhältigen Korallen und tödlichen Steinen
 
Viel zu früh müssen wir raus aus den Federn, um in der Innenstadt den Mietwagen wieder abzugeben. Danach gönnen wir uns erst einmal einen riesigen Kaffee, denn so richtig fit sind wir nicht heute Morgen. So ein Monat unterwegs, mit seinen vielen Ortswechseln und unzähligen Eindrücken und Bildern, ist durchaus auch anstrengend, merken wir. Deshalb wollen wir uns heute eigentlich einen Strandtag gönnen in unserem Stadtteil St. Kilda, aber der graue Himmel vereitelt unsere Pläne. Stattdessen besuchen wir das Aquarium der Stadt und kaum sind wir drinnen, sind wir auch wieder hochmotiviert und entdeckungsfreudig. Zumal wir von einer Gruppe feierlicher Königspinguine empfangen werden, die in der Antarktisausstellung des Museums gastieren. Unbeholfen wackeln sie über die gut gekühlte Schneelandschaft, die man für sie geschaffen hat. Aber wenn man keine Beine, sondern nur kurze Plattfüße hat, fällt das Gehen halt nicht leicht. Im Pool nebenan sieht das gleich viel gekonnter aus. Obwohl ihre Körper an dickbauchige Weinflaschen erinnern, schießen die Pinguine mühelos durch das Wasser.
 
Spannend ist auch die Abteilung der Tarnfische. Manchmal dauert es minutenlang, bis wir einen kindskopfgroßen Fisch in einem kleinen Aquarium entdeckt haben; sie verschmelzen perfekt mit ihrer Umgebung und liegen doch direkt vor unserer Nase. Der Quastenanglerfisch sieht wie von Seegras und Korallen bewachsen aus, seitlich hängt er mit seinem hellen Bauch an der Scheibe. Irgendwo in dem vermeintlichen Gestrüpp verbergen sich Augen, Flossen und die Angel, mit der der Räuber seine Beute anlockt. Der Anglerfisch beobachtet sein Opfer, lockt es dann durch Bewegen seiner Angel an und reißt im letzten Moment sein riesiges Maul auf, so dass sein Opfer mit dem Wassersog hinein gezogen wird. Wie fies. Noch perfekter scheint uns aber die Tarnung des Steinfisches. Ich stehe davor und kann mich zunächst nicht entscheiden, welcher der Steine denn nun ein Fisch sein soll. Plötzlich sehe ich überall Augen. Dabei wäre es überaus vorteilhaft, ihn in freier Wildbahn rechtzeitig zu erkennen. Denn der Steinfisch besitzt auf seinem Rücken 13 Giftstachel. Wenn man Pech hat und aus Versehen auf ihn tritt, bohren sie sich sogar durch Schwimmschuhe und setzen ihr Gift frei. Das ist äußerst schmerzhaft und kann tödlich enden. Dabei sehen die gedrungenen Fische mit dem dümmlichen Gesichtsausdruck gar nicht so unsympathisch aus. Da ist der im Hintergrund dümpelnde gestreifte Rotfeuerfisch doch ehrlicher: Wer sich an seine weit aufgestellten 13 Giftstachel heranwagt, ist selbst Schuld.
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Weiter geht es mit riesigen Schalentieren, mit Seepferdchen und bunten Korallenfischen. In einem zylinderförmigen Aquarium beschreibt ein eleganter Zebrahai einen steten Rundkurs. Er wird auch Leopardenhai genannt, was viel treffender ist, denn nur die Jungtiere weisen Streifen auf, die ausgewachsenen Tiere sind wie unser Exemplar gefleckt. Er teilt sich das Revier mit unzähligen bunten Fischen und einer hässlichen Moräne, die am liebsten aus einer abgestorbenen Riesenmuschel hervorlugt. Darüber hinaus verfügt auch das Melbourner Aquarium über ein großes Haibecken mit Sandtigerhaien, Riesenrochen und Meeresschildkröten, aber auch hier verzichten wir vorerst auf den teuren Badespaß.
 
Auf dem Rückweg in unser Hostel durchqueren wir das St. Kilda Festival. Auf den Straßen herrscht ein ganz schönes Treiben, obwohl nur wenige Stände und Attraktionen zum Verweilen einladen. Da kochen wir uns lieber in Ruhe eine große Portion Pasta in Käse-Sahne-Sauce und besuchen noch die Bar, die praktischer Weise direkt im Hostel ist. Als Entschuldigung für die verpatzte Reservierung haben wir nämlich eine ganze Handvoll Getränkegutscheine bekommen, die wollen ja noch eingelöst werden.
 
 
Tag 32, Montag 09.02.2009
Von Abschied, Känguruhoden und einem Sektpicknick
 
Ausschlafen! Erst um 9.30 Uhr kriechen wir aus den Federn und müssen prompt auf einen Platz im überfüllten Galleon warten. Aber das ist es uns wert, nicht nur weil heute unser vorletzter Tag down under ist und wir zum letzten Mal in dieses Café kommen. Wie immer genießen wir ein hervorragendes Frühstück in einer Atmosphäre, die nicht entspannter und familiärer sein könnte. Das Galleon würden wir zu gerne einpacken und mit nach Deutschland nehmen.
 
Stattdessen machen wir uns in der Innenstadt auf die Suche nach handlicheren Mitbringseln. Souvenirläden gibt es hier genug; Martins Durchhaltevermögen ist bald erschöpft, während ich noch zwischen Plüschkoala, Eukalyptusöl und Weinhalter schwanke. Ach was, am besten nehmen wir alle drei. Und einen Plüsch-Kookaburra obendrauf, der bei sanftem Druck in die Magengegend in sein ansteckendes Gelächter ausbricht. Mit seiner guten Laune auf Knopfdruck soll er in Hamburg über die Australien-Sehnsucht hinwegtrösten.
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Von zweifelhaftem Humor zeugen hingegen der langstielige Rückenkratzer mit Kängurukralle und der Flaschenöffner, dessen Griff aus dem Geschlechtsteil des armen Wappentiers geformt ist. Diese grotesken Andenken bleiben hier, das geht zu weit.
 
An unserem letzten Nachmittag zieht es uns noch einmal in den botanischen Garten, der uns schon bei unserer Ankunft in Melbourne so gut gefallen hat. Ausgerüstet mit Sekt, Donuts und Weintrauben versüßen wir uns den Abschied. Aber nach so viel Zucker muss es am Abend etwas Deftiges sein. In einem kleinen Restaurant in St. Kilda gibt es Seafood-Tortellini und Lasagne. Danach wollen wir eigentlich schlafen. Aber die drei Engländer auf unserem Zimmer bringen doch tatsächlich Damenbesuch mit, was für reichlich Gelächter und wenig Schlaf sorgt.
 
 
Tag 33 und 34, Dienstag und Mittwoch 10.-11.02.2009
Von letzten Austern, durchgelaufenen Schuhen und rettenden Botanikkenntnissen
 
Ein komisches Gefühl ist es schon: Wir packen zum letzten Mal unsere Rucksäcke und checken aus. Zum Glück haben wir noch Zeit, bis der Flieger geht, und die wollen wir nicht untätig verstreichen lassen. Also fahren wir mit der Tram zum Queen Victoria Market. Der Wochen-, Spezialitäten- und Souvenirmarkt ist in großen Hallen untergebracht und lädt ein, überall zu probieren und zu verweilen. An einem der vielen Obst- und Gemüsestände kaufen wir ein Schälchen Erdbeeren und wandern naschend weiter. Martin lässt es sich nicht nehmen, eine Auster zu schlabbern; ein Vergnügen, auf das ich dankend verzichte. Krebse, Garnelen, Muscheln und Fische sind auf ihrem Eisbett netter anzusehen als die Filetstücke der Fleischabteilung nebenan. Hier interessieren uns nur die Hartwürste, die kommen mit. Zusammen mit frischem Brot, feinstem Kochschinken, Paprikacreme und ein paar Aprikosen sind sie spätes Frühstück und Mittagsimbiss in einem und werden auf einer sonnigen Bank hinter den Markthallen verzehrt.
 
Zurück im Hostel schultern wir nur noch das Gepäck, dann fahren wir mit Tram und Shuttlebus zum Flughafen. Vor dem Check-In entsorgen wir noch zwei Paar durchgelaufene Schuhe, denen vier tolle Wochen Australien den Rest gegeben haben. Am frühen Abend hebt unser Flieger schließlich ab. Zwischenstopp ist diesmal Singapur, auch hier erfolgt eine gründliche Kontrolle unseres Handgepäcks. Mein Eukalyptusöl – natürlich weniger als 100 Milliliter – wird ausgiebig beschnuppert.
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Noch mehr Interesse erregt aber der faustgroße Pinienzapfen in Martins Rucksack. Wir haben ihn im Albert Park in Melbourne gefunden und er soll unsere Hamburger Fensterbank zieren. Mit spitzen Fingern hält der Flughafenangestellte das Objekt seines Misstrauens in die Höhe und fragt angespannt, worum es sich hierbei handelt. „Wenn man eine der verholzten Zapfenschuppen herauszieht, fliegt hier alles in die Luft“ – zum Glück kann Martin dem Wunsch widerstehen, eine solche Antwort zu geben. Wir haben keine Lust auf singapurisches Gefängnis und bemühen daher eilig unsere kargen Kenntnisse in Nadelholz-Botanik. Offensichtlich reicht das als Erklärung, wir dürfen passieren und das corpus delicti dürfen wir auch wieder einstecken. Da sind wir der Haft wegen legalen Zapfenbesitzes gerade noch einmal entgangen!
 
Einen langen, anstrengenden Flug später erreichen wir frühmorgens den Frankfurter Flughafen. Mit dem Zug fahren wir weiter nach Hamburg. Nicht gerade begeistert stellen wir uns hier von Rekordhitze auf acht Grad und Nieselregen um. Nach vier Wochen Australien-Abenteuer ist unsere Reise zu Ende.
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Einerseits war die Zeit viel zu kurz, andererseits haben wir so viel gesehen und erlebt, dass es uns viel länger vorkommt. Die schönsten Landschaften und spannendsten Tiere haben wir gesehen, nette Leute getroffen und unendlich viele Eindrücke gesammelt. Australiens grüner Osten hat uns begeistert. Aber nächstes Mal ist dann der rote Teil des Kontinents dran. Denn schon jetzt steht fest: Wir kommen wieder.
 
 
Mariell und Martin
 
 

 

26 Stunden Flug (gefühlt doppelt so viel) liegen hinter uns, als wir gegen 23 Uhr Ortszeit aus dem Flugzeug wanken. Während wir auf unser Gepäck warten, kontrolliert die australische Einfuhrbehörde, vertreten durch einen emsig schnüffelnden Beagle, unser Handgepäck auf verbotene Lebensmittel. Dass Martin in seinem Rucksack vor kurzem noch mehrere Bananen transportiert hat, lässt der gestrenge Staatsdiener nach kurzem Anschlagen noch einmal durchgehen. Glück gehabt. Doch während wir diese Hürde problemlos nehmen, dringt via Lautsprecher eine beunruhigende Durchsage in unser müdes Bewusstsein: In London sei Gepäck vertauscht worden, betroffene Fluggäste möchten sich umgehend am Schalter melden… Pech gehabt: Unsere Reiserucksäcke sind sonst wo gelandet, nur nicht in Australien. Aber man versichert uns freundlich, dass das fehlende Gepäck bis zum Mittag des nächsten Tages in unser Hostel nachgeliefert würde, no worries. Super, denken wir noch, dann müssen wir es nicht selbst dort hintragen, und machen uns auf den Weg. Mit Flughafenbus und Tram finden wir in den Stadtteil St. Kilda. Und schon auf unserem ersten Weg auf australischem Boden bestätigt sich uns die oft zitierte Hilfsbereitschaft der Australier; gleich zu mehreren beraten sie sich, wo wir wohl am besten aussteigen sollten, um zu unserem Ziel zu gelangen. Schließlich steigen wir gemeinsam mit einem jungen Mann aus, der es sich nicht nehmen lässt, mit uns auch noch einen geöffneten Supermarkt zu suchen. Denn gerne würden wir uns nach dem langen Flug zumindest das Nötigste – Shampoo, etwas frische Wäsche - kaufen. Aber vergebens, es ist mittlerweile nach Mitternacht und kein Supermarkt hat mehr geöffnet. Angekommen im Hostel beziehen wir unsere Etagenbetten im 6-Bett-Zimmer und schlafen übermüde ein.

Australien Reisebericht:
Das rote T-Shirt im Klohäuschen

Ein Bericht aus dem Carnavon National Park

 „Vorhin lief da noch ein kleiner Bach.“ Eine erschreckende, wenngleich triviale Erkenntnis. Und doch ein überwältigender Anblick, der sich meinem Mitstreiter und mir nun bietet: Aus dem Rinnsal, das sich durch den Carnavon National Park zieht, ist innerhalb kürzester Zeit ein reißender Strom geworden. Und das alles nur wegen eines T-Shirts, meines T-Shirts!

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Ein handelsübliches rotes T-Shirt, Größe L. Ein kleines Stück Stoff hat uns in diese bedrohliche Lage gebracht. Ich hätte es besser wissen sollen. Mit der Natur ist nicht zu spaßen. Immerhin hat der Regen nachgelassen. „Hilft alles nichts“, so die lapidare Aussag meines Mitstreiters. Optimistisch wirft er seinen Rucksack auf die Schultern und Sekunden später ist er fast hüfttief in braunen Wassermassen verschwunden. Drei Monate reise ich (Simon) nun schon mit Phil durch Australien, doch eine derartige Unerschrockenheit hat er bisher selten an den Tag gelegt. Fast schon komisch wirken jedoch seine angestrengten Armbewegungen, um das Gleichgewicht zu halten. Ein Lächeln kann ich mir dabei nicht verkneifen. 

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Zwei Tage vorher, 30 Grad, blauer Himmel und zwei enthusiastische Backpacker, die nach fünf Wochen ermüdender Arbeit als Erntehelfer nun das nötige Kleingeld besitzen, um ihrer Abenteuerlust endlich auch außerhalb der eigenen Gedankenwelt nachzugehen. Der Ratschlag eines befreundeten Australiers führte uns in den 500 km von der Ostküstenstadt Rockhampton, landeinwärts liegenden Carnarvon National Parc.


 

50 Kilometer Schotterpiste liegen hinter uns. Eine kleine Tankstelle war zuvor unser letzter Kontakt zur Zivilisation. Umso erstaunter sind wir bei unserer Ankunft: zwei wirklich schön gestaltete Campingplätze und eine Ranger-Station, die keinerlei Wünsche offen lässt. Von einer kostenlosen („kalten“) Dusche über Informationsmaterial bis zu einem lockeren Plausch – nichts fehlt. Auf der Wiese neben der Anlage haben es sich währenddessen mehrere Kängurus und Wallabys gemütlich gemacht und genießen das herrliche Wetter. Am Nachmittag machen wir erst einmal einen kleinen Ausflug zu den Rock Pools, um uns eine angenehme Erfrischung zu gönnen. Eine Wohltat angesichts zweier anstrengender Tage, die vor uns liegen. Kleine Randnotiz: Mit Schildkröten schwimmt man nicht alle Tage … ich zumindest nicht.

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Nach einer relativ kurzen Nacht melden wir uns an der Ranger-Station ab. Mit voll gepackten Rucksäcken und einer guten Portion Ratschläge der hiesigen Profis starten wir unseren Zwei-Tages-Hike.  Aloha, los geht’s. Alles scheint perfekt - noch habe ich mein grünes T-Shirt an. Unser Weg führt uns durch die Carnarvon-Schlucht, dem wohl bekanntesten Teil des Carnarvon Nationalparks, entlang eines kleinen Bachlaufs. Über tausende Jahre hat sich das Wasser hier seinen Weg durch die Sandsteinlandschaften gegraben und dabei eine beeindruckende Kulisse hinterlassen. Bis zu 200 Meter ragen die gelblichen Felswände aus der Schlucht empor. Im Einfall der Morgensonne kommen die farblichen Nuancen der Gelbtöne in den majestätischen Sandsteinmauern besonders zur Geltung. Der vorherrschende Farbton in der Carnarvon-Schlucht ist jedoch grün, wie mein T-Shirt an diesem Tag. Palmen, Zikaden und – die in Australien typischen - Eukalyptus- und Grasbäume sind nur einige der vielen faszinierenden Baumarten, die wir entlang des Weges entdecken. Auch der Boden grünt durch die unterschiedlichsten Gräser, Sträucher  und Flechten. Galt die Sonne am Morgen noch als gutes Omen, gibt sie uns nun im Laufe des Tages ihr wahres Gesicht zu erkennen. 31 Grad Mittagshitze und die schweren Rucksäcke drücken unweigerlich auf unser Gemüt.

 


 

Eine willkommene Abwechslung sind deshalb die vielen Seitenarme der Schlucht. In diese engen Felsspalten fällt das Sonnenlicht nur wenige Stunden am Tag ein, was einen Temperaturabfall von bis zu 10 Grad zur Folge hat. Gleichzeitig ist die Luft dort extrem feucht, wodurch tropische Klimaverhältnisse entstehen. Die Seitenarme sind kleine eigenständige Welten mit eigener Flora und Fauna. So auch in Moss Garden, unserem ersten Etappenziel. Dieses ist, wie der Name schon vermuten lässt, vor allem Heimat für Moose aller Art. Die Wände verstecken sich hinter dichten grünen Teppichen, Wasser tropft aus allen Ecken und bildet schließlich ein kleines Rinnsal. Ein Wasserfall gibt diesem harmonischen Naturschauspiel den letzten ästhetischen Schliff. Ein ähnliches Bild bietet sich im Ward´s Canyon – jedoch besticht dieser vor allem durch seine Farngewächse (Königsfarne).

