Begleitet vom Lärm vieler Papageien wandern wir unter Eukalyptusbäumen über die Insel. Auch krüppelige Sträucher wachsen hier. Es sind Banksien, deren große, zylindrische, silbrig-haarige Blütenstände um diese Zeit schon fast verblüht sind. Banksien kommen nur in Australien vor und dieser hier, einer Old Man Banksia, sagt man eine dynamisierende Wirkung nach. Wir glauben das ungeprüft und gehen weiter.
 
Auf Raymond Island müssen wir uns wieder gegen zudringliche Mücken wehren, aber schon bald werden unsere Mühen belohnt. In einem entfernten Baum mache ich eine Verdickung, eine Unförmigkeit in der Astgabel aus. Mit zusammengekniffenen Augen und einem kleinen Fernglas suchen wir Gewissheit und spätestens als die Kugel sich langsam bewegt, ist klar: Wir haben unseren ersten Koala gesehen. Okay, viel erkennen wir nicht, aber wir freuen uns trotzdem riesig. Hochmotiviert schleichen wir jetzt weiter unseren Weg entlang, den Blick gebannt nach oben gerichtet. Und schon entdecken wir ein dickes, plüschiges Männchen, das in nächster Nähe ein Verdauungsschläfchen auf einem Ast hält. Damit haben wir den Koala bei seiner Lieblingsbeschäftigung ertappt, denn die knuffigen Gesellen verbringen sagenhafte 18 Stunden des Tages schlafend. Auch deshalb, weil das giftige Öl der Eukalyptusblätter, die sie täglich in rauen Mengen vertilgen, die Tierchen so müde macht.
 
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Martin und ich stehen jetzt direkt unter dem Pelzknäuel. Wenn der dicke Koala sich im Schlaf nicht so gut festkrallen würde, könnte er uns direkt in die Arme fallen. Den Gefallen tut er uns aber nicht. Mit seiner dicken, breiten Ledernase, den wuscheligen Ohren und dem dichten Fell sieht er aber auch zu niedlich aus. Wohl geweckt von dem leise raschelnden Laub unter ihm, wacht unser Koala jetzt auf. In Zeitlupe hebt er sein breites Teddygesicht an und richtet seine kleinen Knopfaugen auf uns, wobei er sichtlich Mühe hat, sie offen zu halten. Dann sinkt sein Kopf erschöpft zurück auf den Ast und er schläft wieder ein. Wahrscheinlich hält er uns für einen merkwürdigen Traum. Schlaf weiter, Dicker! Wir schleichen leise davon.
 
Noch viele weitere Koalas hält Raymond Island für uns bereit. Martin und ich haben den Trick raus, wie man sie schnell entdeckt. Wir suchen die Äste einfach nach großen Kugeln ab, denn die Koalas haben wirklich sehr dicke Hinterteile und manchmal wundert es uns, dass die Äste sich unter ihrem Gewicht nicht biegen. Besonders freuen wir uns über mehrere Weibchen, die mit ihren Jungen in den Bäumen hocken. Die Weibchen wirken alle viel munterer als die Männchen, die wir sehen. Vielleicht sind sie wegen ihres Nachwuchses wachsamer und behalten uns deshalb ein wenig im Auge, wenn wir unter ihnen stehen bleiben.