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Nach diesen kleinen Abstechern folgen wir dem Bachlauf tiefer in die Schlucht. Uns gefällt vor allem, dass bei der Gestaltung des Nationalparks besonderer Wert auf die Natürlichkeit gelegt wurde. Die Pfade fügen sich melodisch ins Landschaftsbild ein und selbst Treppen aus Holz bzw. Stein  wirken nicht gekünstelt. Lediglich die hölzernen Wegweiser, einige Geländer und eine „Biotoilette“ auf halben Weg lassen menschlichen Ursprung erkennen. Ein beständiges Zwitscher-Orchester spielt im Hintergrund Musik. Vögel in  unterschiedlichsten Farben und mit teils skurrilem Federkleid kreuzen unseren Weg. Kängurus und Wallabys zählen wir schon lange nicht mehr. Sie gehören zu diesem Nationalpark wie der Rucksack zum Backpacker oder mein grünes T-Shirt zu mir – zumindest an diesem Tag.

Als besonderes Highlight zieht sich der Weg nicht nur am Bach entlang, sondern führt in regelmäßigen Abständen auch über diesen hinweg. Größere Steine dienen dabei als „natürliche Brücke“.

 


 

Das reichlich vorhandene Wasser war sicherlich auch ein Grund, warum sich Aborigines in diesem Gebiet ansiedelten. Zeitzeugen jener Epoche sind bis zu 3500 Jahre alte Wandgemälde, die wir an den Felsen der Art Gallery und des Cathedral Cave bewundern. Neben den typischen Malereien sind in dem Sandstein vor allem auch Eingravierungen zu bestaunen. Am kuriosesten klingt jedoch die Tatsache, dass sich Aborigines schon damals als „Sprayer“ betätigten. Ohne Dosen mit Überdruck musste jedoch der Mund herhalten, um Farbe auf einen Gegenstand vor der Felswand zu verteilen. Die mit Präzision und etwas Spucke entstandenen Silhouetten sind noch heute sehr gut als Hände, Füße oder Bumerangs identifizierbar.

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Eine Sandwichpause am schattigen Bach gibt uns eine letzte Verschnaufpause. Diese ist auch bitter nötig, denn der anstrengendste Teil unserer Tour steht noch bevor.  Für uns heißt es nun die ausgebauten Wanderwege zu verlassen und eigene Pfade zu beschreiten. 600 Höhenmeter trennen uns jetzt noch von unserem eigentlichen Ziel – dem Sonnenuntergang auf Battleship Spur, dem höchsten Punkt dieser Sektion des Nationalparks mit einer gigantischen Aussicht (O-Ton: „magnificent view“), so die Ranger. Sie hatten uns auch den Weg dorthin erklärt, der nur über einen schmalen, steilen Aufstieg aus der Boowinda-Schlucht zu erreichen ist. „Wird schon nicht so schwer sein“, denken wir uns noch und verpassen besagten Aufstieg auch gleich. Dies führt dazu, dass wir fast eine Stunde umsonst in die Schlucht laufen. Erst als jene immer schmaler, die Wände immer höher und die Spinnennetze immer breiter werden, wollen wir uns endlich eingestehen, die falsche Route eingeschlagen zu haben. Immerhin ist die Strecke nicht völlig umsonst gewesen. Viele Eidechsen, riesige Spinnen und viele uns bisher unbekannte Pflanzenarten machten Bekanntschaft mit unserer Kameralinse. So lautet zumindest unsere eigene Version für den unfreiwilligen Umweg. Unser männliches Orientierungs-Ego lässt schließlich keine anderen Erklärungen zu. Schließlich entdecken auch wir den schmalen Aufstieg.

 


 

Dieses erste Teilstück aus der Schlucht erweist sich als echte Herausforderung. Wurzeln müssen als Halteseil herhalten und teils riskante Sprünge bringen uns nach oben. Jetzt ist es auch uns ungeübten Bergsteigern klar, was ein „class 5“ Wanderweg bedeutet. Ausgebaute Wege sind hier oben Fehlanzeige. Lediglich sehr kleine, in extrem unregelmäßigen Abständen an Bäume angebrachte Pfeile und einige Trampelpfade dienen uns nun als Orientierung. Auch unsere Kondition, durch diverse Sportarten nicht unbedingt gering, stößt nach einer Stunde an ihre Grenzen: Wir brauchen eine Pause! Der ungeplante Umweg, das Gepäck und die Temperaturen, die mittlerweile auf 35 Grad geklettert sind, setzen uns zu. Die Vegetation hier oben wird zunehmend geringer und die Sonne erreicht mit scheinbar ungeminderter Strahlkraft unsere Köpfe. Kleine Salzanlagerungen bevölkern mein grünes T-Shirt. Selbst die Kängurus ziehen schattigere Umgebungen vor. Lediglich ein Gruppe Wildschweine wird durch uns aufgeschreckt, ergreift aber sofort die Flucht. Unser Anblick muss auch zum „Davon-Laufen“ gewesen sein. Obwohl wir nun schon seit drei Monaten zusammen durch Australien reisen, habe ich uns selten so wortkarg in Erinnerung.

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Diesmal raubt uns jedoch kein Naturereignis die Sprache, sondern die körperlichen Anstrengungen. Jeder ist mit sich selbst und dem steilen Untergrund beschäftigt. Die ausgetrocknete Erde liegt nur lose auf festem Boden, ungewollte Rutschpartien sind die Folge. Gerade entlang einiger steil abfallender Schluchten erschleicht uns deshalb ein mulmiges Gefühl. Zudem stellen sich die 600 zu überwindenden Höhenmeter sehr schnell als Trugschluss heraus. Hinter jeder Bergkuppe steckt die nächste Ernüchterung. Der Weg führt meist wieder bergab, bevor er dann umso steiler wieder nach oben geht. Die tatsächlich bewältigten Höhenmeter werden die zunächst anvisierten  wohl deutlich überschreiten. Diesen Anstrengungen müssen auch meine foto- und filmtechnischen Ambitionen Tribut zollen. Camcorder, Fotokamera und Stativ bleiben fast während des gesamten Aufstiegs im Rucksack und ich ertappe mich mehrmals dabei, wie ich über meine – in jenem Moment vermeintlich sinnlose – Last fluche.

Meine Motivation neigt sich dem Ende, ich bin gereizt. Und ich habe Durst. Erst jetzt fällt uns auf, wie rapide unsere Wasservorräte gesunken sind. Von jeweils sieben Litern hat jeder kaum noch zwei Liter übrig und der Bach im Tal stellt die einzige Wasserquelle dar. Der gut gemeinte Ratschlag der Ranger, den Aufstieg erst am nächsten Morgen zu versuchen, huscht mir wieder ins Gewissen. Am Morgen verhallte dieser noch ungehört in der Vorstellung, von ganz oben ein kühles Bier bei untergehender Sonne zu genießen. Die Morgenkühle wäre sicherlich der einfachere Weg gewesen, doch unser Ehrgeiz ließ eine Umkehr bzw. eine Aufgabe unseres Vorhabens jetzt nicht mehr zu. Beine auf Autopilot und Gehirn in Stand-by-Modus geschaltet. Aus dieser endlos scheinenden Lethargie erwache ich erst wieder durch eine eher zufällige Entdeckung: Wellblechdach, Eisentonne, grobes Sieb… eine Regenauffanganlage! Ein kleiner Glücksmoment, der meine Laune spürbar positiv beeinflusst. Mit vollen Wasserflaschen und neuer Motivation brechen wir auf zum letzten Teil des Aufstiegs. Dennoch verpassen wir unser eigentliches Ziel.

 


 

 

Der Sonnenuntergang war längst vorüber als wir abgekämpft und erschöpft Battleship Spur erreichen. Selbst die Bierdosen sind viel zu warm, um überhaupt an ein Öffnen zu denken. Das in meinen Gedanken omnipräsente „Zisch“-Geräusch muss dem Geräusch eines zerplatzten Traums weichen. Mein Hemd ist nun völlig durchnässt und ich begehe den ersten großen Fehler. Ich tausche mein grünes, salziges T-Shirt gegen ein frisches, rotes. Dies klingt unspektakulär und nach einem derartigen Aufstieg durchaus angebracht. Dennoch sollte dieses Fehlverhalten nicht ohne Folgen bleiben. Mit dem letzten Restlicht des Tages errichten wir unser Lager. Eine auf die Schnelle improvisierte Konstruktion aus Schnüren und einer Zeltplane, soll uns zumindest den morgendlichen Tau vom Leib - besser gesagt vom Schlafsack - halten. Nach einer kleinen Mahlzeit liegen wir auch schon in unserem „Bett“. Mir tut alles weh. Ich spüre selbst Muskeln, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existieren. Diese typische (ausgelutschte) Phrase kommt mir sofort in den Sinn, obwohl ich ehrlich gesagt nur die Muskeln spüre, die ich auch vorher schon kannte. Trotz der kleinen Wehleiden fühlte ich mich selten besser. Der Stolz, den Berg bezwungen und meinen inneren Schweinehund überwunden zu haben, hinterlässt ein schwierig in Worte zu fassendes, einmaliges Gefühl. Ich lasse den Aufstieg nochmals Revue passieren, als ich den Sternenhimmel durch die Öffnung unserer Zeltplane entdecke. Ich fühle mich an eine ironische Frage aus einem Reisebericht erinnert, den ich erst kürzlich gelesen hatte: „Für was brauche ich ein 5-Sterne-Hotel, wenn ich hier draußen tausende Sterne habe?“ Um nichts in der Welt würde ich meine momentane Situation eintauschen wollen.

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Der Wecker am nächsten Tag ist völlig überflüssig, denn der verpasste Sonnenuntergang entfachte in uns eine besondere Vorfreude auf den zu erwarteten Sonnenaufgang. Schon um halb fünf sind wir beide wach und blicken verschlafen in die neblige Landschaft. Der graue Schleier senkt sich bis knapp unter unser einzigartiges Aussichtsplateau. In Schlafsäcken verhüllt lassen wir unsere Blicke in die Ferne schweifen. Weitere Gipfel tauchen nun aus dem Wolkenmeer auf. Auch die Sonne lässt nicht mehr lange auf sich warten und blinzelt schließlich hinter den Wolken hervor. Der Carnarvon Nationalpark wird in ein warmes, rötliches Licht getaucht. Gleichzeitig erwacht auch die Tierwelt wieder zum Leben. Ein wirklich einmaliger Augenblick. Spätestens jetzt war die anfängliche Skepsis, ob sich die 1000 km Fahrt von der Ostküste lohnen würden, verflogen. Leider kriecht nun der Nebel wieder aus dem Tal empor und versperrt uns die Sicht. Diese ungewollte Zwischenzeit nutzen wir und tragen uns stolz in das Gipfelbuch ein. Die Ernüchterung folgt zugleich: Zwei 63-jährige australische Großmütter waren bei dem Tagesmarsch auf den Gipfel nur unwesentlich langsamer als wir. Wir schoben dies natürlich schnell auf unseren unabsichtlichen Umweg und die deutlich wärmeren Temperaturen und genossen schnell wieder den atemberaubenden Blick über die Schlucht. Ich bin gerade erneut mit dem Filmen beschäftigt, als mir zwei Keilschwanzadler vor die Linse fliegen. Einfach nur majestätisch, wie sich die beiden Vögel spielend leicht in die Lüfte „schrauben“ und schließlich mit einem Wahnsinns-Tempo in die Tiefe stürzen, nur um Sekunden später wieder mühelos nach oben zu gleiten. Wie gerne hätte ich gestern diese Fähigkeiten besessen. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, lassen sich die beiden Adler nur knapp 50 Meter neben uns auf einem Baum nieder. Der größte Greifvogel Australiens nur wenige Meter neben mir. Ein wahrhaft großer Moment für mich, schließlich zählen Adler schon seit jeher zu meinen Lieblingstieren.

 


 

Der Abstieg von Battleship Spur, gestaltete sich wie erwartet als das kleinere Übel. Die kühlen Morgentemperaturen und die meist abfallende Strecke waren keine große Herausforderung. Gut gelaunt ging es vorbei an den bis zu 1000 Jahre alten Palmfarnen (Macrozamia Moorei) und durch die hoch gewachsenen Gräser hinab ins Tal. Nur der lockere Boden bereitete uns noch einige Schwierigkeiten … und mein rotes T-Shirt. Zwei uns entgegenkommende Wanderer haben nur ein müdes Lächeln für den Aufdruck auf meinem roten Kleidungsstück übrig. Am „Big Bend“, einem kleinen natürlichen Pool am Ende der Carnarvon-Schlucht, genehmigen wir uns noch einen kleinen Mittagssnack. Mehrere Wallabys gesellen sich auf der anderen Uferseite zu uns und über die spiegelnde Wasseroberfläche kreiert das einfallende Licht ein interessantes Muster- und Farbenspiel an den gelblichen Felswänden. Schweren Herzens verlassen wir schließlich dieses Idyll und machen uns schnellen Fußes auf den Heimweg.

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Die wiederkehrende Lethargie in unserem Laufschritt wird jedoch jäh von der Natur unterbrochen. Lautes Donnern hallt plötzlich in regelmäßigen Abständen durch die Schlucht. Was sich anfangs noch wie Düsenjäger oder Sprengungen anhört, entpuppt sich nach mehreren Blicken gen Himmel als schwarze Wolkenwand. Die wenigen Regentropfen und der fühlbare Temperaturabfall sind zunächst noch eine willkommene Abkühlung. Schnell werden es aber fingernagelgroße Hagelkörner, die uns deutlich zeigen, dass es sich nicht um einen Gefallen der Natur handelt. Nein – eher gegenteilig. Die Natur rächt. Sie rächt sich für ein rotes T-Shirt. Sie rächt sich für Respektlosigkeit. Sie rächt sich für meine Provokation. Im Übermut und voller Freude über das Erklimmen von Battleship Spur, zog ich mir ein rotes T-Shirt mit dem ironischen Aufdruck „Who`s tha masta?“ an. Ein T-Shirt, das der heroischen, heldenhaften Gipfelbesteigung, den i-Punkt aufsetzen und mir Bewunderung von allen Betrachtern der Gipfelfotos bringen sollte! Doch die Natur lässt sich nicht so einfach bezwingen! Und schon gar nicht von einem giftroten T-Shirt und einem noch giftigeren Spruch provozieren!

Mit der geballten Kraft eines australischen Wärmegewitters bekommen wir nun zu spüren, wer der eigentliche „masta“ ist beziehungsweise, wer es ganz offensichtlich nicht ist. Ich schaffe es gerade noch, meinen Camcorder im Rucksack zu verstauen, bevor die Natur ihre härtesten Geschütze auffahren kann. Die Hagelkörner wachsen schnell auf Golfballgröße und führen zu schmerzverzerrten Aufschreien. Vereinzelt entdecken wir auf dem Boden noch größere Hagelkörner, besser gesagt Eisbälle. Gefangen in der Faszination des uns dargebotenen Naturschauspiels, erkennen wir erst jetzt den Ernst unserer Lage. Wir sind den Naturgewalten widerstandslos ausgeliefert. Die Bäume bieten uns absolut keine Deckung, sie resignieren. Die Blätter der vielen Palmen am Wegrand beugen sich unter der ungeheuren Last. Es wirkt, als wollen sie sich ehrfürchtig vor dem Herrscher der Natur verneigen. Mit den Rucksäcken versuchen wir zumindest unsere Köpfe zu schützen. Fast gleichzeitig kommt uns die Biotoilette in Sinn und wir beginnen zu rennen. Nur weg von hier. Einen Kilometer später erreichen wir das einzige menschliche Bauwerk entlang des Wanderweges und gleichzeitig unsere „Rettung“. Die schwarze Wolkenwand feuert noch eine viertel Stunde aus allen Rohren, doch unter der Holzkonstruktion sind wir vorerst in Sicherheit. Neben kleineren Blessuren an Armen und Beinen, ist lediglich meine Digitalkamera von den „Hagelgeschossen“ in Mitleidenschaft gezogen worden. Uns aber ist zum Glück nichts passiert.

 


 

Ehrfürchtig und gespannt beobachten wir die Machtdemonstration der Natur. Die größten Hagelkörner, die wir sehen, haben dabei den Umfang einer Orange und – ohne Übertreibung gesprochen jedoch die wohl realistischen Ausmaße eines Tennisballs. Der Hagel hat dennoch auch seine gute Seite. 20-Minuten später schauen wir den letzten Regentropfen zu und genießen ein eisgekühltes oder vielmehr hagelgekühltes Bier, welches uns gestern Abend noch verwehrt geblieben ist. Traumhaft! Mitten in der Natur, tropisches Wetter und eine eisige Erfrischung . Ein erstes Versöhnungsangebot der Natur?

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Weit gefehlt… Im Gefühl, ein richtiges Abenteuer erlebt zu haben, setzen wir nun den Rest unseres Weges fort. Doch bereits bei der ersten Bachüberquerung zeigt sich, dass das Abenteuer längst nicht vorbei ist. Wir trauen zunächst unseren Ohren kaum, die in der Nähe eher einen Wasserfall als ein idyllisches Bächlein vermuten. Doch unsere Augen bringen uns schließlich die Gewissheit: Das Wärmegewitter hat den kleinen Bach in einen reißenden Strom verwandelt.

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„Da steh ich nun“ und schaue meinem Freund und Mitstreiter zu, wie er sich der erneuten Rache der Natur entgegenstemmt. Unsere ersten Versuche den Bach zu überqueren misslingen allesamt kläglich. Das Wasser ist einfach zu hoch und die Strömung zu schnell. Unsere größte Sorge gilt dabei unserer technischen Ausrüstung. Eine zertrümmerte Digitalkamera sollte als materielle Gegenleistung für ein lausiges rotes T-Shirt doch genügen. Flussabwärts finden wir schließlich eine seichtere Stelle. Sobald man in den braunen Wassermassen jedoch ein Bein hebt, fällt es schwer das Gleichgewicht in der Strömung zu halten. Wir bewegen uns deshalb in vorsichtigem Enten-Watschelgang, Schritt für Schritt, vorwärts. Ein paar Kängurus schauen gespannt zu. Könnten sie lachen, würden sie, glaube ich, auf dem Boden liegen. Von außen betrachtet muss  dieser Anblick auch zu komisch wirken. Der Watschelgang und die Ausgleichsbewegungen der Hände erfüllen jedoch ihren Zweck: Oberkörper und Rucksack bleiben trocken. Insgesamt acht Mal durchwatscheln wir den Bach. Einige Wurzeln und die Steine der jetzt überfluteten „Flussbrücke“ sind dabei tückische Stolperfallen und Auslöser des ein oder anderen Beinahe-Sturzes. Diese Bachüberquerungen sind sicherlich weniger gefährlich als der Hagel, dennoch ein echtes Erlebnis.

 


 

Um kurz vor fünf Uhr erreichen wir schließlich glücklich und erleichtert die Ranger-Station. Unser Abenteuer ist vorbei. Wir haben es geschafft. Wir haben die Naturgewalten …  der Gedanke an mein rotes T-Shirt verbietet mir diesen Satz fortzuführen. Nur einer ist über unsere Wiederkehr scheinbar noch glücklicher als wir selbst: der diensthabende Ranger. Die Wetterdaten und die Berichte einiger Touristen, die ein paar Stunden vor uns zurückkehrten, haben ihn alarmiert. Er war gerade dabei, Instruktionen an ein fünfköpfiges Rettungsteam zu geben, die die zwei letzten Vermissten Wanderer – UNS – suchen sollten, als wir gerade um die Ecke biegen. Meinem schuldhaften T-Shirt würdigt er allerdings keinen Blick.

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Er interessiert sich viel mehr über unsere Flucht in die Toilette. Etwas unglaubwürdig nehmen wir seinen Satz auf, er wolle dem Klo ein Abzeichen überreichen, schließlich habe ihn dieses auch schon vor einem wahren Unwetter gerettet. Die nächsten Sätze gehen im undeutlichen, australischen Gemurmel und dem schallenden Gelächter der anwesenden Männer unter.  Am schauspielerischen Talent des Rangers lässt sich dennoch deutlich erkennen, wovor ihn die Toilette gerettet hatte: ein Donnern in der Hose … Zum Glück ist uns diese Art von Gewitter erspart geblieben. Am Auto angekommen bleibt mir nur noch ein letztes Werk zu vollenden: Das rote T-Shirt muss weg!

 

 © simon 2010

 

 

 

 

Australien Reisebericht:
Die Straße der Abenteuer

Einmal quer durch den roten Kontinent – davon träumt so mancher abenteuerlustige Australien-Besucher. Allein die Umsetzung ist nicht immer so einfach und unproblematisch, da man sich als unerfahrener Allradfahrer nicht unbedingt allein ins australische Outback wagen sollte. Denn die Traumstraße der Abenteuer, die die Städte Cairns an der Ostküste und Broome an der Westküste verbindet, verläuft nicht weniger als 3.500 km über z.T. recht raue Offroad-Pisten, die Fahrer und Fahrzeug einiges abverlangen.

15 Nationalparks liegen an der Strecke und laden ein zu vielfältigen Aktivitäten, wie Bushwalking, Tierbeobachtungen, Baden, Kanufahren, Ballooning, Angeln, Rundflügen etc.

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Inklusive der zahlreichen, lohnens-werten Abstecher dehnt sich so die Gesamtdistanz auf bis zu 7.000 km aus, eine Strecke, die –wenn man alles genießen möchte- durch-aus bis zu 2 Monate Zeit beansprucht.

Damit dieses Abenteuer aber auch für den unternehmungslustigen Normalurlauber möglich ist, bieten wir in 2 jeweils 3-wöchigen Ab-schnitten den Savannah Way als deutschsprachige, begleitete 4WD-Selfdrivetour an. Wir haben den gesamten Savannah Way vorab befahren und zeigen Ihnen alle Highlights dieser abwechslungsreichen Traumroute.


 

Teil 1: Cairns – Darwin (3.600 km)

Willkommen in Cairns – dem Tor zum Great Barrier Reef ! Im Lande-anflug, von Brisbane kommend, reißt die bisher dichte Wolkendecke mehr und mehr auf und ich kann von oben das türkisfarbene Meer, zahllose Korallenriffe und viele, winzige Trauminseln mit schneeweißen Stränden bewundern. Bis zum Horizont und weit darüber hinaus streckt sich dieses Gebiet über den Ozean und bildet damit eins der größten Naturwunder der Erde, ist damit gleichzeitig Anziehungspunkt für zahllose Besucher aus allen Teilen der Welt und eins der beliebtesten Wassersportreviere auf dem Planeten. Sogar aus dem Welt-raum ist das Barrier Reef zu erkennen und man kann die gigantische Ausdehnung und Größe deshalb auch nur erahnen.

Jörg, mein Reisepartner, den ich in Cairns treffen werde, hat gestern eine Tagestour ins Riff mitgemacht und ist eingetaucht in die phantastische Unterwasserwelt des Riffs. Eigentlich ein Muss für jeden Cairns-Besucher, aber nicht alle können das wirklich genießen.

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Manchmal zeigt sich die See auch von ihrer rauen Seite und die etwa 1 ½-stün-dige Fahrt mit dem Katamaran hinaus zum fest verankerten Ponton, der Tauch- und Schnorchelbasis, stellt einen ersten Härtetest insbe-sondere für den Magen dar. Er hat´s wohl gut überstanden, berichtet er mir am gleichen Tag, doch die Hälfte der Passagiere hat intensiv „die Fische gefüttert“.

Über Cairns hat sich die Wolkendecke wieder geschlossen und die Landung ist feucht, es regnet – willkommen in den Tropen ! Beim Ausstieg schlägt mir die feucht-schwüle, aber warme Luft entgegen, die Vegetation rund um den Airport ist üppig grün und viele bunte, tropische Vögel bieten einen kreischenden Empfang.


 

Kurz drauf stehe ich bereits an der Britz-Vermietstation, die sich ganz in der Nähe des Airports befindet. Nach Erledigung der Formalitäten mit dem zusätzlichen Abschluß des „No-Worry-Paketes“ (Vollkasko-Versicherung) sowie einer kurzen Einweisung übernehme ich den reservierten Bush-Camper und hole Jörg am Hotel ab. Er sitzt bereits in der Empfangshalle des Cairns Colonial Club Resorts auf seiner gepackten Tasche und sieht unserer Tour ebenso gespannt entgegen wie ich, naja vielleicht doch ein wenig mehr, denn ich habe ja bereits den 2.ten Teil der Strecke (Darwin-Broome) bereist und bin in seinen Augen deshalb auch schon „ein alter Hase“ mit Buscherfahrung.

So gilt unser erster Weg auch der Suche nach einem Supermarkt und einem Bottle-Shop, wo wir unsere Vorräte für die nächsten Tage auffüllen und nur wenig später befinden wir uns bereits „on tour“ auf dem Kennedy Hwy Richtung Mareeba. Die Vegetation ist üppig, wir fahren durch tropische Regenwald-Vegetation, mächtige Bäume säumen die Straße, umringt von Schlingpflanzen, Lianen und Bromelien, das es regnet, wundert uns deshalb nicht.

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Wir haben die erste Hügelkette überquert und kurz drauf sind die Straßen wieder trocken, die Vegetation lichtet sich und die ersten Weiden und Obstanbauflächen sind zu sehen. Wir kommen in die sog. Tablelands, einer überwiegend landwirtschaftlich genutzten Hochland-ebene, Kaffee, Mangos, Avocados, Orangen, der fruchtbare Boden bietet den ansässigen Farmern die Grundlage für ihre Existenz, die Farmen und Siedlungen sind sauber und gepflegt, kleinere Neubau-siedlungen lassen einen gewissen Wohlstand erkennen.

Schließlich erreichen wir unser erstes Tagesziel, die Kleinstadt Mareeba. Hier wollen wir am nächsten Morgen zu unserem ersten „Abenteuer“ starten. Andrew Steel, Managing Direktor von „Balloon with Hot Air“ hat mich eingeladen, an einer Ballonfahrt teilzunehmen. Eine solche Einladung kann ich natürlich nicht abschlagen und so suchen wir uns den nächstgelegenen Campingplatz.


 

Wenige km außerhalb begrüßt uns die Inhaberin dann auch über-schwenglich und weist uns einen freien Platz zu, nicht ohne uns gleichzeitig zum Barbeque einzuladen, das am Abend auf dem Platz stattfinden soll. You are very welcome to have some cool beers“, denn schließlich könnte es auch etwas lauter werden, erklärt sie uns. Will-kommen in Australien ! – kaum angekommen, sind wir bereits von der Gastfreudschaft der Aussies überwältigt.

Und so machen wir uns wenig später auf Richtung Rezeption, wo sich zahlreiche Stammgäste des Platzes in lockerer Runde zusammenge-funden haben und uns herzlich willkommen heißen. Der Grill ist zwar bereits wieder aus, aber kaum haben wir Platz genommen, wird uns schon aus einem King-Size-Kühlschrank das erste kalte Bier gereicht. Gleichzeitig werden wir aufgefordert, am bereits gestarteten Quiz teil-zunehmen. Es werden Zettel verteilt, auf denen man die vom Quizmaster (Platzwart) mit viel Witz und Ironie gestellten Fragen im Multiplichoice-Verfahren beantworten soll. Schon das Stellen der Fragen erzeugt größtenteils schallendes Gelächter und mit großem Enthusiasmus gehen die Teilnehmer daran, ihre Zettel auszufüllen.

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Unversehens stellen wir fest, dass wir mitten in eine Slapstick-Komödie hineingeraten sind. Man macht sich über sich selbst lustig, nimmt den Nachbarn „auf´s Korn“, schmeißt Kommentare im Stil der Muppet Show in die Runde und animiert mit tosendem Applaus den Quizmaster zu musikalischen Einlagen, welcher dann auch gleich zur Gitarre greift und mit erstaunlich guter Stimme Eigenkompositionen aber auch Cover-Stücke bekannter Interpreten wie z.B. Bob Dylan von sich gibt.

Zum Schluß werden die Sieger ermittelt und dürfen sich über Preise freuen, die meist etwas „anzüglich“ sind und in erster Linie auf das Liebesleben jeden Einzelnen abzielen, egal ob 20 oder 80 Jahre. Alle haben ihren Spaß und auch die älteren, z.T. schon zahnlosen, in ab-getragenen Turnhosen erschienenen, offensichtlichen Dauer-Camper finden gar nichts dabei, sich auf einen Stuhl zu stellen und ihren Erotik-Preis stolz in die Runde zu zeigen.

Wir bedanken uns schließlich für die Einladung und legen uns äußerst amüsiert schlafen mit der Gewissheit, hier gleich am ersten Tag einen Einblick in typisch australisches Camperleben erhalten zu haben.


 

Früh um kurz nach 04:00 Uhr haben wir uns bereits den Wecker gestellt, frei nach dem Motto „der frühe Vogel fängt den Wurm“ finden wir uns pünktlich am vereinbarten Treffpunkt am Mareeba Heritage & Visitor Center ein, wo auch das Team von Hot Air Ballooning zeitgleich ankommt. Zusammen mit ein paar anderen Gästen fahren wir in stock-finsterer Nacht raus aus Mareeba und halten außerhalb auf einem ab-geernteten Stoppelfeld. Ein weiteres Ballonteam positioniert sich 200 m weiter und sofort beginnen die Aufbauarbeiten für den Heißluftballon. Jeder Handgriff sitzt, man merkt sofort, hier hat man es mit Profis zu tun.

Als erstes wird zunächst der Wind geprüft. Ein Luftballon wird aufge-blasen, eine weiße Plastiktüte drangehängt und ein Teelicht reingesetzt und schon entschwebt diese simple Technik gen Himmel, zu-nächst geradewegs nach oben, dann beschreibt der „Windbeutel“ einen weiten Bogen nach links oben, wechselt wieder die Richtung spiralförmig und steigt unaufhörlich weiter, Richtung Mond. Ein fas-zinierendes Schauspiel. Man erkennt nur noch den Schein des Tee-lichtes, der sich immer weiter entfernt, bis sich der winzige Lichtpunkt irgendwo in der Dunkelheit ganz auflöst.

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Am Horizont ist das erste zarte Morgenlicht zu erkennen, da sind die wichtigsten Vorbereitungen getroffen, die Ballonhülle liegt ausgebreitet auf dem Feld, der Jeep bestrahlt die riesigen, bunten Stoffbahnen mit seinen Scheinwerfern, der Korb mit dem Brenner ist in Position ge-bracht und 2 Mann vom Team stehen bereit, den Feuerstrahl in den Ballon zu leiten. Stück für Stück bläht sich der Ballon weiter auf und langsam nimmt er Formen an. Die runden Konturen zeichnen sich gegen den allmählich heller werdenden Morgenhimmel ab und die stoßweise in den Ballon fauchende Flamme vermittelt das Gefühl eines erwachenden Drachen.

Dann ist es soweit, beide Ballons stehen leicht schwankend am Boden, nur noch gehalten von den Sicherungsleinen. Mittlerweile sind weitere Gäste aus Cairns mit Kleinbussen eingetroffen. Die Teams teilen die Passagiere ein (20 Personen pro Korb), eine Fotografin hält jeden einzelnen beim Einstieg im Bild fest und wenige Augenblicke später hebt der Ballon ab, strebt geräuschlos dem Himmel mit der aufgehenden Sonne entgegen, ein perfektes Timing. Nur der gelegentlich fauchende Brenner mit seiner heißen Stichflamme stört die morgendliche Stille ein wenig.

Dafür ist der sich auf tuende Rundumblick phantastisch. Während die am Boden immer kleiner werdenden Team-Mitglieder die Begleitfahrzeuge wieder besteigen, beschreiben wir mit dem Wind einen ausladenden Kreis rund um die Tablelands, können weit entfernt die wolken verhangenen Hügelketten rund um Cairns sehen, blicken auf symetrisch angelegte Obstplantagen unter uns und winken den Gästen des parallel aufgestiegenen Zweitballons mit dem im morgendlichen Sonnenlicht erstrahlenden Schriftzug AUSTRALIA zu, die Szenerie wirkt schon fast ein wenig kitschig, doch einen besseren Tagesstart kann man sich eigentlich nicht wünschen.


 

Nach einer guten halben Stunde setzt unser Pilot zu einer perfekten Landung an, nur wenige hundert Meter von unserem Startplatz ent-fernt. Mit vereinten Kräften wird anschließend der Ballon zusammengefaltet und verladen und natürlich darf zum Schluß das obligatorische Gruppenfoto nicht fehlen.

Kurz nach 08:00 Uhr morgens verabschieden wir uns; während die anderen Gäste nach Cairns zurückgebracht werden, fahren wir nach Mareeba zurück, um dort zu frühstücken und unsere Reise dann an-schließend fortzusetzen.

Auf dem Weg weiter Richtung Süden durchfahren wir die hügelige und anmutige Hochlandschaft der Tablelands. Obstplantagen, Felder, Wiesen und Weiden säumen unseren Weg, es grünt überall und die Farmen am Wegesrand erwecken den Eindruck, das hier die Welt noch in Ordnung ist. Atherton ist der schmucke Hauptort der Table-lands-Region, wirkt auf uns aber eher etwas verschlafen, naja es ist ja auch noch recht früh und außerdem Sonntagmorgen.

Leichter Nieselregen hat jetzt wieder eingesetzt, doch unserer Stim-mung tut dies keinen Abbruch, wir genießen die Fahrt und erreichen bald darauf die Zufahrtsstraße zu einem der schönsten Wasserfälle dieser Region. Offenbar sind wir die einzigen Touristen an diesem Morgen, denn der Parkplatz ist leer. Ein schmaler, 100 m langer Fußweg führt über einige Stufen durch tropfnasses Pflanzendickicht, wir scheuchen ein paar wilde Truthähne auf und erreichen einen Aussichtsplatz, von dem aus der Millaa Millaa Fall sehr schön zu sehen ist. Rund 70 m stürzen die Wassermassen in einer Breite von ca. 10 Metern über eine Felskante hinab und ergießen sich in einen einladenden Badepool. Dichtes Grün von tropischen Pflanzen umwuchert den Felskessel, bunte Blumen, Lianen und Flechten sowie bis zu 5 m hohe Farne wachsen rundherum und bieten ein Gesamtpanorama, das einzigartig ist und zum Verweilen einläd. Sogar der Nieselregel passt dazu.

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Auf einer Informationstafel sehen wir, dass es sogar eine offizielle Route der Wasserfälle, den sog. Waterfall Circuit gibt, der die schönsten Wasserfälle der Region, die Millaa Millaa, Elinjaa, Zillie und Mungalli Falls sowie einige weitere kleinere Fälle miteinander verbindet.

Wir kehren zurück auf den Savannah Way, der hier noch die Bezeichnung Kennedy Hwy trägt und besuchen hinter Palmerston die Millstream Falls im gleichnamigen National Park. Dieser Wasserfall gilt als einer der breitesten Fälle bei einer Höhe von ca. 15 m. Mittlerweile hat sich in diesem Bereich das Landschaftsbild deutlich verändert. Der National Park besteht aus überwiegend trockenem Buschland mit Eukalyptus-Wäldern. Die tropische Vegetation ist komplett zurückgetreten und der Regen hat sich verabschiedet.

Wir haben den Gulf Savannah District erreicht, der unserer Route den Namen gegeben hat. Rechts und links der Straße wächst nur noch niedriges Buschwerk, hin und wieder zeugen schwarze Flächen und verkohlte Baumstämme davon, das es vor kurzem noch gebrannt ha-ben muß, was uns jedoch nicht weiter beunruhigt, da die meisten Buschbrände in Australien gezielt gelegt werden, um den Busch niedrig zu halten und Großbrände zu vermeiden. Wir sehen die ersten Kängurus, allerdings nur als tote, überfahrene Kadaver am Straßen-rand.


 

Auch die Straße selbst hat sich verändert. Es gibt nur noch ein ein-spuriges Asphaltband. Bei Gegenverkehr, der aber mittlerweile sehr selten geworden ist, muß man mit den linken Rädern auf den ge-schotterten Randstreifen ausweichen, um nicht zu kollidieren. Allerdings mit einer Ausnahme. Bei entgegenkommenden Lkw´s, hier die sog. Road-Trains, verlassen wir uns lieber nicht auf diese Methode. Hier heißt es nur: runter von der Straße und anhalten, zur Not in den Graben – denn ein Road-Train weicht nicht aus, hält auch nicht und reduziert schon gar nicht seine Geschwindigkeit ! Ein Kräftemessen würde zur Katastrophe führen.

Normanton – 447 km ! Wir haben das Ende des Kennedy Hwy erreicht und biegen nach rechts ab gen Westen. Eine braune Hinweistafel mit dem Emblem des Savannah Way zeigt uns die Richtung. Jetzt beginnt das Outback-Erlebnis. War der Gegenverkehr bislang sehr spärlich, geht er jetzt fast gegen Null. Wir sind allein auf weiter Flur. Rechts und links der Straße säumt tiefrote Erde den Weg und die Gräser und Büsche am Rand sind von rotem Staub überzogen. Der inzwischen stahlblaue Himmel bietet einen perfekten Kontrast dazu. Schnurgerade zieht sich das Asphaltband bis zum Horizont. Irgendwo ganz weit dahinten liegt der Golf von Carpentaria, doch zunächst haben wir ein anderes Ziel im Visier.

Schon nach 17 km weist ein weiteres Schild links den Weg zum Undara Volcanic N.P., den wir nach wenigen Km erreichen. Dieser Nationalpark ist bekannt für die weltweit größten Lava Tubes (Höhlen), die sich vor rund 100.000 Jahren als Folge von Vulkanausbrüchen gebildet haben.

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Heute existiert hier ein außergewöhnlicher Nationalpark mit ebenso außergewöhnlichen Unterkunftsmöglichkeiten. Alte, ausrangierte Eisenbahnwaggons wurden hergeschafft und in Hotelzimmer umgebaut. Soweit möglich wurden die Waggons so belassen, nur anstelle der Sitze wurde ein Bett eingebaut, die Gepäckfächer und viele andere Accessoires zeugen immer noch von der historischen Bahnatmosphäre der Goldgräberzeit.

Gleich nebenan befindet sich der schöne Campground. 1860 kam die Familie Collins als erste Siedler in diese Region und gründete eine Farm. Früh erkannten Sie die Einzigartigkeit dieses Höhlensystems, sowohl aus ökologischer wie auch geologischer Sicht. Ende der 80er Jahre konnte Gerry Collins, Sohn in 4.ter Generation, den Staat Queensland überzeugen, dieses Gebiet als Nationalpark zu schützen und 1990 entstand die touristische Infrastruktur dazu. Seitdem betreibt er die Undara Experience. Neben den geschaffenen Unterkünften werden zahlreiche geführte Touren durch den N.P. angeboten und besondere Events wie z.B. Opernaufführungen organisiert. Hier fest stationierte „Savannah Guides“ stehen den Gästen mit Rat und Tat zur Seite und führen Sie auch fachkundig auf den Wanderungen durch den Park.

Wir finden einen sehr schönen Stellplatz auf dem Campground und melden uns gleich für die gegen Abend stattfindende „Wildlife at Sunset – Tour“ an. Um 17:00 Uhr soll es losgehen. Am Platz erhalten wir zwischenzeitlich ersten, neugierigen Besuch, einige Wallabies und Kängurus lassen sich sehen und in den Bäumen krächzen Kakadus und Rosella-Papageien.

Über das Fotografieren achten wir gar nicht auf die Zeit und mit 3 Minuten Verspätung erscheinen wir deshalb am Treffpunkt für die Tour. Jim, der Savannah-Guide und die weiteren Teilnehmer warten bereits ungeduldig auf uns, wir sind die einzigen, die nicht pünktlich sind.


 

Mit einem Kleinbus geht es zunächst in den Bush. Auf sandigen und steinigen Wegen erklärt uns Jim die Beschaffenheit des Parks, die Flora und Fauna und hält unentwegt nach Tieren Ausschau. Es dauert nicht lang, da kommen die ersten Kängurus bzw. Wallabies in Sicht. Es wird gestoppt, ein, zwei Meter zurückgefahren, dabei erklärt, welche Gattung wir sehen, ob Männchen oder Weibchen, braun oder schwarz, usw. Und da in der Abenddämmerung bekanntlich die Tiere hervorkommen, wiederholt sich diese Prozedur alle paar Minuten. In Anbetracht der Tatsache, dass uns eben noch die Kängurus direkt vor unserem Camper Auge in Auge gegenüber saßen, erscheint uns dieses Prozedere allerdings etwas übertrieben. Außerdem finden wir es auch nicht so spannend, in einem Bus hier durchzufahren.

Aber Jim gibt sich dafür sehr viel Mühe, alles Wissenswerte zu berichten. Schließlich halten wir, steigen aus und klettern einen kleinen Hügel hinauf, von dem man einen schönen Ausblick über das um-liegende Gelände hat und die Wildnis hat. Zur Belohnung hat Jim ein paar Flaschen Sekt und einige Häppchen mitgebracht. Dies wiederum ist eine nette und schöne Geste. Wir genießen den kühlen Tropfen und am Horizont versinkt gleichzeitig die Sonne in spektakulären Farben zwischen den wie in Szene gesetzten Schönwetterwolken.

Zurück am Bus fahren wir noch ein kleines Stückchen weiter und erreichen den Einstieg in die Lava-Höhlen. Zu Fuß geht es weiter. Jeder hat eine Taschenlampe bekommen. Die Dunkelheit kam plötzlich und innerhalb von Minuten. Jim geht voraus und deutet uns, zu warten. Er erkundet nun den Einstieg in die Höhle. Nach ein paar Minuten kommt er zurück mit der Meldung „no Snakes today“. Wir folgen ihm einen Holzsteg entlang, Stufen führen weiter hinab in die Höhle, Büsche, Sträucher und kleinere Bäume verdecken den Eingang. Ein kurzer Luftzug an meinem rechten Ohr lässt mich hochschrecken. Da, noch mal und ein weiteres Mal, Fledermäuse, für den Bruchteil von Sekunden sind nur winzige Schatten erkennbar, sausen durch die Luft, auf der Jagd nach Insekten. Hunderte, ja Tausende müssen es sein, die jetzt bei Dunkelheit aus der Höhle strömen. Jim gibt zu verstehen, dass wir uns ruhig verhalten sollen, auf ein Zeichen richtet er seinen mitgenommenen Scheinwerfer in die Höhle und lässt die Dunkelheit erstrahlen. Aus allen Richtungen fliegen die kleinen „Bats“ auf uns zu und drehen im allerletzten Moment ab. Wie ein Wunder wird niemand getroffen. Blitz- und reaktionsschnell sausen sie durch die Lüfte.

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Fasziniert betrachten wir das Schauspiel, in der Gewissheit, dass keine Gefahr für uns besteht. Eine Gefahr ganz anderer Art gibt es jedoch für die Fledermäuse selbst. Meist lauern in den Bäumen und Büschen vor dem Höhleneingang Schlangen, um die ausschwärmen-den Bats im Flug zu erwischen. Doch Jim erklärt uns, das es um diese Zeit zu kalt ist für die Schlangen und wir sie deshalb heute nicht sehen werden. Beim Ausstieg jedoch, hält er uns plötzlich zurück, eine gelbe Baumschlange, rund 2 m lang, befindet sich direkt über uns in einem Baum und lauert auf Beute. Angeblich sind diese Schlangen für Menschen ungefährlich. Es gelingt mir, die Schlange im Licht der Taschenlampe zu fotografieren, leider sehen wir nicht, ob sie erfolg-reich war. In der heißen Jahreszeit jedoch, soll es hier von Schlangen nur so wimmeln und die Chance, das Schauspiel der Fledermausjagd live mitzuerleben, liegen dann sehr hoch.

So hat sich diese Tour durch dieses Wildlife-Erlebnis für uns doch noch gelohnt. Am nächsten Morgen wollen wir unsere Tour fortsetzen, nicht jedoch ohne die Lava Tubes im Tageslicht zu sehen. Zunächst aber folgen wir der Einladung von Gerry Collins, den ich in Brisbane kennen gelernt habe, am „Breakfast in the Bush“ teilzunehmen. Morgens ab 08:00 Uhr gibt es rund 200 m hinter den Unterkünften und dem offiziellen Restaurant einen Platz mitten im Bush, an dem man ein sehr ursprüngliches, typisch australisches Frühstück einnehmen kann. Ein Mitarbeiter des Camps bereitet über dem offenen Feuer den Kaffee, auf einem offenen Grill mit Eisenplatte werden die Eier und der Speck gebacken bzw. gegrillt, heißes Wasser für den Tee und alle anderen Zutaten stehen bereit und wer einen Toast möchte, nimmt einen der Eisenhaken, die an der Feuerstelle bereit hängen, in die Hand, schiebt einen Toast in das zurecht gebogene Ende und hält es übers Feuer bis der Toast die Farbe wechselt. Platz nimmt man auf Baumstämmen und auch als Esstisch dient ein Baumstumpf, der davor steht. Dazu erzählt der Camp-Koch Anekdoten aus dem Bush oder man unterhält sich mit den anderen Frühstücksgästen. Ein uriges Breakfast, sehr originell und outback-style.


 

Danach treffen wir wieder auf Jim, diesmal für unsere Begriffe pünktlich, doch auch bereits 1 Minute nach offiziellem Startzeitpunkt der Lava Tubes Tour, werden wir bereits wieder ausgerufen. Ich dachte immer, die Tugend der Pünktlichkeit ist nur uns Deutschen vorbehalten. Wir starten also wieder mit dem Bus, fahren wieder die gleiche Strecke wie am Abend zuvor, hören wieder die gleichen Erläuterungen über Flora und Fauna, erfahren wie man zum Savannah-Guide wird und erreichen endlich wieder den Einstieg in die unterirdischen Höhlen. Wir sind davon überzeugt, dass Jim sein Bestes gibt, aber seine Erklärungen sind für unsere Begriffe so ausführlich, dass diese eher für eine Expedition von Geologen geeignet scheint als für normal touristisch interessierte Besucher. Alle 10 Meter hält er an, hält einen Vortrag über die Entstehungsgeschichte der Lava Tubes, die einzelnen Gesteinsschichten und –strukturen, die Flußrichtung der Lava und all die Geheimnisse und Vermutungen, die die Wissenschaftler bis heute noch nicht gelöst haben. Dabei sieht man im Grunde recht wenig, weil es in den Höhlen sehr dunkel ist und das spärliche Licht der mitgenommenen Lampe die Ausdehnungen nur erahnen lassen. Wir sind deshalb froh, als diese 2-Stunden-Tour vorbei ist und sind uns einig, dass die eine Tour am Vorabend gereicht hätte.

So verlassen wir den Undara N.P. gegen 10.00 Uhr wieder, kehren zurück zum Savannah Way und streben weiter dem Westen entgegen. Rechts führt eine staubige Piste ins Nirgendwo, Savannah Way, Alt. Route, Normanton 718 km, ist darauf zu lesen, diese Piste verbindet lediglich die weit verstreuten Farmen im Outback Queenslands. Es reizt uns zwar, hier abzubiegen, aber leider reicht unsere Zeit nicht für derartige Abstecher. Das Abenteuer wäre sicher garantiert. Wer diese Route wählt, sollte auf jeden Fall über genügend Spritreserven und mindestens 2 Ersatzräder verfügen.

In Mount Surprise, einem überschaubaren Ort mit 10-20 Gebäuden halten wir am Roadhouse, um unsere Tanks aufzufüllen. Einige bis zu 50 m lange Roadtrains stehen am Straßenrand, Viehtransporter mit 3 Anhängern, bei der Vorstellung, wie diese gewaltigen Straßenmonster stundenlang über die endlosen Pisten fahren, tun mir die Rinder leid, die eng an eng in dem fahrenden Käfig stehen müssen. Daneben steht ein roter Allrad-Bus mit der Aufschrift „Alice Springs - Darwin – Cairns“. Dieser Bus bewältigt diese enorme Strecke in kürzester Zeit. Allein die Etappe von Darwin nach Cairns von rund 3000 km legt er in nur 4 Tagen zurück und die Werbung verspricht ein „relaxtes“ Fahren mit viel Zeit für „Activities“. Mit viel Phantasie lässt sich halt alles verkaufen.

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Während des Messebesuchs in Brisbane hatte ich den Tipp bekommen, in Mount Surprise nach „Russel“ zu fragen, der hier wohnen soll, doch leider ist er nicht zuhause, wie mir die Inhaberin des Roadhouses verrät. Er wohnt gleich nebenan und ist als Snake-Man bekannt. Wenn man das Glück hat, ihn anzutreffen, bekommt man eine ganz private Schlangenshow geboten. Na, vielleicht das nächste Mal.

Unmittelbar hinter dem Ort befindet sich eine Art Autowaschanlage am linken Straßenrand. Über große Hinweistafeln werden die Autofahrer aufgefordert, hier durchzufahren, um Dreck und Staub und damit auch evtl. sich am und unterm Fahrzeug festgesetzte Tiere und Bakterien abzuspülen, die sonst dazu führen können, dass Krankheitserreger eingeschleppt und übertragen werden, die die Obst- und Gemüseern-ten gefährden könnten. In Australien gibt es bislang keine Fruchtfliegen und dabei soll es auch weiter bleiben.

Wir folgen weiter der Hauptroute bis Georgetown, einer ehemaligen Goldgräberstadt, wo wir eine kurze Mittagsrast einlegen. Von hier führt eine weitere Nebenroute zur Cobbold Gorge, rd. 100 km entfernt. Auch heute noch sind dort einige Minen in Betrieb, wo nach Edelsteinen, Gold und Mineralien gesucht wird. Die Cobbold Gorge selbst besteht aus einem Schluchten- und Canyonsystem mit tropischem Pflanzenbewuchs, in dem man sehr schöne Bootstouren und Wanderungen unternehmen kann. Für uns ist aber auch dieser Abstecher heute nicht drin.


 

So zieht sich der Savannah Way weiter durch die trockene Steppen- und Savannenlandschaft, gelegentlich sehen wir verstreut umherlaufende und grasende Rinder. Hinter Croyden verläuft parallel zur Straße die Eisenbahnlinie des „Gulflander“. Diese mittlerweile historische Eisenbahn wurde zur Zeit des „Goldrushs“ gebaut und diente den „Minern“ zum Transport ihrer Materialien und abgebauten Gesteine. Heute ist die Strecke umfunktioniert in eine Sightseeing Route für Touristen und verkehrt 2x wöchentlich zwischen Croyden und Normanton.

Normanton – wir erreichen den ersten größeren Ort seit langem, mit rd. 2000 Einwohnern kann man Normanton bereits als Großstadt be-zeichnen. Am Ortseingang weist eine überdimensionale Figur eines Fisches bereits darauf hin, dass wir uns in der Nähe der Küste befin-den und damit das Zentrum der Barramundi-Fischerei erreicht haben. Wir füllen unsere Vorräte auf und kommen zur Hauptattraktion des Ortes. Neben der Hauptstraße steht eine in Originalgröße gestaltete Nachbildung von Krys, „the Savannah King“. Im Juli 1957 wurde hier im Norman River das mit 8,63 m Länge weltweit größte, jemals gefangene Krokodil erlegt. Diese Skulptur macht deutlich, welche Gefahren nicht nur in dieser Region lauern. Überall im Norden Australiens kommen die für den Menschen äußerst gefährlichen Salzwasser-Krokodile vor. Besonders aber dieser Bereich scheint davon betroffen und es ist deshalb dringend davon abzuraten -egal wie heiß es ist- hier irgendwo baden zu gehen. Vielleicht hat Krys ja auch noch Nachkommen oder Geschwister, die nur darauf warten, einen anständigen Happen zu erwischen, bekanntlich können Krokodile ja sehr alt werden. Trotz dieser Gefahr üben diese urzeitlichen Echsen auf mich eine große Faszination aus.

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Wir verlassen Normanton am späten Nachmittag und fahren die letzten 70 km bis Karumba an der Golfküste. Das Bushland ist zurückgetre-ten und einem flachen, nur mit einzelnen Sträuchern durchsetzten Fluß-, Lagunen- und Kanalsystem gewichen. Lauern hier die Croc´s bereits auf uns ? Es öffnet sich eine schier unendliche, weite Ebene. In der Regenzeit muss dieses Gebiet komplett unter Wasser stehen. Wir sehen zahlreiche Wasservögel, Enten, Kraniche, Pelikane, Reiher und Raubvögel. Die monotone Straße scheint direkt im Horizont und damit im Meer zu versinken. Schließlich tauchen doch noch die ersten Häuser auf. Karumba empfängt uns und zu unserem Erstaunen ist das erste, was wir sehen, ein Golfplatz ! Scheint zwar nicht gerade ein Platz für die Weltelite zu sein, aber offenbar lieben die Australier ihre Hobbys. Selbst in diesem Nest, am Ende der Welt will man auf diesen Sport nicht verzichten.

Was hier jedoch Sport No. 1 ist, ist unverkennbar. Fast jedes Fahrzeug und das sind in erster Linie nur noch Allrad-Fahrzeuge, hat eine Angelausrüstung am Dach oder vor dem Kühler. Hier dreht sich offenbar alles um Fisch und damit ist in erster Linie der Barramundi, Aus-traliens beliebtester Fisch gemeint. Auch ich habe aus diesem Grunde eine Angelausrüstung im Gepäck, wenn nicht hier, wo sonst sollte ich mein Glück versuchen. Karumba ist aber gleichzeitig auch Zentrum der Garnelenfischerei und von weitem sind auch einige hässliche Hafenanlagen zu erkennen.

Am Ortsrand weist ein auffälliges Schild den Weg zum Sunset Caravan Park und wir haben Glück, den einzigen freien Platz auf dem zu dieser Zeit i.d.R. ausgebuchten Campground zu bekommen, kurz vorher hat ein anderer Camper überraschenderweise seinen Aufenthalt abgebrochen. Dieser Platz ist wirklich voll und die Camper und Zelte stehen auch relativ dicht beieinander. Überall stehen Angeln herum, viele Fahrzeuge haben einen Trailer angehängt, auf dem ein Boot aufliegt. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre, man kennt sich, offenbar sind hier viele Stammgäste und Dauercamper.

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Nur 50 m vom Platz entfernt ist der wunderschöne Strand, der schnee-weiße Sand schimmert goldgelb in der untergehenden Sonne, einige Angler stehen am Rand und werfen ihre Köder aus, es sieht sehr viel versprechend aus, morgen werde ich es selbst probieren. Wir würden am liebsten noch ein Bad nehmen, aber diese Strände gehören den Krokodilen und ebenso sollen die Gewässer sehr Hai-haltig sein.

Am frühen Morgen gegen 06:00 Uhr werde ich wach und erschrecke. Draußen scheint es zu brennen, der Himmel ist feuerrot, doch bei näherer Sicht, erkenne ich, dass dies doch „nur“ der Sonnenaufgang ist. Ich stürze mit der Kamera nach draußen. Der Himmel ist von einer „Schäfchen“-Wolkendecke überzogen und im Licht der aufgehenden Sonne, glühen die einzelnen Wolkenbänke um die Wette. Eine Orgie in schwarz, orange, gelb, rosa, hell-, dunkel bis tiefrot, eine phantastische Stimmung.


 

Wir haben uns einen Ruhetag verdient. Heute bleiben wir den ganzen Tag hier. Nach ausgiebigem Frühstück am Camp gehen wir erstmal zum Strand rüber, um die Lage zu sondieren. Zahlreiche Angler stehen bereits wieder am Ufer und frönen ihrer Lieblingsbeschäftigung, einige waren auch bereits erfolgreich. Viele scheinen aber auch mit ihren Booten unterwegs zu sein, am Ufer steht eine Armada von leeren Bootstrailern.

Linker Hand in Bereich der Einmündung des Norman River säumen Mangroven das Ufer, Hinweistafeln warnen vor Krokodile ! Die Angler scheint dies jedoch nicht zu stören, sie stehen z.T. sogar ganz dicht am Wasser. Wir schauen eine Weile zu und fahren dann mit unserem Camper ein Stück den Strand entlang. Weiter nördlich wird es einsamer, die Strände sind traumhaft, das Wetter auch, nur noch vereinzelt sind andere Angler zu sehen. Hier ist der richtige Platz für uns Anfän-ger.

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Ein Australier hat gerade einen prächtigen Lachs gefangen und schenkt uns seine letzten Köder, einige Garnelen – das sieht ja vielversprechend aus. Doch nach Zusammenbau der Angel und dem ersten Wurf kommt die Ernüchterung. Schnursalat ! Es fehlte wohl die Übung und auch an der Technik hat es gemangelt. Die Angelschnur hat sich an der Spule komplett verheddert und erst nach 10 Minuten habe ich das Gewirr wieder entflochten. 2, 3 weitere Würfe und nichts hat sich gebessert. So sitze ich erstmal am Strand und bin etwas frustriert. Hätte ich mal zuhause erst ein wenig geübt. Gott sei Dank sind keine anderen Angler in unmittelbarer Nähe und können sich über mich lustig machen. Nur Jörg hat seinen Spaß.

Irgendwann habe ich dann aber den Dreh raus, plötzlich passt die Wurftechnik und mein Köder fliegt weit ins Meer. Immer und immer wieder hole ich ihn ein, werfe erneut, doch nichts passiert. Kein Biß. So vergehen ein bis zwei Stunden. Mittlerweile hat sich ein weiterer Angler in der Nähe niedergelassen und versucht´s ebenfalls. Plötzlich geht ein Zucken durch die Rute und die Schnur bewegt sich weg von mir in die entgegen gesetzte Richtung gegen die Strömung. Die Rute biegt sich immer mehr. Na endlich! Ich versuche, meinem Fang einzuholen, verfolge die Bewegung der Schnur und sehe aus dem Augenwinkel wie mein Angelnachbar das gleiche tut. Na super, da haben sich unsere beiden Köder miteinander verwickelt und jeder hat geglaubt, den Fang des Lebens gelandet zu haben. Leicht amüsiert gebe ich schließlich auf, zumindest weiß ich jetzt, wie man die Angel, ohne Schnursalat zu produzieren, auswirft. Gut, das wir uns für den Fall des Mißerfolgs einen Plan B für das Abendessen zurechtgelegt haben. Ein kleines Lokal in der Nähe hat mit leckeren Fischgerichten geworben.

Wir verbringen den restlichen Tag in der Umgebung, genießen den Strand und sehen den anderen Anglern zu, von Krokodilen allerdings fehlte jede Spur. Allmählich kehren auch die Boote zurück und viele Aussies kommen wohlgelaunt und erfolgreich zurück. Ein Charterboot bringt einige Gäste zurück, die einen Angelausflug mit Profis gebucht haben und aus den schweren Plastiktüten ragen überall Fischschwän-ze hervor, bis zu 70/80 cm Länge scheinen die geangelten Lachse und Barramundis zu haben.

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Am späten Nachmittag kündigt sich bereits wieder ein spektakulärer Sonnenuntergang an, die kleinen Wolken am Himmel sind perfekt arrangiert und durch den Blick übers Meer entsteht der Eindruck un-endlicher Weite. Ein einsames kleines Mangroven-Bäumchen steht im niedrigen Wasser des Ufersaums und bildet ein ideales Vordergrund-motiv für das sich anbahnende Naturschauspiel. Durch die tief stehen-de Sonne erstrahlen die Wolken in einem goldenen Licht, verändern ihre Farben im Minutentakt, um sich schließlich in glühenden Rot-tönen über den ganzen Horizont zu ergiessen. Wie auf Bestellung taucht zum Finale der riesige Feuerball der Sonne zwischen zwei Wolkenbänken auf und versinkt -z.T. verdeckt durch den Mangroven-baum- langsam und dramatisch im Ozean. Ein Bilderbuch-Sunset, von dem man eigentlich nicht genug haben kann.


 

Bei Fish and Chips und ein paar kühlen Bieren genießen wir den warmen Abend im benachbarten Lokal und machen uns am nächsten Morgen wieder auf den Weg. Die 70 km zurück bis Normanton sind schnell geschafft, unterwegs passieren wir die Weggabelung der 718-km-Alternativ-Piste, die wir hinter Undara schon gesehen hatten und die hier rauskommt. Wir stoppen noch kurz in Normanton, um uns den historischen Bahnhof des „Gulflander-Zuges“ anzusehen. Hier ist auch ein kleines Museum eingerichtet. Der Bahnhof selbst strotzt vor Blumenkübeln und bunten Pflanzen. In liebevoller Arbeit kümmert sich die Verwalterin um den üppigen Pflanzenwuchs und hält alles am blühen.

5 km hinter Normanton zweigt der Savannah Way nach rechts ab. Burketown, Doomadgee und Borroloola sind als nächste Orte ausge-schildert, jeweils mehr als 230 km pures Nichts liegen zwischen den einzelnen Distanzen, was allerdings auf dem Schild verschwiegen wird. Wir haben auf jeden Falls unsere Tanks gut gefüllt und können diesen Entfernungen gelassen entgegen sehen. Nur wenige Kilometer später gibt es einen abrupten Wechsel, für die nächsten Tage verab-schieden wir uns von der Asphaltstraße, ab jetzt geht´s offroad weiter, rote Schotter- und Sandpisten werden uns ab jetzt begleiten. Der All-radgang wird eingelegt, die Differenzialsperre an den Vorderrädern eingestellt und los geht es.

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Zunächst ist die Piste noch breit und ausladend, doch bald schon verengt sie sich und das Gras rückt bis an die Fahrspuren heran. Wir sind wieder allein auf weiter Flur, nur zahlreiche Rinder weiden in der Savannen-Landschaft. Eine schwarze Schlange rettet sich gerade noch vor den Rädern unseres Bush-Campers. Raubvögel kümmern sich um die zahlreichen Känguru-Kadaver an der Piste, die Natur regelt alles selbst, ein Straßendienst ist überflüssig. Nur nach der Regenzeit und schweren Unwettern werden die Pisten von Spezial-maschinen aufgeraut und gewalzt, um die tiefen Spurrillen und well-blechähnlichen Verwerfungen zu begradigen. So kann es sein, dass man durchaus mit Tempo 80-100 problemlos auf diesen Schotterpisten fahren kann. Trotzdem muß man jederzeit auf der Hut sein, Schlaglöcher, Auswaschungen oder andere Hindernisse erfordern die volle Konzentration beim Fahren.

Ein kleines „Road-Sign“ am Weg weist auf eine historische Sehens-würdigkeit hin. Wir zweigen ab und folgen einer schlechter werdenden Piste durch den Busch. Es geht nur noch max. mit Tempo 15-20 weiter. Tiefe Rinnen und Löcher stellen den Allrad erstmals auf die Probe. Dann aber scheint es nicht mehr weiter zu gehen, eine tiefer, von heftigen Regenfällen durchzogener Graben spaltet die Piste vor uns, Jörg meint, das war´s. Doch so schnell lass ich mich nicht aus der Ruhe bringen. Ich schiebe den 2.ten Gang der 4WD-Schaltung rein und ganz langsam arbeitet sich der Toyota in die tiefe Mulde, unser Campingaufbau ächzt und stöhnt, das Geschirr scheppert, aber so schnell lässt sich ein Toyota nicht in die Knie zwingen. Langsam klettert er auf der anderen Seite wieder hoch und weiter gehts.

Kurz darauf erreichen wir den „historical Marker“. Wir sind am Burks & Wills Camp No. 119. Am 09. Februar 1861 schlugen hier Robert O´Hara Burke und William John Wills sowie weitere Teilnehmer während einer Expedition ihr Camp auf. Tags drauf verließen Burks und Wills das Camp, um für einige Zeit die Gegend zu erkunden, doch auf dem Rückweg verloren Sie die Orientierung. Sie irrten in der Hitze im Busch umher, ihre Wasserreserven waren verbraucht und so fanden sie schließlich vor Erschöpfung den Tod. Nur ein Teilnehmer, der im Camp zurückgeblieben war überlebte dank der Hilfe eines Aboriginals. Die Geschichte dieser Expedition ist in großen Info-Tafeln erklärt und es wird einem bewusst, wie einfach und komfortabel wir doch heute reisen können.

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Wir kehren zurück zur Hauptroute, wieder flüchtet eine Schlange vor uns, von weitem steuert eine gewaltige Staubfahne auf uns zu und wir halten vorsichtshalber am Pistenrand. Ein Roadtrain nähert sich und donnert in dichten Staub eingehüllt mit Höchstgeschwindigkeit an uns vorbei. Kurz drauf stehen wir vor unserer ersten Flußdurchfahrt, doch diese erweist sich als harmlos. Ein aufgeschütteter, betonierter Erdwall durchtrennt den Fluß und macht die Furt sehr einfach passierbar. Das Wasser steht unterhalb des Walls und nicht mal die Reifen werden naß. In der Regenzeit kann der Wasserspiegel allerdings dramatisch steigen und eine Durchfahrt unmöglich machen. Die Höhe des Wassers kann man an den vor den Furten befindlichen Pegelanzeiger ablesen und dann selbst beurteilen, ob man eine Durchfahrt riskiert. Im Zweifelsfall lohnt es sich, auf den nächsten Lkw zu warten, auch wenn es einen Tag oder länger dauert.


 

Wir halten mitten auf dem Damm für ein Foto, als Jörg direkt neben sich am Rand wieder eine Schlange entdeckt. Ich stürze hinaus, um sie zu fotografieren, doch sie ist schneller und flüchtet sich in ein Loch unterhalb der Fahrbahndecke. Leider konnte ich auf die Schnelle auch nicht erkennen, um welche Art es sich gehandelt hat, nur bunt war sie und ca. 2 m lang. Auf jeden Fall ist bestätigt, dass Schlangen Fluchttiere sind und Panik unangebracht ist.

Wieder fahren wir den Savannah Way weiter, zwischendurch überqueren wir mehrere in den Boden eingelassene Eisengatter, die verhindern sollen, dass die Rinder von einem Weidegebiet in das nächste wechseln. Auch größere Pferdeherden tauchen auf. Ein in Handschrift gemaltes Schild „Caution – Work Horses – no shooting“ am Zaun zeigt den trockenen Humor der einheimischen Farmer. Zwischen den endlosen steppenartigen Weiden tauchen immer wieder Hunderte wenn nicht Tausende von Termitenhügeln auf, manche Landstriche sind davon so durchsetzt, dass man kaum etwas anderes sieht. Manche scheinen gerade erst ganz frisch entstanden zu sein und ragen gerade über die Grasnarben hervor, andere dagegen stehen stolz und wie eine Festung meterhoch in der Landschaft. Wie viele Abermillionen von Termiten müssen hier am Werk sein.

Kurz vor dem nächsten Ort, Burketown, erreichen wir die Leichardt Falls, von denen jetzt aber nichts zu sehen ist. Eine sandige Piste führt zu einem Felsplateau, von dem man eine schöne Sicht auf die Wasserfälle hat -sofern genug Wasser da ist. Jetzt in der Trockenzeit sind die Felsen blank, nur durch die schwarzen Verfärbungen erkennt man, wo sonst die Wassermassen herabstürzen. So sehen wir nur das Flussbett, in dem noch ein friedlicher See auf Badegäste wartet. Doch auch hier gilt: Caution Crocodiles ! Historisch gesehen ist dieser Platz allerdings bedeutungsvoll. Friedrich Leichardt, deutscher Pionier und Australienforscher, lagerte hier auf seiner letzten Expedition, bevor er und seine Begleiter spurlos verschwanden und nie wieder auftauchten. Bis heute konnte nie eindeutig geklärt werden, wie er zu Tode gekommen ist.

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Burketown, Hauptstadt des Barramundi, steht großflächig am Eingang der Stadt, doch von Stadt kann kaum die Rede sein. Eine Ansammlung von vom Wetter verfärbten Holzhäusern, eine Tankstelle, ein Postoffice mit Supermarkt, ein in die Jahre gekommenes Hotel und Pub sowie einige verlassene und vom Zahn der Zeit angenagte halb zugewachsene Geisterhäuser verleihen dem Ort eine Atmosphäre des Stillstands. Wer hier hält, fällt auf, wird zum „Stadt“-Gespräch, min-destens für eine Woche, denke ich.

Wir verlassen hier die Hauptroute des Savannah Way und fahren gen Süden. Wir wollen in den Lawn Hill N.P., einen wunderschönen, tropischen Nationalpark, der abseits der meisten Routen Australiens liegt und am ehesten von hier aus zu erreichen ist. Man muß sich jedoch immer im Klaren darüber sein, dass Abstecher in downunder durchaus mit einigen hundert Kilometern verbunden sein können, also nicht nur „mal eben um die Ecke“. Wir haben nicht auf die Kilometeranzeige geachtet und fahren deshalb einen Abzweig zu früh rechts rein und landen unversehens auf einer Station. Gepflegt angelegte Pferdekoppeln und Dutzende von eingedeckten Pferden vor dem Farmgebäu-de zeigen, welchen Schwerpunkt diese Farm hat. Wir wollen uns nach dem richtigen Weg erkunden als 2 bildhübsche, junge Frauen in Reithosen aus der Scheune treten und uns erklären, dass wir noch gut 20 km der Hauptpiste folgen müssen. Wir sind überrascht, hier in dieser abgelegenen Wildnis, 2 Frauen zu treffen, die wir eher in einer Großstadt wie Sydney erwartet hätten.


 

Auch Gregory Downs besteht nur aus einem Roadhouse und einigen einfachen Wohnbaracken, von hier aus sind es noch 70 km bis zum Lawn Hill N.P., allerdings steht uns bis dahin noch eine besondere Stecke bevor. „Bulldust“ heißt das Zauberwort, die Piste ist berüchtigt für den feinen Staub, der durch alle Ritzen dringen soll und neben der Strecke deuten auch bereits Schilder auf „extremly dust“ hin. Es dauert auch nicht lang, als sich die Räder des Toyota durch die dichte Feinstaubschicht mahlen. Hinter uns wirbelt eine Wolke auf, die die Piste auf Kilometer in dichten Nebel einhüllt. Hier kann man froh sein, wenn kein anderes Auto vor einem fährt, an Überholen wäre nicht zu denken.

Am späten Nachmittag und einer Tagesetappe von rund 520 km erreichen wir den Lawn Hill N.P., Adels Grove, 20 km vorher wirbt der Campingplatz an einem Rindergatter bereits mit dem verlockenden Schild „Cool Drinks“, automatisch werden wir schneller. Der Campground liegt eingebettet in einem schönen Waldgelände. Wir finden einen herrlichen Platz, eine Feuerstelle mit Grill steht bereit, unsere Steaks in der Kühlbox sind heute fällig. Während ich sofort mit dem Holzsammeln beginne, versucht Jörg, unseren Camper von innen von der millimeterdicken, roten Staubschicht zu befreien, die sich während der Fahrt überall festgesetzt hat. Gerade als wir unser Campfire ent-fachen wollen, beginnt es aber leider zu regnen. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Das Feuer wird angeheizt, die vorhandene Eisen-platte darüber gelegt und in vorher gekauften Aluschalen werden die Steaks innerhalb kurzer Zeit genießbar. Dazu gibt’s eiskaltes Bier und die Welt ist wieder in Ordnung. Nur am Feuer können wir nicht sitzen, zumal der Regen auch stärker wird.

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Am folgenden Morgen strahlt jedoch wieder blauer Himmel über uns. Da wir gestern erst in der Dämmerung ankamen, machen wir uns erst jetzt ein Bild von unserem Campingplatz. Der Platz liegt wunderschön zwischen Papierrindenbäumen, Palmen und anderen Sträuchern und tropischen Pflanzen. Durch das weitläufige Gelände hat jeder Camper sehr viel Platz und die meisten Stellplätze verfügen über ausreichend Schatten. Ein kristallklarer Flusslauf lädt zum Baden, Kanu fahren oder angeln ein, es soll zwar Süßwasser-Krokodile geben, aber angeb-lich sind diese für den Menschen ungefährlich. Neben der Rezeption gibt es auch ein Restaurant, wo sich die Gäste in lockerer Atmos-phäre treffen, hier können wir morgen früh sicher auch frühstücken. Außerdem existieren mehrere fest installierte Safari-Zelte, die man mieten kann, für kleinere Gruppen ohne Campingausstattung sicher ideal.

Obwohl dieser Park doch recht weit von der Hauptroute des Savannah Ways abweicht, sind aber auch hier die Savannah Guide stationiert und bieten organisierte und begleitete Touren an. Der eigentliche Eingang zum National Park befindet sich rund 20 km weiter südlich, es gibt zwar auch hier einen Campingplatz, doch dieser bietet nicht ganz so viel Komfort wie Adel´s Grove. Es gibt lediglich einfache sanitäre Anlagen und es ist verboten, offenes Feuer zu machen. Die Bushbrandgefahr im australischen Winter (Mai und September) ist extrem hoch und man tut alles, um diesen tollen Nationalpark zu schützen. Von hier aus starten zahlreiche Wander-Trails, die jeweils zwischen 2 und 6 km lang sind, durchaus aber auch miteinander kombiniert werden können.

Erst 1984 ist diese Gegend zum Nationalpark erklärt worden, die Ge-schichte geht allerdings 17 - 30.000 Jahre zurück. Zu dieser Zeit haben nachweislich bereits Aboriginals hier gelebt und ihre Spuren hinterlassen. Die Felsen und Canyons aus Sandstein sind im Laufe von Jahrtausenden vom Lawn Hill Creek geformt und verändert worden. Ganz in der Nähe bei Riversleigh sind die bedeutensten und best erhaltensten Saurierabdrücke und Fossilien der Welt entdeckt worden und ziehen heute Geologen aus aller Welt an. Manche Fossilien sind über 25 Millionen Jahre alt.

So abgelegen und schwer erreichbar der Nationalpark auch ist, heute zieht er mehr und mehr Besucher an. Wir unternehmen als erstes eine Wanderung auf dem „Island Stack“, einem 4 km langen Rundkurs, klettern dabei auf einen Hügel und haben von hier aus einen phantastischen Blick über den Park und den Lawn Hill Creek, auf dem auch bereits einige Kanus unterwegs sind. Unser Weg kreuzt den Indarri Falls Track, dem wir nun folgen und schließlich wechseln wir auf den „Up-per Gorge Track“, der parallel zum Fluß verläuft. Wir sind rund 3 Stunden unterwegs, die Trails sind gut ausgeschildert und führen z.T. durch enge Canyons, durch tropische, üppig wachsende Vegetation mit Palmen, Farnen und Kakteen und hinauf auf Felsplateaus mit phantastischen Ausblicken über die Sandsteinformationen und in die Schluchten. Nach gut 12-13 km kehren wir zum Ausgangspunkt zurück und möchten nun noch eine Kanutour unternehmen. Doch leider sind wir zu spät, der Kanuverleih schließt gerade für heute. Schade, hätten wir uns vorher informiert, hätten wir die Wanderung ja auch anschließend machen können. Wir versuchen den Ranger noch davon zu überzeugen, dass er noch eine Ausnahme macht und uns noch ein Boot gibt, aber leider ist er dazu nicht bereit.


 

Dafür gibt er uns einen ganz „heißen“ Tipp. Als er nämlich von uns erfährt, dass wir die nördliche Piste zum Savannah Way zurückfahren wollen, rät er uns davon ab, weil diese ziemlich schlecht sei. Dafür kennt er eine Alternativ-Piste, die kürzer ist und auch nur 2 Flußdurchquerungen enthält. Auf einen kleinen Papierschnitzel malt er uns eine grobe Skizze auf und wir sind letztendlich froh, ihn getroffen zu haben. So machen wir uns noch am Nachmittag wieder auf, unternehmen noch einen weiteren erfolglosen Angelversuch in Adels Grove und fahren dann schließlich weiter, Richtung Savannah Way.

Die ursprünglich von uns geplante Route und die vom Ranger empfoh-lene Abkürzung scheiden sich an der Lawn Hill Station, einer großen Rinder-(Cattle)farm, die wir schon nach kurzer Zeit erreichen. Hunderte von Rindern warten hinter den Zäunen auf ihre Verladung auf die Road-trains. Eine Staubwolke liegt über den engen Koppeln und durch das offene Fenster hören wir das Wehklagen der Rinder. Wissen die, was Ihnen ihnen bevorsteht ?

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Nach der Skizze des Rangers müssen wir vor der Farm rechts abbiegen, ein Tor durchqueren und uns stets ge-radeaus halten, für die 2 Flußdurchquerungen sei ein Schnorchel am Auto erforderlich, aber den haben wir ja. Hinter dem Tor begegnet uns dann auch prompt ein monströser Roadtrain, der für Nachschub für die Schlachthöfe sorgen soll.

Wir fahren weiter, durchqueren das riesige Farmgelände, öffnen ein weiteres Tor, um es gleich wieder hinter uns zu schließen, müssen immer wieder die auf der Piste umher laufenden oder uns dumm anglotzenden Rinder mit unserer Hupe vertreiben, scheuchen Kängurus auf oder weichen Tierkadavern aus. So geht es eine ganze Weile weiter, die Nachmittagssonne taucht das Savannengelände in warmes Licht, wir sind guter Dinge und absolut sicher, auf der richtigen Route zu sein.

Irgendwann taucht eine Baumreihe auf und die Fahrspur führt nach links. Da muß der erste „Floodway“ sein. Und richtig, die Piste führt durch eine Furt, rund 50 cm hoch steht das Wasser nur, für uns also kein Problem. Auf der anderen Seite führt der Weg aber wieder parallel zum Fluß zurück, ein weiteres Tor muß geöffnet und wieder geschlos-sen werden und plötzlich sehen wir einige Gebäude, Scheunen und Ställe. Zwei australische Stockman (Cowboys) sitzen auf ihren moder-nen Pferden, den sog. Quads, Motorbikes, und unterhalten sich. Auf unsere Frage nach dem Doomagdgee Roadhouse schütteln sie er-staunt den Kopf und weisen uns den Weg zurück. Wieder durch den Fluß, bis zur Hauptpiste, dann links und immer gerade aus. Na ist ja mal gut, das wir gefragt haben.

Gottseidank war dieser falsche Abstecher recht kurz und wir sind froh, wieder auf dem richtigen Weg zu sein. Es geht zügig weiter, die Sonne wandert gen Westen dem Horizont entgegen, die Fahrtrichtung stimmt. Dann stehen wir wieder vor einer Entscheidung. Unsere Piste beschreibt einen weiten Bogen nach links, die Spur scheint erst vor kurzem neu gewalzt worden zu sein. Direkt in der Kurve, hinter dem kleinen Erdwall, der von der Walzmaschine aufgeworfen wurde, verläuft aber auch eine weitere, wesentlich schmalere Piste direkt geradeaus. Hatten die Cowboys nicht von „straight“ gesprochen ? Aber kann das sein ? Da ist doch schon seit Tagen keiner mehr lang gefahren ! Wir entscheiden uns für die breitere Piste und sind sicher, richtig zu sein. Außerdem sitzen zahlreiche Kängurus rechts und links neben dieser Strecke und scheinen uns aufmuntern zu wollen - ja, hier gehts lang !

So fahren wir denn weiter, es müssen noch ca. 50 - 60 km sein bis zum Savannah Way, allerdings machen wir uns bereits Gedanken darüber, ob wir es noch vor der eintretenden Dunkelheit bis zum Roadhouse schaffen. Von Nachtfahrten wird einem ja generell abgeraten in Australien. Zu gefährlich, zu viele Kängurus und andere Tiere auf den Straßen.


 

Nachdem wir mehrmals neue Weidegebiete durchqueren und zahllose Rinder aufschrecken, phasenweise durch „Bulldust“- Strecken fahren, die uns während der Fahrt den Atem nehmen, gelegentlich alte, verrostete Autowracks neben der Fahrspur sehen, die sich die Natur wieder einverleibt hat, stelle ich plötzlich fest, dass links neben uns ein Zaun verläuft. Seit wann ist er da ? Dann muß doch mal langsam die Ausfahrt zum Savannah Way kommen. Die Piste macht plötzlich eine 90 Grad –Wende nach rechts, auf einem Schild steht lediglich „Bulltank 1“. Mindestens 20 km verläuft die Piste jetzt schnurgeradeaus, der Zaun bleibt links. Wieder eine 90 - Grad - Wende, diesmal nach links, wieder 15 km geradeaus, wieder ein Schild „Bulltank 2“, der Zaun bleibt links. So langsam mach ich mir Gedanken - irgendwas stimmt hier nicht.

Auch Jörg ist recht ruhig geworden, doch er ist Meinung, das es nicht mehr weit sein kann, bis wir die Ausfahrt finden. Also gut, bis zum nächsten Abzweig. Ein weiteres Tor erscheint vor uns, das muß der Ausgang sein, doch weit gefehlt, eine weitere Piste mündet hier von links kommend, eine dritte führt seitlich aus dem Busch. Jetzt haben wir 3 Pisten, die alle hier an diesem Tor enden bzw. in einer gemeinsa-men Piste weiter verlaufen, dann kann es wirklich nicht mehr weit sein.

Weitere ca. 8 km weiter, wir fahren mittlerweile mit eingeschaltetem Fernlicht, jetzt ist der Zaun rechts von uns - Bulltank 3 - , ist für mich die Entscheidung klar, wir sind falsch, wir müssen zurück, bevor wir uns noch mehr hier im australischen Busch verzetteln. Wir drehen und haben schon kurz drauf eine neue Gablung vor uns. Wo kommt denn der Weg auf einmal her, den haben wir doch eben gar nicht gesehen oder sind wir sogar von dort gekommen ? Die Sonne stand aber auch so tief, man konnte kaum noch was sehen. Wir halten an, rätseln ein wenig und kommen überein, dass die rechte Spur die richtige ist. 8 km weiter stoppe ich. Es hätte doch längst das letzte Tor kommen müssen. Also sind wir doch wieder falsch.

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Drehen, 8 km zurück, da ist der Abzweig, nach 50 m halte ich wieder, steige aus, untersuche die Fahrbahn, .... Sch..... keine einzige Reifen-spur zu sehen, hier sind wir auf keinen Fall hergekommen. Also, wieder drehen, wieder die Piste zurück, 8 km und noch einen halben Kilometer weiter, da ist das Tor !

Erleichtert atmen wir durch, jetzt ist wieder alles klar. So schnell kann man hier die Orientierung verlieren. Da liest man immer wieder Meldungen über Touristen, die sich im Outback verirrt haben oder durch eine Autopanne in Schwierigkeiten geraten sind und selbst ist man durch eine mal ebenso hingeschriebene Skizze eines Einheimischen, auf die man sich leichtsinnigerweise verlassen hat, unvermittelt in eine Situation geraten, die ohne weiteres hätte anders ausgehen können. Offensichtlich haben wir den Randbereich des Farmgeländes erreicht und den Grenzzaun abgefahren. Der Farmer würde sich sicher freuen aber gleichzeitig auch wundern, wenn wir ihm morgen berichten, dass der Zaun zwischen Bulltank 1 - 3 noch in Ordnung ist.

Es ist inzwischen stockfinster. Wir entscheiden uns jedoch, noch ein Stück weiter zurückzufahren, trotz der Dunkelheit. Vorsichtig, aber hochkonzen-triert fahre ich die Piste zurück, immer wieder tauchen plötzlich Rinder auf. Schließlich erreichen wir die Gabelung, wo wir uns durch die frisch gewalzte Piste haben täuschen lassen und beschließen, hier am Pistenrand stehen zu bleiben und zu übernachten. Was soll dabei schon passieren, wir haben den ganzen Nachmittag kein einziges anderes Auto gesehen und nachts ist mit noch weniger Verkehr zu rechnen.


 

So fahren wir unseren Camper rechts neben die Piste, machen uns ein paar Sandwiches, spülen mit kühlem Toohey News nach und atmen durch. Das ist ja noch mal gut gegangen. Morgen früh nehmen wir die ursprünglich geplante Alternativ-Route, auch wenn sie länger ist. Jetzt ist es sowieso egal. Dieser hoffentlich gut gemeinte Tipp des Rangers hat uns zwar zusätzliche 250 km eingebracht, aber auch gleichzeitig ein Erlebnis, das uns jetzt erst so richtig bewusst wird.

Als der Hunger und erste Durst gestillt ist, schauen wir nach oben. Ein Sternenhimmel, wie wir ihn noch nie gesehen haben, frei von allen künstlichen Streulichtern, jungfräulich und zum Greifen nah, von einem Horizont zum anderen - die Milchstraße, Sternbilder, die man nur aus Büchern kennt, Sternschnuppen - was wünsch ich mir noch ?, das Kreuz des Südens, der Große Wagen, allerdings auf dem Kopf! Achja, wir sind auf der anderen Seite der Welt und damit haben wir auch, was den Himmel betrifft eine andere Perspektive - vorbeiziehende Satelliten - wir können uns nicht satt sehen.

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Wir sind begeistert - Jörg schaut mich an und meint nur noch dazu „Geil, meine erste Nacht in einer richtigen Wildnis“ - Meine Antwort:... „meine auch“ ... überrascht ihn, da ich ja bereits zum x-ten Mal in Australien bin. Aber wir sind uns einig, trotz dieser ungeplanten Aktion, wird uns diese Nacht unvergessen bleiben.

Zum Sonnenaufgang sind wir dann früh wieder auf den Beinen. Wir stärken uns und fahren das letzte Stück bis zur Cattle-Station zurück und als wäre nichts gewesen, folgen wir den jetzt in Abständen von 20 km auftauchenden handgemalten Schildern „Doomadgee“ bzw. K.F.C., womit aber nicht etwa Kentucky Fried Chicken gemeint ist, sonder das sog. Kingfisher Camp, das ebenfalls in dieser Richtung liegt.

Wir müssen allerdings feststellen, dass der Ranger mit seiner Fest-stellung, dies sei eine schlechte Piste, absolut Recht hatte, denn über lange Strecken erweist sich die Route als Tortur für Mensch und Material. Wir sind froh, dass wir uns keinen Platten einhandeln. Die z.T. sehr steinigen Streckenabschnitte schütteln und rütteln den Wagen derart, dass jedes Gespräch im Keim erstickt. Aber es folgen auch wieder leichtere Teilstücke. Schließlich wird die Piste wieder besser, wir erreichen eine Gabelung, links geht´s zum Kingfisher Camp, rechts nach Doomadgee. Und nach weiteren 45 km erreichen wir endlich wieder den Savannah Way. Ein paar Kilometer weiter queren wir nochmals eine asphaltierte Flußdurchfahrt und plötzlich tauchen auch prompt die ersten Autos seit fast 2 Tagen wieder auf.

Das Domagdee Roadhouse besteht aus 2 Zapfsäulen und einem daneben stehenden Container, in dem die Kassiererin, eine Aboriginal am Laptop sitzt und offenbar übers Internet für die Schule büffelt. Wir fahren in den Ort, eine Aboriginal Community. Der Ort selbst sieht wenig einladend aus. Überall stehen alte Autowracks rum, die Häuser bzw. z.T. einfachen Hütten sehen wenig gepflegt aus, dazwischen sehen wir eine Verladestation für Lkw´s. Sand– und Kieshügel, wahr-scheinlich für den Straßenbau warten auf ihren Abtransport. Dann folgt aber plötzlich ein gepflegter Footballplatz, wir kommen an einer Schule vorbei, wo offenbar ein Schulsportfest stattfindet, Aboriginal-Kinder wetteifern beim Seilziehen. Wir halten an einer Bäckerei. Zahlreiche Aboriginals, Kinder und auch Erwachsene, stehen an für Brot, Kuchen-teilchen, Süßigkeiten und Getränke. Wir stärken uns hier mit ein paar Donuts und einer Tasse Kaffee und sehen dem Treiben interessiert zu . Die beiden weißen Australier hinter der Theke kennen die Aborigi-nals alle beim Namen. Diese sind, im Gegensatz zu den meisten Ureinwohnern, die ich bisher in den größeren Städten meist alkoholisiert gesehen habe, recht ordentlich gekleidet, haben ihren Spaß untereinander und scheinen ein ganz normales geordnetes Leben zu führen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Ureinwohner vor gar nicht allzu langer Zeit, noch als Nomaden durch das Bushland des Outbacks zogen und nur von dem lebten, was die Natur ihnen gab, scheint hier der Prozeß der Integration in die westliche Zivilisation erfolgreich von statten zu gehen.


 

Am benachbarten Supermarkt lenken ein paar Kinder meine Aufmerk-samkeit auf sie. Sie sitzen im Auto nebenan, feixen und lachen und haben ihren Spaß. Einer trägt eine Batman-Maske, ein anderer ein Spiderman-Shirt, auch in ihrem Kulturkreis haben die Comic-Helden des Westens bereits Einzug gehalten und verdrängen allmählich die Traumzeitsymbole ihrer jahrtausendealten Kultur.

Nachdem wir unsere Vorräte mit allem Nötigen aufgefüllt haben, folgen wir wieder der Hauptroute des Savannah Ways. Die nächsten beiden Roadhäuser sollen geschlossen sein, deshalb steht uns jetzt eine ungewöhnlich lange Etappe bevor ohne Tankstelle. Aber mit unseren beiden Tanks mit insgesamt 160 l haben wir ausreichend Reserven.

Wieder zieht sich die rote Piste Kilometer um Kilometer gen Westen, die gelegentlich entgegenkommenden Fahrzeuge kündigen sich schon von weitem durch dichte Staubfahnen an. Doch hier ist die Piste jetzt so breit, dass man deshalb nicht unbedingt anhalten muß.

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Hells Gate - Himmelstor - so kündigt sich das nächste Roadhouse an, allerdings ist das Tor geschlossen, im Himmel herrscht Ruhe. Der Roadhouse-Betrieb wurde vor kurzem eingestellt, Benzin gibt es nur noch für Notfälle, keine Unterkunft und keine Mahlzeiten mehr steht handschriftlich auf einem Schild geschrieben, nur den Campingplatz kann man noch nutzen. Die ehemaligen Betreiber scheinen aber hier noch zu wohnen. Vielleicht hat das Roadhouse in der Vergangenheit so viel Geld abgeworfen, dass sich die Besitzer „zur Ruhe gesetzt“ haben oder aber sie hatten keine Lust mehr auf das „hektische“ Treiben einer Tankstelle mit bis zu 15 Autos am Tag - es ist eh schwierig, nachzuvollziehen, was Menschen dazu treibt, sich in dieser Einöde niederzulassen.

Aber dafür staune ich nicht schlecht, dass es hier einen eigenen Ab-fertigungsterminal für nationale und internationale Flüge gibt, die Lan-debahn, eine fast zugewachsene Graspiste, die mal wieder gemäht werden müsste, liegt gleich neben dem Savannah Way. Vom einem Terminal selbst ist allerdings nichts zu sehen, lediglich eine Telefonzelle steht als Aufenthaltsraum zur Verfügung

Wir sehen uns hier noch ein wenig um, als die nächste Überraschung naht. Langsam nähert sich eine kleine Karawane, die wir kurz vorher bereits staunender weise überholt haben. Eine Frau allein auf einem Pferd, mit 2 Kamelen und einem Hund streben dem Roadhouse entge-gen. Das Pferd trägt Hufschuhe, die Kamele sind schwer bepackt mit Kanistern, einem Swag, dem typisch australischen Schlafsack, und der restlichen Ausrüstung und der Hund läuft freudestrahlend nebenher. Es sieht ganz so aus, als wäre diese Reisegesellschaft schon etwas länger unterwegs und richtig, als ich sie neugierig begrüße und befrage, stellt sich heraus, dass sie bereits im Januar in Rockhampton an der Ostküste Queenslands aufgebrochen sind und auf ihrem Weg quer durch den Kontinent nun ca. 1/3 ihrer Reise hinter sich gebracht haben. In der Langsamkeit des Reisens liegt offenbar die Kunst. Wir haben gerade mal 11 Tage Zeit, um von Cairns bis Darwin eine Strecke von rund 3.000 km bequem im Auto zu fahren, sie wird mehr als die doppelte Strecke Schritt für Schritt zurücklegen und dabei möglicherweise bis zu 18 Monate Zeit benötigen. Entweder Sie hat eine gescheiterte Beziehung hinter sich oder hatte noch soviel Rest-urlaub, wer weiß !. 50 km weiter haben wir die Grenze Queenslands erreicht und wechseln in den Bundesstaat Northern Territory.

371 km sind es von hier noch bis Cape Crawfort, unserem heutigen Tagesziel. Die Piste ist überwiegend gut zu befahren, nur gelegentlich muß man sich vor abrupt auftauchenden Spurrillen vorsehen. Die we-nigen Flußdurchqueren stellen sich alle als unproblematisch heraus und so kommen wir gut voran. An das Pistenfahren haben wir uns mittlerweile so gut gewöhnt, dass wir in Borroloola fast überrascht reagieren, als plötzlich wieder Asphalt vor uns auftaucht und wir das Gefühl bekommen, über die Straße zu schweben.


 

Es ist schon später Nachmittag und die Sonne ist bereits hinter dem Horizont verschwunden, als wir uns Cape Crawfort nähern. Eigentlich wollten wir einen Abstecher zu einem sehenswerten Felslabyrinth in der Nähe machen, The Lost City, doch in der Dunkelheit macht das natürlich keinen Sinn mehr. Die schönste Tageszeit dafür, den Son-nenuntergang, haben wir gerade verpasst und hier am wenig einla-denden Roadhouse zu übernachten, gefällt uns auch nicht so. Also verwerfen wir unseren Reiseplan, die von Cape Crawfort nach Norden führende letzte Pisten-Etappe des Savannah Way am nächsten Tag bis Roper Bar zu fahren und entscheiden uns spontan dafür, heute noch weiter nach Westen über die Asphaltroute bis Daly Waters am Stuart Hwy zu kommen. Das bedeutet zwar, jetzt noch rund 270 km in der Dunkelheit zu fahren, aber dafür erwartet uns am Ende dann auch einer der urigsten und berühmtesten Pubs Australiens, der Daly Waters Pub.

Hoch konzentriert, aber auch schon etwas müde von der bis hierhin schon recht langen Strecke, nehmen wir das letzte Sück in Angriff. Gerade jetzt ist allerdings die Gefahr, dass sich Rinder oder Kängurus auf der Straße aufhalten, am größten und so muß ich eins ums ande-re Mal hart in die Bremsen gehen, um einem Zusammenprall zu entgehen. Dazu kommen jetzt auch häufiger Fahrzeuge entgegen, meist sogar Roadtrains, die in der Dunkelheit noch gefährlicher sind als am Tag. Erst spät kann man erkennen, dass sich hinter den sich annähernden Scheinwerfern wieder so ein Monstertruck verbirgt, der weder die Geschwindigkeit reduziert noch auch nur einen Millimeter von der Mitte der Fahrbahn abweicht. So wird es für uns überlebens-wichtig, am Straßenrand anzuhalten sobald Lichter auftauchen und abzuwarten, bis der „Donnerhall“ vorbei ist.

Trotz aller Vorsicht passiert es dann doch noch zweimal, dass mir unvermittelt ein kleineres Känguru oder Wallabie vor die Räder springt und mir keine Ausweichmöglichkeit mehr gibt. Ich kann in dem Mo-ment nur froh sein, dass es kein rotes Riesenkänguru war. In diesem Moment fragen wir uns auch, ob wir eigentlich mehr tote oder leben-dige Kängurus gesehen haben auf unserer bisherigen Reise.

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Kurz nach 22:00 Uhr haben wir dann unser Ziel erreicht, die Kreuzung zum Stuart Hwy oder auch Explorer´s Way genannt. Nur noch wenige Kilometer und wir kommen in den Ort Daly Waters, was heißt hier Ort ? Eigentlich besteht Daly Waters nur aus einem Pub, einer Tankstelle, einem Campingplatz und 2 bis 4 anderen Gebäuden, hat offiziell nur 12 Ein-wohner, steht aber in jeder Australienkarte und zum Stolz aller Einwohner sogar in den meisten Weltkarten verzeichnet.

Der Pub selbst ist eine echte Sehenswürdigkeit. Die Wände sind voll mit Visitenkarten, Fotos, abgelaufenen Ausweisen, Sprüchen und zahllosen Hinterlassenschaften von Besuchern aus aller Welt. Unter der Decke hängen Dutzende von BH´s, Slips und sonstige zweifelhafte Wäschestücke, der Laden steht voll mit den urigsten Utensilien, Stubbyholder aus ganz Australien, Nummernschilder, Geldscheine .... Man braucht wohl Tage, um das alles zu sichten.

Seit 1930 existiert dieser Pub und gilt mittlerweile als Kult-Adresse in down under. Der Wirt und seine Crew geben sich auch ganz offensichtlich Mühe, diesen Kult-Status zu erhalten. Auch die meisten Gäste sind sehenswert. Hier trifft man die originellsten Typen aus aller Welt. Es reicht normalerweise, sich irgendwo in die Ecke zu hocken und das Pub-Leben auf sich wirken zu lassen. Aber was ist ein Pub schon ohne Bier.

Natürlich gönnen wir uns einige davon an diesem Abend, vor allem, nach so einer langen Tagesetappe. Aber es hat sich gelohnt. Wir genießen den Abend und diese Atmosphäre nach den Tagen der Einsamkeit im Outback und schaffen es deshalb auch nicht, vor 10.00 Uhr am nächsten Morgen weiterzufahren.

So langsam neigt sich unsere Tour dem Ende zu, Darwin ist nicht mehr allzu weit. Wir fahren jetzt über den gut ausgebauten Stuart Hwy. Der Autoverkehr hat hier deutlich zugenommen. Die Fahrt ist monoton, es stellt sich schon fast so etwas wie eine Abschiedsstimmung ein. Doch das Highlight der gesamten Tour steht uns noch bevor, eine Fahrt ins Arnhemland.


 

Ein kurzer Abstecher vorher zu den heißen Quellen von Mataranka lohnt nicht wirklich. Ein gewaltiges Hochwasser im letzten Jahr hat das Quellgebiet und den ursprünglich schönen Palmenwald ziemlich verwüstet und überall sind die Reste der Schlammflut zu sehen. Die meisten Palmen haben sehr darunter gelitten.

Wir kommen durch Katherine und lassen den Nitmiluk N.P. (Katherine Gorge) rechts liegen, fahren bis Pine Creek und biegen ab auf den Kakadu Hwy, den wir nun bis Ubirr folgen. Von weitem sehen wir schon früh dichte Rauchschwaden über großen Teilen des Parks liegen, überall schwelen Buschbrände, teilweise züngeln die Flammen direkt am Straßenrand. Wir machen einen kurzen Stop bei Yellow Waters. Von hier aus kann man die Yellow Waters Cruise unterneh-men, eine recht schöne Bootstour durch die Wetlands des Kakadu Parks. Der Parkplatz steht voller Autos, Reisebusse warten auf die zurückkehrenden Ausflügler, plötzlich befinden wir uns im Touristen-stau, man kommt kaum weiter auf den Holzstegen, die zu den Booten führen. Diese Tour macht man am besten am frühen Morgen zum Son-nenaufgang, dann ist es noch nicht ganz so voll. Wir fahren deshalb die letzten rund 100 km weiter bis zum Ubirr Campground, an dem wir am späten Nachmittag ankommen.

Wir befinden uns jetzt im äußersten Nordosten des Parks unmittelbar vor der Grenze zum Arnhemland, dem größten zusammenhängenden Aboriginal - Schutzgebiet. Wer hier rein möchte, benötigt ein spezielles Permit, welches ich aber bekommen soll. Während der ATE (Australian Tourism Exchange) in Brisbane, die ich vor Start der Tour besucht habe, habe ich eine Einladung bekommen, das Camp von „Davidson´s Arnhemland Safaris“ zu besuchen, das sich am Mount Borradaile, rund 60 km von hier befindet.

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Wir verbringen noch eine Nacht auf dem schönen Campground, kochen uns die obligatorischen Spaghettis und starten am frühen Morgen zu unserem letzten Abenteuer. Im Ubirr Border Store rufe ich wie vereinbart, im Camp an. Doch da kommt zunächst die Ernüchterung. Max und Philippa Davidson, die Inhaber des Camps sind nicht da und Nick, der Verwalter weiß nicht Bescheid. Außerdem ist heute Sonntag, und sonntags könne man kein Permit ausstellen, teilt er mir telefonisch mit, doch schließlich meint er, wir sollen trotzdem kommen, dann würde das Permit eben nachträglich ausgestellt. Eine Wegbeschreibung hatte ich bereits vorher erhalten mit dem Hinweis, wenn wir von Ubirr aus kommend nicht innerhalb 3 Stunden ankämen, würde man uns einen Suchtrupp entgegenschicken.

So durchqueren wir schließlich den East Alligator River und befinden uns nun –ohne offizielles Papier in der Hand– im Arnhemland. Wir schalten wieder um auf Allrad-Betrieb und folgen ca. 14 km der roten Oenpelli-Road Richtung Norden, bis links eine schmale Piste in den Busch abzweigt.

D.A.S. ist alles, was auf einem kleinen Schild am Baum steht, ein weiteres weist noch mal daraufhin, dass es bei einer Strafe von bis zu 1.000 Dollar untersagt ist, das Arnhemland ohne Permit zu betreten. Etwas mulmig ist uns schon, als wir in diese Piste einbiegen, aber eigentlich kann das D.A.S ja nur Davidsons Arnhemland Safaris heißen.

Jetzt wird es noch mal richtig spannend. Die Piste erweist sich als sehr anspruchsvoll. Tiefe Spurrillen, sandige Abschnitte, Schlammlöcher, Felsbrocken, dem Fahrzeug wird noch mal alles abverlangt. An einigen Stellen neigt sich die Spur gefährlich zur Seite. Ein sog. „Roll-Over“ (Umkippen) wäre fatal, auch einen Platten können wir nicht unbedingt gebrauchen. Langsam und vorsichtig kämpfen wir uns weiter und zählen die Kilometer. Spitze Steine ragen hervor, schwarze, verkohlte Flächen zeugen vom letzten Brand. Was machen wir eigentlich, wenn wir hier mitten in einen Bushbrand kommen ? Es ist ja kaum Platz zum Wenden. Manchmal steht das trockene Gras meterhoch neben der Spur. Dann folgen wieder Abschnitte mit dichtem Buschwerk und Bäumen. Wir rechnen eigentlich jederzeit damit, daß nur in Lederschurz bekleidete Ureinwohner mit Speeren uns den Weg verstellen, doch geht da nicht die Phantasie mit uns durch ?


 

Plötzlich öffnet sich der Busch, eine Landebahn für Buschflieger kommt in Sicht. Die Spur führt um die Bahn herum und auf der anderen Seite wieder in den Wald, einige Benzinfäser stehen herum, Nachschub für die Flieger ?

Dann sehen wir Zelte zwischen den Bäumen auftauchen, einige Uralt-Jeeps stehen herum, irgendwo läuft ein Generator, willkommen im Wilderness Camp. Rund 2 Stunden haben wir für die 60 km be-nötigt. Zwischen Eukalyptus-Bäumen stehen ca. 15 Safari-Zelte im afrikanischen Stil verteilt. Die Abstände sind so groß, das jeder Gast genügend Privatspäre behält. Ein Großzelt dient als Küche, Restaurant und allgemeiner Treffpunkt. Das Camp strahlt auf Anhieb eine Ruhe aus, die überwältigt, mal abgesehen von dem entfernt brummenden Generator.

Ein junger Mann begrüßt uns, offenbar der Koch und holt Nick, den Verwalter dazu. Dieser mäht gerade nebenan den Rasen und ist mehr als überrascht, daß wir schon hier sind. Wir hätten doch gerade eben erst telefoniert. Das Zeitgefühl scheint an diesem Platz anders zu funktionieren, aber das stellen wir später dann auch selbst noch fest.

Wir werden willkommen geheißen, bekommen Tee serviert und dürfen uns gern umschauen, in einer halben Stunde gibt´s etwas zu essen und anschließend will Nick mit uns eine private Tour unternehmen. Wir bekommen ein Zelt zugewiesen, selbstverständlich brauchen wir nicht in unserem Camper zu übernachten. 2 junge Frauen sind gerade da-bei, die Zelte zu reinigen, wie sich herausstellt, 2 holländische Backpacker, die mit einem Work and Travel-Visum für ein Jahr im Land unterwegs sind und hier für 14 Tage das Leben im Busch kennenler-nen, zwar ohne Bezahlung dafür aber Kost, Logis und eine fantastische, unbezahlbare Natur gratis.

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Die Zelte sind sehr komfortabel, jeweils 2 bequeme Einzelbetten stehen drin, ein kleines Nachttischchen, es gibt elektrisches Licht und auch 2 große Ventilatoren stehen bereit, frische Luft zu spenden, natürlich wird alles über den Generator versorgt. Im Hauptzelt ist Platz für rund 20 - 25 Personen, zahlreiche Bücher und Bildbände liegen bereit, um über die Natur und vor allem die Hinterlassenschaften der Aboriginals in dieser Region zu informieren. Auf einem Tisch liegen verschiedene Speere, Steinwerkzeuge und –äxte sowie Klanghölzer der Ureinwohner bereit, 2 Krokodilschädel erinnern daran, dass man auch hier immer auf der Hut sein muss und über ein paar Fotoalben können wir uns einen ersten Eindruck davon machen, was es alles zu sehen gibt.

Es ist Mittagszeit und einige andere Gäste kommen von ihren Safaris zurück. Jeder begrüßt uns freundlich und stellt sich vor, man ist unter sich in einem kleinen privaten Kreis und berichtet begeistert von den Ausflügen. Dann zaubert der Koch einen herrlichen Salatteller herbei und gut gestärkt machen wir uns mit Nick auf den Weg.

Der uralte Toyota Landcruiser macht zwar nicht den Eindruck, als würde er noch mal anspringen, aber wir täuschen uns. Das Armaturen-brett ist zwar von allem überflüssigen Schnickschnack befreit und überhall hängen Kabel herum, der Motor startet aber nach langem Vorglühen problemlos und wir holpern in den Busch. Es geht über ausgewaschene Felsplatten, durch kleine Flussläufe, vorbei an kro-kodilfreien Badepools, über Stock und Stein und schließlich halten wir irgendwo mitten im Busch. Von nun an geht es zu Fuß weiter.

Nick erklärt uns die Gegend und ihre Geschichte. Dieses Gebiet gilt als eines der ältesten Stammesgebiete der Aboriginals und beinhaltet die meisten, die best- erhaltendsten und ältesten Felsmalereien nicht nur innerhalb Australiens sondern sogar auf der ganzen Welt. Die Höhlen, die es hier gibt, wurden bereits vor 50.000 Jahren von Aborigi-nals bewohnt und Tausende von Felsmalereien dokumentieren die verschiedenen zeitlichen Epochen. Das Geschichte der Aboriginals selbst wird sogar auf 120 - 150.000 Jahre geschätzt und gilt damit als die Kultur, die am längsten überlebt hat.

Wir wandern auf eine Felsformation zu und kommen durch schmale Durchlässe, in denen dichtes Buschwerk wuchert. Wir entdecken erste Zeichnungen in den Felsen, Abbildungen von Kängurus und Schildkröund klettern weiter hinauf. Unter einem ca. 1 1/2 m hohen, weit ausladenden Überhang schimmert es in pastellfarbenen Ocker-tönen aus Rot, Gelb und Weiß. Wir müssen uns schon etwas ducken, um die ganze Dimension der Zeichnung zu erkennen, die sich über unseren Köpfen befindet. Eine filigran gemalte Nachbildung eines Krokodils, das das riesige Maul aufreißt und dabei die spitzen Zähne zeigt. Es ist beeindruckend, in welcher Klarheit und Detailtreue die Ureinwohner solche Bildnisse bereits vor Tausenden von Jahren in die Felsen verewigt und damit bewiesen haben, das –bevor sich in Europa überhaupt eine Kultur entwickeln konnte– hier an dieser Stelle bereits eine Kunst und Kultur gelebt wurde, die ihre Motive direkt aus der


 

Natur und Umwelt kreativ umgesetzt hat.

An vielen anderen Stellen sehen wir Abbildungen von Händen, von Fischen, von Jagdszenen, in denen Männerfiguren auf der Jagd mit Bumerang und Speer sind, aber auch erotische Bilder von Frauen mit weiß gepunkteten Brüsten und detailgenauen Geschlechtsorganen. Bis zu 15.000 Jahre alt sollen diese Zeichnungen nachweislich sein, wobei sich dies natürlich nicht auf das Jahr genau feststellen lässt, aber doch wohl exakt auf das betreffende Jahrtausend.

Teilweise überlagern sich die Zeichnungen auch, Schicht für Schicht ziert Rock Art die Höhlen und Kliffs. Da die Ureinwohner gemäß ihrer Lebensweise meist nur für den aktuellen Tag lebten und nicht an das gestern und morgen dachten, wurden auch die Kunstwerke der vorher-igen Generation einfach übermalt. Jüngere Zeichnungen von Segel-schiffen und Büffeljägern zu Pferde und mit Gewehren stammen aus der so genannten Contact Period, jeder Zeit der ersten Begegnungen mit Europäern.

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Nick ist dabei ein hervorragender Guide und führt uns auch zu einigen Höhlen, die bis vor 60 Jahren noch von Abroriginals bewohnt wurden und heute als heilige Plätze gelten. Teilweise sind sie in ihrem Urzu-stand belassen worden und neben den Überresten der alten Lager-stätten sind sogar noch einige Menschenknochen , Teile von Skeletten und etliche Schädel zu sehen. Die Verstorbenen wurden in einer Zeremonie nicht wie bei uns in der Erde bestattet, sondern die sterblichen Überreste wurden in die Bäume gebettet und die Knochen, die dann irgendwann als Überreste runter fielen, wurden von den Angehörigen eingesammelt und wieder an bzw. in die ursprüngliche Wohnstätte des Verstorbenen gebracht. So blieb der Geist des Toten immer in der Nähe der Familie.

Wir kehren beeindruckt zum Camp zurück, wo mittlerweile weitere Gäste von ihren Ausflügen eingetroffen sind. Schnell hat man sich bekannt gemacht und sitzt in lockerer Runde bei einem Aperetif zusammen. Am späten Nachmittag steht dann aber noch eine weitere Tour an, eine Sunset-Cruise. Mit den recht betagten Jeeps geht´s noch mal ein Stück im Zick-Zack-Kurs durch den Buschwald bis die Piste endet. Nach kurzem Fußweg erreichen wir einen Nebenarm des Copper Creek River und besteigen 2 Boote. Gary, ein Geologe und Jim, ein durchtrainierter Riesenkerl in typischer Outback-Kluft sind unsere Guides auf dieser Tour.

Die Außenbordmotoren heulen auf und langsam und vorsichtig steuern sie die Boote durch den hier noch sehr eng verlaufenen Fluß, rechts und links ragen die verknorpelten Äste dicht stehender Papierrinden-bäume weit ausladend über unseren Köpfen und bilden ein natürliches Dach. Der Wasserstand wird immer niedriger, es scheint, als bewegen wir uns nur wenige Zentimeter über dem Grund und richtig, kurzzeitig bleiben wir mit dem Kiel im Flusssand stecken, der Außenborder läuft auf Hochtouren und mit letzter Kraft schaffen wir die natürliche Barriere. So geht es wohl ca. 2 km weiter, der Flusslauf windet sich durch das Dickicht, zahlreiche Vögel, Reiher und Enten fliegen auf und schließlich öffnet sich vor uns die Landschaft. Auf einer schlammigen Sandbank liegt –wie für´s Foto-shooting bestellt– ein 4 m langes Salz-wasserkrokodil und döst vor sich hin. Auf der anderen Seite fliegen Dutzende von Wildenten auf, einige Kormorane sitzen auf Astgabeln und warten auf vorbeischwimmende Beute. Weit draußen in den überschwemmten Wetlands recken neugierige Gänse den Hals über das grüne Gras und in der Baumkrone eines abgestorbenen knochigen, im Wasser stehenden Baumes nistet ein Weißkopf-Seeadler, während sich unter ihm der gleiche Baum von Seerosen und Lilien umrankt im Fluß widerspiegelt. Wir sind im Paradies !

Der Seitenarm mündet im Hauptfluss des Cooper Creek, der wiederum auf seinem Weg in den nördlichen Van Diemen Golf die weitläufigen Feuchtgebiete des Arnhemlands durchfließt, dabei das Gebiet die meiste Zeit unter Wasser setzt und damit Abertausenden von Wasservögeln aber auch Reptilien reichlich Nahrung und gleichzeitig Heimat bietet.

Langsam neigt sich die Sonne dem Horizont zu, in der Ferne wird der Mount Borradaile in ein warmes Licht getaucht, dieser ist zwar nur rund 100 m hoch, doch durch seine exponierte Lage mitten in den Wetlands erscheint dieses Felsplateau wie eine uneinnehmbare Festung, eine Tatsache, die wohl auch dazu beigetragen hat, daß die Aboriginals diesen Platz als Kultstätte auserwählt haben.


 

Wir sehen noch zahlreiche weitere Krokodile am Ufer liegen, beobachten den imposant stolzierenden Jabiru, den Schwarzstorch, der gleichzeitig Wappenzeichen des Kakadu Parks ist, sehen riesige Fischreiher mit blau schimmernden Federkleidern, Kraniche und Raubvögel. Während wir zum Sonnenuntergang mit einem Glas Sekt auf dieses Naturschauspiel anstoßen, steigt nur rund 200 m entfernt eine Kolonie von mehr als 10.000 Wildenten unter vielstimmigem Geschrei auf. Eine phantastische Atmosphäre.

Noch ganz eingenommen von diesen Eindrücken geht die Fahrt zurück, in der einbrechenden Dunkelheit, die sehr schnell kommt, steuern die Guides die Boote wieder durch den „verwunschenen“ Papierrindenwald bis zum Anleger. Kurz darauf erreichen wir wieder das Camp und genießen es, die Erlebnisse mit den anderen Gästen auszutauschen.

Wenig später wird auch schon das Abendessen serviert und bei immer besser werdender Stimmung die eine oder andere Flasche Wein geköpft. Irgendwann verstummt dann auch der Generator und die Lichter gehen aus im Davidson Arnhemland Safari Camp. Als ich mitten in der Nacht dann kurz mal raus muß, empfängt mich eine unglaubliche Stille unter einem unglaublichen Sternenhimmel. Auf dem Weg zum Örtchen fällt mir die Geschichte von Nick ein, der erzählte, daß ein paar Tage vorher ein Taipan, eine der giftigsten und gefährlich-sten Schlangen Australiens, im Küchenzelt aufgetaucht ist. Möglichst laut auftretend eile ich zum WC und hoffe, dabei nicht auf eine Schlange zu treten. Der Weg zurück stellt mich vor die nächste Herausforderung. In der stockfinsteren Nacht erkennt man nichts. Wo sind die Zelte ? Aus welcher Richtung bin ich gekommen ? Vorsichtig suche ich, die Orientierung wieder zu bekommen, taste und stolpepere ich weiter, bis ich schließlich vor einem Zelt stehe. Bin ich richtig ? Irgendwas ist anders an diesem Zelt als an unserem. Also weiter. Was würde passieren, wenn ich ein falsches Zelt betrete und in ein be-setztes Bett falle ? Nach einigem Umherirren bin ich aber sicher, doch endlich mein eigenes Bett gefunden zu haben und sinke erleichtert wieder in den Schlaf.

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Am nächsten Morgen wollen wir mit Gary zu einer weiteren Tour aufbrechen, müssen aber erst noch auf ein paar neue Gäste warten, die per Kleinflugzeug erwartet werden. Während ich noch in einem Bildband blättere, höre ich bereits das Brummen des im Anflug befindlichen Fliegers. 2 Jeeps fahren los, um die Neuankömmlinge abzuholen, und wenig später fahren sie vor, die Tür zum Hauptzelt öffnet sich und völlig überrascht schaut mich ein bekanntes Gesicht an. Karen Rees, aus Tasmanien, die ich vor 12 Tagen noch in Brisbane getroffen habe, ist genauso erstaunt, wie ich. Ein Lottogewinn hätte nicht unwahrscheinlicher sein können, als hier in der absoluten Wildnis, einen von 21 Millionen Australier wieder zutreffen, die dazu noch eine ausgewanderte Deutsche ist und in Tasmanien als Tour-Operator tätig ist.

Wir unternehmen an diesem Vormittag noch einen weiteren Ausflug mit Gary, der als Geologe natürlich ein breites Wissen über die Entstehung und Geschichte dieser Region vermitteln kann. Wir sehen weitere faszinierende Felszeichnungen und Höhlen, sind noch mal mit Booten in der Naturlandschaft der Wetlands unterwegs und machen uns dann nach Rückkehr ins Camp und einem stärkenden Mahl daran, unsere letzte Etappe in Angriff zu nehmen, den Weg nach Darwin.

Der Abschied fällt uns schwer, wir bedanken uns für die Einladung und den Einblick in ein Paradies, das zu erleben, nicht allen Menschen vergönnt ist. Auch wenn der Weg hierher beschwerlich war, er hat sich gelohnt.

Die Buschpiste hat uns wieder, noch einmal gilt es, den Allrad auf die Probe zu stellen. Zwischendurch setzen wir unseren Stoff-Dornenteufel ins rechte Licht, haben wir ihn doch live leider nicht erlebt. Doch als hätten wir ihn damit provoziert, läuft plötzlich ein echtes Exemplar dieser kuriosen Echsenart über den Weg und veranlasst mich zum plötzlichen Bremsen, da ein Foto eines echten Tieres doch etwas aussagekräftiger ist.


 

Beim Aussteigen jedoch lässt mich ein unverkennbares Zischen zusammenzucken. Der Blick nach unten bestätigt meinen Verdacht, der rechte Hinterreifen hat sich soeben verabschiedet und sinkt in sich zusammen, 14 km vor dem „rettenden“ Asphalt. Mit vereinten Kräften gehen wir an die Arbeit, Wagenheber und Werkzeug raus, Ersatzrad abgeschraubt und den Wagen aufbocken. Doch so einfach scheint das nicht zu sein. Wir stehen in einer Tiefsandspur und   müssen deshalb erst schaufeln, um festen Untergrund zu finden, damit wir den Wagen-heber ansetzen können. Dies erweist sich dann doch noch mal als schweißtreibende Angelegenheit. Vorsichtshalber packen wir noch ein paar am Rand liegende Baumstämme unter das Auto, um ein Abrutschen auf die Achse zu vermeiden, falls der Wagenheber ausbricht. Doch schließlich haben wir es geschafft, das Ersatzrad sitzt und die Fahrt kann weitergehen. Jetzt dürfen wir uns aber keinen zweiten Plattfuß erlauben.

Wir erreichen unbeschadet den East Alligator River und verlassen das Arnhemland. Noch 250 km bis Darwin, die Tour nähert sich dem Ende.

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Wir verbringen die letzte Nacht auf dem Mary River Campground und unternehmen am nächsten Morgen am Adelaide River noch eine Jumping Crocodile Cruise. Mit an langen Stöcken befestigten Fleischstücken werden die Krokodile angelockt, die z.T. mit ihrer ganzen Körperlänge aus dem Wasser springen, um sich diesen Happen zu sichern. Zwar ein sehenswertes Spektakel, aber die Krokodile sind offenbar schon sehr an die Menschen gewöhnt.

Mittags erreichen wir schließlich unser Ziel, Darwin, geben nach 3.600 km Fahrt den Wagen zurück und werfen vom Flugzeug aus einen letzten Blick hinunter auf das Arnhemland, ein Land, von dem ich unbedingt mehr sehen möchte.